Sie sind auf Seite 1von 208

Grundlagen

Einführung
Inhalt und Ziele des Buchführungskurses

Warum muss ein Unternehmen überhaupt Bücher führen?

Grundsätzlich müssen Unternehmen Bücher führen, weil sie nach handelsrechtlichen und/oder steuerrechtlichen
Vorschriften dazu verpflichtet sind. Wir möchten aber vor dem eigentlichen Kursbeginn auch nochmal darauf
hinweisen, dass natürlich auch die Unternehmen selbst ein starkes Interesse daran haben, einen jederzeitigen
Überblick über ihre finanzielle Situation zu haben.

Die Buchführung dient damit also auch unternehmerischen Notwendigkeiten. Wenn zum Beispiel Geld einfach aus
der Kasse genommen werden würde, ohne dies und ohne gleichzeitig auch (als Beispiel) den dafür erworbenen
Gegenstand irgendwo zu vermerken, würde man Jahre brauchen, um im Nachhinein den Verbleib des
Geldes nachvollziehen oder auch den richtigen Jahresüberschuss feststellen zu können. Man merkt dies ja an
seinen eigenen, privaten Finanzen: Wenn man am Ende des Monats zusammenzählt, wie viel man ausgegeben hat,
kann man ohne Aufzeichnungen nicht mehr nachvollziehen, wo das Geld abgeblieben ist.

Doppelte Buchführung und historischer Hintergrund

Alle Unternehmen, die gesetzlich verpflichtet sind, Bücher zu führen, verwenden die doppelte Buchführung. Diese
gibt es schon seit dem 15. Jahrhundert und wird bis in die heutigen Tage nach den gleichen Prinzipien
vorgenommen. Die doppelte Buchführung leitet sich von der Bilanz ab, die bei jedem verbuchten Geschäftsvorfall
immer ausgeglichen sein muss. Daher wird immer von einem Konto auf ein anderes Konto gegen gebucht und es
sind immer mindestens zwei Konten betroffen. Das nennt man dann "Soll an Haben" Buchung für Geschäftsvorfälle,
die die Bilanzsumme erhöhen und "Haben an Soll" Buchung, wenn die Bilanzsumme verringert werden soll. Hierzu
lernt ihr einiges im Online-Kurs. Insbesondere das Üben von Buchungssätzen (knjizenje) ist essentiell, um die
Buchführung richtig zu verstehen.

Handelsrechtliche Buchführungspflicht

Die Handelsrechtliche Buchführungspflicht ergibt sich aus § 238 Abs. 1 HGB.

MERKE

§ 238 Abs. 1 HGB

(1) Jeder Kaufmann ist verpflichtet, Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines

1
Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen. Die Buchführung muß so
beschaffen sein, daß sie einem sachverständigen Dritten innerhalb angemessener Zeit einen Überblick über die
Geschäftsvorfälle und über die Lage des Unternehmens vermitteln kann. Die Geschäftsvorfälle (Business
transactions) müssen sich in ihrer Entstehung und Abwicklung verfolgen lassen.

Buchführungspflicht nach Handelsrecht

Nach § 238 Abs. 1 HGB ist jeder Kaufmann (pravno lice) verpflichtet Bücher zu führen. Damit stellt sich die Frage
nach der Kaufmannseigenschaft (merchands status). Mit Hilfe der Kaufmannseigenschaft erfolgt die Abgrenzung
zwischen Kaufleuten und Privatleuten. Das HGB Handelsgesetzbuch ergänzt oder ersetzt damit die
allgemeingültigen Rechtsnormen des BGB (Buergerlicher Gesetzbuch) .

Buchführungspflicht nach HGB

Daher muss nun zunächst die Frage geklärt werden, wer ein Kaufmann ist. Das beantwortet § 1 HGB:

MERKE

§ 1 HGB

(1) Kaufmann im Sinne dieses Gesetzbuchs ist, wer ein Handelsgewerbe betreibt. (Gewerbe – Business)
(2) Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, daß das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in
kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.

Ist-Kaufmann und Kann-Kaufmann

Wenn ein Unternehmen betrieben wird, das nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten
Geschäftsbetrieb erfordert, so stellt dieser Gewerbebetrieb aufgrund der ausgeübten
Tätigkeit ein Handelsgewerbe dar. Der Betreiber des Handelsgewerbes ist damit Kaufmann (aufgrund der Tätigkeit
des Gewerbebetriebs so genannter Ist-Kaufmann).

Auch für einen Gewerbebetrieb, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht
erfordert, kann sich eine Buchführungspflicht ergeben. Denn nach § 2 HGB gilt ein gewerbliches Unternehmen,
dessen Gewerbebetrieb nicht schon nach § 1 Abs. 2 HGB Handelsgewerbe ist, als Handelsgewerbe, wenn die Firma
des Unternehmens in das Handelsregister eingetragen ist (aufgrund der konstitutiv wirkenden Eintragung so
genannter Kann-Kaufmann).

Form-Kaufmann

2
Kaufmann ist auch stets jede Personenhandelsgesellschaft (OHG) und Kapitalgesellschaft (GmbH, AG), weil sie kraft
Gesetzes ein Handelsgewerbe betreiben (aufgrund der Rechtsform des Gewerbebetriebs so genannter Form-
Kaufmann).

Prinzipiell muss also jedes Unternehmen und jeder Unternehmer Bücher führen, außer er betreibt kein
Handelsgewerbe oder der Umfang des Handelsgewerbes ist so gering, dass es einen in kaufmännischer Weise
eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert. Wann ein solch geringer Umfang besteht, ist im HGB nicht
geregelt. Die Abgabenordnung (poreske zakon) führt dies für steuerrechtliche Zwecke jedoch aus. Aber dazu
näheres im nächsten Abschnitt!

Zum Gewerbebegriff

Der Begriff des Gewerbes wird vom HGB nicht definiert. Es gibt im deutschen Recht keine einheitliche Definition.
Kennzeichen für ein handelsrechtliches Gewerbe:

 selbständige Tätigkeit,
 entgeltliche Tätigkeit (Absicht der Gewinnerzielung, keine private Liebhaberei),
 auf eine Vielzahl von Geschäften gerichtet (planmäßig und auf Dauer ausgerichtet),
 nach außen in Erscheinung tretende Tätigkeit,
 auf wirtschaftlichem Gebiet (kein freier Beruf) tätig.

Kein Handelsgewerbe sind Kleingewerbe, Betriebe der Land- und Forstwirtschaft sowie die Tätigkeit freier Berufe.

Erleichterungen bei Buchführungspflicht für Einzelkaufleute (EÜR)

Kommen wir nun noch zu einer Ausnahme, die nur für Einzelkaufleute gilt:


Mit dem BilMoG wurde mit Wirkung ab 31.12.2007 in § 241a HGB der "nicht buchführungspflichtige Kaufmann"
geschaffen.

MERKE

§241a HGB
Befreiung von der Pflicht zur Buchführung und Erstellung eines Inventars

"Einzelkaufleute, die an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als
EUR 600.000 Umsatz und EUR 60.000 Jahresüberschuss aufweisen, brauchen die § 238 - 241 nicht anzuwenden.
(...)"

Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) wurde eine Erleichterung bei der handelsrechtlichen


Buchführungspflicht für nach dem 31.12.2007 beginnende Geschäftsjahre in Kraft gesetzt, um für "kleine"
Einzelkaufleute den Verwaltungsaufwand zu minimieren.

Einzelkaufleute sind von der Verpflichtung, Bücher zu führen und Bilanzen zu erstellen befreit, wenn sie an zwei

3
aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen nicht mehr als

 600.000 € Umsatzerlöse und


 60.000 € Jahresüberschuss
erwirtschaften. Die Regelungen gelten nicht für Personengesellschaften (also GbR u.a.).

Was bedeutet das? Ein Einzelkaufmann bzw. eine Einzelkauffrau kann ihren Jahresüberschuss durch Einnahmen-


Überschussrechnung (EÜR) ermitteln und muss keine Bilanz erstellen, wenn er/sie die Voraussetzungen des § 241a
HGB erfüllt. Eine Buchführung nach § 238 HGB, § 239 HGB, § 240 HGB und § 241 HGB ist nicht erforderlich!

Formular zur Erstellung der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR)

Sobald der Einzelkaufmann einen der beiden Schwellenwerte (EUR 600.000 Umsatz bzw. EUR 60.000


Jahresüberschuss) an zwei aufeinander folgenden Abschlussstichtagen überschreitet, wird er im folgenden
Geschäftsjahr buchführungspflichtig.

Diese Regelung wurde geschaffen, um für "kleine" Einzelkaufleute den Verwaltungsaufwand zu minimieren.
Buchführungspflicht

Steuerrechtliche Buchführungspflicht

Die steuerliche Buchführungspflicht ergibt sich aus den § 140 AO und § 141 AO . Wer nach anderen Gesetzen zur
Buchführung verpflichtet ist, die für die Besteuerung von Bedeutung sind, muss auch gem. § 140 AO nach dem
Steuerrecht Bücher führen.

HINWEIS

Der Staat hat ein ureigenes Interesse daran, dass die Unternehmen über jeden Cent Rechenschaft ablegen, denn
die Höhe zu zahlender Steuern bemisst sich oftmals nach dem Jahresüberschuss. Außerdem ermöglicht
die lückenlose Dokumentation der Geschäftsvorfälle dem Staat natürlich auch aus steuerlicher Sicht diese Vorfälle
zu untersuchen und so eine gesetzmäßige Besteuerung sicherzustellen.

Derivative Buchführungspflicht nach § 140 AO

Ab wann ein Betrieb aus steuerrechtlicher Sicht buchführungspflichtig ist, bestimmt sich nach § 140 AO.

MERKE

§ 140 AO
Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten nach anderen Gesetzen

4
Wer nach anderen Gesetzen als den Steuergesetzen Bücher und Aufzeichnungen zu führen hat, die für die
Besteuerung von Bedeutung sind, hat die Verpflichtungen, die ihm nach den anderen Gesetzen obliegen, auch für
die Besteuerung zu erfüllen.

Wer also nach § 238 HGB der Buchführungspflicht unterliegt, muss diese auch für steuerliche Zwecke erfüllen.
Der Jahresgewinn, der der Steuer unterliegt, muss also mittels einer Bilanz errechnet werden. Da das Steuerrecht
hier nur auf andere Gesetze verweist, spricht man auch von der "derivativen (=abgeleiteten)
Buchführungspflicht".

Originäre Buchführungspflicht nach § 141 AO

Fällt man jedoch nicht unter § 238 HGB, wie beispielsweise ein Student, der in seiner Freizeit nebenberuflich einen
kleinen Gewerbebetrieb führt, muss man schauen, ob man eine der in § 141 AO normierten Umsatz- oder
Gewinngrenzen überschreitet. Bei einem jährlichen Umsatz von mehr als 600.000 € oder einem jährlichen Gewinn
von mehr als 60.000 € müssen dann Bücher geführt und Abschlüsse gemacht werden. § 141 AO normiert also
eine "originäre Buchführungspflicht" für steuerliche Zwecke, falls nach dem HGB eine solche Verpflichtung nicht
besteht.
Gemäß Absatz 2 ist die Verpflichtung nach Absatz 1 vom Beginn des Wirtschaftsjahrs an zu erfüllen, das auf die
Bekanntgabe der Mitteilung folgt, durch die die Finanzbehörde auf den Beginn dieser Verpflichtung hingewiesen
hat. Die Verpflichtung endet mit dem Ablauf des Wirtschaftsjahres, das auf das Wirtschaftsjahr folgt, in dem die
Finanzbehörde feststellt, dass die Voraussetzungen nach Absatz 1 nicht mehr vorliegen.

Wechsel der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG

Besteht keine Buchführungspflicht (nije firma ali zaradjuje preko osnova) (aber eine Steuerpflicht), muss der
Gewinn gemäß § 4 Abs. 3 S. 1 EStG durch eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ermittelt werden.
Vereinfacht dargestellt kann eine solche EÜR ohne besonders großen Aufwand erstellt werden, indem von
den erwirtschafteten Einnahmen ganz einfach die Ausgaben abgezogen werden. Die Differenz ergibt dann
den Jahresüberschuss.

Inventur
Definition der Inventur nach § 240 I HGB

Die Vorschriften des § 240 Abs. 1 HGB schreiben vor, dass jeder Kaufmann die Verpflichtung hat zu Beginn und bei
Beendigung seines Geschäftsbetriebes sowie zum Ende jedes
Geschäftsjahres Vermögensgegenstände und Schulden seines Betriebes aufzuzeigen und sie zu bewerten.

5
Die Inventur ist definiert als die körperliche oder buchmäßige Bestandsaufnahme aller Vermögensgegenstände
und Schulden eines Unternehmens, die in der Bilanz dem Grunde nach angesetzt werden müssen bzw. angesetzt
werden können. Die Bestandsaufnahme findet ihren Niederschlag im Inventar.

Zählen und Bewerten von Vermögensgegenständen und Schulden

Wie jedoch ist eine solche transparente Bewertung möglich? Die körperlichen Vermögensgegenstände wie z.B.


Bücher, Computer, Büroeinrichtungsgegenstände usw. werden gezählt – um also ihre Anzahl zu ermitteln – und
außerdem bewertet bzw. gemessen , um ihnen einen Geldwert zurechnen zu können.

Bei immateriellen Vermögensgegenständen (d.h. Patente, Software, Websites etc.) in Unternehmen verläuft das


prinzipiell genauso: Sie sind zwar nicht zählbar, aber zumindest mittels Kontoauszügen und sonstigen Belegen in
ihrem Wert zu bemessen.

Mittels der Inventur wird es somit möglich, die materiellen und die immateriellen Vermögensgegenstände
vergleichbar zu machen (Wertbemessung), um so größtmögliche Transparenz zu erzielen.

MERKE

Es geht bei der Inventur also darum

 zu zählen (Wie viele Bücher, Computer, ... haben wir) und zu


 bewerten/bemessen (Was sind die Bücher, Computer, ... wert)

Zusammengefasst ergibt sich aus dem oben Beschriebenen die folgende Definition der Inventur :

MERKE

Die Tätigkeit des Zählens und Bewertens von Vermögens- und Schuldbeständen nennt man Inventur.

Grundsätze (principles) ordnungsmäßiger Buchführung (GoB)

Für die Buchführung gilt ein Regelungsrahmen, der nicht gesetzlich kodifiziert ist. Er greift zum Beispiel auch bei
der Inventur, die zuvor besprochen wurde. Damit bei der Inventur, bei der gezählt und bewertet
wird, nicht willkürlich (arbitrarly, randomly) vorgegangen wird, gibt es Maßnahmen der Standardisierung. Diese
Standardisierung wird über die sogenannten Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) vorgegeben.

6
Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) wurden über Jahrhunderte entwickelt und der Gesetzgeber
nimmt auf sie sowohl im Handelsgesetzbuch (HGB), als auch in der Abgabenordnung (German fiscal code) (AO)
mehrfach Bezug. Trotzdem werden die GoB nirgends explizit definiert

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung stellen damit einen sogenannten unbestimmten Rechtsbegriff dar.

MERKE

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung sind zwar gesetzlich erwähnt (§ 243 HGB), aber nicht gesetzlich
normiert!

Zunächst ein kleiner Exkurs zu den unbestimmten Rechtsbegriffen:

Was ist ein unbestimmter Rechtsbegriff?

MERKE

Der Gesetzgeber verwendet unbestimmte Rechtsbegriffe, um diese im Wege der Auslegung (interpretation) für


den Einzelfall präzisierbar zu machen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Gesetz nicht legaldefiniert  sind.
Durch die Verwendung unbestimmter Rechtsbegriffe, kann eine schnelle und flexible Anpassung an sich ändernde
Umweltbedingungen erreicht werden. Die Alltagspraxis und/oder die Rechtsprechung und Literatur füllen
unbestimmte Rechtsbegriffe aus.

Nach diesem kurzen Exkurs zurück zu den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung. Um das Gesamtsystem der
Grundsätze zu verstehen, empfiehlt sich eine Aufteilung in zwei Gruppen:

 Den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung


 Den Grundsätzen ordnungsmäßiger Bilanzierung

Wenden wir und zunächst den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung zu.

Übersicht über die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung

Prinzipiell gibt es drei Grundsätze, die sich inhaltlich z.T. überschneiden.

MERKE

1. Grundsatz der Richtigkeit und Willkürfreiheit


Wie oben schon angeklungen: Es soll bei der Inventur nicht dazu kommen, dass ein Unternehmer seine
Vermögensgegenstände nach eigenen Maßstäben bewertet. Demnach fordert der erste

7
Grundsatz Willkürfreiheit und Richtigkeit der Inventur.

2. Grundsatz der Vollständigkeit
Der zweite Grundsatz fordert die Vollständigkeit der Inventur – Es darf nicht so sein, dass ein Unternehmer 6 Autos
angibt, obwohl er nur 2 besitzt. Er darf also weder mehr noch weniger Vermögensgegenstände angeben, als er
tatsächlich besitzt.

3. Grundsatz der Klarheit, Übersichtlichkeit, Nachprüfbarkeit und Stetigkeit


Der dritte Grundsatz umfasst die beiden zuerst genannten teilweise: Die Inventur muss klar, übersichtlich und
nachprüfbar sein. Die Nachprüfbarkeit wird mittels Originalbelegen, Originalaufzeichnungen und sonstigen
Nachweisen ermöglicht. Hinzu kommt, dass ein einmal angefangenes Inventursystem konsequent verfolgt werden
muss (Grundsatz der Stetigkeit ), bzw. eine Änderung des Systems aufgezeigt werden muss.

Für weitere Informationen (Realisationsprinzip und Imparitätsprinzip) und ein besseres Verständnis der GoB
empfehlen wir Euch, das Video zum Thema GoB aus dem Online-Kurs "Steuerbilanzen" ( Link ) anzusehen.

Übersicht über die Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung

Der Vollständigkeit halber seien auch die Grundsätze ordnungsmäßiger Bilanzierung kurz zusammengefasst.

MERKE

1. Grundsatz der Bilanzwahrheit


Vollständigkeit des Jahresabschlusses nach §246 HGB

2. Grundsatz der Bilanzklarheit


Der Jahresabschluss muss klar und übersichtlich sein (§243 HGB)

3. Grundsatz der Bilanzkontinuität


Identität der Eröffnungsbilanz eines Geschäftsjahres mit der Schlussbilanz des Vorjahres (sog. Bilanzidentität
nach §252 HGB)

4. Grundsatz der Vorsicht und des Gläubigerschutzes


Grundsatz der Vorsicht nach §252 HGB

5. Grundsatz der periodengerechten Erfolgsermittlung (Abgrenzungsgrundsätze)


Nach §252 HGB sind Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres von den jeweiligen Zahlungszeitpunkten
abzugrenzen.

Inventurvereinfachungen - Verfahren

Der Gesetzgeber sieht Verfahren der Inventurvereinfachung vor. Denn zunächst stellt sich ganz intuitiv die Frage,
wann und wie oft eine Inventur durchgeführt werden muss. Die Maßgaben hierfür sind im § 240 Abs. 2
HGB geregelt. Diese Vorschrift besagt (says), dass der Kaufmann zu Beginn seiner Geschäftstätigkeit,

8
zum Abschluss eines jeden Geschäftsjahr es und auch bei der Auflösung und bei dem Verkauf seines
Unternehmens ein Inventar aufzustellen hat.

MERKE

Eine Inventur muss nach § 240 Abs. 2 HGB also durchgeführt werden

 zu Beginn einer Geschäftstätigkeit,


 für den Schluss eines jeden Geschäftsjahres,
 bei der Auflösung oder dem Verkauf seines Unternehmens.

Der Inventurstichtag – der Tag an dem die Inventur durchzuführen ist - ist der Beginn des Geschäftsbetriebs.
Spätestens 12 Monate nach diesem Inventurstichtag muss erneut eine Inventur durchgeführt werden:

Dieser am Ende des Geschäftsjahres stehende Inventurstichtag nennt sich Abschlussstichtag. Die am


Abschlussstichtag durchgeführte Inventur, die in das Inventar mündet, ist somit Grundlage für den Jahresabschluss.

MERKE

Die Inventur muss grundsätzlich zum Bilanzstichtag (Tag, an dem das Geschäftsjahr endet, z. B. 31.12.) erfolgen ( §
240 Abs. 2 HGB , R 5.3 EStR). Da dies aus betriebstechnischen Gründen praktisch unmöglich ist, erlauben Handels-
und Steuerrecht unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Inventur.

In der Regel haben Unternehmen ein Geschäftsjahr/Wirtschaftsjahr, das am 01. Januar beginnt und am 31.
Dezember endet. Der 31. Dezember ist in diesem Fall der Abschlussstichtag. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die
ein sogenanntes abweichendes Geschäftsjahr haben, d.h. ihr Geschäftsjahr fängt beispielsweise am 01. Oktober an
und endet am 30. September.

Außerdem gibt es sogenannte Rumpfgeschäftsjahre, die vor allem dann notwendig sind, wenn ein Unternehmen
neu gegründet wird oder von einem abweichenden Geschäftsjahr auf ein reguläres Geschäftsjahr (01. Januar bis 31.
Dezember) wechselt. In solchen Fällen beträgt das Geschäftsjahr keine vollen 12 Monate!

Neben diesen grundsätzlichen Maßgaben zur Inventur gewährt der Gesetzgeber dann aber
auch Inventurvereinfachungen, die jedoch sehr restriktiv zu handhaben sind. Kodifiziert sind diese
Inventurvereinfachungen in den §§ 240 III, IV und 241 HGB.

Hieraus ergibt sich zum Beispiel, dass für das Anlagevermögen (Vermögen, das nicht zur Veräußerung bestimmt ist)
die Möglichkeit der buchmäßigen Bestandsaufnahme (inventory) besteht.

Inhalt des Anlagenverzeichnisses

9
Die oben genannten Gesetzesvorschriften fordern hierfür ein laufend geführtes Anlagenverzeichnis, in das
folgendes genau einzutragen ist:

MERKE

Das Anlagenverzeichnis beinhaltet

 die Bezeichnung der Anlage


 der Tag der Anschaffung/Herstellung
 die Anschaffungskosten/Herstellungskosten
 die laufende AfA (Abschreibung – lernen wir in einem späteren Kapitel)
 der Wert der Anlage zum jeweiligen Stichtag der Inventur (ergibt sich ebenfalls aus der Abschreibung)
 die Abgänge

Inventurmethoden

Aufnahmemethoden bei der Inventur (§ 240f. HGB , R 30 EstR):

Stichtagsinventur am Bilanzstichtag

zeitnahe Inventur

Stichprobeninventur

Vereinfachungsverfahren zeitlich verlegte Inventur

permanente Inventur

Überblick über die Inventurvereinfachungsverfahren

Im Folgenden wenden wir uns den 3 zentralen und sehr klausurrelevanten Inventurvereinfachungen zu:

MERKE

1. Die zeitnahe Inventur


2. Die permanente Inventur
3. Die zeitlich verlegte Inventur

Zeitnahe Inventur

10
Die Bestandsaufnahme bei der zeitnahen Inventur muss nicht genau zum Bilanzstichtag geschehen. Sie muss aber
zeitnah, das heißt innerhalb von 10 Tagen vor oder nach dem Bilanzstichtag, durchgeführt werden. Es muss aber
eine mengen- und wertmäßige Fortschreibung- bzw. Rückrechnung zum jeweiligen Bilanzstichtag erfolgen.

Permanente Inventur

Hierbei ist es erlaubt die aktuellen Bestände aus Lagerbüchern zu entnehmen – es gelten hier aber besondere
Regeln:

 Die Bestände, Zugänge und Abgänge sind in den Lagerbüchern einzeln nach Datum, Art und Menge
eingetragen.
 Mindestens einmal im Jahr kommt es mittels einer körperlichen Bestandsaufnahme zu einer Überprüfung
der Richtigkeit der Lagerbücher.
 Diese o.g. Bestandsaufnahme ist zu protokollieren.
 Kommt es zu Abweichungen zwischen der Lagerkartei und dem mittels Bestandsaufnahme ermittelten
Bestand, so muss eine sofortige Korrektur erfolgen.

HINWEIS

Vorteil der permanenten Inventur:

Die Inventur kann zeitlich verschoben durchgeführt werden, sodass sie zu einem Zeitpunkt durchgeführt werden
kann, zu welchem ein saisonal begründeter, niedriger Bestand zu erwarten ist.

Zeitlich verlegte Inventur

In einem Zeitraum von drei Monate vor bis zwei Monate nach dem Bilanzstichtag darf die körperliche
Bestandsaufnahme durchgeführt werden. Der so festgestellte Bestand wird in einem gesonderten Inventar
verzeichnet und bewertet. Um auf den tatsächlichen Bestand zu kommen, werden die Angaben fortgeschrieben
bzw. zurückgeschrieben. Dies findet nur wertmäßig - nicht mengenmäßig - statt.

Inventar

Von der Tätigkeit der Inventur, die, wie oben genannt, den Vorgang der Bestandsaufnahme beschreibt (zählen und
bewerten), wenden wir uns jetzt dem Inventar zu, das man als Ergebnis der Inventur erhält.

Ein Inventar ist ein Bestandsverzeichnis aller Vermögensgegenstände und Schulden eines Kaufmanns nach Art und
Menge sowie unter Angabe ihres Wertes zu einem bestimmten Zeitpunkt (vgl. § 240 HGB).

Das Inventar stellt die Grundlage für die Aufstellung der Bilanz dar.

11
MERKE

Aus der Inventur ergibt sich das Inventar.

Definition

Das Inventar ist ein, unabhängig von der Buchführung, erstelltes vollständiges, detailliertes, mengen- und
wertmäßiges Verzeichnis aller Vermögensgegenstände und Schulden zu einem bestimmten Stichtag.

Inventar - Aufbau und Beispiel

In einer Unternehmung fallen bei der Inventur  eine Fülle von Informationen an, die im Inventar in übergeordnete
Bestandsbereiche eingeteilt werden müssen.

Deswegen stellt sich nun die Frage nach der Aufbauweise des Inventars. Wir gehen im Folgenden in zwei Schritten
von einer zunächst groben Einteilung hin zu einer feineren Gliederung.

MERKE

Der Aufbau des Inventars untergliedert sich in 3 große Bereiche :

1. Vermögen
2. Schulden
3. Eigenkapital (=Reinvermögen), das sich aus dem o.g. Vermögen minus den Schulden ergibt

Die Darstellung der einzelnen Positionen im Inventar erfolgt untereinander (in der sog. Staffelform). Das Inventar
ist Grundlage des Jahresabschlusses.

Vermögens- und Schuldenpositionen im Inventar

Vermögen und Schulden lassen sich erneut in untergeordnete Kategorien einteilen. Das Vermögen ist zu
untergliedern in das Anlagevermögen und das Umlaufvermögen.

MERKE

Vermögen:

 Anlagevermögen (Grundstücke, Fabrikhallen, Fuhrpark)


 Umlaufvermögen (Kassenbestand, Kontenguthaben, Forderungen)

12
Das Anlagevermögen im Inventar

Das Anlagevermögen besteht aus Gegenständen des Unternehmens, die nicht für den Verkauf bestimmt sind und


dem Produktions- bzw. Leistungsprozess dienen.

HINWEIS

§ 247 Abs. 2 HGB

(2) Beim Anlagevermögen sind nur die Gegenstände auszuweisen, die bestimmt sind, dauernd dem
Geschäftsbetrieb zu dienen.

Das Umlaufvermögen

Das Umlaufvermögen hingegen besteht aus Vermögenswerten, die „umlaufend“ sind, dem Unternehmen


nur kurzfristig angehören und letztendlich umgesetzt werden.

Man kann diese beiden Vermögensposten gut auseinanderhalten, wenn man ihre Namensgebung analysiert:

MERKE

 Das Umlaufvermögen (Umlaufen; sich im Kreislauf befinden, zirkulieren) beschreibt etwas dynamisches,


auswechselbares (wie Geldbestände, Forderungen, die geltend gemacht werden etc.) wohingegen
 das Anlagevermögen etwas statisches, festes und fortwährendes begrifflich erfasst.

Schulden im Inventar

Eine ähnliche Unterteilung muss bei den Schulden für das Inventar vorgenommen werden.

MERKE

Man gliedert Schulden auf in:

 langfristige Schulden ( z.B. Hypothekenschulden)


 kurzfristige Schulden ( z.B. Verbindlichkeiten aus Lieferungen)

Zusammenfassend verdeutlicht folgendes Schema den Aufbau des Inventars zur Herleitung des Reinvermögens:

METHODE

Vermögen bestehend aus Anlagevermögen und Umlaufvermögen

13
- Schulden bestehend aus langfristig und kurzfristig

= Eigenkapital Vermögen - Schulden = Reinvermögen


(Reinvermögen)

Beispiel - Inventar

14
Bilanz
Definition der Bilanz – Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden

Vorlesen

Aus dem Inventar wird die Bilanz abgeleitet. Die Bilanz wird definiert als


eine Gegenüberstellung von Vermögenswerten und Vermögensquellen eines Wirtschaftssubjekts - also eines
Unternehmens oder einer Körperschaft. Die verschiedenen Vermögensquellen (Fremd-, Eigenkapital, ...) werden
wir später kennen lernen.

Die beiden Seiten der Bilanz - Aktiva und Passiva

Beide "Seiten" der Bilanz sind ausgeglichen und "halten sich die Waage". Bilanz leitet sich aus dem italienischen ab.
Bilanz, ital. la bilancia = Waage

Sie klärt somit den Bilanzleser darüber auf,

 um welche Art der Vermögenswerte es sich handelt und


 woher die finanziellen Mittel dafür stammen.

HINWEIS

Bei der Betrachtung der Aktiv- und Passivseite der Bilanz lassen sich die Fragen stellen:

 Um was für Vermögenswerte handelt es sich? (Aktiva)


 Woher stammen die finanziellen Mittel? (Passiva)

Wir geben nun diesen beiden Gruppierungen übergeordnete Namen: Aktiva und Passiva .

In Bezug auf die Aktivseite (=Aktiva) wird danach gefragt, wofür die vorhandenen Mittel verwendet werden. Die
Passivseite (=Passiva) hingegen fragt danach, woher die Mittel kommen.

MERKE

Also kann man festhalten:

 Aktiva (stehen in der Bilanz links) = Die Mittelverwendung


 Passiva (stehen in der Bilanz rechts) = Die Mittelherkunft

15
Mit diesen Einteilungskriterien in der Hand lassen sich die Posten, die wir in einem vorherigen Abschnitt bereits
gelernt haben, relativ leicht einer der beiden Seiten zuordnen. Dies wird uns in den folgenden Abschnitten
beschäftigen.

Auf der Aktivseite ist das Vermögen nach dem Grad der Liquidierbarkeit (Möglichkeit zu Geld zu machen) und auf
der Passivseite die Schulden ihrer Dringlichkeit nach geordnet.

MERKE

Dem Begriff der Bilanz nach (wir erinnern uns – die Waage) muss immer gelten:

 Linke Bilanzseite = rechte Bilanzseite


 Summe der Aktiva = Summe der Passiva

Ein Verrechnen der beiden Seiten miteinander ist nicht gestattet .

Wann ist die Bilanz aufzustellen? (§ 264 I HGB)

Kapitalgesellschaften haben in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahrs die Bilanz für das vergangene
Geschäftsjahr aufzustellen. Kleine Kapitalgesellschaften innerhalb der ersten sechs Monate des Geschäftsjahres.

VERTIEFUNG

Hier klicken zum Ausklappen


Welche Funktionen erfüllt die Bilanz?

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
 4MC-Aufgabe Nr. 4
 5MC-Aufgabe Nr. 5
 6MC-Aufgabe Nr. 6
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 6

Welche Aussage trifft nicht zu ?

16
Aktivseite der Bilanz macht ersichtlich welche Vermögenswerte vorhanden sind.

Aktiv- und Passivseite können während eines Geschäftsjahres verschiedene Summen aufweisen.

Passivseite zeigt woher die finanziellen Mittel stammen.

Lösen

Aufbau der Bilanz

Vorlesen

Aus der körperlichen Bestandsaufnahme in einem Unternehmen, der Inventur bzw. dem Inventar, wird die Bilanz
gebildet. Sie bildet - wie oben beschrieben - die Grundlage für die Bilanzierung .

Die Bilanzierung und die Gewinn- und Verlustrechnung, mit der wir uns erst später beschäftigen werden, geben
Aufschluss darüber, wie viel ein Unternehmen an Gewinn oder Verlust hat. Kodifiziert sind die Vorschriften (der
Vollständigkeit halber genannt) in § 242 Abs. 1 HGB.

MERKE

Die Bilanz ist eine stichtagsbezogene Gegenüberstellung der Vermögensgegenstände und Schulden eines


Unternehmens. Die Basis für die Bilanz bildet das Inventar.

Wie oben gesagt, bildet das Inventar die Grundlage für die Bilanz – ihr entnimmt der Kaufmann die
Vermögenswerte und die Schulden.

Was passiert denn da genau?

METHODE

Eigentlich fasst die Bilanz die Angaben aus der Inventur in übersichtlicherer Form zusammen:

 Sie fasst die einzelnen Positionen des Inventars zu größeren Gruppen zusammen


 Die Mengenangaben des Inventars fallen weg
 Das Eigenkapital (Reinvermögen) wird aus Differenz zwischen Vermögen und Schulden abgeleitet
 Vermögen = Eigenkapital + Fremdkapital, wird auf die Seite der Schulden gesetzt.

Aufbau und Inhalt der Bilanz

17
Wenden wir uns zunächst der Frage zu, welche Positionen die Bilanz beinhalten muss. Die gesetzliche Fundierung
hierfür finden wir in § 247 I HGB. Hiernach sind

 Anlage-,
 Umlaufvermögen,
 Eigenkapital,
 Schulden und
 Rechnungsabgrenzungsposten

gesondert auszuweisen und hinreichend in der Bilanz aufzugliedern.

Wie die Bilanz gegliedert sein muss, hat der Gesetzgeber in § 266 HGB geregelt. (siehe http://www.gesetze-im-
internet.de/hgb/__266.html)

Beispiel zum Aufbau der Bilanz

Die Bilanz mit Aktiv- und Passivseite

18
Das HGB normiert, wie eine Bilanz auszusehen hat, damit die Jahresabschlüsse von Kaufleuten bzw.
Unternehmen vergleichbar sind. Am Ende der Bilanzierung steht die Angabe des Datums und die Unterschrift des
Kaufmanns.

Erleichterungen für kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften

Damit der, durch die handelsrechtlichen Vorschriften, entstehende Aufwand auch für kleine Kapitalgesellschaften
tragbar ist, normiert das HGB an verschiedenen Stellen Erleichterungen für kleine und teilweise auch für
mittelgroße Kapitalgesellschaften.

Wie ihr in § 266 HGB sehen könnt, müssen kleine Kapitalgesellschaften ihre Bilanzpositionen nicht bis in alle
Einzelheiten aufgliedern.

 1MC-Aufgabe Nr. 7
 2MC-Aufgabe Nr. 8
 3MC-Aufgabe Nr. 9
MC-Aufgabe Nr. 7

Aufgabe 1 von 3

Welche Aussage stimmt?

Das Inventar bildet die Grundlage für die Bilanz.

Das Inventar darf in der Bilanz nicht berücksichtigt werden.

Die Bilanz hat den gleichen Aufbau wie das Inventar.

Lösen

Unterschiede zwischen Inventar und Bilanz

Vorlesen

19
Im folgenden widmen wir uns den Unterschieden zwischen Inventar und Bilanz.

Vor der Abgrenzung der beiden Begriffspaare schauen wir uns zunächst erneut die Definitionen von Bilanz und
Inventar an:

Definitionen von Bilanz und Inventar

MERKE

 Die Bilanz ist eine Gegenüberstellung von Vermögenswerten und Vermögensquellen.


 Das Inventar ist ein, unabhängig von der Buchführung, erstelltes vollständiges, detailliertes, mengen- und
wertmäßiges Verzeichnis aller Vermögensgegenstände und Schulden zu einem bestimmten Stichtag.

Die Definitionen deuten inhaltlich schon die Unterschiede zwischen Bilanz und Inventar an. Die Unterschiede im
Detail ergeben sich letztlich aus den gesetzlichen Fundierungen über Inhalt und Aufbau von Bilanz und Inventar. In
den vorherigen Lerneinheiten wurden diese bereits vorgestellt.

