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billi b & galentz präsentationskonzepte
steegerstrasse 2 sammlungsbetreuung
13359 berlin kunsthandel

~ Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers ~

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Liebe Freunde,
liebe Kunstinteressierte,

hiermit möchten wir Sie und und Ihre Freunde herzlich zu Finissage von

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„W A T C H T H E G A P, Deine Stadt – mein Traum“ einladen:

Am 9 Januar 2010 ab 16 Uhr bis 22 Uhr.

Billib&Galentz
InteriorDAsein
Steegerstr. 2, 13359 Berlin
S-Bhn. Wollankstraße

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Ausgesuchte Werke werden noch bis zum 31.01.2010 ausgestellt bleiben.
Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter 030-30307318 oder 0179 5475312
Zur Fragen jeder Art stehen wir gerne zur Verfügung.

Eine Fotogalerie der Vernissage ist verlinkt:

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http://picasaweb.google.com/ArchiGalentz/WatchTheGap

Angaben zu ausgestellten Arbeiten und beteiligten Künstlern:

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Die Ausstellung „WATCH THE GAP, Deine Stadt - mein Traum“ präsentiert ausgesuchte Arbeiten
der Malerei, Druckgrafik und Fotografie sowie Zeichnungen, deren Gemeinsamkeit das Sujet der
Stadtlandschaft ist. Die Werke stammen aus der Sammlung der Galerie und von eingeladenen,
befreundeten Künstlern. Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt mittlerweile in Städten und
diese Tendenz ist steigend.

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Von Generation zu Generation haben Künstler als ewig Getriebene früh genug die Vor- und Nach-
teile von Migration und Neubeginn im urbanen Raum erfahren und wollen ihre Erlebnisse

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mitteilen. Bei den vielen „Bild-erzählungen“, die bei WATCH THE GAP zu sehen sind, entdeckt
man die moderne Stadt als einen emotional erlebten, faszinierenden und gleichzeitig unbehagli-
chen Überlebensraum, aber auch als Rückzugsort. In den drei Räumen von InteriorDAsein haben
wir über fünfzig Kunstwerke von einundzwanzig Künstlern in unterschiedichen Techniken
individuell präsentiert und in Dialog miteinander gesetzt.

Als erste große Papierarbeit stimmt die Decollage „City“ von Sam Grigorian den Besucher auf
die Ausstellung ein. Der Künstler (geboren 1957 in Jerewan, Armenien), der sich inzwischen fest
in Berlin etabliert hat, überzeugt durch seine Biographie und auch mit seinem Arbeitsstil - einer
konsequenten und distanzierten Verneinung des Narrativen. Mit seiner typischen, selbst ent-
wickelten Ausdrucksart des gegenstandslosen Flächenbaues feiert der
Künstler verspielt aber auch streng konstruierend zugleich die Stadt als ei-
nen ewigen Ablauf und eine Aneinanderreihung verschlossener Körper und
Zwischenräume, Bewegung und Ruhe, Chaos und Ordnung. Vertretend für
den Gesamtmodus der Exposition schmückt demnach auch ein Detail seiner
Arbeit die Einladungskarte.

Die Melodie von „City“ wird unterstützt von einer


kleineren Papier-Decollage „Stadtspaziergang“ von
2008. Es ist eine Arbeit aus unserer Sammlung, die
gewagter in einem breiten Rahmen präsentiert wird,
wobei wir uns bei der Gestaltung auf die innere
Struktur des Kunstwerks beziehen. Verallgemeinernd kann man eine Stadt
visuell als eine Stapelung von horizontalen Elementen begreifen. Die dritte
Arbeit von Sam Grigorian ist die jüngste und überlässt uns ohne Angabe
eines Titels die freie Assoziation. Durch die gewählte, für den Künstler selte-
ne Mischtechnik von Wasserfarben und Öl sowie das zentrierte „Zerfließen“ des strengen
Aufbaus wird diese Leinwand eine wichtige Erweiterung für das Schaffen des Künstlers.

