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Dekubitusprophylaxe

Die Dekubitusprophylaxe ist eine Hilfe um einen Dekubitus vorzubeigen. Grundlegende


Maßnahmen stellen sicher, dass Patienten keine weiteren gesundheitlichen Schaden von ihrem
Krankenhausaufenthalt davontragen.
Ein Dekubitus ist eine Schlecht und langsam heilende Wunde infolge einer Minderdurchblutung der
Haut bei fehlender Druckentlastung (kompressiv- ischämische- Hautläsion). Der Dekubitus ist keine
eigene Krankheit, sondern die Folge einer Immobilität.

Gradeinteilung

Grad I Lokale Rötung ohne Hautläsion

Grad II Oberflächenschädigung der Haut

Grad III nekrotisierende Schädigung aller Hautschichten

Grad IV nekrotisierende tiefe Hautschädigung, die bis auf die Knochen reicht.

Fördernde Faktoren
Druck
 Von außen: durch Falten im Bettlacken; ungepolsterte Lagerungsschiene, Krümel im Bett,
Katheter und Sonden
 Von innen: durch Knochen die ohne Polsterung direkt auf Knochen liegen.
Dauer
 Bei anhaltender Belastung kommt es zur Ischämie und somit zum Sauerstoffmangel. Wird
die Ischämie nicht behoben kommt es zum Gewebetod (Nekrose).
Disposition
Faktoren die die Entstehung des Dekubitus beeinflussen.

 Fieber: Durch den Schweiß kommt es zur Austrocknung der Haut und zu einem erhöhten
Sauerstoffverbrauch.
 Feuchtigkeit: Feuchte Haut mazeriert und ist dadurch anfälliger.
 Inkontinenz: Saurer Urin belastet Haut.
 Adipositas: stärkerer Schweiß
 Scherkräfte: Verschiebungen im Unterhautfettgewebe.
 Durchblutungsstörungen der Haut: z.B.: Anämie oder Herzinsuffizienz
 Mangelnde Bewegung ( Immobilität )
 Verminderte Schmerzempfindung
 Abwehrschwäche
 Reduzierter Allgemeinzustand

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Gefährdete Körperstellen
Dort wo sich zwischen Haut und darunter liegenden Knochen keine bzw. nur wenige Muskulatur
und Fettgewebe befindet.

Rückenlage: Kreuz- und Steißbein, Fersen, Schultern, Hinterkopf, Wirbelsäule


Seitenlage: Ohrmuschel, Trochanter major, Knie, Ellenbogen, Fußknöchel
Sitzposition: Fersen, Fußballen Hinterkopf, Sitzbeinhöcker, Wirbelsäule, distale Seite des OS.
Bauchlage: Stirn, Ellenbogen, Beckenknochen, Rippen, Kniescheibe, Zehen.
Kriterien für die Einschätzung des Dekubitusrisikos

Nortonskala
 Körperlicher und geistiger Zustand
 Inkontinenz
 Aktivität
 Beweglichkeit
 Bewusstseinslage
 Kooperation Motivation
 Alter
 Hautzustand
 Zusätzliche Erkrankungen
Braden Skala
 Sensorisches Empfindungsvermögen
 Feuchtigkeit
 Aktivität
 Mobilität
 Ernährung
 Reibung u. Scherkräfte
Die Braden Skala bezieht sich auf die Risikofaktoren des Dekubitus. Dadurch kann man schnell das
Risiko für einen Dekubitus ersehen.

Maßnahmen
 Mobilisation
 Lagerungswechsel
 Verwendung von Lagerungshilfsmittel
 Hautpflege, Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
 Reibungs- und Scherkräfte vermeiden
Hautbeobachtung
Die regelmäßige Hautbeobachtung ist Voraussetzung für alle weiteren Maßnahmen der
Dekubitusprophylaxe.

Wirkung der Mobilisation

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Durch die Bewegung des Körpers werden die vom Druck belasteten Gebiete der Haut entlastet und
somit eine bessere Durchblutung der Kapillaren garantiert.

Zu beachten bei der Anwendung:

 Patienten nicht zu lange sitzen lassen, da sonst ein Dekubitus am Vorsprung der
Sitzbeinhöcker entsteht.
 Beim Bewegen die Scherkräfte vermeiden.
Wirkung des Lagenwechsels
Durch das wechseln der Lage entsteht eine Druckentlastung der gefährdeten Hautbezirke.

Zu beachten bei der Anwendung:

 Patient nicht länger als 2 Stunden auf der Seite liegen lassen
 Bei der Lagerung überprüfen ob der Patient auf dem Trochanter major oder auf dem
Schultergelenk liegt.
 Keine Weich- oder Superweichmatratzen, weil die Selbstwahrnehmung verloren geht und die
Spontanbewegung gehemmt wird.
Wirkung der Lagerungshilfsmittel
Die Lagerungshilfsmittel werden verwendet um den Druck auf die gefährdeten Bereiche zu senken,
indem man z.B.: die Fersen höher lagert. Eine andere Wirkung haben die Hilfsmittel, wenn man sie
dazu verwendet die Patienten in der Lagerungsposition zu fixieren.

Zu beachten bei der Anwendung:

 Die Fersen dürfen nicht zu hoch gelagert werden, da sonst die Gefahr eines Spitzfußes
besteht.
Wirkung der Hautpflege, Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
Die Hautpflege versetzt die Haut in ihren physiologischen Zustand. Die Anfälligkeit auf Urin sinkt
und die Toleranz gegenüber dem Druck steigt. Eine ausgewogene Ernährung ist für die Haut sehr
wichtig, da enthaltene Vitamine die Haut stärken und die Flüssigkeitszufuhr den Hautturgor.

 Genügend Wasser bereitstellen / zu trinken anbieten


Inhalt einer Schulung für Patienten laut Nationalem Expertenstandard
 Regelmäßiges Umlagern
 Ausreichende Hautpflege

Dekubitusprophylaxe:

 Bewegungsförderung durch aktive und passive Mobilisation


 Lagerungswechsel mindestens alle 2 Stunden (Umlageplan)
 Bewegungshilfsmittel
 ausgewogene Ernährung
 möglichst keine Seitenlagerung (hohe Druckbelastung!)

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 Bettwäsche falten- und krümelfrei
 optimale Versorgung mit Lagerungshilfsmitteln (z.B. druckentlastende Matratze)
 Patienten mit Eigenbewegung nicht zu weich lagern
 Haut- und Hautfalten trocken halten
 Waschen soviel wie nötig, aber so wenig wie möglich
 Patient bei langem Sitzen stündlich kurz anheben (Druck im Sitzbereich beachten)
 Hautpflege und Hautreinigung nur mit pH-neutralen Waschzusätzen: bei trockener Haut mit
Cremes und Lotionen auf Wasser-in-Öl und bei fettiger Haut auf Öl-in-Wasser-Basis pflegen

Obstipationsprophylaxe
Obstipation (Verstopfung): Erschwerte, verzögerte Darmentleerung. Oft verbunden mit hartem Stuhl und
schmerzhafter Stuhlentleerung.

Obstipation ist keine Krankheit, sondern ein Symptom: Tritt eine Obstipation bei gleichbleibenden
Lebensgewohnheiten auf, kann dies auf eine Darmerkrankung hinweisen. Obstipation kann auch als
Begleitsymptom psychischer Erkrankungen auftreten, z.B. bei Depression.

Bei manchen Menschen reagiert die Verdauung empfindlich: Veränderungen im Tagesablauf und
der Ernährung (z.B. im Urlaub) können bereits zur Obstipation führen.

Faktoren, die im Krankenhaus am häufigsten zu einer Obstipation führen, sind:

 Kostumstellung
 Ungewohnte Essenszeiten
 Mangel an Bewegung
 Ekel oder Scham, auf Hilfe bei der Ausscheidung angewiesen zu sein.

Regelmäßig Stuhlgang zu haben ist nicht nur für das Wohlbefinden wichtig. Aus einer
unbehandelten Obstipation kann u.U. ein Ileus (Darmverschluss) entstehen.