Zusammenfassend dient die nachfolgende Gegenüberstellung der Verdeutlichung:

Inventar Bilanz

Aufgestellt in Staffelform Aufgestellt in Kontenform

Enthält Mengen- und Wertangaben Nur Wertangaben

Vermögensgegenstände und Schulden werden Zusammenfassen gleichartiger Positionen zu Gruppen,


einzeln aufgezählt vergleichende Analysen der Positionen möglich

Muss nicht veröffentlicht werden Muss ggf. veröffentlicht werden

Wenn man sich den folgenden Satz gut merkt, dann kann man die oben genannte Darstellung gut selbst
nachvollziehen.

MERKE

Die Bilanz ist eine verkürzte Form des Inventars, die bewusst Positionen zusammenfasst.

 1MC-Aufgabe Nr. 10
 2MC-Aufgabe Nr. 11
 3MC-Aufgabe Nr. 12

20
MC-Aufgabe Nr. 10

Aufgabe 1 von 3

Welche Aussage über das Inventar ist falsch?

Enthält Mengen- und Wertangaben.

Muss nicht veröffentlich werden.

Vermögensgegenstand und Schuld werden gegeneinander aufgerechnet.

Lösen

Eigenkapital in der Bilanz

Vorlesen

Wir haben oben gelernt, dass sich die Bilanz in eine Aktiv- und eine Passivseite aufgliedert. Auf der Aktivseite der
Bilanz befindet sich eine Auflistung der Mittelverwendung und auf der Passivseite die Vermögensquellen (die
Mittelherkunft).

Das Eigenkapital, dem wir uns jetzt zuwenden, ist eine Vermögensquelle des Unternehmens. Der Eigentümer des
Unternehmens verwendet beispielsweise eigenes Kapital als Vermögensquelle des Unternehmens, das - etwa in
Form einer Privateinlage - das Eigenkapital erhöht. Somit lässt sich also verstehen, weswegen das Eigenkapital auf
die Passivseite der Bilanz gehört.

Stellt der Eigentümer z.B. privates Geld (Privatvermögen wird Umlaufvermögen) seinem Einzelunternehmen zur
Verfügung, dann steigt das Vermögen des Unternehmens (weil sich das Bankkonto auf der Aktivseite erhöht) sowie
das Eigenkapital (weil Zugang auf dem Privatkonto auf der Passivseite).

Privateinlagen und Privatentnahmen

Durch diesen Vorgang, den man Privateinlage nennt, werden also Aktiv- und Passivseite verändert und in ihrem
Bestand vermehrt (Bilanzverlängerung).
(Siehe auch Abbildung in Gabele/Meyer S.63. ISBN: 3486272438).

21
Analog hierzu reduzieren Privatentnahmen die Aktiv- und Passivseite (Bilanzverkürzung). Anhand einer
Geldentnahme wird dies deutlich: Die Entnahme des Geldes führt zu der Abnahme des Umlaufvermögens
(Bankkonto oder Kasse) und der Abnahme des Eigenkapitals auf der Passivseite.

Beispiele für Bilanzverlängerung und Bilanzverkürzung bei Privateinlage und Privatentnahme

Wirkung von Privateinlage und Privatentnahme auf die Bilanz

Neben diesen Entnahmen oder Einlagen durch beispielsweise die Eigentümer der Unternehmung, wird das
Eigenkapital auch durch den Unternehmenserfolg innerhalb einer Geschäftsperiode beeinflusst. Erzielt das
Unternehmen beispielsweise einen Gewinn und verbleibt dieser im Unternehmen, so kommt es zu einer dem
Gewinn entsprechenden Erhöhung des Eigenkapitals.

HINWEIS

Von Privateinlagen und Privatentnahmen spricht man nur bei Einzelkaufleuten, die


ein Einzelunternehmen betreiben. Wird das Unternehmen als Kapitalgesellschaft betrieben, spricht man nicht von
Privatentnahmen und Privateinlagen.

Funktion des Eigenkapitals

Die Analyse des Eigenkapitals lässt also zwei zentrale Schlüsse zu:

22
1. Durch den Vergleich der Bestände des Eigenkapitals zum Anfang und Ende des Jahres kann
der Unternehmenserfolg ermittelt werden
(Eigenkapitaldifferenz,  Vermögensvergleich, Eigenkapitalvergleich, Kapitalvergleich). Dies gilt selbstverständlich nur
dann, wenn es während des Geschäftsjahres nicht zu Privateinlagen bzw. Privatentnahmen gekommen ist.
2. Hierin liegt die zweite Funktion des Eigenkapitals – es nimmt Privateinlagen und Privatentnahmen auf
(im Unterkonto "Privatkonto").

Wie oben beschrieben wird deutlich, dass zwischen privaten und unternehmerischen Vorgängen scharf


getrennt werden muss. Soll beispielsweise der Unternehmenserfolg ermittelt werden, dann
müssen Privateinlagen und -entnahmen der Periode herausgerechnet werden.

MERKE

Das Eigenkapital mit seinem Unterkonto "Privatkonto" erfasst die, von einem oder mehreren Unternehmern, zur
Verfügung gestellten finanziellen Mittel und macht deren Privatvorgänge mit dem Unternehmen sichtbar.

 1MC-Aufgabe Nr. 13
 2MC-Aufgabe Nr. 14
 3MC-Aufgabe Nr. 15
MC-Aufgabe Nr. 13

Aufgabe 1 von 3

Welche Aussage zu den Privatentnahmen ist richtig?

Es findet ein Passivtausch statt.

Aktiv- und Passivseite werden um den gleichen Betrag verringert.

Die Bilanzsumme steigt.

Lösen

Geschäftsvorfall

Vorlesen

23
Zunächst stellt sich die Frage, was Geschäftsvorfälle sind:

Geschäftsvorfälle sind solche Vorgänge, die zwischen Betrieben und ihrer Geschäftsumwelt stattfinden bzw. die
innerhalb von Betrieben stattfinden und eine Veränderung des Vermögens, der Schulden oder des
Eigenkapitals bewirken.

MERKE

Insgesamt gibt es solche Geschäftsvorfälle, die

1. das Eigenkapital beeinflussen (sog. Betriebsvermögensveränderungen) und solche


2. die das Eigenkapital nicht beeinflussen (sog. Betriebsvermögensumschichtungen).

METHODE

Entsprechend der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) gilt, dass alle Geschäftsvorfälle in der


Buchführung dokumentiert werden müssen. Das geschieht zu dem Zweck, dass die finanzielle Situation des
Unternehmens stets nachvollziehbar ist.

Hieraus ergibt sich:


Jeder Geschäftsvorfall ist Grundlage für einen Buchungssatz  und zieht eine Buchung nach sich. Es gilt der
Grundsatz "Keine Buchung ohne Beleg." Schauen wir uns ein paar Beispiele für Geschäftsvorfälle an.

Beispiele für Geschäftsvorfälle

 Bargeld wird der Kasse entnommen


 Lohn und Gehalt wird ausgezahlt
 Durch das Unternehmen wird eine Rechnung bezahlt

Die Gesetzmäßigkeit der Bilanz schreibt bekanntlich einen Ausgleich von Aktiva und Passiva vor, so dass sich
folgerichtig bei einem Geschäftsvorfall immer zwei Bilanzpositionen verändern müssen.

Typen von Bilanzveränderungen

Es gibt 4 Typen von Bilanzveränderungen :

MERKE

1. Aktivtausch
2. Passivtausch
3. Bilanzverlängerung

24
4. Bilanzverkürzung

Diese werden im nächsten Abschnitt erläutert!

 1MC-Aufgabe Nr. 16
 2MC-Aufgabe Nr. 17
 3MC-Aufgabe Nr. 18
MC-Aufgabe Nr. 16

Aufgabe 1 von 3

Welche Art von Geschäftsvorfällen gibt es nicht?

Betriebsvermögensumschichtungen

Betriebsvermögensveränderungen

Betriebsvermögensplanung

Lösen

 Bilanzveränderungen
Aktivtausch

Vorlesen

Bei einem Aktivtausch sind durch einen Geschäftsvorgang zwei Aktivposten betroffen. Durch ihn wird eine
Bilanzposition erhöht, die andere um denselben Betrag verringert. Die gesamte Bilanzsumme bleibt
folgerichtig unverändert.

MERKE

Bei einem Aktivtausch sind

 durch einen Geschäftsvorgang mindestens zwei Aktivposten betroffen und

25
 die Bilanzsumme bleibt unverändert.

Beispiel für einen Aktivtausch

BEISPIEL

Verkauf eines Unternehmensgrundstücks gegen Bargeld für 40.000 Euro:

 Der Aktivposten „Kassenbestand“ nimmt um 40.000 Euro zu;


 Der Aktivposten „Grundstücke“ nimmt um 40.000 Euro ab.
 Zwei Aktivposten sind betroffen – der eine nimmt ab, der andere zu (Gesetzmäßigkeit der Bilanz), man
spricht von einem Aktivtausch.

In dem nachfolgenden Video wird ein Beispiel für einen Aktivtausch besprochen.


Play Video
Passivtausch

Vorlesen

Beim Passivtausch sind durch einen Geschäftsvorfall zwei Passivposten betroffen. Analog zum Aktivtausch wird


durch ihn die eine Bilanzposition erhöht, während die andere Bilanzposition um denselben Betrag verringert wird.
Die gesamte Bilanzsumme bleibt auch hier unverändert.

MERKE

Bei einem Passivtausch sind

 durch einen Geschäftsvorgang mindestens zwei Passivposten betroffen und


 die Bilanzsumme bleibt unverändert.

BEISPIEL

Ein Unternehmen hat am 01.04. Stahl für 100.000 Euro auf Ziel gekauft. Bereits gebucht wurde:

 "Waren" nehmen um 100.000 Euro zu,


 "Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen" nehmen um 100.000 Euro zu.

Der Lieferant gewährt nachträglich (am 10.04.) ein kurzfristiges Darlehen (d.h. aus den Verbindlichkeiten aus
Lieferung und Leistung wird eine Darlehensschuld). Das ergibt in Bezug auf die Passivkonten:

 Der Passivposten „Darlehensschulden“ nimmt um 100.000 Euro zu,


 der Passivposten “Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ um 100.000 Euro ab.

26
HINWEIS

Zwei Passivposten sind betroffen – der eine nimmt ab, der andere zu (Gesetzmäßigkeit der Bilanz), man spricht von
einem Passivtausch.

Schauen wir uns nun die Vorgänge beim Passivtausch noch in einem Video an:
Play Video
Bilanzverlängerung

Vorlesen

Bei der Bilanzverlängerung sind nicht nur Bilanzpositionen auf einer Seite der Bilanz betroffen, sondern auf beiden.


Eine Veränderung auf der Aktivseite führt hier gleichzeitig zu einer Veränderung auf der Passivseite in gleicher
Höhe.

Bei der Bilanzverlängerung kommt es zu der Erhöhung von Bilanzpositionen auf der Aktiv- und Passivseite. In der
Summe steigt die Bilanzsumme.

MERKE

Bei einer Bilanzverlängerung sind

 durch einen Geschäftsvorgang mindestens ein Aktivposten und ein Passivposten betroffen und
 die Bilanzsumme steigt.

Bilanzpositionen auf der Aktivseite

Beispiel für eine Bilanzverlängerung

BEISPIEL

Ein Unternehmen nimmt ein Darlehen i.H.v. 200.000 Euro auf, um dafür ein Grundstück zu kaufen:


Der Aktivposten „Grundstücke“ nimmt um 200.000 Euro zu, während der Passivposten „Darlehensschulden“
ebenfalls um 200.000 Euro zunimmt. Die Bilanzsumme nimmt insgesamt um 200.000 Euro zu.
Play Video

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
 4MC-Aufgabe Nr. 4

27
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Was zeigt die Passivseite der Bilanz?

wo die Mittel herkommen

durch was die Mittel verbraucht werden

wie die Mittel verwendet werden

Lösen

Bilanzverkürzung

Vorlesen

Analog zur Bilanzverlängerung sind bei der Bilanzverkürzung auch beide Bilanzseiten betroffen.


Eine Veränderung auf der Aktivseite führt hier gleichzeitig zu einer Veränderung auf der Passivseite in gleicher
Höhe . Bei der Bilanzverkürzung kommt es zu der Verringerung von Bilanzpositionen auf der Aktiv- und Passivseite.
In der Summe sinkt die Bilanzsumme .

MERKE

Bei einer Bilanzverkürzung sind

 durch einen Geschäftsvorgang mindestens ein Aktivposten und ein Passivposten betroffen und
 die Bilanzsumme sinkt.

Beispiel für eine Bilanzverkürzung

BEISPIEL

Wir begleichen eine Darlehensschuld i.H.v. 10.000 Euro per Banküberweisung: Der Passivposten


„Darlehensschulden“ nimmt um 10.000 Euro ab, während auch der Aktivposten „Bank“ um 10.000 Euro abnimmt.
Play Video

28
 BilMoG
Maßgeblichkeitsprinzip

Vorlesen

Wie bereits oben in der Einführung beschrieben, dient die handelsrechtliche Ermittlung des Jahresüberschusses
auch als Grundlage für die Ermittlung des zu versteuernden Einkommens. Grundsätzlich gilt daher
die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz .

METHODE

Das Maßgeblichkeitsprinzip überträgt die handelsrechtlichen Vorschriften, denen der Jahresabschluss sowohl


formal als auch inhaltlich entsprechen muss (Handelsbilanz), in den Bereich der Steuerbilanz. Das bedeutet auch,
dass die nach Handelsrecht gewählten Bewertungsansätze ebenso für steuerliche Zwecke gelten.

Beispiel zum Maßgeblichkeitsprinzip

BEISPIEL

Ein Unternehmen stellt zum 31.12.2009 einen Jahresabschluss auf. Für die Steuererklärung 2009 muss das
Unternehmen wie in den Vorjahren ca. 5.000 € an seinen Steuerberater zahlen.
Da die Kosten in 2009 verursacht wurden, stellt das Unternehmen eine Rückstellung für die Bezahlung des
Steuerberaters in Höhe von 5.000 € in die Bilanz zum 31.12.2009 ein. Der Aufwand für die Steuererklärung 2009
wird also dem Wirtschaftsjahr 2009 zugeordnet und mindert den Gewinn für 2009 um 5.000 €.

Steuerlich wird diese Rückstellung in Höhe von 5.000 € aufgrund der Maßgeblichkeit der Handels- für die
Steuerbilanz anerkannt. Auch der steuerliche Gewinn ist um 5.000 € gemindert.

Die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz war in § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG alte Fassung normiert.
Als Betriebsvermögen für steuerliche Zwecke wurde das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen
ordnungsmäßiger Buchführung ermittelte Betriebsvermögen angesetzt.

Damit der deutsche Staat jedoch genügend Einnahmen hat, gibt es spezielle steuerliche Sondervorschriften.
Beispielsweise sind Drohverlustrückstellungen nach § 5 Abs. 4a EStG steuerlich nicht zulässig.

Das bedeutet, dass ein Unternehmer handelsrechtlich eine Drohverlustrückstellung in Höhe von bspw. 100.000 €
bilden kann und diese den handelsrechtlichen Gewinn des entsprechenden Jahres mindert. Steuerlich jedoch wird
dieser Aufwand nicht anerkannt, so dass das zu versteuernde Einkommen des entsprechenden Jahres um 100.000
€ höher ist als der handelsrechtliche Gewinn.
Durch solche steuerlichen Sondervorschriften, wird der handelsrechtlich ermittelte Gewinn modifiziert und der
Grundsatz der Maßgeblichkeit durchbrochen.

29
Die so modifizierte Bilanz wird Steuerbilanz  genannt und ist von der Handelsbilanz zu unterscheiden.

 1Lückentext Nr. 1
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 1

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

Grundsätzlich gilt die  der Handelsbilanz für die Steuerbilanz.

Lösen

Umgekehrte Maßgeblichkeit

Vorlesen

Die umgekehrte Maßgeblichkeit sorgt dafür, dass steuerliche Wahlrechte bei der Gewinnermittlung in


Übereinstimmung mit der Handelsbilanz auszuüben sind.

Das Handelsrecht enthielt daher in §§ 254, 279 Abs. 2, 280 Abs. 2 und 281 HGB alte
Fassung sogenannte Öffnungsklauseln.

Diese Öffnungsklauseln sorgten dafür, dass eine nach steuerlichen Vorschriften zulässige Bewertung eines
Vermögensgegenstands auch handelsrechtlich zulässig war.

Warum gab es die umgekehrte Maßgeblichkeit?

Macht diese die ganze Sache nicht nur noch komplizierter?

Der Gesetzgeber wollte mit der Maßgeblichkeit sowie der umgekehrten Maßgeblichkeit dafür sorgen, dass sowohl
die Handels- als auch die Steuerbilanz möglichst gleich aussehen. Unterschiedliche Bewertungen von
Vermögensgegenständen in der Handels- und der Steuerbilanz verkomplizieren die Erstellung des
Jahresabschlusses und der Steuererklärung.

Außerdem führen große Abweichungen zwischen der Handels- und der Steuerbilanz zu großen Abweichungen
zwischen dem handelsrechtlichen Überschuss und dem zu versteuernden Einkommen.

Zunächst erklären wir dazu noch den Begriff der Drohverlustrückstellung:

30
HINWEIS

Die Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften (sog. Drohverlustrückstellung)


erfasst künftige, noch nicht realisierte Verluste. Ein Verlust aus einem schwebenden Geschäft droht, wenn sich
Erträge und Aufwendungen aus demselben noch nicht abgewickelten Geschäft nicht ausgleichen, beispielsweise
wenn ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen wurde und die Räume weder genutzt noch untervermietet
werden können oder auch bei einem Auftrag, der falsch kalkuliert wurde.

In diesem Fall erwartet der Unternehmer einen Verlust aus dem Dauerschuldverhältnis und bildet eine
Drohverlustrückstellung. Da zum Bilanzstichtag noch nicht klar ist, ob dieser Verlust tatsächlich eintritt, möchte die
Finanzverwaltung diesen Verlust auch nicht steuermindernd (weil mehr Aufwand und weniger Gewinn)
anerkennen.

Beispiel für eine Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz

BEISPIEL

Ein Unternehmen hat einen handelsrechtlichen Jahresüberschuss in Höhe von -50.000 € erwirtschaftet. Darin
enthalten ist der Aufwand in Höhe von 100.000 € für eine Drohverlustrückstellung.
Wie bereits im letzten Text beschrieben, wird eine Drohverlustrückstellung steuerlich nicht anerkannt. Die
steuerliche Gewinnermittlung läuft daher folgendermaßen:

Handelsrechtlicher Verlust: -50.000 €


Aufwand Drohverlustrückstellung: + 100.000 €
Steuerlicher Gewinn: = 50.000 €
Zu versteuerndes Einkommen: +50.000 €

Körperschaftsteuer (15 %): 7.500 €


Solidaritätszuschlag (5,5 % v. KSt): 412,50 €
Gewerbesteuer (400% Hebesatz): 7.000 € (50.000 x 3,5% x 400%)

Ein Unternehmen, das handelsrechtlich einen Verlust erwirtschaftet hat, muss also trotz der schlechten


wirtschaftlichen Lage Steuern in Höhe von insgesamt 14.912,50 € bezahlen.

Solche Differenzen versucht auch der Gesetzgeber etwa durch die Maßgeblichkeit zu vermeiden. Eine Angleichung
der Handels- und Steuerbilanz scheint eine angemessenere Grundlage etwa für die Besteuerung zu sein. Dennoch
zeigt gerade das oben gewählte Beispiel, dass trotz der Maßgeblichkeit bzw. insbesondere aufgrund steuerlicher
Sonderregelungen ein Gleichlauf nicht immer erzielt wird.

Dies liegt vor allem daran, dass die Finanzverwaltung ein Interesse an einem möglichst hohen
Steueraufkommen hat. Dagegen ist es das Ziel des Handelsrechts, den Gläubigern, den Lieferanten und der

31
gesamten Öffentlichkeit ein möglichst faires Bild von der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens
zu geben.

MERKE

Ein und derselbe Sachverhalt kann daher steuerlich anders beurteilt werden als handelsrechtlich. Dies lässt sich auf
die unterschiedlichen Zielsetzungen des Gesetzgebers bei der Normierung des Handelsrechts und des Steuerrechts
zurückführen.

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2Maßgeblichkeit
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 2

Die umgekehrte Maßgeblichkeit führte dazu, dass...

... handelsrechtliche Wahlrechte auch in der Steuerbilanz übernommen werden müssen.

...steuerliche Wahlrechte in Übereinstimmung mit der Handelsbilanz auszuüben sind.

...dass in der Steuerbianz der umgekehrte Wert wie in der Handelsbilanz übernommen werden muss.

Lösen

Ziele und Änderungen durch das BilMoG

Vorlesen

Im Folgenden verschaffen wir uns einen Überblick über die Rechtsänderungen durch
das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG). Zunächst betrachten wir die Ziele des BilMoG.

Ziele des BilMoG

 Umfassende Modernisierung des HGB

32
 Bereinigung des HGB um Wahlrechte, die nicht mehr aktuellen Vorstellungen entsprechen
 Verbesserung der Aussagekraft des Jahresabschlusses (Informationsfunktion). Wie der
Gesetzesbegründung zu entnehmen ist, erfolgt das durch eine Annäherung an die Bilanzierungsregeln nach IFRS.
 Unternehmen bilanzieren internationaler und vergleichbarer, sparen sich aber die teure Umstellung auf
IFRS.
 Die Grundfunktionen - Steuerbemessungsfunktion und Ausschüttungsbemessung - bleiben erhalten
 Eine Anpassung an ein bestehendes Recht ist den Unternehmen einfacher zu vermitteln, als eine komplett
neue Umstellung auf ein neues Rechnungslegungssystem (z.B. IFRS)

Wesentliche Neuerungen des BilMoG

 Aufhebung der umgekehrten Maßgeblichkeit


 Pflicht zum Ansatz passiver latenter Steuern
 Geschäfts- oder Firmenwert (Goodwill) muss nun über die voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben
werden
 Aktivierungspflicht eines entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder Firmenwerts im Einzelabschluss
 Selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (u. a . Patente, Know-how)
dürfen nach § 248 Abs. 2 HGB aktiviert werden, sofern sich die Herstellungskosten auf die Entwicklungsphase
beziehen (§ 255 Abs. 2a HGB). Können Forschungs- und Entwicklungsphase nicht verlässlich getrennt werden, ist
eine Aktivierung ausgeschlossen.

Änderungen bei der Bilanzierung von Rückstellungen

 Verbot für Bildung von bestimmten Aufwandsrückstellungen


 Veränderte Bewertung von Rückstellungen: Ansatz mit dem Erfüllungsbetrag, also Berücksichtigung
künftiger Preissteigerungen. Insbesondere für Pensionsrückstellungen bedeutet dies künftige Gehaltssteigerungen
zu berücksichtigen
 Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr sind abzuzinsen
 Sonderposten mit Rücklageanteil nach § 247 Abs. 2 HGB dürfen handelsrechtlich nicht mehr passiviert
werden
 Anpassung der Herstellungskosten an die international üblichen produktionsbezogenen Vollkosten
 Verpflichtende Anwendung der Neubewertungsmethode
 Neben die materiellen Änderungen treten, hinsichtlich Ansatz und Bewertung, zahlreiche neue
Anhangvorschriften, die für mehr Information sorgen sollen.

Bei der Überarbeitung des HGB hat sich der deutsche Gesetzgeber in weiten Teilen sehr eng an
den internationalen Regelungen, insb. den IFRS, orientiert.

Maßgeblichkeit

Grundsätzlich besteht weiterhin die Maßgeblichkeit des Handelsrechts für das Steuerrecht. Durch die Aufhebung
der umgekehrten Maßgeblichkeit, kann es jedoch nun zu sehr starken Abweichungen zwischen der Handels- und
der Steuerbilanz kommen.
Diese Unterschiede betreffen im Wesentlichen die folgenden Bereiche:

33
 steuerliche Wahlrechte können nun unabhängig von der Behandlung im Handelsrecht ausgeübt werden
(Beispiel: Abschreibungen von Wirtschaftsgütern, Verbrauchsfolgeverfahren)
 handelsrechtlich werden unverzinsliche Rückstellungen mit einem durchschnittlichen Marktzinssatz
abgezinst, steuerlich jedoch mit 5,5%
 aktive bzw. passive latente Steuern

Wegfall der umgekehrten Maßgeblichkeit

Durch den Wegfall der umgekehrten Maßgeblichkeit dürfen künftig keine Sonderposten mit


Rücklageanteil mehr passiviert und keine dem Handelsrecht wiedersprechenden steuerlich
bedingten Abschreibungen mehr vorgenommen werden.

HINWEIS

Mit der Änderung von handelsrechtlichen Ansatz- und Bewertungsvorschriften durch das BilMoG wurde das
bisherige System zwischen Handels- und Steuerrecht stark geändert. Wenn eine der oben genannten
Bilanzpositionen betroffen ist, sollten die Konsequenzen des BilMoG im Detail geprüft werden! Bitte legt Euch für
Klausuren ein neues HGB zu! Wegen der zahlreichen Änderungen und Streichungen sollte nicht mehr auf eine alte
Version zurückgegriffen werden.
Kapitelabschlusstest

Sie sind zum Kapitelabschlusstest zugelassen.


Jetzt Kapitelabschlusstest starten Überspringen ?
Schriftfarbe 
Markieren 

 Das Konto
 Bestandskonten
Belege und Belegarten

Vorlesen

Wenn man im Supermarkt um die Ecke Getränke für das Wochenende besorgt, bekommt man, nachdem man
gezahlt hat, vom Verkäufer eine Rechnung. Die Rechnung "belegt" den Geschäftsvorgang und wird
dementsprechend als Beleg bezeichnet.

Eigenschaften von Belegen

Auf dem Beleg sind folgende Angaben aufgeführt:

MERKE

34
1. Der Rechnungsbetrag , sowie die Angaben zu den Mengen und dem Wert des getätigten Einkaufs.
2. Das Datum, an welchem der Einkauf getätigt wurde.
3. Eine kurze Erklärung darüber WAS ihr alles gekauft habt.
4. Eine Unterschrift von einer dazu berechtigten Person, meistens geschieht dies "automatisch".

Die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) erfordern neben diesen vier erwähnten Angaben auf dem
Beleg noch den Ausweis einer Kontennummer, damit man vom Beleg auf das entsprechend betroffene Konto und
die "Buchung" schließen kann.

Desweiteren ist darauf zu achten, dass die Belege geordnet , mit einer fortlaufenden Nummerierung und
zudem vollständig im Unternehmen aufbewahrt werden. Die Aufbewahrungsfrist für Belege beträgt zurzeit 10
Jahre. (§257 IV HGB)

Über Allem steht das Belegprinzip , es besagt, dass

MERKE

Keine Buchung ohne Beleg!

erfolgen darf.

Belege und Belegarten in der Buchführung

Arten von Belegen

Dieses Prinzip führt deshalb zwangsläufig zu drei Arten von Belegen:

1. Fremdbelege (externe Belege): Belege die außerhalb des Unternehmens entstehen. Also z.B. bei Banken,
der Post oder bei sonstigen Wareneingängen, die gegengezeichnet werden müssen.
2. Eigenbelege (interne Belege): Wie der Name schon vermuten lässt, entstehen diese Belege innerhalb des
Unternehmens. Darunter fallen z.B. Lohn- und Gehaltslisten oder auch Ausgangsrechnungen.

35
3. Notbelege: Diese Belege werden als Ersatz von Fremdbelegen im Notfall ausgestellt, z.B. wenn der
Taxifahrer nicht die Möglichkeit einer Belegausstellung hatte, der Notbeleg muss jedoch dieselben Angaben wie der
Fremdbeleg aufweisen.

 1Lückentext Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 1
 3MC-Aufgabe Nr. 2
 4MC-Aufgabe Nr. 3
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

 werden als Ersatz von Fremdbelegen im Notfall ausgestellt, z.B. wenn der Taxifahrer nicht die
Möglichkeit einer Belegausstellung hatte, der Notbeleg muss jedoch die selben Angaben wie der Fremdbeleg
aufweisen.

Lösen

Bestandskonten - Aktiv- und Passivkonten

Vorlesen

Wie wir bereits wissen, stellt eine Bilanz die Gegenüberstellung von Vermögenswerten und -quellen dar. Vermögen
kann man auch mit Beständen vergleichen.

Bestandskonten nennt man daher Konten, welche aus der Bilanz hervorgehen. Bestandskonten sind also Konten,
die sich auf die Bestände in der Bilanz beziehen. Man unterscheidet diese Bestandskonten in Aktiv- und
Passivkonten.

MERKE

Bestandskonten werden aus den Vermögensbeständen und Kapitalbeständen eines Unternehmens abgeleitet -


in Aktivkonten und Passivkonten.

Unterschied zwischen Aktivkonten und Passivkonten

36
Aktivkonten sind alle Konten, die sich auf der Aktivseite der Bilanz befinden. Dazu zählen Konten wie z.B. Gebäude,
Maschinen, Fuhrpark oder Kasse.

Passivkonten sind hingegen alle Konten, die sich auf der Passivseite der Bilanz befinden, wie beispielsweise
Eigenkapital, Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen oder Hypotheken.

Beispiele für Bestandskonten

METHODE

Beispiele für Aktivkonten

 Technische Anlagen, Maschinen, Fuhrpark


 Bank
 Kasse

Beispiele für Passivkonten

 Eigenkapital
 Verbindlichkeiten
 Hypotheken / Darlehen

Verbuchung von Zugängen und Abgängen auf Aktiv- und Passivkonten

Gehen Beträge auf einem Aktivkonto ein (z.B. Kauf einer Maschine), dann werden diese Zugänge im
Soll (Aktivseite) gebucht. Gehen Beträge von einem Aktivkonto ab (z.B. Verkauf einer Maschine), dann werden
diese Abgänge im Haben (Passivseite) gebucht.

Gehen Beträge auf einem Passivkonto ein (z.B. Erhöhung eines Darlehens), dann werden diese Zugänge im
Haben gebucht. Gehen Beträge von einem Passivkonto ab (z.B. Begleichung einer Verbindlichkeit), dann werden
diese Abgänge im Soll gebucht.

37
Verbuchung von Zugängen und Abgängen auf Aktiv- und Passivkonten

MERKE

Konten, die aus der Bilanz hervorgehen und sich demnach auf Bestände des Vermögens konzentrieren,
werden Bestandskonten genannt!

 1Lückentext Nr. 2
 2MC-Aufgabe Nr. 4
 3MC-Aufgabe Nr. 5
 4MC-Aufgabe Nr. 6
Lückentext Nr. 2

Aufgabe 1 von 4

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

Bestandskonten nennt man Konten, welche aus der   hervorgehen.

Lösen

Eröffnungsbilanzkonto

Vorlesen

Zunächst ist zu beachten, dass aus der Eröffnungsbilanz und in die Schlussbilanz nicht gebucht werden darf, da es
reine Bestandsauflistungen sind, die außerhalb des Kontensystems erstellt wurden.

38
METHODE

Das Eröffnungsbilanzkonto dient zur Eröffnung der Bestandskonten.Die Anfangsbestände der Eröffnungsbilanz sind


mit Hilfe des Eröffnungsbilanzkontos (EBK) auf die aktiven und passiven Bestandskonten zu übertragen.

Man benötigt also Hilfskonten wie das Eröffnungsbilanzkonto. Es handelt sich dabei um das Hilfskonto zwischen
der Eröffnungsbilanz und den Bestandskonten.

Buchungssätze bei der Eröffnungsbilanz

Auf dem Eröffnungsbilanzkonto werden die Anfangsbestände der Aktiv- und


Passivkonten spiegelbildlich eingetragen, da die Anfangsbestände (AB) auf Aktivkonten (Bestandskonto) im Soll
stehen müssen, werden sie im Eröffnungsbilanzkonto im Haben gebucht, bei Passivkonten dementsprechend
andersherum (also im Soll), die dazugehörigen Buchungssätze lauten:

METHODE

Verschiedene Aktiva (Anfangsbestand) an Eröffnungsbilanzkonto u.


Eröffnungsbilanzkonto an Verschiedene Passiva (Anfangsbestand)

MERKE

Das Eröffnungsbilanzkonto ist ein Hilfskonto und spiegelbildlich zur Eröffnungsbilanz sowie zum Schlussbilanzkonto.

Beispiel für ein Eröffnungsbilanzkonto

39
Eröffnungsbilanzkonto und Anfangsbestände

 1MC-Aufgabe Nr. 7
 2MC-Aufgabe Nr. 8
 3MC-Aufgabe Nr. 9

40
MC-Aufgabe Nr. 7

Aufgabe 1 von 3

Eröffnungsbilanz und Schlussbilanz sind reine ...

Bestandsauflistungen

Bestandsvergleiche

Bestandsbewertungen

Lösen

 Der Abschluss eines Kontos


Der Saldo

Vorlesen

Wir kommen nun zur Saldenbildung auf Konten, die wir bebucht haben. Neben den Anfangsbeständen werden auf
die Bestandskonten nun die Geschäftsvorgänge des laufenden Jahres gebucht.

Meistens sind Soll und Haben nicht zufällig ausgeglichen, womit ein Saldo übrig bleibt.
Er lässt sich wie folgt bestimmen:

1. Soll und Habenseite des Kontos jeweils addieren


2. Den Kleineren vom größeren Wert abziehen
3. Das Ergebnis der Subtraktion (Differenz) wird auf die betragskleinere Seite übertragen.
4. Beide Seiten sind nunmehr ausgeglichen, also:

MERKE

Summe Sollseite = Summe Habenseite

Der Saldo ist demnach der Mehrbetrag einer Seite über die andere Seite.

41
Saldo zwischen Soll- und Habenseite

Unterschied zwischen Sollsaldo und Habensaldo

Steht der Saldo auf der Habenseite, wird er Sollsaldo genannt, da er den Mehrbetrag der Sollseite ausweist. Steht
er auf der Sollseite, dementsprechend Habensaldo , für den Mehrbetrag im Haben.
Also erscheint ein Mehrbetrag im Haben auf der Sollseite und umgekehrt.

Berechnung des Endbestands und Verbuchung auf dem Schlussbilanzkonto

Salden des letzten Geschäftsjahres können Anfangsbestände (AB) sein. Wir hatten sie oben schon erwähnt. Hinzu
kommen dann während des Jahres Zugänge (Z) bzw. Abgänge (A). Den Saldo, der bei einem Bestandskonto = dem
Endbestand ist, kann man dann auch so berechnen:

Endbestand (EB) bzw. Saldo = Anfangsbestand (AB) + Zugänge (Z) – Abgänge (A).
Die Salden bzw. EB der Bestandskonten werden auf das Schlussbilanzkonto (SBK) gebucht.

METHODE

Kurzgefasst lässt sich zum Saldo folgendes merken:

 Mehrbetrag einer Seite über die andere


 Saldo auf Habenseite = Sollsaldo
 Saldo auf Sollseite = Habensaldo

 1Lückentext Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 1

42
 3MC-Aufgabe Nr. 2
 4MC-Aufgabe Nr. 3
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

Steht der Saldo auf der Habenseite, wird er   genannt, da er den Mehrbetrag der Sollseite ausweist.

Lösen

Das Schlussbilanzkonto

Vorlesen

Das Schlussbilanzkonto (SBK) ergibt sich aus den Endbeständen (Salden) der Bestandskonten.

Es ist ein Hilfskonto der Schlussbilanz, denn nun müssen die Endbestände der Bestandskonten nur noch in die
Schlussbilanz übertragen werden. Um von der Schlussbilanz dann zur Eröffnungsbilanz des nächsten
Geschäftsjahres zu kommen, muss "nur noch die Überschrift" geändert werden. Theoretisch sind die beiden also
gleich, was auch logisch ist, denn man macht im nächsten Geschäftsjahr dort weiter, wo man im letzten Jahr
aufgehört hat.

Beispiel: Abschluss von Konten in die Schlussbilanz

43
Abschluss von Konten in die Schlussbilanz

Nun könnte man sich fragen, warum wir dann überhaupt noch ein Eröffnungsbilanzkonto brauchen.
Wenn man einmal versucht hat, vom SBK direkt die Endbestände als Anfangsbestände auf die Bestandskonten zu

44
buchen, merkt man warum! Die Endbestände der Aktivkonten stehen zum Beispiel auf der Sollseite des SBKs und
man kann nicht von Soll an Soll buchen!

Deshalb schaltet man das EBK dazwischen, das die Endbestände als Anfangsbestände des nächsten Geschäftsjahres
bei Aktivkonten im Haben und bei Passivkonten im Soll aufnimmt. So erklärt sich auch die Spiegelbildlichkeit des
EBKs anschaulich.

