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Deutscher Bundestag Drucksache 16/5846

16. Wahlperiode 27. 06. 2007

Gesetzentwurf
der Bundesregierung

Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung


und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung
der Richtlinie 2006/24/EG

A. Problem und Ziel


Die Bundesregierung hat seit längerem angekündigt, ein harmonisches Gesamt-
system der strafprozessualen heimlichen Ermittlungsmethoden zu schaffen (vgl.
bereits in der 14. Legislaturperiode: Bundesratsdrucksache 702/01, S. 10 f.).
Um eine entsprechende Neuregelung auf eine tragfähige Grundlage zu stellen,
die die Bedürfnisse der Strafverfolgungspraxis und den Diskussionsstand in der
Rechtswissenschaft berücksichtigt, hat die Bundesregierung rechtswissen-
schaftliche und rechtstatsächliche Gutachten eingeholt (vgl. Wolter/Schenke
[Hrsg.], Zeugnisverweigerungsrechte bei [verdeckten] Ermittlungsmaßnahmen,
2002; Albrecht/Dorsch/Krüpe, Rechtswirklichkeit und Effizienz der Über-
wachung der Telekommunikation nach den §§ 100a, 100b StPO und anderer
verdeckter Ermittlungsmaßnahmen, 2003; Meyer-Wieck, Rechtswirklichkeit
und Effizienz der akustischen Wohnraumüberwachung [„großer Lauschan-
griff“] nach § 100c I Nr. 3 der Strafprozessordnung – StPO, 2004). Auch Erfah-
rungsberichte der staatsanwaltschaftlichen und polizeilichen Praxis tragen hier-
zu bei. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse belegen insbesondere im Bereich
der Telekommunikationsüberwachung einen Änderungsbedarf aufgrund tech-
nischer Neuerungen und Schwierigkeiten in der Strafverfolgungspraxis bei der
Anwendung der bisherigen gesetzlichen Regelungen.
Änderungsbedarf ergibt sich darüber hinaus aus mehreren Entscheidungen des
Bundesverfassungsgerichts:
● Mit Urteil vom 27. Juli 2005 – 1 BvR 668/04 – (BVerfGE 113, 348, 391) hat
das Bundesverfassungsgericht klargestellt, dass auch im Bereich der Tele-
kommunikationsüberwachung Regelungen zum Schutz des Kernbereichs
privater Lebensgestaltung erforderlich sind. Diese für die Überwachung der
Telekommunikation im präventiven Bereich aufgestellte Forderung ist auf
den Bereich der Strafprozessordnung (StPO) zu übertragen.
● Die Entscheidungen vom 4. Februar 2005 – 2 BvR 308/04 – (NJW 2005,
1637, 1639 f.) und vom 2. März 2006 – 2 BvR 2099/04 – (BVerfGE 115,
166 ff.) veranlassen eine Klarstellung, nach welchen Rechtsvorschriften bei
der Erhebung von Verkehrsdaten von Datenträgern zu verfahren ist, wenn
diese sich nach Abschluss des Kommunikationsvorgangs nicht im Herr-
schaftsbereich des Telekommunikationsdienstleisters befinden.
● Schließlich ist es erforderlich, die Rechtsprechung des Bundesverfassungs-
gerichts zum – auch nachträglichen – Rechtsschutz (BVerfGE 30, 1, 23 f.,
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30 f.; 65, 1, 46; 67, 157, 185; 100, 313, 361 f., 364; 103, 142, 151; 105, 239,
248; 107, 299, 337 f.), zur Datenlöschung (BVerfGE 69, 1, 49; 100, 313,
364 f.), zur Datenverwendung (BVerfGE 100, 313, 360; 107, 299, 328; 109,
279, 374, 379 f.; 110, 33, 73, 75) und zu der die Ordnungsmäßigkeit der
Datenverwendung ermöglichenden Kennzeichnungspflicht (BVerfGE 100,
313, 360; 109, 279, 374, 379 f.) konsequent auf alle eingriffsintensiven ver-
deckten Ermittlungsmaßnahmen zu übertragen.
Änderungsbedarf ergibt sich außerdem aus den Vorgaben des Übereinkommens
des Europarats über Computerkriminalität (so genannte Cybercrime-Konven-
tion), dessen Ratifizierung durch Deutschland demnächst erfolgen soll.
Umzusetzen in innerstaatliches Recht sind ferner die Vorgaben der am 3. Mai
2006 in Kraft getretenen Richtlinie 2006/24/EG des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 15. März 2006 über die Vorratsspeicherung von Daten, die
bei der Bereitstellung öffentlich zugänglicher elektronischer Kommunikations-
dienste oder öffentlicher Kommunikationsnetze erzeugt oder verarbeitet wer-
den, und zur Änderung der Richtlinie 2002/58/EG (ABl. EU Nr. L 105 S. 54 ff.),
insbesondere hinsichtlich der innerstaatlichen Einführung von Speicherungs-
pflichten für Verkehrsdaten sowie darauf bezogener statistischer Erhebungen
und Berichtspflichten. Artikel 15 der Richtlinie 2006/24/EG sieht grundsätzlich
eine Umsetzung bis zum 15. September 2007 vor.

B. Lösung
Das Recht der verdeckten strafprozessualen Ermittlungsmaßnahmen, das in den
§§ 98a bis 101, 110a bis 110e und 163d bis 163f StPO geregelt ist, wird einer
umfassenden Überarbeitung unterzogen.
Der Gesetzentwurf soll – unter Wahrung der bisherigen Systematik – die verfah-
rensrechtlichen Voraussetzungen und grundrechtssichernden Ausgestaltungen
der verdeckten strafprozessualen Ermittlungsmaßnahmen harmonisieren und
diesen Regelungskomplex dadurch insgesamt übersichtlicher und rechtsstaat-
lichen Geboten entsprechend gestalten, zugleich aber auch praktische Erforder-
nisse berücksichtigen. Wo dies geboten ist, sollen einzelne Ermittlungsmaßnah-
men auf eine klare, verfassungsrechtlich unbedenkliche Rechtsgrundlage
gestellt werden. Neuen technischen Entwicklungen soll der Gesetzentwurf – wo
dies erforderlich und zulässig ist, auch zukunftsoffen – Rechnung tragen. Die
verdeckten Ermittlungsmaßnahmen, die in jüngerer Zeit gegenüber den her-
kömmlichen „offenen“ Maßnahmen der Strafverfolgungsbehörden erheblich an
Bedeutung gewonnen und sich als unverzichtbares Instrument erwiesen haben
zur Bekämpfung von schwer ermittelbarer Kriminalität, Transaktions- und Wirt-
schaftskriminalität sowie von Straftaten, die unter Nutzung moderner Kommu-
nikationstechnologien begangen werden, sollen übersichtlicher und normenkla-
rer geregelt werden, um dadurch sowohl den Rechtsschutz der von solchen
Maßnahmen Betroffenen als auch die Praktikabilität dieser Regelungen in der
staatsanwaltschaftlichen und polizeilichen Praxis zu verbessern. Im Einzelnen:
● Die neue Vorschrift des § 53b StPO-E führt ein harmonisiertes System zur
Berücksichtigung der von den Zeugnisverweigerungsrechten der Berufs-
geheimnisträger (§§ 53, 53a StPO) geschützten Interessen außerhalb der Ver-
nehmungssituation ein.
● § 101 StPO-E wird zu einer die Regelungen der §§ 98a ff. StPO systematisch
abschließenden Vorschrift umgestaltet:
Die bei allen eingriffsintensiveren verdeckten Ermittlungsmaßnahmen (Ras-
terfahndung, Postbeschlagnahme, Telekommunikationsüberwachung, akus-
tische Überwachung innerhalb und außerhalb von Wohnungen, Verkehrs-
datenerhebung, technische und langfristige Observation, Einsatz Verdeckter
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Ermittler, Schleppnetzfahndung, Ausschreibung zur polizeilichen Beobach-


tung) nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE
100, 313 ff. – G10-Gesetz; BVerfGE 109, 279 ff. – akustische Wohnraum-
überwachung; BVerfGE 113, 348 ff. – Niedersächsisches SOG) gebotenen
grundrechtssichernden Verfahrensregelungen werden dort allgemein und
übersichtlich zusammengefasst, indem geregelt werden:
– die Pflicht zur Kennzeichnung der durch verdeckte Ermittlungsmaß-
nahmen erlangten Erkenntnisse; damit wird sichergestellt, dass die für
eingriffsintensive verdeckte Ermittlungsmaßnahmen geltenden beschrän-
kenden Verwendungsregelungen (vgl. auch § 161 Abs. 2, § 477 Abs. 2
StPO-E) Beachtung finden können;
– die nachträgliche Benachrichtigung der von verdeckten Ermittlungsmaß-
nahmen betroffenen Personen;
– der zu benachrichtigende Personenkreis; durch die maßnahmespezifische
Beschreibung dieses Kreises und konkreter Vorgaben, unter welchen Vo-
raussetzungen von einer Benachrichtigung abzusehen oder diese zurück-
zustellen ist, werden Auslegungsunsicherheiten in der Praxis beseitigt;
– das Erfordernis einer – ggf. mehrfachen – gerichtlichen Zustimmung zur
Zurückstellung der Benachrichtigung;
– die Möglichkeit eines nachträglichen – auch nach Erledigung der Maß-
nahme eingreifenden – gerichtlichen Rechtsschutzes für die von verdeck-
ten Ermittlungsmaßnahmen betroffenen Personen;
– die Pflicht zur Löschung der aus verdeckten Ermittlungsmaßnahmen er-
langten Erkenntnisse, sobald diese für Zwecke der Strafverfolgung sowie
für einen etwaigen gerichtlichen Rechtsschutz nicht mehr erforderlich sind.
● Die „Umwidmung“ der durch verdeckte Ermittlungsmaßnahmen erlangten
Daten zur Verwendung als Beweismittel in anderen Strafverfahren und die
Verwendung der durch verdeckte Ermittlungsmaßnahmen auf anderer – ins-
besondere präventiv-polizeilicher – Rechtsgrundlage erlangten Daten als Be-
weismittel in Strafverfahren wird, soweit die betreffenden Maßnahmen nach
der Strafprozessordnung nur bei Verdacht bestimmter Straftaten zulässig
sind, einheitlich davon abhängig gemacht, ob sich der neue Verwendungs-
zweck ebenfalls auf Straftaten bezieht, die die Anwendung der Maßnahme
nach der Strafprozessordnung erlauben (§ 161 Abs. 2, § 477 Abs. 2 StPO-E).
● Der Katalog der Anlassstraftaten, die Voraussetzung für eine Telekommuni-
kationsüberwachung nach § 100a StPO sind, wird systematisch neu geord-
net, inhaltlich überarbeitet und auf – auch im Einzelfall – schwere Straftaten
beschränkt (§ 100a Abs. 1 und 2 StPO-E).
● Durch § 100a Abs. 4 StPO-E wird der Schutz des Kernbereichs privater Le-
bensgestaltung entsprechend den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts
auch bei der Telekommunikationsüberwachung gewährleistet.
● Dem durch das Übereinkommen über Computerkriminalität des Europarats
veranlassten Regelungsbedarf wird durch die Umgestaltung des § 100g StPO
in eine Datenerhebungsbefugnis und die Erstreckung der Befugnis zur
Durchsicht von Datenträgern auf mit diesen vernetzte – aber räumlich ge-
trennte – Speichermedien (§ 110 Abs. 3 StPO-E) nachgekommen.
● Durch die Schaffung einer Konzentrationsregelung für die Vornahme gericht-
licher Untersuchungshandlungen wird die mit dem Richtervorbehalt be-
zweckte rechtsstaatliche Kontrolle gestärkt (§ 162 Abs. 1 StPO-E).
● Auch bei den einzelnen Ermittlungsanordnungen wird die mit dem Richter-
vorbehalt bezweckte Kontrolle durch eine Harmonisierung der Anordnungs-
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kompetenzen und der Anordnungsdauer gestärkt (§ 100b Abs. 1 sowie


§ 100f Abs. 4, § 100g Abs. 2 Satz 1, § 100i Abs. 3, § 163f Abs. 3 Satz 3 je-
weils i. V. m. § 100b Abs. 1 StPO-E).
● Zur Umsetzung der Richtlinie zur „Vorratsspeicherung“ von Verkehrsdaten
werden im Telekommunikationsgesetz (insbesondere in den §§ 113a, 113b
TKG-E) Regelungen über entsprechende Speicherungspflichten sowie in der
Strafprozessordnung (§ 100g StPO-E) Regelungen über darauf bezogene sta-
tistische Erhebungen und Berichtspflichten geschaffen.
● Ferner wird mit § 100b Abs. 5 und 6 StPO-E eine einheitliche Bestimmung
für statistische Erhebungen zu Telekommunikationsüberwachungsmaßnah-
men nach § 100a StPO-E geschaffen, die § 110 Abs. 8 TKG ablöst und für
die schon bislang erfolgenden statistischen Mitteilungen der Landesjustizver-
waltungen und des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof eine aus-
drückliche gesetzliche Regelung schafft.
● Aus Anlass der Einbeziehung von Steuerstraftaten in den Anlassstraftatenka-
talog des § 100a Abs. 2 StPO-E beseitigt der Entwurf zudem Wertungswider-
sprüche und Problemkonstellationen in den §§ 370 ff. der Abgabenordnung
(AO).

C. Alternativen
Keine

D. Finanzielle Aufwendungen für die öffentlichen Haushalte


1. Haushaltsausgaben ohne Vollzugsaufwand
Keine

2. Vollzugsaufwand
Die Neufassung der Regelung der verdeckten Ermittlungsmaßnahmen in der
Strafprozessordnung (Artikel 1 des Gesetzentwurfs) wird für die Strafverfol-
gungsbehörden und Gerichte des Bundes und der Länder voraussichtlich sowohl
zu Mehr- als auch zu Minderaufwand führen. In der Gesamtbetrachtung ist zu
erwarten, dass der Mehr- und Minderaufwand sich annähernd ausgleichen wird,
so dass die Neufassung der Regelungen zu verdeckten Ermittlungsmaßnahmen
in der Strafprozessordnung eine aufwandsneutrale Wirkung hat.
Durch die Änderung der Vorschriften des Telekommunikationsgesetzes in Arti-
kel 2 entsteht bei der Bundesnetzagentur sich in Sachinvestitionen und Personal-
kosten aufgliedernder zusätzlicher Vollzugsaufwand, den das Bundesministe-
rium für Wirtschaft und Technologie wie folgt veranschlagt: Im Bereich des
Automatisierten Auskunftsverfahrens nach § 112 TKG werden für die Erweite-
rung des Systems Investitionskosten in Höhe von einer Million Euro erwartet.
Gleichzeitig ist für die qualifizierte Planung und Fortschreibung des Projektes
ein personeller Bedarf von zwei Kräften des gehobenen Dienstes und zwei Kräf-
ten des mittleren Dienstes zu erwarten. Dies wird durch die Erweiterung der Ab-
fragemöglichkeiten um E-Mail-Adressen und die damit verbundene Verfünf-
fachung der anzuschließenden Unternehmen verursacht. Schließlich entsteht
durch die Verpflichtung zur Verkehrsdatenspeicherung ein erhöhter Kontroll-
aufwand im Rahmen der Aufsicht nach § 115 TKG einschließlich der Anwen-
dung der neuen Bußgeldtatbestände, der zwei Stellen des höheren Dienstes mit
juristischer Vorbildung sowie zwei Kräfte des gehobenen Dienstes erforder-
lich macht. Damit ist ein Personalkostenaufwand in Höhe von insgesamt
rd. 640 000 Euro pro Jahr zu erwarten.
Für die Kommunen entsteht kein Vollzugsaufwand.
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E. Sonstige Kosten
Für die von der Speicherungspflicht für Verkehrsdaten betroffenen Unterneh-
men entsteht durch die Erfüllung der in den §§ 111, 113a TKG-E vorgesehenen
Speicherungspflichten zusätzlicher Aufwand, der durch an anderer Stelle im
Entwurf vorgesehene Entlastungen der Unternehmen nur zu einem geringen Teil
kompensiert werden kann. Abhängig von der jeweiligen Größe des betroffenen
Unternehmens und dessen bisheriger Handhabung bei der Speicherung der Da-
ten kann der Mehraufwand zwischen einigen Tausend und mehreren Hundert-
tausend Euro betragen. Es ist zu erwarten, dass die betroffenen Unternehmen die
zusätzlichen Kosten bei ihrer Preisgestaltung einkalkulieren und – soweit der
EU-weit von der Speicherungspflicht betroffene Telekommunikationsmarkt
dies zulässt – an die Kunden weiter geben werden. Das Verbraucherpreisniveau
im Bereich der Telekommunikationsdienstleistungen kann daher geringfügig
steigen.
Darüber hinaus entstehen für die Wirtschaft, insbesondere mittelständische Un-
ternehmen, keine Kosten. Weitere Auswirkungen auf Einzelpreise, das allge-
meine Preisniveau und insbesondere das Verbraucherpreisniveau sind damit
nicht zu erwarten.

F. Bürokratiekosten
Die Ressortabstimmung wurde vor dem 1. Dezember 2006 eingeleitet.
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Anlage 1

Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung


und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung
der Richtlinie 2006/24/EG1
Vom …

Der Deutsche Bundestag hat das folgende Gesetz be- (4) Die Absätze 1 bis 3 sind nicht anzuwenden, soweit
schlossen: gegen die zeugnisverweigerungsberechtigte Person ein
Strafverfahren wegen des Verdachts der Beteiligung an
der Tat oder der Begünstigung, Strafvereitelung oder
Artikel 1 Hehlerei eingeleitet ist. Ist die Tat nur auf Antrag oder nur
mit Ermächtigung verfolgbar, ist Satz 1 in den Fällen des
Änderung der Strafprozessordnung § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 anzuwenden, sobald und soweit
Die Strafprozessordnung in der Fassung der Bekannt- der Strafantrag gestellt oder die Ermächtigung erteilt ist.
machung vom 7. April 1987 (BGBl. I S. 1074, 1319), zuletzt (5) Die §§ 97 und 100c Abs. 6 bleiben unberührt.“
geändert durch …, wird wie folgt geändert:
2. In § 58a Abs. 2 Satz 2 wird die Angabe „§ 100b Abs. 6“
1. Nach § 53a wird folgender § 53b eingefügt: durch die Angabe „§ 101 Abs. 10“ ersetzt.
„§ 53b 3. § 97 wird wie folgt geändert:
(1) Eine Ermittlungsmaßnahme, die sich gegen eine a) Absatz 2 wird wie folgt geändert:
in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 2 oder Nr. 4 genannte Per- aa) In Satz 1 wird vor dem Wort „Gesundheitskarte“
son richtet und voraussichtlich Erkenntnisse erbringen das Wort „elektronische“ eingefügt.
würde, über die diese Person das Zeugnis verweigern
dürfte, ist unzulässig. Dennoch erlangte Erkenntnisse bb) Satz 3 wird wie folgt gefasst:
dürfen nicht verwertet werden. Aufzeichnungen hierüber „Die Beschränkungen der Beschlagnahme gelten
sind unverzüglich zu löschen. Die Tatsache ihrer Erlan- nicht, wenn gegen die zur Verweigerung des
gung und der Löschung der Aufzeichnungen ist akten- Zeugnisses Berechtigten ein Strafverfahren we-
kundig zu machen. Die Sätze 2 bis 4 gelten entspre- gen des Verdachts der Beteiligung an der Tat oder
chend, wenn durch eine Ermittlungsmaßnahme, die sich der Begünstigung, Strafvereitelung oder Hehlerei
nicht gegen eine in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 2 oder Nr. 4 eingeleitet ist oder wenn es sich um Gegenstände
genannte Person richtet, von einer dort genannten Person handelt, die durch eine Straftat hervorgebracht
Erkenntnisse erlangt werden, über die sie das Zeugnis oder zur Begehung einer Straftat gebraucht oder
verweigern dürfte. bestimmt sind oder die aus einer Straftat herrüh-
(2) Soweit durch eine Ermittlungsmaßnahme eine in ren.“
§ 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 bis 3b oder Nr. 5 genannte Per- b) In Absatz 5 Satz 2 wird das Wort „gilt“ durch die
son betroffen wäre und dadurch voraussichtlich Erkennt- Wörter „und § 53b Abs. 4 Satz 2 gelten“ ersetzt.
nisse erlangt würden, über die diese Person das Zeugnis
verweigern dürfte, ist dies im Rahmen der Prüfung der 4. § 98 wird wie folgt geändert:
Verhältnismäßigkeit unter Würdigung des öffentlichen a) In Absatz 1 Satz 1 und 2 werden jeweils die Wörter
Interesses an den von dieser Person wahrgenommenen „den Richter“ durch die Wörter „das Gericht“ ersetzt.
Aufgaben und des Interesses an der Geheimhaltung der
b) Absatz 2 wird wie folgt geändert:
dieser Person anvertrauten oder bekannt gewordenen Tat-
sachen besonders zu berücksichtigen. Soweit hiernach aa) In Satz 1 und 2 wird jeweils das Wort „richterli-
geboten, ist die Maßnahme zu unterlassen oder, soweit che“ durch das Wort „gerichtliche“ ersetzt.
dies nach der Art der Maßnahme möglich ist, zu be- bb) Die Sätze 3 bis 6 werden durch folgende Sätze er-
schränken. Für die Verwertung von Erkenntnissen zu Be- setzt:
weiszwecken gilt Satz 1 entsprechend.
„Solange die öffentliche Klage noch nicht erho-
(3) Die Absätze 1 und 2 sind entsprechend anzuwen- ben ist, entscheidet das nach § 162 Abs. 1 zustän-
den, soweit die in § 53a Genannten das Zeugnis verwei- dige Gericht. Ist die öffentliche Klage erhoben,
gern dürften. entscheidet das damit befasste Gericht. Der Be-
troffene kann den Antrag auch bei dem Amtsge-
1 Dieses Gesetz dient (auch) der Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG richt einreichen, in dessen Bezirk die Beschlag-
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März 2006 über nahme stattgefunden hat; dieses leitet den Antrag
die Vorratsspeicherung von Daten, die bei der Bereitstellung öffent- dem zuständigen Gericht zu.“
lich zugänglicher elektronischer Kommunikationsdienste oder öffent-
licher Kommunikationsnetze erzeugt oder verarbeitet werden, und zur c) In Absatz 3 wird das Wort „Richter“ durch das Wort
Änderung der Richtlinie 2002/58/EG (ABl. EU Nr. L 105 S. 54 ff.). „Gericht“ ersetzt.
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5. § 98b wird wie folgt geändert: bezeichnete schwere Straftat begangen, in Fällen, in
a) Absatz 1 wird wie folgt geändert: denen der Versuch strafbar ist, zu begehen versucht,
oder durch eine Straftat vorbereitet hat,
aa) In Satz 1 werden die Wörter „den Richter“ durch
die Wörter „das Gericht“ ersetzt. 2. die Tat auch im Einzelfall schwer wiegt und
bb) In Satz 2 wird das Wort „richterliche“ durch das 3. die Erforschung des Sachverhalts oder die Ermittlung
Wort „gerichtliche“ ersetzt. des Aufenthaltsortes des Beschuldigten auf andere
cc) In Satz 3 wird das Wort „Richter“ durch das Wort Weise wesentlich erschwert oder aussichtslos wäre.
„Gericht“ ersetzt. (2) Schwere Straftaten im Sinne des Absatzes 1 Nr. 1
b) In Absatz 2 Satz 1 werden die Wörter „den Richter“ sind:
durch die Wörter „das Gericht“ und die Wörter „dem
1. aus dem Strafgesetzbuch:
Richter“ durch die Wörter „dem Gericht“ ersetzt.
c) Absatz 3 Satz 3 wird aufgehoben. a) Straftaten des Friedensverrats, des Hochverrats
und der Gefährdung des demokratischen Rechts-
d) Absatz 4 wird wie folgt geändert: staates sowie des Landesverrats und der Gefähr-
aa) Satz 1 wird aufgehoben. dung der äußeren Sicherheit nach den §§ 80 bis 82,
bb) In dem bisherigen Satz 2 wird das Wort „gemäß“ 84 und 85, 87 bis 89, 94 bis 100a,
durch das Wort „nach“ ersetzt. b) Abgeordnetenbestechung nach § 108e,
6. § 100 wird wie folgt geändert:
c) Straftaten gegen die Landesverteidigung nach den
a) In Absatz 1 werden die Wörter „der Richter“ durch §§ 109d bis 109h,
die Wörter „das Gericht“ ersetzt.
d) Straftaten gegen die öffentliche Ordnung nach den
b) In Absatz 2 werden die Wörter „von dem Richter“ §§ 129 bis 130,
durch das Wort „gerichtlich“ ersetzt.
e) Geld- und Wertzeichenfälschung nach den §§ 146
c) Absatz 3 wird wie folgt geändert:
und 151, jeweils auch in Verbindung mit § 152,
aa) In Satz 1 wird das Wort „Gegenstände“ durch das sowie nach § 152a Abs. 3 und § 152b Abs. 1 bis 4,
Wort „Postsendungen“ und das Wort „Richter“
durch das Wort „Gericht“ ersetzt. f) Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung in
den Fällen der §§ 176a, 176b, 177 Abs. 2 Nr. 2
bb) In Satz 2 wird das Wort „Er“ durch das Wort „Es“ und des § 179 Abs. 5 Nr. 2,
ersetzt.
cc) In Satz 4 werden das Wort „Gegenstände“ durch g) Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornogra-
das Wort „Postsendungen“ und das Wort „Rich- fischer Schriften nach § 184b Abs. 1 bis 3,
ter“ durch das Wort „Gericht“ ersetzt. h) Mord und Totschlag nach den §§ 211 und 212,
d) Absatz 4 wird wie folgt geändert: i) Straftaten gegen die persönliche Freiheit nach den
aa) In Satz 1 werden die Wörter „der nach § 98 zu- §§ 232 bis 233a, 234, 234a, 239a und 239b,
ständige Richter“ durch die Wörter „das nach
j) Bandendiebstahl nach § 244 Abs. 1 Nr. 2 und
§ 98 zuständige Gericht“ ersetzt.
schwerer Bandendiebstahl nach § 244a,
bb) In Satz 2 werden die Wörter „eines ausgelieferten
Gegenstandes“ durch die Wörter „einer ausgelie- k) Straftaten des Raubes und der Erpressung nach
ferten Postsendung“ und die Wörter „der Richter, den §§ 249 bis 255,
der“ durch die Wörter „das Gericht, das“ ersetzt. l) gewerbsmäßige Hehlerei, Bandenhehlerei und ge-
e) Folgende Absätze 5 bis 6 werden angefügt: werbsmäßige Bandenhehlerei nach den §§ 260
„(5) Postsendungen, deren Öffnung nicht angeord- und 260a,
net worden ist, sind unverzüglich an den vorgesehe- m) Geldwäsche und Verschleierung unrechtmäßig
nen Empfänger weiter zu leiten. Dasselbe gilt, soweit erlangter Vermögenswerte nach § 261 Abs. 1, 2
nach der Öffnung die Zurückbehaltung nicht erforder- und 4,
lich ist.
n) Betrug und Computerbetrug unter den in § 263
(6) Der Teil einer zurückbehaltenen Postsendung, Abs. 3 Satz 2 genannten Voraussetzungen und im
dessen Vorenthaltung nicht mit Rücksicht auf die Un- Falle des § 263 Abs. 5, jeweils auch in Verbindung
tersuchung geboten erscheint, ist dem vorgesehenen mit § 263a Abs. 2,
Empfänger abschriftlich mitzuteilen.“
o) Subventionsbetrug unter den in § 264 Abs. 2
7. Die §§ 100a und 100b werden wie folgt gefasst:
Satz 2 genannten Voraussetzungen und im Falle
„§ 100a des § 264 Abs. 3 in Verbindung mit § 263 Abs. 5,
(1) Auch ohne Wissen der Betroffenen darf die Tele- p) Straftaten der Urkundenfälschung unter den in
kommunikation überwacht und aufgezeichnet werden, § 267 Abs. 3 Satz 2 genannten Voraussetzungen
wenn und im Fall des § 267 Abs. 4, jeweils auch in Ver-
1. bestimmte Tatsachen den Verdacht begründen, dass bindung mit § 268 Abs. 5 oder § 269 Abs. 3, sowie
jemand als Täter oder Teilnehmer eine in Absatz 2 nach § 275 Abs. 2 und § 276 Abs. 2,
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q) Bankrott unter den in § 283a Satz 2 genannten 10. aus dem Waffengesetz:
Voraussetzungen,
a) Straftaten nach § 51 Abs. 1 bis 3,
r) Straftaten gegen den Wettbewerb nach § 298 und,
b) Straftaten nach § 52 Abs. 1 Nr. 1, 2 Buchstabe c
unter den in § 300 Satz 2 genannten Voraussetzun-
und d sowie Abs. 5 und 6.
gen, nach § 299,
(3) Die Anordnung darf sich nur gegen den Beschul-
s) gemeingefährliche Straftaten in den Fällen der
digten oder gegen Personen richten, von denen auf Grund
§§ 306 bis 306c, 307 Abs. 1 bis 3, des § 308
bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass sie für den
Abs. 1 bis 3, des § 309 Abs. 1 bis 4, des § 310
Beschuldigten bestimmte oder von ihm herrührende Mit-
Abs. 1, der §§ 313, 314, 315 Abs. 3, des § 315b
teilungen entgegennehmen oder weitergeben oder dass
Abs. 3 sowie der §§ 316a und 316c,
der Beschuldigte ihren Anschluss benutzt.
t) Bestechlichkeit und Bestechung nach den §§ 332
(4) Liegen tatsächliche Anhaltspunkte für die Annah-
und 334,
me vor, dass durch eine Maßnahme nach Absatz 1 allein
2. aus der Abgabenordnung: Erkenntnisse aus dem Kernbereich privater Lebensge-
staltung erlangt würden, ist die Maßnahme unzulässig.
a) Steuerhinterziehung unter den in § 370 Abs. 3 Erkenntnisse aus dem Kernbereich privater Lebensge-
Satz 2 Nr. 5 genannten Voraussetzungen, staltung, die durch eine Maßnahme nach Absatz 1 erlangt
b) gewerbsmäßiger, gewaltsamer und bandenmäßi- wurden, dürfen nicht verwertet werden. Aufzeichnungen
ger Schmuggel nach § 373, hierüber sind unverzüglich zu löschen. Die Tatsache ihrer
Erlangung und Löschung ist aktenkundig zu machen.
c) Steuerhehlerei im Falle des § 374 Abs. 2,
§ 100b
3. aus dem Arzneimittelgesetz:
(1) Maßnahmen nach § 100a dürfen nur auf Antrag der
Straftaten nach § 95 Abs. 1 Nr. 2a unter den in § 95 Staatsanwaltschaft durch das Gericht angeordnet werden.
Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Buchstabe b genannten Vorausset- Bei Gefahr im Verzug kann die Anordnung auch durch
zungen, die Staatsanwaltschaft getroffen werden. Soweit die An-
4. aus dem Asylverfahrensgesetz: ordnung der Staatsanwaltschaft nicht binnen drei Werkta-
gen von dem Gericht bestätigt wird, tritt sie außer Kraft;
a) Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragstel- zwischenzeitlich erlangte personenbezogene Daten dür-
lung nach § 84 Abs. 3, fen zu Beweiszwecken nur verwertet werden, wenn Ge-
b) gewerbs- und bandenmäßige Verleitung zur miss- fahr im Verzug bestand. Die Anordnung ist auf höchstens
bräuchlichen Asylantragstellung nach § 84a, zwei Monate zu befristen. Eine Verlängerung um jeweils
nicht mehr als zwei Monate ist zulässig, soweit die Vor-
5. aus dem Aufenthaltsgesetz: aussetzungen der Anordnung unter Berücksichtigung der
gewonnenen Ermittlungsergebnisse fortbestehen. Ist die
a) Einschleusen von Ausländern nach § 96 Abs. 2,
Dauer der Anordnung auf insgesamt sechs Monate ver-
b) Einschleusen mit Todesfolge und gewerbs- und längert worden, so entscheidet über weitere Verlängerun-
bandenmäßiges Einschleusen nach § 97, gen vorbehaltlich des § 169 das im Rechtszug übergeord-
nete Gericht.
6. aus dem Außenwirtschaftsgesetz:
(2) Die Anordnung ergeht schriftlich. In ihrer Ent-
Straftaten nach § 34 Abs. 1 bis 6, scheidungsformel sind anzugeben:
7. aus dem Betäubungsmittelgesetz: 1. soweit möglich, der Name und die Anschrift des Be-
a) Straftaten nach einer in § 29 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 in troffenen, gegen den sich die Maßnahme richtet,
Bezug genommenen Vorschrift unter den dort ge- 2. die Rufnummer oder eine andere Kennung des zu
nannten Voraussetzungen, überwachenden Anschlusses oder des Endgerätes,
b) Straftaten nach den §§ 29a, 30 Abs. 1 Nr. 1, 2 wenn diese allein dem zu überwachenden Endgerät
und 4 sowie den §§ 30a und 30b, zuzuordnen ist,
8. aus dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen: 3. Art, Umfang und Dauer der Maßnahme unter Benen-
nung des Endzeitpunktes.
a) Straftaten nach § 19 Abs. 1 bis 3 und § 20 Abs. 1
und 2 sowie § 20a Abs. 1 bis 3, jeweils auch in (3) Auf Grund der Anordnung hat jeder, der Telekom-
Verbindung mit § 21, munikationsdienste erbringt oder daran mitwirkt, dem
Gericht, der Staatsanwaltschaft und ihren im Polizei-
b) Straftaten nach § 22a Abs. 1 bis 3, dienst tätigen Ermittlungspersonen (§ 152 des Gerichts-
9. aus dem Völkerstrafgesetzbuch: verfassungsgesetzes) die Maßnahmen nach § 100a zu er-
möglichen und die erforderlichen Auskünfte zu erteilen.
a) Völkermord nach § 6, Ob und in welchem Umfang hierfür Vorkehrungen zu
b) Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach § 7, treffen sind, bestimmt sich nach dem Telekommunikati-
onsgesetz und der Telekommunikations-Überwachungs-
c) Kriegsverbrechen nach den §§ 8 bis 12, verordnung. § 95 Abs. 2 gilt entsprechend.
Drucksache 16/5846 – 12 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

(4) Liegen die Voraussetzungen der Anordnung nicht c) Absatz 6 wird Absatz 5 und wie folgt geändert:
mehr vor, so sind die auf Grund der Anordnung ergriffe-
aa) In dem Satzteil vor Nummer 1 und in Nummer 1
nen Maßnahmen unverzüglich zu beenden. Nach Beendi-
wird das Wort „Informationen“ durch das Wort
gung der Maßnahme ist das anordnende Gericht über de-
„Daten“ ersetzt.
ren Verlauf und Ergebnisse zu unterrichten.
bb) Nummer 2 wird wie folgt geändert:
(5) Die Länder und der Generalbundesanwalt berich-
ten dem Bundesamt für Justiz kalenderjährlich jeweils aaa) In Satz 1 und 2 wird jeweils das Wort „In-
bis zum 30. Juni des dem Berichtsjahr folgenden Jahres formationen“ durch das Wort „Daten“ er-
über in ihrem Zuständigkeitsbereich angeordnete Maß- setzt.
nahmen nach § 100a. Das Bundesamt für Justiz erstellt bbb) In Satz 3 werden das Wort „Informatio-
eine Übersicht zu den im Berichtsjahr bundesweit ange- nen“ jeweils durch das Wort „Daten“ und
ordneten Maßnahmen und veröffentlicht diese im Inter- das Wort „vernichten“ durch das Wort
net1. „löschen“ ersetzt.
(6) In den Berichten nach Absatz 5 sind anzugeben: ccc) Die Sätze 4 und 5 werden wie folgt ge-
1. die Anzahl der Verfahren, in denen Maßnahmen nach fasst:
§ 100a Abs. 1 angeordnet worden sind; „Die Löschung ist aktenkundig zu ma-
2. die Anzahl der Überwachungsanordnungen nach chen. Soweit die Löschung lediglich für
§ 100a Abs. 1, unterschieden nach eine etwaige vorgerichtliche oder gericht-
liche Überprüfung zurückgestellt ist, dür-
a) Erst- und Verlängerungsanordnungen sowie fen die Daten nur für diesen Zweck ver-
wendet werden; für eine Verwendung zu
b) Festnetz-, Mobilfunk- und Internettelekommuni- anderen Zwecken sind sie zu sperren.“
kation;
cc) In Nummer 3 werden das Wort „Informationen“
3. die jeweils zugrunde liegende Anlassstraftat nach durch das Wort „Daten“ und die Wörter „diese
Maßgabe der Unterteilung in § 100a Abs. 2; Informationen“ durch das Wort „sie“ ersetzt.
4. die Anzahl der überwachten Telekommunikationsvor- d) Die Absätze 7 bis 10 werden aufgehoben.
gänge nach Maßgabe der Unterteilung in Nummer 2
Buchstabe b.“ 10. § 100e wird wie folgt geändert:
a) Absatz 1 wird wie folgt gefasst:
8. § 100c wird wie folgt geändert:
„(1) Für die nach § 100c angeordneten Maßnah-
a) Absatz 1 wird wie folgt geändert: men gilt § 100b Abs. 5 entsprechend. Vor der Ver-
aa) Das Wort „Ohne“ wird durch die Wörter „Auch öffentlichung im Internet berichtet die Bundesregie-
ohne“ ersetzt. rung dem Deutschen Bundestag über die im jeweils
vorangegangenen Kalenderjahr nach § 100c ange-
bb) In Nummer 1 werden nach dem Wort „jemand“ ordneten Maßnahmen.“
die Wörter „als Täter oder Teilnehmer“ einge-
fügt. b) In Absatz 2 Satz 1 Nr. 8 wird die Angabe „(§ 100d
Abs. 8)“ durch die Angabe „(§ 101 Abs. 4 bis 7)“
b) Absatz 2 Nr. 1 wird wie folgt geändert: ersetzt.
aa) In Buchstabe a wird das Wort „oder“ durch das 11. Die §§ 100f bis 101 werden wie folgt gefasst:
Wort „sowie“ ersetzt. „§ 100f
bb) Buchstabe c wird wie folgt gefasst: (1) Auch ohne Wissen der Betroffenen darf außer-
„c) Geld- und Wertzeichenfälschung nach den halb von Wohnungen das nichtöffentlich gesprochene
§§ 146 und 151, jeweils auch in Verbindung Wort mit technischen Mitteln abgehört und aufgezeich-
mit § 152, sowie nach § 152a Abs. 3 und net werden, wenn bestimmte Tatsachen den Verdacht
§ 152b Abs. 1 bis 4,“. begründen, dass jemand eine in § 100a Abs. 2 bezeich-
nete Straftat begangen hat, und die Erforschung des
c) Absatz 6 Satz 3 wird wie folgt gefasst: Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthaltsortes
eines Beschuldigten auf andere Weise aussichtslos oder
„§ 53b Abs. 4 gilt entsprechend.“
wesentlich erschwert wäre.
9. § 100d wird wie folgt geändert: (2) Die Maßnahme darf sich nur gegen einen Be-
a) In Absatz 2 Satz 2 Nr. 1 wird das Wort „bekannt“ schuldigten richten. Gegen andere Personen darf die
durch das Wort „möglich,“ ersetzt. Maßnahme nur angeordnet werden, wenn auf Grund
bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass sie mit ei-
b) Absatz 5 wird aufgehoben. nem Beschuldigten in Verbindung stehen oder eine sol-
che Verbindung hergestellt wird, die Maßnahme zur Er-
1 Amtlicher Hinweis: Die Internetadresse des Bundesamtes für Justiz forschung des Sachverhalts oder zur Ermittlung des
lautet: www.bundesjustizamt.de Aufenthaltsortes eines Beschuldigten führen wird und
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 13 – Drucksache 16/5846

dies auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich er- § 100h


schwert wäre.
(1) Auch ohne Wissen der Betroffenen dürfen außer-
(3) Die Maßnahme darf auch durchgeführt werden, halb von Wohnungen
wenn Dritte unvermeidbar betroffen werden. 1. Bildaufnahmen hergestellt werden,
(4) § 100b Abs. 1, 4 Satz 1 und § 100d Abs. 2 gelten 2. sonstige besondere für Observationszwecke be-
entsprechend. stimmte technische Mittel verwendet werden,
§ 100g wenn die Erforschung des Sachverhalts oder die Ermitt-
(1) Begründen bestimmte Tatsachen den Verdacht, lung des Aufenthaltsortes eines Beschuldigten auf an-
dass jemand als Täter oder Teilnehmer dere Weise weniger erfolgversprechend oder erschwert
wäre. Eine Maßnahme nach Satz 1 Nr. 2 ist nur zuläs-
1. eine Straftat von auch im Einzelfall erheblicher Be- sig, wenn Gegenstand der Untersuchung eine Straftat
deutung, insbesondere eine in § 100a Abs. 2 be- von erheblicher Bedeutung ist.
zeichnete Straftat, begangen hat, in Fällen, in denen
der Versuch strafbar ist, zu begehen versucht hat (2) Die Maßnahmen dürfen sich nur gegen einen Be-
oder durch eine Straftat vorbereitet hat oder schuldigten richten. Gegen andere Personen sind

2. eine Straftat mittels Telekommunikation begangen 1. Maßnahmen nach Absatz 1 Nr. 1 nur zulässig, wenn
hat, die Erforschung des Sachverhalts oder die Ermitt-
lung des Aufenthaltsortes eines Beschuldigten auf
so dürfen auch ohne Wissen des Betroffenen Verkehrs- andere Weise erheblich weniger erfolgversprechend
daten (§ 96 Abs. 1, § 113a des Telekommunikationsge- oder wesentlich erschwert wäre,
setzes) erhoben werden, soweit dies für die Erforschung
2. Maßnahmen nach Absatz 1 Nr. 2 nur zulässig, wenn
des Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthalts-
auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist,
ortes des Beschuldigten erforderlich ist. Im Falle des
dass sie mit einem Beschuldigten in Verbindung ste-
Satzes 1 Nr. 2 ist die Maßnahme nur zulässig, wenn die
hen oder eine solche Verbindung hergestellt wird,
Erforschung des Sachverhalts oder die Ermittlung des
die Maßnahme zur Erforschung des Sachverhalts
Aufenthaltsortes des Beschuldigten auf andere Weise
oder zur Ermittlung des Aufenthaltsortes eines Be-
aussichtslos wäre und die Erhebung der Daten in einem
schuldigten führen wird und dies auf andere Weise
angemessenen Verhältnis zur Bedeutung der Sache
aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre.
steht. Die Erhebung von Standortdaten in Echtzeit ist
nur im Falle des Satzes 1 Nr. 1 zulässig. (3) Die Maßnahmen dürfen auch durchgeführt wer-
den, wenn Dritte unvermeidbar mitbetroffen werden.
(2) § 100a Abs. 3 und § 100b Abs. 1 bis 4 Satz 1
gelten entsprechend. Abweichend von § 100b Abs. 2 § 100i
Satz 2 Nr. 2 genügt im Falle einer Straftat von erheb- (1) Begründen bestimmte Tatsachen den Verdacht,
licher Bedeutung eine räumlich und zeitlich hinrei- dass jemand eine Straftat von auch im Einzelfall erheb-
chend bestimmte Bezeichnung der Telekommunika- licher Bedeutung, insbesondere eine in § 100a Abs. 2
tion, wenn die Erforschung des Sachverhalts auf andere bezeichnete Straftat, begangen hat, in Fällen, in denen
Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre. der Versuch strafbar ist, zu begehen versucht hat oder
(3) Erfolgt die Erhebung von Verkehrsdaten nicht durch eine Straftat vorbereitet hat, so dürfen durch tech-
beim Telekommunikationsdiensteanbieter, bestimmt nische Mittel
sie sich nach Abschluss des Kommunikationsvorgangs 1. die Gerätenummer eines Mobilfunkendgerätes und
nach den allgemeinen Vorschriften. die Kartennummer der darin verwendeten Karte so-
(4) Über Maßnahmen nach Absatz 1 ist entsprechend wie
§ 100b Abs. 5 jährlich eine Übersicht zu erstellen, in 2. der Standort eines Mobilfunkendgeräts
der anzugeben sind:
ermittelt werden, soweit dies für die Erforschung des
1. die Anzahl der Verfahren, in denen Maßnahmen Sachverhalts oder die Ermittlung des Aufenthaltsortes
nach Absatz 1 durchgeführt worden sind; des Beschuldigten erforderlich ist.
2. die Anzahl der Anordnungen von Maßnahmen nach (2) Personenbezogene Daten Dritter dürfen anläss-
Absatz 1, unterschieden nach Erst- und Verlänge- lich solcher Maßnahmen nur erhoben werden, wenn
rungsanordnungen; dies aus technischen Gründen zur Erreichung des
3. die jeweils zugrunde liegende Anlassstraftat, unter- Zwecks nach Absatz 1 unvermeidbar ist. Über den Da-
schieden nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 und 2; tenabgleich zur Ermittlung der gesuchten Geräte- und
Kartennummer hinaus dürfen sie nicht verwendet wer-
4. die Anzahl der zurückliegenden Monate, für die den und sind nach Beendigung der Maßnahme unver-
Verkehrsdaten nach Absatz 1 abgefragt wurden, be- züglich zu löschen.
messen ab dem Zeitpunkt der Anordnung;
(3) § 100a Abs. 3 und § 100b Abs. 1 Satz 1 bis 3,
5. die Anzahl der Maßnahmen, die ergebnislos geblie- Abs. 2 Satz 1 und Abs. 4 Satz 1 gelten entsprechend.
ben sind, weil die abgefragten Daten ganz oder teil- Die Anordnung ist auf höchstens sechs Monate zu be-
weise nicht verfügbar waren. fristen. Eine Verlängerung um jeweils nicht mehr als
Drucksache 16/5846 – 14 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

sechs weitere Monate ist zulässig, soweit die in Ab- 12. des § 163f die Zielperson sowie die erheblich mit-
satz 1 bezeichneten Voraussetzungen fortbestehen. betroffenen Personen
§ 101 zu benachrichtigen. Dabei ist auf die Möglichkeit nach-
(1) Für Maßnahmen nach den §§ 98a, 99, 100a, 100c träglichen Rechtsschutzes nach Absatz 9 und die dafür
bis 100i, 110a, 163d bis 163f gelten, soweit nichts an- vorgesehene Frist hinzuweisen. Die Benachrichtigung
deres bestimmt ist, die nachstehenden Regelungen. unterbleibt, wenn ihr überwiegende schutzwürdige Be-
lange einer betroffenen Person entgegenstehen. Zudem
(2) Entscheidungen und sonstige Unterlagen über kann die Benachrichtigung einer in Satz 1 Nr. 2, 3 und
Maßnahmen nach den §§ 100c, 100f, 100h Abs. 1 Nr. 2 6 bezeichneten Person, gegen die sich die Maßnahme
und § 110a werden bei der Staatsanwaltschaft verwahrt. nicht gerichtet hat, unterbleiben, wenn diese von der
Zu den Akten sind sie erst zu nehmen, wenn die Voraus- Maßnahme nur unerheblich betroffen wurde und anzu-
setzungen für eine Benachrichtigung nach Absatz 5 er- nehmen ist, dass sie kein Interesse an einer Benach-
füllt sind. richtigung hat. Nachforschungen zur Feststellung der
Identität einer in Satz 1 bezeichneten Person sind nur
(3) Personenbezogene Daten, die durch Maßnahmen
vorzunehmen, wenn dies unter Berücksichtigung der
nach Absatz 1 erhoben wurden, sind entsprechend zu
Eingriffsintensität der Maßnahme gegenüber dieser
kennzeichnen. Nach einer Übermittlung an eine andere
Person, des Aufwands für die Feststellung ihrer Identi-
Stelle ist die Kennzeichnung durch diese aufrechtzuer-
tät sowie der daraus für diese oder andere Personen fol-
halten.
genden Beeinträchtigungen geboten ist.
(4) Von den in Absatz 1 genannten Maßnahmen sind
im Falle (5) Die Benachrichtigung erfolgt, sobald dies ohne
Gefährdung des Untersuchungszwecks, des Lebens, der
1. des § 98a die betroffenen Personen, gegen die körperlichen Unversehrtheit und der persönlichen Frei-
nach Auswertung der Daten weitere Ermittlungen heit einer Person und von bedeutenden Vermögenswer-
geführt wurden, ten, im Fall des § 110a auch der Möglichkeit der weite-
ren Verwendung des Verdeckten Ermittlers möglich ist.
2. des § 99 der Absender und der Adressat der Post-
Wird die Benachrichtigung nach Satz 1 zurückgestellt,
sendung,
sind die Gründe aktenkundig zu machen.
3. des § 100a die Beteiligten der überwachten Tele-
kommunikation, (6) Erfolgt die nach Absatz 5 zurückgestellte Be-
nachrichtigung nicht binnen zwölf Monaten nach Been-
4. des § 100c digung der Maßnahme, bedarf die weitere Zurückstel-
a) der Beschuldigte, gegen den sich die Maßnah- lung der gerichtlichen Zustimmung. Das Gericht
bestimmt die Dauer der weiteren Zurückstellung; Ver-
me richtete,
längerungen der Zurückstellungsdauer sind zulässig.
b) sonstige überwachte Personen, Sind mehrere Maßnahmen in einem engen zeitlichen
Zusammenhang durchgeführt worden, so beginnt die in
c) Personen, die die überwachte Wohnung zur Satz 1 genannte Frist mit der Beendigung der letzten
Zeit der Durchführung der Maßnahme innehat- Maßnahme. Im Fall des § 100c beträgt die in Satz 1 ge-
ten oder bewohnten, nannte Frist sechs Monate, und die Dauer etwaiger Zu-
5. des § 100f die Zielperson sowie die erheblich mit- rückstellungen nach Satz 2 ist auf jeweils höchstens
betroffenen Personen, sechs Monate zu bestimmen.
6. des § 100g die Beteiligten der betroffenen Tele- (7) Ist die Benachrichtigung für insgesamt fünf Jahre
kommunikation, zurückgestellt worden und ergibt sich, dass die Voraus-
setzungen für eine Benachrichtigung mit an Sicherheit
7. des § 100h Abs. 1 die Zielperson sowie die erheb-
grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft nicht
lich mitbetroffenen Personen,
eintreten werden, kann mit Zustimmung des Gerichts
8. des § 100i die Zielperson, von einer Benachrichtigung endgültig abgesehen wer-
den.
9. des § 110a
(8) Gerichtliche Entscheidungen nach den Absätzen 6
a) die Zielperson,
und 7 trifft das für die Anordnung der Maßnahme zu-
b) die erheblich mitbetroffenen Personen, ständige Gericht.
c) die Personen, deren nicht allgemein zugängli- (9) Die in Absatz 4 Satz 1 genannten Personen kön-
che Wohnung der Verdeckte Ermittler betreten nen auch nach Beendigung der Maßnahme bis zu zwei
hat, Wochen nach ihrer Benachrichtigung die Überprüfung
der Rechtmäßigkeit der Maßnahme sowie der Art und
10. des § 163d die betroffenen Personen, gegen die
Weise ihres Vollzugs beantragen. Über den Antrag ent-
nach Auswertung der Daten weitere Ermittlungen
scheidet das für die Anordnung der Maßnahme zustän-
geführt wurden,
dige Gericht. Gegen die Entscheidung ist die sofortige
11. des § 163e die Zielperson und die Person, deren Beschwerde statthaft. Ist die öffentliche Klage erhoben
personenbezogene Daten gemeldet worden sind, und der Angeklagte benachrichtigt worden, entscheidet
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 15 – Drucksache 16/5846

über den Antrag das mit der Sache befasste Gericht in b) Absatz 4 Satz 4 und 5 und Absatz 5 werden aufge-
der das Verfahren abschließenden Entscheidung. hoben.
(10) Sind die durch die Maßnahme erlangten perso- 17. § 163e wird wie folgt geändert:
nenbezogenen Daten zur Strafverfolgung und für eine a) In Absatz 3 wird das Wort „Informationen“ durch
etwaige gerichtliche Überprüfung der Maßnahme nicht das Wort „Daten“ ersetzt.
mehr erforderlich, so sind sie unverzüglich zu löschen.
Die Löschung ist aktenkundig zu machen. Soweit die b) Absatz 4 wird wie folgt geändert:
Löschung lediglich für eine etwaige gerichtliche Über- aa) In Satz 1 werden die Wörter „den Richter“
prüfung der Maßnahme zurückgestellt ist, dürfen die durch die Wörter „das Gericht“ ersetzt.
Daten ohne Einwilligung der Betroffenen nur zu diesem
Zweck verwendet werden; sie sind entsprechend zu bb) In Satz 3 wird das Wort „richterliche“ durch das
sperren.“ Wort „gerichtliche“ ersetzt.

12. Dem § 110 wird folgender Absatz 3 angefügt: cc) In Satz 4 wird das Wort „Richter“ durch das
Wort „Gericht“ ersetzt.
„(3) Die Durchsicht elektronischer Speichermedien
dd) Satz 6 wird wie folgt gefasst:
darf auf räumlich getrennte Speichermedien, auf die der
Betroffene den Zugriff zu gewähren berechtigt ist, er- „Eine Verlängerung um jeweils nicht mehr als
streckt werden. Daten, die für die Untersuchung von drei Monate ist zulässig, soweit die Vorausset-
Bedeutung sein können, dürfen gespeichert werden, zungen der Anordnung fortbestehen.“
wenn bis zur Sicherstellung der Datenträger ihr Verlust 18. § 163f wird wie folgt geändert:
zu besorgen ist; sie sind zu löschen, sobald sie für die
Strafverfolgung nicht mehr erforderlich sind.“ a) Absatz 3 wird wie folgt gefasst:
13. Die §§ 110d und 110e werden aufgehoben. „(3) Die Maßnahme darf nur durch das Gericht,
bei Gefahr im Verzug auch durch die Staatsanwalt-
14. § 161 wird wie folgt geändert: schaft und ihre Ermittlungspersonen (§ 152 des Ge-
a) Nach Absatz 1 wird folgender Absatz 2 eingefügt: richtsverfassungsgesetzes) angeordnet werden. Die
Anordnung der Staatsanwaltschaft oder ihrer Er-
„(2) Ist eine Maßnahme nach diesem Gesetz nur mittlungspersonen tritt außer Kraft, wenn sie nicht
bei Verdacht bestimmter Straftaten zulässig, so dür- binnen drei Werktagen von dem Gericht bestätigt
fen die auf Grund einer entsprechenden Maßnahme wird. § 100b Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 2, Satz 4 und 5,
nach anderen Gesetzen erlangten personenbezoge- Abs. 2 Satz 1 gilt entsprechend.
nen Daten ohne Einwilligung der von der Maß-
nahme betroffenen Personen zu Beweiszwecken im b) Absatz 4 wird aufgehoben.
Strafverfahren nur zur Aufklärung solcher Strafta- 19. § 304 wird wie folgt geändert:
ten verwendet werden, zu deren Aufklärung eine
solche Maßnahme nach diesem Gesetz hätte ange- a) Absatz 1 Satz 2 Nr. 1 wird wie folgt gefasst:
ordnet werden dürfen. § 100d Abs. 5 Nr. 3 bleibt un- „1. die Verhaftung, einstweilige Unterbringung,
berührt.“ Unterbringung zur Beobachtung, Beschlag-
b) Der bisherige Absatz 2 wird Absatz 3 und das Wort nahme, Durchsuchung oder die in § 101 Abs. 1
„Informationen“ wird durch das Wort „Daten“ er- bezeichneten Maßnahmen betreffen,“.
setzt. b) Absatz 5 wird wie folgt gefasst:
15. § 162 wird wie folgt gefasst: „(5) Gegen Verfügungen des Ermittlungsrichters
des Bundesgerichtshofes und des Oberlandesge-
㤠162
richts (§ 169 Abs. 1) ist die Beschwerde nur zuläs-
(1) Erachtet die Staatsanwaltschaft die Vornahme ei- sig, wenn sie die Verhaftung, einstweilige Unter-
ner gerichtlichen Untersuchungshandlung für erforder- bringung, Beschlagnahme, Durchsuchung oder die
lich, so stellt sie ihre Anträge bei dem Amtsgericht, in in § 101 Abs. 1 bezeichneten Maßnahmen betref-
dessen Bezirk sie oder ihre den Antrag stellende Zweig- fen.“
stelle ihren Sitz hat. Für gerichtliche Vernehmungen
20. § 477 wird wie folgt geändert:
und Augenscheinnahmen ist das Amtsgericht zustän-
dig, in dessen Bezirk diese Untersuchungshandlungen a) Absatz 2 wird wie folgt gefasst:
vorzunehmen sind, wenn die Staatsanwaltschaft dies „(2) Auskünfte aus Akten und Akteneinsicht
zur Beschleunigung des Verfahrens oder zur Vermei- sind zu versagen, wenn der Übermittlung Zwecke
dung von Belastungen Betroffener dort beantragt. des Strafverfahrens oder besondere bundesgesetz-
(2) Das Gericht hat zu prüfen, ob die beantragte liche oder entsprechende landesgesetzliche Ver-
Handlung nach den Umständen des Falles gesetzlich wendungsregelungen entgegenstehen. Ist eine Maß-
zulässig ist.“ nahme nach diesem Gesetz nur bei Verdacht
bestimmter Straftaten zulässig, so dürfen die auf
16. § 163d wird wie folgt geändert: Grund einer solchen Maßnahme erlangten perso-
a) In Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 werden die Wörter „Satz 1 nenbezogenen Daten ohne Einwilligung der von
Nr. 3 und 4“ durch die Angabe „Abs. 2 Nr. 6 bis 8 der Maßnahme betroffenen Personen zu Beweis-
und 10“ ersetzt. zwecken in anderen Strafverfahren nur zur Aufklä-
Drucksache 16/5846 – 16 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

rung solcher Straftaten verwendet werden, zu deren Behörden ist die Mitteilung nur zulässig, wenn der
Aufklärung eine solche Maßnahme nach diesem Teilnehmer in Textform erklärt hat, dass die Mitarbei-
Gesetz hätte angeordnet werden dürfen. Darüber ter informiert worden sind und künftige Mitarbeiter
hinaus dürfen personenbezogene Daten, die durch unverzüglich informiert werden und dass der Be-
eine Maßnahme der in Satz 2 bezeichneten Art er- triebsrat oder die Personalvertretung entsprechend
langt worden sind, ohne Einwilligung der von der den gesetzlichen Vorschriften beteiligt worden ist
Maßnahme betroffenen Personen nur verwendet oder eine solche Beteiligung nicht erforderlich ist. So-
werden weit die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaf-
1. zur Abwehr einer erheblichen Gefahr für die ten für ihren Bereich eigene Mitarbeitervertreterrege-
öffentliche Sicherheit, lungen erlassen haben, findet Satz 4 mit der Maßgabe
Anwendung, dass an die Stelle des Betriebsrates oder
2. für die Zwecke, für die eine Übermittlung nach der Personalvertretung die jeweilige Mitarbeiterver-
§ 18 des Bundesverfassungsschutzgesetzes zu- tretung tritt. Dem Teilnehmer dürfen darüber hinaus
lässig ist, sowie die gespeicherten Daten mitgeteilt werden, wenn er
3. nach Maßgabe des § 476. Einwendungen gegen die Höhe der Verbindungsent-
gelte erhoben hat. Soweit ein Teilnehmer zur vollstän-
§ 100d Abs. 5 bleibt unberührt.“ digen oder teilweisen Übernahme der Entgelte für
b) In Absatz 5 Satz 1 wird das Wort „Informationen“ Verbindungen verpflichtet ist, die bei seinem An-
durch das Wort „Daten“ ersetzt. schluss ankommen, dürfen ihm in dem für ihn be-
stimmten Einzelverbindungsnachweis die Nummern
der Anschlüsse, von denen die Anrufe ausgehen, nur
Artikel 2 unter Kürzung um die letzten drei Ziffern mitgeteilt
Änderung des Telekommunikationsgesetzes werden. Die Sätze 2 und 7 gelten nicht für Dienstean-
bieter, die als Anbieter für geschlossene Benutzer-
Das Telekommunikationsgesetz in der Fassung der Be- gruppen ihre Dienste nur ihren Teilnehmern anbie-
kanntmachung vom 22. Juni 2004 (BGBl. I S. 1190), zuletzt ten.“
geändert durch …, wird wie folgt geändert:
b) In Absatz 3 Satz 2 wird die Angabe „Satz 2 oder 3“
1. § 97 wird wie folgt geändert: durch die Angabe „Satz 3 oder Satz 4“ ersetzt.
a) § 97 Abs. 3 Satz 2 bis 4 wird durch folgende Sätze 3. § 110 wird wie folgt geändert:
ersetzt:
a) Die Überschrift wird wie folgt gefasst:
„Diese Daten dürfen bis zu sechs Monate nach Ver-
sendung der Rechnung gespeichert werden. Für die „§ 110
Abrechnung nicht erforderliche Daten sind unverzüg- Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen,
lich zu löschen, soweit sie nicht nach § 113a zu spei- Erteilung von Auskünften“.
chern sind. Hat der Teilnehmer gegen die Höhe der in
b) Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe a wird wie folgt gefasst:
Rechnung gestellten Verbindungsentgelte vor Ablauf
der Frist nach Satz 2 Einwendungen erhoben, dürfen „a) über die grundlegenden technischen Anforderun-
die Daten gespeichert werden, bis die Einwendungen gen und die organisatorischen Eckpunkte für die
abschließend geklärt sind.“ Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen und
b) Absatz 4 wird aufgehoben. die Erteilung von Auskünften einschließlich der
Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen und
c) Die Absätze 5 und 6 werden zu Absätzen 4 und 5. der Erteilung von Auskünften durch einen von
2. § 99 wird wie folgt geändert: dem Verpflichteten beauftragten Erfüllungsgehil-
fen,“.
a) Absatz 1 wird wie folgt gefasst:
c) Absatz 8 wird aufgehoben.
„(1) Dem Teilnehmer sind die gespeicherten Daten
derjenigen Verbindungen, für die er entgeltpflichtig 4. § 111 wird wie folgt geändert:
ist, nur dann mitzuteilen, wenn er vor dem maßgeb- a) Absatz 1 wird wie folgt gefasst:
lichen Abrechnungszeitraum in Textform einen Ein-
zelverbindungsnachweis verlangt hat; auf Wunsch „(1) Wer geschäftsmäßig Telekommunikations-
dürfen ihm auch die Daten pauschal abgegoltener dienste erbringt oder daran mitwirkt und dabei Ruf-
Verbindungen mitgeteilt werden. Dabei entscheidet nummern oder andere Anschlusskennungen vergibt
der Teilnehmer, ob ihm die von ihm gewählten Ruf- oder Telekommunikationsanschlüsse für von anderen
nummern ungekürzt oder unter Kürzung um die letz- vergebene Rufnummern oder andere Anschlussken-
ten drei Ziffern mitgeteilt werden. Bei Anschlüssen nungen bereitstellt, hat für die Auskunftsverfahren
im Haushalt ist die Mitteilung nur zulässig, wenn der nach den §§ 112 und 113
Teilnehmer in Textform erklärt hat, dass er alle zum 1. die Rufnummern und anderen Anschlusskennun-
Haushalt gehörenden Mitbenutzer des Anschlusses gen,
darüber informiert hat und künftige Mitbenutzer un-
verzüglich darüber informieren wird, dass ihm die 2. den Namen und die Anschrift des Anschlussinha-
Verkehrsdaten zur Erteilung des Nachweises bekannt bers,
gegeben werden. Bei Anschlüssen in Betrieben und 3. bei natürlichen Personen deren Geburtsdatum,
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 17 – Drucksache 16/5846

4. bei Festnetzanschlüssen auch die Anschrift des b) Absatz 3 Satz 1 Nr. 3 wird wie folgt gefasst:
Anschlusses, „3. für Abrufe mit unvollständigen Abfragedaten
5. in Fällen, in denen neben einem Mobilfunk- und für die Suche mittels einer Ähnlichenfunk-
anschluss auch ein Mobilfunkendgerät überlassen tion
wird, die Gerätenummer dieses Gerätes sowie a) die Mindestanforderungen an den Umfang der
einzugebenden Daten zur möglichst genauen
6. das Datum des Vertragsbeginns
Bestimmung der gesuchten Person,
vor der Freischaltung zu erheben und unverzüglich zu b) die Zeichen, die in der Abfrage verwendet
speichern, auch soweit diese Daten für betriebliche werden dürfen,
Zwecke nicht erforderlich sind; das Datum des Ver-
tragsendes ist bei Bekanntwerden ebenfalls zu spei- c) Anforderungen an den Einsatz sprachwissen-
chern. Satz 1 gilt auch, soweit die Daten nicht in Teil- schaftlicher Verfahren, die gewährleisten,
nehmerverzeichnisse (§ 104) eingetragen werden. dass unterschiedliche Schreibweisen eines
Die Verpflichtung zur unverzüglichen Speicherung Personen-, Straßen- oder Ortsnamens sowie
nach Satz 1 gilt hinsichtlich der Daten nach Satz 1 Abweichungen, die sich aus der Vertau-
Nr. 1 und 2 entsprechend für denjenigen, der ge- schung, Auslassung oder Hinzufügung von
schäftsmäßig einen öffentlich zugänglichen Dienst Namensbestandteilen ergeben, in die Suche
der elektronischen Post erbringt und dabei Daten nach und das Suchergebnis einbezogen werden,
Satz 1 Nr. 1 und 2 erhebt, wobei an die Stelle der d) die zulässige Menge der an die Bundesnetz-
Daten nach Satz 1 Nr. 1 die Kennungen der elektro- agentur zu übermittelnden Antwortdaten-
nischen Postfächer und an die Stelle des Anschluss- sätze.“
inhabers nach Satz 1 Nr. 2 der Inhaber des elektro-
c) Absatz 4 Satz 4 wird wie folgt gefasst:
nischen Postfachs tritt. Wird dem Verpflichteten nach
Satz 1 oder Satz 3 eine Änderung bekannt, hat er die „Die Regulierungsbehörde protokolliert für Zwecke
Daten unverzüglich zu berichtigen; in diesem Zusam- der Datenschutzkontrolle durch die jeweils zuständi-
menhang hat der nach Satz 1 Verpflichtete bisher ge Stelle bei jedem Abruf den Zeitpunkt, die bei der
noch nicht erhobene Daten zu erheben und zu spei- Durchführung des Abrufs verwendeten Daten, die ab-
chern, sofern ihm eine Erhebung der Daten ohne gerufenen Daten, ein die abrufende Person eindeutig
besonderen Aufwand möglich ist. Für das Auskunfts- bezeichnendes Datum sowie die ersuchende Stelle,
verfahren nach § 113 ist die Form der Datenspeiche- deren Aktenzeichen und ein die ersuchende Person
rung freigestellt.“ eindeutig bezeichnendes Datum.“
b) In Absatz 2 Satz 1 werden die Wörter „Absatz 1 6. Nach § 113 werden folgende §§ 113a und 113b einge-
Satz 1 eines Vertriebspartners“ durch die Wörter fügt:
„Absatz 1 Satz 1 oder Satz 3 eines Vertriebspartners“ „§ 113a
und die Wörter „Absatz 1 Satz 1 zu erheben“ durch Speicherungspflichten für Daten
die Wörter „Absatz 1 Satz 1 und 3 unter den dort ge-
nannten Voraussetzungen zu erheben“ ersetzt. (1) Wer öffentlich zugängliche Telekommunikations-
dienste für Endnutzer erbringt, ist verpflichtet, von ihm
c) In Absatz 3 werden die Wörter „Absatz 1 Satz 1“ bei der Nutzung seines Dienstes erzeugte oder verarbei-
durch die Wörter „Absatz 1 Satz 1 oder Satz 3“ und tete Verkehrsdaten nach Maßgabe der Absätze 2 bis 5
die Wörter „des Absatzes 1 Satz 3“ durch die Wörter sechs Monate im Inland oder in einem anderen Mitglied-
„des Absatzes 1 Satz 4“ ersetzt. staat der Europäischen Union zu speichern. Wer öffent-
lich zugängliche Telekommunikationsdienste für End-
d) Folgende Absätze 4 und 5 werden angefügt: nutzer erbringt, ohne selbst Verkehrsdaten zu erzeugen
oder zu verarbeiten, hat sicherzustellen, dass die Daten
„(4) Die Daten sind mit Ablauf des auf die Beendi-
gemäß Satz 1 gespeichert werden, und der Bundesnetz-
gung des Vertragsverhältnisses folgenden Kalender-
agentur auf deren Verlangen mitzuteilen, wer diese Daten
jahres zu löschen.
speichert.
(5) Eine Entschädigung für die Datenerhebung und (2) Die Anbieter von öffentlich zugänglichen Telefon-
-speicherung wird nicht gewährt.“ diensten speichern:
5. § 112 wird wie folgt geändert: 1. die Rufnummer oder andere Kennung des anrufenden
und des angerufenen Anschlusses sowie im Falle von
a) Absatz 1 wird wie folgt geändert: Um- oder Weiterschaltungen jedes weiteren beteilig-
ten Anschlusses,
aa) In Satz 1 werden die Wörter „Satz 1 und 3“ durch
die Wörter „Satz 1, 3 und 4“ ersetzt. 2. den Beginn und das Ende der Verbindung nach Datum
und Uhrzeit unter Angabe der zugrunde liegenden
bb) Satz 2 wird wie folgt gefasst: Zeitzone,
„Für die Berichtigung und Löschung der in den 3. in Fällen, in denen im Rahmen des Telefondienstes
Kundendateien gespeicherten Daten gilt § 111 unterschiedliche Dienste genutzt werden können, An-
Abs. 1 Satz 4 und Abs. 4 entsprechend.“ gaben zu dem genutzten Dienst,
Drucksache 16/5846 – 18 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

4. im Fall mobiler Telefondienste ferner: lichen und der neuen Angabe sowie des Zeitpunktes der
a) die internationale Kennung für mobile Teilnehmer Umschreibung dieser Angaben nach Datum und Uhrzeit
für den anrufenden und den angerufenen An- unter Angabe der zugrunde liegenden Zeitzone verpflich-
schluss, tet.

b) die internationale Kennung des anrufenden und (7) Wer ein Mobilfunknetz für die Öffentlichkeit be-
des angerufenen Endgerätes, treibt, ist verpflichtet, zu den nach Maßgabe dieser Vor-
schrift gespeicherten Bezeichnungen der Funkzellen
c) die Bezeichnung der durch den anrufenden und auch Daten vorzuhalten, aus denen sich die geografi-
den angerufenen Anschluss bei Beginn der Verbin- schen Lagen der die jeweilige Funkzelle versorgenden
dung genutzten Funkzellen, Funkantennen sowie deren Hauptstrahlrichtungen erge-
d) im Falle im Voraus bezahlter anonymer Dienste ben.
auch die erste Aktivierung des Dienstes nach Da- (8) Der Inhalt der Kommunikation und Daten über auf-
tum, Uhrzeit und Bezeichnung der Funkzelle, gerufene Internetseiten dürfen auf Grund dieser Vor-
5. im Falle von Internet-Telefondiensten auch die Inter- schrift nicht gespeichert werden.
netprotokoll-Adresse des anrufenden und des angeru-
(9) Die Speicherung der Daten nach den Absätzen 1
fenen Anschlusses.
bis 7 hat so zu erfolgen, dass Auskunftsersuchen der
Satz 1 gilt entsprechend bei der Übermittlung einer berechtigten Stellen unverzüglich beantwortet werden
Kurz-, Multimedia- oder ähnlichen Nachricht; hierbei können.
sind anstelle der Angaben nach Satz 1 Nr. 2 die Zeit-
punkte der Versendung und des Empfangs der Nachricht (10) Der nach dieser Vorschrift Verpflichtete hat be-
zu speichern. treffend die Qualität und den Schutz der gespeicherten
Verkehrsdaten die im Bereich der Telekommunikation er-
(3) Die Anbieter von Diensten der elektronischen Post forderliche Sorgfalt zu beachten. Er hat durch technische
speichern: und organisatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass
1. bei Versendung einer Nachricht die Kennung des der Zugang zu den gespeicherten Daten ausschließlich
elektronischen Postfachs und die Internetprotokoll- hierzu besonders ermächtigten Personen möglich ist.
Adresse des Absenders sowie die Kennung des elek- (11) Der nach dieser Vorschrift Verpflichtete hat die
tronischen Postfachs jedes Empfängers der Nachricht, allein auf Grund dieser Vorschrift gespeicherten Daten
2. bei Eingang einer Nachricht in einem elektronischen innerhalb eines Monats nach Ablauf der in Absatz 1 ge-
Postfach die Kennung des elektronischen Postfachs nannten Frist zu löschen oder die Löschung sicherzustel-
des Absenders und des Empfängers der Nachricht len.
sowie die Internetprotokoll-Adresse der absendenden
§ 113b
Telekommunikationsanlage,
Verwendung der nach § 113a gespeicherten Daten
3. bei Zugriff auf das elektronische Postfach dessen
Kennung und die Internetprotokoll-Adresse des Ab- Der nach § 113a Verpflichtete darf die allein auf Grund
rufenden, der Speicherungsverpflichtung nach § 113a gespeicher-
ten Daten
4. die Zeitpunkte der in den Nummern 1 bis 3 genannten
Nutzungen des Dienstes nach Datum und Uhrzeit un- 1. zur Verfolgung von Straftaten,
ter Angabe der zugrunde liegenden Zeitzone. 2. zur Abwehr von erheblichen Gefahren für die öffent-
(4) Die Anbieter von Internetzugangsdiensten speichern: liche Sicherheit oder
1. die dem Teilnehmer für eine Internetnutzung zuge- 3. zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfas-
wiesene Internetprotokoll-Adresse, sungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des
2. eine eindeutige Kennung des Anschlusses, über den Bundesnachrichtendienstes und des Militärischen
die Internetnutzung erfolgt, Abschirmdienstes

3. den Beginn und das Ende der Internetnutzung unter an die zuständigen Stellen auf deren Verlangen übermit-
der zugewiesenen Internetprotokoll-Adresse nach teln, soweit dies in den jeweiligen gesetzlichen Bestim-
Datum und Uhrzeit unter Angabe der zugrunde lie- mungen unter Bezugnahme auf § 113a vorgesehen und
genden Zeitzone. die Übermittlung im Einzelfall angeordnet ist; für andere
Zwecke darf er die Daten nicht verwenden. § 113 Abs. 1
(5) Soweit Anbieter von Telefondiensten die in dieser Satz 4 gilt entsprechend.“
Vorschrift genannten Verkehrsdaten für die in § 96 Abs. 2
genannten Zwecke auch dann speichern oder protokollie- 7. § 115 Abs. 2 wird wie folgt geändert:
ren, wenn der Anruf unbeantwortet bleibt oder wegen a) Satz 1 wird wie folgt geändert:
eines Eingriffs des Netzwerkmanagements erfolglos ist,
sind die Verkehrsdaten auch nach Maßgabe dieser Vor- aa) In Nummer 1 wird die Angabe „5 oder 6“ durch
schrift zu speichern. die Angabe „5 oder Abs. 6, § 113a“ ersetzt.
(6) Wer Telekommunikationsdienste erbringt und hier- bb) In Nummer 3 werden die Wörter „§ 111 Abs. 1
bei die nach Maßgabe dieser Vorschrift zu speichernden Satz 1 bis 4 und Abs. 2“ durch die Angabe „§ 111
Angaben verändert, ist zur Speicherung der ursprüng- Abs. 1, 2 und 4“ ersetzt.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 19 – Drucksache 16/5846

b) In Satz 2 werden die Wörter „§ 111 Abs. 1 Satz 1 Pflicht zur Sicherstellung der Speicherung nach § 113a
bis 4 und Abs. 2“ durch die Angabe „§ 111 Abs. 1, 2 Abs. 1 Satz 2 ist § 149 erstmalig ab dem 1. Januar 2009
oder Abs. 4“ ersetzt. anzuwenden.“
8. § 149 wird wie folgt geändert:
a) Absatz 1 wird wie folgt geändert: Artikel 3
aa) Nummer 29 wird wie folgt gefasst: Änderung der Abgabenordnung
„29. entgegen § 111 Abs. 1 Satz 1, auch in Ver- Die Abgabenordnung in der Fassung der Bekanntma-
bindung mit Satz 2 oder Satz 3, oder § 111 chung vom 1. Oktober 2002 (BGBl. I S. 3866, 2003 I S. 61),
Abs. 1 Satz 4 dort genannte Daten nicht, zuletzt geändert durch …, wird wie folgt geändert:
nicht richtig, nicht vollständig oder nicht
rechtzeitig erhebt, nicht, nicht richtig, nicht 1. In der Inhaltsübersicht wird die Angabe zu § 370a wie
vollständig oder nicht rechtzeitig speichert folgt gefasst:
oder nicht, nicht richtig, nicht vollständig „§ 370a (weggefallen)“.
oder nicht rechtzeitig berichtigt,“.
2. § 370 Abs. 3 Satz 2 wird wie folgt geändert:
bb) In Nummer 30 werden die Wörter „oder nicht
oder nicht rechtzeitig übermittelt,“ durch die a) Nummer 1 wird wie folgt gefasst:
Wörter „oder nicht, nicht richtig, nicht vollstän- „1. in großem Ausmaß Steuern verkürzt oder nicht
dig oder nicht rechtzeitig übermittelt,“ ersetzt. gerechtfertigte Steuervorteile erlangt,“.
cc) Nach Nummer 30 wird folgende Nummer 30a b) In Nummer 3 wird das Wort „oder“ gestrichen.
eingefügt:
c) In Nummer 4 wird der den Satz abschließende Punkt
„30a. entgegen § 111 Abs. 4 Daten nicht oder durch ein Komma ersetzt und das Wort „oder“ ange-
nicht rechtzeitig löscht,“. fügt.
dd) In Nummer 34 wird das Wort „oder“ durch ein d) Folgende Nummer 5 wird angefügt:
Komma ersetzt.
„5. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetz-
ee) In Nummer 35 werden nach der Angabe „Satz 4“ ten Begehung von Taten nach Absatz 1 verbun-
ein Komma und die Wörter „auch in Verbindung den hat, Umsatz- oder Verbrauchsteuern verkürzt
mit § 113b Satz 2,“ eingefügt und am Ende der oder nicht gerechtfertigte Umsatz- oder Ver-
Punkt durch ein Komma ersetzt. brauchsteuervorteile erlangt.“
ff) Nach Nummer 35 werden folgende Nummern 36 3. § 370a wird aufgehoben.
bis 39 angefügt:
4. § 373 wird wie folgt geändert:
„36. entgegen § 113a Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 6
Daten nicht, nicht richtig oder nicht für die a) Absatz 1 wird wie folgt gefasst:
vorgeschriebene Dauer speichert, „(1) Wer gewerbsmäßig Einfuhr- oder Ausfuhrab-
37. entgegen § 113a Abs. 1 Satz 2 nicht sicher- gaben hinterzieht oder gewerbsmäßig durch Zuwider-
stellt, dass die dort genannten Daten gespei- handlungen gegen Monopolvorschriften Bannbruch
chert werden, oder nicht mitteilt, wer diese begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten
Daten speichert, bis zu zehn Jahren bestraft. In minder schweren Fällen
ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
38. entgegen § 113a Abs. 10 Satz 2 nicht Geldstrafe.“
sicherstellt, dass der Zugang zu den gespei-
cherten Daten ausschließlich dazu beson- b) Absatz 2 Nr. 3 wird wie folgt gefasst:
ders ermächtigten Personen möglich ist, „3. als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetz-
oder ten Begehung der Hinterziehung von Einfuhr-
39. entgegen § 113a Abs. 11 Daten nicht oder oder Ausfuhrabgaben oder des Bannbruchs ver-
nicht rechtzeitig löscht oder nicht sicher- bunden hat, eine solche Tat begeht.“
stellt, dass die Daten rechtzeitig gelöscht c) Folgende Absätze 3 und 4 werden angefügt:
werden.“
„(3) Der Versuch ist strafbar.
b) In Absatz 2 Satz 1 werden die Angabe „27 und 31“
durch die Angabe „27, 31, 36 und 37“ und die Angabe (4) § 370 Abs. 6 Satz 1 und Abs. 7 gilt entspre-
„29 und 34“ durch die Angabe „29, 30a, 34, 38 chend.“
und 39“ ersetzt.
5. § 374 wird wie folgt geändert:
9. In § 150 wird nach Absatz 12a folgender Absatz 12b ein-
a) In Absatz 1 wird die Angabe „nach § 370 Abs. 1
gefügt:
und 2, wenn er gewerbsmäßig handelt, nach § 373“
„(12b) Auf Verstöße gegen die Pflicht zur Speicherung durch die Wörter „mit Freiheitsstrafe bis zu fünf
nach § 113a Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 6 oder gegen die Jahren oder mit Geldstrafe“ ersetzt.
Drucksache 16/5846 – 20 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

b) Nach Absatz 1 werden folgende Absätze 2 und 3 ein- ändert worden ist, wird die Angabe „§ 161 Abs. 2“ ge-
gefügt: strichen.
„(2) Handelt der Täter gewerbsmäßig oder als Mit-
glied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Bege-
hung von Straftaten nach Absatz 1 verbunden hat, so Artikel 8
ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu Änderung des Gerichtsverfassungsgesetzes
zehn Jahren. In minder schweren Fällen ist die Strafe
Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. In § 120 Abs. 4 Satz 2 des Gerichtsverfassungsgesetzes in
der Fassung der Bekanntmachung vom 9. Mai 1975 (BGBl. I
(3) Der Versuch ist strafbar.“ S. 1077), das zuletzt durch …geändert worden ist, werden
c) Der bisherige Absatz 2 wird Absatz 4 und wie folgt die Wörter „und § 100d Abs. 9 Satz 4“ gestrichen.
gefasst:
„(4) § 370 Abs. 6 Satz 1 und Abs. 7 gilt entspre-
Artikel 9
chend.“
Änderung des Einführungsgesetzes
zur Strafprozessordnung
Artikel 4
Nach § 11 des Einführungsgesetzes zur Strafprozessord-
Änderung des Strafgesetzbuches nung vom 1. Februar 1877 (RGBl. S. 346), das zuletzt durch
§ 261 Abs. 1 des Strafgesetzbuches in der Fassung der … geändert worden ist, wird folgender § 12 angefügt:
Bekanntmachung vom 13. November 1998 (BGBl. I 㤠12
S. 3322), das zuletzt durch … geändert worden ist, wird wie Übergangsregelungen zum Gesetz zur Neuregelung
folgt geändert: der Telekommunikationsüberwachung
1. Satz 2 wird wie folgt geändert: und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen
sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG
a) Nummer 3 wird wie folgt geändert:
aa) Die Wörter „, wenn er gewerbsmäßig handelt,“ (1) § 100b Abs. 5 und 6 sowie § 100g Abs. 4 der Strafpro-
werden gestrichen. zessordnung sind erstmalig für das Berichtsjahr 2008 anzu-
wenden. Auf Berichte nach § 100e der Strafprozessordnung
bb) Nach der Angabe „§ 374“ wird die Angabe ist § 100b Abs. 5 der Strafprozessordnung bereits für das Be-
„Abs. 2“ eingefügt. richtsjahr 2007 anzuwenden.
b) In Nummer 4 Buchstabe b wird das Wort „und“ durch (2) § 110 Abs. 8 des Telekommunikationsgesetzes sowie
ein Komma ersetzt und nach dem Wort „Asylverfah- § 1 Nr. 8, § 25 und die Anlage zu § 25 der Telekommunika-
rensgesetzes“ die Wörter „und nach § 370 der Abga- tions-Überwachungsverordnung sind letztmalig für das Be-
benordnung“ eingefügt. richtsjahr 2007 anzuwenden.“
2. In Satz 3 wird die Angabe „§ 370a“ durch die Angabe
„§ 370“ ersetzt.
Artikel 10
Änderung des IStGH-Gesetzes
Artikel 5
§ 59 Abs. 1 des IStGH-Gesetzes vom 21. Juni 2002
Änderung des Artikel 10-Gesetzes
(BGBl. I S. 2002, 2144), das zuletzt durch … geändert wor-
In § 17 Abs. 1 des Artikel 10-Gesetzes vom 26. Juni den ist, wird wie folgt geändert:
2001 (BGBl. I S. 1254, 2298), das zuletzt durch … geändert
worden ist, wird das Wort „geschäftsmäßig“ gestrichen. 1. In Nummer 2 wird die Angabe „§ 100a Abs. 1 Satz 1“
durch die Angabe „§ 100a Abs. 2“ ersetzt.
2. In Nummer 3 werden ersetzt:
Artikel 6
a) die Angabe „§ 101 Abs. 1“ durch die Angabe „§ 101
Änderung des Vereinsgesetzes Abs. 4 bis 7“,
In § 10 Abs. 2 Satz 4 des Vereinsgesetzes vom 5. August b) die Wörter „Verwendung der erlangten Informatio-
1964 (BGBl. I S. 593), das zuletzt durch … geändert worden nen“ durch die Wörter „Übermittlung der erlangten
ist, wird die Angabe „§§ 99, 100 und 101“ durch die Wörter personenbezogenen Daten zu Beweiszwecken“,
„§§ 99, 100 und 101 Abs. 3 bis 10“ ersetzt.
c) die Angabe „§ 100b Abs. 5“ durch die Angabe „§ 477
Abs. 2 Satz 2“,
Artikel 7
d) das Wort „Vernichtung“ durch das Wort „Löschung“
Änderung des Bundeskriminalamtgesetzes und
In § 16 Abs. 3 Satz 3 des Bundeskriminalamtgesetzes e) die Angabe „§ 100b Abs. 6“ durch die Angabe „§ 101
vom 7. Juli 1997 (BGBl. I S. 1650), das zuletzt durch … ge- Abs. 10“.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 21 – Drucksache 16/5846

