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Syrische Soziale Nationalistische Partei

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Parti Social Nationaliste Syrien
Syrische Soziale Nationalistische Partei
Flagge der SSNP
Parteivorsitzender Libanon: Assaad Hardan
Syrien: Ali Haidar
Gründung 1932 durch Antun Saada
Hauptsitz Beirut, Libanon
Damaskus, Syrien
Ausrichtung Großsyrischer Nationalismus, Säkularismus, Antizionismus
Farbe(n) Schwarz, Rot, Weiß
Parlamentssitze 3 von 128 in der libanesischen Assemblée nationale
7 von 250 im syrischen Volksrat
Website www.alqawmi.info
www.ssnp.net

Logo der Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei


Die Syrische Soziale Nationalistische Partei (SSNP, arabisch ‫الحزب السوري القومي اإلجتماعي‬,
DMG al-Ḥizb as-Sūrī al-Qaumī al-Iǧtimāʿī, französisch oft übersetzt als Parti
Populaire Syrien) ist eine extrem nationalistische politische Partei in Syrien und
Libanon. Sie tritt für die Gründung eines Nationalstaats ein, der das heutige
Syrien, den Libanon, die türkische Provinz Hatay, die Gebiete des ehemaligen
britischen Mandatsgebiets Palästina (Palästinensische Autonomiegebiete und Israel),
Jordanien, Irak und Kuwait in einem Großsyrien vereinigt.[1]

Die Partei wurde 1932 in Beirut gegründet und hat in der libanesischen Politik
mehrfach eine bedeutende Rolle gespielt. Sie war an den gescheiterten
Staatsstreichen 1949 und 1961 beteiligt. Sie war aktiv im Widerstand gegen die
israelische Besetzung seit dem Libanonkrieg 1982. Sie ist jetzt Teil des pro-
syrischen Blocks, zu dem die Amal-Bewegung und die Hisbollah gehören, hat aber in
der Bevölkerung nur beschränkte Unterstützung. In Syrien wurde die SSNP in den
frühen 1950er-Jahren eine politische Kraft; sie wurde aber 1955 völlig unterdrückt
und erst 2005 legalisiert, als sie in die von der syrischen Baath-Partei geführte
Nationale Fortschrittsfront eintrat. Im Zuge des syrischen Bürgerkriegs spaltete
sich der syrische Zweig in zwei Flügel, einen von Assaad Hardan aus dem Libanon
geführten Teil, der zur regierenden NPF gehört und einen von Ali Haidar geführten
Zweig, die „Syrische Soziale Nationalistische Partei (al - Intifada)“, ein
Bestandteil des im syrischen Parlament vertretenen Oppositionsbündnisses
„Volksfront für Wandel und Freiheit“.[2]

Inhaltsverzeichnis
1 Gründung
2 Die Partei im Libanon
2.1 Bürgerkrieg, Widerstand
2.2 Seit Ende des Bürgerkrieges
3 Die Partei in Syrien
4 Die Partei weltweit
5 Literatur
6 Einzelnachweise
Gründung
Die SSNP wurde durch Antun Sa'ada gegründet, einem aus einer griechisch-orthodoxen
Familie stammenden Journalisten. Sa'ada war 1919 im Alter von 15 Jahren nach
Südamerika emigriert. Nach seiner Rückkehr in den Libanon etwa zehn Jahre später
arbeitete er als Journalist und Dozent an der Amerikanischen Universität Beirut für
Zivilisation des Nahen Ostens. Im November 1932 gründete er die ersten Zellen der
Syrischen Sozialen Nationalistischen Partei, die während der ersten drei Jahre
ihres Bestehens nur im Untergrund arbeitete. Nachdem die Partei begann, öffentlich
aktiv zu werden, wurde sie schnell ein Objekt der Unterdrückung durch die
französische Mandatsverwaltung. Sa'ada wurde einige Male verhaftet und emigrierte
1938 erneut nach Südamerika.[3]

Die von ihm gegründete Partei entsprach in ihrer Organisation den europäischen
faschistischen Parteien, Organisationen und Bewegungen der 1930er Jahre. Der
Politikwissenschaftler Gilbert Achcar bezeichnet sie als „ein(en) levantinischen
Klon der Nazi-Partei in fast jeder Hinsicht: in ihrer politischen Ideologie,
einschließlich der Aufklärungsfeindlichkeit, und ihrer geographisch-rassisch-
nationalistischen Theorie mit pseudowissenschaftlichem Anstrich ebenso wie in der
Organisationsstruktur und im Führerkult. Sogar die Parteifahne in Rot und Schwarz
mit einer vierzackigen Schraube anstelle des Hakenkreuzes ist der Nazi-Fahne
nachempfunden“.[4]

