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Die EWM WIG-Fibel

Inhalt
1 Vorwort ........................................................................................................................................................2
2 Das Verfahren .............................................................................................................................................2
2.1 Allgemeines ......................................................................................................................................2
2.2 Stromart ............................................................................................................................................3
2.3 Elektroden .........................................................................................................................................3
2.4 Schutzgase .......................................................................................................................................4
3 Fugenvorbereitung ......................................................................................................................................5
3.1 Fugenformen.....................................................................................................................................5
3.2 Anbringen der Schweißfuge..............................................................................................................5
3.3 Badsicherung ....................................................................................................................................5
3.4 Formieren..........................................................................................................................................6
4 Der Schweißbrenner ...................................................................................................................................6
4.1 Kühlung .............................................................................................................................................6
4.2 Aufbau des Brenners ........................................................................................................................7
4.3 Ausbildung des Elektrodenendes .....................................................................................................7
5 Schweißgeräte ............................................................................................................................................8
5.1 Steuerung .........................................................................................................................................8
5.2 Stromquellen.....................................................................................................................................9
6 Durchführen des Schweißens ...................................................................................................................11
6.1 Auswahl des Schweißzusatzes ......................................................................................................11
6.2 Einstellen der Schutzgasmenge .....................................................................................................12
6.3 Reinigung der Werkstückoberfläche...............................................................................................12
6.4 Zünden des Lichtbogens.................................................................................................................13
6.5 Führen des Brenners ......................................................................................................................13
6.6 Magnetische Blaswirkung ...............................................................................................................14
6.7 Schweißpositionen..........................................................................................................................14
6.8 Schweißparameter..........................................................................................................................15
6.9 Schweißen mit Stromimpulsen .......................................................................................................15
6.10 Möglichkeiten des Mechanisierens.................................................................................................17
6.11 Arbeitssicherheit .............................................................................................................................17
7 Besonderheiten verschiedener Werkstoffe ...............................................................................................18
7.1 Un- und niedriglegierte Stähle ........................................................................................................18
7.2 Austenitsche CrNi-Stähle................................................................................................................19
7.3 Aluminium und Aluminiumlegierungen ...........................................................................................19
7.4 Kupfer und Kupferlegierungen........................................................................................................21
7.5 Sonstige Werkstoffe........................................................................................................................21
8 Anwendung des WIG-Schweißens ...........................................................................................................22
8.1 Fertigungszweige............................................................................................................................22
8.2 Anwendungsbeispiele .....................................................................................................................22
9 Schrifttum ..................................................................................................................................................24
10 Impressum ................................................................................................................................................24

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1 Vorwort
Schweißstab
Das WIG-Schweißverfahren (Bild 1)– die Brenner

volle Bezeichnung für dieses Verfahren


lautet nach DIN 1910 – Teil 4 Wolfram-
W-Elektrode
Inertgasschweißen – stammt aus den
Grundwerkstoff
USA und wurde dort 1936 unter dem
Namen Argonarc-Schweißen bekannt. Naht

Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde es in Schmeltzbad


Deutschland eingeführt. In den englisch Lichtbogen
sprechenden Ländern heißt das Verfah-
ren TIG nach englisch ”Tungsten” für
Wolfram. Das Verfahren zeichnet sich Bild 2 Prinzip des WIG-Schweißens
gegenüber anderen Schmelzschweiß-
Zwangslagen. Die genannten Vorteile
verfahren durch eine Reihe von interes-
haben dazu geführt, daß das WIG-
santen Vorteilen aus. Es ist z.B.
Verfahren heute in vielen Bereichen der
universell anwendbar. Wenn ein metalli-
Industrie und des Handwerks mit Erfolg
scher Werkstoff überhaupt schmelz-
eingesetzt wird. Es erfordert allerdings
schweißgeeignet ist, dann läßt er sich mit
bei der manuellen Anwendung ein ge-
diesem Verfahren fügen. Zum anderen ist
schicktes ”Händchen” des Schweißers
es ein sehr ”sauberes” Verfahren, das
und eine gute Ausbildung. Diese Bro-
kaum Spritzer und nur wenig Schadstoffe
schüre will über die Besonderheiten des
erzeugt und bei richtiger Anwendung eine
Verfahrens aufklären und vielleicht auch
qualitativ hochwertige Schweißverbin-
Interesse wecken bei den Firmen, die es
dung garantiert.
trotz Vorliegens entsprechender
Ein besonderer Vorteil des WIG- Schweißaufgaben noch nicht anwenden.
Schweißens ist auch, daß hier gegenüber
anderen Verfahren, die mit abschmel- 2 Das Verfahren
zender Elektrode arbeiten, die Zugabe
von Schweißzusatz und die Stromstärke 2.1 Allgemeines
entkoppelt sind. Der Schweißer kann Das WIG-Schweißen gehört zu den gas-
deshalb seinen Strom optimal auf die geschützten Schweißverfahren mit nicht
Schweißaufgabe abstimmen und nur so- verbrauchender Elektrode (Prozess-Nr.
viel Schweißzusatz zugeben, wie gerade 14). ISO 857-1 erklärt das Verfahren aus
erforderlich ist. Dies macht das Verfahren dem englischen übersetzt wie folgt:
besonders geeignet zum Schweißen von
„Gasgeschützes Lichtbogenschweißver-
Wurzellagen und zum Schweißen in
fahren unter Benutzung einer nicht ver-
brauchenden Elektrode aus reinem oder
dotiertem Wolfram, bei dem der Lichtbo-
gen und das Schweißbad durch eine Ga-
sumhüllung aus inertem Gas geschützt
werden“
Beim Wolfram-Inertgasschweißen (Pro-
zess-Nr. 141) brennt der Lichtbogen frei,
beim Plasma-Lichtbogenschweißen (Pro-
zess-Nr. 15), das auch zu den Verfahren
des gasgeschützten Schweißens mit
nicht verbrauchender Elektrode zählt, ist
er eingeschnürt. Bild 2 zeigt das Schema
des Verfahrens.
Bild 1 TRITON 260 DC, WIG-Verschweißen
von Kühlschlangen

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Gleichstrom [A] Wechselstrom [A] Gleichstrom-Schweißung am Minuspol

Elektrodendurchmesser [mm]
Minuspol an der Pluspol an niedriger – siehe dazu auch Tabelle 1.
Elektrode der Elektrode Ebenso gibt es Unterschiede im Ein-
brandverhalten. Dies ist beim Gleich-
stromschweißen am Minuspol am besten.
Beim Schweißen an Wechselstrom ist der
Wolfram rein

Wolfram rein

Wolfram rein
Wolfram mit

Wolfram mit

Wolfram mit
Einbrand schon wegen der stumpferen
Oxid
Elektrodenform flacher und breiter und

Oxid

Oxid
am Pluspol wegen der niedrigen Strom-
1,6 40-130 60-150 10-20 10-20 45-90 60-125 belastbarkeit am geringsten, Bild 3.
2,0 75-180 100-200 15-25 15-25 65-125 85-160
2,5 130-230 170-250 17-30 17-30 80-140 120-210 2.3 Elektroden
3,2 160-310 225-330 20-35 20-35 150-190 150-250
4,0 275-450 350-480 35-50 35-50 180-260 240-350
Wolframelektroden können wegen des
5,0 400-625 500-675 50-70 50-70 240-350 330-460
hohen Schmelzpunktes des Metalls nicht
durch Gießen hergestellt werden. Ihre
Tabelle 1: Empfohlene Stromstärkenbereiche
Herstellung erfolgt deshalb pulvermetall-
für Wolframelektroden Werte nach
DIN EN 26848
urgisch durch Sintern mit nachfolgendem
Verdichten und Verfestigen. Die ge-
Von der Art der Elektrode (Wolfram) und normten Durchmesser liegen nach DIN
dem verwendeten Schutzgas (inert) hat EN 26848 (ISO 6848) zwischen 0,5 und
das Verfahren seinen Namen. Die Elek- 10 mm. Die am meisten verwendeten
trode schmilzt wegen des hohen Durchmesser sind 1,6; 2,0; 2,5; 3,2 und
Schmelzpunktes von Wolfram (3380°C) 4,0 mm. Genormte Längen sind 50, 75,
bei richtiger Anwendung des Verfahrens 150 und 175 mm. Die Länge richtet sich
nicht ab. Sie ist nur Lichtbogenträger. Der u.a. nach der Bauart des Brenners.
Schweißzusatz wird von Hand in Stab-
Neben Elektroden aus Reinwolfram gibt
form oder beim vollmechanischen
es auch solche, denen vor dem Sintern in
Schweißen als Draht durch ein separates
Gehalten von etwa 0,5 bis 4% Oxide wie
Vorschubwerk zugegeben. Das Schutz-
Thoriumoxid, Zirkonoxid, Lanthanoxid
gas umströmt, aus der Schutzgasdüse
oder Ceroxid zugemischt wurden. Bei
kommend, konzentrisch die Elektrode
Verwendung von reinen Wolframelektro-
und schützt diese, sowie das darunterlie-
den bildet sich ein sehr ruhiger Lichtbo-
gende Schweißgut vor der Atmosphäre.
gen aus, jedoch haben die oxidhaltigen
2.2 Stromart Elektroden den Vorteil, daß sie sich im
Betrieb weniger erwärmen, weil das Aus-
In der Regel wird Gleichstrom zum WIG- treten der Elektroden aus dem in den
Schweißen verwendet. Beim Schweißen Elektroden eingeschlossenen Oxid
von Stahl und vielen anderen Metallen leichter erfolgt als aus dem Wolfram. Die
und Legierungen liegt der kältere Minus- Zündfreudigkeit, die Strombelastbarkeit
pol an der Elektrode und der heißere und die Standzeit sind deshalb bei oxid-
Pluspol am Werkstück. Die Strombelast- haltigen Sorten besser. Tabelle 1 mit
barkeit und die Standzeit der Elektrode Werten aus DIN EN 26848 enthält zum
sind bei dieser Polung wesentlich größer
als bei der Pluspolschweißung. Bei Alu-
minium und seinen Legierungen, sowie
bei einigen Bronzen, das sind Werkstoffe,
die hochschmelzende oder sehr zäh-
flüssige Oxide bilden, wird dagegen
Wechselstrom verwendet. Hierauf wird Bild 3: Einbrand bei verschiedenen Stro-
marten
später noch näher eingegangen. Auch a) Gleichstrom (Minuspol)
beim Schweißen an Wechselstrom liegt b) Gleichstrom (Pluspol)
die Strombelastbarkeit gegenüber der c) Wechselstrom

