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Michaela Weißensteiner

Ägyptische Kunst
Von allen Mittelmeerkulturen war die des alten Ägypten die langlebigste, sie dauerte
3000 Jahre lang, von ca. 3100 v. Chr. bis ca. zum Jahr 300 v. Chr. In der
ägyptischen Religion war der Toten- und Grabkult wesentlich. Auch die Kunst diente
der Verehrung der Götter und kultischen Zwecken. Die Kunst war trotz der langen
Dauer der ägyptischen Kultur sehr einheitlich im Stil, da man an der traditionellen
Gestaltung festhielt. Der Pharao hatte für das Kunstschaffen eine große Bedeutung,
die großartigen Bauwerke und Skulpturen zeigen auch die Macht der Herrscher. Die
Kunst bildete vor allem den Pharao und die Götter ab. Die Künstler galten nur als
namenlose Handwerker, ausgenommen die Architekten, die einen höheren Rang
besaßen. Die Hieroglyphenschrift spielte in der ägyptischen Kultur eine wichtige
Rolle, auch Reliefs und Wandmalereien wurden mit Inschriften versehen. Die Schrift
diente aber auch zu dekorativen Zwecken.

Architektur

Aufgabe der ägyptischen Kunst war es, den Pharao zu verherrlichen und sein
Weiterleben nach dem Tod zu gewährleisten. Zu diesem Zweck wurden großartige
Totentempel und Grabanlagen geschaffen. Die Tempel wurden ganz mit
Reliefdarstellungen, Bildern und Inschriften geschmückt.

Die Mastaba, ein Grabmal mit flachem Dach, war ein typisches Bauwerk der
Anfangszeit der ägyptischen Kultur. Mastabas wurden für die Pharaonen zB am
Rand der Wüste bei Sakkara errichtet. Sie bestanden aus einem unterirdischen und
einem oberirdischen Teil. In der unterirdischen Grabkammer wurde der Sarkophag
aufgestellt, im oberirdischen Teil befand sich eine Grabkapelle, deren Wände mit
Reliefs und Wandgemälden geschmückt waren.

Unter Relief versteht man eine Plastik, die nicht auf allen Seiten ausgearbeitet ist.
Das Motiv ist auf einem flachen Grund erhaben herausgearbeitet. Es gab aber auch
Reliefs, bei denen nur die Umrisse in den Untergrund eingekerbt wurden. Es wurden
Alltagsszenen dargestellt, Hieroglypheninschriften sollten ein ewiges Weiterleben der
Verstorbenen gewährleisten. Häufig abgebildet wurden die Götter des Totenreichs.

Aus der Mastaba entwickelte sich die Stufenpyramide.

Die Pyramiden

Die Pyramide ist die bedeutendste architektonische Leistung des Alten Reichs. Es
gab unterschiedliche Formen:
 Die Stufenpyramide war die früheste Form, sie bestand aus
aufeinandergesetzten, sich verkleinernden Mastabas. Abb.: Stufenpyramide
von Sakkara, die von dem bedeutenden Baumeister Imhotep errichtet wurde
 Die klassische Pyramide mit glatter Oberfläche und streng geometrischer
Form. Bsp: Die Pyramiden von Gizeh
 Die sogenannte Knickpyramide, bei der aus statischen Gründen die
Seitenwände im oberen Teil eingeknickt sind. Bsp: Pyramide in Dahschur.

Die Pyramide als Grabmal für den Pharao war ein Sinnbild für seine Gottähnlichkeit.
Die ältesten Pyramiden wurden aus luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet, später
verwendete man kleine Steinblöcke und schließlich große, exakt zugehauene
Steinquader. Durch die Verwendung von Stein versuchte man ewiges Bestehen des
Bauwerks erreichen. Die Form ergibt sich aus einem quadratischen Grundriss mit
gleichförmigen Seitenflächen. Die große bauliche Leistung wurde wahrscheinlich in
den Zeiten der Nilüberschwemmung erbracht. Es war eine landwirtschaftliche
Tätigkeit nicht möglich, daher konnte ein Teil der Bevölkerung dafür eingesetzt
werden. Innen befand sich eine kleine, zugemauerte Grabkammer für die Mumie des
Pharaos, einige Nebenräume und Luftschächte. Der Zugang zu den Grabkammern
mit wertvollen Schätzen sollte möglichst erschwert werden, trotzdem wurden fast alle
Pyramiden von Grabräubern geplündert.