Reduziert auf die Bildsprache von Minimal Art und einzigartig für arme-
nische Künstler der Diaspora sind die zwei kleinformatigen Arbeiten von
Arshak Nazarian, der 1961 in Jerewan geboren ist und seit 1992 in Los Ange-
les lebt. „Day in Paris“ heißt sein Bildobjekt aus dem Jahr 2000 welches er
beim Besuch der französischen Hauptstadt fertigte. Diese Arbeit befindet
seit einigen Jahren in unserer Sammlung und ist zuvor schon in mehreren
Museen in Helsinki, Belgrad und Skopje als Teil einer kulturellen Landschaft
gezeigt worden. Die zweite Arbeit „Untiteled 7“ von 2004 zeugt von der
Konsequenz des Künstlers, der in einer bekannten Künstlerfamilie zu Welt
kam und als Bildhauer seine Laufbahn begann.

Der jüngere Armen Vanetsyan lebt heute in Berlin. Er ist 1979 ebenfalls
in Jerewan geboren. Ähnlich wie Arshak Nazarian lässt er in seinen zwei
Papierarbeiten (ohne Titel von 2004) die Mitte des Blattes unbehandelt
weiß und umrahmt sie mit heftigem und sicheren Farbauftrag. Beide
Künstler zeichnen den Horizont nicht, ein natürliches Verlangen beim
Malen jeder Landschaft. Stattdessen „loten“ sie seine Grenzen aus durch
Verdichtung des Luftraumes einerseits und einigen Ansätzen des Boden-
bereiches andererseits. Einem atmosphärischen Farbspektakel, gekonnt
dargestellt durch wenige Pinselstriche, setzt Armen Vanetsyan ein auto-
nom wirkendes Objekt, ein Gebäude oder auch nur einen minimalistischen Kubus, entgegen.

Über dem Durchgang zwischen unseren ersten Präsentationsraum und dem Kabinett ist eine prä-
gnante Leinwand von Jovan Balov platziert. Der Künstler ist 1961 in Skopje, Mazedonien, geboren
und lebt seit zwanzig Jahren zuerst in Amsterdam, dann seit 1995 in Berlin, als passionierter Be-
obachter seines Umfeldes. Das „Diagramm“ von 2002 ist eine Arbeit aus einem Quartett, welches
den schweifenden Blick über die Stadtarchitektur durch mechanische Streifenbildung dargestellt,
konterkariert mit einer detaillierten Nahaufnahme des historischen Reliefs, welches nicht als
bloßer Schmuck, sondern eher als verschlüsselte Botschaft vergangener Zeiten zu verstehen ist.
In Falle dieser Arbeit zeigt uns Jovan Balov das Portalfries vom Berliner Dom. Zwei Löwenkörper
die vereint in einem Kopf Fragen der Traditionszugehörigkeit
und kulturhistorischen Paradoxien aufwerfen. Ähnliche Symbole
sind aus dem Kaukasus und den Balkanländern bekannt. Dort
standen sie für die dialektische Einigkeit zwischen Körper und
Seele und auch lange für die verfolgte Bewegung von Kataren
und Bogomilen. „Globalization“ als Schriftzug hat der viel gereis-
te Künstler in einer der früheren Präsentationen dieses Werks
zusätzlich unter der Leinwand angebracht. Damit will er nicht nur auf die totale Vermischung
verweisen, sondern auch eine wichtige Distanz zu dieser fordern.

Die Zeichnung „Kathedrale, Petersburg“ aus dem Jahre 1948 von Lewon Laza-
rew ist die älteste Arbeit in der Ausstellung. Als 20-jähriger fertigte der heute
berühmte Bildhauer diese Zeichnung. Seine Plastiken sind heute in Russland,
Armenien und auch Westdeutschland im öffentlichen Raum zu finden. Lazarews
Arbeiten haben wir schon bei unserer ersten Ausstellung „Schatten Voraus“
präsentiert. Der Künstler ist 1928 in Tbilissi, Georgien, geboren und 2004 in Berlin
verstorben. Diese Zeichnung haben wir aus seinem Nachlass für diese Ausstel-
lung gewinnen können.