 1MC-Aufgabe Nr. 4
 2MC-Aufgabe Nr. 5
 3MC-Aufgabe Nr. 6
 4MC-Aufgabe Nr. 7
MC-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 4

Worin unterscheiden sich SBK und EBK?

Die Positionen sind spiegelbildlich vertauscht.

Die Beträge werden auf 0 gesetzt.

Passivkonten werden im EBK ausgelassen.

Lösen

Erfolgskonten

Vorlesen

Im Gegensatz zu Bestandskonten halten die Erfolgskonten Geschäftsvorfälle fest, die den Erfolg (Gewinn und


Verlust) einer Unternehmung tangieren. Daher ihr Name Erfolgskonten; es handelt sich dabei um Konten wie z.B.:
Steuern, Miete, Zinserträge oder Löhne.

MERKE

45
Die Erfolgskonten weisen keine Bestände auf!

Ein Unternehmen erzielt Erfolg, wenn es Waren oder Dienstleistungen vom Beschaffungsmarkt einkauft,
verarbeitet und dann weiterverkauft. Man nennt diesen Vorgang auch Umsatztätigkeit.

In diesem Zusammenhang fallen Geschäftsvorgänge an, die sich in der Gewinn- u. Verlustrechnung widerspiegeln.
Es handelt sich dabei nicht um Bestände, wie sie in der Bilanz (-> die Bilanz wird abgeleitet aus den
Bestandskonten) vorkommen, sondern um Aufwendungen und Erträge.

Aufwand und Ertrag entsteht im Unternehmen bei erfolgswirksamen Geschäftsvorgängen. Sie sind Zentralbegriffe


der BWL.

MERKE

Erfolgskonten könnte man auch als "Unterkonten des Eigenkapitals" bezeichnen - sie dienen der Gewinnermittlung
des Unternehmens. Um zu verstehen, wie die Buchung auf Erfolgskonten funktioniert, muss man sich erstmal mit
den Begriffen Aufwendungen und Erträge vertraut machen.

 1MC-Aufgabe Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 1

Welche Aussage ist richtig?

Erfolgskonten haben einen Anfangsbestand.

Auf Erfolgskonten werden erfolgwirksame Geschäftvorfälle verbucht.

Erfolgskonten sind Unterkonten eines Bestandskontos.

Lösen

Erfolgswirksame Geschäftsvorgänge

46
Vorlesen

Ein Geschäftsvorgang kann im Unternehmen gleichzeitig sowohl den Erfolg beeinflussen, als auch Bestände


verändern.

MERKE

Was sind erfolgswirksame Geschäftsvorgänge?

Dies sind Vorfälle, die den Erfolg beeinflussen, bei ihnen ist folglich immer ein Erfolgskonto betroffen. In
der Gewinn- u. Verlustrechnung stehen am Ende die Salden der Erfolgskonten.

BEISPIEL

Die Firma Karl Mai aus Köln bezahlt die Miete für ihre Lagerhalle von 1500€ über die Bank.

Buchungssatz

Der Buchungssatz im vorliegenden Beispiel lautet

Miete (Soll) an Bank (Haben) 1500€.

Welche Konten sind hier betroffen?

Die Miete stellt einen Aufwand für das Unternehmen dar. Aufwandskonten sind Erfolgskonten, demzufolge steht
das Konto Miete in der Gewinn- u. Verlustrechnung (GuV) unter Aufwendungen.

Das Konto Bank ist ein Bestandskonto und steht am Ende in der Bilanz. Stellt die Mietzahlung den einzigen Vorgang
im Jahr dar, verringert sich das Vermögen um 1500€ (Bestand in der Bank nimmt um 1500€ ab!).
Gleichzeitig verringert der Aufwand auch das Ergebnis und demzufolge auch das Eigenkapital .

MERKE

Jeder erfolgswirksame Geschäftsvorgang beeinflusst den Erfolg des Unternehmens und damit das Eigenkapital.

In unserem Beispiel liegt zudem eine Bilanzverkürzung vor.

Unterschied zu erfolgsunwirksamen Geschäftsvorgängen

Neben erfolgswirksamen gibt es auch erfolgsunwirksame Geschäftsvorgänge:

MERKE

47
Was sind erfolgsunwirksame Geschäftsvorgänge?

Es handelt sich hierbei um Geschäftsvorgänge, die nur Bestände betreffen und demzufolge keine Auswirkungen


auf den Unternehmenserfolg haben.

BEISPIEL

Die Firma Karl Mai begleicht ihre Verbindlichkeiten aus einem früheren Kauf bei einem Lieferanten von 500€ bar.

Buchungssatz

Der Buchungssatz im vorliegenden Beispiel lautet

Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung an Kasse 500€.

Welche Konten sind hier betroffen?

Konto „Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung“ und Konto „Kasse“.

Beides sind Bestandskonten:

Das Konto „Kasse“ ist ein Aktivkonto, das Konto „Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung“ ein Passivkonto.
Beide Konten nehmen um den Betrag von 500€ ab, die Schulden auf dem Passivkonto sinken und das Geld in der
Kasse ist auch weg. Es handelt sich also um eine Bilanzverkürzung ohne erfolgswirksam zu sein.

MERKE

Bilanzverlängerungen und Bilanzverkürzungen können sowohl erfolgswirksam als auch unwirksam sein.


Zusammengefasst: Alle Vorgänge im Unternehmen, die das Passivkonto Eigenkapital berühren und nicht
Privateinlagen oder Privatentnahmen sind, heißen erfolgswirksam , alle anderen Vorgänge sind erfolgsunwirksam .

 1Lückentext Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
 4MC-Aufgabe Nr. 4
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

48
Erfolgswirksame Geschäftsvorfälle sind Vorfälle, die den Erfolg beeinflussen, bei ihnen ist folglich immer

ein  betroffen.

Lösen

Unterschiede zwischen Aufwand und Ertrag

Vorlesen

Aufwand und Ertrag entstehen immer nur in Verbindung mit erfolgswirksamen Vorgängen.

Definitionen

Aufwendungen hat der Unternehmer, wenn er Güter oder Dienstleistungen zur Produktion einsetzen muss, wie
beispielsweise Verbrauch an Roh- Hilfs- u. Betriebsstoffen, Löhne und Gehälter der Mitarbeiter,
Mietaufwendungen, Steuern etc.

Erträge fließen dem Unternehmen nach der Produktion zu, z.B. Umsatzerlöse, Provisionen, Zinserträge von der
Bank.

Am Ende des Jahres sollten die Erträge höher sein als die Aufwendungen, damit das Unternehmen einen Gewinn
einfährt. „Häufig entsprechen die Erträge den Einnahmen und die Aufwendungen den Ausgaben des
Unternehmens, dies muss aber nicht der Fall sein“!

MERKE

Die Erfolgskonten werden unterteilt in

 Aufwandskonten und
 Ertragskonten,

je nachdem ob sie Aufwendungen oder Erträge aufnehmen.

Verbuchung

Es geht weiter mit der Verbuchung der Aufwendungen und Erträge :


Wir hatten schon gesagt, dass die Salden von Erfolgskonten in die Gewinn- u. Verlustrechnung eingehen.

Aufwendungen mindern das Konto Eigenkapital, stellen also einen Abgang auf dem Passivkonto Eigenkapital dar.
Abgänge auf Passivkonten werden auf der Sollseite verbucht, demnach stehen die Aufwendungen als Abgang
ebenfalls im Soll.

49
Erträge führen zu einer Erhöhung des Eigenkapitals, stellen also einen Zugang auf dem Passivkonto Eigenkapital
dar. Zugänge auf Passivkonten stehen im Haben, weshalb Erträge im Haben gebucht werden.

MERKE

Daher lautet der Buchungsgrundsatz: Aufwendungen im SOLL, Erträge im HABEN buchen!

Abschluss von Erfolgskonten

Einer der letzten Punkte ist der Abschluss von Erfolgskonten .

Die Aufwands- und Ertragskonten stellen Unterkonten des Eigenkapitals dar, weil sie es direkt, als Zugänge =
Erträge = Haben und Abgänge = Aufwendungen = Soll, beeinflussen. Sie werden jedoch nicht direkt über das
Eigenkapitalkonto, sondern über das Gewinn- u. Verlustkonto abgeschlossen .

Stellen wir uns mal ein Aufwandskonto vor:

Im Soll stehen die Aufwendungen während des Jahres, im Haben etwaige Aufwandsminderungen die angefallen
sind sowie der Saldo. Den Saldo haben wir ermittelt um das Konto Aufwendungen abzuschließen, er steht im
Haben, weil die Aufwendungen die Aufwandsminderungen des Jahrs übersteigen. Der Saldo wird dann auf die
Sollseite des Gewinn – u. Verlustkontos gebucht.

Verbuchung

Demnach muss der Buchungssatz lauten:

METHODE

Abschlussbuchung
G+V-Konto an Aufwandskonto
Ein Ertragskonto wird in derselben Weise parallel abgeschlossen.
Tipp: der Buchungssatz lautet "Ertragskonto an G+V-Konto"

 1MC-Aufgabe Nr. 5
 2MC-Aufgabe Nr. 6
 3Lückentext Nr. 2
 4MC-Aufgabe Nr. 7
 5MC-Aufgabe Nr. 8
 6MC-Aufgabe Nr. 9
MC-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 6

50
Aufwandskonten schließen normalerweise mit einem Sollsaldo, Ertragskonten mit einem Habensaldo ab.
 
richtig
 
weiß nicht
 
falsch
Lösen
GuV Konto abschließen

Vorlesen

Sehen wir uns gemeinsam den Abschluss des GuV-Kontos an:

Beim GuV-Konto stehen die Salden der Aufwandskonten im Soll und die Salden der Ertragskonten im Haben.


Um das GuV-Konto abzuschließen, addieren wir die Salden im Soll und Haben und bilden dann die Differenz, welche
den Saldo des GuV-Kontos darstellt.

Dieser Saldo wird übertragen in die GuV-Rechnung, welche Aufwendungen und Erträge gegenüberstellt, somit gibt
der Saldo des GuV-Kontos den Unternehmenserfolg an. Dabei kann es sich sowohl um einen Gewinn als auch um
einen Verlust handeln. Steht der Saldo im GuV-Konto auf der Sollseite, handelt es sich um einen Gewinn, weil die
Erträge die Aufwendungen übersteigen. Dementsprechend handelt es sich um einen Verlust, wenn der Saldo im
Haben des GuV-Kontos steht, dann übersteigen die Aufwendungen die Erträge. Man bezeichnet den Saldo auf der
Sollseite als „Habensaldo“, da er einen Mehrbetrag im Haben darstellt, entsprechend den Saldo auf der Habenseite
als „Sollsaldo“, da er einen Mehrbetrag im Soll darstellt.

MERKE

Der Saldo des GuV-Kontos kann also je nachdem wo er steht, ein Gewinn oder Verlust sein.

Weist der Saldo des GuV-Kontos einen Gewinn aus, wird er als Zugang auf dem Passivkonto Eigenkapital im Haben
gebucht. Bei einem Verlust, als Abgang auf dem Eigenkapitalkonto im Soll.

Saldo auf Soll oder Haben-Seite

Auf dem GuV-Konto werden Aufwendungen und Erträge eines Unternehmens gegenüber gestellt. Es können zwei
Fälle eintreten:

51
1. Die Aufwendungen waren höher als die Erträge (= Jahresfehlbetrag)
2. Die Erträge waren höher als die Aufwendungen (= Jahresüberschuss)

Demnach kann also ein Saldo auf der Soll oder auf der Haben-Seite des GuV-Kontos enstehen.

So entsteht ein Saldo auf der Soll-Seite

 Erträge übersteigen Aufwendungen


 Saldo auf der Soll Seite, man spricht von einen Habensaldo
 folglich wurde ein Jahresüberschuss erwirtschaftet

So entsteht ein Saldo auf der Haben-Seite

 Aufwendungen übersteigen Erträge


 Saldo auf der Haben Seite, man spricht von einem Sollsaldo
 folglich wurde ein Jahresfehlbetrag erwirtschaftet

Aufstellen der Buchungssätze

Die Buchungssätze bei Jahresüberschuss und Jahresfehlbetrag lauten wie folgt

BEISPIEL

Gewinn: GuV an Eigenkapital
Verlust: Eigenkapital an GuV

Abschluss des GuV-Kontos

Die nachfolgende Grafik verdeutlicht den Zusammenhang.

52
Abschluss des GuV-Kontos

 1MC-Aufgabe Nr. 10
 2MC-Aufgabe Nr. 11

53
 3MC-Aufgabe Nr. 12
MC-Aufgabe Nr. 10

Aufgabe 1 von 3

Welche Aussage ist richtig?

Beim GuV-Konto stehen die Salden der Aufwandskonten im Soll und die Salden der Ertragskonten im Haben.

Beim GuV-Konto stehen die Salden aller Erfolgskonten im Soll.

Beim GuV-Konto stehen die Salden der Aufwandskonten im Haben und die Salden der Ertragskonten im Soll.

Lösen

 Der Buchungssatz
Buchen von Geschäftsvorfällen - Buchungssätze lernen

Vorlesen

Das Schwierigste an der Buchführung ist das Verständnis des Buchungssatzes. Wenn dieses Prinzip einmal
verstanden ist, kann man fast jede Aufgabe durch ein wenig Nachdenken lösen. Grundlage für das Bilden eines
Buchungssatzes ist der Aufbau der verschiedenen Kontenarten, also Aktivkonten, Passivkonten sowie Aufwands-
und Ertragskonten.

Am besten lässt sich der Buchungssatz sicherlich an einem anschaulichen Beispiel erklären:

BEISPIEL

Kauf einer Maschine für 20 000€, Bezahlung per Banküberweisung.

Wie geht man bei der Erstellung des Buchungssatzes vor?

1. Man überlegt zunächst, welche Konten angesprochen werden.


In diesem Beispiel sehr einfach, natürlich das Konto “Maschinen” und “Bank”.

54
2. Was für Konten sind das?
Beides sind Aktivkonten (wenn man dies hier noch nicht sofort weiß, keine Angst, das kommt mit der Zeit!).
3. Was passiert auf den Konten (Zugang oder Abgang)?
Das Guthaben auf der Bank nimmt logischerweise ab, wenn man eine Überweisung tätigt, also findet hier ein
Abgang statt. Die neue Maschine ist 20 000€ wert, also nimmt das Konto “Maschinen” um 20 000€ zu, also hier ein
Zugang.
4. Zusammenhang zwischen 3. und 4.
Bei einem Aktivkonto “bucht” man Zugänge im Soll , Abgänge dagegen im Haben . Das sollte aus dem vorherigen
Kapitel klar sein. Wenn man sich das Konto vorstellt oder skizziert, stehen also die 20 000€ auf dem
Maschinenkonto auf der Sollseite (weil Zugang) und auf dem Bankkonto auf der Habenseite (weil Abgang).
5. Der Buchungssatz
Meistens steht im Lehrbuch nur “Soll an Haben” . Hört sich einfach an, ist auch einfach, aber man muss es einmal
verstanden haben, ansonsten hat man ein sehr großes Problem.

BEISPIEL

Nochmal zur Verdeutlichung:


Maschinen -> Aktivkonto -> Zugang -> Zugang im Soll
Bank -> Aktivkonto -> Abgang -> Abgang im Haben

So, und nun kommt der bekannte Satz “Soll an Haben” endlich zum Zuge, denn man schaut nun:

METHODE

Soll: Das Maschinenkonto wird wie oben erklärt im Soll angesprochen.


Haben: Das Bankkonto wird im Haben angesprochen.

Erstellen des Buchungssatzes

Folglich bucht man:

Maschinen 20 000€ an Bank 20 000€


(oder auch einfach: Maschinen an Bank 20 000€)

Nun kann es jedoch auch sein, dass die Maschine nicht direkt bezahlt wird sondern erst später. Dies wird meistens
mit dem Ausdruck "auf Ziel kaufen" deutlich. Also: Kauf einer Maschine für 20 000 € auf Ziel. Dann ist neben dem
Konto Maschinen das Passivkonto “Verbindlichkeiten aus LuL” angesprochen.

BEISPIEL

Jetzt denkt man sich wieder die Schritte von vorher:

 Verbindlichkeiten aus LuL -> Passivkonto -> Schulden erhöhen sich -> Zugang im Haben
 Maschinen -> Aktivkonto -> Zugang -> Zugang im Soll

55
Der Buchungssatz lautet also nun (Soll an Haben):

Maschinen an Verbindlichkeiten aus LuL 20 000€

Nehmen wir nun an, der Unternehmer zahlt diese Verbindlichkeit nach 3 Wochen an den Lieferanten der Maschine
per Banküberweisung:

BEISPIEL

 Bank -> Aktivkonto -> Abgang -> Abgang im Haben


 Verbindlichkeiten -> Passivkonto -> Abgang -> Abgang im Soll
(Schulden werden schließlich kleiner)

Also lautet der Buchungssatz (Soll an Haben):

Verbindlichkeiten aus LuL an Bank 20 000€

Buchungssatz zum Aktivtausch

Wir haben in einem kurzen Video zwei Beispiele zum Bilden der Buchungssätze beim Aktivtausch vorbereitet:
Play Video

Buchungssatz zum Passivtausch

Im folgenden Lernvideo wird die Bildung eines Buchungssatzes beim Passivtausch deutlich:


Play Video

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2BS-Aufgabe Nr. 4
 3BS-Aufgabe Nr. 2
 4BS-Aufgabe Nr. 1
 5BS-Aufgabe Nr. 5
 6BS-Aufgabe Nr. 7
 7BS-Aufgabe Nr. 3
 8BS-Aufgabe Nr. 6
 9BS-Aufgabe Nr. 8
 10BS-Aufgabe Nr. 9
 11BS-Aufgabe Nr. 10
 12BS-Aufgabe Nr. 11
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 12

56
Welche Aussage ist richtig?

Abgänge auf Passivkonten werden immer im Haben gebucht.

Zugänge auf Erfolgskonten werden immer im Soll gebucht.

Zugänge auf Ertragskonten werden immer im Haben gebucht.

Lösen

Buchungssatz zur Bilanzverlängerung

Vorlesen

METHODE

Was ist eine Bilanzverlängerung?


Hier sind nicht nur Bilanzpositionen auf einer Seite der Bilanz betroffen, sondern auf beiden. Eine Veränderung auf
der Aktivseite führt hier gleichzeitig zu einer Veränderung auf der Passivseite in gleicher Höhe. Bei der
Bilanzverlängerung kommt es zu der Erhöhung von Bilanzpositionen auf der Aktiv- und Passivseite. In der Summe
steigt die Bilanzsumme.

In dem nachfolgenden Video wird anhand eines Beispiels ein Buchungssatz zur Bilanzverlängerung erklärt.
Play Video

 1Buchungssatz Nr. 1
 2Buchungssatz Nr. 2
 3Buchungssatz Nr. 3
 4Buchungssatz Nr. 4
 5Buchungssatz Nr. 5
Buchungssatz Nr. 1

Aufgabe 1 von 5

57
Unser Lieferant belastet uns mit Verzugszinsen für unpünktliche Zahlung von 100 €.
Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Buchungssatz zur Bilanzverkürzung

Vorlesen

METHODE

Was ist eine Bilanzverkürzung?


Analog zur Bilanzverlängerung sind bei der Bilanzverkürzung auch beide Bilanzseiten betroffen. Eine Veränderung
auf der Aktivseite führt hier gleichzeitig zu einer Veränderung auf der Passivseite in gleicher Höhe. Bei der
Bilanzverkürzung kommt es zu der Verringerung von Bilanzpositionen auf der Aktiv- und Passivseite. In der Summe
sinkt die Bilanzsumme.

In dem nachfolgenden Video wird anhand eines Beispiels ein Buchungssatz zur Bilanzverkürzung erklärt.
Play Video

 1Buchungssatz Nr. 1
 2Buchungssatz Nr. 2
 3Buchungssatz Nr. 3

58
 4Buchungssatz Nr. 4
 5Buchungssatz Nr. 5
Buchungssatz Nr. 1

Aufgabe 1 von 5

Die Miete für die Büroräume im Wert von 1.700 € wird von uns überwiesen.
Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen

Warenverkehr

Die Umsatzsteuer
Mehrzeiliger zusammengesetzter Buchungssatz

Bisher kennen wir nur den einfachen Buchungssatz, das heißt:

MERKE

59
Ein Konto, das im Soll betroffen ist und ein Konto, das im Haben betroffen ist.

Nun gibt es aber auch noch Buchungssätze, bei denen 3 oder mehr Konten angesprochen werden. Als Grundsatz
gilt für diese Konstellationen immer:

MERKE

Die Summe der Beträge im Soll, muss der im Haben entsprechen!

Beispiel: Buchungssatz für 3-Konten

Kauf einer Maschine in Höhe von 1.190 € auf Ziel. 19% Vorsteuer ist enthalten.

Maschinen 1.000 an Verbindlichkeiten 1.190

Vorsteuer 190

Test, ob im Soll und im Haben in Summer der gleiche Betrag gebucht wurde:
1.000 + 190 = 1.190

Warum braucht man überhaupt einen Buchungssatz mit mehr als 2 Konten?

Theoretisch könnte man den oben beispielhaft dargestellten Buchungssatz auch in zwei einzelne Buchungssätze
aufteilen, nämlich:

Maschinen 1.000 an Verbindlichkeiten 1.000

Vorsteuer 190 an Verbindlichkeiten 190

Wie man sieht, wird hier das Konto Verbindlichkeiten doppelt angesprochen. Da es sich ja außerdem um ein und
denselben Geschäftsvorfall handelt, "schiebt" man die zwei separaten Buchungssätze zusammen. Damit spart man

60
einerseits Arbeit und andererseits kann somit später die Verbuchung jedes Geschäftsvorfalls besser nachvollzogen
werden!

Was bei dieser Buchung auf den drei Konten passiert, zeigt die folgende Abbildung:

Zugänge im Soll und Haben

Dass es die mehrzeiligen Buchungssätze leichter machen, die zugrunde liegenden Geschäftsvorfälle
nachzuvollziehen, wird auch noch einmal deutlich, wenn wir annehmen, dass statt dem Konto "Verbindlichkeiten"
das Konto "Bank" angesprochen wird.

Was würde man bei obigem Geschäftsvorfall auf dem Bankauszug sehen?

Für die Maschine werden effektiv 1.190 € an den Verkäufer gezahlt, d.h. das Bankkonto hat einen Abgang in Höhe
von 1.190 € zu verzeichnen. Die Vorsteuer wird nicht separat überwiesen! Deshalb macht es Sinn, dass auch der
Buchungssatz diese Zahlung exakt widerspiegelt.

Maschinen 1.000 an Bank 1.190

Vorsteuer 190

Was bei dieser Buchung auf den drei Konten passiert, zeigt die folgende Abbildung:

61
Zugänge und Abgänge im Soll und Haben

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2Buchungssatz Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 2

Welche Aussage zu den Buchungssätzen ist richtig?

Die Anzahl der angesprochenen Konten muss auf beiden Seiten des Buchungssatzes gleich sein.

Die Summe der Beträge im Soll, muss der im Haben entsprechen!

Buchungssätze dürfen nicht mehr als zwei Kontennamen enthalten.

Lösen

Mehrwertsteuer (MwSt) berechnen und buchen

Vorlesen

Die Mehrwertsteuer (kurz: MwSt) ist eine Steuer, die der Verkäufer eines Produktes oder einer Dienstleistung an
das Finanzamt abführen muss. Die Mehrwertsteuer stellt also eine Verbindlichkeit des Verkäufers gegenüber dem
Finanzamt dar. Die Mehrwertsteuer beträgt zurzeit 19% oder 0,19 bzw. für Lebensmittel o.ä. 7% und wird auf das
Konto "Mehrwertsteuer" gebucht.

62
METHODE

Annahme
Der Einfachheit halber rechnen wir meistens mit dem regulären Mehrwertsteuersatz in Höhe von 19%, da hier nur
die Systematik eine Rolle spielt und nicht der tatsächlich auf den jeweiligen Sachverhalt anwendbare
Mehrwertsteuersatz.

Berechnung und Verbuchung der Mehrwertsteuer (MwSt)

Play Video

Wie oben schon gesagt, ist die Mehrwertsteuer eine Verbindlichkeit, deswegen ist das MwSt-Konto ein
Passivkonto!

MERKE

Die Mehrwertsteuer stellt eine Verbindlichkeit des Verkäufers an das Finanzamt dar und wird auf das Passivkonto
"Mehrwertsteuer" gebucht!

Berechnung

Bei der Berechnung der Mehrwertsteuer ist zu beachten, ob man den Netto- oder den Bruttowarenwert als
Grundlage hat.
Beim Nettowarenwert wird die Mehrwertsteuer einfach mit Nettowarenwert x 19% oder 0,19 berechnet.
Der Bruttowarenwert (also der Warenwert inklusive Mehrwertsteuer) ergibt sich aus dem Nettowarenwert +
Nettowarenwert x 0,19 !

Um nun vom Bruttowarenwert zum Mehrwertsteuerbetrag zu kommen, muss man wissen, dass
der Bruttobetrag nicht 100% sind, sondern 119% , denn er besteht aus den 100% vom Nettowarenwert plus den
19% Mehrwertsteuer. Um also vom Bruttowarenwert auf den Nettowarenwert zu kommen, dividiert man den
Bruttobetrag einfach durch 1,19. Dann muss man nur noch den Nettobetrag mit 19% oder 0,19 multiplizieren und
schon hat man den Mehrwertsteuerbetrag.

MERKE

Nettobetrag x 0,19 = Mehrwertsteuerbetrag Nettobetrag + Nettobetrag x 0,19 = Bruttobetrag Bruttobetrag / 1,19 =


Nettobetrag

BEISPIEL

Die PChome GmbH verkauft ein Notebook für 2.380€ brutto.


Bruttowert: 2.380€

63
Nettowert:  2.380 €1,19=2.000 €
Mehrwertsteuerbetrag:  2.000 €⋅0,19=380 €

Verbuchung

Kasse 2.380 an Warenverkauf 2.000

Mehrwertsteuer 380

oder

Forderungen 2.380 an Warenverkauf 2.000

Mehrwertsteuer 380

METHODE

Forderungen werden dann angesprochen, wenn der Käufer den Betrag in Höhe von 2.380€ nicht sofort begleicht.

Bedeutung der Mehrwertsteuer (MwSt)

Weitere Informationen zu der Bedeutung der Mehrwertsteuer gibt es hier:

VERTIEFUNG

Hier klicken zum Ausklappen


Die Bedeutung der MwSt

 1MC-Aufgabe Nr. 2
 2MC-Aufgabe Nr. 3
 3BS-Aufgabe Nr. 2

64
 4BS-Aufgabe Nr. 2
 5BS-Aufgabe Nr. 7
 6BS-Aufgabe Nr. 8
MC-Aufgabe Nr. 2

Aufgabe 1 von 6

Wie ist die Mehrwertsteuer zu bezeichnen?

Als eine Verbindlichkeit des Käufers gegen den Verkäufer.

Als eine Forderung des Verkäufers gegenüber dem Finanzamt.

Als eine Verbindlichkeit des Verkäufers gegenüber dem Finanzamt.

Lösen

Vorsteuer berechnen und buchen

Vorlesen

Wenn ein Käufer irgendeine Ware oder Dienstleistung bezieht, muss er den Bruttowert dieser Ware bezahlen. Im
Gegensatz zum Endverbraucher kann ein Unternehmer diese gezahlte Umsatzsteuer jedoch als Vorsteuer auf
das Aktivkonto "Vorsteuer" buchen, die eine Forderung gegenüber dem Finanzamt darstellt.
Die Vorsteuer entspricht also genau dem Wert der Mehrwertsteuer, die der Verkäufer bei demselben
Warengeschäft als Mehrwertsteuer bucht.

METHODE

Die Umsatzsteuer
Warum ist das so? Weshalb kann ein Unternehmer die Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückfordern?

Das System der Mehrwertsteuer (Umsatzsteuer) funktioniert folgendermaßen:


Grundsätzlich zahlen nur Endverbraucher, d.h. natürliche Personen, die Mehrwertsteuer. Da der Staat jedoch nicht
weiß, wer Endverbraucher ist und wer nicht, hat er sich ein System ausgedacht. Zunächst unterliegt jeder Kauf oder
Verkauf von Waren oder Dienstleistungen der Umsatzsteuer, d.h. es wird nicht unterschieden, wer Unternehmer ist
und wer Endverbraucher ist. Der Staat kassiert also in einem ersten Schritt die Mehrwertsteuer. Im zweiten Schritt
können die Unternehmer nun im Gegensatz zum Endverbraucher die gezahlte Umsatzsteuer zurückverlangen. Dies

65
ist die oben bereits erwähnte "Vorsteuer". Da der Unternehmer ja auch die vom Endverbraucher gezahlte
Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen muss, darf er die zu zahlende Umsatzsteuer (=Verbindlichkeit ggü. dem
Finanzamt) mit der "fälschlicherweise" gezahlten Umsatzsteuer/Vorsteuer (= Forderung ggü. dem Finanzamt)
verrechnen und muss am Ende jeden Monats nur den Differenzbetrag an das Finanzamt zahlen.

MERKE

Die Vorsteuer wird auf das Aktivkonto Vorsteuer gebucht und stellt eine Forderung an das Finanzamt dar!

Beispiel zur Berechnung und Buchung der Vorsteuer

Da die Vorsteuer der Mehrwertsteuer entspricht, wird sie auch genauso berechnet.

BEISPIEL

Das Unternehmer Fritz kauft eine neue Maschine für 11.900€ auf Ziel (d.h. sie wird erst später bezahlt!).
Die Buchung würde dann folgendermaßen aussehen:

Maschinen 10.000€
Vorsteuer 1.900€ an Verbindlichkeiten 11.900€

 1MC-Aufgabe Nr. 4
 2BS-Aufgabe Nr. 7
 3BS-Aufgabe Nr. 8
MC-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 3

Welche der folgenden Aussagen zur Vorsteuer ist richtig?

Die Vorsteuer wird vom Käufer auf einem entsprechenden Passiv-Konto gebucht.

Die Vorsteuer stellt eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt dar.

Die Vorsteuer stellt eine Forderung gegenüber dem Finanzamt dar.

66
Lösen

Verbuchung des Wareneinkaufs

Vorlesen

Im Folgenden schauen wir uns an, wie die Verbuchung bei einem Wareneinkauf abläuft.

Grundsätzlich gilt bei der Buchung des Wareneinkaufs folgendes:

METHODE

Ein Handelsbetrieb strebt keine oder eine nur sehr geringe Lagerführung an. Stattdessen verfolgt er das Ziel, die
eingekauften Waren schnellstmöglich wieder zu verkaufen. Die Buchung eines Wareneinkaufs in einem
Handelsunternehmen wird daher direkt als Aufwand auf dem entsprechenden Konto "Wareneingang" verbucht.

Play Video

 1Buchungssatz Nr. 1
 2Buchungssatz Nr. 2
 3Buchungssatz Nr. 3
 4Buchungssatz Nr. 4
 5Buchungssatz Nr. 5
Buchungssatz Nr. 1

Aufgabe 1 von 5

Kauf einer Kollektion Hemden. Der Preis von 3.570 € (inkl. USt) ist innerhalb von 90 Tagen zahlbar.
Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

67
  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Verbuchung des Warenverkaufs

Vorlesen

Nachdem wir uns zuvor die Verbuchung des Wareneinkaufs angesehen haben, wenden wir uns nun der Buchung
beim Warenverkauf zu. Hier gehen wir ganz analog vor.

Denn das Konto "Warenverkauf" ist ebenfalls ein Erfolgskonto, welches in der Gewinn- und Verlustrechnung
erscheint und dem Konto "Wareneingang" gegenübersteht.

Unterschied zwischen Warenkauf und Warenverkauf

MERKE

Der Wareneingang wird im Soll gebucht und mindert so den Gewinn des Unternehmens, während


der Warenverkauf diesen steigert.

Play Video

 1Buchungssatz Nr. 1
 2Buchungssatz Nr. 2
 3Buchungssatz Nr. 3
 4Buchungssatz Nr. 4
 5Buchungssatz Nr. 5
Buchungssatz Nr. 1

Aufgabe 1 von 5

68
Barverkauf einer Kaffemaschine für 214,20 € (inkl. USt).
Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Abschluss des Vorsteuerkontos / Mehrwertsteuerkontos

Vorlesen

Es gibt 2 Möglichkeiten das Vorsteuer- und das Mehrwertsteuerkonto abzuschließen:

1. Das Vorsteuerkonto wird über das MwSt-Konto abgeschlossen

Dabei wird der Saldo des Vorsteuerkontos (Habenseite) auf die Sollseite des MwSt-Kontos gebucht:

MwSt an Vorsteuer

BEISPIEL

Dieses Beispiel dient der Verdeutlichung. Gegeben seien auf dem Vorsteuer- und dem
Mehrwersteuerkonto folgende Zu- und Abgänge.

69
Soll Vorsteuer Haben

Zugänge 1.000 Saldo 1.000

Soll Mehrwertsteuer Haben

Vorsteue 1.000 Zugänge 1.200


r

Saldo 200

Auf diesen Angaben basierend wird der Saldo des MwSt-Kontos gebildet. Dieser Saldo wird auch Zahllast  genannt.
Im Normalfall steht dieser Saldo auf der Sollseite des Mehrwertsteuerkontos, d.h. die
Mehrwertsteuerverbindlichkeiten des Unternehmens sind höher als die Vorsteuer. In Unternehmen, die
vorwiegend im Export tätig sind, kann jedoch auch eine negative Zahllast entstehen (d.h. die Vorsteuer ist höher
als die Mehrwertsteuerverbindlichkeiten), die dem Unternehmen vom Finanzamt gutgeschrieben wird.

Die positive Zahllast muss innerhalb von 10 Tagen nach Ablauf des Voranmeldezeitraums an das Finanzamt
überwiesen werden.

BEISPIEL

Die dazugehörigen Buchungssätze lauten

 Bei positiver Zahllast: MwSt an Bank


 Bei negativer Zahllast: Bank an MwSt

MERKE

Die Differenz zwischen Mehrwertsteuer und Vorsteuer heißt Zahllast. Ist die Vorsteuer höher als die
Mehrwertsteuer, wird dies als negative Zahllast bezeichnet.

Für dieses Verfahren dient das folgende Schema der Verdeutlichung.

70
Vorsteuer Umsatzsteuer - Verbuchung in der Schlussbilanz

71
2. Der Abschluss erfolgt nach der 3-Konten-Methode

Bei dieser Methode werden die Salden des Vorsteuer- und des MwSt-Kontos auf ein drittes Konto namens
Mehrwertsteuerverrechnung bzw. Umsatzsteuerverrechnung gebucht:

Umsatzsteuerverrechnung an Vorsteuer
MwSt an Umsatzsteuerverrechnung

BEISPIEL

Analog zu dem obigen Beispiel erfolgt hier der Abschluss nach der 3-Konten-Methode.

Soll Vorsteuer Haben

Zugänge 1.000 Saldo 1.000

Soll Mehrwertsteuer Haben

Sald 1.200 MwSt 1.200


o

Soll Umsatzsteuerverrechnung Haben

Vorsteue 1.000 MwSt. 1.200


r

Saldo 200

Dann wird der Saldo auf diesem Konto gebildet und die Zahllast an das Finanzamt überwiesen:

72
Umsatzsteuerverrechnung an Bank
bzw.
Bank an Umsatzsteuerverrechnung (bei negativer Zahllast)

MERKE

Bei der 3-Konten-Methode werden die Salden des Vorsteuer- und des MwSt-Kontos auf das Konto
"Umsatzsteuerverrechnung" gebucht und dort miteinander verrechnet!

 1MC-Aufgabe Nr. 5
 2MC-Aufgabe Nr. 6
 3BS-Aufgabe Nr. 3
 4BS-Aufgabe Nr. 4
 5BS-Aufgabe Nr. 5
MC-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 5

Welche Aussage ist richtig?

Der Saldo des Mehrwertsteuerkontos steht auf der Habenseite.

Das Vorsteuerkonto ist ein Passivkonto.

Der Saldo des Vorsteuerkontos steht auf der Habenseite.

Lösen

 Die Warenkonten
Das Wareneinkaufskonto

Vorlesen

Warenkonten werden nur von Handelsbetrieben benötigt, die Waren z.B. im Ausland einkaufen und später teurer
wieder verkaufen (Kleidung, Elektronik etc.)

