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Deutsch lernen und unterrichten – Arbeitsmaterialien

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Alles Liebe zum Muttertag

Einmal im Jahr stehen sie im Mittelpunkt – die Mütter. Kinder, Ehemänner oder
Lebenspartner übernehmen für einen Tag alle ihre Arbeiten. Zumindest ist das
heute der Grundgedanke des Muttertags.

Ob das mit dem Verwöhnen immer so funktioniert, lassen wir einmal dahingestellt. Tage
vorher wird jedoch schon gebastelt und überlegt, welches Muttertagsgeschenk gekauft
werden könnte. Sehr beliebt sind Gutscheine. Da wird der Mutter dann versprochen,
irgendwann den Einkauf zu übernehmen, oder im Garten mal Unkraut zu jäten. Denn
eigentlich weiß keiner so richtig etwas mit ihm anzufangen, dem Muttertag. Am wenigsten
die Betroffenen selbst.

Alte Tradition

Dabei ist und soll er doch ein Feiertag sein. Jedes Jahr wird er in vielen Ländern
begangen – und zwar am zweiten Sonntag im Mai. Den Muttertag gibt es immerhin schon
seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt seit 1905. In diesem Jahr wurde er
sozusagen öffentlich ausgerufen.

Anna Jarvis, die Tochter eines amerikanischen Methodistenpredigers, hatte die Idee,
zunächst ihre eigene, aber dann schließlich alle Mütter mit einem besonderen Tag zu
ehren. Ihr Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden. So kam es, dass am 12. Mai 1907 zum
ersten Mal der Muttertag gefeiert wurde. Das war nämlich der Sonntag nach dem zweiten
Todestag von Ann Jarvis' Mutter, Ann Maria Reeves Jarvis.

Politiker sprangen auf den Zug auf

Schon damals kam den Müttern eine ganz besondere Rolle zu. Deshalb gewann die
Muttertagsidee rasch viele Freunde in der Politik. So erklärte der amerikanische Kongress
den Muttertag 1914 zum nationalen Staatsfeiertag.

Ab 1912 schwappte die Idee über den großen Ozean nach Mitteleuropa – zuerst nach
England und in die skandinavischen Länder. In Deutschland wurde der Muttertag zum
ersten Mal im Jahr 1923 begangen.

Frauen an den Herd

Nicht nur Geschäfte entdeckten ihr Herz für den Muttertag, sondern auch um das
Aussterben der Nation bangende Mitmenschen. Den Müttern wurde plötzlich die höchste
Erziehungsverantwortung übertragen. Deshalb sollten sie möglichst zuhause bleiben. Die

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Idealisierung der Mutterschaft als der Beruf für die Frau wurde bereits in den 1920er
Jahren propagiert.

Jedoch hatten sich schon damals erste emanzipatorische Ansätze entwickelt. Sehr zum
Leidwesen der Männer gab es immer mehr Frauen, für die ein Dasein am heimischen
Herd nicht die ausschließliche Erfüllung in ihrem Leben bedeutete.

Unrühmliches Kapitel

Dagegen wurde dann systematisch ein Mutterbild propagiert, das Ende der 1930er Jahre
geradezu mythisch weihevolle Formen annahm und allen Nichtmüttern ein schlechtes
Gewissen machen sollte: Der Muttertag in Deutschland wurde von den Nationalsozialisten
zum Tag der deutschen Mutter erklärt.

Demnach sei die Bestimmung einer guten deutschen Frau, Kinder für das Reich deutscher
Nation in die Welt zu setzen. Zur Belohnung erhielten sie das Ehrenkreuz der Deutschen
Mutter. In verschiedenen Ausführungen versteht sich. In den so genannten
Schulungsbriefen wurden Mütter als sich aufopfernde Wesen dargestellt, die ihre
Gebärfähigkeit in den Dienst der Nation stellten. Dieses Mutterbild gehört zum Glück der
Vergangenheit an.

Schwierigkeiten für Nichtmütter

Allerdings haben trotz aller gesellschaftlichen Entwicklungen kinderlose Frauen oder


Mütter, die ihre Bestimmung nicht nur am heimischen Herd sehen, weiter mit Vorurteilen
und Schwierigkeiten zu kämpfen. Kinderlose Frauen werden da schon mal als egoistisch,
nicht daheim arbeitende Mütter als Rabenmütter abgestempelt.

Trotz den – vor allem in Frauenzeitschriften – gefeierten Karriere- und Powerfrauen, ist die
zuhause für Mann und Kind treu ergeben sorgende Mami immer noch das Idealmodell
vieler Männer. Und was würde es gar für die Wirtschaft bedeuten, wenn die Mütter nicht
einmal im Jahr gefeiert würden?

Blumensträuße und Geschenke

Blumengeschäfte, Konditoreien und Parfümerien fiebern jedes Jahr dem Muttertag


entgegen. Die Werbemaschinerie läuft schon Wochen vorher an. Denn was freut die
Mutter angeblich mehr, als ein bunter Strauß, ein Parfum oder ein herzförmiges Törtchen
mit den Zuckergussbuchstaben Mutti ist die Beste?

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Demjenigen jedoch, der widersteht und der keine Geschenke kaufen will, dem wird ein
ganz schlechtes Gewissen gemacht. Egal, ob Sohn oder Tochter.

Jeder Tag ein Muttertag?

Dabei ist für ihn oder sie vielleicht trotzdem jeder Tag ein Muttertag. Und das folgende
Gedicht von Georg Byslinski könnte der Mutter dann an jedem beliebigen Tag aufgesagt
werden:
"Zum Muttertag, zum Muttertag
sag ich dir, dass ich dich mag.
Es duftet nach Flieder
und frischem Gras,
und immer wieder
verrat ich dir das.
Zum Muttertag, zum Muttertag
sag ich dir, dass ich dich mag.
Die Blume braucht Wasser,
der Baum, der braucht das Licht,
der Mensch, der braucht Menschen
sonst freut es ihn nicht.
Zum Muttertag, zum Muttertag
sag ich dir, dass ich dich brauch."

Fragen zum Text

Die Muttertagsidee stammt aus …


1. Großbritannien.
2. Skandinavien.
3. den USA.

Der Tag der deutschen Mutter wurde ausgerufen …


1. in der Weimarer Republik.
2. in der Bundesrepublik.
3. in der Nazi-Zeit.

Als Rabenmütter bezeichnet werden im übertragenen Sinn …


1. Frauen, die sich um Vögel kümmern.
2. Frauen, die ihre Kinder vernachlässigen.
3. Raben, die ihre Brut füttern.

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Der Muttertag ist in vielen Ländern ein besonderer Wirtschaftsfaktor. Informieren Sie sich
darüber, wie sich der Umsatz in verschiedenen Branchen rund um den Muttertag in den
letzten Jahren entwickelt hat. Erstellen Sie eine entsprechende Tabelle und erläutern Sie
diese in Ihrer Gruppe.

Autor: Michael Utz


Redaktion: Beatrice Warken

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