Eberhard Franke ist 1936 geboren, studierte in der Berliner Kunsthochschule und hat sich Zeit sei-
nes Lebens der Geschichte seiner Heimatstadt verschrieben. Er starb in gleichem Jahr wie Lewon
Lazarew bei den Vorbereitungen einer eigenen Aus-
stellung im Schöneberger Rathaus. Franke ist bei unserer Aus-
stellung mit zwei Kaltnadelradierungen vertreten. Als besonders
wichtig betrachten wir die Straßenszene von 1971, einem Jahr, in
dem sich der Künstler in einer existenziellen und mentalen Krise
befand. Zu dieser Zeit fing er an, sich intensiv mit der Druckgrafik
zu beschäftigen und ordnete mit Hilfe seiner Künstlerfreunde
sein Leben neu. Eberhard Frankes Arbeiten befinden sich in den
Sammlungen des Berlin-Museums, der Berlinischen Galerie, des
Kupferstichkabinetts Berlin, der Graphothek Berlin, des Rijksmuseums, der British Library und
weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen.

Besondere freundschaftliche Beziehung verbindet uns mit Gisa Hausmann,


eine seit 1969 in Berlin lebende Malerin und Graphikerin. Ihre Arbeiten be-
finden sich in öffentlichen Sammlungen in Berlin, aber auch in Augsburg,
Marbach und Wuppertal. Menschenleer, verloren und einsam stellt Gisa
Hausmann 1975 eine Straßenszene im West-Berliner Kreuzberg mit einer
subtilen Technik der handkolorierten Lithographie dar. Die kurzen, dunk-
len Schatten der elegant gebogenen Laternen deuten auf eine Sommer-
zeit hin, gleichzeitig sind die wenigen Bäume ohne Blätter. Auch farblich
ist dieses Unikat in kühlen blauen Tönen mit grauen Schattierungen auf
dezentem Chamois-Grundton gehalten. Eine melancholische Stimmung
wird zusätzlich durch die unbeklebte, weiße Litfaßsäule und dem Fehlen
jeglicher städtischen Hektik erzielt.

In sichtlichen Kontrast zu dem distanzierten Manierismus von Gisa Hausmann sind die zwei Aqua-
relle von 1971 von Elisabeth Klutschewskaja. Wir sehen hier die Vorzüge nasser Aquarelliertechnik.
Zu sehen ist die lockere Darstellung des Moskauer Stadtpanoramas, jeweils mit dem Moskva-Fluss
und der Kiewer Brücke auf der einen und die Eisenbahnbrücke auf der anderen Zeichnung. Sie
setzt Akzente auf den markanten stalinistischen Hochhäusern, sieben Schwestern genannt, aber
auch eine Kirche mit Zwiebeltürmen im Vordergrund stellt sie von einem erhöhten Standpunkt aus
dar, nicht ohne Sympathie.

Der Lebenslauf von Elisabeth Klutschewskaja ist unbedingt


erwähnenswert. Sie war eine bekannte Künstlerin und Journa-
listin in der DDR sowie in der Sowjetunion. Die Künstlerin lebte
abwechselnd in beiden Hauptstädten und bezeichnenderweise
verstarb sie 76-jährig auf dem Flug von Moskau nach Berlin,
wenige Minuten vor der Landung. 1924 kam sie in Moskau auf die
Welt. Mit vier Jahren nahmen sie ihre Eltern zuerst mit nach Frankreich, dann nach Berlin, wo ihr
Vater als Handelsvertreter der Sowjetunion arbeitete. Vor Kriegsbeginn weigerte er sich mit der
Familie nach Russland zurückzukehren, da er Repressionen befürchtete. 1942 wurde Elisabeth zum
Kunststudium als staatenlose Russin an der Kunsthochschule in Berlin-Charlottenburg zugelassen,
nach dem Krieg machte sie eine bewegte Karriere. Schon 1947 hatte sie eine Einzelausstellung im
Maison de France. Sowohl in Berlin wie auch in Moskau war sie als Journalistin, Grafikerin, Illustra-
torin tätig, ihre Arbeiten sind in wichtigen Sammlungen wie im Puschkin- und Dostojevskij Museum
in Russland aufbewahrt. Noch 1998 wurde ihr eine Einzelausstellung im Berliner Dom gewidmet.
Heute ist Ihr Nachlass praktisch verschollen und ihr Erben sind durch Europa verstreut und nicht
auffindbar. Nur auf abenteuerliche Weise gelangten wir an zwei ihrer Aquarelle, auch ein Kinder-
buch mit ihren Illustrationen halten wir zur Ansicht während der Ausstellung bereit.

