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Verschiedene Arten von Dribblings

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  Von CF 6. November 2020 6. November 2020 Bundesliga

Unterschiedliche Dribblings präzise zu kategorisieren, ist schwierig, da sich keine klare Grenze ziehen lässt. Ein Spieler greift immer auf
verschiedene Dribblingsarten zurück. Außerdem stellt sich die Frage, wie und welche Unterscheidungen getroffen werden können.

Grob würde ich sagen, dass Spieler A je nach Zielsetzung Z zwischen Dribbling 1, 2 oder 3 usw. variiert. (Ein Spieler ist ein guter Dribbler,
wenn er das richtige Ziel ableitet und über die Fähigkeiten verfügt, zwischen verschiedenen Dribblingsstilen zu variieren oder wenn er z.B
Dribblingsstil 1 überdurchschnittlich erfolgreich durchführen kann). Wenn man also davon ausgeht, dass die Dribblings je nach
Zielsetzung variieren, könnte man sie über die Ziele kategorisieren. Um eine praktische Situationen als Grundlage zu haben, habe ich eine
Situation kreiert. In dieser Situation hat der Spieler einen direkten Gegenspieler, einen Mitspieler/Passweg und einen freien Raum (Ist
dieser Ansatz zu theoretisch und die Situation zu spielfern und zu zerkleinert?).

Auf wie viele verschiedene Arten kann der Spieler mit der Situation umgehen, wenn er dribbeln muss? Welche unterschiedliche Ziele kann
er verfolgen und wie wirkt sich das auf seinen Dribblingsstil aus? 

1. Gegenspieler
Grundsituation. Fokus auf den Gegenspieler.

1.1 Klarer Fokus auf den Gegenspieler. Blickfeld Richtung Gegenspieler. Die Zielsetzung dieses Dribblings wäre es den direkten
Gegenspieler auszuspielen. 

1.2 Der Spieler manipuliert die kleinen Bewegungen des Gegenspielers und spielt seine Vorteile im direkten Duell aus. Fokus auf
technische und physische Vorteile/Fähigkeiten. 

1.3 In komplexeren Situationen haben gegnerfokussierte Dribbler Schwierigkeiten, da es ihnen schwerer fällt, diese Situationen
strategisch zu manipulieren. Sie können nur in einem kleineren Rahmen den Gegenspieler manipulieren (Übersteiger, Bewegung in
Richtung A, Anschlussbewegung in Richtung B). Bei gegnerfokussierten Dribblern gibt es selten Unterschiede zwischen der Handlung,
die sie kommunizieren und der Handlung, die sie ausführen (kommunizierte Handlung = ausgeführte Handlung). 

1.4 Wie entstehen solche Spielertypen? Frühe physische und technische Vorteile. Starker Fokus auf diese Vorteile. Andere
Dribblingsarten werden nicht weiter ausgebildet.

1.5 Douglas Costa und Coman sind klassische gegnerorientierte Dribbler.

Douglas Costa gegen Bellerin


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Diese Szenen ist ein gutes Beispiel für gegenspielerorientierte Dribblings. Costa fokussiert sich auf Bellerin und läuft ihn direkt an. In
dem er leicht nach rechts geht und dann nach links ausweicht, manipuliert er Bellerin. Dadurch kommuniziert er Handlung A und führt
dann Handlung B aus. Allerdings in einem sehr kleinen Rahmen und der Erfolg der Aktion ist nicht zwingend an das Verschleiern der
Intentionen geknüpft. Costa kommt in dieser Situation vor allem über seine Explosivität und seine Schnelligkeit mit dem Ball.

2. Raum

Grundsituation. Fokus auf freie Räume.


2.1 Fokus auf die freien Räume. Blickfeld Richtung freie Räume. Die freien Räume werden genutzt oder es wird in die freien Räume in der
Formation des Gegners eingedrungen.

2.2 Durch die Bewegungen in die freien Räume, zwingt der Spieler den Gegenspieler zu einer Bewegung. Die raumorientierten Dribblings
sind in einem größeren Rahmen manipulativer als die gegenspielerfokussierten Dribblings. Trotzdem gibt es einen Fokus auf physische
und technische Fähigkeiten. Oft nutzen die Spieler ihre Schnelligkeit und dringen raumgreifend in die Formation des Gegners ein. Sie
werden in ihren Dribblings durch die Staffelungen der Gegner gelenkt und schaffen selten neue Räume, sondern nutzen die Räume in der
Struktur des Gegners aus.

2.3 Können sich je nach Raumwahrnehmung aus engen Situationen drehen/befreien. Teilweise Unterschiede zwischen kommunizierten
und ausgeführter Handlung. Keine kleinräumigen Manipulationen. 

2.4 Wie entstehen solche Spielertypen? Frühe physische und technische Vorteile. Gute Raumwahrnehmung. Vielleicht auch technisch
limitierter(?), wird dann über Schnelligkeit und Raumwahrnehmung ausgeglichen.

