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Fragmenten ist schleifenförmig ausgebildet, das Ge­ nehmen an, daß das von Krausz verkaufte, tordierte,

samtgewicht der Fragmente beträgt 7,75 g. J . Ham- in Schleife ausgehende Draht (Halsring?) aus dem
pel erwähnte ein einziges, entzweigebogenes Draht, Fund von Kunmadaras stammt. Seine lockere Tor-
mit schleifenlosen Enden ( H A M P E L 1905, Taf. III. dierung und seine Schleife sind den Fragmenten
Taf. 272, 11). N. Fettich führte 3 gerade Drähte mit von Kunmadaras ähnlich, jedoch weicht es von dem
den herunterhängenden Inventarzetteln und ein 1871 zum Vorschein gekommenen, dicht tordierten
längeres, halsringförmig eingebogenes Draht mit Halsring von Ozora ab. In unserem awarenzeitli­
Schleifenenden vor ( F E T T I C H 1926a, Taf. I I I ) . Gy. chen Fundmaterial sind uns aus tordiertem Gold­
László bog aus den schleifenförmig ausgehenden draht hergestellte Arm-, Fuß- oder Halsringe im
Stücken einen Ring von 8 cm Druchmesser in der vergangenen Jahrhundert aus anderen Funden nicht
Größe eines Armbandes und aus den drei geraden bekannt.
Stücken einen kleineren (dies stellt den heutigen Schwert: seine Eisenklinge kam nicht in das Mu­
Zustand dar) (Taf. 64, 7, 8). Bei den bisherigen Mit­ seum, auch die Beschläge seiner Scheide nur man­
teilungen fehlen im Verhältnis zur ursprünglichen gelhaft. Die Schwertklinge dürfte 3-4 cm breit, ge­
Eintragung 1 St. Drahtfragment und 8 g vom Ge­ rade, zweischneidig gewesen sein. Aus dem Typ der
wicht. Hängeösen geschlossen, hatte das Schwert keine
Die unter N 257, von unbekanntem Fundort re­ Parierstange. Den Griff des Schwertes bedeckten
gistrierten, armbandförmig gebogenen zwei Drähte wahrscheinlich ein oder mehrere Blechbeschläge,
ohne Inventarnummer mit gebrochenen Enden und ebenso wie auch den des Schwertes von Csepel. Die
4,60 g Gewicht sind mit aller Sicherheit die fehlen­ Hängeösen lassen sich in die Gruppe der '^"-för­
den Stücke des Fundes von Kunmadaras (Taf. 64, 8). migen Ösen reihen (wie das Schwert von Csepel
Zwar hätten wir auf diese Weise schon insgesamt 7 und das neue von Kunpeszér), stellen ihre eigenarti­
Fragmente, jedoch fehlen vom ursprünglichen ge Variante dar, bei der von den die Scheide über­
Gewicht noch immer 3,65 g. Das dünne, auch ur­ brückenden Bändern die unverzierten Blechschei­
sprünglich schon in mehrere Stücke gebrochene den fehlen und auch das innere Feld der "D"-Form
Draht dürfte sich aber während den vergangenen leer, ohne Bedeckung ist. Das am Rande der Öse
100 Jahren weiter zerbröckelt haben und hierbei verlaufende Flechtband ist dem Band des mit in
kam ein kleineres Stück vermutlich abhanden. S-Form untergebrachten Einfassungen geteilten
Die Funktion der Drähte mit Schleifenenden Feldes der "D"-förmigen Öse von Csepel ähnlich.
kann nach der mehrfachen Geraderichtung und Das untere Drittel der Schwertscheide von Kunma­
Biegung heute schon schwer bestimmt werden. Der daras war von einer unverzierten Blechscheide mit
Durchmesser der Halsringe beträgt 12 cm, im Falle Rechtband am oberen Rand bedeckt.
der Männer dürfte dieses Maß schon größer gewe­ Die gezähnten Flechtbänder von Kunmadaras
sen sein. Aufgrund der vier Schleifenenden gehen sind die schematischen, geometrisierten Varianten
wir der Wahrheit vielleicht näher, wenn wir zwei des germanischen Tierstiles II. Im Tierstil der
Arm- oder Fußringe rekonstruieren. Einen älteren, gleichaltrigen Jankovich-Goldstücke (Taf. 43, 1-4)
awarenzeitlichen, tordierten Halsring als den von können die Tierköpfe und -füße noch leicht ent­
Ozora kennen wir bisher im Karpatenbecken nicht. deckt werden. Bei den Schwertbeschlägen von Ma­
In Grabkomplexen des 6-7. Jh. Südrußlands sind daras verraten nur die auf dem unteren, kurzen,
uns aber die aus tordiertem Draht erzeugten Hals-, geraden Bogen der Ösen gemusterten, mit Krallen
Arm- und Fußringe bekannt. Im Grab von Utsch- versehenen Fußenden den Tierstilursprung des
Tepe waren solche mit einem Schwert von ^ " - f ö r ­ Musters. Auch das Muster der kleinen Riemen­
miger Hängeöse und mit der durchbohrten Münze zungen ist ein glattes, gezahntes Flechtband, jedoch
von Justinianus I. gemeinsam vorhanden ( J E S S E N die Linienführung ist viel dürftiger als auf den
1965, 153-192). E s ist nicht ausgeschlossen, daß Schwertbeschlägen. In den rechteckförmigen Ecken
auch der Fürst von Kunmadaras ähnliche als des mit Rechtband verzierten Schnallenbeschlages
Schmuck getragen hat oder ein solches Stück zum kann noch je ein Tier köpf angetroffen werden.
Zusammenhalten des losen Gewandes gedient hat. Dolchscheidenbeschläge (?) (Tat 66,1-6): die papier­
Diese Trachtergänzung wurde aber aufgrund unse­ dünnen Blechbeschläge rekonstruierte Gy. László als
rer bisherigen Funde - dem Anschein nach - nicht Dolchscheidenbeschläge (LÁSZLÓ 1955, Pl. L X V I , 5-
allgemein. Drei Jahre später nachdem der Fund von 6). Unter den in mehrere Stücke zerbrochenen Bleche
Kunmadaras in das Museum kam, verkaufte der sind 2 bzw. 2,5 cm breite Stücke. Das Ende eines breite­
Antiquitätenhändler Jakab Krausz dem Museum ei­ ren und eines schmäleren Stückes ist konkav bogenför­
nen aus tordiertem Draht hergestellten Halsring (?) mig geschnitten Das intakte Ende eines breiteren Stük-
(Inv.-Nr.: 126/1887. N 446. Gewicht: 8,28 g. Taf. kes ist halbkreisförmig. Das eine Ende von zwei
36,3). Das eine Ende des Drahtes ist eine Schleife, breiteren Bändern verjüngen sich allmählich und gehen
das andere abgebrochen ( G A R A M 1984,92. Abb. 3, spitz aus. Die eine Seite zeigt eine Lötspur, auf dem an­
1). Auf diesen Umstand wurden wir bei der Zusam­ deren, sich verjüngenden Ende ist eine längliche Kerbs­
menstellung der Akquisitionsliste aufmerksam. Wir pur. A n sämtlichen Stücken sind mehrere winzige Lö-
cher zu sehen, die zur Armierung der Bleche gedient ha­ Staatliche Hauptpunzierungsamt in das National­
ben. Die Bleche waren bestimmt auf eine Rinde oder museum, die einzelnen Stücke des Fundes wurden
auf ein Stück Holz genietet, jedoch ist ihre Funktion für von sechs Personen angekauft. Die in das Museum
uns unsicher. Zu den sog. Dolchbeschlägen wurde auch gelangten Stücke des Grabfundes untersuchend,
ein rötlichgelbes, zerknittertes Blech inventarisiert (Taf. können wir auf einst vorhandene Gegenstäde
66,7), das Biegungsspuren zeigt Mit den durch die win­ schließen (z.B. auf die andere Hängeöse des
zigen Löcher durchtriebenen Nieten dürfte dieses Schwertes). E s kann angenommen werden, daß aus
Blech auf einen Holzgegenstand von nicht gerader dem Grabfund auch mehrere solche Gegenstände
Oberfläche befestigt worden sein. An der einen Längs­ fehlen, deren Teile auch nicht eingeholt worden
seite befindet sich auch eine bogenförmige Schnittspur. sind.
Dieses Blech dürfte das Ende irgendeiner Scheide oder In Kenntnis zahlreicher, frühawarenzeitlicher
Tülle verziert haben. Fürstengräber, Bestattungen von führenden Persön­
Pferdegeschirrzierden (Taf. 68, 1-15): von diesen lichkeiten (z.B. Bocsa, Szegvár, Törökkanizsa, Kun­
sind 5 dreibögige, Fransenmuster nachahmende und ágota usw.) kann für sicher angenommen werden,
10 halbkugelförmige, ursprünglich auf Bronzeblech daß auch der Fürst von Kunmadaras Ohrgehänge
gepreßte Goldblechbeschläge in das Museum ge­ getragen hat. Jakab Krausz verkauft den National­
langt. Ursprünglich dürften solche mehrere gewe­ museum im Jahre 1884 ein Paar Ohrgehänge mit
sen sein, in dem ähnlichen, jedoch gleichfalls nicht kleinem Pyramidenanhänger von einem unbekann­
kompletten Grabfund von Kunágota befinden sich 8 ten Fundort. Die ganze Oberfläche der Pyramiden
bzw. 21 Beschläge. ist mit Granulation verziert (Kat.-Nr. 38, Taf.