Kein Unbekannter in Berlin ist der 1933 in Russland geborene Wladimir


Krawtschenko, der in Kiew in der Ukraine Architektur studierte und seit An-
fang der Sechziger Jahren regelmäßig ausstellt. Ähnlich wie Elisabeth Klut-
schewskaja basiert sein Malstil auf einen sicheren Umgang mit dem Material
und der russischen Tradition einer realistischen Darstellung mit subtiler
Akzentsetzung. Nur wenige Zentimeter groß sind seine Bilder von Berlin, einer
Stadt, die Wladimir seit 1972 regelmäßig besucht. Beide Arbeiten aus unserer
Sammlung „Kreuzberg, Sonnenuntergang“ und „Prenzlauer Berg“ von 2004
überzeugen trotz Miniaturcharakter durch eine vollendete in sich
geschlossene Erzählstruktur.

Der 1981 in Kiew geborene Igor Shvaykin siedelte früh mit seiner Familie nach Deutschland über.
Der heute in Potsdam lebende Maler genoss sowohl die traditionelle Ausbildung im Ursprungs-
land, als auch an der Berliner UdK, wo er bei dem inzwischen emeritierten Professor Klaus
Fußmann studierte. Mit dem kleinformatigen Gemälde „Reihen-
haussiedlung“ von 2007 nimmt Igor an unserer Ausstellung teil. Zum
einen kommt hier die russische Schule zur Geltung, zum anderen sind
die Einflüsse von Fußmanns Ästhetik unverkennbar. Dass Bild strahlt
weder Melancholie aus, noch emotional überzeichnete Teilnahme.
Ein Rapsfeld ist erkennbar, allerdings nur als kleiner Fleck reiner
Farbe im Hintergrund welcher sich im gebrochenem Zitruston der
Hausbemalungen nach vorne erweitert und als „Farbblock“ die Drei-
einigkeit mit Himmelsblau und Asphaltgrau bildet. Bei der Rahmung
dieses Bildes haben wir uns für traditionsreiche und aufwendige Poli-
mentvergoldung entschieden. Um die Modernität des Bildes zu
betonen haben wir eine neue Goldlegierung, genannt „Caplain
Gold“, verwendet.

Vladimir Salnikov, 1948 im russischen Chita geboren, ist ein kontrovers diskutierter Moskauer
Maler und Journalist. Er ist auch ein erfahrener Hochschullehrer, der für einige junge Künstler im
Post-Sowjetischem Raum richtungsweisend ist. Vladimir ist be-
kannt in Österreich, hatte aber auch in Deutschland Projekt- und
Aus-stellungsbeteiligungen im Jahre 2001 im Rosenheimer Kunst-
verein und 2001 und 2002 bei den Oberhausener Filmfestspielen.
Wir freuen uns sehr, dem Berliner Publikum nun seine Arbeiten
präsentieren zu dürfen. Zwei Nachtszenen aus 1999 stellen einmal
das Theater der Roten Armee, ein wichtiges Architekturdenkmal
aus den 30er Jahren, und eine Nachtbaustelle am Moskauer Gar-
ten, geschmückt mit überdimensionierter Werbung, dar. Souve-
rän und meisterhaft entwirft Vladimir die verschneiten Stadtlandschaften, wohl auf fotografische
Vorlagen stützend, und bleibt gleichzeitig der Ästhetik einer Entwurfsskizze und der Zeichnung als
Medium treu.

Elena Loukianova ist 1978 in Gorki-Stadt in Russland geboren. Sie lernte Vladimir Salnikov in Mos-
kau kennen, wurde seine Schülerin und ästhetische Nachfolgerin. Zuerst studierte sie in Moskau,
absolvierte ihren Kunststudium später in Frankfurt am Main. Nach der Meisterschülerprüfung
ging sie nach Österreich und ließ sich später in Berlin nieder. Bei
dieser Ausstellung wird sie mit einer Papierarbeit „Nacht“ von 2008
präsentiert, bei der sie elegant mit weißen und grauen Stiften auf
schwarzem Hintergrund eine nächtliche Szene im Volkspark in Graz
darstellt. Die Arbeit von Elena wie auch einige andere Papierarbei-
ten werden bei uns während der Ausstellung ohne Glas präsentiert,
um durch die unerwünschte Spiegelung des Glases nicht die Tiefen-
wirkung und Zartheit der Technik zu verschleiern.

