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DGZfP-Jahrestagung 2017

EddyCation für Android


Gerhard MOOK 1, Yury SIMONIN 1
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Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg
Kontakt E-Mail: mook@ovgu.de

Kurzfassung. Der Erfolg des Gedankens, das Soundsystem eines Computers für
Wirbelstromaufgaben zu nutzen, war uns Anlass, EddyCation von der PC-Welt auf
die Smartphone-Welt zu erweitern. Als erstes wird nun das Android-Smartphone
zum Wirbelstromprüfgerät. Im Unterschied zur Windows-Version wird keine
externe Box benötigt, sondern der Sensor direkt an die Klinkenbuchse für das
Headset angeschlossen. Je besser das Soundsystem des Smartphones, desto besser
sind die Wirbelstromsignale.
Das EddyCationSmart getaufte Kit enthält in der Basisversion einen
Wirbelstrom-Absolutsensor mit sichtbaren Wicklungen und Testkörper aus diversen
Metallen und Legierungen sowie Testkörper mit Schlitzen und Wandreduktionen.
Die zugehörige App wird auf einem USB-Stick geliefert. Für Betreiber des
Windows-Kits besteht die Möglichkeit, ihre EddyCation-Sensoren über ein
Spezialkabel an das Smartphone anzuschließen.
Die Software beherrscht die Gestensteuerung für Abgleich, Verstärkung und
Phase, kennt die bewährte Lift-Off-Automatik und kann Hoch- und Tiefpassfilter
nutzen. Die Signale können im XY- und Yt-Mode dargestellt werden. Darüber
hinaus gibt es einen interaktiven Signalrecorder.

Einführung

Der Grundgedanke von EddyCation besteht in der Nutzung des Soundsystems moderner
Computer [1, 2, 3, 4, 5, 6] für Wirbelstromanwendungen. Mittlerweile bringen neben Note-
books auch moderne Smartphones alles mit, was für ein Wirbelstromprüfgerät erforderlich
ist. Ihr Soundsystem ist mittlerweile so leistungsfähig, dass keine externen Komponenten
mehr benötigt werden. Bis hinauf zu Prüffrequenzen von 20 kHz kann wie mit
handelsüblichen Stand-Alone-Geräten gearbeitet werden. Der Preis für ein solches System
ist natürlich viel geringer, da das Smartphone zumeist vorhanden ist oder als industrielles
Massenprodukt preisgünstig bezogen werden kann. Die Bedienbarkeit entspricht der aus
diversen Apps bekannten Gestensteuerung, die nach kurzer Eingewöhnung in Fleisch und
Blut übergeht.

1. Hardware

1.1 Smartphone

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird ein Android-Smartphone benötigt. Soundsystem und


Prozessorleistung bestimmen das Prüfergebnis. Ein Gerät der neuesten Generation ist

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Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de/
jedoch nicht Pflicht. Sehr gute Ergebnisse wurden auf Geräten der Samsung Galaxy- bzw.
Note-Serie erzielt.
Der Wirbelstromsensor besitzt eine eigene Elektronik, die das Smartphone an ein
Headset glauben lässt. Dazu muss natürlich die Pinbelegung auf dem 4poligen
Klinkenstecker stimmen. Darauf ist bei der Auswahl des Smartphones zu achten.
Die Qualität der Klinkenbuchse spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da sich
schwankende Übergangswiderstände im Messsignal bemerkbar machen. Die Kontakte des
Sensor-Steckers sind vergoldet.

1.2 Bezugskörper

Für ein vernünftiges Üben werden geeignete Bezugskörper benötigt. Diese wurden auf
Grundlage jahrzehntelanger Ausbildungserfahrung zusammengestellt. Abbildung 1 zeigt
links ein vollständiges Kit.

Abb. 1. Links: EddyCationSmart-Kit, bestehend aus einem Smartphone (hier Galaxy Note 4),
dem Bezugskörper-Set und einem Absolutsensor.
Rechts: Wirbelstromsignale der Ronden und des Grundkörpers.