Die Pyramide war Teil eines größeren Grabkomplexes mit Tempeln, Sphinxen und
kleineren Pyramiden. Unter Sphinx versteht man eine Figur aus der ägyptischen
Mythologie mit dem Körper eines Löwen und dem Kopf eines Menschen, meist
wurde sie mit dem Gesicht eines Pharaos dargestellt. Der berühmteste
Pyramidenkomplex befindet sich in Gizeh mit den Pyramiden der Pharaonen
Cheops, Chephren und Mykerinos, und der Sphinx des Chephren. Die
Cheopspyramide stellt die bedeutendste bauliche Leistung vor der griechisch-
römischen Antike dar. Sie war ursprünglich fast 150 m hoch. Die Spitze ist heute
abgebröckelt. Ursprünglich war sie außen mit weißem Kalkstein verkleidet und hatte
eine goldenen Spitze. 

Die Tempel

Die ägyptischen Tempel dienten zur Verehrung eines verstorbenen Pharao oder
eines Gottes. Der Weg zum Tempel war von Sphinxen gesäumt. Vor dem Eingang
befanden sich hohe Tortürme (Pylonen) mit Reliefdarstellungen. Im Inneren lag
zuerst ein Säulenhof, der von einer doppelten Säulenreihe umrahmt war (A, B). Dann
folgte ein Säulensaal (C) und danach der eigentliche Tempel, wo Bilder der
Verstorbenen oder Götter aufgestellt waren (D), hinter diesem Raum lag noch ein
Säulensaal (E).

Die Tempelanlage war um eine Symmetrieachse angeordnet. Einige beachtliche


Tempel aus dieser Periode befinden sich in Theben. Bekannt sind auch die
Felsentempel von Abu Simbel. Dort befinden sich die Totentempel von Ramses II.
und seiner Frau. Der Ramsestempel mit vier Kolossalstatuen des Königs an der
Fassadenfront (Abb.) reicht 60 m tief in den Felsen hinein. Die Fassade wurde aus
dem Felsen herausgearbeitet. Nur zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche schienen die
Sonnenstrahlen bis ins Innerste des Tempels auf die dort aufgestellten Statuen. Die
beiden Tempel wurden beim Bau des Assuanstaudamms in Blöcke zerlegt und
höhergelegen wieder aufgerichtet.
Es wurden Säulen (runder Querschnitt) und Pfeiler (viereckiger Querschnitt)
verwendet. Die Säulen bestanden meist aus drei Teilen: Eine Fußplatte (Basis), der
Schaft und das Kapitell, der obere Abschluss der Säule. Der Schaft war entweder
aus glattem Stein oder in Streifen gegliedert. Man versuchte dabei zB die Form von
Baumstämmen nachzuahmen. Auch die Kapitelle hatten oft eine Ähnlichkeit mit
pflanzlichen Formen, zB mit Lotusblüten. Die Säulen wurden mit Reliefs und
Inschriften geschmückt und waren ursprünglich bemalt, wobei die Farben Rot, Blau
und Gelb vorherrschten. Auch durch die Farbgebung sollte etwas ausgesagt werden,
zB symbolisierte Gelb Ewigkeit.

Viele Tempel wurden durch spätere Überbauung überlagert oder sie wurden zerstört
oder in christliche Kirchen umgewandelt. In der Zeit des Neuen Reichs wurden die
Tempelanlagen aufwendiger.

Die Obelisken

Der Obelisk, ein hoher, viereckiger Pfeiler, der nach oben dünner wurde und spitz
zusammenlief, war ebenfalls charakteristisch für die ägyptische Baukunst. Sie
wurden aus einem einzelnen Felsblock hergestellt (Monolith), häufig aus Granit.
Auch die Spitze der Obelisken war ursprünglich vergoldet. Hieroglypheninschriften
auf den Seitenflächen nannten den Namen des Königs, der den Auftrag erteilt hatte,
und das Ereignis, an das sie erinnerten. Die Obelisken waren ein Sonnensymbol, sie
sollten an die Erschaffung der Welt durch den Sonnengott erinnern. Der mit über 30
m Höhe größte erhaltene ägyptische Obelisk steht heute in Rom auf dem
Petersplatz. Fast alle Obelisken wurden aus Ägypten weggeschafft und auf
berühmten europäischen Plätzen aufgestellt, beispielsweise am Place de la
Concorde in Paris.