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gon (l1). Der Reinheitsgrad sollte minde-
stens 99,95% betragen. Bei Metallen, die
eine sehr gute Wärmeleitfähigkeit haben,
wie Aluminium oder Kupfer, kommt aber
auch Helium (l2) zum Einsatz. Unter He-
lium als Schutzgas ist der Lichtbogen
heißer. Vor allem aber ist die Wärmever-
teilung zwischen dem Kern und dem
Rand des Lichtbogens gleichmäßiger.
Der Einsatz von reinem Helium beim
WIG-Schweißen ist selten und auf Son-
derfälle beschränkt, dagegen kommen
Argon/Helium-Gemische (l3) mit 25, 50
Tabelle 2 Wolframelektroden nach DIN EN oder 75% Helium seit einigen Jahren
26848 vermehrt zur Verwendung. Damit kann
z.B. bei dickeren Aluminiumstrukturen die
Vergleich die empfohlenen Stromstär-
zur Erreichung eines ausreichenden Ein-
kenbereiche von reinen Wolframelektro-
brandes erforderliche Vorwärmtempera-
den und solchen mit Oxidzusätzen an
tur verringert werden. Vielfach ist auch
beiden Polen des Gleichstromes und an
eine Erhöhung der Schweißgeschwindig-
Wechselstrom. Die höhere Strombelast-
keit möglich.
barkeit durch Oxidzusätze wird daraus
deutlich. Beim WIG-Schweißen von nichtrosten-
den Chrom-Nickel-Stählen werden zu
Früher wurden meist Wolframelektroden
diesem Zweck auch Argon / Wasserstoff-
mit etwa 2% Thoriumoxid verwendet. De-
gemische (R1) eingesetzt, jedoch sollte
ren Verwendung ist aber rückläufig. Tho-
der Wasserstoffgehalt aus Gründen der
rium ist ein Alpha-Strahler, deshalb
Porenvermeidung nicht wesentlich über
senden auch thoriumoxidhaltige Elektro-
5% liegen.
den eine schwache radioaktive Strahlung
aus. Diese ist an sich nicht gefährlich für Die Schutzgasdurchflußmenge richtet
den Schweißer, obwohl sie die allgemei- sich nach dem Gasdüsendurchmesser
ne Strahlenbelastung erhöht. Gefährli- und der umgebenden Luftströmung. Als
cher ist es dagegen, wenn der
Schleifstaub, der beim Anschleifen der
Elektrode entsteht eingeatmet wird.
Heute werden deshalb vielfach Wolfra-
melektroden verwendet, die als
”lichtbogenfreundliche” Stoffe Lanthan-
oxid oder Ceroxid enthalten.
Welche Elektrode man vor sich hat, er-
kennt man an der Kurzbezeichnung und
der Kennfarbe, die nach Norm festgelegt
ist, Tabelle 2.

2.4 Schutzgase
Wie aus dem Namen des Verfahrens
schon abgeleitet werden kann, werden in
der Regel inerte Gase zum WIG-
Schweißen eingesetzt. Schutzgase sind
in DIN EN 439 genormt. Diese tragen
nach Norm die Bezeichnungen l1, l2 und
l3. Das am häufigsten beim WIG- Bild 4 WIG-Schweißen an einem Geländer
Schweißen verwendete Schutzgas ist Ar- Richtwert kann bei Argon von einem Vo-
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lumenstrom von 5-10 I / min ausgegan- de Partner angephast werden.
gen werden. In zugigen Räumen Bild 4
sind u. U. größere Durchflußmengen er- 3.2 Anbringen der Schweißfuge
forderlich. Bei Argon / Helium-Gemischen Das Vorbereiten der Fugenflanken erfolgt
müssen wegen der geringeren Dichte von bei un- und niedriglegierten Stählen meist
Helium höhere Durchflußmengen einge- durch autogenes Brennschneiden. Bei
stellt werden. hochlegierten Stählen, Aluminium und
Metallegierungen kann das Schmelz-
3 Fugenvorbereitung schneiden nach dem Plasma-, Laser-
oder Elektronenstrahlprinzip angewandt
3.1 Fugenformen werden. Dünne Bleche werden oft durch
Die wichtigsten beim WIG-Schweißen mechanisches Schneiden (Scheren) zu-
eingesetzten Fugenformen zeigt Bild 5. geschnitten, während bei dickeren Werk-
Dünne Bleche können einseitig oder stoffen die Fugen auch durch
beidseitig als I-Stoß verbunden werden. mechanische Bearbeitung (Drehen, Ho-
Wird die Blechdicke so groß, daß ein beln) angebracht werden.
Durchschweißen auch von beiden Seiten
nicht mehr möglich ist, müssen die Fu- 3.3 Badsicherung
genflanken angeschrägt werden. Der Während beim manuellen Schweißen der
Öffnungswinkel der entstehenden V-Fuge Schweißer den Schweißverlauf beob-
ist meist 60°, bei Aluminium auch 70°. achtet und durch Einstellung der richtigen
Zur Verhinderung des Durchschmelzens Stromstärke, die Stellung des Lichtbo-
werden die Spitzen der Bleche im Wur- gens in der Fuge, die Schweißgeschwin-
zelbereich oft auch leicht gebrochen. Bei digkeit und die Menge des zugegebenen
einem ausgeprägten Steg spricht man Schweißzusatzes auch bei ungleichem
aber nicht mehr von einer V- sondern von Wurzelspalt eine gleichmäßige Wurzel-
einer Y-Fuge. Bei Stahl kann man Werk- raupe erreichen kann, muß beim vollme-
stückdicken bis zu etwa 6 mm in einer chanisierten Schweißen vom
Lage schweißen. Darüber hinaus ist eine eingestellten Wurzelspalt über die richtig
Mehrlagenschweißung erforderlich. eingestellten Schweißparameter und die
Bei dünnen Blechen kommen auch kontinuierlich zugegebene Menge des
Überlapp-Fugen vor. Ganz besonders Zusatzdrahtes alles stimmen.
eignet sich zum WIG-Schweißen die Bör- Zur Erleichterung des Wurzelschweißens
delfuge. Die hochgebördelten Blech- werden deshalb beim maschinellen
ränder können unter dem Lichtbogen oh- Schweißen oft Badsicherungen verwen-
ne Zugabe von Schweißzusatz aufge- det, siehe Bild 5. Diese Badsicherungen
schmolzen und damit verbunden werden. bestehen bei den meisten Metallen und
Bei Eckstößen können auch ein oder bei- Legierungen aus Kupfer, bei Aluminium,
I-Stoß das einen niedrigen Schmelzpunkt hat,
auch aus nichtrostendem Stahl. Auch Ke-
Überlapp-Stoß ramikunterlagen kommen beim Schwei-
ßen als Badsicherung zum Einsatz. Die
T-Stoß Unterlage soll das spontane Durchfallen
des Schweißgutes z.B. an Stellen, wo der
V-Stoß
Spalt etwas breiter ist, verhindern sodaß
Bördel-Stoß das schmelzflüssige Metall aufgefangen
wird und eine Wurzelraupe entstehen
Eck-Stoß kann. Die Badsicherung formt auch die
Unterseite der Wurzellage. Zu diesem
Y-Stoß mit Badsicherung Zweck ist sie deshalb meist mit einer Nut
Bild 5 Die wichtigsten Fugenformen beim
versehen.
WIG-Schweißen

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miergas in das Innere eingeleitet werden.
Beim Schweißen von Blechen läßt man
es aus Öffnungen der Badsicherungs-
schiene ausströmen. Als Formiergas
kann Argon oder ein Argon / Wasser-
stoffgemisch verwendet werden. In DIN
EN 439 sind in der Gruppe F aber auch
preiswerte Formiergase genormt. Diese
bestehen z.B. aus einem Wasserstoff /
Stickstoffgemisch. Auch reiner Stickstoff
kann unter bestimmten Umständen zum
Formieren verwendet werden.

4 Der Schweißbrenner
Der Schweißbrenner ist das Werkzeug
des WIG-Schweißers. Seine Funktionen
beeinflussen in besonderem Maße die
entstehende Schweißnaht. Bild 7 zeigt
einen gasgekühlten WIG-Schweißbren-
ner.
Der Brenner ist über das Schlauchpaket
mit dem Schweißgerät verbunden. Durch
das Schlauchpaket verläuft die Schweiß-
Bild 6 WIG-Schweißarbeiten in der Che- stromleitung und die Schutzgaszufüh-
mie-Industrie
rung, sowie die Steuerleitung, die es
gestattet auf Knopfdruck vom Brenner-
3.4 Formieren schalter aus verschiedene Funktionen
Hierunter versteht man die zusätzliche ein- und auszuschalten.
Zugabe von Schutzgas an die Wurzel-
rückseite, wo der zu schweißende Werk- 4.1 Kühlung
stoff auch im flüssigen Zustand vorliegt, Bei Brennern, die nur für Stromstärken
aber nicht vom Schutzgas, das auf der bis ca. 150 Ampere vorgesehen sind, ge-
Oberseite zugeführt wird, erreicht wird. nügt die Kühlung durch das durchfließen-
Besonders beim WIG-Schweißen mit sei- de Schutzgas und die umgebende Luft.
ner relativ geringen Schweißgeschwin- Brenner für höhere Leistungen werden
digkeit nimmt die Wurzelrückseite durch
Oxidation oft ein ”verbranntes” Aussehen
an. Dies soll durch das Formiergas ver-
hindert werden. Das kalte Schutzgas hilft
auch bei der Formung der Wurzelrück-
seite mit. Daher kommt der Name
”Formiergas”.
Durch das Formieren wird auch die Bil-
dung von Oxidhäuten und Anlauffarben
auf der Wurzelrückseite verhindert oder MIS
TRA
L

