Sie sind auf Seite 1von 48

S O P H I E PA S S M A N N über lustige Kaffeetassen, S.

26

N 0 34 13.8.2020

Ist der noch zu R ET T E N ?


SUPEROCEAN HERITAGE
The Surfer Squad

Sally Fitzgibbons
Kelly Slater
Stephanie Gilmore

BREITLING BOUTIQUE
BÖRSENSTRASSE 2-4
FRANKFURT
I L O N A H A R T M A N N über die Sätze des S O M M E R S , S. 28

E in Wipfel-Treffen zur Lage des WA L D E S


GRAPHICS: TIMSANTORE.COM

MODULAR
PHOTO: MARIA GROSSMANN

D I S TA N C I N G
STYLING: ELKE JENSEN

REGALE UND SOFAS VON CUBIT – KONSEQUENT MODULARE MÖBEL CUBIT®


MODULARE
PLANEN UND BESTELLEN VIA CUBIT-SHOP.COM MÖBEL
13.8.20 N  34 0 06 Martenstein
Über Meinungsfreiheit
und die Gefahr,
die Lockerheit zu verlieren

07 Heiter bis glücklich


Ein handlicher Grill und ein
Hemd mit Botschaft
Hätten Sie auch fast etwas überhört? Dann schreiben Sie uns an ueberhoert@zeit.de

08 Wochenmarkt
Mürbeteig, der besonders köstlich
vor dem Backen schmeckt

10 Deutschlandkarte
Philosophen

11 Gesellschaftskritik
Kendall Jenner, das bestbezahlte
Model der Welt, zeigt ihr Haus

12 Fotokolumne
Über einen Freund, der gerne
gegen den Strom schwimmt

14 Die Zukunft des Waldes


Ein Biologe, eine Umweltethikerin
und eine Waldbesitzerin streiten

26 Alles oder nichts


Sophie Passmann serviert Yogi-
Tee in dackelförmigen Tassen

FAST ÜBERHÖRT 28 Die Sätze des Sommers 2020


Ilona Hartmann über
Nadine Redlich, 36, lebt und arbeitet als Cartoonistin ein ­vermisstes Lebensgefühl
in Düsseldorf. Hier zeichnet sie jede Woche kleine Szenen,
die sie unterwegs beobachtet hat 30 Nichts fürs Fotoalbum
Warum werden Eltern immer
öfter ermahnt, keine Fotos
von ihren Kindern zu machen?

36 Ich habe einen Traum


Nikeata Thompson wünscht sich,
dass wir über unsere
rassistische Vergangenheit reden

39 Unter Strom
Mirko Borsche frisiert sich mit
einem Barttrimmer die Haare

45 Prüfers Töchter
Titelfotos  Ina Schoenenburg

Juli lernt gerade, ein guter


Verlierer zu sein

46 Ich brauche eine Rettung


Diese Woche in der Tablet- und Smartphone-App »DIE ZEIT«: Eine Reiseveranstalterin überlegt,
Ein Video mit der Choreografin und Tänzerin Nikeata Thompson politisch aktiv zu werden
6

Harald Martenstein
Über einen Aufruf, einen ­Kabarettisten und
die Gefahr, zu verhärten

Warum reite ich dauernd auf dem Thema Meinungsfreiheit herum? ihren Slogan »Folgt der Wissenschaft«. Wissenschaft sei »die ein-
Es nervt mich ja selber. Meinungsfreiheit ist halt die Grundlage mei- zige vernünftige Wissens­basis«, trotzdem dürfe man keine Religi-
nes Berufes. Schreiben macht einfach viel mehr Spaß, wenn man on daraus machen. Bei so was gibt es heute einen Shit­storm. Der
sich dabei frei fühlt. Auf dieses Stück Lebensqualität verzichtet man ­Online-Beitrag wurde entfernt.
ungern, ich gönne es allen, auch dem hinterletzten Blödian. Wo- Nun erhoben sich wieder Proteste, diesmal von Freunden der Grund-
möglich bin ich selber der hinterletzte Blödian, als Betroffener kriegt rechte, etwa dem Soziologen Armin Nassehi. Dass die meckern
man es zum Glück nicht mit. Aber kürzlich haben 153 berühmte dürfen, ist, siehe oben, in den Augen vieler sicher ein Beleg für den
Intellektuelle einen Aufruf unterzeichnet, der in der ZEIT abge- geradezu übertrieben guten Zustand unserer Meinungsfreiheit. Die
druckt wurde und in dem sie eine Gefährdung der Meinungsfreiheit DFG, jetzt wird es lustig, knickte ein weiteres Mal ein und bot Nuhr
beklagen, bei der es sich um das wichtigste Alleinstellungsmerkmal an, seinen Beitrag wieder freizuschalten, allerdings »kommentiert«.
der Demokratie handelt. Falls diese Sorge also nur eine Wahn­idee Als Meinung zweiter Klasse sozusagen, als ganz heißer Stoff gekenn-
ist, dann ist der Wahn ansteckend, und er befällt vorzugsweise intel- zeichnet. Wissenschaft kann irren – wow! Nuhr verzichtete.
ligente Menschen. Da bin ich fast ein bisschen stolz darauf, dass ich Bestrafe einen, erziehe hundert, dieser Satz wird Mao zugeschrie-
die Krankheit auch habe. ben. Als ich jung war, dachten viele, Zeitungen seien durch An-
Ich würde gern ein Argument dekonstruieren, das ich gefühlte hun- zeigenkunden erpressbar. Ich habe als Journalist, ich schwöre es,
dert Mal gelesen habe: Wenn Leute wie Daniel Kehlmann, J. K. nie einen derartigen Fall erlebt. Bei der Stuttgarter Zeitung wurde
Rowling oder Noam Chomsky über mangelnde Meinungsfreiheit mir dazu eine Anekdote über den legendären Verleger Josef Eberle
lamentieren dürfen, beweise dies doch gerade, dass es noch Mei- erzählt. Ich kriege sie nur noch sinngemäß hin. Einmal habe ein
nungsfreiheit gibt. Man darf also den Verlust von etwas erst dann Kinobesitzer mit Anzeigenboykott gedroht, aus Ärger über einen
beklagen, wenn es restlos verschwunden ist. Gefährdung reicht Kritiker. Eberle habe diesen Kritiker auch nicht gemocht. Aber
nicht. Nach dieser Logik dürfte man sich erst dann über das Schick- über die Drohung sei er so wütend gewesen, dass er seinerseits die
sal des Sibirischen Tigers Gedanken machen, wenn der letzte Tiger Anzeigen dieses Kunden zurückwies, so lange, bis eine Entschuldi-
ein Bettvorleger ist. Ich finde, das wäre zu spät. gung eintraf. Oder so ähnlich.
Der Kabarettist Dieter Nuhr, in dessen Satiresendung ich vor ein Das, was die Macht des Geldes nicht geschafft hat, versuchen heute
paar Jahren mal zu Gast war, hat sich im Auftrag der Deutschen Aktivisten, leider erfolgreicher. Groß ist die Gefahr, als Autor die
Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Thema Wissenschaft Gedan- Lockerheit zu verlieren. Musik hilft. Du, lass dich nicht verhärten,
ken gemacht (vgl. auch ZEIT 33). Er erwähnte die gut belegbare Dieter, in dieser harten Zeit! Denk an Nena: Freiheit wird aus Mut
Tatsache, dass sich Wissenschaft auch irren kann, dieses Faktum gemacht. Oder war’s die Liebe, die aus Mut gemacht wird? Ist ja
garnierte er mit einem Seitenhieb gegen Fridays for F ­ uture und fast das Gleiche.

Harald Martenstein Illustration Martin Fengel


ist Redakteur des »Tagesspiegels« Zu hören unter www.zeit.de/audio
7

Unsere
Entdeckungen
der Woche
Die Botschaft dieses Hemds: Turit Fröbe versammelt in der
Picknick am Strand, Hitze, Neuausgabe von »Die Kunst der Bausünde«
Sonnenuntergang, Plastikstühle, gelungene Schreckbauten –
kühles Bier. Fühlen Sie’s schon? also solche, die in ihrer Hässlichkeit
(Hemd von Adish, über vooberlin.com) einzigartig (und insofern
wieder schön) sind, etwa das »Happy Rizzi
House« in Braunschweig (DuMont)

Heiter
bis
glücklich
Und hier der passende Sound zum
Hemd (siehe oben): Orion Suns seidige
Soulstimme, zu hören auf ihrem
neuen R’n’B-Album »Hold Space For Me« Lassen Sie diese Tasche nicht
unbeaufsichtigt, sonst
macht es sich noch ein Vogel darin
bequem (yuzefi.com)

Fotos  Voo Store; Turit Fröbe / Dumont; Sophie Hur; Yuzef; Knister Grill; ink Agop

»Flattening the curve:


Der Versuch,
nach drei Monaten in
Jogginghose wieder
in eine Jeans zu passen.«

Dieser Grill ist so handlich, Sieht aus wie ein Fisch, ist aber: ein Lolli! Wichtige Corona-Begriffe
dass man ihn am Fahrradlenker befestigen Die Zuckerskulpturen der Künstlerin und ihre Bedeutungen hat der
und transportieren kann. Chieko Idetsuki kann man in der Galerie »New Yorker« unter der
Nur bitte erst am Zielort die Würstchen Tropez im Berliner Humboldthain-Freibad Überschrift »Lexicon for a pandemic«
auflegen (knister-grill.com) anschauen und (nach Erwerb) abschlecken zusammengetragen

Von Claire Beermann


Wochenmarkt 8 UNÜBERTROFFENER MÜRBETEIG

Tarte mit Nektarinen und Aprikosen


Zutaten: Für den Teig: 120 g Mehl (davon 20 g Vollkornmehl), 80 g Zucker, 40 g kalte Butter, 1 Ei;
für den Belag: 75 g weiche Butter, 75 g Zucker, 1 Ei,
50 g gemahlene Mandeln, 20 g Mehl, 2 bis 3 Früchte (Nektarinen und/oder Aprikosen)

Auf der Suche nach Abwechslung ging ich letztens zwar nicht so Für den Teig Mehl und Zucker vermengen, die Butter in Würfel
weit, einen anderen Teig als einen Mürbeteig für eine Obst­tarte schneiden, in die Schüssel geben und das Ganze mit den Händen zu
zuzubereiten. Doch ich variierte das Rezept. Weniger Zucker, kein einem krümeligen Teig kneten. Ei hinzufügen und gut verkneten.
Ei, dafür ein bisschen Essig, weil es interessant klingt und eine Den Teig in Klarsichtfolie wickeln und 1 bis 2 Stunden in den Kühl-
amerikanische Kochkolumnistin bei ihrem Leben schwört, das sei schrank legen. Für den Belag Butter und Zucker mit dem Rührgerät
einfach ein genialer Trick. Die Variante hat ganz gut funktioniert, cremig rühren, erst das Ei, dann gemahlene Mandeln und Mehl
aber ich bin trotzdem beim alten Rezept geblieben. Also beim ganz unterrühren. Die C ­ reme beiseitestellen. Den Mürbeteig mit einem
normalen Mürbeteig, drei Teile Mehl (ein bisschen Vollkornmehl Nudelholz auf einem Stück Backpapier ausrollen, ungefähr einen
für den ­Geschmack), zwei Teile Zucker, ein Teil Butter – ein Teig, halben Zentimeter dick. Mit der Mandelcreme bestreichen, dabei
der mehr oder weniger idiotensicher ist und vor allem köstlich einen Rand von etwa 2 cm frei lassen. Die Früchte entsteinen und in
schmeckt, besonders wenn man ihn roh vor dem Backen isst. Das Schnitze schneiden, auf die ­Creme legen. Dann den Rand einklap-
widerspricht bestimmt den Hygienevorschriften und natürlich den pen, möglichst ohne Durchlässe, obwohl es auch nicht schlimm ist,
Gesetzen der feinen Küche, aber ist nun mal der eigentliche Grund, wenn beim Backen etwas Flüssigkeit ausläuft. Bei 190 Grad Ober-/
warum ich persönlich backe. Unterhitze 30 bis 35 Minuten lang backen.

Von Elisabeth Raether Foto Silvio Knezevic


Unsere Weine sind
so individuell wie
wir – und gemacht
fürs Miteinander.
Weine aus Rheinhessen:
Qualität, die man schmeckt.

Die 13 deutschen Weinregionen sind


geschützte Ursprungsbezeichnungen.

Rheinhessen ist eines der 13 deutschen Anbaugebiete, das die EU als


geschützte Ursprungsbezeichnung anerkannt hat. Es ist die größte
deutsche Weinregion und erstreckt sich linksrheinisch am Rheinbogen
von Worms über Mainz nach Bingen. Im trockenen Klima wachsen zu
70% weiße Rebsorten – vor allem Riesling, die Burgundersorten sowie
der Silvaner. Mehr Informationen zur geschützten Ursprungs-
bezeichnung Rheinhessen: www.rheinhessen.de/gu
Deutschlandkarte 10 PHILOSOPHEN

F. Paulsen
P. Lorenzen
F. Tönnies Kiel

H. Blumenberg Rostock
A. Schopenhauer H. Driesch
K. Hamburger H. Reichenbach G. Frege

Hamburg J. Ritter A. Lasson


W. v. Humboldt B. Bauer
W. Benjamin E. Cassirer
N. Luhmann R. Bahro H. Kuhn H. Marcuse
K. Korsch G. Misch L. Nelson
K. Jaspers M. Schlick G. Simmel
C. G. Hempel E. v. Hartmann M. Weber
F. Schlegel L. Klages
T. Lessing Berlin
Hannover W. Windelband

R. Spaemann M. Mendelssohn H. Cohen


M. Luther
R. Carnap E. Marcus
E. Haeckel Leipzig G. E. Lessing
F. Engels
H. Jonas F. Nietzsche J. G. Fichte
F. Rosenzweig G. E. Schulze
F. A. Lange H. Lotze
Köln C. Wolff
F. H. Jacobi P. Natorp G. W. Leibniz C. Thomasius
L. Strauss H. Arendt E. Husserl A. Gehlen
H.-G. Gadamer T. W. Adorno
K.-O. Apel M. Hess
H. Plessner E. Fromm
Frankfurt
W. Dilthey
F. Brentano M. Stirner
K. Marx

E. Bloch

D. F. Strauß F. Schiller
Wo sind deutsche
J. Reuchlin
Philosophen
G. W. F. Hegel M. Horkheimer Stuttgart
H. Vaihinger aufgewachsen?
F. W. J. Schelling C. v. Sigwart (Ohne lebende
E. Zeller J. H. Lambert A. Wellmer Philosophen)
München Geburtsjahr
M. Heidegger L. Feuerbach vor 1700
W. A. Kaufmann M. Scheler 1700 bis 1800
1801 bis 1900
nach 1900

Beeinflusst der Geburtsort den Hang, über die Welt und den Sinn unsere Karte. Aus ihr kann man schließen, dass die Provinz offen-
des Lebens nachzudenken? Wird man eher auf dem Land oder in bar auch sehr denkanregend ist. Fast jede Gegend kann, wenn sie
der Großstadt Philosoph? Für die Stadt spricht: mehr Bibliotheken, will, stolz auf einen großen Denker verweisen, fast immer auf einen
Gymnasien, insgesamt größere Bildungsnähe. Fürs Land: weiter Mann. Die einzigen Frauen sind Hannah Arendt und Käte Hambur-
Recherche  Julia Reichl

Himmel, den man auf dem Rücken im Kornfeld liegend betrachten ger. Unter den Großstädten gibt es erhebliche Unterschiede. Berlin:
kann, weniger Ablenkung. Wir haben die bedeutenden deutschen zwölf Philosophen. Hamburg und Leipzig: je vier. Vielleicht gefiel
Philosophinnen und Philosophen recherchiert, also jene, deren Wer- es Berliner Professoren ja, Berliner Studenten zu fördern. Im Süden
ke heute in den Lehrplänen der Hochschulen eine Rolle spielen (laut schlägt Stuttgart München, noch dazu mit dem Superstar Hegel. Die
dem Internet-Katalog des Open Syllabus Project). 83 von ihnen zeigt größte Stadt, die auf der Karte nicht auftaucht, ist Köln.

Von Matthias Stolz Illustration 1kilo


Gesellschaftskritik ÜBER UNDERSTATEMENT

Der neue
WELTKUNST-
Newsletter
Kann eine Millionärin bescheiden Persönlich. Vielfältig. Wöchentlich.
wirken? Kendall Jenner gibt
sich große Mühe beim Rundgang
durch ihr Anwesen

Kendall Jenner, die kleine Schwester becken aus massivem, unbehandeltem


von Kim Kar­da­shian, ist sehr reich und Stein (das aussieht, als sei es aus den
sehr schön – folglich ist es nur logisch, Caracalla-Thermen­in Rom entwendet
dass sie aktuell auch als das bestbezahlte worden). Und kurz bevor man so weit
Model der Welt gilt. Fragt sich nur: Was ist, sich wenigstens in Gedanken in
tun mit all dem Geld? Kürzlich öffnete Kendall Jenners Berg aus meditations-
Jenner die Türen ihres großen Anwesens beigen Sofakissen hineinfallen zu lassen,
in Los Angeles einem Kamerateam des führt sie uns in den sogenannten glam
Architectural Digest und gewährte Ein- room: Hier, wo die Wände voll sind
blick in die Lebenswelt einer, ja, doch, mit kleinen Kendall Jenners in Form all
wirklich, 24-Jährigen. ihrer Magazin-Cover, und selbige uns
Jenner, das wird schnell klar bei diesem erklärt, wie toll doch die Außentür zur Begleiten Sie die WELTKUNST
virtuellen Rundgang, hat keine Lust auf Terrasse sei, da so das Make-­up-­Team, Chefredakteurin Lisa Zeitz
das trashige ­Image ihrer Realityshow- das sie schminke, gar nicht erst »durchs durch ihre Woche mit der Kunst.
Familie. Stattdessen: »I ­ have always ganze Haus« laufen müsse, da wachen wir Immer freitags erwartet Sie
wanted a ­ James Turrell.« Spricht sie endlich auf. Wie fürsorglich von Jenner! ein ganz persönlicher Blick
und zeigt uns, der anonymen Internet­ Stimmt, in diesem Haus hängen Kunst-
unserer Kunstexpertin auf
gemeinde, lächelnd eine pink leuch- werke und keine protzigen Kronleuch-
tende, runde In­ stal­
la­
tion des Künst- ter. Aber vielleicht beweist das einfach ihre Wochenhighlights:
lers direkt hinter der Haustür. Erst das bloß, dass Kendall Jenner nicht nur Welche Bücher empfiehlt Sie?
Wohnzimmer, dann die Bar, so weit, reich und schön ist, sondern auch klug Welche Ausstellungen sollte
so gewöhnlich zunächst. Auffällig ist genug, die Pose der Zeit erkannt und man ihrer Meinung nach nicht
allerdings, mit welchen Worten Jen- perfekt umgesetzt zu haben: das Un­der­ verpassen? Und welches Los ist
ner ihr Anwesen beschreibt. Sie habe state­ment. Wo die Welt um uns herum ihr bei Auktionen aufgefallen?
es immer »peace­ful« und »super­calm« gefühlt doch so chaotisch geworden ist,
gewollt, aber auch »open« und ­»cozy« halten wir es lieber einfach, konzentrie-
und »warm«, und deshalb gebe es in ren wir uns auf das Wesentliche, müssen
einem der Wohnzimmer auch keine wir einfach mal ausmisten, brauchen wir
Fernseher, dafür aber »wirklich tiefe doch gar nicht so viel! Und dieses »Less
Gespräche«. Deshalb habe sie auch das is ­more« muss doch bitte auch möglich
Hauskino zu einem Atelier umgebaut, sein, wenn man Millionärin ist.
Jetz kostenlos abonnieren:
inklusive Maler­ kitteln für die Gäste, Wie froh sind wir aber, als wir am Ende
www.weltkunst.de/newsletter
Foto  Getty Images

schließlich habe Malen auf sie eine un- der Tour doch noch das komplett ironie-
geheuer ­entspannende, therapeutische­ freie Herzstück jedes beliebigen Promi-
Wirkung. Und deshalb gefalle ihr im Anwesens entdecken: die frei stehende,
Gästebad auch so sehr das Wasch- ordinäre, goldene Badewanne.

Von Ronja von Rönne


PITTSBURGH 2 0 2 0
E in Fotograf, seine Stadt und die Wahl in den USA (33)

Das ist mein Freund Thomas Brown. Er und seine Frau Sarah dort eine starke Unterströmung, die von den großen Steinen im
tauchten schon in einer früheren Kolumne von mir auf, sie leben Flussbett verursacht wird. Thomas schwimmt hier in die Gegen-
auf ­einer Farm, die seit vielen Generationen von Thomas’ Familie richtung der Strömung. Später sagte er mir, dass das Bild seine Stim-
bewirtschaftet wird. Auf diesem Bild schwimmt Thomas in einer mung widerspiegele: an einem Ort zu sein, an dem man sich wohl-
Bucht, die wir gerne besuchen, wenn es richtig heiß wird. Es gibt fühlt, während einen das Leben in eine andere Richtung zieht.

