Sie sind auf Seite 1von 15

-1-

3. Grundbegriffe der Messtechnik


Begriffsdefinitionen

Messgröße: Physikalische Größe, deren Wert durch die Messung bestimmt werde soll

Messwert: Ausgabewert einer Messeinrichtung bzw. eines Messgerätes


(er beinhaltet vor allem noch alle Messabweichungen)

Messergebnis: Aus der Messung gewonnener Schätzwert für den wahren Wert
der Messgröße (die abgeschätzte Messunsicherheit muss hier
mit angegeben sein)

Messgeräte liefern (z.B. über Anzeigen) oder verkörpern (z.B. Lineal) Messwerte.

Messeinrichtung bezeichnet die Gesamtheit aller Messgeräte und zusätzlichen


Einrichtungen, die zur Erzielung eines Messergebnisses
erforderlich sind.
-2-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Struktur einer Messeinrichtung

Hilfs-
gerät
Hilfsenergie
Mess-
größe Messwert
Mess- Signal- Mess-
Aufnehmer Ausgeber
signal verarbeitung signal
(Eingangs- (Ausgangs-
größe) z.B. z.B. z.B. größe)
Messumformer Anpasser, Anzeiger
Messwandler Messverstärker Umsetzer
Messwandler

Messkette
Messeinrichtung
-3-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Elemente einer Messeinrichtung

Messumformer: wandelt ein analoges Eingangssignal in ein eindeutig damit


zusammenhängendes analoges Ausgangssignal um.
(z.B. Sensoren, …)

Messwandler: ein spezieller Messumformer, der am Eingang und Ausgang die


gleiche physikalische Größe aufweist und keine Hilfsenergie benötigt.
(z.B. Spannungsteiler, Transformatoren, etc.)

Messumsetzer: sind Geräte, die am Ein- und Ausgang unterschiedliche


Signalstrukturen aufweisen (z.B. analog/digital- Umsetzer)
-4-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Messprinzip und Messmethode

Als Messprinzip bezeichnet man den der Messung zugrunde liegenden physikalischen
Vorgang bzw. Zusammenhang (z.B. Kraftwirkung auf stromdurchflossene Leiterschleife,
Ausdehnung in Abhängigkeit von der Temperatur, etc.)

Die Messmethode beschreibt, wie der Messwert gewonnen wird, unberücksichtigt


des konkreten Messprinzips. Im wesentlichen kommen folgende Methoden zum Einsatz:

1. Bei der Ausschlagsmethode wird die zu messende Größe direkt oder über eine
Zwischengröße in einen möglichst proportionalen Ausschlag (z.B. Zeigerausschlag,
aber auch Ziffernwert) umgewandelt (z.B. Quecksilberthermometer, Federwaage,
Drehspul-Amperemeter, etc.). Ausschlagsmethoden entziehen dem Messobjekt
in der Regel Energie, die benötigt wird, um den Ausschlag zu erzeugen. Anderseits
sind Ausschlagsmethoden oft mit geringerem Aufwand zu realisieren und der Messwert
wird relativ schnell erzeugt.
-5-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Messprinzip und Messmethode
2. Bei der Kompensationsmethode (auch Vergleichs- oder
Abgleichmethode) wird die Messgröße durch eine Kompensationsgröße
(eine bekannte Referenzgröße) subtrahiert. Die Referenzgröße wird so lange verändert,
bis die Differenz beider Größen verschwindet (Abgleich).
z.B. Balkenwaage, Brückenschaltung, etc.
Kompensationsmethoden gestatten es häufig, das Messobjekt zu vermessen, ohne
ihm Energie zu entziehen. Dafür sind Kompensationsmethoden häufig aufwendiger,
und erfordern längere Zeit zum Abgleich.
U0
i0
Beispiel für eine „stromlose“ Spannungsmessung
nach der Spannungskompensationsmethode.
Der Widerstand R1 wird so eingeregelt, dass
R
kein Strom über das Galvanometer G fließt.
Aus dem Referenzspannung U0 und dem
Widerstandsverhältnis R1/R kann dann die R1
Spannung Ux bestimmt werden. ux
Die (reale) Spannungsquelle Ux wird dabei G
nicht belastet.
-6-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Vergleich

Ausschlagsmethode Kompensationsmethode

Ausgangsgröße
feste variable Y=S
Messgröße Referenzgröße Messgröße Referenzgröße
x R x R

x/x’ x/x’
Eventuell _ _
Umformung in
eine proportionale erzeugt Stellgröße S
Größe u’ ∆=x-R
mit Ziel:
Y=∆=x-R ∆=x-R→ 0
Ausgangsgröße
-7-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Systemtheoretische Beschreibung von Messsystemen
Ein Messsystem soll zu einer Messgröße x(t) eine Ausgangsgröße (Messwert) y(t) liefern.

