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51: Studieren in Deutschland

The Easy German Podcast


www.easygerman.fm

Intro

Cari:
[0:15] Hallo Manuel. (Hallo Cari.) Na, wie geht es dir heute?

Manuel:
[0:16] Sehr gut, wie geht es dir?

Cari:
Mir geht es auch ganz gut. Habe ein bisschen Kopfschmerzen. (Das tut mir Leid.) Ja,
[0:22]
ausnahmsweise mal nicht selbst verschuldet, wenn du weißt, was ich meine.

Manuel:
[0:26] Ich weiß, was du meinst.

Cari:
[0:35] Ja, Manuel. Ich bin ganz aufgeregt, denn wir haben heute einen Gast.

Manuel:
[0:38] Ja, eine Gästin.

Cari:
Und diesmal will ich das nicht so plump rausschreien wie bei Klaus, dass ich einfach
[0:41]
sage: "Und hallo, unser Gast Klaus", unser Überraschungsgast, sondern diesmal möchte
ich das so ein bisschen einläuten, wie man das so bei professionellen Moderatoren macht.

Manuel:
[0:55] Okay.

Cari:
[0:56] Willst du das vielleicht machen?

Manuel:
[0:58] Ich dachte, du wolltest das. Okay, pass auf: Heute haben wir einen Gast hier im
Podcast. Sie ist bekannt aus (Funk und Fernsehen.) YouTube, sie ist ein sehr populäres
Mitglied von Easy German. Wenn immer sie, immer, wenn sie in einem Video auftritt, gibt es
viele Kommentare von Menschen, die sie gut finden, bis hin zu Verehrern.

Cari:
[1:26] Und immer, wenn sie nicht auftritt, gibt es Fragen: Wo ist …

Manuel:
[1:32] Und ihr Name fängt mit "L" an.

Cari:
[1:35] Und hört mit "isa" auf. Willkommen, Lisa! (Hallo.) Das war aber jetzt eine Einleitung.

Manuel:
[1:42] Wie fandest du unsere professionelle Einleitung, Lisa?

Lisa:
Ja, die hat mich jetzt noch aufgeregter gemacht, ein bisschen übertrieben. Ich hätte
[1:46]
gerne so eine Einleitung wie bei Klaus gehabt.

Manuel:
[1:57] Okay. Hier ist Lisa.

Lisa:
[1:59] Hallo.

Cari:
[2:01] Hallo Lisa! Schön, dass du da bist. Wie geht es dir denn heute?

Lisa:
[2:05] Ich freue mich auch, hier zu sein. Mir geht es gut.

Cari:
[2:08] Und wo bist du gerade?

Lisa:
[2:10] Ich bin immer noch in Münster, genau, hat sich nichts verändert.

Cari:
Na ja, für unsere Zuhörer, die wissen ja gar nicht, wo du bist, ne? Du könntest ja jetzt
[2:15]
auch in, weiß ich nicht, woanders leben. Also du bist aktuell in Münster und du kommst
auch aus Münster?

Manuel:
[2:29] Wie wir alle drei übrigens.

Cari:
Stimmt, Manuel, du bist auch in Münster geboren. Jetzt leben wir in Berlin. Lisa, du
[2:31]
hast zwischendurch auch woanders gelebt, wo warst du als Letztes?

Lisa:
[2:41]Als Letztes war ich in Köln für drei Monate, genau und davor habe ich auch mal eine
Zeit in Berlin für drei Monate gelebt und davor dann in Enschede in den Niederlanden.

Manuel:
[2:52] Nederlands.
Cari:
Manuel erinnert sich an seine paar Wochen, in denen er mal Niederländisch gelernt
[2:56]
hat? Nederland. Wie gut ist denn dein Niederländisch, Lisa?

Lisa:
Schlecht. Also jeder, der Enschede kennt, weiß, das ist eine Grenzstadt und da wird
[3:05]
sehr viel Deutsch gesprochen, also, auf dem Markt hört man fast mehr Deutsch als
Niederländisch und unsere Nachbarn haben uns auch erzählt, dass man, um dort zu
arbeiten, in der Stadt in irgendeinem Laden, Deutsch sprechen muss und kein Englisch, also
das ist ein Kriterium da.

Cari:
Das ist ja krass. Das ist ja eigentlich ein bisschen schade, ne? (Ja, total.) Also das
[3:25]
Niederländische. Lisa, wir haben uns heute ein Thema überlegt, das wir mit dir besprechen
möchten, beziehungsweise, dieses Thema wurde schon oft angefragt, und zwar ist das
Thema: Studieren in Deutschland. Und da du von all unseren Easy German-Mitgliedern die
Jüngste bist und noch die, die am nächsten am Studium dran ist, dachten wir, das ist doch
ein perfektes Thema für dich.

Lisa:
[3:55] Ja, das ist super. Ich habe ein Jahr lang in Deutschland studiert, aber das kriegen wir
hin.

Cari:
[4:02]Na ja, immerhin. Und du bist ja gerade aktuell auch noch eingeschrieben, aber nicht
aktiv am Studieren. Und du kennst dich aber zumindest ein bisschen damit aus, welche
Fragen man sich so stellen muss, wenn man in Deutschland studiert, und zwar besser als
Manuel und ich, denn wir haben jetzt schon vor einigen Jahren studiert und seitdem hat sich
doch schon viel verändert, denke ich zumindest.

Thema der Woche: Studieren in Deutschland

Cari:
Ja, unser Thema der Woche ist das Studium in Deutschland und ich dachte, das passt
[4:27]
ganz gut. Also, wir wollen noch mehrere Follow-Ups machen zu dem Thema "Bildung". Wir
haben ja mit Klaus über die Schule gesprochen. Von wann bis wann gehen junge Menschen
in Deutschland zur Schule und was machen sie danach? Und es gibt zwei große
Themenblöcke, die wir dazu besprechen wollen. Das Eine ist das Studium, was ja
wahrscheinlich auch viele Leute, viele unserer Zuhörer interessiert. Das Zweite ist der, die
Ausbildung, also es gibt in Deutschland die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen, das ist
eine Mischung aus einer Schulausbildung und einer Ausbildung in einem Betrieb, die
praktisch angelegt ist. Dazu werden wir hoffentlich auch demnächst noch ein Thema
machen. Heute geht es also um das Studium, das ist dann eben die höhere Bildung, also
der höhere Abschluss, den man machen kann an einer Hochschule oder Fachhochschule
oder Universität in Deutschland. Und als Einstieg würde ich von euch beiden gerne wissen:
Woher wusstet ihr eigentlich, dass ihr studieren wollt?

