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Triggerpunkte und ihr Ausstrahlungsgebiet

Hier eine Auswahl von Muskeln mit ihren Triggerpunkten und den möglichen
Schmerzausstrahlungsgebieten (referred pain).
x = Triggerpunkt
rot = referred pain (Schmerzausstrahlungsgebiet)

Muskelkatalog

 1 Musculus Digastricus
 2 Musculus Masseter
 3 Musculus Pterygoideus medialis
 4 Musculus Splenius Capitis
 5 Musculus Sternocleidomastoideus
 6 Musculus Temporalis
 7 Musculus Trapezius

Musculus Digastricus

Triggerpunkte (mit X markiert) im musculus digastricus können ausstrahlende


Schmerzen (rot eingezeichnet) (referred pain) in folgende Gebiete auslösen:

 Zahnschmerzen (untere Schneidezähne)


 Kinn und Mundboden
 Vorne und seitlich am Hals
 etc.

Zudem können Sie folgende Probleme auslösen:

 Schluckbeschwerden
 Klossgefühl im Hals
 Die Mundöffnung wird eingeschränkt
 etc.

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Musculus Masseter

Triggerpunkte (mit X markiert) im musculus masseter können ausstrahlende


Schmerzen (rot eingezeichnet) (referred pain) in folgende Gebiete auslösen:

 Unter- und Oberkiefer


 Backenzähne und Zahnfleisch
 Wange und Kieferhöhlen
 Im Ohr
 Stirn, Augenbrauen
 etc.

Zudem können Sie folgende Probleme auslösen:

 Kopfschmerzen
 Zahnschmerzen
 Ohrenschmerzen, Tinnitus (einseitig)
 etc.

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Musculus Pterygoideus medialis

Triggerpunkte (mit X markiert) im musculus pterygoideus lateralis können


ausstrahlende Schmerzen (rot eingezeichnet) (referred pain) in folgende
Gebiete auslösen:

 Ohr
 Kiefergelenk
 Gaumen und Rachen
 Zunge
 etc.

Zudem können Sie folgende Probleme auslösen:

 Schmerzen beim Kauen und Schlucken


 etc.

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Musculus Splenius Capitis

Triggerpunkte (mit X markiert) im musculus splenius capitis können


ausstrahlende Schmerzen (rot eingezeichnet) (referred pain) in folgende
Gebiete auslösen:

 Hinterkopf
 Seitlich am Kopf
 Im Bereich des Scheitels

Zudem können Sie folgende Probleme auslösen:

 Kopfschmerzen

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Musculus Sternocleidomastoideus

Triggerpunkte (mit X markiert) im musculus splenius capitis können


ausstrahlende Schmerzen (rot eingezeichnet) (referred pain) in folgende
Gebiete auslösen:

 Stirn
 Schläfe
 Scheitelbereich
 Hinterkopf
 Im und hinter dem Ohr
 Wange

Zudem können Sie folgende Probleme auslösen:

 Kopfschmerzen
 Klossgefühle im Hals
 Taubheit (einseitig)
 Schwindel
 Gleichgewichtsstörungen
 Sehstörungen
 etc.

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Musculus Temporalis

Triggerpunkte (mit X markiert) im musculus temporalis können ausstrahlende


Schmerzen (rot eingezeichnet) (referred pain) in folgende Gebiete auslösen:

 Hinterkopf
 Seitlich am Kopf
 Im Bereich des Scheitels

Zudem können Sie folgende Probleme auslösen:

 Kopfschmerzen

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Musculus Trapezius

Triggerpunkte (mit X markiert) im musculus trapezius können ausstrahlende


Schmerzen (rot eingezeichnet) (referred pain) in folgende Gebiete auslösen:

 Schulter-Nackenbereich
 Schulterdach
 Zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule
 Arm, Ellenbogen
 Kieferschmerzen
 Kopfschmerzen

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Ursachen von Triggerpunkten

Medizinisch erklärt man sich die Triggerpunkte aufgrund einer übermässigen


Zusammenziehung einzelner Muskelfasern. Dieser Vorgang entsteht
wahrscheinlich durch eine überschiessende Freisetzung des Nervenbotenstoffes
Acetylcholin an der motorischen Endplatte.

Es gibt auch andere Theorien für diese Zusammenziehungen. Etwa, dass das
vegetative Nervensystem eine erhöhte Aktivität auf den Muskel ausübt. Dies
wurde mit Hilfe verschiedener Studien belegt. Menschen, die längere Zeit mit
erhöhtem Stress leben, haben häufiger Triggerpunkte.