Die Paläste und Wohnhäuser wurden aus Lehmziegeln und zum Teil aus Holz gebaut
und sind daher nicht erhalten geblieben.

Die Skulptur

Die ägyptische Bildhauerei hat über einen Zeitraum von 3000 Jahren unzählige
Werke von einheitlicher Art und hoher Qualität hervorgebracht. Namen der
ägyptischen Bildhauer sind kaum bekannt. Die Amarnakunst brachte einige der
schönsten ägyptischen Skulpturen hervor.

Während des Alten Reichs stand die Bildhauerei in enger Verbindung mit der
Grabarchitektur. Die Statuen, die in Grabkammern und Totentempeln aufgestellt
wurden, waren idealisierte Bildnisse der Toten. Die Statue hatte die Aufgabe, anstelle
des zerfallenden Körpers die Seele des Verstorbenen aufzunehmen. Man
unterscheidet zwischen Stand- und Sitzfiguren, weiters teilt man die Skulpturen in
Götter-, Königs- und Privatplastik. Name und Titel der dargestellten Person wurden in
die Statue eingemeißelt. Ausgangspunkt bei der Herstellung einer Skulptur war ein
rechtwinkliger Block, um ausgewogene Proportionen zu erreichen, wurde die Figur in
ein Gitternetz eingeteilt. Die Personen wurden in starrer, ruhiger Haltung dargestellt,
es gab keine dramatischen Bewegungen; die Skulpturen waren geometrisch
aufgebaut, es gab keine Drehung oder Neigung des Körpers. Die Oberfläche wurde
glattgeschliffen oder mit Stuck, einer formbaren Masse aus Gips und Kalk,
überzogen und bemalt.

Es waren genaue Regeln zur idealen Darstellung der menschlichen Gestalt


festgelegt worden. Götter, Pharaonen und Würdenträger durften nur aufrecht
vorwärtsschreitend oder auf einem Thron sitzend dargestellt werden. Die Form der
Perücke, zB fächerförmige oder abgerundete Perücke ist ein Hilfsmittel zur
Datierung, weil sie sich in den verschiedenen Phasen der Kultur veränderte. In der
Kleidung zeigten sich dagegen jahrhundertelang nur wenige Unterschiede,
beispielsweise wurden Pharaonen in Skulpturen häufig in ihrer Zeremonienkleidung
dargestellt, mit einem gefalteten Schurz und nacktem Oberkörper, einem künstlichen
Bart und einem Kopftuch oder einer Haube. Bsp.: Die Stele des Mykerinos (Stele
bedeutet Grabsäule mit Inschriften und Abbildung des Verstorbenen) Mykerinos ist
mit zwei Göttinnen dargestellt; er zeigt keinen bestimmten Gesichtsausdruck und ist
in gerader Haltung von vorne zu sehen. Typisch ist auch das „unechte Schrittmotiv“,
das eine Bewegung andeuten soll, es stehen jedoch beide Beine am Boden.

Durch Statuen sollte auch die


Herrlichkeit des Pharaos in der
Öffentlichkeit gezeigt werden. Das
berühmteste Beispiel ist die Sphinx von
Gizeh, deren Gesicht den Pharao
Chephren darstellt. Zu den am besten
erhaltenen Skulpturen gehört die
Gruppe „Prinz Rahotep und seine
Gemahlin Nofret“. Wie damals üblich,
ist der Körper des Mannes rotbraun
bemalt, der seiner Frau gelb. Die Augen
sind aus Bergkristall eingesetzt, das
Material ist Kalkstein.

Zeitweise wurde statt Stein häufig


Alabaster oder Holz verwendet. Typisch
sind bemalte Holzmodelle, die für die
Gräber von Prinzen bestimmt waren.

Während des Mittleren Reichs führten die Bildhauer realistischere Details in ihre
Skulpturen ein, besonders die Gesichter wurden individuell dargestellt. Die
königlichen Statuen wirkten nicht mehr „überirdisch entrückt“ wie während des Alten
Reichs, sondern zeigten mehr das wirkliche Aussehen der Herrscher. Bsp.: die
Darstellung des Pharaos Sesostris, die einen individuellen Gesichtsausdruck zeigt.
Typisch für die Bildhauerei des Mittleren Reichs waren die kleinen Figurengruppen
aus Holz, die den vornehmen Verstorbenen mitgegeben wurden. Es wurden Szenen
des täglichen Lebens dargestellt, wie Jagd, Schifffahrt, Landwirtschaft, Soldaten.

