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Nannis Intention besteht vor allem darin, Lachen zu provozieren.

Interessant ist jedoch, dass


es ihr nicht gelingt, dieses bei den anderen hervorzurufen.,obwohl sie selbst den ganzen ersten
Abschnitt über lacht. In ihrem Verhalten gibt sie auch eine Selbstdarstellung ab. Sie äußert
sich ausschließlich in lautstarker, aufdringlicher Form und versucht so sich in den Mittelpunkt
der Aufmerksamkeit zu drängen (das Verb ,,rufen" begleitet vier der insgesamt fünf
Gesprächsbeiträge; Zeile 1; Zeile 7; Zeile 12 und Zeile 20). Obwohl während des Gesprächs
durchgehend Umgangssprache verwandt wird, hebt sich Nannis Ausdrucksweise deutlich
hiervon ab. In sehr bildreichen, oft übertriebenen Worten zeichnet sie das Bild des Mannes
unter sehr oberflächlichen Gesichtspunkten ( z.B. ,,entsetzlich" Zeile 2; ,,weich wie ein
Molch, wie Schlamm" Zeile 6/ 7). Ihre nonverbalen und paraverbalen Äußerungen verstärken
dieses Verhalten. Dies wird besonders in Zeile17 /18 deutlich. Mit ihrem Einwurf, der
Nannis Beschimpfungen den Boden entzieht, ist für sie die Bedrohung verbunden, nicht mehr
im Mittelpunkt des Gesprächs zu stehen. Die benötigte Aufmerksamkeit versucht sie durch
das folgende paraverbale Mittel wieder herzustellen ( ,,..und warf die Hände auf den Tisch:
die Messer und gabeln auf den Tellern klirrten."). Kennzeichnend für Nannis
Selbstdarstellung ist ihr Egoismus. Um Aufmerksamkeit zu erlangen ist ihr jedes Mittel recht;
sie beschimpft einen Menschen, von dem sie so gut wie nichts weiß und bemerkt nicht, wie
sie damit Ritas Gefühle verletzt.
Die Mutter schlägt mehr oder weniger in dieselbe Kerbe (,,Furchtbar fett für sein Alter"
Zeile 3). Obwohl auch sie negativ besetzte Worte benutzt, fallen ihre Äußerungen weniger
drastisch aus als bei Nanni. Dies resultiert vermutlich daraus, dass sie sich gesellschaftlichen
Konventionen verpflichtet fühlt (man spricht nicht schlecht über Menschen in deren
Abwesenheit) und sich sehr wohl ihrer Vorbildrolle bewußt ist. Darauf deutet auch das
Adjektiv ,,beschämt" in Zeile 10 hin. Zwar würde sie gerne, wie Nanni offen über den ,,netten
Kerl" herziehen, kann dies jedoch im Hinblick auf ihre Vorbildfunktion nicht in vollem
Umfang tun. Darum ist auch ihre Ausdrucksweise geprägt von diesen beiden sich
widersprechenden Intentionen; z.B. verknüpft sie positive mit negativen Beurteilungen ( Zeile
10/ 11: ,,"recht lieb, aber gräßlich komisch"). Außerdem benutzt sie Relativierungen und
Verlegenheitsfloskeln um ihre Kritik abzuschwächen (Zeile 3: ,,...für sein Alter"
Abschwächung; Zeile 3 ,,sollte" Konjunktiv rückt den Sachverhalt in den Bereich des
Fiktiven; Zeile 10 ,,na ja", anstelle von einwandfreier Zustimmung).
Zu Mutter und Nanni:

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Zusammenfassend kann man sagen, dass beide die ganze Situation sehr oberflächlich

betrachten und ein hohes Maß an Egoismus zeigen; die Gefühle Ritas scheinen ihnen

entweder egal zu sein, oder aber sie stehen sich nicht nahe genug (bzw. sind zu unsensibel),

Ritas Gefühle zu erkennen. Beide bringen keinerlei Sachinformationen vor, sondern

beschränken sich auf eine eher inhaltslose Kommentierung.

Milene erscheint hier als die Verständnisvollste. Sie scheint die einzige zu sein, der Ritas

Gemütsverfassung nicht entgangen ist. Sie äußert sich als einzige positiv über den netten

Kerl, was ihr selbst komisch vorkommt (Zeile 16). Hier wird deutlich, wie sie im Verlauf des

Gesprächs von den anderen beeinflußt wird. Dies geht soweit, dass sie In Zeile 24 in das

allgemeine Lachen einstimmt.

