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Lexikologie der

deutschen Sprache
Teil 2

Maša Stojsavljević

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1. Struktur des Wortschatzes
Der Wortschatz jener modernen Sprache stellt ein umfangreiches Reservoir für die
lexikalischen Mitteln der Kommunikation dar. Man weiß bis heute nicht, wie viele Wörter
die deutsche Sprache hat, aber es wird vermutet, dass die deutsche Gemeinsprache
etwa 500 000 Wörter enthält. Die Anzahl der Wörter eines durchschnittlichen Sprechers
wird auf 6000 – 10 000 geschätzt, und der Wortschatz gebildeter Menschen beträgt
20 000 – 25 000 Wörter. In der Alltagssprache kann man mit einigen 100 Wörtern
auskommen. Verschiedene Fachsprachen erweitern ihren Wortschatz ständig

Der Wortschatz ist ein vielschichtiges Gebilde, deswegen muss man die Arten der
Gliederung des Wortschatzes beschreiben:

1. grammatische Gliederung
2. etymologische Gliederung
3. semantische Gliederung
4. stilistische Gliederung
5. historische / diachronische Gliederung
6. territoriale / diatopische Gliederung
7. soziale / diastratische Gliederung

Grammatische Gliederung → Autosemantika und Synsemantika – nach dem Kriterium


der Selbstbedeutung oder Mitbedeutung bestimmter Wortklassen.

Etymologische Gliederung hat zwei Fragestellungen:

1. Frage nach der ursprünglichen Form und Bedeutung von Lexemen – Wortfamilien

2. Frage nach der Herkunft der Wörter aus der eigenen Sprache oder Sprachfamilie
oder aus anderen Sprachen – einheimische Wörter, Fremdwörter und Fremdwörter. Die
deutsche Sprache hat in ihren Anfängen aus dem Lateinischen, Griechischen und
Keltischen entlehnt. Z.B. Mauer ← lat. murus, als die Germanen von den Römern die
neue Bauweise kennenlernten, übernahmen sie dieses Wort.

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Semantische Gliederung

1. Wortfelder oder Sinnbezirke – Gruppen von Wörtern, die semantische


Gemeinsamkeiten haben → Beispiele: Verwandschaftsnamen, Farbwörter, Tierklassen.

2. Hyperonyme und Homonyme ( Ober- und Unerbegriffe ) → Beispiele: Obst –


Bannane, Orange, Apfel.

3. Synonyme uns Antonyme → Beispiele: verstehen – begreifen, alt – neu.

Stilistische Gliederung

1. nach Stilsphären bzw. Stilschichten ( gehobene, normalsprachliche,


umgangssprachliche und vulgäre Schicht )

2. nach Stilfärbungen bzw. Stilnuancen ( scherzhaft, derb bzw. Schimpfwörter, pejorativ,


spöttisch bzw. ironisch, gespreizt, verhüllend bzw. euphemistisch und papierdeutsch )

Historische / diachronische Gliederung→ Archaismen ( veraltete Wörter ),


Historismen ( historisceh Wörter ), Neologismen ( Neuwörter ) und Schlag- und
Modewörter.

Territoriale / diatopische Gliederung → Mundart bzw. Dialekt, Umgangssprache und


Standardsprache.

Soziale / diastratische Gliederung – auch Gliederung nach Kommunikationsbereichen


genannt → nach Beruf bzw. Fach, nach Alter, nach Bildungsstand, nach Interessen u.a.
gegliedert.

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2. Regionale / Diatopische Gliederung
Es gibt drei Existenzformen ( Varietäteten ), die nicht auf den Wortschatz beschränkt
sind:

1. Mundart / Dialekt

Die Mundartforschung gibt es seit ca. 120 Jahren. Mundartliche Wortschätze sind
durch einen regionalen Geltungsbereich im Sprachgebiet gekennzeichnet. Die
Beschränkung von Sprechern auf die reine Mundart gibt es nicht mehr, sehr wohl aber
Beschränkung auf regionale Einheiten. Auch das Niederdeutsche Sprachgebiet hat
keinen einheitlichen Sprachschatz – da sich die Umgangssprache verändert, kommen
die mundartlichen Wortschätze mehr und mehr zurück.

Meist lässt sich eine Zweiteilung zwischen Nord und Süd erkennen: Treppe – Steige,
Tischler – Schreiner...

2. Umgangssprache

Umgangssprache ist historisch relativ jung – 19. Jahrhundert. Umgangssprache ist


mehrheitliche Alltagssprache; Mundart und Standardsprache kommen nur in
spezifischen Situationen vor. Es gibt eine Menge Menschen, die ihr ganzes Leben nur
Umgangssprache benutzen. Die Frage ist – inwiefern diese Menschen im Alltag
behindert sind. Zur Umgangssprache gehören nicht standardsprachliche Wörter mit
abwertender stilistischer Markierung, auch überregionaler Bedeutung → z.B. „Schieße“
konnotiert pejorativ, ist aber im ganzen deutschen Sprachgebiet verbreitet – funktioniert
aber in der Standardsprache nicht.

3. Standardsprache

Die Standardsprache bietet vielfältige stilistische Differenziertheit und ist universell


ersetzbar. Mit der Standardsprache kann alles ausgedrückt werden, im Gegensatz zu
Mundart und Umgangssprache. Die meisten Wörterbuchtypen beziehen sich auf den
standardsprachlichen Wortschatz.

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3. Soziologische / diastratische Gliederung
Die soziologische Differenzierung kann alle Teile des Sprachsystems umfasssen. Sie
ergibt sich aus den Bedingungen der sprachlichen Tätigkeit der Menschen, die zur
Ausbildung sprachlicher Besonderheiten führen. Die Sonderwortschätze sind Resultat
der kommunikativen Bedingungen und Anforderungen innerhalb sozialer Gruppen.
Diese Gruppen konstituieren die Sprachunterschiede. Die Kriterien dieser Gliederung
sind: nach Beruf, nach Alter, nach Bildungsstand, nach Interessen.

Sonderwortschätze sind:

1. Fachwortschätze → lexikalische Besonderheiten, die sich in der Sphäre der Arbeit


und des Berufs ergeben.

2. Gruppenwortschätze → lexikalische Besonderheiten, die sich in anderen


Gruppierungen und Interessen ergeben.

Manchmal kommen die Ausdrücke Fach- und Gruppensprache vor. Es gibt keine
scharfen Grenzen zwischen den Sonderwortschätzen insgesamt.

Fachwortschätze gewinnen mehr Einflussauf die Alltagssprache, z.B. Röntgen, Tor,


Kür, starteN:::

Daneben existieren die Fachwörter, die nur oder überwiegen von Fachmann gebraucht
werden, z.B. dermatologisch, Elfmeterpunkt...

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4. Fachwortschätze
Zunehmende fachliche Diferenzierung führt zur Ausbildung von
Wortschatzbesonderheiten, die der Beschreibung des Gebietes dienen. Der Umfang
der Fachwortschätze ist größer als der des Allgemeinwortschatzes. Von zehn Millionen
Wörtern der deutschen Sprache gehören nur 500 000 zum Allgemeinwortschatz.
Mundartlische Fachwortschätze existieren heute kaum noch.

Horizontale Gliederung → die Differenzierung erfolgt in verschiedenen


Fachwortschätzen.

Vertikale Gliederung → durch drei Untergruppen: Termini, Halbtermini und


Fachjargon.

Termini → Bedeutung ist durch Definition festgelegt; sie bezeichnen ein Denotat
innerhalb eines Fachgebietes mit der nötigen Präzision.

Halbtermini → Bedeutung ist nicht durch Definition festgelegt, zur Kennzeichnung von
Denotaten aber ausreichend ( Professionalismen ): Bandsäge, Beißzange,
Vierkantschlüssel.

Merkmale sind prototypisch für die Fachwortschätze:

1. Fachbezogenheit
2. Begrifflichkeit und Exaktkeit
3. Relative Eindeutigkeit von Fachwörtern innerhalb des Rahmens der Fachgebiete
4. Systematik: Begriffsreihen von Fachbegriffen
5. Knappheit: Tendenzen zur geringer Redundanz
6. Stilistische Neutralität: Fachwörter sollten keine Konnotationen haben.

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5. Gruppenwortschätze
Die Gruppenwortschätze sind lexikalische Besonderheiten bestimmter Gruppen,
besondere Wortschätze, bei denen eine gewisse Konnotation effektiv erforderlich sein
soll. Beim Gruppenwortschatz ist Aspekt der Abgrenzung und der Identifikation wichtig.
Der Vertreter bestimmter Gruppe zeigt die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe.

Jargon und Slang sind umgangssprachliche und pejorative Gruppenwortschätze.

Der jugendsprachliche Wortschatz ist auch sehr häufig in der deutschen Sprache (
Mann, bin ich abgebaggert ).

6.Historische / diachronische Gliederung


1. Archaismen ( veraltete Wörter )
2. Historismen ( historische Wörter )
3. Neologismen ( Neuwörter )
4. Schlag- und Modewörter

Archaismen sind Lexeme oder Lexembedeutungen, die von einer Gemeinschaft zu


einem bestimmten Zeitpunkt als veraltet und nicht mehr zeitgemäß empfunden werden.
Dabei sind zwei Gruppen zu unterscheiden: 1. Ausdrücke, die heute nicht mehr
gebräuchlich und nicht mehr verständlich sind ( z.B. vro – Herr, zebar – Geziefer );
2.Ausdrücke, die noch heute gelegentlich in der Literatur verwender und verstanden
werden ( z.B. behausen - beherbergen, Velo – Fahrrad).

Man muss veralteten und veraltenden Wörter unterscheiden. Veraltenden Wörter sind
Wörter, die in einer bestimmten Zeit noch von der älteren Generation benutzt werden,
aber nicht mehr algemein üblich sind. Beispiele: Meriten – Verdienste, ästimieren –
schätzen...

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Historismen dienen zur Kennzeichnung bestimmter historischer Erscheinungen und
veralten deshalb auch nicht. Sie werden immer benötigt, wenn eine bestimmte Epoche
beschrieben werden muss. Beispiele: Ritter, Turnier, Minne, Hellebarde...

Neologismen sind Wörter, die von einer Gemeinschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt
als neu empfunden werden. Arten von Neologismen sind: Neubildung ( Neuprägung ),
Neubedeutung und Neuwörter ( Entlehnungen ).

Neubildungen ( Neuprägungen ) sind Wörter, die aus schon bestehenden Wortteilen


neu gebildet werden. Der Anteil der Neubildungen an Neologismen beträgt ca. 83%.
Beispiele: Anlernling, Weltraumrakete, Mondauto...

Neubedeutungen → zu bereits bestehenden Wörtern tritt nur noch eine weitere


Bedeutung hinzu. Der Anteil der Neubedeutungen an Neologismen beträgt ca. 12%.
Beispiele: beim Publikum ankommen – wirken, Typ – Bezeichnung für einen Mann...

Neuwörter ( Entlehnungen ) sind Wörter, die aus einer anderen Sprache neu in unseren
Wortschatz aufgenommen werden. Der Großteil davon stammt aus dem Englischen
bzw. Amerikanischen. Der Anteil der Neuwörter an Neologismen beträgt ca. 5%.
Beispiele: Anorak, Sputnik, Laser, Computer...

Schlagwörter werden in einer bestimmten Zeit in einigen Kreisen oder in der gesamten
Gesellschaft gebraucht, um Begriffe oder Sachverhalte von großer gesellschaftlicher
Bedeutung zu bezeichnen. Beispiele: Solidarität, Gastarbeiter, Freie Marktwirtschaft...

Modewörter werden ebenfalls zu bestimmten Zeiten viel und gern gebraucht, haben
aber keine gesellschaftliche , sondern nur allgemeine Bedeutung. Beispiele: kolossal,
prima, hundertprozentig, astronomisch, schau! urst!

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7. Diagenitive Gliederung
Diagenitive Untersuchung der Sprache erklärt die Phänomene- entlehnte oder fremde
Wörter in der Sprache. Unter Entlehnung versteht man die Übernahme fremden
Sprachmaterials in die jeweilige Muttersprache. Die Menge des Lehngutes und der
Grad der Anpassung an die Aufnahmesprache sind in verschiedenen Sprachen sehr
unterschiedlich.

In die deutsche Sprache wurden seit ihrer Entwicklung ständig fremde Wörter und
Wendungen aus verschiedenen Sprachen übernommen, die z.T. heute den Bestand
des Deutschen bereichern und für die Kommunikation unentbehrölich geworden sind.

Die deutsche Sprache ist synthetische Sprache, sodass man fragt – ab wann ist etwas
„fremd“.

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8. Ursachen für die Übernahme von Wörtern aus
anderen Sprachen

Wenn neue Errungeschaften von einem Land in das andere übergehen, wird meist
zugleich deren Name mitübernommen.

Viele Wörter sind aus dem Lateinischen und Griechischen übernommen, wenn das
Christentum über die Römer und Griechen in das deutsche Sprachgebiet gelangte –
Beispiele: Kirche, Pastor, Bischof, Evangelium...

Heute werden viele wissenschaftliche und technische Entwicklungen von einem ins
andere Land übergeleitet. Aus dem Englischen gelangten die Bezeichnungen wie
Computer, Jet, Radar; aus dem Russischen Namen wie Sutnik, Lunik.

Es gibt zwei Gründen für Beibehaltung solcher Wörter: 1. wegen der sprachlichen
Ökonomie – man erspart sich Neubildungen; 2. wegen der Tendenz zur
Vereinheitlichung, Internationalisierung der Terminologie wissenschaftlich – technischer
Disziplinen. Die internationale Kommunikation wird dadurch erleichtert.

Ein fremdes Wort kann neben dem heimischen Wort treten, weil die betreffende
Fremdsprache zu einer bestimmten Zeit großen gesellschaftlichen Einfluss ausübte.
Beispiele: Papa, Mama neben Vati, Mutti; Muhme, Oheim, Base, Vetter wurden durch
Tante, Onkel, Cousine, Cousin verdrängt.

Im 20. Jahrhundert , besonders nach 1945. verstärkte sich der Einfluss des
Englischen. Auch die umgangssprachlische Wörter sind ins Deutsche übergegangen.
Beispiele: Party, Drink, Weekend...