Jake Reinhart, 40, wuchs in Pittsburgh auf. Er kommt aus einer Arbeiterfamilie, war Staatsanwalt
und ist heute in der Verwaltung einer Bank tätig. Seit zehn Jahren fotografiert er seine Heimatstadt und ihre Umgebung
T
J E TZ

L I N
BER ISE
R E EN

Berlin.
H
BUC

Auch das.
Bei uns werden Spaziergänge
zu Entdeckungsreisen.
Orientalischer Garten, Gärten der Welt

visitBerlin.de/auch-das
Der deutsche Wald könnte bald nicht wiederzuerkennen sein. Hitze,
Stürme, Schädlinge – all das macht ihm schwer zu schaffen. Sind ­exotische
Superbäume die Rettung? Oder einfach Ruhe? Eine Wald­besitzerin, ein
Biologe und eine Umweltethikerin streiten über Lösungen und die Frage,
was eigentlich »natürlich« ist

Der Wald der


Zukunft

In Deutschland wachsen 90 Milliarden Bäume, sie bedecken ein Drittel der Fläche.
95 Prozent des Waldes werden bewirtschaftet, so wie dieser in Brandenburg
Von HEIKE FALLER und CHRISTIANE GREFE Fotos INA SCHOENENBURG

Ein Wald in Brandenburg nahe der kleinen Stadt Treuenbriet­ Haben Sie schlaflose Nächte?
zen. Dort stehen viele Reihen Kiefern, aber ihre Stämme sind Von Plettenberg: Ja. Einfach wegen der Existenznöte,
schwarz, die Bäume sind abgestorben. Am Boden wächst schon die auf uns zukommen könnten. Ich bin froh, dass meine
wieder helles Grün: viele zarte Pappeln, junge Birken, Weiden, Kinder eine gute Ausbildung haben und nicht zwangsweise
Krautpflanzen. Kein Vogel zwitschert, es ist eigenartig still. Mit vom Wald leben müssen.
einer Waldbesitzerin, einem Waldökologen und einer Umwelt­ Sie haben einen Sohn, der Forstwirt ist. Wie geht es ihm?
ethikerin wollen wir über die Frage sprechen, wie der Wald in Von Plettenberg: Der arbeitet im Moment für andere
Zeiten des Klimawandels und der Trockenheit überlebt. Forsten und macht nichts anderes als wir, nämlich tote
Bäume markieren, die gefällt werden müssen.
Frau Eser, Gräfin Plettenberg, Herr Ibisch, wir treffen uns Wie zeigt sich die Trockenheit in Ihrer Region?
in diesem Forst bei Treuenbrietzen, um über den Zustand Von Plettenberg: Im Sauerland hatten wir bisher immer
des Waldes in Deutschland zu reden. Hier jedenfalls sieht eine durchschnittliche Regenmenge von 1200 bis 1300
es erschreckend aus: Die Bäume sind verbrannt. Was ist Millimetern pro Jahr. 2018 waren es ungefähr 800 Milli­
passiert? meter, 2019 auch nicht viel mehr. Und auch dieses Jahr ist
Pierre Ibisch: Wir befinden uns in einem Kiefernforst, wie unterdurchschnittlich. Es ist gruselig.
er für Brandenburg typisch ist. Hier gab es allerdings im Ibisch: Wir haben hier in weiten Teilen Brandenburgs nor­
August 2018 einen der größten Waldbrände in Deutsch­ malerweise nur etwa 500 Millimeter. 2018, 2019 waren es
land. Waldbrände gibt es schon lange im Nordosten, aber in manchen Gebieten nur 300.
sie häufen sich in letzter Zeit. Dieser hier war so groß, dass Für viele Menschen ist der Wald auch ein Ort, an dem man
man ihn noch 80 Kilometer entfernt in Berlin gerochen Kraft schöpft, Verbindung zur Natur aufnimmt. Übt der
hat. Hunderte Hektar sind verbrannt. Wald auf Profis wie Sie noch eine solche Wirkung aus?
Wodurch wurde der Brand ausgelöst? Von Plettenberg: Natürlich – das Rauschen des Waldes
Ibisch: In dieser Gegend liegt viel Munition aus dem ist etwas Wunderschönes. Aber es kann auch bedrohlich
Zweiten Weltkrieg, mutmaßlich hat sie sich bei den ho­ werden, wie wir es bei Kyrill erlebt haben. Das ist jetzt über
hen Temperaturen entzündet. Die Kiefer brennt ohnehin zehn Jahre her, aber die Geräusche dieses Sturms habe ich
gut mit ihrer leicht entzündlichen Nadelstreu. Durch das nie vergessen. Unser Haus liegt ja fast direkt am Wald. Von
Wetter war der Waldboden völlig ausgetrocknet. Das hier dort toste und dröhnte es, man hörte, wie die Bäume bra­
war außerdem eine Monokultur, es fehlten feuchter Hu­ chen und aufschlugen. Eine Zeit lang blieb der Strom weg,
mus, junge Bäume, Krautpflanzen, die das Feuer hätten die ganze Familie saß im Dunkeln im Esszimmer. Man
aufhalten können. Durch so einen Wald zieht der Wind fühlte sich klitzeklein.
wie durch eine Halle. Am Ende lodert alles wie Zunder. So ein großer, mächtiger Wald ...
Insofern sind die Ursachen dieser Brände menschen­ Von Plettenberg: ... und dann liegt er einfach da. Danach
gemacht. Forstwirtschaftsgemacht. war das Holz kreuz und quer verstreut, ein wildes Durch­
Gräfin Plettenberg, Ihrer Familie gehören sieben Quadratki- ein­an­der, und gefährlich ist es auch.
lometer Wald im Sauerland. Wie sieht es in Ihrem Wald aus? Weil ...?
Alexa Gräfin von Plettenberg: Zum Glück gab es bei uns Von Plettenberg: Weil die Bäume sich verhaken, und
noch kein Feuer – was nicht heißt, dass das nicht schnel­ wenn man sie abschneidet, schießen sie wie ein Pfeil nach
ler kommen kann, als wir denken. Wir haben 60 Prozent links oder rechts. Bei den Aufräumarbeiten gab es Tote im
Nadel­hölzer in unserem Betrieb, vor allem Fichte. Das ist Sauerland, zum Glück nicht bei uns.
unser Brotbaum, die Baumart, von der wir leben. Und Frau Eser, welche Verbindung haben Sie als Umweltethike-
etwa ein Drittel des Waldes ist kaputt. rin zum Wald?
Was hat ihn kaputt gemacht? Uta Eser: Der Wald hat mich politisiert. Schon mit 18
Von Plettenberg: Windwurfschäden, Borkenkäfer, der habe ich im Funkkolleg Mensch und Umwelt von den Pro­
ganze Wald hat Trockenstress. Bei der Eiche kommt noch blemen des Waldes gehört, auf meinem Schulordner kleb­
der Eichenprozessionsspinner hinzu, ein Nachtfalter, des­ ten Zeilen des Dichters Nâzım Hikmet: Leben einzeln und
sen Raupen Eichenblätter fressen. Die Ulmen sterben an frei wie ein Baum / und dabei brüderlich wie ein Wald ...
einem Pilz, die Kastanien hat auch irgendein Pilz erwischt. Und zu Beginn meines Studiums in den Achtzigerjahren
Ibisch: Der Borkenkäfer wird erst in Monokulturen zum war das Waldsterben das große Thema. Wir haben Todes­
Schädling. Und klar, wenn es zu trocken ist, müssen die anzeigen für den Wald verteilt und einen Beerdigungszug
gestressten Bäume an der Verteidigung sparen. durch die Tübinger Innenstadt veranstaltet.
Von Plettenberg: Die Familie meines Mannes bewirt­ Ibisch: Ich bin in der klitzekleinen Marienhölzung in
schaftet diese Wälder seit 700 Jahren, seit 1800 gibt es Auf­ Flensburg zum Biologen geworden. Als Kind habe ich dort
zeichnungen. Laut Archiv gab es so eine Zerstörung zuletzt stundenlang in Tümpeln gekeschert, Kaulquappen und
um 1870 herum. Damals warf ein Sturm alle Bäume um, Ringelnattern beobachtet. Und selbst wenn ich mich in­
die in den nächsten Jahren geerntet werden sollten. zwischen seit 30 Jahren als Wissenschaftler mit dem Wald
17
beschäftige, verbiete ich mir nicht, auch emotional auf den ist, so wie zum Beispiel in Brandenburg. Zu viel Stick-
Wald zu schauen – und zwar mit jedem Jahr stärker. Die stoff aus Verkehr und Landwirtschaft verändert die Böden,
Trockenheit macht mir große Sorge. Und es kommt immer Pestizide von den Feldern verringern die Zahl der Wald-
mehr auch Empörung dazu angesichts des Umgangs der lebewesen. Der Wald ist durch Straßen zerschnitten, und
Forstwirtschaft und der Forstpolitik mit den Wäldern. zu allem Übel legen die Förster auch noch ein dichtes Netz
Das Waldsterben der Achtzigerjahre war seinerzeit ein von Rückegassen an, um Bäume rauszutransportieren.
beherrschendes Thema. Emissionen von Kraftwerken und Im Boden ist das lebenswichtige Geflecht aus Pilzen und
Autos, der sogenannte saure Regen, ließen Blätter vergilben Baumwurzeln gestört. Wald, das sind zunehmend Inseln
und Bäume absterben. Verstehen wir Sie richtig, dass die in der offenen Landschaft, die sich besonders leicht er-
Folgen der Trockenheit jetzt noch viel schlimmer sind? wärmen. So geschwächt, hat der Klimawandel mit ihnen
Von Plettenberg: Ich habe mehr als eine verzweifelte leichtes Spiel.
Waldbesitzerin gesehen in den letzten Jahren. Und die Das klingt düster. Aber auch in den Achtzigerjahren haben
Männer sind genauso fertig. Wenn man seinen Wald liebt Wissenschaftler den Wald schon einmal für tot erklärt.
und die Arbeit von drei oder vier Generationen am Bo- Ibisch: Dass der Wald in den Achtzigerjahren nicht gestor-
den liegt, dann ist das unglaublich schwer zu ertragen. Für ben ist, war ja ein Erfolg dieser Warner. Die Hauptursache,
manche Frauen aus unserem Verein war der Wald ihre Al- Schwefeldioxid, wurde mit Filtern aus der Luft genommen.
tersversorgung. Der Gewinn ist von 50 Euro pro Festmeter Heute sind die Schäden größer und die Ursachen komplexer.
Fichte auf 9 Euro gesunken, ihre Rente sinkt entsprechend. Sollen Wissenschaftler nicht erst einmal Fakten und For-
Ibisch: Was wir jetzt erleben, hat neue Dimensionen. Der schungsergebnisse liefern und nicht übertreiben, auch
Wald wird nicht mehr das sein, was wir gewohnt sind. Das nicht zu einem guten Zweck?
Modell der Monokultur aus Kiefern oder Fichten ist am Ibisch: Wenn Sie meinen, ein Ende des Waldes sei unvor-
Ende. Denn genau die verlieren wir sehr schnell durch die stellbar: In den südlichen Rocky Moun­tains können wir
Folgen des Klimawandels. Und ich sehe tatsächlich extreme es schon beobachten. Auch dort haben Trockenheit und
Szenarien: Es kann sein, dass diese Monokulturen in zehn, Brände den Wald in ungekanntem Ausmaß vernichtet. Oft
zwanzig Jahren nicht mehr stehen. fehlen schon die Samen, der Boden ist geschädigt, dann
Sie meinen: Dann gibt es keinen Wald mehr? ist Schluss mit dem Wald. Und der Wandel verläuft eben
Ibisch: Wald schon, aber im schlimmsten Fall gibt es auf nicht linear. Drei, vier trockene Jahre hin­ter­ein­an­der – und
großen Flächen nur langsam nachwachsendes Gebüsch. plötzlich sind Tausende von Hektar betroffen, dann geht
Der Wald bekommt Druck von vielen Seiten, und es kann es mit der Austrocknung immer schneller. Als Menschen
durchaus Synergieeffekte geben, die ihn großflächig kolla- können wir diese Eskalation durch Rückkopplungen leider
bieren lassen, wo es besonders monokulturell und trocken schlecht begreifen.