Die namentliche Ähnlichkeit zwischen "sozial nationalistisch" und


"nationalsozialistisch" wird von einigen als Indiz für eine ideologische
Verwandtschaft angeführt. Im Arabischen besteht diese Ähnlichkeit allerdings nicht
(iǧtimāʿī steht hier für "sozial", ishtiraki für "sozialistisch" in der
gebräuchlichen arabischen Bezeichnung für NSDAP).[5]

Die Partei hatte eine autoritär-hierarchische Struktur und einen über


uneingeschränkte Vollmachten verfügenden Führer. Ihre Ideologie war ein dezidiert
säkularer Nationalismus, der die vollständige Trennung von Religion und Politik als
Bedingung für wirkliche nationale Einheit vorsah. Als zweite Bedingung waren
wirtschaftliche und soziale Reformen vorgesehen.[6]

Die SSNP lehnte den Panarabismus anfänglich völlig ab. Sa'adas pansyrisches Konzept
einer Nation war ein geographisches, nicht ein durch Ethnie, Sprache oder Religion
bestimmter Entwurf. Darum glaubte er, dass die Araber keine Nation bilden können.
Der Vordenker der Arabischen Nationalisten Sati' al-Husri[7] schloss, dass Sa'ada
den arabischen Nationalismus „falsch vertrat“, indem er ihn fälschlich mit dem
Image der Araber als Beduinen und dem moslemischen Sektentum gleichstellte. Der
Historiker Maher Charif sieht Sa'adas Theorie als Reaktion auf die religiöse
Diversität Syriens und nennt die spätere Ausweitung von Sa'adas Vision einer
syrischen Nation, welche den Irak, ein anderes Land mit beachtlicher religiöser
Diversität, mit einschloss, als einen Beweis hierfür.[8] Die Partei akzeptierte,
dass wegen „religiösen und politischen Überlegungen“ die Existenz eines
eigenständigen Staates Libanon für eine bestimmte Zeit erforderlich ist.[9]

Der deutsche Konsul in Beirut berichtete im November 1935 nach Berlin über die
Aufdeckung eines von Sa'ada geführten Umsturzversuchs. Dabei habe ihn dieser im
Frühjahr gebeten, von Deutschland militärisches Training und Waffenlieferungen zu
erhalten, er habe diese Bitte aber entschieden zurückgewiesen. Sa'adas spätere
Ablehnung von Faschismus und Nationalsozialismus wird mit dieser Zurückweisung
begründet.[4]

Der libanesische Historiker Kamal Salibi gibt eine abweichende Interpretation und
deutet auf die Position der Griechisch-Orthodoxen Gemeinschaft als eine große
Minderheit sowohl in Syrien als auch im Libanon, für die „das Konzept des
Pansyrentums bedeutungsvoller war als das Konzept des Arabismus“, da sie zu der
Zeit im Libanon der Dominanz der Maroniten entgegenstanden. Sa'ada hat, Salibi
zufolge

„unter seiner Konfessionsabgehörigen eine fertige Gefolgschaft gefunden. Seine Idee


eines säkularen Pan-Syrentums eriwes sich auch für viele Drusen und Schiiten als
attraktiv; für andere Christen als die Griechisch-Orthodoxen, einschließlich
einiger Maroniten, die von sowohl dem Libanonismus als auch dem Arabismus
abgestoßen waren; und auch für viele sunnitische Moslems, die dem Säkularismus
einen hohen Wert beimaßen und die fühlten, dass sie viel mehr mit den Syrern
gemeinsam hatten, gleich welche Religion oder Benennung, als mit den anderen
Sunniten oder moslemischen Arabern sonstwo. Hier ist erneut die Idee des
Nationalismus ausgebrochen, die ausreichend glaubwürdig war, um ihn gültig zu
machen. Im libanesischen Kontext allerdings wurde er ein Deckmantel für die etwas
mehr archaische, grundsätzliche Griechisch-Orthodoxe Eigenständigkeit.“

– Kamal Salibi[10]
Von 1945 an nahm die Partei einen etwas nuancierteren Standpunkt hinsichtlich des
arabischen Nationalismus an, wobei die Einheit Syriens als erster Schritt zu einer
von Syrien geführten Arabischen Union gesehen wurde.[11]