Worin auch immer der Grund für die kleinen verspannten Muskelfasern liegt,
Fakt ist, dass die Spannung die feinen Blutgefässe zusammenquetscht, was zu
einer Minderdurchblutung und zu einer Mangelversorgung des Muskels
führt. Dadurch werden Substanzen im Muskel produziert, welche die
Schmerzfühler im Muskel aktivieren – der Muskel, genauer gesagt der
Triggerpunkt, beginnt weh zu tun und auszustrahlen.

Wenn Triggerpunkte über längere Zeit nicht verschwinden, dann geraten


benachbarte Muskelfasern oder sogar Muskeln in Mitleidenschaft und die
Schmerzen weiten sich aus (myofasziales Schmerz Syndrom). Die gute
Nachricht ist, dass Triggerpunkte gut therapierbar sind, häufig auch noch nach
Jahren. Trotzdem gilt:

Pathophysiologie von myofaszialen Triggerpunkten

Ausgelöst durch eine allgemeine muskuläre Überlastung (z.B. Trauma,


Fehlbelastung etc.) kann es zu Rupturen des sarkoplasmatischen Retikulums
kommen. Diese führen zu einer unkontrollierten Freisetzung von Kalziumionen
aus dem sarkoplasmatischen Retikulum und damit zu anhaltenden
Kontraktionen von Sarkomeren. Eine Vielzahl solcher Kontraktionen an einer
Stelle können einen Hartspannstrang bilden. Hartspannstränge können nicht nur
palpiert (ertastet), sondern auch im MRI und Ultraschall dargestellt werden. Die
Kontraktionen verursachen Kompression benachbarter Kapillaren und damit
eine verringerte Bereitstellung von Sauerstoff und energiereichen Verbindungen
bei insgesamt erhöhtem Energiebedarf. Dadurch entsteht eine sogenannte
Energiekrise mit gleichzeitig verminderter Wiederaufnahme von Kalzium in
das sarkoplasmatische Retikulum – die Kontraktion wird also aufrechterhalten.
Darüber hinaus kommt es zur Ausschüttung neurovasoaktiver Substanzen wie
Bradykinin, CGRP, u.a., die nozizeptive Nervenfasern erregen, welche aus ihren
freien Nervenendigungen Schmerzbotenstoffe wie etwa die Substanz P
freisetzen. Verschiedene Arbeiten unter anderem von Brückle und Shah

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untermauern diese Energiekrisentheorie. Die „integrierte Hypothese“ ist eine
Erweiterung der Energiekrisentheorie und derzeit das anerkannteste
pathophysiologische Konzept zur Entstehung myofaszialer Schmerzen. Die
integrierte Hypothese besagt, dass die beschriebenen pathologischen Prozesse in
der Nähe von motorischen Endplatten ablaufen, deren Funktion stören, was zu
einer vermehrten Acetylcholin-Ausschüttung führt und somit den Circulus
vitiosus der pathologischen Dauerkontraktion schliesst.

Schmerzen durch Triggerpunkte

Schmerzen und Funktionsstörungen des Bewegungssystems können


unterschiedliche Ursachen haben. Die Muskulatur als primäre Ursache von
Schmerzen und Funktionseinschränkungen wurde lange Zeit vernachlässigt. Vor
allem Frau Dr. Janet Travell und Prof. Dr. David Simons aus den USA haben
die Muskulatur ins Zentrum ihrer wissenschaftlichen Arbeit gestellt: die
Muskulatur hat einen grossen Einfluss auf Störungen des Bewegungsorgans und
kann sowohl akute als auch chronische Schmerzzustände direkt verursachen.
Travell und Simons zeigen auf, dass die von ihnen beschriebenen "myofaszialen
Triggerpunkte" sehr häufig als dominanter Krankheitsfaktor für Schmerzen
und Funktionseinschränkungen im neuro-muskulo-skelettalen System
verantwortlich sind.

Durch Überlastung oder traumatische Überdehnung entstehen in einem Muskel


oftmals Zonen, die durch eine Hypoxie (Mangelversorgung mit Sauerstoff)
charakterisiert sind. Als Folge der Sauerstoffunterversorgung können sich in
diesen Gebieten die Myosin- und Aktinfilamente (kleinste Bausteine der
Muskulatur) nicht mehr voneinander lösen (Rigorkomplex). Diese erkrankten
Muskelstellen sind tastbar (Triggerpunkte): durch Provokation mittels Druck
wird ein Schmerz ausgelöst, der oft in andere Körperregionen übertragen wird

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(Referred pain). Aber nicht nur Schmerzen, auch Parästhesien (Kribbeln,
„Ameisenlaufen“, Pelzigkeit, Prickeln, Jucken, Schwellungsgefühl und Kälte-
oder Wärmeempfindung), Muskelschwächen ohne primäre Atrophie,
Bewegungseinschränkungen, propriozeptive Störungen mit Beeinträchtigung der
Koordination und autonome vegetative Reaktionen können durch Triggerpunkte
verursacht werden.