1.2.1 Ronden aus diversen Metallen und Legierungen

Die Ronden und der Aluminiumgrundkörper bilden ein großes Leitfähigkeits- und
Permeabilitätsspektrum ab. Setzt man den Sensor nacheinander auf die einzelnen Ronden
auf, entstehen Abhebelinien unterschiedlicher Länge (Amplitude) und Winkellage (Phase).
Abbildung 1 rechts zeigt diese Situation. Anhand dieser Signale kann der Werkstoff
identifiziert werden. Der Übende lernt, welchen Einfluss die Sensorneigung und zu
geringer Randabstand ausüben.

1.2.2 Oberflächenrisse

Schmale Schlitze simulieren Oberflächenrisse. Um die Bandbreite von Risssignalen


studieren zu können, wurden zwei Schlitzkörper gewählt, wobei einer aus einem gut
leitfähigen Aluminium und der andere aus einem schlecht leitfähigen und leicht
ferromagnetischem austenitischen Stahl besteht.
Für beide Werkstoffe gilt es, optimale Prüfparameter zur Risserkennung zu finden,
wie sie beispielhaft in Abbildung 2 gezeigt werden. Die Bezugskörper können

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herausgenommen und umgedreht werden, so dass auch an verdeckten Schlitzen geübt
werden kann.

Abb. 2. Oberflächenrissprüfung: Links: Unterschiedlich tiefe Schlitze in Aluminium simulieren


Oberflächenrisse in gut leitfähigem Werkstoff.
Rechts: Schlitze in austenitischem Stahl stellen Risse in schlecht leitfähigem und
leicht ferromagnetischem Werkstoff nach.

1.2.3 Wandreduktionen

Wandreduktionen treten in der Praxis durch Korrosion oder Erosion an der Innenseite eines
Bauteils auf und müssen aber häufig von der Außenseite her aufgespürt werden. Dazu
benötigt man niedrige Wirbelstromfrequenzen mit hohen Eindringtiefen. Der dazu
beiliegende Bezugskörper enthält Ausfräsungen an der Rückseite, die diese Situation
nachbilden. Der Übende lernt, die richtige Prüffrequenz anhand der Prüftiefe und der
erreichten Phasenaufspreizung einzustellen und erkennt das Prinzip der Bewertung der
verbleibenden Restwandstärke. Abbildung 3 zeigt diese Situation.

Abb. 3. Wandreduktionen in Aluminium: Links: Bei einer Prüffrequenz von 4 kHz sind alle
Wandreduktionen gut nachweisbar. Die Phasenaufspreizung ist mäßig.
Rechts: Bei 12 kHz ist die Phasenaufspreizung deutlich größer, jedoch kann wegen der
geringeren Prüftiefe die Reduktion auf 2 mm nicht mehr nachgewiesen werden.

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2. Funktionen

2.1 Prüffrequenz

Der Prüffrequenzbereich erstreckt sich von 1 bis 20 kHz. Der mitgelieferte Sensor ist auf
diesen Frequenzbereich abgestimmt. Andere niederfrequente Sensoren transformatorischer
Bauart lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen mit einem Adapterkabel anschließen
(z. B. die niederfrequenten Sensoren aus dem EddyCation-Kit für Windows). Der
Sendestrom kann über die Lautstärkeregelung eingestellt werden, Übersteuerungen werden
angezeigt.

2.2 Abgleich und Nullpunktverschiebung

Abbildung 4 links zeigt, wie der Abgleich durch Tippen auf den Nullpunkt ausgelöst wird.
Der Nullpunkt selbst kann je nach den erwarteten Signalrichtungen so verschoben werden,
dass ein möglichst großer Bildschirmbereich nutzbar ist. Während in Abbildung 1 rechts
der Nullpunkt mittig platziert ist, wurde er in Abbildung 3 nach unten verschoben, da sich
die Signale im Wesentlichen nach oben erstrecken.

Abb. 4. Links: Abgleich und Nullpunktverschiebung werden durch Tippen auf den Bildschirm ausgelöst.
Rechts: Verstärkung und Phase lassen sich durch Wischgesten auf dem Bildschirm einstellen. Die
automatische Lift-Off-Einstellung nach links waagerecht wird durch ein langes Tippen auf die
Schaltfläche Phase aktiviert. Beim Abheben des Sensors wird die Phase korrekt eingestellt.