2.5 Timo Werner würde einem solchen Dribblingstypus am nächsten kommen. Sehr raumgreifend, aber kein überragender Techniker.
Findet geschickt freie Räume in der Formation, kommt so häufig zu guten Abschlusssituationen.

Thiago Drehung

Thiago Drehung gegen Leipzig

Der Thiago Turn ist ein Beispiel für ein raumgreifendes Dribbling. Durch seine Stellung zum Ball und sein Sichtfeld, lockt er das Pressing
an und dreht sich dann mit einem Kontakt in den freien Raum. Der Thiago Turn ist allerdings deutlich manipulativer als z.B die Dribblings
von Timo Werner. Viele raumorientierte Dribbler haben nur leichte Unterschiede zwischen kommunizierten Handlung und ausgeführter
Handlung. Sie haben einen Schnelligkeitsvorteil (und Wahrnehmungsvorteil(?)), deswegen ist es nicht nötig, die Intention zu verschleiern.

3. Passweg/Mitspieler
Grundsituation. Fokus auf die Mitspieler/Passwege.

3.1 Fokus auf die Passwege und die Mitspieler. Diese werden angedribbelt. Blickfeld Richtung Mitspieler. Die Stellung des Gegners soll
manipuliert werden. 

3.1.1 Es wird eine Aktion A vorgeben, die der Spieler liest und auf die er reagiert. Durch seine Reaktion öffnen sich Passwege/Räume für
Aktion B. 

3.2 Die eigentliche Zielsetzung ist es durch das Dribbling einen Pass vorzubereiten oder freie Räume zu kreieren, in die man sich
bewegen kann. 

3.3 Im Vergleich zu den anderen beiden Dribblingarten, wird in dieser Form nicht nur eine Situationen ausgenutzt/bespielt, sondern es
werden bestimmte Situationen hergestellt und kreiert. Dabei gehen die Spieler äußert strategisch vor und manipulieren Situationen in
einem größeren Rahmen. 

3.3.1 Der Spieler könnte den freien Raum andribbeln, den Gegner aus dem Passweg rausziehen und dann den Pass zum Mitspieler
spielen. Das Dribbling fokussiert sich zwar auf den Mitspieler, muss sich aber nicht zwingend auf ihn beziehen, da die kommunizierte
Handlung selten mit der ausgeführten Handlung kongruent ist. 

3.4 Wie entstehen solche Spielertypen? Häufige physische Nachteile. Konkrete Zielsetzung im Ballbesitz, feine Unterscheidung von guten
und schlechten Aktionen durch intelligentes Coaching (Spieler: Wie mache ich gute Aktionen möglich?).
3.5 Innenverteidiger oder Sechser sind häufig Passweg/Mitspieler orientiert, da sie z.B durchs andribbeln spezifische Situationen
herstellen wollen (z.B Passwege öffnen) und die Angriffe langfristiger planen und organisieren. Umso größer der Unterschied zwischen
kommunizierter und ausgeführter Handlung ist, umso erfolgreicher die Anschlussaktion.

Frenkie de Jong gegen Italien

Frenkie De Jong gegen Italien. Grafik 1


Grafik 2

In dieser Situation erhält Frenkie de Jong den Ball im Zentrum. Er dreht sich leicht nach außen auf, dadurch bewegt sich der gegnerische
Sechser in den Passweg nach außen und öffnet eine kleine Lücke im Zentrum. Frenkie de Jong dreht sich nach innen und spielt einen
Pass auf Luuk de Jong. 

Die Szene ist simpel, aber durch den kurzen Moment, in dem Frenkie de Jong Handlung A kommuniziert, öffnet sich der Passweg für
Handlung B. Um Handlung A zu kommunizieren nutzt Frenkie de Jong seinen Mitspieler als Bindungspunkt, er kommuniziert also in
einem größeren Rahmen.

Kommunikation im passweg-/mitspielerorientierten Dribbling

Welche Möglichkeiten hat der Spieler, zukünftige Handlungen an seinen Gegenspieler zu kommunizieren? Bzw. wie liest dieser zukünftige
Handlungen?

1. Anhand der Bewegungen deutet Spieler A die Intention von Spieler B. 

1.1 Anhand der Ausholbewegung wird analysiert, wie viel Kraft der Spieler für seine Schuss oder Pass braucht. Ist es ein kurzer/langer
Pass und welchen Fuß verwendet der Spieler für den Pass. 

1.2 Anhand der Stellung vom Fuß zum Ball wird analysiert, welchen Teil vom Fuß der Spieler für den Pass verwendet. Daran kann
abgelesen werden, ob der Pass hoch oder tief (Spann oder Innenseite) gespielt wird und welchen Schnitt er hat (Innen- oder Außenrist,
wie dreht sich der Ball?).

