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Europäische Kommission - Pressemitteilung

Coronavirus: Die Kommission listet die wichtigsten Schritte für wirksame


Impfstrategien und die Bereitstellung von Impfstoffen auf
Brüssel, 15. Oktober 2020
Europa ist im Begriff zu lernen, mit der Pandemie zu leben, und die Entwicklung und die zügige
globale Bereitstellung sicherer und wirksamer Impfstoffe gegen COVID-19 ist nach wie vor ein
wesentliches Element, wenn es darum geht, die Krise im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu
beenden. Vor diesem Hintergrund strebt die Kommission danach sicherzustellen, dass ganz Europa
Zugang zu sicheren Impfstoffen hat, und fördert einen koordinierten Ansatz für Impfstrategien zum
Zweck der Bereitstellung von Impfstoffen. Im Vorfeld der Beratungen der Staats- und
Regierungschefs der EU präsentiert die Kommission heute die Schlüsselelemente, die die
Mitgliedstaaten bei ihren COVID-19-Impfstrategien berücksichtigen sollten, um die Europäische
Union und ihre Bürgerinnen und Bürger auf den Tag vorzubereiten, an dem ein sicherer und
wirksamer Impfstoff bereitsteht; außerdem listet sie prioritäre Gruppen auf, deren Impfung zuerst
erwogen werden sollte.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte dazu: „Ein sicherer und wirksamer
Impfstoff ist der beste Weg, das Coronavirus zu besiegen und zur Normalität zurückzukehren. Wir
haben intensive Anstrengungen unternommen, um Vereinbarungen mit Pharmaunternehmen zu
treffen und uns künftige Impfstoffdosen zu sichern. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass wir
vollumfänglich für die Bereitstellung des Impfstoffs vorbereitet sind, sobald dieser entwickelt wurde.
Mit unserer Impfstrategie helfen wir den EU-Ländern bei der Ausarbeitung ihrer jeweiligen
Impfkampagne. Dies umfasst die Entscheidung, wer als erstes geimpft werden sollte, wie eine
gerechte Verteilung erreicht werden kann und wie die Schwächsten geschützt werden können. Wenn
unsere Impfmaßnahmen erfolgreich sein sollen, müssen wir jetzt die erforderlichen Vorkehrungen
treffen.“
Der Vizepräsident für die Förderung unserer europäischen Lebensweise, Margaritis Schinas, sagte
Folgendes: „Zwar steuern wir bei der Pandemie wieder auf die Zahlen vom März zu, aber bei unseren
Vorsorgemaßnahmen sind wir besser aufgestellt. Die heute verabschiedeten Maßnahmen sind ein
wichtiges Instrument im Rahmen der laufenden Maßnahmen der EU zur Bekämpfung der COVID-19-
Pandemie; Ziel ist es, sichere, erschwingliche und zugängliche Impfstoffe gegen COVID-19 für alle in
der EU sicherzustellen, sobald diese bereitstehen. Nur wenn wir an einem Strang ziehen, können wir
ein Durcheinander verhindern und effizienter vorgehen als in der Vergangenheit.“
Die für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissarin, Stella Kyriakides,
äußerte sich wie folgt: „Der immer raschere Anstieg der Infektionsraten in der gesamten EU erfüllt
mich mit großer Sorge. Uns läuft die Zeit davon – wir sollten alle mit oberster Dringlichkeit alle
erforderlichen Maßnahmen treffen, um die verheerenden Konsequenzen eines allgemeinen
Lockdowns zu verhindern. Und wir müssen Vorkehrungen für die nächsten Schritte treffen. Der
Impfstoff wird keine Patentlösung sein, aber er wird wesentlich dazu beitragen, Menschenleben zu
retten und die Pandemie einzudämmen. Wenn bzw. falls ein sicherer und wirksamer Impfstoff
gefunden wird, müssen wir vorbereitet sein, damit er so rasch wie irgend möglich verimpft werden
kann; hierzu gehört auch, bei den Bürgerinnen und Bürgern Vertrauen in seine Sicherheit und
Wirksamkeit aufzubauen. Impfstoffe retten keine Leben – Impfungen dagegen schon.“
Im Einklang mit der EU-Strategie für Impfstoffe vom 17. Juni stellen die Europäische Kommission
und die Mitgliedstaaten die Herstellung von Impfstoffen gegen COVID-19 sicher, indem sie
Abnahmegarantien mit Impfstoffherstellern in Europa vereinbaren. Jeder Impfstoff muss von der
Europäischen Arzneimittel-Agentur im Einklang mit den regulären Standards betreffend Sicherheit
und Wirksamkeit zugelassen werden. Die Mitgliedstaaten sollten jetzt damit beginnen, eine
gemeinsame Impfstrategie zum Zweck der Bereitstellung von Impfstoffen festzulegen.
