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Spielzeit 2020 / 21

DANCE
NATION
von Clare Barron
Dance Nation Dance Nation

Was mach
ich bloß
mit dieser
ganzen
Power?
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Dance Nation Zum Stück

ZUM
lichung begegnen wir den Jugendlichen auf der Suche
nach dem, was im Leben wichtig ist. Voller Hoffnung,
freudig, verzweifelt, liebend und wuterfüllt – auf jeden
Fall extremen Gefühlen ausgesetzt – sind sie dabei, ihre
Identität zu erfinden und sich ihrer selbst gewahr zu

STÜCK
werden.
Die Fragen, die sie sich dabei stellen, unterscheiden sich
kaum von denen der Erwachsenen: Wer ist die Beste?
Wer hat es verdient, anerkannt zu werden? Was ist zu
tun, wenn das System (auch bekannt als Tanzlehrer Pat)
ungerecht agiert? Wie kann man befreundet sein, wenn
man sich doch immer in Konkurrenz zueinander befin­
„Dies ist ein Stück über 13-jährige Mädchen. Es ist auch det? Der Unterschied besteht in den Antworten, die sie
ein Stück über Frauen, Ehrgeiz und Begierde. Ich wollte geben. Sie sind dreizehn und glauben daran, dass alles
dieses Stück schreiben, weil ich ein neues Bild von Mäd­ möglich ist.
chen im Teenageralter auf der Bühne präsentieren wollte. Clare Barron schreibt ein Stück über das Erwachsen­
Eines, bei dem Trauma nicht die zentrale Erzählung ist. werden und darüber hinaus. Und so scheint es nur folge­
Eines, wo ‚die Beste sein’ der Vergangenheit angehört.“ richtig, dass in Dance Nation die Teenager von Schau­
Clare Barron spieler*innen jeden Alters verkörpert werden und sich
mit der ewig währenden Frage auseinandersetzen, was
Jung, ambitioniert und talentiert: Sechs Mädchen und ein uns definiert: Gemeinschaft oder Außergewöhnlichkeit?
Junge wollen die nationalen Meisterschaften im Tanzen Dance Nation wurde 2018 am Playwrights Horizons
gewinnen. Gandhis Leben und Seele wollen sie in ihrer Thea­ter in New York uraufgeführt, gewann den Philip
Aufführung ertanzen und damit mehr als nur die perfekte Seymour Hoffman-Relentless Award, den Susan Smith
Schrittfolge abliefern. Sie wollen eine alter­native Welt Blackburn Prize, den James Taint Black Award und war in
entwerfen. Zwischen Selbstaufgabe und Selbstverwirk­ der Endauswahl zum Pulitzer Preis.
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Spielzeit 2020 / 21 Dance Nation

DANCE
NATION von Clare Barron
aus dem Amerikanischen von Lydia Nagel

AMINA Katherina Sattler THEATERMEISTER Frank Materlik KONSTRUKTION Sigrun Rhenius


ZUZU Anja Herden TON Markus Folberth, Christian Schäfer
CONNIE Seyneb Saleh REQUISITE Stella Kuprat, Gabi Rosenbrock, Steffi Winkelhake MASKE Fabian Seitz
LUKE Nils Rovira-Muñoz ANKLEIDEDIENST Sabine Bienert, Verena Müller, Sarah Weiskittel LICHT Hendrik Möschler
MAEVE Irene Kugler
SOFIA Ruby Commey LEITUNG DER ABTEILUNGEN: TECHNISCHE DIREKTIONHanno Hüppe WERKSTÄTTEN Nils Hojer
ASHLEE Amelle Schwerk TECHNIK SCHAUSPIELHAUS Oliver Jentzen BELEUCHTUNG Heiko Wachs TON UND VIDEO Lutz Findeisen
MOMS Alrun Hofert REQUISITE Ute Stegen KOSTÜMDIREKTION Kerstin Achilles-Matthies, Andrea Meyer
TANZLEHRER PAT Sebastian Nakajew MASKE Guido Burghardt MALSAAL Thomas Möllmann TAPEZIERWERKSTATT Matthias Wohlt
BILL, PIANIST Andrej Agranovski / Nils Strunk  SCHLOSSEREI Bernd Auras TISCHLEREI Andrea Franke MASCHINENTECHNIK Dirk Scheibe

AUFFÜHRUNGSRECHTE henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH


REGIEStephan Kimmig BÜHNE Katja Haß KOSTÜM Anja Rabes CHOREOGRAFIE Bahar Meriç DAUER ca. 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
MUSIK Andrej Agranovski, Nils Strunk DRAMATURGIE Nora Khuon
REGIEASSISTENZ Hannah Gehmacher BÜHNENASSISTENZ Carolin Gödecke, Laura Robert
KOSTÜMASSISTENZ Annabelle Gotha, Vanessa Khawam-Habib Mit freundlicher Unterstützung
DRAMATURGIEASSISTENZ Melanie Hirner KÜNSTLERISCHE VERMITTLUNG & INTERAKTION Saham El-Gaban
INSPIZIENZ Stephanie Schmidt
PRODUKTIONSHOSPITANZ Hella Müller, Jessika-Katharina Möller-Langmaack DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG
SOUFFLAGE Martha Jackstien, Tanja Kleine 16. OKTOBER 2020, SCHAUSPIELHAUS

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Ich will,
dass
mein
Leben
beginnt.