zumindest vermindert. Dies ist z.B. beim


Schweißen von korrosionsbeständigen
Stählen wichtig, weil solche Oxidhäute
die Korrosionsbeständigkeit der Schweiß-
verbindung herabsetzen, Bild 6.
Beim Schweißen von Rohren können die
Enden einfach versperrt und das For- Bild 7 Gasgekühlter WIG-Schweißbrenner
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wassergekühlt. In diesem Fall verlaufen der Auswahl des Durchmessers können
auch die Leitungen für die Wasserzu- und die in Tabelle 1 angegebenen Stromstär-
rückführung noch durch das Schlauchpa- kenbereiche hilfreich sein.
ket, wobei die Schweißstromleitung durch Am unteren Ende des Schweißbrenners
das zurückfließende Wasser gekühlt wird. befindet sich die Gasdüse. Diese kann
Sie kommt dadurch mit einem geringeren aus Metall oder Keramik bestehen. Der
Querschnitt aus und das Schlauchpaket Durchmesser der Gasdüse muß auf die
bleibt flexibel. Zu diesem Zweck gibt es Schweißaufgabe abgestimmt werden.
im Schlauchpaket ein kombiniertes Strom Wenn ein größeres Schmelzbad ge-
/ Wasserkabel. Ein Druckwächter, der schützt werden soll, dann muß auch die
meist im Schweißgerät sitzt, sorgt dafür, Gasdüse größer sein. Eine Relation ist
daß bei unzureichender oder fehlender deshalb zur Stromstärke oder zum Elek-
Kühlwasserzufuhr der Schweißstrom ab- trodendurchmesser gegeben. Die Wo-
geschaltet wird. framelektrode ragt je nach Durchmesser
Da Wasser ein relativ teures Betriebs- z.B. 2 mm bei dünnen Elektroden oder
mittel ist, werden zur Kühlung meist bis 3mm bei dickeren Elektroden über die
Wasserrückkühlgeräte mit einem ge- Gasdüse hinaus.
schlossenen Kühlkreislauf eingesetzt.
4.3 Ausbildung des Elektrodenendes
4.2 Aufbau des Brenners Beim Schweißen an Gleichstrom (Minus-
Die Wolframelektrode sitzt in einer pol) wird die Wolframelektrode gewöhn-
Spannhülse und wird durch Anziehen der lich kegelförmig angespitzt. Dies
Brennerkappe festgespannt. Die Länge geschieht in der Regel durch Schleifen.
der Brennerkappe wird nach dem Ein- Das Schleifen sollte so erfolgen, daß auf
satzzweck ausgewählt. Sie kann z.B. der angeschliffenen Spitze nur Schleif-
beim Schweißen in engen Räumen we- riefen in Längsrichtung zurückbleiben.
sentlich kürzer sein als in Bild 8 darge- Der Lichtbogenansatz ist dann ruhiger als
stellt. wenn Querriefen vorliegen. Der Anspitz-
Eine wichtige Funktion hat der Brenner- winkel ergibt sich aus dem Verhältnis des
schalter. Dieser kann in Form von einem Elektrodendurchmesser zur Länge der
oder von zwei Tastern vorliegen oder als Spitze. Dieses Verhältnis sollte etwa 1:
Wippe ausgebildet sein, die sich nach 2,5 sein.
vorn und nach hinten betätigen läßt. Bei richtig eingestellter Stromstärke
Durch Betätigung der Tasters kann der schmilzt nur ein kleiner Teil der Elektro-
Schweißstrom ein und ausgeschaltet, denspitze auf und bildet dort eine kleine
aber auch der Strom während des Kugel. Daran brennt der Lichtbogen be-
Schweißens verstellt werden. Dabei läßt sonders ruhig. Es empfiehlt sich deshalb,
sich auch die Geschwindigkeit der Stro- diese Kugel schon vor Beginn des
mänderung einstellen. Schweißens durch kurzzeitige Überla-
Der Durchmesser der Wolframelektrode stung anzuschmelzen. Bei modernen Ge-
richtet sich nach der anzuwendenden räten kann eine solche Funktion in der
Stromstärke, der Stromart (Gleich- Steuerung abgerufen werden.
strom/Wechselstrom) und der Polung. Bei Beim Schweißen an Wechselstrom ist die
Gasdüse Spannhülse Teflondichtung Brennerkappe
thermische Belastung der Wolframelek-
trode wesentlich größer als beim
Schweißen an Gleichstrom (Minuspol).
Die Elektrode wird deshalb bei dieser
Spannhülsengehäuse
Stromart gar nicht angespitzt oder die
Spitze wird in Form eines Kegelstumpfes
ausgebildet, mit einem Verhältnis beider
Bild 8 Explosionsschaubild des WIG- Durchmesser zueinander von 2:1.
Schweißbrenners

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T200 DC

AMP

VOLT

JOB

sec

sec Puls

AMP Puls

sec sec
AMP%

AMP% AMP%

AMP S
sec JOB sec

Bild 10 Steuerung der EWM WIG-Inverter-


Bild 9 Einbrand bei unterschiedlicher
Stromquelle TRITON 220 DC Po-
Form des Elektrodenendes
werSinus
Beim Schweißen mit Gleichstrom (Plus- kann auch die Vor- und Nachströmzeit für
pol), was relativ selten vorkommt, erfolgt das Schutzgas eingestellt werden.
gar kein Anschleifen der Elektrode.
In die Steuerung integriert ist auch das
Es muß beachtet werden daß die Form Zündgerät. Natürlich kann der WIG-
der Elektrodenspitze auch das Einbrand- Lichtbogen auch durch Berührung zwi-
verhalten wesentlich beeinflußt. Bei spit- schen Elektrode und Werkstück gezündet
zer Elektrode ergibt sich ein schmaler, werden, jedoch besteht dabei die Gefahr,
tiefer Einbrand, bei stumpfer Elektrode ist daß die Spitze der Elektrode beschädigt
der Einbrand unter sonst gleichen Bedin- wird und der Lichtbogen danach unruhig
gungen breiter und flacher, Bild 9. brennt. Außerdem kann Wolfram in das
Schweißgut übertragen werden, wo es
5 Schweißgeräte wegen des hohen Schmelzpunktes nicht
WIG-Schweißgeräte bestehen aus der aufschmilzt, sondern als Fremdkörper
Stromquelle und der Steuerung. verbleibt. Deshalb sollte bei einfachen
Geräten, die nicht über Einrichtungen
5.1 Steuerung
zum berührungslosen Zünden verfügen,
Die Steuerung hat die Aufgabe den immer außerhalb der Fuge auf einem
Schweißstrom zu schalten, zu stellen und Anlaufblech gezündet werden oder auf
konstant zu halten. Sie bietet darüber einem daneben liegenden Kupferblech.
hinaus Zusatzfunktionen an, die das
Das elektrodenschonende Zünden ist auf
Schweißen erst ermöglichen oder er-
verschiedene Weise möglich. Bei der
leichtern, Bild 10.
Hochspannungsimpulszündung, manch-
Beim Ausschalten am Ende einer mal auch Hochfrequenzzündung ge-
Schweißnaht kann bei modernen Geräten nannt, wird eine impulsförmige
der Strom zur Kraterfüllung zeitabhängig Wechselspannung von einigen tausend
abgesenkt werden (Down-Slope). Ebenso
kann der Strom zu Beginn des Schwei- I AMP
ßens rampenförmig hochgefahren wer-
den (Up-Slope). Diese Funktionen
können im 2- oder im 4-Takt-Betrieb vom
Brennerschalter aus eingeleitet werden.
Auf diese Weise ergibt sich ein Schweiß- Istart
Iend
programm wie es schematisch in Bild 11
t
dargestellt ist. tUp tDown

Bei High-Tech-Geräten bleiben die ein-


gestellten Anstiegs- und Absenkzeiten Bild 11 Funktionsablauf zu Beginn und En-
sogar konstant, unabhängig von der Hö- de des Schweißens
he der eingestellten Stromstärke. Ferner
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VoIt (z.B. 6-8 kV) zwischen Elektrode und ein schwacher Lichtbogen brennt, wird
Werkstück angelegt. Die sehr kurzen von der Steuerung der eingestellte
Spannungsimpulse (z.B. 0,5-1ms) gehen Schweißstrom zugeschaltet.
nach Betätigung des Brennerschalters in Weitere Funktionen der Steuerung sind
Form einer Funkenstrecke von der Elek- das Umschalten von Normalbetrieb auf
trode zum Werkstück über, und zwar Impulsbetrieb und gegebenenfalls auch
beim Gleichstromschweißen meist mit ei- das Umschalten auf andere Schweiß-
ner Frequenz von 100 Hz, beim Wech- verfahren, wobei u.U. auch die Kennlini-
selstrom mit der natürlichen 50 Hz- encharakteristik verändert werden muß.
Frequenz oder bei modernen Geräten mit
der eingestellten Frequenz des Schweiß- 5.2 Stromquellen
stromes. Die Funkenstrecke kann man Die Stromquelle hat die Aufgabe den vom
hören und sehen. Sie ionisiert die Gas- Netz kommenden Wechselstrom mit ho-
moleküle im Raum zwischen Elektrode her Spannung und niedriger Stromstärke
und Werkstück vor, sodaß der Lichtbogen in Schweißstrom mit hoher Stromstärke
berührungslos zünden kann, wenn die und niedriger Spannung umzuwandeln
Elektrodenspitze bis auf einige Millimeter und wenn erforderlich, diesen auch
der Zündstelle genähert wird. Eine Faust- gleichzurichten. Für das WIG-Schweißen
regel sagt, daß die Zündung über eine kommt sowohl Wechselstrom, wie auch
Strecke von 1 mm / 1000 Volt Zündspan- Gleichstrom zur Anwendung.
nung möglich ist. Um dabei ein unbeab- Der Schweißtransformator ist die ein-
sichtigtes Berühren zwischen Elektrode fachste und preisgünstigste Schweiß-
und Werkstück auszuschließen, setzt stromquelle. Er besteht aus der
man am besten, wie in Bild 12 gezeigt, Primärspule mit vielen dünnen Windun-
den Brenner schräg am Gasdüsenrand gen und der Sekundärspule mit wenigen
auf und nähert die Elektrodenspitze durch dicken Windungen. Der Netzstrom wird
Aufrichten des Brenners so weit an, bis im Verhältnis der Windungszahlen dieser
der Lichtbogen zündet. Spulen herauf-, die Netzspannung ent-
Erst danach wird die Gasdüse vom sprechend heruntertransformiert. Der
Werkstück abgehoben und die normale Schweißtransformator hat gewöhnlich ei-
Brennerstellung eingenommen. Beim ne fallende statische Kennlinie. Das Ein-
Schweißen mit sinusförmigem Wechsel- stellen verschiedener Stromstärken ist
strom muß die Zündhilfe sogar durchlau- möglich durch Streukernverstellung,
fen, um den Lichtbogen nach dem Transduktor oder primärseitige Win-
Nulldurchgang von Strom und Spannung dungsanzapfung.
wieder sicher zu zünden. Der Schweißgleichrichter besteht aus ei-
Eine andere Möglichkeit ist die soge- nem Transformator mit nachgeschaltetem
nannte ”Lift-Arc”-Zündung. Dies ist eine Gleichrichtersatz, Bild 13.
Berührungszündung, bei der die Elektro-
de nicht geschädigt wird, weil bei der Be-
rührung nur ein sehr kleiner Strom fließt.
Erst wenn nach Anheben der Elektrode