Die Mitgliedstaaten sollten unter anderem Folgendes gewährleisten:
dass die Impfdienste in der Lage sind, COVID-19-Impfstoffe zu verabreichen, auch dass sie
über geschultes Personal und medizinische und Schutzausrüstung verfügen
dass der Zugang zu den Impfstoffen für die Zielpopulationen problemlos und erschwinglich ist
die Bereitstellung von Impfstoffen mit unterschiedlichen Merkmalen sowie Lager- und
Transporterfordernissen, insbesondere mit Blick auf die Kühlkette, Kühltransport- und -
lagerkapazitäten
dass der Nutzen, die Risiken und die Bedeutung von COVID-19-Impfstoffen deutlich
kommuniziert werden, um in der Öffentlichkeit Vertrauen aufzubauen
Alle Mitgliedstaaten werden gleichzeitig auf Impfstoffe gegen COVID-19 zugreifen können,
und zwar abhängig von ihrer Bevölkerungsgröße. Zu Beginn der Bereitstellung und bis die
Produktion aufgestockt werden kann, wird die Gesamtzahl der Impfstoffdosen begrenzt. In der
Mitteilung werden – ohne Angabe einer Rangfolge – Beispiele für prioritäre Gruppen genannt, die
die Länder beachten sollten, wenn Impfstoffe gegen COVID-19 bereitstehen:
Gesundheits- und Pflegepersonal
über 60-Jährige
Menschen, bei denen aufgrund ihres Gesundheitszustands ein erhöhtes Risiko besteht
systemrelevantes Personal
Menschen, die die Abstandsregeln nicht einhalten können
stärker benachteiligte gesellschaftliche Gruppen
Während auf zugelassene Impfstoffe gegen COVID-19 gewartet wird und gleichzeitig andere
wesentliche Dienstleistungen und Programme der Gesundheitsversorgung und der öffentlichen
Gesundheit aufrechterhalten werden, muss die EU die Übertragung des Virus weiter
verlangsamen. Dies kann dadurch erfolgen, dass gefährdete Gruppen geschützt werden und
sichergestellt wird, dass die Bürgerinnen und Bürger die gesundheitspolitischen Maßnahmen
befolgen. In der Zwischenzeit und aller Voraussicht nach auch während der gesamten Anlaufphase
der Bereitstellung und Verteilung von Impfstoffen werden nicht-pharmazeutische Maßnahmen wie
Abstandhalten, das Sperren öffentlicher Plätze und eine Anpassung der Arbeitsumgebung[1]
weiterhin die wichtigsten gesundheitspolitischen Instrumente darstellen, um Ausbrüche von COVID-
19 zu bekämpfen und zu kontrollieren.
Hintergrund
Zu einem Zeitpunkt, an dem Europa in die nächste Phase der COVID-19-Pandemie eintritt, ist es
umso wichtiger, dass die Länder gemeinsame Impfstrategien und -konzepte verfolgen. Auf der
außerordentlichen Tagung des Europäischen Rates vom 2. Oktober forderten die
Mitgliedstaaten den Rat und die Kommission auf, die allgemeinen Koordinierungsbemühungen und
die Arbeit zur Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen auf EU-Ebene weiter zu intensivieren.[2]
Am 24. September hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von
Krankheiten (ECDC) seine aktualisierte Risikobewertung zur COVID-19-Pandemie zusammen mit
einer Reihe von Leitlinien für nicht-pharmazeutische Maßnahmen (z. B. Handhygiene,
Abstandswahrung, Reinigung und Belüftung) veröffentlicht.