Von den dreibögigen Beschlägen von Kunmada­ 32, 3-4). Die Ohrgehänge werden von I. Bona mit­
ras ist ein Stück von besserer Qualität, dicker, an­ geteilt, das intakte Stück aufgrund der damaligen
ders geformt, also es wurde auf einem anderen falschen Angabe des Goldkartons des Museums irr­
Preßmodel erzeugt als die übrigen. Dies kann das tümlicherweise mit dem Fundort Budapest-Angyal­
ältere Originalstück sein, die übrigen sind Ersetzun­ föld, das Paarstück als von unbekanntem Fundort
gen von schwächerer Ausführung. Die halbkugelför­ (BONA 1980, Abb. 6, 5-6). E s ist vorstellbar, daß
migen, stark fragmentarischen Beschläge sind eben­ diese Ohrgehänge aus dem auseinandergetragenen
so schwach ausgeführt, wie die 4 Beschläge mit Grab von Kunmadaras stammen. Ihre Datierung ist
Fransenmuster. Der Rand der halbkugeligen Be­ aufgrund des Grabes von Szegvár bekannt und sie
schläge wurde beim Pressen an mehreren Stellen gleichaltrig mit dem Grab von Kunmadaras, stam­
dreieckförmig aufeinandergebogen, so wie bei dem men also aus dem Ende des 6.-Beginn des 7. Jh.
oben analysierten Blech mit geschweifter Seite. 1887 verkauft Jakab Krausz ein weiteres Ohrgehän­
E s ist interessant, daß sich auf dem Rand und an ge mit Pyramidenanhänger, im selben Jahr, wie
der Oberfläche der fransenverzierten und halbkuge­ auch den oben erwähnten, aus tordiertem Draht er­
ligen Beschläge mehrere winzige Löcher befinden. zeugten Halsring (Kat.-Nr. 39, Taf. 32, 5). Diesen
Diese können zum Annähen von konvexen Beschlä­ Pyramidenanhänger verziert die Granulation in
gen nicht geeignet sein. Meiner Vorstellung nach, dreieckförmigen Mustern. Es handelt sich gewiß um
wurden die dünnen Beschläge auf einen Holzkern einen frühawarenzeitlichen Ohrgehängentyp, je­
genietet, sodann mit dem in den Kern geschlagenen doch seine Analogie ist uns aus einem gut datierba­
langen Nagel auf den Lederriemen befestigt. Auf ren Grab nicht bekannt. Von den beiden Typen
dem aus massiverem Goldblech gefertigten, Fran­ scheint es sicherer zu sein, daß das vorherige zum
sen nachahmenden Beschlag finden wir kein Niet­ Fund von Kunmadaras gehört haben dürfte.
loch. Die anschauliche Vorführung der in das Museum
Sonstige Gegenstände: mit Einfassung versehenes gelangten Funde des Männergrabes mit Pferd von
Goldblech (Taf. 64, 6). Auf dem fragmentarischen, Kunmadaras bestätigt die Feststellung von I. Bona:
rechteckförmigen Band wird die runde, leere Ein­ die Funde gehörten zu einer in der Gemarkung von
fassung von einem Perlendraht umgeben. Auf dem Kunmadaras am Ende des 6. Jh. bzw. zu Beginn des
Ende des Bandes befindet sich ein kleines, rundes 7. Jh. bestatteten, in fürstlichem Rang stehenden
Nietloch, ebenfalls von einem Perlendraht um­ Persönlichkeit.
rahmt. Die Funktion des eingefaßten Bleches ist un­ Im Bestatteten können wir aufgrund des mit A l ­
bekannt. mandinstein verzierten, goldbeschlagenen Gürtels,
Gerippte, gepreßte Bleche (Taf. 66, 8). Das längli­ des goldbeschlagenen Schwertes, Pferdegeschirrs
che, vielleicht zusammengehörende, gerippte Band und Sattels mit Recht den einen Fürsten der Jahr­
mit abgebogenem Rand wurde, wie die Pferdege­ zehnte nach der awarischen Landnahme in der
schirrbeschläge auf ein Bronzeblech gepreßt. Sie Oberen Theißgegend erblicken, dessen Rang die
dürften über die sich auf den Rändern befindlichen, zahlreichen Edelmetalle und aus anderem Material
winzigen Löcher auf Holz genietet worden sein. erzeugten, in das Museum nicht gelangten Gegen­
Vielleicht verzierten sie den Sattelbogen? stände nur bekräftigen und nicht zum Wanken
Der Fund von Kunmadaras gelangte durch das bringen.
SZENTENDRE Gräber 1-3 (Kat. Nr. 130a-c; Taf. 89-91)

Die aus dem Männergrab mit Pferd und den zwei museum von den Gebrüdern Krausz gekauft wurde
Frauengräbern in das Museum gelangten Gegen­ (Kat.-Nr. 69, Taf. 36, 2). Die Ausführung des Ringes
stände sind außerordentlich wichtig vom Gesichts­ von unbekanntem Fundort gleicht der des Exemp­
punkt der absoluten Chronologie der frühawaren­ lars von Szentendre, auch ihr Gewicht und ihre
zeitlichen Gegenstände. Der aus Grab 1 oder 2 zum Größe stimmen überein. Die Enden des Rachen
Vorschein gekommene, kaum abgewetzte Tremissis Bandringes beider Exemplare wurden dreieckför-
des Justinus II. (565-578) und der Fokas-Solidus mig gehämmert, auf diese wurde die rhombusförmi-
des Grabes 3 von vollem Gewicht (aus den Jahren ge Steineinfassung aufgesetzt, auf dem Rand mit
zwischen 607-610 datieren 9 Hauptgegenstands­ Perlendraht, in der Mitte mit einer kleinen, runden
typen der Gräber von Szentendre, ferner über sie Einfassung und auf den Spitzen des Rhombus je
einen bedeutenden Teil des frühawarenzeitlichen eine große Blechkugel. Diese Fingerringe ähneln
Fundhorizontes. Die aus den Gräbern von Szent­ denen von Bocsa, sie haben aber einen dicken Ring
endre zum Vorschein gekommenen Gegenstände von kreisförmigem Querschnitt. Die Fingerringe
sind - da sie nicht aus einer Fürsten oder mit rhombusförmigem Kopf und runder Steinein­
Khaganbestattung stammen - solche, die aus jedem fassung sind awarische Nachahmungen der ähn­
anderen vornehmen frühawarenzeitlichen Grab zu­ lichen Ringe byzantinischen Ursprunges. E i n gutes
tage gefördert und selbst in Ermangelung dieser Beispiel hierfür ist der Fingerring des Grabes 5 von
Münzen aufgrund des Fundes von Szentendre gut Keszthely-Fenékpuszta (BARKÓCZI 1968, Pl.
datiert werden können. LV.2). Dieser Typ wurde von den Ringen von Szent­
Die Unsicherheit um die Gräber von Szentendre, endre und Bocsa mit den auf die Spitze des Rhom­
die Mißverständnisse in bezug auf die Bestattung, bus gesetzten, für den Metallkunstkreis mit Pseudo-
Zusammengehörigkeit der Funde und der Chrono­ schnalle charakteristischen Blechkugeln ergänzt
logie wurden durch die gründlichen Forschungen nachgeahmt.
und die Sachkenntnis von I. Bona geklärt. E r stellte Der drei Jahre nach der Erschließung der Gräber
die Grabkomplexe endgültig zusammen und führte von Szentendre gekaufte, mit dem Exemplar von
die gute Bestimmung der Münzen durch (BONA Szentendre gleich betrachtbare Fingerring stammt
1982-83, 98-104; 140-141; Abb. 5-7). Zur kurzen aller Wahrscheinlichkeit nach tatsächlich aus Grab
Summierung seiner Ergebnisse fügen wir nur eini­ 1 von Szentendre. E s waren die Funde dieses G r a ­
ge, sich aus der Untersuchung der Akquisitionsliste bes, die nach ihrem Vorkommen nach Pomáz ge­
ergebende Bemerkungen hinzu. langten. Zu dieser Zeit dürfte dieser Ring in Privat­
Grab 1. Männergrab mit Pferd. Die zutage geför­ hand, sodann zum Antiquitätenhändler Krausz
derten Gegenstände kamen zuerst nach Pomáz zu gekommen sein, der das Stück dann später dem Na­
dem Dorfrichter und wurden eine Zeit lang dort tionalmuseum verkaufte.
bewahrt. Für das Museum wurden folgende Gegen­ Da ein ähnlich ausgeführter Fingerring uns außer
stände abgeliefert: goldenes Ohrgehängepaar mit dem Exemplar der frühen Sammlung von Ferenc
mittelgroßem Kugelanhänger (Taf. 89, 1-2), gol­ Kiss (1843: auf diesem Ring ist der rhombusförmige
dener Fingerring mit rhombusförmigem Kopf (Taf. Kopf in antithetischer Richtung angelötet, Kat.-Nr.