Der Vater wird im ersten Abschnitt nur nonverbal, bzw., mit indirekter Rede eingeführt. Wie

Rita trägt er im ersten Abschnitt sehr wenig zum Gespräch bei. Bezeichnend für seine

Charakterisierung und Intentionen ist jedoch das zweimalige auftauchen des Adjektivs
,,ängstlich" (Zeile22). Dies kann man so interpretieren, dass er sich nicht traut, gegen die

allgemeine Einstellung seine Meinung offenzulegen, andererseits aber auch so, dass er

ängstlich darauf bedacht ist, niemandes Gefühle zu verletzen. Er erscheint als der distanzierte,

Überlegte (,,..brachte kühle, nasse Luft mit herein" Zeile 21). Die zweite Einschätzung

erscheint um so wahrscheinlicher, als er im zweiten Abschnitt sogleich Partei für den Mann

ergreift, nachdem er sich erst ein Bild über die gesamte Situation verschafft hat. Er ist der

einzige, der Rita nicht mit seinen Äußerungen verletzt.

Rita kommt hier eine Doppelrolle zu. Während sie sich im ersten Abschnitt kaum am

Gespräch beteiligt und durch nonverbale Mittel signalisiert, wie unwohl sie sich in der

Gesprächssituation fühlt, und damit auch ihre Unsicherheit zu erkennen gibt (Zeile5; Zeile15;

Zeile24) ändert sich dies im zweiten Abschnitt radikal.

Mit Ritas Verhalten nähern wir uns nun dem Aufbau der Gesprächssituation: zu Anfang

haben wir ein komplementäres Verhältnis. Nanni bestreitet den Großteil des Gesprächs,

unterstützt von der Mutter. Mit ihren Fragen drängen sie Rita in die inferiore Position; dies

signalisiert Rita vor allem durch ihre Körperhaltung; das Festhalten am Stuhl (Zeile 5;

Zeile15) weist darauf hin, dass sie Halt sucht, Unterstützung in der unangenehmen Situation.

Da ihr diese jedoch nicht gewährt wird, kann man an den nonverbalen Mitteln

nachvollziehen, wie die Spannung in Rita immer mehr wächst, bis sie sich Luft machen muß.

Aufbau: am Sitz festhalten die Fingerkuppen ins Holz pressen, schwitzen. Mit dem

allgemeinen Gelächter bricht Ritas Selbstbeherrschung zusammen und sie beendet das

komplementäre Verhältnis. Bemerkenswert ist hier, das sie dies nicht tut, indem sie sich auf

eine Ebene mit dem Rest der Familie stellt (also ein symmetrisches Verhältnis anstrebt),

sondern vielmehr die ganze Situation umkehrt. Nun übernimmt sie die Gesprächsführung und

damit die superiore Position; diese wird unterstrichen durch nonverbale Mittel (Zeile 35: ,,Sie

hielt den Kopf aufrecht."). Die Gesprächssituation ,,kippt"; d.h. die Verhaltensmuster werden

umgekehrt. Rita karikiert Nannis Stil, indem sie mit den gleichen paraverbalen Mitteln, ja

sogar den gleichen Worten, ihre Verunglimpfungen nachahmt.

Daraufhin entsteht eine Pause, sie sitzen ,,gesittet und ernst" (Zeile 36). Erst an dieser Stelle

wird der Familie ihr Verhalten klar: das Verstoßen gegen gesellschaftliche Anstandsregeln

sowohl wie Ritas verletzte Gefühle. Hierauf schlüpft die Mutter wieder in ihre

Vorbildposition, indem sie versucht, den ,,netten Kerl" in ein positives Licht zu rücken. Diese

Versuche wirken jedoch, rückblickend auf den vorangegangenen Dialog , relativ


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unglaubwürdig. Glaubwürdiger erscheint daher der Vater, der sich vorher nicht zum

Sachverhalt geäußert hat.

Der Schluß des Gesprächs kann um mit den Worten des Textes zu sprechen als Ruhe vor

dem Sturm bezeichnet werden. Es ist anzunehmen, dass sobald Rita nicht mehr im Raum ist,

die Diskussion erneut aufflammen wird, wobei jeder sein Unverständnis über Ritas

Entscheidung kund tun wird. Die Abneigung der Familie gegen den Schwiegersohn wird so

auch in Zukunft aller Voraussicht nach zu Problemen führen.