Bild 13 Prinzipschaubild des Schweiß-


Bild 12 Zünden mit Hochspannungsimpulsen gleichrichters
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Bild 15 Blockschaubild eines Inverters der


3. Generation, Taktfrequenz bis zu
100 kHz
Bild 14 TRITON 220 DC, WIG-Inverter- Transistoren. Die ersten transistorisierten
Schweißgerät
Inverter arbeiteten mit einer Taktfrequenz
Als Gleichrichter werden heute Silizium- von etwa 25 kHz. Heute sind mit weiter-
dioden oder Thyristoren verwendet. In ih- entwickelten Transistoren Taktfrequen-
nen wird der vorher im Transformator auf zen von 100 kHz und mehr möglich.
die benötigte Stromstärke und Spannung Nach dem ”Zerhacken” (Takten) des
transformierte Wechselstrom in Gleich- Stromes wird der Strom auf die erforderli-
strom umgewandelt. Einfache Schweiß- che hohe Stromstärke und niedrige
gleichrichter sind einphasig Spannung transformiert. Hinter dem Trafo
angeschlossen (Zweipulsschaltung). Sie entsteht dann ein rechteckförmiger
ergeben einen Schweißstrom mit ziemli- Wechselstrom, der anschließend noch
cher Welligkeit. Eine bessere Glättung einmal gleichgerichtet wird. Die hohe
des Stromes wird erreicht wenn alle 3 Taktfrequenz hat den Vorteil, daß die er-
Phasen des Wechselstromes transfor- forderliche Masse des Trafos sehr klein
miert und gleichgerichtet werden (Sech- gehalten werden kann. Sie ist nämlich
spuls-Brückenschaltung). Einfache von der Frequenz des zu transformieren-
Gleichrichter werden auch als soge- den Stromes abhängig. Dadurch ist es
nannte Kombigeräte angeboten, die um- möglich Leichtgewichtsstromquellen her-
schaltbar Gleich- oder Wechselstrom zustellen. Eine neuzeitliche Anlage für
liefern. Schweißgleichrichter zum WIG- das WIG-Schweißen mit einer Leistung
Schweißen haben eine fallende statische von 260 A / 20,4 V wiegt deshalb nur
Kennlinie. Sie können eingestellt werden noch 24,5 kg –Bild 16.
durch Streukernverstellung, Transduktor
und primärseitige Windungsanzapfung im
Wechselstromkreis oder durch Phasen-
anschnittssteuerung der Thyristoren.
Neuzeitliche WIG-Anlagen (Bild 14) sind
mit Invertern als Stromquelle ausgestat-
tet.
Der Inverter ist eine elektronische Strom-
quelle, die nach einem völlig anderen
Wirkprinzip arbeitet als die konventionel-
len Stromquellen (Bild 15).
Der aus dem Netz kommende Strom wird
zunächst gleichgerichtet und danach,
damit er transformierbar wird, durch Ein-
und Ausschalten in kurze Abschnitte
zerteilt. Diesen Vorgang nennt man Tak-
ten. Er wird ermöglicht durch schnell rea- Bild 16 TRITON 260 DC, WIG-Inverter-
gierende elektronische Schalter, die Schweißgerät
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ringere Leerlaufverluste der Inverter-
stromquellen ergeben sich schon aus der
geringeren Masse des Trafos.
Schweißstromquellen können eine waa-
gerechte (Konstantspannungs-) Kennli-
nie, eine leicht fallende Kennlinie oder
eine im Arbeitsbereich senkrecht abfal-
lende (Konstantstrom-) Kennlinie besit-
zen –Bild 17.
Bei vielen neuzeitlichen Stromquellen
kann auf einfache Weise die Charakteri-
stik der Kennlinie verändert werden, wo-
durch sie für mehrere Prozesse
Bild 17 Statische Kennlinien von Schweiß- verwendbar werden (Multiprozessanla-
stromquellen gen). Inverterstromquellen zum WIG-
Schweißen besitzen eine Konstantstrom-
Soviel über das Leistungsteil elektroni- charakteristik (Bild 17,c), d.h. im Arbeits-
scher Stromquellen. bereich fällt die statische Kennlinie
Bei den elektronischen Stromquellen wird senkrecht ab. Das bedeutet, daß bei
vieles, was bei konventionellen Strom- Längenänderungen des Lichtbogens,
quellen mit Komponenten wie Widerstän- was beim manuellen Schweißen nicht
den, Drosseln und Kondensatoren immer zu vermeiden ist, sich nur die
erreicht wird, durch die Steuerung elek- Spannung verändert, die Stromstärke
tronisch gelöst. Die Steuerung dieser aber nicht. Dadurch ist immer ein ausrei-
Stromquellen ist deshalb ebenso wichtig chender Einbrand und eine konstante
wie das Leistungsteil. Das Stellen des Abschmelzleistung gewährleistet. Die
Stromes geschieht z.B. bei getakteten gleiche Kennlinie kann auch zum Licht-
Quellen durch Verändern des Verhältnis- bogenhandschweißen verwendet werden.
ses zwischen den Stromein- Soll die Stromquelle aber zum MIG/MAG-
/Stromauszeiten. Auch die Veränderung Schweißen verwendet werden, dann wird
der Taktfrequenz kann zum Verstellen beim Umschalten auf dieses Verfahren
der Stromhöhe benutzt werden. Um im- eine Konstantspannungskennlinie (Bild
pulsförmigen Strom zu erzeugen, wird 17 ,a) eingestellt.
das Verhältnis der Ein-/Auszeiten durch Viele Inverterstromquellen sind auch pro-
die Steuerung zyklisch verändert. Auf grammierbar, was für das mechanisierte
ähnliche Weise kommt das Slope- Schweißen z.B. das WIG-
up/Slope-down zustande. Orbitalschweißen oder für den Einsatz
Durch die neue Technik wurde aber auch mit Robotern gefordert wird.
die geregelte Stromquelle möglich, wel-
che die Schweißtechnik schon lange ge- 6 Durchführen des Schweißens
fordert hatte. Ein Kontrollgerät mißt Der WIG-Schweißer braucht neben
Schweißstrom und Schweißspannung fachtheoretischen Kenntnissen auch gute
und vergleicht mit den eingestellten praktische Fähigkeiten. Diese werden in
Werten. Ändern sich die eingestellten Schweißkursen vermittelt, die z.B. der
Schweißparameter z.B. durch uner- Deutsche Verband für Schweißen und
wünschte Widerstände im Schweiß- verwandte Verfahren e.V. in seinen Kurs-
stromkreis, dann regelt die Steuerung stätten und Lehranstalten anbietet.
entsprechend nach. Dies erfolgt sehr
schnell, im ms-Bereich. Auf ähnliche Wei- 6.1 Auswahl des Schweißzusatzes
se kann auch der Kurzschlußstrom be- Der Schweißzusatz beim WIG-
grenzt und der cos j verbessert werden. Schweißen liegt meist stabförmig vor,
Ein verbesserter Wirkungsgrad und ge- beim vollmechanischen Einsatz des Ver-
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fahrens wird er drahtförmig durch ein se- 6.2 Einstellen der Schutzgasmenge
parates Vorschubwerk zugeführt. Die Schutzgasmenge wird als Volumen-
In der Regel werden die Schweißzusätze strom in I/min eingestellt. Dieser richtet
artgleich zum Grundwerkstoff ausge- sich nach der Größe des Schmelzbades
wählt. Manchmal ist es aber aus metall- und damit nach dem Elektrodendurch-
urgischen Gründen erforderlich, daß der messer, dem Gasdüsendurchmesser,
Zusatz bei einigen Legierungselementen dem Düsenabstand zur Grundwerkstoffo-
etwas vom Grundwerkstoff abweicht. berfläche, der umgebenden Luftströmung
Dies ist z.B. beim Kohlenstoffgehalt der und der Art des Schutzgases – siehe
Fall, der aus Gründen der Rißsicherheit, auch Abschnitt Schutzgase. Eine Faust-
wenn eben möglich, sehr niedrig gehalten regel sagt, daß bei Argon als Schutzgas
wird. In solchen Fällen spricht man von und den am meisten verwendeten Wolf-
artähnlichen Schweißzusätzen. Es gibt ramelektrodendurchmessern von 1 bis 4
aber auch Fälle, wo artfremde Zusätze mm je Minute 5 bis 10 Liter Schutzgas
erforderlich sind. Dies ist z.B. der Fall zugegeben werden sollten.
beim Fügen von schwerschweißbaren C- Das Messen der Durchflußmenge kann
Stählen, wo austenitische Schweißzusät- indirekt mit Manometern erfolgen, die den
ze oder sogar Nickelbasislegierungen der Durchflußmenge proportionalen
verwendet werden. Druck vor einer eingebauten Staudüse
Der Durchmesser des Schweißzusatzes messen. Die Skala des Manometers ist
muß auf die Schweißaufgabe abgestimmt dann direkt in I/min geeicht. Genauer sind
sein. Er richtet sich nach der Materialdik- Meßgeräte, die mittels Glasröhrchen und
ke und damit auch nach dem Durchmes- Schwebekörper direkt in dem zum Bren-
ser der Wolframelektrode. Tabelle 3 ner fließenden Schutzgasstrom messen –
enthält die der Blechdicke zugeordneten Bild 18.
Elektroden-, Gasdüsen- und Schweiß-
stabdurchmesser. 6.3 Reinigung der Werkstückoberfläche
Die Schweißstäbe sind in der Regel 1000 Für ein gutes Schweißergebnis ist es
mm lang. Sie werden in Bunden geliefert
und sollten einzeln mit der DIN- oder der
Handelsbezeichnung gekennzeichnet
sein, um Verwechslungen zu vermeiden.
Gasdüsengröße
durchmesser

durchmesser
Zusatzstab-
Elektroden-
Blechdicke

Wolfram-
[mm]

[mm]

[mm]
Nr.