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9. Arten der Entlehnung
Bei den Arten/ Formen der Entlehnung unterscheidet man:

1. einfache Übernahme ( Fremdwörter, Lehnwörter, Internationalismen,


Scheininternationalismen )
2. Lehnbildungen ( Lehnübersetzungen, Lehnübertragungen, Lehnschöpfungen )
3. Lehnbedeutungen ( Bedeutungsentlehnungen )
4. Rückentlehnungen ( Rückwanderungen )

Einfache Übernahme

Die Übernahme eines Fremdwortes erfolgt so, dass das fremde Wort in eine andere
Sprache eintritt und dort in heimischen Kontexten Verwendung findet. Je nach dem
Grad der Anpassung unterscheidet man im Deutschen Fremd- und Lehnwörter.

Fremdwort ist ein Wort aus einer Fremdsprache, das bei Verwendung innerhalb einer
anderen Sprache wesentliche Merkmale seiner Herkunftssprache ( Schreibung,
Aussprache, Betonung, Flexion ) beibehält. Beispiele: Ingeniur, Restaurant...

Lehnwort ist seiner Abstammung nach fremdes Wort, das sich in starkem Maße oder
ganz seiner „Gastsprache“angepasst hat, in diesem Falle eingedeutscht. Beispiele:
Fenster...

Internationalismen sind bestimmte Fremdwörter, die in vielen Sprachen gebraucht


werden und in diesen Sprachen die gleiche Bedeutung haben. Zu den
Internationalismen gehören Wörter aus Wissenschaft, Technik, Politik... Beispiele:
Chemie, Musik, Ökonomie, Fabrik, Philosophie, Doktor, Professor, Minister...

Scheininternationalismen ( engl. false friends, frz. faux amis ) → wegen angeblicher


Übereinstimmung in zwei verschiedenen Sprachen können Fehlübersetzungen möglich
werden. Beispiele: engl. gymnasium –Turnhalle, dt. Gymnasium – höhere Schule, engl.
secondary school; engl. chef – Küchenchef, dt. Chef – Vorgesetzter, Leiter. Manchmal
ist nur Übersetzungsumfang in zwei Sprachen unterschiedlich. Beispiele: sr. profesor –
Mittelschullehrer, auch ander Universität, dt. Professor – nur an der Universität.

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Lehnbildungen

Die Lehnbildungen sind die Neuschaffungen von Wörtern aus heimischem


Wortmaterial, die sich ganz oder teilweise nach einem fremden Vorbild richtet.

Lehnübersetzungen sind vollständige Nachahmungen aller Teile der fremden Vorlage


( frz. acceptable → dt. annehmbar ). Oft wurden ähnliche Lehnübersetzungenaus zwei
verschiedenen Sprachen angeregt ( frz. espirit libre, engl. free thinker → dt. Freigeist ).
Oft wurde ein Wort aus einer Mittlersprache übersetzt ( gr. kosmopolitēs → frz.
cosmopolite → dt. Weltbürger ).

Lehnübertragungen sind Wörter, bei denen nur ein Teil des Fremdwortes in die
Muttersprache übersetzt wird. Beispiele: lat. communis, superbia, oratorium → ahd.
gimeinda, Übermut, Bethaus.

Lehnschöpfungen sind sind vom fremden Vorbild angeregte, aber formal unabhängige
Neubildungen. Beispiele: frz. diligence, makulatur → dt. Eilpost, Packpapier.

Lehnbedeutungen

Eine Lehnbedeutung ist ein Wort der Muttersprache, das unter dem Einfluss eines
Fremdwortes seine ursprüngliche Bedeutung verändert oder eine zusätzliche
Bedeutung annimmt. Beispiele: lat. casus → dt. Fall, dann auch grammatischer Fall;
engl. ring → dt. Ring, dann auch Personenvereinigung.

Rückentlehnung

Rückentlehnung ist ein Wort, das aus einer Sprache in eine andere übergeht und zu
einem späteren Zeitpunkt, in veränderter Gestalt und Bedeutung, in seine
Ausgangssprache zurückkehrt. Beispiele: ahd./mhd. burgâri, burger → frz. burgeois →
dt. Bourgeosies.

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10. Semantik – Bedeutungslehre
Der Zentralbegriff der Semantik ist die Bedeutung. Semantik befasst sich mit dem
Inhalt, mit dem Sinn und mit der Bedeutung von Zeichen.

→ Inhalt ergibt sich aus den Relationen der Wörter und Sätze.
→ Sinn ( engl. sense ) → auch Intension genannt
→ Bedeutung ( engl. reference ) → auch Extension, Bezeichnetes, Signifikat,
Bezug, signifé genannt

Die Literatur über die Definition der Bedeutung ist fast unübersichtlich, weil keine von
denen als Haupzdefinition akzeptiert worden ist. Jedoch sind die Resultate der
Untersuchungen der Semantik für Lexikologie, Stilistik, Interpretation und Didaktik der
Sprache sehr wichtig.

Es gibt zwei Forschrichtungen:

1. Lexikalische Semantik → beschäftigt sich mit der Bedeutung lexikalischer


Einheiten. Die lexikalische Bedeutung ist im Lexikon kodifiziert. Das Ziel ist Aufklärung
und Systematisierung semantischer Relationen zwischen Lexemen und der darüber
gegebenen Strukturierung des Wortbestands.

2. Satzsemantik → hat die Aufgabe, den Sinn von lexikalischen und grammatischen
Wörtern zu kombinieren, sodass ein neuer komplexer Sinn entsteht.

Wörter haben im allgemeinen zwei Funktionen:

1. bezeichnen Gegenstände und Erscheinungen der Wirklichkeit ( z.B. Das Pferd


stürzte auf der Straße. ).

2. dienen zum Ausdruck und Austausch unserer Begriffe und Vorstellunen von den
Erscheinungen in der Wirklichkeit ( Das Pferd ist ein Säugetier. ).

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Die Wortbedeutungslehre beschäftigt sich mit der Bedeutungsseite der bilateralen
Bedeutunseinheit, Wort oder Wortgruppe. Das Wort ist bilateral – besteht aus:

1. Inhalt ( Bedeutung )
2. Form ( Formativ )
Wenn ein Wort entsteht, wird ein Ding mit dem Lautkomplex verknüpft und dieser
Lautkomplex dadurch zum Namen für ein bestimmtes Ding. Bedeutung und Formativ
werden koventionalisiert zu einem festen Komplex in einer bestimmten Sprache.

Die Wortbedeutungslehre untersucht das Wesen, die Struktur und die Entwicklung von
Wortbedeutung; sowie die Beziehungen, die zwischen der Bedeutung von Wörtern im
System oder Text entstehen.

Aufgaben der Bedeutungslehre:

1. Sie muss analysieren und beschreiben, wie das Bedeutungsgefüge eines


bestimmten Wortes in der Gegenwart beschaffen ist.

2. Sie muss Herkunftsbedeutung feststellen und verfolgen, wie sich diese Bedeutung im
Laufe der Sprachentwicklung erhalten oder verändert hat ( Bedeutungswandel ). Auch
inner- und außersprachliche Ursachen des Bedeutungswandels sind zu erforschen.

3. Sie muss Hinweise geben für die beste Auswahl aus dem vorhandenen Wortbestand,
also Stilhilfe leisten.

4. Sie muss versuchen, den vorhandenen umfangreichen Wortbestand unter


verschiedenen Gesichtspunkten zu gleidern und den Wortschatz zu bereichern.

Das Sprachliche Zeichnen ist Einheit einer Formseite (Formativ) und einer Inhaltsseite
(Bedeutung). Die Einheit ist die Grundlage des Funktionierens der Sprache als
Kommunikationsmittel. Kommunikation ist nicht nur der Austausch von Informationen,
sondern deren Reproduktion. Das Formativ existiert auf zweifache Weise: 1. als Abbild

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einer Vielzahl grafischer und lautlicher Realisierungen, 2. als realisierte Laut- und
Buchstabenfolge. Ein Formativ „Baum“ hat die Bedeutung eines allgemeinen Baums.
Die Bedeutung des Zeichens existiert nur im Bewusstsein. Es ist ein gedanklicher
Inhalt, der letzlich die Welt abbildet.

Speziell für die Wortbedeutung gilt:


1. lexikalische Bedeutung, die durch das Grundmorphem und die Wortbildungs-
morpheme ausgedrückt wird ( z.B. Kind, Haus ). Lexikalische Bedeutung stellt ein
Abbild der Gegebenheiten dar.

2. grammatische Bedeutung, die durch die grammatischen Morpheme ausgedrückt


wird ( z.B. Kind-er → Pluralbedeutung ). Grammatische Bedeutung stellt die Beziehung
eines Wortes zu anderen sprachlichen Einheiten dar.

Differenzierung der Wortbedeutung

Das Wort/Lexem hat oft mehrere Bedeutungen, d.h. dass einem Formativ mehrere
Abbilder zugeordnet sind, die sich auf unterschiedliche Begebenheiten beziehen. Diese
verschiedenen Bedeutungen nennt man Sememe.

Z.B. Flügel → S1. Teil eines Tieres, S2. Tragflächen eines Flugzeuges, S3. Bewegliche
Teile eines Fensters, S4. Seitengebäude, S5. Teil einer militärischen oder sportlichen
Formation, S6. politische Gruppe innerhalb einer Organisatin, S7. Musikinstrument.

Die Mehrheit der sprachlichen Zeichen ist polysem.

Differenzierung:
1. potentielle Bedeutung ↔ aktuelle Bedeutung ( jeweils realisierte Variante )
2. Hauptbedeutung ↔ Nebenbedeutung
3. konkrete Bedeutung ↔ übertragene Bedeutung

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Z.B. grün → S1. HB, Farbebezeichnung; S2. NB, unreif; S3. NB, roh; S4. NB, frisch; S5.
NB, geistig unreif, unerfahren; S6. NB, wohlgesinnt; S7. NB, zur Grünen Partei
gehörend. S1, S2, S3, S4 sind konkrete Sememe und die übrigen sind die übertragenen
Bedeutungen.

Die Seme stellen Abbildelemente dar, die die wichtigsten für die Identifizierung und
Unterscheidung der jeweiligen Gegebenheiten unerlässlichen Eigenschaften umfassen.
Sie sind Ergebnisse der menschlichen Abstraktionsfähigkeit, die Bestandteile von
Abbildern im Prozess widerspiegelnder Tätigkeit der Menschen. Die Bedeutungen der
Seme innerhalb einer Sprachgemeinschaft sind je nach dem Erkenntnisstand
unterschiedlich, z.B. Pferd → Lebewesen, Tier, Huftier, domestiziert, nichtgestreift.
Diese Seme entsprechen mitnichten dem wissenschaftlichen Begriff Pferd aus Biologie.
Seme sind das gesellschaftliche Durchschnittswissen.

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11. Bedeutung, Bedeutung des Wortes

Sprachsystemtheoretische Auffassung basiert auf die Saussurische Unterscheidung


zwischen Langue und Parole:

1. auf der Ebene der Langue → die Systembedeutung, oder sprachliche,


potentielle Bedeutung sind Bedeutungen, die als Sprachbesitz einer Gemeinschaft
existieren; das sind alle möglichen Bedeutungen eines Wortes, Gymnasium – Definition

2. auf der Ebene der Parole → Redebedeutung oder aktuelle, begriffliche


Bedeutung ist die Bedeutung, die das Individuum im sprachlichen Handeln aktualisiert
und aktiviert; das ist die konkrete Textbedeutung.

Bedeutung des Wortes:

1. referentielle Bedeutung ist die Beziehung des Formativs ( der Bezeichnung ) auf
das Objekt.

2. denotative / signifikative / designifikative Bedeutung ist der mentale Inhalt des


Lexems – Denotat ( Sachverhalt ); es ist Vorstellung, der Begriff oder das Wissen vom
Denotat.

3. konotative Bedeutung beinhaltet Mithininformation über die kommunikativen


Rahmenbedingungen der Zeichenverwendung. Die Konnotationen werden teils als
subjektive, individuelle teils als sprachliche Bezeichnungen bezeichnet. Konnotationen
verweisen auf: emotionelle Bedingungen des Wortgebrauchs (Täubchen), dessen
kommunikative Ebene (mein Alter – mein Gatte), Funktionsbereiche (Postwertzeichen –
admin), regionale Bedingungen (Zwetschge), zeitliche Gebundenheit (Genosse).

4. relationelle Bedeutung ist die Beziehung des Zeichenkörpers auf das Bezeichnete
und auf sein psychisches (ideeles) Korrelat.

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12. Synonymie
Bedeutungsgleichheit bzw. Synonymie verweist auf die lexikalischen Einheiten, die
völlig identische Bedeutungen haben, aber formell unerscheiden sich.

Der Terminus Synonym wurde bereits seit 1794 auf sinnverwandte Wörter angewandt.
Als Kriterium für Synonyme gilt die potentielle Austauschbarkeit in einem bestimmten
Text, die dadurch möglich wird, dass die Synonyme in ihrem begrifflichen Kern
übereinstimmen.

Lexikalisch-semantische Strukturtypen:

1. Synonymie zwischen zwei gleichen Konstruktionen ( obwohl – obgleich )

2. Synonymie zwischen zwei unterschiedlichen Konstruktionen ( Kompositum .


Wortgruppe, Strandkleid – Kleid → es ist keine wahre Synonymie, weil das Grundwort
Kleid auch inder Wortgruppe vorkommt ).

Ursachen für die Bedeutungsgleichheit:

• Koexistenz der Wörter verschiedener Subsysteme einer Sprache

• die neueste deutsche Geschichte DDR, BRD ( die Fahrerlaubnis – der Führerschein )

• Konkurrenz vom fremden und deutschen Wort ( Linguistik – Sprachwissenschaft )

• Kommunikationstechnische Gründe ( Beutel – Tüte )

• Verschieden motivierte Wörter ( Putzfrau – Raumpflegerin )

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Lexikalische Synonyme sind Wörter oder Wortgruppen mit verschiedener lautlicher
Form, die wesentliche Bedeutungsmerkmale gemeinsam haben und in einem konkreten
Kontext austauschbar sind. Z.B. schlau – klug - intelligent.

Synonyme bilden meistens Gruppen, keine Wortpaare. Bei den Synonymgruppen


unterscheidet man:

1. Zentrum → hier steht Grundsynonym/Leitsynonym/Archilexem (Pferd)

2. Peripherie → hier stehen andere Lexeme der Synonymgruppe je nach der


semantischen Struktur, Emotionalität, Expresivität und Gebrauchsrestriktion (Gaul,
Mähre).