Obstipationsprophylaxe umfasst:
Die Gefahr einer Obstipation einzuschätzen
Geeignete vorbeugende Maßnahmen zu planen

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Entsprechend zu handeln und den Erfolg auszuwerten.

Indikation

Eine Reihe von Faktoren verursachen Obstipation:

 Bewegungsmangel. Bewegung regt die Darmperistaltik an, immobile Patienten sind daher
obstipationsgefährdet

 Falsche Ernährung. Manche Patienten freuen sich auf frische Brötchen, vergessen aber,
dass diese stopfend wirken, wie z.B. auch viele typischen Krankenhausmitbringsel wie
Schokolade oder Pralinen sowie Bananen

 Psychische Ursachen. Scham, seine "Geschäfte" in einem Mehrbettzimmer in Anwesenheit


der Mitpatienten verrichten zu müssen, führt bei manchem Patienten dazu, den Stuhldrang zu
unterdrücken. Der Stuhl bleibt länger im Darm, er wird mehr und mehr eingedickt:
Obstipation ist die Folge

 Nebenwirkung von Medikamenten. Manche Medikamente, z.B. Opiate, wirken hemmend


auf die Darmtätigkeit

 Operationen an den Bauchorganen. Generell ist das Obstipationsrisiko nach allen


Operationen erhöht, bei denen die Bauchdecke eröffnet wurde. Bei endoskopischer
Operationstechnik ist das Risiko eher gering

 Störungen im Flüssigkeitshaushalt. Bei Flüssigkeitsmangel entzieht der Körper dem


Nahrungsbrei im Dickdarm mehr Wasser als sonst: der Stuhl dickt ein. Eine ungenügende
Trinkmenge oder hohe Flüssigkeitsverluste bei Fieber, durch Wundsekrete oder Erbrechen
können somit zur Obstipation führen

 Störungen im Elektrolythaushalt. Jede Nerven- und Muskelarbeit, so auch die Peristaltik,


setzt ein bestimmtes Natrium-Kalium-Verhältnis zwischen Zelle und Interstitium (und damit
einen intakten Elektrolythaushalt) voraus. Bei Störungen in diesem Bereich wird der
Transport des Stuhls im Darm verzögert. Störungen im Elektrolythaushalt treten auf bei
Behandlung mit Diuretika, bei Dialysepatienten und anderen Patienten mit
Nierenfunktionsstörungen.

Maßnahmen der Obstipationsprophylaxe

Methoden der Wahl, die Verdauungstätigkeit zu fördern, sind:

 Ausreichend trinken, mindestens 2 l pro Tag


 Frühzeitig bewegen
 Ballaststoffreich essen

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 Stopfende Nahrungsmittel meiden, etwa Schokolade, Bananen, Weißbrot oder Kuchen
 Verdauungsfördernde Nahrungsmittel bevorzugen, z.B. Joghurt, Vollkornprodukte, Salate,
Gemüse, Sauerkraut oder Dörrobst
 Tagesrhythmus beibehalten, dadurch stellt sich auch der Stuhldrang zur gewohnten Zeit ein
(Darmtraining)
 Darm massieren, um die Peristaltik anzuregen. Bei der Körperpflege oder bei Einreibungen
kann die Bauchdecke in Richtung des Kolon-Verlaufes massiert werden.

Die prophylaktische Gabe von Abführmitteln ist wenig sinnvoll, wenn die Ursache der Obstipation
beseitigt werden kann.

Bei bestehender Obstipation kann mit den aufgelisteten Maßnahmen oft nichts mehr erreicht werden.
Hier muss der Darm mit einem Klysma oder Einlauf entleert werden.

Thromboseprophylaxe

Thrombose (Blutpfropfbildung): Lokale, intravitale (= während des Lebens auftretende) Gerinnung in einem
Blutgefäß. Je nach Sitz des Thrombus (Gerinnsel) innerhalb der Blutstrombahn unterscheidet man
zwischen arterieller und venöser Thrombose.

Am häufigsten sind Thrombosen im venösen Gefäßsystem, v.a. in den Beinen.

Von besonderer klinischer Bedeutung ist die


tiefe Beinvenenthrombose: Löst sich ein Thrombus in den tiefergelegenen Venen von Knie, Oberschenkel
oder Becken von der Venenwand ab, gelangt er mit dem Blutstrom in die Lunge und kann dort eine
lebensbedrohliche Lungenembolie verursachen.

Im Folgenden geht es bei dem Begriff Thrombose um die tiefe Beinvenenthrombose. Auch wenn es
der Begriff "Thromboseprophylaxe" nur ungenau beschreibt, ist es ihr Ziel, eine tiefe
Beinvenenthrombose zu verhindern.

Thrombosenentstehung
Verschiedene Risikofaktoren begünstigen das Enstehen einer Thrombose. Sie können drei Hauptursachen
zugeordnet werden:

Verlangsamte Blutströmung
Gefäßwandschaden
Erhöhte Gerinnungsneigung.

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Verlangsamte Blutströmung:

Je langsamer das Blut fließt, desto besser können sich Thrombozyten an der Venenwand anlagern
und die Thrombusbildung in Gang setzen.

Die Blutströmung ist verlangsamt bei:

 Bettruhe, Lähmung

 Gipsverband oder Schienenlagerung

 Schmerzbedingter Schonhaltung

 Hochgradigem Flüssigkeitsmangel oder Flüssigkeitsverlust, z.B. durch anhaltendes


Erbrechen und Diarrhoe, großflächige Verbrennungen, Diuretika

 Pathologischer Zellvermehrung, z.B. Polyglobulie und Polyzythämie

 Herzinsuffizienz, Schock

 Chronisch venöser Insuffizienz.

Von den genannten Ursachen zahlenmäßig am häufigsten sind Bewegungsmangel jeglicher Ursache
und die venöse Insuffizienz. Beide führen zu einem Ausfall der Muskel-Venen-Pumpe und damit zu
einer verlangsamten Blutströmung

Gefäßwandschaden:

Die Schädigung der Intima (Gefäßinnenwand) löst eine Thrombozytenaggregation aus


(Zusammenballen der Blutplättchen). Die Intimaschädigung kann verschiedene Ursachen haben:

 Traumatisch: Verletzung, Quetschung, Operationen

 Degenerativ: Altersbedingte Veränderung der Beinvenen, Varikosis

 Entzündlich: Durch Venenentzündung (Phlebitis).

Erhöhte Gerinnungsneigung:

Im Blut besteht normalerweise ein Gleichgewicht zwischen Blutgerinnung und Gerinnselauflösung.


Ein Überwiegen der Gerinnungsprozesse (erhöhte Gerinnungsneigung) kann auftreten bei:

 Vermehrung der Blutgerinnungsfaktoren, nach großen Operationen, Verletzungen mit großer


Gewebszerstörung, Verbrennungen

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 Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. Ovulationshemmer, Kortison.

Weitere Risikofaktoren

Studien zufolge begünstigen folgende Faktoren die Thromboseentstehung:

 Höheres Lebensalter (biologisches Alter > 65 Jahre)


 Hohes Körpergewicht
 Einnahme von Ovulationshemmern, Schwangerschaft und Wochenbett
 Rauchen
 Frühere Thrombosen oder Embolien
 Sepsis und/oder schwere Infektionskrankheiten.

Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe

Ziel der Thromboseprophylaxe ist es, den drei Hauptursachen entgegenzuwirken, also:

 Den venösen Rückfluss zu steigern

 Venenwandschäden vorzubeugen

 Die Gerinnungsbereitschaft zu senken.

Aus diesen Zielen ergeben sich die sechs Bausteine der Thromboseprophylaxe:
(Früh-)Mobilisation
Lagerung
Ausstreichen der Venen
Venenkompression durch Antithrombosestrümpfe und Kompressionsverbände
Rückstromfördernde Gymnastik (Aktivierung der Muskel-Venen-Pumpe)
Heparinisierung.

(Früh-)Mobilisation

Der Patient soll so früh und so oft wie möglich mit gewickelten Beinen oder
Antithrombosestrümpfen aufstehen, vor dem Bett auf der Stelle treten und umhergehen. Durch das
Gehen werden die Muskeln angespannt und die Venen durch den Kompressionsverband als
Widerlager regelrecht ausgequetscht. Da Venenklappen den Blutstrom nur herzwärts zulassen,
beschleunigt sich der venöse Rückfluss.