Artikel 11 a) Die Wörter „aus Mobilfunknetzen“ werden ersetzt


durch die Wörter „, deren Nutzung nicht ortsgebun-
Änderung des Wertpapierhandelsgesetzes den ist,“.
In § 16b Abs. 1 Satz 3 des Wertpapierhandelsgesetzes b) Das Wort „Mobilfunkgerät“ wird durch das Wort
vom 9. September 1998 (BGBl. I S. 2708), das zuletzt durch „Endgerät“ und das Wort „Mobilfunkgerätes“ wird
… geändert worden ist, wird die Angabe „gemäß § 101“ jeweils durch das Wort „Endgerätes“ ersetzt.
durch die Wörter „entsprechend § 101 Abs. 4 und 5“ ersetzt.
5. In § 11 Satz 1 wird nach der Angabe „§ 10 Satz 1
und 3,“ die Angabe „§ 12 Abs. 2 Satz 1,“ eingefügt.
Artikel 12 6. In § 12 Abs. 2 Satz 1 werden die Wörter „vorab per
Telefax oder auf gesichertem elektronischen Weg“
Änderung des Gesetzes über die Anwendung durch die Wörter „auf gesichertem elektronischem Weg
unmittelbaren Zwanges und die Ausübung oder vorab per Telefax“ ersetzt.
besonderer Befugnisse durch Soldaten
7. In § 19 Abs. 3 Satz 2 Halbsatz 2 wird die Angabe „§ 21
der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte oder“ gestrichen.
sowie zivile Wachpersonen
8. § 21 wird aufgehoben.
In § 7 Abs. 2 Satz 2 des Gesetzes über die Anwendung
unmittelbaren Zwanges und die Ausübung besonderer Be- 9. In der Überschrift von § 22 wird das Wort „Sonstige“
fugnisse durch Soldaten der Bundeswehr und verbündeter gestrichen.
Streitkräfte sowie zivile Wachpersonen vom 12. August 10. § 25 und die Anlage zu § 25 werden aufgehoben.
1965 (BGBl. I S. 796), das zuletzt durch … geändert worden
ist, wird die Angabe „§§ 96, 97 und 110“ durch die Angabe 11. In § 27 Abs. 8 Satz 1 werden die Wörter „§§ 15 und 21
„§§ 96, 97 und 110 Abs. 1 und 2“ ersetzt. Abs. 4 Nr. 1 entsprechend“ durch die Wörter „§ 15 ent-
sprechend mit der von § 12 Abs. 1 Satz 1 bis 3 und
Abs. 3 Satz 1 abweichenden Maßgabe, dass der Ver-
Artikel 13 pflichtete innerhalb seiner üblichen Geschäftszeiten je-
derzeit über das Vorliegen einer Anordnung und die
Änderung der Telekommunikations- Dringlichkeit ihrer Umsetzung benachrichtigt werden
Überwachungsverordnung kann, er eine Anordnung entgegennehmen und Rück-
fragen zu einzelnen noch nicht abgeschlossenen Über-
Die Telekommunikations-Überwachungsverordnung in wachungsmaßnahmen entgegennehmen kann“ ersetzt.
der Fassung der Bekanntmachung vom 3. November 2005
(BGBl. I S. 3136, 3149), zuletzt geändert durch …, wird wie
folgt geändert: Artikel 14
1. § 1 wird wie folgt geändert: Änderung des Gesetzes zur Änderung
der Strafprozessordnung
a) In Nummer 8 wird der Punkt am Ende durch das Wort
„und“ ersetzt. Artikel 2 und Artikel 4 Satz 2 des Gesetzes zur Änderung
der Strafprozessordnung vom 20. Dezember 2001 (BGBl. I
b) Es wird folgende Nummer 9 angefügt: S. 3879), zuletzt geändert durch …, werden aufgehoben.
„9. die Anforderungen an das Übermittlungsverfah-
ren und das Datenformat für Auskunftsersuchen
über Verkehrsdaten und der zugehörigen Ergeb- Artikel 15
nisse.“ Zitiergebot
c) Nummer 8 wird aufgehoben und die bisherige Num- Durch die Artikel 1 und 2 dieses Gesetzes werden das
mer 9 wird zu Nummer 8. Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10 des
2. § 3 Abs. 2 wird wie folgt geändert: Grundgesetzes) eingeschränkt.

a) In Satz 1 Nr. 5 wird die Angabe „1 000“ durch die


Angabe „10 000“ ersetzt. Artikel 16
b) Nach Satz 2 wird folgender Satz eingefügt: Inkrafttreten, Außerkrafttreten
„Satz 1 Nr. 1 und 2 gilt nicht im Hinblick auf Vorkeh- (1) Dieses Gesetz tritt vorbehaltlich der Absätze 2 und 3
rungen zur Erfüllung der Verpflichtung aus § 110 am 1. Januar 2008 in Kraft.
Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a des Telekommunikationsgeset- (2) Artikel 2 Nr. 3 Buchstabe c und Artikel 13 Nr. 1
zes.“ Buchstabe c und Nr. 10 treten am 1. Januar 2009 in Kraft.
3. In § 4 Abs. 2 Satz 3 werden die Wörter „Die §§ 21 und 22 (3) Artikel 14 tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
sind“ durch die Angabe „§ 22 ist“ ersetzt.
(4) § 12 des Einführungsgesetzes zur Strafprozessord-
4. § 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 wird wie folgt geändert: nung tritt mit Ablauf des 31. Dezembers 2009 außer Kraft.
Drucksache 16/5846 – 22 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Begründung

A. Allgemeiner Teil solche Beschränkung der sorgfältigen Abwägung und beson-


deren Legitimation (vgl. BVerfGE 33, 367, 383; BVerfG,
I. 1 BvR 77/96 vom 22. August 2000, NStZ 2001, 43 ff.). Der
Der Entwurf verfolgt das Ziel, das Recht der verdeckten Gesetzgeber ist weder gehalten noch steht es ihm frei, ein-
strafprozessualen Ermittlungsmaßnahmen zu harmonisieren zelnen Lebensbereichen den absoluten Vorrang vor wich-
und entsprechend den Vorgaben des Bundesverfassungsge- tigen Gemeinschaftsgütern einzuräumen. Er hat bei dieser
richts rechtsstaatlich auszugestalten. Hierzu sollen der Abwägung die Erfordernisse einer rechtsstaatlichen Rechts-
Rechtsschutz der von solchen Maßnahmen Betroffenen ge- pflege zu berücksichtigen, deren Aufgabe es ist, in den ihr
stärkt, bestehende Unsicherheiten und Lücken bei der gesetzten Grenzen Gerechtigkeit und Rechtsfrieden zu
Rechtsanwendung beseitigt und das Recht der verdeckten schaffen. Beides ist ohne Kenntnis der maßgeblichen Tatsa-
Ermittlungsmaßnahmen insgesamt transparenter und da- chen nicht denkbar (vgl. dazu allgemein Neumann, ZStW
durch auch praktikabler gestaltet werden. 1989, 52 ff.; Kroepil, JZ 1998, 135 f.; Stock, in: FS für Mez-
ger, S. 429, 433, 446 f.; Weigend, ZStW 2001, 271, 277,
Der Gesetzgeber hat mit dem Gesetz zur Umsetzung des 279; Rieß, in: Löwe/Rosenberg, StPO, 25. Aufl., Einl. G,
Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 3. März 2004 Rn. 43). Insoweit ist den unabweisbaren Bedürfnissen einer
(akustische Wohnraumüberwachung) vom 24. Juni 2005 wirksamen Strafrechtspflege Rechnung zu tragen und die
(BGBl. I S. 1841) die rechtsstaatliche Ausgestaltung der möglichst umfassende Wahrheitsermittlung ein wesentliches
Wohnraumüberwachung im Lichte des Artikels 13 GG ent- Ziel des Strafverfahrens. Die Verfolgung insbesondere
sprechend den verfassungsrechtlichen Vorgaben ergänzt und schwerer Straftaten ist ein wichtiger Auftrag des rechtsstaat-
erweitert. Die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts lichen Gemeinwesens. Dieser Auftrag kann durch Verfah-
(BVerfGE 109, 279 ff.), die zur vorgenannten Neuregelung rensvorschriften, die der Ermittlung der Wahrheit und damit
geführt hatten, sind – entgegen einer verbreiteten Auffas- einem gerechten Urteil entgegenstehen, empfindlich berührt
sung im Schrifttum – nicht pauschal auf andere verdeckte sein. Betroffen ist dadurch auch der Anspruch des Beschul-
Ermittlungsmaßnahmen zu übertragen (vgl. zum Verhältnis digten auf ein faires Verfahren, weil dasjenige, was der An-
von Artikel 10 GG zu Artikel 13 GG BVerfG, 1 BvR 668/04 klage entzogen ist, auch ihm entzogen ist. Allerdings darf die
vom 27. Juli 2005, Absatz-Nr. 162 f., NJW 2005, 2603, zur Wahrheitsermittlung notwendige Sachverhaltsaufklä-
2611; zur a. A.: Hirsch, in: Roggan [Hrsg.] Lauschen im rung nicht „um jeden Preis“ erfolgen (BGHSt 14, 358, 365;
Rechtsstaat. Zu den Konsequenzen des Urteils des Bundes- 31, 304, 309). Vielmehr muss das öffentliche Interesse an der
verfassungsgerichts zum großen Lauschangriff, 2004, Verfolgung von Straftaten mit den schutzwürdigen Interes-
S. 87 ff.; Leutheusser-Schnarrenberger, DuD 2005, 323, sen der von Strafverfolgungsmaßnahmen Betroffenen be-
326 f.; dies., in: Roggan, a. a. O., S. 99 ff.; Bergemann, in: reits auf der Ebene der Rechtsetzung abgewogen werden.
Roggan, a. a. O., S. 69 ff.; Baldus, in: Schaar [Hrsg.], Fol-
gerungen aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur
akustischen Wohnraumüberwachung: Staatliche Eingriffs-
befugnisse auf dem Prüfstand?, 2005, S. 9 ff.; Gusy, in: II.
Schaar, a. a. O., S. 35 ff., 48 ff.; Kutscha, NJW 2005, 20,
Einige verdeckte Ermittlungsmaßnahmen sind mit schwer-
22). Wegen der besonderen Bedeutung der Unverletzlich-
wiegenden Eingriffen in die grundrechtlich verbürgten
keit der Wohnung (Artikel 13 Abs. 1 GG) und der durch
Rechte der Betroffenen verbunden. Allerdings kennzeichnet
diese Maßnahme in besonderer Weise begründeten Gefähr-
das Kriterium der Heimlichkeit auch Ermittlungsmaßnah-
dung für den unantastbaren Kernbereich privater Lebens-
men mit geringer Eingriffsintensität, wie etwa die nach den
gestaltung kommt der akustischen Wohnraumüberwachung
§§ 161, 163 StPO zulässige kurzfristige Observation. Eine
innerhalb der verdeckten strafprozessualen Ermittlungs-
Missachtung seines Wertes als Mensch geht mit dem heim-
maßnahmen eine Sonderstellung zu, die besondere einfach-
lichen Beobachten eines Menschen nicht zwingend einher
gesetzliche Regelungen mit grundrechtssichernder Funk-
(BVerfGE 109, 279, 313). Die verdeckten Maßnahmen erfol-
tion, insbesondere zum Schutz des Kernbereichs privater
gen, ebenso wie offene Maßnahmen, deren Untersuchungs-
Lebensgestaltung, von nach den §§ 53, 53a StPO zeugnis-
zweck nicht gefährdet werden soll, ohne vorherige Anhö-
verweigerungsberechtigten Personen und von durch die
rung der Betroffenen (§ 33 StPO). Der Unterschied zu
Maßnahme erlangten personenbezogenen Daten rechtfertigt
offenen Ermittlungsmaßnahmen besteht darin, dass der Be-
(BVerfG, 1 BvR 668/04 vom 27. Juli 2005, Absatz-Nr. 162,
troffene einer verdeckten Maßnahme sich regelmäßig keiner
NJW 2005, 2603, 2611). Dies gilt auch für die hohen mate-
solchen gegenüber sieht. Darüber hinaus haben verdeckte
riellen Anordnungsvoraussetzungen der akustischen Wohn-
Ermittlungsmaßnahmen oftmals eine große „Streubreite“.
raumüberwachung und die diese absichernden Anordnungs-
So werden etwa bei Maßnahmen nach den §§ 100a, 100g
kompetenzen und Begründungspflichten.
StPO regelmäßig zahlreiche Personen in den Wirkungsbe-
Da die gesetzliche Beschränkung der Ermittlungstätigkeit reich der Maßnahme einbezogen, ohne dafür einen Anlass
die Wahrheitserforschung, die ein vorrangiges Ziel des Straf- gegeben zu haben (vgl. BVerfGE 90, 145, 172; 100, 313,
verfahrens darstellt, erheblich beeinträchtigen kann, bedarf 376, 380; 107, 299, 320 f.). Schließlich besteht bei einigen
mit Blick auf die Gewährleistung einer funktionstüchtigen verdeckten Ermittlungsmaßnahmen die Gefahr, dass ohne
Strafrechtspflege, ohne die Gerechtigkeit nicht durchgesetzt Wissen der Betroffenen in deren Kernbereich privater
werden kann (BVerfGE 33, 367, 383; 107, 299, 316), jede Lebensgestaltung eingegriffen wird (vgl. BVerfGE 109,
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 23 – Drucksache 16/5846

279 ff.; BVerfG, 1 BvR 668/04 vom 27. Juli 2005, Absatz- 1.
Nr. 152 f., NJW 2005, 2603, 2610 f.). Die Untersuchung von Albrecht, Dorsch und Krüpe zur
„Rechtswirklichkeit und Effizienz der Überwachung der Te-
Diesen Besonderheiten der verdeckten Ermittlungsmaßnah-
lekommunikation nach den §§ 100a, 100b StPO und anderer
men hat der Gesetzgeber bei der von ihm vorzunehmenden
verdeckter Ermittlungsmaßnahmen“ (2003) analysiert auf
Abwägung zwischen Allgemein- und Individualinteressen
der Grundlage einer Auswertung von 501 Strafverfahren aus
Rechnung zu tragen.
dem Jahr 1998, in denen Telekommunikationsüberwa-
chungsmaßnahmen durchgeführt wurden, sowie umfangrei-
Um eine vorbeugende Kontrolle solcher Maßnahmen durch
cher Expertenbefragungen eingehend die Praxis der Tele-
eine unabhängige Instanz zu ermöglichen, stehen die mit
kommunikationsüberwachung. Die Untersuchung belegt,
Grundrechtseingriffen von einigem Gewicht einhergehen-
dass es sich bei der Telekommunikationsüberwachung um
den verdeckten Ermittlungsmaßnahmen unter dem Vorbe-
ein wichtiges, erfolgreiches und letztlich unverzichtbares
halt gerichtlicher Anordnung. Da eine Anhörung der Be-
Mittel zur Aufklärung schwer ermittelbarer Kriminalität
troffenen vor Anordnung und Durchführung verdeckter
handelt (vgl. a. a. O., S. 355 ff.).
Ermittlungsmaßnahmen notwendig ausgeschlossen ist, ist
es zur Gewährleistung rechtlichen Gehörs (Artikel 103 Die Untersuchung zeigt aber auch Probleme und Unzuläng-
Abs. 1 GG) und eines effektiven Rechtsschutzes (Artikel 19 lichkeiten bei der Anwendung des Rechts der Telekommuni-
Abs. 4 GG) verfassungsrechtlich regelmäßig geboten, die kationsüberwachung auf, insbesondere soweit die in § 101
Betroffenen bei grundrechtsrelevanten Maßnahmen nach- Abs. 1 Satz 1 StPO vorgesehene Benachrichtigungspflicht
träglich zu benachrichtigen und ihnen die Möglichkeit betroffen ist. So konnte den Akten nur für ein Drittel der
nachträglichen Rechtsschutzes zu eröffnen. Ferner kann der überwachten Telekommunikationsanschlüsse eine Ausein-
Gesetzgeber diesen Besonderheiten dadurch begegnen, dass andersetzung mit der Frage der Benachrichtigung entnom-
er die Anordnung von verdeckten Ermittlungsmaßnahmen men werden (a. a. O., S. 276). Meinungsverschiedenheiten
nur bei Verdacht bestimmter Straftaten und unter der Vor- bestehen in der Praxis bei der Frage, welche Personen Betei-
aussetzung eines erhöhten Grades des Anfangsverdachts ligte im Sinne des § 101 Abs. 1 Satz 1 StPO und damit zu be-
zulässt. nachrichtigen sind (a. a. O., S. 451). Diese Unzulänglichkei-
ten bei der Wahrnehmung der Benachrichtigungspflicht
Aufgrund der zunehmenden technischen Möglichkeiten, auf werden auch durch eine Studie der Universität Bielefeld be-
verfügbare Daten zuzugreifen, wird durch verdeckte Ermitt- legt (Backes/Gusy, Wer kontrolliert die Telefonüberwa-
lungsmaßnahmen zudem oftmals eine Vielzahl von Daten chung?, 2003, S. 71 f.). Die Untersuchung von Albrecht,
erhoben. Da die Weitergabe und die weitere Verwendung Dorsch und Krüpe belegt auch, dass das in der Praxis beste-
solcher Daten (erneute) Eingriffe in das Recht auf informa- hende Defizit bei der Auseinandersetzung mit der Frage der
tionelle Selbstbestimmung der Betroffenen darstellen und Benachrichtigung nicht durch die Ausübung der Dienstauf-
den vorangegangenen Eingriff vertiefen können, ist es Auf- sicht behoben wird. Vielmehr begründen die bestehenden
gabe des Gesetzgebers, einfachgesetzliche Vorkehrungen zu Unsicherheiten, ob, wann und welche Personen zu benach-
schaffen, um die Zweckbindung der Daten in angemessener richtigen sind, einen gesetzgeberischen Handlungsbedarf,
Weise zu gewährleisten. um der Praxis unter Berücksichtigung der verfassungsrecht-
lichen Vorgaben die notwendige Handreichung zu geben.
Soweit diese, die verdeckten Ermittlungsmaßnahmen allge-
Der Entwurf erstreckt in Umsetzung der Rechtsprechung des
mein kennzeichnenden Aspekte betroffen sind, ergeben sich
Bundesverfassungsgerichts die Benachrichtigungspflichten
aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur
daher nicht nur auf alle eingriffsintensiven verdeckten Er-
akustischen Wohnraumüberwachung trotz der Sonderstel-
mittlungsmaßnahmen, sondern konkretisiert zugleich auch
lung dieser Maßnahme innerhalb der verdeckten Ermitt-
den Kreis der zu benachrichtigenden Personen. Damit wird
lungsmaßnahmen allgemeine Grundsätze, die unter Berück-
der nachträgliche Rechtsschutz verbessert und das Bewusst-
sichtigung der Besonderheiten der jeweiligen Maßnahme
sein der Praxis für die Benachrichtigungspflicht geschärft.
umzusetzen sind (vgl. BVerfGE 109, 279, 366 f., 374,
379 f.). Soweit hiervon Benachrichtigungspflichten (vgl. da- Durch die Untersuchung von Albrecht, Dorsch und Krüpe
zu BVerfGE 100, 313, 361 f., 364; 107, 299, 337 f.; BVerfG, wurde ferner festgestellt, dass die tatsächliche Dauer von
2 BvR 581/01 vom 12. April 2005, Absatz-Nr. 55, NJW Telekommunikationsüberwachungsmaßnahmen sich in etwa
2005, 1338, 1340; 1 BvR 668/04 vom 1. Juli 2005, Absatz- drei Viertel aller Fälle über einen Zeitraum von maximal
Nr. 159, NJW 2005, 2603, 2611) und datenschutzrechtliche zwei Monaten erstreckte (a. a. O., S. 170 f.). Der Entwurf
Regelungen (vgl. BVerfGE 69, 1, 49; 100, 313, 360, 364 f.) beschränkt daher die Anordnungsdauer der Telekommunika-
betroffen sind, entspricht diese Auffassung einer bereits ge- tionsüberwachung – und der mit ihr vergleichbaren Überwa-
festigten Rechtsprechung. chung des nichtöffentlich gesprochenen Wortes außerhalb
von Wohnungen nach § 100f StPO-E – auf die Dauer von
zwei Monaten; Verlängerungen der Anordnung sind eben-
falls für die Dauer von jeweils zwei Monaten zulässig.
III.
Ausgehend von den Erkenntnissen der Untersuchung, die die
Der Entwurf berücksichtigt die Erkenntnisse der zur Vorbe- Telekommunikationsüberwachung als ein wichtiges und
reitung der Neuregelung des Rechts der verdeckten strafpro- unabdingbares Ermittlungsinstrument insbesondere im Be-
zessualen Ermittlungsmaßnahmen in Auftrag gegebenen reich der opferlosen (Transaktions-)Kriminalität hervorhebt
rechtswissenschaftlichen und rechtstatsächlichen Untersu- (a. a. O., S. 463), wird der Anlasstatenkatalog des § 100a
chungen. StPO unter Berücksichtigung der Vorgaben des Bundesver-
Drucksache 16/5846 – 24 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

fassungsgerichts (vgl. BVerfGE 107, 299, 322; 109, 279, wurden bereits im Rahmen der Neuregelung der akustischen
346; BVerfG, 1 BvR 668/04 vom 27. Juli 2005, Absatz- Wohnraumüberwachung durch das Gesetz zur Umsetzung
Nr. 154, NJW 2005, 2603, 2610 f.) einer umfassenden Be- des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 3. März
arbeitung unterzogen. 2004 (akustische Wohnraumüberwachung) vom 24. Juni
2005 (BGBl. I S. 1841) berücksichtigt.
Die weitgehende Harmonisierung der formellen Anord-
nungsvoraussetzungen für verdeckte Maßnahmen sowie die
neu gefasste Regelung in § 162 StPO-E über die Konzentra- 3.
tion der örtlichen Zuständigkeit des Ermittlungsgerichts am a) Die von Wolter und Schenke zusammengestellte Text-
Sitz der Staatsanwaltschaft dienen der von der Untersuchung sammlung „Zeugnisverweigerungsrechte bei (verdeck-
nahe gelegten Stärkung der mit dem Richtervorbehalt be- ten) Ermittlungsmaßnahmen“ (2002) versammelt die
zweckten rechtsstaatlichen Kontrolle (a. a. O., S. 467). vom Arbeitskreis Strafprozessrecht und Polizeirecht bei
Nicht gefolgt wird der Untersuchung hingegen, soweit dort dem Mannheimer Institut für deutsches und europäi-
als zusätzliche Kontrollmechanismen die Einbindung eines sches Strafprozessrecht und Polizeirecht erarbeiteten Er-
Rechtsanwalts als „Ombudsmann“ und die Einrichtung einer gebnisse zu dem vom Bundesministerium der Justiz in
Kontrollkommission in Erwägung gezogen wird (a. a. O., Auftrag gegebenen Forschungsprojekt „Informationser-
S. 468 f.). Dies erscheint schon deshalb nicht geboten, weil hebung und Verwertung durch Vernehmung, Auskunft
die Staatsanwaltschaft die Interessen aller Beteiligten aus und heimliche Ermittlungsmaßnahmen“. Ziel dieses
ihrer neutralen Stellung als Wächterin des Gesetzes, die da- Forschungsprojekts war die Erarbeitung eines stimmi-
hin zu wirken hat, dass dem Gesetz genüge getan wird, zu gen Gesamtkonzepts im Bereich der verdeckten Ermitt-
berücksichtigen hat. Die Umsetzung beider Vorschläge er- lungsmaßnahmen, das sowohl den von den Zeugnisver-
scheint darüber hinaus auch im Hinblick auf das Ziel einer weigerungsrechten geschützten Interessen als auch den
Stärkung der unabhängigen Kontrolle durch das Ermitt- Belangen einer wirksamen Strafverfolgung besser als
lungsgericht nicht geboten und wäre zudem mit hohem Kos- die geltende Rechtslage Rechnung trägt. Der vom Ar-
ten- und Personalaufwand verbunden. Es ist indessen eine beitskreis erarbeitete Regelungsvorschlag sieht ein Be-
der wichtigsten und vornehmsten – wie von den Landesjus- weiserhebungs- und -verwertungsverbot für verdeckte
tizverwaltungen übermittelte Stellungnahmen aus der Praxis Ermittlungsmaßnahmen vor, durch die Informationen er-
gezeigt haben, allerdings oftmals nicht oder zumindest nicht langt würden, auf die sich die Zeugnisverweigerungs-
erfolgreich wahrgenommenen – Aufgaben der obersten Jus- rechte der Verteidiger, Abgeordneten und Pressemitar-
tizverwaltungen, dafür Sorge zu tragen, dass die zur Ge- beiter einschließlich der jeweiligen Berufshelfer (§ 53a
währleistung eines effektiven Rechtsschutzes notwendigen StPO) erstrecken, und ein Beweisverwertungsverbot für
sächlichen und personellen Ressourcen bereitgestellt sind solche Erkenntnisse, auf die sich die Zeugnisverweige-
(BVerfGE 2, 176, 179; 100, 313, 401; 103, 142, 152; 105, rungsrechte der Geistlichen, Rechtsanwälte, Ärzte und
239, 248; 109, 279, 358; BVerfG, 2 BvR 1737/05 vom der anderen in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 bis 3b StPO ge-
29. November 2005, Absatz-Nr. 43). nannten Personen, ebenfalls einschließlich der jeweili-
gen Berufshelfer, erstrecken. Erkenntnisse, die durch das
Ebenfalls nicht gefolgt wird der Untersuchung, soweit dort Zeugnisverweigerungsrecht naher Angehöriger gemäß
besondere gesetzliche Regelungen für eine auch „proaktive“ § 52 StPO geschützt sind, sollen nach dem Vorschlag
Ausgestaltung der Telekommunikationsüberwachung etwa entsprechend einer besonderen Verhältnismäßigkeitsab-
in Fällen der Transaktionskriminalität in Erwägung gezogen wägung verwertet werden dürfen.
werden (a. a. O., S. 465 f.). Ein „begleitender“ Einsatz der
Telekommunikationsüberwachung ist in diesen Fällen im b) Die Thematik der gesetzlichen Grenzen von Ermittlungs-
Rahmen des Strafprozessrechts dadurch gewährleistet, dass maßnahmen, insbesondere wenn diese ohne Wissen der
auch Straftaten, durch die eine Anlasstat im Sinne des § 100a Betroffenen durchgeführt werden, ist in der Rechtswis-
Abs. 2 StPO-E vorbereitet wird, als Anlasstaten in Betracht senschaft seit langem überaus umstritten (vgl. etwa Be-
kommen (§ 100a Abs. 1 Nr. 1 StPO-E) und zudem einige ling, Die Beweisverbote als Grenzen der Wahrheitserfor-
Anlasstaten tatbestandlich so ausgestaltet sind, dass sie be- schung im Strafprozess, 1903; Grünwald, JZ 1966,
reits im Vorfeld der eigentlichen Rechtsgutsverletzung ein- 489 ff.; Otto, GA 1970, 290 ff.; Sydow, Kritik der Lehre
greifen. Darüber hinaus ist ein rechtstatsächliches Bedürfnis von den Beweisverboten, 1976; Dencker, Verwertungs-
zur Ermöglichung der Telekommunikationsüberwachung verbote im Strafprozess, 1977; Rengier, Die Zeugnisver-
auch zur Vorsorge für die Verfolgung künftiger Straftaten weigerungsrechte im geltenden und künftigen Strafver-
bislang nicht hinreichend dargetan; der Entwurf sieht daher fahrensrecht, 1979; Rogall, ZStW 91 [1979], 1 ff.;
bewusst davon ab, in diesem Bereich eine Telekommunika- Amelung, Informationsbeherrschungsrechte im Strafpro-
tionsüberwachung zu ermöglichen. zess, 1990; Fezer, Grundfragen der Beweisverwertungs-
verbote, 1995; Görtz-Leible, Die Beschlagnahmeverbote
des § 97 Abs. 1 StPO im Lichte der Zeugnisverweige-
2.
rungsrechte, 2000). Die Analyse der Literatur zeigt, dass
Die durch die Untersuchung von Meyer-Wieck zur „Rechts- es der Rechtswissenschaft bisher nicht gelungen ist, eine
wirklichkeit und Effizienz der akustischen Wohnraumüber- praktikable und in sich schlüssige Dogmatik dieser Gren-
wachung („großer Lauschangriff“) nach § 100c I Nr. 3 zen zu entwickeln. Die Rechtsprechung folgt insoweit
StPO“ (2004) erlangten Erkenntnisse, die sich teilweise mit dem Grundsatz, dass zwischen dem öffentlichen Inte-
denen von Albrecht/Dorsch/Krüpe decken, insbesondere resse an der Strafverfolgung und den schutzwürdigen In-
soweit Defizite bei der Benachrichtigung Betroffener fest- teressen der von Strafverfolgungsmaßnahmen Betroffe-
gestellt werden (a. a. O., S. 79, 252 ff., 268 ff., 275 f., 365), nen im Einzelfall eine Abwägung vorzunehmen ist (so
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 25 – Drucksache 16/5846

genannte Abwägungslehre, vgl. Krekeler/Löffelmann, scheidung zur akustischen Wohnraumüberwachung


Anwaltskommentar zur StPO, Einleitung, Rn. 140 ff.; (a. a. O., Rn. 148) mit Blick auf die Menschenwürde
Meyer-Goßner, StPO, 49. Aufl., Einl., Rn. 55a). hinsichtlich des seelsorgerischen Gesprächs mit einem
Geistlichen sowie des Gesprächs mit dem Verteidiger
Ferner hat das Bundesverfassungsgericht entschieden,
angenommen. Dem trägt das Erhebungs- und Verwer-
dass sich ein genereller Vorrang der schutzwürdigen
tungsverbot in § 53b Abs. 1 StPO-E Rechnung.
Interessen zeugnisverweigerungsberechtigter Personen,
etwa von Pressemitarbeitern, gegenüber dem Strafver- ● Einbezogen in dieses absolute Erhebungs- und Ver-
folgungsinteresse verfassungsrechtlich nicht begründen wertungsverbot werden auch die Parlamentsabgeord-
lässt, sondern insofern eine Abwägung im Einzelfall vor- neten. Deren Zeugnisverweigerungsrecht weist zwar
zunehmen ist (BVerfGE 107, 299, 332). Insbesondere sei nach den Darlegungen des Bundesverfassungsge-
den Zeugnisverweigerungsrechten der Presseangehöri- richts keinen unmittelbaren Bezug zu dem aus der
gen und der Abgeordneten kein unmittelbarer Bezug zum Menschenwürde resultierenden Kernbereich privater
Kernbereich privater Lebensgestaltung eigen, sondern Lebensgestaltung auf. Die Kommunikation mit Ab-
werde um der Funktionsfähigkeit der Institutionen willen geordneten unter einen besonderen, Erhebungen
und nicht wegen des Persönlichkeitsschutzes des Be- ohne Billigung des Abgeordneten ausschließenden
schuldigten gewährt (BVerfGE 109, 279, 323). Schutz zu stellen, rechtfertigt sich indessen aus
Artikel 47 GG, der für diese Berufsgruppe ein Zeug-
c) Vor dem Hintergrund dieser Rechtsprechung wird der nisverweigerungsrecht und ein dieses flankierendes
Vorschlag des Arbeitskreises nicht umfassend der verfas- Beschlagnahmeverbot ausdrücklich vorgibt. Sind
sungsrechtlich gebotenen Flexibilität einer gesetzlichen aber bereits diese offenen Ermittlungsmaßnahmen
Regelung zum Ausgleich der widerstreitenden Interessen gegenüber Abgeordneten von deren Einverständnis
gerecht. Vielmehr ist bei der Schaffung von Regelungen, (Nichtausübung des Zeugnisverweigerungsrechts)
die die Ermittlung des wahren Sachverhalts gefährden abhängig, so spricht der damit vom Grundgesetzge-
und damit zu ungerechten – weil materiell unrichtigen – ber intendierte weitreichende Schutz der Abgeordne-
Verfahrensergebnissen führen können, besondere Zu- ten dafür, auch andere, insbesondere verdeckte Er-
rückhaltung geboten. Die wirksame Strafverfolgung, das mittlungsmaßnahmen zu untersagen, soweit das
Interesse an einer umfassenden Wahrheitsermittlung und Zeugnisverweigerungsrecht der Abgeordneten reicht.
die Aufklärung von schweren Straftaten ist wesentlicher
Auftrag des Rechtsstaates. Der Gesetzgeber hat daher bei ● Hinsichtlich der übrigen Berufsgeheimnisträger, de-
der Prüfung der Gewährung eines absoluten Vorrangs nen § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 bis 3b und Nr. 5 StPO
bestimmter Interessen gegenüber anderen wichtigen Ge- ein Zeugnisverweigerungsrecht zubilligt, sieht § 53b
meinschaftsgütern den Erfordernissen einer an rechts- Abs. 2 StPO-E ein relatives Beweiserhebungs- und
staatlichen Garantien ausgerichteten Rechtspflege Rech- -verwertungsverbot vor, dessen Reichweite im Ein-
nung zu tragen. Auch können Regelungen, die die zelfall durch eine Verhältnismäßigkeitsprüfung zu
Wahrheitsermittlung beschränken, nicht nur die Interes- bestimmen ist; dies erfordert eine Abwägung der
sen des rechtsstaatlichen Gemeinwesens, sondern auch widerstreitenden Interessen im konkreten Fall.
das Recht des Beschuldigten auf ein faires, rechtsstaat- ● Berufshelfer (§ 53a StPO) werden durch § 53b Abs. 3
liches Verfahren beeinträchtigen, weil die aufgrund von StPO-E in diese Regelungen in Akzessorietät zum je-
Erhebungs- und Verwertungsverboten nicht verfügbaren weiligen Berufsgeheimnisträger einbezogen.
Erkenntnisse nicht nur der Anklage sondern auch der
Verteidigung entzogen sind. Zeugnisverweigerungs- ● § 53b Abs. 4 Satz 1 StPO-E stellt klar, dass diese
rechte und Ermittlungsverbote beschränken mithin die Schutzregelungen keine Anwendung finden, wenn
Möglichkeit des Beschuldigten, einen gegen ihn erhobe- die zeugnisverweigerungsberechtigte Person in die
nen Verdacht auszuräumen. Beweiserhebungs- und -ver- aufzuklärende Straftat verstrickt und deshalb ein Er-
wertungsverbote stellen damit Ausnahmen von der mittlungsverfahren gegen sie eingeleitet ist. In An-
Pflicht zur umfassenden Aufklärung der materiellen sehung der Presseangehörigen findet diese Verstri-
Wahrheit dar und begründen die Gefahr unrichtiger Ent- ckungsregelung bei Straftaten, die nur auf Antrag
scheidungen. Die Begründung solcher Ausnahmen be- oder Ermächtigung verfolgbar sind, nur Anwendung,
darf stets einer Legitimation, die vor dem Rechtsstaats- wenn der Strafantrag gestellt bzw. die Ermächtigung
prinzip bestand hat (BVerfGE 33, 367, 383; vgl. auch erteilt ist (vgl. § 53b Abs. 4 Satz 2 StPO-E). Damit
Löffelmann, ZStW 118 [2006], S. 358, 373 f.). wird dem rechtspolitischen Willen Rechnung getra-
gen, den institutionellen Schutz der Presse im Verfah-
d) Der Entwurf verfolgt daher mit der Einfügung eines rensrecht nochmals weiter auszubauen.
neuen § 53b StPO-E ein sich zwar systematisch an den
● Die Neuregelung des § 53b StPO-E ist schließlich
Vorschlag des Arbeitskreises anlehnendes, inhaltlich
– anders als der Vorschlag des Arbeitskreises – nicht
hiervon aber zum Teil deutlich abweichendes Konzept
auf den Bereich der verdeckten Ermittlungsmaßnah-
der Begründung von Erhebungs- und Verwertungsver-
men beschränkt, sondern gilt grundsätzlich bei allen
boten bei zeugnisverweigerungsberechtigten Berufsge-
Ermittlungsmaßnahmen. Denn für eine Differenzie-
heimnisträgern:
rung zwischen verdeckten und offenen Ermittlungs-
● Ein umfassendes – absolutes – Erhebungs- und Ver- maßnahmen sind insoweit keine durchgreifenden
wertungsverbot ist nur gerechtfertigt, wenn ein ent- tragfähigen Gründe erkennbar. Eine Ausnahme hier-
sprechend absolut geschützter Belang dies fordert. von ergibt sich lediglich aus § 53b Abs. 5 StPO-E, der
Dies hat das Bundesverfassungsgericht in seiner Ent- klarstellt, dass die im geltenden Recht speziell nor-
Drucksache 16/5846 – 26 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

mierten besonderen Erhebungsverbote im Bereich der Verkehrsdaten nicht durch das Fernmeldegeheimnis nach
Beschlagnahme und der akustischen Wohnraumüber- Artikel 10 Abs. 1 GG, sondern durch das Recht auf infor-
wachung (§§ 97, 100c Abs. 6 StPO) unberührt blei- mationelle Selbstbestimmung nach Artikel 2 Abs. 1
ben, § 53b StPO-E also zugunsten dieser spezielleren i. V. m. Artikel 1 Abs. 1 GG geschützt werden (BVerfG,
Regelungen insoweit keine Anwendung findet. Auch 2 BvR 2099/04 vom 2. März 2006, Absatz-Nr. 72 =
bleibt das von der Neuregelung in § 53b StPO-E vor- BVerfGE 115, 166 ff.). In diesem Zusammenhang ist
ausgesetzte Recht zur Zeugnisverweigerung nach den ferner festzuhalten, dass sich auch die Erhebung und die
§§ 53, 53a StPO – selbstverständlich – unberührt; ins- ggf. zwangsweise Sicherstellung von Bestands- und Nut-
besondere werden die Zeugnisverweigerungsrechte zungsdaten bei Telemediendiensten im Strafverfahren
der in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 bis 3b und Nr. 5 StPO nach den allgemeinen Bestimmungen richten, es insoweit
genannten Berufsgeheimnisträger nicht durch die Re- also keiner speziellen gesetzlichen Regelung bedarf, wie
gelung in § 53b Abs. 2 StPO-E relativiert, sondern sie sich etwa für die Befugnisse des Bundesamtes für
bleiben im vollen Umfang erhalten. Entsprechendes Verfassungsschutz in § 8a BVerfSchG findet.
gilt, soweit das Gesetz den zur Zeugnisverweigerung
Berechtigten die Möglichkeit einräumt, die Maßnah- ● In der Praxis besteht gelegentlich auch Unsicherheit, wel-
men aufgrund des Zeugnisverweigerungsrechts zu ches Gericht für Überwachungs- und Auskunftsanord-
verweigern, wie dies in § 81c Abs. 3 Satz 1 StPO der nungen zuständig ist, wenn ein Anbieter von Tele-
Fall ist. kommunikationsdiensten an einem anderen Ort als dem
Sitz der Gesellschaft eine Niederlassung oder Abteilung
errichtet, die die Überwachungsmaßnahme technisch
umsetzt. Der Entwurf löst dieses Problem durch die
IV. Konzentrationsregelung des § 162 Abs. 1 StPO-E, die
Der Entwurf zielt auch auf die Behebung von Unsicherhei- zugleich eine Spezialisierung in der ermittlungsgericht-
ten, die in der Rechtsanwendung beim Einsatz verdeckter Er- lichen Tätigkeit fördert und damit eine gesteigerte Effek-
mittlungsmaßnahmen aufgetreten sind. tivität der mit dem Richtervorbehalt bezweckten rechts-
staatlichen Kontrolle erwarten lässt.
● Schwierigkeiten bereitet der Praxis etwa, dass die Aus-
kunftsanordnung über Verkehrsdaten nach § 100h Abs. 1 ● Unsicherheiten bestanden in der Praxis auch bei der
Satz 1 StPO sowie die Anordnung der Telekommunikati- Frage, ob die Auskunft über den Inhaber einer dynami-
onsüberwachung nach den §§ 100a, 100b StPO den schen IP-Adresse auf ein Auskunftsersuchen nach den
Namen und die Anschrift der Person, gegen die sie sich §§ 161, 163 StPO i. V. m. § 113 TKG gestützt werden
richtet, enthalten muss, was bei namentlich noch nicht kann oder nur nach Maßgabe der §§ 100g, 100h StPO zu
genau bekannten Beschuldigten nicht möglich ist. Der erlangen ist. Es wurde deshalb erwogen, dieser Unsicher-
Entwurf trägt dieser Problematik Rechnung, indem er heit durch eine klarstellende Regelung in § 113 TKG zu
diese Angaben nur noch verlangt, soweit dies möglich ist, begegnen. Dies erscheint jedoch aufgrund der inzwi-
die Angaben also bekannt sind (§ 100b Abs. 2 Satz 2 schen gefestigten und zutreffenden Rechtsprechung, die
Nr. 1 StPO-E). zur Anwendbarkeit des § 113 TKG gelangt, nicht mehr
erforderlich (vgl. LG Stuttgart, MMR 2005, 628 ff.;
● Durch die in § 100b Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StPO-E aufge- MMR 2005, 624 ff.; LG Hamburg, MMR 2005, 711; LG
nommene Anknüpfung auch an die Endgerätekennung Würzburg, NStZ-RR 2006, 46; LG Hechingen, Be-
wird die – bisher umstrittene, in § 23b Abs. 4 Satz 2 Nr. 2 schluss vom 19. April 2005 – 1 Qs 41/05; vgl. auch zum
des Zollfahndungsdienstgesetzes (ZFdG) vom Gesetz- österreichischen Recht: OGH, ZUM RD 2006, 59; a. A.
geber indessen bereits grundsätzlich bejahte – Zulässig- – soweit ersichtlich – nur noch LG Bonn, DuD 2005,
keit der „IMEI1-gestützten“ Telekommunikationsüber- 832 ff.). Dem folgt ein Teil der Literatur (vgl. Löffel-
wachung klargestellt. mann, AnwBl 2006, 598, 601; Meyer-Goßner, a. a. O.,
§100g, Rn. 4; Sankol, MMR 2006, 361, 365; im Ergebnis
● Zu zeitweise erheblicher Unsicherheit, nach welchen
auch Seitz, Strafverfolgungsmaßnahmen im Internet,
Vorschriften bei der Beschlagnahme von Datenträgern,
2004, S. 96 ff.). Soweit in der Literatur teilweise die ge-
auf denen Verkehrsdaten gespeichert sind, verfahren wer-
genteilige Auffassung vertreten wird (vgl. Bär, MMR
den muss, hat der Beschluss des Bundesverfassungsge-
2005, 626 f., und Gercke, CR 2005, 598 ff., jeweils in
richts vom 4. Februar 2005 – 2 BvR 308/04 – geführt
Anmerkungen zu den vorgenannten Beschlüssen des LG
(vgl. NJW 2005, 1637 ff.). Der Entwurf stellt in § 100g
Stuttgart; Gnirck/Lichtenberg, DuD 2004, 598; Köbele,
Abs. 3 StPO-E für die Zulässigkeit der Erhebung solcher
DuD 2004, 609), überzeugen die dafür vorgebrachten
Daten die Anwendbarkeit der allgemeinen Vorschriften
Gründe nicht.
klar. Neben den allgemeinen Befugnisregelungen in den
§§ 161, 163 StPO kommen somit für eine zwangsweise ● Dass für die Auskunft über Bestandsdaten zu einer stati-
Sicherstellung insbesondere die §§ 94 ff. StPO zur An- schen IP-Adresse die Regelungen der §§ 111 ff. TKG
wendung. Dies entspricht auch den verfassungsrecht- i. V. m. den in § 161 Abs. 1 Satz 1 und § 163 StPO ent-
lichen Vorgaben, wie sich aus dem inzwischen ergange- haltenen allgemeinen Befugnissen der Strafverfolgungs-
nen Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 2. März behörden einschlägig sind, entspricht allgemeiner Auf-
2006, 2 BvR 2099/04, ergibt, wonach die im Herrschafts- fassung. Für die Auskunft über Bestandsdaten zu einer
bereich des Kommunikationsteilnehmers gespeicherten dynamischen IP-Adresse gilt indessen nichts anderes.
Maßgebend ist, dass entsprechende Auskunftsersuchen
1 MEI = International Mobile Equipment Identity. der Strafverfolgungsbehörden allein auf die Mitteilung
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 27 – Drucksache 16/5846

der den Regelungen der §§ 111 ff. TKG unterfallenden auf vom Zugangsgerät (z. B. Personal Computer) räum-
Bestandsdaten gerichtet sind und nicht auf die Erhebung lich getrennte Teile eines Computersystems (z. B. Netz-
von – bei Stellung des Auskunftsersuchens den Strafver- werkrechner im Intra- oder Internet) erfolgen soll und die
folgungsbehörden notwendigerweise bereits bekannten – Gefahr besteht, dass bis zur physischen Beschlagnahme
Verkehrsdaten, die in besonderer Weise von Artikel 10 des Datenträgers beweisrelevante Daten gelöscht wer-
GG geschützt sind. Der Umstand, dass der zur Auskunft den. Artikel 19 Abs. 2 des Übereinkommens verpflichtet
verpflichtete Dienstleister zur Erfüllung des Auskunfts- die Vertragsparteien daher auch, die erforderlichen ge-
anspruchs bei dynamischen IP-Adressen regelmäßig an- setzgeberischen Maßnahmen zu treffen, um sicherzustel-
hand interner Verkehrsdatenaufzeichnungen eine Zuord- len, dass ihre Behörden eine Durchsuchung oder einen
nung zu einer Kundenkennung vornehmen und sodann ähnlichen Zugriff schnell auf ein weiteres Computersys-
anhand dieser den Namen und die Anschrift des Kunden tem ausdehnen können, wenn sie ein bestimmtes Compu-
aus den Bestandsdaten recherchieren und beauskunften tersystem oder einen Teil davon durchsuchen oder in ähn-
muss, ändert nichts daran, dass die Strafverfolgungsbe- licher Weise darauf Zugriff nehmen und Grund zu der
hörden insoweit lediglich ein Bestandsdatum erheben. Annahme haben, dass die gesuchten Daten in einem an-
Dies hat der Gesetzgeber bereits bei der Einfügung der deren Computersystem oder einem Teil davon in ihrem
§§ 100g, 100h StPO in der 14. Legislaturperiode klar Hoheitsgebiet gespeichert sind, und diese Daten von dem
zum Ausdruck gebracht, indem er darauf hingewiesen ersten System aus rechtmäßig zugänglich oder verfügbar
hat, dass sich Auskünfte über den Namen der „hinter sind. In diesem Zusammenhang sieht Artikel 32 des
einer“ IP- oder E-Mail-Adresse stehenden Person nach Übereinkommens unter den dort genannten Vorausset-
den Regelungen des Telekommunikationsgesetzes über zungen vor, dass die Durchsuchung auch auf zugängliche
die Bestandsdatenabfrage richten (vgl. Bundestagsdruck- Daten im Ausland erstreckt werden kann.
sache 14/7008, S. 7). Der Bundesrat hat sich diese Auf-
fassung in seiner Stellungnahme zum Entwurf eines Ge- Da die Möglichkeit, die Durchsuchung auf weitere Com-
setzes zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten putersysteme auszudehnen, im geltenden Recht noch
des geistigen Eigentums inhaltlich zu Eigen gemacht nicht verankert ist (vgl. Bär, a. a. O., S. 217 ff.; Germann,
(Bundesratsdrucksache 64/07 [Beschluss] S. 7 ff.). a. a. O., S. 544 f.; Matzky, Zugriff auf EDV im Strafpro-
zess, 1999, S. 238), erlaubt § 110 Abs. 3 StPO-E die
Durchsicht elektronischer Datenträger auf räumlich ge-
V. trennte Speichereinheiten, auf die der Betroffene Zugriff
zu gewähren berechtigt ist, zu erstrecken und Daten, die
Der Entwurf verfolgt auch das Ziel, die das Strafverfahrens- für die Untersuchung von Bedeutung sein können, zu
recht betreffenden Vorgaben des von Deutschland am speichern, wenn bis zur Sicherstellung der räumlich ge-
23. November 2001 unterzeichneten Übereinkommens des trennten Datenträger ihr Verlust zu besorgen ist.
Europarats über Computerkriminalität (Nr. 185 der Samm-
lung der Europäischen Verträge [SEV]) in das nationale ● Im Zusammenhang mit der von Artikel 17 des Überein-
Recht umzusetzen. kommens angesprochenen beschleunigten Sicherung von
● Artikel 16 Abs. 1 des Übereinkommens verpflichtet die Verkehrsdaten ist ferner problematisch, dass die zur Er-
Vertragsparteien, die erforderlichen gesetzgeberischen teilung einer Auskunft nach den §§ 100g, 100h StPO be-
Maßnahmen zu treffen, damit ihre zuständigen Behörden nötigten Daten derzeit oftmals entweder überhaupt nicht
die beschleunigte Sicherung bestimmter Computerdaten gespeichert werden oder mitunter bereits gelöscht sind,
einschließlich Verkehrsdaten, die mittels eines Compu- bevor eine gerichtliche Auskunftsanordnung erwirkt
tersystems gespeichert wurden, anordnen oder in ähn- werden kann. Es ist daher fraglich, ob die grundsätzlich
licher Weise bewirken können, insbesondere wenn Grund notwendige gerichtliche Anordnung der Auskunftsertei-
zu der Annahme besteht, dass bei diesen Computerdaten lung die von Artikel 17 i. V. m. Artikel 16 Abs. 1 des
eine besondere Gefahr des Verlusts oder der Veränderung Übereinkommens geforderte beschleunigte Sicherung
besteht. von Verkehrsdaten in ausreichender Weise zulässt (vgl.
Gercke, CR 2004, 782, 790; ders., MMR 2004, 801, 802).
Die Beschlagnahme von Computerdaten erfolgt nach Um einen Verlust der benötigten Daten zu vermeiden und
deutschem Strafverfahrensrecht durch Beschlagnahme rechtsstaatlichen Bedenken gegen die verbreitet prakti-
der Datenträger, auf denen die Daten gespeichert sind zierte informelle telefonische Kontaktaufnahme durch
(vgl. Schäfer, in: Löwe/Rosenberg, StPO, 25. Aufl., § 94, die Strafverfolgungsbehörden mit den Diensteanbietern
Rn. 14, 27 f.; Meyer-Goßner, a. a. O., § 94, Rn. 4; Nack, mit der Bitte um vorläufige Sicherung der benötigten Da-
in: Karlsruher Kommentar zur StPO, 5. Aufl., § 94, ten (vgl. Gercke, MMR 2004, 801, 802) zu begegnen,
Rn. 4; Bär, Der Zugriff auf Computerdaten im Strafver- wurde zunächst erwogen, in § 100g StPO-E die zur
fahren, 1992, 246 ff.; Germann, Gefahrenabwehr und Beauskunftung Verpflichteten auch zu verpflichten, die
Strafverfolgung im Internet, 2000, 533 ff.; Gercke, MMR von ihnen erhobenen Verkehrsdaten aufgrund einer
2004, 801, 805). Die von Artikel 16 Abs. 1 des Überein- polizeilichen oder staatsanwaltschaftlichen Anordnung
kommens geforderte Ermöglichung einer beschleunigten für die Dauer von einer Woche bereitzuhalten, wenn die
Sicherung gespeicherter Computerdaten kann zwar im Strafverfolgungsbehörden die Beantragung einer gericht-
deutschen Recht bei Gefahr im Verzug durch eine Be- lichen Anordnung zur Erhebung der Daten ankündigen.
schlagnahmeanordnung der Staatsanwaltschaft und ihrer Dies hat sich indessen aufgrund der Richtlinie 2006/24/
Ermittlungspersonen nach § 98 Abs. 1 Satz 1 StPO erfol- EG über die „Vorratsspeicherung“ von Verkehrsdaten als
gen. Problematisch ist dies allerdings, wenn ein Zugriff entbehrlich erwiesen (vgl. dazu nachfolgend unter VI.).
Drucksache 16/5846 – 28 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

● Die Artikel 16 und 17 des Übereinkommens zielen gene- grundsätzlich so auszugestalten, dass auch die Echtzeit-
rell auf die Sicherung gespeicherter Computer- und Ver- erhebung dieser Daten unter den Voraussetzungen des
kehrsdaten für die Verwendung in Strafverfahren. Eine § 100g StPO möglich ist. Dies wird regelungstechnisch
Beschränkung der Auskunftspflicht auf Stellen, die Tele- insbesondere durch die weitgehende Bezugnahme in
kommunikationsdienste geschäftsmäßig erbringen, wie § 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E auf § 100b StPO-E erreicht.
bisher in § 100g Abs. 1 Satz 1 StPO geregelt, sehen die
Die Erhebung von Standortdaten in Echtzeit soll aller-
Vorschriften nur unter der Vorbehaltsmöglichkeit von
dings – bei Vorliegen der weiteren Anordnungsvorausset-
Artikel 16 Abs. 4 i. V. m. Artikel 14 Abs. 3 Buchstabe b
zungen – wegen der damit verbundenen Möglichkeit, ein
des Übereinkommens vor, also nur, soweit die Erhebung
aktuelles Bewegungsbild des Betroffenen zu erstellen,
von Verkehrsdaten in Echtzeit betroffen ist. Der Entwurf
lediglich bei einer Straftat von auch im Einzelfall erheb-
erweitert daher den Anwendungsbereich des § 100g
licher Bedeutung, nicht jedoch bei sämtlichen mittels
StPO auf alle Personen und Stellen, die in den Übermitt-
Telekommunikation begangenen Straftaten zulässig sein.
lungsvorgang eingeschaltet sind, unabhängig davon, ob
Dies wird in § 100g Abs. 1 Satz 3 StPO-E klargestellt.
sie entsprechende Dienste geschäftsmäßig erbringen.
Ein Abweichen von den Vorgaben des Artikels 20 des
● Artikel 20 Abs. 1 Buchstabe a des Übereinkommens ver- Übereinkommens des Europarats über Computerkrimi-
pflichtet die Vertragsparteien schließlich, die erforder- nalität ist damit nicht verbunden. Denn danach ist die
lichen gesetzgeberischen Maßnahmen zu treffen, um die Echtzeiterhebung nur bei solchen Verkehrsdaten geboten,
Erhebung von solchen Verkehrsdaten in Echtzeit zu er- die das Übereinkommen in Artikel 1 Buchstabe d als
möglichen, die „mit bestimmten in ihrem Hoheitsgebiet Verkehrsdaten definiert. Von der dortigen Definition sind
mittels eines Computersystems übermittelten Kommuni- aber die Standortdaten nicht erfasst.
kationen in Zusammenhang stehen“. Eine Beschränkung
der Echtzeiterhebung auf bestimmte Straftaten ist in
Artikel 20 des Übereinkommens nicht vorgesehen, wäre VI.
aber aufgrund der Vorbehaltsmöglichkeit nach Artikel 20 Schließlich dient der Entwurf der Umsetzung der Richtlinie
Abs. 4 i. V. m. Artikel 14 Abs. 3 Buchstabe a des Über- 2006/24/EG des Europäischen Parlaments und des Rates
einkommens möglich. Die bislang geltende deutsche Re- vom 15. März 2006 über die Vorratsspeicherung von Daten,
gelung einer Gleichbehandlung der Echtzeiterhebung die bei der Bereitstellung öffentlich zugänglicher elektro-
von Verkehrsdaten und Daten über den Inhalt einer Tele- nischer Kommunikationsdienste oder öffentlicher Kommu-
kommunikation nach Maßgabe des § 100a StPO würde nikationsnetze erzeugt oder verarbeitet werden, und zur
zugleich die äußerste Grenze eines nach Artikel 14 Änderung der Richtlinie 2002/58/EG (ABl. EU Nr. L 105
Abs. 3 Buchstabe b des Übereinkommens zulässigen S. 54 ff.).
Vorbehalts darstellen. Eine Echtzeiterhebung von Ver-
kehrsdaten ist nach dem Übereinkommen also jedenfalls
1.
für solche Straftaten vorzusehen, für die auch eine inhalt-
liche Überwachung der Telekommunikation erlaubt ist, Die wesentlichen Eckpunkte der Richtlinie sind wie folgt zu
mithin für alle Katalogstraftaten des § 100a StPO. beschreiben:
Allerdings haben sich die Vertragsparteien in Artikel 14 Nach ihrem Artikel 1 Abs. 1 dient die Richtlinie zunächst
Abs. 2 Satz 5 des Übereinkommens verpflichtet, die der Harmonisierung der Vorschriften über die obligatorische
Möglichkeit zu prüfen, einen solchen Vorbehalt zu be- Speicherung von Verkehrsdaten in den Mitgliedstaaten und
schränken, damit die Erhebung von Verkehrsdaten in bezweckt zugleich, die Verfügbarkeit dieser Daten für Straf-
Echtzeit im weitest möglichen Umfang angewendet wer- verfolgungszwecke sicherzustellen.
den kann. Diese Prüfung hat ergeben: Gemäß Artikel 3 Abs. 1 der Richtlinie haben die Mitglied-
staaten dafür Sorge zu tragen, dass die in Artikel 5 Abs. 1 der
Eine im Sinne der Vorbehaltsoption mögliche – eine
Richtlinie im Einzelnen bestimmten Arten von Daten ohne
effektive Strafverfolgung freilich beeinträchtigende –
einzelfallbezogenen Anlass („auf Vorrat“) gespeichert wer-
Beschränkung der Echtzeiterhebung von Verkehrsdaten
den, soweit sie von den Diensteanbietern bei der Bereit-
entsprechend den Regelungen zur Erhebung von Inhalts-
stellung ihrer Telekommunikationsdienste erzeugt oder ver-
daten im Sinne des § 100a StPO ist nach deutschem
arbeitet werden. Nach Artikel 6 der Richtlinie ist eine
Recht aufgrund der unterschiedlichen Eingriffsintensität
Speicherungsdauer von mindestens sechs und höchstens
beider Maßnahmen verfassungsrechtlich nicht geboten.
24 Monaten vorzusehen. Artikel 5 Abs. 2 der Richtlinie
Die bereits bisher in § 100g Abs. 1 StPO enthaltenen
stellt klar, dass Daten, die Aufschluss über den Inhalt der
– und zumal die aufgrund des gegenständlichen Entwurfs
Kommunikation geben, nach dieser Richtlinie nicht gespei-
hinzukommenden – materiellen Beschränkungen der
chert werden dürfen.
Erlangung von Verkehrsdaten gewährleisten vielmehr
auch hinsichtlich der Erhebung von Verkehrsdaten in Aus der Beschreibung des Speicherungszwecks in Artikel 1
Echtzeit eine ausreichende Begrenzung der Maßnahme. Abs. 1 der Richtlinie folgt zugleich, dass eine Verwendung
Hinzu kommt, dass durch die Harmonisierung des § 100g der nach Maßgabe der Richtlinie gespeicherten Daten für die
StPO-E mit den Verfahrensregelungen in den §§ 100b, dort genannten Strafverfolgungszwecke zulässig ist. Zu der
101 StPO-E auch bei der Erhebung von Verkehrsdaten Frage, ob diese Daten zu weiteren Zwecken sollen Verwen-
der Rechtsschutz Betroffener gegenüber der bisherigen dung finden dürfen, verhält sich die Richtlinie bewusst nicht.
Rechtslage verbessert wird. Es ist deshalb sinnvoll und Artikel 11 der Richtlinie i. V. m. Artikel 15 Abs. 1 der
sachgerecht, die Befugnis zur Verkehrsdatenerhebung Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 29 – Drucksache 16/5846

(2002/58/EG) bringt vielmehr zum Ausdruck, dass die sel für bestimmte abweichende Rechtsvorschriften in den
Richtlinie insoweit keine abschließende Regelung darstellt Mitgliedstaaten führe nicht zu einer anderen Bewertung, da
und die „auf Vorrat“ gespeicherten Daten daher – in den sie als Ausnahmeregelung restriktiv auszulegen sei und
Grenzen von Artikel 15 Abs. 1 der Richtlinie 2002/58/EG – grundsätzlich nur abweichende Regelungen im Einzelfall
für weitere Zwecke verwendet werden dürfen. Unabhängig zulasse. Dass die einzelnen Mitgliedstaaten teils keinerlei,
von der Frage der zulässigen Verwendungszwecke verpflich- teils sehr unterschiedliche Speicherungsvorschriften für Ver-
tet Artikel 4 der Richtlinie die Mitgliedstaaten zur Schaffung kehrsdaten erlassen hätten, beeinträchtige den Binnenmarkt
angemessener Vorschriften über die Weitergabe der und den für elektronische Kommunikation, da die zumeist grenz-
Zugang zu den nach Maßgabe der Richtlinie gespeicherten überschreitend tätigen Diensteanbieter mit unterschiedlichen
Daten. Rechtsvorschriften konfrontiert seien. Ein Rechtsinstrument
zur Einführung EU-weit einheitlicher Speicherungspflichten
Die Artikel 7 und 13 der Richtlinie machen Vorgaben zu
diene der Harmonisierung dieser unterschiedlichen Rechts-
Datenschutz und Datensicherheit sowie zu Rechtsbehelfen,
regime und fördere damit das Funktionieren des Binnen-
Haftung und Sanktionen, die weitgehend der geltenden
marktes. Somit sei ein solches Rechtsinstrument auf Arti-
Rechtslage entsprechen und deren Geltung auch im Zusam-
kel 95 des EG-Vertrages zu stützen und im Verfahren der
menhang mit den nach Maßgabe der Richtlinie zu speichern-
Mitentscheidung des Europäischen Parlaments nach Arti-
den Daten klarstellen.
kel 251 des EG-Vertrages zu erlassen. Diese Ansicht wurde
Artikel 10 der Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, der zuletzt auch von allen Mitgliedstaaten (mit Ausnahme
Kommission jährlich eine Statistik mit in Artikel 10 im Ein- Irlands und der Slowakei) vertreten.
zelnen beschriebenen Angaben zu übermitteln. Die Angaben
sollen einfließen in die von der Kommission nach Artikel 14 Auch die Bundesregierung vermochte sich den dargelegten
der Richtlinie bis zum 15. September 2010 vorzulegende Be- Erwägungen letztlich nicht zu verschließen, zumal ihre zu-
wertung der Anwendung der Richtlinie sowie ihrer Auswir- nächst – in Übereinstimmung mit dem Deutschen Bundestag
kungen auf Wirtschaft und Verbraucher. Diese Bewertung und dem Bundesrat – vertretene gegenteilige Haltung durch
soll der Feststellung etwa erforderlicher Änderungen der das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 13. Septem-
Richtlinie insbesondere aufgrund fortschreitender Entwick- ber 2005 (Rs. C-176/03), durch das der Rahmenbeschluss
lungen in der Telekommunikationstechnologie dienen. des Rates über den Schutz der Umwelt durch das Strafrecht
für nichtig erklärt worden war, weil er in die der Gemein-
schaft übertragenen Zuständigkeiten übergegriffen habe, er-
2. heblich geschwächt wurde. Vor diesem Hintergrund hat die
Die Frage, auf welche Rechtsgrundlage ein Instrument der Bundesregierung der Richtlinie beim Ministerrat für Justiz
EU zur Einführung von Speicherungspflichten für Verkehrs- und Inneres am 21. Februar 2006 zugestimmt, nachdem sie
daten zu stützen ist, war Gegenstand kontroverser Diskus- hierzu durch Beschluss des Deutschen Bundestages vom
sionen während der Beratungen auf europäischer Ebene und 16. Februar 2006 (Bundestagsdrucksache 16/545, S. 4) auf-
in den Mitgliedstaaten und wird bis heute unterschiedlich be- gefordert worden war.
urteilt. Sowohl der von Frankreich, Schweden, Irland und
Großbritannien am 28. April 2004 vorgelegte und zunächst 3.
beratene Entwurf für einen Rahmenbeschluss, der auf die
Artikel 31 und 34 des Vertrages über die Europäische Union Die zur Umsetzung der Richtlinie erforderlichen Rechtsvor-
(EU-Vertrag) gestützt war, als auch der Kommissionsvor- schriften sind nach Artikel 15 Abs. 1 Satz 1 der Richtlinie
schlag für eine auf Artikel 95 des Vertrages zur Gründung hinsichtlich der Verkehrsdaten aus den Bereichen der Fest-
der Europäischen Gemeinschaft (EG-Vertrag) gestützte netz- und der Mobilfunktelefonie bis zum 15. September
Richtlinie vom 21. September 2005 war dem Einwand einer 2007 in Kraft zu setzen. Betreffend die Speicherungspflich-
verfehlten Rechtsgrundlagenwahl ausgesetzt. ten für Verkehrsdaten aus dem Bereich des Internets hat sich
Deutschland – neben 15 weiteren Mitgliedstaaten – die von
Die juristischen Dienste der Kommission und des Rates ver- Artikel 15 Abs. 3 der Richtlinie eingeräumte Möglichkeit
traten in ihren gutachterlichen Stellungnahmen vom vorbehalten, das Inkrafttreten insoweit bis zum 15. März
22. März 2005 bzw. 5. April 2005 übereinstimmend die Auf- 2009 aufzuschieben.
fassung, dass es sich bei der Einführung von Speicherungs-
pflichten für Verkehrsdaten um eine gemeinschaftsrechtliche Diese zeitlichen Vorgaben sind unabhängig von den Erfolgs-
Angelegenheit handele, die nicht Gegenstand eines Rahmen- aussichten der von Irland unter dem 5. Juli 2006 gegen die
beschlusses in der „Dritten Säule“ der EU (Titel VI des EU- Richtlinie beim Europäischen Gerichtshof erhobenen Nich-
Vertrages über die polizeiliche und justizielle Zusammenar- tigkeitsklage (Rs. C-301/06) zu beachten. Der verschiedent-
beit in Strafsachen) sein könne. Zur Begründung wurde im lich geforderte Aufschub der Umsetzung bis zur Entschei-
Wesentlichen angeführt, dass der Umgang mit Verkehrsda- dung des Europäischen Gerichtshofs in der vorgenannten
ten bereits in Artikel 6 Abs. 1 der Datenschutzrichtlinie für Rechtssache kommt schon aus rechtlichen Gründen nicht in
elektronische Kommunikation (2002/58/EG) geregelt sei, Betracht, da der erhobenen Nichtigkeitsklage gemäß
der grundsätzlich eine Löschung oder Anonymisierung der Artikel 242 Satz 1 des EG-Vertrages eine aufschiebende
Daten vorsehe. Ein Rechtsinstrument, das die Mitgliedstaa- Wirkung nicht zukommt. Die anhängige Klage entbindet die
ten zum Erlass von Regelungen zur Speicherung dieser Da- Mitgliedstaaten mithin nicht von ihrer aus Artikel 249 des
ten verpflichte, berühre diese Vorschrift und sei somit nach EG-Vertrages folgenden Pflicht zur Umsetzung der Richt-
Artikel 47 des EU-Vertrages in der „Dritten Säule“ unzuläs- linie und rechtfertigt nicht einen Verstoß gegen das Gemein-
sig. Auch die in Artikel 15 Abs. 1 der Datenschutzrichtlinie schaftsrecht. Hinzu kommt, dass der Deutsche Bundestag
für elektronische Kommunikation enthaltene Öffnungsklau- die Bundesregierung in seinem Beschluss vom 16. Februar
Drucksache 16/5846 – 30 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

2006 (Bundestagsdrucksache 16/545, S. 4) aufgefordert hat, verbindungen). Zudem werden auch in vergleichbaren Fall-
alsbald den Entwurf eines Umsetzungsgesetzes vorzulegen. gestaltungen etwa erforderliche Investitionsaufwendungen
zur Erfüllung von Speicherungspflichten (etwa nach § 9 des
4. Geldwäschegesetzes) nicht erstattet. Überdies wäre eine
Entschädigung mit erheblichen praktischen Problemen ver-
Der vorliegende Entwurf berücksichtigt die Forderungen des bunden, weil kaum zuverlässig festzustellen sein wird, in
Deutschen Bundestages, hinsichtlich der Speicherungsdauer welcher Höhe ein konkreter Investitionsbedarf allein durch
und der erfassten Datenarten keine über die Mindestvorga- die Einführung der Speicherungspflichten ausgelöst wurde,
ben der Richtlinie hinausgehenden Regelungen vorzusehen zumal gerade die Telekommunikationsbranche von einer be-
und die Verwendung der gespeicherten Daten für Strafver- sonders dynamischen Entwicklung auch der Anlagen- und
folgungszwecke nur bei erheblichen oder mittels Telekom- Systemtechnik geprägt ist. Hinzu kommt, dass die Dien-
munikation begangenen Straftaten zuzulassen (Bundestags- steanbieter für die Inanspruchnahme im Zuge hoheitlicher
drucksache 16/545, S. 4). Nach Maßgabe dieser Forderun- Ermittlungsmaßnahmen im Einzelfall nach dem Justizvergü-
gen setzt Artikel 2 dieses Entwurfs (Änderungen des TKG) tungs- und -entschädigungsgesetz entschädigt werden.
die Vorgaben der Richtlinie im Wesentlichen wie folgt um:
Die Bestimmung der von den Diensteanbietern nach § 113a Schließlich ist im Bundesministerium der Justiz derzeit – wie
Abs. 2 bis 4 TKG-E zu speichernden Datenarten beschränkt vom Deutschen Bundestag in seinem Beschluss vom
sich auf die Vorgaben des Artikels 5 Abs. 1 der Richtlinie. 16. Februar 2006 (Bundestagsdrucksache 16/545, S. 4) ge-
fordert – eine Überarbeitung der Vorschriften des Justizver-
Eine Pflicht zur Speicherung dieser Daten auch im Falle „er- gütungs- und -entschädigungsgesetzes (JVEG) über die Ent-
folgloser Anrufversuche“ i. S. v. Artikel 3 Abs. 2, Artikel 2 schädigung der Diensteanbieter für die Inanspruchnahme im
Abs. 2 Buchstabe f der Richtlinie besteht nach § 113a Abs. 5 Zuge hoheitlicher Ermittlungsmaßnahmen in Aussicht ge-
TKG-E lediglich, soweit diese Daten von den Diensteanbie- nommen, die insbesondere auch eine Vereinfachung der Ent-
tern ohnehin für die in § 96 Abs. 2 TKG genannten Zwecke schädigungsberechnung und -abrechnung einführen soll;
gespeichert oder protokolliert werden. Nach § 113a Abs. 2 auch dies dürfte die administrativen Aufwände sowohl der
Nr. 4 Buchstabe c TKG-E werden nur die Standortdaten des Diensteanbieter als auch der Bedarfsträger verringern und
anrufenden und des angerufenen Anschlusses bei Beginn der damit zur Kostenvermeidung beitragen. Auch werden zur-
Mobilfunkverbindung zu speichern sein. zeit zwischen den Bedarfsträgern und den Diensteanbietern
Gemäß § 113a Abs. 8 TKG-E dürfen der Inhalt der Kommu- – unter Einbeziehung der Bundesregierung – weitere Mög-
nikation und Daten über aufgerufene Internetseiten aufgrund lichkeiten zur Vereinheitlichung und Vereinfachung der Aus-
der vorstehenden Speicherungsregelungen nicht gespeichert kunftsverfahren diskutiert, deren Realisierung eine Reduzie-
werden. rung des Aufwands für die Diensteanbieter erwarten ließe
und deren Entwicklung zunächst abzuwarten bleibt.
§ 113a Abs. 1 Satz 1 TKG-E sieht eine Speicherungsdauer
von sechs Monaten vor.
5.
Die Verwendung der gespeicherten Verkehrsdaten ist nach
§ 113b Satz 1 TKG-E für die Zwecke der Strafverfolgung, Die Umsetzung der Richtlinie ist in der Ausgestaltung des
der Abwehr erheblicher Gefahren für die öffentliche Sicher- vorliegenden Entwurfs verfassungsrechtlich zulässig. Die
heit sowie der Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Einführung gesetzlicher Vorschriften zur obligatorischen
Nachrichtendienste zulässig. Strafverfolgungsbehörden kön- Speicherung von Verkehrsdaten durch die Diensteanbieter
nen nach § 100g Abs. 1 StPO-E (i. V. m. § 100b Abs. 3 greift zwar in das Fernmeldegeheimnis der Telekommunika-
StPO-E) von den Diensteanbietern Auskunft über gespei- tionsnutzer nach Artikel 10 Abs. 1 GG und in die Berufs-
cherte Verkehrsdaten zur Verfolgung von Straftaten von auch ausübungsfreiheit der Anbieter der Telekommunikations-
im Einzelfall erheblicher Bedeutung sowie zur Verfolgung dienste nach Artikel 12 Abs. 1 GG ein. Diese Grundrechte
von mittels Telekommunikation begangenen Straftaten ver- sind jedoch nicht vorbehaltlos gewährleistet. Ihre gesetz-
langen, wobei § 100g Abs. 1 Satz 2 StPO-E die Verwendung liche Einschränkung ist zur Verfolgung vernünftiger Ge-
der Daten für die letztgenannte Fallgruppe durch eine enge meinwohlbelange zulässig, wenn hierbei insbesondere die
Subsidiaritätsklausel einschränkt und zudem betont, dass die Grenzen der Verhältnismäßigkeit gewahrt werden, also die
Datenerhebung in einem angemessenen Verhältnis zur Be- einschränkende gesetzliche Regelung zur Erreichung des
deutung der Sache stehen muss. angestrebten Zwecks geeignet und erforderlich ist und die
Eine Entschädigung der Diensteanbieter für mit der Erfül- Schwere der Einbuße an grundrechtlich geschützter Freiheit
lung der Speicherungspflichten etwa verbundene Investi- nicht außer Verhältnis zu den Gemeinwohlbelangen steht,
tionsaufwendungen sieht der Entwurf nicht vor. Dies ent- denen die Grundrechtsbeschränkung dient.
spricht der bisherigen Rechtslage nach § 110 Abs. 9 Satz 2 Die gesetzliche Pflicht zur Speicherung bestimmter Ver-
TKG, an der festgehalten werden soll. Die zu erwartenden kehrsdaten durch die Diensteanbieter bezweckt insbesonde-
Investitionskosten werden voraussichtlich nicht so erheblich re die Gewährleistung einer wirksamen Strafverfolgung und
sein, wie im Zuge der Beratungen der Richtlinie zunächst zu verfolgt damit einen vernünftigen Gemeinwohlbelang.
befürchten war, insbesondere da besonders kostenträchtige
Speicherungsvorgaben auf europäischer Ebene verhindert Sie ist zur Erreichung dieses Zwecks auch geeignet, da sie
werden konnten (z. B. Speicherung „erfolgloser Anrufversu- sicherstellt, dass die relevanten Verkehrsdaten für einen be-
che“, auch wenn diese von den Diensteanbietern bisher nicht stimmten Zeitraum für Strafverfolgungszwecke verfügbar
gespeichert oder protokolliert werden; Speicherung von sind, auch wenn sie von den Diensteanbietern für geschäft-
Standortdaten auch während und am Ende von Mobilfunk- liche Zwecke nicht oder nicht mehr benötigt werden. Die
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 31 – Drucksache 16/5846