Manuel:
[5:33] Na, Lisa, fang du mal an!
Lisa:
[5:36]Ich habe das Gefühl, ich habe darüber schon nachgedacht gestern ein bisschen, also
ich glaube, wenn man auf dem Gymnasium ist ganz klassisch, wird man einfach so ein
bisschen herangeleitet von der Schule und von den Lehrern, dass man studieren soll oder
dass es auf jeden Fall der "optimale Weg" in Anführungsstrichen ist für, für einen
Abiturient(en) und ja, Studium, also so die Inhalte, die mich interessiert haben wie Politik
oder Sozialwissenschaften, da ist es, glaube ich, auch so der klassische Weg, über ein
Studium in die Berufe reinzukommen. Und es ist so, ja, es ist so … Also alle in meinem
Freundeskreis, außer vielleicht eine Handvoll von Menschen, die machen vielleicht eine
Ausbildung erst, aber so Studium ist einfach ein bisschen so vorgegeben, habe ich das
Gefühl, von der Gesellschaft.

Cari:
[6:23] Interessante Beobachtung. Wie war das bei dir, Manuel?

Manuel:
[6:26] Das ist wirklich interessant. Bei mir war es eigentlich ähnlich. Also ich stimme dir zu,
Lisa, dass man, wenn man auf das Gymnasium geht, dass dann so ein bisschen eigentlich
klar ist, okay, danach studiert man. Ich wusste aber nach der Schule erst lange nicht, was
ich machen will und habe dann irgendwann beschlossen, okay, ich will unbedingt was mit
Medien machen, also, was mich einfach interessiert, ist Medienproduktion und gar nicht so
sehr jetzt etwas Akademisches. Und ich wollte tatsächlich erst eine Ausbildung machen,
also das, wo wir dann noch mal in einem anderen Podcast ausführlicher darüber sprechen,
und zwar wollte ich die Ausbildung machen zum Mediengestalter für Bild und Ton, so heißt
das. Das sind Leute, die später in ihrem Beruf ganz oft bei Fernsehsendern zum Beispiel
arbeiten und da die Kamera machen und den Schnitt, solche Sachen. Und ich bin
tatsächlich sogar beim ZDF, ein großer deutscher Fernsehsender, in die letzte
Bewerbungsrunde gekommen — da wollen ganz viele Leute diese Ausbildung machen —
und habe dann eine Absage bekommen mit der Begründung, dass sie keine Leute nehmen
können für diese Ausbildung, die eine Rot-Grün-Farbschwäche haben und ich bin Rot-Grün
farbenblind und konnte deswegen das dann nicht machen. Und dann habe ich gesagt, ja
gut, dann studiere ich halt. Und bin dann halt an eine Fachhochschule gegangen, das hast
du ja gerade auch schon gesagt, Cari. Fachhochschule ist auch eine Hochschule, es ist
aber auf Deutsch keine Universität. Auf Englisch sagt man "University of Applied Sciences",
also es ist auch eine Hochschule, aber im Gegensatz zu einer normalen Universität ist es
viel praktischer. Also wir haben zwar auch akademisch gearbeitet, mussten Bücher lesen,
mussten Arbeiten schreiben, ich musste eine Bachelorarbeit schreiben, aber wir haben halt
vor allem ganz, ganz viele Projekte gemacht und praktisch an Medien gearbeitet und
programmiert und so weiter und insofern war das für mich am Ende dann eine gute, ein
gutes Zwischending.

Cari:
[8:39] Ein Zwischending? Und du bist dann aber nicht dageblieben oder?

Manuel:
[8:43] Nee, ich habe dann danach etwas ganz anderes gemacht eine Zeit lang und jetzt bin
ich ja aber eigentlich wieder zurückgekommen zum Thema Medien und arbeite ja hier bei
Easy German und Easy Languages und da hilft mir schon auch das Wissen aus dem
Studium tatsächlich.
Cari:
Ja, also ich muss jetzt noch mal rückwirkend überlegen, ob wir dich mit der Grün-Rot-
[9:03]
Schwäche hier überhaupt, also das ist ja doch schon eine Frage, ob du da hier arbeiten
kannst bei YouTube, ne? Das …

Manuel:
[9:13] Ist aber tatsächlich wirklich so, also wenn ich Farbkorrektur mache von Videos, ich
muss immer noch mal jemand(en) drüberschauen lassen, weil bei mir die Wolken am Ende
immer rot sind statt blau und so, also das passiert, ja.

Cari:
[9:25]Interessant. Ja, ich finde das eine interessante Beobachtung von euch beiden, weil ich
habe das auch so empfunden, dass das … Bei uns ist, das hängt natürlich auch ein
bisschen davon ab, wo man aufwächst, in welchen, also nicht nur, zu welcher Schule man
geht, sondern auch das Elternhaus. Also, was haben zum Beispiel die Eltern gemacht? Sind
die selber Akademiker? Haben die studiert? Das ist, auf jeden Fall gibt es in Deutschland
einen Zusammenhang, dass … oder wahrscheinlich auch in anderen Ländern … dass wenn
die Eltern studiert haben, dass sie auch möchten, dass die, ja, dass die Kinder studieren
und ich habe das auch bei mir in der Familie so als ganz klare Erwartungshaltung
mitgegeben bekommen, also, wenn du einen besseren Beruf machen möchtest, wenn du
mehr Geld verdienen möchtest oder bestimmte Chancen auf eine bestimmte Karriere hast
du nur mit einem Studium, so wurde es mir immer gesagt. Und auch ich wollte damals
etwas Praktisches machen mit Medien, Manuel und habe dann auch überlegt, ob ich, also,
eine Ausbildung ist eigentlich viel praktischer. Ich mochte immer das praktische Arbeiten,
aber dann haben doch so ein bisschen meine Eltern mir, mich in die Richtung auch ein
bisschen bearbeitet und haben gesagt, so, "ja, aber dann kannst du halt nur was
Technisches machen, wenn du aber auch mal journalistisch arbeiten willst, wenn du
bestimmte Jobs haben willst, du willst ja vielleicht nicht nur ein Techniker sein später, du
willst ja vielleicht auch ein, ja, irgendeine Art … Du willst es dir ja offen halten und um dir
etwas offen zu halten, solltest du eben was, ja, was studiert haben, weil dann hast du
einfach mehr Chancen." Und dann habe ich angefangen zu gucken, okay, was kann ich
denn studieren, was mir für Medien hilft? Dann wollte ich Kommunikationswissenschaften
studieren, was ja auch überhaupt nicht praktisch ist. Das ist ja total theoretisch und da
musste man aber einen sehr hohen NC haben — Nummer Clausus, ein lateinisches Wort,
das im, in der deutschen Hochschullandschaft benutzt wird. Und zwar waren meine Abi-
Noten nicht gut genug, ich glaube der NC war da, weiß ich nicht, 1,1, 1,3 und meine
Abiturnote war 2,5.