Uta Eser, 56, Biologin und Pierre Ibisch, 52, ist Biologe Alexa Gräfin von Plettenberg,
Umweltethikerin, beschäftigt sich und Professor für Nature 55, ist Diplom-Agraringenieurin
damit, welche Werte dem Natur- Conservation an der Hochschule und Vorsitzende des Vereins
schutz zugrunde liegen. Sie hat für nachhaltige Entwicklung Waldbesitzerinnen NRW. Die
zum Beispiel untersucht, warum Eberswalde. Schwerpunkte seiner Familie von Plettenberg besitzt
manche Pflanzenarten aus Arbeit sind Biodiversität und einen Wald im Sauerland, der seit
anderen Ländern ökologisch als Waldökologie. Er lebte viele Jahre dem Jahr 1300 bewirtschaftet
problematisch gelten. Derzeit lang in Bolivien und wirkte an wird. Der Holzverkauf ist ihre
arbeitet sie an einem Gutachten Forschungs- und Entwicklungs- wichtigste Einnahmequelle, um
des Weltbiodiversitätsrates mit Projekten in aller Welt mit die sie sich große Sorgen macht
In diesem Kiefernforst bei Treuenbrietzen fand das »Wipfel-Treffen« statt. 2018 brannte es hier, die älteren Bäume
sind verkohlt, unter ihnen wächst junges Grün. Solche Monokulturen sind besonders anfällig für Schädlinge und Brände
19
Eser: Das ist ähnlich unanschaulich wie das exponentielle schien alles so abstrakt: Es war klar, dass das Klima sich än­
Wachstum, das gern mit einem Seerosenteich illustriert dert, aber dann kamen Sommer, die doch wieder feuchter
wird. Die Fläche, die von Seerosen bedeckt wird, verdoppelt und kühler waren. Ich erinnere mich an eine Veranstaltung
sich alle 24 Stunden. Wenn die Ersten sagen, wir haben ein zum Wald vor fünf Jahren in Berlin. Damals verkündete
Problem mit der Seerose, sagen die anderen: Wieso, 90 Pro­ das Landwirtschaftsministerium: Dem Wald geht es so gut
zent des Teichs sind doch noch offen? Wenn das Problem wie noch nie! Und alle waren trunken vor Glückseligkeit.
offensichtlich wird, ist der Teich schon zur Hälfte bedeckt. Der damalige Präsident des Waldbesitzerverbands, Philipp
Aber dann dauert es noch genau einen Tag, bis er ganz voll zu Guttenberg, die vielen Forstwissenschaftler. Und jetzt,
ist. Und wir sind jetzt bei vielen Umweltproblemen an dem fünf Jahre später, sagt das gleiche Haus – zwar mit seiner
Punkt, wo man sagen muss: Jetzt ist es noch ein Tag. neuen Ministerin Julia Klöckner, aber beraten von densel­
Was muss passieren? ben Experten – genau das Gegenteil: Dem Wald geht es so
Ibisch: Das, was seit über 20 Jahren passieren muss. So schlecht wie noch nie, und das hat keiner kommen sehen.
lange gibt es eigentlich schon den Konsens in der Forst­ Aber es war absehbar. Offenkundig muss immer erst eine
wirtschaft, dass der Wald in einen Laubmischwald umge­ Katastrophe passieren.
baut werden sollte. Und so lange sagen wir Waldökologen War die Gefährdung des Waldes durch die trockeneren
schon, dass selbst das nicht reicht. Wir müssen schauen, Sommer für Sie tatsächlich absehbar, Gräfin Plettenberg?
welche Bäume sich von selbst vermehren. Wir müssen Von Plettenberg: Wir Waldbauern haben ja auch eine
Totholz liegen lassen, damit der Boden reicher an Humus Ausbildung und beobachten die Probleme seit Langem.
wird, die Bäume dürfen nicht alle gleich alt sein. Solche Normalerweise blüht zum Beispiel eine Fichte nur alle sie­
Wälder halten mehr Wasser, sie sind kühler, es gibt dort viel ben Jahre. Irgendwann fing sie an, alle drei, vier Jahre zu
mehr Arten. Das sind viel robustere Wälder. Aber sie sind blühen, im Moment blüht sie jährlich.
leider kurzfristig wirtschaftlich nicht so interessant. Auch Was ist so besorgniserregend daran?
mit den Schäden selbst wird völlig falsch umgegangen. Von Plettenberg: Blühen ist ein Stresssymptom. Es ist,
Was meinen Sie damit? als wollte sie sagen: Ich muss mich vermehren, ich blühe
Ibisch: Mit atemberaubender Geschwindigkeit holzt man und blühe. Aber auch unsere Laubhölzer leiden schon lan­
die absterbenden und toten Bäume ab, das habe ich mir so ge. Bei der Buche spricht man immer vom Kronendach –
nicht vorstellen können. Gegen den Borkenkäfer mit allen seit Jahren ist da nur noch ein Krönchen.
Mitteln! Ich stand jüngst auf großen Flächen im Rhein­ Wenn man in Deutschland den Wald sich selbst überlassen
land und im Oberbergischen. Ich dachte, ich bin auf Kahl­ würde, würden hier natürlicherweise Buchen wachsen, zu
schlägen in Südamerika. etwa 75 Prozent. So sind es nur 16 Prozent. Viele Waldöko-
Von Plettenberg: Einspruch. Wir haben in unserem Wald logen wollen deshalb mehr Buchen, andere Wissenschaftler
immerhin einen Laubholzanteil von rund 40 Prozent, in erwidern, dass es denen ja auch nicht gut gehe.
Deutschland sind es noch etwas mehr. Auch wir sehen den Ibisch: Es stimmt: Die Buche ist in Deutschland die wich­
Druck auf den Wald, wir sind bereit umzubauen. Aber der tigste Baumart und Teil eines eingespielten Ökosystems,
Umbau muss so passieren, dass es noch wirtschaftlich ist. aus Pflanzen, Tieren, Pilzen, Mikroorganismen. Wenn
Ibisch: Das verstehe ich zwar, aber so rollen Sie die Dis­ auch Buchen unter den Auswirkungen der Trockenheit lei­
kussion von der falschen Seite her auf. Wir Menschen sind den, dann meist dort, wo durch Einschlag das geschlossene
nicht mehr in der Position, dass wir festlegen können, was Kronendach geöffnet wurde und wo Buchen der prallen
der Wald zu tun hat. Das ist genau das Missverständnis, das Sonne ausgesetzt sind.
uns in die heutige Situation gebracht hat. Statt den Wald Von Plettenberg: Aber was sollen wir Waldbesitzer denn
neu zusammenzubauen, müssen wir jetzt verstehen, wie er tun, wenn uns unterschiedliche Wissenschaftler unter­
sich selbst helfen und erneuern kann. Genau das erforschen schiedliche Antworten geben?
wir hier zwischen den verbrannten Stämmen. Ibisch: Ich weiß das nicht genau. Ich glaube, zurzeit weiß
Von Plettenberg: Kann ich mir nicht leisten. Ich muss das niemand. Wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir sa­
keine Millionärin werden, aber wir als Familie möchten gen: Es herrscht totale Verunsicherung. Das müssen sich
auch weiterhin vom Verkauf unserer Bäume leben. Die alle erst einmal eingestehen.
Schwiegereltern bekommen eine Rente von uns, Familien­ Bei den Antworten sieht man grob zwei Richtungen: Die
mitglieder müssen ausbezahlt werden, es gibt Kinder, die eine Seite will neue Baumarten anpflanzen, von denen man
den Betrieb weiterführen wollen. Wir haben auch Verant­ hofft, dass sie auch in einem wärmeren Klima gedeihen ...
wortung ihnen gegenüber. Ibisch: ... und wir wollen eher ein vorsichtiges Wald­
Ibisch: Genau. In vielerlei Hinsicht. Auch in ökologischer ... management, das das ganze Ökosystem im Blick hat. Wie
Von Plettenberg: Einverstanden. Aber das hilft uns in der ein Wald, der mit Extremen besser zurechtkommt, von
momentanen Krise leider nicht weiter. selbst nachwachsen kann, erforschen wir hier. Wir haben
Ibisch: Diese ökologische Verantwortung nehmen wir ­28 Hektar bekommen, in denen wir den Wald einfach
aber, wie gesagt, schon seit vielen Jahren nicht wahr. Lange Wald sein lassen. In einem Zusammenschluss aus insgesamt
20
acht wissenschaftlichen Instituten vergleichen wir diese Flä- b­ ekommen, haben wir immer noch Winter mit starkem
che mit anderen, die von Förstern bepflanzt wurden: Was Spätfrost. Außerdem ist es riskant, wenn neue Bäume nicht
wächst von selbst, welche Pflanzen und Tiere gibt es, wie in unsere Ökosysteme integriert sind.
sieht der Boden aus, wie hoch ist der Wassergehalt, wie kühl Was heißt das konkret?
ist der Wald? Schauen Sie: Diese Zitterpappeln hier sind in Ibisch: Es mag trivial klingen, muss aber immer wieder
nur zwei Jahren schon bis zu zwei Meter gewachsen! gesagt werden: Wald ist keine Ansammlung von Bäumen.
Von Plettenberg: Klar, so eine Pappel geht ab wie Wenn wir einen Baum isoliert von einem anderen Konti-
Schmidts Gewitter. Aber wem soll ich die verkaufen? nent holen wie aus einem Baukasten, dann ergibt das noch
Ibisch: Naserümpfend schauen Sie gleich auf sie herab. lange kein Waldökosystem. Solche importierten ­ Arten
Wissen Sie, was diese kleinen Pappeln gemacht haben? Die bringen ja nicht die Mikroorganismen und Pilze mit, mit
haben Wurzeln gebildet, die halten den Boden fest, die las- denen sie sonst zusammenleben. Oder Gegenspieler. Die
sen Blätter fallen, die langfristig Humus bilden ... kommen dann später. Dann kann es sein, dass man einen
Von Plettenberg: Ich rümpfe nicht die Nase über die Baum einführt, und der wächst erst mal wunderbar – aber
Pappel! Ich rümpfe über keinen einzigen Baum die Nase ... irgendwann, vielleicht nach Jahrzehnten, kommen Krank-
Ibisch: Aber Sie haben sofort wieder aus der kurzfristigen heiten oder Schädlinge nach, und dann geht es der neuen
Nutzungsperspektive auf die Pappel geschaut. Baumart schlechter als den heimischen.
Von Plettenberg: Ich glaube Ihnen ja, dass das hier öko- Frau Eser, neu eingeführte Arten sind ja Ihr Spezialthema.
logisch wertvoll ist. Aber wenn nur noch Pappeln kommen, Soll man sie vermehrt anbauen, oder ist das Risiko zu groß?
was wollen Sie dann damit machen? Früher hat man aus Eser: Wenn auf einer Naturschutzfläche eine streng ge-
Pappeln Küchenwerkzeug hergestellt. Oder Streichhölzer.
 schützte Art steht und durch eine neue Art bedroht
Ibisch: Und mich interessiert: Was tut die jetzt für das Öko- wird, dann ist man erst mal gesetzlich verpflichtet, die
system? Und diese Bäumchen sind ja nur der Anfang, schon einheimische zu schützen und die neue, wenn nötig, zu
jetzt stellen sich andere Baumarten ein, Kiefern, Ahorn. bekämpfen. Evolutionär betrachtet, kann sich eine neue
Von Plettenberg: Ja. Aber das Problem liegt in der Zeit. Art allerdings auch ihre eigene ökologische Nische schaf-
Bis wir in einem solchen Wald wieder einen Baum entneh- fen, also Mitspieler und Gegenspieler finden. Das dauert
men können, dauert es einfach zu lange. nur, vielleicht Jahrzehnte. Oder Jahrhunderte. Es sind ja
Ibisch: Wenn Sie pflanzen, geht’s auch nicht schneller ... nicht alle fremden Arten ein Problem, sondern nur die so-
Von Plettenberg: Aber wir machen in unseren Wäldern genannten invasiven Arten, die wenig Ansprüche haben,
nun mal keine Grundlagenforschung. Wir bauen Holz an. oft sehr fortpflanzungsstark sind und in kurzer Zeit große
Zurzeit testet man – das ist der zuvor erwähnte andere An- Flächen besetzen.
satz – in forstlichen Versuchsanstalten Baumarten wie die Auf weniger sensiblen Flächen könnte der Sohn von Frau
Türkische Tanne, die Zeder oder Bäume aus Nordamerika. von Plettenberg also durchaus testen, ob der Blauglocken-
Hat da ein Wettbewerb begonnen: Deutschland sucht den baum die Lösung ist?
Superbaum? Einen Baum, der mit Trockenheit und Stür- Eser: Das kann ich für diesen konkreten Baum nicht beur-
men besser klarkommt? teilen. Im Naturschutz gibt es jedenfalls gerade eine große
Von Plettenberg: Den Superbaum gibt es nicht. Aber Debatte über den Umgang mit fremden Arten: Soll man
weil alle, die vom Waldbau leben, verunsichert sind, expe- immer den vermeintlich ursprünglichen Zustand wieder-
rimentieren sie. Bislang haben wir aus der Tradition heraus herstellen? Oder kann man hoffen, dass neue Arten auch
entschieden, was wo angepflanzt wurde: Der Standort ist neue, funktionsfähige Lebensgemeinschaften bilden kön-
nix für die Eiche, das hat schon Opa Josef so gesagt. Aber nen? Das ist fast schon ein Glaubenskrieg zwischen der
jetzt funktioniert dieses alte Wissen nicht mehr. Die Frau- »Natur«-Fraktion und der anderen, die eher sagt: So ist es
en in unserer Vereinigung probieren die verschiedensten nun mal, wir können die Uhr nicht zurückdrehen; und
Baumarten aus. Manche pflanzen Küstentannen aus Nord- statt unsere Kraft darauf zu vergeuden, sollten wir lieber
amerika oder die Kirsche. Mein Sohn befasst sich gerade mit dem gesamten Arteninventar, das wir haben, zukunfts-
mit dem Blauglockenbaum aus ­Asien, der wächst unheim- fähige Ökosysteme gestalten.
lich schnell und ist leicht zu verarbeiten. Man nennt ihn Natürlicher Zustand, invasive Arten – das klingt nach
das Aluminium des Holzes. ­einem perfekten Thema für rechte Populisten?
Ibisch: Ich kenne ihn aus botanischen Gärten und aus Eser: Ja, es gab schon Anfang der Neunzigerjahre eine
China. Sehr schöner Baum, aber kein Wunderbaum. ­Anfrage der rechten Partei Die Republikaner im baden-
Von Plettenberg: Wir selbst haben Hybridnuss und Wal- württembergischen Landtag, was die Regierung denn ge-
nuss angepflanzt. Aber die leiden unter den Spätfrösten. gen eingewanderte Arten zu tun gedenke. Und heute kom-
Ibisch: Genau. Es gibt die irrige Vorstellung, dass wir men solche Anfragen von der AfD. So nach dem Motto:
jetzt ein Klima haben und bald ein neues Klima und dass deutscher Wald für deutsche Arten. Hinter der Angst ste-
dann bestimmte Bäume besser wachsen können. Das ist cken zwei Vorstellungen von Natur: eine romantische, die
aber nicht der Fall. Selbst wenn wir mediterrane Sommer die Natur als reines, unberührtes Gegenstück zum M­ ensch­
21
lichen sieht. Und eine darwinistische, Natur als Kampf. Ibisch: Ich stimme zu. Schon aus Zeitgründen würde ich
Wer am rücksichtslosesten ist, setzt sich durch. eher auf das System heimischer Arten setzen, das sich seit
Und welches Bild vom Wald haben Sie im Kopf? Jahrtausenden hier so halbwegs eingespielt hat. Wir sehen
Ibisch: Beide entsprechen nicht mehr dem heutigen Ver- doch weltweit, dass naturnahe Wälder widerstandsfähiger
ständnis. Wir wissen jetzt: Ökosysteme sind in immerwäh- sind als Plantagen.
render Veränderung begriffen. Es gibt kein ökologisches Höchste Zeit, mal zu fragen: Was ist eigentlich so toll an
Gleichgewicht und keinen Idealzustand. diesen Kiefern und Fichten, dass wir Deutschland zu wei-
Eser: Aber auch dieses Bild von Natur ist nicht neu. Die ten Teilen damit übersät haben?
Auffassung, dass alles im Fluss ist, gab es schon bei den Von Plettenberg: Aus Sicht der Waldbesitzer waren es
Griechen: panta rhei. Wir haben diese unterschiedlichen einfach die perfekten Bäume.
historischen Bilder alle weiter im Kopf. Und sie verleiten Klingt wie eine Liebesgeschichte, die jetzt traurig ausgeht.
uns dazu, alles Mögliche auf den Wald zu projizieren, Ko- Plettenberg: Man konnte die Fichte jedenfalls ohne grö-
operation oder Konkurrenz, Stabilität oder Dynamik. Wir ßere Schutzmaßnahmen pflanzen, die Rehe vergriffen sich
finden immer etwas in der Natur, das unser Bild bestätigt. nicht so stark daran. Das Holz ist biegsam und leicht und
Aber noch einmal: Würden Sie denn nun neue Baumarten gut zu handhaben. Die Bauindustrie hängt daran, und die
einführen, ja oder nein? Sägewerker lieben es. Im Moment sind ja riesige Massen
Eser: Als Ethikerin habe ich eine große Affinität zum Vor- von Holz auf dem Markt. Oft Schadholz, das wir der Tro-
sorgeprinzip. Ihm zufolge sollte man eine Handlung lieber ckenheit wegen aus dem Wald holen mussten.
unterlassen, wenn es begründete Zweifel an ihrer Harm- Was erzählen Ihnen denn die Sägewerksbesitzer?
losigkeit gibt, als den hundertprozentig sicheren wissen- Von Plettenberg: Die wissen natürlich auch, dass jetzt
schaftlichen Nachweis einer Gefährdung abzuwarten. das Holz gefällt wird, das erst in den nächsten Jahrzehnten
Oder kurz: Irre lieber auf der sicheren Seite! Und ich habe hätte auf den Markt kommen sollen. Zu mir hat neulich
eine hilfreiche Faustregel gelernt: Die Probleme, die man ein Sägewerksbesitzer gesagt: Ich nehme dir Holz ab, aber
sich durch die Lösung eines Problems einhandelt, sollten nur, wenn du die nächsten fünf Jahre an mich lieferst.
nicht größer sein als das ursprüngliche Problem. Aber keiner von uns kann sagen, wie sehr der Borkenkäfer

© arche noVa/Axel Fassio

Nothilfe ist gut – Vorsorge ist besser


Aktion Deutschland Hilft leistet Nothilfe nach schweren Katastrophen und hilft Familien, sich besser zu schützen.
Erdbebensicheres Bauen rettet Leben. Getreidespeicher wappnen gegen Hunger. Und Hygieneprojekte bekämpfen
Seuchen wie Corona. Das verhindert Leid, noch bevor es geschieht. Helfen Sie vorausschauend. Werden Sie Förderer!

Spendenkonto: DE62 3702 0500 0000 1020 30


Jetzt Förderer werden: www.Aktion-Deutschland-Hilft.de
Natürlicherweise würde in Deutschland die Buche dominieren: Ließe man den Wald wachsen, wie er will, würde sie wahrscheinlich
75 Prozent des Bestandes ausmachen, so sind es nur 16 Prozent. Buchen können mehrere Hundert Jahre alt werden
23
­ eiterwütet und ob wir dann noch liefern können und wo­
w der größten Bestseller der letzten 50 Jahre geschrieben.
möglich schadensersatzpflichtig werden. Das ist Ausnutzen ­Darin wird der Wald ja als komplexes System verbundener
einer Notlage, und ich finde das sittenwidrig. Lebewesen beschrieben, die mit­ein­an­der kommunizieren
Das heißt, Sie haben das Holz erst einmal liegen lassen. und auf­ein­an­der aufpassen.
Von Plettenberg: Ja. Aber eine Fichte, die man liegen lässt, Ibisch: Ich glaube, die Gesellschaft ist reif, und dazu hat
wird natürlich nicht besser. Entweder fahre ich sie ins Nass­ Wohlleben auch beigetragen. Das Problem liegt eher auf
lager, oder ich entrinde sie, dann kann man sie noch zwei der Seite der Holzproduzenten. Die haben bislang mehr
Jahre im Wald liegen lassen. Aber das können wir alles gar Einfluss, leider.
nicht bezahlen. Also müssen wir verkaufen, weit unter Wert. Von Plettenberg: Ich gebe Ihnen ja recht, Herr Ibisch,
Wären Sie entlastet, wenn Sie auch für ökologische Erfolge dass wir vielleicht zu einem Wald hinkommen müssen,
Geld bekämen? Muss die Gesellschaft in Zukunft für einen der einem natürlichen Kreislauf unterworfen ist. Aber Sie
stabilen, ökologisch wertvollen Wald bezahlen? vergessen dabei noch etwas sehr Wichtiges: So ein Wald
Von Plettenberg: Das muss die Gesellschaft entscheiden. kann die Nachfrage nicht bedienen. Wir leben nun mal
Bisher hat sie mir nur meine Fichte bezahlt. immer noch in einer Wegwerfgesellschaft. Früher gab es
Ibisch: Bewahrung der Artenvielfalt, Kühlung, Wasserrei­ zur Hochzeit einen Schrank, ein Ehebett und zwei Nacht­
nigung, Kohlenstoffspeicherung – das alles sind Funktio­ kästen, und die hatte man bis zum Tod.
nen, die ein Wald, der keine Plantage ist, erledigt. Davon Ist denn ein Wald vorstellbar, in dem Holz geerntet werden
profitieren wir alle, also sollte uns das auch was wert sein. kann und der zugleich ökologisch sehr wertvoll ist?
Geld wäre vorhanden, etwa in den europäischen Agrar­ Ibisch: Ja, den gibt es längst, beispielsweise den Lübecker
töpfen. Oder man könnte einen Waldpfennig erheben. So Stadtwald. Da hat man vor zwei Jahrzehnten begonnen,
ein Solidarbeitrag aller Bürger für den Wald wurde auch ­einen Wald sich selbst organisieren zu lassen – ähnlich wie
schon in den Achtzigerjahren diskutiert, aber nie eingeführt. wir es jetzt hier ausprobieren. Aus diesem Wald wird auch
Von Plettenberg: Ich bin bereit zu diskutieren. Und so­ Holz entnommen, aber es sind nur wenige und meist ältere
lange ich dafür entschädigt werde, bin ich bereit, meinen Bäume, die deshalb auch mehr kosten. Man kann da auf
Wald umzubauen, wenn das gesellschaftlich gewollt ist. seine Kosten kommen, aber man macht keine Massenpro­
Obwohl ich die Krise kriegen würde, wenn ich tote Bäume duktion für Papier oder für Ikea oder für das Heizkraftwerk.
einfach so stehen lassen müsste. Von Plettenberg: Genau. Wenn ich nur alle paar Meter
Eser: Ich kenne das auch von Waldbauern bei Diskussio­ einen Nutzbaum habe, egal was für einen – das reicht vorne
nen um Nationalparks, dass die sagen: Ich kann doch nicht und hinten nicht, um den Markt zu bedienen. Und Sie
einfach das Holz vergammeln lassen. werden die Gesellschaft nicht davon abbringen, Holz zu
Ibisch: Es gibt in einem Ökosystem keine Verschwendung! wollen, immer mehr Holz. Sogar Kleidung soll jetzt aus
Von Plettenberg: Wenn man einen Betrieb führt, der Holzfasern hergestellt werden.
Holz anbaut, dann sieht man eben mit Zufriedenheit auf Ibisch: Es stimmt: Der Markt erfindet immer neue Nut­
fünf Reihen Fichte, zehn Reihen Douglasie, drei Reihen zungen, jetzt auch im Namen der Bioökonomie. Die klingt
Lärche. Da kriegen Sie jetzt Schüttelfrost, Herr Ibisch, so ökologisch, ist es aber nicht. Wir sollen weg von fossilen
aber das ist mein Empfinden. Ich weiß, die Fichten kann Rohstoffen, das müssen wir auch, vollkommen klar. Aber
ich erstmals nutzen, wenn in fünf Jahren der Weihnachts­ das können wir nicht dem Wald aufbürden. Und was ist
baumkäufer kommt, in 20 Jahren kann ich die nächsten denn, wenn der Wald in Zukunft kein Holz mehr liefert
ernten als Zaunholz, als Papierholz und so weiter. Das ist, oder nur noch sehr viel weniger?
wie wenn ein Schraubenhersteller plant: Wir müssen bis Industrie und Regierung begründen ihre Forderung nach
Ende des Jahres soundso viele Schrauben von der und der mehr Holzeinsatz aber auch mit dem Klimaschutz: Bäume
Sorte herstellen. sind zwar Opfer des Klimawandels, sie können ihn aber zu-
Eser: Und ich finde, diese professionelle Wahrnehmung gleich abmildern, weil Holz CO₂ aus der Luft bindet. Lang-
der Waldbesitzer muss man ernst nehmen. Wenn wir in lebige Holzprodukte gelten als gute CO₂-Speicher – also
den Tropen unterwegs sind, ist immer von »local and in­ doch so viel Holz pflanzen und verbauen, wie geht?
di­genous knowledge« die Rede, wie wichtig das sei. Das Ibisch: Das wollen uns viele Förster jetzt weismachen, aber
gibt es auch hier. Für Landwirte ist es Teil ihrer Iden­ das geben die Zahlen nicht her. Bei ihren Berechnungen
tität, dass sie Produkte erzeugen und verkaufen. Und zum ignoriert die Holzbranche Studien, die zeigen, dass ein viel­
Thema Geld für Ökosystemdienstleistungen: Ich mag fältiger und alter Wald das Klima am besten schützt. Wie
dieses Wort zwar nicht. Aber es ist trotzdem ein Schritt viel Biomasse er für sich selbst braucht, um intakt zu bleiben,
vorwärts, zu sagen: Das, was da passiert, ist kostbar. Und sich selbst zu kühlen und möglichst viel CO₂ zu binden: Das
für diejenigen, die es pflegen, muss es auch eine materielle definiert die Grenzen unseres Konsums. Es hilft nichts: Wir
Wertschätzung geben. müssen darüber reden, mit weniger Holz zurechtzukommen.
Aber ist die Gesellschaft nicht dafür längst bereit? Peter Wir sollen also nicht nur weniger Plastik, Erdöl und seltene
Wohlleben hat mit »Das geheime Leben der Bäume« einen Erden verbrauchen, sondern auch weniger Holz?
24
Ibisch: Ja. Der Wald wird verstanden wie eine Maschine, ist immer der schlechter bezahlte Teil, Stichwort Pflege,
ein Automat. Er ist kein Automat. Er ist ein komplexes, Stichwort Erziehung. Genau dieses Problem hat auch der
lebendes System, das von uns traktiert wird. Wald: dass die Reproduktion nicht bezahlt wird, sondern
Versuchen Sie selbst, weniger Holz zu verbrauchen? nur die Produktion.
Von Plettenberg: Wir können im Moment auf gar nichts Laut Peter Wohlleben fällen die Förster auch deshalb gerne
achten. Wir sind genug beschäftigt mit dem Wahnsinn, der Bäume, weil sie so in diese riesigen Harvester-Trucks ver-
sich in unserem Wald abspielt. liebt seien, mit martialischen Namen wir Raptor ...
Ibisch: Ja. Ich wohne zum Beispiel in einem Holzhaus. Ibisch: Ist auch so.
Das habe ich aufbauen lassen, als ich vor 15 Jahren aus Von Plettenberg: Ich fahre auch Trecker, mit Liebe.
Südamerika nach Deutschland zurückgekommen bin. Ich Auch einen Harvester?
würde das heute nicht mehr machen. Von Plettenberg: Den Harvester setzen wir nur in Ka-
Weil ...? tastrophenfällen ein. Den durfte ich noch nie fahren.
Ibisch: Weil ich jetzt besser verstanden habe, wo das Holz Das lassen Sie sich so vorschreiben?
herkam. Nordische Fichte, aus Kahlschlägen in Skandina- Von Plettenberg: Dann müsste ich erst auf der Forst-
vien. Nicht nachhaltig. arbeiterschule einen Harvester-Kurs besuchen.
Das heißt, Sie würden sich heute ein Plastikhaus bauen? Haben Sie in Ihrem Gebiet von 700 Hektar vielleicht auch
Ibisch: Natürlich nicht. Aber Lehm würde eine Rolle spie- jetzt schon Wald, der Herrn Ibisch richtig gut gefallen würde?
len, Stein. Und auch Beton und Zement sind nicht total Von Plettenberg: Ja. Wir haben so ein felsiges Stück, da
zu verteufeln, wenn man sie ökologisch verantwortungsvoll wächst nur das, was will. Und da dürfen die Bäume auch
herstellt. Vor allem müsste es mehr Recycling geben. umfallen und liegen bleiben.
Eser: Es ist auf jeden Fall eine Illusion, dass wir einfach Bäume, auch Fichten, werden ja, wenn man sie nicht fällt,
von einem Material auf das nächste umsteigen. über hundert Jahre alt und sterben dann im Stehen. Dürfen
Ibisch: Die Grenzen des Wachstums, dieser Begriff, mit dem Bäume bei Ihnen auch eines natürlichen Todes sterben?
unsere Generation groß geworden ist: Es gibt sie wirklich. Von Plettenberg: Bei uns stehen viele alte Bäume. Auch
Eser: Das Thema Suffizienz müsste in der Politik eine grö- wenn es nicht dem Klischee entspricht: Wir Waldbauern
ßere Rolle spielen, aber Genügsamkeit ist nicht politik- hacken nicht alles um.
fähig. Das hat man auch bei uns in Baden-Württemberg Haben Sie Lieblingsbäume?
festgestellt, als der erste grüne Ministerpräsident Winfried Von Plettenberg: Klar gibt es die: weil der Baum knurrig
Kretschmann mit dem Satz »Weniger Autos sind natürlich aussieht oder weil der Baum eine Geschichte hat. Es gibt
besser als mehr« auf Granit gebissen hat. Ganz schnell hieß zum Beispiel einen Baum, der hieß Grafenbuche, da haben
es nur noch: Wir brauchen andere Autos. Wir leben nun die Vorfahren die Größe der Kids eingekerbt. Oder »Mine
mal nicht in einem Wirtschaftssystem, das mit einem Weni- Dennen«, meine Tannen. Das waren drei Fichten, da wuss-
ger gut zurechtkommt. Damit da alle mitmachen, bräuchte te jeder im Dorf, wo die standen. Die sind auch einem
es so eine Rede, wie Frau Merkel sie bei Corona gehalten Sturmschaden zum Opfer gefallen. Oder der Walnussbaum
hat. Dass man ganz offen sagt: Leute, das tut jetzt echt weh. hinter unserem Haus, der einfach irre große Nüsse macht.
Aber wenn wir jetzt nichts tun, kommt etwas auf uns zu, Eser: Wir hatten auch einen Walnussbaum hinter unserem
das ist noch viel unangenehmer. Ich habe diese Rede gehört Haus, der musste gefällt werden, weil dem immer so dicke
und mir gedacht: So etwas wünschst du dir seit 20 Jahren Äste abfielen. Ich weiß noch, dass ich damals am Fenster
für das Thema Klima oder Biodiversität. stand und Rotz und Wasser geheult habe. In meiner Er-
Gräfin von Plettenberg, Sie sind ja Chefin des Waldbesit- innerung schaue ich zu, wie der Baum gefällt wird und im
zerinnen-Verbandes. Wieso braucht es da eigentlich eine Hintergrund »Mein Freund, der Baum, ist tot« im Radio
­Vereinigung von Frauen? läuft, aber das habe ich ziemlich sicher dazugedichtet.
Von Plettenberg: Die Forstbranche ist noch sehr männer­ Haben wir auch deshalb eine so emotionale Verbindung zum
lastig, da fühlen sich Frauen oft nicht wohl. Für viele ist es Wald, weil man im Wald wieder zum Kind wird? Da sind
dann einfacher, sich unter ihresgleichen fortzubilden und plötzlich Lebewesen, die sind dreimal so groß und alt wie
Fragen zu stellen, bei denen man in anderer Runde be­ man selbst, das erlebt man ja als Erwachsener gar nicht mehr.
lächelt würde. Bei uns sind auch Frauen, die gerade Wald Eser: Immer wenn ich an so alten, beeindruckenden
geerbt haben und nun die ersten Erfahrungen auf diesem Baumgestalten vorbeikomme, denke ich: Der ist jetzt 250
Gebiet machen. Denen stehen wir mit Rat und Fortbil- Jahre alt, was hat der alles erlebt.
dung zur Seite. Und es kann auch sein, dass wir Frauen Von Plettenberg: Das kenne ich auch. Wir haben sogar
ein bisschen anders auf den Wald schauen als unter reinen eine 500 Jahre alte Eiche in einem unserer Wälder. Auf der
Nutzungsgesichtspunkten. Ich erfreu mich schon mal an wachsen obendrauf Fichten. Unglaublich, was das Leben
einer schönen Stelle, an der mein Mann vorbeistiefelt. sich so ausdenkt.
Eser: Traditionell sind ja die Männer für die Produktion Ibisch: Ja, der Wald ist ein Ort, an dem wir klein sind. In
zuständig und Frauen für die Reproduktion. Und die alten Wäldern kann man sich in Demut üben.