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Lagerung

Allein das Hochlagern der Beine (Winkel von 20°) steigert den venösen Rückstrom um 20 - 30%.
Dies ist die einfachste und vom Patienten am ehesten akzeptierte Thromboseprophylaxe. Bei
Patienten mit arteriell bedingten Durchblutungsstörungen darf das Bein aber auf keinen Fall hoch
gelagert werden.

Ausstreichen der Venen

Bei der Körperpflege werden die Beine mit einer Hand angehoben, mit der anderen unter sanftem
Druck und mit gleichmäßigem Tempo herzwärts ausgestreift.

Venenkompression

Bettruhe oder Venenstauung verlangsamen die Blutströmung und begünstigen eine Thrombose.
Durch Antithrombosestrümpfe (kurz AT-Strümpfe) werden die oberflächlichen Venen
komprimiert, sodass das Blut in den tieferen Venen schneller fließt. Außerdem dienen die Strümpfe
als Widerlager und verstärken so den Effekt der Muskel-Venen-Pumpe.

Alternativ zum Anziehen von AT-Strümpfen kann die Kompression auch durch einen fachgerecht
angelegten Kompressionsverband erreicht werden.

Antithrombosestrümpfe.

Bei überwiegend Bettlägerigen reicht der Druck der AT-Strümpfe aus, um die oberflächlichen
Venen zu komprimieren, im Stehen dagegen ist der Druck zu gering. Antithrombosestrümpfe
werden in verschiedenen Größen angeboten. Zunächst ermittelt die Pflegeperson mittels spezieller
Maßbänder die richtige Größe für den Patienten.

Gemessen werden in der Regel:

 Die Beinlänge
 Die dickste Stelle des Oberschenkels
 Die dickste Stelle der Wade
 Manchmal auch Fessel und Oberschenkel.

Die AT-Strümpfe werden bei entstauten Venen angezogen, d.h. der Patient sollte vorher längere Zeit
gelegen haben. Günstig ist auch das Ausstreifen der Venen vor dem Anziehen.

AT-Strümpfe bedürfen der ärztlichen Anordnung, sofern keine hausinternen Standards das Anziehen und
Tragen von AT-Strümpfen regeln.

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AT-Strümpfe: Praxistipps

 AT-Strümpfe sind unbequem. Ist der Patient informiert und motiviert, so wird er diese Maßnahme
leichter akzeptieren.
 Infolge ihres Wirkprinzips müssen AT-Strümpfe konsequent - also 24 Std. täglich - getragen werden
 AT-Strümpfe werden spätestens alle 2 - 3 Tage gewechselt, da die Patienten wegen der Kunstfasern
stark schwitzen
 Da die Strümpfe ihren Zweck nur erfüllen, wenn sie gut sitzen, werden ausgeweitete Strümpfe
rechtzeitig ausgemustert.

Ein Kompressionsverband wird so gewickelt, dass sein Druck die tiefen Venen und Lymphgefäße
erreicht und die Venen in ganzer Länge komprimiert werden. Die Venenklappen schließen jetzt
wieder besser, sodass der venöse Rückfluss zunimmt.

Meist werden zwei Bindenarten verwendet:

Kurzzugbinde (= elastische Binde): 8 - 10 cm breite Binde mit geringer Dehnbarkeit, bewirkt starke
Kompression mit hohem Arbeitsdruck und niedrigem Ruhedruck, kann nachts belassen werden.
Langzugbinde (= Gummifaden-dauerbinde): > 10 cm breite, hochelastische Binde mit hoher Dehnbarkeit,
bewirkt eher niedrigen Arbeitsdruck und eher hohen Ruhedruck. Muss nachts sowie bei mehr als 10-minütiger
Bettruhe abgewickelt werden, da sie einschnürt. Verboten bei arteriellen Durchblutungsstörungen.

Alle Binden werden täglich erneuert. Wichtig beim Wickeln ist, dass der Druck vergleichbar mit
dem Druckprofil der AT-Strümpfe vom Fuß zum Oberschenkel abnimmt, da sich sonst das Blut
staut. Außerdem ist darauf zu achten, dass sich keine Falten oder Fenster bilden und der Verband
nicht zu straff sitzt. Bläuliche, kalte Zehen sind ein Alarmsymptom

Anlegen eines Kompressionsverbands


Mit der ersten Bindentour an den Zehengrundgelenken beginnen, der Fuß steht im rechten
Winkel (90°) zum Unterschenkel
Nach 2 - 3 zirkulären oder Kornährentouren um den Mittelfuß mit der nächsten Bindentour die
Ferse umschließen und Binde über den Innenknöchel zum Fußrücken zurückführen
Mit zwei weiteren Achtertouren Ränder der ersten Fersentour zusätzlich fixieren
Danach Binde spiralförmig bis zum Knie abrollen. Mit jeder neuen Bindentour die vorherige
etwa zur Hälfte überlappen
Ab dem Knie mit einer Langzugbinde (10 cm breit) wickeln
Auf Kniescheibenhöhe von innen nach außen eine zirkuläre Fixationstour wickeln, anschließend
etwa zwei bis drei Achtertouren um das Kniegelenk führen
Am Oberschenkel mit einer 10 -12 cm breiten Kurzzugbinde fortfahren; spiralförmig um den
Oberschenkel wickeln, wobei sich die Touren etwa zur Hälfte überlappen
Bis zur Leiste wickeln, von dort Rest der Binde wieder absteigend bis zum Knie

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Bindenende mit Pflasterstreifen oder "Schwiegermutter" fixieren.

Rückstromfördernde Gymnastik

Neben den Übungen, die die Krankengymnastin mit dem Patienten durchführt, sollte ein
bettlägeriger Patient mehrfach täglich selbst aktiv werden. Zahlreiche Übungen beschleunigen den
venösen Rückfluss und sind auch im Bett durchführbar, z.B.:

 Bettradfahren
 Fußkreisen
 Drücken der Fußsohlen gegen das untere Bettende bei gleichzeitiger Anspannung der
Wadenmuskeln Anspannen der Oberschenkelmuskulatur ("Kniescheibe hochziehen").

Heparinisierung

Reichen die o.a. Maßnahmen nicht aus oder besteht eine erhebliche Thrombosegefahr, erhalten die
Patienten zusätzlich auf Arztanordnung Heparin alsLow-dose-Heparinisierung.

Wirksamkeitskontrolle der Thromboseprophylaxe


Die Thromboseprophylaxe ist erfolgreich, wenn:

 Der venöse Rückfluss auch im Liegen gewährleistet ist


 Kompressionsverbände oder AT-Strümpfe toleriert werden
 Bindenverbände und AT-Strümpfe ohne Stau und Einschnürung angelegt sind
 Der Patient zur Mitwirkung motiviert ist.

Pneumonieprophylaxe

Zur Pneumonieprophylaxe gehören:


Einschätzung des Pneumonierisikos
Planung und Durchführung von vorbeugenden Maßnahmen, die sich auf die Ursachen der
Pneumoniegefährdung beziehen
Anleitung des Patienten zur Mitwirkung bei diesen Maßnahmen.