89, 2), schilfblattförmigen Speer (inzwischen ab­ 68, Taf. 36, 1) bis 1935, bis zum Vorkommen des
handen gekommen, 1961 mit der Bemerkung: un­ Grabes von Bocsa nur aus Szentendre bekannt ist,
bekannter Fundort neuinventarisiert, jetzt von halten wir es nicht für ausgeschlossen, daß der Tote
neuem identifiziert, Taf. 89, 9) und ein apfelför- des Grabes 1 von Szentendre ebenso mit zwei R i n ­
miges eisernes Steigbügelpaar mit langer Öse (Taf. gen begraben worden ist, wie der mit ihm gleichalt­
90,1-2). Vermutlich war auch die Münze des Justi­ rige Fürst von Bocsa.
nus II. in diesem Grab (Taf. 89, 4). Der Voraus­ Zu den Funden der Frauengräber haben wir
setzung von I. Bona nach enthielt das Grab aller nichts hinzuzufügen, sie werden hier bloß der Voll­
Wahrscheinlichkeit nach auch Trense, Gurtschnalle, ständigkeit halber aufgezählt:
silberne Pferdegeschirrbeschläge, Bogen, Köcher, Grab 2. Frau. Goldenes Ohrgehänge mit großem
Schwert mit Silberblechverkleidung und auch Pyramidenanhänger (Taf. 91, 1-2), bunte Augenper­
Schwert- oder Köchergurt (BONA 1982-83, 100). len (Taf. 91, 3/89, 7) und zwei silberne Armringe mit
Angesichte des Reichtums der erhalten gebliebenen Trompetenenden (Taf. 91,4-5).
Funde kann auch unserer Meinung nach sogar ein Grab 3. Frau. Goldenes Ohrgehängepaar mit
Schwert mit Goldblechverkleidung vorausgesetzt kleinen Kugelanhängern (Taf. 89, 5-6), bunte
werden. Augenperlen (Taf. 89, 7), silberne Toilettengarnitur
Zum Grabfund wurde lange Zeit unter Inv.-Nr. (dem Museum nicht abgegeben, s. B O N A 1982-83,
88/1874.2 der dem Fingerring von Szentendre ähn­ Abb. 7, 5-6) und der Goldsolidus von Fokas
liche Goldring hinzugenommen, der vom National­ (Taf. 89,8).
KUNÁGOTA (Kat Nr. 106; Taf. 53-63)

Der mehr als vor 130 Jahren zum Vorschein ge­ zugrunde, wonach es sich um „ein paar Ohrgehänge
kommene, münzdatierte, reiche Grabfund ist der von plumper Arbeit" handeln würde (BONA
erste bekannte awarische Fund des Nationalmuse­ 1982-83, 88-89). Die „plumpe Arbeit" ist die salop­
ums und zugleich der awarenzeitlichen Forschung. pe, nicht exakte Summierung der Bestimmung von
Lange Zeit wurde er für den ältesten awarischen Ferenczy: „ein paar Anhänger, die von dem in die­
Fund auch aufgrund der aus dem Grab zum Vor­ ser Gattung zur Zeit herrschenden Geschmack so
schein gekommenen Münze von Justinianus I. weit sind, wie lange sie bereits in der Erde ruhen".
gehalten. Der Grabfund von Kunágota wurde geme­ Es handelt sich demnach nicht um eine Über­
insam mit den übrigen großen awarischen Fürsten­ setzung, die Beschreibung des Ohrgehänges wird
funden des vorigen Jahrhunderts von I. Bona einer also überhaupt nicht „genau" (BONA 1982-33, 89)
Revision unterzogen. Dank seiner bravourvollen zurückgegeben. Die auf dieser Grundlage erfolgte
Arbeit wurde der Fund von seinen mitgeschlappten, Identifizierung kann schon deshalb mit einem Fra­
infolge der mehr als 100 jährigen Lagerung im Mu­ gezeichen versehen werden und wenn wir in Be­
seum und im Laufe der mehrfachen Ausstellungen tracht ziehen, daß das von I. Bona identifizierte
sich zugeschlagenen urzeitlichen, sarmatischen und „paarig" im Nationalmuseum stets „solo" existierte
mittelalterlichen Gegenständen befreit ( B O N A und mit dem unter dem Inv.-Nr. 233/1871, 8 regist­
1982-83, 88-98; 139-140; Anm. 6-18). Die ausführ­ rierten, aus der Ráth-Sammlung stammenden 1 St.
liche Analyse von I. Bona enthebt mich der weite­ Ohrgehänge mit kleiner Kugel von unbekanntem
ren Bemühungen, die Gegenstände von Kunágota Fundort identisch ist, so liegt es auf der Hand, daß
von neuem vor Augen zu führen. Die Funde teile wir die fehlenden Ohrgehänge von Kunágota weiter
ich in Fundgruppen zusammengehalten mit, um suchen müssen.
über den Bestatteten, die Bestattungssitte ein Eins steht fest, daß der Großherr von Kunágota
umfassendes Bild geben zu können. Erst dort lasse Ohrgehänge mit Kugelanhänger getragen haben
ich mich in Teilfragen ein, wo meine Daten oder dürfte. Die ähnliche Feststellung von I. Bona wird
Meinung von Bona abweichen bzw. sie ergänzen. außer den von ihm angeführten, gleichaltrigen Pa­
Zu den Bemerkungen bieten in den meisten Fällen rallelen (BONA 1982-^83, 91) auch noch von zwei
die Gegenstände selbst die entsprechende Grund­ wichtigen Tatsachen untermauert:
lagen. Auf diese Weise werden die in der gründlich - von den goldenen Ohrgehängen des Ungari­
revidierenden Arbeit von I. Bona vorhandenen, aus schen Nationalmuseums mit Pyramiden- und Ku­
dem Charakter der Arbeit sich ergebenden einigen gelanhängern blieb nach den Identifizierungs­
Mangelhaftigkeiten unsrerseits ergänzt. arbeiten unter den Ohrgehängen mit Pyrami­
Der einsam bestattete Großherr von Kunágota denanhänger kein einziges, nicht identifiziertes
dürfte in der ersten Hälfte der Frühawarenzeit über Stück zurück.
das Volk des von den Flüssen Körös-Maros-Theiß - aus einem dem Fürsten von Kunágota in dem
eingeschlossenen Viereckes regiert haben. E r wurde im Range sehr nahestehenden, gleichaltrigen Grab
wahrscheinlich zu Beginn des 7. Jh. mit der abge­ einer führenden Persönlichkeit aus Törökkanizsa
wetzten Münze des Justinianus I. begraben ( B O N A (Novi Knezevac, Jugoslawien) kam auch ein 6 g
1982-83, 98). schweres goldenes Ohrgehänge mit großem granu­
Ohrgehänge: der Sitte der Frühawarenzeit entsp­ lationverziertem Kugelanhänger zum Vorschein
rechend trug der in hohem Range stehende Bestat­ (Mitteilung des Grabfundes: S E O B A N A R O D A
tete ein goldenes Ohrgehänge. Die unter Inv.-Nr. 1962, Z . X I V - X V ; das Ohrgehänge ist mir aufgrund
69/1858.5 eingetragenen „arany cserese 2 db" (d.h. 2 der Angabe von M. Giric vom Nov. 1988 bekannt
St. goldene Ohrgehänge), da sie dem später in das und publizierbar).
Museum gelangten, zahlreichen goldenen Ohrge­ Unter den bisher nicht identifizierten goldenen
hängen mit großer Kugel oder Pyramidenanhänger Ohrgehängen mit großem Kugelanhänger des Na­
ähnlich gewesen sein dürften, kamen mit diesen tionalmuseums befindet sich ein Paar (Kat.-Nr. 43,
ausgestellt abhanden, wurden als Fund mit „Unbe­ Taf. 33, 1-2), das auch schon auf dem Foto von
kanntem Fundort" bezeichnet und so können sie K L Ö S Z aus dem Jahre 1878 vorkommt. Das Ohr­
heute in Ermangelung der genauen Beschreibung gehängepaar wird auch von V E N T U R I 1902, II. fig.
nur mehr bedingterweise identifiziert werden. Bona 57 und H A M P E L 1905, III. T. 286, 4 mitgeteilt.
stellt das fehlende Ohrgehängepaar, als ein Stück Nach der Identifizierung der 1962 neuinventarisier­
mit großem Kugelanhänger vor und identifiziert es ten Ohrgehänge blieb dieses einzige Ohrgehänge­
mit einem kleinen (!) Kugelanhänger ( H A M P E L paar mit großem Kugelanhänger als von unbekann­
1905, III. Taf. 268, 3). Der Identifizierung liegt die tem Fundort zurück. Das 8 bzw. 8,08 g schwere, gra­
Beschreibung von Ferenczy aus dem Jahre 1857 Nr. nulationverzierte Ohrgehängepaar mit großem K u ­
40. 19. Febr. S. 497) und ihr Auszug von F. Kenner gelanhänger unter Nr. N 206-207 kann aber mit
dem unter OrnJank Nr. 1-2 registrierten, in der Variante eines solchen Anhägers, mit Öse und ein­
Stadt Torda gefundenen Ohrgehängepaar vom geritzter Gemme verziert aus Konstantinopel (?),
10 an der Rückseite mit einem eingekerbten Kreuz
Goldwicht 4 — ( = 16,14 g) identisch sein. Laut und Tannenzweigmuster ( R O S S 1965, Pl. X L C ) .