Manuel:
[11:30] Was? Das ist aber eine Enttäuschung. (Wieso?) 2,5? Ich hätte dich als 1,3
eingeschätzt.

Cari:
[11:33]Ja, ich war nicht so engagiert in der Schule, Manuel. Und ich war von meinen
Freunden auch immer noch im oberen Bereich. Wir waren alle, glaube ich, ein bisschen,
nicht so strebermäßig. Was hattest du denn für eine Abi-Note?

Manuel:
[11:51] 1,6.
Cari:
[11:52] Eieiei und Lisa?

Lisa:
Ich hatte 1,7, aber das Abitur wird ja auch immer, also man kriegt ja immer bessere
[11:54]
Noten im Abitur. (Wird immer einfacher.) Deswegen weiß ich nicht, ob das so vergleichbar
ist.

Cari:
Ach, du meinst, weil ihr, also, weil Manuel ist schon mal jünger und du bist noch
[12:03]
jünger, sind wir alle auf einem Level? Das wolltest du sagen, Lisa, ne?

Lisa:
[12:09] Genau.

Manuel:
[12:13] Danke, Lisa!

Cari:
[12:15] Ist das so, dass das (von) Jahr zu Jahr billiger wird, das Abitur einfacher wird?

Lisa:
Also einfacher weiß ich nicht, aber die Abiturnoten werden auf jeden Fall jedes Jahr,
[12:22]
glaube ich, immer besser. Ich glaube, wir hatten, ein Drittel unserer Stufe hatte irgendwie
eine Eins vor dem Komma und da ist dann die Frage: Werden die Schüler immer schlauer
oder werden die, also, kriegt man die besseren Noten einfach einfacher?

Cari:
[12:43] Die Lehrer werden natürlich immer besser. Das liegt alles an Klaus, würde ich sagen.

Lisa:
[12:48] Wenn man jemanden hat wie Klaus, dann definitiv.

Manuel:
[12:53] Der läuft jetzt wieder rot an, wenn er das hört.

Cari:
[12:57] Ja. Ja, auf jeden Fall bin ich dann bei etwas gelandet, weil ich immer mehr
Kompromisse gemacht habe, dann dachte ich mal, ich wollte Journalistin werden, dann
kann ich ja eigentlich alles studieren, dachte ich. Dann habe ich einfach mit den Fächern
angefangen, die ich interessant fand und das war dann irgendwie Niederländisch und
Geschichte. Und das war dann im Endeffekt so ein bisschen der schlechteste Kompromiss
von allen, weil ich habe etwas gelernt, was ich, was in meinem praktischen, bei meiner
praktischen Arbeit nie eine Relevanz hatte und heute … Ich habe meinen Uni-Abschluss
noch nie für irgendwas gebraucht eigentlich und das einzige, was ich da gelernt habe, war
einmal diszipliniert recherchieren und dann auch die Arbeiten fertig machen, aber
ansonsten, muss ich sagen, hätte ich jetzt mal die Zeit mehr praktisch verbracht, wäre es
vielleicht auch cool gewesen, ne? Wie seid ihr denn auf eure Fächer gekommen? Also
Manuel hat gerade schon ein bisschen erzählt und Lisa, bei dir, du hast auch so ein
bisschen nach Interesse entschieden?

Lisa:
Genau. Also in der Schulzeit hatten wir, glaube ich, auch immer so, ja, so Projekttage
[13:51]
oder Projektstunden, wo wir darüber geredet haben, was sind denn unsere Interessen, was
können wir uns vorstellen? Und ich habe sogar einmal, das wurde von unserer Schule
angeboten, dafür musste man auch ein bisschen was zahlen, so eine Art Studienberatung
mitgemacht. Und da hat man dann, hatte man, glaube ich, ein Einzelgespräch und dann
hatte man Gruppengespräche und dann musste man so einen Test machen und dann wurde
man kurz beraten, was so zu einem passt. Ich habe das gar nicht so richtig berücksichtigt,
merke ich so im Nachhinein.

Cari:
[14:25] Wieso?

Lisa:
Weiß ich nicht, ich habe das irgendwie, weil ich ein Jahr, glaube ich, was anderes
[14:26]
gemacht habe und dann ist das so, ja, so ein bisschen hinten rübergefallen, war das nicht
mehr so, so klar, also, war das nicht mehr so präsent bei mir.

Cari:
[14:38] Was haben die dir denn geraten in der Studienberatung?

Lisa:
Also erst mal hat der gesagt, ich soll unbedingt was mit Menschen machen, weil ich
[14:42]
wohl eine soziale Ader habe.

Manuel:
[14:48] Ja, das sagen sie immer.

Cari:
[14:52] Hauptsache nichts mit Menschen.

Manuel:
[14:55] Habt ihr das schon mal gehört, dass die jemandem sagen: Machen sie was sie
wollen, Hauptsache bitte nichts mit Menschen, das können wir niemandem antun.

Lisa:
Ja, aber ich glaube, ich habe das noch nie gehört, dass jemand das nicht gesagt
[15:02]
bekommen hat, also, nichts mit Menschen zu machen, aber dann sagt man so: Für Sie ist,
glaube ich, so was mit, im Büro …

Manuel:
[15:13] Zahlen.

Lisa:
… im Büro was oder mit Zahlen oder Sie brauchen, Sie müssen irgendwie etwas
[15:14]
Technisches machen an und was werkeln oder so, also, die formulieren das dann nett um,
würde ich jetzt sagen.
Manuel:
[15:26] Eine kurze Anekdote: Bei uns kamen die auch in die Schule und wir mussten auch
diese Tests machen. Was bei mir da raus kam, weiß ich schon gar nicht mehr aber ich weiß
Tobi, mein bester Freund aus der Schulzeit, bei dem kam aus diesem Test raus als Nummer
eins Berufsempfehlung: Puppenspieler. Und da dachten wir uns auch so, also, ist das jetzt
euer Ernst? Also, was soll dieser Test denn bringen?

Lisa:
Ja, vielleicht hat der da jetzt eine Karriere verpasst, vielleicht wäre er ein wunderbarer
[15:53]
Puppenspieler geworden.

Cari:
[15:58] Könnte sein.

Manuel:
[15:59] Na ja, also, ich fand diese Tests nicht so hilfreich. Ich weiß nicht, wie ging das Lisa,
fandest, hat dir das geholfen, diese ganze Beratung und diese Tests oder eigentlich nicht?