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Situationen mit erhöhter Pneumoniegefährdung Pflegemaßnahmen zur Pneumonieprophylaxe
Unzureichende Lungenbelüftung
 Eingeschränkte Atemmechanik z.B. durch  (Früh-)Mobilisation
Bettruhe, Erschöpfung, Störungen des  Atemstimulierende Einreibung
Atemzentrums (etwa bei Vergiftungen)  Atemunterstützende Lagerungen
 Schmerzbedingte Schonatmung  Atemübungen und Atemgymnastik
 Atelektasen (durch Sekretverlegung oder nach OP)  Sauerstoffverabreichung (nach Arztanordnung)

Vermehrte Sekretansammlung in den Atemwegen


 Vermehrte Sekretproduktion (Rauchen, Bronchitis,
 Regelmäßige und ausreichende
Asthma bronchiale, nach Narkose)
Flüssigkeitszufuhr
 Sehr zähes Sekret (Asthma bronchiale)
 Schleimlösende Tees (z.B. Spitzwegerich)
 Mangelndes Abhusten bei Schmerzen,
 Sekretlösende Maßnahmen
Erschöpfung, Bewußtseinsstörungen,
 Unterstützung bei der Sekretentleerung
Intubation

Absteigende Infektionen (aus der Mundhöhle)


 Störung der normalen Mundflora
 Regelmäßige Schleimhautinspektion
 Mangelhafte Mundhygiene
 Mund- und Nasenpflege
 Erkrankungen der Mundhöhle, z.B. Mundsoor
 Aseptisches Arbeiten
 Immunschwäche

Aspiration
 Oberkörperhochlagerung
 Angemessene Ernährung
 Unfähigkeit, richtig zu kauen und zu schlucken
 Schlucktraining
(z.B. nach Schlaganfall)
 Bei Risikopatienten:
Absauggerät bereithalten

Um einschätzen zu können, welche Patienten besonders gefährdet sind, eine Pneumonie zu


bekommen, ist es wichtig zu wissen, wie sie entsteht.

Entstehen einer "Bettpneumonie"

Ein Teil der Lungenbläschen wird bei geringer körperlicher Tätigkeit nicht belüftet. Diese Reserve
wird beim gesunden, mobilen Menschen in der Regel mehrmals täglich in Anspruch genommen,
wenn körperliche Betätigung den Sauerstoffbedarf erhöht. Um die Gasaustauschfläche zu
vergrößern, werden dann alle Lungenanteile belüftet. Auch andere Faktoren tragen mit dazu bei,
dass sich alle Lungenabschnitte zumindest gelegentlich optimal entfalten:

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Wechsel der Lage und Haltung:
In Seitenlage wird der jeweils oben liegende Lungenflügel besser belüftet, im Sitzen (vor allem mit
vollem Magen) wird eher die Lungenspitze als die -basis belüftet

Gähnen oder tiefe Seufzer:


Vor der Nachtruhe werden sie vom Atemzentrum ausgelöst, um vor einer länger dauernden Phase
geringer Belüftung nochmals alle Lungenanteile zu entfalten.

Belüftung und Durchblutung der Lunge bedingen sich gegenseitig: schlecht belüftete Regionen
werden schlecht durchblutet und umgekehrt. Die Abwehrfunktionen der Lunge sind aber von einer
guten Durchblutung abhängig. Mit dem Blutstrom:

 Gelangen Zellen und Wirkstoffe der Immunabwehr an ihren Wirkort (z.B. Granulozyten,
Immunglobuline)
 Werden Gewebetrümmer entfernt
 Wird die "Nachricht" über das Eindringen von Keimen verbreitet, um weitere
Abwehrmaßnahmen zu ergreifen.

Bei Bettlägerigkeit werden ständig die gleichen Alveolen nicht belüftet. Diese Gebiete nicht belüfteter
Lungenabschnitte mit kollabierten Alveolen (= Atelektasen) sind ideale Nährböden für Bakterien. Die aus der
Minderbelüftung folgende unzureichende Durchblutung sowie ein Bronchialsekretstau begünstigen die
Entstehung einer Infektion weiter.

Pneumoniegefährdete Patienten
Das Risiko einer Pneumonie ist besonders hoch für:

 Patienten mit bereits bestehenden Lungenerkrankungen


 Raucher
 Patienten mit Herzerkrankungen
 Patienten mit Schonatmung
 Patienten mit Abwehrschwäche
 Bewusstlose, schwerkranke und beatmete Patienten.

Maßnahmen zur Pneumonieprophylaxe

Entsprechend der Pneumoniegefährdung und den Ressourcen des Patienten wird ein individueller
Plan zur Pneumonieprophylaxe erarbeitet. Die Maßnahmen beziehen sich auf die vier
Hauptprobleme des Patienten:

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 Ungenügende Belüftung
 Sekretstau in den Atemwegen
 Infektionsgefahr
 Aspirationsgefahr.

Pneumonieprophylaxe

Welche Prophylaktischen Maßnahmen kann man anwenden?


 Mobilisation
 Lagerung ( V, A, T, I )
 Gute Mundhygiene
 Rauchverbot
 Flüssigkeitszufuhr
 Atemübungen
 Sekretlösende Maßnahmen: Abklopfen des Thorax, Vibrationsmassagen, Einreibung mit
ätherischen Ölen
 Inhalation

15. Was ist das Ziel der Pneumonieprophylaxe?


 Verbesserung der Lungenventilation,
 Abhusten der Sekretansammlung,
 Verhütung von Aspiration.
16. Was für prophylaktische Maßnahmen gegen eine Pneumonie gibt es?
 Atmungserleichternde Lagerung,
 Sekretlösende Maßnahmen,
 Atemgymnastik,
 Luftbefeuchtung und Inhalation.

Pneumonieprophylaxe

Pneumonie ist eine durch Krankheitserreger verursachte akute oder chronische verlaufende
Entzündung der Lunge. Sie betreffen den Alveolarraum der Bronchien und oder das
Zwischengewebe (Interstitium).

Ursache

Bakterielle Erreger, die bei Abwehrschwäche oder Störungen der reinigenden Atemwegsfunktion
ausbrechen.

Infektionswege

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 Inhalation von in der Luft vorhandenen Mikroben als Tröpfcheninfektion.
 Aspiration von Keimen oder Magensaft.
 Bakterielle Translokation über Blut in die Alveolen.
 Direkte Ausbreitung der Infektion aus einem angrenzenden Herd.
Negative Faktoren

 Veränderte und reduzierte Kommunikationsbedingungen


 Schlafumkehr
 Inkontinenz
 Passivität
 Vernachlässigen der Äußeres
 Verweigerung der Nahrungsaufnahme
Prophylaktische Maßnahmen

 Störung der Nahrungsaufnahme erkenne und vermeiden


 Aspiration vermeiden
 Unterstützend Wärme anwenden
 Atmung fördern
 Atem unterstützend lagern
 Atemsekret fördernde Maßnahmen durchführen
Therapeutische Maßnahmen

 Adäquate Flüssigkeitszufuhr
 Zufuhr von befeuchteten Sauerstoff
 Behandlung der Thoraxschmerzen mit Analgetika
 Unterstützung des Hustens um das Sputum zu lösen.
Ziel der prophylaktischen Maßnahmen

 Verbesserung der Lungeventilation, durch:


 Frische Luft zuführen
 Atemtherapie
 Mobilisation
 Atemfördernde Lagerung
 Verabreichung von O2
 Vermeidung von Sekretansammlung, durch:
 Anwendung ätherischer Öle
 Wickel und Auflage
 Hilfestellung bei Abhusten
 Lockerung intrabronchealen Schleims
 Inhalationstherapie
 Absaugen von Schleim
 Vermeidung von Aspiration, durch:
 Kontrolliertes Schlucken

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Dekubitusprophylaxe

Dekubitus (Druckgeschwür): Schlecht und langsam heilende Wunde infolge Minderdurchblutung bei fehlender
Druckentlastung (kompressiv-ischämische Hautläsion). Keine eigenständige Krankheit, sondern meist durch
Immobilität verursacht.
Dekubitusprophylaxe:
Gefährdungen erkennen
Geeignete Maßnahmen festlegen
Deren Wirksamkeit überprüfen.

Dekubitusentstehung

Bei der Dekubitusentstehung spielen drei Faktoren eine entscheidende Rolle:

 Druck (Auflagedruck)
 Zeit (Druckverweildauer)
 Disposition (Risikofaktoren).

Erst wenn ein gewisser Druck über eine längere Zeit (zwei Stunden) bei einer bestehenden
Disposition des Patienten besteht, kommt es zu einer Schädigung der Haut. Ein Faktor alleine führt
nicht zum Dekubitus.

Druck

Die Durchblutung der Hautkapillaren wird behindert, sobald der Druck auf die Kapillaren größer ist
als der mittlere Blutdruck in ihnen (etwa 25 -35 mmHg). Der Druck auf die Haut kann von außen
oder von innen ausgeübt werden:

 Von außen: Z.B. Falten im Bettlaken, ungepolsterte Lagerungsschienen, Krümel im Bett,


aber auch Katheter und Sonden, wenn sie unter dem Patienten liegen
 Von innen: Durch Knochen, die ohne Muskel- und Fettpolster direkt unter der Haut liegen.

