Sie sind auf Seite 1von 19

A ARCHÄOLOGISCHE

M MITTEILUNGEN AUS
I IRAN UND
T TURAN

Band 41
2009

Separatum
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt
oder Realität?*
Von Kai Ruffing

Schlagwörter: Altpersien, Klassik, Achaimenidenreich, Satrapienliste


Keywords: Ancient Persia, Achaemenid Empire, list of satrapies

Eine Betrachtung der sogenannten Satrapienreform mopylen, die zuletzt in gewisser Weise gar cineasti-
des Dareios I. im Spiegel der Historien Herodots sche ,Würdigung‘ durch den Film 300 erfahren hat.6
steht in vielerlei Hinsicht im Schnittpunkt mehrerer Wie lebendig diese maßgeblich auf Herodot zurück-
Problemkreise, die sich bei der Analyse des Werkes gehenden Erinnerungsfiguren für den ,Kampf von
des Halikarnassiers und den Intentionen seiner Ab- Orient und Okzident‘ auch heute noch sind, zeigen
fassung ergeben, noch dazu, wenn der archäologi- jüngere Äußerungen in der Forschung im Kontext
sche Befund allgemein in diese Diskussion mitein- der aktuellen Zeitläufe.7
bezogen wird. Darüber hinaus waren die ersten Bücher der
Solches ist schon mit der Person Herodots Historien im besonderen wie auch im Allgemeinen
und seinem Werk gegeben. Gemeinhin gilt der Hali- von großer Bedeutung für die sich im 19. Jh. formie-
karnassier nach einem vielzitierten Diktum Ciceros renden Wissenschaften der Assyriologie und Iranis-
in de legibus als der Vater der Geschichtsschrei- tik sowie der Ägyptologie, bildeten doch die frühen
bung, der pater historiae.1 Und doch sind die His- Bücher Herodots im Verbund mit dem Alten Tes-
torien viel mehr als ausschließlich Geschichtsschrei- tament zunächst die wesentlichen Schriftquellen,
bung. So sieht beispielsweise Francesco Prontera denen man die immer reichlicher sprudelnden ar-
Herodot in Bezug auf die Geographie auf einem ähn- chäologischen Funde und Befunde sowie enchori-
lichen Platz wie in Bezug auf die Geschichtsschrei- schen Schriftquellen gegenüberstellen konnte.8 Ge-
bung.2 Eine ähnliche Bedeutung wird ihm auch für rade in diesem Kontext tauchten insbesondere zwei
die Ethnographie bescheinigt.3 Kurzum: Herodot Problemkreise auf. Im Rahmen der Ausgrabungen
narrativiert in den Historien das, was wir heute als waren die betreibenden Gelehrten so durch die
Ereignis- und Strukturgeschichte bezeichnen wür- Konzeptionen und Konstruktionen Herodots beein-
den. Die Bedeutung der Historien für die Ausbildung druckt, dass sie die von dem Halikarnassier ab-
europäischer respektive eurozentrischer Geschichts- weichenden Ergebnisse ihrer Grabungen mit einer
bilder kann dabei gar nicht hoch genug veranschlagt Fülle von Erklärungsmöglichkeiten zu harmonisieren
werden. Dies gilt insbesondere für die Perserkriege, suchten. Besonders deutlich wird dies an Herodots
die zunächst zu einer maßgeblichen Erinnerungsfigur babylonischem Logos. Hier stellten die Ausgräber
für die Athener, dann aber auch für die griechische und die sich mit den Keilschriftquellen beschäftigen-
Welt wurden; der vermeintlich schicksalhafte Kampf den Forscher aufgrund der Divergenzen zwischen
zwischen Orient und Okzident, den der Hellenen- dokumentarischem und archäologischem Befund
bund ausfocht, wurde in der Folge integraler Be- nicht etwa den angenommenen Charakter Herodots
standteil eines europäischen Geschichtsbildes, das als protowissenschaftlichen Historiker in Frage, son-
sich eben von diesem ,Orient‘ abgrenzen wollte.4 dern suchten diese Unterschiede mit diversen An-
Einen diesbezüglichen Gipfel stellt beispielsweise nahmen zu erklären und letztlich hinwegzudisputie-
der oft zitierte Satz des britischen Dichters John Stu- ren, um Herodot nicht in Zweifel zu ziehen.9 Einen
art Mill dar, die Schlacht bei Marathon sei für die ähnlichen Weg beschritt auch die Ägyptologie im
englische Geschichte wichtiger als die bei Hastings.5 19. Jh., wo sich trotz der aufgrund von textlichen
Eine noch größere Wirkungsmacht entfaltete die he- und archäologischen Befunden teilweise heftigen
rodoteische Beschreibung der Schlacht bei den Ther- Kritik an der Glaubwürdigkeit Herodots die com-
munis opinio herausbildete, Herodot habe die von
ägyptischer Seite geäußerten Informationen einer
* Für die kritische Lektüre des Manuskripts und Hinweise danke
ich Reinhold Bichler (Innsbruck), Bruno Jacobs (Basel), Thomas
Pekáry (Münster) und Orell Witthuhn (Marbug) sehr herzlich. 6
Zu den Thermopylen und ihrer Rezeption Albertz 2006; Jung
1
Cic. leg. 1,1,5. 2006.
2 7
Prontera 2002, 229. Cartledge 2006, 197–211.
3 8
Müller 1972, 101; Stok 2002, 204–205; Bichler 2007a, 67–80. Zum grundlegenden Forschungsüberblick: Bichler/Rollinger 2001,
4
Zu den herodoteischen Konzeptionen von Grenzen Bichler 2006. 136–140.
5 Zu Marathon und seiner Rezeption Gehrke 2003; Hölkeskamp 9 Rollinger 2008; Rollinger 2001; Rollinger 1998, 340–341; Rollin-
2001; Flashar 1996. ger 1993.
324 Kai Ruffing

interpretatio Graeca zugeführt und sei somit letzt- desselben mit verschiedenen Damen behandelt hat,
lich eine verlässliche Quelle v. a. für die ägyptische wendet er sich der ersten Maßnahme zu, mit der
Spätzeit.10 Konsequenterweise wird auch in der der Achaimenide sein Reich organisierte. Demzufol-
modernen Forschung noch versucht, archäologische ge hätte Dareios in Persien 20 Herrschaftsbezirke
Befunde an Herodot anzubinden.11 (Æ^æOÆ7) eingerichtet, die die Perser ,Satrapien‘
Der zweite mit dem gerade skizzierten verbun- (.Æ-æÆ0G7G) nannten. Über diese Bezirke habe der
dene Problemkreis in Bezug auf die herodoteischen erste Achaimenide Gouverneure eingesetzt, die der
Historien ist ihre Glaubwürdigkeit und damit ihre Halikarnassier als eæOAC-2/ bezeichnet. Nachdem
Verwertbarkeit als historische Quelle. Diese war er die Æ^æOÆ7 und die eæOAC-2/ eingesetzt hatte,
schon in der Antike nicht unumstritten. Solches habe er nach Völkern (ŒÆ-J fŁC2Æ) einen Tribut
wird schon offenbar, wenn man sich die eingangs (,<æA/) festgesetzt. Die Völker habe er dabei mit
genannte Cicero-Stelle in de legibus ein wenig nä- ihren Nachbarn zusammengefasst, wobei er auch
her anschaut: ,,. . . apud Herodotum patrem his- weiter entfernte Völker anderen Völkern zugeschla-
toriae [. . .] sunt innumerabiles fabulae.‘‘12 Lukian gen habe. Nach einigen Worten zu den Maßeinhei-
geht noch weiter und siedelt in seinen Æ^ºGŁG ten, in denen die Tribute in Silber (nach dem Ge-
4ØGª8EÆ-Æ Herodot zusammen mit Ktesias an ei- wicht des babylonischen Talents) und Gold (nach
nem dem Inferno nicht unähnlichen Ort an, der un- dem Gewicht des euboiischen Talents) entrichtet
ter anderem zur Bestrafung von Geschichtsschrei- wurden, führt Herodot weiter aus, unter der Herr-
bern dient, die in ihren Werken die Unwahrheit schaft des Kyros und des Kambyses habe es keine
geschrieben hatten.13 Die Auseinandersetzung um Tribute (,<æAØ) gegeben, sondern man habe die-
die Glaubwürdigkeit Herodots dauert in der moder- sen Herrschern lediglich Geschenke (4øæÆ) ge-
nen Forschung immer noch an. Als diesbezügliche bracht. Diese Einlassung nimmt er zum Anlass, eine
Pole lassen sich die wegweisende Monographie von flotte Klimax zu formulieren: Weil die Völker nun-
Detlev Fehling, der sich insbesondere der Fiktionali- mehr Tribute zu entrichten hätten, früher aber nur
tät der herodoteischen Quellenangaben zuwand- Geschenke gebracht hätten, sagten die Perser, Da-
te,14 und die harsche Reaktion auf dieses Buch von reios sei ein Krämer (Œ90GºA/), Kambyses ein Des-
W. Kendrick Pritchett, der zu Unrecht geltend mach- pot (42.0<-G/) und Kyros ein Vater (0Æ-8æ). Denn
te, Herodot würde dort als Lügner abgetan, fest- der erste betreibe alles nach Krämerart, der zweite
machen.15 Zwischen diesen Polen bewegt sich die sei hart und rücksichtslos gewesen, der dritte sei
Forschung bis in die jüngste Zeit.16 Dabei wurden mild gewesen und habe ihnen alles Gute verschafft
insbesondere durch die grundlegenden Arbeiten (Hdt. 3,89).
von Reinhold Bichler und Robert Rollinger die ge- Nachdem Herodot auf diese Weise die ,Satra-
stalterische Kraft Herodots und die den Historien pienreform‘ eingeleitet hat, zählt er die verschie-
zugrundeliegenden Prinzipien literarischer Aus- denen Einheiten auf, die Tribut zu entrichten hat-
gestaltung im Verhältnis zu vermutbaren histori- ten. Im Rahmen dieser Aufzählung führt er aber
schen Realitäten aufgezeigt.17 übergangslos einen neuen Begriff ein, mit dem er
Steht also Herodot schon im Allgemeinen im die einzelnen Tributbezirke benennt: CAE</. Diese
Schnittpunkt der genannten Problemkreise, so gilt 20 CAEA7 gestaltet Herodot folgendermaßen:
dies im Kleinen auch für die sogenannte Satrapien- (Tab. 1).
liste, die er im dritten Buch der Historien liefert.18 Nach dieser Auflistung der 20 CAEA7 berech-
Nachdem Herodot dort den Übergang von der Herr- net Herodot die Gesamtsumme der Tribute. Derjeni-
schaft des Kambyses auf Dareios I. und die Heirat ge in Silber, einmal von babylonischen Talenten in
euböische Talente umgerechnet, ergebe 9.540 Ta-
lente, der ,<æA/ der Inder in Gold entspreche
10
Bichler/Rollinger 2001, 138–140. 4.680 Talenten. Rechne man dies alles zusammen,
11
So etwa im Falle der immer noch offenen Lokalisierung von ergäbe sich die Summe von 14.560 euböischen Ta-
Pteria: Rollinger 2003a. Zur Problematik der Verknüpfung von lenten Silber, die Dareios alljährlich zur Verfügung
archäologischem Befund und antiker Literatur vgl. den äußerst
lesenswerten Aufsatz von Sinn 2004. stünden (Hdt. 3,95). Dies sei nur der Tribut, der Da-
12
Cic. leg. 1,1,5. reios aus Asien und einem kleinen Teil Libyens zur
13
Luk. Aleth. dieg. 2, 31. Verfügung stünde. Im Verlauf der Zeit seien noch
14
Fehling 1989. weitere Tribute hinzugekommen, namentlich von
15 Pritchett 1993.
16 Bichler/Rollinger 2001, 161–163. Siehe ferner die jüngst publi-
den Inseln und von denen, die Europa bis zu den
zierten Sammelbände von Bleckmann 2007a; Giangiulio 2005. Thessalern bewohnten (Hdt. 3,96,1). Im darauf fol-
17
Bichler 2001; Rollinger 2007; Rollinger 2000; Rollinger 2004a; genden Kapitel fasst Herodot seine Ausführungen
Rollinger 2004b; Rollinger 2008b sowie die Arbeiten aus zusammen: Dies seien also die Bezirke – nun nennt
Anm. 9; Bichler/Rollinger 2005.
18 Zu den Tributen im Perserreich grundlegend Briant 2002,
er sie freilich wieder Æ^æOÆ7 – und die ihnen auf-
388–471. erlegten Tribute. Nur die Persis sei frei von diesen
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 325