Die Summe aller durch aktive Triggerpunkte ausgelösten Symptome wird als
"Myofasziales Schmerz-Syndrom" bezeichnet. Durch eine geeignete Therapie
lässt sich diese Muskelpathologie oft - und manchmal auch noch nach Jahren -
gänzlich beseitigen.
(Quelle: DGSA)

» Je früher Triggerpunkte behandelt werden, desto einfacher haben es


Patienten und
Physiotherapeuten, und desto schneller geht die Heilung voran. «

Wie entstehen Triggerpunkte?

Triggerpunkte entstehen durch akute oder chronische Überbelastung, durch


Traumas oder Überdehnung des Muskels.

Behandlung von Triggerpunkten

Triggerpunkte sind sehr empfindliche Stellen innerhalb eines verhärteten


Muskelstranges. Ein einzelner Triggerpunkt hat einen Durchmesser von weniger
als 1 mm. Triggerpunkte verursachen Schmerzen und Verspannungen. Die
Beschwerden treten meist weit entfernt von der Triggerpunktumgebung an einer
ganz anderen Stelle des Körpers auf (referred pain), weshalb eine exakte
Diagnostik erforderlich ist. Triggerpunkte können den Muskel schwächen und
für Verletzungen anfällig machen. Durch die muskelverkürzende Wirkung der
Triggerpunkte entsteht eine mechanische Überlastung der Sehne mit ihrer
Sehnenscheide, des Sehnenansatzes, des Gelenkes oder der Bandscheibe,
wodurch sich die Entstehung vieler orthopädischer Krankheitsbilder erklären
lässt.

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Behandlung

Die Triggerpunkte werden mit manuellen Techniken behandelt (Ischämische


Kompression, Dehnung, Faszientechniken) oder mit Dry Needling. So wird die
Blutzirkulation in den Triggerpunkten wieder hergestellt und der Schmerz lässt
nach. Ganz wichtig ist es auch die auslösenden Faktoren zu beheben. Mögliche
Massnahmen sind zum Beispiel haltungsverbessernde Massnahmen (Kräftigung
der Muskulatur), Optimierung der Sitzhaltung bzw. des Arbeitsplatzes (Sitze ich
richtig?), Verbesserung der Koordination, Verbesserung der Wahrnehmung,
Schulung der Wahrnehmung, etc.

Die erkrankten Muskelstellen sind auch so nach Jahren noch gut


behandelbar.

Manuelle Behandlung von Triggerpunkten

Wir unterscheiden zwischen Triggerpunkt-Techniken, welche direkt auf den


Triggerpunkt und den Hartspannstrang zielen, sowie Release-Techniken, die
grossflächig und unabhängig von der Lokalisation der Triggerpunkte auf den
ganzen Muskel und deren Faszien einwirken.

Behandlungs-Techniken

1. Technik I: Triggerpunkt-Kompression
2. Technik II: Manuelle Dehnung des Hartspannstranges
3. Technik III: Faszien-Dehnung
4. Technik IV: Intermuskuläre Mobilisation (Faszien-Trenn-Technik)

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Die Triggerpunkt-Techniken und die intermuskuläre Mobilisation werden mit
starkem manuellem Druck ausgeführt. Die Triggerpunkt-Therapie ist deshalb
schmerzhaft. Dabei gilt jedoch der Grundsatz, dass der Behandlungsschmerz
für den Patienten tolerabel bleiben muss und wenn möglich als
«Wohlschmerz» empfunden werden soll. Je präziser der Triggerpunkt
behandelt wird, desto weniger Druck muss appliziert werden. Relevante
Kontraindikationen sind auszuschliessen und PatientInnen sollen über mögliche
Behandlungsreaktionen informiert sein. Die Technik III soll so ausgeführt
werden, dass sie nicht schmerzhaft ist.

Dry Needling

Eine weitere sehr effektive Behandlungsmöglichkeit von Triggerpunkten ist


das Dry Needling.
(Quelle: DGSA)

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Abb.1: M. sternocleidomastoideus, sternaler Kopf

Abb.2: M. sternocleidomastoideus, klavikularer Kopf

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