Möglichkeit, auf vorhandene Verkehrsdaten zuzugreifen, ist Im Rahmen der gebotenen Gesamtabwägung ist hinsichtlich
für eine wirksame Strafverfolgung von großer Wichtigkeit des Eingriffs in das Fernmeldegeheimnis der Telekommuni-
(vgl. Seitz, Strafverfolgungsmaßnahmen im Internet, 2004, kationsnutzer zu berücksichtigen, dass Verkehrsdaten einen
S. 147; Breyer, Die systematische Aufzeichnung und Vorhal- besonders schutzwürdigen Aussagegehalt haben, da sie im
tung von Telekommunikations-Verkehrsdaten für staatliche Einzelfall erhebliche Rückschlüsse auf das Kommunika-
Zwecke in Deutschland, 2005, S. 9 f. u. passim; Zöller, in: tions- und Bewegungsverhalten der Telekommunikations-
FG für Hilger, S. 291, 304 f.; Welp, GA 2002, 535, 536 f.; nutzer zulassen (vgl. BVerfG, 2 BvR 2099/04 vom 2. März
Wohlers/Demko, StV 2003, 241; Wolter, in: Systematischer 2006, Absatz-Nr. 92 = BVerfGE 115, 166 ff.). Hinzu
Kommentar zur StPO, § 100g, Rn. 5). Dies ist auch in der kommt, dass die Datenspeicherung unabhängig von einem
Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts anerkannt im Einzelfall bestehenden Tatverdacht erfolgt und eine un-
(vgl. BVerfG, 2 BvR 2099/04 vom 2. März 2006, Absatz- bestimmte Vielzahl von Personen erfasst. Hinsichtlich des
Nr. 103 = BVerfGE 115, 166 ff.; BVerfGE 107, 299, 316). Eingriffs in die Berufsausübungsfreiheit der betroffenen
Die Befugnis der Strafverfolgungsbehörden, Auskunft von Diensteanbieter ist festzustellen, dass die Umsetzung der
Diensteanbietern über gespeicherte Verkehrsdaten zu verlan- gesetzlichen Speicherungspflichten voraussichtlich mit Be-
gen, hat sich in vielen Kriminalitätsbereichen als wichtiges lastungen verbunden sein wird, wenn auch seitens der Tele-
Ermittlungsinstrument erwiesen; zur Aufdeckung komple- kommunikationswirtschaft konkrete, detaillierte und nach-
xer Täterstrukturen, wie sie gerade für den internationalen vollziehbare, mithin für die Bundesregierung belastbare
Terrorismus und die organisierte Kriminalität kennzeich- Angaben zu den tatsächlich zu erwartenden Kosten nicht
nend sind, und zur Aufklärung von mittels Telekommunika- vorgelegt wurden.
tion begangenen Straftaten ist die Kenntnis von Verkehrs- Auf der anderen Seite kommt der Gewährleistung einer
daten inzwischen weithin unverzichtbar. wirksamen Strafverfolgung eine hohe Bedeutung zu. Das
Bundesverfassungsgericht hat wiederholt die unabweisbaren
Die Einführung der „Vorratsdatenspeicherung“ ist auch er- Bedürfnisse einer wirksamen Strafverfolgung hervorgeho-
forderlich, da weniger eingriffsintensive Mittel nicht in ben, das öffentliche Interesse an einer möglichst vollständi-
gleicher Weise zur Erreichung des angestrebten Zwecks ge- gen Wahrheitsermittlung im Strafverfahren betont und die
eignet sind. Dies gilt namentlich für die als Alternative ge- wirksame Aufklärung gerade schwerer Straftaten als einen
legentlich angeführte einzelfallbezogene Aufbewahrungs- wesentlichen Auftrag eines rechtsstaatlichen Gemeinwesens
anordnung, wie sie für eine besondere Fallgestaltung bereits bezeichnet (vgl. nur BVerfG, 2 BvR 2099/04 vom 2. März
in § 16b Abs. 1 Satz 1 des Wertpapierhandelsgesetzes gere- 2006, Absatz-Nr. 98 = BVerfGE 115, 166 ff.; BVerfGE 100,
gelt ist („Quick Freeze“, vgl. hierzu Artikel-29-Daten- 313, 388 f.; 107, 299, 316). Zur Erfüllung dieses Auftrags
schutzgruppe, Stellungnahme 4/2005 vom 21. Oktober leistet die gesicherte Verfügbarkeit von Verkehrsdaten für
2005, S. 7; Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bun- Strafverfolgungszwecke einen wichtigen, in einigen Delikts-
destages, WD 3 – 282/06, S. 12; Bäumler, DuD 2001, 348, bereichen (insbesondere zur Aufklärung komplexer Täter-
351; Alvaro, RDV 2005, 47, 48; Büllingen, DuD 2005, 349, strukturen und bei mittels Telekommunikation begangenen
351). Die gesetzliche Regelung einer solchen Aufbewah- Straftaten) unverzichtbaren Beitrag.
rungsanordnung im Einzelfall, die die Diensteanbieter ver- Im Rahmen der Gesamtabwägung ist auch erheblich, dass
pflichtet, gespeicherte Verkehrsdaten nicht zu löschen, ist bei den Verhandlungen auf europäischer Ebene eine Begren-
nicht in gleicher Weise zur Förderung einer wirksamen zung der Speicherungspflichten auf das aus Strafverfol-
Strafverfolgung geeignet (so auch Seitz, a. a. O., S. 242; gungssicht unverzichtbare Minimum erreicht und zunächst
Breyer, a. a. O., S. 346). Das „schnelle Einfrieren“ der be- geforderte weitergehende Regelungen insbesondere im Be-
nötigten Verkehrsdaten durch die Diensteanbieter „auf reich des Internets und der Mobilfunktelefonie verhindert
Zuruf“ der Strafverfolgungsbehörden geht notwendig ins werden konnten und dass die innerstaatlich vorgesehenen
Leere, wenn die relevanten Verkehrsdaten vom Dienste- Speicherungspflichten lediglich der Umsetzung dieser Min-
anbieter überhaupt nicht gespeichert oder zwischenzeitlich destvorgaben dienen. Speziell im Hinblick auf den Eingriff
bereits gelöscht wurden und daher nicht gesichert werden in das Fernmeldegeheimnis ist überdies zu berücksichtigen,
können. Dies ist aufgrund der zunehmenden Verbreitung dass die Speicherung automatisch, also ohne eine Kenntnis-
von Pauschaltarifen, bei denen die Diensteanbieter Ver- nahme durch Personen erfolgt und dass der Zugriff auf die
kehrsdaten für Abrechnungszwecke nicht benötigen und gespeicherten Verkehrsdaten gemäß § 100g Abs. 2 Satz 1
diese daher nach geltendem Recht grundsätzlich auch nicht i. V. m. § 100b Abs. 1 StPO-E weiterhin grundsätzlich einer
speichern dürfen (vgl. LG Darmstadt, MMR 2006, 330 ff., gerichtlichen Anordnung bedarf. Schließlich ist ein Zugriff
rechtskräftig aufgrund des Beschlusses des Bundesgerichts- der Strafverfolgungsbehörden auf die nach Maßgabe von
hofs vom 26. Oktober 2006, III ZR 40/06), immer häufiger § 113a TKG-E gespeicherten Verkehrsdaten nur zulässig zur
der Fall. Auch nach Einführung der gesetzlichen Voraus- Verfolgung von Straftaten von auch im Einzelfall erheb-
setzungen für kurzfristige Aufbewahrungsanordnungen im licher Bedeutung sowie zur Verfolgung von mittels Tele-
Einzelfall hinge die Wirksamkeit einer Ermittlungsmaß- kommunikation begangenen Straftaten, wenn die Erfor-
nahme nach § 100g StPO von dem jeweils zwischen dem schung des Sachverhalts auf andere Weise ausgeschlossen
Diensteanbieter und seinem Kunden vereinbarten Entgelt- wäre und die Datenerhebung in einem angemessenen Ver-
tarif ab. hältnis zur Bedeutung der Sache steht.
Schließlich stehen die zur Umsetzung der Richtlinie vorge- Der Einführung von Speicherungspflichten für Verkehrsda-
sehenen Regelungen auch nicht außer Verhältnis zu der mit ten steht auch die verfassungsgerichtliche Rechtsprechung
ihnen angestrebten Förderung einer wirksamen Strafverfol- nicht entgegen (vgl. Seitz, a. a. O., S. 243 f.). Soweit in Ent-
gung. scheidungen des Bundesverfassungsgerichts ein „striktes
Drucksache 16/5846 – 32 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Verbot der Sammlung personenbezogener Daten auf Vorrat“ § 76 Abs. 1 GVG: „der Vorsitzende“, § 19 BDSG: „der Be-
betont wird (zuletzt BVerfG, 1 BvR 518/02 vom 4. April troffene“) erforderlich ist.
2006, Absatz-Nr. 105 = BVerfGE 115, 320 ff.), bezieht sich
dies auf die Sammlung personenbezogener Daten „auf Vor- 2.
rat zu unbestimmten oder noch nicht bestimmbaren Zwe-
cken“ (vgl. BVerfGE 65, 1, 46; 100, 313, 360). Eine solche Der Entwurf ist mit europäischem Recht vereinbar. Insbe-
Datensammlung zu unbestimmten oder noch nicht bestimm- sondere trägt er den Umsetzungsverpflichtungen aus der
baren Zwecken ist nicht Gegenstand des vorliegenden Ent- Richtlinie 2006/24/EG Rechnung.
wurfs. Die Einführung von Speicherungspflichten für Ver-
kehrsdaten soll sicherstellen, dass diese Daten für Zwecke X.
der Strafverfolgung zur Verfügung stehen.
Von dem Entwurf sind folgende kostenrelevante Auswirkun-
gen zu erwarten:
VII.
Zusammenfassend lassen sich die Eckpunkte des Entwurfs 1.
folgendermaßen kennzeichnen: Der Entwurf bezweckt die Kostenrelevante Auswirkungen für Strafverfolgungs-
behörden und Gerichte in Bund und Ländern
– Harmonisierung und Stärkung des Rechtsschutzes der
von verdeckten Ermittlungsmaßnahmen Betroffenen, Für die Strafverfolgungsbehörden und Gerichte des Bundes
und der Länder ergibt sich im Wesentlichen folgender Mehr-
– Harmonisierung und Ergänzung der Regelungen zur Ver-
bzw. Minderaufwand:
wendung von aus solchen Maßnahmen erlangten perso-
nenbezogenen Daten, – Die Regelungen in § 53b StPO-E lassen – im Hinblick
darauf, dass Berufsgeheimnisträger schon bislang nur in
– Klarstellung der Grenzen der Wahrheitserforschung und Einzelfällen von Ermittlungsmaßnahmen betroffenen
Hervorhebung der besonderen Schutzwürdigkeit von Be- werden – keinen kostenrelevanten Mehr- oder Minder-
rufsgeheimnisträgern, aufwand erwarten.
– Behebung von Unsicherheiten, die in der Rechtsanwen- – Die Änderungen zur Telekommunikationsüberwachung
dung der verdeckten Ermittlungsmaßnahmen aufgetreten in den §§ 100a, 100b StPO-E, insbesondere die Be-
sind, schränkung auf auch im Einzelfall schwere Straftaten un-
– Umsetzung der Vorgaben des Übereinkommens des ter maßvoller Modifizierung des Anlassstraftatenkata-
Europarats über Computerkriminalität und der EU-Richt- logs, lässt einen noch zielgerichteteren Einsatz dieses
linie zur „Vorratsspeicherung“ von Verkehrsdaten. Ermittlungsinstruments und damit jedenfalls keinen
Mehraufwand erwarten. Die Einbeziehung von Straftat-
Insgesamt soll durch die Neuregelung der von der Praxis
beständen nach der Abgabenordnung trägt darüber
kritisierten (vgl. Albrecht/Dorsch/Krüpe, a. a. O., S. 461)
hinaus zur Sicherung von Steuereinnahmen bei und hat
Regelungsfülle und unklaren Terminologie des betroffenen
damit eine – nicht näher quantifizierbare – positive Aus-
Rechtsbereichs unter grundsätzlicher Wahrung seiner bishe-
wirkung auf die Fiskalhaushalte. Die in § 100b Abs. 5
rigen Systematik begegnet werden.
und 6 vorgesehenen statistischen Erhebungen schreiben
Aus Anlass der Einbeziehung von Steuerstraftaten in den im Wesentlichen die derzeitige freiwillige Handhabung
Anlassstraftatenkatalog des § 100a Abs. 2 StPO-E beseitigt fest und lassen damit keine erheblichen zusätzlichen Be-
der Entwurf mit den in Artikel 3 vorgesehenen Änderungen lastungen erwarten.
der Abgabenordnung zudem Wertungswidersprüche und – Die Möglichkeiten zur Erhebung von Verkehrsdaten nach
Problemkonstellationen in den §§ 370 ff. AO. § 100g StPO(-E) wird durch die in Artikel 2 erfolgende
Umsetzung der Richtlinie zur „Vorratsspeicherung“ er-
weitert. Dies führt voraussichtlich zu vermehrten, der
VIII. Entschädigungspflicht nach § 23 JVEG unterliegenden
Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes folgt im Wesent- Auskunftsersuchen der Strafverfolgungsbehörden an
lichen aus Artikel 74 Abs. 1 Nr. 1 GG (Strafrecht, gericht- Telekommunikationsunternehmen nach § 100g StPO. In
liches Verfahren, Gerichtsverfassung) sowie Artikel 73 welchem Umfang sich hierdurch die Summe der aus den
Abs. 1 Nr. 7 GG (Telekommunikation). Haushalten von Bund und Ländern zu erbringenden Ent-
schädigungszahlungen erhöhen wird, lässt sich nicht ver-
lässlich schätzen, weil nicht bekannt ist, in wie vielen
IX. Fällen derzeit von entsprechenden Ersuchen in Ermange-
lung einer die Erfolgsaussicht der Anfrage begründenden
1.
Speicherungspflicht abgesehen wird. Bei angenomme-
Der Entwurf berücksichtigt die Vorschrift des § 1 Abs. 2 des nen zusätzlichen 10 000 Auskunftsersuchen pro Jahr er-
Bundesgleichstellungsgesetzes, der zufolge die Rechts- und gibt sich bei dem von § 23 JVEG vorgegebenen Stunden-
Verwaltungsvorschriften des Bundes die Gleichstellung von satz von maximal 17 Euro und einer angenommenen
Frauen und Männern auch sprachlich zum Ausdruck bringen Bearbeitungszeit von einer Stunde pro Auskunftsersu-
sollen. Eine geschlechterneutrale Sprache wird überall ver- chen ein Ausgabevolumen von 170 000 Euro pro Jahr,
wendet, wo nicht die Beibehaltung legal definierter Begriffe das im Hinblick auf die primäre Zuständigkeit der Länder
(vgl. § 157 StPO: „der Beschuldigte“, „der Angeklagte“; für die Strafverfolgung zum ganz überwiegenden Teil aus
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 33 – Drucksache 16/5846

den Länderhaushalten zu finanzieren sein wird. Dem ste- Wenn demgegenüber seitens der Praxis darauf hinge-
hen erhebliche Effektivitätsgewinne gegenüber, weil auf- wiesen wird, die Neuregelung in § 101 Abs. 4 StPO-E
grund der in § 113a TKG-E enthaltenen Verpflichtung bedinge einen erheblichen zusätzlichen Benachrichti-
zur Speicherung von Verkehrsdaten ergebnislos verlau- gungsaufwand, insbesondere bei Telekommunikations-
fende Auskunftsersuchen abnehmen und durch erfolgrei- überwachungsmaßnahmen, so beruht diese Einschät-
che Auskunftsersuchen alternativ in Betracht zu ziehende zung offenbar auf dem auch in der Untersuchung von
– meist aufwändigere – Ermittlungen vermieden werden Albrecht/Dorsch/Krüpe bestätigten Befund, wonach die
können. Praxis insoweit den bestehenden Benachrichtigungs-
pflichten nicht immer in der vom geltenden Recht gefor-
– Ein Mehraufwand ergibt sich aus den in § 100g Abs. 4
derten Weise Rechnung trägt. Ein etwaiger künftiger
StPO-E vorgesehenen statistischen Erhebungen. Dieser
Mehraufwand wird damit aber nicht aus der gesetzlichen
– nicht näher quantifizierbare – Mehraufwand lässt sich
Neuregelung resultieren, sondern aus einem offenbar
aufgrund der Vorgaben aus Artikel 10 der Richtlinie
nicht selten unzulänglichen Vollzug der bereits beste-
2006/24/EG nicht vermeiden.
henden gesetzlichen Vorgaben.
– Die in § 101 Abs. 3 StPO-E geregelten Kennzeichnungs-
– Der in § 101 Abs. 9 StPO-E vorgesehene nachträgliche
pflichten sind aufgrund verfassungsrechtlicher Vorgaben
Rechtsschutz schreibt die verfassungsgerichtliche Recht-
nicht zu vermeiden und können durch einfache Kenn-
sprechung fest, wonach dem durch eine eingriffsintensive
zeichnungsvermerke (z. B. Stempelaufdrucke) erfüllt
verdeckte Ermittlungsmaßnahme Betroffenen im Wege
werden. Oftmals bedarf es auch keiner besonderen Kenn-
des nachträgliches Rechtsschutzes rechtliches Gehör zu
zeichnung, weil bereits aufgrund der derzeit geübten
gewähren ist. Es handelt sich damit bei der Neuregelung
Praxis aus den zu kennzeichnenden Daten bzw. Unter-
um eine gesetzliche Klarstellung, die der insoweit immer
lagen hervorgeht, die vielfach schon jetzt in Sonderheften
wieder anzutreffenden Unsicherheiten in der instanzge-
geführt werden, dass sie aus Maßnahmen nach § 101
richtlichen Rechtsprechung zur Frage des Rechtsschutz-
Abs. 1 StPO-E herrühren. Dies wird etwa bei Aus-
bedürfnisses entgegenwirkt. Die Erfahrungen mit der seit
wertungsprotokollen aus Telekommunikationsüberwa-
1998 bestehenden Regelung zum nachträglichen Rechts-
chungsmaßnahmen regelmäßig der Fall sein.
schutz bei einer akustischen Wohnraumüberwachung las-
– Die in § 101 Abs. 4 bis 8 StPO-E in Umsetzung der ver- sen im Übrigen erwarten, dass die Betroffenen von dieser
fassungsgerichtlichen Rechtsprechung geregelten Be- Möglichkeit nur sehr zurückhaltend Gebrauch machen
nachrichtigungspflichten sind – im Vergleich zur gelten- werden. Bislang ist aus der Praxis kein Fall berichtet wor-
den Rechtslage – aufwandsneutral zu erfüllen: den, in dem ein von einer akustischen Wohnraumüber-
wachung Betroffener die nachträgliche Rechtsschutz-
Der Kreis von Maßnahmen, die Benachrichtigungs- möglichkeit ergriffen hat.
pflichten entstehen lassen, wird zwar einerseits erweitert
(Ausdehnung der Benachrichtigungspflichten auf Maß- – Die in § 110 Abs. 3 StPO-E vorgesehene Möglichkeit
nahmen nach den §§ 100h, 100i, 110a, 163e StPO-E), an- einer offenen Online-Durchsuchung effektiviert die Er-
dererseits aber auch eingeschränkt (Wegfall der Benach- mittlungen und erspart damit nicht näher quantifizier-
richtigungspflicht bei Maßnahmen nach § 81e StPO). baren Mehraufwand für alternativ in Betracht zu zie-
Nach dem geltenden § 101 Abs. 1 StPO sind von den dort hende – regelmäßig aufwändigere – alternative Ermitt-
in Bezug genommenen Maßnahmen indessen – alle – lungen.
Beteiligte(n) zu unterrichten. Dies sind beispielsweise im
– Die in § 162 Abs. 1 StPO-E vorgesehene Konzentration
Falle einer Telekommunikationsüberwachung auch all
der örtlichen Zuständigkeit des Ermittlungsgerichts för-
jene Personen, mit denen der überwachte Beschuldigte
dert dessen Spezialisierung, trägt damit zur effektiveren
telekommuniziert hat; ob die gewonnenen Erkenntnisse
Aufgabenerfüllung bei und bedingt somit einen nicht
verwertet worden sind, ist unerheblich (vgl. Meyer-
näher quantifizierbaren Minderaufwand.
Goßner, a. a. O., § 101 Rn. 2). Denn der Schutzzweck der
Benachrichtigungspflichten besteht darin, den Beteilig- In der Gesamtbetrachtung ist zu erwarten, dass die einzelnen
ten, deren vorherige Anhörung den Zweck der Maß- Mehr- und Minderaufwände sich ausgleichen, so dass die
nahme in aller Regel gefährden, wenn nicht vereiteln Neufassung der Regelungen zu verdeckten Ermittlungsmaß-
würde (§ 33 Abs. 4 Satz 1 StPO), nachträglich recht- nahmen in der Strafprozessordnung von den Strafverfol-
liches Gehör zu gewähren, um ihnen die Möglichkeit zu gungsbehörden und Gerichten voraussichtlich insgesamt
eröffnen, sich gegen diesen Eingriff zur Wehr zu setzen aufwandsneutral zu erfüllen sein wird.
(BGHSt 36, 305, 311 m. w. N.). Die Neuregelung greift
deshalb diese Verpflichtung zur Benachrichtigung jedes 2.
Beteiligten in § 101 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 StPO-E zwar auf,
regelt aber zugleich – auch für die sonstigen in § 101 Kostenrelevante Auswirkungen bei anderen öffentlichen
Abs. 4 Satz 1 StPO-E aufgeführten verdeckten Ermitt- Stellen in Bund und Ländern
lungsmaßnahmen – in § 101 Abs. 4 Satz 3 bis 5 StPO-E Durch die Änderung der Vorschriften des Telekommunika-
innerhalb des verfassungsrechtlich Zulässigen erstmals tionsgesetzes in Artikel 2 entsteht bei der Bundesnetzagen-
weitreichende und damit für die Praxis deutliche Erleich- tur sich in Sachinvestitionen und Personalkosten aufglie-
terungen mit sich bringende Ausnahmen hiervon, so dass dernder zusätzlicher Vollzugsaufwand, den das Bundes-
sich – im Vergleich zur bisherigen Gesetzeslage – wenn ministerium für Wirtschaft und Technologie wie folgt
nicht ein erheblicher Minderaufwand, so doch zumindest veranschlagt: Im Bereich des Automatisierten Auskunftsver-
eine neutrale Aufwandslage ergibt. fahrens nach § 112 TKG werden für die Erweiterung des
Drucksache 16/5846 – 34 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Systems Investitionskosten in Höhe von einer Million Euro damit den allein durch die Speicherungspflicht ausgelösten
erwartet. Gleichzeitig ist für die qualifizierte Planung und Aufwand reduzieren können.
Fortschreibung des Projektes ein personeller Bedarf von Eine belastbare nähere Quantifizierung des insgesamt für die
zwei Kräften des gehobenen Dienstes und zwei Kräften des Telekommunikationswirtschaft entstehenden zusätzlichen
mittleren Dienstes zu erwarten. Dies wird durch die Erweite- Aufwandes ist – auch im Wege einer Schätzung – angesichts
rung der Abfragemöglichkeiten um E-Mail-Adressen und des dargestellten Befundes nicht möglich.
die damit verbundene Verfünffachung der anzuschließenden
Unternehmen verursacht. Schließlich entsteht durch die Bei kleineren Unternehmen wird von der in § 3 Abs. 2 Nr. 5
Verpflichtung zur Verkehrsdatenspeicherung ein erhöhter TKÜV-E vorgesehenen Anhebung der so genannten Mar-
Kontrollaufwand im Rahmen der Aufsicht nach § 115 TKG ginaliengrenze von 1 000 auf 10 000 Teilnehmer bzw. sons-
einschließlich der Anwendung der neuen Bußgeldtatbe- tige Nutzungsberechtigte eine deutliche Entlastung aus-
stände, der zwei Stellen des höheren Dienstes mit juris- gehen. Zudem werden die betroffenen Unternehmen in
tischer Vorbildung sowie zwei Kräfte des gehobenen Diens- gewissem Maße dadurch entlastet, dass die in der Praxis auf-
tes erforderlich macht. Damit ist ein Personalkostenaufwand wändig umzusetzende Zielwahlsuche (§ 100g Abs. 2 StPO)
in Höhe von insgesamt rd. 640 000 Euro pro Jahr zu erwar- aufgrund der Regelungen über die Speicherungspflichten,
ten. die auch ankommende Anrufe einbeziehen, weitgehend ent-
behrlich wird und die bislang in § 110 Abs. 8 TKG vorgese-
Bei anderen öffentlichen Stellen werden sich nicht näher hene Verpflichtung der Unternehmen zur Erhebung und
bezifferbare unmittelbare und mittelbare Einsparungen da- Übermittlung statistischer Angaben über Anordnungen nach
durch ergeben, dass die Ermittlungsmöglichkeiten im Straf- den §§ 100a, 100b StPO aufgehoben wird, weil diese Auf-
verfahren effektiviert und damit die hohe gesamtgesell- gaben künftig aufgrund der Regelungen in § 100b Abs. 5
schaftliche Schäden verursachende Kriminalität besser be- und 6 StPO-E von öffentlichen Stellen (Strafverfolgungs-
kämpft werden kann. behörden) wahrzunehmen sind.
Während der Aufwand für die Beauskunftung von Ver-
3.
kehrsdaten nach § 23 Abs. 1 Nr. 2 JVEG entschädigt wird,
Kostenrelevante Auswirkungen auf die Kommunen sieht der Entwurf für die zur Erfüllung der Speicherungs-
Auswirkungen auf die Haushalte der Kommunen sind nicht pflichten erforderlichen Investitionen und ggf. gesteigerten
zu erwarten. Betriebskosten keine Kostenerstattung vor. Es ist daher zu
erwarten, dass die betroffenen Unternehmen diese Kosten,
die durch die vorgenannten Entlastungen voraussichtlich
4. nicht kompensiert werden, grundsätzlich bei ihrer Preisge-
Haushaltsausgaben ohne Vollzugsaufwand staltung einkalkulieren und damit gegebenenfalls auf ihre
Kunden abwälzen werden, soweit der EU-weit von der
Haushaltsausgaben ohne Vollzugsaufwand sind nicht zu er- Speicherungspflicht betroffene Telekommunikationsmarkt
warten. dies zulässt. Das Verbraucherpreisniveau im Bereich der
Telekommunikationsdienstleistungen kann daher geringfü-
5. gig steigen.
Kostenrelevante Auswirkungen für die Wirtschaft Darüber hinaus entstehen für die Wirtschaft, insbesondere
Für die von der Speicherungspflicht für Verkehrsdaten be- mittelständische Unternehmen, keine Kosten. Weitere Aus-
troffenen Unternehmen entsteht durch die Erfüllung der in wirkungen auf Einzelpreise, das allgemeine Preisniveau und
den §§ 111 und 113a TKG-E vorgesehenen Speicherungs- insbesondere das Verbraucherpreisniveau sind damit nicht
pflicht zusätzlicher Aufwand. In welchem bezifferbaren zu erwarten.
Umfang dies der Fall sein wird, konnte trotz mehrfach bei
der Telekommunikationswirtschaft angeforderten Stellung- 6.
nahmen und insoweit intensiv geführten Diskussionen nicht Künftige Neuregelung der Entschädigungspflichten
geklärt werden. In plausibler Weise dargelegt wurde im We-
Der Entwurf enthält keine Neuregelungen zur Entschädi-
sentlichen, dass der Zusatzaufwand in Abhängigkeit von der
gung der Telekommunikationsunternehmen. Eine solche
bisherigen – sehr unterschiedlichen und dem Wandel unter-
Neuregelung und die Frage ihres Standortes werden Gegen-
zogenen – Handhabung bei der Speicherung der Daten und
stand eines besonderen Gesetzgebungsverfahrens, das par-
der Unternehmensgröße verschieden groß sein wird und von
allel vorbereitet wird und mit hoher Priorität durchgeführt
einigen Tausend bis zu mehreren Hunderttausend Euro rei-
werden sollte. Der entsprechende Gesetzentwurf wird so-
chen kann. Konkrete und im Einzelnen nachvollziehbare Be-
bald wie möglich dem Parlament zur Beschlussfassung vor-
rechnungen hat die Telekommunikationswirtschaft indessen
gelegt.
nicht vorgelegt (zur Problematik nicht nachvollziehbarer
Kostenangaben im Zusammenhang mit notwendigen Um-
stellungen bei der Speicherung bzw. Löschung von Ver- B. Besonderer Teil
kehrsdaten bei Pauschaltarifen vgl. auch den Beschluss des
Bundesgerichtshofs vom 26. Oktober 2006, III ZR 40/06, Zu Artikel 1 (Änderung der Strafprozessordnung)
S. 4 ff.). Zum Teil wird die erforderliche Umstellung in der
von stetigem technischen Wandel gekennzeichneten Tele- Zu Nummer 1 (§ 53b StPO-E)
kommunikationswirtschaft im Rahmen von ohnehin regel- Die neu eingefügte Vorschrift führt ein harmonisiertes Sys-
mäßig anstehenden technischen Anpassungen erfolgen und tem zur Berücksichtigung der von den Zeugnisverweige-
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 35 – Drucksache 16/5846

rungsrechten der Berufsgeheimnisträger (§§ 53, 53a StPO) Landesverfassungen (z. B. Artikel 49 Abs. 1 VerfNW) ent-
geschützten Interessen außerhalb der Vernehmungssituation halten und schützt das mandatsbezogene Vertrauensverhält-
ein. Zur grundsätzlichen Konzeption wird auf die obigen nis zwischen dem Abgeordneten und Dritten. Dieser bereits
Ausführungen im Allgemeinen Teil der Begründung (dort verfassungsrechtlich unabhängig von Verhältnismäßigkeits-
unter A. III. 3) Bezug genommen. erwägungen im Einzelfall vorgegebene Schutz bezweckt
eine Stärkung des freien Mandats und zugleich der ungestör-
Zu Absatz 1 ten parlamentarischen Arbeit sowie daraus folgend der
Funktionsfähigkeit der Volksvertretung. Diesem Schutz die-
Absatz 1 begründet – flankiert durch Löschungs- und Doku- nen auch die Immunitätsregelungen in den Verfassungen des
mentationspflichten – ein Beweiserhebungs- und -verwer- Bundes und der Länder (vgl. z. B. Artikel 46 GG). Es er-
tungsverbot für Erkenntnisse, die vom Zeugnisverweige- scheint sachgerecht, die bereits bestehenden – letztlich de-
rungsrecht der Geistlichen (in ihrer Eigenschaft als Seelsor- klaratorischen – einfachgesetzlichen Regelungen in § 53
ger), Verteidiger und Abgeordneten (§ 53 Abs. 1 Satz 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 und § 97 Abs. 3 StPO zum Zeugnisver-
Nr. 1, 2 und 4 StPO) umfasst sind. Die Regelung übernimmt weigerungsrecht und zum Beschlagnahmeverbot bei Abge-
damit die vom Gesetzgeber bereits in § 100h Abs. 2 StPO ordneten durch das in § 53b Abs. 1 StPO-E enthaltene um-
getroffene Wertung, diese Berufsgruppen im Rahmen des fassende Erhebungs- und Verwertungsverbot zu ergänzen
ihnen zukommenden Zeugnisverweigerungsrechts in beson- und damit das einem Abgeordneten Anvertraute einem um-
derer Weise von staatlichen Ermittlungsmaßnahmen freizu- fassenden Schutz zu unterstellen (so schon auf der Grund-
stellen. Zugleich wird damit die bisherige Spezialregelung lage des geltenden Rechts im Hinblick auf die Telekommu-
in § 100h Abs. 2 StPO entbehrlich. Der damit einhergehen- nikationsüberwachung Rudolphi, in: Systematischer Kom-
de Schutz der Vertraulichkeit der Kommunikation mit die- mentar zur StPO, § 100a, Rn. 20).
sen Berufsgeheimnisträgern ist – vorbehaltlich der Ver-
strickungsregelung in Absatz 4, die auch in § 97 Abs. 2 Satz 1 regelt daher, dass Ermittlungsmaßnahmen unzulässig
Satz 3, § 100c Abs. 6 Satz 3 und § 100h Abs. 2 Satz 2 ent- sind, wenn sie sich gegen einen Verteidiger, Geistlichen oder
halten ist – absolut ausgestaltet, hängt mithin nicht von Er- Abgeordneten richten und dadurch voraussichtlich Erkennt-
wägungen zur Verhältnismäßigkeit im Einzelfall ab. Die nisse erbringen würden, über die diese Personen das Zeugnis
Kommunikation mit einem Verteidiger, einem Seelsorger verweigern dürften. Maßnahmen, die sich gegen andere Per-
oder einem Abgeordneten darf demnach, soweit die Ge- sonen – etwa einen Beschuldigten oder einen Dritten – rich-
nannten im Wirkungsbereich ihres jeweiligen Zeugnisver- ten, bleiben dagegen zulässig, und zwar auch dann, wenn
weigerungsrechts tätig werden, durch Ermittlungsmaßnah- nicht ausgeschlossen werden kann oder gar zu erwarten ist,
men gleich welcher Art nicht zielgerichtet beeinträchtigt dass möglicherweise auch die Kommunikation mit den vor-
werden. Dieser absolute Schutz ist verfassungsrechtlich ge- genannten Berufsgeheimnisträgern über vom Zeugnisver-
boten: weigerungsrecht umfasste Inhalte betroffen sein wird.
Der Gewährleistung ausreichender Verteidigungsrechte Der letztgenannten Konstellation einer zufälligen Betroffen-
kommt für die Rechtsstaatlichkeit des Strafverfahrens eine heit auch des Berufsgeheimnisträgers begegnet die Neurege-
wichtige Bedeutung zu. Die Möglichkeit, den Beistand eines lung durch das in Satz 5 durch die dortige Bezugnahme auf
Strafverteidigers in Anspruch zu nehmen, gewährleistet eine Satz 2 enthaltene Verbot der Verwertung von Erkenntnissen,
sachgerechte Wahrung der Rechte des Beschuldigten und die von dem Berufsgeheimnisträger erlangt wurden und über
trägt dazu bei, dass dieser nicht zum bloßen Objekt des Straf- die dieser das Zeugnis verweigern dürfte. Aus diesem Ver-
verfahrens wird. In diesem Sinne kommt dem Gespräch mit wertungsverbot kann sich in besonderen Einzelfällen unter
dem Verteidiger eine wichtige Funktion zur Wahrung der Anwendung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit die
Menschenwürde zu (BVerfGE 109, 279, 322). Der Kontakt Verpflichtung ergeben, die Maßnahme gegen einen Dritten
mit dem Verteidiger darf daher nach gefestigter Rechtspre- zu unterbrechen, so wenn es sich etwa um eine ausnahms-
chung nicht in einer Weise beeinträchtigt werden, die die weise in Echtzeit erfolgende Telekommunikationsüber-
Verteidigungsmöglichkeiten des Beschuldigten schmälert; wachung handelt und dabei ein Gespräch etwa als Vertei-
dasselbe gilt, soweit sich der Beschuldigte selbst Unterlagen digergespräch erkannt wird. In diesem Fall dürfen keine
zu seiner Verteidigung anfertigt (arg. ex § 148 StPO, vgl. Erkenntnisse erhoben werden, die nach dem in Satz 2 ent-
BVerfG, 2 BvR 2248/00 vom 30. Januar 2002, NJW 2002, haltenen Verwertungsverbot nicht verwertet werden dürften.
1410 f.; BGHSt 38, 372 ff.; 42, 15, 18 ff.; 42, 170 ff.; 44, 46, Eine Pflicht zur Echtzeiterhebung ergibt sich daraus indes-
48 ff.; BGHR StPO § 97 Verteidigungsunterlagen 1, 2; sen nicht und wäre auch nicht praktikabel (s. u. Begründung
BGH, 1 BJs 6/71, StB 34/73 vom 13. August 1973, NJW zu § 100a Abs. 4 StPO-E). Dieses Verwertungsverbot ge-
1973, 2035). währleistet die Vertraulichkeit der Kommunikation mit den
Gleiches gilt für Geistliche in ihrer Eigenschaft als Seelsor- genannten Berufsgeheimnisträgern im Rahmen der ihnen zu-
ger. Das Zwiegespräch mit dem Seelsorger ist dem Kernbe- stehenden Zeugnisverweigerungsrechte. Zugleich sichert es
reich privater Lebensgestaltung zuzurechnen, der dem staat- die Einhaltung des Erhebungsverbots nach Satz 1. Da aus
lichen Zugriff schlechthin entzogen ist, und bedarf daher einem Erhebungsverbot nicht notwendig ein Verwertungs-
umfassenden Schutzes vor staatlicher Kenntnisnahme verbot folgt, dieses vielmehr eine bewusste Selbstbeschrän-
(BVerfGE 109, 279, 322). kung des Staates bei der Ermittlung der Wahrheit in Straf-
verfahren bedeutet und die Findung einer gerechten Ent-
Das Zeugnisverweigerungsrecht des Abgeordneten und das scheidung durchaus erheblich beeinträchtigen kann, war das
damit korrespondierende Beschlagnahmeverbot ist bereits in Verwertungsverbot auch ausdrücklich im Gesetzestext zu
Artikel 47 GG sowie den entsprechenden Regelungen der verankern.
Drucksache 16/5846 – 36 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Das Verwertungsverbot – wie auch die Vorschrift des § 53b weigerungsrecht zubilligt, zum Tragen kommen kann. Er-
StPO-E insgesamt – gilt selbstverständlich nicht für die Ver- fasst sind nach Satz 1 namentlich die in § 53 Abs. 1 Satz 1
nehmung des Berufsgeheimnisträgers als Zeuge. In diesem Nr. 3 bis 3b StPO genannten Beratungs- und Heilberufe
Fall greift vielmehr die Regelung des § 53 StPO (Recht zur sowie die von § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 StPO aufgeführten
Zeugnisverweigerung) mitsamt den dort in Absatz 2 enthal- Medienmitarbeiter. Im Rahmen der von Satz 1 geforderten
tenen Ausnahmen unmittelbar ein. Verhältnismäßigkeitsprüfung ist das primär öffentliche – je
nach Fallgestaltung (Opferinteressen) allerdings auch indivi-
Das Verwertungsverbot nach Satz 2 wird flankiert durch die duell begründete – Interesse an einer wirksamen, auf die Er-
in Satz 3 enthaltene Verpflichtung, durch einen unzulässigen mittlung der materiellen Wahrheit und die Findung einer ge-
Eingriff erlangte Erkenntnisse unverzüglich zu löschen. Da- rechten Entscheidung gerichteten Strafrechtspflege gegen
mit wird einer etwaigen Perpetuierung der Verletzung des das öffentliche Interesse an den durch die zeugnisverweige-
Erhebungsverbots nach Satz 1 vorgebeugt und die Einhal- rungsberechtigten Personen wahrgenommenen Aufgaben
tung des Verwertungsverbots nach Satz 2 abgesichert. Zur und das individuelle Interesse an der Geheimhaltung der
Frage, wem die Löschungspflicht obliegt, wird auf die Erläu- einem Berufsgeheimnisträger anvertrauten oder bekannt ge-
terungen zu § 100a Abs. 4 Satz 3 StPO-E Bezug genommen. wordenen Tatsachen abzuwägen. Die besondere Berücksich-
Nach Satz 4 ist die Tatsache der Erlangung von Erkennt- tigung dieser Interessen im Rahmen der Verhältnismäßig-
nissen, die unter das Erhebungsverbot nach Satz 1 fallen, keitsprüfung rechtfertigt sich aus den folgenden Aspekten:
sowie der Löschung von Aufzeichnungen über solche Er- An der Tätigkeit der in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 bis 3b StPO
kenntnisse aktenkundig zu machen. Dies sichert zum einen bezeichneten Berufsgeheimnisträger aus dem Bereich der
die Einhaltung der Löschungspflicht, dient aber vor allem Beratungs- und Heilberufe besteht ein hohes öffentliches
der späteren Nachvollziehbarkeit im Rahmen etwaiger Interesse. Diese Tätigkeiten setzen ihrer Natur nach das Be-
Rechtsschutzbegehren der betroffenen Personen. stehen eines Vertrauensverhältnisses zwischen dem Berufs-
Nach Satz 5 gelten das Verwertungsverbot nach Satz 2, das geheimnisträger und demjenigen, der die Leistungen des Be-
Löschungsgebot nach Satz 3 und die Pflicht zur Dokumenta- rufsgeheimnisträgers in Anspruch nimmt, voraus. Das in den
tion nach Satz 4 entsprechend für den Fall, dass durch eine Berufsgeheimnisträger gesetzte Vertrauen und das Recht auf
Ermittlungsmaßnahme, die sich nicht gegen einen in § 53 informationelle Selbstbestimmung der mit dem Berufsge-
Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 2 und 4 genannten Berufsgeheimnisträ- heimnisträger in Kontakt tretenden Person sowie der Grund-
ger richtet, gleichwohl Erkenntnisse von diesem Berufsge- satz, dass kein Beschuldigter verpflichtet ist, aktiv an seiner
heimnisträger erlangt wurden, über die dieser das Zeugnis eigenen Überführung mitzuwirken, gebieten tendenziell Zu-
verweigern dürfte, vgl. hierzu die obigen Erläuterungen im rückhaltung bei der Erhebung von Erkenntnissen aus der
Anschluss an die Darlegungen zu Satz 1. vom Zeugnisverweigerungsrecht des Berufsgeheimnisträ-
gers geschützten Sphäre. Da der Tätigkeit der Beratungs-
Erwogen wurde ferner eine Regelung nach dem Vorbild des und Heilberufe in einem sozialen Rechtsstaat auch gesell-
§ 100c Abs. 7 StPO, wonach bei Zweifeln darüber, ob nicht schaftlich ein hoher Wert zukommt, dürfen Maßnahmen der
verwertbare Erkenntnisse erlangt wurden, unverzüglich eine Strafverfolgung, die diese Tätigkeit beeinträchtigen können,
Entscheidung des Gerichts über die Verwertbarkeit herbei- nur unter strikter Wahrung der Verhältnismäßigkeit ange-
zuführen ist. Aus der Praxis wurde indessen darauf hinge- wandt werden. Dies stellt Satz 1 sicher, indem er ausdrück-
wiesen, dass es der damit intendierten Hilfestellung bei der lich bestimmt, dass diese Aspekte im Rahmen der stets erfor-
Bestimmung der Reichweite der Zeugnisverweigerungs- derlichen Prüfung der Verhältnismäßigkeit einer Maßnahme
rechte nach § 53 StPO in Anbetracht der jahrzehntelangen besonders zu berücksichtigen sind. Je nach dem Ergebnis der
Erfahrung bei der Anwendung dieser Regelungen nicht Verhältnismäßigkeitsprüfung kann die im konkreten Fall in
bedarf. Darüber hinaus sprechen auch erhebliche systema- Aussicht genommene Maßnahme in vollem Umfang zuläs-
tische Gesichtspunkte dagegen, bereits im Ermittlungsver- sig sein oder aber – soweit die Verhältnismäßigkeit ganz oder
fahren abschließende Entscheidungen zur Verwertbarkeit teilweise nicht gegeben wäre – sich die Notwendigkeit einer
gewonnener Erkenntnisse zu treffen. Denn die Beurteilung Beschränkung oder Unterlassung der Maßnahme ergeben;
der Verwertbarkeit obliegt nach dem deutschen Strafpro- Letzteres stellt Satz 2 ausdrücklich klar.
zessrecht dem – im Stadium des Ermittlungsverfahrens oft-
mals noch nicht bestimmbaren – erkennenden Gericht, des- Insbesondere bei Gesprächen mit einem Arzt wird sich oft-
sen Entscheidung zudem der ober- bzw. höchstrichterlichen mals die Notwendigkeit der Unterlassung oder Beschrän-
Kontrolle unterliegt. Dadurch kann die im Interesse der kung der Ermittlungsmaßnahme ergeben; dies gilt regelmä-
Rechtssicherheit wünschenswerte einheitliche Auslegung ßig dann, wenn diese auf eine Erhebung von Informationen
und Anwendung der Regelungen am besten gewährleistet aus solchen Gesprächen abzielt. Angaben des Arztes über
werden. Anamnese, Diagnose und therapeutische Maßnahmen und
damit auch das Gespräch mit dem Arzt stehen nach ständiger
Zu Absatz 2 Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts als Aus-
fluss des allgemeinen Persönlichkeitsrechts unter dem
Absatz 2 enthält ein relatives, an Verhältnismäßigkeitsge- Schutz des Grundgesetzes und derartige Informationen sind
sichtspunkten orientiertes und in der Rechtsprechung im dem Zugriff der öffentlichen Gewalt grundsätzlich entzogen
Rahmen der so genannten Abwägungslehre (vgl. Meyer- (vgl. nur BVerfG, 2 BvR 1349/05 vom 6. Juni 2006,
Goßner, a. a. O., Einl., Rn. 55a m. w. N.) im Grundsatz an- Absatz-Nr. 32, und BVerfG, 2 BvR 28/71 vom 25. Juni 1974,
erkanntes und angewandtes Erhebungs- und Verwertungs- Absätze 24 f.). Vor diesem Hintergrund ist davon auszuge-
verbot, das im Einzelfall bei den von Absatz 1 nicht erfassten hen, dass im Rahmen der in Satz 1 vorgesehenen Verhältnis-
Berufsgeheimnisträgern, denen das Gesetz ein Zeugnisver- mäßigkeitsprüfung ein Überwiegen der schutzwürdigen
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 37 – Drucksache 16/5846

Individualinteressen anzunehmen ist, das zur Unzulässigkeit Schutzregelung in Absatz 1 nur im Rahmen der Reichweite
einer Ermittlungsmaßnahme führt, wenn es um Informatio- des jeweiligen Zeugnisverweigerungsrechts eingreift und
nen aus dem Kernbereich privater Lebensgestaltung oder sich hierdurch bedingt unterschiedliche Bewertungen hin-
zumindest um kernbereichsnahe besonders sensible Infor- sichtlich der Zulässigkeit der Erhebung und der Zulässigkeit
mationen geht, die in einem Arzt-Patienten-Gespräch ausge- der Verwertung der erhobenen Informationen ergeben kön-
tauscht werden. nen. Soweit etwa im Einzelfall nach einer zunächst unzuläs-
sigen Erhebung eine wirksame Entbindung von der Pflicht
In dieses Regelungskonzept des Absatzes 2 werden auch die zur Verschwiegenheit erteilt wird (vgl. § 53 Abs. 2 Satz 1
in § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 StPO genannten Medienmitarbei- StPO), besteht kein Zeugnisverweigerungsrecht und damit
ter eingebunden. Die Verfassung gewährt deren Tätigkeit auch kein Ansatz mehr für ein etwaiges Verwertungsverbot.
wegen der hohen Bedeutung der Presse- und Rundfunk-
freiheit einen besonderen, auch institutionellen Schutz Andererseits greift das Abwägungsgebot des Absatzes 2 aber
(BVerfGE 20, 162, 175; 77, 65, 74; 107, 299, 332; 109, 279, auch dann ein, wenn vom Zeugnisverweigerungsrecht ge-
323 f.; BVerfG, 2 BvR 1112/81 vom 12. März 1982, NStZ schützte Erkenntnisse den Strafverfolgungsbehörden – etwa
1982, 253 f.; BVerfG, 1 BvR 77/96 vom 22. August 2000, von der zeugnisverweigerungsberechtigten Person – freiwil-
NStZ 2001, 43), der ebenfalls im Rahmen der Verhältnis- lig übermittelt werden. Denn das schutzwürdige Interesse
mäßigkeitsprüfung einer Maßnahme zu berücksichtigen ist. etwa des Beschuldigten an der Geheimhaltung der von ihm
Ein genereller Vorrang der schutzwürdigen Interessen von dem zeugnisverweigerungsberechtigten Berufsgeheimnis-
Journalisten vor dem öffentlichen Strafverfolgungsinteresse träger anvertrauten Informationen wird hierdurch nicht be-
lässt sich hingegen, wie das Bundesverfassungsgericht aus- seitigt, was sich auch in der strafrechtlichen Wertung des
drücklich festgestellt hat, verfassungsrechtlich nicht begrün- § 203 StGB niederschlägt (vgl. Rudolphi, a. a. O., § 97,
den (BVerfGE 107, 299, 332). Insbesondere weisen die Rn. 18, 29).
Zeugnisverweigerungsrechte der Medienmitarbeiter keinen
unmittelbaren Bezug zum Kernbereich privater Lebensge- Zu Absatz 3
staltung auf (BVerfGE 109, 279, 323).
Mit Absatz 3 werden die Regelungen der Absätze 1 und 2
Satz 3 macht die Verwertung von Erkenntnissen, die dem nach dem Vorbild des § 97 Abs. 4 StPO auf die jeweiligen
Zeugnisverweigerungsrecht der in Satz 1 in Bezug genom- Berufshelfer erstreckt.
menen Berufsgruppen unterliegen, von einer Verhältnismä-
ßigkeitsprüfung im Einzelfall abhängig. Grundsätzlich gel- Zu Absatz 4
ten damit für die Frage der Verwertbarkeit solcher
Erkenntnisse dieselben Kriterien, die auch im Rahmen des Entsprechend der Verstrickungsregelungen in § 97 Abs. 2
Satzes 1 bei der Frage der Zulässigkeit der Erhebung ent- Satz 3 und § 100c Abs. 6 Satz 3 StPO endet der von den Ab-
sprechender Erkenntnisse zu berücksichtigen sind. Dies sätzen 1 bis 3 gewährleistete besondere Schutz des Verhält-
führt zu einem weitgehenden Gleichlauf bei der Beurteilung nisses zu einem Berufsgeheimnisträger nach Absatz 4, so-
der Erheb- und Verwertbarkeit. Zu beachten ist allerdings, weit der Berufsgeheimnisträger der Beteiligung an der Tat
dass diese Prüfungen oftmals zu unterschiedlichen Zeitpunk- oder der Begünstigung, Strafvereitelung oder Hehlerei ver-
ten vorzunehmen sind, so dass aufgrund zwischenzeitlicher dächtig ist (zu dem weiteren Erfordernis der Einleitung eines
Änderungen der Sachlage die Prüfung der Verwertbarkeit er- Ermittlungsverfahrens s. u.). Denn der Schutz der betroffe-
langter Erkenntnisse von der früheren Bewertung der Zuläs- nen Vertrauensverhältnisse oder der Institutionen an sich soll
sigkeit der Ermittlungsmaßnahme abweichen kann. Erschien nicht zur Begründung von Geheimbereichen führen, in de-
zum Beispiel ursprünglich die Erhebung von Erkenntnissen, nen kriminelles Verhalten einer staatlichen Aufklärung
die dem Zeugnisverweigerungsrecht unterliegen, in Anbe- schlechthin entzogen ist.
tracht einer zunächst angenommenen schweren Straftat ge- Anders als bei den bisher bestehenden Verstrickungsregelun-
rechtfertigt, ergibt sich aber im weiteren Verfahren, dass gen fordert Absatz 4 Satz 1, dass aufgrund des Tatverdachts
allenfalls eine Bagatelltat vorliegt, so kann sich ungeachtet gegen den Berufgeheimnisträger bereits ein Ermittlungs-
des Umstandes, dass die Erhebung rechtmäßig war, ein Ver- verfahren eingeleitet worden ist. Dies trägt dem rechtspoli-
wertungsverbot ergeben. Umgekehrt gilt Entsprechendes: tischen Willen Rechnung, die Ermittlungsbehörden noch
War die Erhebung in Anbetracht der zunächst nur anzuneh- stärker als bislang für die durch die Zeugnisverweigerungs-
menden geringen Schwere einer Straftat unverhältnismäßig, rechte der Berufsgeheimnisträger geschützten Belange zu
stellt sich dann aber später heraus, dass es sich um eine sensibilisieren und eine Umgehung der Schutzregelungen al-
durchaus beachtliche Straftat handelt, so kann die Verwer- lein aufgrund bloßer Vermutungen auszuschließen. Dies ver-
tung der – zunächst rechtswidrig – erhobenen Erkenntnisse kennt nicht, dass die Einleitung grundsätzlich an keine Form
gleichwohl zulässig sein. Auch kann sich aus einer zunächst gebunden ist und auch dann vorliegt, wenn die Staatsanwalt-
unzulässigen Erhebung ein Verdacht gegen den Berufsge- schaft Maßnahmen gegen einen Tatverdächtigen ergreift, die
heimnisträger ergeben, in die aufzuklärende Straftat ver- erkennbar darauf abzielen, gegen ihn wegen einer Straftat
strickt zu sein, so dass – unter den Voraussetzungen des Ab- vorzugehen, wie etwa das Ersuchen um Vernehmung als Be-
satzes 4 – die Schutzregelung des Absatzes 2 nicht mehr schuldigter nach § 162 StPO.
eingreift und die gewonnenen Erkenntnisse verwertbar sind;
Entsprechendes gilt auch für Fallgestaltungen, die Absatz 1 Dieser Schutz wird – ebenfalls rechtspolitischem Willen
unterfallen. Rechnung tragend – durch Satz 2 für Medienmitarbeiter bei
Antrags- und Ermächtigungsdelikten zusätzlich dahinge-
Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass die Abwä- hend verstärkt, dass die Regelung des Satzes 1 bei Medien-
gungsregelung des Absatzes 2 ebenso wie die absolute angehörigen, die in Verdacht stehen, in die Tat verstrickt zu
Drucksache 16/5846 – 38 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

sein, erst dann anzuwenden ist, wenn ein etwa erforderlicher ● Die Verwendungsregelung in Absatz 3 Satz 3 wird aufge-
Strafantrag vorliegt bzw. eine etwa erforderliche Ermächti- hoben, weil ihr Regelungsgehalt nunmehr von § 477
gung erteilt ist. Abs. 2 Satz 2 StPO-E mit erfasst wird. Eine inhaltliche
Änderung ist damit nicht verbunden.
Zu Absatz 5 ● Absatz 4 Satz 1 wird gestrichen. Die darin bislang durch
Absatz 5 stellt klar, dass die spezielleren Regelungen des die Bezugnahme auf § 163d Abs. 5 StPO enthaltene Be-
§ 97 und des § 100c Abs. 6 StPO der Neuregelung in § 53b nachrichtigungspflicht ergibt sich nunmehr aus § 101
StPO-E vorgehen. Lediglich soweit diese speziellen Vor- Abs. 1, 4 ff. StPO-E. Zugleich begründet § 101 Abs. 3
schriften keine Regelung treffen – wie etwa § 97 StPO hin- StPO-E auch eine Kennzeichnungspflicht für die durch
sichtlich der (Nicht-)Verwertbarkeit von beschlagnahme- eine Maßnahme nach § 98a StPO erhobenen Daten.
freien Gegenständen –, ist § 53b StPO-E ergänzend anzu- Durch diese Kennzeichnungspflicht, die die Beachtung
wenden. der beschränkenden Verwendungsregelungen in § 477
Abs. 2 Satz 2 und 3 StPO-E sicherstellen soll, wird Vor-
Zu Nummer 2 (§ 58a Abs. 2 StPO-E) gaben des Bundesverfassungsgerichts Rechnung getra-
gen (vgl. BVerfGE 100, 313, 360 f.; 109, 279, 374, 379 f.
Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Aufhebung des
sowie die Begründung zu § 101 Abs. 3 StPO-E).
§ 100b Abs. 6, dessen Regelungsgehalt (Löschung nicht
mehr erforderlicher Daten) in § 101 Abs. 10 StPO-E einge-
stellt wird. Zu Nummer 6 (§ 100 StPO-E)
Die Vorschrift wird lediglich redaktionell überarbeitet und
Zu Nummer 3 (§ 97 StPO-E) ergänzt:
Zu Buchstabe a (Absatz 2) ● In den Absätzen 1 bis 4 wird durch die Ersetzung der For-
In Satz 1 wird klargestellt, dass mit der dort in Bezug genom- mulierung „der Richter“ durch „das Gericht“ und „rich-
menen „Gesundheitskarte“ die elektronische Gesundheits- terlich“ durch „gerichtlich“ § 1 Abs. 2 BGleiG Rechnung
karte gemeint ist. getragen. In den Absätzen 3 und 4 wird durch die Erset-
zung des Begriffs „Gegenstände“ durch „Postsendun-
Der neu gefasste Satz 3 übernimmt die in § 53b Abs. 4 gen“ zudem eine redaktionelle Klarstellung vorgenom-
Satz 1 StPO-E enthaltene Verstrickungsregelung. Dies führt men.
dazu, dass auch die Verstrickungsregelung in § 97 Abs. 2
StPO nunmehr erst eingreift, wenn gegen den Berufsgeheim- ● Als neue Absätze 5 und 6 werden Vorschriften einge-
nisträger wegen des Verstrickungsverdachts bereits ein Er- stellt, die bisher in § 101 Abs. 2 und 3 StPO enthalten
mittlungsverfahren eingeleitet worden ist. waren, systematisch aber den §§ 99, 100 StPO zuzuord-
nen sind (Weiterleitung von Postsendungen im Original
Zu Buchstabe b (Absatz 5) oder in Abschrift). Dabei wird in dem neuen Absatz 5 zu-
gleich eine redaktionelle Angleichung an den neuen
Die Ergänzung in Absatz 5 Satz 2 übernimmt die in § 53b Absatz 6 (bislang: § 101 Abs. 3 StPO) dahingehend vor-
Abs. 4 Satz 2 StPO-E für Medienangehörige enthaltene Re- genommen, dass Postsendungen, deren Öffnung nicht an-
gelung, wonach die Verstrickungsregelung bei Antrags- und geordnet worden ist, an den vorgesehenen Empfänger
Ermächtigungsdelikten erst dann eingreift, wenn der erfor- (bislang: „Beteiligten“) unverzüglich weiterzuleiten sind.
derliche Antrag vorliegt bzw. die Ermächtigung erteilt ist
(vgl. die Erläuterungen zu § 53b Abs. 4 StPO-E). Der in Teilen der rechtswissenschaftlichen Literatur vertrete-
nen Auffassung, dass ein inhaltlicher Wertungswiderspruch
Zu Nummer 4 (§ 98 StPO-E) zwischen den Regelungen der §§ 99, 100 und der §§ 100a,
100b StPO bestehe, der die Schaffung einer einheitlichen
Die Ersetzung der Begriffe „Richter“ bzw. „richterlich“ Vorschrift für die Überwachung von „Fernkommunikation“
durch die Wörter „Gericht“ bzw. „gerichtlich“ in den Absät- erfordere (vgl. Valerius, Zur Bedeutung des § 99 StPO im
zen 1 bis 3 dient der Gewährleistung einer geschlechtsneu- Zeitalter des Internets, in: Hilgendorf [Hrsg.], Informations-
tralen Gesetzessprache und trägt damit § 1 Abs. 2 BGleiG strafrecht und Rechtsinformatik, 2004, S. 119, 143, 148 ff.;
Rechnung. Böckenförde, a. a. O., S. 382 ff., 456 ff.; Bär, a. a. O.,
Die übrigen in Absatz 2 Satz 3 bis 6 enthaltenen Änderungen S. 295 ff.), wird nicht gefolgt. Es ist zwar zutreffend, dass
passen die dortigen Regelungen über die gerichtliche Zu- sowohl das Brief- und Postgeheimnis als auch das Fernmel-
ständigkeit bei Entscheidungen über Beschlagnahmen an die degeheimnis einheitlich durch Artikel 10 GG geschützt sind
Neufassung der allgemeinen Zuständigkeitsregelung in und der herkömmliche Brief- und Postverkehr in weiten Tei-
§ 162 Abs. 1 StPO-E (Konzentration der Zuständigkeit des len durch die modernen Möglichkeiten der Telekommunika-
Ermittlungsgerichts am Sitz der Staatsanwaltschaft) an. tion ersetzt wurde. Zwischen der Überwachung des Postver-
kehrs einerseits und der Telekommunikation andererseits
Zu Nummer 5 (§ 98b StPO-E) bestehen aber grundlegende strukturelle Unterschiede, die
eine unterschiedliche gesetzliche Regelung geboten erschei-
In § 98b StPO werden Folge- und redaktionelle Änderungen nen lassen. Die durch die Überwachung des Telekommuni-
vorgenommen: kationsverkehrs erlangten Daten sind aufgrund ihrer Unmit-
● Die Absätze 1 und 2 werden redaktionell angepasst, um telbarkeit, Menge, Verfügbarkeit und der Gefahr von
eine geschlechtsneutrale Sprache zu gewährleisten (§ 1 Vertiefungen des Ersteingriffs begründenden einfachen Du-
Abs. 2 BGleiG). plizierbarkeit wesensmäßig von Postsendungen verschieden
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 39 – Drucksache 16/5846

und bedürfen eines besonderen Schutzes. Eigenständige, auf den Katalog eingestellt wurde. Dies vermag eine pauschale,
die Maßnahme zugeschnittene Schutzvorkehrungen, die sich allein an materiellen Kriterien orientierte Beschreibung der
nicht ohne weiteres auf die Telekommunikationsüberwa- Anordnungsvoraussetzungen nicht zu gewährleisten. Inso-
chung übertragen lassen, finden sich für die Postbeschlag- weit erschien es geboten, die einzelnen Anlasstaten insbe-
nahme in § 100 Abs. 3 und 4 sowie in § 101 Abs. 2 und 3 sondere auf die Aufklärbarkeit mittels einer Telekommuni-
StPO bzw. nunmehr in § 100 Abs. 5 und 6 StPO-E. Hinzu kationsüberwachung zu überprüfen.
kommt, dass aufgrund des hohen und weiter zunehmenden
Telekommunikationsaufkommens und der hieran anknüp- Der Forderung des Bundesverfassungsgerichts (vgl. BVerfG,
fenden kontinuierlichen Steigerung der Anzahl von Tele- 1 BvR 668/04 vom 27. Juli 2005, Absatz-Nr. 160 ff., NJW
kommunikationsüberwachungsmaßnahmen einerseits und 2005, 2603, 2611 f.), auch bei der Telekommunikations-
der vergleichsweise geringen Anwendungshäufigkeit der überwachung einfachgesetzliche Vorkehrungen zum Schutz
Postbeschlagnahme andererseits durch Maßnahmen der des Kernbereichs privater Lebensgestaltung zu schaffen,
Telekommunikationsüberwachung in besonderem Maße wird durch § 100a Abs. 4 StPO-E Rechnung getragen.
die Bedingungen einer freien Telekommunikation (vgl. Überarbeitet werden die Regelungen zur zulässigen Dauer
BVerfGE 100, 313, 359) gefährdet werden können. (§ 100b Abs. 1 Satz 3 und 4 StPO-E) und zum notwendi-
gen Inhalt einer Überwachungsanordnung (§ 100b Abs. 2
Zu Nummer 7 (§§ 100a, 100b StPO-E) StPO-E). Ferner werden statistische Erhebungen zu Maß-
nahmen der Telekommunikationsüberwachung vorgesehen
Die in den §§ 100a, 100b StPO geregelte Telekommunika- (§ 100b Abs. 5 und 6 StPO-E).
tionsüberwachung stellt aufgrund ihres kriminalistischen
Nutzens, ihrer Anwendungshäufigkeit und ihrer Eingriffs- Verfassungsrechtlich gebotene Regelungen zu Kennzeich-
intensität den Ausgangspunkt der gesetzlichen Regelungen nungs-, Löschungs- und Benachrichtigungspflichten finden
zu den verdeckten strafprozessualen Ermittlungsbefugnissen sich in der allgemeinen Vorschrift des § 101 StPO-E.
dar.
Zu § 100a Abs. 1 StPO-E
In absoluten Zahlen hat die Anzahl der Überwachungsanord-
nungen nach den §§ 100a, 100b StPO in den vergangenen 1. Am Beginn von Absatz 1 wird durch die Formulierung
Jahren jeweils deutlich zugenommen (vgl. die Berichte der „Auch ohne Wissen der Betroffenen“, die – mit Aus-
Bundesregierung in Bundestagsdrucksache 14/2004, S. 5 ff.; nahme des Wortes „auch“ – bereits in § 100c Abs. 1 und
14/4863, S. 8 ff.; 14/7521, S. 5 ff.; 14/10001, S. 2 ff.; § 100f Abs. 1 StPO und § 100h Abs. 1 StPO-E (bislang:
15/2107, S. 11 ff.; 15/4011, S. 5 ff.; 15/6009, S. 7 ff.; § 100f Abs. 2 StPO) Verwendung findet, der Aspekt der
16/2812, S. 11 ff.). Unter Berücksichtigung des erheblichen Heimlichkeit der Maßnahme als besonderes Merkmal
Wachstums des deutschen Mobilfunkmarktes sowie der Tat- ihrer Eingriffsintensität hervorgehoben. Mit dem Wort
sache, dass von Straftätern gezielt eine Vielzahl von Mobil- „Auch“ wird klargestellt, dass die Maßnahme nicht etwa
funkanschlüssen benutzt wird, um Überwachungsmaßnah- dadurch unzulässig wird, dass der oder die Betroffenen
men zu entgehen, dürfte diesen absoluten Zahlen allerdings die Maßnahme gewahr werden. Andererseits entbindet
nur eine begrenzte Aussagekraft zukommen. Die Untersu- das Wissen der Betroffenen von der Maßnahme auch
chung von Albrecht, Dorsch und Krüpe weist nach, dass nicht von der Einhaltung der Voraussetzungen der
eingedenk des sprunghaft wachsenden Marktes und des §§ 100a, 100b StPO. Nur wenn alle von der Überwa-
geänderten Kommunikationsverhaltens tatsächlich ein chungsmaßnahme Betroffenen – also auch die jeweiligen
Rückgang der Überwachungsdichte gemessen an der Zahl Kommunikationspartner – in die Maßnahme in wirksa-
der überwachten zu der stetig steigenden Zahl der gemelde- mer Weise einwilligen, kann diese gegenüber den Einwil-
ten Anschlüsse besteht. Dies lässt den Schluss zu, dass die ligenden aufgrund der allgemeinen Befugnisse nach den
Zunahme der Telekommunikationsüberwachungen die Ent- §§ 161, 163 StPO durchgeführt werden.
wicklung des Telekommunikationsmarktes widerspiegelt.
2. In Absatz 1 Nr. 1 wird durch den Begriff der „schweren
Anliegen des Entwurfs ist es, einen gezielten Einsatz der Straftat“ das Verhältnis der Telekommunikationsüber-
Telekommunikationsüberwachung zu gewährleisten und für wachung zu den anderen verdeckten Ermittlungsmaß-
eine geringe „Streubreite“ dieser Maßnahme Sorge zu tra- nahmen in Bezug auf deren Eingriffsintensität und die
gen. Die vorgenannte Untersuchung schlägt vor, den Strafta- damit korrespondierenden materiellen Anordnungsvor-
tenkatalog des § 100a StPO durch materielle Kriterien zur aussetzungen hervorgehoben. Während Artikel 13 Abs. 3
abstrakten Kennzeichnung der Anlasstaten, bei denen eine Satz 1 GG von „besonders schweren Straftaten“ spricht,
Telekommunikationsüberwachung zulässig sein soll, zu er- deren Strafrahmen eine Mindesthöchststrafe von mehr
setzen (vgl. Albrecht/Dorsch/Krüpe, a. a. O., S. 464 f.). Der als fünf Jahren Freiheitsstrafe aufweisen muss (BVerfGE
Entwurf verzichtet darauf und behält den Anlasstatenkatalog 109, 279, 343 ff.), erfordern andere verdeckte Ermitt-
in modifizierter Weise unter Überprüfung der Geeignetheit, lungsmaßnahmen als Anlasstat eine „Straftat von erheb-
Erforderlichkeit und Angemessenheit einer Telekommuni- licher Bedeutung“, die teilweise durch weitere Kriterien,
kationsüberwachung bei. Eine solche Überprüfung aller eine u. a. in Bezug auf ihre Begehungsform, noch konkreti-
Telekommunikationsüberwachung zulassenden Anlasstaten siert wird (vgl. § 98a Abs. 1 Satz 1, § 100f Abs. 1 Nr. 2,
wird auch durch die Entscheidung des Bundesverfas- § 100g Abs. 1 Satz 1, § 100i Abs. 2 Satz 2 und 3, § 110a
sungsgerichts vom 27. Juli 2005, 1 BvR 668/04 (Absatz- Abs. 1 Satz 1, § 163e Abs. 1 Satz 1, § 163f Abs. 1 Satz 1
Nr. 152 ff., NJW 2005, 2603, 2610 f.), nahe gelegt, in der ein StPO). Der Begriff der „Straftat von erheblicher Bedeu-
gesetzgeberisches Konzept verlangt wird, das bei jeder er- tung“ ist inzwischen von Literatur und Rechtsprechung
fassten Anlasstat nachvollziehbar macht, weshalb diese in weitgehend präzise erfasst worden (vgl. Rieß, GA 2004,
Drucksache 16/5846 – 40 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

623 ff. m. w. N.) und vom Bundesverfassungsgericht mit benannten minder schweren Fälle nicht von vornherein
diesem Verständnis anerkannt (BVerfGE 103, 21, 33 f.; auszuschließen. Zum einen wird sich im Stadium des
107, 299, 321 f.; 110, 33, 65; BVerfG, 2 BvR 1841/00 Ermittlungsverfahrens meist noch nicht absehen lassen,
vom 15. März 2001, NJW 2001, 2320, 2321; BVerfG, ob die Voraussetzungen eines – erst die Strafzumessung
2 BvR 483/01 vom 20. Dezember 2001, StV 2003, 1 f.). berührenden – minder schweren Falles vorliegen. Zum
Eine Straftat von erheblicher Bedeutung muss mindes- anderen kann auch ein minder schwerer Fall insbesonde-
tens dem Bereich der mittleren Kriminalität zuzurechnen re in Anbetracht der Auswirkungen der Straftat auf das
sein, den Rechtsfrieden empfindlich stören und dazu ge- Opfer im Einzelfall so schwer wiegen, dass die mit einer
eignet sein, das Gefühl der Rechtssicherheit der Bevölke- Telekommunikationsüberwachung verbundenen Ein-
rung erheblich zu beeinträchtigen (Schäfer, a. a. O., griffe verhältnismäßig erscheinen.
§ 100g, Rn. 13 m. w. N.).
4. Absatz 1 Nr. 3 enthält eine qualifizierte Subsidiaritäts-
klausel, die dem bisherigen § 100a Satz 1 StPO ent-
Im Vergleich zu den von Artikel 13 Abs. 3 Satz 1 GG
spricht.
vorausgesetzten besonders schweren Straftaten und den
Straftaten von erheblicher Bedeutung nehmen die in
§ 100a Abs. 1 Nr. 1 StPO-E in Bezug genommenen Zu § 100a Abs. 2 StPO-E
schweren Straftaten eine Zwischenstellung ein. Hierunter
können solche Straftaten verstanden werden, die eine Der Anlasstatenkatalog wird unter Berücksichtigung des
Mindesthöchststrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe auf- Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Juli 2005,
weisen, in Einzelfällen aufgrund der besonderen Bedeu- 1 BvR 668/04, Absatz-Nr. 152 ff. (vgl. NJW 2005, 2603,
tung des geschützten Rechtsguts oder des besonderen 2610 f.), und rechtstatsächlicher Erkenntnisse (vgl. Albrecht/
öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung aber auch Dorsch/Krüpe, a. a. O., S. 12 ff., 462 ff.) sowie von Erfor-
eine geringere Freiheitsstrafe. Eine Höchststrafe von dernissen der Strafverfolgungspraxis überarbeitet und mit
einem Jahr Freiheitsstrafe entspricht dem Begriff der dem Anlasstatenkatalog in § 100c Abs. 2 StPO harmonisiert.
schweren Straftat nicht mehr. Gesetzliche Strafmilderun-
gen für minder schwere Fälle bleiben bei dieser Strafrah- Über die bislang in der Strafprozessordnung enthaltenen
menbetrachtung unberücksichtigt (vgl. BVerfGE 109, Kategorien der Straftaten von erheblicher Bedeutung und
279, 349). der besonders schweren Straftaten wird eine weitere Katego-
rie geschaffen, die eine Zwischenstellung zu den vorgenann-
ten einnimmt. Einem Stufenmodell folgend werden so für
Entsprechend dem bisherigen Recht muss – selbstver- eingriffsintensivere Maßnahmen entsprechend höhere An-
ständlich – noch nicht feststehen, dass eine schwere ordnungsvoraussetzungen gefordert. Der Entwurf streicht
Straftat vorliegt; eine solche Feststellung kann vielmehr daher solche Straftaten aus dem Anlasstatenkatalog, die kei-
erst am Ende des gerichtlichen Hauptverfahrens getrof- ne schweren Straftaten im oben dargelegten Sinne darstellen
fen werden. Hinreichend – aber auch erforderlich – für oder für deren Beibehaltung kein rechtstatsächliches Bedürf-
die Anordnung einer Telekommunikationsüberwachung nis erkennbar ist. Neu hinzukommen bislang nicht erfasste
ist weiterhin der auf bestimmte Tatsachen gründende Ver- Straftaten der Transaktions- und Wirtschaftskriminalität so-
dacht, dass eine schwere Straftat begangen, in strafbarer wie der organisierten Kriminalität, weil die Telekommunika-
Weise versucht oder durch eine andere Straftat vorberei- tionsüberwachung sich gerade in diesen Bereichen als effek-
tet wurde. tives und effizientes Aufklärungsmittel erwiesen hat (vgl.
Albrecht/Dorsch/Krüpe, a. a. O., S. 355 ff.), ferner solche
3. In Absatz 1 Nr. 2 wird klargestellt, dass die – began- Straftatbestände, deren Nichtberücksichtigung gegenüber
gene, in strafbarer Weise versuchte oder durch eine an- dem Anlasstatenkatalog der akustischen Wohnraumüber-
dere – ihrerseits nicht notwendig schwere – Straftat wachung (§ 100c Abs. 2 StPO) einen Wertungswiderspruch
vorbereitete – Anlasstat nicht nur abstrakt, sondern darstellen würde. Dieser ergibt sich daraus, dass die Tele-
auch im Einzelfall schwer wiegen muss. Hierdurch wird kommunikationsüberwachung als weniger eingriffsintensi-
den Ausführungen des Bundesverfassungsgerichts in ver Grundrechtseingriff bislang teilweise für Taten nicht zu-
BVerfGE 107, 299, 322 (zu § 100g StPO), in BVerfGE gelassen ist, die eine Wohnraumüberwachung rechtfertigen
109, 279, 346 (zu § 100c StPO) und in 1 BvR 668/04, können. Insgesamt verfolgt der Entwurf bei der Gestaltung
Absatz-Nr. 154, NJW 2006, 2603, 2611 (zum im Nds. des Anlasstatenkatalogs das Ziel, den Strafverfolgungs-
SOG verwendeten Begriff der Straftat von erheblicher behörden durch die grundsätzliche Ermöglichung der Maß-
Bedeutung), Rechnung getragen, wonach eine besonders nahme die notwendigen Mittel bei der Verfolgung schwerer
schwere Straftat bzw. eine Straftat von erheblicher Be- und schwer ermittelbarer Kriminalität an die Hand zu geben,
deutung auch im konkreten Fall besonders schwer wie- zugleich aber die Telekommunikationsüberwachung, die
gen bzw. von erheblicher Bedeutung sein muss, um regelmäßig einen erheblichen Eingriff in Rechte Betroffener
einen Eingriff in das jeweilige Grundrecht zu rechtferti- darstellt, in solchen Fällen auszuschließen, in denen die Be-
gen. Damit sollen die Fälle ausgeschieden werden, die deutung des zu schützenden Rechtsguts und das öffentliche
zwar eine Katalogstraftat zum Gegenstand haben, aber Interesse an der Strafverfolgung nicht so gewichtig erschei-
mangels hinreichender Schwere im konkreten Einzelfall nen, dass der von der Maßnahme zu erwartende Nutzen die
den mit einer Telekommunikationsüberwachung verbun- mit ihr verbundenen Beeinträchtigungen überwiegen würde.
denen Eingriff in das Fernmeldegeheimnis nicht zu Dies trägt dem Grundsatz Rechnung, dass auch im Strafver-
rechtfertigen vermögen. Bei dieser Einzelfallprüfung fahren die Wahrheit nicht „um jeden Preis“ erforscht werden
sind allerdings die im Gesetz als Strafmilderungsgründe darf (BGHSt 14, 358, 365; 17, 337, 348; 31, 304, 309).
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Der Straftatenkatalog wird zudem neu und übersichtlicher Strafrahmens nicht die für eine Aufnahme in den Anlass-
gefasst. Im Einzelnen: straftatenkatalog erforderliche Schwere: Die angedrohte
● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe a werden die bisher in Höchststrafe beträgt zwar für Soldaten fünf (§ 16 WStG)
§ 100a Satz 1 Nr. 1a StPO enthaltenen Straftaten über- bzw. drei (§ 19 WStG) Jahre Freiheitsstrafe. Für die
nommen; ausgenommen hiervon werden § 86 StGB und allein in Bezug genommenen Nichtsoldaten verschiebt
§ 20 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 VereinsG, die keine schweren sich jedoch nach § 28 i. V. m. § 49 Abs. 1 StGB der Straf-
Straftaten im oben genannten Sinne darstellen. rahmen hinsichtlich der Höchststrafe auf 4 Jahre und
3 Monate bzw. 2 Jahre und 4 Monate, wobei beim Gehil-
● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstaben b, q und s werden zur Ge- fen gemäß § 27 Abs. 2 i. V. m. § 49 Abs. 1 StGB eine
währleistung einer effektiven Bekämpfung der zuneh- weitere Strafrahmenverschiebung nach unten vorzuneh-
mend an Bedeutung erlangenden Korruptionsdelikte als men ist.
Anlasstaten aufgenommen:
● § 100a Satz 1 Nr. 1 Buchstabe e StPO wird gestrichen,
– Abgeordnetenbestechung nach § 108e StGB;
weil der Telekommunikationsüberwachung für die in Be-
– Wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Aus- zug genommenen Straftaten gegen NATO-Truppen keine
schreibungen nach § 298 StGB; praktische Relevanz zukommt. Die Zahl der Verfahren in
– Besonders schwere Fälle der Bestechlichkeit und Be- den Jahren 1998 bis 2005 ist mit Ausnahme der Jahre
stechung im geschäftlichen Verkehr nach § 299 unter 2001 und 2005 gleich Null (vgl. Bundestagsdrucksache
den in § 300 Satz 2 StGB genannten Voraussetzun- 16/2812, S. 11 ff.; 15/6009, S. 7 ff.; 15/4011, S. 5 ff.;
gen; 15/2107, S. 11 ff.;14/10001, S. 2 ff.; 14/7521, S. 5 ff.;
14/4863, S. 8 ff.; 14/2004, S. 5 ff.). Eine Beibehaltung
– Bestechlichkeit und Bestechung nach den §§ 332 dieser Vorschrift ist auch nicht aufgrund der in Artikel 29
und 334 StGB. Abs. 1 und 2 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen
Dies trägt zum einen dem Umstand Rechnung, dass zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrages über die
schon für den intensiveren Eingriff der akustischen Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der Bun-
Wohnraumüberwachung die besonders schweren Fälle desrepublik Deutschland stationierten ausländischen
der Bestechlichkeit und Bestechung nach § 335 Abs. 1 Truppen vom 3. August 1959 (im Folgenden: Zusatzab-
unter den in § 335 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 StGB genannten kommen) bestehenden völkerrechtliche Verpflichtung
Voraussetzungen vorgesehen sind. Zum anderen sind die erforderlich. Danach haben die Entsendestaaten einen
jetzt darüber hinaus aufgenommenen Korruptionsdelikte Anspruch darauf, dass die im Zusatzabkommen aufge-
jeweils dadurch gekennzeichnet, dass sie typischerweise führten Handlungen – gemäß dem Bundeswehrstandard –
heimlich zwischen den Tatbeteiligten begangen werden mit Strafe bedroht und grundsätzlich verfolgt werden.
und nach außen nicht in Erscheinung treten, so dass Entsprechende Regelungen, die von der vorliegend vor-
regelmäßig auch keine Zeugen vorhanden sind, die das gesehenen Streichung nicht berührt werden, sind mit dem
Tatgeschehen beobachten und zur Anzeige bringen kön- Vierten Strafrechtsänderungsgesetz vom 11. Juni 1957
nen. Zur Aufklärung solcher Kriminalitätsformen ist der (BGBl. I S. 597) geschaffen worden.
Einsatz verdeckter Ermittlungsmaßnamen auch in Form
● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe e werden aus dem Bereich
der Telekommunikationsüberwachung erforderlich und
der Geld- und Wertzeichenfälschung – entsprechend dem
wird aus der Praxis seit langem gefordert.
Anlasstatenkatalog des § 100c Abs. 2 StPO – die ge-
Keine Aufnahme in den Anlasstatenkatalog finden hinge- werbs- oder bandenmäßige Fälschung von Zahlungskar-
gen die Delikte der Vorteilsannahme nach § 331 und der ten, Schecks und Wechseln nach § 152a Abs. 3 StGB und
Vorteilsgewährung nach § 333 StGB, weil diese keine die Fälschung von Zahlungskarten mit Garantiefunktion
schweren Straftaten im oben genannten Sinne darstellen und Vordrucken von Euroschecks nach § 152b Abs. 1 bis
und auch bei ihren qualifizierten Begehungsformen 4 StGB neu aufgenommen. Es handelt sich jeweils um
(§ 331 Abs. 2, § 333 Abs. 2 StGB) ein Bedürfnis für eine Straftaten, die dem Bereich der organisierten Kriminalität
Telekommunikationsüberwachung fraglich erscheint. zuzurechnen sind und für die ein hohes öffentliches Auf-
● In § 100a Abs. 2 Nr. 1 Buchstabe d StPO-E werden die klärungsinteresse besteht (vgl. auch Bundesratsdruck-
bislang in § 100a Satz 1 Nr. 1 Buchstabe c StPO enthal- sache 163/04, S. 9).
tenen Straftaten gegen die öffentliche Ordnung nach den ● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe f werden als Anlassstraftat
§§ 129 bis 130 StGB übernommen. Nicht übernommen auch die minder schweren Fälle des schweren sexuellen
wird die Bezugnahme auf die Straftat nach § 95 Abs. 1 Missbrauchs von Kindern nach § 176a Abs. 4 StGB ein-
Nr. 8 AufenthaltsG, die mit einer Strafandrohung von bezogen. Eine Ausklammerung dieser Taten, die mit
einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe den Min- Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bzw.
destanforderungen an eine schwere Straftat nicht genügt. von einem Jahr bis zu zehn Jahren bedroht sind, erscheint
● § 100a Satz 1 Nr. 1 Buchstabe d StPO wird gestrichen, angesichts der erheblichen Schwere dieser Delikte und
weil die Telekommunikationsüberwachung für die Auf- der damit verbundenen weit reichenden negativen Folgen
klärung der dort in Bezug genommenen Straftatbestände für das Opfer nicht zu rechtfertigen. Ziel gesetzgebe-
(Anstiftung oder Beihilfe zur Fahnenflucht oder Anstif- rischer Bemühungen muss es daher sein, den Schutz von
tung zum Ungehorsam, jeweils begangen durch Nicht- Kindern vor sexuellen Übergriffen auch durch eine effek-
soldaten) keine praktische Relevanz hat (vgl. Albrecht/ tive Strafverfolgung zu stärken. Hierzu trägt die Ermög-
Dorsch/Krüpe, a. a. O., S. 463). Darüber hinaus haben lichung der Telekommunikationsüberwachung bei diesen
diese unter Würdigung des vom Gesetz vorgesehenen Straftaten bei.
Drucksache 16/5846 – 42 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