16 Diese Verzierung ist dem Rückplattenmuster des
I. Bona ist Orn Jank 1-2 bestimmt mit dem Ohrge­ Kreuzes des Schatzfundes von Várna aus dem 6. Jh.
hängepaar unter Kat.-Nr. 43 identisch ( B O N A (DIMITROV 1963, fig. 8) und der ovalen Anhänger
1990, 93, Abb. 8, 7). Seiner Meinung nach gingen der Michaelsfelder Kette von Hajdúszoboszló-Typ
die Ohrgehänge von Kunágota verloren. Aufgrund ähnlich ( B A N K 1965, Abb. 101). In das runde
der Beschreibung des Inventarbuches von OrnJank Schlußglied dieser Kette ist die Münze des Justinia­
ist aber die Identifizierung nicht eindeutig. Es kann nus I. eingefaßt.
vorausgesetzt werden, daß dieses Ohrgehängepaar Die mit ovalen Halbedelsteinanhängern verzier­
aus dem Grab von Kunágota stammt. Da uns über ten Ketten waren also im 6. Jh. in Byzanz in Mode.
dem Ohrgehängepaar von Kunágota keine einzige Die Kettenteile von Kunágota kamen vermutlich
bestimmte Angabe zur Verfügung steht, kann die mit den zur Schwertscheide gebrauchten Kästchen­
Identifizierung nur bedingterweise durchgeführt beschlägen (mit dem Kästchen, vielleicht mit dessen
werden. (Es sei bemerkt: bei V E N T U R I 1902, fig. Inhalt) gemeinsam in den Besitz des awarischen
57 ist am rechten Rand der 3. Zeile der Kugelan­ Großherren oder eines Goldschmiedes und später
hänger eines Ohrgehänges zu sehen, das sich heute zum Teil umgeändert, zum Teil ihrer ursprünglichen
nicht mehr im Besitz des Museums befindet. Wäre Funktion entsprechend zur Verwendung.
dies der Teil des fehlenden Orhgehänges? Proble­ Goldring: 8 Ringe kamen in das Museum (Taf. 55,
matisch.) 5-12). Die Ausführung der Ringe ist recht schwach.
Eine Halskette byzantinischen Ursprunges bzw. sei­ Der Rand des gepreßten, runden Ringkopfes wurde
ne Teile wurden ebenfalls im Grab von Kunágota den offenen Enden des dünnen Blechbandringes
vorgefunden (Taf. 55,1-4). Ein Rauchopalanhänger angelötet. Der Ringkopf ahmt in einem Perlenrei­
in Goldeinfassung mit Öse und drei kleine Steinein­ henrahmen eine runde Steineinlage nach. In der
fassungen mit Ose, vermutlich ursprünglich mit Mitte der 4 Ringe war der dünne, runde, konvexe
Granatsteineinlage sind die Anhänger der einstigen Teil ausgebrochen. Die Ringe von gleicher Größe
Kette. Der Rauchopalanhänger steht im Inventar­ wurden nicht getragen. Als Nachahmungen von
buch unter dem Posten 69/1858. 7, die drei kleinen Ringen mit Steineinlage wurden sie für die
Einfassungen können hingegen mit der Eintragung Bestattung und zur Verzierung des Toten mit
des Postens 9: „winziges Goldblech und Fragmente" Schmuckgegenständen hergestellt.
identifiziert werden. E s fällt uns auf, daß der In­ Gürtelzierden (Taf. 53-54) große Riemenzunge, 4
ventarisierende keine Stückzahl angegeben hat. Im kleine Riemenzungen, 4 wappenförmige, 3 doppel­
Fund liegen winzige Bruchstücke, versilberte Gold- schildförmige Beschläge, Schlaufe mit einem Ring­
plättchen vor. Die drei kleinen Einfassungen wer­ anhänger und 1 sog. Lochkranzbeschlag sind unter
den hingegen in der Liste der Goldschmiedeausstel­ den gepreßten, goldenen Gürtelzierden bekannt.
lung unter dem Posten 4 der Vitrine X I I I als von Die Gürtelgarnitur ist wahrscheinlich nicht komp­
Kunágota vorgeführt (MTÖK 1884, 93). Die Steine lett, ursprünglich dürften mehrere wappenförmige
fehlten schon zu dieser Zeit aus den Einfassungen. Beschläge, kleine Riemenzungen und bogenförmige
Eine Analogie untermauert die Zusammengehörig­ Beschläge gewesen sein. Über das Vorkommen der
keit des Anhängers mit Öse und der kleinen Einfas­ Gürtelzierden schrieb S. Ferenczy aufgrund der
sungen. Der Anhänger und die Einfassungen dürf­ Erzählung des Auffinders: „über dem Skelett des
ten zu einer byzantinischen Kette von Mersin-Typ Menschen sind zwei Goldblechreihen" - von dieser
gehört haben ( B A N K 1965, Taf. 103a-b). Auf der Angabe schließt I. Bona darauf, daß dies „den los­
ursprünglichen Kette hangen wahrscheinlich meh­ geschnallten und entfaltet auf den Toten gelegten,
rere ähnliche Stücke und vielleicht auch ein Kreuz. goldbeschlagenen Waffengürtel, die andere Reihe
Von den kleinen Einfassungen von Kunágota ist die das Schwert mit Goldblechverkleidung" bedeuten
aus glattem Blech gefertigte bestimmt byzantinisch, kann (BONA 1982-83, 89). Unsrer Meinung nach
die anderen zwei, aus geripptem Band gebogenen waren die „zwei Goldblechreihen" die Reihe der
Stücke scheinen aber Nachahmungen zu sein. Die Goldbeschläge und von diesen weiter unten die der
intakten Ösen des Anhängers und der Einfassungen kleinen Riemenzungen. Das Schwert wurden von
von Kunágota weisen darauf hin, daß die Anhänger den Auffindern erkannt, da die Scheidenverkleidun­
vom Auffinder von einer vorausgesetzten Kette gen nach der Herausnahme aus der Erde abgesp­
nicht heruntergerissen, sondern entweder von einer rengt wurden, sodann das rostige Eisenschwert in
dünnen Kette heruntergezogen wurden, oder sie das Museum „nicht abgesandt" wurde (Eintragung
waren bloß auf einer Textilschnur aufgeschnürt, die in das Inventarbuch).
dann in der Erde zugrunde gegangen ist ( G A R A M Aufgrund der Herstellungsweise und der Benüt­
1991a). Der Rauchopalanhänger ist eine einfachere zung ein und desselben Preßmodels gehört zur Gür-
telgarnitur der Messerscheidenbeschlag (Täf. 53, 3), ösen. Diese für die byzantinische Montierungsweise
dessen Vorderplatte auf dem Preßmodel der kleinen charakteristischen Osen sind länger, als die der
Riemenzungen erzeugt worden ist. Die Scheide schildförmigen Beschläge, jedoch ebenso lang, wie
wurde im unteren Drittel, in konkaver Linie aus­ die des hufeisenförmigen, sog. Lochkranzbeschla­
geschnitten, hier war der Rand des Bleches abge­ ges. Ähnliche Beschläe kamen in Kecskemét mit
bröckelt und dürfte zwischen die Ränder der Leder­ der Rückplatte nach oben, unter den doppelschild­
oder Rindenscheide eingeklemmt worden sein. Der förmigen Beschlägen zum Vorschein. Hier dürften
Größe nach verzierte der Beschlag wahrscheinlich auch der hufeisenförmige Beschlag/Beschläge von
eine Messerscheide. Der Scheidenbeschlag ist in­ Kunágota gewesen sein. Der hintere Teil des Gür­
takt, uns zeigt keine Spur an, daß man ihn von dem tels war vermutlich also breiter, als vorne und dik-
in der Scheide befindlichen Eisenmesser herunter­ ker, oder wurde aus Leder hergestellt. Die glatten,
genommen hätte. wappenförmigen Beschläge waren auf dem vorder­
Der Gürtel von Kunágota gehört in jene Gruppe sten Teil des Gürtels, den gleichaltrigen Darstel­
der Gürtel mit vielen Nebenriemen, die auch von lungen nach symmetrisch an der rechten und linken
doppelschildförmigen Beschlägen verziert waren. Seite der Schnalle. Die kleinen Riemenzungen
Die mit den Awaren gleichzeitig erscheinenden hangen eng unter den Beschlägen an kurzen
„vielteiligen Gürtelgarnituren" sind vermutlich tür­ Riemen. Der Gürtel war kurz, die durch die Schlau­
kisch-mongolischen Ursprunges, die in den letzten fe gezogene große Riemenzunge hang der Analogie
Jahrzehnten des 6. Jh. im persischen und byzantini­ von Kecskemét nach nicht allzu tief herunter. Der
schen Reich, bei den Langobarden in Italien und goldbeschlagene Gürtel von Kunágota wurde von
bei den Steppenvölkern der Djneprgegend nachge­ einer Bronzeschnalle abgeschlossen. (Über die einst
ahmt werden. Dies spricht zugleich von der militä­ vorhandene Schnalle B O N A 1982-83, 95.) Die
rischen Überlegenheit der türkischen und awari­ Schnalle wurde im Museum von Fund getrennt und
schen Reiterei. konnte in Ermangelung einer ausführlichen Be­
Trotz dessen, daß der Musterschatz der von die­ schreibung lange Zeit nicht identifiziert werden.
sen Gebieten und aus dem Bereich von Kleinasien, Die aus dem alten Material unter Inv.-Nr. 91/1950.