Synonyme verfügen über einen Kern gleicher denotativer Bedeutungselemente. Sie


unterscheiden sich durch periphere denotative oder durch konnotatiove Merkmale. Sie
unterscheiden sich durch:

• den unterschiedlichen kontextuellen Gebrauch ( ledig, los, frei )

• Stillfürbung, Emotionalität ( essen, speisen, fressen )

• unterschiedliche Assotionen ihrer Motivbedeutungen ( Löwenzahn, Pustenblume,


Kuhblume, Milchstengel )

• kontextgebundene Hervorhebungskraft z.B. durch Aspektbetonung ( Führung,


Beeinflussung, Lenkung )

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13. Arten von Synonymen

Die Synonyme sind Wörter mit unterschidlicher Form und ähnlicher, selten gleicher
Bedeutung. Der Terminus Synonym wurde bereits seit 1794 auf sinnverwandte Wörter
angewandt. Als Kriterium für Synonyme gilt die potentielle Austauschbarkeit in einem
bestimmten Text, die dadurch möglich wird, dass die Synonyme in ihrem begrifflichen
Kern übereinstimmen.

Arten von Synonymen:

1. vollständige/vollkommene Synonymen sind in bedeutungsidentisch und stilistisch


gleichwertig. Sie müssen in jedem Kontext substituierbar sein. Sie sind sehr selten bzw.
bestehen nur kurze Zeit nebeneinander. Schippan gebraucht defür jedoch den
Terminus terminologische Dubletten. Das sind Wörter deutscher und fremder Herkunft
( Linguistik – Sprachwissenschaft, Substantiv – Hauptwort, Tempus – Zei, Moment –
Augenblick, Numerale –Zahlwort ) und nationale und regionale Varianten ( Brötchen –
Semmel ).

2. kontextuelle Synonyme ( Peter war immer ein aktiver Sportler. Unser Bekannter hat
in seiner Jugend viele Stunden auf dem Sportplatz verbracht. Auch heute noch ist er als
Übungsleiter tätig. )

3. unvollständige/kontextfreie Synonyme unterscheiden sich durch die


Besonderheiten des Gebrauchs ( Endrand eines Gewässers: Ufer – Strand – Küste ).
Dezu gehören auch die Spracheinheiten, die sich auf dasselbe Denotet beziehen, d.h.
gemeinsame referentielle Identität aufweisen; man benutzt sie in Texten um
Wiederholung zu vermeiden ( Verfasserin des Buches – Sprachwisseschaftlerin ).

4. partielle Synonyme können nicht in allen Texten vollständig substituiert werden


( Werk – Betrieb, schneiden - mähen ).

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5. stilistische Synonyme werden gebraucht, wenn die besondere Stilfärbung nötig ist
( sterben – abkratzen – den Löffel abgeben – dahinscheiden- entschlafen – verrecken;
Haupt – Kopf – Birne; Anlitz – Gesicht - Visage ).

Von den Synonymen sind dagegen Wörter zu unterscheiden, die zwar in einer Sprache
nebeneinander existieren, aber jeweils nur in einem bestimmten geographischen Gebiet
verwendet werden. Früher wurden sie als territoriale Synonyme bezeichnet. Da sie
aber nicht in ein und demselben Text auftreten können, bezeichnet man sie heute als
territoriale Dubletten ( Tischler – Schreiner, Blumenkohl – Karfiol, Sonnabend –
Samstag, Treppe – Stiege, klingeln – löuten – schellen ).

Arten der Entstehung der Synonyme:

• durch Ausnutzung unterschiedlicher Wortbildungsmaterial ( Bild – Bildnis, Neuheit –


Neuigkeit )

• durch den Einfluss von Fremdsprachen ( Lied – Chanson – Song )

• durch den Einfluss von Fachsprachen ( beginnen – starten )

• durch das Streben nach Ausdrucksverstärkung ( Kopf – Birne – Rübe )

• durch die Umschreibung allzu starker Ausdrücke / Euphemie ( stehlen – mein und dein
verwechseln – etwas mitgehen lassen ).

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14. Antonymie
Zur Antonymie gehören Wörter, die etymologisch nicht zusammengehören und
gegensätzlichen Bedeutungen haben. Antonyme kommen an häufigsten bei den
Adjektiven vor, die Qualitäten oder Positionen ausdrücken; aber auch bei den
Substantiven und Verben.

Arten von Antonymen:

1. Kontrarität → das ist die Gradabstufung der entsprechenden Eigenschaft. Zwischen


zwei Polen gibt es zwei Stufen ( heiß – warm – lau - kalt ).

2. Komplementarität → das sind objektive Gegensätze „entweder-oder“; das ist klare


Abgrenzung ( tot – lebendig, verheiratet – unverheiratet, geben – nehmen, kaufen –
verkaufen, mieten – vermieten ).

3. Konversivität → das sind gegensätzliche Sichtweise auf den gleichen Vorgang; das
ist Verhältnis zwischen den Wörtern, die eine Beziehung von zwei Perspektiven
darstellen ( Mann – Frau, Eltern – Kinder, Student – Professor, Taube - Tauberich ).

Beziehung der Gegensätzlichkeit ( Polarität ):

→ Beziehungen der Polarität gibt es zwischen Substantiven, Verben, Adjektiven,


Präpositionen und Adverbien.

• Außer objektiven Gegensatzwörtern gibt es nach Agricola auch fakultative


Gegenwörter, die sich in der Kommunikation gebunden haben und nur im Bezug auf
ein bestimmtes Phänomen einen Gegensatz darstellen ( Ziffern → römisch – arabisch;
Klavierspiel → zweihändig – vierhändig ).

• Außer stabilen Wortpaaren kennt man noch textabhängige Gegenüberstellungen


( Es waren nicht nur Studenten, sondern auch Obdachlose da.).

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15. Hierarchische Beziehungen

Der Wortschatz jeder Sprache wird hierarchisch strukturiert. Die Wörter stehen
semantisch zueinander in der Über-Unter-Nebenbeziehung.

Hyperonyme sind Oberbegriffe und Hyponyme sind Unterbegriffe.

Hierarchische Bezihungen:

1. Inklusionsbeziehung ( Blume → Rose, Nelke, Sonnenblume.... )

2. Ganzes – Teil Beziehung ( Haus → Dach, Zimmer, Küche, Mauer, Tür, Fenster... )

3. Kollektivum Bezihung ( Wald → Baum, Strauch, Pilze... )

Gebäude
Bau Bauwerk Kasten Bude Hütte
Wohnhaus Krankenhaus Gasthaus Hochhaus Blockhütte

1. Haus 1.Krankenanstalt 1. Gasthof 1.Wolken-


2.Klinik 2. Hotel kratzer
2. Mietshaus – 3.Polikklinik 3. Fremdenheim 2.Turmhaus
Mietskaserne 4. Hospital 4. Pension
5. Lazarett 5. Hospiz
3.Gartenhaus 6.Heilanstalt 6. Motel
a) Laube 7.Sanatorium 7. Raststätte
b) Pavilon 8. Heilstätte 8. Jugendherberge
9.Irrenhaus
4.Wochenend-
haus

5. Familien-
haus

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16. Polysemie

Arten von Polysemie:


1. generelle Polysemie ( Mehrdeutigkeit ) z.B. Ring → Schmuck, Boxring,
Ringvereinigung,Ring beim Objektiv

2. Monosemierung ( Eindeutigmachung ) z.B. Kopf → des Menschen, Briefes,


Nagels; lang → Kleid, Diskussion.

Allerding trifft diese strikte Monosemierung vor allem für den Sachkontext zu, während
in der Umgangssprache und besonders in der Dichtung zur Erzielung bestimmter
Wirkungen gerade die Doppeldeutigkeit von Wörtern ausgenutzt wird ( z.B. Er trug
einen Anzug und eine lange Sange. → Polysemie von tragen ).

Beziehungen:
1. Metaphorische Beziehungen kommen zwischen Sememen auf der Grundlage der
Ähnlichkeitsbeziehungen vor, die Ähnlichkeitsassoziationen auslösen. Metaphorische
Sememe haben gemeinsame Bedeutungsmerkmale, die darauf beruhen, dass
bestimmte mit dem Wort verbundene Konnotationen übertragen werden.

Beispiel: Er ist ein Fuchs → er ist „listig“

2. Metonymische Beziehungen sind semantische Verwandschaftsbeziehungen


zwischen Sememen eines Formativs, die aufgrund objektiv gegebener
Zusammenhänge bestehen. Typen von Metonymie:

a) zwischen Benennungen des Stoffs und Produkten aus diesem Stoff ( Eisen –
Bögeleisen )

b) das Ganze anstelle der Teilbezeichnung / totum pro parte ( ich lese Schiller )

c) Teilbezeichnung anstelle des Ganzen / pars pro toto ( ein Dach über dem Kopf haben
)

24
d) übertragene Benennungen hinsichtlich der Handlung, des Ortes und des Subjeks
( Aufsicht haben, zur Aufsicht gehen, mit der Aufsicht sprechen )

e) übertragene Benennung von der Handlung auf das Ergebnis ( während der Ernte, die
Ernte einbringen )

f) Benennung des Gefäßes und seines Inhalts ( Fass: ein Holzfass, ein Fass trinken )

Hierarchische Beziehungen:

1. zwischen der Gattung und dem Individuum ( Der Mann unterscheidet sich von der
Frau ↔ mein (Ehe)mann )

2. zwischen der Gattung und dem Spezies ( mit Holz bauen ↔edle Hölzer nützen )

3. zwischen dem Kollektivum und dem Einzelnen ( ins Holz fahren ).

Entstehung der Polysemie:

1. Bedeutundsextension ( Pflaume )

2. Bedeutungsdifferenzierung

3. Bedeutungsentlehnung ( casus→ Fall )

4. Wiederverwendung eines bereits veralteten Wortes ( Truhe → Tiefkühtruhe )

Ambiguität ist die Mehrdeutigkeit im Text und kann auf verschiedenen Ebenen
vorkommen:

1. semantisch bedingt ( Er hat einen Vogel. → Kanarienvogel? / Tick? )

2. syntaktisch bedingt ( Er fährt mit dem Zug nach Leipzig. → Fährt er nach Leipzig? /
Fährt er nur mit dem Zug, der nach Leipzig fährt? )

25
17. Homonyme

Homonyme sind sprachliche Einheiten mit gleichem Formativ, aber unterscheidlicher


Bedeutung. Während der Kontext Polysemie und Homonymie also weitgehend
verhindert, ist bei Einzelwörtern die Grenze zwischen Polysemie und Homonymie oft
nicht leicht zu ziehen. Im Unterschied Im Unterschied zu polysemen Wörtern gehören
diese unterschiedlichen Wortarten, haben unterschiedliche grammatische Kategorien,
bilden unterschiedliche Formen z.B. Plural, und sind etymologisch nicht verwandt.

Beispiele:

die Bank,-en (banka) ↔ die Bank,-¨e (klupa)


der Kunde,-n (mušterija) ↔ die Kunde,-n (vest)
die Kiefer,-n (bor) ↔ der Kiefer, ∕ (vilica)
der Leiter (vođa) ↔ die Leiter,-n (merdevine)

Bei den Homonymen unterscheiden wir noch zwischen:

1. Homographen → ortographisch identisch, aber lautlich, grammatisch und


semantisch unterschiedlich ( 1. übersetzen – über den Fluss bringen, übersétzen – in
eine andere Sprache bringen; 2. umfassen – anders fassen, umfassen – mit Hćnden
oder Armen umschliessen, 3. Montage – Pl von Montag, Montage – Framdwort )

2. Homophonen → lautlich identisch, aber ortographisch unterschiedlich ( der


gefangene Floh ↔ der Gefangege floh; Seite ↔ Saite, Namen ↔ nahmen, malen ↔
mahlen, Lied ↔ Lid, Wahl ↔ Wal )

26
18. Motivation / Motiviertheit

Die Motivation ist die Beziehung zwischen Formativ und Bedeutung, bei der die Wahl
des Formativs durch bestimmte Eigenschaften, Verhaltensweise u.a. des
Benennungsobjekts bedingt ist. Die Wahl der Lautkomplexe bzw. des Formativs zur
Bezeichnung einer Gegenstandsklasse ist aber nicht durch die Natur dieser
Gegenstände bedingt.

Bei der Benennung eines in der Praxis gewonnenen Sachverhaltsdient gewöhnlich ein
Merkmal, wonach der ganze Nominationsgegenstand benannt wird → z.B. Frühling,
nach dem Merkmal früh ←Wurzel *pro.

Die Motivation ist um so vollständiger, je leichter sich die Anerkennung in Bestandteile


zerlegen lässt → z.B. Friedensfreund, rötlich, Nashorn.

Das Motiv oder das Merkmal der Nomination wird mit dem Terminus die innere
Wortform bezeichnet. Dieser Terminus geht auf Humboldt zurück.

• Die Frage nach der Motivation der sprachlichen Zeichen ist auch sehr wichtig:

1. Motiviert sind Wörter, wenn man ihre Bedeutung aus ihren Brsandtteilen erschließen
kann. Motivierte Wörter sind semantisch zerlegbare Ableitungen und Zusammen-
setzungen, z.B. Schulbuch, Schüler...

2. Unmotiviert d.h. lexikalisiert sind Wörter, die arbiträr sind und nur auf Konvention
beruhen. Unmotivierte Wörter sind Wurzelwörter, Wörter mit verdunkelten Motivation.
Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Gegenstand „Tisch“ und der Lautfolge
[tiſ]. Dieser Gegenstand hat auch andere Bezeichnungen in anderen Sprachen, z.B. sto,
table, bord, mesa... → also, die Beziehung zwischen dem Zeichen und dem
Bezeichneten ist unmotiviert d.h. lexikalisiert.