Katherina Sattler
Ruby Commey, Seyneb Saleh
Dance Nation Interview

DER
KÖRPER Nora Khuon: Stephan, wir haben dir vor über
zwei Jahren Dance Nation angetragen. Du hast
sofort zugegriffen. Was war es, das dich an
SK Nein, null. Wir benutzen ihre Jugend als
Spiel­modus. Es funktioniert für mich wie ein
Filter: Ich bin erwachsen, ich spiele eine*n

UND DIE
diesem Stück gepackt hat? 13-Jährige*n. Sofort kann ich mir Dinge
Stephan Kimmig Bei der Lektüre habe ich rausnehmen, verkörpern, sagen, meinen,
festgestellt, dass viele Lücken im Text sind. angreifen, die oft peinlich, vielleicht schnell
Diese Lücken ermöglichen Leben, zeigen und sehr esoterisch wirken könnten, aber durch
feiern es. Auf viel zu wenigen Bühnen wird den Abstand möglich werden. All das darfst
wirklich zupackend, positiv, haptisch das du als Erwachsene*r sonst nicht.
Leben an- und aufgegriffen. Niemand gibt dir

LÜCKE
das Leben. Du musst es dir nehmen. Meinst du damit, dass man eigentlich noch
Ich finde, Dance Nation erzählt davon, wie genauso fühlt wie mit dreizehn, aber sich nicht
Gesellschaft anders funktionieren könnte, traut, sich so vorbehaltlos zu veräußern?
wenn alle nicht immer so viel erwarten, SK Einer meiner Lieblingsdichter ist Federico
sondern geben und nichts dafür zurückhaben García Lorca. Er sagt, er könne mit Erwach­
wollen. senen kein Wort sprechen, weil Erwachsene
Die Lücken lassen Platz für die Körper. Die verbohrt und verschlossen seien. Sie hätten
Sprache ist nicht alles. Der Körper ist es, der immer so viel Angst und seien negativ und
Ein Gespräch mit der Bühnenbildnerin Katja Haß,
Freude und Schmerz sichtbar macht. In Dance belastet und immer nur schwer. Dieser
dem Regisseur Stephan Kimmig, der Choreografin Bahar Meriç,
Nation sind wir nicht abhängig davon, dass Mensch hat nur mit Kindern gesprochen. Bei
der Kostümbildnerin Anja Rabes und dem Musiker Nils Strunk
das Narrativ dir vorgibt, was du zu machen Abendessen hat er sich schnell von der
hast, sondern du kannst in die Räume großen Tafel an den Kindertisch verabschie­
dazwischen gehen, über die Investition det. Diese Haltung kann ich, ehrlich gesagt,
Leben. Deswegen mache ich das Stück. sehr gut verstehen. Es macht einen wahnsin­
nig, überall diese Wände und Befindlichkei­
Macht es für dich einen Unterschied, dass es ten zu verspüren. Das ist mit Kindern anders.
um Jugendliche geht, die einen Großteil dieser
Lebensinvestition noch vor sich haben und In Dance Nation handelt es sich um 13-Jährige,
viel­leicht unbedingter mit dem Leben umgehen? die von Erwachsenen gespielt werden. Ist das

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Dance Nation Interview

eine andere Herausforderung fürs Kostüm Wett­bewerb trennt sie wieder. Das ist schon SK Es ist auch eine vermeintliche Harmonie können wie zuvor, weil etwas Drittes dazu
als sonst? irre, wenn man das jungen Seelen beibringt. in der Gruppe. kommt. Das ist nicht eine weitere Beziehung,
Anja Rabes Das Alter der Spieler*innen hat Ich finde es im Nachhinein betrachtet total sondern die kreative Lust jeder * s Einzelnen,
bei der Kostümentwicklung keine Rolle verrückt, dass das die Zeit ist, in der man Ja, aber es ist auch eine Sehnsucht, trotz der die sich aber in dem Moment, in welchem sie
gespielt. Wir wollten keine pubertären vollgeladen wird. Davon profitiert man noch Selbstverwirklichung, Beziehungen führen zu sie ausüben, durch die empfundene Konkur-
13-Jährigen darstellen, nach einem Schönheits­ Jahre. Ich bin jetzt noch dabei, das, was mir können. Clare Barron sagte in einem Inter- renz gegeneinander wendet.
ideal strebend. Es ist eine moderne Tanzgrup­ mein Gitarrenlehrer damals gegeben hat, view, dass es ein spezielles Thema von Frauen Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie können
pe in Trainingsklamotten, farbenfroh, abzuernten. sei, Ambitionen zu unterdrücken, Erfolg zu wir auch konkurrenzlos kreativ sein?
alterslos und individuell, jede*r mit seiner Es ist, wie du gesagt hast, Stephan: Man muss verneinen, um sozial kompatibel zu blei- SK Meines Erachtens gibt es das nicht. Das ist
Geschichte. sich das Leben nehmen, es hat etwas mit den ben. Für Frauen sei es häufig wichtiger, von ein ganz falscher Ansatz. Wenn ich ein Bild
Stunden zu tun, die man in etwas investiert. der Gruppe akzeptiert zu werden, als ihren male, konkurriert die Farbe Blau mit Rot und
In Dance Nation geht es nicht nur um Freude Deswegen empfinde ich Leistung auch als eigenen Ausdruck zu finden oder Karriere zu Grün mit Gelb; wenn ich das nicht verstehe,
oder Leben und Optimismus, wie du vorhin etwas Positives, indem man sich bewegt. Das machen. Der Monolog von Ashlee im Stück dann bin ich kein Maler und habe keine
sagtest, sondern es geht auch um Leistung und Wort „Leistungsgesellschaft“ ist immer nur beschreibt genau das. Sie sagt, dass es nicht Ahnung davon. Das kann ich jetzt so fortset­
die Verneinung von Leistung. Wie würdet ihr negativ konnotiert. Dabei wollen die meisten sozial akzeptiert sei, von sich selbst zu sagen, zen für jeden Beruf in den Künsten. Das heißt,
das in der Kunst beschreiben? arbeiten, sich ausdrücken und etwas leisten. man sei schön oder man wolle Erfolg. Weil es gibt etwas, das passt, und das gilt es
SK Also Leistung heißt auch Energie geben. Bei Dance Nation geschieht das im Kollektiv. einem eingeimpft worden sei, dass man nicht herauszustellen. Ich weiß gar nicht, warum
Man braucht wahnsinnig viel Energie, damit SK Manche Menschen können das auch für nur ein Leistungssubjekt sei, sondern auch das immer so wahnsinnig negativ gesehen
überhaupt irgendetwas passiert. Meiner sich alleine machen. Ich für mich finde das ein soziales Wesen. Insofern kann eine Frau wird. Das Geilste ist doch, wenn eine Person
Erfahrung nach entsteht mit durchschnitt­ schwer. Die meisten Menschen brauchen ge­sellschaftlich nur scheitern. Amina ist dafür einen Schritt vorgeht, und andere kommen
licher Kraft nichts. Also ich finde, man muss Kontakt, Reibung, dass man zusammen etwas ein gutes Beispiel. Sie ist zwar die Beste, aber erstmal nicht hinterher, verstehen es dann
viel Energie reingeben, das heißt „Leisten“. herstellt. auf dem sozialen Feld hat sie verloren, weil sie aber doch, und ziehen schließlich nach. Dafür
Damit meine ich nicht als „Resultat“, sodass es NS Aber nicht nur: In Dance Nation wohnen sich ausdrückt, weil sie nicht anders kann als muss man mutig sein. Wenn sich das auf ein
dann gleich etwas bewirken muss. In diesem wir einem kurzen Moment bei, in dem die zu tanzen. Für Barron ist das das Kernthema konkurrenzloses demokratisches Prinzip
Sinne erfordert Kunst sehr viel Leistung. Truppe für etwas trainiert, das sie gemeinsam des Stückes. Es herrscht nicht nur vermeint­ beruft, passiert gar nichts.
Nils Strunck Ich finde, dass es reizvoll ist, ein erreichen will, den Wettkampf, und dabei eine liche Harmonie in dieser Gruppe, es ist kein
Stück über eine Gruppe zu erzählen, die große Nähe und Intimität miteinander teilt, Fake. Ich glaube, dass die Mädchen sich mögen, Das stimmt, doch sind Menschen etwas
gleichzeitig verbunden und getrennt vonein­ und dann sehen wir auch, wie kurz darauf alles manche sich sogar lieben. Doch dann mer- anderes als Farben und stehen in sozialen Be­
ander ist. So sehr der Tanz sie verbindet, der auseinanderfällt. ken sie, dass sie nicht mehr zusammen sein ziehungen. Wenn Amina Zuzus Solo über-

