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Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche

verstorben
Patriarch Irinej, das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, ist an Covid-19 gestorben.
Das berichtete der serbische Präsident Aleksandar Vucic am Freitag auf seinem offiziellen
Instagram-Account.
20. November 2020, 8.47 Uhr

„Es war mir eine Ehre, Sie zu kennen. Menschen wie Sie gehen nie von
uns“, schrieb Vucic unter einem Schwarzweißfoto von Irinej. Bei Patriarch
Irinej (90), einem Konservativen, der auch großen politischen Einfluss
ausübte, war am 4. November eine Infektion mit dem Coronavirus
diagnostiziert worden.

Irinej hatte sich seitdem in einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt


Belgrad in Behandlung befunden. Der Patriarch mit dem bürgerlichen
Namen Miroslav Gavrilovic hatte ursprünglich aber keine Symptome
gezeigt.

Infektion bei Begräbnis?


Irinej hatte am 1. November den Begräbnisgottesdienst für das serbisch-
orthodoxe Kirchenoberhaupt in Montenegro, Erzbischof Amfilohije, geleitet.
Der Würdenträger mit dem bürgerlichem Namen Risto Radovic war Ende
Oktober im Alter von 82 Jahren an den Folgen einer Infektion mit dem
neuartigen Coronavirus verstorben.
Gesundheitsexperten in Montenegro hatten gewarnt, dass das Virus sich
während der Beisetzungsfeierlichkeiten für Amfilohije ausbreiten könnte.
Daran nahmen tausende Menschen teil, ohne physische Distanz zu
wahren. Die meisten anwesenden Geistlichen, darunter Irinej, trugen
keinen Mund-Nasen-Schutz.

45. „Patriarch der Serben“


Irinej I. war der 45. „Patriarch der Serben“. Er wurde im Jänner 2010
Nachfolger des 95-jährig verstorbenen Pavle I. (1990-2009). Mehrfach
bekannte er sich zur Ökumene und brachte auch für 2013 einen möglichen
Papst-Besuch in Serbien ins Gespräch – zu dem es dann allerdings nicht
kam. Das Führungsgremium der Kirche, der Heilige Synod, entschied sich
einstimmig gegen eine Einladung des Papstes.

Etwa 85 Prozent der mehr als sieben Millionen Bürger des EU-
Beitrittskandidaten Serbien gehören der orthodoxen Kirche an. 2015 konnte
Irinej I. einen kircheninternen Machtkampf für sich entscheiden, als die
Bischöfe der Absetzung des Oberhirten von Kanada, Georgije Djokic,
zustimmten und damit dem Patriarchen den Rücken stärkten.

Angeführt wurden die Gegner der Suspendierung des kanadischen


Bischofs Medienberichten zufolge von Bischof Irinej Bulovic (73) von Backa
in Novi Sad. Nach dem Tod Irinejs gilt er nun auch als ein
Nachfolgekandidat.

Bischofsernennung 1974
Mit dem bürgerlichen Namen Miroslav Gavrilovic wurde Irinej am 28.
August 1930 im westserbischen Dorf Vidova geboren. Er besuchte das
Seminar und die theologische Schule in Prizren/Kosovo. Anschließend
studierte er in Belgrad Theologie. In den 1960er und 1970er-Jahren lehrte
er als Professor in Prizren; zwischenzeitlich wurde er nach Studien in Athen
zum Leiter der Mönchsschule im Kloster Ostrog in Montenegro ernannt.
1974 erfolgte die Ernennung zum Bischof von Moravica, 1975 zum Bischof
von Nis.

Der serbisch-orthodoxe Patriarch ist unter anderem verantwortlich für die


politische Positionierung seiner Kirche. Eine wichtige innerkirchliche
Streitfrage ist die Zusammenarbeit mit der internationalen
Staatengemeinschaft in der Kosovo-Frage. Weitere Themen sind die
Haltung zur europäischen Integration Serbiens, zur Ökumene und zu einer
Liturgiereform.

Kardinal Schönborn „tief betroffen“


Tief betroffen vom Tod des serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej zeigte
sich Kardinal Christoph Schönborn. In einem Kondolenzschreiben an die
Serbisch-orthodoxe Kirche hielt der Wiener Erzbischof fest: „In Trauer über
den Heimgang eines der großen orthodoxen Patriarchen bin ich im Gebet
mit der serbischen orthodoxen Kirche und dem serbischen Volk verbunden,
das den Tod von Patriarch Irinej beweint.“

In schwierigen Zeiten habe Patriarch Irinej den Menschen in Südosteuropa,


aber auch in der Diaspora in Nordamerika „unverdrossen die frohe
Botschaft von der Auferstehung verkündet, die einzig tragende Antwort auf
die drängenden Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu des Lebens“,
so der Kardinal.