Tributen. Darüber hinaus gebe es noch Völker, die


keine Tribute zahlten, sondern Geschenke (4øæÆ)
brächten. Dies seien die Äthiopen, die an der Gren-
ze Ägyptens wohnten und von Kambyses auf sei-
nem Marsch gegen die langlebigen Äthiopen unter-
worfen worden seien. Diese Äthiopen und ein
anderes Volk gäben alle zwei Jahre zwei Choiniken
Gold, 200 Stämme Ebenholz, 5 Knaben und 20 gro-
ße Elefantenzähne. Die Kolcher und ihre Nachbarn
bis zum Kaukasus – die Perser herrschten nämlich
bis zum Kaukasus, während die Völker nördlich von
diesem nichts mit ihnen zu tun hätten – gäben alle
vier Jahre 100 Mädchen und 100 Knaben. Die Ara-
ber schickten an den Großkönig schließlich alljähr-
lich 1.000 Talente Weihrauch (Hdt. 3,97).
Aufgrund der hier paraphrasierten Äußerungen
Herodots hat man in der Forschung eine Satrapien-
reform des Dareios postuliert. Diese ,Satrapienre-
form‘ hat Bruno Jacobs in seiner grundlegenden
Monographie zur Satrapienverwaltung u. a. aus zwei
Gründen völlig zu Recht – wie im Folgenden noch
zu zeigen sein wird – als einen ,Historikermythos‘
charakterisiert: Zum einen spricht der herodoteische
Text in der Tat nicht davon, Dareios habe die Satra-
pien umstrukturiert, sondern er habe sie geschaf-
fen; zum anderen ist die Einlassung Herodots, unter
den Teispiden hätte man keine Tribute gezahlt,
sondern Geschenke gebracht, mehr als problema-
tisch. Beide Behauptungen Herodots sind nachweis-
lich falsch.19 Die Verwendung der referierten Passa-
gen als historische Quelle für eine Rekonstruktion
der Satrapienordnung des Achaimenidenreiches
scheidet damit eigentlich aus. Dennoch werden
auch in der neueren Forschung Positionen formu-
liert, die die Satrapienliste und die Satrapienreform
des Dareios im Spiegel des herodoteischen Textes
als hartes Faktum benutzen oder aber sie lediglich
unter gewissen Vorbehalten, aber dennoch als his-
torisch verwertbare Quelle heranziehen.20
Da eine communis opinio in Bezug auf die Sa-
trapienliste und daraus folgend die Finanzreform
des Dareios nicht besteht, seien im Folgenden ter- minologische, sachlich-inhaltliche und aus einem Tab. 1
,Satrapienliste‘ nach
Vergleich mit den achaimenidischen Quellen resul- der Reform des Dareios
tierende Gründe angeführt, die gegen die Verwert- (Hdt. 3, 90–94)
barkeit des herodoteischen Textes für eine Rekons-
19
Jacobs 1994, 93–94; Jacobs 2003a, 240. – Zu der nachweislich truktion der Verwaltung des Perserreiches sprechen.
falschen Behauptung, die Zahlung von ,<æAØ habe die Darbrin-
gung von 4øæÆ abgelöst: Sancisi-Weerdenburg 1989. Daran anschließend sei der Versuch unternommen,
20
Dazu im Forschungsbericht bei Jacobs 2003b, 301–343, wo die sich der Frage anzunähern, nach welchen Gestal-
Ahistorizität der Reformen des Dareios und der Satrapienliste tungsprinzipien Herodot seine Liste konstruiert hat.
Herodots noch einmal eindringlich aufgezeigt wird. Distanzen
gegenüber dem Wert der Satrapienliste finden sich auch bei
Die interpretatorischen Probleme, die die Liste
Petit 1990, 172–178; ferner van Driel 2002, 320–321, der die und die vermeintliche Reform des Dareios aufwer-
Unmöglichkeit, die herodoteischen Tributhöhen für Babylonien fen, beginnen schon mit der von Herodot verwand-
in eine Relation mit der Evidenz der urkundlichen Überlieferung
zu bringen, eindringlich aufzeigt. – Demgegenüber Bedford
ten Terminologie. In 3,89–94 finden sich drei ver-
2007, 322–323, der die Reform des Dareios auf der Grundlage schiedene Wörter für Verwaltungseinheiten, na-
von Hdt. 3, 89–95 für historisch hält; Aperghis 2001, 77 sieht mentlich Æ^æO8, .Æ-æÆ0G7G und CAE</. Während
etwa eine Korrelation zwischen den bei Herodot genannten
Steuerzahlungen und der Bevölkerungsgröße der CAEA7 als ge-
Herodot in 3,89,1 ausdrücklich – wie auch an ande-
geben an. rer Stelle – Æ^æO8 als griechischen Terminus für das
326 Kai Ruffing

persische Wort .Æ-æÆ0G7G anführt, verwendet er in wa den Gau von Theben, sondern die gesamte The-
der Liste CAE</ für die Verwaltungseinheiten. Die- bais meint (2,4,3; s. a. 2,91,1).25 Abgesehen davon
selben Termini finden sich auch in 1,192,2, wo auf nennt Herodot an anderen Stellen des ägyptischen
die Feststellung, die Perser nennen die Æ^æO8 in ih- Logos für die pharaonische Zeit insgesamt 18 Gaue,
rer Sprache .Æ-æÆ0G7G, die Angabe folgt, die Æ^æO8 die er als CAEA7 bezeichnet und überwiegend nach
über Assyrien sei die mächtigste und über diesen dem Gauvorort benennt.26 Dabei folgt er sichtlich
CAE</ habe der König einen gewissen Triantaich- dem Beispiel des Hekataios, der ebenso bei der Be-
mes eingesetzt. Könnte man hier noch die Feststel- schreibung Ägyptens vorging.27 Schließlich tauchen
lung treffen, Herodot gebrauche den Begriff CAE</ die CAEA7 noch bei den Skythen auf, wo jeder
einigermaßen scharf, taucht in 3,120,2 ein CAE</ CAE</ nach den Vorstellungen Herodots unter der
2^C ˜Æ.Œıº27 auf, den man mit dem 3. CAE</ der Verwaltung eines CAE9æOG/ steht (4,62,1; 4,66).
Satrapienliste identifizieren kann.21 Wenig später Den CAEA7 werden dabei in der Hauptsache kulti-
erfährt man in den Historien von der Existenz eines sche Funktionen zugeschrieben.28
CAEN/ Jæ;ªØA/ ŒÆM ¸;4ØA/ ŒÆM ^=øCØŒ</, den der Dieser kurze Überblick über die Verwendung
Perser Oroites innegehabt habe (3,127,1). Jedenfalls von CAE</ bei Herodot und über die Terminologie
wird auch hier keine Ordinalzahl wie in der Satra- im Umfeld der sogenannten Satrapienliste leitet zu
pienliste verwendet, um die CAEA7 zu charakterisie- den sachlichen und inhaltlichen Erwägungen über,
ren, sondern solches geschieht durch die Verwen- die gegen die Historizität der herodoteischen Kom-
dung von Ethnonymen.22 Auch in 9,113,1 verfährt position der Verwaltungsbezirke des Perserreiches
Herodot nach derselben Art und Weise, indem er sprechen. Ganz offensichtlich setzt Herodot CAE</
an besagter Stelle einen CAEN/ ´9Œ-æØA/ anführt. und .Æ-æÆ0G7G nicht gleich.29 Letztere heißen
Komplizierter gestaltet sich die Terminologie im nach seiner Auskunft auf Griechisch Æ^æO8. Will man
neunten Buch der Historien, wo für die Zeit des Xer- die Liste in 3,89–94 als Quelle für die Verwaltung
xes ein Herr namens Artaÿktes genannt wird, der ei- des Achaimenidenreiches retten,30 muss man den
nen CAE</ unter sich gehabt habe, der aus Sestos Wechsel der Terminologie Herodots erklären. Sucht
und der thrakischen Chersones bestanden habe.23 man hierfür des weiteren sachliche Gründe, muss
Auch hier wird offenbar, wie unscharf Herodot die man annehmen, dass CAE</ und Æ^æO8 verschiede-
Terminologie gebraucht, bezeichnet er diesen Ar- ne Dinge beschreiben, denn warum hätte Herodot
taÿktes doch an anderer Stelle (7,33) schlicht als sonst den Terminologiewechsel – immer vorausge-
V0ÆæOA/ von Sestos. Darüber hinaus taucht hier setzt, er beschriebe strukturgeschichtliche Realien –
nun der Hyparch als Funktionsträger des CAE</ vornehmen sollen? Dies hat mit einer gewissen Fol-
auf, während Herodot doch in den einleitenden Be- gerichtigkeit in der Forschung dazu geführt, in den
merkungen zu seiner Satrapienliste ausführt, Darei- Æ^æOÆ7 und den CAEA7 verschiedene administrative
os habe eæOAC-2/ freilich über die Æ^æOÆ7 einge- Einheiten zu sehen. Demzufolge hätten die Æ^æOÆ7 –
setzt. also die Satrapien – eine rein administrative Funk-
Soweit also lässt sich der Gebrauch von tion gehabt, während die CAEA7 ausschließlich Fi-
CAE</ in den Historien in Bezug auf die achaimeni- nanzdistrikte dargestellt hätten, die der Steuererhe-
dischen Verwaltungseinheiten bei Herodot nachvoll- bung im Kontext einer vermeintlichen grundlegenden
ziehen. Offenbar wird dabei v. a., dass er an keiner Verwaltungsreform von Dareios I. gedient hätten.31
Stelle den CAE</ explizit mit der Satrapie gleich-
setzt.24 Ferner gebraucht er weder den Begriff 25
Loyd 1989, 237; Murray/Moreno 2007, 245.
CAE</ scharf, noch benutzt er eine einheitliche Ter- 26 Ball 1942, 16; Helck 1974, 30 zu Hdt. 2, 165–166, der den
minologie für die Vorsteher der CAEAć, sei es, man Sachverhalt betont, dass man die Listen Herodots auf kein Vor-
nähme eine Reform der Reform unter Xerxes an. bild zurückführen kann.
27 FGrHist 1 F 304, F 312 und F 315.
Außerhalb des Achaimenidenreiches taucht 28
Sieberer 1995, 169–170.
der Begriff CAE</ als Verwaltungseinheit gleichfalls 29
Nebenbei sei angemerkt, dass das Wort Satrapie im Altper-
auf, namentlich in Ägypten und Skythien. Für das sischen nicht belegt ist. Lediglich der Satrap wird zweimal in
Land am Nil macht er in pharaonischer Zeit einen der Behistun-Inschrift (DB) erwähnt: Jacobs 2008a; zur Termi-
nologie in Bezug auf Satrapen und Satrapien allgemein auch
¨G5ÆØŒN/ CAE</ fest, mit dem er freilich nicht et-
Petit 1990, 15–20.
30
So die communis opinio, derzufolge die Liste auf ein offizielles
Dokument aus dem Achaimenidenreich zurückgeht, das von
21
Herodot hellenisiert worden sei: dazu Kuhrt 2007, 675; Murray/
Murray/Moreno 2007, 507 mit Asheri 1990, 337. Derselbe Moreno 2007, 480–481.
CAE</ wird noch in 3, 120,3 genannt. 31
Jacobs 2003b, 305–306 mit einem Überblick über die in der
22
In Hdt. 5,102,1 ist darüber hinaus allgemein von den Persern Forschung diesbezüglich zuletzt geäußerten Ansichten. Zuletzt
die Rede, die ihre CAEA7 diesseits des Halys hätten. findet sich diese Ansicht bei Klinkott 2005, 91–92, der mit ei-
23
Asheri/Vanicelli 2006, 335, die die Stelle in dieser Art und Wei- ner gewissen Beliebigkeit sich der Thematik annimmt und da-
se interpretieren. von ausgeht, Æ^æOÆ7 und CAEA7 könnten in territorialer Hinsicht
24
Klinkott 2005, 88–90. deckungsgleich sein, müssten dies aber nicht.
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 327

Ein solches Konstrukt entbehrt allerdings unter den ortes und ein dazugehöriges Gebiet von den restli-
Bedingungen der achaimenidischen Zeit nicht nur je- chen Nomoi unterschieden. Von dort springt Hero-
der Praktikabilität, sondern ist angesichts der Tatsa- dot in den Norden zu den Kaspiern und dem
che, dass die Steuererhebung seitens der Satrapen Berichtsprinzip ŒÆ-J fŁC2Æ. Außer diesen ist kein
nachgewiesen ist, schlicht unhaltbar.32 anderes Volk des 11. Nomos außerhalb der His-
Aber nicht nur Gründe der Praktikabilität und torien bekannt.35 Eher summarisch wird der 12. No-
sachliche Gegeneinwände lassen die herodoteische mos abgehandelt, der von den Baktriern zu den
Liste als ein bloßes historiographisches Konstrukt Aiglern, über die nur wenig bekannt ist, reicht; je-
erscheinen. Eine genauere Betrachtung der Liste ner Nomos findet sich also wiederum im Südosten
zeigt weitere Widersprüchlichkeiten auf. Diese be- des achaimenidischen Herrschaftsgebiets. Von dort
ginnen schon mit den geographischen Grundlagen kommt Herodot in den Nordwesten Asiens, indem
dieser Liste. Und hier ist wohlgemerkt nicht von der er im 13. Nomos die Armenier nennt.36 Der 14. No-
Realgeographie die Rede, sondern von der imagi- mos führt den Leser in den imaginierten Osten und
nierten Geographie Herodots. Wenn denn eine per- Süden der Persis, worauf der 15. Nomos mit Saken
sische Vorlage der Liste zugrunde läge, müsste man und Kaspiern wiederum in den Norden führt. Par-
zunächst mit Fug und Recht die Frage stellen, wa- ther, Chorasmier, Sogder und Areier aus dem
rum die Anordnung der CAEA7 von Westen nach Os- 16. Nomos sind wiederum im Norden und Osten
ten läuft, was ganz klar eine griechische Sicht der der Persis anzusiedeln. Im 17. Nomos finden sich –
Dinge ist. Herodot beginnt mit dem 1. Nomos in Io- wie schon im 10. Nomos – die Parikanier zusam-
nien, der 2. Nomos wird durch Lydien gebildet. Der men mit dem Volk, das Herodot als östliche Äthio-
3. Nomos beginnt am Hellespont und schließt of- pen vorstellt, womit der Leser in die Randvölkerwelt
fensichtlich in den Augen Herodots den Hellespont, geführt wird.37 Der 18. und 19. Nomos führen wie-
die Nordküste Kleinasiens und Phrygien zusammen. der aus den Gebieten nördlich von Mesopotamien
Der 4. Nomos wird allein durch die Kilikier gebildet. in Richtung auf die Südostecke des Schwarzen Mee-
Ab dann durchbricht Herodot seine Berichtsweise, res und das nördliche Kleinasien.38 Den 20. Nomos
indem er den 5. Nomos (die Levante einschließlich bilden schließlich die im äußersten Osten liegenden
Zyperns) nicht durch in ihm vertretene Völker be- Inder.
schreibt, sondern durch Ländernamen. Selbiges gilt Damit lassen sich in der Satrapienliste zumin-
auch für den 6. Nomos, der aus Ägypten und Liby- dest zwei Gliederungsprinzipien feststellen, nament-
en besteht. Damit hat Herodot den Prinzipien der lich der Periplus um das Mittelmeer in den Nomoi
griechischen Geographie gehorchend zunächst ein- 1–6. Über den Osten und damit über das Kernland
mal das östliche Mittelmeer im Halbkreis umschrie- des Achaimenidenreiches besaß Herodot ganz of-
ben, wodurch die den geographischen Konzeptionen fensichtlich weit ephemerere Vorstellungen, wie in
zugrundeliegenden Periploi noch sichtbar werden.33 der doppelten Nennung von Ethnonymen und dem
Mit dem 7. Nomos springt Herodot in den äußers- Anführen von außerhalb der Historien nicht beleg-
ten Osten des Achaimenidenreiches, denn die dort ten Völkern allein schon deutlich wird. Die Nomoi
aufgezählten Völker werden von der Forschung im 8–10 werden dabei deutlich herausgehoben, da in
heutigen Afghanistan und Pakistan lokalisiert. Zwei ihnen die wesentlichen Städte Susa, Babylon und
der für diesen Nomos genannten Völker – nament- Ekbatana genannt werden, denen Herodot jeweils
lich die Dadiker und die Aparyter – sind außerhalb ein Territorium zuordnet. Mit Susa und Ekbatana
der Historien unbekannt.34 Damit ist Herodot kurz sind nun aber die Eckpunkte der Geographie Vor-
zum Prinzip ŒÆ-J fŁC2Æ zurückgekehrt, um es derasiens genannt. Für Herodot bilden nämlich vier
dann gleich wieder aufzugeben. Denn im 8. Nomos Völker die wesentlichen Bezugspunkte, namentlich
finden sich Susa und das Gebiet der Kissier, womit Perser, Meder, Saspeirer und Kolcher, die die Ver-
offensichtlich die Elamer gemeint sind. Damit kehrt bindungslinie vom Schwarzen zum Roten Meer bil-
Herodot von dem äußersten Osten des Achaimeni- den.39 Das Wirken dieser Linie lässt sich auch in
denreiches in das Zentrum zurück. Im 9. Nomos ver- der ,Satrapienliste‘ fassen, wie der eben vorgenom-
ortet er Babylon, das mit dem ,restlichen‘ Assyrien mene Versuch einer Verortung der Völker zeigt. Da-
zusammengefasst wird. Den 10. Nomos bilden Eg- bei springt Herodot recht willkürlich im achaimeni-
batana und der Rest der Medike. Die Nomoi 8–10
sind also das Kernland des Achaimenidenreiches,
werden sie doch durch die Erwähnung eines Haupt- 35 Murray/Moreno 2007, 488.
36 Hier bleibt freilich das Problem der Paktyike, die eigentlich in
Indien anzusiedeln ist: Murray/Moreno 2007, 489.
37
Bichler 2001, 31–34; bes. 33.
32 38
Jacobs 1994, 94–96; Jacobs 2003b, 306. Murray/Moreno 2007, 492–493. Zu der von Herodot imaginier-
33
Prontera 2004, 191–194. ten Geographie vgl. die Karten in Bichler 2001, 407–409.
34 39
Murray/Moreno 2007, 486–487. Prontera 2004, 194.
328 Kai Ruffing