Unvermeidbar werden dabei Störgrößen s (t ) (Störgrößenvektor) auf das System
einwirken. Das Messsystem selbst ist ein physikalisches System, welches sich in einem

spezifischen Zustand z (t ) (Zustandsvektor) befindet.

Allgemein lässt sich die Änderung des Zustandsvektors des Messsystems durch
eine Differentialgleichung beschreiben:

dz   
= w ( z (t ), x(t ), s (t ), t ) s (t )
dt 
F ( z (t ) )
Der Zustand des Messsystems
x(t ) 
kann daher eine zeitliche Änderung z (t ) y (t )
aufweisen, selbst wenn die Mess- Mess-
größe x konstant ist system
(z.B. ein Einschwingvorgang).
-8-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Systemtheoretische Beschreibung von Messsystemen
Das dynamische Verhalten einer Messeinrichtung wird recht anschaulich durch die
Sprungantwort h(t) der Messeinrichtung beschrieben. Darunter versteht man den
zeitlichen Verlauf der Ausgangsgröße der Messeinrichtung y(t) bei einer sprungförmigen
Änderung der Eingangs- (Mess-)größe x(t).
Zeitl. Änderung des Zustands des
Sprungförmige
Messsystems bei konst. Eingangsgröße
Änderung der
Eingangsgröße

Messeinrichtung
 t −t
− 0 
y ( t ) ∝ y∞ 1 − g ( t ) ⋅ e τ 
 
τ : Relaxationszeit/ Ansprechzeit
-9-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Systemtheoretische Beschreibung von Messsystemen
Der Messvorgang ist aber nur sinnvoll, wenn der Zustand des Messsystem bei
konstanten Eingangsgrößen sich nicht mehr ändert, der innere Einschwingvorgang
also abgeklungen ist, so dass gilt:

∂z  
=0 Dann ist aber: z = g ( x, s ) …, also nur noch eine Funktion der Messgröße
∂t und des Störgrößenvektors.

Der stationäre Zustand des Messsystems wird auf die Ausgangsgröße y(t) des
Messsystems abgebildet:
  
= ( z ) F ( g ( x=
y F= , s ) ) f ( x, s )
Diese Abbildung von Messgröße x auf Ausgangsgröße y wird als
(statische) physikalische Messkennlinie bezeichnet.
-10-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Systemtheoretische Beschreibung von Messsystemen
Physikalische Messkennlinie

y
Die Empfindlichkeit beschreibt die
Änderung der Ausgangsgröße mit
Änderung der Messgröße

dy
= Empfindlichkeit
dx

x
Die Messkennlinie muss im Messbereich eine stetige und streng monotone
Funktion sein. Nur so können Mehrdeutigkeiten vermieden werden.
Wenn möglich, sind lineare Funktionen bevorzugt.
-11-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Messbereich und Messbereichsumfang
Der Messbereich beschreibt den Wertebereich der Messgröße, der von der
Messeinrichtung erfasst wird. In der Regel kann ein Messgerät zwischen unterschiedlichen
Messbereichen umgeschaltet werden. Die Differenz zwischen dem kleinsten und dem
größten Wert der Messgröße eines Messbereichs xmax-xmin nennt man Messspanne.

y maximale Ausgangsgröße

Wertebereich
Durch Ändern der
der Ausgangs-
Empfindlichkeit kann der
größe;
Messbereich einer Mess-
i.a. fest
einrichtung verändert
vorgegeben
werden

unterschiedliche Messbereiche
-12-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Genauigkeit und Fehlergrenzvorgaben
Jedes reale Messgerät hat eine gewisse Abweichung ∆x zwischen dem angezeigtem
Messwert und dem wahren Wert. Der Hersteller eines Messgerätes garantiert eine
maximale Abweichung ∆xmax, die bei Auslieferung des Gerätes nicht überschritten wird,
wenn das Gerät unter vorgeschriebenen Normbedingungen (z.B. Temperatur, Luftfeuchte,
etc.) betrieben wird. Üblicherweise wird diese Genauigkeit des Messgerätes auf die
Größe des Messbereichsumfangs (die Messspanne) xmax-xmin bezogen und prozentual
angegeben:
∆x Genauigkeit
Genauigkeit: G = 100%
xmax − xmin