13.8.20  N0 34
#VisitDresden

ENTDECKEN
SCHÖNHEIT
WIEDER
Foto: Tomy Heyduck (DML-BY)

´
´ MitAbstand
Mit Abstanddas
dasSchönste
Schönsteentdecken.
entdecken. Wieder raus und was erleben – romantische Gassen,
Jetztnach
Jetzt nachDresden
DresdenElbland!
Elbland! altes Pflaster, moderner Schick. Sich einfach treiben
Gleichbuchen
Gleich buchenund
undneue,
neue,attraktive
attraktive lassen. Leckere regionale Küche. Tolles Sightseeing.
Erlebnisangeboteentdecken:
Erlebnisangebote entdecken: Und überall ist Schönheit. Mehr davon?
visit-dresden.travel
visit-dresden.travel Entdecken Sie Dresden Elbland.
26
27

Sophie Passmann
Alles oder nichts (Folge 19): Kahle, aufgeräumte Wohnungen
machen keinen Spaß, findet unsere Kolumnistin.
Sie kennt auch ein Gegenmittel: Lustige Tassen sammeln

Minimalismus wird überbewertet. Klar, im Internet sehen diese Preußen Münster steht (habe ich auch!). Außerdem sind Tassen so
Wohnungen immer spitze aus, in denen Ligne-Roset-Sofas nach- was wie ein Probe-Abo für Lustigkeit, denn es kann ja sein, dass
denklich vor weißen Wänden rumstehen, dazu diese eine Foto- man spontan Besuch bekommt von einem befreundeten Künstler-­
grafie an der Wand, weiße Bettwäsche, auf keinen Fall Krempel, Ehepaar, einem, das immer farblich interessante Brillen trägt und
auf keinen Fall Kram. Es gab eine kurze Phase, da wollte eine asymmetrische Hosen, das sein Geschirr natürlich nur auf elsässischen
freundliche Dame auf Netflix unsere Wohnungen ausmisten, alles, Töpfermärkten kauft und Sachen nicht Sachen nennt, sondern
was keinen Zweck erfülle, solle weg, hieß es da, und die Doofen »Stücke«, für Leute also, die ihre Vasen »Stücke« nennen, sind lus-
unter uns haben diesen Ratschlag befolgt, haben die Schubladen tige Tassen natürlich nichts, die würden es nicht goutieren, wenn
mit den kaputten Kugelschreibern und den Sicherheitsnadeln ge- man sie mit einer Tasse in Form eines Dackels voll mit Yogi-Tee be-
leert, haben Becher und Boxen und Bücher nach ihrer Sinnhaf- grüßt, für so einen Fall übt die lustige Tasse sich in zurückhaltender
tigkeit befragt, und später saßen wir auf Schemeln im Hall der Eleganz, wartet versteckt im Küchenschrank, bis wieder Gäste da
­eigenen Wohnung und hatten das Gefühl, mindestens zur Hälfte sind, die es zu schätzen wissen, gleichzeitig Heißgetränke zu trinken
aus Stäbchenparkett zu bestehen. und Spaß zu haben. Und sollte man früher oder später doch im
Jetzt, wo wir alle coronabedingt viel zu viel Zeit in unseren Woh- Lesesessel sitzen und merken, dass man mit Krempel einfach nicht
nungen verbringen, rächt sich dieser Fehler. Denn in der freiwilligen warm wird, dass man Angst hat, was die Nachbarn und Marie Kondo
Quarantäne stellt man fest, dass die unbequemen Esszimmerstühle von einem denken, weil der eigene Esszimmerschrank aussieht wie
im skandinavischen Design und die spannenden Fotografien von ein Kindergeburtstag, dann gibt man die lustigen Tassen einfach im
Helmut Newton ja gar keinen Sinn ergeben, wenn niemand vorbei- nächstgelegenen Großraumbüro ab. In denen nämlich werden sie
kommt, den man damit beeindrucken kann. Wenn man allein ist, noch genauso wertgeschätzt, wie sie es verdient haben. In Büros­
braucht man keinen Minimalismus, man braucht Lustigkeit. sind es nämlich nie die weißen, eleganten Tassen, die noch mit
Ich zum Beispiel sammle lustige Tassen. Ich habe welche mit Bur- eingetrockneten Kaffeeresten des Vorgängers aus der Spüle heraus-
gern und solche mit Elefanten drauf, eine von einem weltbekannten genommen, abgewaschen und neu befüllt werden. Nein. Es sind die
DJ und eine, auf der steht, ich sei der world’s best boss. Jedes Mal, von der ­Florian-Silbereisen-Tour 2012. Und die mit dem ­britischen
wenn ich aus dieser Tasse trinke, freue ich mich über die Tatsache, Königspaar. Die mit dem »Ohne Dich ist alles doof«-Schaf. In
dass ich mir die selbst gekauft habe und sicher ein fürchterlicher Großraumbüros nämlich muss man niemanden beeindrucken mit
Chef wäre. Ich kann Ihnen nur raten, auch damit anzufangen, Schlichtheit und weißen Wänden und kuratierten Möbeln. Und da
lustige Tassen zu sammeln, es ist ein liebenswürdiges Hobby und lieben plötzlich alle lustige Tassen.
gut für den Cortisol-Spiegel. Zum einen löst sich damit das bereits
umrissene Problem von allein: Minimalismus ist überbewertet und
Minimalismus mit lustigen Tassen schlicht nicht möglich. Selbst In dieser Kolumne schreibt die Autorin Sophie Passmann, 26,
das Bauhaus-Museum in Dessau ließe sich mit dem geschickten regelmäßig über Dinge, die sie entweder mag oder eben nicht
Platzieren einiger Tassen aus der Werner-Comicreihe wohnlicher ge-
stalten; jeder noch so klug designte Freischwinger-Stuhl sieht albern
aus, wenn er neben einem Couchtisch mit Tasse des Fußballvereins Foto Paula Winkler
28

Ein ganz
Wenn man bei 30 Grad Celsius Die Stadt- und die Landbevölkerung
Außen­temperatur den Mundschutz sind nirgendwo weiter voneinander
noch ein bisschen über entfernt als bei der Frage,

normaler
die Augen zieht, ist es fast wie was in einen Eiskaffee hineingehört.
in einer Strandmuschel.
Jetzt, da wir alle keine weiten
Meine Lieblingslüge ist, dass man Auslandsreisen mehr machen,
auch im Schatten braun wird.

Welchen Persönlichkeitstyp haben


Sommer, zeigt sich, wie gut das
Landes­marketing von Baden-
Württemberg wirklich ist.

nur anders
Leute, die Eis in der Waffel
bestellen, aber mit dem Löffel essen? Vielleicht schmecken Freibad­
pommes nur deshalb so gut,
Tischtennis wurde ursprünglich weil jede andere Mahlzeit außerhalb
erfunden, um monologisierende bedeuten würde, vorher
Männer spielerisch an das noch mal durch dieses lauwarme
Konzept »Frage-Antwort-Frage- flache Wasserbecken mit
Antwort« heranzuführen. den ganzen abgelösten Pflastern
waten zu müssen.
Statt drei Prozent weniger Steuer hätte Von ILONA HARTMANN
ich lieber drei Stunden mehr Zeit Man sollte seine Mitmenschen
am Tag, um noch all die Bücher zu immer so behandeln
lesen, die ich mir als Hintergrund wie das Fensterbrettbasilikum:
für Videokonferenzen gekauft habe. mit hingebungsvoller Panik.

Der Sommer mit Corona ist Für das Urlaubsgefühl in den


wie eine miese Internet­verbindung: eigenen vier Wänden streue ich ein
Es gäbe so viele Möglichkeiten, wenig Vogelsand in die Schuhe,
aber am Ende telefoniert man schütte etwas Chlor ins Badewasser
einfach nur oft. und beschwere mich beim Essen
darüber, dass nur Deutsche da sind.
Die wahre Belastungsprobe für
Beziehungen ist nicht das Als Kind musste im Urlaub der
Zusammenziehen oder Kinder­ riesige Gummidelfin mit,
kriegen, sondern, gemeinsam heute freue ich mich schon,
ein Wurfzelt wieder abzubauen. wenn ich das ­Ladekabel mit dem
nicht ganz so gravierenden
Am besten hat mir an 2020 bisher Kabelbruch eingepackt habe.
gefallen, dass ich noch kein
einziges Mal auf einem sogenannten Alles, was ich über Leistungs­
Networking-Event so tun musste, bereitschaft und Frustrationstoleranz
als interessiere ich mich weiß, habe ich von der
für etwas anderes als mich selbst. Ameise gelernt, die seit zehn Minuten
versucht, einen absurd
Wir lachen über die Leute, die in großen Brocken von meinem
den Nullerjahren die Kombi angebissenen Marmeladenbrötchen
aus Rucola und Ziegenkäse gefeiert abzutransportieren.
haben, während wir zum
vierten Mal in der Woche Wasser- Dafür, dass niemand wegfährt,
melone mit Feta essen. alle kein Geld haben und jetzt sowieso
mit weniger Luxus auskommen
Vor dem leer gekauften Eisregal und wollen, sind die fancy Ferien­
dem weißen Geschmiere der wohnungen in Brandenburg aber
Sonnencreme sind wir alle gleich. ganz schön gut ausgebucht.

Ilona Hartmann, Schriftstellerin und Texterin, wurde 1990 in der Nähe von Stuttgart geboren
und lebt heute in Berlin. Gerade ist ihr Debütroman »Land in Sicht« erschienen
29
Gut zu wissen: Eine halbe Packung Alle schütteln den Kopf über
Raffaello Himbeer deckt Corona-Leugner, sagen dann aber
bereits 50 Prozent des Tagesbedarfs selbst über ihre krebsrote Haut:
an Raffaello Himbeer. »Das ist doch kein Sonnenbrand!«

Dachgeschosswohnungen wurden Die meisten Eisdielen sind gar


entwickelt, damit der Mensch nicht so gut, die langen
nachempfinden kann, wie sich Schlangen entstehen nur aufgrund
ein Hund fühlt, der im Sommer im der Abstandsregeln.
Auto gelassen wird.
Camping ist ein so wunderbar
Es gab mal eine Zeit, da minimalistischer Urlaub: Man muss
war das größte Problem, dass man sich nur seinen kompletten Haus-
unfreiwillig ein U2-Album stand ein zweites Mal aus Plastik und
aufs Handy bekam und es nicht Alu kaufen und drei Kubikmeter
sofort löschen konnte. Vorräte einpacken, und schon hat
man alles beisammen für zwei
Aperol Spritz wurde für Leute entspannte Stunden in der Natur.
erfunden, die es als
vorteilhaft empfinden, wenn Desserts Für spontane Grilleinladungen sollte
»nicht so süß« sind. jeder dieses klassische Salat­rezept
kennen: 1. Alles, was während des
Ich hätte auch gern so einen anstehenden Urlaubs ohnehin
aufblasbaren Pool, schlecht würde, klein schneiden und
aber andererseits muss man dann in eine Schüssel werfen.
sicherstellen, dass niemand 2. Hoffen, dass niemand merkt,
davon erfährt, weil man sonst so dass man sich viel mehr auf das
tun muss, als säße man gern Essen der anderen freut.
zu siebt in lauwarmem Wasser, Mit etwas frischer Minze servieren.
in dem es ab und zu blubbert.
Wenigstens der Möchte beantragen, dass Tiefdruck-

Sommer 2020
Im Sommer wollen sie alle immer gebiete nur noch
ein »Weinchen« oder »Sektchen« nach Verschwörungs­theoretikern
trinken, ganz so, als wären die Gläser
und die Probleme nur wurde nicht benannt werden.

halb so groß wie im Winter.


abgesagt. Und auch Das Schlimmste an der Ostsee sind
die vielen Quallen und dass
Man entdeckt das Konzept
Stadtflucht noch mal ganz neu, im heimischen die Leute da keinen starken Dialekt
sprechen, in dem man sich,
wenn man feststellt, dass die
ganzen unangenehmen Leute um
Treppenhaus kann wieder zu Hause, noch eine Weile
wehmütig unterhalten kann.
einen herum gar keine Touristen,
sondern die Nachbarn sind.
es nach Italien Klar kann ich deine Blumen gießen,

Möchte fürs Urlaubsgefühl eine


duften. Wie fühlt während du im Urlaub bist –
willst du das Geld für neue in bar,
Duftkerze, die riecht wie das
Treppenhaus, wenn die Nachbarn
sich die warme oder soll ich sie gleich ersetzen?

Pasta aglio e olio kochen. Saison in diesem Vor dem Frühstück im Freien
frühstücke ich immer schon mal
Leute, die fürchten, dass manche
ihrer Freunde nur wegen ihrer
Jahr an? Eine drinnen, um genug Energie
für die Wespenabwehr zu haben.
großzügigen Dachterrasse mit ihnen Zusammenfassung
befreundet sind, liegen Es liegt nicht an dir, es liegt an
mit dieser Angst absolut richtig. in 36 Sätzen deinen Barfußschuhen.

Illustrationen ISABEL BLUMENTHAL


Kamera aus!

Immer öfter wird unsere Autorin ermahnt, keine Fotos von ihren Kindern
aufzunehmen. Bei den Einschulungsfeiern werden viele Eltern wieder
diese Erfahrung machen und sich fragen: Was soll das eigentlich?
Von ANNABEL WAHBA