In Harmonisierung mit dem Anlasstatenkatalog des Nutzung entsprechender Organisations- und Kommuni-
§ 100c StPO werden ferner § 177 Abs. 2 Nr. 2 und § 179 kationsstrukturen begangen werden und daher regelmä-
Abs. 5 Nr. 2 StGB aufgenommen. Dies vermeidet Wer- ßig nur unter Einsatz verdeckter Ermittlungsmaßnahmen
tungswidersprüche und trägt Verhältnismäßigkeitsge- aufgeklärt werden können. Die Ausdehnung der Tele-
sichtspunkten Rechnung: Eine Telekommunikations- kommunikationsüberwachung auf diese Deliktsbereiche
überwachung kann in geeigneten Fallgestaltungen den wird insbesondere die Möglichkeit bieten, in diese orga-
Einsatz der – bei generalisierender Betrachtung – ein- nisierten und meist abgeschotteten Strukturen einzudrin-
griffsintensiveren akustischen Wohnraumüberwachung gen. Die Erweiterung ist jedoch vor dem Hintergrund,
entbehrlich machen. dass eine Vielzahl von Betrugsdelikten Gegenstand von
Ermittlungsverfahren ist, auf die besonders schweren
● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe g werden neben dem bis-
Fälle und die Qualifikationstatbestände begrenzt.
lang schon von § 100a StPO erfassten gewerbs- oder
bandenmäßigen Verbreiten, Erwerben und Besitzen kin- ● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe p werden die besonders
derpornographischer Schriften nach § 184b Abs. 3 StGB schweren Fälle sowie die banden- und/oder gewerbsmä-
auch die nicht qualifizierten Fälle des Verbreitens, des ßig begangenen Urkundenfälschungsdelikte neu aufge-
Erwerbs und des Besitzes kinderpornographischer nommen. Diese Delikte sind dem Kernbereich der orga-
Schriften nach § 184b Abs. 1 und 2 StGB einbezogen. nisierten Kriminalität zuzurechnen und werden typi-
Auch bei diesen Straftaten handelt es sich um schwere scherweise in organisierten, abgeschottet agierenden
und – in Anbetracht der weit verbreiteten Nutzung des Strukturen als Begleitdelikte – namentlich bei so genann-
Internets – inzwischen telekommunikationstypische De- ten Schleusungsdelikten und beim organisierten Kfz-
likte. Der Großteil kinderpornographischer Schriften Diebstahl, darüber hinaus aber auch von sonstigen Täter-
wird heute über elektronische Kommunikationsmedien gruppierungen – begangen (vgl. Kinzig, die Rechtliche
verbreitet und auf elektronischen Datenträgern (Festplat- Bewältigung von Erscheinungsformen der organisierten
ten, Servern) gespeichert. Dies zeigen die Auswertungen Kriminalität, 2004, S. 417). Die Erweiterung bleibt aus
der im Rahmen von Ermittlungsverfahren wegen Straf- den o. g. Gründen auf die besonders schweren Fälle so-
taten nach den §§ 184 ff. StGB sichergestellten Beweis- wie die banden- und/oder gewerbsmäßige Begehungs-
mittel. weise begrenzt.
● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe i werden neben den schon ● In Absatz 2 Nr. 2 werden schwere Straftatbestände nach
bislang aus dem Bereich der Straftaten gegen die persön- der Abgabenordnung neu aufgenommen.
liche Freiheit einbezogenen Straftaten auch aufgenom-
– Durch die Einbeziehung des besonders schweren
men die Fälle
Falls der Steuerhinterziehung nach § 370 Abs. 3
– des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Aus- Satz 2 Nr. 5 AO (in der Fassung, die diese Vorschrift
beutung nach § 232 Abs. 1 und 2 StGB, durch Artikel 3 dieses Gesetzentwurfs erhält: banden-
mäßige fortgesetzte Hinterziehung von Umsatz- oder
– des Menschenhandels zum Zweck der Ausbeutung
Verbrauchsteuern) wird insbesondere die Verfolgung
der Arbeitskraft nach § 233 Abs. 1 und 2 StGB und
so genannter Umsatzsteuerkarusselle verbessert wer-
– der Förderung des Menschenhandels nach § 233a den, wofür ein erhebliches praktisches Bedürfnis be-
StGB. steht. Diese Form der Wirtschafts- und Transaktions-
kriminalität setzt Organisationsstrukturen voraus, die
Damit sind die Menschenhandelsdelikte künftig insge-
von außen in offen ermittelnder Form nicht zugäng-
samt erfasst. Dies ist angesichts der Schwere dieser
lich sind.
Delikte – es handelt sich durchgehend um zumindest
schwere, zum Teil auch besonders schwere Straftaten – – Die Einbeziehung des gewerbsmäßigen, gewaltsamen
gerechtfertigt und entspricht Forderungen aus der Praxis, und bandenmäßigen Schmuggels nach § 373 AO zielt
die zur Aufklärung dieser Delikte aus dem Bereich der auf ein effektives Vorgehen gegen den organisierten
organisierten Kriminalität gerade auf die Telekommuni- Schmuggel (z. B. Zigarettenschmuggel), der in wei-
kationsüberwachung angewiesen ist, um in die konspira- ten Teilen unter Einsatz von Telekommunikationsmit-
tiv und abgeschottet agierenden Täterkreise eindringen teln durchgeführt wird.
zu können.
– Der organisierten Kriminalität zuzurechnen ist auch
● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe k wird auch der räuberische der Straftatbestand der gewerbsmäßigen oder banden-
Diebstahl nach § 252 StGB einbezogen, um Wertungs- mäßigen Steuerhehlerei nach § 374 Abs. 2 AO (in der
widersprüche und Abgrenzungsprobleme zu den bislang Fassung, die diese Vorschrift durch Artikel 3 dieses
schon im Anlasstatenkatalog erfassten Raub- und Erpres- Gesetzentwurfs erhält), deren Einbeziehung als An-
sungsdelikten zu vermeiden. lasstat eine notwendige Ergänzung darstellt, um der
Nutzziehung aus den in § 374 Abs. 1 AO genannten
● In Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe n, o und q wird mit der Auf-
Steuerdelikten und damit auch der Finanzierung orga-
nahme besonders schwerer Fälle sowie der Qualifika-
nisierter Kriminalität den Boden zu entziehen.
tionstatbestände des Betrugs, des Computerbetrugs, des
Subventionsbetrugs und des Bankrotts dem Bedürfnis ● In Absatz 2 Nr. 3 werden besonders schwere Fälle einer
nach einer effektiveren Verfolgung von Straftaten aus Dopingstraftat nach § 95 Abs. 1 Nr. 2a des Arzneimittel-
dem Bereich der Wirtschaftskriminalität Rechnung getra- gesetzes (AMG) neu aufgenommen. Durch die Einbezie-
gen. Es handelt sich um Delikte, die typischerweise von hung des gewerbs- oder bandenmäßigen Inverkehrbrin-
in organisierten Strukturen handelnden Personen unter gens, Verschreibens oder Anwendens von Dopingmitteln
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 43 – Drucksache 16/5846

nach § 95 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 Buchstabe b AMG (in der 24. Juni 2005 (BGBl. I S. 1841) nachgekommen. In zeitli-
Fassung, die diese Vorschrift im parallelen Gesetzge- cher Nachfolge zu dieser Rechtsprechung ist die Anzahl von
bungsvorhaben zur Verbesserung der Bekämpfung des Maßnahmen nach § 100c StPO (akustische Wohnraumüber-
Dopings im Sport erhält) soll die Verfolgung der ge- wachung) von vorher durchschnittlich knapp 30 auf deutlich
werbs- oder bandenmäßig organisierten Dopingkrimina- unter 10 zurückgegangen.
lität sowie der Schutz der Volksgesundheit verbessert
In seinem Urteil vom 27. Juli 2005 (1 BvR 668/04, NJW
werden. Die Einbeziehung zielt damit auf ein effektiveres
2005, 2603 ff.) hat das Bundesverfassungsgericht darüber
Vorgehen gegen organisierte Dopingnetzwerke.
hinausgehend auch einfachgesetzliche Vorkehrungen zum
● In Absatz 2 Nr. 4 bis 8 sind die schon bislang im Straf- Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung bei Maß-
tatenkatalog des § 100a StPO enthaltenen Straftaten nach nahmen der (gefahrenabwehrrechtlichen) Telekommunika-
dem Asylverfahrensgesetz, dem Aufenthaltsgesetz, dem tionsüberwachung gefordert, gleichzeitig aber anerkannt,
Außenwirtschaftsgesetz, dem Betäubungsmittelgesetz dass hier andere Maßstäbe anzulegen sind (mit beachtlichen
und dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen Erwägungen kritisch zu diesen verfassungsgerichtlichen
(KrWaffKontrG) übernommen worden. Neu aufgenom- Vorgaben Löffelmann, ZStW 118 [2006], 358, 375 ff.).
men wurde in Nummer 8 die als Verbrechen ausgestaltete
Strafvorschrift des § 20a Abs. 1 bis 3 KrWaffKontrG Eine besondere Regelung, insbesondere eine solche, die die
(Antipersonenminen). Die Aufnahme rechtfertigt sich Strafverfolgungsbehörden verpflichten würde, prognostisch
aus der Schwere dieser Straftat sowie dem Umstand, dass eine mögliche Kernbereichsrelevanz der Gespräche vor der
der illegale Umgang mit Antipersonenminen regelmäßig Beantragung, Anordnung und Durchführung der Maßnahme
in abgeschottet organisierter Weise stattfindet, so dass im Sinne präventiven Rechtsschutzes zu prüfen, ist – anders
das Instrument der Telekommunikationsüberwachung in als bei der akustischen Wohnraumüberwachung (vgl. § 100c
besonderer Weise zur Aufklärung dieses Verbrechens ge- Abs. 4 und 5 StPO) – bei der Telekommunikationsüber-
eignet erscheint. wachung hiernach nicht erforderlich und wäre auch nicht
praktikabel. Bei der Nutzung eines Mediums, das auf die
● In Absatz 2 Nr. 9 sind in Angleichung an § 100c Entfernung der Kommunizierenden voneinander angelegt
Abs. 2 Nr. 6 StPO die Verbrechensstraftaten nach den ist und typischerweise nicht in vergleichbarer Weise wie bei
§§ 7 bis 12 VStGB (Verbrechen gegen die Mensch- der Nutzung einer Wohnung den Rahmen für den Austausch
lichkeit, Kriegsverbrechen gegen Personen, Kriegsver- höchstpersönlicher Informationen bietet, dessen Nutzung
brechen gegen Eigentum und sonstige Rechte, Kriegs- nicht nur die Inanspruchnahme der Dienste Dritter – der
verbrechen gegen humanitäre Organisationen und Telekommunikationsdiensteanbieter – erfordert, sondern
Embleme, Kriegsverbrechen des Einsatzes verbotener auch im Bereich des Mobilfunks vielfach in der Öffentlich-
Methoden der Kriegsführung) neu eingestellt worden. keit stattfindet, besteht in ungleich geringerem Maße als bei
§ 6 VStGB (Völkermord), der ebenfalls in Bezug ge- der akustischen Wohnraumüberwachung, durch die unmit-
nommen wird, ist auch bislang schon Anlasstat nach telbar in den „letzten Rückzugsbereich“ (BVerfGE 109, 279,
§ 100a Satz 1 Nr. 2 StPO. 314) des Bürgers eingegriffen wird, die Gefahr der Erfas-
● In Absatz 2 Nr. 10 ist bei den Straftaten nach dem Waf- sung von Gesprächen, die dem Kernbereich privater Le-
fengesetz die Bezugnahme auf den Fahrlässigkeits- bensgestaltung zuzuordnen und daher am unantastbaren
straftatbestand des § 51 Abs. 4 WaffG gestrichen wor- Schutz der Menschenwürde des Betroffenen teilhaben. Ein
den, da es sich nicht um eine schwere Straftat handelt vorbeugender Schutz für jegliche denkbare Gefährdung die-
(das Gesetz droht insoweit Freiheitsstrafe von maximal ses Kernbereichs durch eine Telekommunikationsüberwa-
zwei Jahren oder Geldstrafe an). chung wäre auch praktisch nicht umsetzbar, da sich – wo-
rauf auch das Bundesverfassungsgericht hinweist (BVerfG,
1 BvR 668/04 vom 27. Juli 2005, Absatz-Nr. 164, NJW
Zu § 100a Abs. 3 StPO-E
2005, 2603, 2612) – Anhaltspunkte für die Kernbereichs-
Die Vorschrift entspricht dem bisherigen § 100a Satz 2 relevanz eines Gesprächs in aller Regel erst aus dem Ge-
StPO. spräch selbst ergeben.
Das Ermittlungsinstrument der Telekommunikationsüber-
Zu § 100a Abs. 4 StPO-E wachung wird zudem sowohl in Deutschland als auch im
Absatz 4 trifft Regelungen zum Schutz des Kernbereichs internationalen Bereich als sehr bedeutsam eingeschätzt. Der
privater Lebensgestaltung bei Telekommunikationsüber- Untersuchung von Albrecht, Dorsch und Krüpe ist zu ent-
wachungsmaßnahmen. nehmen, dass es als ein wichtiges und unabdingbares Ermitt-
lungsinstrument anzusehen ist (a. a. O., S. 463). Mit Blick
Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach einen Kernbe-
auf den verfassungsrechtlichen Strafverfolgungsauftrag des
reich privater Lebensgestaltung anerkannt, der dem staat-
Staates ist es deshalb notwendig, dass für unverzichtbare Er-
lichen Zugriff schlechthin entzogen ist (BVerfGE 6, 32, 41;
mittlungsinstrumente, wie sie die Telekommunikationsüber-
27, 1, 6; 32, 373, 379; 34, 238, 245; 80, 367, 373; 109, 279;
wachung darstellt, ein praktikabler Anwendungsbereich ver-
BVerfG, 1 BvR 668/04 vom 27. Juli 2005, Absatz-
bleibt.
Nr. 160 ff., NJW 2005, 2603, 2611 f.). In seiner Entschei-
dung zur akustischen Wohnraumüberwachung (BVerfGE § 100a Abs. 4 StPO-E stellt deshalb klar, dass eine Telekom-
109, 279 ff.) hat das Bundesverfassungsgericht erstmals ein- munikationsüberwachung unzulässig ist, wenn tatsächliche
fachgesetzliche Vorkehrungen zum Schutz dieses Kernbe- Anhaltspunkte vorliegen, dass durch die Überwachung
reichs für Maßnahmen nach § 100c StPO gefordert. Dieser allein Erkenntnisse aus diesem Kernbereich erlangt würden.
Forderung ist der Gesetzgeber durch das Gesetz vom Soweit dies erkennbar ist, hat die Überwachung zu unterblei-
Drucksache 16/5846 – 44 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

ben. Absatz 4 knüpft damit an die Regelung zum Schutz des Theoretisch könnte die Erfassung kernbereichsrelevanter
Kernbereichs privater Lebensgestaltung bei der akustischen Kommunikation bei einer Telekommunikationsüberwa-
Wohnraumüberwachung nach § 100c Abs. 4 StPO an, unter- chung allerdings durch ein Mithören in Echtzeit weitgehend
scheidet sich davon aber in wesentlichen Punkten. Nach abgewendet werden. Sobald ein zu überwachendes Gespräch
§ 100c Abs. 4 StPO darf die akustische Wohnraumüber- kernbereichsrelevant wird, wäre das Abhören und Aufzeich-
wachung nur dann angeordnet werden, wenn prognostiziert nen der Telekommunikation zu unterbrechen oder gar end-
werden kann, dass eine Verletzung des Kernbereichs nicht zu gültig zu beenden. Ein solches Vorgehen ist indessen weder
besorgen ist; hierzu sind vor Anordnung der Maßnahme praktisch durchführbar noch mit vertretbarem – auch zusätz-
Abklärungen vorzunehmen, etwa zur Art der überwachten lichem – personellen und sonstigen Aufwand zu leisten. Ein
Räumlichkeit und zu den sich dort voraussichtlich aufhal- Großteil der derzeit zu Zwecken der Strafverfolgung über-
tenden Personen. Demgegenüber ist eine Telekommunika- wachten Telekommunikation wird beispielsweise in frem-
tionsüberwachung – bei Vorliegen der sonstigen Voraus- den, zum Teil nicht ohne weiteres identifizierbaren Sprachen
setzungen – grundsätzlich zulässig und hat nur dann zu und Dialekten und darüber hinaus unter Benutzung von Ge-
unterblieben, wenn die anhand vorliegender tatsächlicher heimcodes geführt. Selbst bei ständigem parallelem Mit-
Anhaltspunkte zu erstellende Prognose ergibt, dass allein Er- hören durch einen Dolmetscher könnte hierbei nicht ge-
kenntnisse aus dem Kerbereich privater Lebensgestaltung zu währleistet werden, dass der Inhalt der Gespräche sofort
erwarten sind. Für die Erstellung dieser Prognose brauchen zutreffend erfasst und übersetzt wird. Oftmals ist hierfür
– anders als bei der akustischen Wohnraumüberwachung – vielmehr das wiederholte Abspielen und Anhören der aufge-
keine besonderen vorausgehenden Ermittlungen getätigt zu zeichneten Kommunikation unter Einbeziehung der bisheri-
werden. gen Erkenntnisse des Verfahrens unabdingbar. Darüber
hinaus sind manche Gespräche aus sonstigen, der Nutzung
Erwogen worden ist, den Anforderungen des Bundesver- des Mediums geschuldeten Gründen (z. B. Hintergrund-
fassungsgerichts in der Entscheidung 1 BvR 668/04 vom rauschen, schlechter Empfang) kaum ohne technische Auf-
27. Juli 2005 (NJW 2005, 2603 ff.) dadurch Rechnung zu bereitung beim ersten Hören zu verstehen. Hinzu kommt,
tragen, dass lediglich ein Beweisverwertungsverbot für Er- dass Betroffene mitunter eine Vielzahl von Telekommunika-
kenntnisse aus dem Kernbereich persönlicher Lebensgestal- tionsmitteln besitzen und teilweise parallel nutzen, etwa tele-
tung vorgesehen wird (so z. B. für den Bereich der Polizei- fonische Absprachen über die parallel im Internet vorzu-
gesetze: Sicherheits- und Ordnungsgesetz des Landes nehmenden Aktivitäten treffen (während vielleicht auch
Mecklenburg-Vorpommern, GVOBl. M-V 2006, S. 551). noch parallel ein Telefax eingeht). Die in der Praxis zur Er-
Auch in der Literatur wird teilweise vertreten, dass die An- fassung aller ermittlungsrelevanten Kommunikation regel-
forderungen in der vorgenannten Entscheidung des Bundes- mäßig notwendige Rund-um-die-Uhr-Überwachung könnte
verfassungsgerichts nicht das „Ob“ der Maßnahme, sondern bei dem Erfordernis eines Mithörens in Echtzeit selbst bei
lediglich das „Wie“ betreffe; die unterschiedlichen Schutz- einer deutlichen Aufstockung der Personalkapazitäten nicht
bereiche und Schutzrichtungen von Artikel 10 GG einerseits geleistet werden. Dies gilt erst recht und gerade im Bereich
und Artikel 13 GG andererseits ließen für den Bereich der der für eine Telekommunikationsüberwachung primär in
Überwachung der Telekommunikation ein Beweisverwer- Betracht kommenden organisierten Kriminalität, die regel-
tungsverbot ausreichend erscheinen (vgl. Gusy, Nds.VBl. mäßig die parallele Überwachung mehrerer Personen mit
2006, 65, 69). teilweise zahlreichen Telekommunikationsanschlüssen not-
wendig macht.
Die Vereinbarkeit dieser Auffassung mit den Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichts ist indessen zumindest zweifel- Auch das Bundesverfassungsgericht hat – wohl eingedenk
haft. Nach den Darlegungen des Bundesverfassungsgerichts dieser tatsächlichen Gegebenheiten – kein Mithören in Echt-
hat bereits die Maßnahme zu unterbleiben, wenn der Kern- zeit bei der Telekommunikationsüberwachung gefordert,
bereich privater Lebensgestaltung betroffen wird. Dem trägt sondern ausgeführt, dass insoweit nicht dieselben strengen
das Erhebungsverbot in § 100a Abs. 4 Satz 1 StPO-E Rech- Maßstäbe wie bei einer akustischen Wohnraumüberwachung
nung. Anders als bei einer akustischen Wohnraumüber- anzulegen sind, die zudem ebenfalls nicht stets ein Mithören
wachung, bei der Anhaltspunkte anhand der Art der zu in Echtzeit erfordert.
überwachenden Räumlichkeit und dem Verhältnis der zu
überwachenden Personen zueinander gewonnen werden Die Regelung in § 100a Abs. 4 Satz 1 StPO-E trägt diesen
können, ist bei einer Telekommunikationsüberwachungs- Erkenntnissen Rechnung. Die Regelung ermöglicht weiter-
maßnahme – worauf auch das Bundesverfassungsgericht hin eine zur Verfolgung von schweren Straftaten notwendige
hinweist – kaum je vorhersehbar, ob kernbereichsrelevante effektive Durchführung von Telekommunikationsüberwa-
Inhalte anfallen. Soll etwa ein privater Anschluss abgehört chungsmaßnahmen und gewährleistet zugleich in praktikab-
werden, so wird sich regelmäßig nicht ausschließen lassen, ler Weise den Schutz des Kernbereichs privater Lebensge-
dass private Gespräche – bis hin zum Austausch intimster staltung. Einerseits trifft sie zum Schutz des Kernbereichs
Kommunikationsinhalte – erfasst würden. Aber auch von privater Lebensgestaltung bereits auf der Anordnungsebene
primär geschäftlich oder dienstlich genutzten Festnetzan- ein Erhebungsverbot für den Fall, dass von vornherein allein
schlüssen werden erfahrungsgemäß auch private Gespräche – ohnehin nicht verwertbare (vgl. Absatz 4 Satz 2) – Er-
geführt, die kernbereichsrelevante Inhalte aufweisen kön- kenntnisse aus dem Kernbereich privater Lebensgestaltung
nen. Die Erfassung kernbereichsrelevanter Inhalte lässt sich zu erwarten sind. Andererseits begrenzt sie dieses Erhe-
damit – wie auch das Bundesverfassungsgericht ausführt – bungsverbot auf Fallgestaltungen, in denen die Maßnahme
bei einer Telekommunikationsüberwachung regelmäßig ausschließlich Erkenntnisse aus dem Kernbereich privater
nicht ausschließen. Lebensgestaltung erwarten lässt. Solche Fallgestaltungen
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 45 – Drucksache 16/5846

werden außerhalb des Anwendungsbereichs des § 53b Erläuterungen zu § 53b Abs. 2 StPO-E) dargelegten Grün-
Abs. 1 StPO-E selten anzutreffen sein. Ein Beispiel dürfte den wurde von einer entsprechenden Regelung abgesehen.
die Kommunikation mit der durch die katholische und evan-
gelische Kirche angebotene Telefonseelsorge sein, die meist Zu § 100b StPO-E
nicht von Geistlichen im Sinne des § 53 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1
In § 100b StPO-E sind – wie bislang – die für die Anordnung
StPO sondern von besonders geschulten haupt- und ehren-
und Durchführung einer Telekommunikationsüberwachung
amtlichen Mitarbeitern im Auftrag der Kirchen durchgeführt
maßgeblichen Verfahrensregelungen zusammengefasst, so-
wird.
weit diese nicht in allgemeinen Vorschriften, insbesondere in
Nach Absatz 4 Satz 2 dürfen Erkenntnisse aus dem Kern- § 101 StPO-E bzw. – hinsichtlich der bislang in § 100b
bereich privater Lebensgestaltung nicht verwertet werden. Abs. 5 StPO enthaltenen Verwendungsregelung – in § 477
Dies entspricht den vom Bundesverfassungsgericht auf- Abs. 2 StPO-E eingestellt werden.
gestellten Vorgaben wie auch der gefestigten fachgericht-
lichen Rechtsprechung (vgl. BGHSt 14, 358 ff.; 19, 325 ff.; Zu § 100b Abs. 1 StPO-E
34, 397, 399 ff.; 36, 167, 173 ff.; 44, 46, 48; BGHR StPO Absatz 1 stellt die Telekommunikationsüberwachung wei-
§ 261 Verwertungsverbot 8, 11; BGH, 2 BJs 112/97-2 – terhin unter den Vorbehalt der gerichtlichen Anordnung und
StB 10 u. 11/99 vom 13. Oktober 1999, NStZ 2000, 383), enthält die jeweils zu beachtenden Anordnungsfristen.
die von dem Gedanken ausgeht, dass durch eine derartige
Verwertung der unzulässige Eingriff in den Kernbereich Satz 1 bestimmt, dass Maßnahmen nach § 100a StPO-E stets
noch vertieft würde. Aus diesem Verwertungsverbot kann eines Antrags der Staatsanwaltschaft bedürfen und – wie bis-
sich in besonderen Einzelfällen unter Anwendung des lang – dem Vorbehalt der gerichtlichen Anordnung unterlie-
Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit die Verpflichtung er- gen. Zuständiges Gericht ist im Ermittlungsverfahren das
geben, die Überwachung und Aufzeichnung der Telekom- Amtsgericht am Sitz der Staatsanwaltschaft, § 162 Abs. 1
munikation zu unterbrechen. Wird etwa – wozu die Rege- StPO-E.
lungen des § 100a Abs. 4 StPO-E nicht verpflichten und Nach Satz 2 kann die Staatsanwaltschaft entsprechend dem
was in der Praxis den Ausnahmefall darstellen dürfte – im geltenden Recht bei Gefahr im Verzug die Anordnung auch
Zuge einer Telekommunikationsüberwachungsmaßnahme selbst treffen (Eilanordnung).
eine Telekommunikation ausnahmsweise in Echtzeit („live“)
Ebenfalls entsprechend dem geltenden Recht bestimmt
mitgehört und dabei zweifelsfrei erkannt, dass kernbe-
Satz 3 Halbsatz 1, dass die Eilanordnung der Staatsanwalt-
reichsrelevante Inhalte Gegenstand der Kommunikation
schaft außer Kraft tritt, wenn sie nicht binnen drei Werktagen
sind, so ist deren weitere Erhebung schon deshalb unzuläs-
von dem Gericht bestätigt wird. Neu ist die in Satz 3
sig, weil sie in Ansehung des Verwertungsverbotes in Satz 2
Halbsatz 2 aufgenommene und einer möglichen Umgehung
nicht geeignet ist, die Erreichung des mit der Maßnahme
des Richtervorbehalts vorbeugende Regelung, nach der die
verfolgten Zwecks zu fördern. In solchen Ausnahmefallge-
aufgrund der Eilanordnung erlangten personenbezogenen
staltungen ist die Überwachung und Aufzeichnung der Tele-
Daten nur dann zu Beweiszwecken im Strafverfahren ver-
kommunikation daher vorübergehend zu unterbrechen.
wertbar sind, wenn die für die Eilanordnung der Staats-
Mit dem Verwertungsverbot korrespondiert in Absatz 4 anwaltschaft vorausgesetzte Gefahr im Verzug bestand. Das
Satz 3 die Pflicht, durch einen Eingriff in den Kernbereich erkennende Gericht hat daher bei einer beweismäßigen Ver-
erlangte Erkenntnisse unverzüglich zu löschen. Dieses Ge- wertung von Erkenntnissen, die aufgrund einer Eilanord-
bot zur unverzüglichen Löschung verpflichtet grundsätzlich nung der Staatsanwaltschaft erlangt wurden, auch zu prüfen,
diejenige Person, die dazu am ehesten in der Lage ist, in der ob die für die Eilanordnung erforderliche Gefahr im Verzug
Regel also die mit der Auswertung von Überwachungs- bestand.
aufzeichnungen betrauten Ermittlungsperson. Diese kann Nach Satz 4 ist die Maßnahme auf maximal zwei Monate zu
– und wird in zweifelhaften Fällen – vor einer Löschung die befristen. Die damit verbundene Verkürzung der Anord-
Entscheidung der Staatsanwaltschaft einholen. Auch ist es nungsdauer von bislang drei auf nunmehr zwei Monate be-
der Staatsanwaltschaft als „Herrin des Ermittlungsverfah- rücksichtigt die rechtstatsächlichen Erkenntnisse aus der Un-
rens“ unbenommen, sich im Einzelfall oder auch generell tersuchung von Albrecht/Dorsch/Krüpe (a. a. O., S. 166 ff.,
die Entscheidung über die Löschung vorzubehalten. Stets 170 f.), wonach etwa drei Viertel der Telekommunikations-
muss die Entscheidung über eine Löschung aber unverzüg- maßnahmen über einen Zeitraum von bis zu zwei Monaten
lich, also ohne schuldhaftes Zögern, herbeigeführt werden, geführt und nur etwa 9 Prozent der Anschlüsse tatsächlich
damit – soweit geboten – auch die Löschung unverzüglich über die Dauer von drei Monaten überwacht werden. Damit
erfolgen kann. erscheint für den Großteil der Maßnahmen eine Anord-
nungsdauer von maximal zwei Monaten ausreichend. Auf-
Um die Erlangung von Rechtsschutz gegen den Eingriff zu grund dieser Verkürzung der Anordnungsdauer dürfte aller-
sichern, ist nach Absatz 4 Satz 4 die Tatsache der Erfassung dings ein Anstieg der Anzahl der Verlängerungsanord-
solcher Erkenntnisse und der Löschung von Aufzeichnungen nungen und damit auch der Gesamtzahl der jährlichen
hierüber aktenkundig zu machen. Telekommunikationsanordnungen zu erwarten sein.
Erwogen wurde ferner eine Regelung nach dem Vorbild des Nach Satz 5 kann die Anordnung wie schon bislang – auch
§ 100c Abs. 7 StPO, wonach bei Zweifeln darüber, ob nicht mehrfach – verlängert werden, soweit dies im Einzelfall er-
verwertbare Erkenntnisse erlangt wurden, unverzüglich eine forderlich ist. Neu ist, dass die Verlängerung jeweils auf
Entscheidung des Gerichts über die Verwertbarkeit herbeizu- maximal zwei Monate zu befristen ist; dies trägt den vorge-
führen ist. Aus den bereits zu § 53b Abs. 1 StPO-E (vor den nannten rechtstatsächlichen Erkenntnissen Rechnung. Fer-
Drucksache 16/5846 – 46 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

ner ist ausdrücklich klargestellt, dass eine Verlängerung nur Ermittlungsmaßnahmen geringere Anforderungen zu stellen
zulässig ist, wenn die Anordnungsvoraussetzungen unter sind. Eine allgemeine Pflicht zur angemessenen, die Nach-
Berücksichtigung der gewonnenen Ermittlungsergebnisse vollziehbarkeit und Überprüfung der Entscheidung ermögli-
fortbestehen. Dies setzt in der Praxis voraus, dass das Ge- chenden Begründung einer Anordnung ergibt sich bereits
richt von den Strafverfolgungsbehörden über die zwischen- aus § 34 StPO.
zeitlich gewonnenen Ermittlungsergebnisse – nicht nur aus ● Nach Absatz 2 Satz 1 hat die Anordnung einer Telekom-
der Telekommunikationsüberwachung, sondern auch aus munikationsüberwachung schriftlich zu ergehen. Dies
etwaigen anderen zwischenzeitlichen Ermittlungsmaßnah- entspricht dem geltenden Recht und bezieht sich sowohl
men – hinreichend in Kenntnis gesetzt wird. auf die gerichtliche Anordnung als auch auf die staats-
Für die Berechnung der Anordnungs- wie auch der Ver- anwaltschaftliche Eilanordnung und etwaige Verlänge-
längerungsfristen gelten die allgemeinen Regelungen der rungsanordnungen.
§§ 42 ff. StPO (vgl. eingehend zur Berechnung der Fristen ● Nach Absatz 2 Satz 2 Nr. 1 sind der Name und die An-
im Rahmen des geltenden § 100b StPO: Günther, Krimina- schrift der betroffenen Person, gegen die sich die Maß-
listik 2006, S. 683 ff.). Der Fristbeginn wird dabei bereits nahme richtet, anzugeben, soweit diese Angaben möglich
durch den Erlass der gerichtlichen Erst- bzw. Verlängerungs- sind. Die Einschränkung „soweit möglich“ trägt dem
anordnung ausgelöst. Nur so ist gewährleistet, dass die An- Umstand Rechnung, dass nicht stets vollständige Anga-
ordnung der Maßnahme die jeweils aktuellen Erkenntnisse ben zur Person des Betroffenen bekannt sind, z. B. weil
zugrunde gelegt und in die gerichtliche Prüfung der Anord- diese unter einem Alias- oder Decknamen auftritt oder ihr
nungsvoraussetzungen einbezogen werden können. Dies gilt Name noch gar nicht bekannt ist.
auch dann, wenn eine Verlängerungsanordnung deutlich vor
Ablauf der Erstanordnung erlassen wird, so dass die in der ● Erwogen wurde, entsprechend den oben genannten, durch
Erstanordnung enthaltene Frist faktisch nicht voll aus- die Rechtsprechung festgelegten Anforderungen an den
geschöpft wird. Dies schließt den Erlass „vorsorglicher“ notwendigen Inhalt einer Anordnung in Anlehnung an
Verlängerungsanordnungen aus. Hiermit wird eine jeweils § 100d Abs. 2 Nr. 2 StPO festzulegen, dass die Entschei-
zeitnahe gerichtliche Kontrolle der Telekommunikations- dungsformel auch den Tatvorwurf, aufgrund dessen die
überwachungsmaßnahme im Sinne eines möglichst effekti- Maßnahme angeordnet wird, anzugeben hat. Davon wur-
ven Grundrechtsschutzes der von der Maßnahme betroffe- de vor dem Hintergrund, dass der Beschluss in den Fällen
nen Personen gewährleistet. Zur Bestimmung des Fristendes des Absatzes 3 – also regelmäßig – an das Telekommu-
vgl. auch die Neuregelung in Absatz 2 Satz 2 Nr. 3 (Benen- nikationsunternehmen zu übermitteln ist, aus Verhältnis-
nung des Endzeitpunktes). mäßigkeitsgesichtspunkten (Datenschutz) abgesehen.
● Nach Absatz 2 Satz 2 Nr. 2 muss die Anordnung ferner
Satz 6 ergänzt dieses Kontrollsystem, indem Anordnungen
die Rufnummer oder eine andere Kennung (z. B. die
über sechs Monate hinaus nur durch das im Rechtszug über-
IMSI – International Mobile Subscriber Identity) des zu
geordnete Gericht – regelmäßig also das Landgericht – ange-
überwachenden Anschlusses oder des Endgerätes enthal-
ordnet werden dürfen. Dies gilt allerdings nur vorbehaltlich
ten.
des § 169 StPO: In Sachen, die in die Zuständigkeit des Er-
mittlungsrichters beim Oberlandesgericht oder beim Bun- Die Möglichkeit der Angabe einer Kennung des zu über-
desgerichtshof gehören, bleibt dieser auch für Verlängerun- wachenden Endgerätes steht unter der – vom Gesetz-
gen über sechs Monate hinaus zuständig. geber auch in § 23b Abs. 4 Satz 2 Nr. 2 ZFdG vorgesehe-
nen – Einschränkung, dass die anzugebende Endgeräte-
Zu § 100b Abs. 2 StPO-E kennung auch allein dem zu überwachenden Endgerät
zugeordnet ist. Die damit künftig auch strafprozessual
Die Vorschrift enthält in Modifizierung von § 100b Abs. 2 mögliche „IMEI-gestützte“ Überwachung eines Mobil-
Satz 1 bis 3 StPO und in Anlehnung an § 100d Abs. 2 StPO telefons trägt den Schwierigkeiten Rechnung, die sich
qualifizierte Pflichten für Form und Inhalt eines Anord- derzeit bei der Überwachung polizei- und ermittlungser-
nungsbeschlusses. Qualifizierte Begründungspflichten wer- fahrener Täter ergeben. Diese verfügen teilweise über
den allerdings – anders als bei der akustischen Wohnraum- zahlreiche (mitunter über 100) verschiedene Mobiltele-
überwachung (§ 100d Abs. 3 StPO) – nicht vorgesehen, da fonkarten (SIM-Karten), die sie abwechselnd in dem zu-
die Anordnungsvoraussetzungen für die Telekommunika- meist selben Mobilfunkgerät einsetzen („Kartenspieler“).
tionsüberwachung, insbesondere mit Blick auf die bei der Dadurch ändert sich die zu überwachende Kennung des
akustischen Wohnraumüberwachung erforderliche qualifi- Mobilfunkabschlusses fortwährend, so dass bislang die
zierte Kernbereichsprognose, insgesamt geringer sind. Zu- jeweils neue Kennung des Anschlusses zunächst ermittelt
dem ist die gefestigte Rechtsprechung zu den notwendigen und sodann ein auch auf diese Kennung bezogener ge-
Begründungsinhalten von Durchsuchungsbeschlüssen, die richtlicher Überwachungsbeschluss herbeigeführt wer-
auch hier Anwendung findet, ohnehin zu beachten (BVerfGE den muss. Durch diese Taktik können die Beschuldigten
96, 44, 52; 103, 142, 151; 107, 299 ff.; BVerfG, 2 BvR 27/04 der Überwachung für gewisse Zeiträume und teilweise
vom 8. März 2004, NJW 2004, 1517 ff.). Die Aufnahme auch ganz entgehen. Aus den dadurch entstehenden
einer qualifizierten Begründungspflicht bei Telekommuni- Überwachungslücken ergibt sich ein Bedürfnis der Pra-
kationsüberwachungsanordnungen würde die besonderen xis, über die Gerätekennung (IMEI) des dauerhaft ge-
Anforderungen, die an die Begründung der Anordnung einer nutzten Mobiltelefons eine möglichst unterbrechungs-
akustischen Wohnraumüberwachung zu stellen sind, relati- freie Überwachung der Telekommunikation herbeizufüh-
vieren und im Umkehrschluss die Frage aufwerfen, ob an die ren. Dem trägt die Neuregelung in Absatz 2 Satz 2 Nr. 2
Begründung der Anordnung anderer verdeckter und offener Rechnung.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 47 – Drucksache 16/5846

Die Voraussetzung, dass die zu überwachende Endgerä- satz technischer Mittel erfolgen kann. Im Einzelfall ist aller-
tekennung allein dem zu überwachenden Endgerät zuge- dings bei der Umsetzung einer Überwachungsmaßnahme
ordnet ist, wird in der Praxis dadurch sicherzustellen sein, strikt zu beachten, dass nur diejenige Telekommunikation er-
dass die nach Absatz 3 zur Mitwirkung und Auskunftser- fasst wird, deren Überwachung durch die gerichtliche An-
teilung verpflichteten Telekommunikationsdienstleister ordnung legitimiert ist.
vor der Schaltung der Überwachungsmaßnahme überprü-
Notwendig ist mit Blick auf die Umsetzung von Artikel 17
fen, ob die betreffende Gerätekennung mehrfach in das
i. V. m. Artikel 16 des Übereinkommens über Computerkri-
Mobilfunknetz eingebucht ist.
minalität, die keine dem bisherigen Absatz 3 entsprechende
● Absatz 2 Satz 2 Nr. 3 übernimmt aus § 100b Abs. 2 Beschränkung von Mitwirkungspflichten auf Telekommuni-
Satz 3 StPO das Erfordernis der Angabe von Art, Um- kationsdiensteanbieter vorsehen, die ihre Dienste geschäfts-
fang und Dauer der Maßnahme. Durch entsprechende mäßig erbringen, die Ausweitung der Vorschrift auch auf
Konkretisierungen, die auch die Art des technischen Zu- solche Personen und Stellen, die Telekommunikationsdiens-
griffs auf die zu überwachende Telekommunikation be- te erbringen oder daran mitwirken, ohne geschäftsmäßig zu
treffen, wird erreicht, dass die Maßnahme zielgerichtet handeln. „Geschäftsmäßiges Erbringen von Telekommuni-
eingesetzt und der Richtervorbehalt im Sinne einer kationsdiensten“ ist das nachhaltige Angebot von Telekom-
umfassenden Prüfung aller eingriffsrelevanten Aspekte munikation für Dritte mit oder ohne Gewinnerzielungsab-
ausgeübt wird. Neu ist, dass hinsichtlich der Dauer der sicht (§ 3 Nr. 10 TKG). Nicht erfasst sind hiervon solche
Maßnahme in den Anordnungen jeweils auch der End- Telekommunikationsdienste, die innerhalb eines geschlosse-
zeitpunkt der Maßnahme anzugeben ist. Damit sind die nen Systems anfallen, z. B. zwischen nur für den „Eigenbe-
erforderlichen Fristberechnungen von der anordnenden darf“ betriebenen Nebenstellen, wie in Hotels, Krankenhäu-
Stelle mit Verbindlichkeit insbesondere auch für die nach sern, Betrieben oder bei Haustelefonanlagen (Nack, a. a. O.,
Absatz 3 zur Mitwirkung verpflichteten Telekommuni- § 100a, Rn. 18). Die Artikel 16 und 17 des Übereinkommens
kationsdienstleister vorzunehmen. Dies vermeidet Unge- über Computerkriminalität sehen eine Beschränkung der
wissheiten und daraus in der Vergangenheit gelegentlich Mitwirkungspflicht auf Stellen und Personen, die Telekom-
resultierte Streitigkeiten, bis zu welchem genauen Tag munikationsdienste geschäftsmäßig anbieten, nur unter der
eine angeordnete Maßnahme auszuführen ist. Vorbehaltsmöglichkeit von Artikel 16 Abs. 4 i. V. m. Arti-
kel 14 Abs. 3 Buchstabe b des Übereinkommens vor. Diese
Zu § 100b Abs. 3 StPO-E erstreckt sich jedoch nur auf Maßnahmen nach den Arti-
keln 20 und 21 des Übereinkommens, im Falle von Ver-
Absatz 3 statuiert – entsprechend dem bisherigen Recht – kehrsdaten also auf deren Echtzeiterhebung.
eine Mitwirkungspflicht der Telekommunikationsdienstleis-
Aufgrund der zunehmenden Verbreitung geschlossener Tele-
ter zur Ermöglichung der Telekommunikationsüberwa-
kommunikationssysteme kommt einer entsprechenden Aus-
chung. Diese haben die Durchführung der Überwachungs-
dehnung der Mitwirkungspflicht auch auf nicht geschäfts-
maßnahme zu ermöglichen und – was nunmehr im
mäßig handelnde Anbieter große kriminalistische Bedeu-
Gesetzestext auch im Hinblick auf den in § 100g Abs. 2
tung zu. Werden etwa aus einem Unternehmen oder aus einer
StPO-E eingestellten Verweis auf § 100b Abs. 3 ausdrück-
Behörde heraus kriminelle Handlungen begangen, so kön-
lich klargestellt wird – die erforderlichen Auskünfte zu ertei-
nen auch Erkenntnisse über die unternehmensinterne Tele-
len.
kommunikation zur Tataufklärung beitragen. Diese Überle-
Die Notwendigkeit für diese Inpflichtnahme ergibt sich da- gungen gelten auch für die Echtzeiterhebung von Verkehrs-
raus, dass sich Telekommunikationsüberwachungsmaßnah- daten, die daher – ohne von der Vorbehaltsmöglichkeit des
men in effizienter Weise regelmäßig nur unter Mitwirkung Artikels 16 Abs. 4 i. V. m. Artikel 14 Abs. 3 Buchstabe b
der Telekommunikationsdienstleister umsetzen lassen, in- des Übereinkommens Gebrauch zu machen – entsprechend
dem diese eine Kopie der heute durchgehend digitalisierten geregelt werden soll. Um nicht geschäftsmäßig tätig werden-
Telekommunikationssignale an die Strafverfolgungsbehör- den Stellen keine unverhältnismäßigen Kosten aufzubürden,
den ausleiten. Eine Obliegenheit der Strafverfolgungsbehör- bleibt die in der Telekommunikations-Überwachungsverord-
den, Telekommunikationsüberwachungsmaßnahmen stets nung (TKÜV) vorgesehene Verpflichtung, Vorkehrungen für
unter Mitwirkung eines Telekommunikationsdienstleisters die Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen zu treffen,
durchzuführen, wird damit allerdings nicht begründet. Viel- auf „öffentliche“ Anbieter beschränkt. Der entsprechende
mehr enthält § 100a Abs. 1 Satz 1 StPO-E eine nicht durch Verweis in Absatz 3 Satz 2 wird allgemeiner gefasst, um
die Mitwirkung der Telekommunikationsdienstleister be- durch Änderungen des in Bezug genommenen Telekommu-
dingte Befugnis, Telekommunikation zu überwachen und nikationsgesetzes häufig veranlasste Folgeänderungen zu
aufzuzeichnen. Beschränkt wird diese Befugnis lediglich vermeiden.
durch die in der gerichtlichen Anordnungsentscheidung
näher zu bestimmende Art der Überwachung (vgl. § 100b Zu § 100b Abs. 4 StPO-E
Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 StPO-E). Nach Maßgabe der gericht-
Satz 1 entspricht inhaltlich der bisherigen Regelung in
lichen Anordnungsentscheidung sind die Strafverfolgungs-
§ 100b Abs. 4 Satz 1 StPO und stellt damit klar, dass die auf-
behörden daher auch berechtigt, Überwachungsmaßnahmen
grund der Überwachungsanordnung ergriffenen Maßnah-
ausschließlich mit eigenen Mitteln durchzuführen. Dass
men unverzüglich zu beenden sind, wenn die Voraussetzun-
hierbei auch technische Mittel eingesetzt werden dürfen, er-
gen der Anordnung nicht mehr vorliegen.
gibt sich ebenfalls bereits aus § 100a Abs.1 Satz 1 StPO-E,
da das dort ausdrücklich erlaubte Überwachen und Auf- Die im bisherigen Satz 2 enthaltene Regelung zur Mitteilung
zeichnen von Telekommunikation regelmäßig nur unter Ein- der Beendigung der Maßnahme an das Gericht und den nach
Drucksache 16/5846 – 48 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

§ 100b Abs. 3 StPO verpflichteten Telekommunikations- Absatz 5 Satz 2 verpflichtet das Bundesamt für Justiz, an-
diensteanbieter ist nicht übernommen worden, ohne dass da- hand der von den Ländern und vom Generalbundesanwalt
mit eine inhaltliche Änderung verbunden ist. Denn die mitgeteilten Daten eine bundesweite Übersicht zu erstellen
Pflicht zur Unterrichtung des Telekommunikationsdiens- und diese im Internet zu veröffentlichen. Hierdurch wird ein
teanbieters folgt bereits aus Satz 1, wonach die aufgrund der hohes Maß an Transparenz hinsichtlich der Entwicklung von
Anordnung ergriffenen Maßnahmen unverzüglich zu been- repressiv veranlassten Telekommunikationsüberwachungs-
den sind. Dies setzt hinsichtlich der Ausleitung der über- maßnahmen erreicht.
wachten Telekommunikation vom Telekommunikations-
diensteanbieter an die Strafverfolgungsbehörde bereits eine Absatz 6 führt die in den Berichten nach Absatz 5 im Einzel-
entsprechende Unterrichtung des Telekommunikations- nen anzugebenden Daten konkret auf:
diensteanbieters durch die Strafverfolgungsbehörde voraus ● Die Nummern 1 bis 3 beziehen sich auf aus den Anord-
und bedarf daher keiner gesonderten gesetzlichen Regelung. nungs- oder Verlängerungsbeschlüssen ohne weiteres ab-
lesbare Daten (Anzahl der Verfahren, in denen Anord-
Der neue Satz 2 weitet die bislang bestehende Pflicht zur
nungen ergangen sind; Anzahl der Anordnungen,
Unterrichtung des Gerichts von der Beendigung der Maß-
unterschieden nach erstmaliger und Verlängerungsanord-
nahme dahingehend aus, dass dieses nunmehr auch über den
nung sowie nach Art der zu überwachenden Kommuni-
Verlauf und die Ergebnisse der Überwachung zu unterrichten
kation; zugrunde liegende Anlasstat).
ist. Die in Anlehnung an § 100d Abs. 4 StPO geregelte Un-
terrichtungspflicht dient der Stärkung der mit dem Richter- ● Nummer 4 verlangt die Angabe der Anzahl der über-
vorbehalt bezweckten rechtsstaatlichen Kontrolle. Sie soll wachten Telekommunikationsvorgänge, und zwar aufge-
dem Gericht, das bislang in vielen Fällen keine Rückmel- schlüsselt nach Festnetz-, Mobilfunk- und Internettele-
dung erhält, so es nicht mit weiteren Entscheidungen (etwa kommunikation. Die Angabe soll Erkenntnisse darüber
Verlängerungsanordnungen) betraut wird, eine Erfolgs- erbringen, in welchem Ausmaß durch Maßnahme nach
kontrolle ermöglichen, um die daraus resultierenden Erfah- § 100a StPO Telekommunikation überwacht und dadurch
rungen bei künftigen Entscheidungen berücksichtigen zu Personen in ihren Grundrechten beschränkt werden. An-
können. zugeben sind damit etwa die Anzahl der Überwachten.
Insoweit war zunächst erwogen worden, die Anzahl der
Zu § 100b Abs. 5 und 6 StPO-E Beteiligten an der überwachten Telekommunikation er-
heben zu lassen. Dies stößt indessen auf praktische
Die Absätze 5 und 6 werden mit anderen Regelungsinhalten Probleme. So könnte beispielsweise bei unbekannten Ge-
neu gefasst; der Gehalt des bisherigen Absatzes 5 (Verwen- sprächsteilnehmern von Telefonaten allenfalls mit ganz
dungsbeschränkung) findet sich nunmehr in § 477 Abs. 2 erheblichem zusätzlichen und unverhältnismäßigen Auf-
Satz 2 StPO-E, derjenige des bisherigen Absatzes 6 (Ver- wand bestimmt werden, ob es sich um die jeweils selben
nichtungsregelung) in § 101 Abs. 10 StPO-E. oder andere Personen handelt. Verlässliche Zahlen über
die Anzahl der Beteiligten lassen sich daher nicht gewin-
Mit den neu gefassten Absätzen 5 und 6 wird eine einheit- nen. Wohl aber entspricht dies der üblichen Vorgehens-
liche Bestimmung für statistische Erhebungen zu Tele- weise bei Telekommunikationsüberwachungsmaßnah-
kommunikationsüberwachungsmaßnahmen nach § 100a men, die Aufzeichnung jedes Telekommunikationsvor-
Abs. 1 StPO-E geschaffen, die § 110 Abs. 8 TKG sowie die gangs gesondert auszuwerten, so dass eine Zählung der
korrespondierende Regelung in § 25 TKÜV ablöst und für erfassten Telekommunikationsvorgänge ohne weiteres
die schon bislang erfolgenden statistischen Mitteilungen der und ohne hohen zusätzlichen Aufwand möglich ist.
Landesjustizverwaltungen und des Generalbundesanwalts
beim Bundesgerichtshof eine ausdrückliche gesetzliche Ver- Zu Nummer 8 (§ 100c StPO-E)
pflichtung trifft.
Die vorgesehenen Änderungen in den Absätzen 1, 2 und 6
Absatz 5 Satz 1 bestimmt, dass die Länder sowie der Gene- sind im Wesentlichen redaktioneller Art:
ralbundesanwalt dem (künftigen) Bundesamt für Justiz
kalenderjährlich über in ihrem jeweiligen Zuständigkeits- ● Die Voranstellung des Wortes „Auch“ in Satz 1 stellt klar,
bereich angeordnete Maßnahmen nach § 100a StPO-E be- dass die Maßnahme nicht dadurch unzulässig wird, dass
richten. Bei diesen Berichten handelt es sich, wie sich aus ein Betroffener der Maßnahme gewahr wird (vgl. im Ein-
Absatz 6 ergibt, um reine statistische Angaben. Die Über- zelnen die Ausführungen zu der entsprechenden Ände-
mittlung personenbezogener Daten ist damit nicht ver- rung in § 100a Abs. 1 StPO-E).
bunden. Die Berichte sind, um eine zeitnahe Kenntnisnahme ● Die Einfügung der Wörter „als Täter oder Teilnehmer“,
der aktuellen Entwicklung bei Telekommunikationsüber- die ebenfalls in der redaktionell entsprechenden Rege-
wachungsmaßnahmen zu gewährleisten, jeweils bis zum lung des § 100a Abs. 1 Nr. 1 StPO(-E) enthalten sind,
30. Juni des dem Berichtsjahr folgenden Jahres zu übermit- dient der Klarstellung, dass die akustische Wohnraum-
teln. Es bleibt den Ländern sowie dem Generalbundesanwalt überwachung auch gegen einen der Teilnahme Beschul-
überlassen, in welcher Weise dort für die Erstellung und digten angeordnet werden darf.
rechtzeitige Übermittlung der Berichte Sorge getragen wird.
Die Länder werden, entsprechend ihrer Handhabung in der ● Die Ersetzung des Wortes „oder“ durch „sowie“ in
Vergangenheit, voraussichtlich durch die Landesjustizver- Absatz 2 Nr. 1 Buchstabe a trägt dem Umstand Rech-
waltungen entsprechende Berichte aufgrund von Mitteilun- nung, dass es sich um eine kumulative Aufzählung han-
gen der Staatsanwaltschaften erstellen. delt.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 49 – Drucksache 16/5846

● Mit der stringenteren Fassung von Absatz 2 Nr. 1 Zu Nummer 11 (§§ 100f bis 101 StPO-E)
Buchstabe c sind keine inhaltlichen Änderungen verbun-
den. Zu § 100f StPO-E
● Die Ersetzung des bisherigen Absatzes 6 Satz 3 durch Den Vorschriften zur akustischen Wohnraumüberwachung
einen Verweis auf § 53b Abs. 4 StPO-E passt die bishe- in den §§ 100c bis 100e StPO nachfolgend regelt § 100f
rige Verstrickungsregelung an die allgemeine und – im StPO-E künftig nur noch die akustische Überwachung
Hinblick auf das neue Erfordernis, dass der Ver- außerhalb von Wohnungen. Die in § 100f StPO bislang ent-
strickungsverdacht bereits zur Einleitung eines Ermitt- haltenen Regelungen zu Bildaufnahmen und technischen
lungsverfahrens gegen den Berufsgeheimnisträger ge- Observationsmitteln werden in § 100h StPO-E eingestellt.
führt haben muss – engere Verstrickungsregelung in
§ 53b Abs. 4 StPO-E an. ● Der bisherige Absatz 1 entfällt, da sein Regelungsgehalt
in § 100h StPO-E eingeht.
Zu Nummer 9 (§100d StPO-E)
Auch in § 100d StPO-E werden lediglich redaktionelle ● Der bisherige Absatz 2 Satz 1 wird daher zu Absatz 1
Änderungen vorgenommen: Satz 1 und im Eingangswortlaut („Auch ohne“) redaktio-
nell an § 100a Abs. 1 und § 100c StPO-E angepasst (vgl.
● Absatz 2 Satz 2 Nr. 1 wird durch die Ersetzung des Wor- die dortigen Erläuterungen).
tes „bekannt“ durch das Wort „möglich“ an § 100b
Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StPO-E angepasst, ohne dass damit ● Die bisher in § 100f Abs. 2 Satz 2 und 3 StPO enthalte-
eine inhaltliche Änderung verbunden ist. nen Verfahrensregelungen werden durch einen Verweis
im neuen Absatz 4 auf § 100b Abs. 1, 4 Satz 1 und § 100d
● Der bisherige Absatz 5 entfällt, da die darin enthaltene
Abs. 2 StPO-E ersetzt. Damit werden die hinsichtlich
Vernichtungsregelung nun in der allgemeinen Vorschrift
ihrer Eingriffstiefe vergleichbaren Maßnahmen der Tele-
des § 101 Abs. 10 StPO-E enthalten ist.
kommunikationsüberwachung und der Überwachung des
● Der bisherige Absatz 6, der zu Absatz 5 wird, wird an gesprochenen Worts außerhalb von Wohnungen verfah-
einzelnen Detailstellen im Hinblick auf die im Daten- rensmäßig einander angeglichen:
schutzrecht gefestigten Begrifflichkeiten terminologisch
überarbeitet, ohne dass damit inhaltliche Veränderungen – Die Regelung der Anordnungskompetenz im bisheri-
verbunden sind. gen Absatz 2 Satz 2 (bislang: Richtervorbehalt; in Eil-
fällen Anordnung durch Staatsanwaltschaft oder Er-
● Die bisherigen Absätze 7 bis 10 entfallen, weil ihr Rege- mittlungspersonen) wird durch einen generellen
lungsgehalt (Kennzeichnung, Benachrichtigung, nach- Verweis in Absatz 4 auf § 100b Abs. 1 StPO-E er-
träglicher Rechtsschutz) nunmehr in der für alle verdeck- setzt, was in der Gesamtschau der verdeckten Ermitt-
ten Ermittlungsmaßnahmen geltenden Vorschrift des lungsmaßnahmen der Eingriffsintensität der Über-
§ 101 Abs. 3, 4 bis 9 StPO-E enthalten ist. wachung des nicht öffentlich gesprochenen Wortes
angemessener erscheint. Die Ermittlungspersonen der
Zu Nummer 10 (§100e StPO-E) Staatsanwaltschaft (§ 152 GVG) haben danach auch
Die Regelung zur Erstellung von (statistischen) Berichten bei Gefahr in Verzug künftig keine Anordnungskom-
über Anordnungen zur akustischen Wohnraumüberwachung petenz mehr.
in Absatz 1 wird durch die Bezugnahme in Satz 1 auf den
neuen § 100b Abs. 5 StPO-E kürzer gefasst. Satz 2 stellt – Der bisherige Verweis in § 100f Abs. 2 Satz 3 auf
klar, dass die Bundesregierung zur Erfüllung ihrer Berichts- § 98b Abs. 1 Satz 2 StPO entfällt, weil er systema-
pflicht nach Artikel 13 Abs. 6 GG dem Deutschen Bundes- tisch unpassend und unklar erscheint und neben dem
tag weiterhin jährlich über nach § 100c StPO angeordnete – nunmehr in Absatz 4 eingestellten – Verweis auf
Maßnahmen berichtet. Der Bericht an den Deutschen Bun- § 100b Abs. 1 Satz 3 StPO-E keine eigenständige Be-
destag hat, wie eingangs des Satzes 2 ausdrücklich klarge- deutung hat.
stellt ist, zeitlich vor der vom Bundesamt für Justiz nach
§ 100b Abs. 5 Satz 2 StPO-E vorzunehmenden Veröffent- – Hinsichtlich der formellen Anforderungen an die An-
lichung der Übersicht im Internet zu erfolgen. Er findet, der ordnung wird nicht mehr auf § 100b Abs. 2 StPO,
bisherigen Handhabung entsprechend, Eingang in eine Bun- sondern auf den insofern sachnäheren § 100d Abs. 2
destagsdrucksache. Die Veröffentlichung der Übersicht StPO verwiesen.
durch das Bundesamt für Justiz kann daher, soweit sich dies
als praktisch erweist, auch durch eine Verlinkung auf die – Der Verweis auf § 100b Abs. 4 Satz 1 StPO-E (Ab-
Internetseite des Deutschen Bundestages, auf der die Bun- bruch der Maßnahme bei Wegfall der Anordnungs-
destagsdrucksachen eingestellt werden, erfolgen. voraussetzungen) wird beibehalten.

In Absatz 2 Nr. 8 wird lediglich eine redaktionelle Folge- – Die in § 100f Abs. 2 StPO durch Verweis auf § 100b
änderung vorgenommen, die daraus resultiert, dass die in Abs. 6 StPO geregelte Löschungspflicht wird künftig
Bezug genommenen Regelungen über die Benachrichtigung durch den Verweis auf die Regelungen des § 101
bei der akustischen Wohnraumüberwachung künftig nicht StPO-E sichergestellt, der die Maßnahme nach § 100f
mehr in § 100d Abs. 8 StPO enthalten sind, sondern sich aus StPO-E zudem den dortigen Kennzeichnungs- und
der allgemeinen Vorschrift des § 101 Abs. 4 ff. StPO-E erge- Benachrichtigungspflichten unterstellt (vgl. Begrün-
ben. dung zu § 101 StPO-E).
Drucksache 16/5846 – 50 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

● Der bisherige Absatz 3 Satz 1 findet sich im neuen § 100g StPO wird daher nicht mehr allein als Regelung
Absatz 2 Satz 1. eines Auskunftsanspruchs gegenüber Telekommunika-
● Der bisherige Absatz 3 Satz 2 entfällt, da sein Regelungs- tionsdiensteanbietern sondern als umfassende Erhe-
gehalt die nunmehr in § 100h StPO-E geregelten Bildauf- bungsbefugnis für Verkehrsdaten ausgestaltet. Damit
nahmen betrifft. wird zugleich Artikel 20 Abs. 1 Buchstabe a des Über-
einkommens über Computerkriminalität Rechnung ge-
● Der bisherige Absatz 3 Satz 3 findet sich in redaktionell tragen, der die Ermöglichung einer Erhebung von Ver-
angepasster Weise im neuen Absatz 2 Satz 2. kehrsdaten in Echtzeit verlangt.
● Der bisherige Absatz 4 findet sich im neuen Absatz 3, der Eine Beschränkung dieser Möglichkeit auf bestimmte
hinsichtlich mitbetroffener Personen die Formulierung Straftaten ist dort nicht vorgesehen, wäre aber aufgrund
des § 163f Abs. 2 StPO übernimmt („Dritte“ statt „andere der Vorbehaltsmöglichkeit nach Artikel 20 Abs. 4 i. V. m.
Personen“). Artikel 14 Abs. 3 Buchstabe a des Übereinkommens
● Der bisherige Absatz 5 entfällt, weil sein Regelungs- grundsätzlich möglich. Die bisherige deutsche Regelung
gehalt (Verwendungsregelung) sich nunmehr in § 477 einer Gleichbehandlung der Echtzeiterhebung von Ver-
Abs. 2 Satz 2 StPO-E findet. kehrsdaten und Daten über den Inhalt einer Telekommu-
nikation nach Maßgabe des § 100a StPO würde zugleich
Zu § 100g StPO-E die äußerste Grenze eines nach Artikel 14 Abs. 3 Buch-
stabe b des Übereinkommens zulässigen Vorbehalts dar-
§ 100g StPO wird umfassend neu gefasst, um den Vorgaben stellen. Allerdings haben sich die Vertragsparteien in
und Konsequenzen aus der Richtlinie zur „Vorratsdaten- Artikel 14 Abs. 2 Satz 5 des Übereinkommens verpflich-
speicherung“ vom 15. März 2006 (2006/24/EG), des Über- tet, die Möglichkeit zu prüfen, einen solchen Vorbehalt zu
einkommens des Europarats über Computerkriminalität vom beschränken, damit die Erhebung von Verkehrsdaten in
23. November 2001 (SEV Nr. 185) und verfassungsrecht- Echtzeit im weitest möglichen Umfang angewendet wer-
lichen Vorgaben Rechnung zu tragen. den kann.
Eine im Sinne dieser Vorbehaltsoption mögliche Be-
Zu § 100g Abs. 1 StPO-E schränkung der Echtzeiterhebung von Verkehrsdaten ent-
Absatz 1 wird in Anlehnung an § 100a Abs. 1 StPO-E als sprechend den Regelungen zur Erhebung von Inhaltsda-
allgemeine Befugnis zur Erhebung von Verkehrsdaten aus- ten im Sinne des § 100a StPO ist nach deutschem Recht
gestaltet und schafft damit die von Artikel 20 des Überein- aufgrund der unterschiedlichen Eingriffsintensität beider
kommens über Computerkriminalität geforderte Möglich- Maßnahmen verfassungsrechtlich nicht geboten. Die be-
keit einer Echtzeiterhebung von Verkehrsdaten. reits bisher in § 100g Abs. 1 StPO enthaltenen – und
1. Nach bisheriger Rechtslage enthält die Vorschrift ledig- zumal die aufgrund des gegenständlichen Entwurfs hin-
lich eine Befugnis der Strafverfolgungsbehörden, Aus- zukommenden – materiellen Beschränkungen der Aus-
kunft über gespeicherte Verbindungsdaten (zu den Be- kunftserlangung über Verkehrsdaten gewährleisten viel-
griffen der Verbindungsdaten und der Verkehrsdaten vgl. mehr auch hinsichtlich der Erhebung von Verkehrsdaten
unten 2.) von denjenigen zu verlangen, die geschäftsmä- in Echtzeit eine ausreichende Begrenzung der Maß-
ßig Telekommunikationsdienste erbringen oder daran nahme. Hinzu kommt, dass durch die Harmonisierung
mitwirken. Die Erhebung von Verkehrsdaten in Echtzeit des § 100g StPO-E mit den Verfahrensregelungen in den
ist hingegen bisher nur unter den Voraussetzungen der §§ 100b, 101 StPO-E auch bei der Erhebung von Ver-
§§ 100a, 100b StPO zulässig, während die nicht in Echt- kehrsdaten der Rechtsschutz Betroffener gegenüber der
zeit erfolgende Auskunft sowohl über in der Vergangen- bisherigen Rechtslage deutlich verbessert wird. Zu den
heit angefallene als auch künftig anfallende Verkehrsda- vorgesehenen Beschränkungen des § 100g StPO im Hin-
ten nach § 100g Abs. 1 StPO angeordnet werden darf. blick auf die Regelungen zur „Vorratsdatenspeicherung“
Diese unterschiedliche Behandlung der Erlangung von vgl. die nachfolgenden Erläuterungen unter Punkt 5.
beim Diensteanbieter gespeicherten Verkehrsdaten, de- Mit der Ausgestaltung des § 100g Abs. 1 Satz 1 StPO-E
ren Echtzeiterhebung und der Auskunft über zukünftig als umfassende Befugnis zur Erhebung von Verkehrs-
anfallende Verkehrsdaten erscheint unnötig schwierig daten entfällt nicht die bislang ausdrücklich in § 100g
und in der Sache nicht gerechtfertigt. Maßgeblich für die Abs. 1 StPO enthaltene Auskunftsverpflichtung der
Beurteilung der Eingriffsintensität von Ermittlungsmaß- Diensteanbieter. Deren Pflicht zur Mitwirkung an einer
nahmen im Zusammenhang mit Telekommunikations- Ausleitung der Verkehrsdaten in Echtzeit oder zur Aus-
vorgängen ist die Qualität der erlangten Daten, also der kunftserteilung über gespeicherte Verkehrsdaten folgt
Umstand, ob diese Auskunft über Inhalte der überwach- vielmehr aus dem Verweis in § 100g Abs. 2 Satz 1 auf
ten Kommunikation geben oder lediglich über deren äu- § 100b Abs. 3 StPO-E. Hiernach kann über gespeicherte
ßere Umstände oder gar nur über Umstände, die keinen Verkehrsdaten, die Telekommunikationsvorgänge aus der
konkreten Telekommunikationsvorgang betreffen, wie Vergangenheit betreffen, (im Rahmen des Erforder-
dies etwa bei der Erhebung von Standortdaten eines lichen) unbeschränkt Auskunft verlangt werden. Auch
lediglich betriebsbereiten aber nicht genutzten Mobil- kann hiernach weiterhin Auskunft über zukünftig anfal-
telefons der Fall ist. An diese Differenzierung knüpft lende Verkehrsdaten verlangt werden; insoweit sind aller-
auch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts dings die nach § 100g Abs. 2 Satz 1 i. V. m. § 100b
an (vgl. BVerfGE 67, 157, 172; 100, 313, 358 f.; 107, Abs. 1 StPO-E geltenden Anordnungsfristen zu beach-
299, 312 f.; 110, 33, 52 f., 68 f.; BVerfG, 1 BvR 668/04 ten. Für zukünftig anfallende Verkehrsdaten sieht die Re-
vom 27. Juli 2005, Absatz-Nr. 81 und 2 BvR 1345/03). gelung daher zwei Möglichkeiten der Erhebung durch die
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 51 – Drucksache 16/5846

Strafverfolgungsbehörden vor: Zum einen ist es zulässig, speziellen Vorschrift des § 113 Abs. 1 Satz 2 TKG
diese Daten in Echtzeit zu erheben, d. h. „live“ vom Tele- unter den dortigen – weiter gefassten Voraussetzun-
kommunikationsdienstleister an die Strafverfolgungsbe- gen – erhoben werden.
hörden ausleiten zu lassen; zum anderen kann die Erhe-
bung auch weiterhin in der Weise erfolgen, dass die nach ● Abrechnungsrelevante übermittelte Datenmengen
dem Zeitpunkt der Anordnung anfallenden Verkehrs- (§ 96 Abs.1 Nr. 2 und 4 TKG) lassen einen Rück-
daten in bestimmten Zeitabständen gebündelt an die schluss auf die Kommunikationsinhalte nur in ähn-
Strafverfolgungsbehörde beauskunftet werden. licher Weise zu, wie dies auch aufgrund der Kenntnis
der Verbindungsdauer möglich ist.
§ 100g Abs. 1 Satz 1 StPO-E gilt darüber hinaus aus den
bereits zu § 100b Abs. 3 StPO-E dargelegten Gründen ● Die Einbeziehung der sonstigen zum Aufbau und zur
nicht nur für Verkehrsdaten, die bei Personen oder Stellen Aufrechterhaltung der Telekommunikation sowie zur
gespeichert sind, die geschäftsmäßig Telekommunikati- Entgeltabrechnung notwendigen Verkehrsdaten (§ 96
onsdienste erbringen oder daran mitwirken, sondern auch Abs. 1 Nr. 5 TKG) ist zur Aufklärung von Straftaten
für solche Personen und Stellen, die diese Dienste nicht erforderlich. Bei dem Verdacht einer in betrügerischer
geschäftsmäßig erbringen. Denn die Erforderlichkeit der Weise manipulierten Entgeltabrechnung kann sich an-
Erhebung von Verkehrsdaten für Strafverfolgungszwe- dernfalls die Situation ergeben, dass dieser Verdacht
cke wird nicht dadurch beseitigt, dass die Telekommuni- nicht hinreichend aufgeklärt werden kann, weil es an
kationsdienste nicht geschäftsmäßig erbracht werden. einer Befugnis zur Erhebung der sonstigen zur Ent-
Entscheidend ist, dass die Daten, die sich im Herrschafts- geltabrechnung notwendigen Verkehrsdaten fehlt.
bereich eines Telekommunikationsdiensteanbieters be- Darüber hinaus ist der Bereich der Telekommunika-
finden, dem von Artikel 10 GG geschützten Telekommu- tion von einem rasanten technischen Fortschritt ge-
nikationsvorgang zuzurechnen sind und § 100g StPO-E kennzeichnet, so dass es sich schon aus diesem
daher eine verfassungskonforme Rechtsgrundlage für die Grunde empfiehlt, die Erhebungsbefugnis in § 100g
Erhebung dieser Daten schafft. Ob und ggf. welche Vor- Abs. 1 StPO-E durch die Einbeziehung der in § 96
kehrungen der jeweilige Telekommunikationsdienste- Abs. 1 Nr. 5 TKG genannten „sonstigen Verkehrsda-
erbringer dafür zu treffen hat, dass bei einer Anforderung ten“ technikoffen zu gestalten, um der fortschreiten-
durch die Strafverfolgungsbehörden die Beauskunftung den Entwicklung im Bereich der Telekommunikation
von Verkehrsdaten auch tatsächlich möglich ist, regelt folgen zu können.
§ 100g StPO-E nicht; diese Frage bestimmt sich vielmehr
3. Die Erhebungsbefugnis nach § 100g StPO-E setzt ferner
nach den telekommunikationsrechtlichen Vorschriften,
nicht mehr, wie § 100g Abs. 3 StPO durch die Formulie-
wie etwa dem Telekommunikationsgesetz (z. B. § 113a
rung „im Falle einer Verbindung“ kenntlich gemacht hat,
TKG-E) oder – dem künftigen – Inhalt der Telekommu-
eine bestehende Kommunikationsverbindung voraus.
nikations-Überwachungsverordnung.
Die Neuregelung kann damit im Falle der Erhebung von
2. Entsprechend den Vorgaben des Übereinkommens über Standortdaten die – rechtlich umstrittene – Übersendung
Computerkriminalität und dem im modernen Telekom- einer „stillen SMS“ („Stealth-Ping-Verfahren“) entbehr-
munikationsrecht üblichen Sprachgebrauch wird der bis- lich machen, so dass – z. B. zur Ermöglichung oder Er-
lang in § 100g StPO verwandte Begriff der „Telekommu- leichterung von Observationsmaßnahmen – die Standort-
nikationsverbindungsdaten“ durch den in § 96 Abs. 1 daten eines eingeschalteten Mobiltelefons auch dann in
TKG verwendeten und in § 3 Nr. 30 TKG gesetzlich Echtzeit erhoben werden können, wenn dieses aktuell
definierten, umfassenderen Begriff „Verkehrsdaten“ (Da- nicht genutzt wird. Eine solche die Strafverfolgung er-
ten, die bei der Erbringung eines Telekommunikations- heblich effektivierende Möglichkeit wird aus Gründen
dienstes erhoben, verarbeitet oder genutzt werden) er- der Verhältnismäßigkeit allerdings nur bei Straftaten von
setzt. Da Absatz 1 Satz 1 hinsichtlich der Daten, deren erheblicher Bedeutung im Sinne des Absatzes 1 Satz 1
Erhebung zulässig ist, allgemein auf § 96 Abs. 1 TKG Nr. 1 StPO-E eröffnet; dies wird durch Absatz 1 Satz 3
verweist, kann zudem die bisherige Definition der Ver- ausdrücklich klargestellt. Zur Vereinbarkeit dieser Be-
kehrsdaten in § 100g Abs. 3 StPO entfallen. Dieser Ver- schränkung mit den Vorgaben des Übereinkommens des
einfachung liegt der allgemeine Gedanke zugrunde, dass Europarats über Computerkriminalität vgl. im Einzelnen
Verkehrsdaten, die der Diensteanbieter für seine Zwecke oben unter V. letzter Absatz.
erheben darf, auch – unter den vorgesehenen engen
Voraussetzungen – von den Strafverfolgungsbehörden 4. Die bislang in § 100g StPO enthaltene Voraussetzung,
erhoben werden dürfen. Der Verweis auf § 96 Abs. 1 dass die Maßnahme für die Untersuchung erforderlich
TKG geht insofern über § 100g Abs. 3 StPO hinaus, als sein muss, wird entsprechend den Formulierungen in an-
dort personenbezogene Berechtigungskennungen (§ 96 deren speziellen Befugnisnormen (z. B. in § 100a Abs. 1
Abs. 1 Nr. 1 TKG), abrechnungsrelevante übermittelte StPO-E) dahin präzisiert, dass die Erhebung der Ver-
Datenmengen (§ 96 Abs. 1 Nr. 2 und 4 TKG) und sons- kehrsdaten für die Erforschung des Sachverhalts oder die
tige zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung der Tele- Ermittlung des Aufenthaltsortes des Beschuldigten erfor-
kommunikation sowie zur Entgeltabrechnung notwen- derlich sein muss.
dige Verkehrsdaten (§ 96 Abs. 1 Nr. 5 TKG) nicht
5. § 100g Abs. 1 StPO-E beinhaltet auch künftig zwei
erwähnt sind. Eine weitreichende Ausweitung der Erhe-
Kategorien von Straftaten, die die Erhebung von Ver-
bungsbefugnis ist hiermit nicht verbunden:
kehrsdaten rechtfertigen: Straftaten von erheblicher
● Personenbezogene Berechtigungskennungen (§ 96 Bedeutung und mittels Telekommunikation begangene
Abs. 1 Nr. 1 TKG) können bereits nach der insoweit Straftaten.
Drucksache 16/5846 – 52 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

a) Zur Fallgruppe der Straftaten von erheblicher Bedeu- chen (vgl. zum Begriff der Aussichtslosigkeit und
tung (Absatz 1 Satz 1 Nr. 1) wird entsprechend den zum Verhältnis unterschiedlicher Subsidiaritäts-
Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts im neuen klauseln zueinander Schäfer, a. a. O., § 110a,
Wortlaut klargestellt, dass die Straftat nicht nur abs- Rn. 30 f.). Es bedarf daher künftig einer Einzel-
trakt – etwa unter Berücksichtigung des gesetzlichen fallprüfung, ob alternative Ermittlungsmaßnah-
Strafrahmens – sondern auch im Einzelfall von erheb- men in Betracht kommen oder eine Verkehrs-
licher Bedeutung sein muss (vgl. BVerfGE 107, 299, datenerhebung das einzig zielführende und zu-
322; sowie die obigen Erläuterungen zu § 100a Abs. 1 gleich verhältnismäßige Mittel ist. Für eine
Nr. 2 StPO-E). Vielzahl der Fälle, z. B. bei einer telefonischen Be-
drohung, werden gleich geeignete, aber weniger
b) Die Beschreibung der bisherigen Fallgruppe der „mit- belastende Ermittlungsmaßnahmen oftmals nicht
tels einer Endeinrichtung“ begangenen Straftaten – zur Verfügung stehen, wenn außer dem Zeitpunkt
bei wortlautgetreuem Verständnis wäre darunter auch des Anrufs keine weiteren Ermittlungsansätze ge-
der Einsatz des Endgerätes zur Begehung von Körper- geben sind. Für diese Fälle, die etwa dem Bereich
verletzungen zu subsumieren – wird sprachlich dahin- des „Stalking“ entstammen, ist die Verkehrsdaten-
gehend präzisiert, dass die Straftat „mittels Telekom- erhebung ein unverzichtbares – weil regelmäßig
munikation“ begangenen sein muss (Absatz 1 Satz 1 alternativloses – Ermittlungsinstrument.
Nr. 2). Dass der Gesetzgeber im Falle einer mittels Te-
lekommunikation begangenen Straftat die Erhebung ● Zusätzlich wird – ebenfalls als Ausprägung des
von Verkehrsdaten auch dann vorsieht, wenn die Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes – diese Fall-
Straftat nicht von erheblicher Bedeutung ist, begegnet gruppe dahingehend eingeschränkt, dass eine Er-
keinen verfassungsrechtlichen Bedenken (so aus- hebung von Verkehrsdaten nur dann zulässig ist,
drücklich: BVerfG, 2 BvR 1085/05 vom 17. Juni 2006, wenn sie in einem angemessenen Verhältnis zur
Absatz-Nr. 17). Bedeutung der Sache steht. Im Hinblick auf die
Schwere des mit der „Vorratsdatenspeicherung“
Auch unter Berücksichtigung dieser verfassungsge- verbundenen Grundrechtseingriffs soll damit der
richtlichen Rechtsprechung empfiehlt sich jedoch für Bereich der leichteren Kriminalität aus dem An-
diese Fallgruppe, für die bislang außer dem allgemei- wendungsbereich der Erhebungsbefugnis auch für
nen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz keine einschrän- den Fall ausgenommen werden, dass die Tat auf
kenden Merkmale im Hinblick auf die Schwere oder andere Weise nicht aufklärbar ist. Dies erlangt
Erheblichkeit der Anlassstraftat geregelt sind, zur Ge- etwa Bedeutung für einzelne mittels Telekommu-
währleistung einer in der Gesamtschau mit den Rege- nikation begangene geringfügige Beleidigungs-
lungen zur „Vorratsdatenspeicherung“ (Artikel 2, taten.
§§ 113a, 113b TKG-E) verhältnismäßigen Befugnis-
norm eine Modifizierung in mehrfacher Weise: Diese aus Verhältnismäßigkeitsgründen vorgesehe-
nen Beschränkungen erlauben es, in beiden Fallgrup-
● Zum einen findet diese Fallgruppe künftig nur pen des § 100g Abs. 1 eine Erhebung der nach § 113a
noch Anwendung, wenn die mittels Telekommuni- TKG(-E) gespeicherten „Vorratsdaten“ zuzulassen.
kation begangene Straftat vollendet ist. Straftaten Dies wird durch die Bezugnahme in dem Klammerzu-
mittels Telekommunikation, die lediglich in das satz in Satz 1 auch auf § 113a TKG(-E) klargestellt.
Versuchsstadium gelangen oder gar nur in strafba-
rer Weise vorbereitet werden, werden damit von Diese Ausgestaltung der Erhebungsbefugnis in § 100g
dieser Fallgruppe nicht mehr erfasst. Sofern es Abs. 1 StPO-E steht auch in Einklang mit Artikel 1
sich jedoch bei der aufzuklärenden Straftat um Abs. 1 der Richtlinie zur „Vorratsdatenspeicherung“.
eine solche von erheblicher Bedeutung handelt, Nach dieser Regelung haben die Mitgliedstaaten sicher-
kann sie als solche eine Verkehrsdatenerhebung zustellen, dass die „auf Vorrat“ zu speichernden Ver-
nach Satz 1 Nr. 1 rechtfertigen. kehrsdaten zum Zwecke der Ermittlung, Feststellung und
Verfolgung von „schweren Straftaten“ („serious crime“)
● Ferner wird die Erhebung von Verkehrsdaten bei im Sinne des einzelstaatlichen Rechts jedes Mitglied-
mittels Telekommunikation begangenen Straftaten staates zur Verfügung stehen. Nach der hierzu vom
nach § 100g Abs. 1 Satz 2 StPO-E künftig nur Ministerrat für Justiz und Inneres am 21. Februar 2006
noch dann zulässig sein, wenn ohne die Erhebung angenommenen Erklärung zu Artikel 1 Abs. 1 der Richt-
der Verkehrsdaten die Erforschung des Sachver- linie haben die Mitgliedstaaten bei der Definition des
halts oder die Ermittlung des Aufenthaltsortes des Begriffs „schwere Straftat“ im einzelstaatlichen Recht
Beschuldigten aussichtslos wäre. Durch diese die in Artikel 2 Abs. 2 des Rahmenbeschlusses des Rates
strenge Subsidiaritätsklausel wird dem Verhältnis- über den Europäischen Haftbefehl genannten Straftaten
mäßigkeitsgrundsatz in besonderer Weise Rech- (das sind Straftaten, die mit einer Freiheitsstrafe oder
nung getragen. Dies ist angezeigt, weil die Ver- einer freiheitsentziehenden Maßregel der Sicherung im
kehrsdatenerhebung durch die Ausweitung des mit Höchstmaß von mindestens drei Jahren bedroht sind) so-
der „Vorratsdatenspeicherung“ einhergehenden wie Straftaten unter Einsatz von Telekommunikations-
Datenvolumens insgesamt an Eingriffsintensität einrichtungen angemessen zu berücksichtigen. Diesen
gewinnt und daher in der vorliegenden Fallgruppe Vorgaben wird in § 100g Abs. 1 StPO-E durch die An-
nur gerechtfertigt erscheint, wenn andere – zuläs- knüpfung an eine Straftat von erheblicher Bedeutung
sige – Ermittlungsmöglichkeiten fehlen oder mit bzw. an eine mittels Telekommunikation begangene
hoher Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg verspre- Straftat Rechnung getragen. Hierbei ist zu berücksichti-
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 53 – Drucksache 16/5846

gen, dass der Begriff „serious crime“, der sich in der eng- Im Ergebnis sieht § 100g Abs. 1 StPO-E unter Würdi-
lischen Textfassung von Artikel 1 der Richtlinie 2006/24/ gung der vorstehenden Hinweise jedenfalls keine
EG findet, in der deutschen Textfassung zwar – wenig Schwelle unterhalb von „serious crime“ vor. Im Übrigen
glücklich – mit „schwere Straftat“ übersetzt worden ist, ist zu bedenken, dass Artikel 1 der Richtlinie 2006/24/
im europäischen Kontext aber nicht dieselbe Bedeutung EG keine Schwelle für den Zugriff auf die zu speichern-
hat, wie der nunmehr in § 100a StPO-E verwandte den Daten vorgibt, sondern lediglich den Zweck der
Begriff der „schweren Straftat“. Während bei § 100a Richtlinie umschreibt. Dem Zugang zu den zu speichern-
StPO-E eine schwere Straftat im Hinblick auf den Straf- den Daten gewidmet ist vielmehr Artikel 4 der Richtlinie,
rahmen regelmäßig eine Mindesthöchststrafe von fünf der die Regelung des Zugangs dem Recht der Mitglied-
Jahren Freiheitsstrafe voraussetzt (vgl. die Erläuterungen staaten überlässt und lediglich sichergestellt wissen will,
zu § 100a Abs. 1 StPO-E), dient dieser Begriff in euro- dass dabei die einschlägigen Bestimmungen der Europä-
päischen Rechtsinstrumenten regelmäßig dazu, Tatbe- ischen Union und des Völkerrechts sowie den Anforde-
stände auszugrenzen, die lediglich die Schwere von Ord- rungen der Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit
nungswidrigkeiten oder von Bagatellkriminalität errei- einzuhalten sind. Dem trägt die in besonderer Weise am
chen. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass nicht Verhältnismäßigkeitsgrundsatz orientierte Ausgestaltung
alle Mitgliedstaaten die im deutschen Recht stattgehabte der Erhebungsbefugnisse nach § 100g Abs. 1 StPO-E
Herabstufung von ehedem strafbaren Verhalten zu Ord- Rechnung. Sie steht auch nicht in Widerspruch zu den
nungswidrigkeiten vollzogen haben. Der Begriff „serious Vorgaben des Übereinkommens über Computerkrimina-
crime“ ist daher im europäischen Rechtskontext eher im lität; denn eine am Verhältnismäßigkeitsgrundsatz orien-
Sinne einer „ernsthaften Straftat“ zu übersetzen als mit tierte Ausgestaltung des innerstaatlichen Rechts ist von
schwerer Kriminalität zu assoziieren. Artikel 15 Abs. 1 dieses Übereinkommens ausdrücklich
gefordert.
Dies zeigt auch ein Vergleich mit anderen Rechtsakten im
europäischen Rechtsraum: 6. Nicht aufgenommen wurde in § 100g Abs. 1 StPO-E die
von Artikel 16 Abs. 2 des Übereinkommens über Com-
So macht beispielsweise Artikel 99 Abs. 2 Buchstabe a puterkriminalität geforderte Möglichkeit des „Einfrie-
des Schengener Durchführungsübereinkommens (SDÜ) rens“ von Verkehrsdaten bei den speichernden Personen
eine Ausschreibung zur Strafverfolgung von dem Vorlie- und Stellen („Quick Freezing“). Denn eine solche Rege-
gen „extremely serious criminal offences“ abhängig, was lung ist vor allem aufgrund der zugleich umzusetzenden
in der deutschen Textfassung zwar mit „außergewöhnlich Richtlinie zur „Vorratsdatenspeicherung“ entbehrlich
schweren Straftat“ übersetzt wird, dabei aber unstreitig geworden: Die Daten, die aufgrund einer solchen Spei-
nicht als „besonders schweren Straftat“ etwa im Sinne cherungsanordnung „einzufrieren“ wären, werden – so-
des Artikels 13 Abs. 3 GG bzw. des § 100c StPO zu ver- weit sie für die Strafverfolgung regelmäßig von Relevanz
stehen ist. Der deutsche Gesetzgeber hat, wie die Rege- sind – künftig bereits aufgrund der in § 113a TKG-E
lung in § 163e StPO zeigt, „extremely serious criminal (Artikel 2 dieses Gesetzes) vorgesehenen Speicherungs-
offences“ im deutschen Rechtssystem den Straftaten von pflichten aufbewahrt. Darüber hinaus besteht aufgrund
erheblicher Bedeutung zugeordnet. der Eilfallkompetenz der Staatsanwaltschaft (§ 100g
Abs. 2 i. V. m. § 100b Abs. 1 Satz 2 StPO-E) die Mög-
Die Europäische Kommission geht von einer im Sinne lichkeit, sehr kurzfristig auf vorhandene Verkehrsdaten
des Europäischen Rechts schweren Straftat dann aus, zuzugreifen und so deren Löschung durch die Dienstean-
wenn für ihre Begehung eine Freiheitsstrafe von im bieter vorzubeugen.
Höchstmaß mindestens einem Jahr angedroht ist. Dies
zeigen etwa die Erläuterungen der Kommission zum Würde allerdings, wie dies in der rechtspolitischen Dis-
Europäischen Haftbefehl, wonach Letzterer bei schweren kussion zum Teil erwogen wird, was der Entwurf aber
Straftaten erlassen werden kann: „Ziel des Europäischen aus den vorstehend zu Nummer 5 sowie aus den nachfol-
Haftbefehls ist es, langwierige Auslieferungsverfahren gend dargelegten praktischen Gründen nicht vorsieht, die
durch eine neue und effiziente Art der Rückführung von Erhebung von Verkehrsdaten, die ausschließlich nach
Personen zu ersetzen, die entweder einer schweren Maßgabe der Richtlinie 2006/24/EG „auf Vorrat“ gespei-
Straftat verdächtig sind oder bereits für eine schwere chert werden, nur noch bei Straftaten von erheblicher
Straftat verurteilt wurden und sich ins Ausland abge- Bedeutung oder gar nur bei schweren Straftaten i. S. v.
setzt haben.“ (vgl. http://ec.europa.eu/justice_home/fsj/ § 100a Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 StPO-E vorgesehen, müsste
criminal/extradition/fsj_criminal_extradition_de.htm). für die übrigen Straftaten – insbesondere also diejenigen,
Nach Artikel 2 Abs. 1 des Rahmenbeschlusses des Ra- die mittels Telekommunikation begangen wurden, die
tes vom 13. Juni 2002 über den Europäischen Haftbefehl geforderte Erheblichkeitsschwelle aber nicht überschrei-
und die Übergabeverfahren zwischen den Mitgliedstaa- ten – die Möglichkeit einer Speicherungsanordnung auf-
ten – 2002/584/JI (ABl. EU Nr. L 190 S. 1) – kann ein grund von Artikel 16 des Übereinkommens über Compu-
Europäischer Haftbefehl bei Handlungen erlassen wer- terkriminalität geschaffen werden. Denn nach Artikel 14
den, die nach den Rechtsvorschriften des Ausstellungs- Abs. 2 Buchstabe b des Übereinkommens sind die darin
mitgliedstaats mit einer Freiheitsstrafe oder einer frei- vorgesehenen Befugnisse und Verfahren – mithin auch
heitsentziehenden Maßregel der Sicherung im die in Artikel 16 vorgesehene Speicherungsanordnung
Höchstmaß von mindestens zwölf Monaten bedroht sind, nebst der in Artikel 17 vorgegebenen Erhebungsbefugnis
oder im Falle einer Verurteilung zu einer Strafe oder der für die zuständigen Behörden – insbesondere auch hin-
Anordnung einer Maßregel der Sicherung, deren Maß sichtlich solcher Straftaten vorzusehen, die in den Arti-
mindestens vier Monate beträgt. keln 2 bis 11 des Übereinkommens umschrieben sind
Drucksache 16/5846 – 54 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