Lisa:
[16:09]Ich finde, es geht so, also, ich glaube, es bringt einem fast mehr, mit Leuten zu reden,
die einen gut kennen und die einen schon, also wie Eltern oder befreundete Eltern oder mit
Freunden oder mit Leuten, man ist ja meistens auch aktiv neben der Schule, also dann mit
dem Klavierlehrer oder also, mit irgendwelchen Leuten, die einen schon mehrere Jahre
begleitet haben. Ich glaube, das ist das, was mehr was bringt, weil ich habe dann zum
Beispiel auch erzählt, dass ich … mit dir, Cari, dich kenne ich ja schon aus der Schulzeit
und dass ich auch in der Medien-AG aktiv war und dann haben die nämlich auch gesagt,
"ja, machen Sie doch was mit Medien, irgendwie Medien, also so
Kommunikationswissenschaften oder so" und das war mir dann zu offensichtlich, da war
ich so ein bisschen so: Gut, da kann ich auch selber drauf kommen. Dafür brauche jetzt
keinen Test oder keine Beratung, also, ich weiß nicht. Aber ich kenne auch viele in meinem
Freundeskreis, die nach der Schule noch mal so zwei Jahre Auszeit genommen haben,
Praktika gemacht haben, gearbeitet haben, gereist sind und die wussten gar nicht, was sie
machen sollten und die haben dann nämlich auch solche Beratungen gemacht und dann
aber einen ganzen Tag, die sind wesentlich intensiver als in der Schule gewesen. Und denen
hat das richtig was gebracht, also … Ich glaube, wenn man gar nicht weiß, was sein
Interesse, also, was seine Interessen sind oder was man mal studieren könnte oder was für
eine Ausbildung es gibt, dann ist es, glaube ich, auf jeden Fall auch eine gute Option. Aber
die sind dann auch super teuer, glaube ich, solche Beratungen.

Cari:
[17:31]Es gibt ja aber auch viele Anlaufstellen, die umsonst sind. Zum Beispiel bieten ja auch
die meisten Universitäten so eine Art Studienberatung an, also wie eine offene
Sprechstunde. Zumindest habe ich das mal, ich weiß, dass ich das damals gemacht habe.
Ich weiß allerdings nicht mehr, was dabei rumgekommen ist. Ich weiß auch, dass ich mal
mit Freunden bei solchen Beratungen war. Wenn ihr jetzt euch überlegen würdet, ihr würdet
gerne in Deutschland studieren, ihr würdet jetzt aus einem anderen Land kommen. Es gibt
ja in Deutschland wahnsinnig viele Studiengänge und ich habe das Gefühl, es gibt auch
immer mehr Studiengänge, also viele Sachen werden noch spezifiziert und es werden neue
Studiengänge aufgemacht. Was würdet ihr denn jetzt jemanden raten, wie man sich da am
besten informieren kann?
Lisa:
[18:14] Das ist super schwierig und ich glaube, man wird nie diesen Dschungel oder diese
Größe an Studiengängen alle überblicken, aber es gibt so Internetseiten, da hat auch eine
Freundin von mir ihren Studiengang her, wo man so ein bisschen so, ja, ich glaube, der heißt
Studienkompass oder so und da kann man dann nämlich so Suchbegriffe eingeben, also
zum Beispiel hätte ich damals Politik, Sozialwissenschaften oder so was eingeben können,
also Felder, die mich interessieren und dann werden dir Studiengänge vorgeschlagen. Die
hat das auch gemacht mit Mode und Textil und ist dann auch auf ihren Studiengang
gekommen. Jetzt gerade beim Master mache ich das aber auch so … obwohl, beim Master
habe ich immer so im Hinterkopf, ich möchte auch in einer Stadt wohnen, die vielleicht auch
zu den Feldern passt, also, wo man vielleicht auch da nebenbei gut arbeiten kann, weil
gerade im politischen Bereich bringt dir Münster nicht so viel, weil du halt hier kaum
Anlaufstellen hast, wo du dann vielleicht als studentische Hilfskraft arbeiten kannst. Und da
kann man dann auch ruhig mal das Univerzeichnis, finde ich, durchgehen und sich mal die
Studiengänge angucken und so ein bisschen sich da was durchlesen und dann kommt man
vielleicht auch manchmal auf so neue Ideen.

Manuel:
[19:32] Ja. Auch noch ein guter Tipp ist der Studienführer von der "Zeit". Das ist ein
gedrucktes Magazin, gibt es aber auch im Internet. Die haben auch eine gute Auflistung
aller möglichen Studiengänge. Und was meine Empfehlung noch wäre, was ich, glaube ich,
viel zu wenig damals gemacht habe: Wenn man dann so ein paar Studiengänge im Auge hat
und denkt, das könnte was sein, das könnte was sein, das könnte was sein, einfach mal
sowohl die Uni anschreiben und mal mit denen telefonieren, vielleicht mal, wenn man die
Möglichkeit hat, besuchen und sich in eine Vorlesung setzen und wenn man das nicht kann
oder auch sowieso, einfach mit ein paar aktuellen Studenten und Studierenden mal
telefonieren. Die machen das super gerne und einfach mal die Leute ausfragen, wie ist es
denn wirklich? Weil in diesen ganzen Heften steht nicht, wie das Studium am Ende wirklich
ist, was man wirklich lernt, wie der Alltag wirklich ist, wie die Professoren drauf sind. Einfach
Leute ausfragen, einfach Interviews machen.

Lisa:
[20:33]Ja, ich finde auch, dass das der beste Tipp ist, also, ich habe das auch gemacht,
dass ich mit einer Freundin dann sogar in eine Vorlesung gegangen bin und dann haben wir
uns noch mit dem Professor ein bisschen unterhalten und auch mit den Studierenden in der
Vorlesung halt davor oder danach und das gibt einem noch mal so viel Input, den man
durch das Lesen im Internet, da steht es, also, jeder Studiengang wird da natürlich immer
als toll und als interessant dargestellt, aber wie er dann wirklich ist, ist meistens noch mal
was ganz anderes und da kann man auch ganz gut, wenn man jetzt nicht die Möglichkeit
hat, nach Deutschland zu kommen, vielleicht mal bei Facebook gucken, weil es gibt
eigentlich für jeden Studiengang oder zumindest für jedes Institut auch eine Facebook-
Gruppe, würde ich sagen. Zumindest war das bei uns so und dann einfach mal versuchen,
in die Gruppen reinzukommen und die Leute dann anzuschreiben. Also ich weiß, bei
unserem Studiengang haben das sehr viele gemacht und es gab eigentlich immer wieder
Leute, die dann in unsere Facebook-Gruppe eingetreten sind und gesagt haben: "Ich
interessiere mich für den Studiengang. Kann jemand mal mit mir telefonieren oder kann
jemand mit mir, mir mal ein paar Fragen beantworten?"