2. Anhand der Körperstellung kann abgelesen werden, in welche Richtung der Pass geht.

2.1 Die Blickrichtung des Spielers gibt Auskunft darüber, was er wahrnimmt.

2.1.1 Es wird darauf geachtet, was Spieler A wahrnimmt, damit auch nur der wahrgenommene Raum von Spieler A verteidigt werden
muss. Wenn Spieler B Option 1 oder Option 2 verteidigen muss, entscheidet er sich vielleicht eher für die gefährlichere Option, die Spieler
A wahrgenommen hat. 

3. Position des Balles. Die Position des Balles lässt verschiedene Rückschlüsse zu. Es können Spieler ins Pressing gelockt werden.
Spieler B geht ins Pressing, wenn die Position des Balles zu Spieler A ungünstig ist (Zusammenspiel zwischen Körperstellung und
Position des Balles). 

Es gibt noch weitere Faktoren, die wichtig sind. Die Aktionen vom ballführenden Spieler werden auch immer anhand der Bewegungen und
Positionen der Mitspieler gedeutet (Kontext(?)). Da müsste nochmal genauer differenziert werden. Außerdem müsste analysiert werden,
welche zeitlichen Unterschiede es gibt. Worauf achtet man als Gegenspieler zu erst? Worauf als zweites? Und man müsste eine
Gewichtung kreieren. Was wird am stärksten gewichtet? Gibt es z.B Hinweise auf die kommende Aktion des Spielers, die dieser nicht
manipulieren kann? Werden diese Hinweise intuitiv stärker gewichtet?(deswegen vielleicht sogar früher wahrgenommen?) Wie geht der
Gegenspieler damit um, wenn der ballführende Spieler Körperausrichtung A und Blickrichtung B hat? Wenn verschiedene Informationen
zusammenkommen, die unterschiedliche Handlungen kommunizieren, welche wird dann stärker gewichtet?

Wie geht man als Trainer mit den Defiziten um?

Wenn man die Leitlinien von oben anlegt, könnte man als Trainer vieler seiner Spieler in unterschiedliche Dribblings-Typen kategorisieren.
Wie geht man als Trainer dann damit um?

In der Vergangenheit haben wir oft simple 4-gegen-4 Übungen kreiert, bei denen jeder Spieler eine individuelle Aufgabe bekommt, die ihn
zu Aktionen zwingt, bei denen er sich nicht wohl fühlt und die ihn und seine Schwächen besonders deutlich machen. 

Ein Spieler in der Mannschaft ist ein starker raum-/gegenspielerorientierter Dribbler. Dadurch kann er leicht gelenkt werden, bewegt sich
oft zu früh zum Flügel und wird isoliert. Gleichzeitig kann er aber viele 1-gegen-1 Duelle über seine Schnelligkeit und Technik gewinnen
und Durchbrüche erzwingen. In der Übungen erhielt er die Aufgabe, dass er von der Flügelzone (dunkelgrün) nur in die Mittelzone dribbeln
durfte. Er sollte zusätzlich zu seinen vertikalen und durchbruchsfokussierten Dribblings, horizontale Bewegungen ins Zentrum machen
und bewusst engere Situationen suchen und kleinräumigere Staffelungen manipulieren. 
4-gegen-4 auf zwei Tore. Flügelzone, Zentrum und Endzone für Tiefenläufe.

Der Ansatz war also den Spieler zu Schwäche B zu zwingen, in dem man ihm einen Rahmen setzt, in dem er Stärke A nicht nutzen kann.
Ist das der richtige Ansatz? Ist es wichtig Spieler zu haben, die möglichst variabel sind und auf verschiedene Dribblingsarten
zurückgreifen können? Ich denke es ist wichtig, die Spieler in verschiedene Situationen zu bringen und auch mit ihren Schwächen zu
konfrontieren (eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten führt zu einer erfolgsstabileren Entscheidungsfindung). Um seine
Schwächen zu verstehen, muss der Spieler z.B im Dribbling zwischen verschiedenen Dribblingsarten unterscheiden können. Durch den
Aufbau der Übung kann er zwischen vertikalen und horizontalen Dribblings unterscheiden. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es das Ziel
sein sollte einen möglichst variablen Spieler zu haben. Der Spieler sollte eher verstehen, wie er seine Gegenspieler manipulieren kann. In
dem er die Wirkungsweise von seinen Dribblings wahrnimmt und sie nach Zielsetzung und Orientierung kategorisiert, kann er verstehen,
wie der Gegenspieler seine Aktionen interpretiert, was er kommuniziert und welche Dribblingform in bestimmten Situationen
erfolgsversprechender ist.

Fazit

Die unterschiedlichen Dribblingstypen kann man nur schwer kategorisieren, trotzdem hat man mit den Leitlinien aus diesem Artikel einen
groben Überblick. Diese sollen den Anfang zu einer Artikelreihe mit dem Schwerpunkt Dribblings bilden. Wie trainiere ich Dribblings? Wie
kreiere ich Spieler, die ihre Gegenspieler manipulieren und in der Lage sind zwischen kommunizierter und ausgeführter Handlung zu
unterscheiden?

Über CF

Taktik. Ballbesitz. Veloso. Twitter: CF


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