1 1,0 4 1,6
2 1,6 4 bis 6 2,0
3 1,6 6 2,5
4 2,5 6 bis 8 3,0
5 2,5 bis 3,0 6 bis 8 3,2
6 3,2 8 4,0
8 4,0 8 bis 10 4,0
Tabelle 3 Wolfram-Elektrodendurchmesser,
Gasdüsengröße und Zusatzstab- Bild 18 Messen der Schutzgasdurchfluß-
durchmesser bei verschiedenen menge
Blechdicken

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wichtig, die Fugenflanken und die Ober- gezündet. Von dort wird der Lichtbogen
fläche des Werkstückes im Schweißbe- dann zum beabsichtigten Nahtanfang ge-
reich vor dem Beginn des Schweißens zogen und das Schweißen beginnt. Bei
gründlich zu säubern. Die Oberflächen einer Berührungszündung direkt auf dem
sollten metallisch blank und frei von Fett, Grundwerkstoff kann Wolfram ins
Schmutz, Rost und Farbe sein. Auch Schweißgut gelangen, das wegen des
Zunderschichten sollten nach Möglichkeit hohen Schmelzpunktes nicht aufge-
entfernt werden. In vielen Fällen wird da- schmolzen wird und später im Durch-
zu ein Bürsten ausreichen. Wo dies nicht strahlungsfilm wegen der größeren
genügt, muß die Oberfläche durch Absorption der Röntgenstrahlen durch
Schleifen oder ein mechanisches Bear- Wolfram als helle Stelle zu erkennen ist.
beitungsverfahren behandelt werden. Bei
korrosionsbeständigen Werkstoffen dür- 6.5 Führen des Brenners
fen nur Bürsten aus nichtrostendem Stahl Beim WIG-Schweißen wird das Nach-
verwendet werden, weil sonst Fremdrost Links-Schweißen eingesetzt, Bild 19.
durch Eisenteilchen entstehen kann, die Diese Definition ist aber nur eindeutig,
in die Oberfläche eingetragen wurden. wenn der Schweißer den Brenner mit der
Bei Aluminium ist es aus Gründen der rechten Hand und den Zusatzstab mit der
Porenentstehung besonders wichtig, daß linken Hand führt, wie dies bei Rechts-
keine dickeren Oxidhäute auf der Ober- händern üblich ist und wenn man die Po-
fläche verbleiben. Hierauf wird später sitionen aus Sicht des Schweißers sieht.
noch näher eingegangen. Zum Säubern Eindeutiger ist die Schweißrichtung defi-
und Entfetten sind geeignete Lösungs- niert, wenn man sagt, der Schweißstab
mittel zu benutzen. Achtung: Bei Ver- wird in Schweißrichtung vor dem Brenner
wendung chlorhaltiger Lösungsmittel geführt.
können giftige Dämpfe entstehen. Dies gilt für alle Positionen allerdings
nicht für die Fallnahtschweißung. Beim
6.4 Zünden des Lichtbogens Auftragsschweißen wird wegen der höhe-
Der Lichtbogen sollte nie außerhalb der ren Abschmelzleistung manchmal auch
Fuge auf dem Grundwerkstoff gezündet nach rechts geschweißt.
werden, sondern stets so, daß die Zünd- Der Brenner wird in einem Winkel von
stelle unmittelbar danach beim Schwei- etwa 20° zur Senkrechten in Schweiß-
ßen wieder aufgeschmolzen wird. Zu richtung stechend angestellt, der
Beginn des Schweißens kühlt der hoch- Schweißstab wird dabei von vorn ziem-
erhitzte Grundwerkstoff an der Zündstelle lich flach unter einem Winkel von etwa
nämlich durch den Wärmeentzug der 15° zur Werkstückoberfläche zugeführt.
rückwärtigen kalten Massen sehr schnell
ab. Die Folge dieser raschen Abkühlung Der Lichtbogen schmilzt zuerst ein
können Aufhärtungen, eventuell schon Schmelzbad auf. Darin schmilzt der
mit Rissen verbunden, und Poren sein. Schweißstab dann unter dem Lichtbogen
Die schnelle Abkühlung läßt sich vermei-
den wenn das Zünden direkt am Beginn
der Schweißnaht erfolgt und eventuell
entstandene Ungänzen sofort wieder
aufgeschmolzen werden.
Die Kontaktzündung sollte die absolute
Ausnahme sein, wenn das verwendete
ältere Schweißgerät nicht über eine
Zündhilfe (Hochspannungsimpulszün-
dung) verfügt – siehe auch Abschnitt 5.1
Steuerung. In diesem Fall wird auf einem Bild 19 Positionierung des Brenners und
in die Fuge in der Nähe des Schweiß- des Zusatzstabes [1]
nahtbeginns eingelegten Kupferplättchen
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ab, wobei der Schweißer durch Vor- und Lichtbogens beim Übergang in den
Zurückbewegungen des Stabes tupfende Grundwerkstoff umgelenkt. Dadurch wer-
Bewegungen ausführt. Dabei darf der den die magnetischen Kraftlinien an der
Stab beim Verbindungsschweißen nicht Innenseite verdichtet und an der Außen-
zu weit unter den Lichtbogen geschoben seite erweitert–(Bild 20a).
werden, weil sonst der Einbrand in den Der Lichtbogen weicht in das Gebiet
Grundwerkstoff vermindert wird. Beim verminderter FlußIiniendichte aus. Dabei
Auftragsschweißen, wo man an einer ge- verlängert er sich und gibt wegen der nun
ringeren Vermischung interessiert ist, erhöhten Lichtbogenspannung ein zi-
macht man sich dies aber auch positiv zu schendes Geräusch von sich. Der Ge-
nutze. genpol übt also eine abstoßende Wirkung
Beim Verbindungsschweißen sollte das auf den Lichtbogen aus.
Stabende am vorderen Rand des Eine andere magnetische Kraft rührt da-
Schmelzbades abschmelzen. Dabei muß her, daß das Magnetfeld sich in einem
der Schweißer aber darauf achten, daß ferromagnetischen Werkstoff besser aus-
er das schmelzflüssige Ende bei den breiten kann, als in Luft. Der Lichtbogen
tupfenden Bewegungen nicht aus der wird deshalb von großen Eisenmassen
Schutzgasglocke heraus bewegt. Eine angezogen. Dies zeigt sich z.B. dadurch,
Oxidation des Stabendes wäre die Folge, daß er beim Schweißen auf einem ma-
und Oxide könnten in das Schmelzbad gnetisierbaren Werkstoff an den Ble-
gelangen. chenden nach Innen abgelenkt wird.
In der Regel wird ohne oder mit nur ge- Der Ablenkung des Lichtbogens kann
ringer Pendelbewegung geschweißt. man durch entsprechende Schrägstellung
Hierbei wird die Schutzgasglocke am we- der Elektrode begegnen–(Bild 20b). Da
nigsten gestört. In der Position PF (senk- die Blaswirkung beim Schweißen mit
recht steigend) muß dagegen eine Gleichstrom besonders groß ist, kann
geringe Pendelbewegung von Brenner man sie, wo dies möglich ist, durch das
und Schweißstab ausgeführt werden. Schweißen an Wechselstrom vermeiden
Das Gleiche gilt für Zwischenlagen in ei- oder zumindest erheblich vermindern.
ner Breite, die nicht mehr mit einer Besonders stark kann die Blaswirkung
Strichraupe gefüllt werden können, die wegen der umgebenden Eisenmassen
aber für zwei Strichraupen zu schmal beim Schweißen von Wurzellagen wer-
sind. den. Hier hilft es, wenn man den Magnet-
6.6 Magnetische Blaswirkung fluß durch eng beieinander liegende,
nicht zu kurze Heftstellen, unterstützt.
Unter Blaswirkung versteht man eine Er-
scheinung, bei welcher der Lichtbogen 6.7 Schweißpositionen
durch Ablenkung aus seiner Mittelachse Nach ISO 6947 werden die Schweißposi-
verlängert wird und dabei ein zischendes tionen mit PA – PG bezeichnet. Diese
Geräusch von sich gibt. Durch diese Ab-
lenkung können Ungänzen entstehen. So
kann der Einbrand unzulänglich werden
und bei schlackenführenden Schweiß-
prozessen können durch Schlackenvor-
lauf in der Naht Schlackeneinschlüsse
entstehen.
Die Ablenkung erfolgt durch Kräfte, die
aus dem umgebenden Magnetfeld her-
rühren. Wie jeder stromdurchflossene
Leiter sind auch Elektrode und Lichtbo-
gen von einem ringförmigen Magnetfeld
umgeben. Dieses wird im Bereich des Bild 20 Magnetische Blaswirkung
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sind, wenn man Sie an einem Rohr be- geschweißt und die übrigen Lagen mit
trachtet von oben (PA) ausgehend im anderen Verfahren (E, MAG), die eine
Uhrzeigersinne alphabetisch angeordnet höhere Leistung haben, eingebracht.
–Bild 21. Bei der Wahl der Schweißparameter muß
Die Position PA ist das, was früher in man sich vergegenwärtigen, daß am
Deutschland mit waagerecht oder Wan- Schweißgerät nur die Stromstärke einge-
nenlage bezeichnet wurde. Es folgen stellt wird, die Lichtbogenspannung ergibt
dann die Stumpfnahtpositionen PC (hori- sich aus der Lichtbogenlänge, die der
zontal an senkrechter Wand) und PE Schweißer einhält. Dabei gilt, daß die
(überkopf), sowie die Kehlnahtpositionen Spannung mit zunehmender Lichtbogen-
PB (horizontal) und PD (horinzon- länge größer wird. Als Anhaltswert für ei-
tal/überkopf). Beim Schweißen von Ble- ne zum Durchschweißen ausreichende
chen bedeutet PF, das senkrecht Stromstärke gilt beim Schweißen von
steigend geschweißt wird, PG ist die Stahl mit Gleichstrom (-Pol) eine Strom-
Fallnaht. Am Rohr sind aber darunter stärke von 45 Ampere pro mm Wanddik-
mehrere Positionen zusammengefaßt. ke. Beim Wechselstromschweißen von
Die Position PF gilt, wenn das Rohr von Aluminium werden 40 Ampere/mm benö-
der Überkopfposition ausgehend ohne tigt.
Drehen nach beiden Seiten steigend ge- Geeignete Schweißdaten für Stumpf-
schweißt wird., bei der Position PG gilt nähte an verschiedenen Werkstoffen
dies sinngemäß für die Schweißung von können Tabelle 7 bis Tabelle 6 entnom-
oben nach unten (Fallnaht). Das WIG- men werden.
Schweißen ist in allen Positionen mög-
lich. Die Schweißdaten müssen dabei, 6.9 Schweißen mit Stromimpulsen
wie auch bei anderen Schweißverfahren Beim Schweißen mit impulsförmigem
auf die Position abgestimmt werden. Strom wechseln Stromstärke und Span-
nung im Rhythmus der Impulsfrequenz
6.8 Schweißparameter ständig zwischen einem niedrigen
Die untere Grenze der Anwendbarkeit Grundwert und dem höheren Impulswert
des WIG-Verfahrens liegt bei Stahl bei –Bild 22.
etwa 0,3 mm, bei Aluminium und Kupfer
bei 0,5 mm. Nach oben hin sind der An-
wendung höchstens wirtschaftliche Gren-
zen gesetzt. Die Abschmelzleistung des
Verfahrens ist nicht sehr groß. Deshalb
werden oft nur die Wurzellagen WIG-
I [A]