dischen Herrschaftsgebiet umher, was insbesondere sprung der herodoteischen CAEA7-Konzeption zu


für den Osten der genannten Achse gilt. Im Westen vermuten.49 Wie in den Gauen Ägyptens, so werden
dieser Achse verfügt er dabei über relativ sichere die CAEA7 des Perserreiches zu der Steuererhebung
Kenntnisse,40 auch wenn die Erwähnung von Baby- dienende Verwaltungseinheiten.50 Auch die Zahl der
lon und dem Rest Assyriens zeigt, dass Herodot Gaue Ägyptens ist gleich der der CAEA7 des Achai-
schwerlich genauere Vorstellungen von Mesopota- menidenreichs, denn Unterägypten, das in der grie-
mien hatte,41 von den Gebieten östlich des Zagros chischen Welt weit präsenter gewesen ist als Ober-
ganz zu schweigen.42 Dazu passt auch das Fehlen ägypten,51 verfügte gleichfalls über 20 Gaue.52 Dazu
jeglicher Erwähnung von Parsa bzw. ,Persepolis‘ in passt auch, dass Herodot alle 18 von ihm genann-
den Historien,43 das doch ohne Zweifel eine wichti- ten Gaue in Unterägypten ansiedelt53 und die The-
ge Funktion im Achaimenidenreich hatte.44 Um es bais als einen einzigen Gau begreift.54
deutlich zu machen: Schärfere Konturen hat in der Erscheint damit eine Herkunft der CAEA7-Kon-
Liste allein Kleinasien, was gleichfalls gegen die Au- zeption aus dem Bericht des Hekataios über Ägyp-
thentizität der ,Satrapienliste‘ spricht.45 Für den ten als äußerst wahrscheinlich, bleibt die Frage of-
Konnex der ,Satrapienliste‘ zur deskriptiven Geogra- fen, warum Herodot – wie oben gezeigt – auch in
phie spricht noch ein weiterer Gesichtspunkt, na- Skythien CAEA7 verortet. Bilden Skythien und Ägyp-
mentlich die Erwähnung des Kaukasus als nördliche ten auf den ersten Blick weit auseinander liegende
Grenze des achaimenidischen Herrschaftsgebiets Pole der Oikumene, sind sie in den Historien doch
(3,97). Herodot benutzt das Gebirge als gliederndes auf vielfältige Weise miteinander verbunden. So
Element des Raumes,46 ein in der späteren deskrip- lässt Herodot den Pharao Sesostris Skythien er-
tiven Historiographie beliebtes Mittel.47 obern, woraus ein eigentümliches kulturelles Wech-
Stimmen diese Überlegungen, so stellt sich selverhältnis resultiert; dabei figuriert Skythien so-
die Frage, woher Herodot das Konzept der CAEA7 wohl in Hinsicht auf ethnographische als auch
hat, mit einer gewissen Dringlichkeit. Wie bereits chorographische Details als barbarisches Gegen-
oben angedeutet, findet sich das Konzept des stück zu Ägypten.55 Eine solche Gegenüberstellung
CAE</ als Verwaltungsbezirk, der durch eine Stadt von Skythien und Ägypten wird auch in der Gauord-
dominiert wird, bereits in der Periegese des Heka- nung offenbar. Sowohl bei den Skythen (4,66) als
taios in Bezug auf Ägypten. Angesichts der engen auch bei den Ägyptern (2,177,2) taucht das Amt
Verbindung des ägyptischen Logos zu Hekataios des CAE9æOG/ auf. Während der CAE9æOG/ in Sky-
und der Angaben Herodots zu den CAEA7 8–10, die thien gleichsam zum Garanten der Kriegstüchtigkeit
aufgrund der Nennung einer Stadt und eines ihr zu- wird, ist er in Ägypten der Amtsträger, der die Ein-
gehörigen Gebietes als CAE</ an die Ausführungen haltung eines perfekten Gesetzes gewährleistet.56
des Hekataios zu den ägyptischen gemahnen,48 In den Historien existieren also CAEA7 genann-
wird man nicht in der Annahme fehlgehen, in Heka- te Verwaltungsbezirke in Skythien, Ägypten und dem
taios und seinen Ausführungen zu Ägypten den Ur- Achaimenidenreich in seiner Gesamtheit. Alle drei

40
Prontera 2004, 194; Prontera 2003, 20–22.
41 49
Rollinger 2000, 76–77, wo am Beispiel der älteren Geschichte Zur Verbindung des Ägypten-Logos zu Hekataios Jacoby 1912,
des Vorderen Orients die völlige Unkenntnis Herodots der rele- 2726; zum Verhältnis Herodot und Hekatiaos Diels 1887, bes.
vanten urkundlichen Überlieferung für den Raum aufgezeigt 420–429 zum engen Bezug des ägyptischen Logos zu der Pe-
wird. Mit der Kenntnis um die Belange des Perserreiches dürfte riegese des Hekataios. Bemerkenswerterweise referiert Herodot
es nicht viel besser stehen. an einer Stelle Hekataios, nennt aber eine mündliche Quelle
42 Briant 2002, 392–393, der ebenfalls betont, dass das Prinzip aus Ägypten als Gewähr: Diels 1887, 421–422; 433–436, wo
der Anordnung der Völker in der Liste nicht immer erschließbar allerdings die Permanenz der ägyptischen Tradition in der
ist und manche Völker auf der Karte nicht lokalisierbar sind. Hauptsache für diesen Befund verantwortlich gemacht wird.
50
Ferner führt er eine Reihe von Satrapien an, an denen man He- Laut Hdt. 2,177,2 soll es Amasis (570–526) gewesen sein, der
rodots mangelnde Kenntnis der realen Zusammenhänge auf die Gaue zur Grundlage der Steuererhebung machte. Jeder
der Grundlage der Überlieferung aus dem Achaimenidenreich Ägypter habe seitdem gegenüber dem CAE9æOG/ sein gesam-
erkennen kann. tes Einkommen deklarieren müssen; dieses Gesetz (C<EA/) ha-
43 be Solon für die Athener übernommen.
Seibert 2004–2005, 97–98.
44 51
Seibert 2004–2005, 25–34. In der Konzeption der Ionier war allein das Delta Ägypten: s.
45 Hdt. 2,15,1.
Gschnitzer 1988, 111–112; Bichler 2001, 286.
46 52
Prontera 2003, 20 mit Abb. 2. Der Kaukasus ist in den geogra- Helck 1974, 132–198.
53 Ball 1942, 16.
phischen Konzeptionen Herodots das einzige Gebirge, das die-
se gliedernde Funktion hat, worin er Hekataios folgt: Prontera 54 Hdt. 2,4,3; s. a. 2,91,1. Dazu Loyd 1989, 237; Murray/Moreno
2003, 19 Abb. 1. Zum Kaukasus als Grenze des achaimeni- 2007, 245. Zur Sonderstellung des Nildeltas bei Herodot Bich-
dischen Herrschaftsgebiets bzw. der kurzzeitigen Herrschaft im ler 2001, 158–160.
Norden desselben Jacobs 2000; Jakobs 2008b; Lebedynsky 55
Bichler 2001, 185–186; Sieberer 1995, 94–97. Zu Herodot und
2006, 48–49. den Skythen allgemein Ivantchik 2001. – Zum vermeintlichen
47
Prontera 2005–2006, 91–96. Krieg des Sesostris gegen Skythien Ivantchik 1999.
48 56
FGrHist 1 F 304, F 312 und F 315. Sieberer 1995, 170–171 mit Anm. 262.
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 329

Gebilde haben in den Historien eines gemeinsam: schen Gestaltungswillen Herodots eher gehorcht als
namentlich eine starke Alleinherrschaft.57 Der Begriff einer dokumentarischen Vorlage.
des CAE</ wird damit zum äußeren Kennzeichen Hierfür lässt sich noch ein weiteres Argument
von Herrschaft, die in den Historien stets Gefahr anführen, nämlich die Charakterisierung von Dareios
läuft, zur Despotie zu werden. Nicht zufällig taucht in als Œ90GºA/. Diese Charakterisierung gründet Hero-
Herodots Einleitung zur ,Satrapienliste‘ die Klimax dot auf die Behauptung, Dareios habe die Nomen
Dareios der Krämer (Œ90GºA/), Kambyses der Des- und den auf ihrer Grundlage zu zahlenden Tribut
pot (42.0<-G/) und Kyros der Vater (0Æ-8æ) auf eingeführt, wie er überhaupt in allen Taten als Krä-
(3,89). In den Augen Herodots ist es ja nun Dareios, mer gehandelt habe (3,89,3). Nun darf man mit Fug
der die Einteilung des Reiches in CAEA7 vornimmt. und Recht annehmen, dass eine Charakterisierung
Nicht zufällig folgt die ,Satrapienliste‘ damit auf die eines Perserkönigs als Krämerseele gewiss nicht po-
in den Historien referierte Debatte über die Form der sitiv gemeint war. Dies zeigen schon die anderen
Herrschaft im Perserreich nach dem ,Sturz‘ der Ma- Stellen, an denen Herodot Œ90GºA/ gebraucht. Sol-
ger-Herrschaft58. ches gilt etwa im Falle der Lyder. Diesbezüglich
Damit stehen das ganze in CAEA7 gegliederte führt der Halikarnassier aus, sie hätten dieselben
Asien und Ägypten sowie ein Teil Libyens gegen die Sitten wie die Griechen, mit einer Ausnahme frei-
Griechen. Dieses von Herodot gezeichnete Bild ist lich, denn ihre Töchter prostituierten sich. Sie seien
dann mit dem Bild der Griechen zu kontrastieren, die ersten gewesen, die Münzen geprägt und be-
die frei von Herrschaft sind und – wie in der Rede nutzt hätten, aber auch die ersten, die als Œ90GºAØ
des Demaratos an Xerxes offensichtlich wird – ins- agierten (1,94,1). Ganz offensichtlich ist Œ90GºA/
besondere im Falle der Spartaner lediglich dem Ge- an dieser Stelle peiorativ gebraucht, wie ja über-
setz, dem C<EA/, gehorchen (7,101–104).59 Es ist haupt der Reichtum im Allgemeinen und der der Ly-
schwerlich Zufall, dass Herodot als äußeres Kenn- der im Besonderen in den Augen Herodots keinerlei
zeichen der Freiheit den C<EA/ als Despoten Segen bringen.62 Besonders deutlich wird dies in
(42.0<-G/) der Spartaner nennt (7,104,4), wäh- Bezug auf die Lyder auch in dem Dialog, den Kyros
rend die in den Augen Herodots despotischen Per- und Kroisos über die zukünftige Behandlung der
serkönige ihr Reich vermeintlich in CAEA7 organi- aufständischen Lyder nach deren Niederlage in den
siert haben. Hierfür spricht noch ein weiterer Punkt. Historien führen. Kroisos rät Kyros, den Besitz von
In der Einleitung zur Nomenliste, wie man die Waffen zu verbieten, sie sollten Chitone unter ihrer
in 3,90–94 gegebene Liste wohl zu nennen hat,60 Kleidung und hohe Schuhe an ihren Füßen tragen,
werden die zu leistenden Tribute als ,<æAØ be- ihre Kinder sollten zum Zither- und Saitenspiel erzo-
zeichnet. Damit greift Herodot eine Terminologie gen werden sowie auch zum Treiben von Handel;
auf, die zu der Zeit, da die Historien zur Kenntnis auf diese Weise würden aus Männern Frauen wer-
des Publikums gelangten, sofort bestimmte Asso- den (1,155,4). Das Verbum ŒÆ0Gº2;ø wird hier also
ziationen hervorrufen musste, bezeichnete das Wort vom misogynen Herodot wiederum in eindeutig pei-
doch zunächst die Abgabe, die abhängige Staatlich- orativer Absicht gebraucht.63 Einen ähnlichen nega-
keiten an übergeordnete Organisationen oder Staa- tiven Kontext von Œ90GºA/ findet man in 2,141,4,
ten zu zahlen hatten, dann aber auch insbesondere wo die Krämer, Handwerker und Leute von der Agora
die Abgaben im Delisch-Attischen Seebund.61 Damit in negativer Wertung den Kriegern gegenübergestellt
wird die Absicht Herodots offenbar, die CAEA7 und werden.64 Der Zusammenhang zwischen Effeminie-
die auf ihrer Grundlage zu entrichtenden ,<æAØ als rung und Handel Treiben (ŒÆ0Gº2;ø) taucht schließ-
Kennzeichen der Unfreiheit zu instrumentalisieren. lich noch im ägyptischen Logos auf, wo Herodot aus-
Nur die, die den C<EA/ als 42.0<-G/ haben, sind führt, solches täten im Land am Nil die Frauen,
eigentlich frei. Hierauf wird zum Schluss noch ein- während die Männer zu Hause blieben und webten
mal zurückzukommen sein. Herodot stellt mit seiner (2,35,2).65 Indem Herodot also Dareios sowohl mit
Gegenüberstellung der Homonyme ein treffliches dem nomen agentis Œ90GºA/ als auch dem Verbum
Sprachspiel an, das das Hauptthema der Historien, ŒÆ0Gº2;ø disqualifiziert, führt er sein Publikum zu
nämlich den hellenischen Freiheitskampf, aufgreift. der Interpretation, unter Dareios sei die achaimeni-
Auch dies zeigt, dass die Nomenliste dem literari- dische Königsherrschaft bereits dabei, einer unkrie-