(dazu zählen z. B. Straftaten im Zusammenhang mit der Abs. 1 StPO-E fällt. Ferner wird durch diese Harmonisie-
Verletzung des Urheberrechts und verwandter Schutz- rung der Verfahrensregelungen zu den §§ 100a, 100b und
rechte, Artikel 10 des Übereinkommens) oder die mittels 100g Abs. 1 StPO-E der Regelungsgehalt dieser Vorschrif-
eines Computersystems (und damit regelmäßig mittels ten klarer strukturiert und regelungstechnisch deutlich ver-
Telekommunikation) begangen wurden. Eine Beschrän- einfacht, was der Rechtssicherheit und damit auch dem
kung der Erhebung von „auf Vorrat“ gespeicherten Ver- Rechtsschutz Betroffener zugute kommt.
kehrsdaten auf Straftaten von erheblicher Bedeutung Im Einzelnen regelt Satz 1:
würde damit – je nach konkreter gesetzlicher Ausgestal-
tung – zu einem (technisch ggf. aufwändigen) Nebenein- ● Der Verweis auf § 100a Abs. 3 StPO-E ersetzt den Rege-
ander (z. B. infolge getrennter Speicherungssysteme) lungsgehalt des bisherigen § 100g Abs. 1 Satz 2 StPO
oder zu einem nicht unkomplizierten Ineinandergreifen (Zielpersonen der Maßnahme).
von „Vorratsdatenspeicherung“ und Speicherungsanord- ● Der Verweis auf § 100b Abs. 1 StPO-E ersetzt den Ver-
nung führen. Es erscheint sachgerecht, dieses – auch in weis auf § 100b Abs. 1 StPO in § 100h Abs. 1 Satz 3
der praktischen Umsetzung durch die Diensteanbieter Halbsatz 1 StPO (Anordnungskompetenz) und auf
voraussichtlich aufwändigere – Nebeneinander oder § 100b Abs. 2 Satz 4 und 5 StPO in § 100h Abs. 1 Satz 3
Ineinandergreifen zu vermeiden, indem zwar auch bei Halbsatz 2 StPO (Dauer der Maßnahme). Ebenso wie bei
mittels Telekommunikation begangenen Straftaten ein der Telekommunikationsüberwachung verkürzt sich da-
Zugriff auf die „auf Vorrat“ gespeicherten Verkehrsdaten mit die Dauer für die Anordnung einer in die Zukunft
im Grundsatz erlaubt wird, die Erhebungsbefugnis inso- gerichteten Verkehrsdatenerhebung auf zwei Monate
weit aber enger als bislang gefasst wird. Dem tragen die (§ 100b Abs. 1 Satz 4 StPO-E). Wird hingegen Auskunft
oben dargestellten Modifizierungen (Subsidiaritäts- und über in der Vergangenheit angefallene Verkehrsdaten ver-
besondere Verhältnismäßigkeitsklausel, Ausschluss von langt, so sind – wie im bisherigen Recht auch – sämtliche
Versuchs- und Vorbereitungsstraftaten) Rechnung. beim Diensteanbieter vorhandenen Verkehrsdaten zu
beauskunften, ohne dass insoweit eine zeitliche Be-
Zu § 100g Abs. 2 StPO-E schränkung eingreift. Dies gilt, wie der Klammerverweis
in Absatz 1 Satz 1 auch auf § 113a TKG-E klarstellt,
Die bisher in § 100g Abs. 2 StPO ausdrücklich getroffene
auch für die nach dem Telekommunikationsgesetz „auf
Regelung zur so genannten Zielwahlsuche, mit der durch
Vorrat“ zu speichernden Daten.
Abgleich aller in einem bestimmten Zeitraum bei den
Diensteanbietern angefallenen Verkehrsdatensätze ermittelt ● Der Verweis auf § 100b Abs. 2 StPO-E ersetzt den Ver-
wird, von welchem – unbekannten – Anschluss aus eine Ver- weis auf § 100b Abs. 2 Satz 1 und 3 StPO in § 100h
bindung zu einem bestimmten – bekannten – Anschluss her- Abs. 1 Satz 1 und 3 Halbsatz 1 StPO (Form und Inhalt
gestellt worden ist, entfällt: der Anordnung).
● Zum einen werden von den Diensteanbietern, die ● Der Verweis auf § 100b Abs. 3 StPO-E ist notwendig,
Telekommunikationsdienste für die Öffentlichkeit er- weil § 100g Abs. 1 StPO-E nicht mehr als Auskunftsver-
bringen, künftig auch die Rufnummern der anrufenden pflichtung ausgestaltet ist, mithin die in § 100b Abs. 3
Anschlüsse zu speichern sein, wenn diese von ihnen StPO-E geregelte Mitwirkungspflicht der Diensteanbie-
verarbeitet werden (vgl. Artikel 2 Nr. 5 – § 113a Abs. 2 ter in Bezug genommen werden muss. Zugleich wird da-
Nr. 1 TKG-E), so dass diese künftig regelmäßig ohne mit der Verweis auf § 95 Abs. 2 StPO in § 100h Abs. 1
Zielwahlsuche ermittelt werden können. Satz 3 Halbsatz 1 StPO (Ordnungs- und Zwangsmittel
bei Verweigerung der Mitwirkung) entbehrlich, weil dies
● Zum anderen ist in den wenigen Fällen, in denen eine bereits durch den Verweis auf § 100b Abs. 3, der seiner-
Zielwahlsuche möglicherweise künftig noch erforderlich seits auf § 95 Abs. 2 verweist, erfasst ist.
sein könnte, diese aufgrund der allgemeinen Erhebungs-
befugnis für Verkehrsdaten nach § 100g Abs. 1 StPO-E, ● Der Verweis auf § 100b Abs. 4 Satz 1 StPO-E ersetzt
die auch die Anordnung einer Zielwahlsuche erlaubt, den Verweis auf § 100b Abs. 4 Satz 1 StPO in § 100h
weiterhin möglich. Einer besonderen Regelung im Sinne Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 2 StPO (Beendigung der Maß-
des bisherigen § 100g Abs. 2 StPO mit höheren Zulässig- nahme bei Wegfall der Anordnungsvoraussetzungen).
keitsvoraussetzungen bedarf es für diese seltenen Fall- Die bislang für die Auskunft über zukünftige Telekom-
gestaltungen nicht mehr, zumal das Bundesverfassungs- munikationsverbindungen in § 100h Abs. 1 Satz 3 Halb-
gericht zwischenzeitlich entschieden hat, dass der Ver- satz 2 StPO i. V. m. § 100b Abs. 4 Satz 2 StPO geregelte
kehrsdatenabgleich im Zuge einer Zielwahlsuche nur in ausdrückliche Verpflichtung, die Beendigung der Maß-
das Fernmeldegeheimnis derjenigen eingreift, die als nahme dem Gericht und dem zur Auskunft verpflichte-
„Treffer“ den Strafverfolgungsbehörden mitgeteilt wer- ten Telekommunikationsdiensteanbieter mitzuteilen, ent-
den; hinsichtlich des übrigen Personenkreises erfolgt eine fällt. Die Pflicht zur Unterrichtung des Telekommunika-
Beeinträchtigung subjektiver Rechte durch die Zielwahl- tionsdiensteanbieters folgt bereits aus § 100b Abs. 4
suche nicht (vgl. BVerfGE 100, 313, 366; 107, 299, 328). Satz 1 StPO(-E), weil die unverzügliche Beendigung der
Maßnahme voraussetzt, dass die Strafverfolgungsbehör-
Der neu gefasste Absatz 2 enthält einen umfassenden den den Telekommunikationsdiensteanbieter auffordern,
Verweis auf § 100a Abs. 3 und § 100b Abs. 1 bis 4 Satz 1 keine weiteren Verkehrsdaten mehr zu übermitteln. Eine
StPO-E und harmonisiert damit die Verfahrensregelungen besondere Mitteilung über die Beendigung der Maß-
bei der Ermittlung von Verkehrs- und Inhaltsdaten. Dies nahme an das Gericht, wie sie im geltenden Recht vor-
trägt auch dem Umstand Rechnung, dass die Echtzeit- gesehen ist, erscheint nicht erforderlich, weil sie für das
erhebung von Verkehrsdaten nunmehr unter § 100g Gericht keine erhellenden Erkenntnisse verspricht. Die
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 55 – Drucksache 16/5846

für die Telekommunikationsüberwachung insoweit vor- durchgeführt worden, können die mit ihr erlangten Daten
gesehene Ausweitung der Unterrichtung des Gerichts auch insoweit, als sie dritte Personen betreffen, sowohl als Er-
über den Verlauf und die Ergebnisse einer Telekom- mittlungsansatz als auch als Beweismittel verwertet werden.
munikationsüberwachungsmaßnahme (§ 100b Abs. 4
Satz 2 StPO-E) ist jedenfalls für die Verkehrsdatenerhe- Zu § 100g Abs. 3 StPO-E
bung nicht geboten und wäre mit ganz erheblichen zu-
sätzlichen Belastungen für die Praxis verbunden. Der Regelungsgehalt des bisherigen Absatzes 3 (Aufzählung
der Verbindungsdaten im Sinne des § 100g StPO) entfällt, da
● Die bislang durch Verweis in § 100h Abs. 1 Satz 3 § 100g Abs. 1 Satz 1 StPO-E hinsichtlich der Daten, deren
Halbsatz 1 StPO auf § 100b Abs. 6 StPO eingreifende Erhebung die Vorschrift regelt, auf die in § 96 Abs. 1 TKG
Vernichtungsregelung findet sich nunmehr in § 101 aufgezählten Verkehrsdaten Bezug nimmt (vgl. im Einzel-
Abs. 10 StPO-E. nen die Erläuterungen zu Absatz 1).
§ 100g Abs. 2 Satz 2 StPO-E übernimmt die bislang in Die neue Regelung in Absatz 3 stellt klar, dass sich die Er-
§ 100h Abs. 1 Satz 2 StPO enthaltene Regelung zur „Funk- hebung von Verkehrsdaten nach den allgemeinen Vorschrif-
zellenabfrage“, nach der im Falle einer Straftat von erheb- ten, also insbesondere nach den §§ 94 ff. StPO richtet, wenn
licher Bedeutung eine räumlich und zeitlich hinreichend be- sie – etwa durch Sicherstellung von Gegenständen (z. B.
stimmte Bezeichnung der Telekommunikation genügt, wenn elektronische Datenträger, aber auch Verbindungsnachweise
andernfalls die Erforschung des Sachverhalts aussichtslos in Papierform), die Aufschluss über Verkehrsdaten geben
oder wesentlich erschwert wäre. Hierdurch wird die Ver- können – nach Abschluss des Kommunikationsvorgangs in
weisung in Absatz 2 Satz 1 auf § 100b Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 anderer Weise als durch eine Auskunftsanordnung an den
StPO-E modifiziert. Diensteanbieter erfolgt. § 100g Abs. 1 und 2 StPO-E ist
Eine im Jahr 2005 im Land Schleswig-Holstein zur Aufklä- insoweit nicht anzuwenden. Mit dieser Klarstellung wird die
rung von Brandstiftungsdelikten durchgeführte Funkzellen- durch den Kammerbeschluss des Bundesverfassungsge-
abfrage, die zu kontroversen Diskussionen geführt hat (vgl. richts vom 4. Februar 2005, 2 BvR 308/04, zeitweise her-
etwa Bizer, DuD 2005, 578), gibt Anlass zu folgenden Hin- vorgerufene Unsicherheit bei der Frage beseitigt, welche
weisen: Normen für die Beschlagnahme von nicht im Gewahrsam
des Telekommunikationsdienstleisters befindlichen Daten-
In der Sache entbindet die Regelung zur Funkzellenabfrage trägern Anwendung finden, auf denen Verkehrsdaten gespei-
(lediglich) von dem andernfalls nach § 100g Abs. 2 Satz 1 chert sind. Eine insoweit klare und anwendungsfreundliche
StPO-E i. V. m. § 100b Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StPO-E bestehen- Regelung ist unerlässlich, um der Strafverfolgungspraxis
den Erfordernis, bei der Erhebung von Verkehrsdaten die eine eindeutige und praktikable Befugnisnorm an die Hand
Rufnummer oder eine andere Kennung des zu überwachen- zu geben, aber auch, um den – durch die §§ 94 ff. StPO nicht
den Anschlusses oder des Endgerätes anzugeben, nicht aber in minderer, sondern anderer Weise gewährleisteten –
von der nach § 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E i. V. m. § 100a Rechtsschutz Betroffener sicherzustellen. Dies entspricht
Abs. 3 StPO-E zu beachtenden Voraussetzung, dass sich die auch den verfassungsrechtlichen Vorgaben, wonach die nach
Anordnung zur Verkehrsdatenerhebung nur gegen den Be- Abschluss des Übertragungsvorgangs im Herrschaftsbereich
schuldigten oder dessen Nachrichtenmittler richten darf. des Kommunikationsteilnehmers gespeicherten Kommuni-
Zwar werden durch eine Funkzellenabfrage in regelmäßig kationsverbindungsdaten nicht durch Artikel 10 GG ge-
unvermeidbarer Weise auch Verkehrsdaten Dritter erhoben, schützt werden (so ausdrücklich: BVerfG, 2 BvR 2099/04
namentlich solcher Personen, die – ohne Beschuldigte oder vom 2. März 2006, Absatz-Nr. 72 = BVerfGE 115, 166 ff.).
Nachrichtenmittler des Beschuldigten zu sein – in der Funk-
zelle zu der anzugebenden Zeit mittels eines Mobiltelefons Zu § 100g Abs. 4 StPO-E
kommuniziert haben. Die Funkzellenabfrage darf aber nach
der eindeutigen Regelung in § 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E In § 100g Abs. 4 StPO-E sind in Umsetzung von Artikel 10
i. V. m. § 100a Abs. 3 StPO-E nicht mit der Zielrichtung er- der Richtlinie 2006/24/EG Regelungen zu statistischen Be-
folgen, gerade die Verkehrsdaten dieser Personen zu erhe- richten über die Erhebung von Verkehrsdaten nach § 100g
ben. Sie ist vielmehr ausgeschlossen, wenn sie allein der Er- Abs. 1 StPO-E aufgenommen worden, die systematisch an
mittlung etwa von – im konkreten Fall auch nicht als § 100b Abs. 5, 6 und § 100e StPO anknüpfen (vgl. im Ein-
Nachrichtenmittler in Betracht kommenden – Zeugen dienen zelnen die Erläuterungen zu § 100b Abs. 5 und 6 StPO-E).
soll. Ist das Ziel hingegen die Erhebung von Verkehrsdaten
des – wenn auch noch unbekannten – Beschuldigten oder Zu § 100h StPO-E
dessen Nachrichtenmittlers, so ist die Maßnahme – soweit
die übrigen Voraussetzungen vorliegen, insbesondere die Der bisherige Regelungsgehalt des § 100h StPO wird durch
Aufklärung einer Straftat von erheblicher Bedeutung Anlass andere Vorschriften ersetzt (vgl. auch die obigen Erläuterun-
der Maßnahme ist – grundsätzlich zulässig. Im Rahmen der gen zu § 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E):
Verhältnismäßigkeitsprüfung ist aber insbesondere zu be- ● § 100h Abs. 1 Satz 1 StPO wird ersetzt durch den Ver-
rücksichtigen, inwieweit dritte Personen von der Maßnahme weis auf § 100b Abs. 2 in § 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E
mit betroffen werden. Die Maßnahme kann daher im Einzel- (Inhalt der Anordnung).
fall aus Verhältnismäßigkeitsgründen zeitlich und örtlich
weiter zu begrenzen sein oder muss unterbleiben, wenn eine ● § 100h Abs. 1 Satz 2 StPO, der den Inhalt der Anord-
solche Begrenzung nicht möglich ist und das Ausmaß der Be- nung im Falle der so genannten Funkzellenabfrage
troffenheit Dritter als unangemessen erscheint. Ist die Maß- regelt, wird ersetzt durch die Regelung in § 100g Abs. 2
nahme hingegen in rechtmäßiger Weise angeordnet und Satz 2 StPO-E.
Drucksache 16/5846 – 56 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

● Die Verweisungen in § 100h Abs. 1 Satz 3 StPO werden Absatz 1 enthält die materiellen Voraussetzungen für den
ersetzt durch die Verweisungen auf § 100b Abs. 1 bis 4 Einsatz des „IMSI-Catchers“: Erforderlich ist – wie im Falle
Satz 1 in § 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E. Der Verweis auf des § 100g Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StPO-E – zum einen der auf
§ 100b Abs. 4 Satz 2 StPO-E entfällt (s. dazu die obigen bestimmte Tatsachen gründende Verdacht einer – vollende-
Erläuterungen zu § 100g Abs. 2 StPO-E). Die durch die ten, in strafbarer Weise versuchten oder durch eine Straftat
Verweisung auf § 100b Abs. 6 StPO bislang in Bezug ge- vorbereiteten – Straftat von erheblicher Bedeutung. Zum an-
nommene Vernichtungsregelung findet sich nunmehr in deren muss die mittels „IMSI-Catcher“ bezweckte Ermitt-
§ 101 Abs. 10 StPO-E. lung der Geräte- oder Kartennummer oder des Standortes
eines Mobilfunkgerätes erforderlich sein zur Erforschung
● § 100h Abs. 2 StPO entfällt aufgrund der allgemeinen des Sachverhalts oder zur Ermittlung des Aufenthaltsortes
und umfassend geltenden Regelungen zum Schutz von des Beschuldigten.
Berufsgeheimnisträgern bei Ermittlungsmaßnahmen in
§ 53b StPO-E. Absatz 2 entspricht dem bisherigen Absatz 3.
● Die Verwendungsregelung in § 100h Abs. 3 StPO entfällt Absatz 3 Satz 1 enthält mit der Verweisung auf § 100a
aufgrund der allgemeinen Regelung in § 477 Abs. 2 Abs. 3 und weite Teile des § 100b StPO-E die für die Anord-
Satz 2 und 3 StPO-E. nung und Durchführung des IMSI-Catcher-Einsatzes vorge-
sehenen Verfahrensregelungen:
Der neue Regelungsgehalt des § 100h StPO-E enthält – in
redaktionell überarbeiteter Weise – die bislang in § 100f ● Mit dem Verweis auf § 100a Abs. 3 StPO-E wird gere-
Abs. 1, 3 und 4 StPO enthaltenen Bestimmungen zum Ein- gelt, dass der Einsatz sich nur gegen den Beschuldigten
satz technischer Mittel, soweit sich diese auf Bildaufnahmen und die so genannten Nachrichtenmittler richten darf.
und Observationsmittel beziehen:
● Mit dem Verweis auf § 100b Abs. 1 Satz 1 bis 3 wird ent-
● § 100h Abs. 1 StPO-E entspricht inhaltlich dem bisheri- sprechend dem bisherigen Recht der Richtervorbehalt
gen § 100f Abs. 1 StPO. Zur redaktionellen Anpassung nebst Eilkompetenz der Staatsanwaltschaft vorgesehen
der Eingangswörter („Auch ohne“) vgl. die Begründung und darüber hinaus die in § 100b Abs. 1 Satz 3
zu § 100a Abs. 1 StPO-E. Halbsatz 2 StPO-E neu aufgenommene Verwertungsre-
● § 100h Abs. 2 Satz 1 StPO-E entspricht inhaltlich dem gelung übernommen.
bisherigen § 100f Abs. 3 Satz 1 StPO. ● Aus dem Verweis auf § 100b Abs. 2 Satz 1 und Abs. 4
● § 100h Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 StPO-E entspricht inhaltlich Satz 1 folgt, dass die Anordnung des IMSI-Catcher-Ein-
dem bisherigen § 100f Abs. 3 Satz 2 StPO. satzes schriftlich zu erfolgen hat und der Einsatz zu be-
enden ist, wenn die Voraussetzungen der Anordnung ent-
● § 100h Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StPO-E entspricht inhaltlich fallen.
dem bisherigen § 100f Abs. 3 Satz 3 StPO.
Absatz 3 Satz 1 und 2 übernimmt in redaktionell angepasster
● § 100h Abs. 3 StPO-E entspricht inhaltlich dem bisheri- Weise die bisherige Regelung in § 100i Abs. 4 Satz 2 und 3
gen § 100f Abs. 4 StPO und übernimmt hinsichtlich mit- zu den Anordnungsfristen.
betroffener Personen die Formulierung des § 163f Abs. 2
StPO („Dritte“ statt „andere Personen“). Nicht mehr ausdrücklich erwähnt wird in dem neu gefassten
§ 100i StPO-E die im geltenden § 100i Abs. 2 Satz 3 aus-
drücklich vorgesehene Zulässigkeit der Maßnahme zur
Zu § 100i StPO-E
Eigensicherung der mit einer Festnahme betrauten Beamten
Die vom Bundesverfassungsgericht mit Beschluss vom des Polizeidienstes. Gleichwohl bleibt auch diese Einsatz-
22. August 2006 (2 BvR 1345/03) als verfassungsgemäß möglichkeit erhalten: Der IMSI-Catcher-Einsatz im Rahmen
beurteilte Regelung des § 100i StPO zum „IMSI1-Catcher“- einer Eigensicherung dient dazu, den aktuellen Aufenthalts-
Einsatz wird unter Angleichung an § 100g Abs. 1 Satz 1 ort des Beschuldigten zu ermitteln. Dieser Einsatzzweck
Nr. 1 StPO-E neu gefasst. Damit wird die schon bislang für wird in Absatz 1 letzter Halbsatz ausdrücklich erwähnt.
technische Observationsmittel in § 100f Abs. 1 Nr. 2 StPO
(jetzt: § 100h Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 StPO-E) sowie für Ebenfalls nicht mehr ausdrücklich in § 100i StPO-E geregelt
die längerfristige Observation in § 163f Abs. 1 StPO enthal- ist die bislang in § 100i Abs. 5 Satz 4 enthaltene Auskunfts-
tene materielle Schwelle des Erfordernisses einer Straftat verpflichtung von geschäftsmäßig tätigen Telekommunika-
von erheblicher Bedeutung auch in § 100i StPO-E integriert. tionsdiensten, die Geräte- und Kartennummer mitzuteilen.
Zugleich wird es dadurch möglich, den „IMSI-Catcher“ Die Befugnis zur Erhebung dieser Angaben ergibt sich be-
auch zur Unterstützung einer Observationsmaßnahme sowie reits aus den allgemeinen Befugnisnormen (§§ 94 ff., 161,
zur Vorbereitung einer Verkehrsdatenerhebung nach § 100g 163 StPO) in Verbindung mit den in §§ 111 ff. TKG geregel-
StPO-E einzusetzen. Ferner führt die Neufassung der Vor- ten Verpflichtung der Telekommunikationsdienstleister zur
schrift zu einer deutlichen redaktionellen Straffung des Erteilung der entsprechenden Auskünfte.
Regelungstextes. Dies trägt auch Stellungnahmen aus der Soweit aus der Strafverfolgungspraxis die Forderung erho-
Praxis Rechnung, die die Lesbarkeit des bisherigen § 100i ben wird, zwecks Vorbereitung des IMSI-Catcher-Einsatzes
StPO bemängelten (vgl. Albrecht, Dorsch und Krüpe, eine Befugnis zur Erhebung von Standortkennungen (Funk-
a. a. O., S. 204). zellenangaben) bei den Telekommunikationsdienstleistern
zu schaffen, ist diesem Petitum bereits durch die Neurege-
1 IMSI = International Mobile Subscriber Identity. lung des § 100g StPO-E Rechnung getragen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 57 – Drucksache 16/5846

§ 100i StPO-E wird durch die für alle verdeckten Ermitt- ● die Telekommunikationsüberwachung nach § 100a
lungsmaßnahmen geltenden Regelungen in § 101 StPO-E StPO-E,
ergänzt. Der Rechtsschutz Betroffener wird hierdurch inso- ● die akustische Wohnraumüberwachung nach § 100c
fern gestärkt, als die grundrechtssichernden Regelungen des StPO-E,
§ 101 StPO-E in vollem Umfang auch auf den Einsatz des
„IMSI-Catchers“ Anwendung finden und damit auch eine ● die akustische Überwachung außerhalb von Wohnungen
Benachrichtigungspflicht gegenüber der in ihrem Recht auf nach § 100f StPO-E,
informationelle Selbstbestimmung betroffenen Zielperson ● die Verkehrsdatenerhebung nach § 100g StPO-E,
der Maßnahme eingeführt wird. Soweit durch den Einsatz
des „IMSI-Catchers“ funktionsbedingt vorübergehend auch ● der Einsatz besonderer technischer Mittel nach § 100h
Daten von Mobiltelefonen dritter Personen erfasst werden, StPO-E,
die technisch verarbeitet und durch Bildung einer Schnitt- ● der „IMSI-Catcher“-Einsatz nach § 100i StPO-E,
menge aus den Daten mehrerer Messungen wieder ausge-
schieden werden, ist bereits fraglich, ob insoweit ein Eingriff ● der Einsatz Verdeckter Ermittler nach § 110a StPO-E,
in die Rechte dieser Dritten gegeben ist (vgl. BVerfGE 100, ● die Schleppnetzfahndung nach § 163d StPO-E,
313, 366; 107, 299, 328). Jedenfalls begegnet es keinen ver-
● die Ausschreibung nach § 163e StPO-E und
fassungsrechtlichen Bedenken, dass das Gesetz eine (Ermitt-
lung und) Benachrichtigung mitbetroffener dritter Personen ● die längerfristige Observation nach § 163f StPO-E.
nicht vorsieht (vgl. BVerfG, 2 BvR 1345/03 vom 22. August Nicht einbezogen ist hingegen die DNA-Analyse im Fall des
2006, Absatz-Nr. 77). § 81e StPO, für die bislang § 101 Abs. 1 StPO eine Benach-
richtigungspflicht vorsieht (zur Kritik hieran vgl. Löffel-
Zu § 101 StPO-E mann, ZStW 118 [2006], S. 358, 367; ders. in: Krekeler/Löf-
§ 101 StPO-E fasst für die Ermittlungsbefugnisse nach den felmann, Anwaltskommentar zur StPO, § 101 Rn. 1):
§§ 98a, 99, 100a, 100c, 100f bis 100i, 110a und 163d ff. ● Im Fall des § 81e Abs. 1 (molekulargenetische Unter-
StPO-E all jene Verfahrensvorschriften zusammen, die bis- suchung der einer Person entnommenen Körperzellen)
lang jeweils gesondert – und daher mitunter abweichend von- handelt es sich um keine verdeckte Ermittlungsmaßnah-
einander – geregelt waren oder – etwa aufgrund verfassungs- me. Denn bei Anordnung einer Körperzellenentnahme
gerichtlicher Vorgaben – zusätzlich vorzusehen sind. Die für Zwecke der DNA-Analyse wird die Maßnahme der
Vorschrift regelt so im Lichte der Rechtsprechung des Bun- betroffenen Person zwangsläufig bekannt. Es besteht da-
desverfassungsgerichts einheitlich für alle speziellen ver- her kein Anlass, auf diese Fallgestaltung die Regelungen
deckten Maßnahmen Kennzeichnungspflichten (Absatz 3), zu verdeckten Ermittlungsmaßnahmen anzuwenden, ins-
Benachrichtigungspflichten (Absatz 4) und deren Zurück- besondere Benachrichtigungspflichten nach den Absät-
stellung nebst gerichtlicher Überprüfung (Absatz 5 bis 8). zen 4 ff. vorzusehen.
Zur Stärkung des Grundrechts auf rechtliches Gehör nach
Artikel 103 Abs. 1 GG und des Gebots der Gewährleistung ● Und in der in § 81e Abs. 2 StPO geregelten Fallgestal-
eines effektiven Rechtsschutzes nach Artikel 19 Abs. 4 GG tung der molekulargenetischen Untersuchung einer
wird unabhängig von der Stellung des Betroffenen im Ver- anonymen Spur ist die betroffene Person – jedenfalls
fahren nachträglicher Rechtsschutz gewährt (Absatz 9). Eine zunächst – nicht bekannt, so dass etwa eine Benachrich-
allgemeine Regelung zur Löschung nicht mehr benötigter tigung nicht in Betracht kommt. Wird diese Person auf-
personenbezogener Daten, die aus verdeckten Maßnahmen grund des DNA-Abgleichs bekannt, wird das Unter-
gewonnen wurden, findet sich in Absatz 10. suchungsergebnis der Person ohnehin im Rahmen des
Ermittlungsverfahrens mitgeteilt, da hieran weitere Er-
● Der Inhalt des bisherigen § 101 Abs. 1 StPO sowie des mittlungsmaßnahmen, u. a. die Vernehmung der Person,
bisherigen § 100d Abs. 8 und 9 (Benachrichtigungs- anknüpfen.
pflichten) geht so ein in die neuen Abätze 4 bis 8.
● Der Inhalt des bisherigen § 101 Abs. 2 und 3 StPO ist Zu § 101 Abs. 2 StPO-E
systematisch den Regelungen zur Postbeschlagnahme In Absatz 2 werden die bislang für
zuzuordnen und daher in § 100 Abs. 5 und 6 StPO-E ein-
● die akustische Wohnraumüberwachung in § 100d Abs. 9
gestellt worden.
Satz 5 StPO,
● Die bisherige Regelung zur getrennten Aktenführung
● die akustische Überwachung außerhalb von Wohnräu-
in § 101 Abs. 4 findet sich nunmehr in § 101 Abs. 2
men in § 101 Abs. 4 i. V. m. § 100f Abs. 2 StPO,
StPO-E.
● den Einsatz technischer Observationsmittel in § 101
Zu § 101 Abs. 1 StPO-E Abs. 4 i. V. m. § 100f Abs. 1 Nr. 2 StPO und

Absatz 1 erstreckt den Anwendungsbereich der nachfolgen- ● den Einsatz Verdeckter Ermittler in § 110d Abs. 2 StPO
den Absätze für alle verdeckten Maßnahmen, soweit nicht enthaltenen Regelungen zur getrennten Aktenführung un-
bereichsspezifisch etwas anderes geregelt ist. Namentlich verändert übernommen. Von einer – im Sinne einer har-
sind damit von den Regelungen des § 101 StPO erfasst: monischen Gesamtregelung erwogenen – Ausweitung der
getrennten Aktenführung auch auf andere verdeckte Ermitt-
● die Rasterfahndung nach § 98a StPO-E,
lungsmaßnahmen wird abgesehen. Die getrennte Akten-
● die Postbeschlagnahme nach § 99 StPO-E, führung führt – insbesondere nach Anklageerhebung – zu
Drucksache 16/5846 – 58 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

einer nicht unerheblichen Beschränkung der Akteneinsichts- fänger“ wurde gewählt, um dem Umstand Rechnung zu
rechte. Für die Notwendigkeit einer solchen Beschränkung tragen, dass die zu benachrichtigende Person, an die die
auch bei anderen verdeckten Ermittlungsmaßnahmen ist bis- Postsendung gerichtet war, diese im Fall der Postbe-
lang aus der Praxis kein Bedarf bekundet oder gar belegt schlagnahme gerade nicht empfangen hat.
worden.
● Bei einer Telekommunikationsüberwachung nach § 100a
StPO-E sind die Beteiligten der überwachten Tele-
Zu § 101 Abs. 3 StPO-E
kommunikation zu benachrichtigen, also diejenigen Per-
Absatz 3 bestimmt, dass die aus den in Absatz 1 aufgeführ- sonen, die telekommuniziert haben. Dies trägt dem Um-
ten Maßnahmen resultierenden personenbezogenen Daten stand Rechnung, dass bei diesen Personen in das ihnen
als solche zu kennzeichnen sind. Dies entspricht der bereits von Artikel 10 GG gewährleistete Fernmeldegeheimnis
zur akustischen Wohnraumüberwachung getroffenen Rege- eingegriffen wurde. Ein solcher Eingriff wird regelmä-
lung in § 100d Abs. 7 StPO, die infolge der Neuregelung in ßig – aber nicht ausnahmslos – bezüglich des Inhabers
Absatz 3 entfällt. Die Kennzeichnungspflichten sind ent- des überwachten Anschlusses und des Beschuldigten
sprechend den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts vorliegen; sind diese Personen aber im konkreten Fall an
(BVerfGE 100, 313, 360; 109, 279, 374, 379 f.) für die der überwachten Telekommunikation nicht beteiligt ge-
Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Datenverwendung wesen, etwa weil der Inhaber des Anschlusses diesen
erforderlich und werden daher konsequent auf alle speziell einer anderen Person überlassen hat oder lediglich ein
geregelten verdeckten Ermittlungsmaßnahmen erstreckt. Telefonat des Nachrichtenmittlers mit einer dritten Per-
Denn alle diese Maßnahmen sind – von der Postbeschlag- son überwacht wurde, so besteht eine Benachrichti-
nahme abgesehen – vom Verdacht bestimmter, in den jewei- gungspflicht weder gegenüber dem Inhaber des über-
ligen Regelungen näher umschriebener Straftaten abhängig wachten Anschlusses noch gegenüber dem Beschul-
und lösen damit das Eingreifen der Verwendungsbeschrän- digten. Etwaige Akteneinsichtsrechte, bei deren Wahr-
kungen in § 477 Abs. 2 StPO-E aus. nehmung der Beschuldigte bzw. dessen Verteidiger
Kenntnis von der Maßnahme erlangen können, bleiben
Zu § 101 Abs. 4 StPO-E davon unberührt.
In Absatz 4 werden die bisher in § 101 Abs. 1 Satz 1 StPO ● Bei der akustischen Wohnraumüberwachung mit tech-
und weiteren Vorschriften (z. B. § 100d Abs. 8 und 9 StPO) nischen Mitteln nach § 100c StPO-E ist der bislang in
enthaltenen Benachrichtigungspflichten an zentraler Stelle § 100d Abs. 8 Satz 3 StPO beschriebene Kreis der zu
zusammengefasst, maßnahmebezogen konkretisiert und un- benachrichtigenden Personen (Beschuldigter, sonstige
ter Berücksichtigung der Vorgaben des Bundesverfassungs- überwachte Personen sowie Inhaber und Inhaberinnen
gerichts (BVerfGE 109, 279, 366 f.) überarbeitet. und Bewohner und Bewohnerinnen der überwachten
Satz 1 bestimmt, dass die von den in Absatz 1 genannten Wohnung) – bis auf eine Klarstellung in Buchstabe c – un-
verdeckten Ermittlungsmaßnahmen Betroffenen von der verändert übernommen worden. Die – schon in § 100d
Maßnahme zu benachrichtigen sind und führt die zu benach- Abs. 8 Satz 3 StPO enthaltene – Unterscheidung zwi-
richtigenden Personen maßnahmespezifisch auf. Damit wird schen Inhabern und Bewohnern einer Wohnung geht auf
den Unsicherheiten Rechnung getragen, die nach der Unter- das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur akustischen
suchung von Albrecht/Dorsch/Krüpe (a. a. O., S. 470) insbe- Wohnraumüberwachung zurück (BVerfG, 1 BvR 2378/98
sondere daraus resultieren, dass die bislang im Gesetz ver- vom 3. März 2004, Absatz-Nr. 295). Sinngebend ist diese
wandten Begriffe des „Betroffenen“ (§ 100b Abs. 1 Satz 2 Differenzierung, wenn man berücksichtigt, dass Inhaber
StPO) und des „Beteiligten“ (§ 101 Abs. 1 Satz 1 StPO) als einer Wohnung auch ein Mieter sein kann, der die Woh-
Definitions- und Abgrenzungskriterien wenig tauglich sind, nung nicht oder – etwa während des Laufs der akustischen
insbesondere der Praxis keine hinreichende Hilfestellung zur Wohnraumüberwachung – zeitweise nicht selbst be-
Bestimmung der zu benachrichtigenden Personen geben. wohnt, ohne hierbei seine Rechte hinsichtlich der Woh-
Dem soll durch die Aufzählung in Satz 1 entgegengewirkt nung aufgegeben zu haben. Auch wenn die Kommunika-
werden. tion eines solchen Inhabers im Rahmen der akustischen
Wohnraumüberwachung nicht abgehört und aufgezeich-
● Die bislang in § 101 Abs. 1 StPO vorgesehene Benach- net worden ist, so sind seine Rechte doch durch die
richtigungspflicht bei Maßnahmen nach § 81e StPO – regelmäßig heimliche – Einbringung der Überwachungs-
(DNA-Analyse) entfällt, vgl. hierzu die obigen Ausfüh- technik in die Wohnung betroffen worden.
rungen zu Absatz 1.
● Bei der akustischen Überwachung mit technischen Mit-
● Bei der Rasterfahndung nach § 98a StPO-E sind die von
teln außerhalb von Wohnungen nach § 100f StPO-E sind
der Rasterfahndung betroffenen Personen, gegen die
die Zielperson – also diejenige, die mittels der akus-
nach Auswertung der Daten weitere Ermittlungen geführt
tischen Überwachung überwacht werden soll – sowie die
wurden, zu benachrichtigen. Dies entspricht der bisheri-
von der Maßnahme erheblich mitbetroffenen Personen zu
gen Bestimmung des zu benachrichtigenden Personen-
benachrichtigen. Die Formulierung „erheblich mitbetrof-
kreises in § 98b Abs. 4 Satz 1 i. V. m. § 163d Abs. 5
fenen Personen“ trägt dem Umstand Rechnung, dass
StPO.
durch die Streubreite einer solchen Maßnahme eine Viel-
● Bei der Postbeschlagnahme nach § 99 StPO-E sind der zahl von Personen in jedoch jeweils vergleichsweise un-
Absender und der Adressat der beschlagnahmten Post- erheblicher Weise mitbetroffen sein kann. Wird etwa in
sendung zu benachrichtigen. Der Begriff „Adressat“ an- einer Parkanlage ein Gespräch zwischen verdächtigen
stelle des auch in Betracht kommenden Begriffs „Emp- Personen (Beschuldigten) abgehört und werden hierbei
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 59 – Drucksache 16/5846

auch einzelne „Wortfetzen“ zufällig vorübergehender der Daten weitere Ermittlungen geführt wurden, zu be-
Personen mit erfasst, so erscheint es weder sachgerecht nachrichtigen. Dies entspricht der bisherigen Bestim-
noch aus verfassungsrechtlichen Gründen geboten, diese mung des zu benachrichtigenden Personenkreises in
„vorbeispazierenden“ Personen von der Maßnahme zu § 163d Abs. 5 StPO.
benachrichtigen. Gesellen sich hingegen zu den verdäch- ● Bei der Ausschreibung zur polizeilichen Beobachtung
tigen Personen weitere Personen für einige Zeit hinzu, so nach § 163e StPO(-E) sind die Zielperson der Maßnahme
dass deren Kommunikationsbeiträge in erheblichem Um- und die Personen, deren personenbezogene Daten gemel-
fang mit erfasst werden, so greift die Maßnahme auch in det worden sind, zu benachrichtigen. Damit wird für
deren Grundrechte in nicht unerheblicher Weise ein und diese Maßnahme erstmals eine Benachrichtigungspflicht
lässt damit die Benachrichtigungspflicht auch diesen ge- eingeführt. Dies erscheint in Anbetracht der mit der Maß-
genüber zur Entstehung gelangen. nahme im Einzelfall verbundenen Überwachungsintensi-
● Bei der Verkehrsdatenerhebung nach § 100g StPO-E sind tät (Erstellung von Bewegungsprofilen) geboten. „Ziel-
– ebenso wie bei Maßnahmen nach § 100a StPO-E – die person“ ist diejenige Person, gegen die die Maßnahme
Beteiligten der betroffenen Telekommunikation zu be- nach § 163e Abs. 1 StPO angeordnet werden darf, also
nachrichtigen. Die obigen Ausführungen betreffend der Beschuldigte und dessen Nachrichtenmittler. Soweit
§ 100a StPO-E gelten entsprechend. Damit wird der nach § 163e Abs. 2 StPO auch das Kennzeichen eines
Kreis der zu benachrichtigenden Personen dem Grunde Kraftfahrzeuges ausgeschrieben werden kann, kommt die
nach bei Maßnahmen, die das Fernmeldegeheimnis be- Regelung dem eingetragenen Halter oder Nutzer des
schränken, zwar – aufgrund verfassungsrechtlicher Vor- Kraftfahrzeuges zugute. Soweit die in § 163e Abs. 2
gaben – zunächst recht groß. In der Praxis dürften jedoch StPO genannten Begleiter betroffen sind, weil ihre per-
die in Absatz 4 Satz 3 bis 5 enthaltenen Ausschlussgrün- sonenbezogene Daten gemeldet worden sind, sind auch
de hier besondere Relevanz erlangen. sie zu benachrichtigen.
● Bei dem Einsatz besonderer technischer Mittel nach ● Bei der längerfristigen Observation nach § 163f StPO-E
§ 100h StPO-E (Bildaufnahmen, technische Observa- sind die Zielperson sowie die erheblich mitbetroffenen
tionsmittel) sind die Zielperson sowie die erheblich mit- Personen zu benachrichtigen. Für die Maßnahme der län-
betroffenen Personen zu benachrichtigen. Die obigen gerfristigen Observation wird damit erstmals eine Be-
Ausführungen zu Maßnahmen nach § 100f StPO-E gel- nachrichtigungspflicht begründet. Dies ist in Anbetracht
ten entsprechend. Die damit gegenüber § 101 Abs. 1 der Grundrechtsrelevanz dieser Maßnahme geboten. Zur
Satz 1 StPO verbundene Ausdehnung der Benachrichti- Umschreibung des zu benachrichtigenden Personenkrei-
gung bei Bildaufnahmen (§ 100f Abs. 1 Nr. 1 StPO bzw. ses wird auf die entsprechend geltenden obigen Ausfüh-
§ 100h Abs. 1 Nr. 1 StPO-E) ist wegen des damit verbun- rungen zu Maßnahmen nach § 100f StPO-E verwiesen.
denen Eingriffs in das Recht am eigenen Bild grundrecht- Satz 2 bestimmt, dass im Rahmen der Benachrichtigung auf
lich geboten. die Möglichkeit nachträglichen Rechtsschutzes nach Ab-
● Bei dem Einsatz des „IMSI-Catchers“ nach § 100i StPO-E satz 9 und die dafür vorgesehene Frist hinzuweisen ist. Die
ist die Zielperson zu benachrichtigen. Damit wird für die- Regelung ist § 100d Abs. 8 Satz 2 StPO nachgebildet, ent-
se Maßnahme die Benachrichtigungspflicht neu einge- spricht aber auch der in § 98 Abs. 2 Satz 7 StPO statuierten
führt. Dies ist grundrechtlich geboten, weil die Maß- Rechtsmittelbelehrung und gestaltet die Rechtsschutzmög-
nahme nach § 100i StPO-E in nicht ganz unerheblicher lichkeiten der Betroffenen damit effektiv aus.
Weise in das Recht auf informationelle Selbstbestim- Nach Satz 3 hat die Benachrichtigung zu unterblieben, wenn
mung der Zielperson eingreift. Die Nichteinbeziehung durch sie überwiegende schutzwürdige Interessen anderer
der sonstigen von der Maßnahme betroffenen Personen Betroffener (z. B. des Nachrichtenmittlers oder auch des Be-
trägt dem Umstand Rechnung, dass die vorübergehend schuldigten, wenn etwa dessen Gespräche mit einem an der
erhobenen Geräte- und Kartennummer sowie Standorte Straftat unbeteiligten Geschäftspartner erfasst wurde) der
bezüglich der Mobilfunkgeräte Dritter nach § 100i Benachrichtigung entgegenstehen. Dies erfordert eine Ab-
Abs. 4 StPO-E nur im Rahmen des technisch Unvermeid- wägung der widerstreitenden Interessen im Einzelfall, die
baren erhoben werden und über den Datenabgleich hi- einer weitergehenden gesetzlichen Regelung nicht zugäng-
naus nicht verwendet werden dürfen, sondern nach Be- lich ist.
endigung der Maßnahme unverzüglich zu löschen sind.
Satz 4 bestimmt, dass in den Fällen des Satzes 1 Nr. 2
● Bei dem Einsatz eines Verdeckten Ermittlers nach § 110a (Postbeschlagnahme), 3 (Telekommunikationsüberwachung)
StPO-E sind die Zielperson sowie diejenige Person, de- und 6 (Verkehrsdatenerhebung) die Benachrichtigung unter-
ren nicht allgemein zugängliche Wohnung der Verdeckte bleiben kann, wenn eine der dort genannten Personen, gegen
Ermittler betreten hat, zu benachrichtigen. Hinsichtlich die sich die Maßnahme nicht gerichtet hat, von der Maßnah-
des Wohnungsinhabers entspricht dies der bisherigen Re- me in nur unerheblicher Weise betroffen wurde und anzu-
gelung der Benachrichtigungspflicht beim Einsatz eines nehmen ist, dass kein Interesse an einer Benachrichtigung
Verdeckten Ermittlers in § 110d Abs. 1 StPO. Es ist aber besteht. Diese Regelung trägt dem Umstand Rechnung, dass
darüber hinaus auch geboten, die Benachrichtigung der von den in Bezug genommenen Maßnahmen zwar regel-
Zielperson vorzusehen, weil der Einsatz des Verdeckten mäßig viele Personen in ihrem Grundrecht aus Artikel 10
Ermittlers insoweit eine erhebliche Eingriffsintensität ha- GG betroffen werden, dies aber im Einzelfall in einer ver-
ben kann. gleichsweise so geringfügigen Weise, dass ein Interesse an
● Bei der Schleppnetzfahndung nach § 163d StPO-E sind einer Benachrichtigung oftmals nicht anzunehmen ist. Bei
die betroffenen Personen, gegen die nach Auswertung Postbeschlagnahmen (Satz 1 Nr. 2) kann dies etwa der Fall
Drucksache 16/5846 – 60 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

sein, wenn vorsorglich oder versehentlich auch Werbebrief- Zu § 101 Abs. 5 StPO-E
sendungen, die massenhaft versandt werden, einbezogen Absatz 5 enthält eine Regelung zur zeitweisen Zurückstel-
wurden. Bei Telekommunikationsüberwachungsmaßnah- lung einer Benachrichtigung, die der – aufzuhebenden –
men (Satz 1 Nr. 3) wird dies beispielsweise dann der Fall Regelung in § 100d Abs. 8 Satz 5 StPO nachgebildet ist.
sein, wenn für die Strafverfolgung irrelevante Gespräche zur
Besorgung von Alltagsgeschäften mit erfasst wurden (z. B. Nach Satz 1 muss die Benachrichtigung erst erfolgen, sobald
Terminvereinbarungen mit Handwerkern; telefonische Be- dies ohne Gefährdung des Untersuchungszwecks, des Le-
stellungen etwa bei Bringdiensten; Reklamationen, die über bens, der körperlichen Unversehrtheit und der persönlichen
so genannte Callcenter bearbeitet werden). Entsprechendes Freiheit einer Person und von bedeutenden Vermögenswer-
gilt bei Verkehrsdatenerhebungen (Satz 1 Nr. 6). In solchen ten geschehen kann.
Fallgestaltungen wird regelmäßig davon auszugehen sein, Ein Zurückstellen der Benachrichtigung wegen Gefährdung
dass der Kommunikationspartner aufgrund seiner regel- der öffentlichen Sicherheit und der Möglichkeit der weiteren
mäßig nur zufälligen und nur geringfügigen Betroffenheit Verwendung eines eingesetzten nicht offen ermittelnden Be-
kein Interesse an einer Benachrichtigung und der dadurch er- amten wurde aufgrund der Vorgaben des Bundesverfas-
möglichten Geltendmachung nachträglichen Rechtsschutzes sungsgerichts gestrichen (vgl. hierzu BVerfGE 109, 279,
nach Absatz 9 hat. Die Ausrichtung der Benachrichtigungs- 366 f.; Bundestagsdrucksache 15/4533, S. 19).
pflichten an dieser Interessenlage der Betroffenen trägt – im Hinsichtlich des Einsatzes eines Verdeckten Ermittlers wur-
Hinblick auf den mit Benachrichtigungspflichten verbunde- de jedoch aus dem geltenden Recht (§ 110d Abs. 1 StPO) der
nen Aufwand an Personal-, Sach- und Finanzmitteln – zu- Zurückstellungsgrund der Gefährdung der Möglichkeit der
gleich dem Gebot des wirtschaftlichen Haushaltens mit weiteren Verwendung des Verdeckten Ermittlers übernom-
öffentlichen Mitteln Rechnung und wirkt einer Überbüro- men. Die Ausführungen des Bundesverfassungsgerichts im
kratisierung entgegen. Urteil zur akustischen Wohnraumüberwachung (BVerfG
Die Regelung in Satz 4 ist nicht als zwingende Regelung 109, 279 ff., Abs. 302 f.) stehen dem nicht entgegen. Dort
sondern als Ermessensvorschrift ausgestaltet. Dies trägt hat das Bundesverfassungsgericht ausgeführt, dass die Ge-
zwei Aspekten Rechnung: Zum einen ist, auch wenn eine fährdung der weiteren Verwendung „eines nicht offen ermit-
Person in nur unerheblicher Weise von der Maßnahme be- telnden Beamten … die Zurückstellung einer Benachrichti-
troffen wurde und anzunehmen ist, dass kein Interesse an der gung im Falle der akustischen Wohnraumüberwachung nicht
Benachrichtigung besteht, kein Grund gegeben, die Benach- zu rechtfertigen“ vermag. Vorliegend geht es aber weder um
richtigung gesetzlich zu verbieten. Zum anderen kann es in die Zurückstellung der Benachrichtigung im Falle einer
Einzelfällen für die Strafverfolgungsbehörden effizienter akustischen Wohnraumüberwachung noch um den Zurück-
sein, eine Benachrichtigung durchzuführen, als eingehende stellungsgrund der Gefährdung der weiteren Verwendung
Überlegungen dazu anzustellen, ob das Maß der Betroffen- eines nicht offen ermittelnden (Polizei-)Beamten („NoeP“),
heit bereits die Unerheblichkeitsschwelle überschritten hat sondern um die Zurückstellung der Benachrichtigung über
bzw. welche Punkte für oder gegen ein Interesse an der Be- den Einsatz eines Verdeckten Ermittlers („VE“), um dessen
nachrichtigung sprechen. Die Kann-Regelung in Satz 4 weiteren Verwendung nicht zu gefährden.
kommt damit den Bedürfnissen der Praxis entgegen. Dieser Zurückstellungsgrund ist unverzichtbar und hinrei-
Satz 5 befasst sich mit der Fallgestaltung, dass die Identität chend gewichtig, um eine Beschränkung der Benachrichti-
einer in Satz 1 in Bezug genommenen Person nicht bekannt gungspflicht zu rechtfertigen. Die Ausbildung Verdeckter
ist, so dass eine Benachrichtigung praktisch nur erfolgen Ermittler, die Schaffung der erforderlichen Legende und das
kann, wenn zuvor mittels entsprechender Nachforschungen – nicht ohne weiteres reproduzierbare – Heranführen und
die Identität der Person festgestellt wird. Das Bundesverfas- Einschleusen eines Verdeckten Ermittlers in Kreise etwa der
sungsgericht hat für solche Fallgestaltungen darauf hinge- organisierten Kriminalität sind mit einem ganz erheblichen
wiesen, dass Nachforschungen zur Feststellung der Identität zeitlichen, organisatorischen und finanziellen Aufwand ver-
den Grundrechtseingriff sowohl für die Zielperson wie für bunden. Dieser spezifischen Ausgangssituation hat der Ge-
sonstige Beteiligte vertiefen können und deshalb das Beste- setzgeber Rechnung zu tragen. In § 110b Abs. 3 StPO hat er
hen von Benachrichtigungspflichten unter diesen Umstän- dies – in bislang verfassungsrechtlich nicht beanstandeter
den von einer Abwägung abhängt. Für diese ist zum einen Weise – dergestalt getan, dass die Geheimhaltung der Identi-
die Intensität des Eingriffs bedeutsam und zum anderen, wel- tät eines Verdeckten Ermittlers auch noch nach der Beendi-
chen Aufwand die Feststellung der Identität des Betroffenen gung seines Einsatzes erlaubt ist. Diese Geheimhaltung der
fordert und welche Beeinträchtigungen mit ihr für die Ziel- Identität eines Verdeckten Ermittlers wäre indessen bei einer
person und sonstige Beteiligte verbunden sein können ausnahmslosen Benachrichtigungspflicht faktisch nicht mög-
(BVerfGE 109, 279, 364 f.). Satz 5 nimmt diese Vorgaben lich. Diesem Aspekt trägt der aus § 110d Abs. 1 StPO über-
des Bundesverfassungsgerichts auf, indem er bestimmt, dass nommene Zurückstellungsgrund der Gefährdung des weite-
Nachforschungen zur Feststellung der Identität nur vor- ren Einsatzes eines Verdeckten Ermittlers Rechnung.
zunehmen sind, wenn dies unter Berücksichtigung der Gründe, die gegen die Beibehaltung dieses Zurückstellungs-
Eingriffsintensität der Maßnahme gegenüber dieser Person, grundes sprechen können, sind demgegenüber nicht von
des Aufwands für die Feststellung ihrer Identität sowie der gleich hohem Gewicht: Der Einsatz eines Verdeckten Er-
daraus für diese oder andere Personen folgenden Beeinträch- mittlers ist typischerweise nicht mit einem derart intensiven
tigungen geboten ist. Ergibt diese im Einzelfall erforderliche Eingriff in Grundrechte verbunden, wie dies etwa bei der
Abwägung, dass Nachforschungen nicht geboten sind, so akustischen Wohnraumüberwachung regelmäßig der Fall
haben diese ebenso wie die Benachrichtigung zu unterblei- sein wird. Soweit der Verdeckte Ermittler im Einzelfall eine
ben. fremde Wohnung betritt, darf dies nach § 110c StPO nur mit
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 61 – Drucksache 16/5846

Einverständnis des Berechtigten erfolgen. Ferner ist zu be- Satz 3 trifft eine praktischen Bedürfnissen Rechnung tragen-
rücksichtigen, dass mit der Neuregelung der Benachrichti- de Sonderregelung für den Fall, dass mehrere der in Absatz 1
gungspflichten das Vorliegen auch des Zurückstellungsgrun- genannten Maßnahmen in einem engen zeitlichen Zusam-
des der Gefährdung des weiteren Einsatzes eines Verdeckten menhang durchgeführt worden sind. In solchen Fällen be-
Ermittlers einer – gegebenenfalls auch wiederholten – ge- ginnt die anzurechnende Zurückstellungsdauer erst mit der
richtlichen Überprüfung unterstellt wird (vgl. § 101 Abs. 6 Beendigung der letzten Maßnahme. Diese Regelung ist sach-
bis 8 StPO-E) und damit der Rechtsschutz Betroffener eine gerecht. Vor einer Beendigung der letzten verdeckten Ermitt-
zusätzliche Absicherung erhält. Eine Abwägung sämtlicher lungsmaßnahme werden regelmäßig die Zurückstellungs-
Gesichtspunkte ergibt hiernach, dass die Beibehaltung des gründe des Absatzes 5 hinsichtlich der zuvor durchgeführten
Zurückstellungsgrundes der Gefährdung des weiteren Ein- verdeckten Maßnahmen vorliegen, insbesondere der Zu-
satzes eines Verdeckten Ermittlers insgesamt gerechtfertigt rückstellungsgrund einer Gefährdung des Untersuchungs-
ist. zwecks.
Satz 2 bestimmt, dass die Zurückstellung der Benachrichti- Satz 4 enthält die zu Satz 1 bereits erläuterten Sonderreglun-
gung aus einem der in Satz 1 genannten Gründe aktenkundig gen zur maximal jeweils zulässigen Zurückstellungsdauer
zu machen ist. Dies fördert eine ordnungsgemäße Hand- bei Maßnahmen der akustischen Wohnraumüberwachung
habung der Zurückstellungsregelungen und trägt dazu bei, nach § 100c StPO.
die Zurückstellungsgründe im Rahmen einer gerichtlichen
Überprüfung nach Absatz 6 nachvollziehen zu können. Zu § 101 Abs. 7 StPO-E
Absatz 7 übernimmt in Anlehnung an § 12 Abs. 1 Satz 3
Zu § 101 Abs. 6 StPO-E
Nr. 1 und 2 G10 eine Regelung zum endgültigen Absehen
Absatz 6 trifft Regelungen über eine gerichtliche Kontrolle von der Benachrichtigung. Voraussetzung ist, dass die Be-
der Anwendung der in Absatz 5 enthaltenen Zurückstel- nachrichtigung bereits für insgesamt fünf Jahre zurück-
lungsgründe. Diese Kontrolle durch eine unabhängige Stelle gestellt worden ist und sich nach diesen fünf Jahren ergibt,
hat das Bundesverfassungsgericht als unerlässlich zur Ge- dass die Voraussetzungen für eine Benachrichtigung mit an
währleistung eines effektiven Rechtsschutzes des Betroffe- Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft
nen angesehen. nicht eintreten werden. In diesem Fall kann mit Zustimmung
Satz 1 bestimmt daher, dass eine über zwölf Monate hinaus- des Gerichts endgültig von einer Benachrichtigung abgese-
gehende Zurückstellung der Benachrichtigung nach Ab- hen werden. Bei sorgfältiger Prüfung dieser Voraussetzun-
satz 5 der gerichtlichen Zustimmung bedarf. Die Frist be- gen, insbesondere der Prognose, dass die Voraussetzungen
ginnt mit der Beendigung der Maßnahme. Im Falle der für eine Benachrichtigung mit an Sicherheit grenzender
akustischen Wohnraumüberwachung setzt die gerichtliche Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft nicht eintreten werden,
Kontrolle – entsprechend der bisherigen Regelung in § 100d wird die Regelung in der praktischen Anwendung voraus-
Abs. 9 Satz 1 StPO – nach der Sonderregelung in Satz 4 sichtlich keinen breiten Anwendungsbereich haben. Sie ist
Halbsatz 1 bereits nach sechs Monaten ein. Auf die Fristbe- gleichwohl aufgenommen worden, um bei Vorliegen eines
rechnung finden die allgemeinen Regelungen der §§ 42 ff. solchen Ausnahmefalles die Strafverfolgungsbehörden und
StPO Anwendung. Das Gericht hat zu prüfen, ob die in Gerichte nicht mit fortwährenden Prüfungen weiterer Zu-
Absatz 5 genannten Zurückstellungsgründe vorliegen, und rückstellungen zu belasten, wenn absehbar ist, dass eine Be-
bejahendenfalls seine Zustimmung zur weiteren Zurückstel- nachrichtigung ohnehin auch in Zukunft nicht wird erfolgen
lung zu geben. Verweigert das Gericht die Zustimmung, so können.
hat die Benachrichtigung zu erfolgen, es sei denn, die Staats-
anwaltschaft führt im Wege der Beschwerde (§ 304 StPO) Zu § 101 Abs. 8 StPO-E
eine gerichtliche Zustimmung zur Zurückstellung der Be- Absatz 8 bestimmt, dass die nach den Absätzen 6 und 7 ver-
nachrichtigung doch noch herbei. anlassten gerichtlichen Entscheidungen von dem für die An-
Stimmt das Gericht der Zurückstellung der Benachrichti- ordnung zuständigen Gericht zu treffen sind. Das ist regel-
gung zu, so hat es nach Satz 2 Halbsatz 1 zugleich die Dauer mäßig das Amtsgericht am Sitz der Staatsanwaltschaft,
der weiteren Zurückstellung zu bestimmen. Diese Bestim- § 162 Abs. 1 StPO-E, im Fall der akustischen Wohnraum-
mung obliegt inhaltlich dem Ermessen des Gerichts. Es wird überwachung die in § 74a Abs. 4 GVG bestimmte Kammer
hierbei aber anhand der Umstände des Einzelfalls einzu- des Landgerichts. Die auch zur Sicherung eines rechtsstaat-
schätzen haben, wann eine Benachrichtigung voraussichtlich lichen Verfahrens nicht zwingend notwendige Sonderrege-
wird erfolgen können. Um die gerichtliche Kontrolle auch lung in § 100d Abs. 9 Satz 4 StPO, dass über Zustimmungen
unter Rechtsschutzgesichtspunkten effektiv ausüben zu kön- zu Zurückstellungen über 18 Monate hinaus das Oberlandes-
nen, wird sich in aller Regel – von besonderen Fallgestaltun- gericht entscheidet, ist hingegen im Interesse einer möglichst
gen abgesehen – eine Zurückstellung über mehr als ein wei- einheitlichen und damit harmonischen Regelung nicht über-
teres Jahr nicht empfehlen. Im Fall der akustischen Wohn- nommen worden.
raumüberwachung darf – die bisherige Regelung in § 100d
Abs. 9 Satz 2 StPO übernehmend – die jeweilige Zurückstel- Zu § 101 Abs. 9 StPO-E
lungsdauer sechs Monate nicht überschreiten, wie Satz 4 Absatz 9 regelt, dass gegen die in Absatz 1 aufgeführten,
Halbsatz 2 ausdrücklich bestimmt. regelmäßig in nicht unerheblicher Weise eingriffsintensiven
Eine über den vom Gericht bestimmten Zeitpunkt hinausrei- verdeckten Ermittlungsmaßnahmen nachträglicher Rechts-
chende Zurückstellung ist nach Satz 2 Halbsatz 2 möglich, schutz zu gewähren ist. Die Möglichkeit der Erlangung
bedarf aber ebenfalls der gerichtlichen Zustimmung. nachträglichen Rechtsschutzes ist unabdingbarer Teil einer
Drucksache 16/5846 – 62 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

rechtsstaatlichen Ausgestaltung verdeckter Ermittlungsmaß- gen, die auch erst nach Anordnung und Vollzug der Maßnah-
nahmen. Regelungstechnisch ist die Vorschrift § 100d me liegen können.
Abs. 10 StPO nachgebildet (vgl. Bundestagsdrucksache Darüber hinaus ermöglicht das Verfahren des nachträglichen
15/4533, S. 19), der aufgrund der allgemeinen Regelung in Rechtsschutzes regelmäßig nur eine instanzgerichtliche
Absatz 9 aufgehoben wird. Rechtsprechung durch das Anordnungsgericht und das Be-
Die ausdrückliche Regelung über den nachträglichen schwerdegericht, womit eine höchstrichterliche Klärung von
Rechtsschutz in Absatz 9 hat im Wesentlichen die Funktion, oft schwierigen Fragen der Rechtmäßigkeit bzw. Rechtswid-
den Betroffenen den Nachweis eines Rechtsschutzbedürfnis- rigkeit verdeckter Ermittlungsmaßnahmen weitgehend aus-
ses im Einzelfall zu ersparen, führt aber nicht dazu, dass die geschlossen ist. Demgegenüber unterliegt eine an die Ent-
schon bislang anerkannten Rechtsbehelfe verdrängt werden scheidungen im nachträglichen Rechtsschutzverfahren nicht
(vgl. Löffelmann, a. a. O. , § 100d StPO, Rn. 10). So kann gebundene eigenständige Beurteilung der Verwertbarkeit
der von einer noch andauernden verdeckten Ermittlungs- durch das erkennende Gericht im Rahmen der Berufung und
maßnahme Betroffene – so er von der Maßnahme Kenntnis Revision der Überprüfung durch die ober- und höchstrichter-
erlangt – stets Rechtsschutz entsprechend § 98 Abs. 2 Satz 2 liche Rechtsprechung. Dies trägt zur Klärung von Streitfra-
StPO erlangen. Entsprechendes gilt unter Berücksichtigung gen und damit zur Rechtssicherheit bei.
der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auch Satz 1 regelt, dass die in Absatz 4 Satz 1 maßnahmespezi-
dann, wenn sich die Maßnahme erledigt hat, aber ein Rechts- fisch aufgeführten Betroffenen Rechtsschutz auch noch nach
schutzinteresse an der nachträglichen Feststellung der Beendigung der Maßnahme erlangen können. Damit wird in
Rechtswidrigkeit der Maßnahme besteht. Die Antwort Ergänzung zu den Benachrichtigungspflichten dem Gebot
darauf, unter welchen Voraussetzungen ein solches Rechts- der Gewährleistung effektiven Rechtsschutzes (Artikel 19
schutzbedürfnis gegeben ist, führt in der Praxis allerdings Abs. 4 GG) Rechnung getragen.
immer wieder zu Unsicherheiten (vgl. zu einzelnen Fall-
gestaltungen bei Beschlagnahmen: Nack, a. a. O., § 98, Die Anknüpfung an den Kreis der dem Grunde nach zu be-
Rn. 24 ff.). Anerkannt ist indessen, dass bei tiefgreifenden nachrichtigenden Personen – d. h. ungeachtet etwaiger Mög-
Grundrechtseingriffen ein Rechtsschutzbedürfnis auch nach lichkeiten des Absehens von der Benachrichtigung aus Ver-
Beendigung der Maßnahme zu bejahen ist. Die von § 101 hältnismäßigkeitsgründen, wegen der Beeinträchtigung von
StPO-E erfassten verdeckten Ermittlungsmaßnahmen be- Drittinteressen oder aus Gründen der Unbekanntheit der zu
gründen erhebliche, nur unter jeweils besonderen Vorausset- benachrichtigen Person – begrenzt zugleich den Kreis der
zungen zulässige Grundrechtseingriffe. Es ist daher sachge- nach Absatz 9 rechtsschutzbefugten Personen. Beispielswei-
recht, die von solchen Maßnahmen Betroffenen von der se ist im Falle der Überwachung eines Telekommunikations-
konkreten Darlegung eines Rechtsschutzbedürfnisses im anschlusses grundsätzlich jeder Beteiligte der überwachten
Einzelfall zu entlasten und ihnen mit Absatz 9 durchgehend Telekommunikation nach Absatz 4 Satz 1 Nr. 3 dem Grunde
eine nachträgliche Rechtsschutzmöglichkeit zu eröffnen. Da nach zu benachrichtigen und hat damit nach Absatz 9 die
Absatz 4 Satz 1 bei der Bestimmung der zu benachrichtigen- Möglichkeit, nachträglichen Rechtsschutz zu erlangen. Um-
den Personen gerade dem Gesichtspunkt der Betroffenheit gekehrt ist der Beschuldigte nicht schon aufgrund seiner Be-
Rechnung trägt, knüpft Absatz 9 bei der Bestimmung derje- schuldigteneigenschaft dem Grunde nach zu benachrichti-
nigen Personen, denen nach dieser Regelung nachträglicher gen und damit rechtsschutzbefugt im Sinne des Absatzes 9;
Rechtsschutz zu gewähren ist, an den in Absatz 4 Satz 1 ge- denn im Falle der Überwachung der Telekommunikation
nannten Personenkreis an. eines Nachrichtenmittlers ist der Beschuldigte nicht notwen-
digerweise selbst Teilnehmer der überwachten Telekommu-
Gerichtet ist der nachträgliche Rechtsschutz auf die Über- nikation.
prüfung der Rechtmäßigkeit der verdeckten Ermittlungs-
maßnahme sowie der Art und Weise ihres Vollzugs. Die vom In zeitlicher Hinsicht setzt Satz 1 eine tatsächlich erfolgte
Gericht zu treffende Feststellung über die Rechtmäßigkeit Benachrichtigung nicht voraus. Rechtsschutz kann auch er-
oder Rechtswidrigkeit enthält keine Entscheidung über die wirkt werden, wenn der Betroffene anderweitig von der
Verwertbarkeit der aus der Maßnahme gewonnenen Erkennt- Maßnahme Kenntnis erlangt hat. Die in Satz 1 vorgesehene
nisse. Die Frage der Verwertbarkeit ist vielmehr im Rahmen zweiwöchige Frist greift als Ausschlussfrist mithin nur im
eines etwaigen Hauptverfahrens vom erkennenden Gericht Falle der Benachrichtigung ein, was durch die Verwendung
zu beurteilen. Das Gesetz sieht auch keine Bindungswirkung der Wörter „bis zu“ zum Ausdruck gebracht wird.
für das erkennende Gericht an die im Verfahren des nach- Es ist erwogen worden, auf die Befristung des Rechtsbehelfs
träglichen Rechtsschutzes zur Rechtmäßigkeit bzw. Rechts- entsprechend der Regelung in § 98 Abs. 2 StPO zu verzich-
widrigkeit der Maßnahme getroffene Entscheidung vor, ob- ten. Dagegen spricht jedoch, dass es einer solchen zeitlichen
gleich die Rechtmäßigkeit bzw. Rechtswidrigkeit für die Grenze mit Blick auf die – verfassungsrechtlich gebotene –
Beurteilung der Verwertbarkeit mitbestimmend sein wird. Löschungsregelung in Absatz 10 bedarf. Das Bundesverfas-
Das Absehen von der Festschreibung einer Bindungswir- sungsgericht hat in seinem Urteil zur akustischen Wohn-
kung rechtfertigt sich daraus, dass es im Verfahren des nach- raumüberwachung ausgeführt, dass eine Löschung erst dann
träglichen Rechtsschutzes einerseits und bei der Frage der in Betracht kommt, wenn sichergestellt ist, dass die Daten
Verwertbarkeit andererseits um Prüfungsgegenstände geht, für eine gerichtliche Nachprüfung der Rechtmäßigkeit der
die nicht identisch sind. Während es beim nachträglichen Maßnahme nicht oder nicht mehr benötigt werden (BVerfG,
Rechtsschutz um die Rechtmäßigkeit der Maßnahme bei de- 1 BvR 2378/98 vom 3. März 2004, Absatz-Nr. 350). Ein un-
ren Anordnung und in ihrem Vollzug geht, sind bei der Frage befristeter Rechtsbehelf würde daher einer Löschung dauer-
der Verwertbarkeit, die ureigene Aufgabe des erkennenden haft entgegenstehen, obgleich auch die Löschung grundsätz-
Gerichtes ist, auch andere Gesichtspunkte zu berücksichti- lich verfassungsrechtlich geboten ist, sobald die erhobenen
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 63 – Drucksache 16/5846