Cari:
[21:36] Ja, das ist ein super Tipp, das, das denke ich auch. Ich weiß noch, dass ich damals,
ich habe nämlich eher den Fehler gemacht, dass ich dann mehrere Studiengänge
angefangen habe und dann immer wieder gewechselt habe und ich habe mich damit nicht
so genau beschäftigt, auch, weil ich, muss ich sagen, im Nachhinein damals noch zu
schüchtern war. Das hört sich jetzt vielleicht doof an, weil man mir das nicht zutraut, aber
ich habe mich einfach nicht getraut, da hinzugehen und mit Leuten zu sprechen und ich
dachte auch, das ist so weit weg. Ich war irgendwie, weiß ich nicht, Achtzehn, Neunzehn.
Ich dachte, ja, die sind ja alle schon so groß und ich habe mich dann nicht getraut, mit den
Leuten zu sprechen und ich habe zum Beispiel auch zwei Sachen studiert, die ich dann
später … Ich habe zum Beispiel Sprachwissenschaften studiert in Münster und das hat
mich eigentlich interessiert. Ich mache das ja heute beruflich, obwohl ich das ja damals
nicht vorgehabt habe, mich mit Sprache wirklich länger zu beschäftigen, ich habe das
einfach als Nebenfach gewählt, weil mich Sprache interessierte und habe dann vier
Semester studiert, aber dann irgendwann rausgefunden, hey, dieses Institut für
Sprachwissenschaft in Münster ist super klein. Es gibt, glaube ich, nur zwei, es gab zwei
Professoren und die hatten so bestimmte Schwerpunkte, die mir überhaupt nicht gefallen
haben, die ich langweilig fand und dann war mir dann erst nach vier Semestern klar, hey,
wenn ich jetzt hier meinen Abschluss machen würde, dann müsste ich mich, da muss ich
jetzt längere Arbeiten schreiben zu Themen, die mich überhaupt nicht interessieren. Und
dann habe ich das abgebrochen nach, also nachdem ich schon quasi das Grundstudium
mit vier Semestern fertig hatte, hat mir jetzt auch nicht geschadet, aber hätte mir auf jeden
Fall geholfen damals, dass mir ein bisschen früher das klar wird. Ich habe da gerade noch
mal drei Links und Manuel, du kannst ja deinen "Zeit"-Link auch noch in die Show Notes
stellen, zum Beispiel studieren.de, da findet man die tolle Zahl: Es gibt 21.184 Studiengänge
in Deutschland. Ist natürlich Wahnsinn, aber da kann man schon mal, zum Beispiel auch
schon mal besser sehen, welche Bereiche es gibt und dann ein bisschen strukturierter
suchen. Dann gibt es den Hochschulkompass, das hat, glaube ich, Lisa gerade genannt, wo
man tatsächlich ein bisschen mehr über sich auch eingeben kann in eine Suchmaske und
dann was findet und study-in-germany.de, wo es ein paar allgemeinere Infos gibt überhaupt
zu dem Thema, wenn man jetzt als Nichtdeutscher oder aus dem Ausland kommt und in
Deutschland studiert. Wie, also meine nächste Frage an euch wäre und ich glaube, da gibt
es auf jeden Fall einen Unterschied bei uns allen drei: Wie läuft denn so ein Studium ab,
Lisa? Wie war das denn bei dir? Wie lange dauert das Studium?

Lisa:
[24:09] Bei mir war die Regelstudienzeit drei Jahre, also sechs Semester.

Cari:
[24:15] Was für einen Abschluss hast du gemacht?

Lisa:
[24:17]Einen Bachelor of Science. Ja, wir hatten, nein, wir hatten einfach nur Glück. Ich
glaube, in Deutschland wäre es ein Bachelor of Arts, obwohl ich den Unterschied auch, ja,
der ist, glaube ich, auch so ein bisschen egal oder für mich zumindest nicht so wichtig. Aber
wir hatten Glück, weil wir auch an der Uni in Enschede, also ich habe an zwei Universitäten
studiert und die Uni in Enschede ist so ein bisschen technischer und ja, noch
wissenschaftlicher aufgestellt als wohl die in Münster und deswegen haben wir den
Bachelor of Science bekommen anstatt den Bachelor of Arts.

Cari:
Welche Abschlüsse kann man denn überhaupt heutzutage machen? Also dann in
[24:51]
solchen Fächern, also wenn du jetzt Gesellschaftswissenschaften studierst, machst du
eben einen Bachelor oder einen Master. Gibt es denn daneben noch andere Abschlüsse?
Weil ich weiß, dass sich das auf jeden Fall, als ich mit dem Studium fast fertig war, da wurde
das Bachelor-Master-System erst eingeführt, also aufgrund der Internationalisierung. Ich
habe zum Beispiel, mein Abschluss war Magister, was war dein Abschluss, Manuel?

Manuel:
[25:21] Ich habe schon einen Bachelor gemacht, Bachelor of Arts in drei Jahren.

Cari:
[25:25]Ach, echt? Ja, ich hatte einen Magister, da war die Regelstudienzeit, weiß ich gar
nicht, wie lange. Also, ich glaube, die meisten Leute (Zwanzig Jahre.), die meisten Leute
haben fünf bis sechs Jahre studiert, also es ist im Prinzip wie, wie ein Master, allerdings gab
es gar keine andere Option. Also du kannst entweder einen Magister machen oder gar
nichts und das ist schon interessant, weil heute ist es doch ein bisschen anders, dass man
eben sagt, okay, diese Grund… das Grundstudium sind jetzt, der Bachelor ist drei, auf drei
Jahre ausgelegt. Das ist auch dann viel besser strukturiert, denke ich. Bei uns war das
relativ unstrukturiert. Das heißt, wir haben dann gesagt bekommen, es gab zwar so was wie
ein Grundstudium, das waren drei Jahre und dann noch mal ein Hauptstudium, das waren
drei Jahre und da wurde uns einfach gesagt, okay, nach drei Jahren brauchst du diese
Scheine. Und die Scheine, kannst du dir selber aussuchen, wann du die machst, was
natürlich bei vielen Studenten, entweder weil sie Party machen oder weil sie nebenher
andere Projekte hatten, so wie ich sie hatte …

Manuel:
[26:28] Was hattest du denn für Projekte?

Cari:
[26:32]Party-Projekte. Na, die meisten Leute … Ich habe das Studium halt wirklich, ich habe
nebenbei studiert und nicht nebenbei gearbeitet, das muss man schon sagen. Und ich habe
dann einfach die Sachen gemacht, die mich interessiert haben und irgendwann dachte ich,
scheiße, scheiße, ich muss jetzt dieses Studium fertig machen. Und dann habe ich dann alle
wichtigen Scheine tatsächlich in ein, zwei Semestern gemacht, also ich habe dann mal
einmal richtig reingehauen und dann das Studium fertig gemacht und das ist aber heute ein
bisschen besser strukturiert, glaube ich, sodass du aufeinander aufbauende Seminare hast
und es zum Beispiel nicht so vorkommen kann, dass du erst mal was mit einem Thema
anfängst, was total … also, das ist, glaube ich zumindest, dass das so ist, dass du erst mal
mit den einfacheren Themen anfängst, dann mit den schwierigen Sachen, sodass das auch
ein bisschen mehr wie ein Stundenplan geordnet ist und nicht, dass du dir den Stundenplan
komplett selber zusammenstellst. Lisa, stimmt das so?

