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Serbisch-orthodoxer Patriarch

Irinej an COVID-19 gestorben


Der Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche ist tot. Irinej starb in Belgrad an
den Folgen einer Corona-Erkrankung. Er wurde 90 Jahre alt.
    

Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche war vor zwei Wochen positiv auf das
Coronavirus getestet worden - seitdem wurde er in einem Belgrader Militärhospital
behandelt. Wenige Tage zuvor hatte er in der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica
am Begräbnis des Metropoliten Amfilohije teilgenommen, der gleichfalls an einer
Corona-Erkrankung gestorben war. Schutzvorkehrungen waren dabei weitgehend
ignoriert worden.
Irinej I. war der 45. "Patriarch der Serben". Er wurde im Januar 2010 Nachfolger des 95-
jährig verstorbenen Pavle I. (1990-2009) und wurde dem reformorientierten Flügel
zugerechnet. Mehrfach bekannte er sich zur Ökumene und brachte auch für 2013 einen
möglichen Papstbesuch in Serbien ins Gespräch - zu dem es dann allerdings nicht kam.
Das Führungsgremium der Kirche, der Heilige Synod, entschied sich einstimmig gegen
eine Einladung des Papstes. Etwa 85 Prozent der mehr als sieben Millionen Bürger des
EU-Beitrittskandidaten Serbien gehören der orthodoxen Kirche an.
Der Patriarch wurde 1930 in der Nähe von Cacak in Zentralserbien als Miroslav
Gavrilovic geboren. Nach dem Abschluss der Theologischen Fakultäten im Kosovo und in
Belgrad unterrichtete er als Professor an diesen beiden Ausbildungsstätten. 1959 wurde
er von seinem Vorvorgänger, Patriarch German, als Mönch eingeführt und erhielt den
Kirchennamen Irinej. 1975 wurde er zum Bischof von Nis in Südserbien ernannt.

Vorsichtige Reformen
Seine Amtszeit als Patriarch begann Irinej mit vorsichtigen Reformen, nachdem das
Ansehen der Kirche in den Jahren zuvor durch Korruptions- und Sexskandale in den
Reihen ihrer Würdenträger gelitten hatte. Zugleich verfolgte Irinej weiter das Konzept
eines völkischen Klerikalismus, der den Anspruch des Staates Serbien auf alle von Serben
bewohnte oder früher zu Serbien gehörige Gebiete untermauert, darunter unabhängige
Staaten wie Montenegro und Kosovo oder der serbische Landesteil von Bosnien-
Herzegowina.
Von Anfang 2013 bis 2014 leitete Irinej zusätzlich zu seinem Patriarchenamt die
damalige Diözese für Mitteleuropa mit Sitz in Hildesheim. Seit 2015 besteht im Zuge
einer Umstrukturierung die "Eparchie von Frankfurt und ganz Deutschland". Nach
Kirchen-Angaben gibt es in Deutschland mehr als eine halbe Million Serbisch-
Orthodoxe.