Das Neue Reich brachte zahlreiche Bildhauerarbeiten hervor, die sich stilistisch stark
unterschieden. Das Formenrepertoire wurde erweitert, lebensgroße Statuen aus
Granit und Kolossalstatuen aus Kalk- und Sandstein wie die Darstellungen von
Ramses in Abu Simbel wurden geschaffen. Sitzende Statuen mit dicht anliegenden
Armen und Beinen waren weit verbreitet. Erwähnenswert sind auch die Porträts der
Königin Hatschepsut. Eine lokal begrenzte künstlerische Erscheinung des Neuen
Reichs war die Amarnakunst. Sie blühte in der Stadt Amarna während der
Herrschaft des Pharaos Echnaton. Er übte selbst Einfluss auf die künstlerische
Gestaltung aus. Die Künstler bemühten sich nicht nur um eine realistische
Darstellung der Herrscher, sie versuchten die Eigentümlichkeiten des Auftraggebers
noch zu betonen. Die Porträts von Echnaton zeigen einen Mann mit ovalem Gesicht,
dicken Lippen, schmalen Schultern und runden Hüften. Die gleichen bizarren Züge,
die an Karikaturen erinnern, erscheinen auch in den Porträts der Töchter des Pharao.
Berühmt sind die Porträts der Königin Nofretete, Echnatons Frau (Abb.).

Der Einfluss der Amarnakunst blieb noch länger spürbar, obwohl Echnatons
Nachfolger wieder zu den künstlerischen Traditionen der Vergangenheit
zurückkehrten.

Malerei

Die ägyptische Malerei hat ihren Ursprung in der Bemalung von Töpferwaren. Man
verwendete Erdfarben, die mit Pinseln aus Schilfrohr aufgetragen wurden. Die Farbe
gehörte zu den wichtigsten Elementen der ägyptischen Kunst, nicht nur für die
Wandmalerei, sondern auch für Reliefs, Inschriften und für die Architektur. Farbe
gehörte zum Wesen der Dinge und durfte darum auch in der Kunst nicht
weggelassen werden; Grün stand beispielsweise für Fruchtbarkeit und Leben und
Schwarz für Trauer. Viele Bauwerke waren ursprünglich farbig bemalt. Bemalte
Reliefs waren häufiger als reine Wandmalerei, die dann meist als billigere Technik
das Relief ersetzen sollte. Zusammenfassend spricht man bei Relief und Malerei
vom „Flachbild“.

Es wurde die Standlinie eingeführt, die einerseits den Boden darstellte, andererseits
aber auch einen zeitlichen Ablauf, nach dem die Figuren aufgereiht waren. Auf die
Raumtiefe und auf Schatten wurde verzichtet, die Motive hatten klare Umrisse. Es
gab keine Hinweise auf Ort und Zeit. Die Bilder wurden „gelesen“, das heißt, es kam
nicht auf die Wirkung und den optischen Eindruck des Gesamtbildes an, wichtig war
die vollständige „Aufzählung“ der Gegenstände, teilweise wurde auch eine
fortlaufende Handlung dargestellt. Wandbilder in den Grabstätten sollten zum
Beispiel den Verstorbenen die Dinge verschaffen, die er zum Weiterleben brauchte,
zB Nahrungsmittel.

Für die Malerei gab es bestimmte Regeln, die bereits in der Anfangsphase der
ägyptischen Kultur festgelegt wurden. Die Farben wurden nicht aufgrund eigener
Naturbeobachtung, sondern gemäß dem traditionellen Farbschema aufgetragen.
Auch der menschliche Körper wurde nach einem bestimmten Schema stilisiert. Die
Figur wurde so dargestellt, als sehe man sie aus verschiedenen Blickwinkeln. Man
bevorzugte bei jedem Körperteil die Ansicht, bei der man ihn am eindeutigsten
erkennen konnte. Der Kopf war im Profil, das Auge aber von vorne zu sehen, die
Schultern und den Oberkörper zeigte man von vorne. Arme und Beine waren von der
Seite zu sehen.
Im Mittleren Reich wurden innerhalb einer gemalten Szene Unterschiede in der
Figurengröße gemacht, nicht die natürliche Größe, sondern die Bedeutungsgröße
wurde dargestellt. (= Bedeutungsperspektive)

