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Arbeitsblatt • I care Pflege 21.

6 Prophylaxen 21
Kontrakturenprophylaxe

Definition Kontraktur Kontraktrurrisiko einschätzen


Der Begriff „Kontraktur“ beinhaltet beobachtbare Merkmale wie Spezielle Instrumente zur Feststellung eines Kontrakturrisikos
Gelenksteifigkeit, Funktionsstörungen der Extremitäten, Gelenk- sind bisher nicht bekannt. Die Physiotherapienutzt z. B. Per-
verformungen und einen gesteigerten Widerstand gegen passive formanztests, um die Bewegungsfähigkeiten von Patienten zu
Muskeldehnung. Der Patient kann das betroffene Gelenk wegen der analysieren. Der Patient muss dabei Bewegungsaufforderungen
verhärteten Muskulatur nur eingeschränkt oder gar nicht strecken
nachkommen. Solche Tests sollten auch in der Pflege als Hilfs-
bzw. beugen (aktive Bewegung) und Pflegende können das Gelenk
nur eingeschränkt in eine andere Richtung stellen (passive Bewe- mittel eingesetzt werden, wenn auch eher „spielerisch“ in den
gung). Der Patient bewegt sich stark limitiert und ist oft von personel- Alltag integriert.
ler Hilfe abhängig. Teilweise werden auch komplexe Instrumente zur Erfas-
sungdes Kontrakturrisikos empfohlen, z. B. das Resident As-
sessment Instrument (RAI) oder das Geriatrische Basis Assess-
Ursachen und Risiken ment (GBA).
Kontrakturen entstehen, wenn Menschen über längere Zeit in
einer Position liegen oder sitzen und dabei die Funktionsstel- Maßnahmen zur Kontrakturenprophylaxe
lung der Gelenke ignoriert wird. Der Bewegungsradius des Ge- • oberstes Gebot: Bewegung!
lenks (Knie, Hüfte, Schulter) sinkt. • möglichst normaler Tagesablauf mit verschiedenen Positi-
Sobald ein Mensch seinen gewohnten Mobilitätsradius re- onen und Aktivitäten
duziert, besteht ein Kontrakturrisiko. Die Gefahr steigt, wenn • Patienten aktivieren, so viel wie möglich selbst zu über-
Muskelabbauprozesse beginnen oder sich chronische Krank- nehmen
heitsverläufe verschlechtern. • auf Schmerzen und mögliche Schonhaltung achten,
Eine andere Ursache für Kontrakturen besteht, wenn die • Schmerztherapie ggf. anpassen, ggf. physikalische Maß-
notwendige individuelle Unterstützungsfläche unter Hohlräu- nahmen durchführen, z. B. Wärmetherapie
men wie dem unteren Rücken, dem Nacken, der Kniekehle oder • stets auf eine korrekte Positionierung und die Neutralstel-
dem Fußgelenk nicht beachtet wird (fehlende oder falsche Po- lung bei Patienten mit Hemiplegie achten
sitionierung).

Spitzfuß.

ARBEITSAUFTRAG
Schreiben Sie eine Liste mit Risikofaktoren, die zu einer
1 Kontraktur beitragen können. Diskutieren Sie darüber in der
Gruppe.

Lesen Sie nach: was genau geschieht im Gelenk bei einer Kon-
2 traktur. Wodurch wird sie verursacht?

Beschreiben Sie in Stichworten: wie entsteht ein Spitzfuß und


3 was können Sie tun, um die Entstehung zu verhindern.

Überlegen Sie zu zweit: wie könnten spielerische Tests im Pfle-


4 gealltag aussehen, um die Bewegungsfähigkeit des Patienten
zu erfassen.

Schreiben Sie zu Ihrer Liste mit Risikofaktoren pflegerische


5 Interventionen, die das jeweilige Kontrakturrisiko vermindern
oder ausschalten.

Quelle: I care Pflege. Thieme, 2015.


Georg Thieme Verlag, Stuttgart · I care Pflege · 2015

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