Die zuletzt besprochenen Papierarbeiten korrespondieren mit einer


Reihe von schwarz-weiß Fotografien, bei denen es sich um Handabzüge
auf Barytpapier handelt. Zu sehen sind Aufnahmen aus dem Berlin der
Wendezeit. Auch wenn die Fotos keinen großen kunsthistorischen Hin-
tergrund aufweisen, strahlen sie eine zutreffende Stimmung aus. Um
die innere Atmosphäre zu betonen haben wir eine aufwendige Präsen-
tationsform mit oxidierter Versilberung auf schwarzem Polimentgrund
gewählt.

Im gleichen Raum zeigen wir eine Fotoarbeit von dem 1954 in Tbilissi geborenen Pjotr Fillin. Der
promovierte Architekt wurde 1992 nach Deutschland zur Mitarbeit in einem Architekturbüro
eingeladen und lebt seitdem hauptsächlich in Berlin. Seit 1996 beschäftigt
er sich intensiv mit der Fotografie, wobei Stadtarchitektur einer seiner
Schwerpunkte bildet. Es sind Reihen zu Berlin, Warschau und Florenz ent-
standen sowie von Georgiens Hauptstadt Tbilissi, von denen einige 2006
von der FAZ für eine größere Reportage ausgesucht und veröffentlicht
worden sind. Aus Platzmangel stellen wir nur eine Arbeit von Pjotr Fillin
aus. „Kanzleramt“ von 2004 ist ein auf Multiplex kaschierter Lithprint. Es
handelt sich dabei nicht um einen nachträglich kolorierten Abzug, sondern
um ein selten verwendetes kompliziertes Verfahren mit Fotopapier, bei der die Farbe als subtiles,
prozessbedingtes Element langsam in der Dunkelkammer bei der Entwicklung und Fixierung ent-
steht und außergewöhnliche Unikate liefert.

Ebenfalls in Tbilissi ist Beka Gigauri im Jahre 1967 geboren. Nach einem Kunststudium in Georgien
siedelte er nach Deutschland über und absolvierte den Meisterschüler in der Berliner UdK. 2002
ging der Künstler mit einem Reisestipendium nach New York und wir zeigen eine kleine Auswahl
der dort entstandenen Serie. Die drei Aufnahmen der nächtlichen Met-
ropole muten surreal an und zeigen eine bedrohliche Stimmung. Durch
Langzeitbelichtung erreicht der Künstler bei den „New York Portraits“
ein gespenstisches Zeitflussgefühl. Dieses wird erzeugt durch die fest-
gehaltenen Wolkenbewegungen und die erhellte Architektur, die wie
von innen zu leuchten scheint durch unkalkulierbare Lichtquellen. Wir
stellen Ihnen auf Anfrage gern weitere Fotografien, aufgenommen in
Tbilissi und einer Bayerischen Kleinstadt, zur Verfügung.

Der große Fotoabzug von Volker Kreidler in unserem dritten Raum ist
ebenfalls ein Unikat. Das signierte Blatt ist noch mit einem klassischen
C-Print hergestellt. Der Künstler wurde 1962 in Baden-Württemberg
geboren und wuchs in einer Familie auf, in der seit Generationen haupt-
beruflich fotografiert wurde. Volker Kreidler studierte in Düsseldorf.
Diese Aufnahme stammt aus einer Reihe, die 1994 für ein Projekt des
Deutschen Hygiene Museums gemacht wurde und zeigt die fast völlig
verlassene Stadt Polis’ke am Rande des 50km-großen Sperrgebiets um
das AKW in Tschenobyl.