2.3 Verstärkung und Phase

Durch die in Abbildung 4 rechts dargestellten Wischgesten können Verstärkung und Phase
eingestellt werden. Die erreichten Werte werden sowohl auf den Schaltflächen zur
Aktivierung der Funktion als auch in der Messebene angezeigt. Die automatische
Phaseneinstellung für Lift-Off-Signale wird durch langes Tippen auf die Phasen-
Schaltfläche aktiviert und funktioniert wie bei EddyCation gewohnt. Beim Abheben des
Sensor überschreitet der Messpunkt eine Kreislinie und wird in diesem Moment nach links
waagerecht gedreht.

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2.4 Hoch- und Tiefpass

Die in der Ausbildung nicht immer leicht vermittelbaren Funktionen des Hoch- und
Tiefpassfilters können intensiv geübt werden. Die Wirkungen der Filter lassen sich fein
graduiert einstellen. Beide Filterarten sind zu einem Bandpass kombinierbar.

2.5 Default-Einstellung

Anfängern passiert es häufig, dass die gewählten Einstellungen zum Verschwinden des
Messpunktes aus dem Bildschirmbereich führen. Um hier Rettung anzubieten, wurde eine
Default-Schaltfläche vorgesehen, die die Grundeinstellungen zurückholt und den Punkt
wieder beherrschbar macht.

2.6 XY- und Yt-Mode

Die Software ermöglicht beide Darstellungsmodi. Gerade wenn es um das Erlernen von
Filtereinstellungen geht, ist der Yt-Mode hilfreich. Er bereitet die Lernenden auch auf die
Arbeit mit automatischen Prüfanlagen vor.

2.7 Recorder

Der Recorder bietet die Möglichkeit, die Signale über eine bestimmte Zeit aufzuzeichnen
und im Nachhinein zu verändern. So können nachträglich die Verstärkung, die Phase oder
die Lage des Nullpunktes eingestellt werden (Abbildung 5) Die gefundenen Werte werden
in die Live-Signale übernommen.

Abb. 5. Recorderfunktion zum Speichern von Signalen. Der Count-Down zeigt die verbleibende
Speicherkapazität. Die Signale können nachträglich verstärkt, gedreht oder verschoben werden,
um eine optimale Auswertung zu ermöglichen.

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3. Zusammenfassung

Mit EddyCation für Android steht ein leistungsfähiges und preiswertes Ausbildungs- und
Demonstrationssystem zur Verfügung. Außer dem häufig bereits vorhandenen Android-
Smartphone werden lediglich der Sensor, ein Bezugskörpersatz und die App benötigt. Auf
der Basis dieses Prinzips sind Weiterentwicklungen hin zu Spezialanwendungen denkbar.

Referenzen

[1] Mook, G.: Die Wirbelstromprüfung “spielend” erlernen! ZfP-Zeitung 103 (2007) 2, S. 35-38
[2] Mook, G.; Andres, S.; Goldammer, A.; Haase, T.; Hintzenstern, V.v.; Simonin, J.: Innovative Tools
zur ET-Ausbildung, ZfP in Forschung, Entwicklung und Anwendung, DGZfP-Jahrestagung, Fürth,
14.-16.5.2007, Berichte CD, P26, ISBN 978-3-931381-98-1
[3] Mook, G.; Simonin, J.: Eddy current tools for education and innovation, 10th European Conference
on Non-Destructive Testing, Moskau, 7.-11. Juni 2010, paper 1.2.9
[4] Mook, G.; Simonin, J.: Neue Geräteentwicklungen zur ET-Ausbildung. ZfP in Forschung,
Entwicklung und Anwendung, DGZfP-Jahrestagung, 30.5.-1.6.2011, Bremen, Berichtsband 127-CD,
P35, ISBN 978-3-940283-33-7
[5] Mook, G, Simonin, J.: Dynamische Wirbelstromprüfung mit EddyCation, DGZfP Jahrestagung, 26.-
28.5.2014 Potsdam, P39, ISBN 978-3-940283-61-0
[6] Mook, G.; Simonin, J.: Interactive education in eddy currents. 19th World Conference on Non-
Destructive Testing, 13.-17. Juni 2016, München, DGZfP-Proceedings BB 158, IP1, ISBN 978-3-
940283-78-8