Syrien und Ägypten bekannten, gepreßten, golde­ 2 als von unbekanntem Fundort neuinventarisierte,
nen Gürtelzierden (vor allem das Punkt-Komma­ große Bronzeschnalle und zwei kleinere, mitgegos­
muster) stark einander ähnelt, müssen wir nicht auf sene Exemplare in gutem Erhaltungszustand (Täf.
ihre zentralisierte Erzeugung denken. Hierauf ver­ 58,1-3) sind aber aller Wahrscheinlichkeit nach mit
weisen auch zahlreiche Preßmodel, die aus frühawa­ den unter dem Inv.-Nr. 68/1858. 13 registrierten
renzeitlichen Goldschmiedegräbern im Karpaten­ und fehlenden „Kupferschnallen 3 St." von Kun­
becken zum Vorschein gekommen sind. (Von den ágota identisch. Dies konnten die Schnallen des
nomadischen Gürteln zusammenfassend W E R N E R Gürtels und der Schwerttragriemen von Kunágota
1974,109-139.) sein. Ähnliche Schnallen rekonstruierte auch I.
Die Gürtelzierden von Kunágota dürften Arbei­ Bona aufgrund der gleichaltrigen, analogen Funde
ten eines byzantinischen Goldschmiedes gewesen ( B O N A 1982-83, Abb. 2,21, Abb. 3,10-11).
sein. Die Größe, Verzierung der Beschläge, der ge­ Schwert (Täf. 56-58): Das Gerade Eisensch wert
preßte Perlenreihenrahmen, das Punkt-Komma­ des Fundes von Kunágota mit Ringgriff und dreibö-
muster und die stilisierten Ranken sind charakte­ gigen Hängeösen wurde aufgrund der bravourvollen
ristisch für die byzantinischen, gepreßten Beschläge. Rekonstruktion von Gy. László bekannt, der die
Das mittlere, runde Feld der großen Riemenzunge sekundäre Funktion der mit mythologischen,
von Kunágota wird aber statt des ursprünglichen, griechischen Szenen verzierten, auseinandergesch­
byzantinischen Anagramms von einer kleinen nittenen Kästchenbeschläge bestimmte (LÁSZLÓ
Strahlenrosette ausgefüllt, ebenso wie dies auf den 1938, 55-60, Taf. I - I I I ) . Diese Rekonstruktion läßt
runden Balkenenden des mittelgroßen Kreuzes des sich nur mit der Schnalle der oben erwähnten zwei
syrischen Schatzes (ROSS 1965, Pl. X I I ) , oder auch kleinen, gegossenen, bronzenen Schwertösen ergän­
auf den Balken des einen Kreuzes des Schatzfundes zen.
von Kyrenia sichtbar ist ( S T R Z Y G O W S K I 1917, T. Pferdegeschirrzierden (Taf. 60-61): Der zeitgenös­
VIII). sischen Beschreibung nach „entfaltete sich aus der
Auf die Konstruktion des Gürtels von Kunágota Erde das Skelett von zwei Pferden". Über die im
können wir aufgrund des Gürtels des authentisch Zusammenhang stehenden Fragen schreibt I. Bona
freigelegten Männerskeletts von Kecskemét-Sallai- ausführlich (BONA 1982-83, 88-89). Das Pferde­
utca schließen (TÓTH 1980,118-152). In Kunágota geschirr kann aufgrund der mangelhaften Funde
wurden die drei doppelschildförmigen Beschläge nicht in beruhigender Weise rekonstruiert werden.
auf dem hinteren Teil des Gürtels untergebracht. Bona verbessert die Rekonstruktion von László,
Hier mußte der Gürtel so breit gewesen sein, wie jedoch bedarf auch seine Rekonstruktion aufgrund
die Länge der Beschläge, denn es gibt auch bei dem der effektiven Stückzahl der Beschläge einer Revi­
unteren und oberen Rand der Beschläge Schleifen­ sion. Die Pferdegeschirrbeschläge sind unter den
Unternummern 11, 12 und 14 des Inventarbuches halbkugelförmigen Beschläge auf dem Nasenriemen
im Jahre 1858 unter der Postennummer 69 inventa­ gewesen sein dürften, die fragmentarischen Be­
risiert worden: 6 Beschläge mit Fransenmuster, 9 schläge stammen kingegen offenbar vom Zaumzeug
größere und 8 kleinere, halbkugelförmige Beschlä­ des anderen Pferdes.
ge, ferner als „Silberbruchstücke". Dem Gold­ Es wird auch die Trense des Pferdes erwähnt. Das
schmiedekatalog nach wurden im Jahre 1884 6 in­ Steigbügelpaar, das gewöhnlich in der Nähe des
takte Pferdegeschirrbeschläge mit Fransenmuster Grabbodens neben den Pferderippen zum Vor­
und ein fragmentarisches Exemplar, ferner 18 halb­ schein kommt, wurde von dem im Januar 1857 eine
kugelförmige Beschläge zur Schau gestellt (MTÖK Grube aushebenden Gärtner gewiß auch nicht ge­
1884, 94, Vitrine XIII 16-17). Dies ist mit dem funden.
Fragment mit Fransenmuster und einem halbku­ Von unsicherer Funktion sind auch die fragmen­
geligen Beschlag mehr als was im Inventarbuch tarischen, „U"-förmig gebogenen, gepreßten, mit
steht. Unter den „silbernen und kupfernen, winzi­ länglichen Kannelüren verzierten Goldbleche (Taf.
gen Fragmenten" der Postennummer 14 des Inven­ 59, 9), an deren schmalem Rand eine Zerknütte-
tarbuches finden wir zwei zu anderen Stücken gehö­ rung ist. Dem Anschein nach dürften die Bänder
rende Bruchstücke mit Fransenmuster und meh­ auf dem Rand des Holzgegenstandes gewesen sein,
rere, halbkugelförmige Beschlagfragmente. Dem­ wo die Ränder mit ähnlichem oder anderem Mate­
nach gibt es im Museum 8 Beschläge mit Fransen­ rial (Holz, Leder, Filz?) eingefaßt wurden. Einige
muster und 20 halbkugelförmige Beschläge (in drei Fragmente sind leicht geschweift. Gy. László vermu­
verschiedenen Größen: 10 große, 7 mittelgroße und tete in den Beschlägen eine Köcherverzierung
3 kleine Exemplare.) Von den drei kleinen Beschlä­ (LÁSZLÓ 1950, 32). I. Bona hält dies aufgrund der
gen wußten wir bis jetzt nichts, diese waren mit den Größe und Dünnheit nicht für wahrscheinlich (BO­
übrigen „Silber- und Kupfer-" Fragmenten der Un­ N A 1982-83, 127; Anm. 15). Wir nehmen an, daß
ternummer 14 zusammen im Depot verborgen. Ihre die Bänder auf dem Saum der schmalen Sattelbögen
Zugehörigkeit zum Funde von Kunágota beweisen gewesen waren. Es soll aber bemerkt werden, daß
nicht nur die auf ihre Tüte geschriebene Inventar­ die Funktion der Bleche (Bänder) bis zum Vorkom­
nummer von Kunágota, sondern auch die mit ihnen men einer authentischen Analogie auch nicht be­
vorhandenen Beschlagfragmente mit Fransenmus­ stimmt werden kann.
ter, die von derselben guten Qualität sind, wie die Silbergefäße (Taf. 62-63): Mehr als nach einer
intakten Beschläge von Kunágota. Solche, aus dic­ jahrhundertelangen Vermischung wissen wir nach
kem Silberblech gefertigte Pferdegeschirrbeschläge der Arbeit von I. Bona (1982-83, 88-39) mit aller
kamen nämlich seit Kunágota nicht in das Museum. Sicherheit, daß es tatsächlich zutrifft, wie es im
Dies bezieht sich auch auf die Unterlagebeschläge Tagebuch steht: „ein zerschmetterter Krug und Sil­
des halbkugelförmigen Bronzebleches. Unter den berbecher" (69/1858. 10) waren als persönliche
Fragmenten befand sich auch ein langer Bronzeniet, Trinkgarnitur im Grab des Großherren von Kun­
der wahrscheinlich als Befestigungsniet in den ágota begraben.