Links, neben der sich langsam hinziehenden Straßenszene in einer Alptraumlandschaft der ver-
lassenen Plattenbauten von Volker Kreidler sind drei Digitalbelichtungen von Jenny Marquardt zu
sehen. Die 1981 in Ost-Berlin geborene Fotografin nahm bereits bei unserer Ausstellung
„Losgelöst – Unsichtbarkeit 12 mal abgetastet“ erfolgreich teil. Auf
den ersten Blick stößt man auf eine gleichmäßige Struktur, die über
die gesamte Oberfläche des Bildes verläuft, was an einen groben und
lässigen Tintenstrahldruck erinnert. Dieser Schein trügt da es sich bei
dieser Struktur um die Spur eines kaum merklichen Baunetzes han-
delt, welches zwei Welten trennt. Physikalisch, während der Aufnah-
mesituation und auch metaphorisch. Es handelt sich hierbei um Auf-
nahmen aus dem ehemaligen Staatssicherheitsministerium der DDR
in der Normannenstraße. Ein mehrstöckiges Haus, das auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung
geisterhaft leer steht und Künstler magisch anzieht. Nur die Präsenz des umhüllenden Netzes
deutet auf einen vollzogenen gesellschaftlichen Umbruch hin. Jenny Marquardt begab sich auf
Spurensuche, und entschloss sich, den verschleierten Blick nach draußen auf die Stadt zu erfahren.

Eine weitere Künstlerin, die mit Fotoarbeiten präsentiert wird, ist die 1967 in Buenos Aires gebore-
ne Silvina Der-Meguerditchian, die viele Erfolge, unter anderem die Beteiligung an der 53. Biennale
in Venedig verbuchen kann. Als Nachfahrin armenischer Völkermordsflüchtlinge, die um 1920 bis
nach Argentinien zerstreut wurden, beschäftigt sich die Künstlerin intensiv mit der Spurensuche
ihrer Identität, Fragen des Zusammenlebens und der Völkerverständigung. Bei ihrem Projekt
„Armenian Presence“ ging sie 2006 den Fluchtweg ihrer Großeltern von Gaziantep in der Türkei
bis nach Alleppo in Syrien nach. Bei den ausgestellten drei Fotoobjekten kombiniert sie Abzüge
mit Stoffen, entzieht damit ihren Berichten das dokumentarische und
setzt gleichzeitig eine unverkennbare persönliche Note. Perfekt rei-
hen sich „Independence Day, Istanbul“, „Aleppo, Shields“ und „Dis-
co in Aleppo“ von 2005 und 2006 in unsere Ausstellung ein, um den
gesuchten Modus von emotional erlebter Stadtarena zu führen.

Silvina Der-Meguerditchian liefert uns auch die von 2008 stammende


große Aufnahme eines Hinterhofes in Shushi, einer kulturell, histo-
risch und Militär-strategisch sehr wichtigen Stadt in Arzagh, besser bekannt unter der türkischen
Bezeichnung Berg-Karabach. Die Künstlerin reiste in diese Gegend mit einer Einladung der inter-
nationalen Kulturstiftung um zu forschen, Interviews zu führen, das Gebiet besser kennen zu
lernen und gleichzeitig die angestrebte Öffnung nach außen zu unterstützen. Die menschenleere
Großaufnahme erlaubt uns einen detaillierten Blick in die Alltäg-
lichkeit und wir erkennen die geladene Stimmung, die gespannte
Atmosphäre in dieser Region, die Silvina Der-Meguerditchian mit
wenigen Mitteln überzeugend wiedergibt. Das sommerliche Grün
leuchtet, prägnant präsentiert sie uns eine lange Leine, gespannt
aus dem Fenster einer privaten Wohnung, an der saubere Wä-
sche zum trocknen öffentlich sichtbar ist. Wir nehmen auch die
Umgebung des sorgsam gefegten Hinterhof wahr, spüren den
Ordnungswillen, welcher auch durch die friedlich zum trocknen
aufgehängten Kleidungsstücke mitgetragen wird. Gleichzeitig wird die eiserne, hoch aufschie-
ßende Konstruktion durch die Leine gefährlich unter Spannung gesetzt. Auch die weiße Wäsche
wird fast automatisch als Verhandlungs-und Friedensgesuch beim Gegner verstanden, gleichzeitig
verschwindet der Berg im Hintergrund im Nebel und wirkt bedrohlich. Eine Metapher, die in die-
sem Fall der Realität entspricht, da sich die Region um Arzagh seit 15 Jahren in einem sehr labilen
Waffenstillstand befindet.