Schematische und tabellarische Darstellungen:

Paraverbale und nonverbale Mittel:

Zeile Paraverbal Nonverbal

1 Atempause

5 hielt sich mit den Händen am Sitz fest

11 beschämt fing auch sie wieder an zu

lachen

15 sie schnaubte ihr kleines Gesicht sah verquollen aus

Rita hielt sich am Sitz fest. Sie drückte die

17 Fingerkuppen fest ans Holz.

20 Nanni stieß einen winzigen Schrei aus und warf die Hände auf den Tisch

die Messer und Gabeln ...klirrten

26 Sie platzten alle heraus Das Holz unter Ritas Fingerkuppen

wurde klebrig

31 ihre Stimme zitterte sie wischte mit einem Taschentuch-

klümpchen über die Augen und die Lippen

34 sie seufzte und rieb sich den kleinen Bauch

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Charakterisierung des ,,netten Kerls

Kommunikationsverlauf:

·
Nanni eröffnet das Gespräch, indem sie es mit einer Beleidigung beginnt

Die Mutter bestätigt sie hierin indirekt und wendet sich mit einer Frage direkt an Rita

Nonverbales Element zeigt Ritas Gefühlslage

35 Sie warteten alle ab.

Sie hielt den Kopf aufrecht.

Rita lachte versuchsweise und dann konnte

38 sie es mit großer Anstrengung lauter Am Tisch bewegte sich keiner.

als die anderen.

Sie saßen gesittet und ernst und

bewegten vorsichtig Gabeln und Messer.

41

Rita sah sie alle behutsam dasitzen, sie

45 sah gezähmte Lippen. Die roten Flecken

in den Gesichtern blieben noch eine Weile.

46 Sie senkten die Köpfe und aßen den

Nachtisch.

Abschnitt 1 Abschnitt 2

Entsetzlich (Zeile 1) verlobt (Z. 36)

Furchtbar fett für sein Alter (Z. 3) netter Kerl (Z. 42)

Weich wie ein Molch, wie Schlamm (Z. 6) höflich (Z. 42)

Was Liebes (Z. 8) menschlich angenehm (Z. 43)

Recht lieb, aber doch gräßlich komisch (Z. 10/11) Hausgenosse (Z. 44)

Wammen (Z. 12) Familienmitglied (Z. 44)

Wie ein alter Mann (Z. 12) kein übler Eindruck (Z. 45)

So fett, so weich (Z. 14)

In sich Ruhendes (Z. 16)

Ganz nett (Z. 16)

Ekeln (Z. 20)

Große fette Qualle (Z. 32)

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Kurze Antwort Ritas

Nanni knüpft an ihre Einleitung an

Gegensatz zwischen Nannis Heiterkeit und Ritas Verletztheit durch nonverbale Einschübe

Einwurf Milenes zur Verteidigung des ,,netten Kerls"

Nonverbaler Einwurf der Mißbilligung von Nanni

Zynische Kommentierung des Einwurfes

Heimkehr des Vaters; indirekte Rede, kein direktes Eingreifen in den

Kommunikationsverlauf

Erster sachlicher Einwurf Ritas

Lachen der anderen

Rita fühlt sich zunehmend unwohler; nonverbaler Einwurf

Erneuter Versuch Ritas, das Gespräch auf die Inhaltsebene zu bringen

Scheitern des Versuchs durch Lachen der anderen

Mutter versucht schlichtend einzugreifen und das Thema zu beenden

Nanni jedoch hält mit ihrer Frage an Rita, an dem Thema fest

An dieser Stelle ändert sich die Gesprächssituation. Rita übernimmt die superiore

Position, die zuvor Nanni innehatte.


·

Rita bezieht Stellung und macht Mitteilung über die Verlobung

Nonverbale Reaktion der anderen; Entsetzen, Überraschung

Ironische Wiederholung von Nannis Aussagen

Kommentar des Vaters; positiv belegt

Kommentar der Mutter; ebenfalls positiv belegt

Bestätigung und Ergänzung durch den Vater

Schweigen, während dessen jedoch viele unausgesprochene Gedanken im Raum stehen

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