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Sturzprophylaxe

Arbeitsblatt • I care Pflege 21.10 Prophylaxen 21


21 10 5 Maßnahmen zur
Sturzprophylaxe
Gezielte Maßnahmen zur Senkung der Sturzhäufigkeit
führen unweigerlich zu einem verminderten Sturzrisiko
Sturzprophylaxe (DNQP 2013). Dabei beziehen sich sturzprophylaktische
Maßnahmen häufig auf ältere Menschen und weniger auf
Nicht immer sind Patienten einem Sturz „ausgeliefert“. Häu-
Kinder und Jugendliche. Eine Studie mit über 1000 deut-
Definition
fig sind sie noch Sturz
in der Lage, sich gegen den Sturz bzw. Bei- Sturzrisiko
schen einschätzen
Pflegeheimen zeigt z. B., dass die Rate der Schenkel-
nahesturz
Ein Sturz ist zu
„einwehren, indem sie Person
z. B. während des auf
Fallens Der Expertenstandard empfiehlt wenn
keine der
Ereignis, bei dem eine unbeabsichtigt halsfrakturen um 20 % abnimmt, die für die Pflege ent-
Einrichtungen
Halt
dem suchen
Boden oderoder
aufeinen Ausweichschritt
einer tieferen zur Wiederherstel-
Ebene aufkommt“ (DNQP 2013). wickelten Sturzrisikoskalen (DNQP 2013). Im Vordergrund
Sturzpräventionsprogramme durchführen. Darin werden die
lung der Körperbalance
Der Betroffene machen.
muss dabei nicht Bereits
zwingend zum an dieser
Liegen Stelleerset-
kommen,
Mitarbeiter geschult zu Kraft- und Balanceübungen, Hüft- Ri-
sollte die systematische Identifizierung der vorliegenden
zen
kannpflegerische
auch sitzen oderMaßnahmen
hocken. wie Aufmerksamkeits- oder
sikofaktorenund
protektoren- bei Umgebungsanpassung,
der pflegerischen Anamnese stehen.
Medikation, Hierzu
Vita-
Balancetraining an, z. B.: „Schauen Sie, hier ist das Geländer
können aufgeführten
min-D-Gabe Risikofaktoren herangezogen
und Sturzdokumentation (Heinrich et al.werden.
2013).
zum Festhalten.“ – „Heben Sie bitte die nächsten 20 Meter
Oft könnendie
bewusst Pflegekräfte einen Sturz
Knie im Wechsel abfangen,
und halten sodass
Sie sie es nicht
jeweils für Maßnahmen
Individueller zur Sturzprophylaxe
Maßnahmenplan • Zusammen mit dem Patien-
zu3 einer
Sekunden in der Luft. Ich begleite Sie (▶ Abb. 21.24).“ Diese
Berührung des Körpers mit dem Boden kommt.
neben
ten, unterden in der Tabelle abgebildeten
Berücksichtigung pflegerischen
von dessen Vorlieben und Interven-
Res-
„Beinahestürze“ sind nicht als Sturz zu werten, sollten jedoch
tionen, und
sourcen sollten u.a.Einbeziehung
unter folgende Maßnahmen
anderer angewandt werden:
an der Therapie
eine hohe Aufmerksamkeit erfahren.
Abb 21 24 Balancetraining Beteiligter (Ärzte, Physiotherapeuten,
• Bewegungsabläufe Angehörige)
möglichst immer sollte ein
gleich durchführen
Risikofaktoren und Ursachen Maßnahmenplan erarbeitet werden, der verschiedene Maß-
• Kontinenztraining
Personenbezogene Risikofaktoren: nahmen
• aufzur SturzprophylaxeHilfsmittel
funktionstüchtige aufführt. Die ▶ Tab.
achten, 21.9
z. B. fasstHör-
Brille,
• Beeinträchtigung funktionaler Fähigkeiten die wichtigsten
gerät Risikofaktoren zusammen und zeigt mög-
• Beeinträchtigung sensomotorischer Fähigkeiten und der liche• pflegerische
StolperfallenMaßnahmen.
entfernen, z. B. Kabel, Geräte, Teppiche
Balance • Patienten im Umgang mit Protektoren anleiten
• Gesundheitsstörungen, die mit Schwindel, kurzzeitigem • WISSEN
auf geeignete
TO Kleidung
GO (z. B. bei Inkontinenz) und geeigne-
Verlust des Bewusstseins oder ausgeprägter körperlicher tes Schuhwerk achten
Schwäche einhergehen
• kognitive akute und/oder chronische Beeinträchtigungen Sturzprophylaxe – Maßnahmen
• Kontinenzprobleme ● Aufmerksamkeits- oder Balancetraining
• Sehbeeinträchtigungen ARBEITSAUFTRAG
● ausreichende Flüssigkeitszufuhr
• Sturzangst oder Sturz in der Vorgeschichte ● Bewegungsabläufe möglichst immer eine gleich durchführen
Medikamentenbezogene Risikofaktoren: ●
1 Warum
Orientierung
gewidmet
sollten Beinahestürzen
und Sicherheit
werden? Sammelngeben
Sie zu
hohe Aufmerksamkeit
durch
zweitverbale Orien-
oder in der Gruppe
• Polypharmazie, psychotrope Medikamente, Antihyper- Gründe.
tierung, Auf welche
Haltegriffe, Krankheiten
Türbilder usw� können Beinahestürze hin-
weisen?
tensiva ● Kontinenztraining
Umgebungsbezogene Risikofaktoren: ● auf funktionstüchtige Hilfsmittel achten, z� B� Brille, Hör-
2 Wie läuft eine Negativspirale Sturzangst ab? Schreiben Sie
• Gefahren in der Umgebung gerät stichwortartig den Ablauf auf, beginnen Sie mit dem Sturz.
• falsches Schuhwerk ● (z.B. Betreffender
Stolperfallen entfernen,stürzt
z� B�→Kabel,
hat Angst vor erneutem
Geräte, Teppiche Sturz →
daher .....)
• Veränderungen ● Patienten im Umgang mit Protektoren anleiten
• freiheitsentziehende Maßnahmen ● auf geeignete Kleidung (z� B� bei Inkontinenz) undzuauf
3 Der
geeignetes
Expertenstandard
WelcheSchuhwerk
empfiehlt,
achten
Angaben sollte
ein Sturzprotokoll erheben.
ein Sturzprotokoll umfassen? Diskutie-
Negativspirale Sturzangst • Menschen, die schon einmal ge- ren Sie zu zweit oder in der Gruppe.
stürzt sind, können eine Sturz- bzw. Fallangst entwickeln. Sie
Füllen Sie die Tabelle aus. Welche pflegerischen Interventionen
hat große Auswirkungen auf die Lebensqualität. 4 fallen Ihnen ein?