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Dance Nation Interview

nimmt, mag das vielleicht ein mutiger Akt mich Herausforderungen pushen, auf der an­ SK Das hat auch einen Grund. Bei unserem und herauszufinden. Ich empfinde es als eine
sein, aber sie nimmt auch der Kollegin ihre deren Seite bin ich auch unsicher. Da brauche ersten Treffen mit Bahar habe ich ihr gleich wahnsinnig glückliche Zusammen­arbeit.
Ausdrucksweise und behauptet, dass ihr Im­ ich jemanden, der mich auffängt. Das kann gesagt: „Du musst schon wissen, ich quatsche
puls wichtiger sei als der der Kollegin. Muss ein Ensemble sein, das kann Familie sein, das ganz gerne rein in deine Proben, ich halte Nun sind hier alle ziemlich toll, (Gelächter)
man sich dann battlen? Hätte Zuzu dann eben- hat viel damit zu tun, wie man sich auch als mich selten zurück und bin auch sehr unge­ aber wie war es, mit dem Ensemble zu
falls weitertanzen müssen, um ihren Raum zu Gruppe begreift. duldig.“ Die Art und Weise, wie sie reagiert arbeiten? (zu Bahar Meriç) Einem Ensemble,
behaupten? hat, war ganz zauberhaft: „Jaja, okay, das ist das per se erst einmal weder aus wirklichen
NS Ich finde, beim Schauspielen ist es wie im Und wie begreift ihr eure aktuelle Gruppe? Ein gut so“, sagte sie. Laien noch professionellen Tänzer * innen
Sport. Es ist ein positiver Konkurrenzkampf. Teil davon kennt sich seit mehr als zwanzig BM Ich habe gesagt: „Ich bin sehr geduldig." besteht?
Man kann sagen: „Mist, heute habe ich Jahren – Katja, Stephan und Anja –, für Bahar SK Da habe ich mir gedacht: Ok, Respekt, das BM Für mich war es in erster Linie spannend
verloren, morgen mache ich es besser. und Nils war es die erste Arbeit in dieser ist gut, da ist ganz klar eine Künstlerin und herauszufinden, was die Leute selbst mit­
Morgen kriege ich dich.“ Konstellation. nicht irgendeine Mitläuferin. In dem Moment bringen. Ich habe nicht den Anspruch, dass
NS Ich habe die Arbeit im Team als enorm muss ich gar nicht viel reden. Bei dir ist es man eine professionelle Tanzausbildung
Das setzt voraus, dass man grundsätzliches kreativ wahrgenommen. Ich finde, erst einmal ganz genauso, Nils. haben muss, sondern man kann mit dem,
Vertrauen hat, es morgen besser zu machen. gab es ganz viel Zustimmung zum Ausprobie­ KH Ich glaube, wir mögen und schätzen uns was man hat, beginnen und weitergehen. Ich
Nicht jede * r besitzt diesen Glauben, sondern ren. Die Einschätzung, ob etwas funktioniert alle von Grund auf und spüren, welcher fand es zunächst einmal spannend zu beob­
hat stattdessen Angst, den nächsten Schritt oder nicht, ist glücklicherweise sehr ähnlich. Reich­tum in jeder*m steckt. Ich habe Respekt achten, mit welchen Vorstellungen von ihren
nicht zu schaffen oder nicht das Potenzial in Das stiftet Gemeinschaft. vor der Autorität des jeweiligen Spezialge­ Körpern, aber auch vom Tanz alle gestartet
sich zu tragen, sich genauso vorauszuwerfen, Katja Haß Ich fand es sehr lustig, oder wirk­ bietes. Außerdem gibt es einen fast familiären sind. Wir sind in Traditionen beheimatet, die
wie die andere das vielleicht getan hat. Sind lich erstaunlich, euch drei (Stephan Kimmig, Rückhalt, in dem man sehr geschützt vor­ auch Ängste und Komplexe schüren. Hier
Menschen, die sich nicht so einfach behaupten, Bahar Meriç, Nils Strunk) anfangs zu beob­ gehen kann. energetische Prozesse freizusetzen, um zu
dann fehl am Platz in der Kunst? Wie verhält achten. Das Stephan in der Lage ist, große, SK Ich bin bereit, auch meine persönliche seiner Form zu finden, war ein Teil der Arbeit.
sich das beim Tanz? wirklich bedeutsame Teile des Abends Arbeit innerhalb von drei Sekunden komplett Wir haben nach und nach unser Vokabular
Bahar Meriç Diese Konkurrenz, die man kli­ abzugeben, hat mich überrascht. Eure zu vernichten, wenn es nicht stimmt. Mit angeglichen. Ich arbeite viel über Bilder, die
scheemäßig kennt, erlebe ich persönlich gar gegenseitige Geduld, eure Großzügigkeit euch ging das, weil ihr so große Handwer­ die Teilnehmenden erst einmal verstehen und
nicht so sehr. Was den Begriff der „Leistung“ und Offenheit und dieses totale Vertrauen, ker*innen und so große Träumer*innen seid. kennenlernen müssen. Wir konnten gut mitei­
betrifft, glaube ich, hat es bei mir viel damit das zwischen euch herrscht, waren für mich Ihr habt wahnsinnig viel Fantasie und gleich­ nander arbeiten, aber ich verlange auch keine
zu tun, wer mich auffängt, wenn ich mal nicht etwas Besonderes. Dass du, Stephan, das so zeitig Konkretheit im Tun, und das vermischt Spagatsprünge von allen, sondern ich gucke:
das leiste, was ich leisten möchte. So sehr konntest … sich und lässt Raum, Dinge aus­zuprobieren Wer kann was? Klar gibt es Spieler*innen,