Lisa:
[27:27]Ja, ich wollte aber noch was ergänzen zu den, zu den Abschlüssen, weil ich glaube,
Bachelor und Master sind jetzt so die kommenden, also die Abschlüsse, die die meisten
machen. Aber es gibt auch noch Ingenieurabschlüsse, aber da kenne ich mich nicht so aus
und natürlich, wenn man Rechtswissenschaften oder Medizin studiert, dann macht man das
ja mit Staatsexamen und ist nicht in diesem Bachelor-Master-Verlaufsplan.

Cari:
[27:53] Ja, das ist eine super Ergänzung, ja.
Lisa:
[27:56]Genau und dann jetzt noch mal deine Frage. Ja, ich glaube, dass es total auf das
Studium an sich ankommt. Es ist auf jeden Fall, denke ich, also, ich habe den Vergleich jetzt
nicht mit dem Magister, es ist, glaube ich, schon ein bisschen mehr was vorgegeben, was ja
auch zumindest im deutschen System ein bisschen kritisiert ist, weil das deutsche System
sich ja immer sehr als selbststudierend, also so auf Selbstverantwortung baut. Und bei uns
war das so, dass wir zum Beispiel erst bestimmte Vorlesungen oder in einem bestimmten
Semester bestimmte Leistungspunkte erbracht haben mussten, damit wir dann bestimmte
Kurse machen konnten, also, ab dem dritten Semester konnte man dann auch in andere
Seminare gehen als im ersten Semester, damit das dann so ein bisschen, ja, unterschiedlich
ist vom Inhalt und auch vielleicht ein bisschen schwieriger und anspruchsvoller. Aber
grundsätzlich würde ich sagen, zumindest, wenn ich meine Freunde angucke, die so Politik
und Recht studiert haben, dass man schon auch noch sehr frei ist in der Wahl, also es gibt
so einen optimalen Studienverlaufsplan, der dir auch vorgehalten wird und den man, den die
meisten, denke ich, auch machen. Aber es gibt auch immer wieder Leute, die sagen, okay,
nee, die Vorlesung mache ich dieses Semester nicht, die mache ich dann halt nächstes
Semester oder in, nächstes Wintersemester. Also so ein bisschen Freiheit ist auf jeden Fall
noch gegeben und wenn ich das jetzt mit Enschede vergleiche, wo ich ja auch studiert
habe, ist es wesentlich freier, weil in Enschede war es klar vorgegeben und du musstest das
machen und sonst hättest du auf jeden Fall ein Jahr gewartet, und zwar, also die
Professoren hätten das auch gar nicht nachvollziehen können, dass du jetzt diese Klausur
oder dieses Modul einfach skippst und was anderes machst. Für die war Studium halt so
das erste, die erste Priorität.

Manuel:
[29:41] Das ist interessant. Das war bei mir nämlich auch so, dass wir so ein paar Horror-
Fächer hatten wie zum Beispiel Informatik zwei. Und das haben ganz viele Leute einfach
jedes Semester wieder aufgeschoben und gesagt, "ach komm, ich mache es später" und
haben es dann ganz am Ende erst gemacht. Oder auch das Thema Präsenzpflicht, also bei
mir im Studiengang war es in fast allen Seminaren und Kursen und Fächern so, dass man
nicht präsent sein musste. Wenn man am Ende zur Prüfung gekommen ist und seine Arbeit
abgegeben hat und die war gut, dann war alles okay. Man musste nicht in die Vorlesung
kommen. War in den meisten Fällen doof, wenn man nicht da war, weil da wurde der Stoff
vermittelt, aber es war nicht Pflicht. Und ich weiß, dass das aus amerikanischer Sicht zum
Beispiel völlig undenkbar ist. Wenn man da studiert, hat man auch zu den Vorlesungen zu
kommen. Das geht nicht, dass man sich nie blicken lässt und dann am Ende eine Prüfung
abgeht, abgibt oder eine Prüfung macht und eine Arbeit abgibt und damit sein Studium
meistert.

Cari:
[30:41]Ganz interessant. Bei uns gab es so Anwesenheitslisten und manche Professoren
haben das so ein bisschen ernster genommen, manche ein bisschen weniger. Auf jeden Fall
war es möglich, natürlich bei einer Vorlesung, wo, ja, auch fünfzig Leute saßen, manchmal
waren es ja auch mehr, manchmal waren es vielleicht zweihundert oder so, dass halt einfach
jemand anderes für dich unterschrieben hat und das haben wir regelmäßig gemacht, dass
wir dann, immer einer da hingegangen ist und der dann für alle unterschrieben hat. Was ich
interessant finde noch, im internationalen Vergleich, das ist so meine persönliche
Einschätzung oder Erfahrung, wenn ich mit Menschen aus anderen Ländern in Kontakt
komme. In vielen Ländern habe ich das Gefühl, dass man noch stärker darauf gedrängt
wird, etwas Nützliches zu studieren, beziehungsweise, dass es auch ein bess… also, dass
es auch eine stärkere Vorstellung gibt in der Gesellschaft, was ein nützlicher Abschluss ist
und was nicht ein nützlicher Abschluss ist. Also, ich kenne das zum Beispiel von, weiß ich
nicht, die meisten Syrer oder Ägypter, die ich treffe, die sind entweder Ingenieur oder Arzt
und da wird nicht Politik studiert, so, weil das einfach ein sehr spezielles Thema ist und und
man das Gefühl hat, damit kann man gar nicht so viel Nützliches machen. Und ich finde das
interessant, in Deutschland hat man doch schon so eine Idee, dass man das studiert, was
einen interessiert und dann erst danach guckt, was man eigentlich damit machen kann, also
zum Beispiel: Ich habe Geschichte studiert und ich hatte ja nie das Ziel, Historikerin zu
werden und wir haben damals eigentlich mit allen Leuten, die bei uns studiert haben, da
waren vielleicht zehn Prozent, die wirklich die Idee hatten, hey, ich will später historisch
forschen oder im Museum arbeiten oder Professor werden, der Rest hat das einfach aus
Interesse studiert. Und wir haben dann immer aus Spaß gesagt, wir studieren auf Taxifahrer,
weil einen anderen Beruf kann man damit eigentlich nicht machen. Du kannst als Taxifahrer
zum Beispiel ein paar nette Geschichten erzählen, aber ansonsten studierst du das ja nicht,
um diesen Beruf ausüben. Und ich habe das Gefühl, dass man in Deutschland da relativ frei
ist, also die Leute nehmen sich die Freiheit, das zu studieren, was sie interessiert und
gleichzeitig ist man aber in Deutschland ein bisschen unflexibel, zumindest sagen mir das
dann Leute eher aus dem englischsprachigen Raum wie aus dem Vereinigten Königreich
oder aus den USA, dass sie das Gefühl haben, dass es viel akzeptierter zum Beispiel ist in
Großbritannien, dass man einfach einen Bachelor macht, egal in welchem Fach und dann
erst mal arbeitet und das kann auch in einem völlig anderen Bereich sein. Was sind da eure
Erfahrungen?