Daten nicht mehr benötigt werden (BVerfG, a. a. O., Absatz- ● Soweit die aus verdeckten Ermittlungsmaßnahmen er-
Nr. 349). Dieser Zielkonflikt zwischen Löschungsgebot langten personenbezogenen Daten im Einzelfall hinge-
einerseits und Aufbewahrungsgebot für Rechtsbehelfs- gen in der Strafakte enthalten sind, unterliegt diese Akte
zwecke kann sachgerecht nur mit einer Befristung der einer fortlaufenden Kontrolle durch die aktenbearbeiten-
Rechtsbehelfsmöglichkeit gelöst werden. de Stelle. Insbesondere hat nach rechtskräftigem Ab-
Satz 2 bestimmt als für die Entscheidung über den nachträg- schluss des Strafverfahrens eine Überprüfung dahinge-
lichen Rechtsschutz dasjenige Gericht für zuständig, das hend stattzufinden, ob und welche Aktenbestandteile und
auch für die Anordnung der Maßnahme zuständig ist. Das ist Asservate aufzubewahren, herauszugeben oder zu ver-
regelmäßig das Amtsgericht am Sitz der Staatsanwaltschaft, nichten sind. Anhaltspunkte dafür, dass dieser gebotenen
im Fall der akustischen Wohnraumüberwachung die in § 74a Vorgehensweise in der Praxis keine hinreichende Beach-
Abs. 4 GVG genannte Kammer des Landgerichts. Dies er- tung geschenkt würde, liegen nicht vor.
scheint sachgerecht, weil mit dem nachträglichen Rechts-
schutz nach Absatz 9 das bei verdeckten Maßnahmen zu- Zu Nummer 12 (§ 110 Abs. 3 StPO-E)
nächst nicht mögliche rechtliche Gehör des Betroffenen § 110 StPO erlaubt die Durchsicht von Datenträgern, um
nachgeholt werden soll. festzustellen, ob sie Informationen enthalten, die für das
Satz 3 ermöglicht im Wege der sofortigen Beschwerde eine Strafverfahren von Bedeutung sind und daher eine Be-
Überprüfung der im Rahmen nachträglichen Rechtsschutzes schlagnahme des Datenträgers in Betracht kommt. Die Vor-
ergehenden Entscheidung des Anordnungsgerichts. Die so- schrift macht damit z. B. die Beschlagnahme umfangreicher
fortige Beschwerde ist auch gegen Entscheidungen des Er- Aktenbestände entbehrlich, in denen einzelne beweisrele-
mittlungsrichters des Bundesgerichtshofs und der Oberlan- vante Dokumente vermutet werden. Dieser Gedanke gilt
desgerichte zulässig (vgl. § 304 Abs. 4 Satz 2 Nr. 1 und auch für elektronische Datenträger. Dort besteht allerdings
Abs. 5 StPO-E). die Besonderheit, dass das Speichermedium mit dem Zu-
gangsgerät keine räumliche Einheit bilden muss. Eine Be-
Satz 4 trifft für den Fall, dass bereits Anklage erhoben und schlagnahme des Zugangsgeräts als solches ist daher u. U.
der Angeklagte benachrichtigt worden ist, aus Gründen der nutzlos. Die Beschlagnahme des Speichermediums kann
Zweckmäßigkeit und Effizienz eine Sonderregelung zur ge- aufgrund der räumlichen Trennung – ggf. muss erst ermit-
richtlichen Zuständigkeit dahingehend, dass über den Antrag telt werden, wo sich das Speichermedium befindet – mitun-
auf nachträglichen Rechtsschutz das mit der Sache befasste ter nur mit erheblicher zeitlicher Verzögerung erfolgen.
Gericht in der das Verfahren abschließenden Entscheidung Auch rechtlich ist eine Beschlagnahme des Speicher-
(z. B. dem Urteil) befindet. Dies kann, wenn der Antrag auf mediums aufgrund von Gefahr im Verzug wegen der engen
nachträglichen Rechtsschutz bereits vor Anklageerhebung Auslegung dieses Begriffs durch das Bundesverfassungs-
bzw. vor der Benachrichtigung des Angeklagten angebracht gericht (vgl. BVerfGE 103, 142, 155 ff.) nicht unproblema-
worden ist, zu einem Übergang der gerichtlichen Entschei- tisch. Dies begründet eine erhebliche Gefahr des Beweis-
dungszuständigkeit führen. mittelverlusts, weil beweisrelevante Daten nach Bekannt-
Erwogen wurde, die Zuständigkeitsregelung in Satz 4 auf werden der – offen durchzuführenden (vgl. BGH, Beschluss
den Fall zu beschränken, dass der Angeklagte um nachträg- vom 31. Januar 2007 – StB 18/06) – Durchsuchungsmaß-
lichen Rechtsschutz nachsucht. Dies hätte allerdings zur Fol- nahme vom Speichermedium gelöscht werden können, be-
ge, dass für entsprechende Rechtsschutzbegehren anderer vor dieses beschlagnahmt werden kann. Die neue Vorschrift
Betroffener weiterhin das Anordnungsgericht zuständig des § 110 Abs. 3 StPO-E erlaubt daher, die Durchsicht elek-
bliebe. Dies erscheint im Sinne einer effizienten Verfahrens- tronischer Datenträger auf räumlich getrennte Speicherein-
weise sowie zur Vermeidung divergierender Entscheidungen heiten, zu denen der Betroffene den Zugriff zu gewähren
aber nicht ratsam. berechtigt ist, zu erstrecken, um festzustellen, ob dort be-
weisrelevante Daten gespeichert sind. Da dieses Vorgehen
Zu § 101 Abs. 10 StPO-E weniger eingriffsintensiv als die Beschlagnahme des Daten-
trägers ist, wird damit der Grundsatz der Verhältnismäßig-
Absatz 10 trifft eine dem aufzuhebenden § 100d Abs. 5 keit besonders berücksichtigt. Daten, die für die Untersu-
StPO nachgebildete – redaktionell noch klarer gefasste – chung von Bedeutung sein können, dürfen nach Satz 2 der
Regelung über die Löschung nicht mehr benötigter perso- Vorschrift gespeichert werden, wenn bis zur Sicherstellung
nenbezogener Daten, die aus einer der in Absatz 1 genannten der Datenträger ihr Verlust zu besorgen ist. Sie sind zu lö-
Maßnahmen erlangt worden sind. schen, sobald sie für die Strafverfolgung nicht mehr erfor-
Erwogen wurde, insoweit auch feste Löschungsprüffristen derlich sind.
vorzusehen, wie sie etwa in § 489 Abs. 4 StPO enthalten Durch diese Befugnis zur vorläufigen Sicherung der Daten
sind. Im Ergebnis wurde hiervon aber mangels Erforderlich- wird auch der Forderung von Artikel 19 Abs. 2 des Überein-
keit abgesehen: kommens über Computerkriminalität entsprochen. Dort ha-
● Soweit die aus verdeckten Ermittlungsmaßnahmen er- ben sich die Vertragsparteien verpflichtet, die erforderlichen
langten personenbezogenen Daten im Einzelfall in Da- gesetzgeberischen Maßnahmen zu treffen, um sicherzustel-
teien gespeichert sind, finden die Löschungsprüffristen len, dass ihre Behörden, wenn sie ein bestimmtes Computer-
nach § 489 Abs. 4 StPO sowie korrespondierende Fris- system oder einen Teil davon durchsuchen oder in ähnlicher
ten in anderen Vorschriften (z. B. § 32 Abs. 3 BKAG) Weise darauf Zugriff nehmen und Grund zu der Annahme
ohnehin Anwendung, so dass es der zusätzlichen Rege- haben, dass die gesuchten Daten in einem anderen Compu-
lung einer Löschungsprüffrist in § 101 Abs. 10 StPO-E tersystem oder einem Teil davon innerhalb ihres Hoheitsge-
nicht bedarf. biets gespeichert sind, und diese Daten von dem ersten Sys-
Drucksache 16/5846 – 64 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

tem aus rechtmäßig zugänglich oder verfügbar sind, die hypothetischen Ersatzeingriffs. Sofern die Erhebung von
Durchsuchung oder den ähnlichen Zugriff rasch auf das an- Daten durch strafprozessuale Maßnahmen nur bei Verdacht
dere System ausdehnen können. bestimmter Straftaten zulässig ist und personenbezogene
Nicht erlaubt wird durch § 110 Abs. 3 StPO-E der heimliche Daten, die durch entsprechende Maßnahmen nach anderen
Online-Zugriff auf zugangsgeschützte Datenbestände im Gesetzen erlangt wurden, in Strafverfahren verwendet wer-
Sinne eines mitunter „staatlichen Hackings“ oder einer den sollen, ist diese Verwendung zu Beweiszwecken nur zu-
heimlichen Online-Durchsuchung. Der Online-Zugriff auf lässig, wenn sie zur Aufklärung einer Straftat dient, aufgrund
öffentlich zugängliche Datenbestände, die keiner besonde- derer eine solche Maßnahme nach der Strafprozessordnung
ren Zugangsberechtigung bedürfen, erfordert hingegen keine angeordnet werden dürfte. Die Vorschrift generalisiert im
besondere Ermächtigungsgrundlage. Sinne einer Gleichbehandlung aller vom Verdacht bestimm-
ter Straftaten abhängiger Ermittlungsmaßnahmen den be-
Soweit § 110 Abs. 3 Satz 1 StPO-E darauf abstellt, dass der reits in § 100d Abs. 6 Nr. 3 StPO (§ 100f Abs. 2 StPO a. F.)
Betroffene den Zugang zu gewähren berechtigt sein muss, angelegten Gedanken, um dem datenschutzrechtlichen
bedeutet dies nicht, dass die Maßnahme nur zulässig wäre, Zweckbindungsgrundsatz in angemessener Weise Rechnung
wenn der Betroffene der Strafverfolgungsbehörde den Zu- zu tragen. Wird die Zulässigkeit einer Ermittlungshandlung
gang auch tatsächlich gewährt. Vielmehr handelt es sich durch eine gesetzgeberische Wertung vom Vorliegen des
auch bei diesem Teil der Durchsuchung um eine gegenüber Verdachts bestimmter Straftaten abhängig gemacht, so erlau-
dem Betroffenen zwangsweise durchsetzbare Maßnahme. ben solche Befugnisse regelmäßig schwerwiegende Ein-
Andererseits soll die Regelung – wie bereits dargelegt – griffe in grundrechtlich geschützte Positionen, insbesondere
keine heimliche Online-Durchsuchung erlauben. Als eine in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Die der
solche heimliche Maßnahme könnte sich die Online-Durch- Erlangung der Daten zugrunde liegende gesetzgeberische
suchung aber gegenüber demjenigen darstellen, in dessen Wertung muss auch für die weitere, Beweiszwecken die-
Gewahrsam die online zugänglichen Daten gespeichert sind. nende Verwendung der Daten, durch die der ursprüngliche
Dies wird etwa bei so genannten Telearbeitsplätzen der Fall Eingriff noch vertieft werden kann, gelten (vgl. BVerfGE
sein, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer gestattet, von 100, 313, 360; 109, 279, 375 f.). Werden Daten aus ver-
zu Hause aus auf im Betrieb gespeicherte Daten online zuzu- gleichbaren Maßnahmen nach anderen Gesetzen (etwa den
greifen. In einer solchen Fallgestaltung ist der Arbeitnehmer Polizeigesetzen oder den Gesetzen über die Nachrichten-
regelmäßig nicht berechtigt, diesen Zugang auch anderen dienste) in das Strafverfahren eingeführt, so gilt das auch für
Personen zu gewähren, so dass es an der von Absatz 3 Satz 1 deren Verwendung, um einer Umgehung der engen strafpro-
vorausgesetzten Berechtigung zur Zugangsgewährung fehlt. zessualen Anordnungsvoraussetzungen vorzubeugen.
Anders sind hingegen die von Absatz 3 Satz 1 erfassten Fall- Soweit die Verwendung der Daten im Strafverfahren nicht zu
gestaltungen zu beurteilen, in denen der Betroffene frei da- Beweiszwecken, sondern etwa als weiterer Ermittlungsan-
rüber befinden kann, ob er auch dritten Personen den Zugang satz (Spurenansatz) oder zur Ermittlung des Aufenthaltsortes
zu den andernorts gespeicherten Daten ermöglichen will. eines Beschuldigten erfolgen soll, greifen diese Beschrän-
Dies wird etwa der Fall sein, wenn der Betroffene von einem kungen allerdings nicht. Rechtmäßig gewonnene Zufallser-
entsprechenden Anbieter online zugänglichen Speicherplatz kenntnisse, die nicht Katalogtaten betreffen, dürfen nach der
gemietet hat. In solchen Fällen steht es dem Betroffenen gefestigten und vom Bundesverfassungsgericht gebilligten
regelmäßig frei, auch dritten Personen den Zugang zu den fachgerichtlichen Rechtsprechung zwar nicht zu Beweis-
virtuell gespeicherten Daten zu ermöglichen. Eben solche zwecken – d. h. im Rahmen der Beweisaufnahme in der
und ähnliche Fälle werden von § 110 Abs. 3 StPO-E erfasst. Hauptverhandlung (§§ 243 ff.StPO) – verwertet werden; sie
können aber Anlass zu weiteren Ermittlungen zur Gewin-
Zu Nummer 13 (§§ 110d, 110e StPO-E) nung neuer Beweismittel sein (BVerfG, 2 BvR 866/05 vom
29. Juni 2005, NJW 2005, 2766 ff. m. w. N.; vgl. auch die
Zu § 110d StPO-E
Ausführungen und Nachweise zu § 477 Abs. 2 StPO-E).
§ 110d StPO wird aufgehoben, weil sein Regelungsgegen- Diese Rechtsprechung berücksichtigt einerseits den Schutz
stand (Benachrichtigung, getrennte Aktenführung) nunmehr etwa des Grundrechts aus Artikel 10 Abs. 1 GG, indem wei-
in den allgemeinen Regelungen des § 101 Abs. 2 und 4 bis 8 tergehende Ermittlungen nur in den Fällen für zulässig ge-
StPO-E enthalten ist. halten werden, in denen die Maßnahme nach § 100a StPO
rechtmäßig war; andererseits wird auch das Interesse an ei-
Zu § 110e StPO-E ner wirksamen Strafrechtspflege hierdurch berücksichtigt.
Die Verwendungsregelung des § 110e StPO entfällt; ihr Begrenzt auf Maßnahmen nach
Regelungsgehalt wird ersetzt und ergänzt durch die allge-
meinen Verwendungsregelungen in § 161 Abs. 2 und § 477 ● § 98a (Rasterfahndung),
Abs. 2 Satz 2 und 3 StPO-E. ● § 100f StPO-E (§ 100f Abs. 2 StPO bzw. § 100c Abs. 1
Nr. 2 a. F. – akustische Überwachung mit technischen
Zu Nummer 14 (§ 161 StPO-E) Mitteln außerhalb von Wohnungen) und
Zu Buchstabe a (Absatz 2 – neu) ● § 110a StPO (Einsatz eines Verdeckten Ermittlers)
Der neu eingefügte Absatz 2 Satz 1 regelt die Verwendung war eine ähnliche Regelung bereits im Entwurf des Strafver-
von Daten, die durch andere – nicht strafprozessuale – fahrensänderungsgesetzes 1999 – StVÄG 1999 – vorgese-
hoheitliche Maßnahmen erlangt wurden. Gedanklicher An- hen (vgl. Bundestagsdrucksache 14/1484, S. 6, 23). Sie
knüpfungspunkt der Vorschrift ist die Idee des so genannten wurde aber im Vermittlungsausschuss wieder gestrichen
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 65 – Drucksache 16/5846

(Bundestagsdrucksache 14/3525, S. 2). Aufgrund der zwi- Zu Absatz 2


schenzeitlich ergangenen Rechtsprechung des Bundesver- Die bisherige Regelung in § 162 Abs. 2 StPO entfällt als
fassungsgerichts und dem Ziel einer Harmonisierung des Konsequenz der Änderung in Absatz 1. Der bisherige
Rechts der verdeckten Ermittlungsmaßnahmen und Verbes- Absatz 3 wird daher zum neuen Absatz 2 und hierbei redak-
serung des Rechtsschutzes Betroffener folgend ist eine sol- tionell angepasst.
che Regelung nunmehr geboten.
Satz 2 bestimmt, dass die besondere Verwendungsregelung Zu Nummer 16 (§ 163d StPO-E)
bei Maßnahmen der akustischen Wohnraumüberwachung in Zu Buchstabe a (Absatz 1)
§ 100d Abs. 5 Nr. 3 StPO-E unberührt bleibt, mithin § 161
Abs. 2 Satz 1 StPO vorgeht. Die redaktionelle Folgeänderung in Absatz 1 Satz 1 Nr. 2
trägt der Neufassung des § 100a StPO-E Rechnung.
Zu Buchstabe b (Absatz 3 – neu, bisheriger Absatz 2)
Zu Buchstabe b (Absätze 4 und 5)
Der Begriff „Informationen“ im bisherigen Absatz 2, der zu Die Verwendungsregelungen in Absatz 4 Satz 4 und 5 ent-
Absatz 3 wird, wird in redaktioneller Anpassung an die gän- fallen; ihr Regelungsgehalt wird ersetzt und ergänzt durch
gige datenschutzrechtliche Terminologie durch den Begriff die umfassenden Verwendungsregelungen in § 161 Abs. 2
„Daten“ ersetzt. und § 477 Abs. 2 und 3 StPO-E. Die Benachrichtigungs-
pflicht in Absatz 5 StPO wird ersetzt durch die allgemeine
Zu Nummer 15 (§ 162 StPO-E) Regelung in § 101 Abs. 4 bis 8 StPO-E.

Zu Absatz 1 Zu Nummer 17 (§ 163e StPO-E)


Absatz 1 wird zu einer Konzentrationsregelung umgestaltet, Zu Buchstabe a (Absatz 3)
der zufolge die Staatsanwaltschaft Anträge auf gerichtliche Die Ersetzung des Wortes „Informationen“ durch das Wort
Untersuchungshandlungen grundsätzlich bei dem Amts- „Daten“ in Absatz 3 dient der Vereinheitlichung der Begriff-
gericht zu stellen hat, in dessen Bezirk sie ihren Sitz hat; lichkeiten innerhalb der Strafprozessordnung.
wird der Antrag durch eine Zweigstelle der Staatsanwalt-
schaft gestellt, so ist er bei dem Amtsgericht zu stellen, in
Zu Buchstabe b (Absatz 4)
dessen Bezirk die Zweigstelle ihren Sitz hat (Satz 1). Durch
diese praktisch bedeutsame Regelung wird die Bestimmung Durch die Ersetzung der Formulierung „den Richter“ durch
der ermittlungsgerichtlichen Zuständigkeit erheblich verein- „das Gericht“ und „richterliche“ durch „gerichtliche“ in
facht und beschleunigt, was nach derzeitiger Rechtslage nur Satz 1, 3 und 4 wird § 1 Abs. 2 BGleiG Rechnung getragen.
in den Verfahren möglich ist, in denen mehrere Untersu- Der bisherige Verweis auf § 100b Abs. 1 Satz 5 StPO in
chungshandlungen vorzunehmen sind. Auch kann auf diese Satz 6 wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausformu-
Weise die notwendige Bereitstellung eines gerichtlichen Be- liert. Auch wäre die mit einer Beibehaltung des Verweise
reitschaftsdienstes (vgl. BVerfGE 100, 313, 401; 103, 142, aufgrund der Neuregelung in § 100b Abs. 1 Satz 5 StPO-E
152; 105, 239, 248; 109, 279, 358; BVerfGK 2, 176, 179) verbundene Verkürzung der Verlängerungsfrist auch bei der
besser sichergestellt werden, da er bei Gerichten in kleineren Ausschreibung zur polizeilichen Beobachtung nicht sachge-
Amtsgerichtsbezirken aufgrund der dort typischerweise ge- recht.
gebenen Personalsituation mit zumutbarem Aufwand oft-
mals nicht gewährleistet werden kann. Durch die Konzentra-
Zu Nummer 18 (§ 163f StPO-E)
tion der Zuständigkeit kann auch eine Kompetenzbündelung
gerade für die Anordnung von Ermittlungsmaßnahmen mit Zu Buchstabe a (Absatz 3)
technischem Hintergrund und dadurch eine Verbesserung Um einen effektiven vorbeugenden Rechtsschutz der von
des Rechtsschutzes Betroffener erreicht werden. einer längerfristige Observation nach § 163f StPO Betroffe-
Satz 2 sieht Ausnahmen von dieser Konzentrationsregelung nen zu gewährleisten, wird die Anordnung einer solchen
für gerichtliche Vernehmungen und Augenscheinnahmen Maßnahme in Satz 1 dem Richtervorbehalt unterstellt. Eine
zum Zweck der Verfahrensbeschleunigung und im Interesse Eilkompetenz verbleibt für die Staatsanwaltschaft und ihre
Betroffener vor, wenn diesen nicht zugemutet werden kann, Ermittlungspersonen. Ein Richtervorbehalt ist hier mit
in den Amtsgerichtsbezirk, in dem die Staatsanwaltschaft Blick auf das Ziel der Harmonisierung der verdeckten Er-
ihren Sitz hat, anzureisen (vgl. RiStBV Nr. 4c, 19a). Eine mittlungsmaßnahmen notwendig, weil die längerfristige
weitere Ausnahme im Sinne einer Eilzuständigkeit eines an- Observation im Einzelfall mit erheblichen Eingriffen in das
deren Gerichts erscheint im Hinblick darauf, dass in Eilfällen Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Betroffe-
regelmäßig auch eine Eilkompetenz der Staatsanwaltschaft nen verbunden sein und mit Blick auf die Problematik der
oder ihrer Ermittlungspersonen gegeben ist, nicht erforder- Kumulierung von Ermittlungsmaßnahmen (vgl. BVerfG,
lich. 2 BvR 581/01 vom 12. April 2005, Absatz-Nr. 60 ff., NJW
2005, 1338, 1341), insbesondere durch den Einsatz tech-
Sonderregelungen, die die Zuständigkeit des Ermittlungsge- nischer Mittel (§ 100h Abs. 1 Nr. 2 StPO-E, § 100f Abs. 1
richts abweichend von der generellen Bestimmung des § 162 Nr. 2 StPO), eine Eingriffsintensität erreichen kann, die
StPO-(E) regeln (wie z. B. § 125 StPO), gehen auch weiter- eine staatsanwaltliche Anordnung nicht mehr als ausrei-
hin als speziellere Regelung § 162 StPO-E vor (vgl. Meyer- chend erscheinen lässt. Das anordnende Gericht muss auch
Goßner, a. a. O., § 162 Rn. 8). als Sachwalter der Rechte der Betroffenen von solchen
Drucksache 16/5846 – 66 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Maßnahmen mit hoher Eingriffsintensität Kenntnis haben, Zu Nummer 20 (§ 477 StPO-E)


damit den speziellen Subsidiaritätsklauseln, die die Befug-
nisse zur Vornahme verdeckter Ermittlungen enthalten, Zu Buchstabe a (Absatz 2)
Rechnung getragen werden kann. Eine Anordnung der Die Neufassung des Absatzes 2 trifft insbesondere in den
Maßnahme durch das Gericht ist auch praktisch ohne weite- Sätzen 3 und 4 eine allgemeine Regelung über eine verfah-
res möglich, weil sie während des Laufs einer kurzfristigen rensübergreifende Verwendung von personenbezogenen Da-
Observation erfolgen kann, die bereits auf Grundlage der ten, die aus Maßnahmen erlangt worden sind, welche nur bei
§§ 161, 163 StPO zulässig ist, und zudem bei Gefahr im Verdacht bestimmter Straftaten zulässig sind. Die Verwen-
Verzug eine Eilanordnungskompetenz der Staatsanwalt- dung von Erkenntnissen aus entsprechenden Maßnahmen im
schaft und ihrer Ermittlungsbeamten verbleibt. selben (Ausgangs-)Strafverfahren unterliegt hingegen nicht
Satz 2 regelt entsprechend § 100b Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 1 den – die Verwertung beschränkenden – Regelungen des
das Außerkrafttreten der Eilanordnung der Staatsanwalt- § 477 Abs. 2 StPO(-E). Insbesondere steht einer Verwertung
schaft oder ihrer Ermittlungspersonen, wenn die Anordnung entsprechender Erkenntnisse im Ausgangsverfahren nicht
nicht binnen drei Werktagen vom Gericht bestätigt wird. entgegen, dass sich der Verdacht einer Katalogstraftat nicht
bestätigt hat. In rechtmäßiger Weise erlangte Erkenntnisse
Satz 3 ersetzt den bisherigen Absatz 4, indem er § 100b sind im Ausgangsverfahren – sowohl als Spurenansatz als
Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 2, Satz 4, 5 und Abs. 2 Satz 1 für ent- auch zu Beweiszwecken – sowohl hinsichtlich anderer Be-
sprechend anzuwenden erklärt. Daraus ergibt sich, dass gehungsformen der zunächst angenommenen Katalogtat als
– die aufgrund einer Eilanordnung erlangten personenbe- auch hinsichtlich sonstiger Straftatbestände und anderer Tat-
zogenen Daten nicht zu Beweiszwecken verwertet wer- beteiligten insoweit verwertbar, als es sich noch um dieselbe
den dürfen, wenn Gefahr im Verzug nicht bestand Tat im prozessualen Sinn handelt (vgl. beispielhaft für Er-
(§ 100b Abs. 1 Satz 3 Halbsatz 2), kenntnisse aus einer Maßnahme nach § 100a Meyer-Goßner,
a. a. O., § 100a, Rn. 14 ff. m. w. N.; Allgayer, NStZ 2006,
– die Anordnung einer längerfristigen Observation auf 603 ff. m. w. N.).
maximal zwei Monate zu befristen ist (§ 100b Abs. 1
Satz 4), Für die von § 477 Abs. 2 StPO geregelte verfahrensübergrei-
fende Verwertung sieht der Entwurf im Einzelnen folgende
– Verlängerungen der Anordnung um jeweils nicht mehr Änderungen vor:
als zwei Monate zulässig sind, wenn die Voraussetzungen
der Anordnung unter Berücksichtigung der gewonnenen Der bisherige Satz 1 wird unverändert übernommen.
Ermittlungsergebnisse fortbestehen (§ 100b Abs. 1
Satz 5), und Als neuer Satz 2 wird eine besondere Verwendungsregelung
eingefügt, die die Verwendung von personenbezogenen Da-
– die Anordnung schriftlich zu ergehen hat (§ 100b Abs. 2 ten, die durch strafprozessuale Maßnahmen erlangt wurden,
Satz 1). die nur bei Verdacht bestimmter Straftaten zulässig sind, für
Beweiszwecke in einem anderen Strafverfahren regelt. Der
Zu Buchstabe b (Absatz 4) Vorschrift, die auf Regelungsvorbilder in § 98b Abs. 3
Satz 3, § 100b Abs. 5, § 100d Abs. 5 a. F., § 100h Abs. 3 und
Die bisherigen Regelungen in Absatz 4 werden infolge der § 110e StPO sowie auf eine gefestigte fachgerichtliche
Neufassung des Absatzes 3 entbehrlich, so dass Absatz 4 Rechtsprechung (BGHSt 26, 298, 303; 27, 355, 358; 28, 122,
aufgehoben wird: 125 ff.; BGHR StPO § 100a Verwertungsverbot 4, 5, 10) zu-
Die bislang in Satz 1 enthaltene Verpflichtung der Staatsan- rückgeht, liegt der Gedanke des „hypothetischen Ersatzein-
waltschaft oder ihrer Ermittlungspersonen, die Anordnung griffs“ zugrunde. Insoweit wird auf die Ausführungen zu
unter Angabe der maßgeblichen Gründe aktenkundig zu § 161 Abs. 2 StPO-E verwiesen.
machen, entfällt aufgrund der Einführung des Richtervorbe- Der bisherige weitere Regelungsgehalt des Satzes 2 wird im
halts in Absatz 3 Satz 1; für die künftig notwendige gericht- Wesentlichen unverändert in die in Satz 3 Nr. 1 und 2 enthal-
liche Anordnung ergibt sich die Begründungspflicht bereits tene besondere Verwendungsregelung übernommen und mit
aus § 34 StPO. Blick auf eine Harmonisierung mit § 161 Abs. 2 und § 477
Die bisher in Satz 2 bestimmte Anforderung, dass eine Ver- Abs. 2 Satz 2 StPO-E allgemein gefasst. Hierbei wird klar-
längerung der Maßnahme nur durch das Gericht getroffen gestellt, dass eine ohne Einwilligung der betroffenen Perso-
werden kann, bedarf es nicht mehr, da dies nunmehr bereits nen erfolgende Verwendung der in Satz 2 umschriebenen
aus dem in Absatz 3 Satz 1 enthaltenen Richtervorbehalt Daten zur Abwehr einer erheblichen Gefahr nur dann zuläs-
folgt. sig ist, wenn sich diese Gefahr auf die öffentliche Sicherheit
bezieht. Bloße Gefahren für die öffentliche Ordnung genü-
Zu Nummer 19 (§ 304 StPO-E) gen, auch wenn sie erheblich sind, künftig nicht mehr. Ferner
wird die bisherige Beschränkung der Regelung auf perso-
Die Ergänzungen in § 304 Abs. 4 Nr. 1 und Abs. 5 regeln, nenbezogene Daten, die „erkennbar“ aus den in Bezug ge-
dass im Falle des nachträglichen Rechtsschutzes nach § 101 nommenen Maßnahmen erlangt worden sind, beseitigt. Die
Abs. 9 StPO-E die dort in Satz 3 eröffnete sofortige Be- Schutzbedürftigkeit und damit die beschränkte Verwendbar-
schwerde auch gegen Entscheidungen und Verfügungen des keit der Daten kann nicht von dieser Erkennbarkeit abhängig
Oberlandesgerichts sowie des Ermittlungsrichters des Ober- sein. Vielmehr wird die Erkennbarkeit in diesem Sinne künf-
landesgerichts oder des Bundesgerichtshofs nicht ausge- tig durch die in § 101 Abs. 3 StPO-E vorgesehenen Kenn-
schlossen ist. zeichnungspflichten sichergestellt.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 67 – Drucksache 16/5846

Satz 3 Nr. 3 knüpft an den bisherigen Satz 3 an und regelt, Zu Buchstabe b (Absatz 5)
dass eine Verwendung personenbezogener Daten, die durch
Die Ersetzung des Wortes „Informationen“ durch das Wort
nur bei Verdacht bestimmter Straftaten zulässige strafprozes-
„Daten“ in Absatz 5 dient der Vereinheitlichung der Termi-
suale Maßnahmen erlangt wurden, auch für Forschungs-
nologie innerhalb der Strafprozessordnung.
zwecke nach Maßgabe des § 476 StPO verwendet werden
dürfen. Die bisherige Einschränkung, dass Gegenstand der
Untersuchung eine der im bisherigen Satz 2 genannten Vor- Zu Artikel 2 (Änderung des Telekommunikations-
schriften sein muss, entfällt, da ihr im Hinblick auf die in- gesetzes)
soweit in § 476 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 vorausgesetzte Erfor- Zu Nummer 1 (§ 97 TKG-E)
derlichkeit der Datenübermittlung für den jeweiligen For-
schungszweck keine sinnvolle eigenständige Bedeutung Zu Buchstabe a (Absatz 3)
zukommt. Nach Maßgabe der Richtlinie 2006/24/EG werden künftig
bestimmte Arten von Verkehrsdaten für bestimmte Zeit zu
Von den in den Sätzen 1 bis 3 enthaltenen Verwendungsbe- speichern sein. Die hiervon betroffenen Datenarten und die
schränkungen ausgenommen blieben auch weiterhin die Speicherungsdauer werden in § 113a TKG-E festgelegt. § 97
nach Maßgabe des § 406e StPO dem durch die Straftat Ver- Abs. 3 Satz 3 TKG-E stellt klar, dass nicht von der Speiche-
letzten zustehende Rechte auf Akteneinsicht durch einen rungspflicht des § 113a TKG-E erfasste Verkehrsdaten wei-
Rechtsanwalt sowie auf die Erteilung von Auskünften und terhin grundsätzlich unverzüglich zu löschen sind. Die allein
Abschriften aus den Akten. Dass die Verwendungsbeschrän- aus Gründen der klareren sprachlichen Darstellung des
kungen des § 477 Abs. 2 StPO(-E) insoweit keine Anwen- Regelungsziels erfolgte Neufassung der Sätze 2 und 3 macht
dung finden, folgt im Wege des Gegenschlusses aus dem in eine Anpassung des Verweises in Absatz 3 Satz 4 erforder-
§ 406e Abs. 6 enthaltenen ausschließlichen Verweis auf die lich.
Zweckbindungsregelung des § 477 Abs. 5 StPO. Im Zusam-
menhang mit den für die Telekommunikationsüberwachung Zu Buchstabe b (Absatz 4)
in § 100a Abs. 2 Nr. 2 StPO-E neu aufgenommnen Anlass-
straftaten nach der Abgabenordnung besteht damit künftig Die bisherigen Sätze 1 und 2 in Absatz 4 sind aufzuheben,
nach Maßgabe des § 406e StPO die Möglichkeit, der zu- weil sie der zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG ein-
ständigen Finanzbehörde für Zwecke des Besteuerungs- zufügenden Vorschrift des § 113a Abs. 2 Nr. 1 TKG-E wi-
verfahrens auch Erkenntnisse etwa aus Telekommunika- dersprechen, nach der Rufnummern und andere Anschluss-
tionsüberwachungsmaßnahmen zu übermitteln, soweit der kennungen künftig ungekürzt zu speichern sind. Der
Gesetzgeber der Abgabenordnung sich entschließen sollte, bisherige Satz 3 hat die Bekanntgabe von Rufnummern an-
die Verwendung solcher Daten im Besteuerungsverfahren kommender Verbindungen zum Gegenstand, für die der an-
zuzulassen. gerufene Teilnehmer entgeltpflichtig ist. Diese Regelung ist
bereits systematisch richtig in § 99 Abs. 1 Satz 7 TKG-E
Satz 4 stellt durch die Bezugnahme auch auf § 100d Abs. 5 eingestellt und daher in § 97 Abs. 4 TKG zu streichen. Als
StPO-E klar, dass die in dieser Vorschrift enthaltenen beson- Folgeänderung hierzu entfällt auch Satz 4, so dass Absatz 4
deren Verwendungsregelungen für personenbezogene Da- insgesamt aufzuheben ist.
ten, die aus einer akustischen Wohnraumüberwachung er-
langt wurden, der allgemeinen Regelung des § 477 Abs. 2 Zu Buchstabe c (Absätze 5 und 6)
StPO-E vorgehen, also leges speciales hierzu sind. Die bis- Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Aufhebung des
her in Satz 4 enthaltene Bezugnahme auf § 481 StPO ent- Absatzes 4.
fällt: Zum einen sind die in § 481 StPO enthaltenen Bestim-
mungen über die Verwendung personenbezogener
Zu Nummer 2 (§ 99 TKG-E)
Informationen aus Strafverfahren durch die Polizeibehörden
auch ohne die bisherige Bezugnahme anwendbar. Zum ande- Zu Buchstabe a (Absatz 1)
ren verweist aber § 481 Abs. 2 StPO seinerseits auf beson-
§ 99 Abs. 1 Satz 2 TKG-E stellt klar, dass der Teilnehmer
dere bundesgesetzliche Verwendungsregelungen und damit
für den Einzelverbindungsnachweis die Wahl hat, ob ihm
auch auf § 477 Abs. 2 StPO-E (zu den daraus bislang resul-
die von seinem Anschluss aus gewählten Rufnummern ent-
tierenden Unsicherheiten zum Regelungsgehalt der Unbe-
geltpflichtiger Verbindungen ungekürzt oder um die letzten
rührtheitsklausel vgl. Weßlau, in: Systematischer Kommen-
drei Ziffern gekürzt mitgeteilt werden. Eine Beschränkung
tar zur StPO, § 477 StPO, Rn. 27 m. w. N.). Durch die
auf die Mitteilung gekürzter Rufnummern erscheint insbe-
Streichung der Bezugnahme auf § 481 StPO ergibt sich nun-
sondere in Fällen von mitbenutzten Anschlüssen etwa in
mehr ein klares und stimmiges Regelungskonzept: Die Poli-
Haushalten oder in Unternehmen geeignet, sowohl Erstat-
zeibehörden dürfen nach Maßgabe der Polizeigesetze perso-
tungsansprüchen als auch datenschutzrechtlichen Aspekten
nenbezogene Informationen aus Strafverfahren verwenden
in jeweils angemessener Weise Rechnung zu tragen. Durch
(§ 481 Abs. 1 Satz 1 StPO). Zu diesem Zweck dürfen ihnen
die in Satz 8 neu aufgenommene Verweisung auf Satz 2
entsprechende Informationen übermittelt werden (§ 481
wird jedoch klargestellt, dass dieses Wahlrecht nicht besteht
Abs. 1 Satz 2 StPO). Bei der Verwendung – und damit auch
für Teilnehmer geschlossener Benutzergruppen, wenn der
bei der Übermittlung – sind aber stets die besonderen bun-
Diensteanbieter seinen Dienst nur Teilnehmern dieser Be-
des- oder landesgesetzlichen Verwendungsregelungen – und
nutzergruppe anbietet.
damit insbesondere auch die in § 477 Abs. 2 Satz 3 Nr. 1
StPO-E enthaltene Verwendungsbeschränkung – zu beach- Eine gesetzliche (Zweifels-)Regelung für den Fall, dass der
ten (§ 481 Abs. 2 StPO). Teilnehmer eine Wahl zwischen den vorgenannten Alternati-
Drucksache 16/5846 – 68 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

ven nicht trifft, erscheint dagegen – anders als ursprünglich öffentlichen Stellen erheben und übermitteln zu lassen (so
erwogen – nicht erforderlich. Es ist vielmehr durch die Ver- auch Klesczewski, in: Berliner Kommentar zum TKG,
tragsgestaltung zwischen Diensteanbieter und Teilnehmer 2006, § 110, Rn. 67). Die Verlagerung dieser Pflichten auf
sicherzustellen, dass der Teilnehmer eine Wahl für oder ge- öffentliche Stellen bewirkt zugleich eine Entlastung der bis-
gen die Mitteilung ungekürzter Rufnummern trifft. lang hierzu verpflichteten Diensteanbieter.
Bei den geänderten Verweisungen in Absatz 1 Satz 5 und 8
handelt es sich um redaktionelle Folgeanpassungen an die Zu Nummer 4 (§ 111 TKG-E)
vorgenannten Änderungen. Die übrigen Vorschriften des Zu Buchstabe a (Absatz 1)
Absatzes 1 bleiben unverändert.
Die Untergliederung in Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 bis 6 dient der
Zu Buchstabe b (Absatz 3) besseren Übersichtlichkeit; dabei entsprechen die Num-
mern 1 bis 4 und 6 weitgehend der bisherigen Rechtslage,
Es handelt sich um Folgeänderungen zu den Änderungen in lediglich die weiteren Erhebungs- und Speicherungspflich-
Absatz 1. ten betreffend „andere Anschlusskennungen“ ergänzen die
bestehenden Verpflichtungen. Diese Ergänzung trägt dem
Zu Nummer 3 (§ 110 TKG-E) Umstand Rechnung, dass heute nicht mehr allein Rufnum-
mern, sondern – etwa bei der DSL-Technologie, deren Ver-
Zu Buchstabe a (Überschrift) breitung derzeit rasant zunimmt – auch andere Kennungen
Die Änderung der Überschrift ist veranlasst, weil sich die zur Bezeichnung von Telekommunikationsanschlüssen ver-
Vorschrift des § 110 TKG nicht allein auf Vorgaben zur tech- geben werden, und daher etwa eine Ermittlung der Teilneh-
nischen Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen be- merbestandsdaten allein auf Grundlage gespeicherter Ruf-
schränkt. Zum einen wird von den nach dieser Vorschrift nummern nicht mehr hinreichend gewährleistet ist.
Verpflichteten auch gefordert, bestimmte organisatorische
Nummer 5 begründet eine weitere Erhebungs- und Speiche-
Vorkehrungen zu treffen; zum anderen bezieht sich die Ver-
rungsverpflichtung der Diensteanbieter. Danach haben die
ordnungsermächtigung des Absatzes 2 nicht mehr allein auf
im Bereich der Mobilfunktelefonie tätigen Diensteanbieter
die Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen, sondern er-
künftig auch die Gerätenummern der von ihnen neben dem
fasst nunmehr auch die Erteilung von Auskünften.
Mobilfunkanschluss überlassenen Mobilfunkgeräte (so ge-
nannte IMEI) zu erfassen und zu speichern, um Auskünfte
Zu Buchstabe b (Absatz 2) nach den §§ 112 und 113 TKG erteilen zu können. Diese In-
Die Erweiterung der Verordnungsermächtigung, auch Rege- formationen sind in den Fällen unverzichtbar, in denen Be-
lungen zu treffen über die Erteilung von Auskünften, ist schuldigte eine Mehrzahl von Mobilfunkkarten nutzen und
wegen der in § 100g Abs. 1 StPO-E vorgesehenen Befugnis somit eine anschlussbezogene Auskunft oftmals kaum wei-
zur Erhebung von Verkehrsdaten in Echtzeit geboten. Die terführende Erkenntnisse erbringt (vgl. hierzu auch § 100b
Festlegung hierdurch etwa veranlasster technischer und Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StPO-E und die Erläuterungen dazu).
organisatorischer Anpassungen kann – ebenso wie bei den Der bisherige Satz 2 wird unverändert übernommen.
bestehenden Erfordernissen im Zusammenhang mit der
Umsetzung von Überwachungsmaßnahmen, die ihre Rege- Der neu eingefügte Satz 3 dient der Umsetzung von Vorga-
lung in der Telekommunikations-Überwachungsverordnung ben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe a Nr. 2 und Buchstabe b
(TKÜV) gefunden haben – aufgrund der erforderlichen Nr. 2 der Richtlinie 2006/24/EG und schreibt die Speiche-
Detailgenauigkeit und technischen Ausgestaltung der Vor- rung bestimmter Kundendaten auch für den Bereich so
schriften angemessen nicht im Wege des förmlichen Geset- genannter E-Mail-Konten vor, soweit diese Daten von dem
zes erfolgen, sondern ist auf den Verordnungsgeber zu über- E-Mail-Diensteanbieter ohnehin zu eigenen Zwecken erho-
tragen. Eine inhaltliche Anpassung der TKÜV selbst bleibt ben werden. Eine Pflicht zur Erhebung dieser Daten wird
insoweit jedoch einer künftigen Änderung vorbehalten. nicht begründet.
Bei den Ergänzungen in Satz 4 (bislang Satz 3) handelt es
Zu Buchstabe c (Absatz 8) sich um redaktionelle Folgeänderungen zu dem neu einge-
§ 110 Abs. 8 TKG ist im Hinblick auf die in § 100b Abs. 5 fügten Satz 3.
und 6 StPO-E neu aufgenommenen Pflichten zur Erhebung Der Regelungsinhalt der bisherigen Sätze 4 und 5 wird in-
und Übermittlung statistischer Daten im Zusammenhang haltlich unverändert in die neuen Absätze 4 und 5 übernom-
mit Maßnahmen der Telekommunikationsüberwachung auf- men.
zuheben, da diese Pflichten künftig öffentlichen Stellen
(Länder, Generalbundesanwalt, Bundesamt für Justiz) ob-
liegen werden. Die zu erfassenden Daten werden benötigt, Zu den Buchstaben b und c (Absätze 2 und 3)
um tragfähige rechtstatsächliche Erkenntnisse über die An- Es handelt sich jeweils um lediglich redaktionelle Folge-
wendungshäufigkeit von Maßnahmen der Telekommunika- anpassungen.
tionsüberwachung im Bereich der Strafverfolgung sowie
über die Entwicklung dieses politisch sensiblen Bereichs zu Zu Buchstabe d (Absätze 4 und 5)
gewinnen und um eventuellen Missbräuchen vorzubeugen
(vgl. Bundestagsdrucksache 13/3609, S. 55, zu § 85 Abs. 5 Aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit wird die bishe-
TKG a. F.). Diese Statistik dient damit in erster Linie ho- rige Regelung des Absatzes 1 Satz 4 zu Absatz 4 und die bis-
heitlichen Zwecken, so dass es geboten ist, die Daten von herige Regelung des Absatzes 1 Satz 5 zu Absatz 5.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 69 – Drucksache 16/5846

Zu Nummer 5 (§ 112 TKG-E) wahren. Insoweit ist es den Diensteanbietern – in den


Grenzen geltender Datenschutz- und Datensicherheitsbe-
Zu Buchstabe a (Absatz 1) stimmungen – freigestellt, die einzelnen Datenarten nach
Bei den Änderungen in Absatz 1 Satz 1 und 2 TKG-E han- Maßgabe ihrer jeweiligen Systemstrukturen und technischen
delt es sich um redaktionelle Folgeanpassungen an die Än- Gegebenheiten in unterschiedlichen Datenbanken zu spei-
derungen in § 111 TKG-E. chern, sofern dies dem Erfordernis unverzüglicher Aus-
kunftserteilung nicht entgegen steht.
Zu Buchstabe b (Absatz 3)
Die Neufassung von Absatz 3 Satz 1 Nr. 3 betrifft die gesetz- Zu Absatz 1
lichen Vorgaben zur Ausgestaltung der Ähnlichenfunktion
Absatz 1 Satz 1 beschreibt den Kreis der zur Speicherung
durch die Rechtsverordnung nach Absatz 3. Die Erarbeitung
Verpflichteten. Danach richten sich die Speicherungs-
eines Entwurfs für diese Rechtsverordnung hat Probleme im
pflichten an diejenigen, die öffentlich zugängliche Telekom-
Zusammenhang mit der bisherigen Vorgabe aufgezeigt, wo-
munikationsdienste für Endnutzer erbringen. Daraus folgt
nach für die Ähnlichenfunktion bestimmte Zeichenfolgen
zugleich, dass für den nicht öffentlichen Bereich (z. B. unter-
festzulegen und in die – ansonsten bitgenaue – Suche einzu-
nehmensinterne Netze, Nebenstellenanlagen oder E-Mail-
beziehen waren. Mit einem solchen Verfahren ließen sich nur
Server von Universitäten ausschließlich für dort immatriku-
vordefinierte Zeichenfolgen als ähnlich erkennen, nicht aber
lierte Studierende oder Bedienstete sowie die Telematik-
etwa sonstige Namensähnlichkeiten, Schreibfehler oder
infrastruktur im Gesundheitswesen) eine Speicherungs-
Buchstabenvertauschungen. Eine brauchbare Ähnlichen-
pflicht nicht besteht. Satz 2 stellt klar, dass auch diejenigen
funktion muss auch in der Lage sein, die in der zu suchenden
Diensteanbieter zur Speicherung verpflichtet sind, die keine
Zeichenkette vorkommenden Zeichen und deren Position
eigenen Telekommunikationsanlagen betreiben, sondern
nach einem wissenschaftlichen Verfahren zu bewerten, das
solche anderer Anbieter in Anspruch nehmen und daher
auch Fehlerquellen berücksichtigt, die typisch für mensch-
nicht selbst Verkehrsdaten erzeugen oder verarbeiten. Auch
liche Dateneingaben sind.
in diesem Fall hat der Anbieter des Telekommunikations-
Diese Vorgabe wird nunmehr – deutlicher als bisher – in dienstes die Speicherung der in dieser Vorschrift im Einzel-
Absatz 3 Satz 1 Nr. 3 beschrieben. Die bisher in dem nen aufgeführten Daten sicherzustellen. Auf welche Weise
Halbsatz vor Buchstabe a enthaltene Regelung wird durch ein solcher Anbieter die Erfüllung der Speicherungspflichten
die Regelungen in den neuen Buchstaben b und c abgelöst. sicherstellt, hat er auf Verlangen gegenüber der Bundesnetz-
Buchstabe a bleibt mit seinem bisherigen Inhalt bestehen. agentur nachzuweisen.
Der Regelungsgehalt im bisherigen Buchstaben b findet sich
in präzisierter Weise nunmehr im neuen Buchstaben d. Die Satz 1 bestimmt zudem, dass die betroffenen Diensteanbie-
im bisherigen Buchstaben c enthaltene Bestimmung zur Lö- ter die in § 113a TKG-E genannten Daten nur dann zu spei-
schung nicht benötigter Datensätze ist bereits durch Absatz 1 chern haben, wenn diese von ihnen bei der Nutzung des von
Satz 5 so klar geregelt, dass kein Bedarf für eine Detailrege- ihnen bereitgestellten Telekommunikationsdienstes erzeugt
lung in der Verordnung verbleibt. oder verarbeitet werden. Diese –„vor die Klammer gezoge-
ne“ – Maßgabe stellt klar, dass die Diensteanbieter nicht ver-
Zu Buchstabe c (Absatz 4) pflichtet sind, Daten zu speichern, die von ihnen weder er-
zeugt noch verarbeitet werden und die daher in ihren Syste-
In Absatz 4 Satz 4 werden die von der Bundesnetzagentur men nicht verfügbar sind. Diese Bestimmung begrenzt die
bei Bestandsdatenabfragen nach § 112 TKG zu protokollie- einzelnen Speicherungspflichten der Absätze 2 bis 4 somit
renden Datenarten aus Gründen eines besseren Datenschut- richtlinienkonform auf diejenigen Daten, die dem Verpflich-
zes präziser umschrieben und um Angaben zur Bezeichnung teten im Zuge der Erbringung seines Telekommunikations-
der ersuchenden Person ergänzt. dienstes vorliegen. Dadurch und durch die Fokussierung der
Speicherungspflicht auf die Erbringer von Telekommunika-
Zu Nummer 6 (§§ 113a und 113b TKG-E) tionsdiensten für Endnutzer i. S. v. § 3 Nr. 8 TKG soll eine
Mehrfachspeicherung gleichartiger Daten weitgehend ver-
Zu § 113a TKG-E
mieden und der den Verpflichteten treffende Aufwand so ge-
§ 113a TKG-E dient als Kernregelung der Umsetzung der ring wie möglich gehalten werden. Der Begriff des „Verar-
Artikel 3, 5, 6, 7 und 8 der Richtlinie 2006/24/EG, indem er beitens“ ist allerdings in einem weiten Sinne zu verstehen
die Adressaten sowie die Grundvoraussetzungen der Spei- und erfasst etwa auch die Fallgestaltung, dass ein Mobil-
cherungspflichten bestimmt, die zu speichernden Datenarten funknetzbetreiber die von einem Teilnehmer eines anderen
sowie die Speicherungsdauer festlegt und Vorgaben für den Netzbetreibers initiierte Verbindung „übernimmt“ und die
Umgang mit den gespeicherten Daten sowie für deren Lö- Verbindung zu seinem eigenen Endnutzer herstellt; auch dies
schung macht. Da für die verschiedenen Telekommunika- stellt ein („Weiter“-)Verarbeiten der vom anderen Netzbe-
tionsdienste unterschiedliche technische Gegebenheiten zu treiber übermittelten Verkehrsdaten im Sinne dieser Vor-
beachten sind, erfolgt eine nach einzelnen Telekommunika- schrift dar. Andererseits steht nach Satz 1 fest, dass etwa
tionsdiensten gegliederte Präzisierung der von der Richtlinie diejenigen Netzbetreiber, die keine eigenen Telekommuni-
vorgegebenen jeweiligen Speicherungspflichten in den Ab- kationsdienste anbieten, sondern lediglich die hierfür erfor-
sätzen 2 bis 4. Hieraus folgt jedoch nicht die Verpflichtung derlichen Übertragungswege bereitstellen, vorbehaltlich der
der Diensteanbieter, alle im Zuge der Nutzung des jeweili- Regelung in Absatz 6 nicht zur Speicherung der von anderen
gen Telekommunikationsdienstes zu speichernden Daten zu- Diensteanbietern über die bereitgestellten Übertragungs-
sammengefasst in einer gemeinsamen Datenbank aufzube- wege übermittelten Daten verpflichtet sind.
Drucksache 16/5846 – 70 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Satz 1 legt auch die Speicherungsdauer fest. Die in § 113a E-164-Nummerierungsplan bezeichnet sein können) verfüg-
TKG-E im Einzelnen beschriebenen Daten sind danach für bar sind.
die Dauer von sechs Monaten zu speichern. Dies entspricht
der nach Artikel 6 der Richtlinie 2006/24/EG vorgesehenen Nummer 2 setzt Vorgaben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe c
Mindestspeicherungsdauer und der Forderung des Deut- Nr. 1 und 2 der Richtlinie 2006/24/EG um und stellt die ge-
schen Bundestages in seinem Beschluss vom 16. Februar naue zeitliche Bestimmbarkeit einer erfolgten Telekommu-
2006 (Bundestagsdrucksache 16/545, S. 4). Die Beschrän- nikation sicher.
kung der Speicherungsdauer auf das nach der Richtlinie vor- Nummer 3 setzt Vorgaben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe d
gegebene Mindestmaß ist angemessen. Fachlich erscheint Nr. 1 und 2 der Richtlinie 2006/24/EG um und betrifft die
diese Speicherungsdauer ausreichend, um in der weitaus Fallgestaltung, dass im Rahmen des Telefondienstes weitere
überwiegenden Anzahl von Auskunftsersuchen eine Verfüg- Dienste in Anspruch genommen werden können. In diesem
barkeit der maßgeblichen Daten sicherzustellen (vgl. BKA, Fall ist auch die Angabe zu speichern, welcher Dienst bei
Rechtliche, rechtspolitische und polizeipraktische Bewälti- dem jeweiligen Telekommunikationsvorgang genutzt wurde
gung der defizitären Rechtslage im Zusammenhang mit (im ISDN etwa Sprach-, Telefax- oder Datenübertragung; im
Mindestspeicherungsfristen für Telekommunikationsverbin- Mobiltelefondienst etwa die Versendung von Kurzmitteilun-
dungsdaten, 2005, S. 21 f.; Büllingen u. a., Stand und Pers- gen [SMS] oder von Multimediadaten [MMS]).
pektiven der Vorratsdatenspeicherung im internationalen
Vergleich, 2004, S. 8). Zudem entspricht diese Beschrän- Nummer 4 beschreibt besondere Speicherungsvorgaben für
kung auf die von der Richtlinie vorgegebene Mindestspei- den Bereich der Mobilfunktelefonie und setzt Vorgaben aus
cherungsdauer dem Gebot einer möglichst grundrechtsscho- Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe e Nr. 2 und Buchstabe f Nr. 1 der
nenden Umsetzung der Richtlinie. Richtlinie 2006/24/EG um.

Um sicherzustellen, dass die Daten entsprechend der Vor- ● Nach Buchstabe a sind die internationalen Kennungen
gabe aus Artikel 8 der Richtlinie 2006/24/EG den berechtig- für mobile Teilnehmer für den anrufenden und den ange-
ten Stellen unverzüglich zur Verfügung gestellt werden kön- rufenen Anschluss zu speichern (so genannte IMSI).
nen, bestimmt Satz 1 zudem, dass die Speicherung der Daten ● Nach Buchstabe b sind die internationalen Kennungen
im Inland oder in einem anderen Mitgliedstaat der Euro- der anrufenden und der angerufenen Endgeräte zu spei-
päischen Union zu erfolgen hat. chern (so genannte IMEI).
Der Zweck der Speicherung, nämlich die Sicherstellung der ● Nach Buchstabe c sind die Standortdaten des anrufenden
Verfügbarkeit der in § 113a TKG-E genannten Daten insbe- und des angerufenen Anschlusses bei Beginn der Verbin-
sondere für die Zwecke der Strafverfolgung, aber auch der dung, also die konkreten Bezeichnungen der Funkzellen
Gefahrenabwehr und der Aufgabenerfüllung der Nachrich- zu speichern, über die die Telekommunikationsteilneh-
tendienste ergibt sich aus der Verwendungsregelung in mer beim Verbindungsaufbau versorgt werden. In den
§ 113b Satz 1 Halbsatz 1 TKG-E. Dies lässt eine ausdrück- meisten Fällen können daraus zutreffende Rückschlüsse
liche Regelung des Speicherungszwecks in § 113a TKG-E auf den Bereich gezogen werden, in dem sich die Tele-
entbehrlich erscheinen. kommunikationsteilnehmer zum Zeitpunkt des Verbin-
dungsaufbaus aufgehalten haben; indes können solche
Zu Absatz 2 Rückschlüsse zu dem vermutlichen Aufenthaltsort der
Telekommunikationsteilnehmer infolge nicht kalkulier-
Absatz 2 Satz 1 regelt die einzelnen Speicherungspflichten barer Unwägbarkeiten auch mit Unsicherheiten behaftet
für Anbieter öffentlich zugänglicher Telefondienste, wobei sein.
die technische Realisierung derartiger Dienste unerheblich
ist und daher auch Ausprägungen wie Festnetz-, Mobilfunk- ● Nach Buchstabe d sind bei der Inanspruchnahme im
und Internettelefonie umfasst. Die Kenntnis der in Absatz 2 Voraus bezahlter anonymer Telefondienste der Zeitpunkt
genannten Daten ist für Strafverfolgungsbehörden unver- der ersten Aktivierung des Dienstes sowie die Angabe
zichtbar, um zurückliegende Telekommunikationsvorgänge der Funkzelle zu speichern, in der sich das Mobiltele-
zuverlässig nachvollziehen zu können. Satz 2 stellt klar, dass fon bei Aktivierung des Dienstes befindet. Sofern die
diese Speicherungspflichten bei der Übermittlung von Kurz- Aktivierung einer solchen so genannten Prepaidkarte
nachrichten (SMS), Multimedianachrichten (MMS) und ver- mittels Anrufs beim Telekommunikationsdiensteanbie-
gleichbaren Nachrichten (z. B. EMS) entsprechend gelten, ter erfolgt, werden diese Daten bereits durch die Num-
wobei sich die zu speichernden Zeitangaben mangels beste- mern 1, 2 und 4 Buchstabe a bis c erfasst, so dass auf der
hender Verbindung auf die Versendung und den Empfang der Grundlage dieses Aktivierungsverfahrens Buchstabe d
Nachricht beziehen. Hinzuweisen ist auf Folgendes: zu keiner zusätzlichen Datenspeicherung führt. Die Auf-
nahme von Buchstabe d ist gleichwohl geboten, um bei
Nummer 1 setzt Vorgaben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe a etwaigen Änderungen dieses Aktivierungsverfahrens
Nr. 1 und 2, Buchstabe b Nr. 1 und 2 sowie Buchstabe e weiterhin den Vorgaben der Richtlinie zu entsprechen.
Nr. 1, 2 und 3 der Richtlinie 2006/24/EG um und stellt Soweit die Aktivierung des Dienstes auf eine Weise er-
sicher, dass – auch im Falle von Um- oder Weiterschaltungen folgt, bei der Verkehrsdaten weder erzeugt noch verar-
eines Anrufs – die im Bereich der Telefonie zur Identifizie- beitet werden, wie dies etwa der Fall sein kann, wenn
rung der Kommunikationsteilnehmer erforderlichen Ruf- die Freischaltung durch eine sofortige Onlineanmeldung
nummern oder anderen Anschlusskennungen (etwa auch bei Vertragsschluss von einem Mitarbeiter des Dienste-
Kennungen von Anschlüssen aus dem Bereich der Internet- anbieters erfolgt, begründet dies nach Maßgabe von
Telefonie, die nach einem anderen als dem herkömmlichen Absatz 1 Satz 1 keine Speicherungspflicht. Die Rege-
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 71 – Drucksache 16/5846

lung des Buchstaben d kann derzeit in Deutschland auch Resource Locator]) fordert. Diese Angabe ist somit nicht
deshalb weitgehend leerlaufen, weil anonyme Telefon- Gegenstand der Speicherungspflicht nach § 113a Abs. 4
dienste aufgrund der bereits bestehenden Pflicht zur Be- TKG-E, wie auch Absatz 8 nochmals ausdrücklich klarstellt.
standsdatenerhebung nach § 111 TKG kaum vorkom- Es wird somit auch auf Grundlage der zu speichernden Inter-
men dürften. netdaten nicht das gesamte „Surfverhalten“ von Internetnut-
zern nachvollziehbar werden.
Nummer 5 setzt Vorgaben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe a
Nr. 2 und Buchstabe b Nr. 2 der Richtlinie 2006/24/EG um
und regelt für den Bereich der Internettelefonie die Pflicht Zu Absatz 5
zur Speicherung der Internetprotokoll-Adressen des anru- Absatz 5 bestimmt, dass Verkehrsdaten über „erfolglose
fenden und des angerufenen Anschlusses, um eine Bestim- Anrufversuche“ der Speicherungspflicht nur unterfallen, so-
mung des Anschlusses zu ermöglichen, der Ziel oder Ur- weit der Verpflichtete Daten hierüber ohnehin zu eigenen
sprung eines Internettelefonats war. Zwecken speichert oder protokolliert. Hiervon ist etwa aus-
zugehen, wenn ein Teilnehmer von seinem Diensteanbieter
Zu Absatz 3 per SMS darüber informiert wird, dass ein für seinen An-
schluss bestimmter Anruf nicht entgegengenommen wurde,
Absatz 3 setzt Vorgaben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe a weil etwa der Anschluss belegt war oder sich das Mobiltele-
Nr. 2, Buchstabe b Nr. 2 sowie – zur zeitlichen Bestimm- fon zur Zeit des Anrufversuchs außerhalb des Versorgungs-
barkeit einer Nachrichtenübermittlung – aus Buchstabe c bereichs einer Funkzelle (in einem „Funkloch“) befand.
Nr. 2 der Richtlinie 2006/24/EG um und regelt die einzel- Diensteanbieter, die solche Anrufversuche nicht speichern,
nen Speicherungspflichten für Anbieter öffentlich zugäng- werden dazu auch durch § 113a TKG-E nicht verpflichtet.
licher E-Mail-Dienste. Diese Daten sind für eine Rück- Keinesfalls besteht eine Speicherungspflicht in den Fällen,
verfolgbarkeit einer erfolgten Telekommunikation mittels in denen schon der Verbindungsaufbau scheitert.
E-Mail unverzichtbar. Die differenzierte Ausgestaltung
der einzelnen Speicherungspflichten in den Nummern 1
bis 3 trägt den besonderen technischen Gegebenheiten Zu Absatz 6
der E-Mail-Kommunikation Rechnung, nach denen die Absatz 6 bestimmt, dass diejenigen Diensteanbieter, die bei
Übermittlung von E-Mails in verschiedenen Phasen ver- der Erbringung ihres Telekommunikationsdienstes solche
läuft. Hierbei ist unter dem Zugriff auf das elektronische Angaben verändern, die nach Maßgabe der Absätze 2 bis 4
Postfach nach Nummer 3 der Telekommunikationsvorgang zu speichern sind, sowohl die ursprüngliche Angabe als auch
zu verstehen, bei dem der E-Mail-Kunde die ihm vom die neue Angabe und den Zeitpunkt der Umschreibung der
E-Mail-Anbieter bereitgestellte persönliche Posteingangsei- Angaben zu speichern haben. Hierdurch wird etwa die Fall-
te öffnet, auf der die Kopfzeilen (header) der eingegange- gestaltung erfasst, dass ein Diensteanbieter ohne eigene End-
nen E-Mails, nicht aber zwingend auch der Inhalt (body) nutzerbeziehung lediglich die technische Einrichtung zur
der auf dem Server des Anbieters gespeicherten E-Mails Weiterleitung für eine von anderen Diensteanbietern initiier-
aufgelistet sind. Entsprechendes gilt, wenn der Nutzer die te Telekommunikation zur Verfügung stellt und hierbei die
E-Mail von einem E-Mail-Programm auf sein Endgerät her- von den anderen Diensteanbietern erzeugten oder verarbei-
unterladen lässt, da auch in diesem Falle auf das elektro- teten – und nach Maßgabe der Absätze 2 bis 4 zu speichern-
nische Postfach zugegriffen wird. Die Speicherung auch der den – Verkehrsdaten verändert. Die Vorgabe des Absatzes 6
Internetprotokoll-Adressen ist erforderlich, weil die jeweils ist erforderlich, um einerseits die grundsätzliche Speiche-
übermittelte E-Mail-Adresse ohne größeren Aufwand oder rungsverpflichtung nach Absatz 1 auf die Diensteanbieter
besondere technische Kenntnisse verändert werden kann mit Endnutzerbeziehung beschränken zu können und ande-
und manche Betreiber Server einsetzen, die die Richtigkeit rerseits gleichwohl eine Rückverfolgbarkeit der Telekom-
dieser Angaben nicht überprüfen, wodurch die Rückver- munikation auch im Falle einer Änderung der relevanten Da-
folgbarkeit von E-Mails unmöglich oder zumindest aber er- ten durch einen zwischengeschalteten Diensteanbieter ohne
heblich erschwert wird. Endnutzerbeziehung sicherzustellen. In welcher Weise das
ursprüngliche Datum verändert wird, ist hierbei gleichgültig.
Zu Absatz 4 Regelmäßig wird das Verändern darin bestehen, dass das ur-
sprüngliche Datum gelöscht und durch ein anderes ersetzt
Absatz 4 setzt Vorgaben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe a wird (vgl. Dammann, in: Simitis, Bundesdatenschutzgesetz,
Nr. 2, Buchstabe c Nr. 2 und Buchstabe e Nr. 3 der Richtlinie 6. Aufl., 2006, § 3, Rn. 141).
2006/24/EG um und regelt die einzelnen Speicherungs-
pflichten für Anbieter von Internetzugängen. Die Verfügbar- Hierbei kommt es auch nicht darauf an, ob die Zwischen-
keit der zu speichernden Daten – Internetprotokoll-Adressen schaltung des Diensteanbieters etwa aus technischen oder
nach Nummer 1, Anschlusskennungen (etwa auch von DSL- wirtschaftlichen Gründen durch die an der Erbringung der
Anschlüssen) nach Nummer 2 und Zeitangaben nach Num- Telekommunikationsdienste beteiligten Diensteanbieter ge-
mer 3 – ist für Ermittlungszwecke unverzichtbar, um nach- schieht oder ob die Zwischenschaltung auf Veranlassung des
vollziehen zu können, welchem Anschluss zu einem be- Endnutzers gezielt zur Veränderung der nach Maßgabe der
stimmten Zeitpunkt eine bestimmte Internetprotokoll- Absätze 2 bis 4 zu speichernden Daten erfolgt, wie dies etwa
Adresse zugewiesen war, die für einen bestimmten Kommu- bei der Nutzung von Anonymisierungsdiensten der Fall ist.
nikationsvorgang im Internet genutzt wurde. Hierbei ist von In beiden Fällen besteht die Speicherungsverpflichtung nach
Bedeutung, dass die Richtlinie keine Speicherung der im Absatz 6, wenn die maßgeblichen Daten bei der Erbringung
Internet aufgerufenen Adressen (so genannte URL [Uniform des Telekommunikationsdienstes verändert werden.
Drucksache 16/5846 – 72 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Soweit eine Speicherungsverpflichtung danach auch für die Zu Absatz 9


Anbieter von Anonymisierungsdiensten begründet wird, ist
zu berücksichtigen, dass auch diese Anbieter öffentlich zu- Mit der Regelung in Absatz 9 wird eine Vorgabe aus
gängliche Telekommunikationsdienste erbringen. Öffentlich Artikel 8 der Richtlinie 2006/24/EG umgesetzt und sicherge-
zugängliche Telekommunikationsdienste sind alle Telekom- stellt, dass die Daten von dem Verpflichteten in einer Weise
munikationsdienste im Sinne von § 3 Nr. 24 TKG, die jeder- gespeichert werden, die eine effektive und schnelle Recher-
mann zugänglich sind. Nach § 3 Nr. 24 TKG fallen darunter che zulässt, so dass erforderliche Auskünfte unverzüglich er-
die „reinen“ Telekommunikationsdienste (also Dienste, die teilt werden können.
ausschließlich in der Übertragung von Signalen über Tele-
kommunikationsnetze bestehen) sowie Dienste mit Doppel- Zu Absatz 10
natur, die zwar auch unter den Rechtsrahmen für Telemedien
fallen, aber zugleich Telekommunikationsdienste nach § 3 Absatz 10 stellt klar, dass der Verpflichtete die zu speichern-
Nr. 24 TKG sind, weil sie überwiegend in der Übertragung den Verkehrsdaten mit der Sorgfalt zu behandeln hat, die
von Signalen über Telekommunikationsnetze bestehen. Dies beim Umgang mit vom Fernmeldegeheimnis geschützten
sind in erster Linie diejenigen Dienste, die sowohl der Be- Daten erforderlich ist; dies gilt sowohl im Hinblick auf die
reitstellung eines Internetzugangs als auch der Übertragung Zuverlässigkeit, dass die Daten korrekt und unverändert ge-
elektronischer Post dienen. Auch Anonymisierungsdienste speichert werden, als auch für den Schutz der Daten vor un-
weisen allerdings eine solche Doppelnatur auf, da ihre Tätig- berechtigten Zugriffen. Zur Erhöhung des Schutzniveaus
keit sowohl in der Durchleitung der Nachricht als auch in der legt Satz 2 fest, dass der Verpflichtete durch technische und
Ersetzung der Ausgangskennung des Telekommunikations- organisatorische Maßnahmen dafür Sorge zu tragen hat, dass
nutzers besteht. Diese Dienste sind daher sowohl Tele- auf die gespeicherten Verkehrsdaten ausschließlich Personal
medien als auch – im Hinblick auf ihre Transportfunktion – zugreifen kann, das hierzu besonders ermächtigt ist.
Telekommunikationsdienste für die Öffentlichkeit (vgl. hier-
zu jetzt auch § 11 Abs. 3 des Telemediengesetzes [TMG], Zu Absatz 11
ferner Schmitz, in: Spindler/Schmitz/Geis, TDG-Kommen-
Absatz 11 bestimmt, dass die nach § 113a TKG-E gespei-
tar, 2004, § 1 TDDSG, Rn. 16).
cherten Verkehrsdaten innerhalb eines Monats nach Ablauf
der Speicherungsfrist zu löschen sind. Dies begrenzt den bei
Zu Absatz 7 den Diensteanbietern erforderlichen Aufwand für die Lö-
Absatz 7 setzt Vorgaben aus Artikel 5 Abs. 1 Buchstabe f schung gegenüber einer tagesgenauen Vorgabe, ohne die
Nr. 2 der Richtlinie 2006/24/EG um und betrifft Angaben Speicherungsdauer der Daten übermäßig zu verlängern.
zur Netzplanung der Mobilfunknetzbetreiber, regelt also
nicht die Speicherung von Verkehrsdaten. Diese Angaben Zu § 113b TKG-E
sind erforderlich, um die nach Absatz 1 Nr. 4 Buchstabe c zu
speichernden Funkzellenbezeichnungen, die regelmäßig nur Die Vorschrift regelt die Verwendung der nach Maßgabe von
in alphanumerischer Form dargestellt werden und damit als § 113a TKG-E gespeicherten Verkehrsdaten. Im Einzelnen:
solche für Ermittlungszwecke weithin unbrauchbar sind, be-
stimmten geografischen Bereichen zuordnen zu können. Da Satz 1 Halbsatz 1 bestimmt, dass der nach Maßgabe von
diese Funkzellenbezeichnungen aus Gründen sich fortent- § 113a TKG-E zur Speicherung verpflichtete Diensteanbie-
wickelnder Netzstrukturen von den Diensteanbietern nicht ter die nach § 113a TKG-E gespeicherten Daten für die in
dauerhaft zugewiesen und etwa bei Großereignissen oftmals den Nummern 1 bis 3 genannten Zwecke an die hierfür je-
weitere Funkzellen nur kurzfristig eingerichtet werden, ist es weils zuständigen Stellen übermitteln darf, wenn dies erstens
erforderlich sicherzustellen, dass die geografische Zuord- im jeweils einschlägigen Fachgesetz (z. B. § 100g StPO) un-
nung für die Dauer der Speicherungspflicht nach Maßgabe ter Bezugnahme auf § 113a TKG(-E) vorgesehen und zwei-
dieser Vorschrift beauskunftet werden kann. Die Angabe der tens die Übermittlung im Einzelfall angeordnet ist. Ob die
Hauptstrahlrichtungen der einzelnen Funkantennen konkre- zuständigen Stellen berechtigt sind, ein solches Verlangen an
tisiert die Richtlinienvorgabe und dient der Ermöglichung den Diensteanbieter zu richten, ist mithin nicht Regelungs-
einer genaueren Ermittlung des Standorts, von dem aus oder gegenstand von § 113b TKG-E, sondern bestimmt sich nach
zu dem eine Telekommunikationsverbindung aufgebaut den für die zuständigen Stellen jeweils maßgeblichen fach-
wurde. gesetzlichen Vorschriften. Ob die Voraussetzungen für ein
Übermittlungsverlangen vorliegen, haben die zuständigen
Stellen in eigener Verantwortung zu prüfen. Dem Dienstean-
Zu Absatz 8 bieter kommt insoweit weder eine inhaltliche Prüfungs-
Absatz 8 setzt die Vorgabe des Artikels 5 Abs. 2 der Richtli- pflicht noch -befugnis zu. Der Diensteanbieter hat sich aller-
nie 2006/24/EG um und stellt klar, dass weder der Kommu- dings zu vergewissern, ob es sich bei dem die Übermittlung
nikationsinhalt noch Daten über aufgerufene Internetseiten Verlangenden um eine für die in § 113b TKG-E genannten
nach dieser Vorschrift gespeichert werden dürfen. Dies Aufgaben zuständige Stelle handelt, die zur Ausübung des
erlangt etwa auch Bedeutung für solche Dienste, bei denen Übermittlungsverlangens legitimiert ist. Soweit das Verlan-
Inhalte im so genannten Zeichenkanal übermittelt werden gen auf die Übermittlung von Verkehrsdaten gerichtet ist, die
(z. B. bei der Übermittlung von (SMS-)Kurzmitteilungen im allein nach Maßgabe von § 113a TKG-E gespeichert worden
Mobiltelefondienst). Hier muss der Verpflichtete dafür Sorge sind, muss die zuständige Stelle sich durch eine im jeweili-
tragen, dass inhaltsbezogene Anteile der Kommunikation gen Fachgesetz näher bestimmte Einzelfallanordnung (etwa
aufgrund der Vorschrift des § 113a TKG-E nicht gespeichert einen Beschluss eines Ermittlungsgerichts nach § 100g
werden. i. V. m. § 100b StPO) legitimieren können.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 73 – Drucksache 16/5846

Eine Verwendung der allein nach Maßgabe von § 113a Sicherheit. Zwar wurde eine solche ausdrückliche enumera-
TKG-E gespeicherten Daten für andere als in § 113b Satz 1 tive Klarstellung in dem von der Kommission am 21. Sep-
Halbsatz 1 TKG-E genannte Zwecke ist dem Diensteanbie- tember 2005 vorgelegten Richtlinienvorschlag zugunsten
ter gemäß § 113b Satz 1 Halbsatz 2 TKG-E nicht gestattet. des oben dargestellten Artikels 11 der Richtlinie 2006/24/EG
aufgegeben. Eine sachliche Änderung im Sinne einer strik-
Die Verwendung der nach Maßgabe von § 113a TKG-E ge-
ten Zweckbindung der gespeicherten Verkehrsdaten war da-
speicherten Daten für die Zwecke sowohl der Strafverfol-
mit jedoch nicht beabsichtigt. Es war vielmehr während der
gung als auch der Gefahrenabwehr und der Aufgabenerfül-
gesamten Verhandlungen ein wesentliches Anliegen nahezu
lung der Nachrichtendienste steht im Einklang mit der
sämtlicher Mitgliedstaaten, keine abschließende Regelung
Richtlinie 2006/24/EG. Zwar macht die Richtlinie lediglich
zu schaffen, sondern klarzustellen, dass weiter gehende
Vorgaben zur Speicherung von Daten für die Zwecke der
nationale Verwendungsregelungen zulässig bleiben sollten.
Strafverfolgung; dies steht jedoch einer Verwendung der ge-
speicherten Daten für andere Zwecke nicht entgegen. Den Die in § 113b Satz 1 Halbsatz 1 Nr. 2 und 3 TKG-E zugelas-
Mitgliedstaaten steht es vielmehr – in den Grenzen von sene Verwendung der nach Maßgabe von § 113a TKG-E ge-
Artikel 15 Abs. 1 der Datenschutzrichtlinie für elektronische speicherten Daten für die Zwecke der Gefahrenabwehr und
Kommunikation (2002/58/EG) – frei, in ihrem nationalen der Aufgabenerfüllung der Nachrichtendienste ist von
Recht Regelungen zu treffen über die Verwendung der ge- Artikel 15 Abs. 1 der Richtlinie 2002/58/EG in Verbindung
speicherten Verkehrsdaten für andere als Strafverfolgungs- mit der dort in Bezug genommenen Vorschrift des Arti-
zwecke. kels 13 Abs. 1 Buchstabe a bis d der Richtlinie zum Schutz
Die Beschreibung des Anwendungsbereichs der Richtlinie in natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezoge-
Artikel 1 Abs. 1 hindert eine weiter gehende Verwendung ner Daten und zum freien Datenverkehr (95/46/EG) gedeckt,
der gespeicherten Verkehrsdaten nicht. Aus dieser Vorschrift da die Verwendung der Daten auch für diese Zwecke er-
lässt sich nicht ableiten, dass eine Verwendung der gespei- forderlich und angemessen ist. Auch zur Abwehr von erheb-
cherten Verkehrsdaten für andere als Strafverfolgungs- lichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und zur Er-
zwecke ausgeschlossen sein soll. Zunächst findet die Annah- füllung der gesetzlichen Aufgaben der Nachrichtendienste
me einer solchen strikten Zweckbindung im Wortlaut der – zumal im Bereich der Bekämpfung des internationalen
Richtlinie keine Stütze. Die Richtlinie enthält gerade keine Terrorismus – ist die Kenntnis des Kommunikationsverhal-
Regelung, wonach die gemäß ihren Vorgaben gespeicherten tens der Zielpersonen von unverzichtbarem ermittlungstakti-
Verkehrsdaten nicht auch zu anderen als Strafverfolgungs- schem Nutzen für die Aufklärung komplexer Organisations-
zwecken Verwendung finden dürfen. Eine solche Regelung strukturen etwa von kriminellen oder terroristischen
wäre jedoch zu erwarten, wenn die Richtlinie dies hätte si- Vereinigungen. Dieselben Gründe, die die Einführung von
cherstellen wollen. Auch den Erwägungsgründen lässt sich Speicherungspflichten für Zwecke der Strafverfolgung
eine solche Intention nicht entnehmen. rechtfertigen (vgl. dazu oben A. VI. 5), sind geeignet eine
Verwendung der gespeicherten Daten für die Zwecke der
Zudem stellt Artikel 11 der Richtlinie 2006/24/EG in Verbin- Gefahrenabwehr und der Nachrichtendienste zu rechtfertigen,
dung mit Artikel 15 Abs. 1 der Richtlinie 2002/58/EG klar, zumal Anlass für die Verabschiedung der Richtlinie – neben
dass die Richtlinie 2006/24/EG lediglich Mindestvorgaben dem Gesichtspunkt der EU-weiten Harmonisierung der
für die Verwendung der „auf Vorrat“ gespeicherten Ver- Speicherungspflichten – gerade auch die Terroranschläge in
kehrsdaten trifft. Aus dem neu eingefügten Artikel 15 Madrid im Jahr 2004 und in London im Jahr 2005 waren.
Abs. 1a der Richtlinie 2002/58/EG folgt, dass Artikel 15 Ohne eine Kenntnis der Verkehrsdaten wäre es den Gefah-
Abs. 1 dieser Richtlinie nicht anwendbar ist auf solche Ver- renabwehrbehörden und den Nachrichtendiensten vielfach
kehrsdaten, die nach Maßgabe der Richtlinie 2006/24/EG nicht möglich, Verflechtungen und Zusammenhänge im Be-
gespeichert werden; zugleich ergibt sich hieraus, dass reich des internationalen Terrorismus zu erkennen und die
Artikel 15 Abs. 1 der Richtlinie 2002/58/EG weiterhin Gel- hiervon ausgehenden Gefahren wirksam abzuwehren. Gera-
tung beansprucht für solche Verwendungszwecke, die nicht de im Hinblick auf die im Bereich des internationalen Terro-
von der Richtlinie 2006/24/EG erfasst sind. Dies bestätigt rismus anzutreffenden stark nach außen abgeschottet und
Erwägungsgrund 12 der Richtlinie 2006/24/EG ausdrück- konspirativ handelnden Gruppierungen ist eine Kenntnis von
lich. Telekommunikationsverkehrsdaten unabdingbar.
Auch die Entstehung der Richtlinie 2006/24/EG bestätigt Die Verwendung der nach Maßgabe von § 113a TKG-E ge-
dieses Verständnis. In den Verhandlungen auf europäischer speicherten Daten für die Zwecke der Gefahrenabwehr und
Ebene bestand Einvernehmen, dass die Richtlinie (wie auch der Aufgabenerfüllung der Nachrichtendienste steht über-
der zunächst verhandelte Rahmenbeschluss) als Mindestvor- dies im Einklang mit dem Beschluss des Deutschen Bundes-
gabe nur die Speicherung von Verkehrsdaten für Strafverfol- tages vom 16. Februar 2006 (Bundestagsdrucksache 16/545,
gungszwecke regeln sollte, ohne weiter gehende nationale S. 4). Dieser enthält eine Forderung hinsichtlich der Verwen-
Regelungen über die Verwendung der gespeicherten Ver- dung der gespeicherten Daten nur insoweit, als ein Zugriff
kehrsdaten für andere Zwecke auszuschließen. Noch im letz- auf diese Daten „zu Zwecken der Strafverfolgung“ auf die
ten Dokument zur Beratung des Rahmenbeschlussentwurfs Verfolgung erheblicher oder mittels Telekommunikation be-
war eine ausdrückliche Regelung vorgesehen, nach der be- gangener Straftaten beschränkt sein soll. Zur Verwendung
stimmte im Einzelnen aufgeführte nationale Rechtsbereiche der Daten im Übrigen verhält sich der Beschluss dagegen
und Maßnahmen von dem Rahmenbeschluss unberührt blei- nicht.
ben sollten. Hierzu zählten etwa nationale Rechtsvorschrif-
ten über die „Vorratsspeicherung“ von Kommunikationsda- Aus Verhältnismäßigkeitserwägungen erscheint es gleich-
ten für die Zwecke der Gefahrenabwehr und der nationalen wohl geboten, eine Verwendung der allein nach Maßgabe
Drucksache 16/5846 – 74 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

von § 113a TKG-E gespeicherten Daten für Gefahren- stand Rechnung getragen, dass die Vorgaben aus § 113a
abwehrzwecke auf die Abwehr erheblicher Gefahren für die TKG-E für die verpflichteten Unternehmen nicht ohne
öffentliche Sicherheit zu beschränken und daher bereits im weiteres kurzfristig umzusetzen sind, sondern es hierzu be-
Telekommunikationsgesetz festzulegen, dass der jeweilige stimmter technischer, organisatorischer und sonstiger be-
Fachgesetzgeber eine Befugnis zum Zugriff auf diese Daten triebsinterner Maßnahmen bedarf, deren konkrete Aus-
nicht zur Abwehr jeglicher Gefahren für die öffentliche gestaltung sich vor Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens
Sicherheit begründen kann. Diese Beschränkung trägt – im – aus Sicht der verpflichteten Unternehmen – oftmals nicht
Hinblick auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsge- mit der gebotenen Gewissheit einschätzen lassen dürfte.
richts (vgl. BVerfGE 65, 1, 46; 100, 313, 360) – zugleich Aus diesem Grunde erscheint es angemessen, zwar einer-
dem Erfordernis einer hinreichend konkreten Verwendungs- seits die Speicherungspflichten für die Diensteanbieter im
bestimmung hinsichtlich der „auf Vorrat“ gespeicherten Da- Bereich der Festnetz- und der Mobilfunktelefonie unmittel-
ten Rechnung. Eine entsprechende Beschränkung findet sich bar in Kraft treten zu lassen, aber die Sanktionsbewehrung
in der Regelung zur zweckumwandelnden Verwendung von dieser Verpflichtungen für einen Zeitraum von einem Jahr
in bestimmter Weise erhobenen personenbezogener Daten in aufzuschieben. Dies ist auch im Hinblick auf die Pflicht zur
§ 477 Abs. 2 Satz 3 StPO-E; zum Begriff der erheblichen richtlinienkonformen innerstaatlichen Umsetzung der Spei-
Gefahr vgl. im Einzelnen Schmidtbauer in: Schmidtbauer/ cherungsvorgaben vertretbar, da die Richtlinie 2006/24/EG
Steiner, Bayerisches Polizeiaufgabengesetz und Bayerisches eine Sanktionsbewehrung zur Sicherstellung der Speiche-
Polizeiorganisationsgesetz, 2. Aufl. (2006), Artikel 11 PAG rungspflichten nicht vorgibt.
Rn. 48. Einer entsprechenden Übergangsregelung bedarf es bei der
Nach Satz 2 ist die Regelung des § 113 Abs. 1 Satz 4 TKG in § 111 TKG-E vorgesehenen Speicherungsverpflichtung
entsprechend anzuwenden. Dies bedeutet, dass der Dienste- von Bestandsdaten bei E-Mail-Adressen nicht. Denn diese
anbieter gegenüber seinen Kundinnen und Kunden sowie ge- Verpflichtung setzt voraus, dass der Diensteanbieter die Be-
genüber Dritten Stillschweigen über eine Auskunftserteilung standsdaten bereits zu eigenen Zwecken erhebt und damit
zu wahren hat, und dient mithin dazu, dass verdeckt geführte bereits heute regelmäßig auf Dauer speichern wird.
Ermittlungen nicht vorzeitig bekannt werden.
Zu Artikel 3 (Änderung der Abgabenordnung)
Zu Nummer 7 (§ 115 Abs. 2 TKG-E)
Die mit dem Steuerverkürzungsbekämpfungsgesetz vom
Die Einfügung des Verweises auf § 113a TKG-E in Absatz 2 19. Dezember 2001 (BGBl. I S. 3922) eingeführte und durch
Satz 1 Nr. 1 dient der Sicherstellung der Erfüllung der Spei- das Fünfte Gesetz zur Änderung des Steuerbeamten-Ausbil-
cherungspflichten nach § 113a TKG-E. Die weiteren Ände- dungsgesetzes und zur Änderung von Steuergesetzen vom
rungen stellen redaktionelle Folgeanpassungen an die Ände- 23. Juli 2002 (BGBl. I S. 2715) geänderte Regelung des
rungen in § 111 TKG-E dar. § 370a AO sollte die Strafbarkeit der Steuerhinterziehung
bei gewerbsmäßiger oder bandenmäßiger Begehung und be-
Zu Nummer 8 (§ 149 TKG-E) sonders großem Taterfolg verschärfen. Der 5. Strafsenat des
Bundesgerichtshofs hat allerdings in seinem Beschluss vom
Zu Buchstabe a (Absatz 1)
22. Juli 2004 (5 StR 85/04, NJW 2004, 2990) erhebliche Be-
Die Ergänzung der Ordnungswidrigkeitentatbestände in denken an der Verfassungsmäßigkeit der Vorschrift geäußert.
Absatz 1 um die Nummern 30a und 36 bis 39 sowie die Da das Steuerstrafrecht im Rahmen der Blankettnorm des
Änderung der Nummern 29 und 30 dienen zum einen der § 370 AO durch eine serielle Begehungsweise geprägt ist,
Umsetzung der Artikel 5 und 13 der Richtlinie 2006/24/EG, sei die in § 370a AO enthaltene Voraussetzung einer „ge-
wonach sowohl die ordnungsgemäße Erfüllung der Speiche- werbsmäßigen Begehung“ nicht geeignet, den Tatbestand
rungs- und Löschungspflichten sicherzustellen ist als auch des § 370a AO hinreichend einzugrenzen. Auch das Tatbe-
abschreckende Sanktionen vorzusehen sind, um einen unzu- standsmerkmal „in großem Ausmaß“ sei im Hinblick auf
lässigen Zugang zu und Umgang mit den nach Maßgabe der Artikel 103 Abs. 2 des Grundgesetzes als Tatbestandsmerk-
Richtlinie gespeicherten Daten zu verhindern; zum anderen mal eines Verbrechenstatbestandes zu unbestimmt. Die Vor-
handelt es sich um Folgeanpassungen an die Änderungen in schrift des § 370a AO genüge danach nicht den Anforderun-
§ 111 TKG-E. Die Änderung der Nummer 35 erstreckt den gen des Bundesverfassungsgerichts, wonach eine Strafnorm
bestehenden Ordnungswidrigkeitentatbestand auf Fälle, in umso präziser sein müsse, je schwerer die angedrohte Strafe
denen der Diensteanbieter nicht Stillschweigen über die ist.
Auskunftserteilung über nach § 113a TKG-E gespeicherte
Mit den vorgesehenen Änderungen der Abgabenordnung
Daten wahrt.
soll diesen Bedenken Rechnung getragen werden. Zugleich
sollen die – ebenfalls vom Bundesgerichtshof beanstande-
Zu Buchstabe b (Absatz 2) ten – Wertungswidersprüche zu den Straftatbeständen der
Durch die Ergänzung in Absatz 2 wird eine angemessene §§ 373, 374 AO beseitigt und der besonderen Schwere der
Bußgeldhöhe für die einzelnen Ordnungswidrigkeitentatbe- dort genannten Delikte, insbesondere bei bandenmäßiger
stände nach Absatz 1 festgelegt. Tatbegehung, Rechnung getragen werden. Außerdem sollen
Klarstellungen in den Straftatbeständen erfolgen.
Zu Nummer 9 (§ 150 Abs. 12b TKG-E)
Absatz 12b Satz 1 schiebt die Anwendung der Ordnungs- Zu Nummer 1 (Inhaltsübersicht)
widrigkeitentatbestände nach § 149 Abs. 1 Nr. 36 und 37 Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Streichung des
TKG-E bis zum 1. Januar 2009 auf. Damit wird dem Um- § 370a (vgl. Nummer 4).
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 75 – Drucksache 16/5846