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Dance Nation Interview

die von sich aus ganz viel trainieren und einen erzählt, wie sich Tanz in viele Facetten Wir haben an Dance Nation festgehalten in auszuhalten, berührt mich persönlich sehr
anderen Zugang haben. Da liegt die Schwie­ auseinanderdividieren lässt, aber auch, wie Kauf genommen, dass es keine Nähe und und erzählt für mich viel von unserer Welt.
rigkeit darin, diese Qualitäten abzugreifen, viele Persönlichkeiten in einer Person vereint Berührungen geben kann. Warum soll ich
ohne dass ein Gefälle entsteht. sind. Wie viele unterschiedliche Personen Dance Nation anschauen, gerade jetzt? Ich danke euch für dieses Gespräch.
NS Dabei gab es interessanterweise keinen sind wir im Laufe unseres Lebens allein durch NS Das Irre ist, auf der Bühne fasst sich
Neid. Das finde ich echt verrückt. Das hätte unser Älterwerden? Wie guckt man auf sich niemand an, so wie im richtigen Leben auch.
ich nicht gedacht. Alle freuten sich, wenn selbst als Kind zurück? Erkennt man sich Auf der Theaterbühne findet man anfassen
eine*r toll tanzte, und niemand sagte: „Warum dann wieder, oder ist man jemand ganz sowieso ganz oft blöd, aber witzigerweise ist
tanzt sie so viel?“, sondern: „Kann sie bitte anderes geworden? Das spiegelte sich für uns die Antwort auf „Nicht anfassen“ häufig Rum­
mehr tanzen?“ alles in diesem Objekt wider. stehen. Bei Dance Nation gibt es viel Bewe­
gung, Positions- und Formationswechsel, so
In New York und in London gab es jeweils Was war der zentrale Gedanke bei deinen viel „sich Auspowern“. Das überträgt sich auf
schon eine Inszenierung. Beide bedienten sich Kostümen? einen selbst. Ich habe das Gefühl, ich tanze
realistischer Räume mit Ballettsälen, Spiegeln, AR Ich habe mich gegen Stereotype entschie­ seit Wochen mit, obwohl ich es gar nicht tue.
Stangen. Wir befinden uns in einer abstrakte- den, keine Verkleidung, keine Lächerlichkeit Es regt einen an, und das finde ich in dieser
ren Welt. Wie kam es dazu und wie würdest oder konkurrierende Zurschaustellung. Dem Dimension das Stärkste für unsere Zeit.
du den Raum für dich begreifen? Zuschauer bleibt Assoziationsraum, in die SK Ich empfinde die Körper als wesentlich
KH Also, ich muss verraten, dass es eine eigene Vergangenheit zu tauchen, die eigenen verletzlicher, aber zugleich auch als schöner,
unserem Bühnenaufbau ähnlich aussehende Wege zu spiegeln. Was können die großen wenn nicht auf der Bühne dieses ständige
Skulptur gibt, in einem alten argentinischen Köpfe für die Traumsequenz aussagen? Was Aufeinanderzugerenne und Angefasse
Filmmuseum: Auf einem sich drehenden macht ein enges Trikot, ein Ballettrock aus? passiert, was permanent diminuiert. Da
Teller, dreht sich wiederum eine Spiegelsäule, Es war eine schöne Zusammenarbeit mit dir, würde ich vielen Stimmen, die behaupten, der
die viele Facetten hat, wie ein Insektenauge. Bahar. Kampf könne nur in der Nähe stattfinden,
Auf dem Teller sind im Rund Tänzer abgebil­ nicht recht geben. Ich glaube, die Empfind­
det. In Bewegung geraten, entstehen Mikro­ Nun noch einmal einen Schwenk in unsere samkeit, auch die Sehnsucht entstehen über
aufnahmen, so wie man früher Trickfilme Zeit hinein. Wir haben Dance Nation unter den Abstand und die Möglichkeiten, die zwei
gemacht hat. Stephan und ich haben sofort anderen Bedingungen geplant. Dann kam oder mehrere Körper auf der Bühne zusam­
wie aus einem Mund gesagt: Das müssen wir Corona, und viele Theater haben ihren men haben könnten und hätten, aber zu
eigentlich bei Dance Nation machen. Es Spiel­­plan umgestrickt, andere Stücke gemacht. denen es nicht kommen kann. Das Unerlöste