62
Bichler 2001, 215–223.
57 63
Für Skythien Sieberer 1995, 169–178; für Ägypten Bichler Zu Herodots Frauenbild Bichler 2007b.
2001, 185–209. 64
Siehe ferner den Gebrauch von Œ90GºA/ in 2,164,1, der jeden-
58
Bichler 2001, 281–285. falls nicht positiv ist. Siehe ferner 5,9,3 mit einer Charakterisie-
59
Bichler 2001, 335. rung der Sigynner als Krämer.
60 65 Zur Berufsbezeichnung Œ90GºA/ allgemein Ruffing 2008, 571–
Fehling 1971, 158.
61
Rhodes 2000, 953. 574.
330 Kai Ruffing

und rücksichtslose Despot, Dareios der Krämer, der


die Perser auf den Weg der Verweichlichung bringt.67
Die gestaltende literarische Hand Herodots
zeigt sich aber noch an einem weiteren inhaltlichen
Punkt der Satrapienliste, namentlich der Höhe der
Abgaben. Die höchsten Abgaben in der Nomenliste
– hier ab einer Höhe von 500 Talenten betrachtet –
werden in aufsteigender Reihenfolge von den My-
sern/Lydern (2. Nomos), Kilikiern (4. Nomos), dem
Küstenbezirk des Roten Meeres (14. Nomos), Ägyp-
tern (6. Nomos), Babyloniern (9. Nomos) und Indern
(20. Nomos) bezahlt. Insgesamt betrachtet ist damit
eine Progression der Tributhöhen von Westen nach
Osten und nach Süden gegeben. Die Myser und Ly-
der sowie die anderen Völker des 2. Nomos haben
nach Herodot 500 Talente zu entrichten, immerhin
100 Talente mehr als die Ionier usw. des 1. Nomos.
Diese hohe Tributsumme ist selbstverständlich dem
sagenhaften Reichtum der Lyder geschuldet, ein
Motiv, das die Basis für den lydischen Logos bildet.
Die Kilikier zahlen nach den Angaben Herodots
ebenfalls 500 Talente, müssen darüber hinaus aber
noch 360 weiße Pferde abliefern.68 Damit müssen
die Kilikier übrigens dieselbe Anzahl Pferde und Ta-
lente an Dareios liefern, sollten doch 140 Talente
für die persische Garnison einbehalten werden. Dies
bedeutet insgesamt eine nicht unerhebliche Steige-
rung des Tributs gegenüber den Lydern des 2. No-
mos. Diese Steigerung ist wieder den geographi-
schen Konzeptionen Herodots geschuldet. Kilikien
besteht für ihn sowohl aus dem Rauen als auch dem
Ebenen Kilikien – eine Auffassung übrigens, die we-
der von den assyrischen noch den persischen Quel-
len gedeckt wird – und breitet sich nach Norden
über den Halys aus, grenzt im Westen an Pamphy-
lien und im Osten an den Euphrat, was den Ein-
schluss der Kommagene in das Kilikien Herodots be-
deutet.69 Der Halys stellt dabei insofern eine
wichtige Grenze dar, als er eine innere Grenze Asiens
bildet, die in der imaginierten Geographie Herodots
an der engsten Stelle Kleinasiens zu verorten ist und
damit ,Unterasien‘ von ,Oberasien‘ scheidet.70 Mit
Tab. 2 gerischen Effeminierung anheim zu fallen.66 Die dem Überschreiten dieser Grenze nach Osten ist also
,Satrapienliste‘ nach
der Reform des Dareios
Ergebnisse von Dareios militärischer Operation ge- ein größerer Reichtum verbunden. Wird damit Hero-
(Hdt. 3, 90–94) nach gen Hellas werden damit schon vorweggenommen; dots Bevorzugung von Gewässern als Grenzscheide
Höhe der Abgaben gleichzeitig wird die noch folgende Degeneration un- schon offenbar,71 so gilt dies auch für den östlichen
ter Xerxes angedeutet. Die Reihe der teispidischen Rand seines Nomos Kilikien, der ja an den Euphrat
und achaimenidischen Herrscher, die Herodot in sei- grenzt. Überschreitet man selbigen, befindet man
nen Historien vorführt, wird damit zu einer Klimax der sich im Nomos ,Babylon und der Rest von Assyrien‘,
Degeneration: Kyros, der Vater, der den Persern der 1.000 Talente – also doppelt soviel Edelmetall
Wohltaten erweisende Œ;æØA/ (womit man am bes-
ten die dem Vater über seine Kinder zur Verfügung 67 Bichler 2001, 218–226 zu dem Bild, das Herodot über die per-
stehende Macht beschreibt), Kambyses der harte sisch-medischen Sitten und das Spannungsfeld zwischen den
gestrengen persischen Sitten und der Despotie entwirft.
68
Zur Bedeutung des Pferdes bei Herodot Bichler 2007c.
66 69
Anders Wallinga 1989, 178, demzufolge die Charakterisierung Murray/Moreno 2007, 483–485.
70
des Dareios als Œ90GºA/ darauf zurückzuführen sei, jener ha- Rollinger 2003b, 305–313.
71
be über die Tributhöhen mit seinen Untertanen gefeilscht. Bichler 2006, 159.
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 331

wie Lydien usw. sowie Kilikien – zahlt und darüber in gewisser Weise die capitatio iugatio eines Diok-
hinaus noch 500 verschnittene Knaben an Dareios letian vorwegnehmen würde. Auch dies ist gewiss
zu liefern hat. Diese Steigerung ist erheblich, findet ein schwerwiegender sachlicher Einwand gegen die
in der herodoteischen Sicht der Dinge aber ihre Historizität der Nomenliste. Wohl nicht ganz zufällig
Rechtfertigung darin, dass Assyrien 1/3 des Tributs gemahnen die unterschiedlichen Höhen aber an die
von ganz Asien zahlt, Babylon und sein ,assyrisches Art und Weise, in der die ,<æAØ im Rahmen des
Territorium‘ also als der reichste Teil von Asien ima- Delisch-Attischen Seebundes erhoben wurden.77
giniert wird (1,192,2). Im äußersten Osten finden Schließlich ist noch ein weiteres Problem mit
sich die Inder, die nicht in Silber, sondern Gold zah- der Höhe der zu leistenden Tribute verbunden. In
len und auf diese Weise als 20. Nomos die Einnah- 3,95 rechnet Herodot die geleisteten ,<æAØ zusam-
men des Dareios verdoppeln. Im Süden ist es selbst- men. Der Tribut in Silber, einmal von babylonischen
verständlich das überaus reiche Ägypten, das 700 Talenten in euböische Talente umgerechnet, ergebe
Talente plus die Einnahmen der Fischerei aus dem 9.540 Talente, der ,<æA/ der Inder in Gold ent-
Moiris-See, den sich Herodot in gigantischen Aus- spreche 4.680 Talente. Rechne man dies alles zu-
maßen – sein Umfang erreiche exakt die Länge der sammen, ergäbe sich die Summe von 14.560 eu-
ägyptischen Küste –vorstellt,72 sowie 120.000 Me- böischen Talenten Silber. Diese Addition ist
dimnen Getreide für die Garnison zu berappen hat. offensichtlich falsch, müsste sie doch 14.220 Talen-
Der Reichtum Ägyptens, das bei Herodot in vielerlei te ergeben. Damit nicht genug, die Addition der
Hinsicht ein mundus inversus zur griechischen Welt ,<æAØ entspricht nicht den Summen, die Herodot
ist, gründet sich dabei auf dem reichlichen Vorhan- gibt: Es sind 8.866 Talente, die aus der Nomenliste
densein von Wasser und der daraus resultierenden resultieren. Will man diese offenkundigen Fehler
Leichtigkeit der Landwirtschaft.73 Dementsprechend hinwegdisputieren, muss man entweder annneh-
muss auch der 14. Nomos, der am Roten Meer be- men, bei den Gesamtsummen handele es sich um
heimatet ist, einen hohen Tribut zahlen. Man wird Überlieferungsfehler und den Text mit einer dem-
nicht fehl in der Annahme gehen, dass dies aus der entsprechenden Konjektur emendieren, oder man
Bedeutung der Region für den Handel mit Spezerei- muss davon ausgehen, dass Herodot bei der Um-
en von den Rändern der Welt resultiert.74 rechnung von babylonischen und euböischen Talen-
Diese Progression der Höhe der Tributzahlun- ten herbe Rechenfehler unterlaufen sind und ihm
gen nach Osten und Süden ist keineswegs zufällig, darüber hinaus eine Verwechslung der Gewichts-
sondern herodoteischen Gesamtkonzeptionen ge- standards passiert ist. Als weitere Erklärung wird ei-
schuldet. An den Rändern der Oikumene finden sich ne Verwechslung von Münz- und Gewichtsstandards
nach seiner Vorstellung die Dinge, die den Hellenen angeführt. Andere gehen davon aus, jeder Nomos
am teuersten und in Hellas selten seien.75 Meist habe dieselbe Summe zahlen müssen und Herodot
werden sie von furchterregenden Lebewesen be- habe diese Beträge literarisch umgearbeitet, wieder
wacht, so der Weihrauch Arabiens durch geflügelte andere meinen, Herodot habe eine Gesamtsumme
Schlangen (3,107,2) und das Gold Indiens durch gekannt, die er dann mehr oder minder willkürlich
die selbiges fördernden Ameisen (3,102,2–3,104,1). auf die Nomen verteilt habe.78 Allen diesen Ansät-
Nicht zufällig nimmt Herodot gerade die Nomenliste zen ist indes eines gemeinsam: Sie versuchen die
zum Anlass, sich über den Goldreichtum Indiens Historizität einer Satrapienreform und einer Reform
und seine lebensgefährliche Förderung zu verbrei- der Finanzverwaltung durch Dareios auf der Grund-
ten. Angesichts dieser Konzeption und der Wahr- lage des herodoteischen Textes trotz der offenkun-
nehmung des Orients und seiner Herrscher als mit digen Defekte der Nomenliste zu retten. Wenn man
exorbitantem Reichtum gesegnet, verwundert die aber in der Tat annehmen will, es handle sich bei
nach Osten und Süden fortschreitende Erhöhung derselben um die hellenisierte Fassung einer ur-
der Tribute nicht,76 sondern fügt sich stimmig in kundlichen Vorlage aus dem Achaimenidenreich,
das Gesamtkonzept des Halikarnassiers. Damit ent- müsste man zumindest stimmige Zahlen erwarten,
puppen sich die Tributhöhen als eher einem literari- es sei denn, man möchte der Verwaltung desselben
schen Konzept verpflichtet denn einer progressiven eine nahezu sträflich zu nennende Unfähigkeit in Fi-
Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit nanzangelegenheiten unterstellen. Hinzu kommt
und Populationsgröße der jeweiligen CAEA7, die ja noch ein weiterer Punkt: Zieht man die von D. Feh-