Zu Nummer 2 (§ 370 AO-E) Zu Nummer 4 (§ 373 AO-E)


Ein besonders schwerer Fall der Steuerhinterziehung nach Durch die Änderung des § 373 AO (wie auch des § 374 AO)
§ 370 Abs. 3 Nr. 1 AO-E soll künftig in der Regel bereits werden Wertungswidersprüche zwischen bandenmäßiger
dann vorliegen, wenn in großem Ausmaß Steuern verkürzt Umsatzsteuer- oder Verbrauchsteuerhinterziehung einerseits
oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt werden. Das sowie bandenmäßigem Schmuggel und bandenmäßiger
bislang zusätzlich enthaltene, aber schwer bestimmbare Steuerhehlerei andererseits beseitigt. Zugleich soll der be-
Merkmal des „groben Eigennutzes“ wird gestrichen (vgl. zur sonderen Schwere dieser Delikte, gerade auch bei banden-
schweren Bestimmbarkeit BGH vom 13. Juni 1985, NStZ mäßiger Tatbegehung, Rechnung getragen werden, indem
1985, 459). der Strafrahmen für diese Delikte an die Strafrahmen des
§ 370 Abs. 3 AO angepasst wird.
Der neue § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 AO-E bestimmt, dass ein
besonders schwerer Fall der Steuerhinterziehung in der Re- Zu Buchstabe a (Absatz 1)
gel auch dann vorliegt, wenn der Täter als Mitglied einer
Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Taten nach Mit der Änderung wird der Strafrahmen des gewerbsmäßi-
§ 370 Abs. 1 AO verbunden hat, Umsatzsteuer oder Ver- gen, gewaltsamen oder bandenmäßigen Schmuggels (bis-
brauchsteuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Umsatz- lang: Freiheitsstrafe von drei Monate bis fünf Jahre) erhöht
oder Verbrauchsteuervorteile erlangt. Die Strafzumessungs- (künftig: Freiheitsstrafe von sechs Monate bis zehn Jahre)
regel ersetzt den bisherigen Qualifikationstatbestand in und damit an den Strafrahmen der Steuerhinterziehung im
§ 370a AO. besonders schweren Fall nach § 370 Abs. 3 AO angepasst.
Der neue Satz 2 regelt, dass für minderschwere Fälle ein re-
Nach der Entscheidung des Großen Senats des Bundesge- duzierter Strafrahmen (Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren
richtshofs vom 22. März 2001 (GSSt 1/00, BGHSt 46, 321) oder Geldstrafe) gilt. Dies ermöglicht eine angemessene Be-
besteht eine Bande aus einem Zusammenschluss von min- strafung des bandenmäßigen Schmuggels z. B. in Fällen, die
destens drei Personen, die sich mit dem Willen verbunden nicht der typischen organisierten Kriminalität zuzurechnen
haben, künftig für eine gewisse Dauer mehrere selbständige, sind.
im Einzelnen noch ungewisse Straftaten des im Gesetz ge-
nannten Deliktstyps (hier also Steuerhinterziehung) zu bege- Zu Buchstabe b (Absatz 2)
hen. Ein „gefestigter Bandenwille“ oder ein Tätigwerden in
einem „übergeordneten Bandeninteresse“ ist nicht erforder- Um in allen Fällen des bandenmäßigen Schmuggels, auch
lich. Da der Tatbestand der Steuerhinterziehung nach § 370 soweit er außerhalb der Abgabenordnung geregelte Fälle des
AO nicht nur vom Steuerpflichtigen selbst begangen werden Bannbruchs betrifft, zu einem einheitlichen Bandenbegriff
kann, sondern auch von anderen natürlichen Personen, die zu gelangen, und um auch innerhalb der Abgabenordnung
nicht zum eigenen Vorteil handeln müssen, sondern auch (vgl. § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 AO-E und § 374 AO-E) in der
zum Vorteil Dritter handeln können, kommt als Mitglied Sache nicht gebotene Differenzierungen zu vermeiden, wird
einer solchen Bande auch jede andere mitwirkende Person in in Absatz 2 Nr. 3 AO-E auf das bisherige Mitwirkungsmerk-
Betracht, selbst wenn sie nur in untergeordneter Tätigkeit als mal („unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds die
Gehilfe eingebunden ist. Nicht erforderlich ist es auch, dass Tat ausführt“) verzichtet. Es genügt künftig, dass der Täter
es sich bei jedem Bandenmitglied um einen Steuerpflichti- als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Hinter-
gen handelt. Ferner wird es für die bandenmäßige Begehung ziehung von Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben oder des Bann-
auch unerheblich sein, wenn z. B. nur ein Täter der Bande in bruchs verbunden hat, eine solche Tat begeht. Die Banden-
Deutschland ansässig ist, da es sich nicht um einen im Inland verbindung kann zudem künftig auch darauf gerichtet sein,
bestehenden Zusammenschluss handeln muss. Es bleibt fortgesetzt grenzüberschreitend Verbrauchsteuern zu hinter-
allerdings auch hier bei dem generellen Erfordernis, dass ziehen.
sich – soweit es sich nicht um Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben
handelt – die Tat auf das vom deutschen Fiskus verwaltete Zu Buchstabe c (Absätze 3 und 4)
Steueraufkommen beziehen muss (vgl. § 370 Abs. 6 und 7 Durch die ausdrückliche Regelung der Versuchsstrafbarkeit
AO); da bei einer Steuerhinterziehung zu Lasten des deut- in dem neuen Absatz 3 wird klargestellt, dass § 373 AO-E
schen Fiskus der Erfolg (Verkürzung des deutschen Steuer- ein selbständiger Qualifikationstatbestand zu § 370 Abs. 1
anspruchs) immer im Inland eintritt, ist es unerheblich, ob AO ist. Ein Rückgriff auf die Versuchsstrafbarkeit nach
die Tathandlung selbst im Ausland begangen wurde. § 370 Abs. 2 AO ist künftig nicht mehr erforderlich. Eine
Nach § 370 Abs. 3 AO ist die Strafe in besonders schweren Regelung für besonders schwere Fälle des § 373 AO oder
Fällen der Steuerhinterziehung Freiheitsstrafe von sechs eine Verweisung auf den Strafrahmen des § 370 Abs. 3 AO
Monaten bis zu zehn Jahren. Eine strafbefreiende Selbstan- ist im Hinblick auf die Erhöhung des Strafrahmens in § 373
zeige nach § 371 AO ist wie bisher möglich. Abs. 1 AO nicht erforderlich. Damit entfällt auch die Not-
wendigkeit, für besonders schwere Fälle des § 373 AO den
Strafrahmen der Strafzumessungsregel in § 370 Abs. 3 AO
Zu Nummer 3 (§ 370a AO-E) zu entnehmen (siehe hierzu: BGH vom 28. September 1983;
3 StR 280/83, BGHSt 32, 95).
Die Vorschrift wird aufgehoben. Die bandenmäßige Hinter-
ziehung von Umsatz- und Verbrauchsteuern stellt nach dem Der neue Absatz 4 des § 373 AO erweitert den Anwen-
neuen § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 AO nunmehr ein Regelbei- dungsbereich des § 373 AO (entsprechend § 374 Abs. 4
spiel für einen besonders schweren Fall der Steuerhinterzie- AO-E) auf Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben, die von einem
hung dar. anderen Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften
Drucksache 16/5846 – 76 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

verwaltet werden oder die einem Mitgliedstaat der Euro- gen, muss, um den Erfolg der Überwachungsmaßnahme
päischen Freihandelsassoziation oder einem mit dieser nicht zu gefährden, auch für diese Personen und Stellen die
assoziierten Staat zustehen. Verpflichtung gelten, Dritte über die Maßnahme nicht zu un-
terrichten. Deshalb wird in § 17 Abs. 1 G10, der diese Ver-
Zu Nummer 5 (§ 374 AO-E) pflichtung enthält, das Wort „geschäftsmäßig“ gestrichen.
Der Strafrahmen für Taten nach § 374 AO, welcher nach der Zu Artikel 6 (Änderung des Vereinsgesetzes)
bisherigen Regelung durch Verweisung auf § 370 Abs. 1 AO
festgelegt wurde, soll zur Vereinfachung der Rechtsanwen- Der bisherige Verweis in § 10 Abs. 2 Satz 4 VereinsG u. a.
dung in § 374 Abs. 1 und 2 AO-E ausdrücklich geregelt wer- auf die §§ 100 und 101 StPO wird aufgrund der Neuregelun-
den. Gleiches gilt für die Regelung der Versuchsstrafbarkeit gen in diesen Vorschriften redaktionell angepasst:
in Absatz 3. Auch hierfür soll die Verweisung auf § 370 Die bisherige Bezugnahme auf § 101 StPO wird entbehrlich
Abs. 2 AO durch eine ausdrückliche Regelung ersetzt wer- hinsichtlich der dortigen Absätze 2 und 3, die nunmehr als
den. Absätze 5 und 6 in den ohnehin in Bezug genommenen § 100
In Absatz 2 wird die bandenmäßige Steuerhehlerei zudem StPO-E eingestellt sind.
der gewerbsmäßigen Steuerhehlerei in ihrem Unrechtsgehalt Die bisherige Bezugnahme auf § 101 Abs. 1 (Benachrichti-
gleichgestellt. gungspflicht) wird ersetzt durch die Bezugnahme auf die
Die Neufassung des Absatzes 4 übernimmt die Neuregelung entsprechenden Regelungen in § 101 Abs. 4 bis 9 StPO-E.
in § 373 Abs. 3 AO-E; auf die dortige Begründung wird Be- Damit werden die umfassenden Regelungen der Benachrich-
zug genommen. tigungspflicht, der Zurückstellung der Benachrichtigung
nebst gerichtlicher Überprüfung sowie der nachträgliche
Zu Artikel 4 (Änderung des Strafgesetzbuches) Rechtsschutz auf die Postbeschlagnahme nach § 10 des Ver-
einsgesetzes ausgedehnt. Darüber hinaus wird durch die
Es handelt sich um Folgeänderungen zu der Änderung des Bezugnahme auf § 101 Abs. 3 und 10 StPO-E auch die
§ 374 AO und der Aufhebung des § 370a AO (vgl. Kennzeichnungs- und Löschungspflicht eingeführt. Die
Artikel 3). Ausdehnung auf § 101 Abs. 3 bis 10 StPO-E erscheint sach-
1. Da die gewerbs- oder bandenmäßige Steuerhehlerei gerecht, weil eine unterschiedliche Handhabung der Postbe-
künftig in § 374 Abs. 2 AO gesondert geregelt werden schlagnahme nach § 99 StPO(-E) einerseits und § 10 Abs. 2
soll, kann durch eine Aufnahme dieses Qualifikationstat- VereinsG i. V. m. § 99 StPO andererseits wertungswider-
bestandes in § 261 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 StGB auf die bis- sprüchlich wäre.
herige Einschränkung auf gewerbsmäßig begangene Ta- Eine Bezugnahme auf die Bestimmung zur getrennten Ak-
ten verzichtet werden. Über das bisher geltende Recht tenführung, die bisher in § 101 Abs. 4 StPO geregelt und
hinaus soll zudem künftig auch die bandenmäßig began- nunmehr in § 101 Abs. 2 StPO-E überführt worden ist, war
gene Steuerhehlerei zur tauglichen Vortat der Geld- und ist mangels Eingreifens dieser Regelung für die Postbe-
wäsche werden. schlagnahme entbehrlich.
2. Bisher war die gewerbsmäßige oder bandenmäßige
Steuerhinterziehung nach § 370a AO als Verbrechen Zu Artikel 7 (Änderung des Bundeskriminalamt-
nach § 261 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StGB taugliche Vortat der gesetzes)
Geldwäsche. Durch die vorgeschlagene Herabstufung Die Änderung des § 16 Abs. 3 Satz 3 BKAG trägt dem Um-
solcher Taten zu einem Regelbeispiel für besonders stand Rechnung, dass die Verwendung personenbezogener
schwere Fälle der Steuerhinterziehung nach § 370 Abs. 3 Information, die durch den Einsatz technischer Mittel zur
Nr. 5 AO in der Fassung des Entwurfs sollen die Taten Eigensicherung nach § 16 BKAG erlangt wurden, sich nicht
nicht als Vortaten der Geldwäsche entfallen. Deshalb soll allein nach der bislang in § 16 Abs. 3 Satz 3 in Bezug ge-
die Steuerhinterziehung nach § 370 AO in den Vortaten- nommenen Regelung des bisherigen § 161 Abs. 2 StPO
katalog des § 261 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 StGB aufgenom- (nunmehr § 161 Abs. 3 StPO-E) bestimmt, sondern – je nach
men werden. Erfasst werden damit auch künftig im We- Fallgestaltung – auch nach dem neuen Absatz 2 in § 161
sentlichen die Taten, die bereits bisher taugliche StPO-E bzw. – im Falle der akustischen Wohnraumüber-
Geldwäschevortaten waren, da § 261 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 wachung – nach § 100d Abs. 5 Nr. 3 StPO-E.
voraussetzt, dass die Vortat gewerbsmäßig oder von dem
Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Bege- Zu Artikel 8 (Änderung des Gerichtsverfassungs-
hung solcher Taten verbunden hat, begangen worden ist. gesetzes)
Lediglich das bisher in § 370a AO enthaltene Merkmal
der Steuerverkürzung im „großen Ausmaß“ wird künftig § 120 Abs. 4 Satz 2 GVG wird redaktionell angepasst: In-
nicht mehr vorliegen müssen, um eine Steuerhinterzie- folge der Neuregelungen zu den Benachrichtigungspflichten
hung zur tauglichen Vortat der Geldwäsche zu qualifizie- in § 101 Abs. 4 bis 8 StPO-E entfällt die bislang in § 100d
ren. Abs. 9 Satz 4 StPO enthaltene Zuständigkeit der Oberlan-
desgerichte für Entscheidungen über die Zustimmung zur
Zurückstellung der Benachrichtigung über 18 Monate hinaus
Zu Artikel 5 (Änderung des Artikel 10-Gesetzes)
in Fällen der akustischen Wohnraumüberwachung (vgl. dazu
Da die Mitwirkungspflicht nach § 100b Abs. 3 Satz 1 die Erläuterungen zu § 101 Abs. 8 StPO-E). Die Bezugnah-
StPO-E auch auf Personen und Stellen ausgedehnt wird, die me in § 120 Abs. 4 Satz 2 GVG auf § 100d Abs. 9 Satz 4
Telekommunikationsdienste nicht geschäftsmäßig erbrin- StPO ist daher zu streichen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 77 – Drucksache 16/5846

Zu Artikel 9 (Änderung des Einführungsgesetzes Abs. 5 und 6 StPO-E erfolgen. Zu den jeweiligen Über-
zur Strafprozessordnung) gangsregelungen vgl. Artikel 16 Abs. 2.
§ 12 EGStPO-E trifft Übergangsregelungen für die Statistik- Zu Buchstabe b (Nummer 9)
pflichten, die vom Telekommunikationsgesetz (§ 110 Abs. 8 Die neue Nummer 9 greift die erweiterte Verordnungs-
TKG) und von der Telekommunikations-Überwachungsver- ermächtigungen nach § 110 Abs. 2 TKG-E auf, nach denen
ordnung (§ 1 Nr. 8, § 25 und Anlage zu § 25 TKÜV) in die künftig auch Regelungen über die grundlegenden tech-
Strafprozessordnung verlagert (§ 100b Abs. 5, 6 StPO-E) nischen Anforderungen und die organisatorischen Eckpunk-
bzw. dort neu begründet (§ 100g Abs. 4 StPO) werden. te für die Erteilung von Auskünften geregelt werden können.
Absatz 1 Satz 2 stellt klar, dass die schon bestehende Statis- Diese Erweiterung des Regelungsbereichs ist wegen der in
tikregelung in § 100e StPO(-E) von dieser Übergangsrege- § 100g Abs. 1 StPO-E vorgesehenen Befugnis der Strafver-
lung unberührt bleibt. folgungsbehörden, Verkehrsdaten auch in Echtzeit zu erhe-
ben, geboten. Die konkrete Festlegung der Anforderungen
Zu Artikel 10 (Änderung des IStGH-Gesetzes) an das Übermittlungsverfahren und das Datenformat sowie
Die in der Vorschrift enthaltenen Verweisungen auf § 100a die Bestimmung der weiteren technischen und organisato-
Abs. 1 Satz 1, § 101 Abs. 1, § 100b Abs. 5 und 6 StPO wer- rischen Ausgestaltungen bleibt einer künftigen Anpassung
den redaktionell an die Neufassung der §§ 100a, 100b, 477 der TKÜV vorbehalten.
Abs. 2 StPO-E angepasst. Ferner werden das in Absatz 1
Zu Nummer 2 (§ 3 Abs. 2 TKÜV)
Nr. 3 enthaltene Wort „Informationen“ durch die Wörter
„personenbezogene Daten“ und das Wort „Vernichtung“ Zu Buchstabe a (Satz 1 Nr. 5)
durch das Wort „Löschung“ ersetzt und damit an die Begriffe Die Änderung hebt die Pflichtgrenze gemäß § 3 Abs. 2
der Strafprozessordnung angeglichen. Satz 1 Nr. 5 TKÜV(-E), ab deren Überschreiten Betreiber
von Telekommunikationsanlagen technische und organisato-
Zu Artikel 11 (Änderung des Wertpapierhandels- rische Vorkehrungen zu treffen haben, von bisher 1 000 auf
gesetzes) 10 000 angeschlossene Teilnehmer oder sonstige Nutzungs-
berechtigte an. § 110 Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe c TKG be-
Die in § 16b Abs. 1 Satz 3 WpHG durch die Verweisung auf stimmt, dass in der Telekommunikations-Überwachungsver-
§ 101 StPO enthaltene Benachrichtigungspflicht wird beibe- ordnung geregelt werden kann, bei welchen Telekommuni-
halten durch die neue Bezugnahme auf § 101 Abs. 4 und 5 kationsanlagen u. a. aus Gründen der Verhältnismäßigkeit
StPO-E. Von der Bezugnahme auch auf § 101 Abs. 6 ff. keine technischen Einrichtungen vorgehalten und keine or-
StPO-E wird abgesehen, da die dort vorgesehene gericht- ganisatorischen Vorkehrungen für die Umsetzung von Über-
liche Überprüfung der Zurückstellung der Benachrichtigung wachungsmaßnahmen getroffen werden müssen. Dadurch
auch bislang im Bereich des Wertpapierhandelsgesetzes sollen kleine Telekommunikationsunternehmen von den für
nicht vorgesehen ist und in Anbetracht der geringeren Ein- sie nicht unerheblichen Aufwendungen befreit werden, die
griffsintensität der in § 16b Abs. 1 Satz 3 WpHG vorgesehe- für die Vorhaltung der technischen Einrichtungen und das
ne Maßnahme (lediglich Speicherungsanordnung, aber keine Treffen der organisatorischen Vorkehrungen für die Umset-
Zugriffsregelung) auch künftig nicht geboten erscheint. zung angeordneter Überwachungsmaßnahmen anfallen. Da
man bei der Erstellung der TKÜV insoweit über keinerlei Er-
Zu Artikel 12 (Änderung des Gesetzes über die fahrungswerte verfügte, wurde der Grenzwert seinerzeit so
Anwendung unmittelbaren Zwanges festgelegt, dass die Betreiber solcher Telekommunikations-
und die Ausübung besonderer Befug- anlagen von der Vorhalteverpflichtung befreit sind, an die
nisse durch Soldaten der Bundeswehr nicht mehr als 1 000 Teilnehmer oder sonstige Nutzungsbe-
und verbündeter Streitkräfte sowie rechtigte angeschlossen sind. Zwischenzeitlich erfolgte Prü-
zivile Wachpersonen) fungen der Bundesnetzagentur über die Verteilung von
Überwachungsmaßnahmen auf Unternehmen unterschied-
§ 7 Abs. 2 Satz 2 UZwGBw wird redaktionell angepasst, so- licher Größen ergaben, dass Netzbetreiber, deren Telekom-
weit er auf den bisherigen § 110 StPO verweist. Einer Be- munikationsanlage nur wenig größer ist als der durch die
zugnahme auch auf den neuen Absatz 3 in § 110 StPO-E be- Verordnung festgelegte Grenzwert durchschnittlich nur etwa
darf es in der von § 7 UZwGBw erfassten Fallgestaltung alle elf Jahre mit der Umsetzung einer Überwachungsmaß-
nicht. nahme rechnen müssen. In Anbetracht dessen ist die Ver-
pflichtung, hierfür Vorkehrungen zu treffen, als nicht mehr
Zu Artikel 13 (Änderung der Telekommunikations- verhältnismäßig zu werten. Ein vertretbarer Wert wird er-
Überwachungsverordnung) reicht, wenn man die Pflichtgrenze von derzeit 1 000 auf
künftig 10 000 Teilnehmer oder sonstige Nutzungsberech-
Zu Nummer 1 (§ 1 TKÜV) tigte anhebt.
Zu den Buchstaben a und c (Nummer 8) Über die auf Erfahrungswerten der herkömmlichen Sprach-
telefonie beruhenden Erkenntnisse hinaus hat die Bundes-
Die auf die Erstellung der Statistik nach § 110 Abs. 8 TKG netzagentur auch eine Studie hinsichtlich der Unternehmens-
bezogene Regelung in § 1 Nr. 8 TKÜV wird infolge der Auf- größen von E-Mail-Anbietern beauftragt, deren Ergebnisse
hebung des § 110 Abs. 8 TKG zum 1. Januar 2009 ebenfalls zumindest die gleiche Anhebung ratsam erscheinen lassen.
zu diesem Zeitpunkt aufgehoben. Entsprechende statistische Für den Bereich der Internet-Telefonie (VoIP) liegen zwar
Erhebungen werden künftig nach Maßgabe von § 100b bislang keine Erfahrungswerte vor, es ist aber kein Grund zu
Drucksache 16/5846 – 78 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

erkennen, weshalb sich die Tendenz, dass kleine Netzbetrei- Zu Nummer 4 (§ 7 Abs. 1 TKÜV)
ber oder Diensteanbieter nur sehr selten für die Umsetzung
§ 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 7 TKÜV-E passt die Verpflichtung der
einer Überwachungsmaßnahme in Anspruch genommen
Diensteanbieter zur Mitteilung von Standortangaben im
werden, für diesen Bereich auffällig ändern sollte.
Zuge einer Telekommunikationsüberwachungsmaßnahme
Sollte sich im Zuge der weiteren technischen Entwicklung an die aktuelle technische Entwicklung an. Die Angabe von
oder wegen erheblicher struktureller Veränderungen am Standortdaten war bis vor kurzem nur bei der Überwachung
Telekommunikationsmarkt – etwa aufgrund der zunehmen- von Mobiltelefonen von praktischer Bedeutung. Dies hat
den Verbreitung der Internet-Telefonie – erweisen, dass die sich mit der zunehmenden Verfügbarkeit weiterer nicht orts-
erhöhte Pflichtgrenze zu nicht mehr hinnehmbaren grund- gebundener nutzbarer Telekommunikationsdienste (z. B.
sätzlichen Problemen bei der Umsetzung von Überwa- VoIP) geändert. Hieraus ist das Bedürfnis erwachsen, die auf
chungsmaßnahmen führt, wird erforderlichenfalls über eine die Standortangabe gerichtete Vorschrift in Nummer 7 ent-
erneute Anpassung der Pflichtgrenze zu entscheiden sein. sprechend anzupassen.
Nicht zu besorgen sein dürfte jedoch, dass einzelne Tele-
kommunikationsunternehmen die Anhebung der Pflicht- Zu Nummer 5 (§ 11 TKÜV)
grenze gezielt dazu nutzen werden, den telekommunika-
tionsrechtlichen Verpflichtungen nach dem TKG und der Der in § 11 Satz 1 TKÜV-E eingefügte Verweis auf die Vor-
TKÜV durch eine Unternehmensaufspaltung in kleinere, schrift des § 12 Abs. 2 Satz 1 TKÜV(-E) ermächtigt die
rechtlich selbständige Einheiten zu entgehen, da § 3 Abs. 2 Bundesnetzagentur, die technischen Einzelheiten des elek-
TKÜV nicht an die Unternehmensgröße als solche, sondern tronischen Übermittlungsverfahrens in der Technischen
an die Größe der genutzten Telekommunikationsanlage an- Richtlinie nach § 110 Abs. 3 TKG festzulegen.
knüpft. Erforderlichenfalls wäre jedoch auch hierauf durch
erneute Anpassungen in § 3 TKÜV zu reagieren, um einen Zu Nummer 6 (§ 12 Abs. 2 TKÜV)
effektiven Einsatz von Telekommunikationsüberwachungs-
maßnahmen auch künftig sicherzustellen. Die Änderung beseitigt die bisherige missverständliche For-
mulierung, nach der unklar ist, ob auch im Falle der Über-
Zu Buchstabe b (Satz 3) mittlung einer Anordnung auf gesichertem elektronischem
Weg eine anschließende Übermittlung eines Originals der
Der neue § 3 Abs. 2 Satz 3 TKÜV-E greift die durch das Ge- Anordnung zu erfolgen hat. Die geänderte Fassung, nach der
setz zur Änderung telekommunikationsrechtlicher Vor- das Wort „vorab“ sich nur noch auf die Übermittlung per Te-
schriften vom 18. Februar 2007 eingefügte Regelung des lefax bezieht, stellt klar, dass im Falle einer nicht per Telefax
§ 110 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a TKG auf und nimmt – als Rück- erfolgenden Übermittlung der Anordnung auf gesichertem
ausnahme zu der Ausnahmevorschrift in Satz 1 – die nach elektronischem Wege eine anschließende Übermittlung des
§ 110 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a TKG verpflichteten Anlagenbe- Originals der Anordnung oder einer beglaubigten Abschrift
treiber und Diensteanbieter von der durch § 3 Abs. 2 Satz 1 der Anordnung nicht erforderlich ist.
Nr. 1 und 2 TKÜV geregelten Befreiung von der Pflicht,
Vorkehrungen für die Umsetzung von Überwachungsmaß-
Zu Nummer 7 (§ 19 Abs. 3 TKÜV)
nahmen zu treffen, aus. Die Regelung des § 110 Abs. 1
Satz 1 Nr. 1a TKG betrifft Fallgestaltungen, bei denen das Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Aufhebung von
Erbringen des Telekommunikationsdienstes derart zwischen § 21 TKÜV (vgl. die dortige Begründung).
verschiedenen Diensteanbietern oder Netzbetreibern aufge-
teilt ist, dass die einzelnen an der Erbringung der Telekom- Zu Nummer 8 (§ 21 TKÜV)
munikation Beteiligten nur noch bestimmte Teilfunktionen
wahrnehmen und kein Beteiligter mehr einen vollständigen Die bisherige Regelung, wonach die Bundesnetzagentur für
Überblick über oder Zugriff auf alle den jeweiligen Tele- Betreiber von Telekommunikationsanlagen, an die nicht
kommunikationsvorgang betreffende technische Vorgänge mehr als 10 000 Teilnehmer oder sonstige Nutzungsberech-
hat. Diese „Arbeitsteilung“ wird insbesondere durch neue tigte angeschlossen sind, unter bestimmten Voraussetzungen
Technologien ermöglicht, bei denen die zur Steuerung der Abweichungen von den Vorschriften der TKÜV dulden soll-
Telekommunikation erforderlichen Signale und die den te, ist aufgrund der Anhebung der Pflichtgrenze in § 3 Abs. 2
Kommunikationsinhalt repräsentierenden Signale über von- Satz 1 Nr. 5 TKÜV-E auf 10 000 Teilnehmer oder sonstige
einander getrennte Telekommunikationsanlagen übermittelt Nutzungsberechtigte entbehrlich und daher aufzuheben. Ei-
werden, wie dies etwa bei der so genannten VoIP-Telefonie ne Beibehaltung dieser Ausnahmevorschrift und Anhebung
der Fall ist. In einer solchen Fallgestaltung ist eine Überwa- der bisher bestimmten Grenze ist nicht geboten.
chung der Telekommunikation nur durch das Zusammenwir-
ken der einzelnen an der Erbringung der Telekommunikation Zu Nummer 9 (§ 22 TKÜV)
Beteiligten möglich. Der neu eingefügte § 3 Abs. 2 Satz 3
TKÜV-E ist erforderlich, um zu verhindern, dass die Neu- Wegen der Aufhebung des § 21 TKÜV stellt § 22 TKÜV die
regelung des § 110 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1a TKG unter Berufung einzige Regelung zu Abweichungen in Abschnitt 5 dar; die
auf die Ausnahmevorschrift des § 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 oder Überschrift ist daher entsprechend anzupassen.
Nr. 2 TKÜV leerläuft.
Zu Nummer 10 (§ 25 TKÜV und Anlage zu § 25 TKÜV)
Zu Nummer 3 (§ 4 Abs. 2 TKÜV) Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Aufhebung der
Es handelt sich um eine redaktionelle Folgeänderung zur Statistikpflichten nach § 110 Abs. 8 TKG zum 1. Januar
Aufhebung von § 21 TKÜV (vgl. die dortige Begründung). 2009.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 79 – Drucksache 16/5846

Zu Nummer 11 (§ 27 Abs. 8 TKÜV) Änderung der Strafprozessordnung vom 20. Dezember 2001
Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Aufhebung von aufgehoben. Damit wird sichergestellt, dass die durch das
§ 21 TKÜV. Der nur noch für § 27 TKÜV weiterhin bedeut- vorliegende Gesetz neu gefassten §§ 100g, 100h StPO nicht
same Regelungsgehalt des § 21 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 TKÜV zum 1. Januar 2008 außer Kraft treten.
ist ausdrücklich in § 27 Abs. 8 Satz 1 TKÜV-E aufzuneh-
men. Zu Artikel 15 (Zitiergebot)
Mit der Vorschrift wird dem Zitiergebot des Artikels 19
Zu Artikel 14 (Änderung des Gesetzes zur Änderung
Abs. 1 Satz 2 GG entsprochen.
der Strafprozessordnung vom
20. Dezember 2001)
Zu Artikel 16 (Inkrafttreten)
Durch die Vorschrift wird die Befristung der Geltungsdauer
der §§ 100g, 100h StPO durch Artikel 2 des Gesetzes zur Die Vorschrift regelt das Inkrafttreten.
Drucksache 16/5846 – 80 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Anlage 2

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat hat in seiner 834. Sitzung am 8. Juni 2007 be- hinaus wird in die Strafprozessordnung nunmehr der Be-
schlossen, zu dem Gesetzentwurf gemäß Artikel 76 Abs. 2 griff einer Einleitung des Strafverfahrens eingeführt, ob-
des Grundgesetzes wie folgt Stellung zu nehmen: gleich – worauf die Begründung des Entwurfs zutreffend
hinweist – die förmliche Einleitung eines Ermittlungsver-
1. Zu Artikel 1 Nr. 1 (§ 53b Abs. 4 Satz 1 StPO) fahrens nach der Strafprozessordnung gar nicht vorgese-
Nr. 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb hen ist. Es sollte deswegen insoweit bei der bisher gelten-
(§ 97 Abs. 2 Satz 3 StPO) den Formulierung bleiben.
Artikel 1 ist wie folgt zu ändern:
2. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 2 Nr. 7a – neu – StPO)
a) Nummer 1 § 53b Abs. 4 Satz 1 ist wie folgt zu fassen:
In Artikel 1 Nr. 7 § 100a Abs. 2 ist nach Nummer 7 fol-
„Die Absätze 1 bis 3 sind nicht anzuwenden, soweit gende Nummer 7a einzufügen:
die zur Verweigerung des Zeugnisses Berechtigten
der Teilnahme an der Tat, der Begünstigung, der „7a. aus dem Grundstoffüberwachungsgesetz:
Strafvereitelung, der Hehlerei oder der Geldwäsche Straftaten nach § 29 Abs. 1 unter den in § 29 Abs. 3
verdächtig sind.“ Satz 2 genannten Voraussetzungen,“.
b) Nummer 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb § 97 Begründung
Abs. 2 Satz 3 ist wie folgt zu fassen:
Im Bereich der Bekämpfung der Betäubungsmittelkrimi-
„Die Beschränkungen der Beschlagnahme gelten nalität spielt die Strafbarkeit nach § 29 GÜG in der Praxis
nicht, wenn die zur Verweigerung des Zeugnisses Be- mittlerweile eine bedeutende Rolle. Wie bei sonstiger Be-
rechtigten der Teilnahme an der Tat, der Begünsti- täubungsmittelkriminalität handelt es sich vielfach um
gung, der Strafvereitelung, der Hehlerei oder der Taten im Bereich der organisierten Kriminalität. Die Tä-
Geldwäsche verdächtig sind oder wenn es sich um ter sind hierbei hoch organisiert und wirken arbeitsteilig
Gegenstände handelt, die durch eine Straftat hervor- zusammen. Gerade hier sind eine Aufdeckung der krimi-
gebracht oder zur Begehung einer Straftat gebraucht nellen Strukturen sowie der Tatnachweis häufig nur
oder bestimmt sind oder die aus einer Straftat herrüh- durch die Überwachung der Telekommunikation mög-
ren.“ lich. Wie bei den Delikten aus dem Betäubungsmittelge-
Begründung setz erfolgt eine Beschränkung auf besonders schwere
Fälle.
Die Geldwäsche stellt mit ihrer Bezugnahme auf Vermö-
genswerte, die aus bestimmten Vortaten herrühren, eine
3. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 2 Nr. 8a – neu – StPO)
der Begünstigung, Strafvereitelung oder Hehlerei ver-
gleichbare Form der Verstrickung in die aufzuklärende In Artikel 1 Nr. 7 § 100a Abs. 2 ist nach Nummer 8 fol-
Straftat dar. Es ist deswegen gerechtfertigt, sie dement- gende Nummer 8a einzufügen:
sprechend in die Verstrickungsregelungen des § 53b
„8a. aus dem Vereinsgesetz:
Abs. 4 und des § 97 Abs. 2 StPO-E einzubeziehen.
Straftaten nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 bis 4,“.
Nicht ersichtlich ist, weswegen in dem Gesetzentwurf
nunmehr abweichend vom bisherigen Recht zur Voraus- Begründung
setzung der Verstrickungsregelung gemacht werden soll,
Ziel des Gesetzentwurfs ist eine Beschränkung der Kata-
dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet ist. Das Argu-
logtaten für die Anordnung von Telekommunikations-
ment in der Begründung des Entwurfs, nach dem durch
überwachungsmaßnahmen auf die Kategorie schwerer
die Formulierung die Ermittlungsbehörden für die ge-
Straftaten. Dazu zählt der Entwurf die Straftaten, die eine
schützten Belange der betroffenen Berufsgeheimnisträ-
Mindesthöchststrafe von fünf Jahren aufweisen, aber
ger „zu sensibilisieren und eine Umgehung der Schutzre-
auch solche mit einer geringeren Mindesthöchststrafe,
gelungen allein auf Grund bloßer Vermutungen auszu-
wenn im Einzelfall dem geschützten Rechtsgut beson-
schließen“ sei, überzeugt nicht. Auch nach geltendem
dere Bedeutung zukommt oder ein besonderes öffent-
Recht, das Bezug auf den Verdacht einer Verstrickung
liches Interesse an einer Strafverfolgung besteht. Ausge-
nimmt, muss ein auf bestimmten Tatsachen beruhender
schlossen werden soll die Telekommunikationsüberwa-
Verdacht vorliegen, um die Beschlagnahmebeschränkun-
chung aber für die Fälle, in denen die Bedeutung des zu
gen entfallen zu lassen (vgl. KK-Nack, 5. Auflage, § 97
schützenden Rechtsguts und das öffentliche Interesse an
Rn. 35). Bloße Vermutungen reichen nicht aus
der Strafverfolgung nicht so gewichtig erscheinen, dass
(vgl. Meyer-Goßner, StPO, 49. Auflage, § 97 Rn. 20
der von der Maßnahme zu erwartende Nutzen die mit ihr
m. w. N.). Für eine Umgehung der Beschlagnahmebe-
verbundenen Beeinträchtigungen überwiegen würde.
schränkungen durch Ermittlungsbehörden gibt es keinen
Anhaltspunkt. Es ist daher insoweit kein Bedarf für eine Nach der Entwurfsbegründung liegen diese Vorausset-
Änderung des Strafverfahrensrechts ersichtlich. Darüber zungen bei § 20 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 VereinsG nicht vor.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 81 – Drucksache 16/5846

Gerade extremistische Gruppierungen verstoßen regel- Die Umsetzung der Vorschrift würde eine Neukonzeption
mäßig gegen Verbote im Sinne dieser Vorschrift. Bis in der kompletten Archivierungsmechanismen – sowohl
die jüngste Vergangenheit konnten auf Grundlage dieser Software als auch Hardware – in sämtlichen TKÜ-Anla-
Vorschrift insbesondere Straftaten rechtsextremer Grup- gen erforderlich machen. Diese Neukonzeption der
pierungen aufgeklärt und der Tatnachweis geführt wer- Archivierung bedeutet für die Lieferanten der TKÜ-
den. Aus derartigen Ermittlungsmaßnahmen ergaben sich Technik, aber auch für die polizeilichen Bedarfsträger ei-
auch regelmäßig Ansatzpunkte für Ermittlungen wegen nen hohen finanziellen sowie zeitlichen Aufwand, um die
weiterer Straftaten der Mitglieder dieser Gruppierungen. Anforderungen in die Systeme zu implementieren. Das
Die effektive Bekämpfung demokratiefeindlicher Bestre- Problem bedarf der Klärung im weiteren Verlauf des
bungen dient der öffentlichen Sicherheit und staatlichen Gesetzgebungsverfahrens. Es muss in jedem Fall sicher-
Ordnung und betrifft daher bereits besonders bedeutsame gestellt werden, dass das Inkrafttreten der Gesetzes-
Rechtsgüter. novelle nicht zu einer faktischen Nichtanwendbarkeit der
TKÜ-Befugnisse führt.
Trotz der angedrohten Höchststrafe von nur einem Jahr
sind damit die Voraussetzungen für eine schwere Straftat Hinsichtlich der Löschung von kernbereichsrelevanten
im Sinne der Entwurfsbegründung erfüllt. Daten im Zusammenhang mit der „Internetüber-
wachung“ wird ferner darauf hingewiesen, dass inner-
4. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 3 Satz 2 – neu – StPO) halb einer Internetsitzung, die eine Dauer von bis zu
24 Stunden aufweisen kann, mehrere Dienste (VoIP,
Dem Artikel 1 Nr. 7 § 100a Abs. 3 ist folgender
E-Mail, Chat und „normales Surfen“) aufgerufen werden
Satz anzufügen:
können. Wird hier z. B. der Dienst VoIP (Internettele-
„Die Maßnahme darf auch durchgeführt werden, wenn fonie) verwendet, kann ein einzelnes Gespräch aus dem
andere Personen unvermeidbar betroffen werden.“ kompletten Datenstrom nicht explizit gelöscht werden.
Begründung Um Gespräche mit kernbereichsrelevanten Informatio-
nen zu löschen, müsste die komplette Internetsitzung mit
Kennzeichnend für die Telekommunikationsüberwa- allen darin enthaltenen Daten (VoIP, E-Mail, Chat und
chung ist, dass die Erhebung nicht allein auf Daten der „normales Surfen“) gelöscht werden, wodurch gege-
Zielperson, also die Person, gegen die die Maßnahme benenfalls auch ermittlungsrelevante Informationen ver-
nach § 100a Abs. 3 StPO-E gerichtet werden darf loren gingen. Die Bundesregierung wird gebeten, zu
(Beschuldigter, Nachrichtenmittler, Anschlussinhaber), dieser Problematik Stellung zu nehmen.
beschränkt werden kann, denn Erkenntnisse aus der
Überwachungsmaßnahme sollen ja gerade aus der Kom- 6. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 1 Satz 4 und 5 StPO)
munikation der Zielperson mit anderen Personen gewon-
nen werden. In Artikel 1 Nr. 7 § 100b Abs. 1 Satz 4 und 5 ist jeweils
das Wort „zwei“ durch das Wort „drei“ zu ersetzen.
Die im Zeitpunkt der Überwachungsanordnung in aller
Regel unbekannten Kommunikationspartner der Zielper- Begründung
sonen sind in der datenschutzrechtlichen Terminologie Die Begründung des Gesetzentwurfs zur Notwendigkeit
als unvermeidbar betroffene Dritte einzustufen. der Verkürzung der Dauer der Anordnung von Maßnah-
Auch die Kommunikationspartner der Zielpersonen un- men nach § 100a StPO-E und deren Verlängerung von
terfallen dem Schutzbereich des Artikels 10 GG. Die drei auf zwei Monate entgegen der bewährten Praxis ver-
Telekommunikationsüberwachung stellt daher auch mag nicht zu überzeugen.
ihnen gegenüber einen Eingriff in das Fernmeldegeheim- So wird einerseits ausgeführt, dass rechtstatsächliche
nis dar. Dass der Eingriff ihnen gegenüber nicht gezielt Untersuchungen ergeben hätten, dass etwa drei Viertel
erfolgt, verringert lediglich die Intensität des Eingriffs. der Telekommunikationsüberwachungsmaßnahmen über
Vor diesem Hintergrund bedarf auch der Eingriff gegen- einen Zeitraum von bis zu zwei Monaten geführt und nur
über den Kommunikationspartner der Zielpersonen einer etwa 9 Prozent der Anschlüsse tatsächlich über die Dauer
ausdrücklichen gesetzlichen Grundlage. Eine vergleich- von drei Monaten überwacht werden. Daraus ergebe sich,
bare Regelung sieht § 100c Abs. 3 Satz 3 StPO vor. dass für den Großteil der Maßnahmen eine Anordnungs-
dauer von maximal zwei Monaten ausreichend erscheine.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Kommunikations-
Andererseits solle durch die Verkürzung der Verlänge-
partner einer eindeutigen datenschutzrechtlichen Katego-
rungsfrist eine jeweils zeitnahe gerichtliche Kontrolle der
rie zuzuordnen, um hierauf bei den verfahrensrechtlichen
Telekommunikationsüberwachungsmaßnahme im Sinne
Vorkehrungen, wie z. B. der Unterrichtungspflicht nach
eines möglichst effektiven Grundrechtsschutzes der von
§ 101 StPO-E, Bezug nehmen zu können.
der Maßnahme betroffenen Personen gewährleistet wer-
den.
5. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 4 StPO)
Eine inhaltliche Verbesserung des Grundrechtsschutzes
Die Regelungen zur Telekommunikationsüberwachung
ist aber allein durch die Verkürzung der Kontrollfrist
sehen vor, dass Aufzeichnungen aus dem Kernbereich
nicht zu erwarten. Auch beträfe diese Verkürzung der
der privaten Lebensgestaltung unverzüglich zu löschen
Kontrollfrist nur einen geringen Teil der Maßnahmen, da
sind.
nach den angeführten rechtstatsächlichen Erkenntnissen
Die bundesweit eingesetzte TKÜ-Technik lässt derzeit ein Großteil der Maßnahmen bereits nach zwei Monaten
keine Löschung einzelner Aufzeichnungspassagen zu. beendet ist.
Drucksache 16/5846 – 82 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Es ist nicht davon auszugehen, dass es durch die Verkür- setzentwurfs ein Misstrauen gegenüber den regelmäßig
zung der Fristen zu einer Verkürzung der Dauer der zur Entscheidung berufenen Ermittlungsrichtern spricht,
durchzuführenden Telekommunikationsüberwachungs- ist ein solches unangebracht. Deren Spezialisierung im
maßnahmen kommen wird. Vielmehr führt die Neurege- Bereich der Anordnung verdeckter Ermittlungsmaßnah-
lung – wie in der Begründung zu dem Gesetzentwurf zu men soll durch die in § 162 Abs. 1 StPO-E vorgesehene
Recht festgestellt wird – zu einem Anstieg der Anzahl der Kompetenzbündelung gerade für die Anordnung von
Verlängerungsanordnungen und damit auch der Gesamt- solchen Maßnahmen mit technischem Hintergrund zur
zahl der jährlichen Überwachungsanordnungen. Verbesserung des Rechtsschutzes Betroffener gefördert
werden.
Diese unnötige Belastung der Gerichte und Staatsanwalt-
schaften mit erheblichem bürokratischen Mehraufwand
und die dadurch verursachten Mehrkosten stehen daher 8. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§100b Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StPO)
insgesamt in keinem Verhältnis zu dem Gewinn an Kon-
trolldichte, so dass an der bisher geltenden Dauer von In Artikel 1 Nr. 7 § 100b Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 sind die
drei Monaten bezüglich der Anordnung und der Verlän- Wörter „wenn diese allein dem zu überwachenden End-
gerung von Maßnahmen nach § 100a StPO-E festzuhal- gerät zuzuordnen ist“ durch die Wörter „sofern sich nicht
ten ist. aus bestimmten Tatsachen ergibt, dass diese zugleich
auch einem anderen Endgerät zugeordnet ist“ zu erset-
Im Übrigen entspricht dies auch der Gegenäußerung der zen.
Bundesregierung zu der Stellungnahme des Bundesrates
zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Zollfahn- Begründung
dungsdienstgesetzes und anderer Gesetze vom 18. April
2007 (Bundestagsdrucksache 16/4663 und 16/5053). In Die Möglichkeit der Angabe einer Kennung des zu über-
dieser stimmte die Bundesregierung bei der Erhebung wachenden Endgerätes steht unter der Einschränkung,
von Verkehrsdaten einer Verlängerung der Fristen in dass die anzugebende Endgerätekennung auch allein dem
§ 23g Abs. 4 Satz 4 und 5 ZFdG bei der Anordnung und zu überwachenden Endgerät zugeordnet ist.
Verlängerung von Telekommunikationsüberwachungs-
maßnahmen auf jeweils drei Monate (anstelle der vorge- Die Formulierung des Gesetzentwurfs, der die Überwa-
sehenen zwei Monate bzw. eines Monats) zu (vgl. Bun- chung auf Grund der Kennung des Endgerätes, sofern
destagsdrucksache 16/5053, S. 3). Die Zustimmung diese allein dem zu überwachenden Endgerät zuzuordnen
erfolgte vor dem Hintergrund einer einheitlichen Rege- ist, vorsieht, führt allerdings in Fällen, in denen die
lung im Verhältnis der einzelnen Telekommunikations- (hypothetische) Möglichkeit der mehrfachen Zuordnung
maßnahmen innerhalb des Zollfahndungsdienstgesetzes der Gerätekennung nicht ausgeschlossen werden kann,
zueinander (gleichlautende Fristen). ohne dass hierfür konkrete Anhaltspunkte bestehen, zu
Rechtsunsicherheit. Der in der Entwurfsbegründung vor-
Auf Grund eines harmonischen Gesamtkonzeptes sollte geschlagene Weg, die Voraussetzung der eindeutigen
es daher auch keine Abweichung zwischen den Regelun- Zuordnung werde in der Praxis dadurch sicherzustellen
gen des Zollfahndungsdienstgesetzes und der Strafpro- sein, dass die zur Mitwirkung und Auskunftserteilung
zessordnung geben, so dass es bei der bisher geltenden verpflichteten Telekommunikationsdienstleister vor der
Dauer von drei Monaten bezüglich der Anordnung und Schaltung der Überwachungsmaßnahme überprüfen, ob
der Verlängerung von Maßnahmen nach § 100a StPO-E die betreffende Gerätekennung mehrfach in das Netz
verbleiben sollte. eingebucht ist, ist nicht geeignet, Zweifel an der Eindeu-
tigkeit der Kennung zum Zeitpunkt der richterlichen Ent-
7. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 1 Satz 6 StPO) scheidung auszuräumen. Dies hätte zur Folge, dass eine
entsprechende Anordnung nicht erlassen werden könnte.
Artikel 1 Nr. 7 § 100b Abs. 1 Satz 6 ist zu streichen.
Begründung Die vorgeschlagene Fassung trägt diesen Bedenken
Rechnung. Dass die zu überwachende Endgerätekennung
Die Bestimmung einer Zuständigkeit des im Rechtszug nicht zugleich auch einem anderen Endgerät zugeordnet
übergeordneten Gerichts für die Verlängerung von An- ist, wird in der Praxis durch eine Anfrage der Ermitt-
ordnungen zur Telekommunikationsüberwachung (und lungsbehörden nach § 161 StPO und § 113 TKG bei den
von Maßnahmen hinsichtlich derer auf § 100b Abs. 1 nach § 100b Abs. 3 StPO-E zur Mitwirkung und Aus-
Satz 6 StPO-E verwiesen wird) über sechs Monate hinaus kunftserteilung verpflichteten Telekommunikations-
ist abzulehnen. Die Kompetenzverlagerung würde zu dienstleistern vor Beantragung eines richterlichen Über-
einer sachlich nicht gerechtfertigten Mehrbelastung der wachungsbeschlusses zu klären sein. Sollten die ange-
Gerichte führen. Bislang nicht mit dem Verfahrensstoff sprochenen Telekommunikationsdienstleister lediglich
befasst gewesene Richter müssten sich mit hohem Auf- nicht ausschließen können, dass die Kennung mehrfach
wand und Zeitverlust in einen nach sechsmonatigen Er- vergeben ist, steht diese hypothetische Möglichkeit einer
mittlungen zwangläufig äußerst komplexen Sachverhalt „IMEI-gestützten“ Überwachung nicht entgegen. Hinge-
und umfangreiche Akten einarbeiten. Es ist nicht ersicht- gen ist eine solche nicht zulässig, wenn gesicherte Er-
lich, dass dies durch eine unzureichende Kontrolle durch kenntnisse – wie etwa die mehrfache Einbuchung der Ge-
das zunächst für die Anordnung und Verlängerung der rätekennung in das Mobilfunknetz – bestehen, dass die
Überwachungsmaßnahme zuständige Gericht gerechtfer- betreffende Endgerätekennung nicht allein dem zu über-
tigt wäre. Soweit aus dem Regelungsvorschlag des Ge- wachenden Endgerät zugeordnet ist.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 83 – Drucksache 16/5846

9. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 3 Satz 1 StPO) „2. die Anzahl der Überwachungsanordnungen nach
§ 100a Abs. 1, unterschieden nach Erst- und Ver-
In Artikel 1 Nr. 7 § 100b Abs. 3 Satz 1 ist nach dem
längerungsanordnungen;“.
Wort „Auskünfte“ das Wort „unverzüglich“ einzufü-
gen. Begründung
Begründung Die im Gesetzentwurf geforderte Abgrenzung zwi-
schen Festnetz-, Mobilfunk- und Internettelekommu-
Die Erfahrungen in der Praxis zeigen, dass es bei der nikation führt zu Problemen, § 100b Abs. 6 Nr. 2
Beantwortung von Auskunftsersuchen auf Grund unzu- Buchstabe b StPO-E ist daher zu streichen. Die über-
reichender Mitwirkung der Verpflichteten immer wie- wachten Anschlüsse werden nicht ausschließlich für
der zu nicht unerheblichen Zeitverzögerungen kommt. eine Kommunikationsform verwendet. So eignen sich
Die Regelung stellt daher klar, dass den zuständigen ISDN-Anschlüsse zur Festnetztelefonie und als Inter-
Behörden unverzüglich durch die Verpflichteten Aus- netzugang. Gleiches gilt für Mobilfunkgeräte, welche
kunft zu erteilen ist. im Mobilfunknetz, als GPRS/UMTS-Gerät und im
W-LAN genutzt werden können. Eine klare Diffe-
10. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 4 Satz 2 StPO) renzierung, wie in § 100b Abs. 6 Nr. 2 Buchstabe b
StPO-E vorgesehen, ist daher nicht möglich.
Artikel 1 Nr. 7 § 100b Abs. 4 Satz 2 ist zu streichen.
§ 100b Abs. 6 Nr. 4 StPO-E ist entsprechend anzupas-
Begründung sen.
Die vorgesehene Verpflichtung der Staatsanwaltschaft,
nach Beendigung einer Telekommunikationsüber- 12. Zu Artikel 1 Nr. 11 (§ 100g Abs. 2 Satz 2 StPO)
wachung das anordnende Gericht über Verlauf und In Artikel 1 Nr. 11 § 100g Abs. 2 Satz 2 sind nach dem
Ergebnisse zu unterrichten, ist zu streichen, weil sie Wort „Sachverhalts“ die Wörter „oder die Ermittlung
verfassungsrechtlich nicht geboten und mit einem er- des Aufenthaltsortes des Beschuldigten“ einzufügen.
heblichen Mehraufwand verbunden ist.
Begründung
Der Ermittlungsrichter hat gemäß § 162 Abs. 3 StPO
(§ 162 Abs. 2 StPO-E) auf Antrag der Staatsanwalt- Die Funkzellenabfrage stellt ein wichtiges Instrument
schaft zur Anordnung bestimmter Ermittlungshandlun- der Strafverfolgung dar. Nach dem Wortlaut des Ge-
gen lediglich zu prüfen, ob die Handlung nach den Um- setzentwurfs ist diese Maßnahme allerdings nur zuläs-
ständen des Falles gesetzlich zulässig ist, also die sig, wenn die Erforschung des Sachverhalts andernfalls
Voraussetzungen der entsprechenden Ermittlungsmaß- aussichtslos oder wesentlich erschwert wäre. Fälle, in
nahme vorliegen; die begründete Erfolgsaussicht sieht denen der Sachverhalt bereits erforscht ist, jedoch der
das Gesetz als Zulässigkeitsvoraussetzung nicht vor. Aufenthaltsort des Beschuldigten ohne diese Maßnah-
Allenfalls kann in Fällen ersichtlich aussichtsloser me nicht oder nur unter wesentlichen Erschwernissen
Maßnahmen der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz der ermittelt werden kann, sind dagegen nicht erfasst.
Zulässigkeit der Maßnahme entgegenstehen; ansonsten Die unterschiedliche Behandlung ist nicht zweckmäßig,
steht es dem Ermittlungsrichter grundsätzlich gerade da Fallgestaltungen bekannt sind, in denen eine Funk-
nicht zu, die Zweckmäßigkeit und die Notwendigkeit zellenabfrage notwendig ist, um den Aufenthaltsort des
der beantragten Ermittlungsmaßnahme bei der Ent- Beschuldigten zu ermitteln, und andere Mittel nicht ge-
scheidung zu berücksichtigen. Da die Regelung in eignet sind. Das Ziel, den Aufenthaltsort festzustellen,
§ 100b Abs. 4 Satz 2 StPO-E zudem erst greifen soll, kann den Eingriff ebenfalls rechtfertigen. Die Voraus-
wenn die Maßnahme beendet ist, dient sie im Unter- setzungen sind bei beiden Maßnahmezielen im Übrigen
schied zu § 100d Abs. 4 Satz 1 StPO auch nicht dem identisch. Eine Ergänzung des § 100g Abs. 2 Satz 2
Zweck, das Gericht über den Verlauf der Maßnahme zu StPO-E ist daher geboten.
informieren, damit dieses den Abbruch der Maßnahme
anordnen kann, wenn die Voraussetzungen der Anord- 13. Zu Artikel 1 Nr. 11 (§ 100g Abs. 4 und 5 – neu – StPO)
nung nicht mehr vorliegen. Ausweislich der Begrün-
dung zum Gesetzentwurf ist allein eine Erfolgskontrol- Artikel 1 Nr. 11 § 100g ist wie folgt zu ändern:
le für das Gericht erstrebt, um die daraus resultierenden a) Absatz 4 ist wie folgt zu fassen:
Erfahrungen bei künftigen Entscheidungen berücksich-
tigen zu können (Bundesratsdrucksache 275/07, „(4) Die Länder und der Generalbundesanwalt
S. 106). Eine solche Kontrolle bereits abgeschlossener berichten dem Bundesamt für Justiz kalenderjähr-
Maßnahmen für zukünftige Zwecke ist aber von der lich jeweils bis zum 30. Juni des dem Berichtsjahr
Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht folgenden Jahres über in ihrem Zuständigkeits-
verlangt und in Anbetracht des mit dem Gesetzentwurf bereich nach dieser Vorschrift angeordnete Maß-
insgesamt für die justizielle Praxis verbundenen Mehr- nahmen. Das Bundesamt für Justiz erstellt eine
aufwands nicht zwingend erforderlich. Übersicht zu den im Berichtsjahr bundesweit ange-
ordneten Maßnahmen.“
11. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 6 Nr. 2 StPO) b) Folgender Absatz 5 ist anzufügen:
Artikel 1 Nr. 7 § 100b Abs. 6 Nr. 2 ist wie folgt zu fas- „(5) In den Berichten und der Übersicht nach
sen: Absatz 4 sind anzugeben:
Drucksache 16/5846 – 84 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

1. die Anzahl von Verfahren, in denen Maßnahmen Begründung


nach Absatz 1 durchgeführt worden sind;
Mit der Konzentrationsregelung in § 162 Abs. 1 Satz 1
2. die Anzahl der Anordnungen von Maßnahmen StPO-E wird die bisherige Regelung des Satzes 2,
nach Absatz 1; wonach die Staatsanwaltschaft, wenn sie richterliche
Anordnungen für die Vornahme von Untersuchungs-
3. die Anzahl der zurückliegenden Monate, für die handlungen in mehr als einem Bezirk für erforderlich
Verkehrsdaten nach Absatz 1 abgefragt wurden, hält, ihre Anträge bei dem Amtsgericht stellt, in dessen
bemessen ab dem Zeitpunkt der Anordnung; Bezirk sie ihren Sitz hat, zwar in einer Vielzahl von Ver-
fahrenskonstellationen entbehrlich. Allerdings besteht
4. die Anzahl der Maßnahmen, die ergebnislos ge-
nach wie vor in der Praxis, insbesondere in umfangrei-
blieben sind, weil die abgefragten Daten ganz
chen Ermittlungsverfahren, das Bedürfnis, Anträge auf
oder teilweise nicht verfügbar waren.“
Erlass eines Haftbefehls bei dem mit dem Verfahren auf
Begründung Grund anderweitiger Anträge bereits befassten Gericht
zu stellen, da dadurch das Verfahren beschleunigt und
Neue Berichtspflichten für den Bereich der Verkehrsda- abweichende Entscheidungen vermieden werden. Dies
tenerhebung belasten die Praxis erheblich. Sie sollten sieht der Gesetzentwurf nicht vor. Vielmehr wird in der
daher nicht, wie nach dem Gesetzentwurf vorgesehen, Begründung festgestellt, dass Sonderregelungen zur
über die Vorgaben der Richtlinie 2006/24/EG des Zuständigkeit wie z. B. § 125 StPO als speziellere Re-
Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März gelung vorgehen.
2006 über die Vorratsspeicherung von Daten, die bei
der Bereitstellung öffentlich zugänglicher elektroni- Die vorgeschlagene Einfügung des Satzes 1a trägt dem
scher Kommunikationsdienste oder öffentlicher Kom- Bedürfnis Rechnung, bei Kumulation mehrerer ermitt-
munikationsnetze erzeugt oder verarbeitet werden, hi- lungsrichterlicher Entscheidungen auch den Antrag auf
nausgehen. Nach Artikel 10 der Richtlinie muss aus der Erlass eines Haftbefehls bei diesem Gericht stellen zu
Statistik weder bei der Anzahl der Anordnungen eine können.
Unterscheidung nach Erst- und Verlängerungsanord-
nungen noch zwingend die Angabe der Anlassstraftaten 15. Zu Artikel 2 (Änderung des Telekommunikations-
hervorgehen. Der hier in Betracht kommende Spiegel- gesetzes)
strich lautet: „in welchen Fällen im Einklang mit dem Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetz-
innerstaatlichen Recht Daten an die zuständigen Behör- gebungsverfahrens sicherzustellen, dass eine Ex-Post-
den weitergegeben worden sind,“. Zur Erfüllung der Regulierung durch die Bundesnetzagentur im Sinne
Anforderungen dieses Spiegelstrichs ist die Angabe der einer nachträglichen Missbrauchsaufsicht (§ 42 TKG)
Anzahl der Anordnungen von Verkehrsdatenerhebun- und Entgeltregulierung (§ 38 TKG) auch ohne den
gen ausreichend. Abschluss eines förmlichen Marktanalyseverfahrens
Ein Zurückbleiben des Inhalts der Berichterstattung zur erfolgen kann.
Verkehrsdatenerhebung hinter dem schon unabhängig Begründung
von einer gesetzlichen Regelung bei der Inhaltsdatener-
hebung gelieferten ist folgerichtig. Die Erhebung von Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts
Verkehrsdaten ist zum einen ein wesentlich geringerer Köln, die die frühere Praxis der Bundesnetzagentur im
Grundrechtseingriff als die Erhebung von Inhaltsdaten Bereich der Ex-Post-Regulierung untersagt hat, sofern
und zum anderen ein wesentlich häufiger angewandtes die Verfahren der Marktdefinition und Marktanalyse
Ermittlungsinstrument. Die zusätzliche Belastung für nicht förmlich abgeschlossen sind, ist eine Regelungs-
die ohnehin am Rande ihrer Belastbarkeit arbeitenden lücke auf allen Märkten entstanden, für die diese Vor-
Staatsanwaltschaften durch eine detaillierte statistische aussetzungen nicht erfüllt sind. Es ist den derzeitigen
Erhebung wäre entsprechend größer. Eine weitere Be- Marktverhältnissen in wichtigen Marktbereichen nicht
lastung wird auch nicht dadurch gerechtfertigt, dass angemessen, dass die Bundesnetzagentur hier keine
Grundlagen für rechtstatsächliche Untersuchungen ge- ausreichende Eingriffsbefugnis hat und damit lediglich
schaffen werden. Dies widerspräche auch der allseits die allgemeine kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht
bekundeten Absicht, die Justiz zu entlasten und auf ihre durch das Bundeskartellamt möglich ist. Es sollte daher
Kernaufgaben zu beschränken. eingehend geprüft werden, wie diese rechtssystema-
tische und ursprünglich vom Gesetzgeber nicht gewoll-
Eine gesetzliche Regelung einer Veröffentlichung im te Regelungslücke geschlossen werden kann.
Internet ist nicht erforderlich.
Der Bundesrat hatte bereits in seiner Stellungnahme
zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung telekommu-
14. Zu Artikel 1 Nr. 15 (§ 162 Abs. 1 Satz 1a – neu – StPO) nikationsrechtlicher Vorschriften am 7. Juli 2006 aus-
In Artikel 1 Nr. 15 § 162 Abs. 1 ist nach Satz 1 folgen- geführt, dass eine effiziente Ausgestaltung der nach-
der Satz einzufügen: träglichen Entgeltregulierung und der besonderen
Missbrauchsaufsicht (§§ 38 und 42 TKG) dringend
„Hält sie daneben den Erlass eines Haftbefehls für er- notwendig ist – vgl. Bundesratsdrucksache 359/06 (Be-
forderlich, so kann sie, unbeschadet des § 125, auch schluss) –; diese Auffassung hat er im so genannten
diesen Antrag bei dem in Satz 1 bezeichneten Gericht Zweiten Durchgang zu diesem Gesetz in Form einer
stellen.“ Entschließung bekräftigt (vgl. Bundesratsdrucksache
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 85 – Drucksache 16/5846