73
Das Wareneinkaufskonto (WEK) ist ein gemischtes Konto, also ein Bestandskonto und ein Erfolgskonto, d.h. auf der
Sollseite befinden sich der Anfangsbestand sowie die Zugänge und auf der Habenseite werden die Rücksendungen
an Lieferanten und die Preisnachlässe der Lieferanten gebucht. Alle Buchungen werden zu Einkaufspreisen
bewertet!

METHODE

Das Wareneinkaufskonto weist

 im Soll den Warenanfangsbestand, die Zugänge (beide zu Einkaufspreisen) und (meist über bes.
Unterkonto) die Bezugskosten,
 im Haben etwaige Rücksendungen an die Lieferer bzw. (meist über bes. Unterkonto) Nachlässe auf.

Im Haben wird ferner der Einkaufswert der verkauften Waren als Abgang gebucht, sodass der Saldo des
Wareneinkaufskontos den Warenendbestand angibt. I.d.R. wird zunächst der Warenendbestand laut Inventur
eingebucht, sodass sich als Saldo der Warenverkauf zu Einstandspreisen ergibt, der zum Warenverkaufskonto, zum
Warenabschlusskonto oder direkt zur Gewinn- und Verlustrechnung abgeschlossen wird; vgl. §§ 275, 276 ff. HGB.

MERKE

WEK= gemischtes Konto


Also gilt: Buchungen immer zu Einkaufspreisen

Beispiel zur Buchung auf dem Wareneinkaufskonto

Soll Wareneinkaufskonto Haben

Anfangsbestan 1.000 Preisnachlässe 320


d

Zugänge 2.000 Rücksendungen 200

 1BS-Aufgabe Nr. 1
 2BS-Aufgabe Nr. 2
 3BS-Aufgabe Nr. 3
 4MC-Aufgabe Nr. 1

74
 5MC-Aufgabe Nr. 2
BS-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 5

Ein Handelsunternehmen kauft die neue Sommermode aus Italien für 16730 € netto auf Ziel ein.

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Das Warenverkaufskonto

Vorlesen

Das Warenverkaufskonto (WVK) ist ein Erfolgskonto, da dort auf der Habenseite die Warenverkäufe zu
Verkaufspreisen gebucht werden. Preisnachlässe an die Kunden bzw. Rücksendungen von Kunden schmälern den
Erlös und werden deshalb auf der Sollseite des Kontos gebucht (wie bei einem Passivkonto: Zugänge im Haben,
Abgänge im Soll!).

METHODE

75
Das Warenverkaufskonto weist

 im Haben die Warenverkäufe (Umsätze zu Verkaufspreisen),


 im Soll (meist über Unterkonten) Warenrücksendungen und Nachlässe gegenüber Kunden aus.

Das Warenverkaufskonto ist ein reines Erfolgskonto. Sofern der Einkaufswert der verkauften Waren
(Wareneinkaufskonto) ebenfalls über die Sollseite des Warenverkaufskontos abgeschlossen wird, ergibt sich dort
als Saldo das Rohergebnis (Rohgewinn, Rohverlust). Zur Zulässigkeit vgl. § 276 HGB.

MERKE

WVK= Erfolgskonto (Buchungen immer zu Verkaufspreisen)

Beispiel zur Buchung auf dem Warenverkaufskonto

Soll Warenverkaufskonto Haben

Preisnachlässe 1.000 Warenverkäufe 32.000

Rücksend. v. 2.000
Kunden

 1BS-Aufgabe Nr. 4
 2BS-Aufgabe Nr. 6
 3MC-Aufgabe Nr. 3
BS-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 3

Der Audiohersteller Wai Man Li Corp. verkauft 3 seiner neuen Hifi-Türme für 8.211 € brutto auf Ziel. Wie muss er
den Geschäftsvorfall buchen?

Habenkonto

76
  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Abschluss der Warenkonten

Vorlesen

Warenkonten werden nach der sogenannten 3-Konten-Methode abgeschlossen. Zuvor haben wir dieses Verfahren


schon bei dem Abschluss des Vorsteuer- und des Mehrwertsteuerkontos kennen gelernt.

Die 3-Konten-Methode

Für den Abschluss der Warenkonten nach der 3-Konten-Methode benötigen wir

 Wareneinkaufskonto (WEK)
 Warenverkaufskonto (WVK)
 Wareneinsatz
 GuV-Konto
 Schlussbilanzkonto

Wenn eine Ware verkauft wird, bucht man nicht nur den Erlös (Verkaufspreis) auf das WVK, sondern man bucht
zusätzlich den Einkaufspreis auf dem WEK aus.

Indem man das WEK saldiert, kann man jederzeit den buchmäßigen Warenbestand ermitteln.

77
MERKE

Die verkaufte Ware zu Einkaufspreisen bezeichnet man auch als Wareneinsatz .

Dieser Wareneinsatz wird

1. vom WEK auf das gleichnamige Konto Wareneinsatz gebucht


2. und von dort aus auf die Sollseite des GuV-Konto.
3. Der Schlussbestand des WEK wird auf das SBK-Konto gebucht.

MERKE

Auf der Sollseite des GuV-Kontos stehen immer die Aufwendungen, auf der Habenseite immer die Erträge!

Um den Warenrohgewinn zu ermitteln (also die Differenz zwischen dem, was man für die Waren bezahlt hat und
dem, was man beim Verkauf dafür bekommen hat), bucht man den Saldo des WVKs auf die Habenseite des GuV-
Kontos (4. Schritt) . Wenn man dieses nun saldiert, hat man den Warenrohgewinn (Warenerfolg).

MERKE

Der Wareneinsatz wird ermittelt, indem die Abgänge (verkaufte Waren zu Einkaufspreisen) vom WEK auf das
Wareneinsatzkonto gebucht werden und von dort auf die Sollseite des GuV-Kontos. Der Saldo des WVK wird auf die
Habenseite des GuV-Kontos gebucht und der Saldo des GuV-Kontos zeigt dann den Warenrohgewinn. Vorteile: Man
kann durch Saldierung jederzeit den Wareneinsatz sowie Warenrohgewinn ermitteln !

Das Vorgehen wird an dem nachfolgenden Beispiel deutlich.

BEISPIEL

Das Wareneinkaufskonto hatte einen Bestand in Höhe von 40.000 Euro. Waren im Wert von 10.000 Euro werden
im Laufe des Geschäftsjahres eingesetzt, um beim Verkauf einen Erlös von 40.000 Euro zu realisieren.

Soll WEK Haben

Anfangsbestan 40.000 Wareneinsatz 10.000


d

Saldo 30.000

78
Soll Wareneinsatz Haben

WE 10.000 Saldo 10.000


K

Soll WVK Haben

Saldo 40.000 Zugänge 40.000

Soll SBK Haben

WE 30.000 Saldo 30.000


K

Soll GuV Haben

Wareneinsatz 10.000 WVK 40.000

Saldo 30.000

Aufstellen der Buchungssätze

1. Schritt: Buchung des Wareneinsatzes auf das Wareneinsatzkonto

79
Wareneinsatz 10.000 an WEK 10.000

2. Schritt: Buchung des Wareneinsatzes auf das GuV-Konto

GuV 10.000 an Wareneinsatz 10.000

3. Schritt: Buchung des Schlussbestands des WEKs auf das SBK-Konto

SBK 30.000 an WEK 30.000

4. Schritt: Buchung des Saldos des WVKs auf das GuV-Konto

WVK 40.000 an GuV 40.000

 1Aufstellen der Buchungssätze


Aufstellen der Buchungssätze

Aufgabe 1 von 1

Bitte die Elemente in der richtigen Reihenfolge einordnen.

 Buchung des Schlussbestands des WEKs auf das SBK-Konto


 Buchung des Wareneinsatzes auf das GuV-Konto
 Buchung des Wareneinsatzes auf das Wareneinsatzkonto
 Buchung des Saldos des WVKs auf das GuV-Konto

Lösen

80
 Preisnachlässe
Verbuchung von Rabatten

Vorlesen

Ein Rabatt ist ein Preisnachlass, den der Verkäufer dem Käufer direkt beim Abschluss eines Geschäfts gewährt. Der
wichtigste und verbreiteteste Rabatt ist der Mengenrabatt (wie das Wort schon sagt: bei einem Kauf von großen
Mengen) und der Treuerabatt (um treue Kunden auch weiterhin zu binden).

Da dieser Preisnachlass direkt beim Kauf festgelegt wird, muss man ihn nicht gesondert verbuchen (außer er wurde
versehentlich vergessen o.ä.). Der Listenpreis wird einfach um den Rabatt gemindert und so verbucht (Vorsteuer
bzw. MwSt nicht vergessen!).

MERKE

Ein Rabatt mindert den Preis direkt beim Kauf.

Arten von Rabatten

Wer noch mehr über Rabatte erfahren möchte, kann sich hier schlau machen.

VERTIEFUNG

Hier klicken zum Ausklappen


Übersicht über die Arten von Rabatten

Beispiel für die Berechnung und Verbuchung eines Rabatts

BEISPIEL

Kauf von 100 Paar Schuhen


Listenpreis: 10 000€ netto
Mengenrabatt: 5%

Der Buchungssatz zu diesem Beispiel lautet wie folgt:

WEK 9.500 an Verbindlichkeiten 11.305

81
Vorsteuer 1.805

 1BS-Aufgabe Nr. 7
 2BS-Aufgabe Nr. 1
 3BS-Aufgabe Nr. 2
 4BS-Aufgabe Nr. 3
 5MC-Aufgabe Nr. 1
 6MC-Aufgabe Nr. 2
BS-Aufgabe Nr. 7

Aufgabe 1 von 6

Uns wird ein Rabatt in Höhe von 5% auf unseren Einkauf (Barzahlung) in Höhe von 4500€ netto gewährt.

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen

82
Verbuchung von Boni

Vorlesen

Boni sind nachträgliche Preisnachlässe, die der Verkäufer dem Kunden gewährt, wenn dieser beispielsweise ein
bestimmtes Kaufvolumen pro Jahr überschreitet.

Die Boni können als

1. Gutschrift,
2. Auszahlung oder
3. zusätzliche Warenlieferung gegeben werden.

MERKE

Die Höhe der handels- und branchenüblichen oder vertraglich vereinbarten Boni ist zumeist prozentual
gestaffelt nach dem mit dem liefernden Unternehmen erreichten Umsatz (daher nennt man solche Boni
auch Umsatzbonus, Mengen- oder Treuerabatt).

Da die Buchung der ursprünglichen Geschäftsvorfälle schon geschehen ist, auf die sich die Boni beziehen, müssen
diese nun korrigiert werden.

Da sowohl der Käufer als auch der Verkäufer ihre Buchungen korrigieren müssen (Umsatzsteuer!), unterscheidet
man zwischen dem Kundenbonus und dem Lieferantenbonus .
Der Lieferant bucht den nachträglichen Preisnachlass auf das Konto "  Kundenboni " und der Kunde auf das
Konto Lieferantenboni.

Das Konto Kundenboni wird am Ende des Jahres über das Warenverkaufskonto abgeschlossen und schmälert so
den Erlös, das Konto "Lieferantenboni" wird über das Wareneinkaufskonto abgeschlossen.

Da Boni meistens entweder bar ausbezahlt oder bei der Bank gutgeschrieben werden, würde eine Verbuchung so
aussehen:

BEISPIEL

Schauen wir uns ein Beispiel für die Verbuchung eines Kundenbonus an.

Verbuchung beim Verkäufer

83
Kundenboni an Kasse/Bank

Mehrwertsteuer

Verbuchung Beim Käufer

Kasse/Bank an Lieferantenboni

Vorsteuer

MERKE

Boni sind die Mehrzahl (Plural) von Bonus, genauso wie Skonti die Mehrzahl von Skonto sind. Heißt: 5 x Skonto =
Skonti oder 7 x Bonus = Boni. Deshalb enden die Konten auch auf "i", weil dort mehrere Kunden oder Lieferanten
ihren Bonus oder ihr Skonto eingezahlt haben. Boni sind nachträgliche Preisnachlässe.

Man unterscheidet bei der Verbuchung zwischen

 Lieferantenbonus und
 Kundenbonus.

Das Konto Lieferantenboni ist ein Unterkonto des Wareneinkaufskontos, das Konto Kundenboni ein Unterkonto des
Warenverkaufskontos.

 1MC-Aufgabe Nr. 3
 2MC-Aufgabe Nr. 4
 3Buchungssatz Nr. 1
 4Buchungssatz Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 4

84
Boni sind direkt gewährte Preisnachlässe, die bei dem Lieferanten auf dem Konto "Kundenboni" und beim Käufer
auf dem Konto "Lieferantenboni" direkt verbucht werden.
 
Diese Aussage ist falsch. Bei den Boni handelt es sich um nachträgiche Preisnachlässe die der Lieferant auf dem
Konto "Lieferantenboni" und der Käufer auf dem Konto "Kundenboni" verbucht.
 
Diese Aussage ist falsch. Bei den Boni handelt es sich um nachträgiche Preisnachlässe die der Lieferant auf dem
Konto "Kundenboni" und der Käufer auf dem Konto "Lieferantenboni" verbucht.
 
Diese Aussage stimmt. Im Gegensatz zu dem Rabatt handelt es sich bei den Boni um nachträgliche Preisnachlässe,
die sich sofort auf den Kaufpreis auswirken und daher aus steuerrechtlichen Gründen gesondert verbucht werden
müssen.
Lösen
Skonto

Vorlesen

Ein Skonto ist ein Preisnachlass, der dem Käufer gewährt wird, wenn er seine Verbindlichkeiten innerhalb einer
bestimmten Frist (z.B. 30 Tage) tilgt. Mit dieser Methode versuchen Firmen ihre Kunden dazu zu motivieren
möglichst früh ihre noch ausstehenden Rechnungen zu begleichen, so dass die Firma möglichst wenige
Forderungen hat.

Auch beim Skonto unterscheidet man, wie schon beim Bonus, zwischen

 dem Kundenskonto und
 dem Lieferantenskonto.

Die Verbuchung kann nach dem Brutto- oder dem Nettoverfahren erfolgen, dazu allerdings etwas ausführlicher im
nächsten Punkt.

MERKE

Ein Skonto wird bei fristgerechter Zahlung gewährt und analog zum Bonus auf den Konten Lieferantenskonti und
Kundenskonti verbucht.

 1MC-Aufgabe Nr. 5
 2MC-Aufgabe Nr. 6
MC-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 2

85
Welches Konto muss bei Ausschöpfung eines Skontos vom Verkäufer verwendet werden?

Lieferantenskonti

Kundenskonti

Verkaufsskonti

Lösen

Bruttoverfahren

Vorlesen

Beim Bruttoverfahren wird der Skonto vom Bruttowarenwert berechnet, wie man unschwer am Namen erkennen
kann. Der Skonto wird ja, wie wir vorhin hoffentlich gelernt haben, bei der fristgerechten Überweisung/ Bezahlung
abgezogen.
Beim Bruttoverfahren bucht man nun den Wareneinkauf und die Vorsteuer ganz normal ohne Rücksicht auf den
Skonto.

Da man aber nur den Bruttowarenwert minus die x-% Skonto überweist, kann man auch nur diesen Wert beim
Konto Bank ausbuchen. Die Differenz wird gesondert auf das Konto Lieferantenskonti gebucht.

BEISPIEL

Einkauf von Monitoren zum Nettopreis von 15 000€.


Der Händler gewährt uns 5% Skonto bei Zahlung innerhalb von 30 Tagen.

Berechnung und Buchung

Wir buchen also:

Wareneinkauf 15.000 an Bank 16.957,50

86
Vorsteuer 2.850 an Lieferantenskonti 892,50

Gesamtbetrag: 15.000€ + 2.850 MwST = 17.850€


5% Skonto: 17.850€ * 0,05 = 892,50€
Gesamtbetrag inkl. Skonto: 17.850€ - 892,50€ = 16.957,50€ Soweit klar?

Das Problem ist nur, dass wir ja jetzt eine zu hohe Vorsteuer angegeben haben, denn der Warenwert hat sich um
5% verringert und somit auch die Vorsteuergrundlage. Also ist eine Korrekturbuchung nötig. Oben haben wir den
Skonto vom Bruttowarenwert berechnet und einfach auf das Konto Lieferantenskonti gebucht. Hier ist also die
Vorsteuer noch mit drin. Deshalb buchen wir zur Korrektur:

METHODE

Korrekturbuchung

Lieferantenskonti 142,50 an Vorsteuer 142,50

Vorsteuerkorrektur: 2.850€ * 0,05 = 142,50€

Das Beispiel hat verdeutlicht, was beim Bruttoverfahren zu beachten ist. Insgesamt gilt es sich folgendes zu merken.

MERKE

Beim Bruttoverfahren berechnet man den Skonto vom Bruttowarenwert, überweist nur den Bruttowarenwert
minus den Skonto, bucht die Differenz auf das Konto Lieferantenskonti und korrigiert dann in einer zweiten
Buchung die Vorsteuer!

 1MC-Aufgabe Nr. 7
 2MC-Aufgabe Nr. 8
 3MC-Aufgabe Nr. 9
MC-Aufgabe Nr. 7

Aufgabe 1 von 3

87
Wird beim Bruttoverfahren der Skonti vom Bruttowert berechnet?

Beim Bruttoverfahren wird der Skonti vom Nettowert berechnet.

Beim Bruttoverfahren wird der Skonti gar nicht berechnet.

Beim Bruttoverfahren wird der Skonti vom Bruttowert berechnet.

Lösen

Nettoverfahren

Vorlesen

Die Vorgehensweise bei der Skontoverbuchung nach dem Nettoverfahren lässt sich am besten durch einen


Vergleich mit dem bereits beschriebenen Bruttoverfahren  erklären.

Schauen wir uns das Beispiel an, das wir auch bei dem Bruttoverfahren aufgezeigt haben:

BEISPIEL

Einkauf von Monitoren zum Nettopreis von 15 000€.


Der Händler gewährt uns 5% Skonto bei Zahlung innerhalb von 30 Tagen.

Berechnung und Buchung

WEK 15.000 an Bank 16.957,50

Vorsteuer 2.850 an Lieferantenskonti 892,50

Berechnung
Wareneinkaufswert: 15.000 €
Bruttobetrag: 15.000€ + 19% MwSt = 17.850 €

88
5% Skonto auf Bruttobetrag = 17.850 € * 5% = 892,50€
Gesamtbetrag inkl. Skonto: 17.850 - 892,50€ = 16.957,50€

Und die Korrekturbuchung, da 5% Skonto gewährt werden:

Lieferantenskonti 142,50 an Vorsteuer 142,50

Wenn man sich die beiden Buchungssätze noch einmal zusammen ansieht, kann man erkennen, dass der zweite
Buchungssatz nur eine Korrekturbuchung darstellt, die etwas zu viel gebuchte Mehrwertsteuer vom Kundenskonti -
Konto wieder zurückweist. Das ist ein Umweg, den das Nettoverfahren nicht macht.

MERKE

Im Nettoverfahren verschmilzt der eigentliche Buchungssatz mit der Korrekturbuchung, die aufgrund der
veränderten Höhe der abzuführenden Umsatzsteuer im Bruttoverfahren notwendig gewesen ist.

Wenn im ersten Buchungssatz 2.850€ Vorsteuer auf der Sollseite des entsprechenden Aktivkontos "Vorsteuer"
hinzugefügt werden und im zweiten Buchungssatz 142,50€ durch buchen auf der Habenseite des gleichen Kontos
wieder abgezogen werden, ist es naheliegend, von Anfang an nur 2.707,50 € zu buchen. Das gleiche Vorgehen ist
auch beim Lieferantenskonti anzuwenden.

Beide Buchungssätze zusammengefasst ergeben unser erstes Beispiel für eine Skontoverbuchung nach dem
Nettoverfahren:

METHODE

Nettoverfahren

WEK 15.000 an Bank 16.957,50

Vorsteuer 2.707,50 an Lieferantenskonti 750

Berechnung
Wareneinkaufswert: 15.000 €

89
Nettobetrag: 15.000€
5% Skonto auf Nettobetrag = 15.000 € * 5% = 750€
MwSt auf Betrag abzgl. Skonto: 15.000 - 750 € = 14.250€ * 0,19 = 2.707,50€
Gesamtbetrag inkl. Skonto: 14.250 + 2.707,50 MwSt = 16.957,50€

 1BS-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 10
 3MC-Aufgabe Nr. 11
 4Buchungssatz Nr.2
BS-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Julius D kauft eine neue Walze für 16.000€ netto (Banküberweisung) und nimmt einen Kundenskonti in Höhe von
5% wahr. Verbuchung nach dem Bruttoverfahren ohne Angabe der USt-Korrekturbuchung!
Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Tipp anzeigen
 
Lösen

90
 Abschluss von Bestandskonten
Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffkonten

Vorlesen

Was sind Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe?

 Rohstoffe: Das müsste zwar jedem klar sein, aber damit sind die Ausgangsstoffe für eine Produktion
gemeint.
 Hilfsstoffe: Werden zusätzlich für das Produkt gebraucht, sind aber keine Hauptbestandteile, wie bspw.
Nägel, Leim etc.
 Betriebsstoffe: Um das Produkt herstellen zu können, müssen die Maschinen funktionieren (Schmieröl,
Strom etc.)

MERKE

Die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffkonten sind Bestandskonten, d.h. ihr Endbestand wird beim Abschluss immer auf
das SBK gebucht.

Wenn die RHB Stoffe aus dem Lager genommen und verbraucht werden, werden sie vom jeweiligen Bestandskonto
("Rohstoffe", Hilfsstoffe", "Betriebsstoffe") auf das Konto "Aufwendungen für Rohstoffe", "Aufwendungen für
Hilfsstoffe" oder "Aufwendungen für Betriebsstoffe" gebucht.

Aufstellen der Buchungssätze

Aufwendungen für Rohstoffe 2.000 an Rohstoffe 2.000

Bei der Verbuchung von Hilfs- und Betriebsstoffen wird analog vorgegangen!

Ermittlung von Bestandsveränderungen

Hier gibt es 3 Arten (wer sie hier lernt, muss für die Kostenrechnung weniger lernen!):

1. Inventur AB+Zugänge - EB = Verbrauch


2. Entnahmen lt. Materialentnahmescheinen
3. Sollverbrauchsmenge je Stück * produzierte Stückzahl

 1BS-Aufgabe Nr. 5

91
 2BS-Aufgabe Nr. 6
 3MC-Aufgabe Nr. 1
BS-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 3

Für die Produktion werden Rohstoffe im Wert von 300€ verbraucht.

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Bestandsveränderung - Bestandsmehrung & Bestandsminderung

Vorlesen

In jedem Industriebetrieb werden die sogenannten "Fertigen Erzeugnisse" nicht alle verkauft, sondern manchmal
auch auf Vorrat produziert (Bestandserhöhung). Umgekehrt werden natürlich auch manchmal Erzeugnisse aus der
Vorperiode, die noch im Lager waren, verkauft und erhöhen so die Umsatzerlöse (Bestandsminderung).

Um nun die Konten abzuschließen, müssen die Bestandsveränderungen beim Periodenabschluss berücksichtigt


werden.

92
Bestandserhöhung

Bei der Produktion auf Lager werden mehr Güter produziert als abgesetzt werden können, der Rest kommt ins
Lager. Für diese Mehrproduktion wurden aber auch Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe verwendet, die als
Aufwendungen in die GuV eingehen und so den Periodengewinn schmälern.
Deshalb werden die gelagerten Güter, die auf dem Bestandskonto "Fertige Erzeugnisse" gebucht werden, zu
Herstellkosten bewertet auf der Habenseite der GuV als Ertrag verbucht.

Da die Aufwendungen für diese Produkte den Herstellkosten entsprechen, rechnet man sie also theoretisch aus der
GuV heraus.

MERKE

 Bestandsmehrung bei Produktion auf Lager


 Herstellkosten gehen als Aufwendung in die GuV ein

Aufstellen der Buchungssätze

SBK 15.000 an Fertige Erzeugnisse 15.000

Umsatzerlöse 100.000 an GuV 100.000

25.000 an GuV 25.000


Fertige Erzeugnisse

Bestandsminderung

Bei der Bestandsminderung passiert nun das Ganze quasi umgekehrt.


Auf der Habenseite der GuV stehen Erträge vom Verkauf von Produkten, die schon in der Vorperiode hergestellt
wurden, denen jedoch keine Herstellkosten gegenüber stehen.
Wenn der Endbestand/Schlussbestand des Bestandskontos "Fertige Erzeugnisse" geringer ist als der
Anfangsbestand, dann bucht man diese Bestandsminderung als Aufwand auf die Sollseite des GuV-Kontos.

93
Der Schlussbestand des Kontos Fertige Erzeugnisse kommt sowohl bei der Bestandsmehrung als auch bei der
Bestandsminderung immer auf das SBK .

MERKE

 Bestandsminderung bei Verkauf von Produkten aus der Vorperiode


 Buchung als Aufwand auf Sollseite des GuV-Kontos Buchungssätze

Aufstellen der Buchungssätze

SBK 15.000 an Fertige Erzeugnisse 15.000

Umsatzerlöse 10.000 an GuV 10.000

GuV 10.000 an Fertige Erzeugnisse 10.000

 1BS-Aufgabe Nr. 7
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
BS-Aufgabe Nr. 7

Aufgabe 1 von 3

Der Schlussbestand (Endbestand) des Kontos Fertige Erzeugnisse beträgt 35 400€. Wo kommt der Schlussbestand
hin und wie lautet die Buchung?

Habenkonto

  

94
0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Bestandsveränderung bei mehrstufiger Produktion

Vorlesen

Bei einer mehrstufigen Produktion sind im Lager nicht nur fertige Erzeugnisse sondern auch unfertige, also
Zwischenprodukte. Um nun die Bestandsveränderungen übersichtlicher zu gestalten, benutzt man das
Ertragskonto Bestandsveränderungen.

Auf die Sollseite werden die Aufwendungen (in diesem Fall die Bestandsminderungen), auf die Habenseite die
Erträge (also Bestandsmehrungen) gebucht.
Der Saldo des Kontos wird dann auf die entsprechende Seite des GuV Kontos gebucht.

MERKE

Man sollte sich merken, dass bei mehrstufiger Produktion die Bestandsveränderungen auf das Konto
Bestandsveränderungen gebucht, dort verrechnet und der Saldo auf das GuV gebucht wird.

 1MC-Aufgabe Nr. 5
 2MC-Aufgabe Nr. 6
MC-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 2

95
Wenn der Lagerbestand abnimmt, wird zum Kontenausgleich ein Saldo auf der Sollseite des Kontos “fertige
Erzeugnisse” verbucht.

nein

weiß nicht

ja

 Geldverkehr
Factoring

Vorlesen

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine noch nicht fälligen Forderungen an einen Factor. Der Schuldner
der Forderung muss seine Schulden dann nicht mehr beim Unternehmen sondern beim Factor tilgen.

Diese auf Factoringgeschäfte spezialisierten Unternehmen übernehmen meistens mit der Forderung, die natürlich
für weniger als ihr Nennwert gekauft wird, auch das so genannte Delkredererisiko, was bedeutet, dass der Factor
das Ausfallrisiko der Forderung trägt.

Funktionen des Factoring

Das Factoring hat 3 Hauptfunktionen:

1. Finanzierungsfunktion: Durch den Verkauf der Forderungen hat das Unternehmen (der Klient) liquide
Mittel und muss nicht mehr auf die Tilgung der Forderung warten.
2. Dienstleistungsfunktion: Mit der Forderung übernimmt der Factor auch sämtliche damit
zusammenhängende Verwaltungsaufgaben, das Unternehmen spart diesen Aufwand.
3. Delkrederefunktion: Der Factor übernimmt das Ausfallrisiko der Forderung (je nach der Zahlungsfähigkeit
des Schuldners mindert sich dadurch natürlich der Wert dieser Forderung).

Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring

Außerdem wird das Factoring noch in folgende Arten unterteilt:

Echtes Factoring: Echtes Factoring wird auch „old-line-factoring“ genannt: Der Factor kauft mit der Forderung auch
das Delkredererisiko und hat keinen Anspruch auf Rückgabe der Forderung an den Klienten

96
Unechtes Factoring: Der Factor übernimmt mit der Forderung nicht auch das Delkredererisiko.

MERKE

Beim echten Factoring werden die Forderungen mit dem Risiko des Forderungsausfalls an den Factor übertragen,
beim unechten Factoring verbleibt dieses Delkredererisiko beim Lieferanten.

So funktionierts:
Das Unternehmen bekommt vom Factor ca. 80% des Forderungsbetrages gutgeschrieben, der Rest verbleibt auf
einem gesonderten Konto, um eventuelle Preisnachlässe etc. abdecken zu können. Wenn der Schuldner seine
Schulden beglichen hat (oder beim Forderungsausfall auch nicht (=echtes Factoring)), bekommt das Unternehmen
das Restgeld, was noch auf dem gesonderten Konto verblieben ist.

MERKE

Unternehmen verkauft Forderung gegen Schuldner an einen Factor

 mit Delkredererisiko (= echtes Factoring)


 ohne Delkredererisiko (= unechtes Factoring)

MERKE

Wichtige Begriffe, die man bzgl. des Factorings merken muss, sind die folgenden:

 Finanzierungsfunktion
 Dienstleistungsfunktion
 Delkrederefunktion

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3Lückentext Nr. 1
 4Paarbildung Nr. 1
 5Paarbildung Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 5

Was gehört nicht zu den 3 Hauptfunktionen des Factoring?

97
 

die Delkrederefunktion

die Dienstleistungsfunktion

die Sicherungsfunktion

Lösen

Kosten und Vorteile des Factoring

Vorlesen

Die Factoring-Gebühr ist der Preis, den das Unternehmen für die vom Factor zu erbringenden Dienstleistungen
(Rechnungsversand, Buchhaltung, Mahnwesen, Inkasso, Zinsen für den Zeitraum der Bevorschussung) und für die
Übernahme des 100%igen Ausfallrisikos zu zahlen hat.

Die Gebühr bzw. Kosten die das Unternehmen an den Faktor zu zahlen hat setzt sich wie folgt zusammen:

Die Kosten des Factoring:

1. Kreditzinsen: Für das Geld „im Voraus“, in etwa bankübliche Zinsen.


2. Dienstleistungsgebühr: Schwankt nach Art und Umfang der Dienstleistungen, die der Factor übernimmt,
zwischen 1-2,5 % des Rechnungsbetrags.
3. Delkrederegebühr: Gebühr, die der Factor für die Übernahme des Kreditrisikos verlangt, zwischen 0,2-0,4%
des Rechnungsbetrags.

MERKE

Vorteile des Factorings:

 die Verwaltungskosten werden gesenkt


 wenn das Delkredererisiko mit übernommen wird, verringert das Unternehmen seine Verluste, wenn
Schuldner zahlungsunfähig ist
 das Unternehmen hat höhere liquide Mittel zur Verfügung und kann so beispielsweise Skonti ausnutzen

 1MC-Aufgabe Nr. 3
 2MC-Aufgabe Nr. 4

98
MC-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 2

Aus Sicht des Unternehmens, das eine Forderung einem Schuldner gegenüber hat, ist es nicht Vorteilhaft, wenn der
Factor das Delkredererisiko nicht übernimmt ("unechtes" Factoring).

Ich weiß nicht mehr, was das Delkredererisiko ist - deswegen lese ich nochmal bei den "Funktionen des Factoring"
nach.

Nein! Es ist aus Sicht des Unternehmens vorteilhaft, wenn es selbst das Delkredererisiko trägt, weil es dadurch zu
einem das Eigenkapital erhöhenden Ertrag kommt.

Das stimmt, das Unternehmen trägt beim unechten Facotring weiterhin das Kreditausfallrisiko - was nachteilhaft
ist.

Lösen

Buchung des Factoring

Vorlesen

Kommen wir nun zur Verbuchung des Factoring, wie immer erläutert an einem Beispiel.

Betroffene Konten

Folgende Konten sind nötig:

 Factoringverbindlichkeiten
 Factoringerlöse
 Factoringforderungen
 sonstige betriebliche Aufwendungen

Buchung beim echten Factoring

BEISPIEL

99
Unternehmer U verkauft seine Forderungen gegenüber Schuldner S im Wert von 50.000 € (netto!) an Factor F
(Factoringgebühr 10%).

Verkauf der Forderung

Unternehmer U bucht das Folgende:

Bank 53.550 an Forderungen 59.500

sonst. betr. Aufwendungen 5.950

Wer sich nun fragt, wie man auf 5.950 und 53.550 kommt, hier noch eine kleine Nebenrechnung:

Insgesamt hat das Unternehmen Forderungen gegenüber dem Schuldner von:


50.000€ + MwSt (19%) = 59.500 €

Das Unternehmen erhält aber nur 90% der tatsächlichen Forderung von Faktor F (Factoringgebühr 10%):
59.500 - 10% = 53.550€

Diese 10%, die das Unternehmen weniger vom Faktor F erhält wird als Aufwand verbucht:
59.500 * 0,1 = 5.950€

Kauf der Forderung

Bei Factor F sieht die Buchung so aus:

Forderungen 59.500 an Bank 53.550

Factoringerlöse 5.950

Bei der Zahlung von S ergibt sich folgende Buchung:

100
Bank 59.500 an Forderungen 59.500

Buchung beim unechten Factoring

Gleiches Beispiel wie oben, U hat eine Forderung im Wert von 50000€ netto, Gebühr 10%:

Unternehmer U: Buchung des Vorschusses von F

Bank 53.550 an Factoringverbindlichkeiten 59.500

sonst. betr. Aufwendungen 5.950

Wenn S seine Schulden bei F bezahlt hat:

Factoringverbindlichkeiten 59.500 an Forderungen 59.500

Factor F bucht: Vorschusses an U

Factoringforderungen 59.500 an Bank 53.350

an Factoringerlöse 5.950

wenn S ihn bezahlt hat:

Bank 59.500 an Factoringforderungen 59.500

101
 1BS-Aufgabe Nr. 1
 2BS-Aufgabe Nr. 3
 3BS-Aufgabe Nr. 4
 4BS-Aufgabe Nr. 5
 5BS-Aufgabe Nr. 1
BS-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 5

Echtes Factoring:Jungunternehmer Detlef verkauft eine Forderung im Wert von 16 000€ an einen Factor, der eine
Gebühr von 10% verlangt. Buchung?

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen

102
Factoring - Buchung bei Forderungsausfall

Vorlesen

Sowohl beim echten als auch beim unechten Factoring kann es natürlich passieren, dass der Schuldner S seine
Schulden nicht bezahlen kann. Hier lernen Sie die Buchung bei Forderungsausfall.

In diesem Fall muss beim echten Factoring der Factor F, beim unechten Factoring Unternehmer U die Forderung
auf dem Konto Abschreibungen auf Forderungen abschreiben.

Echtes Factoring

Der Forderungsausfall beim echten Factoring führt bei dem Factor F zu folgender Buchung:

Abschreibungen auf Forderungen 59.500 an Forderungen 59.500

Korrektur der Mehrwertsteuer

Zusätzlich muss der Unternehmer U noch seine Mehrwertsteuer korrigieren , denn wenn S nicht bezahlt, muss U
keine MwSt abführen.

U bucht also:

MwSt. 9.500 an sonstige betriebliche Erträge 9.500

Unechtes Factoring

U bucht den Forderungsausfall wie folgt:

Abschreibungen auf Forderungen 50.000 an Forderungen 59.500

103
MwSt. 9.500

Rückzahlung der Factoringverbindlichkeit

U muss den Vorschuss zurückzahlen und verbucht die Rückzahlung der Factoringverbindlichkeit so:

Factoringverbindlichkeiten 59.500 an Bank 59.500

 1BS-Aufgabe Nr. 3
 2BS-Aufgabe Nr. 4
 3BS-Aufgabe Nr. 5
 4MC-Aufgabe Nr. 5
BS-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 4

Was bucht der Factor, wenn eine Forderung im Wert von 23 000€ ausfällt? (echtes Factoring)

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

104
0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen

 Leasing
Formen des Leasings

Vorlesen

Beim Leasing zahlt der Leasingnehmer (LN) dem Leasinggeber (LG) ein Entgelt für die Benutzung
eines Leasingobjektes (LO) für einen begrenzten Zeitraum. Dieses Geschäft wird in einem Leasingvertrag
festgehalten. Nicht allzu schwer bis hierher...