77
72 Diod. 11,47,1; Plut. Aristid. 24,1. Vgl. dazu ATL III, S. 234–235;
Froschauer 1991, 348. Meiggs 1972, 61–67; Schmitz 1988, 8–10, bes. 9; Schubert
73
Ruffing 2004, 97. 2008, 53–54. Interessanterweise fehlt der Aspekt, die ,<æAØ
74
Ruffing 2004, 96. seien ŒÆ-J 4;CÆEØC (Diodor) bzw. ŒÆ-’Æ^B7ÆC . . . ŒÆM 4;CÆEØC
75
Ruffing 2004, 96. (Plutarch) erhoben worden, bei Thukydides: Thuk. 1, 96. Zu
76 Zu den Konzeptionen von Reichtum bei Herodot Bichler 2007d, dem Bericht des Thukydides: Hornblower 1991, 143–147.
78
11–26. Murray/Moreno 2007, 493–494.
332 Kai Ruffing

ling herausgearbeiteten Prinzipien der Verwendung Thronbesteigung des Dareios endet (3,68–84), ist
typischer Zahlen bei Herodot in Betracht, werden die Verfassungsdebatte über die zukünftige Form
viele der in der Nomenliste genannten Zahlen ver- der Herrschaft im Reich eingebunden (3,80–82).
dächtig. Hier drängt sich wie an anderen Stellen der Gerade diese Debatte ist das literarische Mittel, mit
Historien auch der Eindruck auf, dass die Angabe dem Herodot eine starke Zäsur zwischen Teispiden
vermeintlich exakter Zahlen die Aura von Authentizi- und Achaimeniden setzt. Im Rahmen derselben tau-
tät schafft.79 Solches gilt etwa für die Zahl 360. Der chen drei Redner auf. Der erste derselben, Otanes,
3. und der 12. CAE</ zahlen jeweils 360 Talente plädiert für die Isonomie und damit die ,Demokra-
Silber, der 20. CAE</ hat 360 Talente Gold zu be- tie‘, der zweite, Megabyzos, plädiert für die Oligar-
rappen. Auch Kilikien, der 4. CAE</, hat nach Ab- chie, der dritte, Dareios selbst, für die Monarchie,
zug der Garnisonskosten 360 Talente Silber an Da- wobei er auch noch eine Theorie über die Verfas-
reios zu entrichten; darüber hinaus werden dem sungsentwicklung vorlegt. Diese Rede des Dareios,
Großkönig auch noch 360 Pferde übersandt.80 Wie in der er die Vorzüge des guten Monarchen preist,
weit die diesbezüglichen Konstruktionen Herodots schließt mit dem gewichtigen Argument, die monar-
gehen, zeigt ein weiteres Detail. In der Nomenliste chische Herrschaftsform sei schließlich der von den
werden 67 Völker genannt, gleichviel tauchen auch Vätern ererbte C<EA/, den man nicht abschaffen
in der Heeresliste des Xerxes (7,61–80; 7,91–95) dürfe (3,85,2).83 Dareios, der dank seines listigen
auf. Nun könnte man dies als Hinweis auf die ,Echt- Stallburschen zur Herrschaft gelangt war, bricht
heit‘ der Nomenliste werten, wenn da nicht ein klei- nach seiner Thronbesteigung direkt die Abmachun-
nes, aber wichtiges Detail wäre: Die beiden Völker- gen, die er mit den anderen sechs Verschwörern ge-
listen stimmen nicht überein.81 troffen hatte: Entgegen den Abreden, der nachmali-
Damit stellt sich die Frage, welche narrative ge König dürfe seine Frau nur aus dem Kreise der
Funktion die Nomenliste in den Historien Herodots Verschwörer nehmen, heiratet Dareios zwei Töchter
einnimmt. Hier lassen sich mehrere Punkte unter- des Kyros, eine Tochter des ,echten‘ Smerdis und
scheiden. Aus den oben dargelegten Erwägungen in eine des Otanes (3,88,2–3). Er zeigt sich damit
Bezug auf die Qualifizierung oder besser Disqualifi- gleich gegenüber seinen Mitverschworenen wortbrü-
zierung von Dareios als Œ90GºA/ und der nach- chig. Die Wandlung zum Tyrannen setzt damit bei
weisbar falschen Einlassung, erst er habe einen in Herodot gleichsam im Moment der Herrschaftsüber-
Geld bzw. Edelmetall erhobenen Tribut eingefordert, nahme ein. Unmittelbar darauf beginnt der Bericht
der das unter den Teispiden übliche Bringen von über die Nomenliste, womit das gerade gezeichnete
Geschenken abgelöst habe, dient die Nomenliste Bild des Tyrannen, der dazu noch als Œ90GºA/ dis-
zunächt einmal der Charakterisierung des Dareios qualifiziert wird, gleichsam mit starken Pinselstri-
als Tyrannen oder doch zumindest als der Hybris chen ausgeführt wird. Dieser Eindruck wird beim
verfallener, zum Scheitern verurteilter Herrscher,82 Publikum Herodots noch durch die Benennung der
der in Hinsicht auf die Verweichlichung der Perser zu erbringenden Tribute als ,<æAØ verstärkt. Damit
schlimmer als Kambyses ist, welcher wiederum hat also die Nomenliste eine dezidierte Funktion in
schon gegenüber seinem Vater Kyros in Bezug auf der Schilderung der Übernahme der Herrschaft des
die Herrschaftsausübung deutlich abfällt. Trotz des Dareios, wiederum findet sich dabei die Gegenüber-
Neuanfangs, den die Herrschaftsübernahme des Da- stellung von C<EA/ und CAE</.
reios nach der ,Herrschaft der Mager‘ darstellt, ist Aber auch im Gesamtkontext der Historien hat
der Weg zum Tyrannen durch die Hinwendung des die Nomenliste eine dezidierte Funktion, wird in ihr
Dareios zum Reichtum vorgezeichnet. Unter diesen sowie in den sie einleitenden und sie beschließen-
Aspekten ist die Nomenliste auf der einen Seite in den Kapiteln zum ersten Mal das Gesamtmaß des
die gesamte Geschichte der Herrschaftsübernahme Umfanges des Perserreiches offenbar, das sich an-
und die Konsolidierung derselben durch den ersten schickt, nach Europa im Allgemeinen und nach Hel-
Achaimeniden eingebunden (3,61–158). In die hüb- las im Besonderen auszugreifen. Nicht ohne Grund
sche Erzählung des Sturzes des falschen Smerdis fügt Herodot an die eigentliche Liste noch einen
durch die sieben verschworenen Perser, die mit der Passus an, dies seien nur die Einkünfte aus Asien
und einem Teil Libyens, hinzu seien im Verlauf noch
die ,<æAØ der Inseln und derjenigen, die Europa
79 Armayor 1978, 7.
bis Thessalien bewohnten, gekommen (3,96,1). Hin-
80 Briant 2002, 280–281. Demzufolge taucht die Zahl 360 in der zu treten dann ja auch noch die Randvölker der Oi-
späteren griechischen Historiographie dann noch in Bezug auf kumene, die Dareios zwar keine ,<æAØ, aber doch
die Konkubinen des persischen Königs auf.
81
Fehling 1971, 158.
82
Kipp 2001, 262–263, der die gesamte Erzählung Herodots über
den Weg des Dareios auf den Thron des Perserreiches vor dem 83 Zur Verfassungsdebatte Bichler 2001, 281–285; zuletzt Pelling
Hintergrund dieser Charakterisierung veortet. 2003.
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 333

Geschenke darbrachten.84 Damit wird schon im wurde. Will sagen: Man maß nicht etwa die Aus-
3. Buch der Historien das gigantische Ausmaß der sagen des aus Halikarnassos stammenden und in
Bedrohung für die Freiheit von Hellas sowohl in ih- der griechischen Welt wirkenden Herodot an den
rer räumlichen als auch – dies gilt es zu unterstrei- enchorischen Quellen des Achaimenidenreiches,
chen – in ihrer ökonomischen Dimension heraus- sondern diese wurden an Herodot gemessen.88 Aus
gestellt.85 In 7,62–65 wird das Ausmaß der dem Achaimenidenreich sind es drei Quellengrup-
militärischen Bedrohung der hellenischen Freiheit pen, mit denen man die Nomenliste vergleichen
durch den Heereskatalog des Xerxes wieder auf- kann und muss. Es sind dies zum einen bildliche
gegriffen.86 Beide Motive finden en miniature ihren Darstellungen aus dem Achaimenidenreich, nämlich
Abschluss in der Schlacht von Plataiai, wo in die Darstellungen von 23 Gaben bringenden Dele-
9,31–32 anlässlich der Schilderung der persischen gationen an den Treppenaufgängen zum Apadāna
Schlachtordnung wiederum eine Völkerliste von in Persepolis, die 28 Thronträger auf den Türlaibun-
300.000 Barbaren gegeben wird und in 9,80–81 gen der Osttür des Tripylons und in den Südporta-
der Reichtum der griechischen Beute hervorgeho- len der 100–Säulen-Halle von Persepolis sowie die
ben wird. Damit werden bei der Schilderung der 30 Thronträger auf den Königsgräbern in Naqs̆-i
entscheidenden persischen Niederlage, die den Hel- Rostam und Persepolis.89 Hinzu kommen noch die
lenen Europas dauerhaft die Freiheit von der per- 24 Figürchen auf der Seite der aus Susa stammen-
sischen Herrschaft sicherte, beide Motive noch ein- den Dareios-Statue, deren hieroglyphische Inschrift
mal miteinander verknüpft. 24 Völker listet.90 Die Zahlen zeigen schon, dass
Die bisherigen Darlegungen haben auf der Ba- sich zwischen den dargestellten Länderrepräsentan-
sis sachlicher, terminologischer und inhaltlicher Über- ten und der Nomenliste Herodots keine Kongruenz
legungen sowie aufgrund einer Betrachtung der herstellen lässt. Dies würde man auch nicht erwar-
Funktion der Nomenliste in den Historien Herodots ten wollen, könnten doch die bildlichen Darstellun-
allen Anlass zu dem Schluss gegeben, dass es sich gen bestenfalls eine Momentaufnahme der Reichs-
bei den gesamten die administrative Gliederung verwaltung liefern. Hinzu kommt ein weiterer
des Achaimenidenreiches unter Dareios betreffen- Gesichtspunkt: Herodot beschreibt an mehreren
den Passagen um ein mit immenser Gestaltungs- Stellen die Kleidung der verschiedenen Völkerschaf-
kraft geschaffenes Konstrukt des Halikarnassiers ten, um sie in den Katalogen voneinander unter-
handelt, das mit vermutbaren strukturgeschicht- scheidbar zu machen. Gleichwohl finden seine dies-
lichen Realitäten wenig zu tun hat. Hinzu kommt bezüglichen Einlassungen keine Entsprechung in
noch ein weiteres Argument: In der griechischen Li- der achaimenidischen Kunst.91 Auch hier also re-
teratur nach Herodot bis zu den Alexanderhistori- giert die literarische Komposition und die Narrati-
kern findet sich keinerlei Anklang an die Ordnung, vierung der Ereignisse über die reine Faktizität,
die die herodoteische Nomenliste liefert.87 Anders auch hier kommt man zu dem Schluss, dass Hero-
gewendet: Auch dies spricht für eine Konstruktion dots Kenntnisse in Bezug auf das Achaimeniden-
durch Herodot, will man nicht annehmen, eine ,No- reich äußerst überschaubar waren.
menordnung‘ habe es nur unter Dareios gegeben. Die Wirkungsmächtigkeit der herodoteischen
Eine solche herodoteische Konstruktion der Konzeptionen und Konstruktionen zeigt sich aber
Dinge könnte man lediglich in Abrede stellen, wenn auch in einem anderen Punkt. Die moderne For-
die Aussagen Herodots durch – vorzugsweise doku- schung bevorzugte die Nomenliste gegenüber den
mentarische – Quellen aus dem Perserreich ge- Länderlisten – genauer dahyāwa-Listen – in den
stützt würden. Es ist ein forschungsgeschichtlich be- Königsinschriften von Dareios und Xerxes für eine
merkenswertes, wenn auch nicht einmaliges
Faktum, dass bei der Erforschung der Verwaltung
des Achaimenidenreiches die Beweislast umgekehrt 88
Jacobs 2003b, 309–314; Armayor 1978, 2. Dies ist in der Erfor-
schung der mediterranen Nachbarkulturen kein Sonderfall: hier-
zu wie auch zu den sich daraus ergebenden Konsequenzen
84 Bichler 2001, 287. ausführlich am Beispiel Babylons Rollinger 2008b.
85 Bichler 2001, 286; Bichler 2007, 76. 89 Briant 2002, 173–175; Murray/Moreno 2007, 538–539. Eher
86 skeptisch in Bezug auf die Aussagemöglichkeiten der bildlichen
Zu den Heereskatalogen Briant 1999, 116–118.
87 Darstellungen ist Briant 2002, 391. Grundlegend für die in Per-
Ktesias von Knidos hat freilich ein eigenes Werk über die Tribu-
te Asiens geschrieben, das angesichts seiner Vorliebe, Herodot sepolis und Naqs̆-i Rustam abgebildeten Völker ist Hinz 1969,
zu parodieren, als eine literarische Auseinandersetzung mit der 95–114; Schmidt 1953, 85–90; 117–120; 134–136; Schmidt
Nomenliste zu gelten haben wird. Da nur zwei wenig aus- 1970, 108–111; Walser 1966; Calmeyer 1982; Calmeyer
sagekräftige Fragmente überliefert sind (FGrHist 688 F 53–54 1983a; Calmeyer 1983b; Calmeyer 1987b; Jacobs 1997; Hach-
[ed. Lenfant]), bleiben weitergehende Spekulationen müßig. mann/Penner 1999, 293–296; Rollinger 2006. Zu den in diesen
Zur Neigung des Ktesias, Herodot zu parodieren: Bichler 2007e. Quellen eruierbaren Raumvorstellungen Wiesehöfer 2007, 34–
Zum Verhältnis zwischen den beiden Autoren Bleckmann 40.
90
2007b. Zu Ktesias ausführlich Wiesehöfer/Rollinger/Lanfranchi TUAT 1, S. 609–612. Bichler 2001, 286 Anm. 77.
91
(im Druck). Calmeyer 1987a.
334 Kai Ruffing