886/06 (Beschluss) vom 15. Dezember 2006). Die der Verlängerung eines Vertrages über einen Mobil-
Existenz dieser Problematik ist zwischenzeitlich von funkanschluss. Aus Gründen der Rechtsklarheit ist die
keiner Seite angezweifelt worden, sodass der Gesetz- Speicherpflicht deshalb ausdrücklich hierauf zu bezie-
entwurf die Gelegenheit bieten sollte, die oben genann- hen. Gleichzeitig ist sicherzustellen, dass aus § 111
te Regelungslücke zu schließen. Abs. 1 TKG-E keine Pflicht zur Aktualisierung der
Bestandsdaten anhand erhobener Verkehrsdaten herleit-
16. Zu Artikel 2 Nr. 3 Buchstabe b (§ 110 Abs. 2 Nr. 1 bar ist. Die unterschiedlichen Speicherpflichten dürfen
Buchstabe a TKG) nicht verknüpft werden.
Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, die
TKÜV dahin gehend zu überarbeiten, dass für die An- 18. Zu Artikel 2 Nr. 5a – neu – (§ 113 Abs. 1 Satz 1a
lieferung der Verkehrsdaten durch die Diensteanbieter – neu – bis 1c – neu –
ein einheitliches Dateiformat und eine einheitliche TKG)
Schnittstelle sowie die Erreichbarkeit der Verpflichte- In Artikel 2 ist nach Nummer 5 folgende Nummer 5a
ten auch außerhalb der Büroarbeitszeiten geregelt wird. einzufügen:
Durch Artikel 2 Nr. 3 Buchstabe b wird die Verord- ,5a. In § 113 Abs. 1 werden nach Satz 1 folgende
nungsermächtigung in § 110 Abs. 2 TKG dahin gehend Sätze eingefügt:
erweitert, dass auch Regelungen zur Erteilung von Aus-
„Satz 1 gilt auch für Auskünfte über Name und
künften, insbesondere im Zusammenhang mit der Erhe-
Anschrift eines Nutzers, wenn sich das Aus-
bung von Verkehrsdaten, geschaffen werden können.
kunftsersuchen auf einen mittels dynamischer
Aus der Ermittlungspraxis berichtete Probleme zeigen IP-Adresse und Uhrzeit eindeutig individualisier-
die Notwendigkeit auf, auch für den Bereich der ten Nutzer bezieht. Das Auskunftsersuchen kann
Auskunftserteilung grundlegende technische und orga- auch unter Verwendung unvollständiger Anfrage-
nisatorische Anforderungen festzulegen. Mangels kon- daten erfolgen. Die um Auskunft ersuchende Stel-
kreter verordnungsrechtlicher Vorgaben können die le hat unverzüglich zu prüfen, inwieweit sie die
Diensteanbieter derzeit die ersuchten Verkehrsdaten in auf Grund unvollständiger Anfragedaten übermit-
unterschiedlicher Form und unterschiedlichen Forma- telten Daten benötigt; nicht benötigte Daten sind
ten, z. B. als Listenausdrucke, Excel-Tabellen auf Dis- unverzüglich zu löschen.“‘
ketten, Tabellen im txt-Format, zur Verfügung stellen.
Begründung
Der Aufwand für die Aufbereitung und Auswertung der
in der Regel erheblichen Datenmengen in ungeordneter In der Entwurfsbegründung (vgl. Bundesratsdruck-
Form und in nicht kompatiblen Datenformaten stellt die sache 275/07, S. 53 f.) wird zutreffend auf Unsicherhei-
Sachbearbeiter vor nahezu unlösbare Aufgaben. So ten in der Praxis bei der Frage, ob die Auskunft über
waren z. B. in einem Ermittlungsverfahren zur Aufklä- den Inhaber einer dynamischen IP-Adresse auf ein Aus-
rung von Tötungsdelikten mehrere Millionen Daten zu kunftsersuchen nach den §§ 161,163 StPO i. V. m.
verarbeiten und auszuwerten. Eine Überarbeitung der § 113 TKG gestützt werden kann oder nur nach Maß-
TKÜV ist daher erforderlich. gabe der §§ 100g und 100h StPO-E zu erlangen ist.
Zwar entspricht es der inzwischen herrschenden Mei-
17. Zu Artikel 2 Nr. 4 Buchstabe a (§ 111 Abs. 1 Satz 1 nung, dass sich die Auskunft darüber, wer hinter einer
Nr. 5 und 6, Satz 4 dynamischen IP-Adresse steht, nach den §§ 161 und
TKG) 163 StPO i. V. m. § 113 TKG und nicht nach den
a) Artikel 2 Nr. 4 Buchstabe a § 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 §§ 100g und 100h StPO beurteilt. Gerichtliche Ent-
und 6 ist wie folgt zu fassen: scheidung liegen bislang aber nur auf Ebene der Land-
gerichte vor. In der Entwurfsbegründung wird ferner
„5. in Fällen, in denen im Zusammenhang mit dem ausdrücklich auf die abweichende Auffassung des
Abschluss oder der Verlängerung eines Vertrages Landgerichts Bonn (vgl. DuD 2005, 832 ff.) und gegen-
über einen Mobilfunkanschluss ein Mobilfunk- teilige Literaturauffassungen hingewiesen.
endgerät überlassen wird, die Gerätenummer die-
ses Gerätes sowie In der Praxis bereitet die Durchsetzung entsprechender
Auskunftsersuchen nach wie vor Schwierigkeiten, da
„6. das Datum des Vertragsbeginns oder einer Ver- nicht wenige Diensteanbieter eine Auskunftserteilung
tragsverlängerung“. nach den §§ 161 und 163 StPO i. V. m. § 113 TKG
b) Die Pflicht nach § 111 Abs. 1 Satz 4 TKG-E ist auf ablehnen, solange das für ihren Landgerichtsbezirk
die Nummern 1 bis 4 des § 111 Abs. 1 Satz 1 TKG-E zuständige Landgericht keine positive Entscheidung
zu beschränken. getroffen hat. Durch den hinhaltenden Widerstand eini-
ger Diensteanbieter werden die Ermittlungen zum Teil
Begründung
erheblich behindert.
§ 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 TKG-E soll die Pflicht zur Er-
hebung und Speicherung von Bestandsdaten auf die Vor diesem Hintergrund ist eine klarstellende Regelung
Gerätenummer ausdehnen, um hierüber Auskunft nach durch den Gesetzgeber angezeigt.
den §§ 112 f. TKG erteilen zu können. Diensteanbieter Ferner wird mit den neuen Sätzen 1a und 1b klarstel-
überlassen ihren Kunden Mobilfunkgeräte typischer- lend geregelt, dass ein Auskunftsersuchen auch mit un-
weise nur im Zusammenhang mit dem Abschluss oder vollständigen Anfragedaten erfolgen kann. In diesem
Drucksache 16/5846 – 86 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Fall hat die ersuchende Stelle die auf Grund der unvoll- speicherten Daten nicht für eine zivilrechtliche Aus-
ständigen Abfragedaten übermittelten Daten unverzüg- kunft verwendet werden dürfen, andere aber faktisch
lich auf ihre Erforderlichkeit zu prüfen. Nicht benötigte nicht zur Verfügung stehen, auch die Qualifikation der
Daten sind unverzüglich zu löschen. Anfrage über den Inhaber einer dynamischen IP-Adres-
se als Auskunft über Bestandsdaten darüber nicht hin-
19. Zu Artikel 2 Nr. 6 (§ 113a Abs. 10 Satz 2 TKG) weghilft und § 14 Abs. 2 und § 15 Abs. 5 Satz 4 TMG
nicht anwendbar sind.
In Artikel 2 Nr. 6 § 113a Abs. 10 Satz 2 sind die Wörter
„Er hat“ durch die Wörter „Im Rahmen dessen hat er“ Der Gesetzentwurf konterkariert damit ein wesentli-
zu ersetzen, nach dem Wort „hierzu“ die Wörter „von ches Anliegen des Gesetzentwurfs zur Verbesserung
ihm“ einzufügen, der abschließende Punkt durch ein der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigen-
Semikolon zu ersetzen und folgende Wörter anzufügen: tums. Um dies zu verhindern ist in dem Gesetzentwurf
„diese sind gemäß § 5 Satz 2 BDSG zu verpflichten.“ – z. B. in § 113b TKG-E – eine Regelung aufzunehmen,
wonach die Weitergabe von Bestandsdaten unter inter-
Begründung
ner Verwendung von nach § 113a Abs. 4 TKG-E ge-
Die vorzuhaltenden Verkehrsdaten werden bereits speicherten Verkehrsdaten auch zulässig ist, soweit es
durch § 5 BDSG und § 88 TKG geschützt. Gemäß § 9 zur zivilrechtlichen Durchsetzung der Rechte am geis-
Satz 1 BDSG sind die Diensteanbieter verpflichtet, tigen Eigentum erforderlich ist und auf Grund eines
technische und organisatorische Maßnahmen zu tref- Gesetzes erlaubt wird. Dem steht die Richtlinie über die
fen, die den Schutz der personenbezogenen Daten Vorratsspeicherung von Verkehrsdaten 2006/24/EG des
sicherstellen. Ein darüber hinaus gehendes Schutzbe- Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. März
dürfnis besteht nicht. Dies wird auch durch § 113a 2006 über die Vorratsspeicherung von Daten, die bei
Abs. 10 Satz 1 TKG-E anerkannt. Die in Umsetzung der Bereitstellung öffentlich zugänglicher elektro-
der Richtlinie 2006/24/EG aufzunehmende Pflicht nischer Kommunikationsdienste oder öffentlicher
sicherzustellen, dass der Zugang zu diesen Daten aus- Kommunikationsnetze erzeugt oder verarbeitet werden,
schließlich hierzu besonders ermächtigten Personen nicht entgegen.
möglich ist, ist daher in die bestehenden datenschutz-
– Nach § 113b Satz 1 TKG-E dürfen die allein auf
rechtlichen Obliegenheiten einzubeziehen.
Grund der Speicherungsverpflichtung nach § 113a
Im Hinblick auf die Rechtsfolgen eines Verstoßes TKG-E gespeicherten Daten nicht für eine zivil-
gegen § 113a Abs. 10 TKG-E (vgl. § 149 Abs. 1 Nr. 38 rechtliche Auskunft, sondern nur für die genannten
TKG-E) muss darüber hinaus eindeutig geregelt wer- Zwecke (Verfolgung von Straftaten, Abwehr von er-
den, wer zur Ermächtigung berechtigt ist und welche heblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit
Anforderungen an die zu ermächtigenden Personen zu oder Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Ver-
stellen sind. fassungsschutzbehörden) verwendet werden.
Grundlage für eine zivilrechtliche Auskunft, wie sie
20. Zu Artikel 2 Nr. 6 (§ 113b Satz 1 TKG) der Gesetzentwurf zur Verbesserung der Durchset-
Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetz- zung von Rechten des geistigen Eigentums vorsieht
gebungsverfahrens – unabhängig ob mit oder ohne Richtervorbehalt –
können danach nur Daten sein, die die Internet-
a) sicherzustellen, dass ein Diensteanbieter Auskunft
provider unabhängig von § 113a TKG-E speichern.
über den Inhaber einer dynamischen IP-Adresse
Diese Daten sind aber gemäß § 96 Abs. 2 TKG, § 97
auch zur zivilrechtlichen Durchsetzung der Rechte
Abs. 3 Satz 3 TKG-E unverzüglich zu löschen, so-
am geistigen Eigentum erteilen und dabei die gemäß
weit sie für die Abrechnung nicht mehr erforderlich
§ 113a Abs. 4 TKG-E gespeicherten Daten zur Er-
sind.
füllung des Auskunftsersuchens intern verarbeiten
darf; In allen Fällen, in denen der Internetprovider auf der
Basis einer Flatrate abrechnet – und dies sind gerade
b) zu prüfen, ob zur Klarstellung der vom Gesetzent-
die in der Praxis relevanten Fälle – dürfte damit eine
wurf gewollten Möglichkeit, auch künftig Auskunft
Speicherung der für eine Auskunft über den hinter
über Bestandsdaten nach den §§ 161, 163 StPO in
der IP-Adresse stehenden Nutzer notwendigen Ver-
Verbindung mit § 113 TKG zu erteilen, in § 113b
kehrsdaten allenfalls für einen sehr kurzen Zeitraum
Satz 1 Halbsatz 2 TKG-E das Wort „verwenden“
erfolgen. Der zivilrechtliche Auskunftsanspruch
durch das Wort „übermitteln“ ersetzt werden sollte.
wird deshalb regelmäßig nicht erfüllt werden kön-
Begründung nen.
Bei unveränderter Umsetzung des Gesetzentwurfs – Der Gesetzentwurf geht davon aus, dass es sich bei
würde der zivilrechtliche Drittauskunftsanspruch ge- der Auskunft über den Inhaber einer dynamischen
genüber Internetprovidern, wie er im Entwurf eines IP-Adresse um eine Auskunft über Bestandsdaten
Gesetzes zur Verbesserung der Durchsetzung von nach den §§ 161, 163 StPO in Verbindung mit § 113
Rechten des geistigen Eigentums (Bundesratsdruck- TKG handelt und kein Beschluss gemäß den
sache 64/07) in dem neuen § 140b Abs. 9 PatentG und §§ 100g, 100h StPO erforderlich ist. Maßgebend
den entsprechenden Regelungen in den anderen Geset- sei, dass ein entsprechendes Auskunftsersuchen
zen zum Schutz des geistigen Eigentums vorgesehen allein auf die Mitteilung der den Regelungen der
ist, leerlaufen, da die gemäß § 113a Abs. 4 TKG-E ge- §§ 111 ff. TKG unterfallenden Bestandsdaten ge-
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 87 – Drucksache 16/5846

richtet ist und nicht auf die Erhebung von – bei Stel- Vereinheitlichungsgesetz – ElGVG) – Bundesrats-
lung des Auskunftsersuchens notwendigerweise be- drucksache 556/06, S. 17).
reits bekannten – Verkehrsdaten. Der Umstand, dass
Allerdings bestimmt § 11 Abs. 3 TMG hinsichtlich
der Dienstleister zur Erfüllung des Auskunftsan-
des Datenschutzes, dass für Telemediendienste, die
spruchs bei dynamischen IP-Adressen regelmäßig
überwiegend in der Übertragung von Signalen über
anhand interner Verkehrsdatenaufzeichnungen eine
Telekommunikationsnetze bestehen und damit ins-
Zuordnung zu einer Kundenkennung vornehmen
besondere für Internet-Access-Provider einschlägig
müsse, ändere daran nichts (vgl. Bundesratsdruck-
sind, die Datenschutzvorschriften des Telekommu-
sache 275/07, S. 53 f.).
nikationsgesetzes gelten und daneben nur noch
Diese Auffassung deckt sich vollständig mit der bestimmte Datenschutzvorschriften des Telekom-
Ansicht des Bundesrates in seiner Stellungnahme munikationsgesetzes anwendbar sind (vgl. Bundes-
zum Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der ratsdrucksache 556/06, S. 22). § 14 Abs. 2 und § 15
Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums Abs. 5 Satz 4 TMG sind danach für Internetprovider
(vgl. Bundesratsdrucksache 64/07 (Beschluss) nicht anwendbar. Vielmehr gelten für Internetpro-
S. 8 f.); die Entwurfsbegründung weist zu Recht vider insoweit die Vorschriften des Telekommunika-
darauf hin. tionsgesetzes.
Der Gesetzentwurf zur Verbesserung der Durchset- – Den Mitgliedstaaten steht es frei, in ihrem nationa-
zung von Rechten des geistigen Eigentums geht len Recht Regelungen über die Verwendung der
demgegenüber in seiner Begründung (vgl. Bundes- gespeicherten Verkehrsdaten für andere als Straf-
ratsdrucksache 64/07, S. 93) davon aus, dass die verfolgungszwecke zu treffen (vgl. Bundesrats-
Auskunft bei dynamischen IP-Adressen in der Regel drucksache 275/07, S. 170). Dabei sind insbesonde-
nur mit Hilfe von Verkehrsdaten und nicht unmittel- re auch die Vorgaben der Richtlinie 2004/48/EG des
bar über Bestandsdaten erteilt werden kann. Der Europäischen Parlaments und des Rates vom
Gesetzentwurf ordnet einen Richtervorbehalt gerade 29. April 2004 zur Durchsetzung der Rechte des
deswegen an, weil bei der Auskunft über den Inha- geistigen Eigentums zu beachten.
ber einer dynamischen IP-Adresse Verkehrsdaten
verwendet werden. Nach der Begründung des Entwurfs zum Elektro-
nischer-Geschäftsverkehr-Vereinheitlichungsgesetz
Aus den oben im ersten Spiegelstrich genannten (vgl. Bundesratsdrucksache 556/06, S. 15) dienen
Gründen stehen aber faktisch nur die gemäß § 113a § 14 Abs. 2 und § 15 Abs. 5 Satz 4 TMG der not-
Abs. 4 TKG-E gespeicherten Verkehrsdaten zur wendigen Umsetzung der Richtlinie 2004/48/EG.
Verfügung, da die zur Ermittlung der Bestandsdaten Da die Problematik sich gerade bei Internet Service
notwendigen Verlaufsaufzeichnungen im Übrigen Providern stellt, ist eine entsprechende Umsetzung
gelöscht werden müssen, sobald sie zur Entgelt- erst Recht im Telekommunikationsgesetz erforder-
ermittlung und -abrechnung nicht mehr benötigt lich.
werden. § 113b Satz 1 Halbsatz 2 TKG-E verbietet
aber eine Verwendung der nach § 113a TKG-E ge- Zur Klarstellung der vom Gesetzentwurf gewollten
speicherten Daten für andere als die in Satz 1 Möglichkeit, auch künftig Auskunft über Bestands-
Halbsatz 1 genannten Zwecke und damit auch die daten nach den §§ 161 und 163 StPO in Verbindung mit
Verarbeitung dieser Daten zur Erteilung einer zivil- § 113 TKG zu erteilen, wird angeregt, in § 113b Satz 1
rechtlichen Auskunft. Halbsatz 2 TKG-E das Wort „verwenden“ durch das
Wort „übermitteln“ zu ersetzen.
– In ihrer Gegenäußerung zur Stellungnahme des
Bundesrates zum Entwurf eines Gesetzes zur Ver- Eine Verwendung der gemäß § 113a TKG-E gespei-
besserung der Durchsetzung von Rechten des geisti- cherten Daten für eine Auskunft gemäß den §§ 161 und
gen Eigentums (Bundestagsdrucksache 16/5048) 163 StPO in Verbindung mit § 113 TKG scheitert nicht
führt die Bundesregierung zu Nummer 1 aus, dass am Verwendungszweck. Allerdings ist im Hinblick auf
§ 14 Abs. 2 TMG eine Auskunftserteilung durch die Formulierung von § 113b Satz 1 Halbsatz 2 TKG-E
den Diensteanbieter im Einzelfall zulasse, soweit es fraglich, ob nicht auch diese Verwendung nur unter den
sich um Bestandsdaten im Sinne dieser Vorschrift Bedingungen des § 113b Satz 1 Halbsatz 1 TKG-E
handle und eine zur Auskunftserteilung verpflich- möglich ist und damit insbesondere nur in Verbindung
tende Anordnung der zuständigen öffentlichen Stel- mit § 100g StPO.
len vorliege. Gemäß § 15 Abs. 5 Satz 4 TMG würde
dies auch für Nutzungsdaten gelten. Die Vorschrif- 21. Zu Artikel 2 Nr. 6 (§ 113b Satz 1 Halbsatz 1 TKG)
ten sind hier aber nicht anwendbar: In Artikel 2 Nr. 6 § 113b Satz 1 Halbsatz 1 sind die
Internet Service Provider, deren Leistungen überwie- Wörter „unter Bezugnahme auf § 113a“ zu streichen.
gend in der Übertragung von Signalen bestehen, sind
Begründung
zwar vom Anwendungsbereich des Telemedienge-
setzes umfasst und unterliegen sowohl dem TKG wie Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes für die Tele-
dem TMG (Begründung des Entwurfs eines Gesetzes kommunikationsüberwachung aus Artikel 73 Nr. 7 GG
zur Vereinheitlichung von Vorschriften über be- betrifft nach der Rechtsprechung des Bundesverfas-
stimmte elektronische Informations- und Kommu- sungsgerichts lediglich die technische Seite der Errich-
nikationsdienste (Elektronischer-Geschäftsverkehr- tung einer Telekommmunikationsinfrastruktur und der
Drucksache 16/5846 – 88 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Informationsübermittlung, nicht dagegen Regelungen, oder gar um eine Verwendungsbeschränkung durch die
die auf die übermittelten Inhalte oder die Art der Nut- Telekommunikationsdiensteanbieter handeln könnte.
zung der Telekommunikation ausgerichtet sind. Das Bei Annahme einer Herausgabebeschränkung hätte
Gericht hat dazu auch festgestellt (vgl. BVerfG, Urteil dies zur Folge, dass bei inkorrekter Bezugnahme in den
vom 27. Juli 2005 – 1 BvR 668/04 –, BVerfGE 113, 348, jeweils fachgesetzlichen Normen die Herausgabe der
Rn. 94), dass es bei Befugnissen zur Telekommunika- nach § 113a TKG-E zu speichernden Daten seitens der
tionsüberwachung zu Zwecken der Gefahrenabwehr Telekommunikationsdiensteanbieter verweigert wer-
„nicht vorrangig um technische Fragen der Datenüber- den könnte.
mittlung, sondern um den Zugriff auf Informationen“
geht. Weiter hat es ausgeführt: „Überwachungsmaß- 22. Zu Artikel 2 Nr. 7 (§ 115 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 TKG)
nahmen umfassen zwar Tätigkeiten, mit denen die
Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetzge-
Übertragungstechnik in Anspruch genommen wird;
bungsverfahrens durch geeignete Maßnahmen sicher-
auch sind sie darauf angewiesen, dass die Ausstattung
zustellen, dass Zwangsgelder nach § 115 Abs. 2 Satz 1
der Telekommunikationsnetze eine Überwachung tech-
Nr. 1 TKG in Verbindung mit § 113a Abs. 1 bis 6
nisch zulässt. Vorschriften, die die Telekommunika-
TKG-E nicht vor dem 1. Januar 2009 erhoben werden
tionsüberwachung zum Zwecke der Erlangung von In-
können.
formationen für Aufgaben des Straf- oder Polizeirechts
ermöglichen, werden jedoch maßgebend durch den je- Begründung
weiligen Zweck der Überwachungsmaßnahmen und die Die Anwendung der Ordnungswidrigkeitentatbestände
daran ausgerichteten Eingriffsvoraussetzungen geprägt. nach § 149 Abs. 1 Nr. 36 und Nr. 37 TKG-E soll nach
Sie sind auch kompetenzmäßig dem Bereich zuzurech- § 150 Abs. 12b TKG-E erst nach einer angemessenen
nen, für dessen Zwecke die Überwachung erfolgen soll, Übergangsfrist ab dem 1. Januar 2009 möglich sein.
hier dem der Straftatenverhütung oder -verfolgung.“ Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die
Nach diesen Grundsätzen hat der Bund keine Zustän- Umsetzung der Speicherverpflichtungen von den Dien-
digkeit zur Regelung der (rechtlichen und nicht nur steanbietern größtenteils kurzfristig nicht zu bewerk-
technischen) Voraussetzungen von Befugnissen, die die stelligen ist. Dieser Zwecksetzung liefe es entgegen,
Erhebung von Verkehrsdaten zu Zwecken der Gefah- bereits mit Inkrafttreten des Gesetzes die Verhängung
renabwehr oder zur Erfüllung der gesetzlichen Aufga- von Zwangsgeldern zur Durchsetzung der Pflichten
ben der Verfassungsschutzbehörden der Länder zum nach § 113a TKG-E zu ermöglichen.
Gegenstand haben. Die Gesetzgebungskompetenz liegt
insoweit vielmehr bei den Ländern. Daher kann der 23. Zu Artikel 2 Nr. 9 (§ 150 Abs. 12b TKG)
Bund auch keine Regelung treffen, wonach eine aus- Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetz-
drückliche Bezugnahme bzw. eine Zitierung des § 113a gebungsverfahrens zu prüfen, ob der Zeitpunkt für die
TKG-E im Landesrecht rechtliche Voraussetzung für Anwendung des § 149 vorgezogen werden kann.
eine entsprechende Datenerhebung ist.
Begründung
Die Regelung, wonach in den landesrechtlichen Befug- Durch die vorgesehene Regelung werden Verstöße ge-
nissen eine Bezugnahme auf § 113a TKG zu erfolgen gen die Speicherpflicht erst zum 1. Januar 2009 sank-
hat, ist auch nicht zweckmäßig und kann zu erheblichen tioniert. Die dadurch faktisch gewährte Übergangsfrist
Sicherheitslücken sowie zu Wertungswidersprüchen für den Beginn der Speicherfrist führt zu weitreichen-
führen. In Ländern, in denen bereits Befugnisse zur Er- den Folgen.
hebung von Verkehrsdaten zu Zwecken der Gefahren-
abwehr bestehen, könnten künftig – bis zum Erlass ent- Betroffen sind alle Verkehrsdaten, insbesondere auch
sprechender landesgesetzlicher Änderungen – nur die die gespeicherten IP-Adressen. Sie sind aber für die
Daten erhoben werden, die zu Abrechnungszwecken Strafverfolgung bei Delikten im Zusammenhang mit
gespeichert werden, nicht dagegen solche, die dem der Internetnutzung, wie etwa die Verbreitung kin-
§ 113a TKG-E unterfallen. Es käme daher entscheidend derpornografischer Darstellungen, unverzichtbar, da sie
darauf an, ob zwischen dem Dienstleister und den Kun- meist den einzigen Ermittlungsansatz bieten. Eine
dinnen bzw. Kunden eine pauschalierte Abrechung ver- zeitnahe Umsetzung der Verpflichtung zur Mindest-
traglich vereinbart wurde. Bei der Abwehr von erheb- speicherfrist ist daher geboten.
lichen Gefahren kann dies allerdings kein Kriterium Verkehrsdaten sind bereits aktuell immer seltener ver-
dafür sein, ob Daten, die zur Abwehr von erheblichen fügbar. Durch die Verbreitung von Flatrate-Tarifen
Gefahren erforderlich sind, erhoben werden dürfen. speichern die Anbieter die entsprechenden Daten oft
Dies gilt nicht zuletzt deshalb, da die Datenerhebung nur noch wenige Tage. Es steht daher zu befürchten,
gerade auch dem Schutz der Kundinnen und Kunden dass die Straftäter zukünftig ihre Kommunikation vor-
dienen kann. Entsprechendes gilt für den Bereich des rangig über das Internet abwickeln, um den Zeitraum
Verfassungsschutzes. bis zur Umsetzung der Mindestspeicherfrist zu nutzen.
Darüber hinaus ist dem Entwurf nicht zu entnehmen Dadurch können erhebliche Ermittlungslücken entste-
– und dies birgt die Gefahr die Norm interpretierender hen.
gerichtlicher Entscheidungen –, ob es sich bei der Be- Zwar zieht die Speicherpflicht für die Verpflichteten er-
zugnahme auf § 113a TKG-E in den jeweiligen Fach- hebliche technische und finanzielle Investitionen nach
gesetzen lediglich um eine Herausgabebefugnis für sich. Sie konnten sich aber bereits seit dem Inkrafttreten
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 89 – Drucksache 16/5846

der Richtlinie 2006/24/EG des Europäischen Parla- bestimmter Straftaten zulässig ist und sich der neue
ments und des Rates über die Vorratsspeicherung von Verwendungszweck ebenfalls auf Straftaten bezieht,
Daten, die bei der Bereitstellung öffentlich zugäng- die die Anwendung der Maßnahme nach der StPO er-
licher elektronischer Kommunikationsdienste oder lauben. Insoweit wäre eine Verwendung grundsätzlich
öffentlicher Kommunikationsnetze erzeugt oder verar- nur in Steuerstrafverfahren wegen bandenmäßig began-
beitet werden, auf diese Verpflichtung einstellen. Auch genen Umsatz-/Verbrauchsteuerbetrugs zulässig.
ist zu berücksichtigen, dass ein Großteil der betroffenen
Eine Verbesserung der Rechtslage bezüglich der Ver-
Daten bereits jetzt temporär gespeichert wird und folg-
wertbarkeit wird durch die geplanten Gesetzesregelun-
lich die Technik und Logistik weitgehend vorhanden
gen daher nur unvollständig erreicht.
sind.
Durch die Aufnahme der bandenmäßig begangenen
24. Zu Artikel 3 Nr. 2 Buchstabe d (§ 370 Abs. 3 Steuerhinterziehung in § 370 Abs. 3 Satz 2 AO als
Satz 2 Nr. 5 AO) einen Fall der besonders schweren Steuerhinterziehung
sollen die gegen den § 370a AO bestehenden verfas-
Der Bundesrat bittet, zur Vermeidung von Problemen sungsrechtlichen Bedenken beseitigt werden. Im der-
bei der Verwertung von Erkenntnissen aus Telekom- zeit noch geltenden § 370a AO erfolgt allerdings keine
munikationsüberwachungsmaßnahmen (TKÜ) nach Unterscheidung bezüglich der Steuerarten. Auch wenn
§ 100a Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe a StPO-E im weiteren der Umsatzsteuerbetrug – insbesondere in Form des
Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens zu prüfen, ob die Karussell- und Kettenbetrugs – im Fokus der Überle-
Beschränkung des § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 AO-E gungen bezüglich der Änderungen stand, ist eine Ein-
allein auf die Umsatz- bzw. Verbrauchsteuerhinterzie- schränkung nur auf diese Steuerarten nicht nachvoll-
hung entfallen kann. ziehbar. Bei Einführung des § 370a AO im Rahmen des
Begründung Steuerverkürzungsbekämpfungsgesetzes erfolgte keine
Einschränkung allein auf die Umsatzsteuer, obwohl
Die Einschränkung des § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 AO-E diese Vorschrift vorwiegend der Bekämpfung des Um-
allein auf die Umsatz-/Verbrauchsteuer hat auf den An- satzsteuerbetruges dienen sollte. In Fällen des Umsatz-
wendungsbereich des § 100a Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe a steuerkarussellbetruges kommt es zudem in der Regel
StPO-E und auf die steuerstrafrechtliche und steuer- auch zu Steuerverkürzungen anderer Steuerarten, ins-
liche Verwertung der aus TKÜ gewonnenen Erkennt- besondere der Ertragsteuer. Bei einer Bestrafung wäre
nisse erhebliche Auswirkungen. auf Grund der geplanten Gesetzesänderung trotz beste-
Durch die Bezugnahme des § 100a Abs. 2 Nr. 2 henden Sachzusammenhangs hinsichtlich der jeweili-
Buchstabe a StPO-E auf den § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 gen Straftat im Strafmaß zu differenzieren, da allein die
AO-E wären TKÜ nur in Fällen der bandenmäßig Umsatzsteuerverkürzung als schwere Steuerhinterzie-
durchgeführten Umsatz-/Verbrauchsteuerhinterziehung hung mit einem erhöhten Strafmaß sanktioniert werden
erlaubt. Danach blieben weiterhin entsprechende Maß- könnte.
nahmen wegen schwerer Hinterziehung anderer Steuer- Zur Vermeidung praktischer und rechtlicher Probleme
arten unzulässig. Durch diese Einschränkung werden sollte das Regelbeispiel des § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5
die bislang bestehenden Probleme bezüglich der steuer- AO-E daher nicht auf die Umsatz-/Verbrauchsteuer be-
strafrechtlichen und steuerlichen Verwertbarkeit von schränkt werden. Eine zwingende Notwendigkeit der
Erkenntnissen aus TKÜ nicht beseitigt, sondern gege- Selbsteinschränkung ist nicht erkennbar. Auch im Be-
benenfalls vielmehr verstärkt. So können Informatio- reich anderer Steuerarten ist die bandenmäßig begange-
nen, die aus einer bezüglich des Verdachts der schweren ne Steuerhinterziehung denkbar. Zudem ist Vorausset-
Umsatzsteuerhinterziehung durchgeführten TKÜ ge- zung für die Anwendung des erhöhten Strafmaßes
wonnen wurden, z. B. für den Bereich der Ertragsteuer, grundsätzlich das Vorliegen einer schweren Steuerhin-
weiterhin weder im Steuerstrafverfahren noch im Be- terziehung. Unter § 370 Abs. 3 Satz 2 AO werden nur
steuerungsverfahren verwertet werden. Entsprechend jene Fälle aufgeführt, in denen man „in der Regel“, d. h.
dem BFH-Beschluss vom 21. Februar 2001 – VII B nicht generell, von einem schweren Fall der Steuerhin-
265/00 – bedarf es einer gesetzlichen Legimitation zur terziehung ausgehen kann. Eine Einzelfallprüfung und
Durchbrechung des in Artikel 10 Abs. 1 GG geschütz- Gewichtung der Tat ist somit immer zwingend erforder-
ten Bereichs. Diese Berechtigung wird mit dem Gesetz- lich. Insoweit sind etwaige Befürchtungen hinsichtlich
entwurf jedoch allein für den Bereich der Umsatzsteuer einer verstärkten Kriminalisierung von Steuerpflich-
geschaffen. In der Praxis müssten somit die Informatio- tigen auf Grund des Begriffs „bandenmäßig“ nicht ge-
nen hinsichtlich ihrer Verwertbarkeit gefiltert werden. rechtfertigt.
Auch sind Informationen aus TKÜ im Rahmen von Er-
mittlungen bezüglich anderer Delikte nur bedingt ver-
25. Zu Artikel 3 Nr. 6 – neu – (§ 393 Abs. 3 – neu – AO)
wertbar, da nach § 100a Abs. 2 Nr. 2 StPO-E nur bei
bandenmäßig begangener Umsatzsteuerverkürzung Dem Artikel 3 ist folgende Nummer 6 anzufügen:
eine TKÜ zulässig ist. Der ebenfalls geänderte § 477
,6. Dem § 393 wird folgender Absatz 3 angefügt:
Abs. 2 StPO-E stellt diesbezüglich klar, dass die „Um-
widmung“ der durch verdeckte Ermittlungsmaßnah- „(3) Die durch Telekommunikationsüberwa-
men erlangten Daten zur Verwendung als Beweismittel chungsmaßnahmen bekannt gewordenen Tatsachen
in anderen Strafverfahren nur dann zulässig ist, wenn oder Beweismittel dürfen auch im Besteuerungs-
die betreffende Maßnahme nach der StPO bei Verdacht verfahren verwertet werden, soweit die Maßnah-
Drucksache 16/5846 – 90 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

men wegen einer schweren Straftat im Sinne des munikationsmarktes, da dieser äußerst schnelllebig und
§ 100a Abs. 2 Nr. 1 Buchstabe m oder Abs. 2 Nr. 2 innovativ ist. Die Entwicklungen im Bereich „Neue
der Strafprozessordnung angeordnet wurden.“‘ Medien“ lassen künftig vermehrt die Gründung von
regionalen bzw. sogar lokalen Anbietern erwarten, z. B.
Begründung
im Zusammenhang mit dem neuen Breitbanddienst
Erkenntnisse, die unmittelbar aus einer Telefonüber- WiMax. Start-up-Unternehmen in der Telekommuni-
wachung in einem Strafverfahren resultieren, dürfen kationsbranche könnten beispielsweise drei Tochter-
wegen der strikten Strafverfolgungsbezogenheit der das firmen für diesen Dienst gründen und somit 30 000
Grundrecht des Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10 Kunden versorgen, ohne der neuen Pflichtgrenze zu
Abs. 1 GG) einschränkenden Regelung des § 100a unterfallen.
StPO-E zu Besteuerungszwecken nicht herangezogen
Die bisherige Abstufung, die in § 21 TKÜV Abwei-
werden. Insoweit besteht ein Beweisverwertungsver-
chungen für Betreiber kleinerer Telekommunikations-
bot.
anlagen vorsieht, ist demgegenüber schlüssig. Sie er-
Die Abgabenordnung enthält bisher weder eine eigene fasst Betreiber, an deren Anlagen zwischen 1 000 und
Befugnis für eine Beschränkung des Fernmeldegeheim- 10 000 Teilnehmer angeschlossen sind, und ermöglicht
nisses im Sinne des Artikels 10 Abs. 2 GG noch eine der Bundesnetzagentur Abweichungen zu dulden. Die
Vorschrift, die die Verwertung von Aufzeichnungen zu- bestehende Systematik ist schlüssig und berücksichtigt
lässt, die auf der Grundlage des § 100a StPO-E gewon- die Interessen der Betreiber in ausreichendem Maß.
nen wurden. Folglich besteht hinsichtlich solcher Infor-
Als weitere Folgeänderung müsste auch Artikel 2
mationen, die im Rahmen einer Telefonüberwachung
Nr. 3, 7 und 9 gestrichen werden.
bei strafrechtlichen Ermittlungen erlangt werden, für
das Besteuerungsverfahren ein Verwertungsverbot, da
die Verwertung nur in solchen Verfahren rechtmäßig 27. Zu Artikel 16 (Inkrafttreten)
möglich ist, in denen auch eine eigenständige Abhö- Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetz-
rung gesetzlich zulässig gewesen wäre. gebungsverfahrens sicherzustellen, dass § 111 Abs. 1
Bisher ist eine Änderung der Abgabenordnung insoweit Satz 1 Nr. 5 TKG-E erst nach einer angemessenen Frist
nicht vorgesehen. Im Hinblick auf die Bekämpfung der in Kraft tritt.
Umsatzsteuerhinterziehung ist dies nicht zufriedenstel- Begründung
lend.
Eine Erfassung der Gerätenummer ist bislang nur bei
bestimmten Vertriebswegen und Produktarten vorgese-
26. Zu Artikel 13 Nr. 2 Buchstabe a (§ 3 Abs. 2 Satz 1
hen. Eine flächendeckende Erhebung und Speicherung
Nr. 5 TKÜV)
der Daten ist mit einem erheblichen Mehraufwand von
Nr. 8 (§ 21 TKÜV) der Produktkonfektion bis zur Auftragserfassung ver-
Nr. 11 (§ 27 Abs. 8 Satz 1 TKÜV) bunden. Umfangreiche systemtechnische und organisa-
Artikel 13 Nr. 2 Buchstabe a, Nr. 8 und 11 sind zu strei- torische Änderungen sind vorzunehmen.
chen. Eine kurzfristige Umsetzung der Pflicht aus § 111
Begründung Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 TKG-E – wie sie im Entwurf vorge-
sehen ist – wäre allenfalls mit einem unverhältnismäßi-
Im Gesetzentwurf ist vorgesehen, die Grenze für die gen Aufwand möglich. Aus Gründen der Verhältnis-
Geltung der TKÜV in § 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 TKÜV-E mäßigkeit ist den betroffenen Unternehmen daher eine
anzuheben. Dies hätte zur Folge, dass die in der Ver- angemessene Umsetzungsfrist einzuräumen. Dem steht
ordnung geregelten Verpflichtungen erst für Unterneh- die Richtlinie 2006/24/EG nicht entgegen, da sie keine
men mit 10 000 Teilnehmern und nicht wie derzeit mit entsprechenden Erhebungs- und Speicherpflichten vor-
1 000 Teilnehmern gelten. Überwachungsmaßnahmen gibt.
bei Anbietern unterhalb der „Teilnehmergrenze“ kön-
nen regelmäßig nur durch Anmietung und Implemen-
28. Zum Gesetzentwurf insgesamt
tierung von technischen Komponenten bei den jeweils
Betroffenen umgesetzt werden. Dies führt zu erheb- Der Bundesrat bittet, soweit sachliche Gründe für eine
lichen Erschwernissen und kann sowohl im Bereich der Differenzierung nicht bestehen, im weiteren Verlauf des
Gefahrenabwehr als auch der Strafverfolgung zu erheb- Gesetzgebungsverfahrens hinsichtlich der nachstehend
lichen Sicherheitslücken führen. Äußerst problematisch genannten Punkte für eine einheitliche Begrifflichkeit
ist dabei insbesondere, dass bei diesen Unternehmen bzw. eine einheitliche Formulierung Sorge zu tragen,
jegliche Infrastruktur fehlt (Ansprechpartner, Auslei- um so dem Ziel des Gesetzentwurfs, der Harmonisie-
tungskonzeptionen, Leitungsanbindung usw.). Überwa- rung der Bestimmungen über die verdeckten Ermitt-
chungsmaßnahmen sind somit im Regelfall erheblich lungsmaßnahmen, besser gerecht zu werden.
zeitverzögert und nur mit beträchtlichem Aufwand zu
Der Gesetzentwurf führt in § 100b Abs. 1 Satz 3
realisieren.
StPO-E den Begriff der „Werktage“ statt „Tage“ ein zur
Die Anhebung der Teilnehmergrenze auf 10 000 Teil- Bestimmung der Frist, innerhalb derer eine Eilanord-
nehmer ist nicht gerechtfertigt. Die in der Vergangen- nung richterlich zu bestätigen ist. Durch Verweisung
heit getroffenen Anordnungen erlauben keine Rück- auf § 100b Abs. 1 Satz 3 StPO-E gilt dies nicht nur für
schlüsse auf die zukünftige Entwicklung des Telekom- die Telekommunikationsüberwachung, sondern auch
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 91 – Drucksache 16/5846

für die akustische Überwachung außerhalb von Woh- Abs. 1 StPO-E) lässt den Zusatz „als Täter oder Teil-
nungen (§ 100f Abs. 4 StPO-E), die Verkehrsdaten- nehmer“ vermissen.
abfrage (§ 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E) und den Ein- Begründung
satz des IMSI-Catchers (§ 100i Abs. 3 Satz 1 StPO-E).
Ferner wird bei den Regelungen zur längerfristigen Ob- Ziel des Gesetzentwurfs ist die Schaffung eines har-
servation in § 163f Abs. 3 Satz 2 StPO-E der Begriff monischen Gesamtsystems der strafprozessualen heim-
„Werktage“ gebraucht. lichen Ermittlungsmaßnahmen. Die entsprechenden
Normen wurden daher einer umfassenden Bearbeitung
Nicht übernommen wurde diese Terminologie für die unterzogen.
übrigen verdeckten Ermittlungsmaßnahmen. In den Be-
stimmungen über die Rasterfahndung (§ 98b Abs. 1 Neu eingeführt wird der Begriff der Werktage zur Be-
Satz 3 StPO), die Postbeschlagnahme (§ 100 Abs. 2 rechnung der Frist, binnen derer eine Anordnung wegen
StPO), die Wohnraumüberwachung (§ 100d Abs. 1 Gefahr im Verzug richterlich zu bestätigen ist. Dies
Satz 3 StPO), die Schleppnetzfahndung (§ 163d Abs. 2 wurde jedoch nicht für alle in § 101 StPO-E als ver-
Satz 3 StPO) und die polizeiliche Beobachtung (§ 163e deckte Maßnahmen aufgeführten Ermittlungsbefugnis-
Abs. 4 Satz 4 StPO) geht das Gesetz nach wie vor se umgesetzt. Im Interesse der Harmonisierung sollte
davon aus, dass die wegen Gefahr im Verzug getroffene eine einheitliche Fristberechnung erfolgen, soweit nicht
Anordnung binnen drei Tagen vom Gericht zu bestäti- sachliche Gründe dagegenstehen.
gen ist. Auch beim Einsatz eines Verdeckten Ermittlers Harmonisiert wurde mit dem Gesetzentwurf gleichfalls
ist die Frist für die Zustimmung der Staatsanwaltschaft der Wortlaut der Ermittlungsbefugnisse nach den
(§ 110b Abs. 1 Satz 2 StPO) oder des Richters (§ 110b §§ 100a (Telekommunikationsüberwachung), 100c
Abs. 2 Satz 4 StPO) nach Tagen zu berechnen. (Wohnraumüberwachung), 100f (akustische Überwa-
Außerdem sieht der Gesetzentwurf bei der Telekommu- chung außerhalb von Wohnungen), 100g (Verkehrs-
nikationsüberwachung (§ 100a Abs. 1 StPO-E), der datenabfrage) und 100i (Einsatz eines IMSI-Catchers)
Wohnraumüberwachung (§ 100c Abs. 1 StPO-E) und StPO-E. Die Fassung der §§ 100f und 100i StPO-E
der Verkehrsdatenabfrage (§ 100g Abs. 1 StPO-E) fast wurde an die bisher schon in den §§ 100a, 100c und
wortgleich folgende Formulierung vor, die jedoch für 100g StPO verwendete Formulierung angeglichen. In
die Bestimmungen zur akustischen Überwachung beiden Normen fehlt jedoch die klarstellende Ergän-
außerhalb von Wohnungen und zum Einsatz von IMSI- zung, dass die Tat sowohl täterschaftlich als auch als
Catchern nicht übernommen wurde: Teilnehmer begangen worden sein kann. Ferner fehlt in
den Bestimmungen über die Maßnahme der akusti-
„Begründen bestimmte Tatsachen den Verdacht, dass schen Überwachung außerhalb von Wohnungen (§ 100f
jemand als Täter oder Teilnehmer eine … Straftat be- StPO-E), die von der Eingriffsintensität her der Tele-
gangen hat, in Fällen, in denen der Versuch strafbar ist, kommunikationsüberwachung gleichgestellt ist, der
zu begehen versucht hat oder durch eine Straftat vorbe- Hinweis, dass die Maßnahme nicht nur im Falle der
reitet hat …“ Vollendung, sondern auch im Falle des Versuchs oder
Die an den Wortlaut dieser Normen angelehnte Bestim- der Vorbereitung durch eine Straftat zulässig ist. Dem-
mung zur akustischen Überwachung außerhalb von gegenüber ist eine entsprechende Formulierung Be-
Wohnungen (§ 100f Abs. 1 StPO-E) enthält weder den standteil des § 100i Abs. 1 StPO-E zum Einsatz des
Zusatz „als Täter oder Teilnehmer“ noch die verschie- IMSI-Catchers. Sachliche Gründe für die Normierung
denen Varianten der Begehung. Es heißt hier nur: „… unterschiedlicher Eingriffsvoraussetzungen sind nicht
wenn bestimmte Tatsachen den Verdacht begründen, erkennbar. Soweit aber eine Differenzierung nicht aus
dass jemand eine … Straftat begangen hat, …“. Die sachlichen Gründen geboten ist, sollte auch für eine ein-
Regelung zum Einsatz des IMSI-Catchers (§ 100i heitliche Formulierung Sorge getragen werden.
Drucksache 16/5846 – 92 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Anlage 3

Gegenäußerung der Bundesregierung

1. Zu Artikel 1 Nr. 1 (§ 53b Abs. 4 Satz 1 StPO) samten Straftaten des § 100a Satz 1 Nr. 1a StPO in nur
Nr. 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb vergleichsweise geringer Zahl ausgewiesen. Ein Aspekt
(§ 97 Abs. 2 Satz 3 StPO) der Prüfung wird im Übrigen sein, dass Straftaten nach
§ 20 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 VereinsG lediglich mit Freiheits-
Der Vorschlag sieht zwei Modifizierungen in den Ver-
strafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bedroht und
strickungsregelungen nach § 53b Abs. 4 Satz 1 und § 97
damit vergleichsweise leichte Straftaten sind.
Abs. 2 Satz 3 StPO-E vor:
a) Die Verstrickungsregelungen sollen eingreifen, ohne 4. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 3 Satz 2 – neu – StPO)
dass es der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens
gegen die zeugnisverweigerungsberechtigte Person Der Vorschlag sieht vor, durch die Anfügung eines neuen
bedarf. Satzes an § 100a Abs. 3 StPO-E zu regeln, dass eine Te-
lekommunikationsüberwachung auch dann durchgeführt
b) Ferner sollen die eine Verstrickung begründenden werden darf, wenn andere Personen unvermeidbar be-
Fallgestaltungen auf den Fall der Geldwäsche durch troffen werden.
die zeugnisverweigerungsberechtigte Person erstreckt
werden. Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag nicht zu.
Die Bundesregierung wird den Vorschlag zu Buchstabe a Der vorgeschlagenen Regelung bedarf es nicht, weil bei
prüfen. Sie regt insoweit an, im Rahmen der im weiteren der Telekommunikationsüberwachung – in bislang un-
Gesetzgebungsverfahren zu erwartenden Anhörung von bestritten zulässiger Weise – schon begrifflich und not-
Sachverständigen auch zu erörtern, ob die mit der Ent- wendig auch der andere Beteiligte des überwachten
wurfsregelung verfolgte – in ihrer Notwendigkeit vom Telekommunikationsvorgangs betroffen ist. Eine dies
Bundesrat in Abrede gestellte – weitere Sensibilisierung ausdrücklich festschreibende Regelung stellt eine nicht
der Ermittlungsbehörden für die durch die Zeugnisver- gebotene Überregulierung dar, die darüber hinaus zu un-
weigerungsrechte von Berufsgeheimnisträgern geschütz- gewollten Umkehrschlüssen bei Maßnahmen führen
ten Belange auch im Lichte der Entscheidung des Bun- kann, zu denen das Gesetz eine entsprechende Regelung
desverfassungsgerichts vom 27. Februar 2007 (1 BvR bislang nicht enthält (z. B. § 98a StPO – Rasterfahndung,
538/06 – CICERO) zu sehen ist. § 99 StPO – Postbeschlagnahme, § 100g StPO – Ver-
kehrsdatenerhebung, § 100i StPO – Einsatz des IMSI-
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag zu Buch- Catchers, § 110a StPO – Einsatz Verdeckter Ermittler,
stabe b zu. § 163d StPO – Schleppnetzfahndung und § 163e StPO –
Ausschreibung zur polizeilichen Beobachtung).
2. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 2 Nr. 7a – neu – StPO)
Der Vorschlag sieht vor, den Straftatenkatalog in § 100a 5. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 4 StPO)
Abs. 2 StPO-E um besonders schwere Fälle einer Straftat Der Bundesrat weist auf technisch nicht gelöste Proble-
nach § 29 Abs. 1 i. V. m. § 29 Abs. 3 Satz 2 des Grund- me bei der Löschung von Aufzeichnungen aus dem Kern-
stoffüberwachungsgesetzes (GÜG) zu ergänzen. bereich privater Lebensgestaltung hin und bittet die Bun-
Die Bundesregierung erachtet den Vorschlag aus den desregierung um Stellungnahme hierzu.
vom Bundesrat dargelegten Gründen für erwägenswert. Die Bundesregierung erinnert an die entsprechenden Vor-
Redaktionell wäre diese neue Fallgruppe allerdings als gaben aus der Rechtsprechung des Bundesverfassungs-
Nummer 8 in den Anlassstraftatenkatalog aufzunehmen; gerichts (vgl. BVerfGE 100, 313, 360; 109, 279, 374,
die Zählung der nachfolgenden Fallgruppen wäre ent- 379 f.). Für die Praxis bestand und besteht daher seit län-
sprechend anzupassen. gerem Anlass, sich grundsätzlich darauf einzurichten,
auch wenn Einzelheiten einer gesetzlichen Regelung bis-
3. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100a Abs. 2 Nr. 8a – neu – StPO) lang nicht feststanden. Gleichwohl werden die damit ver-
bundenen technischen und finanziellen Mehrwaufwände
Der Vorschlag sieht vor, den Straftatenkatalog in § 100a nicht verkannt.
Abs. 2 StPO-E um die nach geltendem Recht in § 100a
Satz 1 StPO enthaltenen Straftaten nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 6. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 1 Satz 4 und 5 StPO)
bis 4 VereinsG zu ergänzen.
Der Vorschlag sieht vor, die maximale Dauer von Erst-
Die Bundesregierung wird den Vorschlag im weiteren und Verlängerungsanordnungen für eine Telekommu-
Gesetzgebungsverfahren prüfen und kann die vom Bun- nikationsüberwachung statt auf zwei auf jeweils drei
desrat ins Feld geführte besondere Bedeutung der Straf- Monate zu bestimmen.
taten nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 VereinsG zur Bekämp-
fung demokratiefeindlicher Gruppen nachvollziehen. Die Bundesregierung wird den Vorschlag im weiteren
Diese sind allerdings in den Jahresstatistiken für die ge- Gesetzgebungsverfahren prüfen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 93 – Drucksache 16/5846

Sie erinnert daran, dass es das Ziel des Gesetzentwurfs Die Bundesregierung erachtet den Vorschlag im Hin-
ist, das Recht der verdeckten Ermittlungsmaßnahmen zu blick auf die vom Bundesrat zur Begründung des Vor-
harmonisieren und entsprechend den Vorgaben des Bun- schlags dargelegten Gründe für erwägenswert.
desverfassungsgerichts rechtsstaatlich auszugestalten.
Neben dem vom Bundesrat hervorgehobenen Aspekt der 11. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 6 Nr. 2 StPO)
Belastung der Praxis wird deshalb auch zu berücksich- Der Vorschlag sieht vor, bei der Erhebung statistischer
tigen sein, dass die im Entwurf gegenüber dem geltenden Daten nach § 100b Abs. 6 Nr. 2 und 4 StPO-E zur Tele-
Recht vorgesehene Verkürzung der maximalen Anord- kommunikationsüberwachung auf Angaben, die zwi-
nungsdauer zu einer engmaschigeren gerichtlichen Prü- schen Festnetz-, Mobilfunk- und Internetkommunika-
fung führt, ob die Voraussetzungen für eine Telekommu- tion differenzieren, zu verzichten.
nikationsüberwachung oder eine sonstige verdeckte
Ermittlungsmaßnahme weiterhin vorliegen und die Fort- Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag nicht zu.
führung der Maßnahme noch verhältnismäßig ist. Die Differenzierung entspricht dem geltenden Recht,
vgl. § 110 Abs. 8 TKG i. V. m. § 25 Telekommunika-
7. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 1 Satz 6 StPO) tions-Überwachungsverordnung (TKÜV) und der
Anlage zu § 25 TKÜV. Probleme der Praxis, zwischen
Der Vorschlag sieht vor, die im Entwurf enthaltene Be- Festnetz-, Mobilfunk- und Internetkommunikation
stimmung der Zuständigkeit des im Rechtszug über- nicht trennscharf differenzieren zu können, sind bislang
geordneten Gerichts für die Verlängerung von nicht berichtet worden und eingedenk der Möglichkeit
Telekommunikationsüberwachungsanordnungen und von Mehrfachnennungen auch nicht naheliegend.
von „Maßnahmen, hinsichtlich derer auf § 100b Abs. 1
Satz 6 StPO-E verwiesen wird“ (das ist ausschließlich Die in § 100b Abs. 5 und 6 StPO-E vorgesehene Rege-
bei § 100g Abs. 2 Satz 1 StPO-E der Fall) über sechs lung verlagert allerdings im Zusammenspiel mit der
Monate hinaus zu streichen. ebenfalls vorgesehenen Aufhebung der vorgenannten
Bestimmungen die Verpflichtung zur Erhebung dieser
Die Bundesregierung wird den Vorschlag im weiteren Daten von den Telekommunikationsunternehmen auf
Gesetzgebungsverfahren prüfen. die Strafverfolgungsbehörden. Diese Verlagerung ist
Sie weist darauf hin, dass aufgrund des erst nach sechs sachgerecht: Zum einen ist kein rechtfertigender Grund
Monaten eingreifenden Zuständigkeitswechsels die ersichtlich, warum private Unternehmen – entschädi-
Oberlandesgerichte voraussichtlich nur in einer über- gungslos – für die statistische Erhebung und Zusammen-
schaubaren Anzahl von Fällen mit Verlängerungsanträ- stellung von Daten in Anspruch genommen werden,
gen befasst würden; bei der Abwägung, ob dies zu einer deren Entstehung von den Strafverfolgungsbehörden in-
unangemessenen Mehrbelastung der Oberlandesgerich- itiiert wird und die diesen bekannt sind. Zum anderen
te führt, wird deren derzeitige tatsächliche Belastung und können die Strafverfolgungsbehörden diese Daten rea-
Geschäftszahlenentwicklung zu berücksichtigen sein. litätsnäher erfassen: So wird derzeit beispielsweise eine
Anordnung, die mehreren Telekommunikationsdienst-
8. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 StPO) leistern übersandt wird, von jedem dieser Telekommu-
nikationsdienstleister in die statistische Erhebung ein-
Der Vorschlag sieht vor, eine an die Endgerätenummer gestellt, was im Ergebnis zu ungerechtfertigten Mehr-
(IMEI) anknüpfende Telekommunikationsüberwa- fachzählungen derselben Anordnung führt.
chung nicht nur zu ermöglichen, wenn positiv festge-
stellt werden kann, dass die jeweilige Nummer allein 12. Zu Artikel 1 Nr. 11 (§ 100g Abs. 2 Satz 2 StPO)
dem zu überwachenden Endgerät zuzuordnen ist, son-
Der Vorschlag sieht vor, eine Verkehrsdatenerhebung in
dern immer schon dann, wenn sich nicht aus bestimm-
Form einer Funkzellenabfrage auch zur Ermittlung des
ten Tatsachen ergibt, dass die jeweilige Nummer zu-
Aufenthaltsortes eines Beschuldigten zu ermöglichen.
gleich auch einem anderen Endgerät zugeordnet ist.
Die Bundesregierung wird den Vorschlag im Rahmen
Die Bundesregierung wird den Vorschlag im weiteren des weiteren Gesetzgebungsverfahrens prüfen.
Gesetzgebungsverfahren prüfen.
Bei der Prüfung des Bedarfs für die vorgeschlagene Aus-
weitung der Möglichkeit einer Funkzellenabfrage wird
9. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 3 Satz 1 StPO)
die Bundesregierung auch folgende – in der Beratung des
Der Vorschlag sieht vor, dass die in § 100b Abs. 3 Innenausschusses des Bundesrates vorgetragene – Fall-
Satz 1 StPO-E enthaltene Auskunftsverpflichtung der gestaltung zugrunde legen, in der nach geltendem Recht
Telekommunikationsdiensteanbieter von diesen unver- eine Funkzellenfrage nicht vorgesehen ist: Im Falle eines
züglich zu erfüllen ist. flüchtigen Beschuldigten gelingt es, Aufenthaltsorte
ausfindig zu machen, die der Beschuldigte auf seiner
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag zu.
Flucht zeitweise aufsuchte. Aus Zeugenaussagen ergibt
sich, dass der Beschuldigte an zumindest zwei der Auf-
10. Zu Artikel 1 Nr. 7 (§ 100b Abs. 4 Satz 2 StPO)
enthaltsorte ein Mobiltelefon benutzte. Die Kennung des
Der Vorschlag sieht vor, die Regelung in § 100b Abs. 4 Mobilfunkanschlusses oder -endgerätes ist unbekannt.
Satz 2 StPO-E, nach der das anordnende Gericht nach Durch Abgleich der Daten aus den die Aufenthaltsorte
der Beendigung der Telekommunikationsüberwachung versorgenden Funkzellen könnte die Kennung des vom
über deren Verlauf und die Ergebnisse zu unterrichten Beschuldigten wahrscheinlich genutzten Mobilfunk-
ist, zu streichen. anschlusses oder -endgerätes ermittelt und anhand dieser
Drucksache 16/5846 – 94 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

Kennung mittels einer „gewöhnlichen“ Verkehrsdaten- im Internet durch das BfJ macht die entsprechenden
abfrage die von dem Mobilfunkanschluss oder -endgerät Informationen für jeden Interessierten zugänglich
zuletzt genutzte Funkzelle ermittelt werden. und trägt damit zur Transparenz staatlichen Han-
delns bei.
13. Zu Artikel 1 Nr. 11 (§ 100g Abs. 4 und 5 – neu – StPO)
14. Zu Artikel 1 Nr. 15 (§ 162 Abs. 1 Satz 1a – neu – StPO)
Der Vorschlag sieht vor, die Pflichten zur Erhebung sta-
tistischer Daten nach § 100g Abs. 4 und 5 StPO-E und Der Vorschlag sieht vor, dass Anträge auf Erlass eines
zur Veröffentlichung der jährlich zu erstellenden Über- Haftbefehls auch bei dem nach § 162 StPO-E zustän-
sichten durch das Bundesamt für Justiz (BfJ) wie folgt digen („örtlich konzentrierten“) Ermittlungsrichter ge-
einzuschränken: stellt werden können.
a) Auf eine Unterscheidung zwischen Erst- und Ver- Die Bundesregierung erachtet den Vorschlag aus den
längerungsanordnungen soll verzichtet werden vom Bundesrat dargelegten Gründen für erwägenswert.
(Nummer 2). Dieselben Gründe dürften darüber hinaus dafür spre-
chen, die vom Bundesrat vorgeschlagene Regelung
b) Auf die Unterscheidung zwischen den beiden An- auch bei Anträgen auf Erlass eines Unterbringungsbe-
lasstatengruppen nach § 100g Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 fehls (§ 126a StPO) vorzusehen. Die Bundesregierung
(Straftaten von erheblicher Bedeutung) und nach schlägt daher vor, § 162 Abs. 1 StPO-E wie folgt zu
§ 100g Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 (mittels Telekommunika- fassen:
tion begangene Straftaten) soll verzichtet werden
(Nummer 3). „(1) Erachtet die Staatsanwaltschaft die Vornahme
einer gerichtlichen Untersuchungshandlung für erfor-
c) Die vom BfJ zu erstellende Übersicht soll nicht im derlich, so stellt sie ihre Anträge bei dem Amtsgericht,
Internet veröffentlicht werden. in dessen Bezirk sie oder ihre den Antrag stellende
Die Bundesregierung stimmt den Vorschlägen nicht zu. Zweigstelle ihren Sitz hat. Hält sie daneben den Erlass
eines Haft- oder Unterbringungsbefehls für erforder-
a) Die vorgesehene Unterscheidung zwischen Erst- lich, so kann sie, unbeschadet der §§ 125, 126a, auch
und Verlängerungsanordnungen dient einer reali- einen solchen Antrag bei dem in Satz 1 bezeichneten
tätsnahen Darstellung, in welchem Umfang Maß- Gericht stellen. Für gerichtliche Vernehmungen und
nahmen nach § 100g StPO(-E) in der Praxis ergrif- Augenscheinnahmen ist das Amtsgericht zuständig, in
fen werden. Ohne die Aufteilung in Erst- und dessen Bezirk diese Untersuchungshandlungen vorzu-
Verlängerungsanordnungen könnte insbesondere nehmen sind, wenn die Staatsanwaltschaft dies zur Be-
der – unzutreffende – Eindruck entstehen, dass es schleunigung des Verfahrens oder zur Vermeidung von
sich bei sämtlichen in der Statistik aufgeführten An- Belastungen Betroffener dort beantragt.“
ordnungen um Erstanordnungen handele.
b) Der nach § 100g Abs. 4 Nr. 3 StPO-E vorgesehenen 15. Zu Artikel 2 (Änderung des Telekommunikations-
Unterscheidung zwischen den beiden möglichen gesetzes)
Anlasstatengruppen für eine Verkehrsdatenerhe- Der Vorschlag enthält die Bitte, im weiteren Verlauf des
bung (Straftaten von erheblicher Bedeutung; mittels Gesetzgebungsverfahrens sicherzustellen, dass eine
Telekommunikation begangene Straftaten) kommt Ex-Post-Regulierung durch die Bundesnetzagentur im
für eine spätere Evaluation der Regelung eine wich- Sinne einer nachträglichen Missbrauchsaufsicht (§ 42
tige Aussagekraft zu. Zudem dient § 100g Abs. 4 TKG) und Entgeltregulierung (§ 38 TKG) auch ohne
StPO-E der Umsetzung von Artikel 10 der Richt- den Abschluss eines förmlichen Marktanalyseverfah-
linie 2006/24/EG. Danach muss aus der an die Kom- rens erfolgen kann.
mission zu übermittelnden Statistik u. a. hervorge-
hen, in welchen Fällen im Einklang mit dem Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag nicht zu.
innerstaatlichen Recht Daten an die zuständigen Be- Die Bundesregierung hält ein Aufgreifen der Problema-
hörden weitergegeben worden sind. Entgegen der tik im weiteren Verlauf dieses Gesetzgebungsverfah-
Auffassung des Bundesrates beschränkt sich diese rens für zu kurzfristig und aufgrund der Sachfremde für
Vorgabe gerade nicht auf Angaben zur Anzahl der nicht geboten.
Fälle, sondern verlangt Auskunft darüber, „in wel-
chen Fällen“ Daten weitergegeben worden sind.
16. Zu Artikel 2 Nr. 3 Buchstabe b (§ 110 Abs. 2 Nr. 1
Hierzu ist eine Mindestdifferenzierung nach dem
Buchstabe a TKG)
Anlass der Datenübermittlung notwendig. Diese
Differenzierung erfolgt nach dem Entwurf entspre- Der Vorschlag fordert die Bundesregierung auf, die
chend der Unterteilung in § 100g Abs. 1 Satz 1 TKÜV zu überarbeiten mit dem Ziel, auch für den
StPO-E durch die Angabe, ob es sich bei der Anlass- Bereich der Auskunftserteilung über Verkehrsdaten
straftat um eine Straftat von erheblicher Bedeutung bestimmte technische und organisatorische Anforde-
oder um eine mittels Telekommunikation begange- rungen für die Diensteanbieter festzulegen.
ne Straftat handelt.
Die Bundesregierung hat eine entsprechende Überar-
c) Die in § 100g Abs. 4 i. V. m. § 100b Abs. 5 Satz 2 beitung der TKÜV bereits in Aussicht genommen und
StPO-E vorgesehene Veröffentlichung der Statistik wird diese alsbald vornehmen.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 95 – Drucksache 16/5846

17. Zu Artikel 2 Nr. 4 (§ 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 und 6, Adresse und Uhrzeit eindeutig individualisierten Nut-
Satz 4 TKG) zers im manuellen Auskunftsverfahren nach § 113
TKG zu erteilen sind. Ein solches Auskunftsersuchen
Der Vorschlag sieht zum einen vor, die Verpflichtung
soll b) auch unter Verwendung unvollständiger Anfra-
der Diensteanbieter nach § 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5
gedaten erfolgen können. In diesem Fall soll die ersu-
TKG-E zur Erhebung und Speicherung der Gerätenum-
chende Stelle unverzüglich prüfen, inwieweit sie die
mern (IMEI) ausdrücklich auf die Fälle zu beschränken,
übermittelten Daten benötigt, und nicht benötigte Daten
in denen das Mobilfunkendgerät von dem Dienstean-
unverzüglich löschen müssen.
bieter im Zusammenhang mit dem Abschluss oder der
Verlängerung eines Vertrages über einen Mobilfunkan- a) Die Bundesregierung hält eine ausdrückliche Rege-
schluss überlassen wird. Zum anderen sollen die lung dazu, unter welchen Voraussetzungen und in
Diensteanbieter nach § 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 TKG-E welchem Verfahren Bestandsdatenauskünfte über
zusätzlich zur Erhebung und Speicherung des Datums denjenigen, dem eine dynamische Internetprotokoll-
einer Vertragsverlängerung verpflichtet werden. Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt zugewie-
Schließlich soll die Berichtigungspflicht der Dienste- sen war, zu erteilen sind, zwar grundsätzlich für
anbieter nach § 111 Abs. 1 Satz 4 TKG-E auf die Daten erwägenswert. Sie weist allerdings zugleich darauf
nach § 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 4 TKG-E beschränkt hin, dass die §§ 111 bis 113 TKG Gegenstand eines
werden. derzeit beim Bundesverfassungsgericht anhängigen
Verfassungsbeschwerdeverfahrens sind (1 BvR
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag nicht zu. 1299/05). Während der Anhängigkeit eines solchen
Zwar ist das Anliegen, die Verpflichtung zur Erhebung Verfahrens erscheint es ratsam, Änderungen der be-
und Speicherung der Endgerätenummern zu konkreti- troffenen Vorschriften nur dann vorzunehmen, wenn
sieren, auch nach Auffassung der Bundesregierung hierzu ein unabweisbares Bedürfnis besteht. In
durchaus erwägenswert; der konkrete Regelungsvor- Anbetracht der inzwischen gefestigten Rechtspre-
schlag erscheint allerdings zu einschränkend. Danach chung, die überwiegend zur Anwendung der
bestünde in bestimmten, in der Praxis durchaus nicht §§ 111 ff. TKG gelangt, erscheint ein solches unab-
seltenen Fallgestaltungen keine Pflicht (mehr) zur Er- weisbares Bedürfnis derzeit zumindest zweifelhaft.
hebung und Speicherung der IMEI, etwa wenn dem Darüber hinaus ist bislang noch nicht geklärt, ob
Kunden nach Vertragsschluss aus Gewährleistungs- und ggf. in welchem Umfang Bestandsdatenab-
gründen ein neues Endgerät überlassen wird oder wenn fragen nach den §§ 112, 113 TKG aufgrund des
der Diensteanbieter dem Kunden gegen Ende der ver- Umstandes, dass diese Abfragen regelmäßig ohne
einbarten Mindestvertragslaufzeit ein neues Endgerät Kenntnis der betroffenen Personen erfolgen, Be-
überlässt, um ihn von einer Vertragskündigung abzu- nachrichtigungspflichten auslösen (vgl. § 101
halten. Andererseits erschließt sich nicht, welche Fall- Abs. 4 ff. StPO-E).
gestaltungen durch die IMEI-Erhebungs- und Speiche- Zu dem konkreten Regelungsvorschlag des Bundes-
rungspflicht im Falle von Vertragsverlängerungen rates gibt die Bundesregierung zudem Folgendes zu
erfasst werden sollen, da Verträge über Mobilfunk- bedenken: Eine Auskunft über Name und Anschrift
anschlüsse am deutschen Telekommunikationsmarkt des Nutzers eines Telekommunikationsdienstes
ungeachtet üblicher Mindestvertragslaufzeiten regel- dürfte dem Diensteanbieter regelmäßig nicht mög-
mäßig auf unbestimmte Dauer abgeschlossen werden. lich sein, da sich die vom Diensteanbieter nach
Hinzu kommt, dass § 111 Abs. 1 Satz 1 TKG-E weiter- § 111 TKG zu erhebenden und zu speichernden per-
hin vorsieht, dass die Daten vor der Freischaltung des sonenbezogenen Angaben allein auf den Anschluss-
Anschlusses erhoben und gespeichert werden; diese inhaber beziehen; wer den Telekommunikations-
Freischaltung erfolgt bereits im Anschluss an den Ver- dienst tatsächlich genutzt hat, lässt sich weder
tragsschluss und wird im Falle etwaiger Vertragsverlän- anhand der dynamischen Internetprotokoll-Adresse
gerungen nicht erneut durchgeführt. Dieser Einwand ist noch anhand der zu dem Anschlussinhaber gespei-
auch gegen die vorgeschlagene Erweiterung der Erhe- cherten Angaben erkennen.
bungs- und Speicherungspflichten nach § 111 Abs. 1
Satz 1 Nr. 6 TKG-E auf das Datum einer Vertragsver- b) Dem Vorschlag, ein Auskunftsersuchen darüber,
längerung zu erheben. Es ist auch nicht ersichtlich, zu wem eine dynamische Internetprotokoll-Adresse zu
welchem Zweck zusätzlich zur Speicherung des Ver- einem bestimmten Zeitpunkt zugewiesen war, auch
tragsbeginns und des Vertragsendes, das bei einer Ver- unter Verwendung unvollständiger Anfragedaten
tragsverlängerung geändert wird und daher ebenfalls zu zuzulassen, stimmt die Bundesregierung nicht zu.
speichern ist, auch noch eine Speicherung des Tags, an Ein Bedarf für eine solche Regelung ist weder in der
dem die Vertragsverlängerung vereinbart worden ist, Vorschlagsbegründung dargelegt noch sonst ersicht-
erforderlich sein sollte. lich, zumal der konkrete Regelungsvorschlag gerade
voraussetzt, dass der Nutzer (bzw. der Anschlussin-
haber) aufgrund der bekannten dynamischen Inter-
18. Zu Artikel 2 Nr. 5a – neu – (§ 113 Abs. 1 Satz 1a
netprotokoll-Adresse und der Uhrzeit eindeutig in-
– neu – bis 1c – neu –
dividualisierbar ist. In welchen Fallgestaltungen
TKG)
diese Angaben unvollständig sein könnten und ob
Der Vorschlag sieht eine gesetzliche Regelung vor, eine Beauskunftung durch den Diensteanbieter auf
nach der a) Auskünfte über den Namen und die An- Grundlage insoweit unvollständiger Angaben sinn-
schrift eines mittels dynamischer Internetprotokoll- voll überhaupt möglich wäre, ist völlig offen.
Drucksache 16/5846 – 96 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

19. Zu Artikel 2 Nr. 6 (§ 113a Abs. 10 Satz 2 TKG) b) zu prüfen, ob in § 113b Satz 1 Halbsatz 2 TKG-E
das Wort „verwenden“ durch das Wort „übermit-
Der Vorschlag sieht eine gesetzliche Klarstellung vor, teln“ ersetzt werden sollte, um klarzustellen, dass
wonach die besondere Ermächtigung zum Zugang zu auch künftig Auskunft über Bestandsdaten nach den
nach Maßgabe von § 113a TKG-E gespeicherten Daten §§ 161, 163 StPO i. V. m. § 113 TKG erteilt werden
durch den Diensteanbieter zu erteilen ist. Ferner sollen kann.
die besonders ermächtigten Personen auf das Daten-
geheimnis nach § 5 Satz 2 des Bundesdatenschutz- Die Bundesregierung erachtet das Anliegen zu Buch-
gesetzes (BDSG) verpflichtet werden. stabe a aus den hierzu in der Vorschlagsbegründung
dargelegten beachtlichen Gründen für bedenkenswert,
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag zu, soweit weist aber darauf hin, dass mit einer solchen Verwen-
er der Klarstellung dient, dass die besondere Ermächti- dung der nach Maßgabe von § 113a Abs. 4 TKG-E ge-
gung i. S. v. § 113a Abs. 10 Satz 2 TKG-E durch den speicherten Daten zur Erfüllung zivilrechtlicher Aus-
Diensteanbieter zu erteilen ist. Soweit der Vorschlag kunftsansprüche ein weiterer Eingriff in die Rechte der
eine Verpflichtung der besonders ermächtigten Perso- Telekommunikationsnutzer verbunden wäre, wenn
nen auf das Datengeheimnis unter ausdrücklicher Be- auch die gespeicherten Daten selbst nicht beauskunftet,
zugnahme auf § 5 Satz 2 BDSG vorsieht, stimmt die sondern lediglich intern vom Diensteanbieter verarbei-
Bundesregierung dem Vorschlag nicht zu. tet würden.
Die klarstellende Ergänzung, dass die besondere Er- Die Bundesregierung hält das Anliegen zu Buchstabe b
mächtigung von dem Diensteanbieter zu erteilen ist, für berechtigt. Mit der Verwendungsbeschränkung in
entspricht der mit der Entwurfsfassung ohnehin inten- § 113b Satz 1 Halbsatz 2 TKG-E war nicht beabsich-
dierten Regelung. Die Bezugnahme auf § 5 Satz 2 tigt, eine Bestandsdatenauskunft nach § 113 TKG über
BDSG begegnet dagegen erheblichen Bedenken. Die den zeitweiligen Inhaber einer dynamischen Internet-
einschlägigen Vorschriften des allgemeinen Daten- protokoll-Adresse, zu deren Erteilung Diensteanbieter
schutzrechts finden auf Personen, die bei Telekommu- intern auf gespeicherte Verkehrsdaten zugreifen müs-
nikationsdiensteanbietern beschäftigt sind und dort Zu- sen, künftig auszuschließen. Die vorgeschlagene Klar-
gang zu personenbezogenen Daten haben, ohnehin stellung ist auch geeignet, diesem Anliegen Rechnung
Anwendung, soweit sie nicht durch die bereichsspezi- zu tragen und eine Beauskunftung nach § 113 TKG
fischen Datenschutzvorschriften der §§ 91 ff. TKG weiterhin zu ermöglichen. Die vorgeschlagene Erset-
verdrängt werden, § 1 Abs. 3 BDSG. Mangels einer zung des Wortes „verwenden“ durch das Wort „über-
insoweit vorgehenden telekommunikationsrechtlichen mitteln“ in § 113b Satz 1 Halbsatz 2 TKG-E hätte da-
Regelung ist § 5 Satz 2 BDSG somit bereits nach gel- rüber hinaus allerdings zur Folge, dass ein interner
tender Rechtslage anzuwenden auf Beschäftigte von Zugriff auf die allein nach Maßgabe von § 113a
Diensteanbietern, die Zugang zu gespeicherten Ver- TKG-E gespeicherten Daten durch den Diensteanbieter
kehrsdaten haben (vgl. BerlKommTKG/Klesczewski, auch zur Erfüllung zivilrechtlicher Auskunftsansprüche
§ 91, Rn. 15; Königshofen/Ulmer, Datenschutz-Hand- (s. o.) und zur Verwendung bei Störungen von Tele-
buch Telekommunikation, § 91 TKG, Rn. 12). Aus die- kommunikationsanlagen und bei Missbrauch von Tele-
sem Grunde erscheint die vorgeschlagene ausdrück- kommunikationsdiensten nach § 100 TKG ermöglicht
liche Bezugnahme auf eine Vorschrift des allgemeinen würde. Sofern eine so weit reichende Öffnung der
Datenschutzrechts auch aus rechtssystematischen Verwendungsmöglichkeiten nicht gewollt ist, böte sich
Gründen als problematisch und wirft zudem die grund- folgende klarstellende Ergänzung in § 113b Satz 1
sätzliche Frage zum Verhältnis der übrigen daten- Halbsatz 2 TKG-E an, um dem Anliegen zu Buch-
schutzrechtlichen Regelungen des TKG, die nicht aus- stabe b Rechnung zu tragen:
drücklich auf das BDSG verweisen, zum allgemeinen
Datenschutzrecht auf. „für andere Zwecke mit Ausnahme einer Auskunftser-
teilung nach § 113 darf er die Daten nicht verwenden.“
Die Bundesregierung schlägt daher vor, § 113a Abs. 10
Satz 2 TKG wie folgt zu fassen: 21. Zu Artikel 2 Nr. 6 (§ 113b Satz 1 Halbsatz 1 TKG)
„Im Rahmen dessen hat er durch technische und orga- Der Vorschlag sieht vor, die in § 113b Satz 1 Halbsatz 1
nisatorische Maßnahmen sicherzustellen, dass der Zu- TKG-E enthaltene „Zitierklausel“ („unter Bezugnahme
gang zu den gespeicherten Daten ausschließlich hierzu auf § 113a“) zu streichen.
von ihm besonders ermächtigten Personen möglich ist.“
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag nicht zu.
20. Zu Artikel 2 Nr. 6 (§ 113b Satz 1 TKG) Entgegen der in der Vorschlagsbegründung dargestell-
Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetz- ten Auffassung des Bundesrates ist eine Gesetz-
gebungsverfahrens gebungskompetenz des Bundes gegeben. Es ist zu
unterscheiden zwischen den polizeirechtlichen Befug-
a) sicherzustellen, dass Diensteanbieter zur Erteilung nisnormen, die die Gefahrenabwehrbehörden zur
von Auskünften über Inhaber dynamischer Internet- Datenerhebung ermächtigen, und den telekommunika-
protokoll-Adressen auch für Zwecke der zivilrecht- tionsrechtlichen Befugnisnormen, die die Telekommu-
lichen Durchsetzung der Rechte am geistigen Eigen- nikationsdiensteanbieter zur Datenübermittlung an die
tum Daten verarbeiten dürfen, die allein aufgrund Gefahrenabwehrbehörden berechtigten. Erstere richten
von § 113a Abs. 4 TKG-E gespeichert werden, und sich in den hier relevanten Fällen als Teil des grundsätz-
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 97 – Drucksache 16/5846

lich in die Gesetzgebungskompetenz der Länder sensvorschrift handelt. Im Zuge der Ausübung ihres
fallenden Gefahrenabwehrrechts an die Polizeibehör- pflichtgemäßen Ermessens wird die Bundesnetzagentur
den. Letztere sind dagegen für sich genommen kein Teil auch die Frage zu prüfen und zu bewerten haben, ob
des Gefahrenabwehrrechts, sondern kompetenzrecht- und in welchem Maße es Diensteanbietern möglich ist,
lich Teil des Telekommunikationsrechts, weil sie den die durch § 113a TKG-E erstmalig begründeten Spei-
Umgang der Diensteanbieter mit den Daten der Tele- cherungspflichten zu erfüllen. Erforderlichenfalls wird
kommunikationsdienstenutzer regeln. Danach handelt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
es sich bei § 113b TKG-E um eine datenschutzrecht- zu prüfen haben, ob der Erlass einer allgemeinen ermes-
liche Befugnisnorm, die sich allein an die Telekommu- sensleitenden Verfügung, von der Befugnis zur Fest-
nikationsdiensteanbieter wendet, hingegen nicht um setzung von Zwangsgeldern nach § 115 TKG unter
eine – die Gefahrenabwehrbehörden adressierende – bestimmten Voraussetzungen einstweilen keinen Ge-
Vorschrift, die die Telekommunikationsüberwachung brauch zu machen, angezeigt ist.
zum Zwecke der Erlangung von Informationen für Auf-
gaben des Polizeirechts ermöglicht. Daher ist auch in- 23. Zu Artikel 2 Nr. 9 (§ 150 Abs. 12b TKG)
soweit auf die ausschließliche Gesetzgebungskompe-
tenz des Bundes für das Telekommunikationsrecht nach Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetz-
Artikel 73 Abs. 1 Nr. 7 GG abzustellen. Der Bund gebungsverfahrens zu prüfen, ob der Zeitpunkt für die
könnte nach alledem eine Übermittlung der nach Maß- Anwendung des § 149 vorgezogen werden kann.
gabe von § 113a TKG-E gespeicherten Daten durch die
Diensteanbieter für andere Zwecke als etwa die Straf- Die Bundesregierung hat die Möglichkeit, die An-
verfolgung sogar vollständig untersagen (vgl. insoweit wendbarkeit der Ordnungswidrigkeitenvorschrift des
etwa §§ 4, 7 des Autobahnmautgesetzes für schwere § 149 TKG auf die Verletzung der Speicherungs- und
Nutzfahrzeuge); umso mehr ist er zu lediglich einschrän- der Speicherungssicherstellungspflichten nach § 113a
kenden Übermittlungsregelungen für die Diensteanbie- TKG-E zeitlich vorzuziehen, geprüft und ist zu dem Er-
ter berechtigt. gebnis gelangt, dass es bei der im Entwurf vorgesehe-
nen Regelung aus den dort dargelegten Gründen sein
Auch die in der Vorschlagsbegründung zum Ausdruck Bewenden haben sollte, zumal die Vorschlagsbegrün-
gebrachte Sorge vor „erheblichen Sicherheitslücken“ ist dung erhebliche neue Gesichtspunkte nicht darlegt.
nach Auffassung der Bundesregierung nicht begründet,
da sich bis zu einer etwaigen Anpassung der landesrecht-
lichen Vorschriften an der bisherigen Rechtslage für die 24. Zu Artikel 3 Nr. 2 Buchstabe d (§ 370 Abs. 3
Länder nichts ändert. Nach Maßgabe bestehender lan- Satz 2 Nr. 5 AO)
desrechtlicher Befugnisse dürfen Diensteanbieter – wie
bisher – solche Verkehrsdaten an die zuständigen Lan- Der Bundesrat bittet, zur Vermeidung von Problemen
desbehörden übermitteln, die sie zu eigenen Zwecken bei der Verwertung von Erkenntnissen aus Telekom-
speichern, da sich die Übermittlungsbeschränkung des munikationsüberwachungsmaßnahmen nach § 100a
§ 113b TKG-E lediglich auf solche Daten bezieht, die Abs. 2 Nr. 2 Buchstabe a StPO-E im weiteren Gesetz-
Diensteanbieter künftig allein aufgrund der Speiche- gebungsverfahren zu prüfen, ob die Beschränkung des
rungsverpflichtung nach § 113a TKG-E speichern § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 AO-E allein auf die Umsatz-/
werden. Die angegriffene „Zitierklausel“ des § 113b Verbrauchsteuerhinterziehung entfallen kann.
Satz 1 Halbsatz 1 TKG-E erscheint zudem aus verfas-
Die Bundesregierung erachtet die dieser Prüfbitte zu-
sungsrechtlicher Sicht geboten. Der mit dem staatlichen
grunde liegenden Erwägungen zwar teilweise für be-
Zugriff auf gespeicherte Verkehrsdaten verbundene
denkenswert. Ebenso dürfte vom Gesetzgeber aller-
Eingriff in das Fernmeldegeheimnis der Telekommuni-
dings zu berücksichtigen sein, dass bei einem Verzicht
kationsnutzer bedarf aufgrund der vom Entwurf vorge-
auf die Beschränkung auf Umsatz- oder Verbrauchsteu-
sehenen Einführung von Speicherungspflichten für Ver-
er nicht nur der Anwendungsbereich des besonders
kehrsdaten einer erneuten grundrechtlichen Bewertung.
schweren Falles nach § 370 Abs. 3 Satz 2 Nr. 5 AO-E
Diese Bewertung hat der jeweilige Gesetzgeber, der
sondern damit zugleich auch – wie vom Bundesrat
einen Zugriff auf die „auf Vorrat“ gespeicherten Daten
intendiert – die Möglichkeit einer Telekommunika-
für geboten hält, vorzunehmen und durch die Bezugnah-
tionsüberwachung nach § 100a Abs. 2 Nr. 2 StPO-E er-
me auf § 113a TKG(-E) in den jeweiligen Eingriffser-
heblich ausgedehnt würde. Erfasst werden könnten ins-
mächtigungen zu dokumentieren.
besondere auch Fallgestaltungen, in denen Ehepartner
unter Mitwirkung eines Steuerberaters und damit in
22. Zu Artikel 2 Nr. 7 (§ 115 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 TKG) ggf. bandenmäßiger Weise beispielsweise Einkommen-
Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetzge- steuer verkürzen. Derart weitreichende Maßnahmen
bungsverfahrens durch geeignete Maßnahmen sicher- sind nach Auffassung der Bundesregierung indessen
zustellen, dass Zwangsgelder nach § 115 Abs. 2 Satz 1 weder erforderlich noch wären sie angemessen. Da der
Nr. 1 TKG i. V. m. § 113a Abs. 1 bis Abs. 6 TKG-E Anlasstatenkatalog des § 100a StPO bislang keine
nicht vor dem 1. Januar 2009 erhoben werden können. Straftaten nach der Abgabenordnung enthält, können
zudem auch noch keine belastbaren rechtstatsächlichen
Die Bundesregierung hält das mit dem Vorschlag ver- Erkenntnisse herangezogen werden, die belegen könn-
folgte Anliegen grundsätzlich für berechtigt, weist aber ten, dass die im Entwurf vorgesehene Regelung unzu-
darauf hin, dass es sich bei § 115 TKG um eine Ermes- reichend ist.
Drucksache 16/5846 – 98 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode

25. Zu Artikel 3 Nr. 6 – neu – (§ 393 Abs. 3 – neu – AO) – die akustische Überwachung außerhalb von
Der Vorschlag sieht vor, in die Abgabenordnung eine Re- Wohnungen (§ 100f Abs. 4 Satz 1 StPO-E),
gelung einzustellen, nach der durch Telekommunika- – die Verkehrsdatenabfrage (§ 100g Abs. 2 Satz 1
tionsüberwachungsmaßnahmen bekannt gewordene Er- StPO-E) und
kenntnisse auch im Besteuerungsverfahren verwertet – den Einsatz des IMSI-Catchers (§ 100i Abs. 3
werden dürfen, soweit die Maßnahmen wegen einer Satz 1 StPO-E).
schweren Straftat im Sinne des § 100a Abs. 2 Nr. 1
Buchstabe m oder Abs. 2 Nr. 2 StPO angeordnet wurden. – Ferner wird bei den Regelungen zur längerfristi-
gen Observation in § 163f Abs. 3 Satz 2 StPO-E
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag im Rah-
der Begriff Werktage gebraucht.
men des vorliegenden Entwurfs, der sich im Wesent-
lichen mit strafprozessualen und damit zusammenhän- Der Bundesrat schlägt vor, diese Terminologie auch
genden straf- und telekommunikationsrechtlichen für die übrigen verdeckten Ermittlungsmaßnahmen
Fragestellungen befasst, nicht zu. Sie wird das Anlie- zu übernehmen. Betroffen wären hiervon zumin-
gen des Bundesrates jedoch näher prüfen und ihm vor- dest:
aussichtlich im Rahmen eines Steuerrechtsänderungs- – die Rasterfahndung (§ 98b Abs. 1 Satz 3 StPO-E),
gesetzes Rechnung tragen.
– die Postbeschlagnahme (§ 100 Abs. 2 StPO-E),
26. Zu Artikel 13 Nr. 2 Buchstabe a (§ 3 Abs. 2 Satz 1 – die Wohnraumüberwachung (§ 100d Abs. 1
Nr. 5 TKÜV) Satz 2 StPO),
Nr. 8 (§ 21 TKÜV)
Nr. 11 (§ 27 Abs. 8 Satz 1 TKÜV) – der Einsatz eines Verdeckten Ermittlers (§ 110b
Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Satz 4 StPO),
Der Vorschlag sieht vor, auf die im Entwurf vorgese-
hene Anhebung der Pflichtgrenze zu verzichten. – die Schleppnetzfahndung (§ 163d Abs. 2 Satz 3
StPO) und
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag aus den in
der Entwurfsbegründung dargelegten Überlegungen, – die polizeiliche Beobachtung (§ 163e Abs. 4
die durch die Vorschlagsbegründung nicht entkräftet Satz 4 StPO-E).
werden, nicht zu. Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag aus den
vom Bundesrat dargelegten Gründen zu.
27. Zu Artikel 16 (Inkrafttreten)
b) Bei der Telekommunikationsüberwachung (§ 100a
Der Bundesrat bittet, im weiteren Gesetzgebungsver- Abs. 1 StPO-E), der Wohnraumüberwachung
fahren sicherzustellen, dass § 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 (§ 100c Abs. 1 StPO-E) und der Verkehrsdatenerhe-
TKG-E (Pflicht zur Erhebung und Speicherung von bung (§ 100g Abs. 1 StPO-E) sind weitgehend wort-
Endgerätenummern) erst nach einer angemessenen gleiche Formulierungen vorgesehen:
Frist in Kraft tritt.
„Begründen bestimmte Tatsachen den Verdacht,
Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag nicht zu. dass jemand als Täter oder Teilnehmer eine … Straf-
Die in § 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 TKG-E vorgesehene tat begangen hat, in Fällen, in denen der Versuch
Pflicht, Endgerätenummern (IMEI) vor der Freischal- strafbar ist, zu begehen versucht hat oder durch eine
tung des Anschlusses zu erheben und zu speichern, ist Straftat vorbereitet hat …“.
zumeist bei Abschluss neuer Verträge zu erfüllen. Wel- Der Bundesrat schlägt vor, bei der akustischen Über-
cher umfangreichen systemtechnischen und organisato- wachung außerhalb von Wohnungen (§ 100f Abs. 1
rischen Anpassungen die Erfüllung dieser Pflicht be- StPO-E) sowie beim IMSI-Catcher-Einsatz (§ 100i
darf, ist nicht näher belegt. Abs. 1 StPO-E) ebenfalls die vorstehenden Formulie-
rungen zu verwenden.
28. Zum Gesetzentwurf insgesamt Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag zu, soweit
Der Bundesrat bittet, soweit sachliche Gründe für eine jeweils eine einheitliche Verwendung des – lediglich
Differenzierung nicht bestehen, im weiteren Verlauf des klarstellenden – Zusatzes „als Täter oder Teilnehmer“
Gesetzgebungsverfahrens hinsichtlich der nachstehend vorgeschlagen wird.
genannten Punkte für eine einheitliche Begrifflichkeit Die Bundesregierung stimmt dem Vorschlag nicht zu,
bzw. eine einheitliche Formulierung Sorge zu tragen, soweit bei § 100f Abs. 2 StPO-E nicht nur die Variante
um so dem Ziel des Gesetzentwurfs, der Harmonisie- der versuchten Begehung sondern auch die Variante
rung der Bestimmungen über die verdeckten Ermitt- „durch eine Straftat vorbereitet hat“ einbezogen werden
lungsmaßnahmen, noch besser gerecht zu werden. soll. Denn damit würde abweichend vom geltenden
a) Der Gesetzentwurf führt in § 100b Abs. 1 Satz 2 Recht eine nicht unerhebliche Ausweitung der akusti-
StPO-E den Begriff der „Werktage“ statt „Tage“ ein schen Überwachung außerhalb von Wohnungen ermög-
zur Bestimmung der Frist, innerhalb der eine Eil- licht, ohne dass hierfür ein praktisches Bedürfnis darge-
anordnung richterlich zu bestätigen ist. Durch Ver- legt oder erkennbar ist. Auch bei der akustischen
weisung auf § 100b Abs. 1 Satz 2 StPO-E gilt dies Überwachung innerhalb einer Wohnung (§ 100c Abs. 1
nicht nur für die Telekommunikationsüberwachung, Nr. 1 StPO) wird die Vorbereitungsvariante im Gesetz
sondern auch für nicht einbezogen.
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