Manuel:
[33:18] Ja, ich habe dem eigentlich nichts hinzuzufügen. Es ist so. Man, in Deutschland wird
später sehr stark erwartet, dass man einen Abschluss hat in bestimmten Berufen oder
bestimmten Laufbahnen, es ist zum Teil so ein, du kannst in bestimmten Firmen nicht
Manager werden, ohne studiert zu haben, aber was du studiert hast, ob dir das überhaupt
irgendwas bringt für diesen Beruf, ist dann eigentlich egal. Es ist mehr so ein Siegel, dass
du irgendwie zum Akademikerkreis gehörst oder dass du das halt geschafft hast, während
es in anderen Kulturen, glaube ich, viel mehr darum geht, sich spezifisch auf einen Beruf
vorzubereiten und wenn man jetzt aber diesen Abschluss nicht hat und auf anderem Wege
dahin geschafft hat, ist es auch okay.

Cari:
Okay, also, du würdest sagen, in Deutschland ist es nicht so, dass du eine, so einen
[34:07]
gradlinigen Lebenslauf haben musst. Das heißt, dass du irgendwie, weiß ich nicht, um als
Wirtschaftsberater zu arbeiten, musst du auch BWL studiert haben, sondern du kannst
dann auch Politik studiert haben?

Manuel:
[34:26] Genau. Ich glau… Also es, es kommt darauf an. Ich glaube, je abstrakter der Beruf ist
und je, ich sage mal, so, akademischer im Grunde, also alles, was so in Richtung
Management geht oder Beratung oder auch so Sachen wie Journalisten oder so, bei denen
ist es eigentlich völlig egal, was sie studiert haben, aber es wird oft vorausgesetzt, dass
man studiert hat, damit sich diese Türen überhaupt öffnen. Und das ist auch, glaube ich, der
Grund, warum unsere Eltern und so gedrängt haben, hey, studier mal lieber, sonst bleiben
dir später Türen verschlossen, aber, genau, also, ich … die wenigsten Journalisten zum
Beispiel haben Journalismus studiert. Man kann eigentlich dann studieren, was man will,
aber wenn man jetzt ohne Studium zum Spiegel geht und sagt, hey, ich würde gern ein
Volontariat machen, das wird, glaube ich, schwierig, jetzt nur mal so als Beispiel.
Lisa:
[35:21]Ja, ich würde euch da total zustimmen, habe aber das Gefühl, dass sich das jetzt
auch vielleicht ein bisschen verändert, dadurch, dass es jetzt in den letzten Jahren ja so
viele Studiengänge gibt, dass dann manchm… in manchen Branchen doch schon darauf
geguckt wird, was hast du studiert oder dass es zumindest ansatzweise zu dem, also, dass
der Studiengang ansatzweise zu dem Arbeitsfeld passt. Dadurch, dass jetzt so viele, also
gerade im Journalismus es auch so viele Journalismus-Universitäten oder -Studiengänge
gibt, habe ich da das Gefühl, dass es früher total normal war, irgendwas studiert zu haben
und jetzt aber schon auch ein bisschen darauf geguckt wird, das habe ich schon das
Gefühl. Und ich sehe das auch so, dass man in Deutschland, ja, eigentlich irgendwas
studiert und hinter so ein bisschen guckt: Was kann man daraus machen oder dass es das
zumindest sehr verbreitet gibt, aber zum Beispiel meine eine Tante fragt mich auch immer,
was ich mit meinem Studiengang werden möchte und sagt bis heute, dass sie nicht
versteht, was ich studiere und was ich dann später mal machen möchte damit. Also, ich
glaube, vielleicht ist es auch manchmal so ein bisschen, ja, generationsbedingt oder so ein
bisschen kommt es auch auf den Lebenslauf der einzelnen Person an. Ich glaube, bei ihr
war das sehr vorgegeben, was sie gemacht hat.

Cari:
[36:38]Vielleicht noch ein allerletzter Aspekt, der auch damit zu tun hat, dass man in
Deutschland einfach mal los studiert, sind die Studiengebühren. In anderen Länder wäre es
undenkbar, dass du ein Studium anfängst, ohne dir wirklich intensiv Gedanken zu machen
und bei uns ist es völlig normal, dass du Neunzehn bist und dich einfach mal einschreibst
für einen Studiengang, der dich vielleicht interessiert und dann guckst du mal in einem Jahr
weiter, ob du das machst oder nicht. Was habt ihr denn so für euer Studium bezahlt?

Manuel:
[37:06] Lisa?

Lisa:
Okay, ich wusste nicht, ob du erst anfangen willst. Genau, also, es gibt ja eigentlich
[37:08]
keine Studiengebühren mehr in Deutschland. Das ist ja der Semesterbeitrag und der ist von
Uni zu Uni sehr unterschiedlich, setzt sich zusammen aus so Verwaltungskosten, aus dem
Semesterticket, was bedeutet, dass du halt in den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren
kannst — und das ist auch der teuerste Teil — und dem Kultur-Semesterticket, das sind so
Vergünstigungen bei Museen. Und das war bei mir so um die 350 bis 400 (Pro was?) pro
Semester, also im Jahr habe ich um die 600, 650 Euro bezahlt.

Manuel:
[37:48] Und da, da lachen sich jetzt natürlich Amerikaner vor allem, sicher auch in vielen
anderen Ländern, die Leute kaputt, ja? Also du zahlst in Deutschland 600 Euro im Jahr, jetzt
mal grob gesagt und das ist nicht mal eine Studiengebühr, das ist eine Gebühr, damit du alle
öffentlichen Verkehrsmittel, alle Züge und Busse und U-Bahnen in deiner Region kostenlos
nutzen kannst und damit du Ermäßigung bekommst in Museen und damit du irgendwie eine
Verwaltung hast in deiner Uni und ansonsten ist es einfach kostenlos, das ist schon toll.