Zeit

Entscheidend ist, wie lange der Druck auf bestimmten Hautbezirken lastet. Wenn die Ernährung der
Hautzellen weniger als zwei Stunden unterbrochen wurde, können sie sich wieder erholen. Bei länger
anhaltendem Sauerstoffmangel sterben einzelne Zellen ab, es bildet sich eine Nekrose (Gewebstod).

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Disposition
Vorsicht! Die Zeit bis zum Eintreten irreversibler Schäden kann deutlich unter zwei Stunden liegen, wenn die
Haut bereits vorgeschädigt ist, z.B. durch Krankheiten, die:
Die Haut zusätzlich schädigen
Die Durchblutung der Haut (auch ohne Druck) verschlechtern
Die Druckentlastung behindern.

Die Haut wird z.B. geschädigt durch:

 Fieber: Durch Schwitzen kommt es zur Austrocknung des Körpers und zu einem erhöhten
Sauerstoffverbrauch
 Feuchtigkeit: Feuchte Haut mazeriert (weicht auf) und ist dadurch anfälliger
 Inkontinenz: Bei inkontinenten Patienten wird die Haut nicht nur durch Feuchtigkeit, sondern
zusätzlich durch den sauren pH-Wert des Urins und evtl. durch bakterielle Kontamination
(Darmbakterien) belastet
 Adipositas: Adipöse Patienten schwitzen in der Regel stärker, gleichzeitig ist das auf der
Haut lastende Gewicht größer
 Scherkräfte: Die "schiefe Ebene" bei falschem Sitzen zerrt an der Haut.

Die Haut wird schlecht durchblutet bei:

 Anämie und Herzinsuffizienz, die eine Mangeldurchblutung begünstigen


 Diabetes mellitus, hier ist zusätzlich zur Durchblutung auch der Zellstoffwechsel gestört.

Die Druckentlastung wird behindert durch mangelnde Bewegung (Immobilität), Bettlägrigkeit (etwa
bei Bewusstlosigkeit), Lähmungen wie Hemiplegie und durch therapeutische Ruhigstellung (Gips).

Weitere Risikofaktoren sind z.B.:

 Abwehrschwäche des Körpers durch eine unzureichende Ernährung (Mangel an z.B. Eiweiß,
Zink oder Vitamin C)
 Schlechter Allgemeinzustand, Kachexie und chronische Erkrankungen, die zum
Flüssigkeitsverlust und zu Atrophie der Haut führen.

Gefährdete Körperstellen

Dekubitusgefahr besteht vor allem an Körperstellen, an denen sich zwischen Haut und
darunterliegenden Knochen keine bzw. nur wenig Muskulatur befindet

Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe


Da Druck die Hauptursache für die Entstehung eines Dekubitus (Druckgeschwür) ist, hat die Entlastung

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gefährdeter Körperstellen oberste Priorität, z.B. durch:
Mobilisation
Lagerung
Lagewechsel.

Andere Vorkehrungen wie Hautpflege oder Durchblutungsförderung können Maßnahmen zur


Druckentlastung zwar ergänzen, jedoch nicht ersetzen. Parallel dazu werden weitere Risiken soweit
möglich ausgeschaltet, z.B. Inkontinenz oder Schwitzen.

Mobilisation

Der Patient sollte so bald als möglich mobilisiert werden. Zur Mobilisation eines Patienten gehört
nicht nur das Aufstehen, sondern jegliche Bewegungsübungen (auch im Bett). Früh kann mit
passiven Bewegungsübungen begonnen werden, die über assistive Übungen (die Pflegeperson führt
und unterstützt) zu aktiven Übungen gesteigert werden. Werden diese Übungen in andere
Pflegeabläufe (Ganzwaschung, Umlagerung) integriert, so erfordern sie einen - im Vergleich zum
Nutzen - geringen Zeitaufwand.

Lagerung

Ziel der Lagerungen zur Dekubitusprophylaxe ist die Vergrößerung der Auflagefläche. Dadurch
wird das Gewicht des Patienten auf eine größere Fläche verteilt, der Auflagedruck auf einzelne
Körperstellen wird somit geringer. Es wird zwischen der Weich- und der Superweichlagerung
unterschieden:

 Bei der Weichlagerung (z.B. mit Antidekubitusmatratzen, Wasserbett, Gelkissen, Fell) soll
der Auflagedruck den Druck der Kapillaren von 30 mmHg nicht überschreiten
 Mit Hilfe spezieller Matratzen kann der Patient superweich gelagert werden, wodurch eine
uneingeschränkte Sauerstoffversorgung aller Hautbezirke gewährleistet werden soll.

Weich- und Superweichlagerung führen jedoch zur Mobilitätseinschränkung und hemmen


Spontanbewegungen des Patienten. Aus diesem Grund werden Patienten, die sich noch minimal
bewegen, nicht zu weich gelagert.

Lagewechsel.

Genügen die Weich- und die Superweichlagerung nicht zur Dekubitusprophylaxe, muss der Patient
in festen Zeitabständen umgelagert werden. Regelmäßiges Umlagern sorgt für eine
zwischenzeitliche völlige Druckentlastung gefährdeter Hautbezirke. Die Patienten sollten mindestens
alle zwei Stunden umgelagert werden, bei Risikofaktoren entsprechend häufiger. In der Regel kann

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zwischen Links- und Rechtsseitenlage und Rückenlage abgewechselt werden, nur wenige Patienten
akzeptieren die Bauchlage.

Kann ein Patient wegen seiner Erkrankung (z.B. Hüft-TEP rechts, beispielsweise nicht auf die rechte
Seite gedreht werden, wird alle zwei Stunden zwischen Linksseitenlage und Rückenlage gewechselt.
Dadurch verkürzt sich allerdings die Erholungszeit der gefährdeten Hautbezirke auf die Hälfte.

Hautpflege

Hautpflege dient nur dem Schutz der Haut vor schädlichen Einflüssen, z.B. schützt die Hautpflege
die Haut bei inkontinenten Patienten vor dem Stuhl oder Urin. Eine "Ernährung" der Haut von außen
ist nicht möglich, so dass Cremes und Salben keine Handlungen ersetzen, die die Hautdurchblutung
(also die Ernährung von innen) gewährleisten, z.B. Lagerung und Lagewechsel.

Da Intertrigo in einen Dekubitus übergehen kann, ist es wichtig, die Haut trocken zu halten.

Durchblutungsförderung

Zur Durchblutungsförderung der Haut können, wenn es der Zustand des Patienten erlaubt, warme
Vollbäder mit Kohlensäurezusatz durchgeführt oder die Haut während der Körperpflege leicht
massiert und anschließend abfrottiert werden.

Wirksamkeit überprüfen

Die Haut gefährdeter Patienten muss regelmäßig (mindestens ein- bis zweimal täglich) auf Rötungen
kontrolliert werden. Gut dazu eignen sich die Körperpflege und das Betten. Eine Rötung der Haut,
die bei Druckentlastung innerhalb etwa 20 Minuten nicht wieder verschwindet, ist erstes Zeichen
eines beginnenden Dekubitus. Es ist wenig sinnvoll, auf etwaige Schmerzäußerungen des Patienten
zu warten, weil vor allem diejenigen Patienten gefährdet sind, die aufgrund von
Sensibilitätsstörungen nichts spüren und sich dann auch nicht selbst drehen (z.B. Diabetiker mit
Polyneuropathie).

Ein Dekubitus ist eine gefürchtete Komplikation längerer Immobilität. Aus der Hauptursache "Druck" folgt:
Oberstes Ziel ist die Druckentlastung gefährdeter Hautbezirke.
Eine regelmäßige Überprüfung, ob die geplanten und durchgeführten Maßnahmen ausreichen, sichert den
Erfolg der Dekubitusprophylaxe.