Es gibt jedoch verschiedene Formen des Leasings, die man unterscheiden muss:

Finanzierungsleasing
- feste Grundmietzeit
- unkündbar während dieser Grundmietzeit
- bei Vollamortisation decken Leasingraten die gesamten Kosten des Leasinggebers, also Anschaffungskosten sowie
Nebenkosten
- LG trägt Risiken, d.h. er muss das Leasingobjekt reparieren etc. - bei Teilamortisation decken die Leasingraten die
Kosten nur teilweise, der Rest wird jedoch dann durch eine Schlussrate bzw. den Verkaufserlös gedeckt

Operation-Leasing
- Leasingnehmer und Leasinggeber können Vertrag jederzeit kündigen
- Amortisation durch mehrmaliges Vermieten --> Leasingobjekt muss beliebt sein

Herstellerleasing
- Hersteller tritt selbst als Leasinggeber auf

Sale-and-lease-back-Verfahren
- wenn ein Unternehmer dringend liquide Mittel benötigt, verkauft er bspw. eine Maschine an einen Leasinggeber
und least sie dann "zurück"

105
Spezialleasing
- der Leasingnehmer least ein speziell für ihn gefertigtes Objekt --> LN hat nach Ablauf des Vertrags ein Interesse an
der Weiternutzung

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
 4Paarbildung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Was ist das charakteristische am Herstellerleasing?

Der Hersteller least das Objekt von einem anderen Unternehmen.

Der Leasingnehmer least ein speziell für ihn gefertigtes Objekt.

Hersteller tritt selbst als Leasinggeber auf.

Lösen

Verbuchung

Vorlesen

Betrachten wir im Folgenden die Verbuchung des Leasings anhand von Beispielen:

Beispiel mit Zurechnung beim Leasinggeber

Verbuchung beim Leasinggeber

106
BEISPIEL

Kauf des LO 10.000 € netto per Banküberweisung:

Maschinen 10.000 an Bank 11.900

Vorsteuer 1.900 an

BEISPIEL

Leasingrate des LN in Höhe von 600€ netto:

Der LG erhält die Leasingrate vom LN in Höhe von 600€ zzgl. Mwst (19%). Diese wird auf dem Erlöskonto
"Leasingerträge" als Zugang gebucht (Ertragskonten: Zugang im Haben)

Bank 714 an Leasingerträge 600

MwSt 114

BEISPIEL

Abschreibung des LO (linear, ND 10 Jahre):

Abschreibungen 1.000 an Maschinen 1.000

107
Verbuchung beim Leasingnehmer

BEISPIEL

Leasingrate:

Der LN zahlt die Leasingrate dem LG in Höhe von 600€ zzgl. Mwst (19%).

Diese stellt für den LN eine Aufwendung dar und wird auf dem Aufwandskonto "Leasingaufwendungen" als Zugang
gebucht (Aufwandskonten: Zugang im Soll)

Leasing 600 an Bank 714


aufwendungen

Vorsteuer 114

Beispiel mit Zurechnung beim Leasingnehmer

Ein weiteres Beispiel zur Verdeutlichung:

BEISPIEL

Ein Unternehmer U least beim LG für 5 Jahre eine Maschine, deren Anschaffungskosten bei 58.300 € (netto) und die
betriebliche Nutzungsdauer (ND) bei 14 Jahren liegt, für eine jährliche Leasingrate von 15.000 €. Die Maschine wird
linear abgeschrieben!

Verbuchung beim LG (mit Zurechnung beim LN!)

Kauf des Leasingobjektes:

Maschinen 58.300 an Bank 69.377

108
Vorsteuer 11.077

LN bekommt LO:

Leasing 58.300 an Maschinen 58.300


forderungen

MwSt-Forderungen 14.250 an MwSt 14.250


gegen LN

--> die MwSt wird berechnet, indem man 19% des Gesamtwertes der Leasingraten nimmt.

MERKE

--> hier nimmt man übrigens das Konto MwSt-Forderungen gegen LN anstatt des normalen MwSt-Kontos, weil der
LN schon am Anfang der Laufzeit den Gesamtwert der Mehrwertsteuer von der gesamten Laufzeit zahlen muss.
Diese Forderung wird auch wie eine „richtige“ behandelt und deshalb auf dem Konto MwSt-Forderungen verbucht.

LN zahlt MwSt-Forderungen an LG:

Bank 14.250 an MwSt-Forderungen 14.250


gegen LN

Zahlung der Leasingrate durch LN:

Bank 15.000 an Leasing 9.433,33


forderungen

109
an Leasingerträge 5.566,67

Dieser Teil ist mit der Zurechnung der schwierigste. Man muss die Leasingrate in den Tilgungsanteil, der unter
Leasingforderungen verbucht wird, und dem Zins- und Kostenanteil, der unter Leasingerlöse verbucht wird,
unterteilen.

MERKE

4 Punkte sind hier wichtig:

1. Zunächst errechnet man die Differenz zwischen den Anschaffungskosten des Leasingobjekts und dem
Gesamtwert der Leasingraten.
2. Dann bestimmt man die Laufzeit, in diesem Fall 5 Jahre und berechnet 5+4+3+2+1=15
3. Nun nimmt man für das erste Jahr die Differenz aus 1. und multipliziert diese mit 5/15. Für das zweite Jahr
multipliziert man mit 4/15 usw. Der Zähler und das Jahr laufen quasi gegenläufig. Das Ergebnis der Rechnung ist der
Zins- und Kostenanteil(Leasingforderungen).
4. Um nun den Tilgungsanteil auszurechnen, subtrahiert man nur noch den Tilgungsanteil von der Leasingrate.

 1BS-Aufgabe Nr. 3
 2BS-Aufgabe Nr. 5
BS-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 2

Verbuche den Kauf eines Leasingobjektes (Maschine) für 1000 € netto per Banküberweisung.

Habenkonto

  

0,00

110
Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen

 Wechsel
Funktionen des Wechsels

Vorlesen

In diesem Abschnitt beschäftigen wir uns mit einer Finanzierungsform, die den meisten noch nicht bekannt sein
dürfte:
Dem Wechsel.
Heute spielt er bei inländischen Alltagsgeschäften keine bemerkenswerte Rolle mehr. Inwieweit er bei
Handelsgeschäften noch von Bedeutung ist, muss nicht weiter diskutiert werden. Wichtig für die Prüfung ist dieses
Thema auf jeden Fall. Die Verbuchung der Geschäftsvorfälle, die mit einem Wechsel zu tun haben, werden in den
folgenden Abschnitten nacheinander erläutert.

Ein Wechsel stellt ein Zahlungsversprechen dar. Wenn Sie zum Beispiel Waren bestellt haben und möchten bzw.
können diese nicht sofort bezahlen, so könnten Sie versuchen, sich mit dem Verkäufer darauf zu einigen, den
Betrag später zu zahlen. Der Wechsel bietet dem Verkäufer dann eine relative Sicherheit, denn der Wechsel ist
durch bestimmte gesetzliche Vorschriften geschützt.

Wechsel werden als Handelswechsel oder Warenwechsel bezeichnet, wenn sie wie im genannten Beispiel nach


einem Kauf von Waren o.ä. eingesetzt werden. Denkbar ist auch, dass eine andere Person Ihnen im Gegenzug für
die Ausstellung eines Wechsels eine Art Kredit einräumt. Hier spricht man von einem sogenannten Finanzwechsel.

Begrifflich ist außerdem zwischen dem Eigenen Wechsel ( Solawechsel ) und dem Gezogenen


Wechsel ( Tratte oder Akzept ) zu unterscheiden. Der Unterschied ist, dass beim Solawechsel der Wechselaussteller
sich Selbst und beim Akzept der Wechselaussteller einen Anderen zur Zahlung verpflichtet.

111
Wichtiger als diese begrifflichen Unterscheidungen sind die gesetzlichen Vorschriften, die für die Gültigkeit eines
Wechsels bedeutend sind.

Hier ist ein Blick in den Gesetzestext ausreichend: Art. 1 Wechselgesetz

MERKE

Der gezogene Wechsel enthält:

1. die Bezeichnung als Wechsel im Text der Urkunde, und zwar in der Sprache, in der sie ausgestellt ist;
2. die unbedingte Anweisung, eine bestimmte Geldsumme zu zahlen;
3. den Namen desjenigen, der zahlen soll (Bezogener);
4. die Angabe der Verfallzeit;
5. die Angabe des Zahlungsorts;
6. den Namen desjenigen, an den oder an dessen Order gezahlt werden soll;
7. die Angabe des Tages und des Ortes der Ausstellung;
8. die Unterschrift des Ausstellers.

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3Paarbildung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 3

Was stellt ein Wechsel dar?

Ein Wechsel stellt ein Bonusversprechen dar.

Ein Wechsel stellt ein Zahlungsversprechen dar.

Ein Wechsel stellt kein Zahlungsversprechen dar.

112
Lösen

Verbuchung

Vorlesen

Betrachten wir zur Verdeutlichung der notwendigen Verbuchungen, das Beispiel eines Warenwechsels:

BEISPIEL

Beispiel:
Der Käufer (K) hat beim Verkäufer (V) Waren im Wert von 300 Euro (netto) auf Ziel gekauft.

Zuerst der Buchungssatz, den K in seinen Büchern aufnehmen muss:

Wareneinkauf 300 an Verbindlichkeiten 357

Vorsteuer 57

Spiegelbildlich nimmt der Buchhalter bei V folgendes auf:

Forderung 357 an Warenverkauf 300

Mehrwertsteuer 57

Leider muss K (worüber eigentlich vor allem V sehr unglücklich ist) feststellen, dass er die Verbindlichkeit kurzfristig
nicht erfüllen kann. Er einigt sich mit V darauf, die Zahlung in 3 Monaten (häufig übliche Laufzeit) zu leisten und
akzeptiert einen Wechsel, den V zur Sicherung seiner Forderung ausstellt. V ist in diesem Beispiel
der Aussteller und K Bezogener des Wechsels.

Für 3 Monate hat K jetzt erst einmal Ruhe. Er muss die Verbindlichkeit auf ein separates Konto umbuchen. Als

113
Bezogener bedeutet der Wechsel für ihn auch weiterhin nichts anderes als eine Verbindlichkeit. Der Wechsel stellt
sich für ihn als Schuldwechsel dar.

Verbindlichkeiten 357 an Schuldwechsel 357

V muss auf sein Geld 3 Monate länger warten. Er muss solange seine Forderung in voller Höhe auf ein separates
Konto umbuchen. Als Aussteller besitzt er die im Wechsel verbriefte Forderung. Er nennt das Dokument
daher Besitzwechsel. Außer der anderen Bezeichnung ist aber alles spiegelbildlich zur Verbuchung bei K:

Besitzwechsel 357 an Forderung 357

Wenn V tatsächlich bis zum Ende der Laufzeit des Wechsels auf sein Geld warten kann, dann wird er den Wechsel
üblicher Weise bis zu seiner Fälligkeit behalten. Im nächsten Abschnitt wird die Möglichkeit der Wechselweitergabe
erläutert.

 1BS-Aufgabe Nr. 6
 2BS-Aufgabe Nr. 7
 3MC-Aufgabe Nr. 3
BS-Aufgabe Nr. 6

Aufgabe 1 von 3

Wir haben einen Geschäftsvorfall von 500€ incl. Steuern als Wechsel zu buchen, wie lautet der Buchungssatz beim
Bezogenen?

Habenkonto

  

0,00

114
Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Indossierung

Vorlesen

Ein Wechsel ist eine Form von schuldrechtlichem Wertpapier. Wie auch andere Forderungen kann ein Wechsel auf
Andere übertragen werden. Dieser Vorgang wird als Indossierung bezeichnet.

Die hier beteiligten Personen haben wieder besondere Bezeichnungen:

MERKE

Der Indossant ist Inhaber der Forderung. Wenn er die Wechselweitergabe an eine andere Person vornehmen
möchte, unterschreibt er auf der Wechselrückseite. Das Unterschreiben wird als indossieren bezeichnet. (Die
Unterschrift übrigens als Indossament .) Der neue Wechselinhaber wird Indossatar genannt.

Vorstellbar ist, dass der Indossant einen Wechsel zugunsten einer Person indossiert, weil er selbst bei diesem
Indossatar Verbindlichkeiten hat. Doch nicht nur an Gläubiger kann man einen Wechsel verkaufen. Auch Banken
decken hier einen Geschäftsbereich ab.

Wird ein Wechsel an eine Bank verkauft, so nennt man diesen Vorgang Diskontierung. Bevor wir uns mit der
Diskontierung näher beschäftigen, soll auf die Verbuchung einer Indossierung zugunsten eines Gläubigers des
Indossanten eingegangen werden.

Der Gläubiger (des Wechsels) erfüllt seine Verbindlichkeit durch die Übereignung des Wechsels. Er kann daher die
Verbindlichkeit ausbuchen, muss aber auch die Forderung, die bisher der Wechsel für ihn darstellte, streichen:

115
Verbindlichkeiten 348 an Besitzwechsel 348

Der Gläubiger des Indossanten - wir nennen ihn Indossatar - kann den Wechsel in seine Bücher eintragen. Dafür
fällt seine Forderung gegenüber dem Indossanten weg:

Besitzwechsel 348 an Forderung 348

 1BS-Aufgabe Nr. 8
 2BS-Aufgabe Nr. 3
 3MC-Aufgabe Nr. 4
BS-Aufgabe Nr. 8

Aufgabe 1 von 3

Der Indossant überträgt seinen Wechsel von in Höhe von 10.000€ an seinen Gläubiger um somit seine eigene
Verbindlichkeiten in gleicher Höhe zu tilgen. Wie lautet der Buchungssatz?

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

116
X

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Wechseldiskontierung

Vorlesen

"Sofortige Verfügung über den Gegenwert von Wechseln, die Sie von Ihren in- und ausländischen
Geschäftspartnern für Lieferungen und Leistungen erhalten haben."

So beschreibt die Stadtsparkasse Düsseldorf (wahlloses Beispiel), was ihre Geschäftskunden von
der Wechseldiskontierung zu erwarten haben.

Buchführungstechnisch werden wir uns die Folgen hier genauer ansehen. Denn im Gegensatz zum Verkauf des
Wechsels an einen eigenen Gläubiger muss der Buchungssatz hier etwas erweitert werden. Die Bank - sogar die
Stadtsparkasse Düsseldorf - verlangt für Ihre Leistung nämlich Geld.

Wechseldiskont und Wechselspesen

Wenn die Bank den Gegenwert des Wechsels sofort zur Verfügung stellt, dann hat man das Geld noch vor der
Fälligkeit des Wechsels. Insofern ist es verständlich, dass die Bank Zinsen für die vorzeitige Bereitstellung des
Wertes berechnet.

Die Zinsen die die Bank berechnet, werden Wechseldiskont genannt.

Hinzu kommen wie bei fast jeder Transaktion Gebühren.

Bei der Diskontierung anfallende Gebühren werden als Wechselspesen bezeichnet.

Nachfolgend angegebener Wechseldiskont und die Wechselspesen sind zufällig gewählt.

Bank 250 an Besitzwechsel 348

117
Wechseldiskont 70

Wechselspesen 28

Leider gibt es hierzu noch eine Sonderregelung in Bezug auf die Umsatzsteuer. Auf eine genaue Erläuterung der
gesetzlichen Vorschrift (siehe Link) wird hier verzichtet. Zu merken ist, dass der Wechseldiskont für den Aussteller
eines gesetzlich anerkannten Wechsels umsatzmindernd wirkt. (Er verzichtet auf einen Teil des im Warenwechsel
verbrieften Umsatzes.) In entsprechender Höhe wird er von der Mehrwertsteuerverbindlichkeit befreit.

Mehrwertsteuer 13,30 an Wechseldiskont 13,30

Der Staat würde aber insgesamt auf erhebliche Umsatzsteuereinnahmen verzichten, wenn er dem Bezogenen
weiterhin die volle Geltendmachung der Vorsteuer erlauben würde. Denn der Bezogene hat eine Forderung in
Höhe von 38 € (Beispiel aus vorherigem Dokument). Der Aussteller hat seine Verbindlichkeit durch
vorangegangenen Buchungssatz aber auf 26,80€ reduziert. Das ist nur zulässig, wenn er den Bezogenen informiert,
der seinerseits dann buchen muss:

Außerordentlicher Aufwand 13,30 an Vorsteuer 13,30

Bitte beachten Sie die beiden hier erstmals verwendeten Aufwandkonten.

Denkbar ist, dass der Aussteller den Diskont und gegebenenfalls sogar noch zusätzliche Spesen dem Bezogenen
berechnet. Zu merken ist lediglich, dass diese Entgelte umsatzsteuerpflichtig wären.

118
 1BS-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 5
BS-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 2

Wir indossieren einen Wechsel von 5000€ an die Bank. Es fallen Wechselspesen von 30€ und Wechseldiskont von
130€ an.

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Prolongation

Vorlesen

Denkbar ist natürlich, dass der Bezogene eines Wechsels seine Verbindlichkeit dadurch erfüllt, dass er mit
Einverständnis des Ausstellers den Wechsel durch einen neuen Wechsel ersetzt. Er erlangt dadurch einen weiteren
Zahlungsaufschub.

Anstatt einen neuen Wechsel auszustellen ist auch eine Verlängerung des Wechsels möglich.

119
Eine Verlängerung der Wechsellaufzeit wird als Prolongation bezeichnet.

Buchungstechnisch ist zwischen dem Ausstellen eines neuen Wechsels oder der Verlängerung des bestehenden
Wechsels (dann Prolongationswechsel genannt) kein maßgeblicher Unterschied. Der bisherige Wechsel wird durch
einen Wechsel in gleicher Höhe ersetzt. Wenn der Aussteller sich mit der Prolongation schon einverstanden erklärt,
wird er dafür zumindest Zinsen und Spesen verlangen, die den Buchungssatz dann etwas verlängern. Im
Wesentlichen stellt die Verbuchung aber keine neue Vorgehensweise dar.

Verbuchung der Prolongation

Ein Beispiel zur Verdeutlichung.
Die Umsatzsteuerpflicht ist, wie schon bei der Wechseldiskontierung, zu beachten.

Betrachten wir die Wechselprolongation beim Aussteller:

Besitzwechsel 425,35 an Besitzwechsel 348

Diskontertrag 30

Wechselspesen 35

Mehrwertsteuer 12,35

Die Mehrwertsteuer entspricht hier 19% der Summe aus Diskontertrag und Wechselspesen.

Und abschließend einen Blick in die Bücher des Bezogenen:

Schuldwechsel 348 an Schuldwechsel 425,35

120
Diskontaufwendungen 30

Wechselspesen 35

Vorsteuer 12,35

 1BS-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 6
 3Lückentext Nr. 1
BS-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 3

Wie lautet der Buchungssatz zu einer Wechselprolongation beim Aussteller, in Höhe von 500€. Es fallen
Diskontertrag i.H.v. 50€, Wechselspesen i.H.v. 75€ und Mehrwertsteuer i.H.v. 25€ an. Der Buchungssatz soll nur
notwenige Bestandteile erhalten und keine Buchungen von einem Konto auf dasselbe darstellen.

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen

121
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Wechselverwendung

Vorlesen

Aus der Sicht des Gläubigers sind wir nun am Ziel. Der Wechsel ist fällig geworden und kann eingelöst werden.
Buchungstechnisch ist dies relativ unproblematisch und erinnert an die Verbuchung von erfüllten Forderungen:

Wenn der Wechselinhaber schon so lange auf sein Geld gewartet hat, soll er wenigstens bei der Verbuchung von
uns als erster genannt sein.

Er bucht:

Kasse 348 an Besitzwechsel 348

(Denkbar ist selbstverständlich auch die Erfüllung durch den Bezogenen durch Überweisung auf ein Bankkonto.)

Der gleiche Buchungsvorgang stellt sich aus Sicht des Bezogenen wie folgt dar:

Schuldwechsel 348 an Kasse 348

Die Einlösung eines Wechsel über die Bank

122
Es existiert fast keine Finanztransaktion bei der nicht auch die Bank eine Dienstleistung anzubieten hat. Während
wir zuvor den Fall der Wechseldiskontierung besprochen haben, ist bei der Einlösung von Wechseln auf das Inkasso
einzugehen.

MERKE

Die Einlösung eines Wechsels über die Bank wird Diskontierung genannt.

Nicht besonders erwähnt werden muss, dass dafür Spesen anfallen. (Wie bei der Wechseldiskontierung können
Spesen nicht von der Mehrwertsteuerverbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt abgezogen werden.) Deshalb
bucht man:

Buchung:

Bank 318 an Besitzwechsel 348

Wechselspesen 30

Auf die Buchung des Bezogenen hat diese Vorgehensweise keine Auswirkungen. Ihm berechnet die Bank keine
Wechselspesen.

Im nächsten Abschnitt haben wir uns abschließend mit dem Vorgehen zu beschäftigen, wenn ein Wechsel trotz
Fälligkeit nicht eingelöst werden kann.

 1BS-Aufgabe Nr. 3
 2BS-Aufgabe Nr. 4
 3MC-Aufgabe Nr. 7
BS-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 3

123
Was bucht der Austeller eines Wechsels (4060€), wenn dieser durch den Bezogenen erfüllt wird
(Banküberweisung)?

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Wechselprotest

Vorlesen

Kann ein Wechsel durch den Bezogenen bei Fälligkeit nicht bezahlt werden und stimmt der Wechselinhaber einer
Prolongation nicht zu, so kann dies komplizierte Folgen haben.

Durch die Möglichkeiten der Forderungsübertragung in Form der Indossierung kann sich nämlich das Problem
ergeben, dass wir eine Mehrzahl von Personen berücksichtigen müssen. Dies ergibt sich aus der (für den Inhaber
eines Wechsels durchaus positiven) Tatsache, dass er neben dem Bezogenen auch auf jeden seiner Vorgänger bis
zurück zum Aussteller Rückgriff ( Regress ) nehmen kann.

Grundsätzlich müssen Besitzwechsel, die bei Fälligkeit durch den Bezogenen nicht bezahlt werden, auf ein
gesondertes Konto umgebucht werden. (Dies lässt sich auch aus den GoB ableiten.)

Gleichzeitig muss der Wechselinhaber binnen zwei Werktagen Wechselprotest erheben. Nur dann hat er auch die

124
oben erwähnte Regress-Möglichkeit gegenüber den Inhabervorgängern.

Beim Wechselprotest fallen Kosten für den Wechselinhaber an, die einen zweiten Buchungssatz neben der
Umbuchung auf ein gesondertes Konto notwendig werden lassen.

Folgende Buchungen sind vorzunehmen:

Protestwechsel 348 an Besitzwechsel 348

Nebenkosten des Geldverkehrs 80 an Bank 95,20

Vorsteuer 15,20

Wird die Begleichung der Wechselforderung von Regresspflichtigen gefordert, so können neben der
Wechselforderung auch Nebenkosten in verschiedener Form zugeschlagen werden. Als Beispiele wären hier zu
nennen: Protestkosten, Auslagen, Provisionen, Verzugszinsen, Mehrwertsteuer (auf eine nähere Erläuterung der
umsatzsteuerrechtlichen Aspekte wird verzichtet.)

 1MC-Aufgabe Nr. 8
 2Lückentext Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 8

Aufgabe 1 von 2

Wie lange hat der Wechselinhaber Zeit Wechselprotest einzulegen, wenn der Bezogene nicht zahlen kann?

14 Tage

125
 

10 Tage

2 Tage

Lösen

 Darlehen
Darlehensarten

Vorlesen

Wie wohl jedem bekannt, ist ein Darlehen eine langfristige Verbindlichkeit, die ein Darlehensnehmer bei
einem Darlehensgeber (meistens der Bank) aufnimmt, um irgendetwas zu finanzieren.

Ein Unternehmen nimmt ein Darlehen bei einer Bank auf, um seine Verbindlichkeiten beim Lieferanten zu tilgen,
denn die Zinsen der Bank sind weitaus geringer als die Zinsen des Lieferanten!

Es gibt mehrere Darlehensarten:

 Fälligkeitsdarlehen:
Man zahlt während der Laufzeit nur die Zinsen und muss am Ende der Laufzeit den gesamten Betrag tilgen.
 Tilgungsdarlehen ( Ratendarlehen ):
Man zahlt jährlich eine Rate, die aus einem konstanten Tilgungsanteil und einem jährlich sinkenden Zinsanteil
besteht. Am Ende der Laufzeit ist das Darlehen getilgt.
 Annuitätendarlehen:
Man zahlt jährlich eine konstante Rate, die aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil besteht (siehe Leasing). Da
sich die Zinsen auf die Restverbindlichkeit beziehen und diese jährlich sinkt, steigt der Tilgungsanteil immer weiter
und am Ende der Laufzeit ist das Darlehen komplett getilgt.

Fälligkeitsdarlehen

Jahr Darlehen am Jahresanfang in € Zinsen in Tilgung in €/Jahr Darlehen am


€/Jahr Jahresende in €

1 2 = 1 * 0,075 3 4=1-3

1 90.000 6.750 0 90.000


2 90.000 6.750 0 90.000
3 90.000 6.750 0 90.000

126
4 90.000 6.750 0 90.000
5 90.000 6.750 0 90.000
6 90.000 6.750 90.000 0

Summe 40.500 90.000

Ratendarlehen

Jahr Darlehen am Jahresanfang in € Zinsen in Tilgung in €/Jahr Darlehen am


€/Jahr Jahresende in €

1 2 = 1 * 0,075 3 4=1-3

1 90.000 6.750 15.000 75.000


2 75.000 5.625 15.000 60.000
3 60.000 4.500 15.000 45.000
4 45.000 3.375 15.000 30.000
5 30.000 2.250 15.000 15.000
6 15.000 1.125 15.000 0

Summe 23.625 90.000

Annuitätendarlehen

Jahr Darlehen am Annuität Zinsen in €/Jahr Tilgung in €/Jahr Darlehen am


Jahresanfang in € Jahresende in €

1 2 3 = 1 * 0,075 4=2-3 5=1-4

1 90.000 19.174 6.750 12.424 77.576


2 77.576 19.174 5.818 13.356 64.220
3 64.220 19.174 4.817 14.357 49.863
4 49.863 19.174 3.740 15.434 34.429
5 34.429 19.174 2.582 16.592 17.837
6 17.837 19.174 1.337 17.837 0

Summe 115.044 25.044 90.000

127
 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3Zuordnung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 3

Welche Aussage trifft beim Fälligkeitsdarlehen zu?

Man zahlt jährlich eine konstante Rate, die aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil besteht (siehe Leasing). Da
sich die Zinsen auf die Restverbindlichkeit beziehen und diese jährlich sinkt, steigt der Tilgungsanteil immer weiter
und am Ende der Laufzeit ist das Darlehen komplett getilgt.

Man zahlt während der Laufzeit nur die Zinsen und muss am Ende der Laufzeit den gesamten Betrag tilgen.

Man zahlt jährlich eine Rate, die aus einem konstanten Tilgungsanteil und einem jährlich sinkenden Zinsanteil
besteht. Am Ende der Laufzeit ist das Darlehen getilgt.

Lösen

Auf- und Abgeld

Vorlesen

Die Begriffe des Darlehensaufgeld und des Darlehensabgeld sind im Prinzip ganz einfach, wenn man die folgenden
Grundbegriffe verstanden hat:

 Auszahlungsbetrag: Das Geld, das der Darlehensnehmer auf seinem Konto gut geschrieben bekommt.
 Nennbetrag: Der Betrag, auf den das Darlehen lautet.
 Rückzahlungsbetrag: Der Betrag, den der Darlehensnehmer an die Bank zurückzahlen muss.
 Darlehensaufgeld (auch Agio genannt):
Man muss der Bank mehr Geld zurückzahlen, als man bekommen hat. Also: Rückzahlungsbetrag ist größer als
Auszahlungsbetrag/Nennbetrag!

BEISPIEL

Beispiel:
Unternehmer U nimmt ein Darlehen über 100.000€ auf, muss aber 106.000€ zurückzahlen. Die Differenz in Höhe

128
von 6.000 € ist ein Agio.

MERKE

Darlehensabgeld (auch Disagio genannt): Man bekommt weniger Geld, als man später zurückzahlen muss. Also ist
der Auszahlungsbetrag kleiner als der Rückzahlungsbetrag/Nennbetrag.

BEISPIEL

Beispiel:
Unternehmer U nimmt ein Darlehen über 50.000€ auf, bekommt aber nur 47.000€ überwiesen. Die Differenz in
Höhe von 3.000 € ist ein Disagio.

Außerdem gibt es noch eine Kombination aus Agio und Disagio, bei der der Darlehensnehmer weniger Geld
bekommt, als er zurückzahlen muss. Gleichzeitig zahlt er aber mehr zurück, als der Nennbetrag lautet.

Behandlung des Agio und des Disagio

Das Agio/Disagio wird bei Fälligkeitsdarlehen wie ein Zins behandelt und gleichmäßig über die gesamte
Darlehenslaufzeit verteilt, d.h. abgeschrieben. Bei Tilgungsdarlehen ist das zwar auch erlaubt, man kann es
allerdings auch parallel zu der Tilgung degressiv (fallend) abschreiben. Das funktioniert nach der
Zinsstaffelmethode, die auch schon beim Leasing benutzt wurde (--> Bildung der Summe der Jahre, Anteile
ausrechnen).

 1MC-Aufgabe Nr. 3
 2MC-Aufgabe Nr. 4
 3MC-Aufgabe Nr. 5
 4Paarbildung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 4

Wie wird der Betrag genannt, den der Darlehensnehmer an die Bank zurückzahlen muss.

Auszahlungsbetrag

129
 

Nennbetrag

Rückzahlungsbetrag

Lösen

Verbuchung eines Darlehen

Vorlesen

Bei der Verbuchung von Darlehen sind unterschiedliche Konten betroffen:

 Bank
 Disagio
 Zinsaufwand
 Darlehensverbindlichkeiten
 Agio
 GuV
 SBK

An einem Beispiel lässt sich dies verdeutlichen:

BEISPIEL

Beispiel:
Buchung eines Fälligkeitsdarlehens in Höhe von 100.000 € am 01.07.2010, Auszahlungsbetrag 95.000 €, der Zinssatz
beträgt 5% p.a., die Laufzeit beträgt 5 Jahre:

Bank 95.000 an Darlehensverbindlichkeiten 100.000

Disagio 5.000

Verbuchung des laufenden Zinsaufwands für den Zeitraum 01.07.2010 bis 31.12.2010 (6 Monate):

Zinsaufwand 2.500 an Bank 2.500

130
Am Bilanzstichtag muss nun das Disagio als zusätzlicher Zinsaufwand auf die Laufzeit verteilt werden, d.h. 5.000
€  ⇒ 1.000 € pro Jahr:

Zinsaufwand 1.000 an Disagio 1.000

Die Tilgung des Darlehens am 30.06.2015 wird wie folgt verbucht:

Darlehensverbindlichkeiten 100.000 an Bank 100.000

Konto Betrag

 Wertpapiere
Wertpapierarten

Vorlesen

Ein Wertpapier ist eine Urkunde, die Vermögensrechte verbrieft. Die Ausübung der Rechte ist nur demjenigen
erlaubt, der die Urkunde besitzt.

Es wird zwischen 3 Arten von Wertpapieren differenziert:

MERKE

1. Warenwertpapiere
2. Geldwertpapiere
3. Vertretbare Wertpapiere

Bei Warenwertpapieren handelt es sich z.B. um Lagerscheine, bei Geldwertpapieren z.B. um Schecks. Im Folgenden
betrachten wir hier jedoch nur die vertretbaren Wertpapiere, weil sie eine wichtige Rolle im Geschäftsverkehr

131
spielen und dort auch ihren Wert erfahren. Der Wert der Papiere wird durch den freien Handel an der Börse
bestimmt.

An der Börse gehandelte Wertpapiere

Die an der Börse gehandelten Wertpapiere bezeichnet man auch als „Effekten“.

Wertpapiere sind unterteilt in:

 Festverzinsliche Wertpapiere oder auch Zinspapiere


Bei diesen Wertpapieren erhält der Inhaber zu bestimmten Zinsterminen einen festen und konstanten Zinsertrag.
Den Zinsertrag kann der Inhaber mit einem sog. Zinsschein einlösen. Bsp. sind Obligationen,
Schuldverschreibungen, Anteile oder Pfandbriefe.
 Dividendenpapiere
Der Wertpapierbesitzer kann am Gewinn oder Verlust einer Unternehmung partizipieren, wenn er
verbriefte Teilhaberrechte, sog. Dividendenpapiere besitzt. Fährt das Unternehmen einen Gewinn ein, kann es
eine Dividende ausschütten. Wie viel die Unternehmung ausschüttet wird jährlich neu festgelegt. Bsp. sind Aktien
und Investmentzertifikate.

Wertpapiere des Anlagevermögens und Wertpapiere des Umlaufvermögens

Im Unternehmen wird zwischen Wertpapieren des Anlage- und des Umlaufvermögens unterschieden. Diejenigen,
die dem Betrieb langfristig dienen sollen, bezeichnet man als Wertpapiere des Anlagevermögens. Wenn man es
nicht dementsprechend zuordnen kann und es zu jedem Zeitpunkt an- und verkauft werden kann, bezeichnet man
sie als Wertpapiere des Umlaufvermögens.

MERKE

Für die Bewertung der Papiere ist die Zurechnung zum Anlage- bzw. Umlaufvermögen von hoher Wichtigkeit.

Bei den Wertpapieren des Anlagevermögens bestand nach §§ 253 Abs. 2 Satz 3 HGB a.F. ein
sog. Bewertungswahlrecht. Bei einem gesunkenem Kurswert war es möglich die Wertpapiere mit dem niedrigeren
Teilwert anstatt mit den höheren Anschaffungskosten anzusetzen. War mit einer andauernden Minderung zu
rechnen, so muss auf den niedrigeren Wert abgeschrieben werden.
Diese Regelungen wurden durch das BilMoG geändert, aber für Finanzanlagen wurde das Wahlrecht beibehalten.
Auch nach Inkrafttreten des BilMoG ist nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB bei voraussichtlich dauernder Wertminderung
eine außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen. Nur bei Finanzanlagen kann zum Abschlussstichtag nun auch
bei nicht dauernden Wertminderungen eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen worden (§ 253 Abs. 3
Satz 4 HGB).

132
Bei Wertpapieren des Umlaufvermögens entfällt dieses Wahlrecht allerdings. Sie werden nach § 253 Abs. 4 Satz 2
HGB immer mit dem niedrigeren Kurswert angesetzt . Steigen die Kurse wieder, was ja vorkommen soll, räumte
das HGB in § 253 Abs. 5 HGB a.F. für beide Arten ein Wertaufholungswahlrecht ein. Dieses
Wertaufholungswahlrecht wurde durch das BilMoG abgeschafft. Nach § 253 Abs. 5 HGB darf der niedrigere
Wertabsatz nicht mehr beibehalten werden, wenn die Gründe dafür nicht mehr bestehen. Es dürfen
jedoch maximal die Anschaffungskosten angesetzt werden.

Nach § 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB ist der Grundsatz der Einzelbewertung auch bei Wertpapieren und deren Bewertung
einzuhalten. Ausnahme: Werte in einem Girosammeldepot. Hier erfolgt die steuerliche Bewertung mit einem
Durchschnittswert.

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3Lückentext Nr. 1
 4Lückentext Nr. 2
 5Zuordnung Nr. 1
 6Paarbildung Nr. 1
 7Paarbildung Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 7

Welche Aussage ist falsch?

Die Ausübung der Rechte ist nur demjenigen erlaubt, der die Urkunde besitzt.

Ein Wertpapier ist eine Urkunde, die Vermögensrechte verbrieft.

Wertpapiere dürfen aufgrund des ungewissen Werts nicht verbucht werden.

Lösen

Kauf und Verkauf von Wertpapieren

133
Vorlesen

Der entscheidende Bewertungsansatz beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren sind die Anschaffungskosten.

Sie setzen sich wie folgt zusammen:

MERKE

 Kurswert des Wertpapiers (Kaufpreis),


 Maklergebühr (Courtage),
 Versicherungsgebühr (meistens eine Bankprovision).

Bei den festverzinslichen Wertpapieren müssen auch noch die Stückzinsen verrechnet werden. Diese sind Zinsen,
welche seit dem letzten Zinstermin angefallen sind und vom Erwerber gezahlt werden müssen. Sie werden getrennt
von den Anschaffungskosten verbucht.