Lisa:
Ja, das finde ich auch richtig, richtig gut. Und ich, also ich finde, das ist auch ein
[38:24]
Luxus, den man hat in Deutschland, dass man für so wenig Geld studieren kann und dann
gibt es ja auch noch so was wie Bafög, also eine Unterstützung vom Bund für Leute, die in
Deutschland studieren, aber ich muss auch sagen, man merkt auch den Unterschied, also
in den Niederlanden habe ich 2000 Euro pro Jahr gezahlt. Man sieht aber doch auch einen
kleinen Unterschied zwischen, zwischen, ja, einer Uni, die du bezahlst und einer Uni, wo du
nicht so viel bezahlst, gar nicht unbedingt von wegen, dass die Uni in Enschede besser
gewesen wäre von ihren Inhalten, aber einfach, du bist näher am Professor dran, die Kurse
sind kleiner, die Räume sind anders ausgestattet. Das, das merkt man dann schon, aber ich
finde, dass es trotzdem ein unfassbarer Luxus ist und dass es auch etwas Tolles ist, also,
wo ich sagen würde, dass ich das sehr, sehr gut finde. Aber wir machen das ja auch für
Leute, die vielleicht überlegen, aus dem Ausland in Deutschland zu studieren. Und das
einzige Land oder zwei Bundesländer gibt es, die Studiengebühren für ausländische
Studierende erheben, die nicht aus EU-Ländern kommen und das ist Baden-Württemberg
und in Sachsen ist das den Universitäten freigestellt und in NRW wird momentan darüber
diskutiert, Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger zu erheben — vielleicht so als Info.

Manuel:
[39:50] Das ist wichtig zu wissen.

Cari:
[39:52]Das ist super interessant. Das heißt aber, ansonsten kannst du einfach aus Brasilien,
China oder Nigeria nach Deutschland kommen und hier studieren so wie und auch so wie
Deutsche umsonst studieren? (Genau.) Ja, das ist eigentlich ein geniales System. Also, ich
meine, ich bin, grundsätzlich finde ich das politisch richtig, dass das Studieren frei ist, denn
das, die Bildung soll schon grundsätzlich jedem zur Verfügung stehen. Auf der anderen
Seite, das andere, was ich auch sehe vielleicht, ist, dass man, also so sorglos, wie ich an
das Studium herangegangen bin … Es ist doch vielleicht so, wenn man für etwas zahlt,
auch wenn es nur ein bisschen ist, es müssen ja nicht gleich 20.000 Dollar pro Jahr sein,
dass man dann vielleicht das Gefühl hat, dass man das ein bisschen ernster nimmt oder ein
bisschen mehr wertschätzt und die Zeit nicht so vertrödelt, wie ich das damals gemacht
habe. Was sagt ihr?

Manuel:
[40:44] Ja, ich finde, da gibt es andere Mechanismen. Ich glaube, wenn studieren Geld
kostet, ist es einfach, führt das sehr schnell einfach dazu, dass bestimmte soziale Schichten
halt gar nicht erst darüber nachdenken, ob sie studieren wollen oder werden. Deswegen bin
ich sehr stark dafür, dass studieren kostenlos ist und bleibt und dieses Argument, okay, es
ist aber nicht kostenlos, sondern es zahlen dann alle, auch die Leute, die nicht studieren,
das stimmt natürlich, aber das ist mit anderen Dingen ja auch so. Also ich bezahle auch für
die Autobahn, obwohl ich kein Auto habe oder für die Parkplatz-Infrastruktur, obwohl ich
kein Auto habe. Es gibt einfach bestimmte Dinge, wo wir gesellschaftlich sagen, die muss
es geben und dafür bezahlen wir alle und da sollte Bildung, meiner Meinung nach und auch
höhere Bildung unbedingt dazugehören.

Lisa:
[41:33]Genau, das sehe ich auch so. Und man kann ja auch sagen, jeder darf ja in die, also
zur Zeit nicht wegen Corona, aber jeder darf ja auch in die Büchereien von Universitäten
gehen und die meisten Universitäten, da darf man sich sogar als Nicht-Studierender Bücher
ausleihen oder so einen Büchereiausweis machen und da kann man dann ja auch von
profitieren oder es gibt ja auch "Studieren im Alter" in Deutschland, ich weiß nicht, ob es
das in anderen Ländern auch gibt, also ich finde, da wird auch etwas zurückgegeben an alle
Menschen in Deutschland.
Cari:
[42:03]Genau. Das heißt, dass man, wenn man, ja … Also, ich glaube, in jedem Alter geht
das, aber das ist besonders populär dann bei Rentnern, die nichts, die nicht mehr arbeiten
aktiv und sich weiterbilden wollen. Die können sich dann teilweise in Vorlesungen von, ja, in
öffentliche Vorlesungen setzen und es gibt teilweise sogar extra Seminare auch nur für
Senioren. Das ist auch ein ganz cooles Konzept. Ja, Lisa, das war schon ziemlich
umfangreich heute. Danke, dass du bei uns warst und uns ein bisschen aus deinem, ja, gar
nicht so viel aus deinem Studienalltag erzählt hast. Wir haben jetzt ein bisschen technisch
geredet, vielleicht machen wir noch mal einen Teil zwei. Das wäre jetzt mein Vorschlag. Und
ihr könnt quasi, ihr Zuhörerinnen und Zuhörer, ihr könnt daran teilhaben, indem ihr uns
Fragen schickt, nämlich die Fragen, die ihr habt zum Studium und dann würden wir in Teil
zwei einfach mal diese Fragen beantworten. Wenn ihr jetzt zum Beispiel wissen wollt, wie
viel Zeit hat Lisa eigentlich für Partys am Wochenende während des Studiums? Hat man
überhaupt Zeit für Partys oder lernt man den ganzen Tag? Das ist natürlich eine wichtige
Frage, die ich mir damals gestellt habe. Ihr auch? (Ja.)

Lisa:
[43:11] Ja, definitiv.

Cari:
Na, wenn ihr eine Frage habt zum Thema "Studium in Deutschland", es gibt ja viele
[43:13]
Aspekte, die wir noch nicht besprochen haben, dann schreibt uns doch mal einen
Kommentar zu dieser Folge oder über unser Kontaktformular auf easygerman.fm und dann
würden wir dich einfach noch mal einladen, Lisa …

Lisa:
[43:30] Ja, sehr gerne.

Cari:
[43:31] … und weiter quatschen.

Lisa:
[43:33] Ja, ich würde mich freuen.

Manuel:
[43:34] Cool! Vielen Dank, Lisa, dass du da warst.

Lisa:
[43:37] Ja, danke für die Einladung. Es macht immer wieder Spaß mit euch.

Manuel:
[43:41] Bis bald. Ciao.

Lisa:
[43:42] Tschüss.

Cari:
[43:43] Ciao.