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Kontrakturenprophylaxe
Während ein Dekubitus schon nach wenigen Stunden fehlender Bewegung auftreten kann, kommt es
nur bei tage- oder wochenlangem Bewegungsmangel zu Versteifungen von Gelenken,
den Kontrakturen.

Kontraktur (lat. contrahere = zusammenziehen): Dauerhafte Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bändern
mit der Folge einer bleibenden Gelenkversteifung.
Kontrakturenprophylaxe:
Gefährdung der Patienten einschätzen
Maßnahmen planen und anwenden
Wirksamkeit überprüfen.

Kann ein Patient z.B. nach einer längeren Gipsbehandlung die entsprechenden Gelenke nicht mehr
voll bewegen, handelt es sich nicht um eine Kontraktur, sondern um eine vorübergehende
Funktionseinschränkung. Die Beweglichkeit bessert sich durch konsequentes - wenn auch
schmerzhaftes - Training.

Dagegen bezeichnet Kontraktur den Zustand einer bleibenden Bewegungseinschränkung von


Gelenken bis hin zur Gelenkversteifung.

Es besteht eine Zwangshaltung, die vom Patienten nicht aufgehoben werden kann, auch passiv kann
das Gelenk nicht oder nur in sehr geringem Umfang bewegt werden, die Bewegung selbst ist
schmerzhaft.

Ursachen von Kontrakturen

Eine Kontraktur ist immer Folge mangelnder Bewegung des betroffenen Gelenkes. Eine Reihe von
Erkrankungen kann dazu führen, dass der Patient Gelenke nicht mehr (ausreichend) bewegt, z.B.:

 Immobilität, Bettlägerigkeit
 Inaktivität (auch therapiebedingt durch Extension oder Gips)
 Lähmungen
 Schonhaltungen bei chronischen Schmerzen
 Großflächige Narben.

Bedauerlicherweise kommt es auch heute noch durch Pflege- oder Behandlungsfehler immer wieder
zu Kontrakturen, wenn z.B. Patienten nicht sachgerecht gelagert oder zu selten durchbewegt werden.

Kontrakturen durch Immobilität und Inaktivität.


Jede Muskelkontraktion führt automatisch zur Dehnung des Gegenspielers. Bei fehlender Bewegung
werden Muskeln und Sehnen nicht mehr gedehnt und verkürzen sich.

Kontrakturen als Folge von Lähmungen (neurogene Kontrakturen). Erkrankungen des


Nervensystems führen häufig zu Kontrakturen, vor allem spastische Lähmungen, z.B. bei:

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 Gehirn- oder Rückenmarksverletzungen, z.B. Querschnittslähmung
 Zerebralen Durchblutungsstörungen
 Multipler Sklerose.

Kontrakturen durch Schonhaltung.


Bei chronischen Schmerzen nehmen Patienten häufig eine Schonhaltung ein, d.h. sie versuchen eine
Position zu finden, in der sie am wenigsten Schmerzen verspüren und vermeiden jede Bewegung, die
Schmerz auslöst.

Kontrakturen als Folge flächiger Narben (dermatogene Kontrakturen).


Bei großflächigen schweren Verbrennungen oder Verätzungen in Gelenknähe kommt es zu einer
Defektheilung mit Narbenbildung (Sekundäre Wundheilung). Die Narben schrumpfen und es
entsteht ein Narbenzug, der Bewegungen behindert.

Kontrakturen durch Pflege- und Behandlungsfehler. Werden z.B. bewusstlose, gelähmte oder
immobile Patienten nicht regelmäßig durchbewegt, können sich Kontrakturen bilden, denn auch in
der Entspannungslage (physiologische Nullstellung) können Gelenke versteifen.

Spitzfuß

Der Spitzfuß entsteht durch den Druck der Bettdecke, die den Fuß zusätzlich zum Eigengewicht in
Streckstellung bringt, und ist die häufigste Kontraktur bei Bettlägerigkeit. Versteift das Gelenk in
dieser Position, kann der Betroffene nur noch auf den Zehenspitzen gehen und den Fuß beim Gehen
nicht mehr abrollen.

Maßnahmen der Kontrakturenprophylaxe


Ziel der Kontrakturenprophylaxe ist es, die volle Gelenkbeweglichkeit zu erhalten durch:
Bewegungsübungen und passives Durchbewegen
Regelmäßiges Umlagern des Patienten.

Es ist vorteilhaft, Maßnahmen der Kontrakturenprophylaxe in andere Pflegehandlungen zu


integrieren: Die aktivierende Pflege bietet zahlreiche Möglichkeiten, kontrakturenprophylaktisch
tätig zu werden, z.B. im Rahmen der Körperpflege, beim Essen, in Verbindung mit Mobilisation,
Thrombose- und Pneumonieprophylaxe.

Kontrakturenprophylaktische Maßnahmen müssen mehrmals täglich durchgeführt werden.


Damit der Patient den Sinn der Maßnahme versteht und soweit wie möglich mithilft, informiert ihn
die Pflegeperson über die Notwendigkeit des Übungsprogramms. Schmerzen sollten durch geeignete
Maßnahmen (z.B. Kältepackungen) reduziert werden, um das "Bewegungstraining" zu erleichtern.
Stark schmerzauslösende Übungen sind zu unterlassen.

Spezielle Maßnahmen zur Kontrakturenprophylaxe sind:

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 Beobachten der Bewegung, um eine beginnende Bewegungseinschränkung rechtzeitig zu
erkennen
 Mobilisieren, Bewegungsübungen
 Lagern in physiologischer Mittelstellung und Lagerung wechseln.

Weiter tragen zur Kontrakturenprophylaxe bei:

 Zusammenarbeit mit der Physikalischen Abteilung


 Ausreichende Schmerzmedikation (Arztanordnung!)
 Verzicht auf (Super-)Weichlagerung (wenn von der Dekubitusgefahr her möglich)
 Motivation des Patienten zu Aktivität
 Alternative Maßnahmen, z.B. Streichungen der Muskel-Antagonisten zur Spastikminderung
(beispielsweise bei Beugespastik die Strecker aktivieren)
 Wohlüberlegter, gezielter Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. Fuß-Aktivstütze gegen Spitzfuß und
Versteifung des Kniegelenkes, Handexpander, Gummi-Noppen-Bälle zum Grifftraining,
Strickleiter gegen eine Versteifung von Schulter-, Ellbogen- und Handgelenk usw.).

Beim Einsatz von Hilfsmitteln ist eine einseitige und dauerhafte Lagerung oder Anwendung zu
vermeiden. Beispielsweise kann eine Knierolle einer Streckkontraktur entgegenwirken, aber durch
langdauernden Einsatz möglicherweise eine Beugekontraktur auslösen.

Bei Patienten mit Halbseitenlähmung sind besondere Pflegeschwerpunkte zu beachten. Das Bobath-
Konzept verhindert das Auftreten von Muskelspasmen und beseitigt so eine Hauptursache späterer
Kontrakturen.

Beobachten der Bewegung.


Ein besonderes Augenmerk ist auf die Gelenkstellung und den Funktions-/Bewegungsumfang eines
Gelenkes sowie auf Schmerzäußerungen des Patienten bei Bewegung zu richten.

Lagerung in Streck- und Beugestellung abwechseln.


Lagerung in Streckstellung verhindert die Verkürzung der Beuger (= Flexoren), die Lagerung in
Beugestellung umgekehrt die Verkürzung der Strecker (= Extensoren). Die Beugestellung ist
kontraindiziert bei Verletzungen an der Beugeseite der Gelenke. Der Patient ist zu informieren und
liegt entweder in flacher Rückenlage oder in der 30°-Lage. Bei Lagerung in Beugestellung ist auch
eine leicht erhöhte Oberkörperlagerung möglich.

Mundpflege

Mundhygiene: Alle Maßnahmen, die Zähne, Zahnfleisch, Zunge und Mundschleimhaut gesund erhalten.