Sarkophage wurden meist in der Form einer menschlichen Gestalt angefertigt, es


gab jedoch auch Särge mit geraden Seitenbrettern. Die Oberfläche war weiß oder
gelb mit schwarzen Inschriften. Das Gesicht der Verstorbenen wurde aufgemalt,
einige Särge weisen auch florale Motive auf, in einer späteren Phase wurden auch
Szenen der Einbalsamierung abgebildet. Sie wurden aus Holz oder Papiermasse
hergestellt, zeitweise gab es auch massive Granitsarkophage.

Zahlreiche Papyrusrollen wurden mit Schriftzeichen und Bildern geschmückt. Im


trockenen Klima Ägyptens sind sie erstaunlich gut erhalten geblieben.

Das Kunsthandwerk

Die Kunst stand vor allem im Dienst des Totenkults. Den Toten wurde in die Gräber
möglichst alles mitgegeben, was sie nach den religiösen Vorstellungen der Ägypter
auch im Jenseits brauchten. Daher entstanden zahlreiche kunsthandwerkliche
Gegenstände von unschätzbarem Wert und höchster technischer Perfektion.

Es wurden Alabastervasen in unterschiedlichen Formen und Größen hergestellt.


Allein in den unterirdischen Räumen der Pyramide des Pharaos Djoser fand man
35000 Gegenstände aus Alabaster. Das Grab der Mutter Cheops´, gibt Aufschlüsse
über Möbel und Schmuck. Man fand beispielsweise einen Tragsessel, ein Ruhebett,
einen Armsessel, Schmuckstücke wie silberne Armreifen mit eingesetzten Türkisen
und Karneol in der Form von Schmetterlingen, die lange Zeit üblich war. Zeitweise
gab es Einflüsse aus Kreta und aus dem Nahen Osten. Es wurden Bronzespiegel mit
Griffen in Form von Lotosblüten geschaffen, goldene Halskragen und Ohrgehänge
mit Glas und Edelsteinen. Die ägyptischen Künstler erreichten große handwerkliche
Perfektion, beispielsweise wurden auf Ohrgehängen Inschriften und
Miniaturdarstellungen des Pharaos beim Kampf gegen Feinde angebracht.

Während des Mittleren Reichs erreichte die Keramik eine Blütezeit. Typisch sind
türkis glasierte Gefäße oder Trinkschalen und Nilpferdfiguren mit aufgemalten
Blumen. Das Nilpferd stellte die Schutzgöttin dar.

Die Funde aus dem Grab des Tutanchamun, das 1922 entdeckt wurde, zeigen das
Kunsthandwerk des Neuen Reichs. Man fand zahlreiche Vasen aus Alabaster und
Stein, Kästchen für Schmuck, mit Gold beschlagene Ruhebetten usw. Der
sogenannte Kanopenschrein war für die Eingeweide des Pharaos bestimmt. Unter
„Kanope“ versteht man einen Krug. Der Schrein hat die Form eines Tempels und ist
aus Holz, mit Goldblech verkleidet. Aufgerichtete Brillenschlangen, Figuren und
Hieroglypheninschriften sollten Unheil abwehren. Im Inneren befand sich eine
ähnliche Konstruktion aus Alabaster. Der berühmte Sarkophag Tutanchamuns war
ebenfalls innen mit Hieroglypheninschriften bedeckt. Es waren drei Särge
ineinandergefügt, die beiden äußeren waren aus vergoldetem Holz angefertigt, der
innerste war aus purem Gold; der Kopf wurde mit Edelsteinen und farbigem Glas
verziert und zeigt großes handwerkliches Können. Der Thron des Tutanchamun war
mit Einlegearbeiten aus Keramik und Glas versehen und reich verziert, die Lehne
zeigt den Pharao mit seiner Frau.

Im Neuen Reich gewann die Schnitzerei und Einlegearbeit an Bedeutung; die


Keramik diente hauptsächlich zur Herstellung von blau und grün glasierten
Grabfiguren, die dazu vorgesehen waren, für den Verstorbenen im Jenseits die
niedrigen Arbeiten zu verrichten.