einen halbkugelförmigen Beschlag eingebettet war. Der Kelch kam ohne Stiel und Fuß in das Muse­
Unter der Postennummer 14 sind auch mehrere um. Die fehlenden Teile zerfielen schon im Grabe
Silberblechfragmente vorhanden, aus welchen oder zerbröckelten bei der Herausnahme. Der ge­
Blechriemenzungen rekonstruiert werden konnten. genwärtige „ganz andere, indifferente Fuß" (BONA
Die zwei schmalen, kleinen Riemenzungen mit ge­ 1982-83, 96) ist mit dem Fuß der bei MTÖK 1884,
ripptem Band auf dem Rand dürften zum Pferde­ 94 beschriebenen Fußplatte von „unbekanntem
geschirr oder zu den Schwertriemen gehört haben Fundort" identisch, mit dem das Stück im Laufe der
(Taf. 59, 1-2). Unter den Fragmenten befindet sich Vbrbereitungsarbeiten der archäologischen Ausstel­
die Rückplatte einer breiteren Riemenzunge aus Sil­ lung des Jahres 1951 ergänzt wurde, zusammengelö­
berblech (Taf. 59, 5), auch diese gehörte wahr­ tet mit einem, aus fremdem Material gefertigten,
scheinlich zum Pferdegeschirr. Ebenfalls fanden wir allzulangem Stiel. Dieser Fuß ist eigentlich nichts
ein papierdünnes, vergoldetes Silberblech von be­ anderes, als der stets getrennt stehende, runde Fuß
stimmter Funktion, mit unsicheren Rändern, an des halbkugelförmigen Kelches von Ozora, der
einer Stelle durchlöchert (Taf. 59, 4). Vielleicht ist heute aus dem Fund von Ozora fehlt. Die Zusam-
es mit dem „Fragment" unter Inv.Nr. 69/1858.9 menlötung ist leider so gut gelungen, daß der seit­
identisch. Einige kleinere, dicke Silberblechfragmen­ dem stark abgebröckelte, beschädigte Fuß vom
te konnten wir ebenfalls nicht interpretieren. Sie Kelch von Kunágota ohne weitere Beschädigung
sind dicker als die Wandfragmente des Silberkruges nicht mehr abgetrennt werden kann. (Übrigens
(Taf. 59, 6-8). Selbst aufgrund der zugenommenen konnte der einsame Fuß in den Fund von Kunágota
Pferdegeschirrbeschläge läßt sich das Zaumzeug von nicht anderswoher als von Ozora gelangt sein.
nicht in beruhigender Weise rekonstruieren. Die Außer diesen beiden liegen uns aus Bocsa, Tépe
Rekonstruktion von I. Bona ist in großen Zügen ge­ und Kiskőrös-Vágóhíd Silbergefäße im National­
wiß richtig mit der Ergänzung, daß die kleinsten, museum vor, deren Füße stets an ihrer Stelle, mit
dem fund zusammen vorhanden waren. Das runde Teil des Kruges dürfte eine geradere Linie gehabt
Blech von Szárazd ist lieder nicht „genauso", wie die haben und der Krug etwa um 1 cm niederiger als der
Fußplatte oder der Fuß der obigen Gefäße (BONA rekonstruierte gewesen sein.
1982-83, 127; Anm. 11), die nadelkonstruktion der Münze (Taf. 54,10): E i n wichtiges Stück von dati­
Scheibenfibeln ist nämlich an seiner Rückplatte un­ erenden Wert des einsamen, an Goldfunden rei­
versehrt erhalten geblieben!) chen Reitergrabes mit Waffe von Kunágota. Der
Die Bodenplatte des Kruges fehlt. Bei H A M P E L leicht abgewetzte, 3,80 g schwere, sog. leichte Soli-
(1905. Taf. III. 262, 6) wird das Stück noch erwähnt. dus, der unter Justinianus I. geprägt wurde, „ist zur
Die Heutige Ergänzung ist eine Blechplatte mit scharfen Datierung nicht geeignet" (BONA 1982-
geschweiftem Bodenrand, in welches die intakteren 83, 97). Die Funde dürften zu Beginn bzw. im ersten
Stücke der Wandung eingesetzt wurden. Der untere Drittel des 7. Jh. in die Erde gekommen sein.

TÉPE (Kat. Nr. 135; Taf. 92-97), G O L D E N E P S E U D O S C H N A L L E N ( K a t Nr. 80-82;


Taf. 41,1-3), JANKOVICH-GOLDSTÜCKE (Kat. Nr. 88; Taf. 43,1-4)

Es war lange Zeit umstritten, ob in Tépe im Jahre faßten sich zahlreiche Forscher (SUPKA 1913,
1911 Teile eines Schatzfundes, oder Funde eines aus­ F E T T I C H 1937, LÁSZLÓ 1940a, LÁSZLÓ 1955,
geplünderten Grabes zum Vorschein gekommen sind. KISS 1988a), die ihre Ähnlichkeit mit den übrigen
Der Inventareintragung nach wurden die Gegenstände Pseudoschnallen analysierten und zugleich auch die
von Gábor Vígvári auf seinem Grundstück gefunden, Schönheit der Pseudoschnalle von Tépe hervorho­
die dann das Hauptpunzierungsamt mit anderen, aus ben. Eine genaue chronologische Einreihung je­
Arad und Berettyóújfalu stammenden, mittelalterlichen doch, die aufgrund des fehlenden Fundkomplexes in
und urzeitlichen Goldgegenständen zusammen dem der Tat nur schwer angegeben werden kann, erhal­
Museum übergab. Im Museum wurden sämtliche Ge­ ten wir aus keiner der Studien.
genstände am 3. Juli 1912 inventarisiert. Den an Ort In der Datierung der Funde von Tépe kann ge­
und Stelle unternommenen Forschungen von J. Mak- wissermaßen die Verzierung der Schwertscheide
kay nach fand Gábor Újvári (wahrscheinlich eine einen Anhaltspunkt geben. Die zerbröckelten
Verschreibung im Inventarbuch) die Funde von Tépe in Beschlagteile rekonstruierte Gy. László in Zeich­
einem Tongefäß unter der Prz. 708 von Tepe-Öregkert nung und nannte diese aufgrund ihrer Größe
auf dem Grundstück beim Rigolen oder bei der Fällung „Dolchbeschlag", im Gegensatz zur Bestimmung
irgendeines Obstbaumes (MAKKAY1961,278-279). von G. Supka, der sie als „Schwertbandverzierung"
In Tépe kamen also weder ein Schatzfund, noch bestimmte (LÁSZLÓ 1940a, 7). I. Bona schreibt
ein ausgeraubtes Khagangrab zum Vorschein, es über einen „Schwertgriff" von Tépe ohne eine aus­
wurden aber die verteilten, zerstückelten und führliche Auslegung oder Erklärung zu geben (BO­
wieder verborgenen Stücke der Funde eines früher N A 1982-83, 84-35).
ausgeplünderten Khagangrabes zutage gefördert, Den Scheidenbeschlag von Tépe ließen wir in den
wahrscheinlich der Anteil, der dem einen Grabräu­ vergangenen Jahren herstellen, sein Durchmesser
ber zugefallen ist. Eine ähnliche Meinung vertreten beträgt 2,6 cm (Taf. 92, 2). Dieses Maß ist tatsäch­
auch I. Bona (BONA 1971a, 307, 309) und A Kiss lich kleiner, als die ähnliche Größe der frühawaren­
(KISS 1988a, 82). Über die einstige Stelle des aus­ zeitlichen, goldenen Schwertscheidenbeschläge,
geraubten Grabes haben wir keine Kenntnis. Die jedoch um 1-2 mm breiter als des zur Zeit der frü­
Umgebung von Tépe ist nicht an frühawarenzeitli­ heren Rekonstruktionen noch nicht bekannten
chen Funden reich. A m nächsten finden wir in Haj­ Beschlages des Schwertes von Nagykőrös (SIMON
dúszoboszló und Debrecen Gegenstände, die aus 1983, 45-46). L . Simon bestimmte das Schwert von
dieser Zeit stammen. Aufgrund der bisher zum Nagykőrös aufgrund seiner Größe als das Schwert
Vorschein gekommenen Grabfunde mit Pseudo- eines jungen Mannes oder Kindes. Die schmalen,
schnalle kann vorausgesetzt werden, daß die Funde einschneidigen Schwerter sind aber auch in den
von Tépe aus einem, im Donau-Theiß Zwischen­ Gräbern der erwachsenen Männer häufig anzu­
stromland gelegenen Grab stammen. treffen. Diese bilden den sog. „Früh-Säbeltyp", wel­
Das Grab war aller Sicherheit nach die Ruhe­ che im Grund genommen einschneidige, schmale
stätte eines Khagans, hierauf verweisen die große, Schwerter sind. Der Scheidenbeschlag von Tépe
prachtvolle Pseudoschnalle, der einzigartige kann aufgrund der Parallele von Nagykőrös als der
Schwertscheidenbeschlag und der erhalten geblie­ Scheidenbeschlag eines schmalen Schwertes angese­
bene Becher und das Schüsselfragment der silber­ hen werden, als eines solchen Schwertes mit Ring­
nen Tischgarnitur. griff und kurzer Parierstange, an dessen Scheide
Mit der Pseudoschnalle von Tépe (Taf. 92,1) be­ dreibögige Hängeösen waren. Unter den ähnlich
konstruierten Schwertern dürfte das Stück von Té­ Dieses Muster, unserer Meinung nach eine aus
pe eine ganz spezielle Verzierung gehabt haben. Blech ausgeschnittene Variante der Komma-Orna­
Dies beweisen der durchbrochene Scheidenbeschlag mentik (eines zu einer Punkt-Komma vereinfachten
und das dazugehörende, zellenverzierte Band (Taf. Rankenmusters) ist byzantinischen Ursprunges und
92,3). Dieses Band hat wahrscheinlich den Griff des war früher in Mode als die erhöhten Zellen aus­
Schwertes verziert, jedoch ist es auch möglich, daß füllende Oberfläche mit Steineinlage. Demnach
es das Einfassungsband des oberen Randes der scheint die Jankovich-Pseudoschnalle älter zu sein
Scheide gewesen war. als der Fund von Tépe. I. Bona datiert die Janko­
Die durchbrochene (zum Teil aus Blech ausge­ vich-Pseudoschnalle und mit ihr die - seiner Mei­
schnittene, zum Teil gegossene) Verzierung des nung nach - aus demselben Khagangrabfund stam­
Schwertscheidenbeschlages und Griffbandes von menden sog. Jankovich-Goldstücke auf die erste
Tépe erscheint auch auf dem Köcherband und Mes­ Hälfte des 7. Jh. oder in einem anderen chronolo­
serortband des Khagangrabes von Kunbábony (H. gischen Zusammenhang auf das letzte Drittel des 6.