IP
Im
IG

tG tP

t [s]
T

Bild 22 Zeitlicher Verlauf des Schweißstro-


mes beim Impulsschweißen
IG: Grundstrom
IM: mittlerer Strom
IP: Pulsstrom
tG: Grundstromzeit
tP: Impulsstromzeit
T: 1 Periode = 1/f
Bild 21 Schweißpositionen nach ISO 6947 f: Frequenz
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Wolframelektroden-

Wolframelektroden-
Durchmesser [mm]

Durchmesser [mm]
Schweißgeschwin-

Schweißgeschwin-
Schweißstrom [A]

Schweißstrom [A]
Blechdicke [mm]

Blechdicke [mm]
digkeit [cm/min]

digkeit [cm/min]
Fugenform

Fugenform
Lagenzahl

Lagenzahl
1,0 I 1 1,0 45 32 1,0 I 1 1,0 60 32
2,0 I 1 1,6 100 30 2,0 I 1 1,6 110 30
3,0 I 1 1,6 125 30 3,0 I 1 1,6 140 30
4,0 I 2 2,4 170 25 4,0 I 2 2,4 190 25
5,0 I 2 3,2 225 22 5,0 I 2 3,2 250 22
6,0 V 2 4,0 300 20 6,0 V 2 4,0 350 20
Tabelle 4 Richtwerte für das WIG-Schweißen Tabelle 7 Richtwerte für das WIG-Schweißen
von hochlegiertem Stahl von un- und niedriglegiertem Stahl
Stromart: Gleichstrom (-Pol) – Pos. Stromart: Gleichstrom (-Pol) – Pos.
PA – Schutzgas: Argon [1] PA – Schutzgas: Argon [1]
Wolframelektroden-

Wolframelektroden-
Durchmesser [mm]

Durchmesser [mm]
Schweißgeschwin-

Schweißgeschwin-
Schweißstrom [A]

Schweißstrom [A]
Blechdicke [mm]

Blechdicke [mm]
digkeit [cm/min]

digkeit [cm/min]
Fugenform

Fugenform
Lagenzahl

4,0 I 2 2,0 90 24 1,0 I Lagenzahl


1 1,6 75 26
6,0 I 2 2,4 110 20 2,0 I 1 2,0 90 21
8,0 I 2 2,4 120 18 3,0 I 1 2,4 125 17
10,0 DV 2 2,4 120 16 4,0 I 1 3,2 160 15
12,0 DV 2 3,2 140 15 5,0 V 2 3,2 165 14 bis 17
6,0 V 2 4,0 185 10 bis 15
Tabelle 5 Richtwerte für das WIG-Schweißen
von Aluminium Stromart: Wechsel- Tabelle 8 Richtwerte für das WIG-Schweißen
strom – Pos. PF – Schutzgas: Argon von Aluminium Stromart: Wechsel-
[3] strom – Pos. PA – Schutzgas: Ar-
gon [3]
Heutige Inverterstromquellen gestatten
Wolframelektroden-
Durchmesser [mm]

Schweißstrom [A]

meist das Einstellen von Impulsfrequen-


Blechdicke [mm]

geschwindigkeit

zen zwischen 0,5 und 300 Hz. Sonder-


stromquellen pulsen auch im kHz-
Fugenform

Lagenzahl
Werkstoff

Schweiß-

[cm/min]

Bereich.
Während in den höheren Frequenzberei-
chen sich Effekte wie Kornverfeinerung
Rein- 1,0 I 1 1,0 65 13 im Schweißgut und Lichtbogenein-
nickel
1,5 I 1 1,6 90 12
schnürung realisieren lassen, wird der
3,0 I 1 2,4 140 10 untere Frequenzbereich wegen der bes-
5,0 V 3 2,4 145 12 seren Schmelzbadbeherrschung in
10,0 V 8 2,4 150 12 Zwangslagen vor allem in der Position PF
Kupfer 1,5 I 1 1,6 130 28 gewählt. Dies kommt folgendermaßen
3,0 I 1 3,2 200 25 zustande (Bild 23):
5,0 I 2 4,0 270 15
Tabelle 6 Richtwerte für das WIG-Schweißen
von Nickel und Kupfer Stromart:
Gleichstrom (-Pol) – Pos. PA –
Schutzgas: Argon [3], [1]
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6.10 Möglichkeiten des Mechanisierens
Das manuelle WIG-Verfahren (Bild 24)
läßt sich schon mit einfachen Mittel me-
chanisieren. Dies wird vor allem interes-
sant, wenn längere Längsnähte an
Blechen zu schweißen sind oder häufig
Rundnähte an rohrförmigen Körpern vor-
kommen.
Bild 23 Aufbau der Schweißnaht aus ein-
zelnen Schweißpunkten [2} Beim Schweißen von Längsnähten kann
der Brenner an ein einfaches Fahrwerk
Unter Einwirkung des hohen Impulsstro- angeflanscht werden, mit dem er über die
mes wird der Einbrand in den Grund- Schweißfuge fährt. Wenn Ungenauigkei-
werkstoff erzeugt und es bildet sich ein ten in der Fugengeometrie auftreten,
punktförmiges Schmelzbad aus. Dieses empfiehlt sich die Verwendung einer
beginnt unter Einwirkung des folgenden Badsicherung.
niedrigeren Grundstromes bereits vom
Rand ausgehend zu erstarren, bis der Beim Schweißen von Rundnähten wird
nächste Stromimpuls es wieder auf- der Brenner stationär aufgehängt und das
schmilzt und vergrößert. Inzwischen ist Werkstück bewegt sich in einer Drehvor-
der Lichtbogen aber bereits in Schweiß- richtung unter dem Brenner her.
geschwindigkeit weiter gewandert, sodaß Bei komplexen Teilen werden auch
die Schweißnaht beim WIG- Schweißroboter zum WIG-Schweißen
Impulsschweißen aus vielen sich über- eingesetzt.
lappenden Schweißpunkten gebildet wird. In allen Fällen wird, wo Zusatzwerkstoff
Die Größe des Schmelzbades ist dabei erforderlich ist, dieser mechanisiert durch
im Durchschnitt kleiner als beim Schwei- eine Vorschubvorrichtung in Drahtform
ßen mit gleichförmigem Strom, sodaß es dem Lichtbogen zugeführt.
sich in Zwangslagen besser beherrschen
läßt. Trotzdem ist ausreichender Ein- 6.11 Arbeitssicherheit
brand gewährleistet. Der eben geschil- Das WIG-Schweißen ist ein sehr saube-
derte Effekt tritt aber nur auf, wenn ein res Verfahren. Es entstehen kaum
ausreichender Temperaturunterschied im schädliche Gase und Rauche, sodaß ein
Schmelzbad zwischen Grund- und Im- Absaugen direkt am Entstehungsort nach
pulsphase auftritt. Dies ist nur bei Im- den bestehenden Arbeitsschutzvor-
pulsfrequenzen unter etwa 5 Hz schriften nicht vorgeschrieben ist. Es ge-
gegeben.
Als Nachteil kann genannt werden, daß
die Schweißgeschwindigkeit vielfach
beim Impulsschweißen verringert werden
muß. Auch nimmt der Schweißer das
Pulsen im niedrigen Frequenzbereich als
störendes Flackern des Lichtbogens
wahr. Deshalb wird diese Variante des
WIG-Schweißens weniger beim manuel-
len Schweißen angewandt, wo der
Schweißer andere Möglichkeiten hat die
Badbeherrschung zu beeinflussen, als
vielmehr beim mechanisierten WIG-
Schweißen.

Bild 24 TIG 230 DC, WIG-Schweißen in der


Lebensmittelindustrie
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nügt die freie Lüftung oder die technische aus Leder und gut isolierende Arbeits-
Lüftung des Raumes. Der Schweißer kleidung einschließlich Schuhwerk.
muß sich aber vor der Strahlung des
Lichtbogens und vor elektrischen Gefah- 7 Besonderheiten verschiedener
ren schützen. Werkstoffe
Gegen die infrarote und ultraviolette Es wurde schon gesagt, daß das WIG-
Strahlung trägt der WIG-Schweißer in der Verfahren sich für das Schweißen einer
Regel einen Kopfschirm, Bild 24, der ihm großen Palette von Werkstoffen eignet.
beide Hände frei hält für die Brennerfüh- Einige Werkstoffe werden dabei mit
rung und die Zugabe von Zusatzmaterial. Gleichstrom, andere mit Wechselstrom
In diesen Schutzschirm ist der Schwei- geschweißt. Tabelle 9 listet auf, welche
ßerschutzfilter integriert. Diese Filter sind Werkstoffe sich besser mit Gleichstrom
neuerdings in DIN EN 169 genormt. Es und welche sich besser mit Wechsel-
gibt verschiedene Schutzstufen, die auf strom schweißen lassen.
dem Glas dauerhaft aufgebracht sein Im Folgenden werden einige Besonder-
müssen. Beim WIG-Schweißen werden je heiten behandelt, die sich bei den ver-
nach angewandter Stromstärke Filter der schiedenen Werkstoffen ergeben.
Schutzstufen 9 bis 14 eingesetzt, wobei
die Stufe 9 zu den geringeren Strömen 7.1 Un- und niedriglegierte Stähle
gehört und 14 den höheren Stromstärken Diese Stähle lassen sich mit allen
zugeordnet ist. Schmelzschweißverfahren fügen. Bei der
Die höchste elektrische Gefährdung geht Auswahl des Schweißverfahrens sind
von der Leerlaufspannung aus. Dies ist aber meist weniger Qualitätsgesichts-
die höchste Spannung, welche an der punkte als vielmehr wirtschaftliche Über-
eingeschalteten Stromquelle zwischen legungen entscheidend. Das WIG-
den Anschlußbuchsen anliegt wenn der Verfahren ist deshalb wegen seiner ge-
Lichtbogen nicht brennt. Nach dem Zün-
den des Lichtbogens ist die Spannung Werkstoff Gleich-

Wechselstrom
wesentlich geringer, beim WIG- strom
Schweißen nur etwa 12 bis 20 Volt. Nach Elektrode

Elektrode
der UVV VBG 15 dürfen Stromquellen für
Gleichstrom im normalen Betrieb einen
+Pol
–Pol