Messwert
Hinweis: Die absolute Messabweichung in
einem Messbereich ist demnach: ∆xmax
wahrer Wert
G ( xmax − xmin ) ∆xmax
∆x =
100%
Sie wird also immer größer, je größer der
Messbereichsumfang xmax-xmin ist. Zeit
Es ist daher sinnvoll, die Messung im kleinst Beachte: Die Messabweichungen einer Messeinrichtung werden
möglichen Messbereich durchzuführen. sich mit der Zeit verändern. Nur durch erneute Kalibration kann die
aktuelle Messabweichung der Einrichtung ermittelt werden.
-13-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Auflösung
Unter Auflösung eines Messgerätes versteht man die kleinste Schrittweite der
Messgröße, die vom Messgerät noch signifikant unterschieden werden kann.
Auflösung
y

Auflösung der
Ausgangsgröße, Merke: Bei (normalerweise)
limitiert durch: konstanter Auflösung der
Ausgangsgröße erhöht sich
• Skalenteilung die Auflösung des Messgerätes
oder mit zunehmender Empfindlichkeit
• kleinste Digitalisierungs-
x
stufe (bit-Tiefe)

Auflösung der Messeinrichtung


bei unterschiedlichen Empfindlichkeiten

Hinweis: Oftmals ist die Auflösung größer als die Genauigkeit.


(In der Praxis wird oft eine hohe Auflösung mit einer hohen Genauigkeit verwechselt)
-14-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Justieren, Kalibrieren, Eichen

Beim Justieren gleicht man die Anzeige des Messgerätes mit dem von einem Normal
vorgegebenen Wert ab. Das Justieren erfordert also einen Eingriff in das Messgerät.
In vielen Fällen wird ein Nullabgleich vor einer Messung durchgeführt, also die Anzeige
bei einer Eingangsmessgröße Null (z.B. Kurzschluss eines Spannungsmessers) auf
Null eingeregelt.

Beim Kalibrieren vergleicht man den Anzeigewert des Messgerätes mit dem vom
Normal vorgegebenen Wert und protokolliert den Unterschied. Bei einer Kalibrierung
erfolgt kein Eingriff in das Messgerät. Das Ergebnis des Kalibrierens wird in einem
Kalibrier- Schein (auch –Zertifikat oder –Protokoll) festgehalten. Der Kalibrierschein
spiegelt nur eine momentane Abweichung der Anzeige zum Vorgabewert wieder, er
macht keine Aussage, wie lange diese Abweichung garantiert wird. Insbesondere
verliert nach jeder Justage eine vorherige Kalibrierung an Bedeutung.
-15-
3. Grundbegriffe der Messtechnik
Justieren, Kalibrieren, Eichen
Grundsätzlich kann Justieren und Kalibrieren auf eigene, interne, nicht rückführbare
Normale erfolgen. Dies ist aber wegen fehlender externer Vergleichbarkeit nicht
zu empfehlen! Messgeräte, die rückführbar kalibriert sind, werden oft auch als
Referenzgerät bezeichnet.

Das Eichen ist eine gesetzlich vorgeschriebene und auf nationale Standards
rückführbare Kalibrierung mit einer entsprechenden Kennzeichnung des geeichten
Objekts. Es ist eine hoheitliche Aufgabe, die in Deutschland von der PTB überwacht wird.
Für einige Bereiche (z.B. im Handel) ist das Eichen gesetzlich vorgeschrieben.
Soll ein Messgerät geeicht werden, so muss es zunächst für eine Eichung zugelassen
sein. Bei der Zulassung prüft man unter anderem, in welchem Zeitraum welche
Abweichungen zwischen Vorgabewert (Normal) und Anzeigewert auftreten und
legt fest, in welchen Zeitabständen die Eichung zu wiederholen ist. Eine Eichung
ist grundsätzlich nur über einen beschränkten Zeitraum gültig. Dieser wird in der Regel
auf einer Eichmarke am Messgerät sichtbar angegeben.