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Je nach Pflegebedarf werden unterschieden:

Allgemeine Mundpflege: Unterstützung bei den täglichen Maßnahmen der Mundhygiene, die der
Patient sonst selbst ausführen würde, z.B. Zähne putzen, Zahnprothese reinigen und Mund ausspülen
(evtl. mit Munddusche)

Spezielle Mundpflege: Aufwendigere Mundpflege für Patienten, bei denen die allgemeine
Mundpflege nicht ausreicht, um Erkrankungen vorzubeugen oder zu behandeln. Dies umfasst in der
Regel die Soor- und Parotitisprophylaxe sowie je nach vorliegenden Erkrankungen der
Mundhöhle weitere Pflegemaßnahmen.

Dreh- und Angelpunkt richtiger Mundhygiene: mindestens dreimal täglich - am besten nach den Mahlzeiten -
drei Minuten lang Zähne putzen - auch im Krankenhaus.

Eine zusätzliche Zahn- und Mundpflege ist beispielsweise nach Erbrechen angezeigt, um den
unangenehm sauren Geschmack aus dem Mund zu entfernen, so dass sich der Patient wieder wohler
fühlt.

Pflegemittel zur allgemeinen Mundpflege

Zahnbürste mit kurzem Bürstenkopf und abgerundeten Borsten (sonst drohen Verletzungen des
Zahnfleisches). Naturborsten sind ein Bakterienreservoir und deshalb nicht empfehlenswert.
Patienten mit hoher Blutungsgefahr sollten eine weiche Zahnbürste benutzen oder den Mund nur
ausspülen

Zahnpasta zur mechanischen Reinigung der Zähne und als zusätzlicher Kariesschutz

Mundwasser. Es unterstützt die Wirkung des Zähneputzens (ersetzt es aber nicht), verhindert
Zahnbelag und erfrischt. Medizinische Mundwasser werden nur auf Anordnung verwendet.

Zahnseide zum Entfernen der Zahnbeläge zwischen den Zähnen. Alternativ kann eine spezielle
Zahnbürste, die Interdentalzahnbürste,eingesetzt werden, die wesentlich schmaler als eine normale
Zahnbürste ist.

Zähneputzen

Den Patienten informieren und oben genannte Pflegemittel sowie einen Becher Wasser und eine
Nierenschale richten. Bei selbständigen Patienten das Material in Reichweite stellen, so dass der
Patient die Zähne selbst putzen kann.

Bei immobilen Patienten den Oberkörper hoch lagern (falls keine Kontraindikationen bestehen) und
ein Handtuch auf den Hals-Brustbereich legen. Die Mundhöhle inspizieren. Den Mund mit Wasser
ausspülen lassen. Den Patienten auffordern, die Schneidezähne aufeinanderzusetzen und die Lippen

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zu spreizen. Die Bürste unter leichtem Druck mit kleinen kreisenden Bewegungen über Zahnfleisch
und Zähne führen; von "rot nach weiß" und von hinten nach vorne putzen. Danach den Mund wie
ein "brüllender Löwe" öffnen lassen und die Innenflächen vom Zahnfleisch zum Zahn hin putzen,
wieder an den hinteren Zähnen beginnen. Die Kauflächen mit kräftigen Bewegungen bürsten.
Richtiges Zähneputzen dauert drei Minuten. Zum Abschluss den Mund spülen lassen, dabei wird das
Wasser durch die Zähne gepresst.

Zahnprothesen reinigen

Für den Patienten mit "dritten Zähnen" ist eine konsequente Reinigung
der Zahnprothese notwendig, um die Funktion und das Aussehen der Zahnprothese zu erhalten
sowie Plaquebildung und bakterielle Besiedelung der Prothese zu verhindern.

Manchen Patienten ist es unangenehmen, eine Zahnprothese zu tragen. Sie schämen sich ohne
Prothese, weil dies die Gesichtszüge stark verändert und sie älter aussehen lässt. Deshalb den
Patienten möglichst die Zahnprothese selbst reinigen lassen und die Prothese erst kurz vor
Operationen und Untersuchungen entfernen (lassen).

Beim Reinigen der Zahnprothese beachten:

Prothese(n) zum Reinigen aus dem Mund nehmen (lassen) und in eine Prothesenschale legen. Die
Prothesenschale verfügt über einen Einsatz, der beim Herausnehmen ein problemloses Abspülen der
Prothese ermöglicht

Vor dem Reinigen der Zahnprothese das Waschbecken mit Wasser füllen, damit die Prothese beim
versehentlichen Fallenlassen "weich" fällt und nicht zerbricht

Prothese unter fließendem Wasser mit Bürste reinigen, evtl. auf Wunsch des Patienten in
Prothesenreinigungsmittel einlegen. Wurde ein zusätzliches Reinigungsmittel verwendet, muss die
Prothese gründlich abgespült werden

Patienten vor Einsetzen der Zahnprothese spült den Mund mit Wasser ausspülen lassen

Hat der Patient noch eigene Zähne, diese vor dem Einsetzen putzen.

Um Verformungen des Kiefers vorzubeugen, wird empfohlen, die Prothese auch nachts zu tragen.
Manche Patienten sind es aber gewohnt, sie nachts zu entfernen.

Prothesen nie in Zellstoff oder Papiertücher einwickeln, damit sie nicht versehentlich weggeworfen werden.
Bei verwirrten und immobilen Patienten die Prothesenschale beschriften, um Verwechslungen auszuschließen.

Mund ausspülen

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Durch die Mundspülung mit Wasser oder Tee werden Speisereste aus der Mundhöhle entfernt und
die Mundschleimhaut feucht gehalten (Lösungen zur Mundspülung.

Mundspülungen nur bei Patienten mit vollem Bewusstsein und erhaltenem Husten- und Schutzreflex
vornehmen.

Effektiver ermöglicht die Munddusche durch einen feinen, kräftigen Wasserstrahl die Reinigung
der Zähne und die Massage des Zahnfleisches. Mundduschen sind aber schwierig zu reinigen und zu
desinfizieren und werden daher selten im Krankenhaus eingesetzt.

Spezielle Mundpflege
Spezielle Mundpflege: Maßnahmen der Mundhygiene bei Patienten, bei denen die allgemeine Mundpflege
nicht ausreicht.

Indikation

Die Indikationen für die spezielle Mundpflege werden eng gestellt, da sie für den Patienten
unangenehm ist. Eine spezielle Mundpflege ist z.B. notwendig bei:

 Unwirksamer Mundhygiene
 Verminderter oder fehlender Speichelproduktion durch reduzierte Kautätigkeit
 Trockener Mundschleimhaut bei Mundatmung, Sauerstoffverabreichung, ungenügende
Flüssigkeitszufuhr oder Nahrungskarenz
 Zerstörung der physiologischen Mundflora durch Medikamente wie Antibiotika und
Zytostatika
 Erkrankungen der Mundhöhle
 Schlechtem Allgemeinzustand.

Bei diesen Patienten wird die Mundhöhle mindestens einmal täglich auf wunde Stellen, Läsionen,
Blutungen und Wirksamkeit der Pflegemaßnahmen inspiziert, die Ergebnisse werden dokumentiert

Materialien

Ein Mundpflegeset besteht aus:

 Péan-Klemme oder Plastikklemme


 Kleine Kompressen oder Kugeltupfer in einem abgedeckten Behälter
 Becher mit Mundpflegelösung
 Nierenschale.

Zusätzlich evtl.:

 Zellstoff
 Holzspatel

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 Taschenlampe
 Abwurfbeutel
 Salbe für die Lippen
 Handschuhe
 Zahnbürste.

Durchführung

 Patienten über Vorgehensweise informieren und zur Mithilfe auffordern


 Kleidung durch ein Handtuch schützen
 Mundhöhle mit Taschenlampe und Spatel inspizieren
 Beim bewusstseinsklaren Patienten vor der Mundpflege Zähne putzen
 Um Verletzungen der Mundschleimhaut und Zähne zu vermeiden, den Tupfer so in die Péan-
Klemme einspannen, dass er die Greifbacken und die Spitze der Klemme umfasst
 Tupfer in die Mundpflegelösung tauchen und am Becherrand ausdrücken
 Patienten auffordern, den Mund zu öffnen
 Mundhöhle sorgfältig auswischen (Zähne, Wangeninnenfläche, Wangentaschen, harter
Gaumen und Zunge, auch unter der Zunge)
 Immer von hinten nach vorne wischen, um einer Keimverschleppung vorzubeugen
 Weichen Gaumen (wenn überhaupt) zuletzt auswischen, da Brechreizgefahr besteht
 Bei jedem Wischvorgang frischen Tupfer verwenden
 Falls keine Aspirationsgefahr besteht, Mund ausspülen (lassen)
 Lippen mit Salbe/Fettstift eincremen
 Maßnahme und Beobachtungen dokumentieren
 Mundpflegeset täglich erneuern.

