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Fachmethodik (Fischer) 2020

Fachmethodik - Gesang (Fischer) 2020


1 Einführung
• Singen…
 bestimmte Tonhöhe und Tondauer werden in emotionalen musikalischen
Zusammenhang gestellt
 definierbare Tonhöhe, Rhythmus
 Singen kann Semantik in musikalischen Kontext bringen
• Wenn Worte verstanden werden vom Empfänger ist Wirkung größer -->
Kommunikationsinformation höher
• Seelisches und emotionales Befinden kann zum Ausdruck gebracht werden
• ist älter als jede andere musikalische Äußerungsform
• Gesang transportiert seelisches & emotionales besser (als reine Instrumentalmusik)
• Stimme individuell im Klang obwohl gleiche anatomische Voraussetzungen --> jede
Stimme anders --> Problem, die eigene Stimme annehmen
• Stimme als Instrument mit Körper verwachsen
• jede(r) kann singen, Gesangstöne hervorbringen!
• Singen heißt auch Muskeltraining & individuelle Übungen für die individuellen
körperlichen Voraussetzungen

1.1 Schwierigkeiten beim Singen für AnfängerInnen


• keine langen Töne möglich
• nicht laut
• evtl. auch kraftvolle Tiefe schwierig (→ man braucht Geduld, es stagniert häufig mal,
dann wieder zurückgehen, anderen Weg versuchen)
• zu wenig mit Rumpfmuskulatur zu arbeiten und zu singen und die Stimme klingt
dünn
• die äußeren Bewegungen (z.B. Bauch) sind sekundär und sollten nicht forciert
werden!
• Vibrato mit AnfängerInnen nicht thematisieren

1.2 Probleme beim Singen


• psychisch/emotional
• zu müde (evtl. Alkohol)
• zu viel Stress
• zu wenig Gehör trainiert
• bei kranken Stimmen → Phoniater/Stimmtherapeut
• man kriegt keine hohen Töne hin? → man nimmt meist zu viel Luft

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Fachmethodik (Fischer) 2020

1.3 Die 3 Säulen des Singens:


 Atmung (Motor):
- Reguliert die Lautstärke
- Tondauer
 Vorhandensein der Stimmbänder
- Kehlkopf stellt Tonhöhe ein und für Teil der spez. Klangfarbe
verantwortlich
 Resonanzräume:
- Mundraum, Nasenraum, Rachenraum
- Grundton wird verstärkt und individuell verändert
- Obertöne werden der Grundfrequenz hinzugefügt

2 Anatomie/Physiologie
2.1 Aufbau des Kehlkopfes

• Schildknorpel (Tyrioid) bei Mann 45°, bei Frauen und Kindern 120° --> schützt die
Stimmlippen
• Nach oben Schildknorpelhörner lang
• Nach unten Schildknorpelhörner kurz
• Ringknorpel --> Ringknorpelplatte nach hinten ausgerichtet
 Basisknorpel - auf dem sich Gelenk mit kurzen Schildknorpelhörnern
 Auf Ringknorpel Gelenke mit Stellknorpeln (Aeri-Knorpel) --> 3D Bewegung
• Glottis ist Zwischenraum zwischen Stimmbändern
• Kippmechanismus zwischen Ringknorpel und Schildknorpel
 Spannung der Stimmbänder dadurch geändert --> Wechsel zwischen Voll- und
Randstimme
• Schildknorpel über lange Schildknorpelhörner --> mit dem Zungenbein verbunden
über Gelenk

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Fachmethodik (Fischer) 2020

2.2 Äußere Kehlkopfmuskeln


• werden diejenigen Muskeln bezeichnet, die am Kehlkopf ansetzen, jedoch ihre
Ursprungsstelle außerhalb des Kehlkopfes haben
• Sind für die Bewegung und damit die Position des Kehlkopfmuskels zuständig
• Vorderen Heber und Senker, rückwärtigen Heber und Senker

2.3 Innere Kehlkopfmuskeln


• Alle Muskeln, die die Glottis (Zwischenraum zwischen Stimmlippen) verändern
• Spanner, Öffner und Schließer
• Lateralis, Transversus, Oblikus sind Schließmuskel
• Musculus Vocalis ist der Muskel in den Stimmlippen

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2.4 Das Innere des Kehlkopfes

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2.5 Atemmuskulatur
2.5.1 Inspiratorische und exspiratorische Atemmuskeln
• Zwerchfell (Diaphragma)
• äußere Zwischenrippenmuskeln
• der Teil der inneren Zwischenrippenmuskeln, der zwischen den Rippenknorpeln
verläuft