In unserem Wohnzimmer gibt es ein Fach im Side­board, Wenn ich dieses Foto der zwei skeptisch dreinblickenden
in dem unsere Fotos lagern. Darin sind alte aus meiner Mädchen jetzt auf meinem Handy anschaue, symbolisiert
Kindheit, eingeklebt in ein Album mit grobem blauem es für mich so etwas wie das Ende der Unschuld. Es er-
Stoff­einband. Ebenfalls noch eingeklebt in Alben: die ers- innert mich an das erste Mal, dass mir jemand verbot, mein
ten Fotos meiner Tochter und meines Sohnes. Und dann eigenes Kind zu fotografieren.
gibt es dort außerdem einen großen Karton mit losen, un- Ein Ereignis, das mich dazu brachte, noch einmal ganz
sortierten Abzügen. Auf meine beiden Kinder übt dieses neu über die Bedeutung von Bildern im digitalen Zeitalter
Schubfach seit je eine große Anziehungskraft aus. Sie öff- nachzudenken. Zunächst einmal fand ich es damals ziem-
nen es immer wieder und holen der Reihe nach alle Alben lich übertrieben, dass die Trainerin den Kindern einredete,
und Fotos heraus, um sie sich anzusehen. Betrachten mich Fotografieren sei etwas Gefährliches. Mir missfiel, dass eine
als Fünfjährige beim Kindergarten-Fasching, als Indianerin fremde­Person mir sagt, was mein Kind angeblich will oder
verkleidet. Auf dem Schulausflug im Märchenwald, bei nicht will. Dass mein Kind mit ihr zusammen eine Einheit
dem mir eine Freundin viele kleine Zöpfchen mit roten gegen mich bildet. Es kam mir anmaßend vor und manipula-
Schleifen geflochten hat. Sie sehen sich Fotos ihres Vaters tiv. Warum überhaupt muss man Bilder pauschal verteufeln?
an, wie er sie als Neugeborene auf dem Arm hält und völlig Ich erinnerte mich dann auch daran, dass ich vor fünf Jah-
übermüdet in die Kamera schaut. ren mal im ZEITmagazin darüber geschrieben hatte, wie
Sie können stundenlang in dem Fach stöbern, und am immer mehr Verbote das Leben von Kindern einschrän-
Ende sieht es im Wohnzimmer aus wie nach einer Haus- ken. »Das Paradies wird abgeschafft«, lautete die Über-
durchsuchung. Das Fach ist für sie so etwas wie eine Iden- schrift. Der Anlass damals war, dass so viele Eltern und Er-
titätsschublade, ein Familienarchiv. Sie betreiben dort ihre zieher Skrupel entwickelt hatten, Kleinkinder im Sommer
ganz persönliche Stammbaumforschung. Wenn sie sich die nackt spielen und baden zu lassen – was noch zehn Jahre
Fotos ansehen, wissen die Kinder, woher sie kommen, und zuvor unhinterfragte Normalität gewesen war. Mir kam das
erinnern sich an das, was wir zusammen erlebt haben. Das übertrieben vor: dass Zwei- oder Dreijährige am See nicht
Schubfach ist für sie (neben dem Kühlschrank) einer der mehr ohne Badehose planschen sollten.
zentralen Punkte in der Wohnung. Kürzlich suchte sich Für den Text interviewte ich den britischen Soziologen
meine zehnjährige Tochter dort ihre Lieblingsfotos heraus Frank Furedi, der in seinem populären Buch Die Eltern­
und hängte sie in ihrem Zimmer auf, sozusagen als Akt der paranoia schon 2001 über die Tendenz schrieb, jeden Aspekt
Selbstvergewisserung. des Lebens seines Kindes zu überwachen. Großbritannien
Ein Foto hat es noch nicht in dieses Schubfach geschafft, und die USA waren Deutschland da immer schon um eini-
obwohl es recht bedeutsam ist. Ich entdeckte es neulich ges voraus. Ich war sehr überrascht, als er mir damals, 2015,
wieder auf meinem Handy und sah es mir länger an. Es erzählte, dass er sein Kind bei Schulaufführungen und Fuß-
ist einige Monate alt, und man sieht darauf meine Tochter ballspielen meist gar nicht mehr fotografieren dürfe. Er be-
mit einer Freundin vor einem Zirkuszelt: zwei Mädchen sitze kein einziges Bild seines Sohnes bei einem Spiel seines
in pinken Cowboyhüten und orangenen Pailletten-Ober- Fußball­vereins. »Für mich symbolisieren die leeren Seiten im
teilen, die allerdings recht skeptisch in die Kamera blicken. Familien­album, welch absurde Ausmaße die derzeitige Vor-
Das Foto entstand nach der Abschlussvorführung eines stellung von Kinderschutz angenommen hat«, sagte F ­ uredi.
Kinderzirkus, bei der sie aufgetreten waren. Sie hatten in Ich fand diese Vorstellung für Deutschland allerdings abwe-
den Ferien eine Woche lang von morgens bis abends am gig und hielt dieses Fotografierverbot für eine Marotte para-
Trapez geprobt und Clownnummern einstudiert, die sie noider Amerikaner und Briten. In Kontinentaleuropa wür-
uns Eltern im ausverkauften Zelt vorführten. Wo, wenn de man sich in seiner Freiheit nicht so einschränken lassen,­
nicht hier, würden Eltern gern ihr Kind fotografieren? Fast glaubte ich. Eine Fehleinschätzung, wie sich nun zeigt.
alle hatten bereits ihre Handys gezückt, da trat die Trai- Ich stelle mir vor, wie es in unser Schubfach im Wohn-
nerin in die Manege und verkündete, dass Fotografieren zimmer in Zukunft nur noch Porträts und Selfies meiner
und Filmen während der ganzen Show verboten sei und Kinder schaffen werden, als wären sie asoziale Wesen, zur
dass das übrigens auch die Kinder so wollten. Einsamkeit verdammt. Keine Fotos von Schulausflügen,
Nach der Vorstellung standen nun zwei verunsicherte Mäd- keine vom Fasching. Wie im Corona-Dauerzustand.
chen vor dem Zelt, mit aufgemalten Blumen und Glitter im Zwei Wochen nach der Zirkusaufführung meiner Tochter
Gesicht, und wollten doch gern ein Erinnerungsfoto haben – hatte mein siebenjähriger Sohn ein Fest in seiner Schule.
fragten sich aber, ob das denn hier draußen erlaubt sei, weil Alle Kinder waren verkleidet, mein Sohn ging als Jedi-Ritter.­
im Hintergrund ja Leute vorbeigingen. Das Foto würde, wie Eine Lehrerin hatte eine große Trommel mitgebracht, und
mir meine zehnjährige Tochter erklärte, die Persönlichkeits- die Kinder zogen unter Paukenschlägen durch den an-
rechte dieser Menschen verletzen. Fotografieren war in den grenzenden Park. Passanten drehten sich nach ihnen um,
Augen der Mädchen etwas Kompliziertes geworden. Eichhörnchen hetzten die Bäume hoch und versteckten
Ich konnte sie am Ende überzeugen, dass das Foto in Ord- sich vor dieser lärmenden Horde. Wir Eltern liefen neben
nung sei, weil wir es nirgendwo veröffentlichen würden. dem Umzug her – und fotografierten das Spektakel. Nun

Die Einschulung ist für die meisten Kinder ein großer Tag. Soll er nun nicht mehr im Bild festgehalten werden?
32
wiederholte sich das gleiche Schauspiel wie im Zirkus. Eine senen Gruppe stattfindet, auf die nur ein ausgewählter Per-
Erzieherin, die den Zug begleitete, rannte aufgeregt von sonenkreis Zugriff hat. Die Schulen wären auf der sicheren
Elternteil zu Elternteil und rief: »Bitte keine Fotos! Foto- Seite, wenn sie explizit darauf hinweisen würden, dass Fotos
grafieren verboten!« Sie kam kaum hinterher, ihre Stimme nicht in sozialen Medien geteilt werden dürfen.
überschlug sich, es war eine groteske Situation. Wir Eltern Weil sie aber offenbar die Erfahrung gemacht haben, dass
packten irritiert unsere Handys weg, die Kinder wunderten sich nicht alle Eltern daran halten, verbieten es einige Ein-
sich, was da los ist. Es war sicher nicht ihre Absicht – aber richtungen lieber komplett. Oder, wie mir der Kinder­
die Erzieherin verdarb mit ihrer Panik allen den Spaß. zirkus, bei dem meine Tochter den Ferienkurs besuchte, in
Was ist passiert, dass man nun auch in Deutschland sein einer Mail erklärte: »In erster Linie wollen wir mit einem
Kind nicht mehr fotografieren darf, sobald auch nur die Fotoverbot unsere Kinder schützen – wenn wir also das
Möglichkeit besteht, dass andere Personen mit auf dem Fotografieren der Zuschauer*innen erlauben, haben wir
Bild zu sehen sind? Hat das wirklich nur mit der neuen keinen Einfluss darauf, wo die Fotos hingelangen. Deshalb
Datenschutz-Grundverordnung zu tun, die im Mai 2018 weisen wir darauf hin, dass es nicht erlaubt ist.«
in Kraft trat und die fürs Fotografieren neue Regeln auf- Es geht also eigentlich nicht um Datenschutz, sondern um
gestellt hat, weil Fotografieren eben auch eine Verarbeitung etwas anderes: den Schutz der Kinder vor Missbrauch (ein
personenbezogener Daten darstellt? Wort, über das gerade debattiert wird, weil es ja keinen
Aus meiner Studentenzeit, als ich in den Semesterferien mit korrekten »Gebrauch« von Kindern gibt). Selbst mir, die
dem Rucksack durch ferne Länder reiste, kenne ich noch ich keine Fotos meiner Kinder auf Face­book oder In­sta­
die Warnung, die in jedem Reiseführer stand: Fotografieren gram teile, weil ich sie nicht ausstellen will, kam diese Ge-
Sie die Menschen nie, ohne vorher zu fragen. Von einigen fahr immer abstrakt vor: dass ein pädosexueller Täter aus-
Ureinwohnern hieß es sogar, sie glaubten, dass man ihnen gerechnet auf die Bilder meines Kindes stoßen könnte. Mir
die Seele raube, wenn man ein Bild von ihnen macht. fehlte einfach das Vorstellungsvermögen dafür.
Johannes-Wilhelm Rörig, 60, ist der Unabhängige Beauf-
tragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der
Die meisten Bilder sind Bundesregierung. Meine Arglosigkeit kennt er von vielen
Eltern. Einerseits hält er das Fotografierverbot an Schulen
harmlos – solange man sie und in Sportvereinen für ein sehr strenges Mittel, als Miss-
brauchsbeauftragter sieht er andererseits sehr klar die Ge-
nicht ins Netz stellt fahren: »Es ist weniger davon auszugehen, dass Bilder von
Schulaufführungen zu kinderpornografischen Zwecken
umcodiert werden, aber Eltern stellen oft auch Fotos nackt
Vielleicht wundere ich mich deshalb so über Freunde, die badender Kinder ins Netz, auf Face­book oder In­sta­gram.
Fotos ihrer Kinder in sozialen Medien teilen und sie zur Und das ist hochgefährlich.« Die Schule oder der Kinder-
Schau stellen – lustige Bilder von Zweijährigen mit über- zirkus seien da in einer schwierigen Entscheidungssitua­tion,
großen Brillen, Babys, die ihren ersten Brei essen. Mit Schre- sagt Rörig. »Ich finde, grundsätzlich gilt, fotografieren für
cken habe ich auf Face­book einmal gesehen, was passiert, private Zwecke: ja. Aber weiterleiten oder teilen: nein.«
wenn Leute ihre Privatsphäre und die ihres Kindes nicht Es ist für unbedarfte Eltern nicht leicht, zu beurteilen, wo
schützen: Ich stieß aus Versehen auf Bilder einer mir frem- die Grenze verläuft zwischen einem unverfänglichen Foto
den Frau in Israel, die sie während der Geburt ihres Babys und einem, das missbraucht werden könnte. Mädchen, die
zeigten – weil sie die Freundin einer Freundin auf Face­book am Strand im Bikini ein Rad schlagen, Jungs, die in kurzen
ist. Sie hatte einen der privatesten Momente in ihrem Leben Hosen auf Bäume klettern: Solche Bilder muten harmlos an
und dem ihres Kindes für alle sichtbar gemacht. Eine Geburt – sie sind es auch, solange man sie nicht ins Netz stellt. Rörig
im Blitzlichtgewitter. Sie hatte sich nicht nur die ganze Welt nennt das Beispiel von Fotos eines Kindes im Streichelzoo,
in den Kreißsaal geholt, sondern ihr Kind schon im ersten die von Cyberkriminellen mit sexualisierten Kommentaren
Moment auf dieser Erde ausgestellt. Das ist das eine Extrem. auf Pornoseiten veröffentlicht werden. Aus vergangenen
Das andere Extrem wird man bald wieder beobachten kön- Missbrauchsfällen habe man zudem ermittelt, dass die Täter
nen: In den nächsten Wochen wird es in Deutschland wieder riesige Datenmengen sammeln, »das sind Terabyte-Dimen-
Foto Seite 30  Gerhard Kiesling / bpk

Feiern zur Einschulung geben, und viele Eltern werden keine sionen. Man muss davon ausgehen: Wenn wir Bilder unserer
Fotos von der Zeremonie machen können, weil die Schule Kinder über soziale Medien teilen, dann geben wir die Kon-
ihres Kindes es ihnen nicht erlaubt. Aus rechtlicher Perspek- trolle ab.« Die erschütternden Missbrauchsfälle aus der letz-
tive wäre das nicht notwendig: Die Datenschutz-Grundver- ten Zeit – in Münster und Bergisch Gladbach – haben noch
ordnung verbietet es nicht, sein Kind auf einer Schulfeier zu einmal besonders auf das Thema aufmerksam gemacht.
fotografieren – solange das Bild rein privat, also im familiä- Mittlerweile sehe ich im Fotografierverbot auch etwas Gu-
ren Rahmen genutzt wird. Dazu gehört das Familienalbum tes, weil es die Kinder sensibilisiert. Lange konnte ich mei-
und sogar der Familien-Chat – sofern er in einer geschlos- ne Kinder einigermaßen fernhalten von Smart­phone und
www.zeitreisen.zeit.de

ZEIT Golf Cup


Abschlag auf Schloss Lüdersburg

© Stengel/Schloss Lüdersburg | Anbieter: Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG,
Zum ZEIT Golf Cup 2020 treffen sich die ZEIT-Golfer Mitte
September auf Schloss Lüdersburg, einer der schönsten
Golfanlagen Deutschlands mit zwei prachtvollen Plätzen
inmitten herrlicher Natur. Gespielt wird eine Runde auf
jedem Platz, die Runden werden addiert und am Ende die
Sieger prämiert. Zwei leitende ZEIT-Redakteure spielen
mit und berichten abends über die Welt und die ZEIT.
Termin: 13. – 16.9.2020
Preis: ab 840 €

040/32 80-455

Buceriusstraße, Hamburg.
zeitreisen.zeit.de/golf-luedersburg

In Kooperation mit:
34
Computer. Seit Beginn der Corona-Krise gehört beides aller- In Zahlen lässt sich die Gefahr schlecht messen, Ermitt-
dings endgültig zu ihrem Alltag. Plötzlich nutzte sogar mein ler gehen von einem großen Dunkelfeld aus. Angezeigt
siebenjähriger Sohn mein Smart­phone, um mit einer App wird oft nur, was die Eltern zufällig mitbekommen. Die
die Aufgaben für die Schule zu bearbeiten. Die erste Hemm- Kriminal­statistik von 2019 verzeichnete 3264 Fälle von
schwelle war überschritten. Die Herausforderung für das »strafbarem Einwirken auf Kinder mit technologischen
nächste Schuljahr wird sein, ihm den selbstverständlichen Mitteln«. Damit ist die Anbahnung sexueller Gewalt im
Griff nach dem Gerät erst einmal wieder abzugewöhnen. Internet gemeint – Cybergrooming.
Einige Freundinnen meiner Tochter, Zehnjährige wie sie, Natürlich möchte ich trotzdem weiterhin selbst entscheiden,
haben jetzt ihre eigenen Smart­phones. Sie sehen, dass ihre ob ich mein Kind fotografiere oder nicht. Es stört mich auch
Eltern Fotos über soziale Netzwerke teilen, und natürlich nicht, wenn andere Eltern fotografieren und meine Tochter
machen sie das auch. Aber wenn schon Eltern vielfach nicht zufällig auf dem Bild ist. Ich will nicht überall Gefahren wit-
einschätzen können, welche Bilder wirklich harmlos sind, tern – aber so zu tun, als lebten wir noch im Pola­roid-­Zeit­
wie sollen es dann erst die Kinder? Was passieren kann, wenn alter, ist naiv. Familienministerin Franziska Giffey hat des-
Kinder selbst Bilder vom Baden oder Tanzen teilen, zeigt der halb einen Entwurf für ein neues Jugendmedienschutzgesetz
Fernsehjournalist Sebastian Bellwinkel in seiner Dokumen- eingebracht – gegen das zum Beispiel die Games-­Indus­trie
tation Kinderfotos im Netz: Gepostet, geklaut, missbraucht. Widerstand leistet. Dass es keine Proteste gibt, Eltern nicht
Er verfolgt darin unter anderem den Weg der Fotos eines vorm Brandenburger Tor Transparente schwenken mit Auf-
elfjährigen Mädchens aus der Schweiz, das (sogar mit Ein- schriften wie »Keine automatische Standortweiterleitung«
willigung ihrer Eltern) zahlreiche Fotos von sich im Strand- oder »Video-Ident für Internet-Chats«, liegt sicher daran,
urlaub und bei Turnübungen auf In­sta­gram gepostet hat, die dass das Thema kompliziert ist. Von mir selbst weiß ich mitt-
dann von russischen Cyberkriminellen auf einer Web­site für lerweile, dass die Medienkompetenz der Eltern ein entschei-
Pädosexuelle hochgeladen wurden. Die gaben dort abscheu- dender Faktor ist. Es mag mühsam sein: Aber wir müssen
wissen, wie die Apps funktionieren, die sich unsere Kinder
herunterladen, wir müssen ihre Computerspiele ausprobie-
Eigentlich müssten Eltern ren. Und vielleicht auch eine Schulung besuchen, wie sie von
Vereinen wie »Innocence in Danger« angeboten werden.
für den digitalen Kinder- Medienerziehung ist der neue Aufklärungsunterricht. In
der Grundschule meiner Tochter hat ein Lehrer mit den
schutz auf die Straße gehen Kindern darüber geredet, dass alles, was sie über Whats­App
teilen, vom Konzern mitgelesen werden kann und sie die
Rechte an den Bildern, die sie dort posten, abgeben. Meine
liche, sexuelle Kommentare ab. Einer schrieb im Chat: »Wo Tochter fand das sehr beängstigend – und sie weiß damit
genau in der Schweiz wohnt denn die Kleine?« Mitarbeiter womöglich mehr über soziale Medien als viele Eltern.
von Jugendschutz.net, dem gemeinsamen Kompetenzzen- Es hält meine Tochter nicht davon ab, diese App (bislang
trum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern noch auf meinem Handy) zu nutzen, aber zumindest hat
und Jugendlichen im Internet, haben die Fotos auf der ein- sie den Älteren etwas voraus: eine Grundskepsis. Die heu-
schlägigen Web­site rechtzeitig entdeckt. Sie recherchieren im te 16- bis 17-Jährigen hat nämlich niemand gewarnt, als
Netz nach Verstößen gegen den Jugendschutz und melden Whats­App, In­sta­gram oder TikTok vor einigen Jahren so
diese den Behörden – allerdings mit gerade mal vier Mit- populär wurden. Niemand hat ihnen das Geschäftsmodell
arbeitern. Es ist also gar nicht schlecht, wenn die Schule oder der sozialen Medien erklärt, das im Sammeln gigantischer
der Ferienzirkus dazu beitragen, dass Kinder und Jugend- Mengen an Informationen und Daten besteht. Ob es den
liche nicht zu viel von sich preisgeben. heute Zehnjährigen dadurch leichter fallen wird, nicht ab-
Bei Jungen sind es die Chats auf Online-Spielen, über die hängig zu werden von ­Likes auf In­sta­gram, nicht Fremde
pädosexuelle Täter Kontakt aufnehmen können. Weil bei als Freunde zu betrachten, nur weil man Chatpartner ist?
diesen Spielen die Identität der Spieler nicht überprüft wird, An einem sonnigen Wochenende vor ein paar Monaten wa-
sind diese Medien geradezu eine Einladung für Pädosexuelle. ren wir an einem entlegenen Badesee, an dem drei Pferde
Im Straßenverkehr gibt es rote Ampeln und Polizeikontrol- unter Bäumen grasten. Das Bild sah so friedlich aus, ich
len, Autofahrer werden über ihre Nummernschilder identifi- holte mein Smart­phone aus der Tasche. Mein siebenjähriger
ziert – im Netz gibt es bislang nichts dergleichen. Eigentlich Sohn war ganz aufgeregt und sagte, das dürfe ich nicht foto-
müssten wir Eltern längst für den digitalen Kinderschutz auf grafieren, denn da wären ja auch die Reiterinnen drauf. Ich
die Straße gehen und neue Regelungen fordern, dass zum überlegte, sie zu fragen, aber sie waren hundert Meter ent-
Beispiel Chatfunktionen bei Spielen nur mit vertrauenswür- fernt und kehrten uns den Rücken zu. Erst als ich meinem
digen Personen nutzbar sind, dass Informationen über den Sohn auf dem Display zeigte, wie klein die beiden Reiterin-
aktuellen Standort nicht automatisch weitergeleitet werden, nen darauf waren, gab er nach. Ich durfte das Bild machen,
dass Kontaktdaten nicht eingesehen werden können. aber nur unter einer Bedingung: es niemandem zu schicken.

13.8.20  N0 34
KUNSTEDITION
Exklusive Angebote

Große Kunst von


großen Namen

Janosch
Den Kurs bestimmt allein der Wind
530 €* / 50 x 60 cm
Auflage: 199 Exemplare
*Preisangaben inkl. gesetzl. MwSt. und zzgl. Versandkosten und Versicherung. Auslandsversand auf Anfrage.

David Gerstein
Dies ist ein Angebot der Handelsblatt GmbH, Toulouser Allee 27, 40211 Düsseldorf.

Tea for Two


2.099 €* / 66 x 80 x 10 cm
Auflage:
Auflage: 150 Exemplare

Wackerbarth
Der gefallene Engel
840 €* / 80 x 60 cm
Auflage: 30 Exemplare

In regelmäßigen Abständen realisiert das Handelsblatt exklusive Editionen in


Zusammenarbeit mit namhaften Künstlern wie Horst Wackerbarth, David Gerstein,
Man Ray, Jiri Dokoupil und einigen weiteren. Diese Editionen sind immer limitiert,
nummeriert und, wenn möglich, handsigniert.