Die Zins- und Dividendenerträge von Wertpapieren werden erfolgswirksam verbucht. Bei den Dividenden wird


jedoch die Kapitalertragsteuer (25% der Bruttodividende) plus Solidaritätszuschlag (5,5% der Kapitalertragsteuer)
an das Finanzamt abgeführt, bei den Zinserträgen die Zinsabschlagsteuer/Abgeltungsteuer in Höhe von 25%.

Den Kauf und Verkauf von Wertpapieren buchen

Kommen wir zur Buchung:

Bei einem Verkauf von Wertpapieren wird der Nettoerlös (Kurswert - Veräußerungskosten) als Abgang auf dem
Wertpapierkonto gebucht. Aufgrund der Tatsache, dass Anschaffungskosten und Nettoerlös in den seltensten
Fällen identisch sind, ergibt sich beim Abschluss des Wertpapierkontos entweder ein Kursgewinn oder
ein Kursverlust . Dieser ist ebenfalls erfolgswirksam zu verbuchen, entweder über das Konto "sonstige betriebliche
Erträge" oder "sonstige betriebliche Aufwendungen". Alternativ kann man den Kursgewinn- oder Verlust auch
direkt bei seinem Anfallen verrechnen. Auch beim Verkauf von festverzinslichen Wertpapieren sind die Stückzinsen
zu berücksichtigen. Verbucht werden sie auf dem Konto „Zinserträge“.

Ein Beispiel der notwendigen Buchungen

BEISPIEL

Die Firma 4 Peace kauft 5 Aktien zum Kurswert von 500 € pro Aktie. Die Maklergebühr beträgt 0,5%, die
Bankprovision 2,5% vom Kurswert. Es kommt zu einer Dividendenausschüttung in Höhe von 20 € je Aktie. Die
Aktien werden verkauft zu einem Kurswert von 550 € pro Aktie. Alle Zahlungen erledigt die Firma 4 Peace über das
Bankkonto.

134
1. Berechnung der Anschaffungskosten:
5 Aktien zu 500 € = 2.500,00 €
+ Bankprovision (2,5% v. 2.500) 62,50 €
+ Maklergebühr (0,5% v. 2.500) 12,50 €
= Anschaffungskosten 2.575,00 €

2. Verbuchung der Anschaffungskosten:

sonstige Wertpapiere 2.575,00 an Bank 2.575,00

3. Berechnung der Dividenden ( Bitte SolZ auch in den Übungsaufgaben außer Acht lassen!!):
Bruttodividende (5 x 20 €) 100,00 €
- 25% Kapitalertragsteuer 25,00 €
= Nettodividende 75,00 €

4. Verbuchung der Dividende:

Bank 75,00 an Dividendenerträge 100,00

Privatsteuer (Privatentnahme) 25,00

5. Berechnung von Nettoerlös und Kursgewinn aus dem Verkauf:


5 Aktien zu 550 € = 2.750,00 €
- Bankprovision (2,5% v. 2.750) 68,75 €
- Maklergebühr (0,5% v. 2.750) 13,75 €
= Nettoerlös 2.667,50 €

Nettoerlös 2.667,50 €

135
- Anschaffungskosten 2.575,00 €
= Kursgewinn 92,50 €

6. Verbuchung des Wertpapierverkaufs:

Bank 2.667,50 an Sonstige Wertpapiere 2.575,00

sonstige betriebl. Erträge 92,50

 1BS-Aufgabe Nr. 5
 2BS-Aufgabe Nr. 6
 3MC-Aufgabe Nr. 3
 4MC-Aufgabe Nr. 4
 5MC-Aufgabe Nr. 5
 6MC-Aufgabe Nr. 6
 7Paarbildung Nr. 1
BS-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 7

Wir kaufen 50 Aktien zu einem Kaufpreis von je 130€. Die Bankprovision beträgt 2,5% der AK, die Maklergebühr
0,5%! Wie buchen wir den Kauf?

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

136
  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen

 Löhne und Gehälter


Gehaltsabrechnung

Vorlesen

Nach wie vor gehören die in Deutschland gezahlten Löhne zu den höchsten der Welt. Für ein Unternehmen stellen
die Personalkosten einen hohen Anteil an den Gesamtkosten des Geschäftsbetriebs dar. Das ist auch der Grund,
warum die Verbuchung von Löhnen und Gehältern für ihn so wichtig ist.

Daneben sind es aber auch staatliche Vorschriften, die dazu beitragen, dass wir einen weiteren besonderen
Abschnitt zum Geldverkehr vor uns haben.

Insbesondere das Sozialversicherungssystem macht die Verbuchung von Löhnen und Gehältern zu einem
komplexen Thema des betrieblichen Rechnungswesens.

Jeder, der schon einmal entgeltlich gearbeitet hat, wird die Erfahrung gemacht haben, dass
zwischen Bruttolohn und Nettolohn zu unterscheiden ist. Am oberen Ende der Gehaltsabrechnung ist der
Bruttolohn ausgewiesen.
Bis zum niedrigeren Nettolohn erfolgt dann der Abzug in Form folgender gesetzlich vorgeschriebenen Positionen:
Lohnsteuer, ggf. Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag und der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung.

MERKE

Gehaltsabzüge:

 Lohn- und Kirchensteuer,


 Solidaritätszuschlag und
 der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung

137
bilden die auf der Gehaltsabrechnung ausgewiesenen Abzüge.

Wird dieser Betrag vom Bruttogehalt abgezogen, ergibt sich das Nettogehalt.

Die genannten Positionen sind Bestandteil jeder Lohn- oder Gehaltsabrechnung.

Von Löhnen und damit auch von Lohnabrechnungen spricht man bei Arbeitern. Gehalt(-sabrechnung) bezieht sich
auf Angestellte. Für die Verbuchung ergeben sich keine Unterschiede.

Bruttogehalt ist der Betrag, den der Angestellte für die von ihm erbrachten Leistungen erhält. Auch wenn, wie
beschrieben, nicht der gesamte Betrag später beim Arbeitnehmer ankommt, stellt er in voller Höhe einen Aufwand
für den Arbeitgeber dar. Die Verbuchung erfolgt auf dem Aufwandskonto "Gehälter".

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 3

Wie wird das Gehalt bezeichnet, von dem die Steuern bereits abgezogen sind?

Bruttogehalt

Nettogehalt

Realgehalt

Lösen

Steuern

Vorlesen

138
Um zum Nettogehalt zu kommen, werden Abzüge vom Bruttogehalt vorgenommen. Mit einem Teil der Abzüge,
den Steuern, beschäftigt sich dieser Abschnitt.

Die Lohnsteuer

Zuerst genannt werden muss die Lohnsteuer. Die Lohnsteuer ist eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer des
nichtselbständig beschäftigten Arbeitnehmers. Sie ist betragsmäßig die größte und dient außerdem anderen
Steuern als Bemessungsgrundlage.

Die Höhe der Lohnsteuer richtet sich nach der auf der Lohnsteuerkarte angegebenen Lohnsteuerklasse. Auf die
konkrete Berechnung soll hier nicht näher eingegangen werden. Als Beispiel dient uns ein Lohnsteuersatz in Höhe
von 22% für ein Bruttoeinkommen von 3.000 € monatlich.

MERKE

Der Unternehmer ist gesetzlich verpflichtet, die Lohnsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Er
bucht die Verbindlichkeit auf das Konto "noch abzuführende Abgaben".

Die Kirchensteuer

Soweit der Arbeitnehmer Mitglied einer Religionsgemeinschaft ist, behält der Arbeitgeber auch
die Kirchensteuer ein und führt sie zusammen mit der Lohnsteuer an das Finanzamt ab.

MERKE

Die Kirchensteuer wird auf Grundlage des Lohnsteuerbetrags und nicht anhand des Bruttogehalts errechnet. Der
Kirchensteuersatz variiert je nach Bundesland derzeit zwischen 8% und 9%.

Soweit eine Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft unterstellt wird (in einem Bundesland mit 8%
Kirchensteuersatz), ergibt sich für unser Beispiel ein Abzug in Höhe von 52,80 € (= 3.000 * 0,22 * 0,08).

Der Solidaritätszuschlag

Seit 1991 existiert der sogenannte Solidaritätszuschlag. Diese Steuer wurde zu Finanzierung der Wiedervereinigung
eingeführt.

MERKE

139
Die Höhe des Solidaritätszuschlag s ist derzeit auf 5,5 % der Einkommensteuer festgeschrieben. Der Arbeitgeber
behält den Betrag ein und führt ihn an das Finanzamt ab.

In unserem Beispiel ergibt sich eine zusätzliche Belastung in Höhe von 36,30 € (= 3.000 * 0,22 * 0,055). Damit
beträgt die Steuerbelastung eines kirchensteuerpflichtigen Arbeitnehmers ca. 749,10 € (24,97 %).

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2Lückentext Nr. 1
 3Lückentext Nr. 2
 4MC-Aufgabe Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Die Lohnsteuer ist...


 
...die Bemessungsgrundlage für andere Steuern.
 
...der niedrigste Abzug.
 
...vom Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers unabhängig.
Lösen
Sozialversicherungsbeiträge

Vorlesen

Für das in diesem Abschnitt verwendete Beispiel sind wir nach Abzug der Steuern von 3.000 € brutto bei einer
Steuerbelastung von 749,10 € (24,97 %) angelangt, d.h. die 3.000 € brutto haben sich bereits um 749,10 € Steuern
auf 2.250,90 € reduziert.

Da die meisten Arbeitnehmer in Deutschland (mit Ausnahme von Selbstständigen) jedoch


sozialversicherungspflichtig sind, zieht der Arbeitgeber vom Arbeitslohn die Sozialversicherungsbeiträge direkt vom
Bruttolohn ab und überweist diese Beträge an den jeweiligen Sozialversicherungsträger.

Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und seit 1995


die Pflegeversicherung werden durch Beiträge der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten finanziert.
Diese Beiträge hat der Arbeitnehmer aber nicht allein von seinem Bruttolohn zu zahlen. Vielmehr teilt er sich die
Belastung gleichmäßig ("paritätisch") mit dem Arbeitgeber, der folglich letztendlich höhere Lohnkosten zu tragen

140
hat, als das der Bruttolohn zuerst vermuten lassen würde.
In den letzten Jahren wurde die paritätische Aufteilung der Lohnnebenkosten jedoch etwas aufgeweicht. Der
Krankenversicherungsbeitrag wird nun nur noch bis zu einem Prozentsatz von 14,6 % (ermäßigt nur 14,0%)
paritätisch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt, d.h.7,3% trägt der Arbeitnehmer und 7,3% der Arbeitgeber.
Die Krankenkassen können jedoch individuell Zusatzbeiträge erheben, welche nur vom Arbeitnehmer finanziert
werden.

Die unterschiedlichen Beitragssätze

Die Höhe der Beiträge errechnet sich prozentual aus dem Bruttoeinkommen. Die Beitragssätze werden jährlich neu
festgelegt. Die genannten Werte dienen daher nur als Beispiel. (Bei der Pflegeversicherung wären Abweichungen
z.B. in Sachsen sowie bei Kinderlosen zu berücksichtigen; Krankenkassenbeiträge unterscheiden sich je nach
Krankenkasse aufgrund der kassenindivduellen Zusatzbeiträge.)

BEISPIEL

1. Krankenversicherung von 14,6 % paritätisch


2. Pflegeversicherung 3,05 % (paritätisch) (Beitragszuschlag für Kinderlose: 0,25% (wird nur vom
Arbeitnehmer getragen); Besonderheit in Sachsen: •Arbeitnehmer: 2,025 % •Arbeitgeber: 1,025%)
3. Rentenversicherung 18,7 % (paritätisch)
4. Arbeitslosenversicherung 3 % (paritätisch)

Beispiel zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge

In unserem Beispiel mit einem Bruttolohn von 3.000 € ergibt sich für den Arbeitnehmer eine zusätzliche Belastung
von:

BEISPIEL

1. Krankenversicherung 465 € - Arbeitnehmeranteil: 246 €


Rechnung: 3.000 € * 0,146 = 438
Jeder trägt die Hälfte: 438 / 2 = 219
Bei der AOK wird zur Zeit ein Zusatzbeitrag in Höhe von 0,9 % erhoben, welche der Arbeitnehmer alleine trägt:
3.000 € * 0,009 = 27 €
Insgesamt: 219 + 27 = 246

2. Pflegeversicherung 91,50 € - Arbeitnehmeranteil: 45,75 €


Rechnung: 3.000 € * 0,0305 = 91,50 € (Annahme: Der Arbeitnehmer hat Kinder)

3. Rentenversicherung 561 € - Arbeitnehmeranteil: 280,50 €


Rechnung: 3.000 € * 0,187 = 561 €

141
4. Arbeitslosenversicherung 90 € - Arbeitnehmeranteil: 45 €
Rechnung: 3.000 € * 0,03 = 90 €

Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung: 606,75 € (20,225 % vom Bruttogehalt)


Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung: 579,75 € (niedriger, da der Zusatzbeitrag zur Krankenkasse nicht vom
Arbeitgeber bezahlt wird)

Wir können nun beispielhaft das Nettoeinkommen berechnen. Es ergibt sich nach Abzug aller Steuern und den
Arbeitnehmeranteilen an den Sozialversicherungsbeiträgen vom Bruttoeinkommen:

BEISPIEL

3.000,00 € - 749,10 € (24,97 %) - 605,25 € = 1.645,65 € (54,85 %)

Den Arbeitnehmer in unserem Beispiel trifft somit eine Belastung durch Steuern und Beiträge in Höhe von 45,195
%.

Aus der Parität der Finanzierung der Sozialversicherungen ergibt sich, dass der Arbeitgeber Beiträge in der gleichen
Höhe der vom Arbeitnehmer geleisteten Beiträge abführen muss. Diese 579,75 €** erhöhen die Kosten, die der
Arbeitnehmer für ihn bedeutet, von 3.000 € auf 3.579,75 €.

**Alle Sozialleistungen, die der Arbeitnehmer zahlen muss (606,75 €) abzüglich der 0,9% für die
Krankenversicherung, die der Arbeitnehmer alleine trägt. -> 606,75 € - 3.000 * 0,009 = 579,75 €

 1MC-Aufgabe Nr. 5
 2MC-Aufgabe Nr. 6
 3Lückentext Nr. 1
 4Lückentext Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 4

Der ab 01.01.2015 geltende Krankenversicherungssatz beträgt...

14,6 %, die paritätisch aufgeteilt werden. Krankenkassen können jedoch individuelle Zusatzbeiträge erheben
(welche nur der Arbeitnehmer trägt).

142
 

15,5 %, von denen 14,6 % paritätisch aufgeteilt werden.

14,6 %, die paritätisch aufgeteilt werden. Krankenkassen können jedoch individuelle Zusatzbeiträge erheben, die
auch paritätisch aufgeteilt werden.

Lösen

Sachbezüge

Vorlesen

Die Steuern und Beiträge, die wir in den vorangegangenen Abschnitten erläutert haben, berechnen sich alle auf
Grundlage des vom Arbeitgeber an seinen Arbeiter oder Angestellten gezahlten Bruttolohns. Mit bereits wenig
Kreativität könnte man hier auf die Idee kommen, eine Verabredung mit dem Arbeitgeber zu treffen, die einen
geringeren Bruttolohn vorsieht und dafür andere Vergütungen einräumt.

Ein Arbeitnehmer wäre sicherlich bereit, für die Hälfte des Lohns zu arbeiten, wenn der Arbeitgeber ihm ein
Fahrzeug unentgeltlich zur Verfügung stellt, ihm ein Haus baut, seine Urlaubsreisen bezahlt und ihm andere
Vergünstigungen zusichert. Dem Staat würden dadurch Steuern und Beiträge in beträchtlicher Höhe verloren
gehen, wenn Steuern und Beiträge nur auf den Bruttolohn zu zahlen wären.

Aus diesen Gründen werden solche Sachbezüge ( Sachzuwendungen ) als Lohnzahlungen behandelt. Konkret wird
daher ein angemessener Wert für die Sachbezüge dem Bruttolohn hinzu gerechnet, bevor die Berechnung der
Steuern und Abgaben beginnt.

Nach Abzug der Steuern und Abgaben wird dann der Wert der Sachzuwendungen wieder abgezogen, weil sie ja
nicht als Nettolohn ein zweites Mal gewährt werden sollen.

Beispiel zur Beachtung der Sachbezüge

Unser bisher verwendetes Beispiel eines Arbeitnehmers mit 3.000 € Bruttogehalt sah bisher wie folgt aus:

BEISPIEL

Bruttogehalt: 3.000 €

143
Lohnsteuer: 660 €
Kirchensteuer: 52,80 €
Solidaritätszuschlag: 36,30 €

Sozialversicherung: 618 €

Nettogehalt: 1.632,9 €

Nehmen wir nun an, dem Angestellten wäre die Benutzung eines betriebseigenen PKW für private Zwecke gestattet
worden. Auf der Grundlage entsprechender Richtlinien wird diese Sachzuwendung mit einem Wert von 200 € in die
Berechnung einbezogen.

BEISPIEL

Bruttogehalt ohne Sachzuwendungen: 3.000 €


Sachzuwendungen: 200 €
Bruttogehalt (gesamt) 3.200 €

Lohnsteuer (22,5%): 720 €


Kirchensteuer: 57,60 €
Solidaritätszuschlag: 39,60 €

Sozialversicherung: 732,80 €

Nettogehalt: 1.650 €

Aufgrund der Progressivität der Einkommenssteuer ist für ein Einkommen von 3.200 € ein höherer Steuersatz zu
berücksichtigen. Den Sachzuwendungen in Höhe von 200 € stehen daher um 114,8 € erhöhte Steuern und Beiträge
gegenüber.
Verbuchung

Vorlesen

Wir greifen auf das in diesem Abschnitt aufgebaute Beispiel zurück und erarbeiten daraus die notwendigen
Buchungssätze.

BEISPIEL

Beispiel:
Bruttogehalt: 3.000 €

Lohnsteuer: 660 €
Kirchensteuer: 52,80 €
Solidaritätszuschlag: 36,30 €

Sozialversicherung: 618 €

144
Nettogehalt: 1.632,90 €

Dass die Buchung des Bruttolohns das Aufwandskonto "Gehälter" betrifft, wurde im vorangegangenen Abschnitt
erwähnt.
Als Ausgangspunkt der Überlegung könnte man daher folgenden Buchungssatz verwenden.

Buchung des Bruttolohns:

Gehälter 3.000 an Bank 3.000

Nun wird aber nicht der gesamte Bruttobetrag über das Bankkonto an den Arbeitnehmer überwiesen, sondern ein
Teil wird für das Finanzamt bzw. Krankenkassen einbehalten und an diese Stellen überwiesen.

Buchung in "noch abzuführende Abgaben":

Gehälter 3.000 an Bank 1.632,90

noch abzuführende Abgaben 1.367,10

Auf dem Konto "noch abzuführende Abgaben" warten jetzt 1.367,10 € auf die Weiterleitung an Finanzamt und
Krankenkasse. Das Geld reicht aber nicht aus. Denn bisher ist auf dem Konto nur der Arbeitnehmerbeitrag
eingegangen. Der Arbeitgeberanteil muss folglich erst hinzugefügt werden. Für den Arbeitgeber stellt sein Teil bei
der paritätischen Finanzierung der Sozialversicherung "Soziale Aufwendungen" dar.

Buchung der "Sozialen Aufwendungen":

Soziale Aufwendungen 559,50 an noch abzuführende Abgaben 559,50

Jetzt ist das notwendige Geld zusammengetragen und der Überweisung steht nichts mehr im Weg.

Buchung:

145
noch abzuführende Abgaben 1.926,60 an Bank 1.926,60

Man kann den Buchungssatz auch stärker differenzieren, indem man zwischen der Überweisung an das Finanzamt
und an die Krankenkassen unterscheidet.

Separate Buchung an das Finanzamt und die Krankenkasse:

noch abzuführende Abgaben 1.926,60 an Bank (an Finanzamt) 749,10

Bank (an Krankenkasse) 1.177,50

 1Vorgehen bei Verbuchung


Vorgehen bei Verbuchung

Aufgabe 1 von 1

Bitte die Elemente in der richtigen Reihenfolge einordnen.

 Weiterleitung der sozialen Aufwendungen an das Finanzamt und die Krankenkassen


 Buchung eines Teils an noch abzuführende Abgaben
 Buchung des Bruttolohns
 Buchung des Arbeitgeberteiles der sozialen Aufwendungen

Lösen

 Steuern in der Buchführung


aktivierungspflichtige Steuern

Vorlesen

146
Die Kaufleute und Unternehmen müssen die Steuern an das Finanzamt abführen. Man kann sie z.B. nach der
Auswirkung (direkte oder indirekte) oder nach der Verwaltungspraxis (Besitzsteuern, Landessteuern,…)
klassifizieren.

Buchtechnische Erfassung der Steuern

Zur buchtechnischen Erfassung unterteilen wir die Steuern in 4 Arten:

 aktivierungspflichtige Steuern
 Aufwandssteuern
 Privatsteuern
 durchlaufende Steuern

Aktivierungspflichtige Steuern

Aktivierungspflichtige Steuern werden aktiviert, indem man sie den Anschaffungskosten hinzurechnet. Die
Grunderwerbsteuer z.B. ist eine aktivierungspflichtige Steuer.

Was bedeutet das? Nehmen wir ein Beispiel:

BEISPIEL

Der Friseurmeister Louis kauft sich für seinen Salon ein neues Grundstück samt Gebäude. Insgesamt zahlt er dafür
200.000 €. Dafür zahlt er an die Gemeinde eine Grunderwerbsteuer in Höhe von 7.000 € (meist 3,5%). Wie oben
erwähnt, muss die Grunderwerbsteuer aktiviert werden, d.h. die Anschaffungskosten des Gebäudes betragen
207.000 €. Die Grunderwerbsteuer darf nicht als Aufwand geltend gemacht werden!

Die 207.000 € Anschaffungskosten lassen sich wie folgt aufteilen:


Grund und Boden = 20%
Gebäude = 80%

Das bedeutet: Auf das Gebäude entfallen 165.600 €  ⇒ dies ist die AfA-Bemessungsgrundlage. Die
Grunderwerbsteuer wirkt sich also lediglich über die jährliche AfA aus!

Auf den Grund und Boden entfallen 41.400 €. Da der Grund und Boden (GruBo) ein nicht abnutzbarer
Vermögensgegenstand des Anlagevermögens ist, wird der GruBo mit 41.400 € in der Bilanz aktiviert. Es gibt keine
regulären Abschreibungen!

Insgesamt wird also im Laufe der Jahre nur die auf das Gebäude entfallende anteilige Grunderwerbsteuer als
Aufwand geltend gemacht. Die 20% der Grunderwerbsteuer, die auf den GruBo entfällt, wirken sich erst beim
Verkauf des Grundstücks aus!

 1Lückentext Nr. 1

147
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 1

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

Zur buchtechnischen Erfassung unterteilen wir die Steuern in 4 Arten:

 aktivierungspflichtige Steuern
 Aufwandssteuern
 Privatsteuern

Lösen
Aufwandssteuern

Vorlesen

Aufwandssteuern werden unmittelbar durch den Betrieb verursacht und dürfen vom steuerlichen Gewinn
abgezogen werden, d.h. sie sind abzugsfähig. Beispiele sind die Kfz-Steuer, die Grundsteuer usw.

MERKE

Seit der Unternehmenssteuerreform 2008 ist die Gewerbesteuer keine steuerlich abzugsfähige Betriebsausgabe
mehr. Handelsrechtlich mindern jedoch auch die steuerlich nicht abzugsfähigen Steuern den handelsrechtlichen
Jahresüberschuss! Für die Erstellung des Jahresabschlusses nach HGB ist eine Unterscheidung zwischen den
steuerlich abzugsfähigen Steuern und den nicht abzugsfähigen Steuern nicht notwendig!

 1Lückentext Nr. 1
 2Lückentext Nr. 2
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 2

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

148
Seit der Unternehmenssteuerreform 2008 ist die Gewerbesteuer keine   abzugsfähige
Betriebsausgabe mehr.

Lösen

Privatsteuern

Vorlesen

Privatsteuern werden nicht durch den Betrieb verursacht, sondern durch den privaten Bereich des Unternehmers.
Zu nennen wären z.B. die Kirchen- und Einkommensteuer des Unternehmers und die Erbschaftsteuer.
durchlaufende Steuern

Vorlesen

Bei durchlaufenden Steuern handelt es sich um Steuern, die von anderen Unternehmungen aufzubringen sind, von
uns einzubehalten sind und später von uns an das Finanzamt abgeführt werden müssen. Diese Steuern trägt also
nicht unser Unternehmen. Deshalb wirken sich diese Steuern nicht auf unseren Gewinn aus.

BEISPIEL

Unter die durchlaufenden Steuern fallen z.B. die Lohn- und Kirchensteuer der Arbeitnehmer (nur
Arbeitnehmeranteil) sowie die Umsatzsteuer.

 1Paarbildung Nr. 1
Paarbildung Nr. 1

Aufgabe 1 von 1

Bitte bilde Paare zwischen den Elementen auf der rechten und der linken Seite.

149
 Bewertung und Abschreibungen
 Bewertung von Vermögensgegenständen
Niederstwertprinzip

Vorlesen

Das Niederstwertprinzip gehört zu dem Grundsatz der ordnungsmäßigen Buchführung. Das Niederstwertprinzip


ergibt sich aus dem Vorsichtsprinzip und bezieht sich auf die Folgebewertung von Vermögensgegenständen und
Schulden, die beim Zugang gem. § 253 HGB mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. mit dem
Erfüllungsbetrag bewertet wurden.

Es ergeben sich für die beiden Seiten der Bilanz (Aktiva bzw. Passiva) zwei gegensätzliche Bewertungsvorschriften:

(1) Passiva (Schulden):


Diese werden zum höchstmöglichen Wert angesetzt (Höchstwertprinzip), d.h. mit ihrem höheren
Rückzahlungsbetrag (sofern überhaupt eine Wahlmöglichkeit zwischen einem niedrigeren und höheren Wert
besteht). Das ist zum Beispiel der Fall bei Währungs- und Darlehensverbindlichkeiten, wie beispielsweise

150
Hypothekendarlehen. Ziel: Vermeidung des Ausweises noch nicht realisierter Gewinne.

(2) Aktiva (Vermögen):


Diese werden zum niedrigeren Wert angesetzt (Niederstwertprinzip). Von den beiden möglichen Wertansätzen
(Marktwert oder fortgeführte Anschaffungskosten) muss der niedrigere Wert gewählt werden. Ziel: Ausweis noch
nicht realisierter Verluste.

Zwei Ausprägungen des Niederstwertprinzip

Das Niederstwertprinzip gibt es in zwei Ausprägungen:

Das gemilderte Niederstwertprinzip:


Das gemilderte Niederstwertprinzip gilt nur für das Anlagevermögen. Wenn eine Wertminderung nur
vorübergehend ist, besteht ein Wahlrecht auf den niedrigeren Stichtagswert abzuschreiben. Wenn die
Wertminderung jedoch dauernd ist, besteht die Plicht nach §253 III HGB auf den niedrigeren Wert anzuschreiben(--
> bei Aktien ist die Wertminderung normalerweise nur vorübergehend!).

Das strenge Niederstwertprinzip:


Das strenge Niederstwertprinzip gilt für das Umlaufvermögen und nach diesem muss der niedrigere Wert angesetzt
werden!

MERKE

Niederstwertprinzip

 Vergleich zwischen ursprünglichen AK und dem aktuellen Wert


 in der Bilanz ist immer der niedrigste Wert anzusetzen
 die Anschaffungskosten sind immer die Höchstgrenze (bei Zuschreibungen z.B. durch Wertsteigerungen bei
Aktien)
 nicht realisierte Gewinne dürfen nie ausgewiesen werden (Realisationsprinzip!)

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
 4MC-Aufgabe Nr. 4
 5Paarbildung Nr. 1

151
 6Niederstwertprinzip Paarbildung
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 6

Was ist bei der Anwendung des Niederstwertprinzips vorzunehmen?

Vergleich zwischen ursprünglichen Anschaffungskosten und dem aktuellen Wert.

Vergleich zwischen der Wertentwicklung aller im Betrieb vorhandenen Güter.

Vergleich zwischen jetzigem Marktpreis und Summe der getätigten Abschreibungen.

Lösen

Anschaffungskosten

Vorlesen

In Unternehmen werden viele Vermögensgegenstände gekauft, die nicht sofort in einer Periode verbraucht
werden. Wird beispielsweise eine Maschine gekauft, die lange Zeit im Unternehmen zur Produktion eingesetzt
wird, dann würde eine Zurechnung des kompletten Aufwands zur Periode der Anschaffung den
Unternehmenserfolg in dieser Periode verzerren.

Die Maschine würde ohne Berücksichtigung dieses Sachverhalts einen einmaligen Aufwand im Jahr der Anschaffung
darstellen – hat sie jedoch eine Nutzungsdauer von 10 Jahren, dann entstünden in den verbleibenden 9 Jahren nur
noch reine Erträge.

Diese Vorgehensweise widerspricht jedoch den Grundsätzen der handels- und steuerrechtlichen Erfolgsermittlung.
Demnach muss der Unternehmenserfolg periodengerecht ausgewiesen werden; die in einem Zeitraum
entstandenen Aufwendungen müssen den Erträgen gegenübergestellt werden.

Bewertung von Anlagen

152
Dies gilt für alle Vermögensgegenstände, die länger als eine Periode im Unternehmen Leistungen abgeben – Sie
sind als Anlagen in der Bilanz zu aktivieren (Buchung auf die Aktivseite der Bilanz). (§ 247 II HGB)

Es gibt hierbei zwei Möglichkeiten solche Anlagen zu erlangen:

1) Sie werden käuflich erworben ( Anschaffungskosten )

2) Sie werden durch das Unternehmen selbst hergestellt ( Herstellungskosten )

Beide die hierdurch entstehenden Kosten müssen ihrem periodischen Nutzen nach zugeordnet werden; wir werden
mit der Darstellung der Anschaffungskosten im Folgenden beginnen – die Darlegung der Herstellungskosten folgt
unter dem nächsten Menüpunkt.

Bestandteile der Anschaffungskosten

1) Anschaffungskosten:

Dienen Vermögensgegenstände einem Unternehmen über eine Periode hinaus, dann werden sie als
Anlagevermögen in der Bilanz aktiviert. Sie umfassen alle Kosten, die mit dem Erwerb und der Inbetriebnahme
zusammenhängen.

MERKE

Anschaffungspreis
+ /- Zusätzlich anfallende Kosten
+/- Preisnachlässe/Aufschläge
= Anschaffungskosten

Zusätzlich anfallende Kosten können beispielsweise Notarkosten bei dem Erwerb von Grundstücken sein.
Preisnachlässe sind beispielsweise Rabatte, Boni und Skonti. Erhöhungen des Kaufpreises können durch
nachträgliche Ereignisse zustande kommen (Gerichtsverhandlungen etc.).

 1MC-Aufgabe Nr. 5
 2MC-Aufgabe Nr. 6
 3MC-Aufgabe Nr. 7
 4MC-Aufgabe Nr. 8
 5Lückentext Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 5

153
Aufgabe 1 von 5

Was wird bei der Berechnung der Anschaffungskosten nicht berücksichtigt?

Preisnachlässe

Anschaffungspreis

Kalkulatorische Zinsen

Lösen

Herstellungskosten

Vorlesen

Die Berechnung der Herstellungskosten ist in §255 II HGB geregelt. Aus dieser Vorschrift ergibt sich das
nachfolgende, vierstufige Modell:

MERKE

1. Ausgaben, die einbezogen werden müssen. (Materialkosten – Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe,
Fertigungskosten, Lohnkosten)
2. Ausgaben, die einbezogen werden dürfen. (Substanzabnutzung durch die Produktion, Verschleiß)
3. Ausgaben, die nicht einbezogen werden brauchen. (Kosten für Verwaltung, freiwillige soziale
Aufwendungen)
4. Ausgaben, die nicht einbezogen werden dürfen. (Kosten für Werbung, Transportkosten, Vertrieb)

Die Wertuntergrenze bilden die unter (1) genannten Ausgaben:


Die Materialeinzelkosten, das heißt die Ausgaben für beispielsweise Rohstoffe und Löhne; zuzüglich der unter (2)
genannten Kosten für z.B. Substanzabnutzung, die durch die Produktion entsteht. Die Kosten der Untergrenze
sind aktivierungspflichtig.

Für alle anderen Kosten (3) besteht ein Bewertungsspielraum – sie können, müssen aber nicht einbezogen werden.
Lediglich die Ausgaben unter (4) für Werbung (Werbungskosten) und den Vertrieb dürfen nicht mit in die
Berechnung der Herstellungskosten einbezogen werden.

154
Die genaue Ermittlung der Herstellungskosten geschieht durch die innerbetriebliche Kostenrechnung:
Die Kosten für Löhne, Gehälter, Material, etc. werden erfolgswirksam verbucht. Um die Ausgeglichenheit der Bilanz
zu wahren, werden diese Buchungen durch das Konto „ Aktivierte Eigenleistungen “ in die GUV aufgenommen,
welche dann anschließend in das Konto „Eigenkapital“ eingehen und durch Aktivseite neutralisiert werden.

Wir erinnern uns, dass Erfolgskonten das Eigenkapitalkonto auf der Passivseite der Bilanz beeinflussen. Verbucht
man Aufwendungen für Löhne, Gehälter auf den entsprechenden Aufwandskonten, so schmälern diese Kosten das
Eigenkapital. Die Selbstherstellung einer Maschine erhöht unser Anlagevermögen – schmälert jedoch das
Eigenkapital. Durch die Verbuchung dieser Aufwendungen auf dem Aktivkonto „Aktivierte Eigenleistungen“
neutralisiert man die Reduktion des Eigenkapitals.

 1MC-Aufgabe Nr. 9
 2MC-Aufgabe Nr. 10
 3MC-Aufgabe Nr. 11
 4MC-Aufgabe Nr. 12
 5MC-Aufgabe Nr. 13
 6Zuordnung Nr. 1
 7Zuordnung Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 9

Aufgabe 1 von 7

Welche Kosten dürfen niemals in die Herstellungskosten mit einbezogen werden?

Vertriebskosten

Fertigungsgemeinkosten

Materialkosten

Lösen

155
Herstellungs- und Erhaltungsaufwand

Vorlesen

Diese beiden Formen von Aufwendungen müssen in der Bilanz verschieden bemessen werden.

Herstellungsaufwendungen

Herstellungsaufwendungen stellen eine Verbesserung/Erweiterung des Vermögensgegenstandes über


seine ursprüngliche Beschaffenheit hinaus oder eine Neuschaffung eines nicht mehr nutzbaren oder
untergegangenen Wirtschaftsguts dar.

MERKE

Ein Herstellungsaufwand liegt also vor, wenn - das Gut in seiner Beschaffenheit vermehrt wird - sein Betriebswesen
wesentlich verändert wird - es eine deutliche Verbesserung über den ursprünglichen Zustand hinaus erfährt

BEISPIEL

Beispiel:
Dekontaminierung eines Grundstücks.

Erhaltungsaufwand

Erhaltungsaufwand (z.B. Instandhaltung, Reparaturen) hingegen verändert die ursprüngliche Wesensart des


Wirtschaftsgutes nicht direkt.

MERKE

Ein Erhaltungsaufwand liegt also vor, wenn - Wesensart des Gutes nicht beeinflusst wird - Beibehaltung des
ordnungsgemäßen Zustandes - Regelmäßigkeit der Maßnahme im Geschäftsbetrieb.

BEISPIEL

Beispiel:
Reparatur des defekten LKW-Motors, der für den Versand im Betrieb eingesetzt wird.

Die bilanzielle Betrachtung

156
Je nachdem, welche Art Aufwendungen man der Maßnahme zuteilt, ergeben sich unterschiedliche bilanzielle
Betrachtungen:

Herstellungsaufwendungen müssen ihrer Nutzenziehung nach aktiviert werden/ abgeschrieben werden.

Erhaltungsaufwendungen hingegen dürfen direkt im Zeitpunkt des Entstehens als Aufwand verbucht werden – und
somit direkt erfolgsschmälernd wirksam werden (Minderung des Jahresgewinns um die Höhe des Aufwandes).

 1MC-Aufgabe Nr. 14
 2MC-Aufgabe Nr. 15
 3MC-Aufgabe Nr. 16
 4MC-Aufgabe Nr. 17
 5Paarbildung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 14

Aufgabe 1 von 5

Welcher Vorgang ist als Herstellungsaufwand buchhalterisch zu erfassen?