27
19. Arten der Motivation
Arten der Motivation:

1. Phonemisch – phonetische Motivation


2. Morphematische Motivation
3. Semantische Motivation

Phonemisch – phonetische Motivation

Phonemisch – phonetische Motivation besteht darin, dass die Bedeutung motiviert ist,
dass mit bestimmten Formativen Bedeutungszusammenhänge imitiert werden. Diese
Motivation hat in den Anfängen der Sprachentwicklung eine gewisse Rolle gespielt und
heute kommt nur in Ausnahmefällen vor. Wörter bilden einen Laut oder Schall nach:

• Onomatopoetika ( Kukuck, Uhu, Kikeriki, zwitschern, trällern, blöken... )

• Kindersprache, Geheimsprache
• In der Poesie

Morphematische Motivation

Morphematische Motivation ist die Bildung neuer Wörter durch die einzelnen Wortteile
oder Morpheme. Die Elemente terten nach bestehenden Strukturtypen zusammen und
verursachen die Bedeutung, z.B. Tisch, Tischler, Tischlerei, Tischtuch....

Durchschaubarkeit der Benennungsmotive ist der Unterschied im Motiviertheitsgrad:

1. völlige Durchschaubarkeit ( Tischbein )

2. partielle Demotivierung → Summe ist mehr als die einzelnen Teile. Vokabel kann
nur ganz erfasst werden. ( fabelhaft → in der Art einer Fabel – hervorragend; Handtuch)

28
Etymologische Motivation → heute ummotiviert erscheinende Wörter oder Wortteiile
können jedoch früher ebenfalls motiviert gewesen sein. Dies ist durch eine
etymologische Analyse erklärbar, also diachronisch. ( Tisch, Büttel, Buchstabe... )

Semantische Motivation

Die eigentliche Bedeutung des Wortes kann übertragen werden – Metaphern,


Metonyme. Diese übertragene Bedeutung ( figurative Motivation ) ist durch die
inhaltliche/semantische Beziehung auf das Ausgangswort motiviert, z.B.

Er ist ein Fuchs → klug oder rothaarig

Metaphorische Bedeutungsübertragung ist, wenn das Wortformativ zur Bezeichnung


eines anderen Denotats benutzt wird, aufgrund gemeinsamer Merkmale der neu
bezeichneten Gegebenheit mit der schon vorhandenen Wortbildung, z.B.

Schlange → Tier oder böse Person.

Zeichenmotivation → das Feld, in dem das Wort steht, bildet ein Begriffkomplex. Dort
gehörende Wörter stehen in gegenseitiger Abhängigkeit und können erst im Gefüge
verstanden werden. Das Feld bestimmt die Bedeutung des Wortes, z.B. Notenskala.

Situative Motivation → Inhalt kann in einem ausgeprägten Milieu neu assoziert


werden, z.B. Dealer – Drogenhändler, Stoff – Rauschgift.

Das Wort kann einem Prozess der Demotivierung / Idiomatisierung unterliegen, weil
ein Teil des Wortes seine Bedeutung verändert hat oder durch Veränderung des
Formativs die ursprünglichen Beziehungen nicht mehr sichtbar sind.Es erfolft so eine
stufenweise oder generelle Verdunkelung der Motivation:

Großstadt – Großmutter, Kennerblick – Augenblick, Augenblick - Moment...

29
( Die Großstadt ist völlig motiviert, weil es sich immer noch um eine große Stadt
handelt; die Großmutter ist keine große Mutter, aber doch noch immer eine Mutter.
Kennerblick ist eine Blick des Kenners, weil es sich um den Blick des Kenners handelt,
während das Wort Augenblick weder mit dem Auge noch mit dem Blick zu tun hat – es
ist nur äußerlich strukturell motiviert, semantisch aber unmotiviert, genu wie das Wort
Moment. )

Dabei unterscheidet man:

1. regelmäßig ( morphematisch und semantisch ) motivierte Wörter ( Großstadt,


Kennerblick )

2. unregelmäßig motivierte Wörter → a) teilmotivierte ( Großmutter, Tischler, Dritte),


b) nur äußerlich, strukturell motivierte Wörter ( Augenblick )

3. nicht mehr motivierte Wörter ( Mensch, Welt, nennen, blau, heute, neben .... )

• Fehletymologie / Volksetymologie → beruht auf den falschen Auslegungen von


Wörtern mit unklarem oder verdunkeltem Etymon. Die Folge der Fehletymologie sind
die Veränderungen in der Lautgestalt und in der Bedeutung des Wortes.

( Hebamme ← ahd. die Hebende, später → heben + Amme )

Ursachen für die Fehletymologie:

1. lautliche Ähnlichkeit zweier Wörter ( Leinwand ← Wand [ ahd. wat - Kleidung ] )

2. logische Assoziation ( Mailand ← Milan→Mailan → ähnlich zum Monatsnamen Mai


→ Italien wurde in Deutschland immer als Land des ewigen Frühlings aufgefasst, man
brachte den zweiten Bestandteil lan in logische Verbindung mit Land, so entstand der
heutige Name der Stadt Mailand )

30
20. Bedeutungswandel

Im Grundwortschatz jeder Sprache gibt es eine große Anzahl von Lexemen, deren
Bedeutung über sehr lange Zeit unverändert bleibt ( Haus, Mutter, gehen, gut, fünf... ).

Der Bedeutungswandel des sprachlichen Zeichens besteht in der Veränderung der


Beziehung zwischen Ausdruck und Inhalt ( grün → Ausgangsbedeutung ist Farbe, neue
Bedeutungen sind unreif, frisch... ).

Aber dei den anderen Lexemen dagegen wurde die alte Bedeutung zugunsten einer
neuen aufgegeben ( Frauenzimmer → ursprünglich Raumbezeichnung, neue
Bedeutung Frau ).

Bedeutungwandel hängt von Situation und Kontext ab ( Ich koche das Mittagessen. ↔
Ich koche vor Wut. ; Die Blätter sind noch grün. Dieser Junge ist noch grün. )

Bei Umstrukturierungen der Realität werden neue Umbenennungen vorgenommen, z.B.


die alten Bezeichnungen für Teile des Hauses sind mit Einführung des Steinbauhauses
durch neue ersetzt oder ergänzt worden ( Wand, Window → Mauer, Fenster ).

Wenn ein Wort negative bzw. pejorative Bedeutung bekommt, trifft oft ein neues an
seine Stelle ( ahd. stinkan Duft, Geruch verbreiten, später bedeutete schlechten
Geruch verbreiten; nun wird riechen als neutrales Verb gebrauch und duften bekam
pejorativen Beiklang ).

31
21. Ursachen des Bedeutungwandels
Man kann zwischen außer- und innensprachlichen Ursachen des Bedeutungswandel
unterscheiden.

Außersprachliche Ursachen

1) Veränderungen, Entwicklungen in der materiellen Produktion

Pilot → Schiffslotse, Flugzeugführer

2) Fortschreitende menschliche Erkenntnis

Abendstern, Morgenstern → ein Stern/Venus

3) Veränderungen in der Sozialstruktur

Mamsell, Herr, Frau, Fräulein ( Goethe! )

4) Affekt

• Ausdrucksverstärkung: furchtbar/schrecklich nett

• Ausdrucksschwächung: nur noch zwei Worte sagen

• Euphemismus (rücksichtsvolle Ausdrucksweise oder Umschreibung ): sterben


→ ableben, einschlafen, die Augen für immer schließen...

• Tabuwörter ( Euphemismen ): Teufel → der Gottseibeiuns, Böse, Schwarze,


Versucher...

• Ironie: eine schöne Geschichte

5) Sprachgebrauch bedeutender Persönlichkeiten:

• Luther: durch die Finger sehen großzügig sein

• Goethe: Wahlverwandschaften ← aus Chemie in die Gemeinsprache übertragen,


in der Chemie ist längst veraltet

32
Innensprachliche Ursachen

1) Veränderungen der sprachlichen Form und damit Umdeutungen ursprünglicher


Ausdrücke:

einland ( “Inselland“ zu oie/oien „Insel“ ) wird Eiland ( Umdeutung nach ei „oval“ )

2) Analogiebildungen verschidenster Art:

fahren einen Wagen, dann eine Schlicht; ein Gerät fahren betreiben

3) Verschiebungen erfolgen, wenn mehrere Synonyme nebeneinander existieren

Haupt - Kopf ( stilistisch anders )

Bürger – Bourgeois ( begrifflich anders )

4) Wechsel der sprachlichen bzw. kommunikativen Ebene

Zylinder, Mantel, elektrisches Feld ( von der Gemeinsprache in die Fachsprache )

abschalten, umschalten, schnell schalten (von der Fachsprache in die


Gemeinsprache)

33
22. Arten des Bedeutungswandels
Arten des Bedeutungswandels:
1. infolge sprachlicher Ökonomie
2. durch Bezeichnungsübertragung ( Metaphorik, Matonymie )
3. durch Bedeutungsübertragung
4. durch Bedeutungsfestlegung

1) Infolge sprachlicher Ökonomie

Ein bestimmtes Wort wird in alter Form, aber mit neuer Bedeutung weiterbenutzt,
nachdem sich die damit bezeichnete Sache verändert hat.

Feder ( früher Vogelfeder ), Bleistift ( nur noch mit Gaphitmine ), Scheibe (früher
abgeschnittene runde Holzscheibe )

2) Durch Bezeichnungsübertragung

Jede Sprache strebt nach Genauigkeit, Deutlichkeit des Ausdrucks. Einmal geschaffene
Bezeichnungen werden deshalb in Folge eines Vergleiches auf Grund äußerer
Ähnlichkeit (Metaphorik) oder wirklicher Zusammenhänge (Metonymie) auf andere
Erscheinungen übertragen.

Zur Metapher

Metapher ← gr. meta über, phero trage → bedeutet: Übertragung

Es gibt zwei Arten der Metapher:

1. silistische → viel ausdrucksvoller, bildhafter; aber schafft keine neue Bedeutungen zu


den Wörtern; dient nur stilistischen Zwecken ( die Flamme der Liebe, ein Strom von
Erinnerungen )

2. lexikalische

34
► Metapher entstehen aufgrund äußerer Ähnlichkeit:

• der Form ( Stuhlbein, Schlange – eine Reihe wartender Menchen )


• der Lage ( Fuß des Berges )
• der Funktion ( Haupt der Familie )
• der Farbe ( eine kühle Blonde – ein helles Bier )
• des Äußeren ( Apollo – ein schöner Mann, Venus – eine schöne Frau )
• der Charakterzüge ( Othello – ein eifersüchtiger Mann )

► Tiernamen als Metapher ( Fuchs Rothaariger, fuchsschlau schlau wie ein Fuch,
Wasserhahn Sachbezeichnung )

► Sachbezeichnungen aus einem Gebiet werden in ein anderes übertragen

( Netz – zum Fischefangen → dann auch Straßennetz, Stromnetz;


Kern – vom Kernobst → dann auch Atomkern )
► Gegenstände werden presonifiziert ( Die Uhr geht. Die Sonne lacht. Der Himmel
weint. Die Augen sprechen. Die Jahre gehen. Das Leben geht weiter. Der Wind erhebt
sich. )

► Namensübertragung von Sachen auf Menschen ( Leuchte → berühmter Fachmann,


kluger Kopf, Klotz → unbeholfener Mensch, Kratzbürste → widerborstige Frau... )

► Ähnlichkeit eines inneren Merkmals, einer Eigenschaft ( bittere Worte, trockene


Worte, süßer Ton, harte Stimme... )

► Personenbezeichnungen werden zu Eigenschaftsbezeichnungen ( ein Judas, ein


Quisling, ein Mozart, ein Goethe, ein Einstein... )

► Übertragungen aus einem Sinnesbereich in einen anderen ( hell – erstens benannte


einen akustischen Eindruck, später wird für Optisches benutzt )

35
► Übertragungen aus dem Konkreten in das Abstrakte ( Spur → ursprünglich der
Eindruck, der die Fusstritte eines Tieres, eines Menschen auf dem Erdboden
hinterlassen; später Abdrücke von Wagenrädern )

► Witz → bei menschlichen Körperteilen ( Nase → Gurke, Knolle, Zinken, Lötkolben )

► Witz → bei Gebrauchsgegenständen ( Zigarette → Giftnudel, Sargnagel; Klavier →


Drahtkommode; Fahrrad → Drahtesel )

Zur Metonymie

Metonymie ← gr. meta über, onoma Name → bedeutet: Umbenennung

Metonymie ist die Übertragung der Namenbezeichnung von einem Gegenstand auf
einen anderen auf Grund eines logischen Verhältnisses zwischen diesen
Gegenständen. Im Gegensatz zu Metapher liegt hier keine Ähnlichkeit oder kein
latenter Vergleich zugrunde. Der metonymischen Übertragung liegen bestimmte
räumliche, zeitliche, stoffliche, kausale und andere Verhältnisse zugrunde.

► Namensübertragung vom Raum auf die Personen ( Frauenzimmer → statt Frau, die
ganze Schule statt Schüler )

► Namensübertragung von einem Vorgang auf einen Raum ( Gang )

► Namensübertragung von einem Vorgang auf das Ergebnis oder einen Gegenstand (
sammeln → Sammlung, übersetzen → Übersetzung, bilden → Bildung, drücken →
Druck, essen → Essen, schreiben → Schreiben... )

► Namensübertragung von einem Behälter auf den Inhalt ( Glass statt Wein, Flasche
satt Bier, Tasse statt Tee/Kaffee )

► Namensübertragung von dem Stoff auf den Gegenstand, der daraus hergestellt wird
( Glas → ein Gefäß )

36
► Namensübertragung von einem Körperteil auf die Bekleidung dieses ( Kragen →
ursprünglich bedeutete Hals )

► Namensübertragung von einem Kleidungsstück auf einen Körperteil ( Schoss


bezeichnet unteren Teil der Kleidung, metonymisch Knie )

► Namensübertragung von Gattungsnamen auf die Eigennamen ( Weber, Hof, Berg,


Braun )

► Namensübertragung von Eigennamen auf die Gattungsnamen ( Kaiser, Duden, Volt,


Kognak, Sandwich... )

► Namensübertragung vom Schöpfer auf sein Werk ( Ohm, Guillotine, Röntgen-


strahlen, Kochstäbchen, Herz... )

► Namensübertragung von der Benennung des Ortes auf das, was dort hergestellt
wird ( Havanna, Mokka, Champagner, Eau de Kologne... )

► Namensübertragung eines Teils auf das Ganze / pars pro toto ( ein heller Kopf,
Lanbein, Langfinger, Rotbart, Sonnabend, die vier Wände... )

3) Durch Bedeutungsübertragung

Dieser Bedeutungswandel kann auf Grund lautlicher Ähnlichkeit vorgenommen werden.