Rekonstruktion der Verwaltungsgeschichte des Achai- den Peloponnesischen Krieges auf.97 Darüber hinaus
menidenreiches.92 Nun haben die Arbeiten von folgt sie – wie bereits aufgezeigt – unmittelbar auf
Bruno Jacobs eindringlich aufgezeigt, dass gerade die starke Zäsur, die Herodot in der persischen Ge-
die dahyāwa-Listen der Königsinschriften für die Re- schichte mittels der Verfassungsdebatte setzt
konstruktion der Satrapienverwaltung im Achaime- (3,80–82). Diese Verfassungsdebatte endet mit dem
nidenreich grundlegend sind.93 Da aber zwischen Sieg der Monarchie, ist aber darüber hinaus auch als
der Nomenliste und den dahyāwa-Listen der Königs- eine eindringliche Warnung an die zur Zeit Herodots
inschriften keine Übereinstimmung herzustellen bestehenden Oligarchien und Demokratien zu ver-
ist,94 muss Herodots Nomenliste auch aus diesem stehen.98 Bildet die Verfassungsdebatte gleichsam
Grund als literarische Konstruktion angesehen wer- den Anfang der Machtübernahme des Dareios in den
den. Für diese Sicht der Dinge findet sich noch ein Historien, schließt die Nomenliste gleichsam als Sig-
weiterer Grund. Die Raumwahrnehmung der Perser, nal für die Konsolidierung der Herrschaft des ersten
wie sie in den achaimenidischen Bild- und Schrift- Achaimeniden diesen Prozess ab. Angesichts dieser
quellen erkennbar ist, verrät auf jeden Fall eine von Stellung bzw. Funktion der Nomenliste und der nicht
der herodoteischen Nomenliste gänzlich verschiede- von der Hand zu weisenden Evidenz, in ihr eine lite-
ne Imagination des Raumes.95 rarische Konstruktion zu sehen, wird man hierin nicht
Diese literarische Konstruktion der Nomenliste nur das narrative Konzept der Historien walten sehen
erfüllte mehrere Funktionen im narrativen Konzept wollen, sondern man könnte in der Tat auch eine
der Historien. Sie dient – wie oben schon aus- weitergehende Absicht Herodots vermuten, nament-
geführt – der Charakterisierung des Dareios und sie lich eine Kritik an Perikles’ Kurs in den Krieg mit
zeigt anhand des Begriffspaares C<EA/ und CAE</ Sparta.
den Unterschied zwischen den der Herrschaft eines Die herodoteische Nomenliste gemahnt näm-
Einzelnen unterliegenden Völkern Asiens, deren Un- lich in ihrer Konzeption an die Tribute, die die
freiheit durch die Zahlung von ,<æAØ auf der Bündner Athens im Rahmen des Delisch-Attischen
Grundlage der CAEA7 plastisch herausgearbeitet Seebundes zu entrichten hatten. Hierfür spricht
wird, und den Griechen oder besser Spartanern, die nicht nur die Benennung des Tributes in der No-
als Herrn (42.0<-G/) lediglich den C<EA/ haben. menliste als ,<æA/, was allerdings schon als ein
Das sprachliche Spiel mit C<EA/ und CAE</ lässt starkes Signal für einen zeitkritischen Hintergrund
sich in den Historien noch an anderen Stellen beob- zu werten ist. Wie bereits oben bemerkt, ist der
achten. So etwa, wenn Herodot ausführt, die Gaue ,<æA/ stark, wenn nicht zur Zeit der Veröffentli-
(CAEA7) in Ägypten hätten seit Amasis die Grund- chung der Historien ausschließlich, mit den Zahlun-
lage der Steuererhebung gebildet. Jeder Ägypter ha- gen im Rahmen des Seebundes konnotiert. Auch das
be seitdem gegenüber dem CAE9æOG/ sein gesam- Prinzip, verschiedene Völkerschaften bzw. andere
tes Einkommen deklarieren müssen; dieses Gesetz territoriale Entitäten zusammenzufassen, weist nach
(C<EA/) habe Solon für die Athener übernommen Athen in die perikleische Zeit. Seit dem Jahr 443/442
(2,177,2). Diese Behauptung beinhaltet selbstver- v. Chr. werden in den Athenischen Tributslisten die
ständlich chronologische und sachliche Inkonsisten- Bündner nämlich zu fünf (^=ACØŒN/ ,<æA/, h2º-
zen,96 zeigt aber wiederum Herodots Spiel mit den º2.0<C-ØA/ ,<æA/, 2^0M ¨æ9ØŒ2/ ,<æA/, ˚ÆæØŒN/
Begrifflichkeiten und seine immense literarische Ge- ,<æA/, ˝2.ØA-ØŒN/ ,<æA/) später vier (^=ACØŒN/
staltungskraft, bilden doch darüber hinaus die ,<æA/, h2ºº2.0<C-ØA/ ,<æA/, 2^0M ¨æ9ØŒ2/
2ı^CAE7Æ bzw. 4ı.CAE7Æ die zentralen Kategorien ,<æA/, ˝2.ØA-ØŒN/ ,<æA/) einzelnen Zahlungsdis-
der Dichtungen Solons, mit denen er sein Reform-
werk zu rechtfertigen suchte. 97
Bichler 2001, 315; 320; 329; 331; 366–377. Zur Benutzung
Nun weisen die Historien im Allgemeinen wie der Geschichtsschreibung als Mittel der Verdeutlichung und
das Umfeld der Nomenliste im Besonderen zahlrei- Analyse der Probleme der eigenen Zeit durch Herodot Raaflaub
che zeitkritische Bezüge im Umfeld des ausbrechen- 1988, 309–314; bes. 313; Raaflaub 2002; Moles 1996; Moles
2002; bes. 50–52; Strasburger 1982, der im 5. Buch ,,. . .eine
durchdachte innere Stellungnahme zur politischen Rolle Athens
nach den Perserkriegen. . .‘‘ (622) sieht; Fornara 1971.
98 Bichler 2001, 283–284; Raaflaub 1988, 311–313; anders Kipp
92
Zu diesen Listen Briant 2002, 172–173.
93 2001, 175–176, der die Verfassungsdebatte als klares Be-
Jacobs 1994, bes. 98–116; Jacobs 2003b, bes. 332. kenntnis Herodots zur Monarchie wertet. Zur Verfassungsdebat-
94
Tabellarische Gegenüberstellung bei Murray/Moreno 2007, te allgemein Kipp 2001, 237; 246–247, wo sie als ein Element
540–542. des als Satire verstandenen herodoteischen Berichts bezüglich
95
Zur Imaginierung des Raumes in den persischen Quellen Wiese- der Erringung der Herrschaft durch Dareios verstanden wird;
höfer 2007, 34–37. Anlass für diese Satire sei die Behistun-Inschrift (TUAT I
96
Ruschenbusch 2005, 216–217, der zu Recht den Synchronis- 419–450) gewesen, andere Funktionen der Verfassungsdebatte
mus Solon – Amasis – Kroisos für eine herodoteische Kon- werden indes ebenfalls konzidiert. – Das zeitgenössisch-athe-
struktion hält; zu Herodots chronologischem Bild der grie- nische Umfeld der Debatte betont Bleicken 1979, bes. 15; 157;
chischen Archaik Bichler 2007, 162–175; Murray/Moreno 2007, bes. 167–171, wo sie mit der athenischen Herrschaftsaus-
372–373. übung im Seebund kontextualisiert wird.
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 335

trikten zusammengefasst.99 Nebenbei bemerkt, ge- Ebene, inwieweit die Nomenliste literarischen Ziel-
mahnen die von Herodot in 3,96,1 außerhalb der setzungen dient.
eigentlichen Liste genannten Hebebezirke der Inseln Solches bietet aber wiederum einen weiteren
und Europas bis zu den Thessalern an den ˝2.Ø- Grund, ihr einen quasi-dokumentarischen Charakter
A-ØŒN/ ,<æA/ und den 2^0M ¨æ9ØŒ2/ ,<æA/ der für die Analyse der Strukturgeschichte des Perser-
athenischen Tributlisten. Das Ordnungsprinzip der reichs abzusprechen.104 Dies bedeutet nicht etwa,
Nomenliste ist also das gleiche wie das der Tributlis- generell organisatorische Maßnahmen des Dareios
ten, ihr zufolge werden die ,<æAØ freilich auf der in der Verwaltung in Abrede zu stellen.105 Auch an
Grundlage der CAEA7 entrichtet; beide Wörter zusam- diesem Beispiel zeigt sich aber die Problematik, die
men bilden ein starkes Signal für die Herrschaft, die narrativierte Geschichte des großen Literaten Hero-
zur Despotie entartet.100 In den Historien wird nun – dots für die Ereignis- und Strukturgeschichte der
wie bereits oben ausgeführt – den CAEA7 des bereits Nachbarvölker der Hellenen heranzuziehen. Jeden-
über die Despotie hinaus degenerierten Herrschers falls drängt sich im Detail der Nomenliste der Ein-
Dareios der C<EA/ als 42.0<-G/ der Spartaner ge- druck auf, dass Herodot bestenfalls über rudimentä-
genübergestellt, der sie zu militärischen Höchstleis- re Informationen – das Wort Satrapie als Hebebezirk
tungen befähigt (7,104). Im nunmehr ausbrechen- für Steuern oder auch Hinweise auf die administra-
den Peloponnesischen Krieg stand mit dem von tive Organisation des achaimenidischen Herrschafts-
Perikles geführten Athen wiederum eine Macht, die bereichs durch Dareios – verfügte und aus diesem
anhand von territorial bestimmten Schatzungsbezir- dürren Skelett unter Anwendung literarischer und li-
ken ,<æAØ erhob und deren Bündnissystem seit terarisch-geographischer Vorläufer griechischer Pro-
454 v. Chr. immer mehr von einer Symmachie zu venienz ein farbenprächtiges Gemälde schuf,106 das
einer Æ^æO8 degeneriert war, gegen Sparta und seine zahlreiche innerwerkliche Themen und Darlegungen
militärische Tüchtigkeit.101 Damit wird in der Einlei- aufgreift und darüber hinaus die narrativierte Ge-
tung zur Nomenliste genau das Vokabular ge- schichte nutzt, um als Kritiker und Mahner in der ei-
braucht, das die prekäre Stellung Athens gegenüber genen Zeit aufzutreten, die ein weiteres Mal in einen
seinen ,Symmachoi‘ charakterisiert. Diese Erwägun- großen Krieg eintrat.
gen lassen die Interpretation der Nomenliste und
der sie einleitenden Kapitel als ein auch der Zeitkri-
tik dienendes Element der Historien als nicht allzu Literaturverzeichnis
kühn erscheinen, zumal wenn man die Wahrneh-
mung Athens als neues Persien in der Zeit der Pen- Albertz 2006
tekontaetie und des ausbrechenden Peloponnesi- A. Albertz, Exemplarisches Heldentum. Die Rezeptions-
schen Krieges bedenkt.102 Dies würde bedeuten, geschichte der Schlacht an den Thermopylen von der
dass Herodot das perikleische Athen der Hybris ver- Antike bis zur Gegenwart. Ordnungssysteme 17 (Mün-
chen 2006).
fallen sah, welches notwendigerweise in dem he-
Aperghis 2001
raufziehenden Kampf mit Sparta scheitern muss- M. Aperghis, Population-Production-Taxation-Coinage. A
te.103 Damit zeigt sich aber auf einer weiteren model for the Seleukid economy. In: Z. H. Archibald/
J. Davies/V. Gabrielsen/G. J. Oliver (Hrsg.), Hellenistic
99 ATL Nr. 12; ATL Nr. 13; ATL III, 306; ML, S. 85. economies (London, New York 2001) 69–102.
100 Hinzu kommt, dass die Hebebezirke des Seebundes offen- Armayor 1978
sichtlich im Rahmen der Reorganisation desselben im Gefolge O. K. Armayor, Herodotus’ Catalogues of the Persian
der Ereignisse um 454 v. Chr. eingeführt wurden. Diese Hebe- Empire in the light of the monuments and the Greek lit-
bezirke sind schon in den beiden Volksbeschlüssen erkenn- erary tradition. Transactions of the American Philological
bar, in denen Athen – zurückhaltend formuliert – eine aus- Association 108, 1978, 1–9.
geprägt hegemoniale Verhaltensweise an den Tag legt. Es
sind dies namentlich die Einführung des athenischen Münzfu- Asheri 1990
ßes und athenischer Maße in den Poleis des Seebundes aus D. Asheri, Erodoto. Le storie III. La Persia (Mailand
den Jahren 450–446 v. Chr. (?) (ML 45 = ATL II D 14 = ATL T 1990).
69) und die Neuregelung der Hebung der Tribute aus dem Asheri/Vanicelli 2006
Jahr 447 v. Chr. (?) (ML 46 = ATL II D 7 = IG I3 34). –Low D. Asheri/P. Vanicelli, Erodoto. Le storie. Volume IX. Li-
2005 zu den sprachlich sublimeren Formen des athenischen
Imperialismus in der epigraphischen Überlieferung. bro IX. La battaglia di Platea (Mailand 2006).
101
Siehe die Beschreibung des Prozesses in Thuk. 1,99 sowie Ball 1942
2,8,5, wo die Æ^æO8 der Athener den Hauptgrund des Verdrus- J. Ball, Egypt in the Classical Geographers (Kairo 1942).
ses der Bünder bildet: Hornblower 1991, 247; Rhodes 1985,
36–43.
102 Rood 1999, 150. Dazu passt auch, dass mit dem Parthenon- 104
So auch, obgleich zurückhaltender Wiesehöfer 2007, 33.
105
fries ein imperiales Bidlprogramm gewählt wird, das achaime- Ganz im Gegenteil sind solche nachzuweisen: Kessler 2004;
nidischen Vorbildern verpflichtet sein dürfte: Root 1985. Jursa 2007.
103 106
Zu herodoteischen Konzeption der Hybris und dem ihr inne- Das dürre Skelett an Informationen, über die Herodot bei der
wohnenden notwendigen Scheitern des ihr verfallenen Indivi- Abfassung der Historien verfügte, betonte schon Fehling 1971,
duums als historischer Wirkungsmacht Kipp 2001, 263. 153–154.
336 Kai Ruffing