Bestellen Sie jetzt:


handelsblatt.com/kunst
Ich habe einen Traum 36 NIKEATA THOMPSON
»Mit elf bin ich grundlos von der Polizei festgenommen worden, das hat mich schwer traumatisiert«
Meine nächtlichen Träume sind mir nicht so wichtig. Ich geliebt und wollte es immerzu lesen. Als ich in den Ferien im 18. Jahrhundert Schwarze nach Deutschland gebracht
schlafe ohnehin nur sehr wenig, manchmal nicht mehr als in England war, entdeckte meine leibliche Mutter das Buch wurden, weil sie vor dem Kaiser tanzen sollten? Warum wis-
vier Stunden. Ich bin eher eine Tagträumerin. Ich will etwas und war entsetzt. sen die meisten Deutschen nicht, dass schwarze Menschen
verändern. Mit elf Jahren bin ich in Köln von der Polizei festgenommen hierzulande in Unterhaltungsparks in Käfigen zur Schau ge-
Schon als Kind habe ich gemerkt, dass ich anders behandelt worden, an meinem Geburtstag. Ich war mit meiner leib- stellt wurden? Ich träume davon, dass uns bewusst wird, wie
wurde als meine Freunde. Egal, ob in England, wo ich die lichen Mutter, meiner Oma und meiner Tante und meinen sehr Rassismus in unserem System verankert ist – und dass
ersten sechs Jahre meines Lebens verbracht habe, oder spä- jüngeren Geschwistern auf dem Weg zu meiner Pflegefami- wir offen darüber sprechen können.
ter in Deutschland, wo ich bei einer weißen Pflegefamilie lie. Vorher wollten wir noch ein bisschen shoppen. Als wir
aufgewachsen bin: Besorgte Mütter zogen ihre Kinder von das Kaufhaus verließen, wurden wir nach ein paar Metern
mir weg, schauten mich dann entschuldigend an und sag- von mehreren Polizeibeamten umzingelt. Wir sollten stehen Nikeata Thompson, 39, ist in Birmingham und in
ten: Mein Kind hat gerade zum ersten Mal eine Schwarze bleiben, weil wir geklaut hätten. Es stimmte nicht. Und trotz- Wermelskirchen aufgewachsen. Als Teenager
gesehen. Ich kam mir dann vor, als sei ich gerade aus dem dem wirkte es auf Außenstehende so, als hätten wir etwas war sie erfolgreiche Hürdenläuferin. Später machte
Zoo entlaufen. verbrochen. Die Blicke der Passanten, als wir abgeführt und
Es sind solche Erlebnisse, die dazu beitragen, dass man sich auf die Wache gebracht wurden, waren schlimm. Sie sagten:
sie Karriere als Tänzerin und arbeitete mit
selbst nicht mag. Man geht ja nicht aus dem Haus und denkt Was haben die denn gemacht, diese Schwarzen? Popstars wie Seeed, Lena Meyer-Landrut und Jan
sich: Mensch, bin ich braun, wie schlimm! Man geht aus dem Nach diesem Erlebnis war ich schwer traumatisiert. Ich ver- Delay zusammen. Heute ist sie vor allem als
Haus und wird beleidigt. Und dann kommen die Zweifel. schränkte automatisch die Hände hinter dem Rücken, wenn Choreografin und Coach im Fernsehen tätig und
Du machst den Fernseher an und siehst niemanden, der aus- ich ein Geschäft betrat. Außerdem hatte ich große Angst vor
sieht wie du. Du gehst in einen Spielzeugladen und findest der Polizei. Sobald ich einen Beamten von Weitem sah, habe betreibt eine Agentur zur Vermittlung von Tänzern
keine Puppe, die aussieht wie du. ich mich versteckt. Die Leute müssen mich für verrückt ge-
Ich bin mit Kinderbüchern aufgewachsen, in denen die Mä- halten haben. Foto Joseph Kadow
dels immer weiß und blond waren – bis zu dem Tag, an dem Heute träume ich von der ungeschminkten Wahrheit. Ich
Aufgezeichnet von Nana Heymann
mir meine Pflegemutter ein Buch mit dem Titel Zehn kleine träume davon, dass unsere Geschichte vernünftig geschrieben
Negerlein geschenkt hat. Sie hat das nicht böse gemeint, sie wird – was wir in der Schule lernen, ist aus einer weißen Per-
hat sich einfach nichts dabei gedacht. Ich habe dieses Buch spektive geschrieben. Warum lernen wir nicht, dass bereits Zu hören unter www.zeit.de/audio
Ich weiß: Unterhemd von Olymp
Stil 39 Unter Strom

Auf der Haut Mirko Borsche testet einen Rasierer,


der wie ein Rennwagen aussieht

In den aktuellen Kollektionen taucht das weiße Herren-Unterhemd Als Kind habe ich meinen Vater gern beim Rasieren beobachtet. Er
immer wieder als Inspiration auf. Etwa als Feinripp-Top bei ­Marni, rasierte sich nass. Oft, nachdem er aus dem Bad verschwand, trug
als Oberteil aus Mesh-Gewebe bei Christopher K ­ ane oder in ich mir Schaum auf und simulierte mit dem breiten Ende einer
­einer bauchfreien Version bei ­Yeezy. Dabei konnte man sich bis Zahnpastatube die Rasur. Heute rasiere ich mich nass, aber mit ech-
vor ­Kurzem wohl kaum etwas Unmodischeres vorstellen als ein ten Klingen: ein schönes morgendliches Ritual, nach dem ich mich
­Unterhemd – womöglich noch mit einer fleckigen Jogginghose immer ein bisschen frischer als vorher fühle.
und einer Bierdose kombiniert. Das Unterhemd wirkte wie die Dabei habe ich schon einige elektrische Rasierer für diese Kolumne
Bankrotterklärung jeglichen modischen Bewusstseins. Es galt als ausprobiert. Keiner hat mich so richtig überzeugt. Doch auch der
proletarisches Kleidungsstück ohne Gefühl für Äußerlichkeiten, Braun-Rasierer »Series 7« bekommt eine ­Chance – zu Recht, er hat
mit verharmlosender Anspielung auf männliche Gewalt in der Ehe einiges zu bieten. Er gelangt auch an die schwer erreichbaren Stellen
obendrein noch »Wife­beater« genannt. der Wangen. Außerdem gefallen mir die Aufsätze, vor allem der Bart-
Doch damit tat man dem Unterhemd historisch unrecht. Etliches trimmer. Denn damit kann ich gut mein Kopfhaar stutzen. Ich habe
wäre in der Mode nicht möglich gewesen, hätte es keine Unterbeklei- nicht besonders üppiges Haar, es ist nur zwei bis drei Millimeter lang.
dung gegeben. Das wohl populärste Kleidungsstück der Nachkriegs- Aber dieser Barttrimmer hält mein Haar so gleichmäßig lang, wie
zeit beispielsweise ist ein Abkömmling des Unterhemdes: Das T-Shirt kein anderer Langhaarschneider das vorher geschafft hat.
wurde als Armee-Unterhemd der amerikanischen GIs geboren. In der Aufladestation kann das Gerät sich selbst reinigen. Man befüllt
Im 18. Jahrhundert trug man lange Hemden aus kratzigem Leinen, dafür einen Tank mit Seifenlauge. Was man allerdings niemals ma-
später auch aus Baumwolle, unter der Oberbekleidung. Bei den chen sollte: sich abends vor dem Schlafengehen noch kurz zu rasieren
Frauen reichten sie bis zu den Füßen, bei den Männern bis kurz und dann den Selbstreinigungsprozess in Gang zu setzen. In allen
übers Gesäß. Brumm- und Summlautstärken wird der Rasierer dann gesäubert. Es
Die heute gängige Unterwäsche geht auf das Militär zurück: 1876 dringt bis in mein Schlafzimmer. Den Zweck der Übung finde ich
stattete die preußische Armee ihre Soldaten mit Baumwoll-Unter- natürlich toll, allerdings graust mir davor, den Tank irgendwann raus-
wäsche aus. Sie wurde Trikotage genannt, woran noch heute das Wort zuholen und dann darin meine alten Barthaare zu sehen. Der Rasierer
Trikot erinnert. Leibwäsche galt nun als schick. Wer sie trug, wurde ist zudem auch kein schöner Anblick. Er sieht wie ein Rennwagen
als kultiviert und gepflegt angesehen. Damals entstand ein ganzer aus. Ich will mich aber nur rasieren, nicht die Formel 1 gewinnen.
Wirtschaftszweig von »Weißzeugfertigung«, »Weißzeughandel« und Vielleicht werde ich ja schwach für die elektrische Rasur, wenn es
Foto  Braun

»Weißzeugwaschanstalten«. Bald gab es auch erste Unterwäsche- jemandem gelingt, einen schön schlichten elektrischen Rasierer zu
Trends in der Mode. Aufwendig gestaltete Damen-Unterwäsche hieß designen, der so viel kann wie dieses Gerät von Braun.
jetzt Lingerie. Sie entwickelte sich zum Sinnbild für Erotik.
Durch Marlon Brando in Endstation Sehnsucht und später ­Bruce
Willis in Stirb Langsam wurde das eng anliegende Feinripp-Hemd
zur Ikone. Dass es nun aktuell wieder so beliebt ist, könnte folgenden
Grund haben: Man wirkt darin wie jemand, dem es wirklich egal ist,
was andere von ihm denken. So wie der Mafiaboss Tony Soprano,
gespielt von ­James Joseph Gandolfini Jr., der jeden Morgen nur mit Technische Daten
Morgenmantel und Unterhemd bekleidet die Toreinfahrt hinunter-
Akkulaufzeit: 50 Min
schlurft, um die dort hinterlegte Tageszeitung aufzuklauben. Wer im
Unterhemd so souverän auftreten kann, hat eigentlich schon gewon- Gewicht: 930 g
nen. Egal, ob er eine eigene Toreinfahrt hat oder nicht. Preis: ca. 190 €

Von Tillmann Prüfer Mirko Borsche, Creative Director des ZEITmagazins,


Foto Peter Langer schreibt jede Woche die Kolumne »Unter Strom«
KENNENLERNEN
Private Anzeigentextannahme unter:
kontaktanzeigen@zeit.de oder
Tel. 040 / 32 80 57 58 (Mo - Fr)

SIE SUCHT IHN


Ärztin Mitte 50 sucht Partner Gemeinsam die Poesie des Alltags und die Schönheit des Augenblicks Ab Ende 50 wieder Träume...
leben - Sie sind ein hochgewachsener Mann. Ihr Beruf als Künstler, Hochschullehrer oder Suche den Hanseaten mit Reetdachhaus an der See oder den coolen Typen mit Blockhaus am See oder
Unternehmer erfüllt Sie. Sie lieben Bücher, die schönen Künste, insbesondere klassische Musik und Prinz Charming mit Zelt am Tümpel. Auf jeden Fall gewünscht: unkonventionell denkender junger
Gärten. Auf gesellschaftlichem Parkett zuhause, erfreuen Sie sich genauso an spannenden Reisen und Mann (Anf. 50 -Mitte 60), trotzdem bürgerlich geerdet, ironiebegabt, mit musischen Interessen, der
Unternehmungen in der Natur. In Ihrem Leben haben auch Ihre sinnlichen Vorstellungen Raum. auch mal Bratkartoffeln zum Crémant isst, dabei noch ansehnlich ist und charmant. Sollte zudem
Selber in dieser Art und Weise lebend, würde ich mich über Ihre langfristige Resonanz sehr freuen und meine Kochkünste und philosophischen Platitüden ertragen. Bin Ende 50, verw., fin. unabh., 172 groß,
zu gerne wieder ein gemeinsames Leben liebevoll und mit viel Zauber gestalten. Von Beruf bin ich blond, schlank, gutaussehend, usw..., vielseitig interessiert und lasse mir das Leben trotz aller
Ärztin, äusserlich hochgewachsen, schön anzusehen, Mitte 50. ZA 130565 DIE ZEIT, 20079 Hamburg Widrigkeiten nicht vermiesen. Mail bitte an: marmottan.tj@gmx.de

Sechs Jahre lang habe ich das Alleinsein nach meiner Trennung genossen. Jetzt wünsche ich (62), „Klein wild Vögelein“ sucht Phönix, der ihre Seele wärmt. Med.frau, Anf.60, rank & schl., belesen, mit
sportliche, optimistische, manchmal chaotische, politisch und beruflich engagierte, empathische, ökol.- & ökumenischem Denken, Gottvertrauen & Bodenhaftung: s. sanfte Nähe zu passendem Baß,
temperamentvolle, natürliche, noch einige Jahre berufstätige Frau, Mutter, Oma, Schwester, Freundin, der mit mir beim (Kanu)wandern (Skand.?!) schweigt, erzählt und zuhört, Kanons singt.. und bei
mir einen Mann , mit dem ich vieles gemeinsam unternehmen (wandern, Rad fahren, reisen, lachen, schönen Filmen weint. 28eliand@gmail.com
bei einem Glas Wein ernst und fröhlich diskutieren, Musik hören und machen, Nähe spüren) kann.
Charakterstarke Persönlichkeit, GLÜCK ZU ZWEIT
ZA 130628 DIE ZEIT, 20079 Hamburg
der auch die Freiheit mag. Begegnungen auf Sie, 64 J.,1,64 m, schlank, sportlich, vielseitig
Augenhöhe, Romantik und noch vieles mehr. interessiert sucht niveauvollen Herrn für eine
Kugelmenschen... Akademikern, 35, in Süden der Republik ansässig,
Wenn Du das alles bist, würde ich mich über eine glückliche gemeinsame Zukunft (NRW).
Du: ein kluger Kopf (NR, NT, Veget.) von innerer sucht einen Mann mit dem man lachen kann, der
Nachricht mit Foto freuen. treverorum@gmx.de
und äußerer Größe (1,90 <) mit starken Schultern am Kultur interessiert ist, nicht unsportlich ist
Ich, 53/168 schlank, gutaussehend mit verstand.
zum Anlehnen, Humor, Empathie und einer und wurde gerne mit mir gemeinsam das Leben
ZA 130710 DIE ZEIT, 20079 Hamburg
treuen Seele. genießen. ZA 130718 DIE ZEIT, 20079 Hamburg Attraktive Frau Mitte 40 schlank, sportlich und
Ich: all das, verteilt auf 1,78 mit Sinn für leise Optimist gesucht, interessiert an Kunst und Natur sucht im
Töne, Tiere, gute Umgangsformen & analoge Inselmomente in Berlin der aktiv, kreativ, nachdenklich auf dem Großraum Köln-Düsseldorf-Bonn einen
Begegnungen am Bodensee. Ich suche dich für Spaziergänge an der Spree, am (Berliner) Boden steht. Aber auch zuweilen mit zuverlässigen Lebenspartner mit ähnlichen
Wir: ?... See und für gemeinsame Auszeiten vom Alltag. einem etwas flügellahmen Schmetterling Stadt Interessen. E-Mail: taliahona@yahoo.com
Chakora@gmx.de Ich bin gebunden und freu mich auf deine und Land erkundet. Schlanke 71jährige sucht
Wünsche...probiersaus1978@gmail.com männlichen Zwilling, für den jedwede Nähe und Lieben Lachen Leben
respektvolle Distanz zu Menschen und Dingen Attr. schlank, optim., frech, fröhlich, sportl. sucht
Weltenbummlerin a.D. und begeisterte Anders Mitte 60, 1,74, schlk., attr., dipl. Hintergr.
zum alltäglichen Leben gehören. Foto wäre schlanken attr. sportl. Mann zw. 46 und 53
Astrologin (Junge 64) aus dem schönen Wien, polyglott sucht Pendant, der meine Gebunden-
schön. Alias: dokmyers@gmail.com Jahre, ab 1,80 gr. mit Witz u.Verstand bitte mit
glaubt noch immer an die große Liebe. Ich bin ein heit akzeptiert und mit mir wertvolle Zeit
kulturinteressierter, naturliebhabender, sport- verbringen möchte und vielleicht in derselben Bild sonne.im.Herz@t-online.de
Nürnberg und Umgebung
licher Familienmensch mit großem Freundes- Lage ist. Bildzuschriften an platin14@gmx.de Wünsche mir eine lebendige Partnerschaft mit
kreis. Wenn du ca. in meinem Alter bist und einem empathischen und aufgeschlossenen Zwei Menschen. Zwei Gedanken.
genauso wie ich das Leben mit einem Partner- Finden möchte ich dich Mann, mit dem ich Neigungen und Interessen Der Anfang eines interessanten Gespräches.
noch mehr- genießen willst, würde ich mich sehr (50-65 J. ab 180 cm) zum Lieben, Lachen, Leben teilen und gemeinsam Neues entdecken kann. Tauchst du mit mir in Literatur, Politik, Malerei
freuen dich kennenzulernen. in Rhein-Main. Ich, schlank, attr., stud. freue mich Ich bin eine vielfältig interessierte und aktive und Musik? Genießt draussen: Radfahren in der
glaubeliebehoffnung@gmx.at auf deine Nachricht an: gs710@gmx.net. Frau (u.a. Musik, Wandern, Literatur....), 67 J., 1,64 Natur. Müritz. Amrum. Tel Aviv. Drinnen: Kaffee
m, schlank und bewegungsfreudig. ZA 130680 im Bett, Kochen, Freunde einladen, Kaminfeuer
Welcher 50er oder 60er, sportlich und klug,
BONN-GENF Sie (53) sucht ihn in Bonn 50 bis 65 DIE ZEIT, 20079 Hamburg und Nahsein. Frau 54 J. Kopf und weibl. Körper in
möchte mit mir (60, 1,72, schlank, fit, weltoffen
Form, kreativ und kommunikativ, denkt und
Jahre jung. Ich arbeite in Genf, suche aber und gut gelaunt) Natur, Kunst und Reisen Hübsche Privatiere, 66/167 lacht gerne. Du: +/- 6J., hast ähnliche Vorlieben,
Anschluss oder neue Liebe im Rheinland bzw. genießen? Wohne im Raum MA. BmB. ZA 130699 Vermögend, mit großem Anwesen, gerne ver-
Bonn. Wandern, Kunst, Literatur, Ballett und schätzt Nähe, Anregung sowie Verbindlichkeit.
DIE ZEIT, 20079 Hamburg wöhnend, anschmiegsam m. Herzenswärme,
guter Wein. Bin bereit im Rheinland wieder Fuss Raum HH + 100km. Bitte mit Bild an
Sehnsucht nach Liebe, sucht sportl. klugen
zu fassen. Gerne auch erstmal Fernbeziehung. B
ezau
bern
deÄ
rztin
nenvo
n36-62 Mann mit Lebensstil. Aus dem „Du“ & „Ich“ geistreich66@web.de
Anjaobstbaum1967@hotmail.com Liebensw ertundunabhängig,suchendurchunseinen sollte das „Wir“ zusammenwachsen. Infos:
adäquatenP artnerfüreinebereicherndeLiebe.Gerne
m
achenw irS iem iteinanderbekannt. m Esprit-Partnervermittlung.de
SIE SUCHT SIE
ar
ia -kle
in.de
Abenteuerlustig, Chem.-Ing. 52 M
ariaK
lein0
041
716
712
807 Ballindamm 3, 20095 Hamburg
171, selbstst., hübsch, reizvoll, mit Esprit, 040 22 85 944 80 auch Sa & So
Charme, Empathie, stilsicher, fröhlich, Brandenburgerin, 58, 1,80, schlank sucht Ihn als Die 1. Adresse für Hamburg
g & den Norden Gehört Lesen für dich auch zum Leben? Und
kein 08/15 Typ, liebt ihr vielseitiges Leben, wundervolle Ergänzung in einem (fast) perfekten tauchst du gern in Geschichten ein, bist
Sinnlichkeit, Zärtlichkeit, sucht tatkräftigen, Leben! SMS/WhatsApp 0176 52278988 Got swag?! kommunikativ, hörst Lesungen, besuchst
humorvollen Macher. Infos: Dörte Vardil attraktive Managerin, 33/blond/NR/veggie mit Theater, Konzerte, Ausstellungen, Kino u.v.m.?
Esprit-Partnervermittlung.de DasLeb enw ied ergen ießen…Elegan teSie Amy Shumer Humor, sucht dich: 30-40J, smarter, Dann würde ich mich über eine Antwort freuen.
55/168,stilsich er,fem in in
,verh .,eig.Praxis,
Ballindamm 3, 20095 Hamburg such tn
iveau vo llen,erfolgreiche
nIh n ,um dem
lonelyplanet traveller mit Familienwunsch, Bin eine humorvolle Zugereiste (59 J.), lebe in
040 22 85 944 80 auch Sa & So Alltagzuen tfliehen .A GEN TURB R ÜCKN ER zärtlich & ohne Angst vor kluger Frau. Raum Bonn, fahre gern Rad, jogge, meditiere und
Die 1. Adresse für Hamburg
g & den Norden Tel.095656177444–b u ndesweit–seit1997 FFM, BmB an LiebeAufAugenhoehe@posteo.de tanze. ZA 130711 DIE ZEIT, 20079 Hamburg