Das sind lautliche Umdeutungen nicht mehr verständlicher Wörter oder sog. Volks-
etymoligie ( Hebamme, Leinwand, Brandenburg ).

Hier geht es um eine Neumotivierung wegen verlorengegangener Wörter.


Bestimmungswort die Bedeutung des ganzen Wortes ( Oberkellner → Herr Ober,
Fahrrad → Rad, Eisenbahn → Bahn... ).

Die ganzen Wortgruppen können verkürzt werden und damit in der Bedeutung
verändert werden ( Linke, Rechte → Hand oder Seite im Parlament, danach Partei, der
greise Mensch → Greise, ein Paar Wiener ( Würstchen )... ).

37
4) Durch Bedeutungsfestlegung

Eine genaue Fixierung von der in der Gemeinsprache allgemeinen Bezeichnungen


erfolgt besonders in Fachsprachen, wo Definitionen und exakte Bedeutungen
unerlässlich sind.

Beispiele: Straße → Weg, Landstraße. Fernstraße, Autobahn....


Lampe → Leuchte, Leuchtenbau....

nackt → nackte Völker ( Bienen ohne Stock... )


sauer → Säure...

38
23. Bedeutungswandel durch Bezeichnungsübertragung
( Metaphorik, Metonymie )
Jede Sprache strebt nach Genauigkeit, Deutlichkeit des Ausdrucks. Einmal geschaffene
Bezeichnungen werden deshalb in Folge eines Vergleiches auf Grund äußerer
Ähnlichkeit (Metaphorik) oder wirklicher Zusammenhänge (Metonymie) auf andere
Erscheinungen übertragen.

Zur Metapher

Metapher ← gr. meta über, phero trage → bedeutet: Übertragung

Es gibt zwei Arten der Metapher:

1. silistische → viel ausdrucksvoller, bildhafter; aber schafft keine neue Bedeutungen zu


den Wörtern; dient nur stilistischen Zwecken ( die Flamme der Liebe, ein Strom von
Erinnerungen )

2. lexikalische

► Metapher entstehen aufgrund äußerer Ähnlichkeit:

• der Form ( Stuhlbein, Schlange – eine Reihe wartender Menchen )


• der Lage ( Fuß des Berges )
• der Funktion ( Haupt der Familie )
• der Farbe ( eine kühle Blonde – ein helles Bier )
• des Äußeren ( Apollo – ein schöner Mann, Venus – eine schöne Frau )
• der Charakterzüge ( Othello – ein eifersüchtiger Mann )

► Tiernamen als Metapher ( Fuchs Rothaariger, fuchsschlau schlau wie ein Fuch,
Wasserhahn Sachbezeichnung )

► Sachbezeichnungen aus einem Gebiet werden in ein anderes übertragen

( Netz – zum Fischefangen → dann auch Straßennetz, Stromnetz;


Kern – vom Kernobst → dann auch Atomkern )

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► Gegenstände werden presonifiziert ( Die Uhr geht. Die Sonne lacht. Der Himmel
weint. Die Augen sprechen. Die Jahre gehen. Das Leben geht weiter. Der Wind erhebt
sich. )

► Namensübertragung von Sachen auf Menschen ( Leuchte → berühmter Fachmann,


kluger Kopf, Klotz → unbeholfener Mensch, Kratzbürste → widerborstige Frau... )

► Ähnlichkeit eines inneren Merkmals, einer Eigenschaft ( bittere Worte, trockene


Worte, süßer Ton, harte Stimme... )

► Personenbezeichnungen werden zu Eigenschaftsbezeichnungen ( ein Judas, ein


Quisling, ein Mozart, ein Goethe, ein Einstein... )

► Übertragungen aus einem Sinnesbereich in einen anderen ( hell – erstens benannte


einen akustischen Eindruck, später wird für Optisches benutzt )

► Übertragungen aus dem Konkreten in das Abstrakte ( Spur → ursprünglich der


Eindruck, der die Fusstritte eines Tieres, eines Menschen auf dem Erdboden
hinterlassen; später Abdrücke von Wagenrädern )

► Witz → bei menschlichen Körperteilen ( Nase → Gurke, Knolle, Zinken, Lötkolben )

► Witz → bei Gebrauchsgegenständen ( Zigarette → Giftnudel, Sargnagel; Klavier →


Drahtkommode; Fahrrad → Drahtesel )

Zur Metonymie

Metonymie ← gr. meta über, onoma Name → bedeutet: Umbenennung

Metonymie ist die Übertragung der Namenbezeichnung von einem Gegenstand auf
einen anderen auf Grund eines logischen Verhältnisses zwischen diesen
Gegenständen. Im Gegensatz zu Metapher liegt hier keine Ähnlichkeit oder kein
latenter Vergleich zugrunde. Der metonymischen Übertragung liegen bestimmte
räumliche, zeitliche, stoffliche, kausale und andere Verhältnisse zugrunde.

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► Namensübertragung vom Raum auf die Personen ( Frauenzimmer → statt Frau, die
ganze Schule statt Schüler )

► Namensübertragung von einem Vorgang auf einen Raum ( Gang )

► Namensübertragung von einem Vorgang auf das Ergebnis oder einen Gegenstand (
sammeln → Sammlung, übersetzen → Übersetzung, bilden → Bildung, drücken →
Druck, essen → Essen, schreiben → Schreiben... )

► Namensübertragung von einem Behälter auf den Inhalt ( Glass statt Wein, Flasche
satt Bier, Tasse statt Tee/Kaffee )

► Namensübertragung von dem Stoff auf den Gegenstand, der daraus hergestellt wird
( Glas → ein Gefäß )

► Namensübertragung von einem Körperteil auf die Bekleidung dieses ( Kragen →


ursprünglich bedeutete Hals )

► Namensübertragung von einem Kleidungsstück auf einen Körperteil ( Schoss


bezeichnet unteren Teil der Kleidung, metonymisch Knie )

► Namensübertragung von Gattungsnamen auf die Eigennamen ( Weber, Hof, Berg,


Braun )

► Namensübertragung von Eigennamen auf die Gattungsnamen ( Kaiser, Duden, Volt,


Kognak, Sandwich... )

► Namensübertragung vom Schöpfer auf sein Werk ( Ohm, Guillotine, Röntgen-


strahlen, Kochstäbchen, Herz... )

► Namensübertragung von der Benennung des Ortes auf das, was dort hergestellt
wird ( Havanna, Mokka, Champagner, Eau de Kologne... )

► Namensübertragung eines Teils auf das Ganze / pars pro toto ( ein heller Kopf,
Lanbein, Langfinger, Rotbart, Sonnabend, die vier Wände... )

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24. Ergebnisse des Bedeutungswandels

Wenn Wörter ihre Bedeutung verändern, kommen Erweiterung, Verengung, Spaltung


und Emotionalisierung als Folge vor.

1. Erweiterung bzw. Generalisierung der Bedeutung

Bei der Bedeutungserweiterung wird der Bedeutungsumfang eines Wortes über das
bisher Übliche hinaus ausgedehnt:

Diele → Bretterboden, heute auch Raum, z.B. Tanzdiele;


Ding → Rechtsangelegenheit, heute allgemein Sache;
Brief → aus lat. brevis ( libellum ) kurzes amtliches Schreiben, heute allgemein Brief...
Die Generalisierung ist die Verallgemeinerung der Bedeutung ( z.B. bei Brief, Ding... )

Dieser Entwicklung unterlagen auch die heute allgemeinen Anredeformen, die früher
nur für Angehörige des Adels, dann auch für das Bürgertum, schließlich für alle
gebraucht werden:

Frau ( mhd. frouwe ), Fräulein, Herr...

2. Verengung / Spezialisierung der Bedeutung

Bei der Verengung / Spezialisierung wird der Bedeutungsumfang eines bestimmten


Wortes eingaschränkt.

z.B. Hochzeit → erstens Fest, Feierlichkeit, mit der Beschränkung auf Eheschließung;
Miete → erstens Entgelt, Lohn, mit der Beschränkung auf Engelt für die Wohnung
Kunst → erstens Können Wissen, mit der Beschränkung auf künstlerische Fähigkeit

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Es gibt auch solche Bedeutungveränderungen, die zum Positiven oder Negativen hin
entwickelt werden:

• bei positiven Bedeutundsveränderungen spricht man von Bedeutungsveredelug oder


Werterhöhung ( Mut → Gesinnung, Stimmung, dann eingeschränkt und gehoben zu
tapfere Gesinnung; Marschall → Pferdeknecht, dann ist zu einer hohenmilitärischen
Rangbezeichnungen geworden... )

• bei negativen Bedeutungsveränderungen spricht man von Bedeutungs- oder


Wertminderung ( Dirne → Mädchen, heute Prostituierte; gift → Gabe, heute nur
schädliche Gabe ).

3. Spaltung der Bedeutung

Die Bedeutungsspaltung kommt vor allem bei Funktionswörtern vor. So, wenn z.B.
aus einem ursprünglichen Wort sich einerseits die Konjnktion, andererseits die
Präposition entwickelt haben (bis-bis), bzw. einerseits das Relativpronomen,
andererseits die Konjunktion (das – dass) o.ä.

4. Emotionalisierung der Bedeutung

Neutrale Ausdrücke können emotionalisiert werden – positiv oder negativ.

z.B. der naturwissenschaftliche wertneutrale Trminus Atom →


positiv: Atomenergie – die Zukunft der Menschheit,
negativ: Atomwaffen – der Untergang der Menschheit.

43
25. Phraseologie

Der Begriff „die Phraseologie“ besteht aus zwei grischischen Wörtern: phrasis
Wendung, Ausdruck, logos Begriff, Lehre. Die Phraseologie ist eine junge Disziplin
und zwar eine Teildisziplin der Lexikologie, weil man sie als selbstständige
sprachwissenschaftliche Disziplin aus der Lexikologie ausgesondert hat. Als
Teilsdisziplin wurde sie zum ersen Mal in die Linguistik von dem französischen
Linguisten Charles Bally am Anfang des 20. Jahrhunderts erwähnt.

Phraseologie ist eine sprachwissenschaftliche Teildisziplin, die sich mit der Erforschung
der Phraseologismen beschäftigt und sie ist gleichzeitig ein Bestand (Inventar) von
Phraseologismen in einer bestimmten Einzelsprache.

Phraseologie untesucht die Struktur und die Bedeutung der Wortverbindungen:

Freie Wortverbindungen entstehen in der Kommunikation und sie sind zerlegbar, z.B.
das schöne/gute Kind → ist ein Kind, das schön/gut ist. Die Analyse solcher
Wortverbindungen ist Gegenstand der Syntax.

Feste Wortverbindungen sind in ihrer Funktion erstarrte freie Wortverbindungen, die


ihre eigene Bedeutung verloren haben, z.B. jdm. den Kopf waschen ist fest geworden
und hat eine übertragene Bedeutung erhalten – jdn. tadeln.

Die Wortverbindung die Hände in den Schloß legen kann gleichzeitig frei und fest
gebraucht werden. Hier hilft nur der Kontext:

frei → Sie legte die Hände in den Schloß und ruhte von der schweren Arbeit aus.

fest → Alle arbeiteten fleißig, nur sie legte die Hände in den Schloß. ( untätig sein )

Kriterien für die Abgrenzung der festen Wortverbindungen sind:

Idiomazität, semantisch-syntaktische Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit.

44
16. Geschichte der Phraseologieforschung

Eine große Rolle in der Entwicklung der Phraseologie spielte die sowjetische
Sprachwissenschaft in der Fortsetzung russischer Traditionen des 19. Jahrhunderts.
Russische Linguisten haben seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begonnen den
besonderen Status des Phraseologismus innerhalb der Wortverbindungen zu
bestimmen und schufen damit Voraussetzungen für eine Theorie der Phraseologie.

Mit den Arbeiten von V.V.Vinogradov (1946, 1947) hat sich die Phraseologie in der
sowjetischen Sprachwissenschaft als selbstständige Teildisziplin etabliert. Berühmteste
Linguisten, die sich der Phraseologie gewidmet haben, sind I.I.Černyševa, A.I.Molotkov,
S.I.Ožegov, A.V.Kunin...

♥ Phraseologieforschung in der deutschsprachigen Germanistik:

Die deutsche Germanistik hat sich nach 1945 vorerst nur wenig mit den verschiedenen
Arten der Phraseologismen beschäftigt und seit Beginn der siebziger Jahre ist die
Forschung auch in der deutschsprachigen germanistischen Phraseologie noch
intensiver. Die Forschungsarbeit wurde wesentlich durch Anregungen der sowjetischen
Linguistik beeinflusst, speziell durch Abhandlungen von V.V.Vinogradov Ende der 40er
Jahre. Die früheren Untersuchungen beschäftigten sich vorwiegend mit Idiomen,
Sprichwörtern und geflügelten Wörtern, und jetzt wurden die Forschungen auf alle Arten
fester Wortverbindungen ausgedehnt ( Wache stehen, ein Experiment durchführen,
Rotes Meer... ). Eine Klassifizierung dieser festen Wortverbindungen erfolgte nach sehr
unterschiedlichen Prinzipien: Struktur, Bbildungsweise, lexikalisch-syntaktischen
Merkmalen, semantischen Merkmalen, Funktion, Stilwert..., von denen Struktur,
Semantik und Funktion als Hauptkriterien galten.

In den 60er Jahren → Agricola, Klappenbach, Görner;


in den 70er Jahren → Burger, Rothkegel.

45
I.I.Černyševa legte die erste selbstständige Gesamtdarstellung der deutschen
Phraseologie vor ( „Frazeologija savremenogo nemeckogo jazyka, 1970 ).

Die ersten ausführlichen Untersuchungen widmen sich vor allem der


Gegenstandsbestimmung und der Klassifikation der Phraseologismen – U.Fix,
A.Rothkegel, H.Burger...

W.Koller beschäftigte sich mit der Rolle der Phraseologismen im Text.

K.D.Pilz, D.Heller und K.Daniels bieten wissenschaftliche Übersichten zur Entwicklung


der Phraseologieforschung.

Diese und andere Linguisten haben mit ihren Arbeiten zur Entwicklung der
germanischen Phraseologieforschung beigetragen.