Blick über die Grenzen


Der Blick Irinejs sei dabei über die Grenzen der eigenen Kirche
hinausgegangen, „war er es doch, der nach einer durch die politischen
Entwicklungen mitbedingten Unterbrechung zur Wiederaufnahme des
offiziellen theologischen Dialogs zwischen orthodoxer und katholischer
Kirche auf internationaler Ebene im Jahr 2006 in Belgrad beigetragen hat“.

Irinej sei damals noch Bischof von Nis gewesen, so Schönborn: „Aus der
Tatsache, dass diese serbische Stadt der Geburtsort von Kaiser Konstantin
dem Großen war, hat er ökumenische Inspiration bezogen. Möge der Herr
sein Zeugnis für die Wahrheit und sein pastorales Wirken reich belohnen.“

Bischof: „Großer Freund Österreichs“


Als „großen Freund Österreichs“ beschrieb der Wiener serbisch-orthodoxe
Bischof Andrej (Cilerdzic) den verstorbenen Belgrader Patriarchen. Er habe
große Bewunderung und Wertschätzung für den Wiener Erzbischof und
Kardinal Franz König (1905-2004) gehegt, ebenso für seinen Nachfolger
Kardinal Christoph Schönborn. Irinej habe es stets zu schätzen gewusst,
wie sehr die katholische Kirche in Österreich die serbisch-orthodoxe Kirche
im Land unterstütze, sagte Bischof Andrej im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur Kathpress.

Schon vor Jahren habe man beschlossen, dass Kardinal Schönborn mit
dem höchsten Orden der serbisch-orthodoxen Kirche ausgezeichnet
werden soll. Bis jetzt sei es noch nicht dazu gekommen, und es sei
bedauerlich, dass das nun nicht mehr Patriarch Irinej ausführen könne, so
der Wiener serbisch-orthodoxe Bischof. Nachsatz: „Dann wird es aber sein
Nachfolger tun.“

Treffen mit Schönborn 2018


Schönborn war zuletzt im November 2018 bei einem Besuch in Belgrad mit
Patriarch Irinej zusammengetroffen. Der Patriarch zeigte sich damals vor
allem dankbar dafür, dass die serbisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich
so gut aufgenommen würden und nun dort beheimatet seien. Positiv hob er
auch hervor, dass die Erzdiözese Wien im Jahr 2014 die Kirche
Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Kirche übergeben hatte. 2010
hatte der Patriarch zuletzt Österreich besucht.

Patriarch des Dialogs


Irinej sei für die Ökumene sehr offen gewesen, schilderte Bischof Cilerdzic
gegenüber Kathpress. Der verstorbene Patriarch hätte sich auch sehr einen
Besuch des Papstes in Serbien gewünscht, so Cilerdzic weiter. Er
berichtete von einem Brief, den Irinej 2005 noch als Bischof von Nis an den
damaligen serbisch-orthodoxen Patriarchen Pavle geschrieben hatte, und
in dem er anlässlich des Jubiläumsjahres 2013 für eine große Feier
appellierte, an der alle christlichen Kirchenoberhäupter hätten teilnehmen
sollen, inklusive dem Papst.
Aussöhnung zwischen Serben und Kroaten
2013 wurde das 1.700-jährige Jubiläum des Mailänder Edikts begangen,
mit dem den Christen im Römischen Reich unter Kaiser Konstantin
Religionsfreiheit gewährt wurde. Die südserbische Stadt Nis war der
Geburtsort Konstantins und stand im Zentrum der Jubiläumsfeierlichkeiten.

Wie Bischof Andrej weiter sagte, habe sich der Belgrader Patriarch auch
um eine Aussöhnung zwischen Serben und Kroaten bzw. zwischen
serbisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche bemüht.

Metropolit Arsenios würdigt Irinej


Tief betroffen vom Tod des serbisch-orthodoxen Patriarchen Irinej zeigte
sich am Freitag auch Metropolit Arsenios (Kardamakis). Unmittelbar nach
der Nachricht vom Ableben des Patriarchen sei in der griechisch-
orthodoxen Kathedrale zur Hl. Dreifaltigkeit in Wien bereits ein
Totengedenken für den verstorbenen Patriarchen gefeiert und für ihn
gebetet worden, so der Metropolit in einer auf der Website der Metropolis
von Austria veröffentlichen Stellungnahme.

Für viele Jahrzehnte habe Patriarch Irinej der Kirche wertvolle Dienste
geleistet, „allein 46 Jahre diente er als Bischof hingebungsvoll, aufopfernd
und treu den ihm anvertrauten Menschen“, hieß es in der Stellungnahme
und weiter wörtlich: „Durch alle politischen und gesellschaftlichen Stürme
und Umbrüche hindurch, mit immer neuen, immer anderen
Herausforderungen konfrontiert, bemühte er sich stets um die Verbreitung
des Wortes Gottes, die Stärkung des Glaubens und der Gläubigen und um
die Wahrung und Stärkung der Einheit und guten Zusammenarbeit der
orthodoxen Kirchen.“

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