 
Reparatur eines Firmen-Computers
 
Herstellung einer Maschine für die betriebsinterne Verwendung
 
Umbau einer Lagerhalle zu einem Büro-Komplex
Lösen
Aktivierte Eigenleistungen

Vorlesen

Güter, die in einem Unternehmen für sich selbst hergestellt werden, erhöhen dessen Vermögen. Aus diesem Grund
sind sie aktivierungspflichtig. Man spricht dann von aktivierten Eigenleistungen.

Aktivierte Eigenleistungen werden auf 3 verschiedene Konten gebucht:

1) Bestandsveränderungen bei eigenen Erzeugnissen:

157
Zugrunde liegen die beiden Konten „fertige Erzeugnisse“ und „unfertige Erzeugnisse“. Die Veränderung des
Bestands der jeweiligen Konten, d.h. die Differenz zwischen Anfangs- und Schlussbestand, wird auf das Konto
„Bestandsveränderungen bei eigenen Erzeugnissen“ gebucht. Bestandserhöhungen werden so als Ertrag und
Bestandsminderungen als Aufwand festgestellt.

2) Bestandsveränderungen bei Handelswaren:

Ein ähnliches Verfahren gilt auch für die Bestandsveränderungen bei Handelswaren. Die Bestandsveränderungen
werden jedoch erfolgswirksam durch die Verbuchung mit dem Konto „Wareneinsatz“ in der GuV erfasst.

3) Andere aktivierte Eigenleistungen:

Das Konto „andere aktivierte Eigenleistungen“ wird dazu verwendet die in einem Unternehmen selbst hergestellten
Anlagegüter, die aktiviert werden müssen, als Gegenkonto zu nutzen und so erfolgswirksam zu machen.

Die Erstellung eines Wirtschaftsgutes führt zu erheblichen Kosten, die im Zeitpunkt der Erstellung im Unternehmen
erfolgswirkend verbucht sind. Den verursachten Kosten der Eigenleistung muss jedoch der gezogene Nutzen
gegenübergestellt werden. Es würde einen unverhältnismäßig großen Aufwand darstellen jeden einzelnen
Kostenpunkt, der im Verlauf der Herstellung angefallen ist, gesondert zu verbuchen.
Aus diesem Grund nutzt man das Konto „aktivierte Eigenleistungen“ als Gegenkonto für die Aktivierung einer
selbsterstellten Anlage. Die Mehrung auf diesem Ertragskonto (die das Eigenkapital erhöht) wird im Haben
gebucht.

 1MC-Aufgabe Nr. 18
 2MC-Aufgabe Nr. 19
MC-Aufgabe Nr. 18

Aufgabe 1 von 2

Auf wie vielen verschiedenen Konten können aktivierte Eigenleistungen gebucht werden?
 
drei
 
eins
 

158
vier
Lösen

 Abschreibungen
Einführung zu Abschreibungen

Vorlesen

Ein erster Einstieg in das Kapitel der Abschreibungen:


Play Video
Lineare Abschreibung

Vorlesen

Die lineare Abschreibung ist die gebräuchlichste und einfachste Abschreibungsmethode. Sie findet Anwendung bei
allen beweglichen und unbeweglichen Wirtschaftsgüter. Im Folgenden schauen wir uns an, wie
diese Abschreibungsmethode funktioniert und rechnen ein Beispiel durch.

Wie funktioniert die lineare Abschreibung?

Wenn in einem Unternehmen eine Maschine gekauft wird, fallen in dieser Periode in der Regel
hohe Anschaffungskosten (AK) an. Die Maschine wird jedoch nicht nur in dieser Periode genutzt, sondern während
ihrer gesamten Nutzungsdauer (ND).

Da sich der Wert der Maschine im Laufe ihrer Nutzungsdauer verringert, muss man sie auf dem Konto „Maschinen“
abschreiben. Diese Abschreibungen mindern den Gewinn der Perioden, weil sie Aufwendungen sind. Weniger
Gewinn = weniger Steuern!

Bei der linearen Abschreibung werden die AK proportional, also gleichmäßig/planmäßig auf die Perioden verteilt.

METHODE

Lineare Abschreibung = Proportionale Verteilung der Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer

Normalerweise hat man die AK und die gewöhnliche Nutzungsdauer in einer Aufgabenstellung angegeben. Wenn
man nun die AK durch die Nutzungsdauer teilt, erhält man den Abschreibungsbetrag pro Periode.

BEISPIEL

Beispiel:
Ein Unternehmen kauft eine neue Maschine für 40.000€. Die gewöhnliche Nutzungsdauer beträgt 8 Jahre.

159
Der Abschreibungsbetrag berechnet sich wie folgt: 40.000€ / 8 = 5.000€.

Der dazugehörige Buchungssatz lautet:

Abschreibungen auf Maschinen 5.000 an Maschinen 5.000

Abschreibungstabelle (AfA-Tabelle)

Die dazugehörige Abschreibungstabelle (AfA-Tabelle) für das Beispiel lautet

Jahr Abschreibungsbetrag Restwert

0 0€ 40.000 €

1 5.000 € 35.000 €

2 5.000 € 30.000 €

3 5.000 € 25.000 €

4 5.000 € 20.000 €

5 5.000 € 15.000 €

6 5.000 € 10.000 €

7 5.000 € 5.000 €

8 5.000 € 0€

Beispiel zur linearen Abschreibung im Video

Schauen wir uns ein weiteres Beispiel zur Linearen Abschreibung in dem folgenden Lernvideo an.
Play Video

160
Formel zur Bestimmung des Abschreibungsbetrags bei Restwert des Wirtschaftsguts

Häufig wird ein Objekt jedoch nicht komplett abgeschrieben, sondern behält einen Restwert (RW). Bei der
Berechnung des jährlichen Abschreibungsbetrag muss dieser Restwert mit einbezogen werden:

Für diesen Fall gilt folgende Formel zur Berechnung des Abschreibungsbetrags:

Abschreibungsbetrag bei Restwert des Wirtschaftsguts = (AK - Restwert) / ND

MERKE

Grundsätzlich muss man sich bei bei der Anwendung der linearen Abschreibung in der Buchführung folgendes
unbedingt merken:

 Bestimmung des Abschreibungsbetrages:
AK / ND (wenn kein Restwert gegeben) bzw.
(AK - RW) / ND (wenn Restwert gegeben)
 durch jährliche Verbuchung der Abschreibung auf das zugehörige Aufwandskonto wird der Wert der
Anlage verringert
 wenn man die Anlage nach Ablauf der ND weiter nutzt, wird diese meistens mit einem obligatorischen Euro
verbucht, damit sie weiter in der Bilanz auftaucht
 man kann nur abnutzbare Güter abschreiben, keine Gebäude, Grundstücke etc.! Deshalb wird
das Abschreibungskonto häufig auch AfA (Absetzung für Abnutzung = steuerliche Bezeichnung) genannt
 die Abschreibungsquote (also der prozentuale Ausdruck) berechnet sich hier immer durch 100 / ND

 1BS-Aufgabe Nr. 1
 2BS-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 1
 4MC-Aufgabe Nr. 2
 5MC-Aufgabe Nr. 3
 6BS-Aufgabe Nr. 1
 7BS-Aufgabe Nr. 2
 8BS-Aufgabe Nr. 3
BS-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 8

Der Maschinenbestand wird in Höhe von 5500€ planmäßig abgeschrieben.

Habenkonto

161
  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Verkauf zum Buchwert

Vorlesen

Wir führen das vorherige Beispiel fort


Play Video
Verkauf über dem Buchwert

Vorlesen

Ein weiteres Szenario in unserem Beispiel der linearen Abschreibung. Der Verkauf über dem Buchwert:
Play Video

VERTIEFUNG

Hier klicken zum Ausklappen


Hinweis zum Video: Es ist natürlich wie auch gesagt das Konto "sonstiger betrieblicher Aufwand" zu verwenden.
Verkauf unter dem Buchwert

Vorlesen

162
Es kann aber auch der gegenteilige Fall eintreten. Der Verkauf erfolgt unter dem Buchwert:
Play Video
Methodenwechsel

Vorlesen

Da am Anfang der Nutzungsdauer die degressive Abschreibung sinnvoller ist als die lineare, später aber umgekehrt,
ist es auch möglich einen Methodenwechsel durchzuführen. Daher wird häufig nach einer bestimmten Anzahl von
Jahren von der degressiven Abschreibung auf die lineare gewechselt.

Berechnung des optimalen Zeitpunktes für den Methodenwechsel

Wenn ein Anlagegut eine gewöhnliche Nutzungsdauer von 10 Jahren hat, ist der beste Zeitpunkt für den
Methodenwechsel im 6. Jahr bzw. im fünftletzten Jahr.
Man kann den besten Zeitpunkt für den Methodenwechsel M auch ausrechnen:

MERKE

M =>  ND−100degr.AfA−Satz+1 --> Ergebnis immer aufrunden!


(degr. AfA-Satz: Abschreibungsquote)

Wenn die Nutzungsdauer weniger als 10 Jahre beträgt, findet der Methodenwechsel immer im fünftletzten Jahr
statt!

 1MC-Aufgabe Nr. 4
 2MC-Aufgabe Nr. 5
 3MC-Aufgabe Nr. 6
MC-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 3

Warum kann ein Methodenwechsel bei der Abschreibung vorteilhaft sein?

Weil am Ende der Nutzungsdauer die Beträge bei der degressiven Abschreibung höher sind als bei der linearen
Abschreibungsmethode.

163
Weil am Anfang der Nutzungsdauer die Beträge bei der degressiven Abschreibung höher sind als bei der linearen
Abschreibungsmethode.

Weil am Anfang der Nutzungsdauer die Beträge bei der linearen Abschreibung höher sind als bei der degressiven
Abschreibungsmethode.

Lösen

Geometrisch-degressive Abschreibung

Vorlesen

Bei der degressiven Abschreibung wird immer ein gleichbleibender Prozentsatz vom Restwert des jeweiligen
Vorjahres abgeschrieben. Dies führt im Vergleich zur linearen Abschreibungsmethode in den ersten Perioden zu
einem sehr hohen Abschreibungsbetrag, in späteren Perioden jedoch zu niedrigeren Abschreibungsbeträgen.

Wird dieser erhöhte Aufwand (der ersten Perioden) auch steuerrechtlich anerkannt, führt dies zu einer niedrigeren
Steuerbelastung des Unternehmens.

Die degressive Abschreibungsmethode kann nur bei beweglichen Wirtschaftsgütern angewendet werden.

Allerdings ganz wichtig: Steuerrechtlich ist die geometrisch degressive Abschreibung nur bei Anschaffungen bis zum
31.12.2010 anwendbar.
Handelsbilanziell bleibt sie in allen Fällen zulässig, in denen sie dem tatsächlichen wirtschaftlichen Verbrauch der
Abnutzung entspricht.

Der degressive Abschreibungssatz

Die Formel für die Berechnung des degressiven Abschreibungssatzes in Prozent (r) errechnet sich wie folgt:

MERKE

Zugrunde gelegt wird immer ein Anschaffungswert (AW), falls vorhanden ein Restwert (RW) und ein
Abschreibungszeitraum (t).
Es gilt:  AW∗(1−r)t=RW und nach r aufgelöst:  r=1−(RWAW)1t

Hierbei gilt seit dem 01.01.2009 und bis zum 31.12.2010 die steuerliche Regelung, dass die Abschreibungsquote der
degressiven Abschreibungsmethode 25% nicht übersteigen darf. Zusätzlich durfte die Abschreibungsquote das
Zweieinhalbfache der linearen Abschreibungsquote nicht übersteigen.

164
D.h., wenn die degressive Abschreibungsquote 30% beträgt, darf man steuerlich höchstens mit 25% abschreiben;
wenn die Abschreibungsquote bei beispielsweise 18% liegt, das Zweieinhalbfache der Abschreibungsquote der
linearen Abschreibung aber nur bei 16% liegt, dann beträgt die maximale Abschreibungshöhe auch nur 16%.
Entscheidend ist also das Zweieinhalbfache des linearen Abschreibungssatzes als Abschreibungsobergrenze, bzw.
die generelle Höchstgrenze von 25%.

Vom 01.01.2006 bis zum 31.12.2007 galt eine steuerrechtlich zulässige Höchstgrenze von 30% und dem Dreifachen
der linearen Abschreibungsquote. Vom 01.01.2008 bis zum 31.12.2008 war die degressive Abschreibungsmethode
steuerlich gar nicht zulässig.

MERKE

Die degressive AfA ist regelmäßig steuerlich zulässig und wird dann wieder abgeschafft. Für bewegliche
Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 31.12.2008 und vor dem 01.01.2011 angeschafft wurden, ist
die degressive AfA mit einer Abschreibungsquote von maximal 25% bzw. dem Zweieinhalbfachen der linearen
Abschreibungsquote wieder zulässig. Ihre Bedeutung für die Praxis hat stark abgenommen, da man in den
Wirtschaftsjahren, in denen die degressive Abschreibung steuerlich nicht möglich ist, die Abschreibungsmethode
für Zwecke der Steuerermittlung nachträglich korrigieren müsste und nicht einfach auf die Ergebnisse der
laufenden Buchführung zurückgreifen kann.

Beispiel einer geometrisch-degressiven Abschreibung

BEISPIEL

Geometrisch-degressive Abschreibung einer Maschine:


Anschaffungskosten: 40.000 €, Restwert nach 8 Jahren: 10.000 €

Rechnung:
 1−(10.00040.000)18=r

 r=1−0,250,125

 r=0,1591

Abschreibungsquote: 15,91 %

Folglich reduziert sich der Buchwert in den 8 Jahren des Abschreibungszeitraums um 15,91 % pro Jahr, bis
schließlich der Restwert i.H.v. 10.000 € übrig bleibt. Es ergibt sich folgender Abschreibungsverlauf:

Period Wert am Jahresanfang Abschreibungsbetra Restwert


e g

165
1 40.000,00 6.364,00 33.636,00

2 33.636,00 5.351,49 28.284,51

3 28.284,51 4.500,07 23.784,44

4 23.784,44 3.784,11 20.000,33

5 20.000,33 3.182,05 16.818,28

6 16.818,28 2.675,79 14.142,49

7 14.142,49 2.250,07 11.892,42

8 11.892,42 1.892,08 10.000,34

Leistungsabschreibung

Erwähnt werden sollte außerdem die Leistungsabschreibung:

Hier wird nach der Leistung abgeschrieben, was vor allem bei Autos/Lkws und Maschinen funktioniert. Man hat die
gesamte Leistung der Maschine angegeben, rechnet dann die AK/Gesamtleistung und hat als Ergebnis quasi die AK
pro Leistungseinheit. Also muss man nur noch schauen, wie viele Leistungseinheiten in der Periode verbraucht
wurden und diesen Wert dann abschreiben.
Die einzelnen Abschreibungsmethoden erklärt Daniel Lambert in einem Video zum Online-Kurs
"Kostenrechnung"( Link: Die verschiedenen Abschreibungsmethoden  ), welches Dir selbstverständlich ebenfalls zur
Verfügung steht.

 1BS-Aufgabe Nr. 4
 2MC-Aufgabe Nr. 7
 3MC-Aufgabe Nr. 8
 4MC-Aufgabe Nr. 9
BS-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 4

166
Eine Maschine mit einem Anschaffungswert von 25.000 Euro soll linear über 10 Jahre abgeschrieben werden. Wie
lautet der dazugehörige Buchungssatz am Ende des ersten Jahres der Nutzungsdauer?

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Außerplanmäßige Abschreibungen

Vorlesen

Wenn ein Gegenstand des Anlagevermögens plötzlich und unerwartet, beispielsweise durch eine Katastrophe,
einen Unfall etc., einen Wertverlust erleidet, schreibt man diesen Wertverlust als außerplanmäßige
Abschreibung auf dem Konto "außerplanmäßige Abschreibungen" ab (nicht mit dem Konto "Abschreibungen" für
planmäßige Abschreibungen verwechseln!).

Auch Forderungen die ausfallen, können abgeschrieben werden. Dies geschieht mithilfe des Kontos
„Abschreibungen auf Forderungen“. Dabei muss beachtet werden, dass auch die MwSt korrigiert werden muss!

167
 1BS-Aufgabe Nr. 4
 2BS-Aufgabe Nr. 5
 3BS-Aufgabe Nr. 6
 4BS-Aufgabe Nr. 9
BS-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 4

Eine Maschine im Wert von 5000 € wird linear über 10 Jahre abgeschrieben. Buchen Sie die Abschreibung am Ende
des ersten Geschäftsjahres.

Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen

 Wertberichtigungen
Einzelwertberichtigungen

Vorlesen

Wenn ein Unternehmen eine Forderung aus LuL hat, jedoch daran zweifelt, ob diese Forderung jemals beglichen
wird (aufgrund von Konkurs, schlechter Zahlungslage ...), wird diese zweifelhafte Forderung am Jahresende in der

168
Höhe abgeschrieben, wie vermutet wird. Diese Abschreibung erfolgt jedoch nicht direkt, d.h. das Konto
Forderungen aus LuL bleibt unberührt, sondern das Konto " Einzelwertberichtigungen auf Forderungen" (EWB)
wird herangezogen.

Eine Beispielrechnung

Mit einem Beispiel wird dies deutlicher:

BEISPIEL

Unternehmer U hat eine Forderung in Höhe von 15.000€ ohne MwSt. (mit=17.850€) gegen einen Kunden. Am Ende
des Jahres wird zweifelhaft, ob die Forderung in der Gesamthöhe beglichen wird, denn der Kunde hat
Zahlungsschwierigkeiten. Unternehmer U nimmt an, dass etwa 50% der Forderung ausfallen. Die Buchungen lauten
also wie folgt:

Abschreibungen auf Forderungen 7.500 an EWB auf Forderungen 7.500

Man schreibt nicht direkt vom Konto Forderungen aus LuL ab, weil die Forderung in der ganzen Höhe bestehen
bleibt!
Manchmal werden die zweifelhaften Forderungen auch auf das Konto "Zweifelhafte Forderungen" gebucht, dann
wird von diesem Konto indirekt abgeschrieben!
Nun gibt es drei Möglichkeiten:

1. die Vermutung trifft zu


2. der Ausfall ist niedriger als geschätzt
3. der Ausfall ist höher als geschätzt

Vermutung trifft zu

Bank 8.925 an Forderungen aus LuL 8.925

Da nun auch die Mehrwertsteuer für die ausgefallenen 50% nicht bezahlt werden müssen, bucht man so weiter:

169
EWB auf Forderungen 7.500 an Forderungen aus LuL 8.925

MwSt 1.425

--> hier bucht man nun die restlichen 8.925 € aus dem Konto Forderungen aus LuL aus. Das EWB-Konto ist so
gesehen nur ein Hilfskonto, das gebraucht wird, um die Gegenbuchung für die Abschreibung zu enthalten. Wie
oben zu sehen, ist der Saldo auf dem EWB-Konto jetzt 0, weil die 7.500€ wieder ausgebucht wurden.

Ausfall niedriger

Es werden statt der vermuteten 50% auf einmal 70% bezahlt.

Bank 12.495 an Forderungen aus LuL 12.495

EWB auf Forderungen 4.500 an Forderungen aus LuL 5.355

MwSt 855

Wenn wir uns nun das Konto EWB auf Forderungen ansehen, stellen wir fest, dass auf der Sollseite 4.500€ stehen,
auf der Habenseite jedoch 7.500€. Um das Konto auszugleichen, buchen wir den zu viel vermuteten Ausfall als
sonstigen betrieblichen Ertrag:

EWB auf Forderungen 3.000 an sonstige betriebliche Erträge 3.000

170
Ausfall höher als vermutet

Es werden statt der 50% nur 30% bezahlt:

Bank 5.355 an Forderungen aus LuL 5.355

EWB auf Forderungen 10.500 an Forderungen aus LuL 12.495

MwSt 1.995

Da man nun weniger bekommt und zu wenig abgeschrieben hat, muss die Differenz auf dem EWB-Konto nun als
sonstige betriebliche Aufwendung verbucht werden.

sonstige betriebliche Aufwendungen 3.000 an EWB auf Forderungen 3.000

MERKE

 normale/sichere Forderungen werden nicht abgeschrieben


 sicher ausfallende Forderungen werden direkt vom Konto "Forderungen aus LuL" abgeschrieben

171
 zweifelhafte Forderungen erst auf das Konto "EWB auf Forderungen" buchen, bei zu niedrig vermutetem
Ausfall die Differenz auf das Konto "sonstige betriebliche Aufwendungen", bei zu hoch vermutetem Ausfall auf das
Konto "sonstige betriebliche Erträge" buchen.

 1BS-Aufgabe Nr. 1
 2BS-Aufgabe Nr. 2
 3BS-Aufgabe Nr. 1
 4Lückentext Nr. 1
BS-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Manfred K. bezweifelt, ob eine Forderung in Höhe von 15 000€(netto) doch noch komplett getilgt wird. Er schätzt
am Jahresende, dass 30% ausfallen. Verbuche diese.
Habenkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
Sollkonto

  

0,00

Zeile hinzufügen
an
Lösen
Pauschalwertberichtigungen

Vorlesen

172
Im täglichen Geschäftsleben eines Unternehmens kommt es vor, dass scheinbar sichere Forderungen aufgrund
irgendwelcher Umstände schließlich doch nicht bezahlt werden können. Deshalb werden die Forderungen aus LuL
am Ende eines Geschäftsjahres pauschalwertberichtigt. Diese Wertberichtigung liegt in einem Bereich zwischen 3%
und 7% des Nettowertes der Forderungen.
Bevor man jedoch die Pauschalwertberichtigung ausrechnet, muss man zunächst die Mehrwertsteuer vom
Gesamtforderungsbestand abziehen sowie die schon einzelwertberichtigten Forderungen. Von diesem Betrag
errechnen sich dann die 3-7%, die man wieder indirekt auf das Konto Pauschalwertberichtigung auf Forderungen
(PWB) bucht und abschreibt.

Das ganze funktioniert genau wie bei der EWB, man muss jedoch darauf achten, dass man, falls tatsächlich eine der
sicheren Forderungen (teilweise) ausfällt, den schon pauschalwertberichtigten Betrag beachtet. Wenn der
Forderungsausfall geringer ist als die 3-7% der Forderung, bucht man die Differenz als sonstigen betrieblichen
Ertrag , wenn er höher als die 3-7% ist als sonstigen betrieblichen Aufwand .

MERKE

 indirekte Abschreibung über Konto „PWB auf Forderungen“


 funktioniert genau wie die EWB
 bei Ausfall einer Forderung den schon über die Pauschalwertberichtigung abgeschriebenen Betrag
beachten!

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2Paarbildung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 2

In welchem Prozentbereich liegen die Pauschalwertberichtigungen des Nettowertes der Forderungen?


 
10-15%
 
9-12%
 
3-7%
Lösen

 Jahresabschlussbuchungen

173
 Rechnungsabgrenzungsposten
aktive Rechnungsabgrenzungsposten ARAP

Vorlesen

Diese vorbereitende Jahresabschlussbuchung hört sich kompliziert an, ist aber sehr logisch.
Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten (  ARAP ) wird gebraucht, wenn man in einer Periode etwas bezahlt, aber
der Aufwand eigentlich erst für die nächste Periode zählt. Das beste Beispiel ist etwa, wenn man die Miete für die
Monate Januar, Februar, März schon im November der Vorperiode bezahlt. Da der Abschluss immer
periodengerecht erstellt werden muss, werden diese Zahlungen transitorisch abgegrenzt (--> Zahlung vor
Erfolgswirkung).

Beispiel eines aktiven Rechnungsabgrenzungspostens

BEISPIEL

Unternehmer U zahlt seine Miete in Höhe von 6000€ immer für ein halbes Jahr im Voraus am 1.10. und am 1.4.

Um seinen Jahresabschluss vorzubereiten, bucht er also:

ARAP 3.000 an Mietaufwendungen 3.000

Der Aufwand von 3000€ erscheint somit nicht in der GuV, weil das Konto Mietaufwendungen nun nur noch die
3000€ für die Monate Oktober, November, Dezember enthält. Die Miete für das erste Quartal des nächsten Jahres
wurde auf das Konto ARAP gebucht (erscheint in der Bilanz, hat aber keinen Einfluss auf die GuV) und somit
periodengerecht abgegrenzt!

MERKE

ARAP - transitorische Abgrenzung - Zahlung vor Aufwand - Konto ARAP wird nicht in GuV mit einbezogen

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 3
 4BS-Aufgabe Nr. 2
 5BS-Aufgabe Nr. 3

174
 6BS-Aufgabe Nr. 4
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 6

Welche Aussage ist richtig?

Mithilfe des aktiven Rechnungsabgrenzungsposten grenzt man Aufwendungen ab, die man schon für die nächste
Periode bezahlt hat.

Mithilfe des aktiven Rechnungsabgrenzungsposten grenzt man die Erträge ab, die man eigentlich erst der nächsten
Periode zurechnet.

Der aktive Rechnungsabrenzungsposten dient dazu, Aufwendungen abzugrenzen, die zwar in dieser Periode
angefallen sind, die jedoch erst in der nächsten bezahlt werden.

Lösen

Beispiel zum ARAP

Vorlesen
Play Video
passive Rechnungsabgrenzungsposten PRAP

Vorlesen

Der passive Rechnungsabgrenzungsposten (  PRAP ) funktioniert genau wie der aktive


Rechnungsabgrenzungsposten, doch hier geht es nicht um eine Vorauszahlung, sondern um eine "Voraus-
Einnahme", die eigentlich erst einen Ertrag der nächsten Periode darstellt. Der PRAP fällt zusammen mit dem ARAP
unter die transitorische Abgrenzung.

Beispiel eines passiven Rechnungsabgrenzungspostens

BEISPIEL

175
Der Vermieter des U verbucht am 31.12. die Mieteinnahmen des U, die dieser schon für das erste Quartal im
Voraus bezahlt hat:

Mieterträge 3.000 an PRAP 3.000

Auch der PRAP erscheint zwar in der Bilanz, nicht jedoch in der GuV!

MERKE

PRAP - transitorische Abgrenzung - Einnahme im Voraus - erscheint nicht in GuV

 1MC-Aufgabe Nr. 4
 2BS-Aufgabe Nr. 5
 3BS-Aufgabe Nr. 6
 4BS-Aufgabe Nr. 7
MC-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 4

Was stimmt nicht?

Der PRAP erscheint in der Bilanz und der GuV, wirkt sich jedoch nicht erfolgwirksam aus.

Erträge, die für die nächste Periode schon bezahlt wurden, werden als PRAP verbucht.

Der PRAP ist ein transitorischer RAP genau wie der ARAP.

Lösen

Beispiel zum PRAP

Vorlesen

176
Play Video
sonstige Forderungen

Vorlesen

Die sonstige Forderung ist quasi das Gegenstück zum PRAP. Bei der sonstigen Forderung entsteht in der
ablaufenden Periode ein Ertrag, der aber erst in der Folgeperiode gezahlt wird. Dieser Ertrag muss nun antizipativ
abgegrenzt werden (--> Erfolgswirkung entsteht vor Zahlung).

Beispiel zu den sonstigen Forderungen

BEISPIEL

Unternehmer U bekommt für die vergangene Periode noch Zinserträge von seiner Bank in Höhe von 1274€, die
diese jedoch erst im März des folgenden Jahres überweist:

sonstige Forderungen 1.274 an Zinserträge 1.274

Der Sinn des Ganzen ist, wie auch schon bei den ARAP und PRAP, dass nun in der GuV die Zinserträge erscheinen
und zum Gewinn dazugerechnet werden, auch wenn die Zahlung noch gar nicht eingegangen ist!
Wenn die Bank nun im Folgejahr zahlt, bucht U so:

Bank 1.274 an sonstige Forderungen 1.274

MERKE

sonstige Forderungen - antizipative Abgrenzung - Ertrag vor Eingang der Zahlung - hat Auswirkungen auf GuV

 1MC-Aufgabe Nr. 5
 2BS-Aufgabe Nr. 8
 3BS-Aufgabe Nr. 9
 4BS-Aufgabe Nr. 10
 5BS-Aufgabe Nr. 11

177
 6Paarbildung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 5

Aufgabe 1 von 6

Welche der drei Aussagen ist richtig?

Bei der sonstigen Forderung entsteht in der folgenden Periode ein Ertrag, der aber schon in der jetzigen Periode
gezahlt wird.

Bei der sonstigen Forderung entsteht in der folgenden Periode ein Ertrag, der auch erst in der Folgeperiode gezahlt
wird.

Bei der sonstigen Forderung entsteht in der ablaufenden Periode ein Ertrag, der aber erst in der Folgeperiode
gezahlt wird.

Lösen

sonstige Verbindlichkeiten

Vorlesen

Als sonstige Verbindlichkeit verbucht man einen Aufwand, der in der letzten Periode entstanden ist, aber den man
erst in der nächsten Periode bezahlt. Im Gegensatz zu den Rückstellungen, zu denen wir im nächsten Punkt
kommen, sind hier die Höhe der Verbindlichkeit und das Fälligkeitsdatum bekannt!

Beispiel zu den sonstigen Verbindlichkeiten

BEISPIEL

Unternehmer U muss normalerweise im Januar Darlehenszinsen in Höhe von 2000€ für das vergangene Jahr zahlen.
Er bucht also am 31.12.:

Zinsaufwendungen 2.000 an sonstige Verbindlichkeiten 2.000

178
Wenn er nun im Januar die Zinsen zahlt, bucht er:

sonstige Verbindlichkeiten 2.000 an Bank 2.000

MERKE

sonstige Verbindlichkeiten
- antizipative Abgrenzung
- Aufwand entsteht, Zahlung in Folgeperiode
- Höhe und Fälligkeitsdatum bekannt

 1MC-Aufgabe Nr. 6
 2BS-Aufgabe Nr. 12
 3BS-Aufgabe Nr. 13
 4BS-Aufgabe Nr. 14
 5BS-Aufgabe Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 6

Aufgabe 1 von 5

Wozu gehören sonstige Verbindlichkeiten?

zu den antizipativen Rechnungsabgrenzungsposten

zu den antipativen Rechnungsabrenzungsposten

179
zu den antizitiven Rechnungsabgrenzungsposten

Lösen

 restliche Jahresabschlussbuchungen
Rückstellungen

Vorlesen

Rückstellungen sind genauso zu behandeln wie sonstige Verbindlichkeiten, der Unterschied liegt nur darin, dass
die Höhe sowie das Fälligkeitsdatum der Verbindlichkeit nicht bekannt ist! Die Höhe muss also geschätzt werden!
Entstehen können diese Verbindlichkeiten beispielsweise durch ungewisse Verbindlichkeiten wie
Steuernachzahlungen oder Prozesskosten, Garantieverpflichtungen, Instandhaltungskosten,
Pensionsrückstellungen etc. In der Bilanz werden die Rückstellungen als Schulden ausgewiesen!

Beispiel zu den Rückstellungen

BEISPIEL

Unternehmer U muss irgendwann im nächsten Jahr Steuern für die vergangene Periode bezahlen. Er weiß noch
nicht genau, wie viel das sein wird, schätzt aber auf 15 000€. Er bucht am 31.12.:

Steueraufwendungen 15.000 an Rückstellungen 15.000

Im Februar erhält U nun einen Bescheid vom Finanzamt. Nun gibt es drei Möglichkeiten:
1. Die Schätzung war richtig und die Steuernachzahlung beträgt 15000€.

Rückstellungen 15.000 an Bank 15.000

2. Die Steuernachzahlung ist höher als geschätzt.

Rückstellungen 15.000 an Bank 17.000

180
periodenfremde Aufwendungen 2.000

3. Die Steuernachzahlung ist niedriger als geschätzt.

Rückstellungen 15.000 an periodenfremde Erträge 5.000

Bank 10.000

MERKE

Rückstellungen - antizipative Abgrenzung - Aufwand entsteht, Zahlung in Folgeperiode - Höhe und Fälligkeitsdatum
unbekannt

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
 3BS-Aufgabe Nr. 2
 4Paarbildung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

Rückstellungen werden gemacht, weil die Höhe und der Zeitpunkt der Fälligkeit einer Verbindlichkeit fest stehen.

Ja, stimmt.

falsch - Höhe und Zeitpunkt der Fälligkeit der Verbindlichkeit stehen nicht fest.

181
Bin mir nicht mehr sicher, lese lieber nochmal nach.

Lösen

Rücklagen

Vorlesen

Generell unterscheidet man bei den Rücklagen zwischen offenen und stillen Rücklagen.

Offene Rücklagen

Hierzu zählen Kapital- und Gewinnrücklagen, die offen in der Bilanz ausgewiesen werden. Eine Kapitalrücklage
entsteht beispielsweise durch die Ausgabe neuer/junger Aktien. Zu den offenen Rücklagen zählen außerdem auch
die gesetzlichen Rücklagen, d.h. der Unternehmer muss sie einrichten und in der Bilanz ausweisen.

Stille Rücklagen

Diese Rücklagen entstehen, wenn man Vermögensgegenstände unterbewertet z.B. durch Abschreibung, obwohl sie
eigentlich mehr wert sind. Außerdem entstehen sie, wenn man Rückstellungen überbewertet, also man
vorsichtshalber oder absichtlich eine Rückstellung als zu hoch in der Bilanz ausweist.

 1MC-Aufgabe Nr. 3
 2Zuordnung Nr. 1
MC-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 2

Wodurch entstehen stille Rücklagen?

Durch die Ausgabe neuer, junger Aktien

Durch die Überbewertung von Rückstellungen

182
 

Durch Überbewertung von Vermögensgegenständen z.B. durch Abschreibung

Lösen

 Hauptabschlussübersicht
 Einstieg
Bedeutung der Hauptabschlussübersicht

Vorlesen

Am Ende eines jeden Geschäftsjahres besteht die gesetzliche Pflicht zur Erstellung eines Jahresabschlusses.
Die Hauptabschlussübersicht ( HÜ ) ist eine kompakte und übersichtliche Zusammenfassung bzw. Darstellung der
Entwicklung der Bestands-, Erfolgs- und gemischten Konten sowie deren Endbestände. Sie dient außerdem der
steuerlichen Gewinnermittlung. Letztendlich entspringt das gesamte Datenmaterial, was sich in der
Hauptabschlussübersicht wiederfindet, der Buchführung der jeweiligen Periode.

Die Hauptabschlussübersicht dient der Erstellung eines "Probeabschlusses" und ist somit ein vorbereitender
Zwischenschritt zur Erstellung des Jahresabschlusses. Es handelt sich um einen Probeabschluss, weil keine
Buchungen auf den jeweiligen Konten durchgeführt werden.

Ihre Erstellung ermöglicht es auf dem Weg zum endgültigen Jahresabschluss Buchungsfehler (Rechen-,
Bewertungs-, Erfassungsfehler) zu vermeiden. Eine nachträgliche Korrektur der ggf. betroffenen fehlerhaften
Konten beim Jahresabschluss wäre mit großem Aufwand verbunden.

MERKE

 vorbereitender Zwischenschritt zur Erstellung des Jahresabschlusses


 Probeabschluss, um Fehler frühzeitig korrigieren zu können

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 2

183
Welche Funktion übernimmt die Hauptabschlussübersicht auf dem Weg zum Jahresabschluss ?

Eine Kontrollfunktion zur frühzeitigen Fehlererkennung und zur steuerlichen Gewinnermittlung.

Eine Gewinnfunktion zur direkten Ermittlung des Betriebsgewinns.

Eine Signalfunktion zur vorzeitigen Ermittlung eines Verlustes.

Lösen

Aufbau der Hauptabschlussübersicht

Vorlesen

Die Hauptabschlussübersicht wird in einer tabellarischen Form dargestellt und besteht immer aus neun Spalten -
die Anzahl der Zeilen richtet sich nach der Summe der verwendeten Konten. Im Folgenden wird auf die Funktion
der einzelnen Spalten näher eingegangen:

Die Spalten der Hauptabschlussübersicht

1. Spalte: Konten/Kontenbezeichnung
Auflistung der Konten.

2. Spalte: Eröffnungsbilanz
Diese Spalte enthält die jeweiligen Werte der Eröffnungsbilanz. Sie unterteilt sich wiederum in Aktiva (A) und
Passiva (P). Bei Erfolgskonten bleibt diese Spalte leer, weil sie keine Anfangsbestände aufweisen.