Ein wichtiges Jahr für die Phraseologieforschung ist das Jahr 1982, weil damals zwei
phraseologische Handbücher erschienen:

1) Handbuch der Phraseologie – von Herold Burger, Annelies Buhofer und Ambros
Siam

2) Phraseologie der deutschen Gehenwartssprache – vonvWolfgang Fleischer

Die erste allgemeine Einführung in die Phraseologie für ein breites Publikum erschien
im Jahr 1995 → Phraseologie : Eine Einführung – von Christine Palm. Dann im Jahr
1998 erschien → Phraseologie : Eine Einführung am Beispiel des Deutschen – von
Harald Burger.

Seit 1988 finden auch im Abstand von zwei Jahren internationale Tagungen zur
Phraseologie statt. Diese Tagungen werden Europhras genannt.

46
27. Phraseologismen

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Synonyme für Phraseologismen sind: Phrasem, Idiom, Idiomatismus, feste Syntagmen,


phraseologische Einheit, Redewendung, Redensart, feste Wendung, feste
Wortverbindung...

► Drei Grundtypen von festen Wortverbindungen sind ( Diese Klassifikation beruht auf
semantischer Basis, d.h. es wird danach gefragt, wie weit ein Wort moviert oder
unmoviert ist, ob lexikalische oder grammatische Archaismen vorliegen und ob sie
syntaktisch zerlegbar sind. ):

1. Idiome

Idiome sind unmotivierte Wortverbindungen, lexikalische oder grammatische


Archaismen und sind lexikalisch und syntaktisch unzerlegbar. Sie bilden eine völlige
lexikalische Einheit.

• Kohldampf schieben Hinger haben,

• mit Kind und Kegel mit der gesamten Familie

47
2. phraseologische Ganzheiten

Phraseologiesche Ganzheiten sind feste Wortverbindungen, das sind keine


Archaismen. Die meisten habe eine expressive-emotionale Färbung und sind bildhaft,
deswegen sind sie motiviert.

• kein Blatt vor den Mund nehmen etwas offen sagen,

• an die große Glocke hängen Privates, Unangenehmes allen weiter sagen,

• den Bock zum Gärtner machen jdn.,der ungeeignet ist,mit einer Aufgabe betrauen...
3. phraseologische Verbindungen

Phraseologische Verbindungen erlauben eine Austauschbarkeit der Komponenten und


nur ein Element der Wortverbindung ist umgedeutet.

• Anordnungen/Vorbeietungen treffen

48
28. Phraseologische Merkmale
Es gibt unterschiedliche Meinungen und verschiedene Definitionen, aber trotzdem kann
man einige Kriterien nennen, worüber die meisten Linguisten bei der Abgrenzung des
Phraseologismus von anderen sprachlichen Einheiten übereinkommen.

Phraseologische Merkmale bzw. Kriterien für die Abgrenzung der festen


Wortverbindungen sind: Polylexikalität, Idiomazität, semantisch-syntaktische Stabilität,
Lexikalisierung und Reproduzierbarkei.

Polylexikalität ( Mehrgleidrigkeit )

Der Phraseologismus besteht mehr aus einem Wort. Der Anzahl der Einzellexeme ist
dabei nicht festgelegt – es gibt sowohl zweigliedrige, als auch mehrgliedrige
Phraseologismen.

Idiomazität

Idiomatisierung ist ein Prozess, durch den aus der Wortverbindung ein Idiom entsteht.

Es gibt mehrere Grade der Idiomazität:


1. vollidiomatisch / unmotiviert → alle Komponenten sind semantisch transformiert,
d.h. alle Wörter haben ihre wendungsexterne Bedeutung aufgegeben, um eine neue
idiomatisierte phraseologische Bedeutung zu konstituieren

die Engel singen hören große Schmerzen empfinden,

ein Schlag ins Wasser ein Misserfolg,

etwas auf Eis legen für eine spätere Erledigung zurückstellen.

das fünfte Rad am Wagen überflüssige Person

2. teilidiomatisch / motiviert
Öl ins Feuer gießen Streit noch intensiver machen ( der Phraseologismus ist durch
das Bild motiviert ),
an einem seidenen Faden hängen in Gefahr sein,

Blut und Wasser schwitzen sehr schwitzen,

49
3. nichtidiomatisch → das sind Ausdrücke, die duch keine oder nur minimale
semantische Differenzen zwische phraseologischer und wörtlicher Bedeutung
charakterisiert sind.

sich die Zähne putzen.

Stabilität ( Festigkeit )
Festigkeitsgrad und Grad der Idiomatizität sind sehr eng verbunden. Vollidiomatisierte /
unmotivierte Phraseologismen haben auch den höchsten Grad an Stabilität.

Die phraseologische Stabilität ist durch die Erscheinung der unikalen Komponenten und
durch nicht idiomatisierte Komponenten zu beweisen.

• Unikale Komponeneten sind nur phraseologisch gebundene Wörter, die außerhalb


des Phraseologismus nich mehr vorkommen:

auf Anhieb sofort,

am Hungertuch nagen Hunger leiden,

mit jdm. Auf dem Kriegsfuß leben mit jdm. Im ständugen Streit leben.
• Nicht idiomatisierte Komponenten stehen an der Peripherie der Phraseologismen,
weil sie als Stereotype in der Sprache vorkommen:

Kern der Sache, Katz und Maus, Honig und Milch, rechts und links, hin und her...

Lexikalisierung

Idiomazität und Stabilität führen zur Lexikalisierung der festen Wortverbindung.


Lexikalisierung ist die Aufnahme einer phraseologischen Einheit und Speicherung im
mentalen Lexikon oder in den Wörterbüchern.

Reproduzierbarkeit

Die Wörter, die schon lexikalisiert worden sind, können Schriftsteller wieder benutzen –
mit Phraseologismen spielen, sie kreativ gebrauchen oder mit anderen festen
Wortverbindungen kompilieren.

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29. Stabilität ( Festigkeit )

Es gibt unterschiedliche Meinungen und verschiedene Definitionen, aber trotzdem kann


man einige Kriterien nennen, worüber die meisten Linguisten bei der Abgrenzung des
Phraseologismus von anderen sprachlichen Einheiten übereinkommen.

Phraseologische Merkmale bzw. Kriterien für die Abgrenzung der festen


Wortverbindungen sind: Polylexikalität, Idiomazität, semantisch-syntaktische Stabilität,
Lexikalisierung und Reproduzierbarkei.

Stabilität ( Festigkeit )
Festigkeitsgrad und Grad der Idiomatizität sind sehr eng verbunden. Vollidiomatisierte /
unmotivierte Phraseologismen haben auch den höchsten Grad an Stabilität.

Die phraseologische Stabilität ist durch die Erscheinung der unikalen Komponenten und
durch nicht idiomatisierte Komponenten zu beweisen.

• Unikale Komponeneten sind nur phraseologisch gebundene Wörter, die außerhalb


des Phraseologismus nich mehr vorkommen:

auf Anhieb sofort,

am Hungertuch nagen Hunger leiden,

mit jdm. Auf dem Kriegsfuß leben mit jdm. Im ständugen Streit leben.
• Nicht idiomatisierte Komponenten stehen an der Peripherie der Phraseologismen,
weil sie als Stereotype in der Sprache vorkommen:

Kern der Sache, Katz und Maus, Honig und Milch, rechts und links, hin und her...

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30. Idiomatizität
Es gibt unterschiedliche Meinungen und verschiedene Definitionen, aber trotzdem kann
man einige Kriterien nennen, worüber die meisten Linguisten bei der Abgrenzung des
Phraseologismus von anderen sprachlichen Einheiten übereinkommen.

Phraseologische Merkmale bzw. Kriterien für die Abgrenzung der festen


Wortverbindungen sind: Polylexikalität, Idiomazität, semantisch-syntaktische Stabilität,
Lexikalisierung und Reproduzierbarkei.

Idiomazität

Idiomatisierung ist ein Prozess, durch den aus der Wortverbindung ein Idiom entsteht.

Es gibt mehrere Grade der Idiomazität:


1. vollidiomatisch / unmotiviert → alle Komponenten sind semantisch transformiert,
d.h. alle Wörter haben ihre wendungsexterne Bedeutung aufgegeben, um eine neue
idiomatisierte phraseologische Bedeutung zu konstituieren

die Engel singen hören große Schmerzen empfinden,

ein Schlag ins Wasser ein Misserfolg,

etwas auf Eis legen für eine spätere Erledigung zurückstellen.

das fünfte Rad am Wagen überflüssige Person

2. teilidiomatisch / motiviert
Öl ins Feuer gießen Streit noch intensiver machen ( der Phraseologismus ist durch
das Bild motiviert ),

an einem seidenen Faden hängen in Gefahr sein,

Blut und Wasser schwitzen sehr schwitzen,

3. nichtidiomatisch → das sind Ausdrücke, die duch keine oder nur minimale
semantische Differenzen zwische phraseologischer und wörtlicher Bedeutung
charakterisiert sind.

sich die Zähne putzen.

52
31. Klassifikation der Phraseologismen

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Es gibt viele Kriterien, nach denen die Linguisten die Phraseologismen teilen, deshalb
gibt es keine einhaltliche Klassifikation.

► Nach V.V.Vinogradov – drei Grundtypen von festen Wortverbindungen sind ( Diese


Klassifikation beruht auf semantischer Basis, d.h. es wird danach gefragt, wie weit ein
Wort moviert oder unmoviert ist, ob lexikalische oder grammatische Archaismen
vorliegen und ob sie syntaktisch zerlegbar sind. ):

1. Idiome

Idiome sind unmotivierte Wortverbindungen, lexikalische oder grammatische


Archaismen und sind lexikalisch und syntaktisch unzerlegbar. Sie bilden eine völlige
lexikalische Einheit.

• Kohldampf schieben Hinger haben,

• mit Kind und Kegel mit der gesamten Familie


53
2. phraseologische Ganzheiten
Phraseologiesche Ganzheiten sind feste Wortverbindungen, das sind keine
Archaismen. Die meisten habe eine expressive-emotionale Färbung und sind bildhaft,
deswegen sind sie motiviert.

• kein Blatt vor den Mund nehmen etwas offen sagen,

• an die große Glocke hängen Privates, Unangenehmes allen weiter sagen,

• den Bock zum Gärtner machen jdn.,der ungeeignet ist,mit einer Aufgabe betrauen...

3. phraseologische Verbindungen

Phraseologische Verbindungen erlauben eine Austauschbarkeit der Komponenten und


nur ein Element der Wortverbindung ist umgedeutet.

• Anordnungen/Vorbeietungen treffen.

► Nach Fleischer – bei der Klassifikation unterscheidet er zwischen der Perpherie


und dem Zentrum:

→ Im Zentrum rückt er die Wortverbindungen mit wenigstens einem Autosemantikon,


die die Hauptmerkmale ( Idiomatizität, Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
) aufweisen und die mindestens ein Autosemntikon bilden. Solche Einheiten bezeichnet
Fleischer Phraseolexeme. Falls ein oder zwei Merkmale fehlen, so rückt die betreffende
Wortverbindung aus dem Zentrum in die Richtung zur Peripherie hin.

→ Zur Peripherie des phraseologischen Bestands gehören:


Nominationsstereotype, kommunikative Formeln, Funktionsverbgefüge, Sprichwörter,
Sagwörter/Wellerismen, geflügelte Worte, Zwillingsformen/Paarformeln, komparative
Phraseologismen/Vergleiche.

54
• Nominationsstereotype / nichtidiomatische Wortverbindungen weisen
keine Idiomazität und eine hohe Stabilität auf. Sie sind sehr schwierig von den freien
Wortverbindungen abzugrenzen und werden vor allem in der Presse und Publizistik
verwendet.

( öffentliche Meinung, Tag und Nacht, Mann und Frau, Hand und Fuß, rechts und links,
oben und unten, hier und da...)

• Kommunikative Formeln / Routineformeln / Satzidiome sind Formeln,


die man in bestimmten Situationen benutzt. Man unterscheidet verschiedene
Hauptklassen von den kommunikativen Formeln:

- Höflichkeitsformeln ( Gruß- und Tischformeln )


- Kommentarformeln ( Formeln des Erstaunens, der Zustimmung )
- Schelt- oder Fluchformeln

- Ausdruck der Überraschung oder des Erschreckens ( Ach, du grüne Neune! )

- Ausdruck der Kondolenz ( aufrichtiges Beileid )

• Funktionsverbgefüge (FVG) sind Konstruktionen, die aus zwei Bestandteile


bestehen: aus einem bedeutungsentleerten Funktionsverb als Träger der
grammatischen Kategorien (FV) und aus einem meist deverbalen oder deadjektivischen
Substantiv (SF). Das Substantiv trägt die Hauptbedeutung der Wortverbindung.

( Abschied nehmen sich verabschieden, Frage stellen fragen... )

• Sprichwörter haben eine lehrhafte, didaktische Tendenz. Sie stellen eigene, oft
lehrhafte Kutztexte dar. Sie haben eine metaphorische Bedeutung.

55
Sprichwörter unterscheiden sich von den Phraseologismen, weil sie eigene Mikrotexte
darstellen. Sie werden nicht als lexikalische Einheiten reproduziert, sondern wie andere
Texte zitiert.

( Lügen haben kurze Beine. )

Bei den Eltern zeigen sich schon stärker idiolektale Differenzen und erst recht bei den
Kindern. In der Generation der Kinder wird nun der Einfluss der Stadt und der anderen
genannten antitraditionalistischen Faktoren spürbar. Die junge Generation verwendet
selten Sprichwörter, und offenbar auch nicht mehr diejenigen, die von den Eltern
überliefert wurden.

• Sagwörter / Wellerismen → das Grundmodell der Wellerismen besteht aus 3


Teilen:

1. einem Ausspruch ( Sprichwort, Zitat )


2. der Angabe des Sprechers, der den Ausspruch äußert ( meist mit sagte )
3. einer Handlung des Sprechers, die eine expressive Beziehung zum Ausspruch
herstellt.
( Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß : sagte der Ochse als er gebraten wurde. )

• Geflügelte Worte sind nicht nur einzelne Wörter, sondern auch Wortverbindungen,
die einmal ein Dichter oder großer Mann gebraucht hat, die sich dann weiter im Volke
erhalten haben, ohne dass die genaue Quelle bekannt geblieben ist. Sie haben eine
verallgemeinerte Bedeutung. Der Terminus stammt von Homer, der damit die Fähigkeit
des menschlichen Wortes, von Mund zu Mund zu fliegen, unterstreichen wollte.

eine weise Weste haben politisch unbescholten sein ( stammt von Bismarck )
sein oder nicht sein ( von Shakespeare )

56
Geflügelte Worte werden kennzeichnet durch:

a) ihren nationalen Charakter


b) die Kalkierung – wortwörtliche Übersetzungen
c) ihren bildhaften und treffenden Sinn
d) das Vorhandsein einer bestimmten Quelle, eines Autors.