Wie Präsidentin von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union 2020 betont hat, muss Europa
in der COVID-19-Pandemie auch weiterhin mit extremer Vorsicht, großem
Verantwortungsbewusstsein und besonderer Geschlossenheit agieren und gestützt auf die daraus
gezogenen Lehren dafür sorgen, dass die EU für künftige Krisen besser gewappnet ist und effektiver
auf grenzübergreifende Gesundheitsgefahren reagieren kann.
Am 15. Juli hat die Kommission eine Mitteilung über kurzfristige Vorsorgemaßnahmen der EU
im Gesundheitsbereich angenommen; darin wurden die Mitgliedstaaten aufgefordert, sich durch
die Einführung von Präventions-, Vorsorge- und Reaktionsmaßnahmen für künftige Ausbrüche von
COVID-19 zu wappnen. Die Mitteilung enthält einschlägige Empfehlungen, beispielsweise in den
Bereichen Tests, Kontaktnachverfolgung und Kapazitäten des Gesundheitssystems. Die wirksame
Umsetzung dieser Maßnahmen erfordert die Koordinierung und einen effektiven
Informationsaustausch unter den Mitgliedstaaten. Die in der Strategie enthaltenen Empfehlungen
sind nach wie vor maßgeblich und alle Mitgliedstaaten sind aufgefordert, sie zu befolgen.
Einer der wesentlichen Aktionspunkte, die Europa umsetzen muss, um die Coronavirus-Pandemie zu
überwinden, ist die Beschleunigung der Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung von Impfstoffen
gegen COVID-19. Die im Juni veröffentlichte Impfstoffstrategie der EU zeichnet den Weg vor.
Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit des Impfstoffs sind die Grundlagen für Entwicklung und
Zulassung eines jeden Impfstoffs, und die Impfstoffhersteller sind verpflichtet, der Europäischen
Arzneimittel-Agentur im Rahmen des Zulassungsverfahrens der EU ausführliche Unterlagen und
Daten vorzulegen. Nach der Zulassung müssen die Sicherheit und die Wirksamkeit des Impfstoffs
gemäß dem EU-Recht überwacht werden. Weitere Daten müssen zentral erfasst werden, um die
Auswirkung und Wirksamkeit von COVID-19-Impfstoffen vom Standpunkt der öffentlichen
Gesundheit aus zu bewerten, wenn diese in der Bevölkerung verimpft werden. Dies wird
entscheidend sein, um die Pandemie zu bewältigen und den Europäerinnen und Europäern
Vertrauen zu vermitteln.
Für weitere Informationen
Mitteilung über die Vorkehrungen für die Strategien zur Impfung gegen COVID-19 und die
Bereitstellung von Impfstoffen
Coronavirus: Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Impfstrategie
Factsheet zur Corona-Krisenreaktion der EU
Mitteilung über kurzfristige Vorsorgemaßnahmen der EU im Gesundheitsbereich im Hinblick auf
künftige COVID-19-Ausbrüche
Coronakrise – Impfstoff-Strategie
Corona-Krisenreaktion der EU
Zeitleiste der EU-Maßnahmen
Risikobewertung durch das ECDC und Vorsorgemaßnahmen mit Blick auf eine verstärkte
Übertragung von COVID-19
Empfehlungen für ein gemeinsames Konzept für COVID-19-Tests
[1] Diese umfassen Masken, Aufforderungen und Empfehlungen, zu Hause zu bleiben, das Sperren
öffentlicher Plätze, Beschränkungen der zulässigen Personenzahl bei Versammlungen in
Innenräumen und unter freiem Himmel, Home-Office-Regelungen sowie die Anpassung von
Arbeitsplätzen.
[2]https://www.consilium.europa.eu/media/45919/021020-euco-final-conclusions-de.pdf
IP/20/1903

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Dr. Véronique Yvette Miendje Deyi, Head of Clinic and Head of Bacteriology at the LHUB-ULB, and her collaborators