2.5.2 Atemhilfsmuskulatur/ Stützmuskulatur


2.5.2.1 Bauchmuskeln
• "Musculus rectus abdominus" --> verbindet untere Rippen mit dem Schambein
(Six-Pack Muskel)
• Hinter Musculus rectus abdominus zwei diagonale Bauchmuskelgruppen
 Äußere Musculus obliquus externus abdominis --> verbindet Rippen mit
den Hüftbeinen
 Innere Musculus obliquus internus abdominis --> verläuft von den Rippen
zum Schambein
• Dahinter der quer verlaufende "Musculus transversus abdominis"

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2.5.2.2 Rückenmuskeln
• Rückenmuskel "Musculus latisimus dorsi"  beginnt unter den Armen an beiden
Seiten und ist mit Sehengewebe verbunden, das wiederum am Hüftknochen und
Rückgrat befestigt ist  hilft dabei die hinteren Rippen geweitet zu halten

2.5.2.3 Lendenmuskeln
• „Musculus quadratus lumborum“  verbindet Becken mit untersten Rippen
• Verhindern, dass die Rippen sich heben und ermöglichen, dass Zwerchfell effizienter
arbeiten kann.
• Wenn Muskeln angespannt  kippt das Becken nach vorn, sodass sich Rücken zum
Hohlkreuz wölbt
• Wenn Bauchmuskeln gleichzeitig angespannt  Kampf zwischen Muskelgruppen 
Quadratus lumborum versucht Becken nach vorn zu kippen (Hohlkreuz),
Bauchmuskeln Becken unter dem Körper nach vorn ziehen  dadurch Rücken gerade
 das ist Hauptbestandteil der inneren Stütze

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3 Persönlichkeit und Stimme


Fähigkeiten Fertigkeiten
→ zu denen wir in der Lage sind → die wir wirklich besitzen

3.1 Temperamente (nach Hippokrates)


SANGUINIKER/IN

• FührerInnennatur • Sehr energisch


• extrovertierte Natur • arbeitseifrig
• lebhaft • spricht schnell, bewegt sich schnell
• Stimmung gut an Gesicht ablesbar • kann sich schnell in Neues einfinden
• wird nicht so schnell umgehauen, • geht schnell über etwas hinweg
geringe Sensibilität • kann mit Negativkritik schlecht
• leicht zur Disziplin zu erziehen umgehen
• Reaktivität höher als Aktivität

CHOLERIKER/IN

• Starke Persönlichkeit • Große Beständigkeit


• extrovertiert • wenig sensitiv, empathisch
• ungeduldig, aufbrausend • gute Reaktion, gute Aktivität
• zielstrebig, gibt nicht auf • Schwierigkeiten, sich auf neues
• hartnäckig bei Schwierigkeiten einzulassen
• nicht besonders kompromissbereit • erfüllen ihre Pflichten

PHLEGMATIKER/IN

• Introvertiert • Aktivität überwiegt Reaktivität


• arme Mimik • kontaktarm
• langsames Sprechen • ausdruckslosere Bewegungen, geringe
• schwerfällige, langsame Sensitivität
Reaktion/Reaktivität • höchste Selbstbeherrschung (von allen
• viel Geduld Temperamenten)
• müssen Dinge von sich aus wollen

MELANCHOLIKER/IN
• Introvertiert • drücken sich in Mimik und Gestik eher
• hohe Sensitivität schwach aus
• geringe Reaktivität • leicht ablenkbar
• wirken schüchtern • nicht so pflichtbewusst

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Fachmethodik (Fischer) 2020

! Es gibt eigentlich nur Mischtypen aus 2 oder 3 Temperamenten !

• Wir arbeiten mit unterschiedlichen Charakteren und müssen immer mit einbeziehen:
 Erkenntnis (Empfindung/Wahrnehmung/ Denken)
 Gefühle (Stimmungen/Affekte)
 Wille (sich bewusst oder unbewusst auf ein Ziel einstellen)
• Gleichzeitig haben wir selbst auch alle 3 genannten Aspekte in uns unterschiedlich
stark ausgeprägt  Unser Temperament ist angeboren, der Charakter anerzogen

Erkennbar sind Temperament/Charakter am Gang, der Mimik, Sprache, Dynamik


(Lautstärke, Geschwindigkeit des Denkens), an Gestik = an allen psychomotorischen
'Aspekten'

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