Einige Quellen:

Bibel: verbotene Frucht verlockende Dinge, die verboten sind,


Antike: goldene Berge versprechen große Versprechungen machen,

Geschichte: potemkinische Dörfer außen schön, das einen schlechten Zustand


verdecken soll,
Literatur: mit Windmühen kämpfen (Servantes), ein Schauspiel für Götter (Goethe).

Nicht alle geflügelten Worte sind phraseologisiert werden, viele leben aber weiter,
gerade durch den Umstand, dass sie treffend einen Sachverhalt, Eigenschaft oder
Handlung bezeichnen.

• Zwillingsformeln / Paarformeln werden nach dem folgenden Muster gebildet:


zwei Wörter der gleichen Wortart oder auch zweimal dasselbe Wort werden mit einer
Konjunktion oder einer Präposition zu einer paarigen Formel verbunden.

Sie besitzen neben der strukturelen Stabilität auch noch im unterschiedlichen Grade
das Charakteristikum der Idiomatizität.

Sie enthalten auch rhetorische und poetische Elemente wie Alliteration ( klipp und klar )
oder Assonanz ( es friert Stein und Bein ).

57
Nach Wortarten:

Substantive: das Tun und Treiben ( das Verhalten), das Kommen und Gehen (
starker Verkehr)

Adjektive: klipp und klar ( sehr deutlich); kurz und bündig ( auf eine kurze Formel
gebracht)

Verben: hegen und pflegen ( sorgfältig pflegen), zittern und zagen ( große Angst
haben)

Präpositionalgruppe: hinter Schloss und Riegek ( im/ins Gefängnis), auf immer und
ewig ( für alle Zeit), seit eh und je ( schon immer )

Mit einem bestimmten Verb: Mund und Nase aufsperren ( völlig überrascht sein).

• Komparative Phraseologismen / Vergleiche sind eine Sondergruppe, die


durch eine besondere semantische Beziehung konstituiert werden. Sie sind als
Vergleich an ein freies Gllied des Satzes fest angeschlossen.

Es lassen sich mehrere syntaktische Grundstrukturen unterscheiden:

1. Anschluß an ein Verb oder Adjektiv/Adverb durch wie + Substantiv:


Verb: sich benehmen wie ein Elefent im Porzelanladen ( plump, tolplatschig)
Adjektiv: gesund wie ien Fisch im Wasser, alt wie Methusalem, dumm wie Bohnenstroh
2. Anschluß an ein Verb oder Adjektiv/Adverb durch wie + Partizip:
Verb: lügen wie gedrückt ( unverschämt lügen)

3. Anschluß an ein Verb oder Adjektiv/Adverb durch wie,als,dass + Satz:


Verb: jmd.redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist ( natürlich)

Adjektiv: jmd. ist so frech, wie er lang ist ( sehr), dümmer als die Polizei erlaubt ( sehr)

58
32. Morphologisch-syntaktische Klassifikation

Unter Berücksichtigung der Wortart der Komponenten, der möglichen Satzgliedrolle und
des morphologischen Paradigmas unterscheidet man die folgenden Gruppen von
Phraseologismen:

1. substantivische (nominale) → Phraseolexeme weisen eine substantivische


Basiskomponente auf.

tierischer Ernst ( pflichtbewusste, aber humorlose Gesinnung) / adj.Attr. + Sub.

das Rad der Geschichte ( geschichtliche Entwicklung ) / Sub. + sub. Attr. im Gen.

2. adjektivische → die kleinste Gruppe

frisch gebacken ( in einem Amt oder in einer Lebenssituation neu),

schwarz angeschrieben ( unbeliebt)

rot wie ein Krebs ( ganz rot sein)

3. verbale → die umfangreichste Gruppe

4. adverbiale → sind im Gegensatz zu den adjektivischen Phraseolexemen reicher


entwickelt

von Ort zu Ort ( ständig den Ort wechselnd)

59
33. Komparative Phraseologismen – Vergleiche

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Es gibt viele Kriterien, nach denen die Linguisten die Phraseologismen teilen, deshalb
gibt es keine einhaltliche Klassifikation.

► Nach Fleischer – bei der Klassifikation unterscheidet er zwischen der Perpherie und
dem Zentrum:

→ Im Zentrum rückt er die Wortverbindungen mit wenigstens einem Autosemantikon,


die die Hauptmerkmale ( Idiomatizität, Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
) aufweisen und die mindestens ein Autosemntikon bilden. Solche Einheiten bezeichnet
Fleischer Phraseolexeme. Falls ein oder zwei Merkmale fehlen, so rückt die betreffende
Wortverbindung aus dem Zentrum in die Richtung zur Peripherie hin.

→ Zur Peripherie des phraseologischen Bestands gehören:


Nominationsstereotype, kommunikative Formeln, Funktionsverbgefüge, Sprichwörter,
Sagwörter/Wellerismen, geflügelte Worte, Zwillingsformen/Paarformeln, komparative
Phraseologismen/Vergleiche.

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Komparative Phraseologismen / Vergleiche sind eine Sondergruppe, die
durch eine besondere semantische Beziehung konstituiert werden. Sie sind als
Vergleich an ein freies Gllied des Satzes fest angeschlossen.

Es lassen sich mehrere syntaktische Grundstrukturen unterscheiden:

1. Anschluß an ein Verb oder Adjektiv/Adverb durch wie + Substantiv:

Verb: sich benehmen wie ein Elefent im Porzelanladen ( plump, tolplatschig)


Adjektiv: gesund wie ien Fisch im Wasser, alt wie Methusalem, dumm wie Bohnenstroh

2. Anschluß an ein Verb oder Adjektiv/Adverb durch wie + Partizip:


Verb: lügen wie gedrückt ( unverschämt lügen)

3. Anschluß an ein Verb oder Adjektiv/Adverb durch wie,als,dass + Satz:


Verb: jmd.redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist ( natürlich)

Adjektiv: jmd. ist so frech, wie er lang ist ( sehr), dümmer als die Polizei erlaubt ( sehr)

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34. Zwillingsformeln / Paarformeln

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Es gibt viele Kriterien, nach denen die Linguisten die Phraseologismen teilen, deshalb
gibt es keine einhaltliche Klassifikation.

► Nach Fleischer – bei der Klassifikation unterscheidet er zwischen der Perpherie und
dem Zentrum:

→ Im Zentrum rückt er die Wortverbindungen mit wenigstens einem Autosemantikon,


die die Hauptmerkmale ( Idiomatizität, Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
) aufweisen und die mindestens ein Autosemntikon bilden. Solche Einheiten bezeichnet
Fleischer Phraseolexeme. Falls ein oder zwei Merkmale fehlen, so rückt die betreffende
Wortverbindung aus dem Zentrum in die Richtung zur Peripherie hin.

→ Zur Peripherie des phraseologischen Bestands gehören:


Nominationsstereotype, kommunikative Formeln, Funktionsverbgefüge, Sprichwörter,
Sagwörter/Wellerismen, geflügelte Worte, Zwillingsformen/Paarformeln, komparative
Phraseologismen/Vergleiche.

62
Zwillingsformeln / Paarformeln / Wortpaare werden nach dem folgenden
Muster gebildet: zwei Wörter der gleichen Wortart oder auch zweimal dasselbe Wort
werden mit einer Konjunktion oder einer Präposition zu einer paarigen Formel
verbunden ( Schritt für Schritt, Stunde um Stunde ).Sie besitzen neben der strukturelen
Stabilität auch noch im unterschiedlichen Grade das Charakteristikum der Idiomatizität.

Es werden oft durch euphonische Mittel gesteltet, wodurch sie eine besondere lautliche
Form erhalten, und zwar durch:

→ die Alliteration: Nacht und Nebel, Haus und Hof, klipp und klar

→ den Reim: mit Ach und Krach, weit und Breit, außer Rand und Brand, mit Sack und
Pack.. es friert Stein und Bein...

Zu den Wortpaaren gehören auch:

Synonyme: auf Schritt und Tritt, Art und Weise, Feuer und Flamme...
Antonyme: Freud und Leid, auf Leben und Tod, Tag und Nacht, alt und jung...
Wörter, die sichin der Bedeutung ergänzen: weder Fisch noch Fleisch, mit Mühe und
Not...
Nach Wortarten:

Substantive: das Tun und Treiben ( das Verhalten), das Kommen und Gehen (
starker Verkehr)

Adjektive: klipp und klar ( sehr deutlich); kurz und bündig ( auf eine kurze Formel
gebracht)

Verben: hegen und pflegen ( sorgfältig pflegen), zittern und zagen ( große Angst
haben)

Präpositionalgruppe: hinter Schloss und Riegek ( im/ins Gefängnis), auf immer und
ewig ( für alle Zeit), seit eh und je ( schon immer )

Mit einem bestimmten Verb: Mund und Nase aufsperren ( völlig überrascht sein).

63
35. Geflügelte Worte

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Es gibt viele Kriterien, nach denen die Linguisten die Phraseologismen teilen, deshalb
gibt es keine einhaltliche Klassifikation.

► Nach Fleischer – bei der Klassifikation unterscheidet er zwischen der Perpherie und
dem Zentrum:

→ Im Zentrum rückt er die Wortverbindungen mit wenigstens einem Autosemantikon,


die die Hauptmerkmale ( Idiomatizität, Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
) aufweisen und die mindestens ein Autosemntikon bilden. Solche Einheiten bezeichnet
Fleischer Phraseolexeme. Falls ein oder zwei Merkmale fehlen, so rückt die betreffende
Wortverbindung aus dem Zentrum in die Richtung zur Peripherie hin.

→ Zur Peripherie des phraseologischen Bestands gehören:


Nominationsstereotype, kommunikative Formeln, Funktionsverbgefüge, Sprichwörter,
Sagwörter/Wellerismen, geflügelte Worte, Zwillingsformen/Paarformeln, komparative
Phraseologismen/Vergleiche.

64
Geflügelte Worte sind nicht nur einzelne Wörter, sondern auch Wortverbindungen,
die einmal ein Dichter oder großer Mann gebraucht hat, die sich dann weiter im Volke
erhalten haben, ohne dass die genaue Quelle bekannt geblieben ist. Sie haben eine
verallgemeinerte Bedeutung. Der Terminus stammt von Homer, der damit die Fähigkeit
des menschlichen Wortes, von Mund zu Mund zu fliegen, unterstreichen wollte.

eine weise Weste haben politisch unbescholten sein ( stammt von Bismarck )
sein oder nicht sein ( von Shakespeare )

Geflügelte Worte werden kennzeichnet durch:

a) ihren nationalen Charakter


b) die Kalkierung – wortwörtliche Übersetzungen
c) ihren bildhaften und treffenden Sinn
d) das Vorhandsein einer bestimmten Quelle, eines Autors.

Einige Quellen:

Bibel: verbotene Frucht verlockende Dinge, die verboten sind,

Antike: goldene Berge versprechen große Versprechungen machen,


Geschichte: potemkinische Dörfer außen schön, das einen schlechten Zustand
verdecken soll,
Literatur: mit Windmühen kämpfen (Servantes), ein Schauspiel für Götter (Goethe).

Nicht alle geflügelten Worte sind phraseologisiert werden, viele leben aber weiter,
gerade durch den Umstand, dass sie treffend einen Sachverhalt, Eigenschaft oder
Handlung bezeichnen.

65
36. Sagwörter / Wellerismen

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Es gibt viele Kriterien, nach denen die Linguisten die Phraseologismen teilen, deshalb
gibt es keine einhaltliche Klassifikation.

► Nach Fleischer – bei der Klassifikation unterscheidet er zwischen der Perpherie und
dem Zentrum:

→ Im Zentrum rückt er die Wortverbindungen mit wenigstens einem Autosemantikon,


die die Hauptmerkmale ( Idiomatizität, Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
) aufweisen und die mindestens ein Autosemntikon bilden. Solche Einheiten bezeichnet
Fleischer Phraseolexeme. Falls ein oder zwei Merkmale fehlen, so rückt die betreffende
Wortverbindung aus dem Zentrum in die Richtung zur Peripherie hin.

→ Zur Peripherie des phraseologischen Bestands gehören:


Nominationsstereotype, kommunikative Formeln, Funktionsverbgefüge, Sprichwörter,
Sagwörter/Wellerismen, geflügelt.e Worte, Zwillingsformen/Paarformeln, komparative
Phraseologismen/Vergleiche.

66
Sagwörter / Wellerismen → das Grundmodell der Wellerismen besteht aus 3
Teilen:

1. einem Ausspruch ( Sprichwort, Zitat )


2. der Angabe des Sprechers, der den Ausspruch äußert ( meist mit sagte )
3. einer Handlung des Sprechers, die eine expressive Beziehung zum Ausspruch
herstellt.
( Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß : sagte der Ochse als er gebraten wurde. )

67
37. Sprichwörter

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Es gibt viele Kriterien, nach denen die Linguisten die Phraseologismen teilen, deshalb
gibt es keine einhaltliche Klassifikation.

► Nach Fleischer – bei der Klassifikation unterscheidet er zwischen der Perpherie und
dem Zentrum:

→ Im Zentrum rückt er die Wortverbindungen mit wenigstens einem Autosemantikon,


die die Hauptmerkmale ( Idiomatizität, Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
) aufweisen und die mindestens ein Autosemntikon bilden. Solche Einheiten bezeichnet
Fleischer Phraseolexeme. Falls ein oder zwei Merkmale fehlen, so rückt die betreffende
Wortverbindung aus dem Zentrum in die Richtung zur Peripherie hin.

→ Zur Peripherie des phraseologischen Bestands gehören:


Nominationsstereotype, kommunikative Formeln, Funktionsverbgefüge, Sprichwörter,
Sagwörter/Wellerismen, geflügelt.e Worte, Zwillingsformen/Paarformeln, komparative
Phraseologismen/Vergleiche.