Bedford 2007 Bleckmann 2007b


P. R. Bedford, The Persian Near East. In: W. Scheidel/ B. Bleckmann, Ktesias von Knidos und die Perserkriege:
I. Morris/R. Saller (Hrsg.), The Cambridge economic his- Historische Varianten zu Herodot. In: B. Bleckmann
tory of the Greco-Roman world (Cambridge 2007) 302– (Hrsg.), Herodot und die Epoche der Perserkriege. Reali-
329. täten und Fiktionen. Kolloquium zum 80. Geburtstag
Bichler 2001 von Dietmar Kienast (Köln, Weimar, Wien 2007)
R. Bichler, Herodots Welt. Der Aufbau der Historie am 137–150.
Bild der fremden Länder und Völker, ihrer Zivilisation Bleicken 1979
und ihrer Geschichte (Berlin 22001). J. Bleicken, Zur Entstehung der Verfassungstypologie im
Bichler 2006 5. Jahrhundert v. Chr. (Monarchie, Aristokratie, Demokra-
R. Bichler, Über Grenzen und ihre Relativität im Licht tie). Historia 28, 1979, 148–172.
von Herodots Historien. In: B. Burtscher-Bechter/P. W. Briant 1999
Haider/B. Mertz-Baumgartner/R. Rollinger (Hrsg.), Gren- P. Briant, The Achaemenid Empire. In: K. Raaflaub/N.
zen und Entgrenzungen. Historische und kulturwissen- Rosenstein (Hrsg.), War and Society in the Ancient and
schaftliche Überlegungen am Beispiel des Mittelmeerrau- Medieval Worlds. Asia, The Mediterranean, Europe, and
mes. Saarbrücker Beiträge zur vergleichenden Literatur- Mesoamerica (Cambridge, London 1999) 105–128.
und Kulturwissenschaft 36 (Würzburg 2006) 155–170. Briant 2002
Bichler 2007a P. Briant, From Cyrus to Alexander. A History of the Per-
R. Bichler, Herodots Historien unter dem Aspekt der sian Empire (Winona Lake 2002).
Raumerfassung. In: M. Rathmann (Hrsg.), Wahrnehmung Calmeyer 1982
und Erfassung geographischer Räume in der Antike P. Calmeyer, Zur Genese altiranischer Motive VIII. Die
(Mainz 2007) 67–80. ,,Statistische Landcharte des Perserreichs‘‘ – I. Archä-
Bichler 2007b ologische Mitteilungen aus Iran 15, 1982, 105–187.
R. Bichler, Herodots Frauenbild und seine Vorstellung Calmeyer 1983a
über die Sexualsitten der Völker. In: R. Rollinger (Hrsg.), P. Calmeyer, Zur Genese altiranischer Motive VIII. Die
Historiographie-Ethnographie-Utopie – Reinhold Bichler. ,,Statistische Landcharte des Perserreichs‘‘ – II. Archae-
Studien zu Herodots Kunst der Historie 1. Philippika ologische Mitteilungen aus Iran 16, 1983, 141–222.
18,1 (Wiesbaden 2007) 107–142. Calmeyer 1983b
Bichler 2007c P. Calmeyer, Zur Rechtfertigung einiger großköniglicher
R. Bichler, Ein Königreich für ein Maultier oder der Sturz Inschriften und Darstellungen: die Yaunā. In: H. Koch/
vom hohen Ross? In: R. Rollinger (Hrsg.), Historiogra- D. N. Mackenzie (Hrsg.), Kunst, Kultur und Geschichte
phie-Ethnographie-Utopie – Reinhold Bichler. Studien der Achämenidenzeit und ihr Fortleben. Archäologische
zu Herodots Kunst der Historie 1. Philippika 18,1 (Wies- Mitteilungen aus Iran, Ergänzungsband 10 (Berlin 1983)
baden 2007) 247–258. 153–167.
Bichler 2007d Calmeyer 1987a
R. Bichler, Herodot und die Macht des Geldes. In: R. Rol- P. Calmeyer, Greek historiography and Achaemenid re-
linger (Hrsg.), Historiographie-Ethnographie-Utopie – liefs. In: H. Sancisi-Weerdenburg/A. Kuhrt (Hrsg.), Achae-
Reinhold Bichler. Studien zu Herodots Kunst der Historie menid history II. The Greek sources. Proceedings of the
1. Philippika 18,1 (Wiesbaden 2007) 11–26. Groningen 1984 Achaemenid history workshop (Leiden
Bichler 2007e 1987) 11–26.
R. Bichler, Ktesias ,,korrigiert‘‘ Herodot. Zur literarischen Calmeyer 1987b
Einschätzung der Persika. In: R. Rollinger (Hrsg.), His- P. Calmeyer, Zur Genese altiranischer Motive VIII. Die
toriographie-Ethnographie-Utopie – Reinhold Bichler. ,,Statistische Landcharte des Perserreichs‘‘. Nachträge
Studien zu Herodots Kunst der Historie 1. Philippika und Korrekturen. Archäologische Mitteilungen aus Iran
18,1 (Wiesbaden 2007) 229–245. 20, 1987, 129–146.
Bichler 2007f Cartledge 2006
R. Bichler, Das chronologische Bild der Archaik. In: P. Cartledge, Thermopylae. The battle that changed the
R. Rollinger (Hrsg.), Historiographie-Ethnographie-Utopie world (Woodstock, New York 2006).
– Reinhold Bichler. Studien zu Herodots Kunst der His- Diels 1887
torie 1. Philippika 18,1 (Wiesbaden 2007) 161–207. H. Diels, Herodot und Hekataios. Hermes 22, 1887,
Bichler/Rollinger 2001 411–444.
R. Bichler/R. Rollinger, Herodot (Hildesheim 2001). van Driel 2002
Bichler/Rollinger 2005 G. van Driel, Elusive Silver. In Search of a role for a
R. Bichler/R. Rollinger, Die Hängenden Gärten zu Ninive market in an agrarian environment. Aspects of Mesopo-
– Die Lösung eines Rätsels? In: R. Rollinger (Hrsg.), Von tamia’s society. Uitgaven van het Nederlands Instituut
Sumer bis Homer. Festschrift für Manfred Schretter zum voor het Nabije Oosten te Leiden 95 (Leiden 2002).
60. Geburtstag am 25. Februar 2004. Alter Orient und Fehling 1971
Altes Testament 325 (Münster 2005) 153–218. D. Fehling, Die Quellenangaben bei Herodot. Studien
Bleckmann 2007a zur Erzählkunst Herodots. Untersuchungen zur antiken
B. Bleckmann (Hrsg.), Herodot und die Epoche der Per- Literatur und Geschichte 9 (Berlin, New York 1971).
serkriege. Realitäten und Fiktionen. Kolloquium zum Fehling 1989
80. Geburtstag von Dietmar Kienast (Köln, Weimar, Wien D. Fehling, Herodotus and his ,Sources‘. Citation, Inven-
2007). tion and Narrative Art. ARCA 21 (Leeds 1989).
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 337

Flashar 1996 Jacobs 1997


M. Flashar, Die Sieger von Marathon – Zwischen Mythi- B. Jacobs, Eine Planänderung an den Apadāna-Treppen
sierung und Vorbildlichkeit. In: M. Flashar/H.-J. Gehrke/ und ihre Konsequenzen für Planungs- und Bebauungs-
E. Heinrich (Hrsg.), Retrospektive. Konzepte von Vergan- phasen von Persepolis. Archäologische Mitteilungen aus
genheit in der griechisch-römischen Antike (München Iran und Turan 29, 1997, 281–302.
1996) 63–85. Jacobs 2000
Fornara 1971 B. Jacobs, Achaimenidenherrschaft in der Kaukasusregi-
Ch. W. Fornara, Herodotus. An interpretative essay (Ox- on und in Cis-Kaukasien. Archäologische Mitteilungen
ford 1971). aus Iran und Turan 32, 2000, 93–102.
Froschauer 1991 Jacobs 2003a
P. Froschauer, Herodots ägyptischer Logos. Die Glaub- B. Jacobs, Mechanismen der Konfliktbewältigung in der
würdigkeitsdiskussion in kritischer Sicht: Forschungs- Verwaltungsorganisation Kleinasiens zur Achämeniden-
geschichte – Ausgewählte Argumentationen – Archäolo- zeit. In: W. Henkelman/A. Kuhrt (Hrsg.), A Persian Per-
gischer Befund (Phil. Diss. Innsbruck 1991). spective. Essays in Memory of Heleen Sancisi-Weerden-
Gehrke 2003 burg. Achaemenid History 13 (Leiden 2003) 239–263.
H.-J. Gehrke, Marathon (490 v. Chr.) als Mythos: Von Jacobs 2003b
Helden und Barbaren. In: G. Krumeich/S. Brandt (Hrsg.), B. Jacobs, Die altpersischen Länderlisten und Herodots
Schlachtenmythen. Ereignis – Erzählung – Erinnerung. sogenannte Satrapienliste (Historien III 89–94). Eine Ge-
Europäische Geschichtsdarstellungen 2 (Köln, Weimar, genüberstellung und ein Überblick über die jüngere For-
Wien 2003) 19–32. schung. In: R. Dittmann/Chr. Eder/B. Jacobs (Hrsg.), Al-
Giangiulio 2005 tertumswissenschaften im Dialog. Festschrift für Wolfram
M. Giangiulio (Hrsg.), Erodoto e il ,modello erodoteo‘. Nagel zur Vollendung seines 80. Lebensjahres, Alter Ori-
Formazione e trasmissione delle tradizioni storiche in ent und Altes Testament 306 (Münster 2003) 301–343
Grecia. Labirinti 88 (Trento 2005). Jacobs 2008a
Gschnitzer 1988 B. Jacobs, s. v. Achaemenid Satrapies. In: Encyclopaedia
F. Gschnitzer, Zur Stellung des persischen Stammlandes Iranica. (http://www.iranica.com/newsite/articles/
im Achaimenidenreich. In: ,,Ad bene et feliciter seminan- otgrp10/otachaemsatrap20060619.html [11. 03. 08]).
dum‘‘. Festschrift K. Deller. Alter Orient und Altes Testa- Jacobs 2008b
ment 220 (Neukirchen 1988) 87–122. B. Jacobs, s. v. Caucasus III. Achaemenid Rule. In: Ency-
Hachmann/Penner 1999 clopaedia Iranica. (http://www.iranica.com/newsite/
R. Hachmann/S. Penner, Kāmid el- Lōz 3. Der eisenzeitli- articles/otgrp10/otcaucusacham20060109.html
che Friedhof und seine kulturelle Umwelt. Saarbrücker [12. 03. 2008])
Beiträge zur Altertumskunde 21 (Bonn 1999). Jacoby 1912
Helck 1974 F. Jacoby, s. v. Hekataios, Paulys Realencyclopädie der
W. Helck, Die altägyptischen Gaue (Wiesbaden 1974). klassischen Altertumswissenschaft 7.2, 1912, 2667–
Hinz 1969 2769.
W. Hinz, Altiranische Funde und Forschungen (Berlin Jung 2006
1969). M. Jung, Marathon und Plataiai. Zwei Perserschlachten
Hölkeskamp 2001 als ,,lieux de mémoire‘‘ im antiken Griechenland. Hy-
K.-J. Hölkeskamp, Marathon – vom Monument zum pomnemata 164 (Göttingen 2006).
Mythos. In: D. Papenfuß/V. M. Strocka (Hrsg.), Gab es Jursa 2007
das Griechische Wunder? Griechenland zwischen dem M. Jursa, The transition of Babylonia from the Neo-Baby-
Ende des 6. und der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. lonian Empire to Achaemenid rule. In: H. Crawford
Tagungsbeiträge des 16. Fachsymposiums der Alexan- (Hrsg.), Regime change in the Ancient Near East and
der von Humboldt-Stiftung veranstaltet vom 5. bis 9. Egypt. From Sargon of Agade to Saddam Hussein. Pro-
April 1999 in Freiburg im Breisgau (Mainz 2001) ceedings of the British Academy 136 (London 2007)
329–353 73–94.
Hornblower 1991 Kessler 2004
S. Hornblower, A commentary on Thucydides I (Oxford K. Kessler, Urukäische Familien versus babylonische Fa-
1991). milien. Die Namengebung in Uruk, die Degradierung der
Ivantchik 1999 Kulte von Eanna und der Aufstieg des Gottes Anu. Alt-
A. Ivantchik, Eine griechische Pseudo-Historie. Der Pha- orientalische Forschungen 31 (2004) 237–262.
rao Sesostris und der skytho-ägyptische Krieg. Historia Kipp 2001
48 (1999) 395–441. G. Kipp, Franz Hampl, Herodot und die Thronbesteigung
Ivantchik 2001 des Dareios. In: P. Haider/R. Rollinger (Hrsg.), Althistori-
A. Ivantchik, La légende ,,grecque‘‘ sur l’origine des Scy- sche Studien im Spannungsfeld zwischen Universal- und
thes (Hérodote 4.8–10). In: V. Fromentin/S. Gotteland Wissenschaftsgeschichte. Festschrift für Franz Hampl ge-
(Hrsg.), Origines gentium (Bordeaux 2001) 207–220. dacht zum 90. Geburtstag am 8. Dezember 2000 (Stutt-
Jacobs 1994 gart 2001) 159–265.
B. Jacobs, Die Satrapienverwaltung im Perserreich zur Klinkott 2005
Zeit Darius’ III. Tübinger Atlas des Vorderen Orients, Bei- H. Klinkott, Der Satrap. Ein achaimenidischer Amtsträger
hefte B 87 (Wiesbaden 1994). und seine Handlungsspielräume. Oikumene 1 (Frankfurt
2005).
338 Kai Ruffing

