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Leistungsnachweis Analyse 1 – WS 20/21

Analysieren Sie den 1. Wiederholungsteil des 1. Satzes der Sonate e-moll Hob:XVI/34 von Joseph Haydn und
berücksichtigen Sie dabei die folgenden Fragen/Aspekte:
1. Komplex: harmonischer Verlauf
a) Wo sind deutliche Kadenzen?
b) In welche Tonarten?
c) Welche Passagen sind harmonisch stabil? In welchen Tonarten?
d) Welche sind instabil (Modulationen)? Wohin bewegt sich der harmonische Verlauf? Mit welchen Mitteln?
2. Komplex: Gestalt der Themen
a) Welche Gestalt hat das Thema zu Beginn des Satzes?
→ Verwenden Sie zur Beschreibung des Themas sowohl die Terminologie von Koch als auch – falls möglich – die
von Marx.
→ Eignet sich eine der beiden Theorien besser als die andere?
b) Mit der Stabilisierung der Kontrasttonart im ersten Wiederholungsteil tritt in der Regel ein weiteres Thema ein:
→ Erörtern Sie dessen Gestalt ebenso wie die des ersten Themas.
→ In welcher Hinsicht unterscheiden oder ähneln sich die beiden Themen?
c) Erläutern Sie die Gestalt beider Themen,
→ indem Sie die harmonische Struktur gründlich nachvollziehen. (Oder um mit Koch zu sprechen: Suchen Sie
nach „Endigungsformeln“ und beschreiben Sie diese.)
→ indem Sie genau erklären, was mit dem motivischen Material passiert.
d) Werden noch weitere Themen wichtig? Welche? Wie werden sie behandelt? Welche Funktionen haben sie?
3. Komplex: formale Anlage
(Zusammenschau von harmonischem Verlauf und thematisch-motivischen Ereignissen)
a) Legen Sie Ihrer Erörterung mindestens drei Theorien zugrunde:
→ das ‚Lehrbuchschema‘ (als Allgemeinwissen)
→ Kochs Theorie, die immer funktionieren sollte
→ Marx‘ Theorie, die bevorzugt bei Beethoven, aber auch da nicht immer passt
→ evtl. andere Theorien, die vielleicht besser passen
b) Problematisieren Sie, was NICHT zu diesen Theorien passt!
4. Komplex: Besonderheiten des Analysegegenstands
Die bisherigen drei Komplexe dienen der Erörterung der analysierten Passage als nur einem Beispiel unter vielen, wie
sie für einen ersten Wiederholungsteil eines klassischen Sonatensatzes typisch sind: Sie prüfen damit, ob der
Analysegegenstand den üblichen ‚Anforderungen‘ entspricht (und zu Recht so bezeichnet wird).
➔ Mit diesem letzten Schritt zeigen Sie, dass das von Ihnen analysierte Stück etwas ganz Besonderes ist und sich
vor dem Hintergrund anderer Sonatensätze hervorhebt.
Zur Ausführung Ihres Leistungsnachweises
➔ Schreiben Sie eine Arbeit von 2-3 Seiten Länge – nicht mehr und nicht weniger.
➔ Wenn möglich: Verfassen Sie einen analytischen Text; falls nicht: beantworten Sie die Fragen oben ausführlich!
➔ Sie werden feststellen, dass 2-3 Seiten nicht gerade viel sind, wenn Sie wirklich gründlich sein wollen: Halten Sie
daher analytische Details, die Sie nicht in Ihrem Text beschreiben können, in den Noten fest.
➔ Dadurch zeigen Sie, dass Sie das Allgemeine vom Besonderen unterscheiden können: Was „der Rede wert“ ist,
schreiben Sie in Ihrem Text (= das Besondere); was die Grundlage dafür ist, halten Sie in den Noten fest (= das
unbestreitbar Allgemeine).
➔ Formatierung: A4, Seitenränder überall 2,5 cm, Arial 11 oder Times 12, eineinhalbzeilig
Ihr vollständiger Leistungsnachweis besteht aus Ihrer Analyse und Ihrer Gegenlektüre der Analyse Ihres/r Korrektur-
Partner*in UND der Nachbesprechung Ihrer Analyse/Gegenlektüre mit mir.
Beurteilungskriterien
(NB: nur für diese erste Analyse im ersten Semester: Später kommen noch zwei weitere Kriterien dazu!)
➔ Analysieren heißt zergliedern: Die möglichst zahlreichen Ergebnisse Ihrer Zergliederung müssen sichtbar
werden. Daher ist die Grundlage der Beurteilung die Menge der analytischen Befunde (Komplexe 1-3) und die
Unterscheidung von Allgemeinem und Besonderem (s.o.).
➔ Die Analyse besteht aber immer aus zwei Schritten: der eigentlichen Zergliederung und der Synthese, bei der die
analytischen Befunde zueinander in Beziehung gesetzt und zu einem Zusammenhang abstrahiert werden.
➔ Dabei geht ohne den differenzierten Gebrauch der Terminologie mindestens von Koch und Marx (gar) nichts.
(Die Kenntnis des ‚Lehrbuchschemas‘ des Sonatensatzes, wie es sich seit Leichtentritt verbreitet hat, wird als
gegeben vorausgesetzt.)
➔ Stellen Sie nicht nur Thesen auf, sondern begründen Sie diese IMMER (möglichst, indem Sie sich auf ihre
analytischen Befunde stützen)!