ER SUCHT SIE
Sich für Empfindung wagen - und gewinnen: ein harmonisches, lebendiges Miteinander, liebevoll- Mein Herz läuft über vor Liebe !
intensive Zärtlichkeit in raumlassender, vertrauensvoller Geborgenheit und tiefes Verstehen. Sie: eine .. und meine Emotionen wissen nicht mehr wohin ! Ich habe soviel zu geben, aber ich möchte es auch
tieffühlende, schöne und kluge Frau bis Mitte 50 & ich: starker und rascher Verstand, Gefühlstiefe, teilen kònnen ! Ich definiere mich über Nähe, Dialog, Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und
sportlich-schlank, fein-markante Züge, charakterstark, ernst und humorvoll, genießerisch, unabhängig Wertschätzung. Folglich antwortest Du NUR auf diese Anzeige, wenn es Dir von Herzen ernst ist. Bitte
in jeder Hinsicht, alterslos, Schwächen wollen entdeckt oder verraten werden. Ich freue mich auf Ihren keine Zeitverschwendung á la TOLLES INSERAT, keine Spielereien und keine Personen, welche mich
ersten Schritt (mit oder ohne Bild) in Richtung auf eine tiefe Verbindung. ZA 130713 DIE ZEIT, 20079 missbrauchen wollen um aus ihren kaputten Ehen und Beziehungen herauszukommen. Das hatte ich
Hamburg schon und das schmerzt ! Im Gegenzug bekommst Du einen sportlichen gepflegten Mann (55, 175,
75,), ohne Altlasten, ohne Haare, tageslichttauglich und bereit Dich auf Händen zu tragen. Whats
Lust. Auf. Leben. äppeln per Bild wird beantwortet: 0157/32133217.
Er (verh., 52, 189, grüne Augen) sucht gleichgesinnte sinnliche Sie - amleben@gmx.net
Vielleicht so?
Mobiler Alt- 68'er, 76/1.76 mit Drang gen Süden Tolle Frau, tolle Kinder, fast 40, angekommen -
Kultiviert, polyvalent, Dipl.BWL 39
...wer jetzt allein ist wird es lange bleiben, wird Herzlich, kreativ, kommunikativ, für jeden
und passablen frz. Kenntnissen sucht weibliches eigentlich alles gut. Trotzdem Sehnsucht: nach wachen, lesen, lange Briefe schreiben. Der Herbst Spaß zu haben, segelt, paddelt, tanzt, spielt
Pendant mit Italo - Präferenz. Zuschriften unter Dir, nach (mehr) Wir. Was würdest Du machen? kommt. Hast Du Lust auf meine Briefe, auch Theater, mag klass. Literatur, kocht, backt,
ZA 130706 DIE ZEIT, 20079 Hamburg ineedmygirl@posteo.de Nähe, gute Gespräche, draußen sein? Bin Mitte möchte Familienleben. Infos: Dörte Vardil
Liebenwerter Geisteswissenschaftler (38) sucht
50, NR, manchmal kreativ, immer interessiert, Esprit-Partnervermittlung.de
weibliches Gegenüber zwecks korrelativen
Raum überall: spont., schl., aufgeschlossene, neugierig, sportlich und frohgelaunt. Suche Dich. Ballindamm 3, 20095 Hamburg
Gedankenaustauschs. Mail an:
offene Partnerin mit Niveau ±40 gesucht, von M. Gerne zwischen Schwarzwald und Alb. 040 22 85 944 80 auch Sa & So
±50. 015224643604 der-herbst-kommt@gmx.de Die 1. Adresse für Hamburg
g & den Norden
paultillich86@gmail.com
Frag doch den Therapeuten: 41 Wolfgang Schmidbauer
Warum stockt die Familienplanung? antwortet:

Marc und Sofie haben sich während des Stu­ Sofie kann sich gegen die Kritik von Marc nicht
diums kennengelernt und schnell entschieden, zu angemessen wehren. Er ahnt wohl nicht, wie es
heiraten und eine Familie zu gründen. Sofie ist als sie verletzt, wenn er sie zur Rede stellt, weil sie
Einzelkind aufgewachsen und möchte mindes­ Haus- und Kinderarbeit in ihrem, nicht in sei­
tens zwei Kinder. Bisher hat es mit dem gemein­ nem Tempo macht. Deswegen hat Sofies Selbst­
samen Lebensplan gut geklappt: Beide Eltern gefühl gelitten, sie traut sich das zweite Kind
arbeiten in Teilzeit und kümmern sich um den nicht mehr zu. Sie fürchtet, dass Marc dann
kleinen Noah. Aber sie streiten jetzt oft. Marc fin­ noch öfter an ihr herummäkelt. Die an sich
det Sofie wenig effizient. Wenn sie Haushalt und gerechte Familienkonstellation von zwei Haus-
Kind genauso gut im Griff hätte wie er, könnten und Berufsmenschen als Eltern überwindet
sie viel mehr unternehmen! Jetzt will Marc das die Nachteile der traditionellen Arbeitsteilung.
zweite Kind angehen. Er tadelt Sofie, dass sie so Emanzipation erzeugt aber keine Harmonie, nur
wenig dafür tut: »Früher hatten wir viel öfter Sex, bessere Chancen, Konflikte auf Augenhöhe zu
jetzt bist du immer zu müde. Was ist nur los mit verarbeiten. Sofie und Marc werden ihren Plan
dir? Wie sollst du so schwanger werden?« Sofie nur realisieren können, wenn Marc aufhört, So­
treten Tränen in die Augen: »Ich habe mir immer fie schlechte Noten in ihrer Haushaltskompetenz
eine große Familie gewünscht. Aber inzwischen zu geben, und sich ehrlich bemüht, ihr rampo­
glaube ich, dass uns schon ein Kind überfordert!« niertes Selbstgefühl wieder aufzubauen.

Die großen Fragen der Liebe (N0 623): Wolfgang Schmidbauer ist einer der
bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Zuletzt erschien sein Buch »Die Kunst der Reparatur« (oekom verlag)

Illustration Yeye Weller

ER SUCHT SIE GEMEINSAME FREIZEIT


Uns zu lassen, wie wir sind und zu genießen, wie es ist. Wünsche mir Gefährte
Fitter Förster - Ü75, 190cm, verwitwet, Nichtraucher, bodenständig - mag nicht nur Bäume sondern für gemeinsame Unternehmungen. Sei es eine wunderschöne Fahrrad- oder Segeltour, eine Wan-
auch Kultur, trägt Gummistiefel genauso lässig wie Tanzschuhe und passt sogar noch in seinen derung oder ein Stadtspaziergang. Bin 63, fit und apart, gerne draußen, im Leben, in Natur und Kultur.
Konfirmationsanzug, der inzwischen schon wieder modern ist. Wichtig sind mir Lebensfreude, Toleranz und Weite. Von S bis zum Bodensee. naturelle3@web.de
Spaziergänge in der Natur machen Dir ebenso viel Freude wie ein Besuch in der Elbphilharmonie oder
ein Glas Wein auf der Terrasse? Dann freue ich mich auf Deine Post - bitte mit Bild und Coronaspaziergänge Wer (m,70-80) hat Lust, mit
Telefonnummer. Ich fahre Rad, Auto sowie Zug und wohne zwischen Hamburg und Hannover. mir (71,w), spaziergangtauglich, am Neckar oder
ZA 130695 DIE ZEIT, 20079 Hamburg anderswo in der Region längere Spaziergänge zu
machen? Bei Sympathie Kaffee u. Kuchen/Vesper
möglich. Günstig wäre jemand aus
Wollen wir uns unser „Zeit-Abo“ teilen?
Stuttgart/dem Kreis Ludwigsburg oder aus
junggebl., moderner „Normalmann“ sucht weibl. Ergänzung für gemeins. Zukunft zu zweit.
Nachbarkreisen. Salamancah312@gmail.com
Bin 64-180-82, kNR, kHTe, zZt Bln aber nicht mehr ortsgebunden. Du magst auch Kunst-Kultur-Natur?
Du hast Interesse zB an Radfahren-Fotografie-Reisen-Zeitgeschehen? Du bist auch fantasievoll, lustig,
offen, unkompliziert, spontan, vielseitig, aktiv, neugierig, natürlich, schlank, nicht unsportl., immer INSTITUTE
noch kuss- und kuschelsüchtig. Dann schreib mir (bmB): normalmann@outlook.de

Workaholic(m) sucht Workaholic(f) zum Gedankenaustausch am Meer, weiterhin... BITTE auch


WEITERSAGEN! Und ja, Workaholic(f), dich gibt es. Wir müssen uns nur finden und nicht räumlich
getrennt bleiben zu müssen... ich kann aus Nordost leider nicht weg. wirworkaholics@gmx.de.

Erfolgr. Untern. Berater, 50/178


Musisch, sportlich, repräsentativ, gebildet, W i l d s c h w i m m e r s u c h t K o m p l i z i n, f ü r
fröhlich, mit Charisma & Toleranz, sucht Nichtschwimmer auch Spaziergang bei
verlässliche Komplizin. Infos: Dörte Vardil
Esprit-Partnervermittlung.de
Vollmond oder Alpenwanderung, und für ein Fehlt Ihnen jemand?
paar Stunden gute Gespräche, Nähe, in
Ballindamm 3, 20095 Hamburg gemeinsamen Auszeiten… am liebsten zum
040 22 85 944 80 auch Sa & So Entdecken einer Seelenverwandtschaft. Mann Jetzt Kontaktanzeige aufgeben
Die 1. Adresse für Hamburg
g & den Norden 180, 69, schlank, gebunden, mit Freude an unter zeit.de/inserieren
Bewegung und Begegnung, Musik, am liebsten
Jung gebliebener Unternehmer, 63/179, schl. 040/32 80-5758 (Mo - Fr)
klassisch, gerne im Raum HB, BmB.
Figur, ein erfolgreicher Mann, der menschliche
frohunderst@web.de
(z.Zt. eingeschränkt erreichbar)
Werte schätzt. Für ihn sind Verlässlichkeit und
Vertrauen nicht nur Worte. Viels. sportl. u. kult. kontaktanzeigen@zeit.de

A
Interessen sind vorhanden. Er wünscht sich
nochmals eine harmonische Partnerschaft, mit G
ay-
S e
rio
us.c
o m
einer natürl. gebildeten Frau mit Bodenhaftung. Persö n
lichg e
führteP artne
ragentu rau
sderSch
w eiz.
Bevorzugt Großraum Stuttgart + Baden-Württ. Bera tungau chinIhre rNähe.0 15758855887
T. 0711 610046 PV www.harmonie-50plus.de Fü
rw eitereInformation
enfre uenw irunsau
fIh
renA nruf.
Spiele SCHACH 42 LEBENSGESCHICHTE

Sein Weg würde nie leicht sein, das war ihm klar, seit er als Jugend-
8 licher mit dem Training begonnen hatte. Doch als er eines Tages
endlich als Sieger auf dem Podest stand, hatte er eine Tour de ­Force
7 hinter sich, die im Rückblick fast unwirklich erscheint, so viel kam
da zusammen. Er war 18, als man ihm eine chronische Krankheit
6
attestierte und damit das vermeintliche Ende aller Medaillenträu-
me. Im Spital habe er ein Zimmer zum Park neben der Pathologie
5
gehabt, erzählte er später in einem Interview: »Bei mir am Fenster
wurden immer die Blechsärge vorbeigefahren [...]. Ich dachte: Bald
4
liege ich auch da drin.« Dann aber habe er sich fürs Weitermachen
3
entschieden, und das hieß, von nun an konsequent, geduldig und
dis­zi­pli­niert zu sein. Diese mentale Stärke brauchte er auch, nach-
2 dem er die Staatsbürgerschaft wechseln wollte und der Bescheid auf
sich warten ließ. In dieser Zeit traf ihn der schlimmste Schock, seine
1 Frau starb unerwartet. Und wieder trotzte er dem Schmerz, indem er
weitertrainierte. Im Moment seines Triumphes war er knapp 26 und
a b c d e f g h hatte doch schon alle bösen Zumutungen eines langen Lebens hinter
sich. Für viele wurde er damit zum »Mann des Jahres« – und für eine
Ennio Morricone ist mit 91 gestorben. Berühmt wurde er vor Frau zum Mann ihres Herzens. Heute hat das Paar zwei kleine Söh-
­allem als Komponist großartiger, mit zwei Oscars ausgezeichneter ne, betreibt eine Agentur für Moderation und Coaching, engagiert
­Westernfilmmusiken wie Für eine Handvoll Dollar, Zwei glorreiche sich vielfach karitativ und tritt schon mal gemeinsam auf. Nach dem
Halunken oder Spiel mir das Lied vom Tod. Abschied vom Profisport probiert er seine weiteren Talente aus und
Eigentlich wollte er Schachprofi werden, bis ihn der Druck seines überraschte dabei auch mit einem Auftritt im Tonstudio. Wer ist’s?
Vaters und die ­Erkenntnis, dass Apollo ihn reicher als die Schach-
göttin Caissa beschenkt hatte, ganz zur Musik brachten. Höchster Lösung aus Nr. 33: Peggy Guggenheim (1898–1979) unterstützte als Galeristin und Mäzenin
Ruhm in beiden Metiers wie einst Philidor oder dem Konzertpia- Künstler der europäischen und amerikanischen Avantgarde. Für ihre größte Leistung hielt sie die
Entdeckung Jackson Pollocks. Der Zweite Weltkrieg verhinderte ihren Plan für ein Museum in
nisten und Schachgroßmeister Mark Taimanow ist nur wenigen Paris. In ihrer New Yorker Galerie zeigte sie u. a. die erste Künstlerinnen vorbehaltene Ausstellung.
Sterblichen vergönnt. 1947 zog sie nach Venedig, wo Teile ihrer Sammlung in ihrem Palazzo zu besichtigen sind
Doch immer schlug sein Herz auch für das Schachspiel: »Ich glaube,
Schach ist das beste Spiel, weil es eben nicht nur ein Spiel ist. Alles
steht auf dem Spiel: die Regeln der Moral, des Lebens, es geht um
Vorsicht und die Entschlossenheit, ohne Blutvergießen zu kämpfen
[...]. Ja, wenn man diese kleinen hölzernen Figuren in den Händen SUDOKU
hält, dann werden sie mächtig, denn sie absorbieren die Energie, die
man bereit ist, auf sie zu übertragen.« (Morricone-Zitat in Johannes
1 7
Fischers Kultur- und Schach-Blog Schöner Schein).
Sein Leben lang arbeitete Morricone an seinem Schach und maß 5 8 9
sich bei Simultanspielen gern mit dessen Größen wie dem ehema-
5 9 7
ligen Weltmeister Boris Spasski, dem er ein Remis abrang.
Leider ist keine Kombination von ihm erhalten, deshalb soll be- 7 4 9 1 5 2
sagter Spasski einspringen. Wie setzte dieser als Schwarzer 1988 den Lösung aus Nr. 32
9 1
französischen Meister ­Gilles Andruet in 4 Zügen matt? 6 2 5 4 3 8 1 7 9
1 6 7 2 4 8 7 8 9 1 2 6 5 4 3
1 3 4 5 9 7 8 2 6

8 1 6 9 7 8 2 6 1 3 5 4
5 1 6 3 4 9 2 8 7
3 4 2 8 7 5 9 6 1
6 7 4 4 6 3 9 5 2 7 1 8
8 5 7 6 1 3 4 9 2
Lösung aus Nr. 33: Welcher wunderbare schwarze 2 1 2 9 1 7 8 4 6 3 5
Zug leitete das unausweichliche Matt ein?
Es war die »stille Bombe« 1...Lg2!!, nach der Weiß
schon aufgab. Man sehe: 2.Kxg2 Dh3+ 3.Kg1 In jeder Zeile, jeder Spalte und jedem mit stärkeren Linien gekenn­zeichneten 3 × 3-Kasten
Dh1 matt oder 2.Lxh8 Dh3 nebst Dh1 matt oder müssen alle Zah­­len von 1 bis 9 stehen
2.f4 Lf3! oder 2.g4 Lxf3 3.Lh2 Dxg4+ Nächste Woche an dieser Stelle: die Logelei und die Auflösung aus Nr. 33

Impressum  Chefredakteur  Christoph Amend  Stellvertretende Chefredakteurin   Annabel Wahba; Mitarbeit: Klaus Stock­hausen (Contributing Fashion Director),
Maria Exner  Mitglied der Chefredaktion  Tillmann Prüfer  Creative Director  Mirko Elisabeth von Thurn und Taxis (New York)  Redaktionelle Koordination  Margit Stoffels  
Borsche  Art Director  Jasmin Müller-Stoy  Textchef/in  Jörg Burger, Emilia Smechowski, Fotoredaktion  Michael Biedowicz  Gestaltung  Nina Bengtson, Mirko Merkel,
Anna Kemper (Stellv.) Redakteur für besondere Aufgaben  Sascha Chaimowicz   Gianna Pfeifer  Autoren  Jean-Philippe Delhomme, Herlinde Koelbl, Brigitte Lacombe,
Berater  Andreas Wellnitz (Bild)  Bild­chefin  Milena Carstens  Essay & Reportage  Heike Louis Lewitan, Harald Martenstein, Paolo Pellegrin, Lina Scheynius, Jana Simon, Juergen
Faller  Style Director  Claire Beermann  Redaktion  Johannes Dudziak, Christine Meffert, Teller, Moritz von Uslar, Günter Wallraff  Korrektorat  Thomas Worthmann (verantw.)  
Friederike Milbradt, Khuê Pha. m, Ilka Piepgras, Jürgen von Ruten­berg, Matthias Stolz, Dokumentation  Mirjam Zimmer (verantw.)  Herstellung  Torsten Bastian (verantw.),
SCRABBLE 43 ZEITMAGAZIN-SOMMERPREISRÄTSEL (7)

Finden Sie im Kreuzworträtsel auf der nächsten Seite das Lösungs-


wort der Woche (32 waagerecht). Es ergibt sich, wenn Sie die Buch-
staben der in der Mitte des Kreuzwortgitters abgebildeten Pflanze (in
einer geeigneten Reihenfolge!) mit den Buchstaben in den g­ etönten
Feldern kombinieren. Ein Beispiel: Aus TINT, einer ­NELKE im
Bild und CKS ergibt sich TINTENKLECKS.

Entweder teilen Sie uns die Lösung mit unter


www.zeit.de/sommerpreisraetsel
oder Sie senden sie auf einer Postkarte an
DIE ZEIT, Stichwort ZEITmagazin-Sommerpreisrätsel,
Postfach 10 68 08, 20045 Hamburg.
Teilnahmeschluss ist Dienstag, der 25. August 2020
Aus allen richtigen Einsendungen werden die Gewinner durch das Los ermittelt, schriftlich
verständigt, und ihre Namen werden vom 1. September 2020 an unter www.zeit.de/sommer-
preisraetsel veröffentlicht. Die Lösung finden Sie im ZEITmagazin Nr. 36/20 vom 27. August.
Mitarbeiter des Zeitverlages und ihre Angehörigen dürfen nicht teilnehmen. Der Rechtsweg
ist ausgeschlossen. Die Gewinne sind nicht in Geld einlösbar. Veranstalter des Preisrätsels und
­Verantwortlicher für die Datenverarbeitung ist der Zeitverlag. Näheres zur Verarbeitung Ihrer
Daten und zu Ihren Rechten nach dem geltenden Datenschutzrecht finden Sie unter www.zeit.
de/hilfe/datenschutz. Bei Fragen oder Anmerkungen zum Datenschutz wenden Sie sich gerne an
uns, beispielsweise per E-Mail an email@zeit.de.