Kuhrt 2007 Ehrhardt/L.-M. Günther (Hrsg.), Widerstand-Anpassung-In-


A. Kuhrt, The Persian Empire 2 (London, New York tegration. Die griechische Staatenwelt und Rom. Fest-
2007). schrift für Jürgen Deininger zum 65. Geburtstag (Stuttgart
Lebedynsky 2006 2002) 11–40.
I. Lebedynsky, Les Saces. Les ,,Scythes‘‘ d’Asie, VIIIe Rhodes 1985
siècle av. J.-C. – IVe apr. J.-C. (Paris 2006). P. J. Rhodes, The Athenian Empire (Oxford 1985).
Loyd 1989 Rhodes 2000
A. B. Loyd, Erodoto. Le storie. Volume II. Libro II. L’Egit- P. J. Rhodes, s. v. Phoros, Der Neue Pauly 9, 2000,
to (Mailand 1989). 953–957
Low 2005 Rollinger 1993
P. Low, Looking for the Language of Athenian Imperial- R. Rollinger, Herodots babylonischer Logos. Eine kriti-
ism. Journal of Hellenic Studies 125, 2005, 93–111. sche Untersuchung der Glaubwürdigkeitsdiskussion an
Meiggs 1972 Hand ausgewählter Beispiele: Historische Parallelüber-
R. Meiggs, The Athenian Empire (Oxford 1972). lieferung – Argumentationen – Archäologischer Befund
Moles 1996 – Konsequenzen für eine Geschichte Babylons in per-
J. Moles, Herodotus Warns the Athenians, Papers of the sischer Zeit. Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissen-
Leeds International Latin Seminar 9, 1996, 259–284. schaft, Sonderheft 84 (Innsbruck 1993).
Moles 2002 Rollinger 1998
J. Moles, Herodotus and Athens. In: E. J. Bakker/I. J. F. R. Rollinger, Überlegungen zu Herodot, Xerxes und des-
de Jong/H. van Wees (Hrsg.), Brill’s Companion to Hero- sen angeblicher Zerstörung Babylons. Altorientalische
dotus (Leiden, Boston, Köln 2002) 33–52. Forschungen 25, 1998, 339–373.
Müller 1972 Rollinger 2000
K. E. Müller, Geschichte der antiken Ethnographie und R. Rollinger, Herodotus and the intellectual heritage of
ethnologischen Theoriebildung. Von den Anfängen bis the Ancient Near East. In: S. Aro/R. M. Whiting (Hrsg.),
auf die byzantinischen Historiographen I. Studien zur Melammu Symposia I (Helsinki 2000) 65–83.
Kulturkunde 29 (Wiesbaden 1972). Rollinger 2001
Murray/Moreno 2007 R. Rollinger, Zu Herodots Anwesenheit in Babylon und
O. Murray/A. Moreno (Hrsg.), A Commentary on Herodo- zu Xerxes’ angeblichen Strafmaßnahmen an der babylo-
tus Books I–IV (Oxford 2007). nischen Metropole. In: H. Taeuber (Hrsg.), Akten des
Pelling 2003 7. Österreichischen Althistorikertages. Mit einem An-
Chr. Pelling, Speech and action: Herodotus’ debate on hang: Annona epigraphica Austriaca 1993–1998 (Wien
the constitutions. Proceedings of the Cambridge Philolo- 2001) 43–47.
gical Society 48, 2003, 123–158. Rollinger 2003a
Petit 1990 R. Rollinger, Kerkenes Daǧ and the Median ,,Empire‘‘.
Th. Petit, Satrapes et Satrapies dans l’empire achémé- In: G. B. Lanfranchi/M. Roaf/R. Rollinger (Hrsg.), Continu-
nide de Cyrus le Grand à Xerxès Ier. Bibliothèque de la ity of empire (?). Assyria, Media, Persia, history of the
Faculté de Philosophie et Lettres de l’Université de Ancient Near East. Monographs 5 (Padova 2003) 321–
Liège 254 (Paris 1990). 326.
Pritchett 1993 Rollinger 2003b
W. K. Pritchett, The Liar School of Herodotus (Amster- R. Rollinger, The western expansion of the Median ,Em-
dam 1993). pire‘: A Re-Examination. In: G. B. Lanfranchi/M. Roaf/
Prontera 2002 R. Rollinger (Hrsg.), Continuity of empire (?). Assyria,
F. Prontera, Geografia. In: C. Santini/I. Mastrorosa/A. Media, Persia, history of the Ancient Near East. Mono-
Zumbo (Hrsg.), Letteratura scientifica e tecnica di Grecia graphs 5 (Padova 2003) 289–319.
e Roma (Rom 2002) 227–245. Rollinger 2004a
Prontera 2003 R. Rollinger, Herodotus, human violence and the Ancient
F. Prontera, La Tabula Peutingeriana nella storia della Near East. In: V. Karageorghis/I. Taifacos, The world of He-
cartografia antica. In: F. Prontera (Hrsg.), Tabula Peutin- rodotus (Nikosia 2004) 121–150.
geriana. Le antiche vie del mondo. Biblioteca di Geogra- Rollinger 2004b
phia Antiqua 3 (Florenz 2003). R. Rollinger, Herodot (II 75f, III 107–109), Asarhaddon,
Prontera 2004 Jesaja und die fliegenden Schlangen Arabiens. In:
F. Prontera, s. v. Karte (Kartographie). Reallexikon für H. Heftner/K. Tomaschitz (Hrsg.), Ad fontes! Festschrift
Antike und Christentum 20, 2004, 187–229. für Gerhard Dobesch zum fünfundsechzigsten Geburts-
Prontera 2005–2006 tag am 15. September 2004 (Wien 2004) 927–944.
F. Prontera, L’Asia Minore nella carta di Strabone. Geo- Rollinger 2006
graphia Antiqua 14–15, 2005–2006, 89–99. R. Rollinger, Yaunā takabarā und maginnāta tragende
Raaflaub 1988 ,Ionier‘. Zum Problem der ,griechischen‘ Thronträgerfigu-
K. Raaflaub, Politisches Denken im Zeitalter Athens. In: ren in Naqsch-i Rustam und Persepolis. In: R. Rollin-
I. Fetscher/H. Münkler (Hrsg.), Pipers Handbuch der poli- ger/B. Truschnegg (Hrsg.), Altertum und Mittelmeerraum:
tischen Ideen 1 (München, Zürich 1988) 273–368. Die antike Welt diesseits und jenseits der Levante. Fest-
Raaflaub 2002 schrift für Peter W. Haider zum 60. Geburtstag. Oriens
K. Raaflaub, Herodot und Thukydides: Persischer Impe- et Occidens 12 (Stuttgart 2006) 365–400.
rialismus im Lichte der athenischen Seebundpolitik. In: N.
Die ,Satrapienliste‘ des Dareios: Herodoteisches Konstrukt oder Realität? 339

Rollinger 2007 aus dem Ersten Attischen Seebund auf die athenische Au-
R. Rollinger (Hrsg.), Historiographie-Ethnographie-Utopie ßenpolitik in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr.
– Reinhold Bichler. Studien zu Herodots Kunst der His- Quellen und Forschungen zur Antiken Welt 1 (München
torie 1. Philippika 18,1 (Wiesbaden 2007). 1988).
Rollinger 2008a Schubert 2008
R. Rollinger, Babylon in der antiken Tradition: Herodot, C. Schubert, Die Naukrarien. Zur Entwicklung der atti-
Ktesias, Semiramis und die Hängenden Gärten. In: J. Mar- schen Finanzadministration, Historia 57, 2008, 38–64.
zahn/G. Schauerte (Hrsg.), Babylon. Wahrheit (Berlin Seibert 2004–2005
2008) 487–502. J. Seibert, Alexander der Große in Persepolis (Takt-e
Rollinger 2008b Jams̆ı̄d). Iranistik 6, 2004–2005, 5–105.
R. Rollinger, Von Kyros bis Xerxes: Babylon in persischer Sieberer 1995
Zeit und die Frage der Bewertung des herodoteischen Ge- W. Sieberer, Das Bild Europas in den Historien. Studien
samtwerkes – eine Nachlese. In: M. Krebernik/H. Neu- zu Herodots Geographie und Ethnographie Europas und
mann (Hrsg.), Geburtstagskolloquium zu Ehren von Jo- seiner Schilderung der persischen Feldzüge. Innsbrucker
achim Oelsner. Oriens et Occidens (im Druck). Beiträge zur Kulturwissenschaft 96 (Innsbruck 1995).
Rood 1999 Sinn 2004
T. Rood, Thucydides’ Persian Wars. In: Chr. Shuttleworth U. Sinn, Archäologischer Befund – Literarische Überliefe-
Kraus, The limits of historiography. Genre and narrative rung: Möglichkeiten und Grenzen der Interpretation. In:
in ancient historical texts, Mnemosyne 191 (Leiden, Bos- Chr. Ulf (Hrsg.), Der neue Streit um Troia. Eine Bilanz
ton, Köln 1999) 141–168. (München 22004) 39–56.
Root 1985 Stok 2002
M. C. Root, The Parthenon Frieze and the Apadana Re- F. Stok, Etnografia. In: C. Santini/I. Mastrorosa/A. Zumbo
liefs at Persepolis: Reassessing a programmatic relation- (Hrsg.), Letteratura scientifica e tecnica di Grecia e Ro-
ship. American Journal of Archaeology 89, 1985, 103– ma (Rom 2002) 199–224.
120. Strasburger 1982
Ruffing 2004 H. Strasburger, Herodot und das perikleische Athen. In:
K. Ruffing, Ökonomie als Kategorie in der antiken deskrip- W. Schmitthenner/R. Zoepffel (Hrsg.), Studien zur Alten
tiven Geographie. Berichtsweise und Eigenart der exposi- Geschichte II. Collectanea XLII/2 (Hildesheim, New York
tio totius mundi et gentium. Münstersche Beiträge zur An- 1982) 592–626.
tiken Handelsgeschichte 23, H. 1, 2004, 88–130. Wallinga 1989
Ruffing 2008 H. T. Wallinga, Persian tribute and Delian tribute. In:
K. Ruffing, Die berufliche Spezialisierung in Handel und P. Briant/C. Herrenschmidt (Hrsg.), Le tribut dans l’em-
Handwerk. Untersuchungen zu ihrer Entwicklung und zu pire perse (Paris 1989) 173–181.
ihren Bedingungen in der römischen Kaiserzeit im östli- Walser 1966
chen Mittelmeerraum auf der Grundlage der grie- G. Walser, Die Völkerschaften auf den Reliefs von Per-
chischen Inschriften und Papyri. Pharos 24 (Rahden sepolis. Historische Studien über den sogenannten Tri-
2008). butzug an der Apadanatreppe. Teheraner Forschungen 2
Ruschenbusch 2005 (Berlin 1966).
E. Ruschenbusch, Solon. In: E. Ruschenbusch (Hrsg.), Wiesehöfer 2007
Kleine Schriften zur griechischen Rechtsgeschichte. Phi- J. Wiesehöfer, Ein König erschließt und imaginiert sein
lippika 10 (Wiesbaden 2005) 204–230. Imperium: Persische Reichsordnung und persische
Sancisi-Weerdenburg 1989 Reichsbilder zur Zeit Dareios’ I. (522–486 v. Chr.). In:
H. Sancisi-Weerdenburg, Gifts in the Persian Empire. In: M. Rathmann (Hrsg.), Wahrnehmung und Erfassung ge-
P. Briant/C. Herrenschmidt (Hrsg.), Le tribut dans l’em- ographischer Räume in der Antike (Mainz 2007) 31–40.
pire perse (Paris 1989) 129–146 Wiesehöfer/Rollinger/Lanfranchi im Druck
Schmidt 1953 J. Wiesehöfer/R. Rollinger/G. Lanfranchi (Hrsg.), Die Welt
E. F. Schmidt, Persepolis I. Structures, Reliefs, Inscrip- des Ktesias – The World of Ctesias (im Druck).
tions. University of Chicago Oriental Institute Publica-
tions 68 (Chicago 1953).
Schmidt 1970 Kai Ruffing
E. F. Schmidt, Persepolis III. The Royal Tombs and Other Seminar für Alte Geschichte
Monuments, University of Chicago Oriental Institute Fachbereich Geschichte und Kulturwissenschaften
Publications 70 (Chicago 1970). Philipps-Universität
Schmitz 1988 Wilhelm-Röpke-Str. 6C
W. Schmitz, Wirtschaftliche Prosperität, soziale Integra- 35032 Marburg
tion und die Seebundpolitik. Die Wirkung der Erfahrungen E-Mail: ruffing@staff.uni-marburg.de
340 Kai Ruffing

Summary Zusammenfassung

The so-called Herodotean ‘list of satrapies’ is a useful ar- Die sogenannte Satrapienliste steht im Schnittpunkt meh-
gument to have a look at some basic problems connected rerer Problemkreise, die mit der Interpretation Herodots
with the interpretation of Herodotus in general as well as im Allgemeinen sowie seiner Bedeutung als Quelle für die
with his reliability as a source for the history of the Achae- Geschichte und hier insbesondere die Strukturgeschichte
menid Empire, especially for its structural history. In book des Achaimeniden-Reichs verbunden sind. Herodot liefert
3, 90–94 Herodotus gives a list of administrative districts in 3, 90–94 eine Liste von Verwaltungsbezirken. Proble-
of the Persian Empire. The problems start with his use of matisch ist bereits die für diese Bezirke verwendete Termi-
termini for these districts. He calls them .Æ-æÆ0G7G, Æ^æO8 nologie, werden sie doch vom Halikarnassier als .Æ--
and CAE</. Analyzing the use of these words one arrives æÆ0G7G, Æ^æO8 und CAE</ bezeichnet. Eine Betrachtung
at the conclusion, that the list cannot be seen as an histor- der verwendeten Termini spricht gegen eine wie auch im-
ical fact. This is also true for the manner, in which the no- mer geartete historische Authentizität der Liste. Ferner
moi are arranged in the list. For the West of the Persian spricht das Prinzip der Anordnung der nomoi gegen die-
Empire it is the principle of the Greek periplous, in the East selbe. Diese folgt zum einen dem Prinzip des Periplous
he uses an axes from the Black Sea to the ‘Red Sea’. The sowie einer Linie vom Schwarzen zum ,Roten‘ Meer. Auch
size of the tributes mentioned demonstrates the literary die Höhe der Abgaben in der Liste verrät die literarische
construction of it as well. There is a progression from the Gestaltung derselben durch Herodot. Die Höhe der Abga-
west to the east related to people and regions mentioned ben wird in den nomoi, die Herodot auch in seinem Werk
in the logoi of books 1–3 in the Histories. This conincides im Rahmen der logoi näher beleuchtet, von Westen nach
with general conceptions of the Halicarnassian. That the Osten höher. Dies stimmt wiederum mit Gesamtkonzeptio-
list is ahistorical, can be shown confronting the districts nen in den Historien überein. Gegen die Historizität der
with the evidence of the dahyāwa-lists, where no analogies Liste lässt sich auch anführen, dass sich in den dahyāwa-
can be traced. Instead one has to suppose at least three Listen keinerlei Entsprechungen zu derselben feststellen
functions of the list in the narrative concept of the His- lässt. Dafür erfüllt die Liste mindestens drei wesentliche
tories. The list highlights the gigantic threat of the Persian Funktionen in Herodots narrativem Konzept der Historien.
Empire against Hellas and summarizes the logoi in book Sie fasst die gigantische Bedrohung des Perserreichs ge-
1–3. The list furthermore provides a basis for the charac- gen Hellas zusammen und resümiert dabei gleichsam die
terisation of Darius I. as a kapelos, because the division of logoi der Bücher 1–3. Sie dient ferner der Charakterisie-
the Persian Empire in nomoi was the first measure taken rung des Dareios als kapelos, bildet die Einteilung in no-
by the new king. In conclusion the list of nomoi is an im- moi doch die erste wesentliche Maßnahme des Achaimeni-
portant part of Herodotus criticism agains Athens in his den. Die Liste ist ferner ein wesentlicher Bestandteil der
time, which is constructed by him as a new Persia challeng- Kritik, die Herodot an der arche Athens – von ihm als ein
ing the freedom of the Greek world. neues Persien stilisiert – im Seebund übt.