Scheitelwert der Leerlaufspannung von


max. 113 Volt haben. Bei Wechselstro- C-Stahl XX - -
manlagen beträgt dieser Wert ebenfalls Nichtrostender Stahl XX - -
113 Volt, jedoch ist der Effektivwert Wert Aluminium und Al-Legie- - X
1)
XX
auf max. 80 Volt begrenzt. Unter erhöhter rungen
1)
elektrischer Gefährdung, z.B. beim Magnesium und Mg- - X XX
Schweißen in engen Räumen oder auf Legierungen
großen Eisenmassen, gelten für Wech- Kupfer XX - -
selstrom herabgesetzte Werte, z.B. ein Aluminiumbronze X - XX
Scheitelwert von 68 Volt und ein Effekti- Siliziumbronze XX - -
vwert von 48 Volt. Neuere Schweiß- Messing X - XX
stromquellen, die diese Forderung Nickel und Ni-Legierungen XX - X
erfüllen tragen nach DIN EN 60974-1 das Titan XX - -
Zeichen ”S”. Ältere Stromquellen können
dagegen noch mit ”K” (Gleichstrom) oder Tabelle 9 Geeignete Stromart für verschie-
”42 V” (Wechselstrom) gekennzeichnet dene Werkstoffe Schutzgas:
Reinargon
sein. Gegen elektrische Schläge schützt 1)
nur für dünne Materialien
der Schweißer sich am sichersten durch XX = beste Ergebnisse,
nicht beschädigte Schweißerhandschuhe X = brauchbar,
- = nicht zu empfehlen

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ringen Leistung bei diesen Stählen unter- Bei Bauteilen, die später einem Korrosi-
repräsentiert. Eine Ausnahme macht das onsangriff ausgesetzt sind, müssen die
Schweißen von Wurzellagen. Bei Wand- nach dem Schweißen auf der Oberfläche
dicken größer etwa 6mm wird oft nur die der Naht und auf den Rändern beider-
Wurzel WIG-geschweißt und die übrigen seits im Grundwerkstoff zurückbleiben-
Lagen werden mit einem leistungsfähige- den Oxidhäute und Anlauffarben durch
ren Verfahren eingebracht. Eine andere Bürsten, Strahlen, Schleifen oder Beizen
Ausnahme ist das Schweißen von Rohr- entfernt werden, bevor das Bauteil in Be-
leitungen mit kleineren Durchmessern. trieb geht. Unter diesen Häuten kommt es
Hierfür gibt es nichts, was sich besser sonst zu einem verstärkten Korrosi-
dafür eignen würde als das WIG- onsangriff. Dies gilt auch für die Wurzel-
Verfahren. seite beim Schweißen von Rohren. Da
Eine Besonderheit ist, daß es zur Poren- eine mechanische Bearbeitung hier
bildung kommen kann, z.B. bei unlegier- schlecht möglich ist, empfiehlt sich die
ten Rohrstählen (z.B. P235), die wenig Vermeidung der Oxidation durch Formie-
Silizium enthalten oder beim Einschwei- ren – siehe auch Kapitel 3.4 Formieren.
ßen solcher Rohre in Kesselböden. Auch
bei Tiefziehstählen, die nur mit Aluminium 7.3 Aluminium und Aluminiumlegierungen
beruhigt sind, können Poren auftreten, Beim Schweißen von Aluminiumwerk-
wenn mit wenig Zusatzwerkstoff ge- stoffen wird, von Ausnahmen abgesehen
schweißt wird. Durch Sauerstoffaufnah- auf die später noch eingegangen wird,
me aus der Atmosphäre, die auch beim Wechselstrom zum Schweißen verwen-
Schutzgasschweißen nicht völlig zu ver- det. Dies ist erforderlich um die hoch-
hindern ist, wird das Schweißgut unberu- schmelzende Oxidschicht auf dem Bad
higt und es können Poren durch zu beseitigen. Aluminiumoxid (AI2O3) hat
KohIenmonoxidbildung im Schweißgut einen Schmelzpunkt von etwa 2050°C.
auftreten. Die Abhilfe besteht darin, mög- Der Grundwerkstoff z.B. Reinaluminium
lichst viel Si / Mn-legierten Zusatzwerk- schmilzt dagegen schon bei 650°C. Alu-
stoff einzubringen, wodurch der minium hat eine so große chemische
Sauerstoff unschädlich abgebunden wird. Verwandtschaft zu Sauerstoff, sodaß sich
selbst wenn die Oberfläche des Grund-
7.2 Austenitsche CrNi-Stähle werkstoffs vor dem Schweißen durch
Diese Werkstoffe eignen sich besonders Bürsten oder Schaben oxidfrei gemacht
gut zum WIG-Schweißen, weil durch die wurde, auf der Badoberfläche schnell
günstige Viskosität des Schweißgutes wieder solche Häute bilden. Diese
feingefiederte, glatte Oberraupen und fla- schmelzen wegen ihres hohen Schmelz-
che Wurzelunterseiten entstehen. punktes nur direkt unter dem Lichtbogen
Durch die relativ langsame Schweißge- teilweise auf. Der größte Teil der Nahto-
schwindigkeit des WIG-Verfahrens und berfläche wäre beim Schweißen mit
die geringe Wärmeleitfähigkeit der CrNi- Gleichstrom (-Pol) also mit einer festen
Stähle kann es bei kleinen Wanddicken Schicht von Aluminiumoxid bedeckt. Die-
aber leicht zu Überhitzungen kommen. se macht die Badbeobachtung unmöglich
Dadurch können Heißrisse auftreten, und erschwert die Zugabe von Zusatz-
auch die Korrosionsbeständigkeit kann werkstoff. Zwar könnte diese Oxidschicht
vermindert werden. Überhitzungen kön- durch Verwenden von Flußmitteln, wie
nen wenn notwendig durch Einlegen von beim Löten beseitigt werden, dies würde
Abkühlungspausen oder Kühlen der aber einen zusätzlichen Aufwand be-
Werkstücke vermieden werden. Dadurch deuten.
verringert sich auch der Verzug, der ge- Beim Schweißen mit Wechselstrom bietet
rade bei CrNi-Stählen wegen des höhe- sich die Möglichkeit, diese Oxidschicht
ren Ausdehnungskoeffizienten größer ist durch Ladungsträger im Lichtbogen auf-
als bei unlegiertem Stahl. zureißen und zu beseitigen. Dafür kom-
men nur die lonen infrage, da die
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Bild 26 Unterschiedliche Balanceeinstel-


lung bei rechteckförmigen Wech-
selstrom
Minuspolschweißen. Sie ist aber wesent-
lich höher als beim Schweißen am Plus-
pol – siehe auch Tabelle 1. Es hat sich
gezeigt, daß für eine ausreichende Reini-
gungswirkung gar nicht die ganze positi-
ve Halbwelle benötigt wird. sondern daß
20 oder 30% davon ausreichen. Dies hat
man sich bei modernen WIG-
Stromquellen zu Nutze gemacht. Diese
erzeugen einen künstlichen rechteckför-
migen Wechselstrom, in dem mittels
schnell reagierender Schalter (Transisto-
ren) wechselseitig der Plus- und der Mi-
Bild 25 Erklärung der Reinigungswirkung
nuspol einer Gleichstromquelle auf die
Elektronen wegen ihrer geringen Masse Elektrode geschaltet wird. Dabei kann
nicht genügend kinetische Energie dafür man dann die Balance der beiden Halb-
besitzen. Bild 25 zeigt den Ladungsträ- wellen zueinander z.B. von 20% Plus /
gerfluß im Lichtbogen. 80% Minus bis 80% Plus / 20% Minus
Wenn der Minuspol an der Elektrode verändern (Bild 26).
liegt, wandern die Elektronen von der Der geringere Anteil des Pluspols führt zu
Elektrode zum Werkstück und die einer höheren Strombelastbarkeit der
Restionen vom Werkstück zur Elektrode. Elektrode bzw. bei gleicher Stromein-
Bei dieser Polung ist eine Reinigungswir- stellung zu einer längeren Standzeit. Bei
kung nicht möglich. Bei umgekehrter Po- diesen sogenannten ”Square-Wave-
lung treffen dagegen die schwereren Quellen” kann meist auch die Frequenz
lonen auf die Werkstückoberfläche. Sie des künstlichen Wechselstromes noch
können durch ihre kinetische Energie die verändert werden, z.B. zwischen 50 und
Oxidschicht aufreißen und beseitigen. 300 Hz. Auch mit dem Erhöhen der Fre-
Das Schweißen am heißeren Pluspol quenz ist eine Schonung der Elektrode
hätte aber zur Folge, daß die Strombe- verbunden.
lastbarkeit der Elektrode nur sehr gering Der rechteckförmige künstliche Wechsel-
wäre. Diese Variante des WIG- stromes hat aber noch einen weiteren
Schweißens ist deshalb nur für das Vorteil. Da der Stromverlauf beim Wech-
Schweißen sehr dünner Aluminiumstruk- sel der Polarität sehr steil ist, sind die
turen (bis etwa 2,5 mm Wanddicke) Totzeiten des Lichtbogens beim Null-
brauchbar. Als Kompromiß bietet sich der durchgang wesentlich kürzer als bei ei-
Wechselstrom an. Wenn die positive nem sinusförmigen Verlauf. Das
Halbwelle an der Elektrode liegt, tritt die Wiederzünden erfolgt deshalb sicherer,
Reinigungswirkung ein. In der danach sogar ohne Zündhilfe, und der Lichtbogen
folgenden negativen Halbwelle kann die ist insgesamt stabiler. Allerdings machen
Elektrode dann wieder abkühlen. Man sich die Wiederzündvorgänge als stärke-
spricht deshalb auch von der Reinigungs- res Brummgeräusch bemerkbar. Moder-
und der Kühlhalbwelle. Die Strombelast- ne WIG-Stromquellen gestatten das
barkeit ist beim Schweißen an Wechsel- Schweißen mit Gleichstrom, sowie mit si-
strom geringer als beim Gleichstrom-
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nusförmigem und mit rechteckförmigen Linie Oxidhäute auf dem Grundwerkstoff.
Wechselstrom, Bild 27. Diese binden Feuchtigkeit und müssen
In neuerer Zeit wird auch eine Variante deshalb vor dem Schweißen durch Bür-
des WIG-Minuspolschweißens angewen- sten oder Schaben entfernt werden. An-
det, bei der hochheliumhaltiges Schutz- dererseits ist der Lichtbogen ruhiger,
gas (z.B. 90% He / 10% Ar) verwendet wenn sich eine dünne Oxidhaut auf der
wird. Beim Schweißen am Minuspol läßt Oberfläche befindet, weil diese leichter
sich wie bereits geschildert, die Oxidhaut Elektronen aussendet als das reine Me-
nicht aufbrechen. Durch die hohe Tempe- tall. Es muß deshalb ein Kompromiß ge-
ratur des energiereicheren Heliumlicht- funden werden, zwischen einem stabilen
bogens kann sie aber verflüssigt werden. Lichtbogen und einer ausreichenden Po-
Damit ist sie nur noch wenig störend. Das rensicherheit. Es hat sich als günstig er-
WIG-Gleichstrom-Minuspolschweißen wiesen, die Werkstückoberflächen vor
unter Helium wird wegen des besseren dem Schweißen gründlich von Oxiden zu
Einbrandverhaltens vor allem bei Repa- befreien, danach aber mit dem Schwei-
raturschweißungen an Gußteilen aus ßen noch eine oder zwei Stunden zu
Aluminium-Silizium-Legierungen ange- warten, damit sich eine dünne Oxid-
wendet. schicht neu bilden kann. Auch die auf der
Oberfläche der Schweißstäbe gebildeten
Eine weitere Besonderheit beim Schwei-
Oxidhäute tragen zur Porenbildung bei.
ßen des Werkstoffes Aluminium ist seine
Zusatzwerkstoffe aus Aluminium sollten
Porenempfindlichkeit bei der Aufnahme
deshalb sorgfältig und nicht zu lange ge-
von Wasserstoff. Die Verhältnisse sind
lagert werden.
wesentlich kritischer als beim Schweißen
von Stahl. Während Eisen beim Über- 7.4 Kupfer und Kupferlegierungen
gang vom flüssigen in den festen Zustand
noch eine Lösungsfähigkeit für Wasser- Das Schweißen von Kupfer wird vor al-
stoff von 8 cm3/100 g Schweißgut besitzt, lem durch seine große Wärmeleitfähigkeit
hat Aluminium im festen Zustand prak- erschwert. Deshalb muß bei größeren
tisch keine Lösungsfähigkeit für Wasser- Werkstoffdicken zumindest am Schweiß-
stoff mehr. Das heißt, aller Wasserstoff, nahtbeginn vorgewärmt werden. Später
der beim Schweißen aufgenommen wur- ergibt sich ein Vorwärmeffekt durch die
de, muß das Schweißgut verlassen bevor voranlaufende Schweißwärme, sodaß ein
es erstarrt. Anderenfalls entstehen Poren großflächiges Vorwärmen nur bei Wand-
im Schweißgut. dicken > 5 mm erforderlich ist. Das WIG-
Verfahren bietet die Möglichkeit den
Quellen für Wasserstoff beim WIG- Lichtbogen selbst zum Vorwärmen zu
Schweißen von Aluminium sind in erster benutzen, in dem man am Schweißnaht-
beginn durch kreisende Bewegungen mit
dem verlängerten Lichtbogen Wärme
einbringt.
Reinkupfer und viele Cu-Legierungen
werden mit Gleichstrom, Elektrode am
Minuspol geschweißt. Nur einige Bronzen
wie Messing und Aluminiumbronze las-
sen sich besser mit Wechselstrom
schweißen.