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Nils Rovira-Muñoz, Amelle Schwerk
Amelle Schwerk, Irene Kugler
Anja Herden, Sebastian Nakajew
Dance Nation Essay

„BITTEBITTE,
Sie sind dreizehn. Sie sind Tänzerinnen. Sie Mom ist die Verkörperung der mütterlichen
sind ambitioniert. Sie sind Freundinnen. Sie Liebe, gekleidet in die Angst um das Versagen
sind Konkurrentinnen. Sie entdecken ihren des Kindes. Das führt zum unerbittlichen

LASS MICH
Körper und ihr Körper entdeckt sie. Sie sind Verleugnen der eigentlichen Bedürfnisse.
voller Kraft. Sie wollen siegen. Zusammen Versagen, Scheitern sind die schlimmsten
sind sie eine kleine Armee. Zuzu, Ashlee, Vorstellungen in einer Welt, die sich dadurch
Amina, Connie, Sofia, Maeve und Luke. Sie definiert, die oder der Beste zu sein und die

EINFACH
wollen die Welt verändern und sie könnten Masse hinter sich zu lassen. Scheitern hieße
es – ob es gelingt – wir wissen es nicht. hier, dem Glück Adieu sagen. Für eine Mom
Irgendwo in uns ist es noch, dieses 13-jährige kein akzeptabler Vorgang. Also heißt es
Ich von damals, radikaler, empfindsamer, un­ leiden. So beginnt das Stück auch mit einem
schuldiger, wütender und impulsiver als das Unfall: Gleich fällt die Erste durchs System,

VERLIEREN“
heutige. Clare Barron hat es ausgegraben und bei einem Auftritt kommt sie falsch auf und
vervielfacht. Sieben davon versammelt sie in bricht sich das Bein – versagt, aussortiert
einer Welt der Konkurrenz, Leistung, erwa­ ausgetauscht. Ein warnendes Signal für den
chender Sexualität und der Freundschaft. Auf Rest der Gruppe, das auch erst einmal wirkt.
den ersten Blick könnte man Dance Nation als Und Tanzlehrer Pat stellt die Gruppe aufs
ein klassisches Coming-of-Age-Drama lesen. Siegen ein: „Wie wollt ihr eure vorpubertä­
Nora Khuon
Doch das wäre zu kurz gedacht, denn eigent­ ren Jahre abschließen? / Als Sieger? Wie die
lich verfasst Clare Barron einen Angriff auf Elite-Pre-Teen-Wettbewerbsmannschaft von
unser neoliberales System. 2012? / Oder zweitausenddreizehn. Vierzehn.
Fünfzehn!  / (…) / Oder schafft ihr es nicht
Eine Gruppe tanzender Kinder auf der mal aufs Podium … / Wer waren die Mäd­
Schwelle zum Erwachsenendasein. Sie chen von 1996? / Wir wissen es nicht … / Als
wollen die National Championships gewin­ hätten sie nie existiert.“ Die Botschaft ist
nen. Angetrieben werden sie von Tanzleh­ einfach: Willst du jemand sein, dann siege.
rer Pat und einer Mom, die gleichsam alle Für den nächsten Sieg hat Pat sich Absurdes
Moms verkörpert, was ein kluger Kniff ist: ausgedacht. Unerwartet, außergewöhnlich,
Die einzige, aber komplexe Funktion dieser ergreifend soll es sein. So sucht er sich den