3. Spalte: Verkehrszahlen/Jahresverkehrszahlen
Hier werden die Salden der jeweiligen Konten eingetragen - mit Ausnahme derjenigen Konten, die nur zur
Vorbereitung des Jahresabschlusses dienen (Abschreibungen, Rechnungsabgrenzungsposten, etc.) Sollsalden
werden dementsprechend in die Habenseite und Habensalden in die dazugehörige Sollseite der Spalte eingetragen
(Ohne Anfangsbestände!).

4. Spalte: Summenbilanz
Die Werte der Eröffnungsbilanzspalte und der Jahresverkehrszahlen werden hier addiert. (A+S, P+H)

184
5. Spalte: Saldenbilanz I
Für jede Zeile der Summenbilanz wird hier der Saldo gebildet und dann auf der entsprechenden Seite (Soll oder
Haben) eingetragen.

6. Spalte: Umbuchungen
In dieser Spalte werden die vorbereitenden Jahresabschlussbuchungen eingetragen. Abschluss von Unterkonten,
z.B. Vorsteuer über Mehrwertsteuer, Abschreibung. (siehe vorheriges Kapitel)

7. Spalte: Saldenbilanz II
In der Saldenbilanz II wird die Saldenbilanz I um die Umbuchungen korrigiert.

8. Spalte: Bilanz
Handelt es sich bei den Werten der Spalte "Saldenbilanz II" um Bestandskonten, dann werden sie in die Spalte
"Bilanz" übertragen - handelt es sich hingegen um Erfolgskonten, dann werden diese Werte in die Spalte "Gewinn-
und Verlustrechnung" übernommen.

9. Spalte: Gewinn- und Verlustrechnung


Wie o.g. werden in diese Spalte diejenigen Werte der "Saldenbilanz II" übernommen, die Erfolgskonten betreffen.

 1MC-Aufgabe Nr. 3
 2MC-Aufgabe Nr. 4
 3MC-Aufgabe Nr. 5
MC-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 3

Wie viele Spalten enthaelt die Hauptabschlussuebersicht?

Lösen

185
 Erstellung
Übertragung der T-Konten

Vorlesen

Die Übernahme der T-Konten in die Hauptabschlussübersicht erfolgt nach einem relativ einfachen Schema.

Eröffnungsbilanzwerte

Zunächst werden die, wenn vorhanden, Anfangsbestände (AB) auf die entsprechende Seite
der Eröffnungsbilanzwerte übertragen. Also z.B. ein AB im Haben, bei einem Passivkonto, auf die Habenseite der
Spalte.

Die Jahresverkehrszahlen

Für die nächste Spalte (Jahresverkehrszahlen = JVZ) schaut man sich die einzelnen Konten an und summiert sowohl
die Soll- als auch die Habenseite (nicht verrechnen!). Dabei werden die AB nicht mit einbezogen, denn sie stehen
schon in der ersten Spalte!
Die Summen der einzelnen Seiten werden auf die entsprechende Seite der JVZ überschrieben.

MERKE

Bei einem Aufwandskonto z.B. wird die Summe aller Aufwendungen im Soll auf die Sollseite der JVZ übertragen.

Ein kleines Hindernis stellt das Warenkonto dar. Es wird auch in der HÜ zweigeteilt, in Wareneinkaufskonto (WEK)
und Warenverkaufskonto (WVK).

 1MC-Aufgabe Nr. 1
 2MC-Aufgabe Nr. 2
MC-Aufgabe Nr. 1

Aufgabe 1 von 2

In der Hauptabschlussübersicht wird der Anfangsbestand eines Passivkontos auf die Sollseite der Spalte
"Eröffnungsbilanzwerte" übertragen.

186
Nein, weil das Passivkonto den Anfangsbestand im Haben aufweist und dieser somit auch auf die Habenseite der
Eröffnungsbilanzwerte übertragen werden muss.

Ja, weil der Anfangsbestand des Passivkontos im Haben steht und er deshalb auf die Sollseite der
Eröffnungsbilanzwerte gebucht wird.

Ja, weil der Anfangsbestand eines Passivkontos im Soll gebucht wird und er somit auch auf die Sollseite der
Eröffnungsbilanzwerte übernommen wird.

Lösen

Saldenbilanz 1

Vorlesen

Um zur Saldenbilanz I zu kommen, muss man zunächst einmal die Summenbilanz bilden. Diese entsteht, indem
man die Werte aus der Eröffnungsbilanz und den Jahresverkehrszahlen aufaddiert.

Also wird z.B. ein Soll in der Eröffnungsbilanzwertespalte ins Soll der Summenbilanz übertragen. Haben wir
zusätzlich noch ein Soll in den Jahresverkehrszahlen werden die beiden Sollwerte addiert und ins Soll der
Summenbilanz übertragen. Wenn man keine Eröffnungsbilanzwerte hat, werden nur die Werte der
Jahresverkehrszahlen übernommen.

Die Saldenbilanz

Wie kommt man nun zur Saldenbilanz?


Nach dem Wortlaut stehen hier die Salden, also saldiert bzw. "verrechnet" man Soll und Haben der Summenbilanz
miteinander und erhält so die Saldenbilanz I.

MERKE

Ein Mehrbetrag im Soll steht dabei im Soll, ein Mehrbetrag im Haben auf der Habenseite!

Dies ist anders als beim Buchen. In der HÜ wird nicht gebucht, sondern nur übertragen und zwar die Differenz
zwischen Soll und Haben. Wenn also die Sollseite größer ist als die Habenseite, kommt der Mehrbetrag ins Soll!
Gibt es nur einen Betrag in der Summenbilanz, wird nur dieser übertragen. Also ein Soll ins Soll, ein Haben ins
Haben.

187
 1MC-Aufgabe Nr. 3
 2MC-Aufgabe Nr. 4
 3MC-Aufgabe Nr. 5
MC-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 3

Wie bildet man die Summenbilanz?

Eröffnungsbilanz und Jahresverkehrszahlen werden addiert.

Saldenbilanz I u. II werden addiert.

Saldenbilanz I u. Jahresverkehrszahlen werden addiert.

Lösen

Umbuchungen

Vorlesen

In der Spalte Umbuchungen werden in der HÜ die Konten Privatkonto und Wareneinkaufskonto abgeschlossen,


ebenso werden die weiteren vorbereitenden Abschlussbuchungen erfasst.

Die Umbuchungen dienen dazu die Konten "auszugleichen" und ihrem realen Wert anzupassen. Der Saldo der
Konten, die keine reinen Bestands- oder Erfolgskonten sind, wird auf ein übergeordnetes Bestands- oder
Erfolgskonto gebucht.

Zu nennen sind hier insbesondere das Vorsteuerkonto, dessen Saldo auf das Mehrwertsteuerkonto übertragen


wird oder das Privatkonto , dessen Saldo auf das Eigenkapitalkonto übertragen wird.

 1MC-Aufgabe Nr. 6
 2MC-Aufgabe Nr. 7
MC-Aufgabe Nr. 6

188
Aufgabe 1 von 2

Welche Konten werden in der Spalte Umbuchungen abgeschlossen?

Privatkonto u. Wareneinkaufskonto.

Warenverkaufs- u. Wareneinkaufskonto.

Privatkonto u. Warenverkauskonto.

Lösen

Saldenbilanz 2

Vorlesen

In der Spalte Saldenbilanz II werden nun die Eintragungen in der Saldenbilanz I und den Umbuchungen miteinander
verrechnet. Die jeweiligen Salden, die durch diese Verrechnung entstehen, werden dann auf die Soll- bzw.
Habenseite der Spalte "Saldenbilanz II" übertragen. Nach wie vor gilt, dass Sollsalden einen Mehrbetrag auf der
Sollseite darstellen und in der Saldenbilanz II in die Spalte "Soll" übertragen werden.

MERKE

In der HÜ wird nicht gebucht, sondern lediglich seitengerecht aufsummiert.

Das Vorgehen

Ausgangssituation I:
Es befindet sich ein Betrag auf der Sollseite der "Saldenbilanz I" und ein Betrag auf der Sollseite der Spalte
"Umbuchungen": Die Sollseite der Spalte "Saldenbilanz I" wird demnach mit der Sollseite der Spalte
"Umbuchungen" verrechnet und das Ergebnis auf der Sollseite der "Saldenbilanz II" eingetragen.

Ausgangssituation II:
Es befindet sich ein Betrag auf der Sollseite der "Saldenbilanz I" und ein Betrag auf der Habenseite der Spalte
"Umbuchungen": (dann Soll - Haben)

189
1) ist das Ergebnis > 0 (Sollbetrag > Habenbetrag), dann wird der errechnete Wert auf der Sollseite der
"Saldenbilanz II" eingetragen.
2) Ist das Ergebnis

Ausgangssituation III:
Es befindet sich ein Betrag auf der Habenseite der "Saldenbilanz I" und ein Betrag auf der Habenseite der Spalte
"Umbuchungen":(dann Haben + Haben)

Die Habenseite der Spalte "Saldenbilanz I" wird demnach mit der Habenseite der Spalte "Umbuchungen" aufaddiert
und das Ergebnis auf der Habenseite der "Saldenbilanz II" eingetragen.

Ausgangssituation IV:
Es befindet sich ein Betrag auf der Habenseite der "Saldenbilanz I" und ein Betrag auf der Sollseite der Spalte
"Umbuchungen": (dann Haben - Soll)

1) ist das Ergebnis > 0 (Habenbetrag > Sollbetrag), dann wird der errechnete Wert auf der Habenseite der
"Saldenbilanz II" eingetragen.
2) Ist das Ergebnis

MERKE

Kurz gesagt: Bei Additionen bleibt die Seite (Soll oder Haben) gleich, bei Subtraktionen kommt das Ergebnis auf die
Seite, die bei der Subtraktion den höheren Betrag aufweist.

 1MC-Aufgabe Nr. 8
 2MC-Aufgabe Nr. 9
MC-Aufgabe Nr. 8

Aufgabe 1 von 2

Wie kommt man zur Saldenbilanz II.

Die Saldenbilanz I u. Umbuchungen werden verrechnet.

190
Die Umbuchungen werden von der Summenbilanz subtrahiert.

Die Summenbilanz u. Umbuchungen werden addiert.

Lösen

Übernahme in die GuV und Bilanz

Vorlesen

Nun abschließend zu den letzten beiden Spalten der Hauptabschlussübersicht. Zunächst überlegt man, welche der
Konten der ersten Spalte Erfolgs- und welche Bestandskonten sind.

MERKE

Die Werte aus der Saldenbilanz II werden dann bei Bestandskonten in die Spalte Bilanz übertragen, die Werte der
Ertragskonten in die Spalte Gewinn-und Verlustrechnung .

Dabei muss man wie vorher schon mehrmals erwähnt darauf achten, dass nicht gebucht wird, d.h. ein Wert von der
Sollseite der Summenbilanz wird auf die Aktivseite der Bilanz übertragen (sofern es sich um ein Bestandskonto
handelt). Für die GuV-Spalte gilt entsprechendes.

Abschluss der Hauptabschlussübersicht

Zum Abschluss der HÜ fehlen nun nur noch ein paar Kleinigkeiten. Wenn man die einzelnen 8 Spalten
(Eröffnungsbilanzwerte, Jahresverkehrszahlen,...) senkrecht in der darunter liegenden Spalte Summen addiert (S
und H bzw. A und P einzeln), muss immer der Grundsatz der Buchführung gelten:

Soll = Haben
Aktiva = Passiva

Bei den letzten beiden Spalten (Bilanz und GuV) fällt jedoch auf, dass egal wie sehr man nachrechnet, dieses Prinzip
scheinbar nicht zutrifft.
Dies lässt sich jedoch leicht erklären. Die Differenz zwischen Aktiva und Passiva in der Bilanzspalte gibt den
Reingewinn/-verlust an. Die Differenz in der GuV Spalte zwischen Soll und Haben muss dieser Differenz
entsprechen.

MERKE

191
Die Ertragskonten sind theoretisch Unterkonten des Eigenkapitalkontos, d.h. wenn ein Verlust in der GuV errechnet
wird, schmälert dieser das Eigenkapital. Deshalb müssen die beiden Differenzen gleich hoch sein!

Der Gewinn/Verlust wird jedoch durch einen Saldo ermittelt, der wie gewohnt auf die wertmäßig geringere Seite
geschrieben wird, damit Soll= Haben und Aktiva =Passiva ist!
Ein Verlust entsteht, wenn die Sollseite in der GuV höher ist als die Habenseite (Aufwendungen werden schließlich
immer im Soll gebucht!).
Zu allerletzt fehlt nun nur noch die Endsumme. Wenn in dieser Zeile sowohl die Aktiv- und die Passivseite der
Bilanzspalte als auch die Soll- und Habenseite der GuV-Spalte jeweils gleich sind, wurde die HÜ richtig erstellt (um
Verwirrungen vorzubeugen: die Summe der Bilanzspalte entspricht nicht der der GuV-Spalte, nur intern müssen
beide Seiten der jeweiligen Spalte gleich sein!).

 1MC-Aufgabe Nr. 10
 2MC-Aufgabe Nr. 11
 3MC-Aufgabe Nr. 12
 4MC-Aufgabe Nr. 13
 5MC-Aufgabe Nr. 14
 6MC-Aufgabe Nr. 15
 7MC-Aufgabe Nr. 16
 8MC-Aufgabe Nr. 17
 9MC-Aufgabe Nr. 18
 10MC-Aufgabe Nr. 19
MC-Aufgabe Nr. 10

Aufgabe 1 von 10

Kommt der Saldo des Kontos Kasse in die Bilanz oder in die GuV?

Bilanz

GuV

Lösen

192
 Buchhaltung nach IFRS
 Aufbau nach IFRS
Bilanz nach IFRS

Vorlesen

Die buchhalterischen Vorschriften nach IFRS  ( International Financial Reporting Standards) sind solche, die für


Kapitalgesellschaften gelten und international Anwendung finden. Der schon bekannte Aufbau der Bilanz nach dem
Handelsrecht weicht zum Teil von dem ab, was die IFRS vorschreiben. Markantester Unterschied ist jedenfalls die
durchweg englischsprachige Postenbezeichnung in der Bilanz (  Balance Sheet ). Genau wie bei der Bilanz nach dem
HGB, zeigt bei der Bilanz nach IFRS die Aktivseite die Mittelverwendung und die Passivseite entsprechend
die Mittelherkunft an. Es geht im Folgenden vor allem um die englischsprachige Begriffsklärung.

Die Aktivseite der Bilanz nach IFRS

Zunächst beginnen wir mit der Aktivseite der Bilanz nach IFRS :

Vermögenswerte / Assets

 Anlagevermögen - Non current Assets


 Immaterielle Vermögenswerte (Patente) – Intangible Assets
 Sachanlagen (z.B. Betriebs- und Geschäftsausstattung) – Property, Plant and Equipment
 Finanzanlagen (langfristig gehaltene Wertpapiere) – Non Current Financial Assets

Umlaufvermögen / Current Assets

 Vorräte (z.B. Rohstoffe) – Inventories


 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Trade Receivables
 Sonstige Forderungen – Other Receivables
 Kurzfristige finanzielle Vermögenswerte – Current Financial Assets
 Liquide Mittel (Bank, Kasse) – Cash (und Cash equivalents – z.B. Wechsel)

Die Passivseite der Bilanz nach IFRS

Nun wenden wir uns der Passivseite der Bilanz nach IFRS zu:

 Schulden und Eigenkapital / Liabilities and Equity


 Schulden / Liabilities

Schulden / Liabilities

Wie nach dem HGB werden auch hier die Schulden nach ihrer Verweildauer gestaffelt, deshalb wird weiterhin
unterschieden in:

193
 Kurzfristige Schulden – current liabilities
 Langfristige Schilden – non current liabilities
 Rückstellungen (Ungewisse Verbindlichkeiten) – Provisions
 Lieferantenverbindlichkeiten (sichere Verbindlichkeiten – Trade payables
 Sonstige Verbindlichkeiten – other payables

Eigenkapital / Equity

Das Eigenkapital bei Kapitalgesellschaften gliedert sich in zwei Bereiche – feste und variable Größen: Rücklagen


stellen veränderliche Größen dar; mittels Aktien ausgegebenes gezeichnetes Kapital (sog. Grundkapital)
beispielsweise ist grundsätzlich als feste Größe anzusetzen.

 Rücklagen – Reserves
 Gezeichnetes Kapital (AG) – Issued Capital

 1Lückentext Nr. 1
 2Lückentext Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 1
 4MC-Aufgabe Nr. 2
 5MC-Aufgabe Nr. 3
 6MC-Aufgabe Nr. 4
 7MC-Aufgabe Nr. 5
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 7

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

Genau wie bei der Bilanz nach dem HGB, zeigt bei der Bilanz nach IFRS die Aktivseite die   und die
Passivseite entsprechend die Mittelherkunft an.

Lösen

GuV nach IFRS

Vorlesen

Bei der Gewinn- und Verlustrechnung nach den IFRS -Regelungen existieren neben der englischsprachigen


Namensgebung kaum Unterschiede zum HGB.

 Gewinn- und Verlustrechnung - Income Statement

194
Bei IFRS kann die GuV-Rechnung auch nach dem Gesamtkostenverfahren oder nach
dem Umsatzkostenverfahren durchgeführt werden.

 Gesamtkostenverfahren – Nature of Expense Method


 Umsatzkostenverfahren – Cost of Sales Method

Das Gesamtkostenverfahren

Im Folgenden wird anhand des Gesamtkostenverfahrens gezeigt, welche terminologischen Unterschiede nach IFRS


entstehen. Der Sache nach bestehen grundsätzlich keine Unterschiede zu dem Verfahren nach HGB. Es werden alle
für die Cost of Sales - Methode relevanten Konten verwendet.

1 Umsatzerlöse - Revenues
)

2 Sonstige betriebliche Erträge – Other Operating Income


)

3 Bestandsveränderungen fertiger / unfertiger Erzeugnisse – Changes in Inventories of Finished goods/


) Unfinished goods

4 Materialaufwand und Aufwand für Hilfs- und Betriebsstoffe – Raw Materials and Consumables used
)

5 Personalaufwand – Staff costs


)

6 Abschreibungen – Depreciation Expenses


)

7 Sonstige betriebliche Aufwendungen – Other Operating Expenses


)

= Betriebsergebnis – Operating Profit

8 Finanzerträge – Financial Income


)

195
9 Finanzaufwendungen – Financial Expenses
)

= Gewinn/Verlust – Profit/Loss

Beispiel einer Gewinn- und Verlustrechnung

BEISPIEL

Die eXample-AG hat im Jahre 2006 10.000 Stück ihres Produktes hergestellt, von denen 80% tatsächlich für 8 Euro
pro Stück verkauft wurden (Umsatzerlöse).
Für die Herstellung der Produkte kam es zu einem Materialaufwand i.H.v. 20 Euro und zu einem Personalaufwand
für Fachkräfte i.H.v. 12.000 Euro.
Die Abschreibungen auf Büroräume, Firmenwagen usw. (Sachanlagen) belaufen sich auf 4000 Euro.
Die Herstellungskosten der noch vorhandenen, aber nicht abgesetzten Produkte belaufen sich auf
(20+12.000+4.000= 16.020) 16.020 Euro.
Die Bestandserhöhung fertiger Erzeugnisse 16.000 Euro (2.000 Kugelschreiber x 8 Euro/Kugelschreiber).
Die Aufgabe lautet nun die Gewinn-und Verlustrechnung nach IFRS darzustellen. (nature of expense method)

Lösung der Beispielaufgabe der eXample-AG

Income Statement 2006 (eXample-AG)

1 Revenues (Umsatzerlöse) 64.000 €


)

2 Changes in Inventories of finished goods + 3.204 €


) (Bestandserhöhung: Fertige Erzeugnisse)

3 Raw Materials used (Materialaufwand) - 20 €


)

4 Staff Costs (Personalaufwand) -12.000 €


)

5 Depreciation Expenses (Abschreibungen) - 4.000 €


)

196
= Profit (Gewinn) 51.184 €

 1Lückentext Nr. 3
 2Lückentext Nr. 4
 3MC-Aufgabe Nr. 6
 4MC-Aufgabe Nr. 7
 5MC-Aufgabe Nr. 8
Lückentext Nr. 3

Aufgabe 1 von 5

Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

Wenn wir uns über IFRS unterhalten, würden wir anstelle von Gesamtkostenverfahren den Begriff der Nature

of   wählen.

Lösen

 Buchung nach IFRS


Handelsbetrieb

Vorlesen

Die Verbuchung von Geschäftsvorfällen im Handelsbetrieb nach IFRS unterscheidet sich nicht von der schon aus
dem HGB bekannten Art der Verbuchung. Es werden genauso Buchungssätze gebildet, um die Kontenbewegung
nachzuvollziehen. Entscheidend ist wie o.g. die richtige Benennung der Konten. Daher wird im Folgenden hierauf
noch mal besonders Wert gelegt.

Die wichtigsten Kontenbezeichnungen

Zunächst wenden wir uns den Begrifflichkeiten, den Kontennamen zu, die in einem Handelsbetrieb häufig
Anwendung finden:

 Warenbestandskonto – Merchandises
 Lieferantenverbindlichkeiten – Trade payables

 Die Vorsteuer wird nach IFRS als „sonstige Forderung“ verbucht – other receivables

197
 Umsatzerlöse – Revenues

 Umsatzsteuer – (sonstige Verbindlichkeiten) – other payables

 Buchungen im Soll – debit ; debited - belastet


 Buchungen im Haben – credit; credited - gutgeschrieben

Buchungssätze formulieren

Mit diesen wenigen Begrifflichkeiten kann man jetzt Buchungssätze formulieren, ein Beispiel:

BEISPIEL

Das Handelsunternehmen U verkauft Waren im Wert von 60.000 Euro (+19% Umsatzsteuer) und kauft Waren im
Wert von 30.000 Euro (+19% Umsatzsteuer) auf Ziel.
Verbuchen Sie den Geschäftsvorfall nach IFRS.

Habenseite

Betroffene Konten auf der Habenseite:

Einkauf:
Lieferantenverbindlichkeiten – Trade payables

Verkauf:
Umsatzerlöse – Revenues
Umsatzsteuer – (sonstige Verbindlichkeiten) – other payables

Sollseite

Betroffene Konten auf der Sollseite:

Einkauf:
Warenbestandskonto – Merchandises
Sonstige Forderungen – Other Receivables

Verkauf:
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Trade receivables

Der Buchungssatz

198
Ausformuliert sieht das Ganze dann so aus:

Einkauf:
Merchandises 30.000 Euro and Other Receivables 5.700 Euro debited, Trade payables credited 35 700 Euro.

Verkauf:
Trade Receivables 71.400 Euro debited, Revenues 60.000 Euro and Other Payables 11.400 Euro credited.

Bei Buchungen im Soll wird also immer das Verb (to) debit(ed) – belastet und bei Buchungen im Haben das Verb
(to) credit(ed) – gutgeschrieben verwendet. Debit und Credit sind also die analogen Begriffe zu Soll und Haben.

Abschluss der Konten

Weiterhin stellt sich die Frage, wie die jeweiligen Konten über die GuV abgeschlossen werden. Da dies auch genau
so gemacht wird, wie nach dem HGB, müssen hier nur die Kontennamen erlernt werden:

 GuV-Konto – Income Summary


 Wareneinsatz – Merchandised used
 Rücklagenkonto (Verbuchung des Gewinns aus der GuV auf dieses Konto) – Reserves
 Schlussbilanzkonto – Balance Sheet Account

Im Folgenden soll eine Abschlussbuchung des o.g. Geschäftsvorfalls mittels der Bruttomethode durchgeführt
werden:

a) Income summary 30.000 Euro debited, Merchandises 30.000 Euro credited.


b) Revenues 60.000 Euro debited, Income Summary 60.000 Euro credited.
Hieraus lässt sich ein Gewinn i.H.v. 30.000 Euro ermitteln, der wie folgt verbucht wird:
c) Income Summary 30.000 Euro debited, Reserves 30.000 credited.

Endbestände und Reserves erscheinen dann im Schlussbilanzkonto – dem Balance Sheet Account.

 1Lückentext Nr. 1
 2Lückentext Nr. 2
 3MC-Aufgabe Nr. 1
 4MC-Aufgabe Nr. 2
Lückentext Nr. 1

Aufgabe 1 von 4

199
Bitte die Lücken im Text sinnvoll ausfüllen.

Endbestände und Reserves erscheinen dann im Schlussbilanzkonto – dem   Account.

Lösen

Industriebetrieb

Vorlesen

Die Verbuchung von Geschäftsvorfällen im Industriebetrieb unterscheidet sich insofern von der im Handelsbetrieb,
dass hier andere Konten betroffen sind. Aus der Geschäftstätigkeit des Industriebetriebs ergibt sich schon die
Notwendigkeit der unterschiedlichen Kontenbenennung. Hier geht es um den Einkauf von Roh-, Hilfs-, und
Betriebsstoffe, die dann im Laufe des Produktionsprozesses zu Fertigerzeugnissen hergestellt werden. Genau wie
bei der Bemessung der Kosten nach dem HGB, müssen auch nach den Grundsätzen der IFRS in
die Herstellungskosten, die Materialkosten und die Fertigungskosten mit einbezogen werden.

Kontenbezeichnungen

Zu der Übersetzung der Kontennamen:

 Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe – Raw Materials and Supplies


 Herstellungskosten – Costs of Conversion (=Umformung)

Beispielaufgabe

BEISPIEL

Der Maschinenhersteller M kauft in 2006 Rohstoffe im Wert von 50.000 Euro (+19% Umsatzsteuer), die er für die
Herstellung von 12 Maschinen einsetzt und anschließend insgesamt verkauft (150.000 Euro + 19% Umsatzsteuer).
Wie lautet der ausformulierte Buchungssatz, wenn die Maschinen auf Ziel verkauft werden?

Der Geschäftsvorfall wird aus Gründen der Übersichtlichkeit in drei Schritte unterteilt:

1) Einkauf (auf Ziel)


Raw Materials 50.000 Euro and Other Receivables 9.500 Euro debit, Other payables credited 59.500.

200
2) Verbrauch
Raw Materials used 50.000 Euro debit, Raw Materials credited 50.000 Euro.

3) Verkauf (auf Ziel)


Trade Receivables 178.500 Euro debited, Revenues credited 150.000 Euro and Other payables 28.500 Euro.

Kommt es aufgrund nicht abgesetzter Fertigerzeugnisse zu einer Bestandserhöhung, dann müssen diese


zu Herstellungskosten bewertet werden. Die Herstellungskosten umfassen hierbei die Material- und die
Fertigungskosten. Die Verbuchung verläuft analog zu dem schon aus dem HGB bekannten Verfahren.

 1MC-Aufgabe Nr. 3
MC-Aufgabe Nr. 3

Aufgabe 1 von 1

Als Costs of Conversion werden die Herstellungskosten bei der Buchhaltung nach IFRS genannt.

Richtig

Falsch

Weiß nicht

Lösen

Ab-/Zuschreibungen

Vorlesen

Gemäß IFRS gibt es auch die verschiedenen Formen der Abschreibung, die aus dem HGB bekannt sind. Wichtig ist
wie immer die Begriffsbestimmung. Im folgenden Abschnitt wird zunächst wieder die Konten-Terminologie
erläutert, die dann im Rahmen eines Beispiels Anwendung findet.

201
Kontenbezeichnungen

 Aktivkonto Maschinen - Machinery


 Planmäßige Abschreibungen – Depreciation Expenses
 Lineare Abschreibung - straight-line (method) depreciation
 Degressive Abschreibung - declining balance (method of) depreciation

Beispielaufgabe

BEISPIEL

Maschinenhersteller M kauft 2007 eine Maschine für 50.000 Euro (+ 19% Umsatzsteuer), deren Nutzungsdauer
zehn Jahre beträgt und die per Bankzahlung bezahlt wird. Sie wird linear abgeschrieben. Wie lautet die Verbuchung
des Erwerbs und der Abschreibung nach IFR-Standards in 2007?

Erwerb:
Machinery 50.000 Euro and Other Receivables 9.500 Euro debited, Cash 59.500 credited.

Verbuchung der Abschreibung:


Depreciation Expenses 5.000 Euro debited, Machinery 5.000 Euro credited.

Der Wertverlust durch den Einsatz der Maschine stellt einen Aufwand dar, der durch die Verbuchung der
Abschreibung i.H.v. 5.000 Euro in der GuV realisiert wird.
Am Ende des Geschäftsjahres 2007 erscheint folgerichtig die Maschine in der Bilanz mit einem Wert von 45.000
Euro.

Neben der planmäßigen Abschreibung gibt es bekanntlich auch außerplanmäßige Abschreibungen. Auch diese


finden sich in den IFR-Standards wieder. Bei einem unvorhergesehenen Wertverlust wird eine außerplanmäßige
Abschreibung mittels des Kontos impairment loss verbucht. Die Verbuchung erfolgt analog dem HGB.

Ab- und Zuschreibung bei Wertpapieren

Nach IFRS wird kategorisiert in Wertpapiere, die aus spekulativen Gründen gekauft werden und in diejenigen, die
längerfristig gehalten werden wollen.

 Spekulative Wertpapiere – Financial Assets held for Trading


 Längerfristigere Wertpapier - Investments – Available-for-Sale Financial Assets

202
Dementsprechend wird eine feine Unterscheidung zwischen der Art der Anlage gemacht: Financial Assets held for
Trading bleiben kurzfristig im Unternehmen und werden somit mittels der Verbuchung von Kursgewinnen /-
verlusten in der GuV erfolgswirksam verbucht.

Available-for-Sale Financial Assets hingegen sind dafür bestimmt, länger im Unternehmen als Investment zu
verbleiben – ihre Kursveränderungen sollen nicht kurzfristig den Unternehmenserfolg beeinflussen. Deswegen
werden Auf- und Abwertungen erfolgsneutral erfasst. Dies geschieht mittels eines passiven Bestandskontos, der
sog. Fair Value Rücklage.

 Fair Value Rücklage – Fair Value-Surplus

Sie gehört zum Eigenkapital und steigt bei einer Aufwertung bzw. fällt bei einer Abwertung der Wertpapiere.

 Financial Assets held for Trading (kurzfristig) – Erfolgswirksamkeit der Kursänderungen durch Ertrag bzw.
Aufwand in der GuV
 Available-for-Sale Financial Assets (längerfristig) – Erfolgsneutralität der Wertveränderung mittels Fair
Value-Rücklage als Teil des Eigenkapitals

Erfolgswirksam werden die Available-for-Sale Financial Assets erst, wenn es zum Verkauf der Wertpapiere kommt.
Bis dahin geht ein etwaiger Vermögenszuwachs nicht mit einer Erfolgsmehrung in der GuV-Rechnung einher.

Schließlich sehen die IFR-Standards vor, dass der Kaufmann wählen kann, ob Available-for-Sale Financial Assets
erfolgswirksam behandelt werden - oder nicht. Dieses Wahlrecht ist aber nur bei dem Erwerb der Wertpapiere
auszuüben.

 1MC-Aufgabe Nr. 4
MC-Aufgabe Nr. 4

Aufgabe 1 von 1

Kursänderungen bei Financial Assets held for Trading sind durch Ertrag bzw. Aufwand in der GuV bei der
Buchhaltung nach IFRS erfolgswirksam.

Diese Aussage ist richtig.

203
Diese Aussage ist falsch, dies würde nur bei Available-for-Trade Financial Assets zutreffen.

Diese Aussage ist falsch, dies würde nur bei Available-for-Sale Financial Assets zutreffen.

Lösen

 Anwendung
Begriffssammlung

Vorlesen

Im Folgenden findet ihr eine Zusammenfassung der verschiedenen Begrifflichkeiten übersichtlich


zusammengefasst. Um mit den IFR-Standards richtig umgehen zu können, muss man sich insbesondere über die
Kontenbezeichnungen im Klaren sein.

Diese Auflistung ist selbstverständlich nicht abschließend, sie enthält jedoch die wichtigsten englischen
Kontennamen.

Die Bilanz nach IFRS

1) Die Aktivseite der Bilanz nach IFRS:

Vermögenswerte / Assets
Anlagevermögen - Non current Assets
Immaterielle Vermögenswerte (Patente) – Intangible Assets
Sachanlagen (z.B. Betriebs- und Geschäftsausstattung) – Property, Plant and Equipment
Finanzanlagen (langfristig gehaltene Wertpapiere) – Non Current Financial Assets

Umlaufvermögen / Current Assets


Vorräte (z.B. Rohstoffe) – Inventories
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – Trade Receivables
Sonstige Forderungen – Other Receivables
Kurzfristige finanzielle Vermögenswerte – Current Financial Assets
Liquide Mittel (Bank, Kasse) – Cash (und Cash equivalents – z.B. Wechsel)

204
2) Die Passivseite der Bilanz nach IFRS

Schulden und Eigenkapital / Liabilities and Equity

2a) Schulden / Liabilities, unterteilt in:


Kurzfristige Schulden – current liabilities
Langfristige Schilden – non current liabilities
Rückstellungen (Ungewisse Verbindlichkeiten) – Provisions
Lieferantenverbindlichkeiten (sichere Verbindlichkeiten – Trade payables
Sonstige Verbindlichkeiten – other payables

2b) Eigenkapital / Equity


Rücklagen – Reserves
Gezeichnetes Kapital (AG) – Issued Capital

3) Die Gewinn und Verlustrechnung nach IFRS:

Gesamtkostenverfahren – Nature of Expense Method


Umsatzkostenverfahren – Cost of Sales Method

Beispiel: Cost of Sales Method

1 Umsatzerlöse - Revenues
)

2 Sonstige betriebliche Erträge – Other Operating Income


)

3 Bestandsveränderungen fertiger / unfertiger Erzeugnisse – Changes in Inventories of Finished goods/


) Unfinished goods

4 Materialaufwand und Aufwand für Hilfs- und Betriebsstoffe – Raw Materials and Consumables used
)

5 Personalaufwand – Staff costs

205
)

6 Abschreibungen – Depreciation Expenses


)

7 Sonstige betriebliche Aufwendungen – Other Operating Expenses


)

= Betriebsergebnis – Operating Profit

8 Finanzerträge – Financial Income


)

9 Finanzaufwendungen – Financial Expenses


)

= Gewinn/Verlust – Profit/Loss

4) Die Verbuchung nach IFRS im Handelsbetrieb:

Warenbestandskonto – Merchandises
Lieferantenverbindlichkeiten – Trade payables
Die Vorsteuer wird nach IFRS als „sonstige Forderung“ verbucht – other receivables
Umsatzerlöse – Revenues
Umsatzsteuer – (sonstige Verbindlichkeiten) – other payables

Buchungen im Soll – debit ; debited - belastet


Buchungen im Haben – credit; credited - gutgeschrieben

4a)Der Abschluss im Handelsbetrieb:


GuV-Konto – Income Summary
Wareneinsatz – Merchandised used
Rücklagenkonto (Verbuchung des Gewinns aus der GuV auf dieses Konto) – Reserves
Schlussbilanzkonto – Balance Sheet Account

5) Die Verbuchung nach IFRS im Industriebetrieb:

206
Roh-, Hilfs-, und Betriebsstoffe – Raw Materials and Supplies
Herstellungskosten – Costs of Conversion (=Umformung)

6) Die Verbuchung von Ab-/ und Zuschreibungen nach IFRS:

Aktivkonto Maschinen - Machinery


Planmäßige Abschreibungen – Depreciation Expenses
Lineare Abschreibung - straight-line (method) depreciation
Degressive Abschreibung - declining balance( method of) depreciation

6a) Die Verbuchung von Ab-/ und Zuschreibungen bei Wertpapieren nach IFRS:
Financial Assets held for Trading (kurzfristig) – Erfolgswirksamkeit der Kursänderungen durch Ertrag bzw. Aufwand
in der GuV

Available-for-Sale Financial Assets (längerfristig) – Erfolgsneutralität der Wertveränderung mittels Fair Value-
Rücklage als Teil des Eigenkapitals

 1Zuordnung Nr. 1
 2Paarbildung Nr. 1
 3Paarbildung Assets
 4Paarbildung Current Assets
 5Paarbildung Liabilities
 6Paarbildung Equity
 7Paarbildung GuV
Zuordnung Nr. 1

Aufgabe 1 von 7

Bitte ordne die Elemente der passenden Kategorie zu.

VERMÖGENSWERTE

UMLAUFVERMÖGEN

 Forderungen aus LuL


 Anlagevermögen
 Liquide Mittel
 Kurzfristige finanzielle Vermögenswerte

207
 Immaterielle Vermögenswerte
 Sachanlagen
 Vorräte
 Finanzanlagen
Lösen

208