7.5 Sonstige Werkstoffe


Außer den bereits besprochenen Werk-
stoffen werden noch in nennenswertem
Bild 27 TRITON 220 AC/DC, WIG-Inverter- Maße Nickel und Nickellegierungen WIG-
Schweißgerät geschweißt. Die wichtigsten sind Nickel /

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Chrom-Legierungen (z.B. Inconel) und
Nickel / Kupfer-Legierungen (z.B. Monel).
Ferner werden Titan und Titanlegierun-
gen WIG-geschweißt. Auch für diese
Werkstoffe eignet sich am besten Gleich-
strom mit negativ gepolter Elektrode.
Beim Schweißen von Titan muß aber
nicht nur der Schweißnahtbereich selbst
durch Schutzgas geschützt werden, son-
dern auch in weiterer Entfernung von der
Schweißstelle und gegebenenfalls auch
auf der Rückseite muß durch Schlepp-
brausen Schutzgas zugegeben werden
um Anlauffarben zu vermeiden. Der
Werkstoff versprödet sonst durch Auf-
nahme atmosphärischer Gase.

8 Anwendung des WIG-


Schweißens
Anwendungsbeispiele für das WIG-
Schweißen zeigen Bild 28 bis Bild 32. Mit
dem WIG-Verfahren werden vornehmlich
dünnwandige Werkstücke gefügt, bei dik-
keren Materialien wird dagegen meist nur Bild 28 Anwendung der PICOTIG 160 HF
die Wurzel mit diesem Verfahren ge- der Herstellung längsnahtgeschweißter
schweißt und die Füll- und Decklagen mit Rohre aus Edelstahl.
anderen, leistungsfähigeren Verfahren
eingebracht. Nach einer Statistik, liegt Ein weiteres Anwendungsgebiet hat das
deshalb auf die Gesamtheit aller in WIG-Schweißen beim Auftragsschweißen
Deutschland hergestellten Schweißnähte vornehmlich im Werkzeugbau wo mit die-
bezogen, der Anteil dieses Verfahrens sem Verfahren auch sehr feine Konturen,
nur knapp unter 2%. Diese Zahl fällt al- z.B. an Gesenken und Schnittwerkzeu-
lerdings für das WIG-Schweißen deshalb gen ausgebessert werden können.
ungünstig aus, weil sie auf dem Zusatz- 8.2 Anwendungsbeispiele
werkstoffverbrauch basiert. Beim WIG-
Schweißen wird aber wie schon ausge- Bild 29 zeigt die Anwendung des manu-
führt, in der Regel wenig Schweißzusatz ellen WIG-Schweißens im Apparatebau.
gebraucht. Der wirkliche Anteil dieses
Verfahrens dürfte deshalb höher liegen,
obwohl es an die Anwendung des Licht-
bogenhandschweißens, das etwa bei
7,5% liegt, nicht annähernd herankommt.
Trotzdem ist das WIG-Schweißen ein
sehr wichtiges Verfahren. Seine Vorteile
wurden schon an anderer Stelle dieser
Broschüre beschrieben.

8.1 Fertigungszweige
Das WIG-Schweißen wird hauptsächlich
im Kessel-, Behälter-, Apparate- und
Rohrleitungsbau eingesetzt, aber auch in Bild 29 TRITON 160 DC, WIG-Schweißen im
der Luft- und Raumfahrtindustrie und bei Apparatebau
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Bild 30 TRITON 260 DC, WIG-Schweißen an


Rohrleitungen
In ein Gehäuse aus nichtrostendem CrNi-
Stahl (W.-Nummer 1.4301) wird ein Bild 32 WIG-Schweißen beim Einschweißen
Flansch eingeschweißt. Die benutzte von Rohren in Rohrböden
Schweißanlage TRITON 160 DC liefert pere im Einsatz. Das WIG-Verfahren
dafür Gleichstrom bis zu 160 Ampere bei wurde hier vor allem darum ausgewählt,
einer Einschaltdauer von 50%. weil eine einwandfreie Wurzeldurch-
Ebenfalls um das Schweißen von CrNi- schweißung von außen gefordert war. Bei
Stahl in der chemischen Industrie geht es solchen Schweißarbeiten muß das Roh-
in dem Anwendungsfall in Bild 30 rinnere formiert werden.
Hier werden Rundnähte an Rohrleitungen Es wurde schon erwähnt, daß ein bevor-
aus diesem Werkstoff WIG mit Gleich- zugtes Anwendungsgebiet für das WIG-
strom geschweißt. Es ist die leistungsfä- Schweißen die Luft- und Raumfahrtindu-
higere Schweißanlage TRITON 260 DC strie ist. Bild 31 zeigt die Anwendung des
mit einer Nennstromstärke von 260 Am- Verfahrens bei der Reparatur einer
Mischkammer für ein Flugzeugtriebwerk.
Der Grundwerkstoff ist hier eine hoch-
warmfeste und korrosionsbeständige
Nickelbasis-Legierung.
In Bild 32 werden Rohre aus hitzebe-
ständigem Stahl in den Rohrboden eines
Wärmetauschers eingeschweißt. Es geht
hier um die manuelle Anwendung des
Verfahrens.
Sehr oft werden aber solche Schweißar-
beiten auch mechanisiert. In diesem Fall
wird der Brenner mittels eines Spann-
dorns im Innern des Rohres zentriert. Er
Bild 31 WIG-Schweißen bei der Reparatur läuft in der Regel von einer Position vor
von Triebwerksteilen PA ausgehend in einer Kreisbahn um das
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Rohr herum (Orbitalschweißen). Dabei
kann auch Zusatzwerkstoff zugeführt 10 Impressum
werden. Da nacheinander alle Positionen Die WIG-Fibel, 1. Ausgabe 2002
von waagerecht über fallend und Über- Aus der Schriftenreihe EWM-Wissen –
kopf bis steigend durchlaufen werden, rund ums Schweissen
sind die dafür verwendeten Schweiß- Alle Rechte vorbehalten.
stromquellen programmierbar, sodaß die
Schweißdaten der jeweiligen Schweißpo- Nachdruck, auch auszugsweise, verbo-
sition entsprechend optimal angepaßt ten. Kein Teil dieser Broschüre darf ohne
werden können. Solche WIG-Orbital- schriftliche Einwilligung von EWM in ir-
schweißungen kommen auch als Stumpf- gendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm
nähte an Rohren vor. In diesem Falle oder ein anderes Verfahren), reproduziert
läuft der Brenner an einer Spannzange oder unter Verwendung elektronischer
um das Rohr. Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder
verbreitet werden.
9 Schrifttum © EWM HIGHTEC WELDING GmbH
[1] R. Killing: Handbuch der Schweißver- Dr.-Günter-Henle-Str. 8
fahren, Teil 1: Lichtbogenschweißen D-56271 Mündersbach
Fachbuchreihe Schweißtechnik Band Fon: +49(0)2680.181-121
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Fax: +49(0)2680.181-161
[2] R. Killing: Kompendium der Schweiß-
mailto:info@ewm.de
technik Band 1: Verfahren der Schweiß-
technik Fachbuchreihe Schweißtechnik http://www.ewm.de
Band 128/I, DVS-Verlag GmbH Düssel- Satz:
dorf 1997 EWM HIGHTEC WELDING GmbH, Mün-
[3] G. Aichele: Leistungskennwerte für dersbach
Schweißen und Schneiden Fachbuchrei- Druck:
he Schweißtechnik Band 72, DVS-Verlag Müller Digitaldruck GmbH, Montabaur
GmbH Düsseldorf 1994

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