68
• Sprichwörter haben eine lehrhafte, didaktische Tendenz. Sie stellen eigene, oft
lehrhafte Kutztexte dar. Sie haben eine metaphorische Bedeutung.

Sprichwörter unterscheiden sich von den Phraseologismen, weil sie eigene Mikrotexte
darstellen. Sie werden nicht als lexikalische Einheiten reproduziert, sondern wie andere
Texte zitiert.

( Lügen haben kurze Beine. )

Bei den Eltern zeigen sich schon stärker idiolektale Differenzen und erst recht bei den
Kindern. In der Generation der Kinder wird nun der Einfluss der Stadt und der anderen
genannten antitraditionalistischen Faktoren spürbar. Die junge Generation verwendet
selten Sprichwörter, und offenbar auch nicht mehr diejenigen, die von den Eltern
überliefert wurden.

69
38. Funktionsverbgefüge

Funktionsverbgefüge (FVG) sind Konstruktionen, die aus zwei Bestandteile


bestehen: aus einem bedeutungsentleerten Funktionsverb als Träger der
grammatischen Kategorien (FV) und aus einem meist deverbalen oder deadjektivischen
Substantiv (SF). Das Substantiv trägt die Hauptbedeutung der Wortverbindung.

► Die semantische Einheit drückt sich darin aus, dass das FVG mit einem
entsprechenden Vollverb oder einem Adjektiv (+Kopula) substituiert werden kann:

Abschied nehmen sich verabschieden,

Frage stellen fragen,

in Wut kommen wütend sein

► Das Verb im FVG ist ein Funktionsverb, das in anederm Kontext aber als Vollverb
vorkommt, wobei das FV seine Bedeutung weitgehend reduziert hat:

Er bringt die Kreide zur Tafel. (Vollverb)


Er bringt das Stück zur Aufführung. (FV)

► Wenn das FVG eine Präpositionalphrase enthält, so ist der semantische Gehalt der
Präposition stark reduziert. Es verliert die ursprüngliche lexikalische Bedeutung, aber
behält die semantische Funktion, Zustände und Zustandsveränderungen auszudrücken.
Es kann also die Aktionsart angeben, wie:

→ durativ (Dauer der Handlung): sich in Abhängigkeit befinden, Angst haben

→inchoativ(Beginn der Handlung):in Abhängigkeitkommen/geraten,Angst bekommen

→ kausativ (bewirkend): in Abhängigkeit bringen, in Angst versetzen.

70
39. Nominationsstereotype und kommunikative
Formeln

Phraseologismen sind eine nicht satzwertige Wortgruppe, die mindestens aus zwei
Lexemen bestehen. Diese Wortverbindung ist in der Sprachgemeinschaft , ähnlich wie
ein Lexem, als feste Verbindung gebräuchlich. Die lexikalischen Bestandteile nennt
man Komponente.

Idiome sind diejenige Teilklasse der Phraseologismen, deren Komponenten eine durch
die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht volle
erklärbare Einheit bilden ( Merkmal der „Idiomazität“ ).

Das Wort Phraseologismus stammt aus dem Griechischen/Lateinischen → phrasis


rednerischer Ausdruck ( Phraseologie, Phraseologismus ) und aus dem Griechischen
→ idiōma Eigentümlichkeit, Besonderkeit ( Idiom, Idiomatik, Idiomatismus ).

Es gibt viele Kriterien, nach denen die Linguisten die Phraseologismen teilen, deshalb
gibt es keine einhaltliche Klassifikation.

► Nach Fleischer – bei der Klassifikation unterscheidet er zwischen der Perpherie und
dem Zentrum:

→ Im Zentrum rückt er die Wortverbindungen mit wenigstens einem Autosemantikon,


die die Hauptmerkmale ( Idiomatizität, Stabilität, Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit
) aufweisen und die mindestens ein Autosemntikon bilden. Solche Einheiten bezeichnet
Fleischer Phraseolexeme. Falls ein oder zwei Merkmale fehlen, so rückt die betreffende
Wortverbindung aus dem Zentrum in die Richtung zur Peripherie hin.

71
→ Zur Peripherie des phraseologischen Bestands gehören:
Nominationsstereotype, kommunikative Formeln, Funktionsverbgefüge, Sprichwörter,
Sagwörter/Wellerismen, geflügelte Worte, Zwillingsformen/Paarformeln, komparative
Phraseologismen/Vergleiche.

• Nominationsstereotype / nichtidiomatische Wortverbindungen weisen


keine Idiomazität und eine hohe Stabilität auf. Sie sind sehr schwierig von den freien
Wortverbindungen abzugrenzen und werden vor allem in der Presse und Publizistik
verwendet.

( öffentliche Meinung, Tag und Nacht, Mann und Frau, Hand und Fuß, rechts und links,
oben und unten, hier und da...)

• Kommunikative Formeln / Routineformeln / Satzidiome sind Formeln,


die man in bestimmten Situationen benutzt. Man unterscheidet verschiedene
Hauptklassen von den kommunikativen Formeln:

- Höflichkeitsformeln ( Gruß- und Tischformeln )


- Kommentarformeln ( Formeln des Erstaunens, der Zustimmung )
- Schelt- oder Fluchformeln

- Ausdruck der Überraschung oder des Erschreckens ( Ach, du grüne Neune! )

- Ausdruck der Kondolenz ( aufrichtiges Beileid )

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40. Namenkunde (Onomastik)

Die Namenkunde wird aus der Lexikologie ausgeklammert und als Spezielgebiet
behandelt. Der Name stammt aus dem Greichischen: onoma Name.

Namenkunde / Onomastik ist Wissenscchaft von Eigennamen. Onomastik beschäftigt


sich mit der Bildung, Herkunft, Entstehung, Bedeutung und räumlicher Vernreitung von
Namen.

Trotz aller Eigenständigkeit des Untersuchungsgegenstandes und der Untersuchungs-


methoden bei der Darstellung der Namen der deutschen Sprache bestehen einige
Bezeihungen zur Lexikologie. Verwandte Gebiete sind:

die Etymologie → untersucht die Herkunft und Bedeutung von Wörtern


die Gegealogie → untersucht die Abstammung einzelner Personen und Familien
die Sprachgeographie → untersucht räumliche Verteilung der heutihen Namen aller Art.

Antroponymie / Antroponomastik ( gr. anthropos Mensch, onoma Name )


ist ein liguistischer Forschungsbereich der Onomstik und erforscht die menschlichen
Eigennamen (Antrponym) jeglicher Art.

Eigennamen (nomina propria) haben individualisierenden Charakter und sie sind


Idividualbegriffe gegenüber den Gattungsnamen ( Frau ↔ Claudia ). Historisch sind
Eigennamen aus Gattungsnamen entstanden. Viele Eigennamen werden zu
Gattungsnamen:

Konrad Duden schuf das ortographische Wörterbuch. ( Eigenname)

Ein Duden ist er nicht. ( Übergangsstufe)

Er kauft sich ein Duden. ( Gattungsname).

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Grundsätzlich unterscheidet man zwischen offiziellen und inoffiziellen Namen.

Offizielle Namen (Gesamtnamen) sind: Rufnamen/Vornamen/Taufnamen und


Familiennamen.

Inoffizielle Namen sind: Übernamen (Spitz-/Spot-/Kosename) und Nebennamen


(Hausnamen).

Rufnamen

• wenn Eltern früher ihrem Kind den Namen gaben, gesachah das mit guten Wünschen
für des Kind: Gottlieb

• aus einem Namen entwickelten sich verschiedene Formen: Dorothea → Dora/Thea...

• germanische Namen haben meist poetischen Charakter und beziehen sich sehr oft auf
Krieg und Kampf:

Gudrun → gund Kampf, runa Geheimnis;

Hilderbrand → hiltia Kampf, brant Schwert.


• zu den germanischen Namen kamen im Mittelslter christliche Rufnamen:

lat. Benedictus ( der Gesegnete), Viktor ( der Sieger), Flora ( Blumengöttin)...

• in der Neuzeit kam eine Menge Namen aus fremden Sprachen ins Deutsche:
engl. Jenny ( Koseform von Johanna, hebr. Gott ist gnädig),

slaw. Olga ( nord.Helga die Heilige), Vera ( Glaube)...

Familiennamen
• Bis ins 12.Jahrhundert hatte im deutschen Sprachgebiet jeder einen Rufamen.
Zweiten Namen bekam man nach der Entstehung der Städte und dieser zweite Name
ging vom Vater auf die Kinder über:

Karl I., II. usw. → Karolonger;


Otto I., II. usw.→ Ottonen…

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• Im deutschen Sprachgebiet verbreiteten sich die Familiennamen vom 12.Jh. an von
Südwesten weiter nach Norden und Osten. Familiennamen entstanden wesentlich aus
vier Quellen:

1. aus Rufnamen

- wurden sehr oft mit dem Vatersnamen gebildet → Patronymika

( Petersen, Wlmsen, Hansen, Brahms Abrahamssohn , Dietrischs... )

2. aus Herkunfts- und Wohnstättennamen

- schon im Mittelalter
( Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg... )
- erst später wird „von“ für Adelbezeichnung benutzt

- dann erschienen Familiennamen meist ohne Präpositionen


( Brandenburg, Berliner, Mainz, Bergmann, Hofmann, Pohlmann... )

3. aus Berufs- und Amtsbezeichnungen

(Bäcker, Schmied, Schneider, Schuster, Müller, Holzmüller, Stadtmüller, Weidenmüller)


( Münzer, Pförtner, Richter, Zöllner... )

4. aus Benennungen für bestimmte Einheiten des ersten Namensträgers

- nach körperlichen Eigenheiten


( Breithaupt, Kurzhals, Weißkopf, Weißhaar, Langbein, Schmalfuß... )
-nach sittlichen oder geistigen Eigenheiten
( Biedermann, Liebermann... )

-nach der Kleidung


( Blaurock, Weißmantel... )
-nach Speisen
( Bratfisch, Rindfleisch, Zuckermann... )
-als Satznamen – ironisch ( Bleibtreu, Taugenichts, Sprabrot, Frühauf... ).

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Toponymie / Toponomastik ( gr. topos Ort, onoma Name ) ist ein
linguistischer Forschungsbereich der Onomastik und erforscht alle Ortsnamen
(Toponymen). Toponyme sind Bestandteile der Kartographie und der Topographie.

Ortsnamen im engeren Sinne bezeichnen bewohnte Orte. Sie entstanden aus


Gattungsnamen, ursprünglich meist im Dativ und mit einer Präposition: zen Burgonden,
Andermatt, Zermatt...

Historischer Überblick der Entstehung der Ortsnamen:

• germanische Epoche: mit süddeutschen Namen auf –ingen

• Zeit der Merowinger/Franken:Düsseldorf,Arnstadt, Mannheim, Mühlhausen/Neuhaus...

• 9. bis 14.Jh.:

-Namen bezeichnen die Lage des Ortes: Eisenach, Ebersbach, Eberswalde,


Heidelberg, Bitterfeld, Erfurt, Wernersgrün...

-Siedlungsnamen mit –burg: Brandenburg, Hamburg, Freiburg, Magdeburg, Würzbürg...

-Ortsnamen mit –brücken, -hafen, -münde: Saarbrücken, Zweibrücken, Ludwigshafen,


Angermünde, Warnemünde...

-mit Zusatz Bad: Bad Godesberg, Bad Schandau; Wiesenbaden, Baden-Baden...

• es gibt viele vordeutsche Namen:

-kelt. Wien, Worms


-lat. Augsburg, Koblenz, Trier
-slaw. Dresden, Leipzig, Lübeck...

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Klassifikation der Toponyme:

Choronyme/Raumnamen ( chora Land, Raum ) sind:

• Landschaftsnamen: wie Kontinente, Regionen, Landstriche

• Staatennamen: wie Staate, Gliedstaate, Provinzen, Bezirke, Gemeinden

• Flurnamen im speziellen Sinne (Flurstück, vermessenes Land) → Riednamen ( Flur,


kleinräumiges geographisches Raumelement – Gemarkungen: Parzellem, Fluren)

• Flurnamen im allgemeinen Sinne → Oronyme (oros Berg; Gebirge, Berg- und


Hügelländer, Berge und Bergspitzen, Ebenen, Talungen), Drymonye ( drymos Wald;
Wälder, Auen, Wiesen, Äcker, Parks und andere biogene, land- und forstwirtschaftlich
überprägte Formen – Primär- und Sekundärnatur )

Hydronyme/Gewässernamen ( hydor Wasser ):

• für Gewässer: Ozeane, Meere, Meeresteile, Flüsse, Bäche, Kanäle, Sen, Teiche...
• auch für Übergangszonen: Litorale, Gestade, Ufer, Inseln, Halbinseln.....

Oikonyme (oikos Unterkunft) sind Siedllungsnamen, Ortsnamen im speziellen Sinne:

• Urbanonyme: wie Städte, Dörfer, Ortsteile, Siedlungs- und Wohnplätze

• Oikodonyme/Gebäudenamen (oikodome Gebäude): wie Bürgen, Schlösser,


Kirschen,Klöster....
• Nekronyme (nekros der Tote): wie Begräbnisstätten

• Dromonyme (dromos Weg): wie Verkehrswege

• Hodonyme (hodos Platz): wie urbane Freiräume

• Prodonyme (prodos Weg, Fortschritt): wie Eisenbahnstrecken, Verkehrsbeuwerke

• Agoronyme (agora Platz): wie Plätze.

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Astropotonyme ( astron Stern ) sind Namen für die Topographie der Objekte
außerhalb der Erde ( Extraterrestrische Toponymie, Oberflächengestalten der
Himmelskörper, der anderen Planeten ). Dazu gehören:

• Astronyme → Namen der Himmelskörper


• Kosmonyme → Namen der Weltallzonen, Himmelssphären.

*Die Toponomastik kann unter Umständenauch eine bedeutende Rolle spielen ,


insbesondere bei nationalen oder ethnischen Komflikten. Häufig wird die Toponomastik
instrumentalisiert , um den Beweis zu führen, dass ein gewisser Landstrich einer
bestimmten nationalen oder ethnischen Gruppe zustehe. Beispiele im deutschen
Sprachraum sind die Toponomastik der ehemaligen deutshen Ostgebiete, die
Toponomastik Elsass-Lothringens und die Toponomastik Südtirols (Ettore Tolomei).
Gerade der Streit um Südtirol ist auch heute noch von großer Aktualität.

Viel Glück


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