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Dance Nation Essay

Gegenpart zu dem, was die Mädchen in ihrer sarkastisch, sondern ernst gemeint und eine Diese Setzung macht das Stück besonders. Die Scham sitzt ihnen allen im Nacken. Egal,
leistungs­orientierten Welt kennen: Gandhi, glaubhafte Sehnsucht, die sie alle bestimmt. Es ist nicht nur ein Besetzungshinweis. Bar­ ob es die Scham ist, zu den Verliererinnen zu
gewaltloser Widerstand, der Kampf gegen Wie kann man etwas fühlen, und wie kann ron spannt ihre Figuren vor diesem weiten gehören oder die Scham darüber, die ande­
Unterdrückung und Leid. Sein Leben und man dem Erkalten, Sterben, Verderben der Horizont der Arglosigkeit und des Bewusst­ ren dadurch zu demütigen, dass man eine
Wirken sollen sie ertanzen. Bizarr ist das in eigenen Herzen entkommen? Was machen seins auf. In ihnen fließen Vorpubertät und Gewinnerin ist. Gewinnen kann hier nämlich
jeder Hinsicht. Und so zynisch es uns erschei­ sie mit dieser unglaublichen Kraft, die sie in Alter zusammen. Wir sehen das Kind in der niemand. Das System grenzt immer aus,
nen mag, vollkommen unzynisch ist es von sich fühlen, die nicht zu ermüden ist durch Erwachsenen und die Erwachsene im Kind entwertet, beschämt. Es setzt auf Abhängig­
Pat erdacht. Sein Bewusstsein reicht nicht das, spüren was ihnen die Welt mit ihren durchscheinen – eine Erinnerung, eine Mah­ keit, nicht auf Autonomie. Und so vereint die
dahin, das eigene demütigende, schmerzhafte Grenzen zu bieten hat? Barrons Figuren nung an das, was möglich gewesen wäre, ein Verneinung des inneren Impulses die Figuren.
Verhalten zu realisieren. Daher verwundert fühlen eine Menge. Ausblick darauf, was sein könnte. Unbedarft­ Bis sie, aus ihrem Trainingsalltag herausgeris­
es auch nicht, dass der Wunsch jeder Einzel­ heit und Wissen vereinen sich und stemmen sen, in bizarren, radikalen Monologen voller
nen, Gandhi zu sein und das Solo zu tanzen, Sie alle tragen eine Sehnsucht in sich. Sie sich gemeinsam gegen eine Welt, in der es Trauer, Wut, Ekstase, Lust und Schönheit auf
sicherlich nicht allein darauf zurückzuführen wollen mit den Wölfen leben, wollen geliebt immer eine Sehnsucht bleibt, wirkliche Ge­ sich selbst stoßen. Eine Selbstermächtigung
ist, systemkritisch zu wirken und wirken. Der werden, Freunde haben, sich ausdrücken, meinschaft zu erfahren, in der das Bedürfnis, und Gewahrwerdung der besonderen Art:
Impuls konform zu sein, herausragend, aner­ siegen, eine Gruppe sein, gesehen werden, man selbst zu sein, nie gestillt werden wird. revolutionär und rabiat. Barron endet in einer
kannt wirkt nach wie vor in ihnen. Dennoch Grenzen sprengen, Perfektion erlangen, Es ist berührend, wie Barron ihre Startän­ Überwindung des internalisierten Systems,
ist ihnen die arglose und dennoch so tiefe Männer fertigmachen, zusammen sein, ver­ zerin sagen lässt: „Manchmal denke ich, ich ob es von Dauer ist, kann man nur erhoffen,
Sehnsucht „Ich will die Welt ändern durch schmelzen, eins sein mit sich und der Welt. will verlieren / (…) Also ich schließe meine aber der Moment, wankend am Rand des
Tanzen“ nicht abzusprechen. Der Mensch Das Befreiende an Dance Nation ist, dass Augen und sage: / Gott. Es ist okay, wenn Erwachsenendaseins, das Selbst zu begreifen,
ist eben ein Zwiespalt. Das alles könnte Clare Barron zu keinem Zeitpunkt reale ich verliere / Ist mir egal diesmal / Also weil sich zu vereinen, hinterlässt ein Gefühl der
schrecklich plakativ, bekannt und langweilig 13-Jährige entwirft. Im Vorwort zu ihrem Text ich wohl andere verletze / Nur durch meine Transzendenz, irrlichternd, schwankend und
sein, ist es aber nicht. Denn anders als diese schreibt sie: „Das Stück sollte jedoch (größ­ Existenz / Also nur dadurch, dass ich, also schön.
verkürzende Zusammenfassung fängt Barron tenteils) von erwachsenen Schauspieler*in­ ich – lebe / Das verletzt alle anderen / Und
die Komplexität der Situation und Figuren nen gespielt werden, mit einer Altersspanne ich denke: Okay, bittebitte, lass mich einfach
ein. Sie verzerrt und überspitzt, sie beseelt von zwölf bis fünfundsiebzig Jahren und älter. verlieren … /  Aber dann komme ich auf die
und vertieft. Wenn beispielsweise Pat aus­ (…) Die älteren Körper der Schauspieler*in­ Bühne / (…) Und auf einmal will ich nur noch
ruft: „WIR LASSEN DIESE JURY ETWAS nen verfolgen die dreizehnjährigen Figuren. gewinnen /  Ich will so doll gewinnen / Dass
FÜHLEN IN IHREN KALTEN, TOTEN, (…) Und diese Dreizehnjährigen werden ver­ ich echt dafür bete“.
VERDORBENEN HERZEN!!“ ist das nicht folgt von denen, die sie einmal sein werden.“

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Alrun Hofert, Nils Rovira-Muñoz
Seyneb Saleh, Irene Kugler, Anja Herden
Dance Nation zur Autorin

MACHEN
Nach einem Intensiv-Workshop für szeni­ von Momenten des Wettbewerbs, da gerade
sches Schreiben bei der Pulitzer-Preisträgerin die Aussichten auf Erfolg Angst machen kön­
Annie Baker verfasst sie ihr erstes Stück a boy nen, und dem Drang, sich dennoch selbst zu
put this girl in a cage with a dog and the dog behaupten und die eigenen Fähigkeiten und
killed the girl und wird Teil des Schreibkollek­ Gestaltungsmöglichkeiten zu bejahen. Denn,

SIE ES
tivs Youngblood, in dessen Rahmen sie Baby das muss mit Barron den jungen Tänzer*in­
Screams Miracle schreibt, ihr zweites Stück, nen in Dance Nation bewusst sein: Auf dem
welches direkt uraufgeführt wird. Es folgen Gipfel des Erfolgs lebt es sich einsam.
die Stücke Dirty Crusty, das sich wie Dance
Nation um Tanz dreht, sowie I’ll Never Love Die Auseinandersetzung junger Frauen mit

GEFÜHL-
Again. ihren Körpern, ihren Ambitionen und ihrer
Sexualität, sind wieder­kehrende Motive in
In dem Stück You Got Older verarbeitet den Stücken Clare Barrons.
Barron die Krebserkrankung ihres Vaters und
spricht offen über ihr schlechtes Gewissen, Ich bin vor allem von weiblichen Körpern beses-

VOLL UND
das sie in Bezug auf den nachfolgenden Er­ sen – davon, ihre Schmutzigkeit und Verkrus-
folg des Stückes hatte. Dass sie Erfolg mit der tung einzugestehen. Es gibt nicht viel, was mich
Verarbeitung der Leidensgeschichte ihrer ekeln könnte. Ich fühle auch dieses tiefe Mitge-
Familie erfuhr, ließ sie an dieser Anerken­ fühl für den Körper. Ich finde es so verrückt, dass
nung, an ihrer Autor*innenschaft zweifeln. wir in diesen Fleischsäcken gefangen sind.