Die Hauptstadt der Republik Armenien ist eine durchgeplante, modernistische Kleinmetropole,
der eine fast dreitausend Jahre alte Festung zu Grunde liegt. Jerewan, in der 1977 die Malerin
Mary Amirchanian (auch als Mary Moon bekannt) geboren ist, bleibt ihr Lieblingssujet. In mehre-
ren Arbeiten transportiert sie die Stimmung eines Labyrinths, einem Unterbau Römischer Arenen
um den täglichen Lebenskampf malerisch darzustellen. Fast immer wählt sie eine dramatisieren-
de Über- oder Unteransicht, wie auch bei dem monumental wirkenden
Siebdruck eines Jerewaner Bürohochhauses von 2007. Es bleibt unklar,
ob das große, von unten betrachtete Gebäude in Betrieb und bewohn-
bar oder schon ein Gerippe ist und als mahnendes Denkmal gesellschaft-
licher Wandlungen und brutaler historischer Zäsuren wirken soll. Diese
Leinwand, die in einer ungewöhnlichen Technik des Siebdruckes mit
traditionellen Ölfarben ohne nachträgliche Korrekturen belassen wurde,
wird von der Künstlerin schlicht „City“ genannt und soll einen übergrei-
fenden Symbolcharakter bekommen. In der Ausstellung sind weitere
Stadtdarstellungen von Mary zu sehen. „Lübeck“, ein Siebdruck auf
Papier von 2008 ist in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau gehalten. Die
kontrastreiche Darstellung des mittelalterlichen Städtchens am Fluss kehrt gekonnt die Sentimen-
talität des Motivs um.

Wir zeigen eine große Pastell- und Kreidezeichnung von 2004 und eine
Kaltnadelradierung von 2008. Bei der Zeichnung schaut die Künstlerin
aus einer Vogelperspektive auf ihre Geburtsstadt und lässt die Häuser
seltsam dicht nebeneinander stehen, belässt die Straßenschluchten
schwarz und unbeleuchtet. Eher als Geiseln wirken die wenigen hoch
gewachsenen Bäume, die im Vordergrund stehen, und auch eine sorg-
sam gezeichnete Fluchttreppe führt ins Ungewisse. Diese beeindru-
ckende Arbeit, die einen breiten Silberrahmen souverän aushält, zeugt
von den Qualitäten der jungen Künstlerin. Daneben hängt eine zarte
kleine Kaltnadelradierung, die Mary beim einen kurzen Besuch in Berlin in kleiner Auflage fertig-
te. Auch hier bleibt sie ihrem Sujet der Dächerlandschaft konsequent treu. Die Linienführung in
dieser Radierung ist sehr lebhaft. Durch den Farb-verlauf, vom dunklen Blau
über abgeklungenes Rottviolett bis hin zu neutralem Braunschwarz, der über
die Zinkplatte gelegt wurde, wird die Stadt als Einheit in einen langsamen
Zeitfluss versetzt.

Wir haben die wichtigsten Positionen unserer Exposition geschildert und zum
Schluss möchten wir nun einige, meist kleinformatige Arbeiten von Archi
Galentz besprechen. Als Kurator dieser Ausstellung und Zusammensteller
dieses Textes, befindet er sich in einer komplizierten Lage, da er als Künstler
auch seine Arbeiten präsentieren und besprechen muss. Es soll vorab gesagt
werden, dass keine speziell für diese Ausstellung hergestellte Arbeit zu finden
ist. Die Werke sind durch alle drei Räume zerstreut, um den Dialog als Gestaltungsprinzip zwischen
einzelnen Künstlerpositionen zu betonen und zu unterstützen.