TÓTH 1983). Diese Verzierung ist eigentlich die Jh. (BONA 1982-83, 85). Im Falle der Jankovich-
aus einem Blech ausgeschnittene Nachahmung des Pseudoschnalle kann - unseres Erachtens - die spä­
mit Glasplatten ausgefüllten Zellenmusters, das tere Datierung, d.h. die erste Hälfte des 7. Jh. ak­
den Kreis von Bocsa (Parierstange des Schwertes, zeptiert werden. Dies stimmt mit der auf die erste
große Riemenzunge, Haken) charakterisiert. E s Hälfte des 7. Jh. gesetzten Datierung der goldenen
hängt aber auch mit der für die byzantinischen Gürtelgarnitur von Castel Trosino und im allgemei­
Schmuckgegenstände charakteristischen Verzierung nen der Gürtelgarnituren mit Komma-Ornamentik
des in Kreisform komponierten (ursprünglich mit überein ( W E R N E R 1974,121).
Zellentechnik hergestellten) Viereckes von ge­ Auch aufgrund anderer Bedenken scheint diese
schweifter Seite zusammen, das bei den Schmucken Datierung annehmbar zu sein. Z u r awarischen
des Ozora-Kreises bekannt ist. Diese Zusammen­ Landnahmezeit war im Kreise des Awarentums das
hänge verweisen auch auf die chronologische Stelle dominante Metall das Silber. Aus diesem wurden
der Funde von Tépe und deshalb datieren wir die die massiven Silber- und die diese nachahmenden
Funde von Tépe im Kreise der Pseudoschnallen zu Pseudoschnallen aus gepreßtem Blech erzeugt, die
den jüngsten, d.h. den nach der Mitte des 7. Jh. er­ dann vom Beginn des 7. Jh., d.h. vom Zeitpunkt an,
schienenen Exemplaren. Diese Datierung wird auch als der Sitz des Khagans im Donau-Theiß-Zwi­
durch die ähnliche Konstruktion und Montierung schenstromgebiet lokalisiert werden kann, von den
des (mit der Münze des Konstantinos IV. datierten) goldenen Pseudoschnallen abgelöst wurden (GA­
Agraffenpaares von Ozora und der Pseudoschnallen R A M 1991b, 60-77; KISS 1988a, 80). Wir wissen,
untermauert. daß das Grundmaterial der ältesten und in großer
Die netzmusterförmige Zellenreihe des Schwert­ Menge auf uns gebliebenen, frühawarenzeitlichen
griffbeschlages von Tépe (Täf. 92, 3) wird mit den im Goldgegenstände der byzantinische, als Tribut
mittleren Feld des Körpers der Jankovich-Pseudo- erhaltene Solidus war, aus dem die awarischen
schnalle ausgeschnittenen Zellen (Täf. 41, 1) in Pa­ Goldschmiede den alten Stücken ähnliche oder
rallele gestellt (SUPKA 1913, 406; B O N A 1982-83, noch prachtvollere Gegenstände erzeugt haben,
84-85). Diese Analogie scheint gezwungen zu sein. unter Anwendung einiger, von den byzantinischen
An der Jankovich-Pseudoschnalle wurden aus Gegenständen Goldschmieden erlernter oder an
einem wappenschildförmigen Blech bogenförmige byzantinischen Gegenständen gesehener Gold­
und doppeltdreieckige Formen ausgeschnitten, die schmiedekunstgriffe. Die Befestigung der ältesten,
letztere Form wurde dann in der Mitte mit Perlen­ massiven silbernen Pseudoschnallen erfolgte mit
draht zusammengebunden, während die runde Zel­ den an der Rückseite sichtbaren, mit dem Schnal­
lenreihe des Schwertbandes von Tépe gepreßt ist. lenbeschlag mitgegossenen Dornen, wie auf den asi­
Das Mittelfeld der Jankovich-Pseudoschnalle bildet atischen Stücken oder auf den frühawarenztilichen,
eine gute Parallele zum mittleren Teil der wappen­ gegossenen Schnallen. Die Montierung der mit Ku­
förmigen Beschläge der einen italo-byzantinischen, gelrahmen verzierten goldenen Pseudoschnallen er­
goldenen Gürtelgarnitur von Castel Trosino, auf folgte mit den langen Schleifenösen, ebenso wie an
welchen sich eine völlig ähnliche, aus Blech aus­ den byzantinischen, italo-byzantinischen Gürtelzi­
geschnittene Einlage befindet ( W E R N E R 1974, erden.
Taf. V I ) . In diesen und auch im Feld der Jankovich- Die meisterhafte Analyse der 4 Jankovich-Gold­
Pseudoschnalle dürfte ursprünglich eine Steinein­ stücke (Schnalle, Riemenzunge, Beschlag, Sattel­
lage gewesen sein. Auch die Einkerbungen an der zierde: Taf. 43, 1-4) stammt ebenfalls von I. Bona
inneren Seite weisen bei der Jankovich-Pseudo­ ( B O N A 1982-33, 83-85). Aufgrund der Zusam­
schnalle hierauf. Die Hälfte dieser ausgeschnittenen menstellung und Einteilung des Jankovich-Inven-
Muster verziert auch die von Fettich als Analogie tarbuches, ferner nach prinzipiellen und chronolo­
erwähnte, gegossene, byzantinische Bronzeschnalle gischen Bedenken vermutet I. Bona, daß die unter
von Alsó-Páhok ( F E T T I C H 1937, Taf. C X X I X 48). Nr. OrnJank 56 inventarisierte, oben analysierte
Pseudoschnalle mit den vier flechtbandverzierten Technik, in der Qualität und im Reichtum eng
Stücken zusammengehören und aus einem Kha- anschließbaren Grabfunde von Kölked (1977). (Die
gangrab stammen. Seine Meinung wird von A. Kiss Ausgrabung von A. Kiss mit unveröffentlichten
in Frage gestellt (KISS 1988a, 83-84). Funden.)
Das Problem scheint hypothetisch zu bleiben. Die vier Jankovich-Goldstücke (Schnalle, Rie­
Die sichere Zusammengehörigkeit läßt sich bezwei­ menzunge, Beschlag und Sattelbeschlag) kommen
feln. unter den Postennummern 49,50,51 des Jankovich-
Die Schnalle, Riemenzunge, der Beschlag und die Inventarbuches vor (unter Nr. 51 die Schnalle und
Sattelzierde stechen scharf von den frühawarenzeit­ die Riemenzunge zusammen). I. Bona analysiert
lichen Formen ab (Schnalle mit Schilddorn, kan­ ausführlich das Gewicht der an das „Byssum" ange­
tenlose Riemenzunge, rhombusförmiger, an den nähten oder angebundenen Goldgegenstände und
Beschlag der germanischen Sandalenriemen erin­ stellt fest, da sich die fehlenden 7,76 g (im Gegen­
nernder Beschlag). Ihre technische Ausführung, satz zum ursprünglichen 105,57 g betragen die vier
Montierungsweise, wie z.B. die Flickarbeit der Gra­ Gegenstände ein Gewicht von 97,81 g) aus dem Ge­
natplatteneinlagen, der Sattelbogenverzierung an wicht der inzwischen herausgefallenden Niete und
der Rückseite, die Verwendung der den Schnal­ des „Byssums" ergeben. Aus dem ursprünglichen la­
lenbeschlag, den Beschlag, die Sattelverzierung teinischen Text geht nicht ganz klar hervor, ob alle
durchschlagenden, kleinen Niete mit rundem Kopf vier oder nur drei Gegenstände an das „Byssum"
unterscheiden sich von der allgemeinen frühawa­ angenäht waren oder an ein getrenntes Stück drei,
renzeitlichen Praxis. Trotz des Gesagten kann aber an ein anderes ein Gegenstand. „Drei von diesen" -
auch vorgestellt werden, daß sich im Besitz des schreibt das Inventarbuch - aber welche drei? E s ist
einen Khagans ein solcher, von den allgemeinen anzunehmen, daß der als erster erwähnte Sattelbo­
frühawarenzeitlichen völlig abweichender Gürtel genbeschlag abgesondert war und die drei ähnli­
germanischen Typs befunden hat. Die bisher be­ chen, mit Flechtband verzierten Teile (Schnalle,
kannten Grabfunde mit goldener Pseudoschnalle Riemenzunge, Beschlag) eine Einheit bildeten. Wo­
begründen aber dies nicht. Aus dem Pseudoschnal- mit läßt sich diese Unterscheidung erklären? Even­
lenkreis des Karpatenbeckens fehlt die Pferde­ tuell stammten die vier Gegenstände nicht aus ein
bestattung. Unter den Jankovich-Goldstücken hin­ und demselben Grab/ Fundort?