GROSS!
Diese Zweifel am eigenen Erfolg und an den I’m obsessed particularly with female bodies –
eigenen Fähigkeiten lassen sich in ihrer Figur with owning up to your dirtiness and your
der Amina wiedererkennen, der wir in Dance crustiness. There’s not much that can gross me
Nation begegnen: out. I also feel this deep compassion for the
body. I think it’s so crazy that we’re trapped in
Also ich denke wirklich, ich will verlieren [...] these sacks of flesh.
zur Autorin Clare Barron Also weil ich wohl andere verletze Sie schreibt über diese Themen und Lebens­
Nur durch meine Existenz . welten junger Frauen mit einer Dringlichkeit,
1986 geboren in Wenatchee, Washington, selbst rückblickend als Schlüsselmoment Like I actually think I want to lose [...] die sie als Gebot formuliert:
kommt Clare Barron bereits als Teenager mit ihrer späteren Karriere am Theater bezeich­ Like I feel like I hurt people Machen Sie es gefühlvoll. Und groß. Nehmen Sie
dem Theater in Kontakt und lernt es lieben. net. Während ihres Studiums an der Yale- Just by existing. es ernst. Machen Sie es nicht niedlich.
Als Teil der Kindertheatergruppe „Short Sha­ Uni­versität verfasst sie erste dramatische Make it soulful. And big. Take it seriously. Don’t
kespearians“ macht sie erste und prä­gende Texte, strebt aber erst selbst eine Karriere als Die Zweifel junger Frauen an ihren Stärken make it cute.
schauspielerische Erfahrungen und nimmt, Schauspielerin an. Während sie zwei Jahre und Erfolgen ist ein Motiv, das Clare Barron
gleichsam wie ihre Protagonist*innen aus lang für mehrere Inszenierungen auf der nicht nur persönlich beschäftigt. Warum steht Mit ihrem Stück Dance Nation war Clare Bar­
dem Stück, Tanzunterricht. Bühne steht, bleibt die erhoffte Erfüllung das Hinterfragen von eigenen Ambitionen ron für den Pulitzer Preis nominiert, Barron
Während der Highschool nimmt sie an der jedoch aus, und und sie wendet sich schließ­ und Wünschen bei Frauen scheinbar so oft lebt und arbeitet in Brooklyn, New York.
„Summerschool“ der renommierten Tisch lich wieder dem Schreiben von Theater­ im Vordergrund? Clare Barron interessieren
School of Arts in New York teil, was sie stücken zu. diese Spannungen zwischen dem Vermeiden Melanie Hirner

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Wär doch
meine Seele
so perfekt wie
meine Pussy!

Ruby Commey
Dance Nation Regieteam

DAS REGIETEAM

Andrej Agranovski
Stephan Kimmig

Geboren 1959 in Stuttgart. Er studierte ab Inszenierungen in Schauspiel und Oper ent­ u. a. in Stuttgart, Hamburg und Oslo. Ab 2002 Geboren 1996 in Würzburg. Von 2016
1981 Schauspiel an der Neuen Münchner worfen. Von 2000 bis 2002 war sie Atelier­ auch als Bühnenbildnerin. Zahlreiche ihrer bis 2020 studierte er Schauspiel an der
Schauspielschule und lebte von 1988 bis leiterin und feste Bühnenbildnerin am Thalia Produktionen wurden zum Berliner Theater­ Theaterakademie August Everding und
1996 in Amsterdam. Er inszenierte in der Theater, von 2009 bis 2011 Atelier­leitung am treffen eingeladen, u. a. Mittagswende in der am Staatlichen Institut der Darstellenden
Zeit als freier Regisseur in der nieder­ Deutschen Theater Berlin. Sie erhielt 2007 Regie von Jossie Wieler. Anja Rabes war Künste in St. Petersburg. Während des
ländischen und belgischen Off-Theater- den Karl-Schneider-Preis der Freien und Gast­dozentin der Szenografie-Klasse an der Studiums gastierte er als Schauspieler

MUSIK
REGIE

Szene. Ab 1996 war er Hausregisseur in Hansestadt Hamburg und 2008 gemeinsam Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karls­ und Bühnenmusiker am Residenztheater
Heidelberg, von 1998 bis 2000 am Schau­ mit Stephan Kimmig den 3sat-Innovations­ ruhe und lehrt zurzeit an der Hochschule für München und dem Hessischen Staats­
spiel Stuttgart und seit 2009 am Deutschen preis für zukunftsweisende Leistungen des Theater und Musik in Hamburg. theater Wiesbaden. Er ist u. a. neben Emma
Theater Berlin. Neben regelmäßigen Einla­ deutschen Schauspiels für ihr Bühnenbild zu Nach Platonowa entwirft sie am Schauspiel Drogunova im Film Close zu sehen, welcher
dungen zum Berliner Theatertreffen erhielt er Maria Stuart. Hannover in der Spielzeit 2020 / 21 die Kostü­ 2017 im Rahmen des Festival de Cannes lief
u.  a. den Wiener Nestroy-, den Rolf-Mares- Als feste Bühnenbildnerin begleitet sie den me für Dance Nation und Amphitryon, jeweils und beim Blaue Blume Award 2018 mit dem
und den FAUST-Preis sowie – zusammen Neustart am Schauspiel Hannover und ist ver­ in der Regie von Stephan Kimmig. ersten Platz ausgezeichnet wurde.
mit seiner Ehefrau, der Bühnenbildnerin antwortlich für die Umgestaltung der Foyers. Ab der Spielzeit 2020 / 21 ist er festes Ensem­
Katja Haß – den 3sat-Innovationspreis für Nach Platonowa in der Spielzeit 2019 / 20, blemitglied am Badischen Staatstheater
zukunftsweisende Leistungen im Deutschen entwirft sie am Schauspiel Hannover in der Geboren 1986 in Berlin, arbeitet als Karslruhe.