Alternativ: Auswischen der Mundhöhle mit den Fingern

Der Finger passt sich besser der Mundhöhle an als Klemme und Tupfer, so dass keine
Verletzungsgefahr des Patienten besteht, falls er nicht kooperativ ist. Vorher ist der Patient nach
seinem Einverständnis zu fragen. Allerdings kann es bei dieser Methode zu Bissverletzungen des
Fingers kommen.

Beim Auswischen der Mundhöhle beachten:


Bei bewusstlosen Patienten besteht die Gefahr, dass Flüssigkeiten in die Luftröhre gelangen(Aspiration).
Deshalb Absauggerät bereithalten

Bei Patienten mit einer Lysetherapie (gerinnungsauflösende Therapie) keine Klemmen benutzen, da
Blutungsgefahr besteht
Bei Alkoholkranken keine alkoholhaltigen Mundpflegelösungen wie Hexoral® oder Doreperol®benutzen.

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Pflegeplan für spezielle Mundpflege:

Pflege-
Pflegeziel Pflegemaßnahmen
problem
 Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
 Mundspülung mit Wasser oder Tee nach
Wunsch
 Auswischen der Mundhöhle mit
geeigneten Lösungen (z.B. Kamille-
oder Salbeitee) oder Zitrone-Glycerin-
Sticks
Trockener Mund Feuchte Mundschleimhaut  Einsatz von künstlichem Speichel (z.B.
Glandosane®)
 Stimulation der Speichelproduktion
 Cave: chemische Mittel beeinflussen die
Mundflora
 Erhöhung der Luftfeuchtigkeit mit
Ultraschallvernebler

 Einfetten der Lippen mit Dexpanthenol-


Trockene Geschmeidige
Salbe oder Fettstift
Lippen, Rhagaden Lippen
 Bei Soor Abstrich auf Pilze und ggf.
lokale Antimykotika
 Auswischen der Mundhöhle mit
Schleimhautbeläge Belagfreier Mund
Kamille-Lsg., Salbeitee oder
Wasserstoffsuperoxyd

 Behandlung mit Fett, Dexpanthenol-


Salbe oder Butter
Borkige
Borkenfreie Zunge  Aufweichen von hartnäckigen Borken
Zungenbeläge
mit Glycerin

 Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
 Salzhaltige Zahnpasta
 Massage der Ohr- und
Kieferspeicheldrüse
 Mundspülung mit Zitronen- oder
Traubensaft
Zäher Speichel, Verminderte Anregung der
 Stimulation über den Geruchssinn mit
Speichelproduktion Speichelproduktion
ätherischen Ölen (Pampelmusen-,
Zitronen-, Orangenöl)
 Lutschen zerstoßener Eiswürfel mit
wenigen Tropfen Zitrone
 Kauen von Kaugummi oder Brotrinde

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 Meiden scharf gewürzter Nahrungsmittel
 Verabreichung von weicher oder
pürierter Kost
Beschwerdefreiheit, Linderung der
Schmerzen, Brennen im Mund  Kein Alkohol und Rauchen
Schmerzen
 Gabe von anästhesierenden
Lutschtabletten

 Bepinselung mit Myrrhetinktur


Läsionen von Schleimhaut,
Intakte Mundschleimhaut  Spülungen mit Kamille
Zahnfleisch und Zunge

Soor- und Parotitisprophylaxe


Soor- und Parotitisprophylaxe werden oft in einem Atemzug genannt, weil die Pflegemaßnahmen
zur Vorbeugung beider Erkrankungen ähnlich sind. Dennoch handelt es sich um zwei verschiedene
Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen. Die Soorinfektion ist mit Abstand die häufigere der
beiden.

Soorprophylaxe
Soorprophylaxe umfasst:
Die Gefahr einer Soorpilzinfektion der Mundhöhle einzuschätzen
Geeignete vorbeugende Maßnahmen zu planen
Entsprechend zu handeln und den Erfolg auszuwerten.

Normalerweise herrscht in der Mundhöhle ein Gleichgewicht verschiedenster Bakterien und


Pilze (Mundflora), die sich gegenseitig so in ihrem Wachstum hemmen, dass keines überhand nimmt
und das Anwachsen anderer Keime verhindert wird. Zusätzlich reinigt der Mundspeichel die
Mundhöhle. Wird dieses Gleichgewicht gestört, kommt es leicht zur Soorpilz-Infektion. Candida
albicans ist ein sehr verbreiteter Keim, der sich häufig auf einer vorgeschädigten Mundschleimhaut
ansiedelt. Eine Soorpilzinfektion der Mundschleimhaut ist an sich harmlos. Falls die Ursache nicht
beseitigt wird, sind jedoch ein chronischer Verlauf oder eine absteigende Soorinfektion der Speise-
oder Atemwege möglich.

Welche Patienten sind gefährdet?

Die Gefahr einer Soorpilzinfektion in der Mundhöhle besteht bei folgenden Risikofaktoren:

 Mundtrockenheit: Bei Nahrungskarenz (mangelnder Speichfluß) oder pathologischer


Atmung durch den offenen Mund (nasal eingeführte Sonden, Atemnot, Sterbende)
 Störung der Mundflora: Bei Antibiotikatherapie Abwehrschwäche, Vorerkrankungen der
Mundhöhle oder einseitiger Ernährung (Zucker erhöht das Pilzrisiko).

Maßnahmen der Soorprophylaxe

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Pflegemaßnahmen, welche die normalen Abwehrfunktionen der Mundhöhle fördern und stärken,
sind:

 Regelmäßige Mundhygiene, um Speisereste zu entfernen


 Mundschleimhaut feucht halten
 Speichelfluss anregen
 (Auf Arztanordnung) prophylaktisch ein lokales Antimykotikum geben.

Die Soorprophylaxe war erfolgreich, wenn:


die Mundschleimhaut (wieder) feucht-rot
die Mundhöhle (wieder) frei von Schleim oder Speiseresten und
die Zunge (wieder) frei von Belägen ist.

Parotitisprophylaxe
Parotitisprophylaxe umfasst:
Die Gefahr einer Entzündung der Ohrspeicheldrüsen einzuschätzen
Geeignete vorbeugende Maßnahmen zu planen
Entsprechend zu handeln und den Erfolg auszuwerten.

Drei Speicheldrüsen(paare) bilden den Mundspeichel und geben ihn kontinuierlich an die
Mundhöhle ab. Beim Essen wird der Speichelfluss deutlich gesteigert. Normalerweise können keine
Bakterien in die Ausführungsgänge der Speicheldrüse eindringen und dort eine Entzündung
verursachen, sie würden sofort herausgespült. Bei längerer Nahrungskarenz oder erheblichem
Flüssigkeitsmangel können jedoch Bakterien in die Speicheldrüsen gelangen: Eine stark
schmerzhafte Entzündung meistens der Ohrspeicheldrüse einer Seite (Parotitis) ist die Folge. Die
Speicheldrüse schwillt dabei deutlich sichtbar an.

Maßnahmen der Parotitisprophylaxe

Um "das Übel an der Wurzel zu packen", also den Grund für die Parotitisgefahr zu beseitigen, wird
der Speichelfluss angeregt:

 Kaugummi oder Brotrinde kauen oder Zitronenscheiben lutschen lassen. Bei Patienten mit
Nahrungskarenz Mundhöhle mit Glycerin-Lösung auswischen (Glycerin-Lösung einige
Tropfen Zitronensaft zusetzen).

Die Parotitisprophylaxe war erfolgreich, wenn:


Der Speichel ohne Stau kontinuierlich fließen kann
Die Ohrspeicheldrüsen weder schmerzen noch geschwollen sind
Der Patient schmerzfrei kaut.

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