Tab 21 9 Sturzrisikofaktoren und entsprechende Maßnahmen


Sturzrisikofaktoren und entsprechende Maßnahmen.

Risikofaktoren Pflegerische Intervention

● längerer Klinikaufenthalt, v� a� mit Implantation ● Kraft, Ausdauer, Koordination, Körperwahrnehmung und Balance trainieren
eines künstlichen Gelenks (auch mit kognitiv eingeschränkten Menschen, dann die Übungen ent-
● Muskelschwäche, Balanceschwierigkeiten, z� B� sprechend vormachen und einfach konstruieren), z� B� kleine Stoffsäckchen
durch Schwindel, Gangunsicherheit, Bettlägerig- zuwerfen und dabei Denkaufgaben stellen, Treppensteigen üben mit ange-
keit passten Gewichtsmanschetten, vor dem Hinsetzen nach dem Stuhl tasten,
● kognitive Beeinträchtigungen auf die Zehenspitzen stellen (bei entsprechender Sicherheit bzw� Fähigkeit
● Konzentrationsschwäche auch mit geschlossenen Augen)
● Vitamin-D-, Protein- und Kalzium-Gaben mit den behandelnden Ärzten
absprechen
● auf angemessene Flüssigkeitszufuhr achten
Georg Thieme Verlag, Stuttgart · I care Pflege · 2015

● Pflegeabhängigkeit ● Sicherheit geben durch verbales Orientieren, körperliche Initialberührun-


● bereits erfolgter Sturz gen, ruhiges und sicheres Auftreten
● Sturzangst (Angst vor dem Verlust der Selbststän- ● regelmäßig wiederkehrende Bewegungsabläufe beim Aufsetzen, Aufste-
digkeit und/oder der Selbstbestimmung, soziale hen, Laufen und Lagewechsel im Bett durchführen (Bettgitter bzw� Halte-
Isolation) griffe in Position bringen!)
● Orientierung im Raum geben durch Hinweise auf Türbilder, Haltegriffe usw�
● Möglichkeiten sozialer Interaktionen initiieren (Gruppenangebote, Spazier-
gänge usw�)

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