Und das sind unsere Preise:


Doppelter Wortwert Dreifacher Wortwert
Doppelter Buchstabenwert Dreifacher Buchstabenwert 1. Preis: Drei Nächte im ­KPM Hotel
& Residences Berlin
Die Hauptstadt ruft: Eingebettet
zwischen dem traditionsreichen
Gebäudeensemble der Königlichen
Porzellan-Manufaktur und dem
Es gelten nur Wörter, die im Duden, »Die deutsche Rechtschreibung«, 27. Auflage,
verzeichnet sind, sowie deren Beugungsformen.
Tiergarten, befindet sich das KPM
Die Regeln finden Sie im Internet unter www.scrabble-info.de Hotel & Residences mit 117 Zimmern.
Sie wohnen zu zweit im Doppel­
Mehr als 45 Punkte waren nicht möglich in der dritten Runde zimmer, das Frühstück ist ebenso
des diesjährigen Scrabble-Simultan-Turniers. Der optimale Zug inklusive wie ein Abendessen im
lautete SPÄLTE und war auf C8–C13 zu platzieren. Die Form ­hotel­­­eigenen Restaurant DONG A und
bedarf ­einer Erläuterung (nicht nur, weil ich einen anderen Fa- die ­Führung durch die KPM Berlin
voriten ­hatte). Der Rechtschreib-Duden erwähnt unter dem Stich-
wort »Spalt« selbstverständlich die Pluralendung -e, doch gibt er
ebenfalls den Hinweis »schweizerisch auch Spälte«. Eine hübsche, 2. Preis: Weingläser-Set »Intense«
allerdings um zehn A ­ ugen schlechter dotierte Lösung stellte SPEIL aus der Vision-Serie von Zieher
auf 5A–5E dar. Letztmalig sind Sie nun aufgefordert, aus der hier Filigrane Handwerkskunst trifft auf
abgebildeten ­Situation möglichst viele Punkte herauszuholen. An- innovatives Design. Jedes Glas ist
legestellen ­bietet das Brett zuhauf. Und wenn Sie an der Verlosung ein Unikat und wurde aus kristallinem
der Scrabble-­Spiele und des Startplatzes bei »SeHers Scrabble-Wo- Material ohne Zusatz von Blei
che« im Maritim Hotel Bad Wildungen teilnehmen möchten (so im traditionellen Mundblasverfahren
das Turnier denn stattfinden kann), schicken Sie bitte bis Montag, gefertigt. Bestens geeignet für große
17. August 2020, 12.00 Uhr, eine E-Mail an seher@zeit.de. Die Gewächse, kraftvolle sowie rustikale,
Erklärung »Ich habe alle Topwörter gefunden« genügt. säurebetonte Weiß- und Rotweine
Fotos  White Kitchen; Zieher; Fischer Verlage

Lösung aus Nr. 33: Die im Schweizerischen übliche Pluralform SPÄLTE brachte,
auf C8–C13 platziert, insgesamt 45 Punkte. 38 Zähler steuerte das gelegte Wort bei,
7 kamen für SORTEN hinzu 3. bis 7. Preis: Je ein Rätselbuch
»Eckstein – Um die Ecke gedacht«, Bd. 25
Auch in diesem Sommer erscheint bei
Oliver Nagel, Frank Siemienski  Druck  Prinovis Dresden GmbH  Repro  Twentyfour Seven
den S. Fischer Verlagen wieder ein Sammel­
Creative Media Services GmbH  Anzeigenleitung  Áki Hardarson  Anzeigenpreise  
ZEITmagazin-­Preisliste Nr. 14 vom 1. 1. 2020  Anschrift Verlag  Zeitverlag Gerd Bucerius band mit 66 »Um die Ecke gedacht«-
GmbH & Co. KG, Buceriusstraße, Eingang Speersort 1, 20095 Hamburg; Kreuzworträtseln aus dem ZEITmagazin.
Tel.: 040/32 80-0, Fax: 040/32 71 11; E-Mail: DieZeit@zeit.de  Anschrift Redaktion  
ZEITmagazin, Dorotheen­­­straße 33, 10117 Berlin; Tel.: 030/59 00 48-0, Fax: 030/59 00 00 39;
Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit Ihrem
E-Mail: zeitmagazin@zeit.de, www.zeitmagazin.de druckfrischen Exemplar!
UM DIE ECKE GEDACHT NR. 2550 44 Spiele

1 2 3 4 5

6 7 8 9 10 11 12 13 14

15 16 17 18 19 20

21 22

23 24 25

26 27 28 29 30 31

32 33 34 35

36 37 38 39

40 41 42 43 44 45 46

47 48 49

50 51

Waagerecht: 6 Mögen wohl innerliche Kühlmittel sein, aber 4 Operettierte eine Weile an den Details von Juxheirat, Sterngucker
­laktosefrei 10 Und noch mal die Ausführungen, aber unausführ- und Frühling herum 5 Mag hoffen zu avancieren mit Avancen­
lich 15 Magnet für Sommersonnenhitzegeplagte 17 Erzählte der machen 6 Kurzlebigere Projekte der Bäderarchitektur 7 In Rom und
Welt, wie das Pferd hinter die Mauer kam 20 ­Erwartungsgemäßes Bologna stand seine 16 senkrecht 8 Eifrigste Roussillontalschneiderin
Zeitverstreichenlassen 21 Gegenpol-Geschehen zum Vergehen 9 Jene im Kopf vom musikalisch aktivsten Ed 11 Bei Reisen ins
22 Nicht irgendein Luftikus in den States! 23 Mittleren Gewäs- Schillerversum auf Planet Wallenstein zu finden 12 Zwischenstation
sers relativ mittiger Part 24 Zwei-Wort-Warnruf unter Fischteich­ der Liebe, wie’s heißt 13 Als angedichteter Königsname auch im
bewohnern? ­ Bestellung beim Herrenschneider! 26 Kinnladen- Mobilitätsmetier präsent 14 Zu viel betrachten? Eher gar nicht!
klappfunktionsnutzer ist’s wohl gerade 28 Steht lang am Wasser 16 Übergeben beim österlichen Mannschaftslauf? Steht für Kunst
unten, wehrt womöglich länger Wasser von oben 31 Schiffs­insasse im Werden! 18 Nährwertstoff, per Fluten- plus Sonneneinwirkung
im Bosch-Bild 32 Ohren-Schmaus-Beitrag 34 Zu Assisi: eine gewonnen 19 Schrieb Magritte nicht mit, beim Gemäldesignieren
­Fromme wie Schwester Klara 36 Artet schnell aus, in Amüsement­ 25 Gandalf, nach Feierabend am Set 27 Scheinschwäche, spricht
zwang ­beispielsweise 38 Strenger Bäcker bestimmt, dass nach für Leidenschaftsstärke 29 Etliche Wörter juristischen Gegenwinds
dem ... k­einer den Teig ... möge 40 Auf der Tagesordnung 30 Bekam ein gutes Stück weit Romantische Straße zum Geleit
beim Treff von Faxenmax und Larifarimarie 45 Bodennaher 33 Stets oben, zum Beispiel am nördlichen wie südlichen Himmel
Bewegungsstil, sie als Wasserkenner machen’s vor 47 Kann tierisch 35 Sollte dem 12 senkrecht schon etwas die Arbeit erleichtern
beeindrucken, nicht zuletzt mit den Eckpunkten vom 35 senkrecht 37 Nicht der um die Ecke Bewegende, falls zum Beispiel der
48 Abseits der S­ traße ein rein wintersaisonales Ritual 49 Gestrecktes Himbeer’ angedichtet 39 Großenwirbelmacher, in Kleinform
Hasten, mancher Lady in den Pass geschrieben 50 Erlaubt, durchs 41 Gewöhnlich genannt in den Antworten auf Fragen nach Reise­ Illustration  Siri Matthey

Buch zu paddeln? Bringt flugs Kurskorrekturen! 51 Schillert kurz erinnerungen 42 Steht beim Erntehelfer im Mittelpunkt, ob er solo
nach langer Rede – Senkrecht: 1 Couture-Gesetzgeber? Das emp- ist oder nicht 43 Bezeichnet Nordland, wie ... Kürzellisten zu ent-
fohlene Sonnenstrahlen­genussmaß! 2 Hier Durstigen kredenzt, da nehmen 44 Spätabendlandesbewohners Herkunftsangabe 46 Liebe
Ball­spielern ­gestiftet 3 Wie das Gemüt hinter unbewölkter Stirn sucht nich’, Liebe fragt nich’, Liebe ist – erklärte wer?

Lösung von Nr. 2548: Waagerecht 6 REISEZEIT 10 GEFAESS 13 DURST 15 SAFE 17 REIBE 19 STAU in Mobilität-stau-mel 21 MENUE 22 REGENMESSER
23 BERNER Sennenhund 24 STEIG 25 KUER 27 Manfred MANN’s Earth Band 29 TURNUS 30 GRATIA = Dank (lat.) 34 S-OLOST-IMME mit Lotos 36 REEDEREI 37 MOEWEN
40 lille = klein (schwed.) und Stadt LILLE 42 SCHWIMMERIN 47 ANGELSCHEIN aus e-i-g-n-e-n-L-a-c-h-s 48 Atlantis und ATLANTA, Georgia
49 GERUCH (Jürgen Drews, »Ein Bett im Kornfeld«) 50 TRENDWENDE – Senkrecht 1 AISNE aus A-s-i-e-n 2 LESEN 3 SIEG 4 REIM 5 PAESTUM, Kampanien 6 (he-)rumkugeln und die
RUMKUGELN 7 STURM 8 ZAREN 9 TRE = drei (dän.) 10 GEN-forschung und gen 11 ESSER 12 STEINE 14 REBE 16 FERNSICHT 18 BESTIMMT 20 ARGUMENTE
26 RADLER, Radfahrer und Bier-Limo-Mix 28 Basketballer Michael »AIR« Jordan 31 REIGEN 32 TELLUR von Tellus = Erde (röm.) 33 AESCHE-nregion 35 MERAN in Som-meran-fang
38 OELEN 39 (Zaun-)WINDE 41 ESC, Escape-Taste 43 HERZ in Nac-herz-ählung 44 WIE 45 Zufluss INN 46 MADE

Schach  Helmut Pfleger – Lebensgeschichte  Frauke Döhring


Sudoku  Zweistein – Scrabble  Sebastian Herzog – Kreuzworträtsel  Eckstein
Prüfers Töchter 45 MEINE 6-JÄHRIGE

  »Schon wieder
Wir waren im Urlaub und haben Karten gespielt. Ich mag Karten-
spielen eigentlich nicht so sehr. Beim Kartenspiel muss man leider
immer wieder verlieren. Einfach weil man schlechte Karten hat,

  keine Sechs!«
und die Tatsache, dass man schlechte Karten hat, impliziert oft
auch, dass jemand anderes gute Karten hat. Das empfinde ich als
ungerechter als das Leben. Im Leben kann man ja auch Pech ha-
ben, ohne dass andere um einen herum umso glücklicher sind. Aber
im Spiel wird die eigene Niederlage mit dem Glück der anderen
bestraft. Ich denke, Juli versteht, was ich meine, denn mit meiner
jüngsten Tochter verbindet mich die völlige Unlust, Niederlagen zu
kassieren. Jedenfalls war das lange Zeit so. Besonders bei Mensch
ärgere Dich nicht. Es ist das Spiel, das bei Juli schnell die größten
Frustrationen hervorrufen kann: Gerade noch freut sie sich über ihr
Würfelglück, eine Sechs, da wird sie schon weggekegelt. Ein typisch
deutsches Spiel, finde ich. Je näher du am Ziel deiner Träume bist,
desto wahrscheinlicher ist es, dass irgendjemand dir unbedingt die
Suppe versalzen möchte.
»Das ist schon wieder keine Sechs!«, schimpfte Juli, wenn sie schon
wieder keine Sechs gewürfelt hatte, um »rauszukommen«, also eine
Spielfigur auf das Feld setzen zu können. »DAS IST BESTIMMT
SCHON WIEDER KEINE SECHS!!«, protestierte Juli, als sie
das nächste Mal dran war, und warf den Würfel so kräftig auf den
Tisch, dass er abprallte, auf den Boden kullerte, unter den Tisch, wo
ich ihn dann hervorholte und sagte: »Guck mal, eine Sechs, was für
ein glücklicher Zufall!« Man meint ja, dass Spiele deshalb wichtig
sind, damit Kinder lernen, dass man auch mal verlieren muss. Dass
man das ertragen muss. Eine Weile lang fürchtete ich, dass Juli das
Gegenteil lernen würde: dass man nur richtig, richtig wütend wer-
den müsse beim Spiel und das Schicksal nur laut genug verfluchen
müsse, damit in Papas Hand der Würfel dann doch auf wundersame
Weise die gewünschte Augenzahl zeigt.
Warum soll man überhaupt verlieren lernen? Wir bekommen immer
wieder gesagt, wie wichtig eine Fehlerkultur sei. Dass Niederlagen
ertragen und Niederlagen verarbeiten im Grunde wichtiger als das
Gewinnen sei. Aber leider macht verlieren keinen Spaß, gewinnen
schon. Man sieht nie eine Fußballmannschaft, die sich freut, gerade
so viel gelernt zu haben. Und nur weil man eine Schlappe kassiert
hat, heißt das leider überhaupt nicht, dass es nächstes Mal besser
läuft. Ich dachte, ich sei da mit meiner jüngsten Tochter auf einer
Wellenlänge: Verlieren ist Mist. Aber da habe ich mich geirrt.
Mir war als Kind Mensch ärgere Dich nicht so unsympathisch, dass
ich vermied, es zu spielen. Juli aber fragte immer wieder danach.
Und von Mal zu Mal ärgerte sie sich weniger über Einsen. So als ob
das Schöne am Spielen sei, dass man etwas mit anderen zusammen
macht, und nicht, dass man gewinnt. Als habe sie den Titel des
Spiels wörtlich genommen, als Antiaggressionstraining. Im Urlaub
spielten wir Uno. Ein Spiel, bei dem man es schaffen muss, Karten
abzulegen, und, wenn es schlecht läuft, welche aufnehmen muss.
Ich hatte die ganze Hand voller Karten und meinte, ich würde das
mit leichtem Grimm ganz gut ertragen. Da zog Juli, die nur noch
drei Karten besaß, eine Ereigniskarte: Kartentausch. »Mitleid mit
Juli ist 6 Jahre alt. Ihr Vater Tillmann Prüfer schreibt hier
Papa!«, rief sie, gab mir ihre drei Karten und nahm meine acht.
im wöchentlichen Wechsel über sie und seine Dann hatte ich drei Karten in der Hand, war baff, und Juli spielte
anderen drei Töchter im Alter von 20, 15 und 13 Jahren seelenruhig weiter. Irgendwie war sie trotzdem die Gewinnerin.

Illustration Aline Zalko


ICH BRAUCHE EINE RETTUNG 46 BEATE ZWERMANN

Die Reiseveranstalterin fordert, dass Urlaub trotz Corona möglich sein muss

Frau Zwermann, wie kam es, dass Sie Ist es nicht verständlich und auch ver-
sich auf Reisen nach Ecuador und auf nünftig, dass die Menschen nicht reisen
die Galapagos-Inseln spezialisiert haben? wollen? Auch auf den Galapagos-Inseln
Ich habe 105 Länder bereist, Ecuador gab es rund 100 Corona-Fälle.
und die Galapagos-Inseln finde ich am Covid-19 ist in 213 Ländern aktiv – also
schönsten. Besonders bemerkenswert ist überall. Wir wissen mittlerweile sehr ge-
dort, dass Naturschutz und Tourismus nau, wie und wo es sich verbreitet: in engen
verbunden sind – die Naturschützer küm- Räumen, durch Ignoranz und Dummheit
mern sich um den Erhalt der Inseln, den – und eben nicht durch Reisen per se in
die Touristen wiederum durch ihre Reisen ein Gebiet mit menschenleeren Stränden,
finanzieren. Das funktioniert sehr gut! weitem Hochland, abgeschiedenen Regen-
97 Prozent der Inseln sind Nationalpark. wäldern und einer Einsamkeit wie auf den
Stehen nicht gerade Fernreisen im Ge- Galapagos-Inseln. Hier in Frankfurt ist es
gensatz zum Naturschutz – vor allem, meiner Ansicht nach weitaus gefährlicher.
wenn man sich die CO₂-Bilanz ansieht? Ich habe sehr viel mehr Angst vor Armut,
Den CO₂-Fußabdruck kann man heute die in dieser Krise verstärkt wird. In Ecua-
kompensieren. Das empfehlen wir unseren Beate Zwermann, 55, war Journalistin dor leben 1,3 Millionen Menschen vom
Kunden. Nachhaltigkeit hat viele Facetten. und ist in der Öffentlichkeits­­arbeit Tourismus, auf den Galapagos-Inseln fast
Wir sind Mitglied im »forum anders rei- alle Bewohner.
sen« und setzen uns für Armutsbekämp-
für Reiseunternehmen tätig. Wie lange können Sie und Ihre Firma
fung, Fairness und ökologische Verantwor- 2015 gründete sie den Spezialreise- ohne neue Buchungen noch durchhalten?
tung vor Ort ein. veranstalter Galapagos Pro, der Sehr lange, wenn auch auf Sparflamme.
Wie erging es Ihrer Firma, als im März Wir sind klein, haben die Kosten maximal
Reisen auf die Galapagos-Inseln
die Grenzen geschlossen wurden? gesenkt und alle Hilfen bekommen: Kre-
Uns wurde quasi die Geschäftsgrundlage anbietet. Die Firma hat elf Mitarbeiter dit, Soforthilfe, Kurzarbeitergeld, Über-
entzogen. Anstatt Reisen durchzuführen, in Deutschland und Ecuador brückungshilfe. Auch buchen jetzt wie-
brachen wir sie ab und holten Kunden auf der Kunden für das Jahr 2021. In dieser
unsere Kosten nach Hause. Alle Reisen seit Zeit ist es gut, private Reserven zu haben.
dem 18. März bis Ende August mussten Wie viel Geld ist Ihrer Firma bisher ver- Schon seit April zahle ich mir kein Gehalt
wir aufgrund der Warnungen des Auswär- loren gegangen? mehr und lebe von Erspartem. Wichtig ist
tigen Amts stornieren. Eine Rückzahlung Von unserem angepeilten Jahresumsatz es mir, meine Leute in Ecuador und auf
des Preises – zu der uns das Pauschalreise­ von fünf Millionen Euro haben wir bisher den Galapagos-Inseln weiterhin zu bezah-
recht verpflichtet – war und ist für uns nur 25 Prozent erreicht. len, damit sie durchhalten. Dort gibt es so
sehr schwierig, weil wir Hotels, Flüge und Haben Sie finanzielle Unterstützung be- gut wie keine staatlichen Hilfen.
Schiffe in Ecuador voll bezahlt oder ange- kommen? Seit Beginn der Pandemie haben Sie Ih-
zahlt hatten. Bisher habe ich aber weder 10.000 Euro Soforthilfe, aber das war viel ren Ärger in einer Art Online-Tagebuch
von den Fluggesellschaften noch von den zu wenig. Jetzt kommt die Überbrückungs- niedergeschrieben. Warum?
Reedereien Geld zurückbekommen. Ich hilfe, durch die unsere betrieblichen Fix- Wir Reiseunternehmen sind unschuldig in
bin froh, dass die meisten meiner Kunden kosten der letzten drei Monate teilweise er- eine schier aussichtslose Situation geraten.
verständnisvoll sind und wir sie umbuchen stattet werden. Das Geld ist noch nicht da, Das muss den Menschen erklärt werden, da-
konnten. Drei Kunden gehen gerichtlich wird uns aber sehr helfen. Bleibt das Pro- mit sie Verständnis haben. Die Me­dien sind
gegen mich vor. Es ist nicht gerecht, dass blem, dass die Reisewarnungen des Aus- dabei wenig hilfreich. Ich führe das Tage-
wir auf der einen Seite unter Berufsverbot wärtigen Amts immer noch für die meisten buch, um uns eine Stimme zu geben. Auch
stehen, aber gleichzeitig die Pflichten eines Länder außerhalb Europas gelten, darunter mein offener Brief an die Bundeskanzlerin
normal laufenden Unternehmens erfüllen auch Ecuador. Diese müssen durch Reise- wurde von mittlerweile 1530 Unternehmen
müssen. Das europäische Reiserecht muss hinweise ersetzt werden, damit die Men- unterschrieben. Die Pandemie hat mich
reformiert werden. Es kennt keinen Pande- schen sich wieder trauen, zu reisen. Immer- poli­tisiert, ich überlege, in eine Partei einzu-
Foto  privat

miefall. Wenn alle geschützt werden, müs- hin sind Ecuador und die Galapagos-Inseln treten. Noch bin ich nicht sicher, in welche,
sen auch alle dafür bezahlen. Über diese wieder für den Tourismus geöffnet, vielen aber ich denke an die Grünen.
Lastenverteilung in der Pandemie werden anderen Ferndestinationen in Südamerika,
sicher auch die Gerichte entscheiden. zum Beispiel Peru, geht es da anders. Das Gespräch führte Felicitas Breschendorf

Aus unserer Serie »Das war meine Rettung« wird in diesen Wochen »Ich brauche eine Rettung«:
Wir sprechen mit jenen, die wegen der Corona-Krise um ihre Familie, ihren Beruf, ihre Existenz bangen müssen
Die besten Prämien
für Ihre Empfehlung
Geben Sie das gute Gefühl weiter, immer bestens informiert zu sein.
Empfehlen Sie Ihren Freunden, Bekannten oder Kollegen DIE ZEIT, und freuen
Sie sich über eine attraktive Prämie Ihrer Wahl.

Sie müssen
selbst kein
Abonnent sein

Prämie
zur Wahl

mie sichern unter:


Jetzt DIE ZEIT empfehlen und Prä
www.zeit.de/praemien
Hamburg
GmbH & Co. KG, Buceriusstraße,
Anbieter: Zeitverlag Gerd Bucerius
OHLINDA BY BRETZ
INTERIOR INNOVATION AWARD WINNER

ALEXANDER-BRETZ-STR. 2  D-55457 GENSINGEN  TEL. 06727-895-0  INFO@BRETZ.DE  BRETZ.DE


FLAGSHIPS: STILWERK BERLIN  HOHE STR. 1 DORTMUND  WILSDRUFFER STR. 9 DRESDEN
STILWERK DÜSSELDORF  ALTE GASSE 1 FRANKFURT  STILWERK HAMBURG  HOHENSTAUFENRING 62
KÖLN  BACHSTR. 8 KONSTANZ-KREUZLINGEN  REUDNITZER
REUD NITZER STR. 1 LEIPZIG  HOHENZOLLERNSTR. 100
MÜNCHEN  HALLPLATZ 37 NÜRNBERG  KÖNIGSBAU PASSAGEN STUTTGART  SALZGRIES 2 WIEN