Neben zwei Ölbildern im Kabinettraum von 1999 und 2003 die Berlin als
wichtigen Hintergrund der Szenerie aufweisen gibt es zudem zwei
Gouachen mit Strassenszenen und einige Skizzen von seinen Reisen nach
Moskau und Jerevan, aber auch eine kleine Radierung und einige Foto-
arbeiten. Die Ölbilder „Reichstag-Winterspaziergang“ und „KaDeWe –
Europathermen“ (von 1999 und 2003) sind bildnerisch gestützt auf die
Liniarperspektive aufgebaut. Die erste Bildszene spielt am Ort der be-
gonnenen Umbauten des Hauptbahnhofs im Stadtzentrum, wo durch die
aufgeschütteten Sandberge die Berliner Stadtlandschaft merklich verfrem-
det wird. Vom Hochhaus neben dem Europa-Center wird ein Blick auf die
Kreuzung der Nürnberger- und Tautenziehnstraße geworfen. Die Stadt erwartet den kommenden
Regen, die sonst so belebten Straßen neben den Einkauftempeln sind leer, nur auf den Dächern
der Europathermen, wo sich traditionsgemäß die „Russen“ gern versammeln ist lässige Bewe-
gung zu finden. Neben diesen Leinwänden sind zwei kleine Aquarellstift- und Gouachenarbeiten
auf Papier von 2006 zu sehen. Diese Arbeiten korrespondieren mit Eberhard Frankes Radierungen
und zeigen den Blick auf die Pariser Straße und eine Kreuzung auf der Hardenbergstraße, wo sich
für viele seiner Landsleute seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine unausgeschil-
derte Pilgerstätte befindet, wo aber auch Archi Galentz Malerei an der UdK studierte.

Seine kleine Ätzradierung mit einer Pariser Häuserfront steht im Kontrast zu


Mery Amirchanians große Siebdruckarbeit und betont den monumentalen Cha-
rakter des Werks. Eine Skizze eines Jerewaner Wohnhauses mit dem legendäre
Ara-Berg im Hintergrund von 2002 nimmt das Motiv der trocknenden Wäsche
auf, welches auf der gleichen Wand bei Silvina Der-Meguerditchians Fotoarbeit
von Shushi eine wichtige Rolle spielt. Der 1971 in Moskau geborenen Künstler
zeigt neben den Aquarellen von Elisabeth Klutschewskaja seine 2000 und 2002
entstandenen Skizzen mit Wasserfarben, auf denen Moskauer Stadtlandschaf-
ten zu sehen sind. Einmal ein Blick auf das „Hochhaus am Zoo“, in dem er auf-
wuchs und welches ein unverkennbares Zeichen Moskaus darstellt und einen
Fensterausblick aus diesen Architekturdenkmal
auf die Dächer des Stadtteils „Presnja“.

Das Objekt „die Brutstätte“ von 2005 im ersten Raum, zeigt die
Frankfurter Banken-Skyline, die den Mittelpunkt bilden (mit einer
Kamera Obskura aufgenommen). In einem Passepartout aus Schleif-
papier und einem massiv wirkendem Rahmen aus rotem Kupferblatt
wird zusammen mit der Fotografie eine Einheit angestrebt. Dieses
Objekt setzt einen Kontrast gegenüber der zarten und befangenen Zeichnung von Lewon Laza-
rews Petersburger Kathedrale und unterstreicht gleichzeitig die Bildobjekte von Arshak Nazarian.

Wir möchten zuletzt noch erwähnen, dass fast alle Rahmen dieser Arbeiten von Archi Galentz
persönlich hergestellt wurden oder aus dem Wekstattsbestand von InteriorDAsein ausgesucht
und restauriert sind. Außerdem möchten wir uns beim allen, die diese Ausstellung unterstützten
herzlichst bedanken.

Berlin, Dezember 2009

„W A T C H T H E G A P, Deine Stadt – mein Traum“


Malerei, Druckgrafik, Fotografie und Zeichnung zum Thema Stadtlandschaft
von:
Mary Amirkhanyan, Jovan Balov, Silvina Der-Meguerditchian, Eberhard
Franke, Pjotr Fillin, Archi Galentz, Beka Gigauri, Sam Grigorian,
Gisa Hausmann, Elisabeth Klutschewskaja, Wladimir Krawchenko,
Volker Kreidler, Lewon Lazarew, Elena Loukianova,
Jenny Marquardt, Arshak Nazarian, Vladimir Salnikov,
Igor Shvaykin, Armen Vanetsyan u.a.

Öffnungszeiten nach Vereinbarung unter


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Thorsten Billib ~ Archi Galentz


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