Sie sind auf Seite 1von 3

Serbien: Orthodoxer Patriarch

stirbt an Corona
Der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej I. ist im Alter von 90 Jahren am
Coronavirus gestorben. Das teilte das Patriarchat in Belgrad am Freitag mit.
Am kommenden Sonntag soll er beigesetzt werden. In Serbien wurde
unterdessen eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. .

LESEN SIE AUCH

19/11/2020
Corona: Griechischer Primas im Krankenhaus
Am Sitz des Patriarchats in Belgrad trat nach Bekanntwerden der Todesnachricht das
Leitungsgremium der serbisch-orthodoxen Kirche, der Heilige Synod, zusammen. Gemäß
Kirchenverfassung übernimmt der Synod bis zur Wahl eines neuen Patriarchen dessen
Aufgaben. Gleitet wird das Gremium bis dahin vom Metropoliten Hrizostom (Jevic) von
Dabrobosnien/Sarajevo. Der Metropolit leitete am Freitagvormittag in der Belgrader
Michaelskathedrale auch den ersten Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Patriarchen.
Zum Übergangsverwalter der nach dem Tod Irinejs vakanten Erzdiözese Belgrad und
Karlovac wählte der Heilige Synod den Eparchen Jovan (Mladenovic) von Sumadija.

Positiver Test vor zwei Wochen


Irinej war vor zwei Wochen positiv getestet und am 4. November in ein Militärkrankenhaus in
der serbischen Hauptstadt eingeliefert worden. Zuletzt war er bei einer Beerdigung am 1.
November in der Öffentlichkeit aufgetreten.
Etwa 85 Prozent der serbischen Bevölkerung bekennen sich zur orthodoxen Kirche. Irinej war
der 45. serbisch-orthodoxe Patriarch; er war 2010 Nachfolger des verstorbenen Patriarchen
Pavle I. geworden. Politisch hielt sich Irinej eng an die Linie des serbischen Präsidenten
Aleksandar Vucic, der erst im Oktober mit dem höchsten Orden der orthodoxen Kirche des
Landes ausgezeichnet wurde.

Irinej 2019 mit dem russischen Präsidenten Putin

Ökumenisch aufgeschlossen
Irinej war ein offener Gegner der Unabhängigkeit des Kosovo. Mit scharfen Worten wandte
er sich auch gegen „Gay Pride“. In ökumenischer Hinsicht war Irinej aufgeschlossen. Nach
der Wahl von Papst Franziskus 2013 zeigte er sich offen für einen Besuch des neuen Papstes
in Serbien; allerdings sprach der Heilige Synod der Kirche keine entsprechende Einladung an
den Papst aus. Serbien gehört zu den wenigen orthodox geprägten Ländern, die noch kein
Papst besucht hat.
Patriarch Irinej wurde als Miroslav Gavrilovic am 28. August 1930 in Vidova in der
serbischen Gemeinde Cacak geboren. 1974 wurde er zum Bischof von Moravica erwählt, die
Bischofsweihe erteilte ihm der damalige serbische Patriarch German. Schon ein Jahr später
wurde er zum Bischof von Nis bestimmt, der Geburtsstadt (Naissus) des Heiligen Kaisers
Konstantin des Großen. Im Jahr 2010 erfolgte seine Wahl zum serbisch-orthodoxen
Patriarchen.
Auch deutsche Bischöfe kondolieren
Auch die Deutsche Bischofskonferenz kondolierte an diesem Freitag zum Tod Irinejs. Über
ein Jahrzehnt habe der Patriarch die Geschicke seiner Kirche mit großer Umsicht gelenkt und
durch seine spirituelle Tiefe den Gläubigen Orientierung und Halt gegeben. „Ökumenische
Offenheit zeichnete sein Denken und Handeln aus. So führte er die engen Beziehungen, die
seit langer Zeit zwischen der Serbischen Orthodoxen Kirche und der Deutschen
Bischofskonferenz bestehen, engagiert weiter.“
Eine Phase besonders intensiven Austausches sei die Zeit von 1999 bis 2009 gewesen, bei der
die Serbische Orthodoxe Kirche, die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische
Kirche in Deutschland einen fruchtbaren Dialog zur Rolle der Kirchen angesichts der neuen
politischen Verhältnisse auf dem Balkan und zur kirchlichen Verantwortung für Versöhnung
und Frieden geführt hätten.