Bahar Meriç
Schauspiel. Stephan Kimmig inszeniert seit Spielzeit 2020 / 21 die Bühnenbilder für Dance freischaffende Tänzerin und Choreo­
2009 auch Oper, u. a. in Stuttgart, Basel, Mün­ Nation, Aufzeichnungen aus dem Kellerloch. grafin. Sie arbeitet projektbezogen und

Nils Strunk
chen und Bremen. Bei nassem Schnee und übernimmt die Aus­ genreübergreifend mit Tänzer*innen, Geboren 1990, aufgewachsen in Lübeck,

CHOREOGRAFIE
Nach Platonowa in der Spielzeit 2019 / 20, stattung für die Uraufführung Ein Mann seiner Schauspieler*innen sowie Laien unter­ absolvierte sein Schauspielstudium an der
inszeniert Stephan Kimmig in der Spielzeit Klasse nach dem Roman von Christian Baron. schiedlichsten Alters in den Bereichen Hochschule für Schauspielkunst „Ernst
2020 / 21 Dance Nation von Clare Barron und community dance, Tanz und Theater. Busch“. Es folgten Engagements an der

MUSIK
Amphitryon von Heinrich von Kleist. Grundlage ihrer künstlerischen Arbeit ist Schaubühne am Lehniner Platz, am Deut­
Anja Rabes

Geboren 1966 in München. Nach einer Improvisation und die Verbindung unter­ schen Theater Berlin, an der Staatsoper
Lehre zur Schneiderin an der Bayerischen schiedlichster Tanzstile. Als Choreografin Unter den Linden, am Staatstheater Wies­
Katja Haß

Geboren 1968 bei Krefeld. Sie absolvierte Staatsoper studierte sie Theaterwissen­ realisierte sie Projekte u. a. am Maxim Gorki baden, am Residenztheater in München, an
ihre Ausbildung zur Bühnen- und Kostüm­ schaften in München. Anschließend Theater, Sophiensaele, Deutsches Theater, an der Volksbühne Berlin und am Burgtheater
KOSTÜM

bildnerin bei Erich Wonder in Wien und arbeitete sie als Kostümassistentin bei der Hochschule der Künste Bern, dem Haus in Wien. Zusammenarbeit u. a. mit Nicolas
BÜHNE

arbeitete anschließend zwei Jahre als Axel Manthey, Johannes Grützke und der Universitäten Bern und für das Goethe Brieger, Isabel Ostermann, Ulrike Arnold,
Bühnenbildassistentin von Anna Viebrock Anna Viebrock, mit der sie für Jossi Wieler Institut Karachi in Pakistan. In der Spielzeit Tina Lanik, Ulrich Rasche, Jan Philipp Gloger,
in Hamburg. Von 1996 bis 2000 war Katja erste eigene Kostüme entwarf. Seit 1994 2019 / 20 leitete sie in Zusammenarbeit mit Christian Grashof, Jim Rakete, Thorleifur Örn
Haß feste Bühnenbildnerin am Staatstheater arbeitet sie regelmäßig als Kostümbildnerin der Autorin Kyra Mevert den Workshop Body Arnarsson und Martin Kušej. Nils Strunk ist
Stuttgart. Seither arbeitet sie regelmäßig mit Jossi Wieler / Sergio Morabito, Stephan at work im Rahmen der Universen-Reihe am außerdem Musiker und Komponist für Büh­
mit Stephan Kimmig und hat in den letzten Kimmig, Christoph Marthaler, Johan Simons Schauspiel Hannover. nen- und Filmmusik. Er ist Teil des Neuen
Jahren nahezu alle Bühnenbilder für seine und Calixto Bieito für Oper und Schauspiel Künstlertheater Berlin.

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Nils Strunk
Amelle Schwerk, Irene Kugler, Ruby Commey, Seyneb Saleh, Alrun Hofert
ZU
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THEATER
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TEXTNACHWEISE
Die Texte sind Originalbeiträge für dieses Heft.

FOTOS
Katrin Ribbe

Dance Nation received its UK premiere at the Almeida Theatre, London, September 2018. Playwrights
Horizons, Inc., New York City, produced the World Premiere of Dance Nation in 2018 with support
from an award by the National Endowment of the Arts, and a generous giftfrom Scott M. Delman.
Special thanks to The Harold and Mimi Steinberg Trust for supporting new plays at Playwrights
Horizons, and special thanks to the Time Warner Foundation for ist leadership support of New
Works Lab at Playwrights Horizons. Dance Nation was developed at the Perry-Mansfield New Works
Festival, June 2015, with the Atlantic Theatre Company, and presented as part of the Contemporary
American Voices Festival at Long Wharf Theatre, September 2016. Dance Nation was written,
in part, in residence at SPACE on Ryder Farm, and received extensive Workshop time and space as
part of New Dramatistsʼ Jerry A. Tishman Playwrights Creativity Fund.

IMPRESSUM
2020 / 21
SPIELZEIT
HERAUSGEBER Niedersächsische Staatstheater Hannover GmbH, Schauspiel Hannover
INTENDANTIN Sonja Anders
REDAKTION Melanie Hirner, Nora Khuon KONZEPT UND DESIGN Stan Hema, Berlin
GESTALTUNG Philipp Baier, Madeleine Hasselmann, Minka Kudraß

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schauspielhannover.de
gvh.de
Alrun Hofert, Anja Herden

schauspielhannover.de