gegen finden wir einen Sattelbogenbeschlag (ver­ Das Zusammengehören der Schnalle, der Rie­
mutlicherweise, falls der tierförmige Beschlag über­ menzunge und des Beschlages ist aufgrund der Grö­
haupt einen Sattel verziert hat!). ße und der Verzierung ganz sicher. Der Sattelbe­
Die gezähnte Tierornamentik kann an den Be­ schlag unterscheidet sich in der Technik und
schlägen der Schwertscheide des Fürsten im Grabe Verzierung von den oben erwähnten, er hat eine
von Kunmadaras und auch auf den zum Pferdeges­ Steineinlage und ist nicht mit typischem Flechtband
chirr gehörenden kleinen Riemenzungen angetrof­ verziert. Anläßlich der Analyse der Schnalle und
fen werden (in viel schwächerer Ausführung, als auf der Riemenzunge stellt M. Nagy fest, daß „sie die
den Jankovich-Goldstücken), dieses Grab ist aber Arbeiten eines örtliche Zierelemente der früh-
kein Mitglied des Pseudoschnallenkreises, sogar et­ awarischen Goldschmiedekunst anwendenden, im
was alter als dieser. Diese Feststellungen untermau­ skandinawischen-süddeutschen-italischen Tierstil
ern nicht die Voraussetzung von I. Bona, wonach bewanderten Künstlers (oder Werkstätte) sind"
die Jankovich-Goldstücke und die Jankovich- ( N A G Y 1988, 404). M. Nagy hält die Muster der
Pseudoschnalle Teile eines Grabfundes wären. Das Jankovich-Schnalle und -Riemenzunge für das örtli­
„Zeitargument" von I. Bona, also daß die Pseudo- che Vorbild der awarischen Tierornamentik, deren
schnallenfunde alle 20-30 Jahre zum Vorschein Nachahmungen in den mit gezähntem Flechtband
kommen würden, ferner, daß es ein unvorstellbarer verzierten Exemplaren (Stücken) von Halimba, Bu­
Zufall ist, daß Miklós Jankovich vor 1820 die Ge­ dapest-Farkasrét, Zamárdi angetroffen werden kön­
genstände aus zwei awarischen Fürstenfunden er­ nen. Die Herstellungszeit der Jankovich-Goldstük-
worben hätte (BONA 1982-83, 84; 125, Anm. 5) ist ke bestimmt auch M. Nagy mit den letzten
zur Bekräftigung wissenschaftlicher Fragen nicht Jahrzehnten des 6. Jh. Die stilkritische Analyse von
geeignet. Mit Zahlen könnte man ebenso auch das M. Nagy und die Untersuchung der transdanubi-
Gegenteil beweisen: stünden uns zwei Jankovich- schen Verbreitung der gezähnten Rechtbandverzie­
Fürstenfunde zur Verfügung, so dürfte ihr Vorkom­ rungen lassen ebenfalls die Vermutung zu, daß die
men chronologisch ebenso nahe zueinander stehen, Jankovich-Goldstücke von einem transdanubischen
wie z.B. 1878,1884,1889 - d.h. die Jahre der Erwer­ Fundort stammen. E s fragt sich aber, ob sie aus
bung der übrigen zwei Pseudoschnallen von unbe­ einem Männer- oder Frauengrab und aus demsel­
kannten Fundorten (im Jahre 1878 und 1889), unter ben Grab stammen, das den Sattelbeschlag mit
diesen der Grabfund von Kunmadaras (1889); oder Wildeberkopf enthält? Die Frauengräber von Köl-
1971, 1977 von Kunbábony (1971) und die zum ked-Feketekapu fürstlichen Reichtums und ihre mit
Kreis der Jankovich-Goldstücke im Stil, in der gezähntem Rechtband verzierten Gegenstände von
guter Qualität (KISS 1988b, Abb. 5-6) ermahnen soll bemerkt werden, daß nachdem uns nur der
uns dazu, daß wir diese Voraussetzung nicht außer Wohnsitz des Verkäufers Adolf Wolff bekannt ist,
acht lassen sollen. Diese Hypothese läßt auch der kann er nicht als sichere Fundstätte des Gegenstan­
tierförmige Beschlag von Jankovich zu. Falls er ein des bezeichnet werden. Die auch von A Kiss vor­
Sattelbogenbeschlag ist, so kann er auch aus einem geschlagene Bezeichnung: südlicher Teil der Batsch-
Frauengrab stammen, ebenso wie die ähnlichen ka scheint annehmbarer zu sein.
Beschläge des mit der Münze des Maurikios Tibe- Wie wir es oben erwähnt haben, können die A r ­
rios datierten fränkischen Grabes von Wesel-Bislich gumente von I. Bona betreffs der Zusammenge­
(JANSSEN 1981, 149-169). Im Grab von Wesel hörigkeit der fünf Jankovich-Goldstücke stark be­
gehören zum Pferdegeschirr die flechtbandverzier- zweifelt werden, sowohl von der chronologischen
ten, tauschierten Riemenzungen in der Größe der Streuung des Vorkommens der fürstlichen Funde,
Schnalle und Riemenzunge von Jankovich. Dem­ als auch aufgrund der Untersuchung der Konstruk­
nach kann auch vorausgesetzt werden, daß die vier tion des Jankovich-Inventarbuches her.
Jankovich-Goldstücke eventuell Teile eines Pferde­ Die Feststellung von I. Bona ist aber - wie im all­
geschirrs waren. gemeinen - auch in diesem Falle gedankenerregend.
Die Jankovich-Tierfigur hat keine genaue Paralle­ Überblicken wir die Liste der Gegenstände, die
le im Karpatenbecken. Ihre Form und ihr Aufbau aufgrund des 1832 gekauften und bis 1838 fertig ge­
ähnelt aber stark der Adlerfigur aus vergoldeter machten Jankovich-Inventarbuches als awarenzeit­
Bronze mit Steineinlage aus dem Grabe 4 des Grä­ liche, d.h. in diesen Katalog gehörende Goldgegen­
berfeldes von Keszthely-Fenékpuszta (BAKÓCZI stände identifiziert werden konnten:
1968, Pl. L X I I . l ) .
Die gedrungene Vogelgestalt mit Krummschna­ Kat.- Fundort Name des Nr. im
bel und gekrümmten Füßen dürfte mit der Janko­ Nr. Gegenstandes Jankovich-
vich-Tierfigur gleichzeitig entstanden sein und ge­ Inventarbuch
hört in den gleichen Kulturkreis, in den italo-
langobardisch-byzantinischen Kreis. I. Bona setzt 2. Adony Ohrgehänge mit
die Belegungszeit des Gräberfeldes von Fenékpusz­ Pyramidenanhänger OrnJanklO
ta zwischen 568-630 ( B O N A 1971a, 297). Diese 34. Inota Ohrgehänge mit
Pyramidenanhänger OrnJank 3
Parallele entscheidet aber noch nicht die Funktion
36. Unbekannt Ohrgehänge mit
der Jankovich-Tierfigur. Die Nietlöcher der Tierge­ Pyramidenanhänger OrnJank 7
stalt sind von ähnlicher Größe, wie die des aller 40. Unbekannt Ohrgehänge mit
Wahrscheinlichkeit nach auf einen Lederriemen Pyramidenanhänger OrnJank 6
montierten Beschlages. A. Kiss rekonstruiert den 41/a. Unbekannt Ohrgehänge mit
paarlosen, tierförmigen Beschlag aufgrund des Pyramidenanhänger OrnJank 8
Sattels von Wesel-Bislich als den rechtseitigen 43. Unbekannt Ohrgehänge mit
Beschlag des ersten Sattelbogens (KISS 1984, 189- (Tbrda?) Kugelanhänger OrnJank
207, Abb. 10.). Ähnliche Beschläge mit Tiergestalt 1-2 (?)
50. Unbekannt Ohrgehänge mit
kennen wir aber als Verzierungen von Ledertaschen
Beerenanhänger OrnJank 14
ebenfalls (z.B. Sutton Hoo), so bleiben ohne Kennt­ 55. Unbekannt Ohrgehänge mit
nis der Fundumstände die Fragezeichen betreffs der Beerenanhänger OrnJank
Zusammengehörigkeit der Jankovich-Goldstücke, 17(?)
ihres Fundortes und ihrer Funktion auch weiterhin 56. Unbekannt Ohrgehänge mit
bestehen. Beerenanhänger OrnJank
Kommen wir auf den Problemkreis der Janko­ 13(?)
vich-Pseudoschnalle zurück, so müssen zuerst unse­ 74. Óbuda Anhänger OrnJank 59
re bisherigen Feststellungen zusammengefaßt wer­ 78. Pentele Anhänger OrnJank 60
80. Unbekannt Pseudoschnalle OrnJank 56
den. Die vier Jankovich-Goldstücke können von 88. Unbekannt Schnalle, Riemen­
einem transdanubischen Fundort stammen, aus zunge, Beschlag,
einem solchen Kulturkreis, aus dem uns bisher noch Sattelbogen­
keine gegossenen Pseudoschnallen bekannt sind. verzierung OrnJank 49,
Die goldenen Pseudoschnallen wurden im Donau- 50,51
Theiß-Zwischenstromgebiet zutage gefördert: Bo­ 115. Nagytétény Ohrgehänge mit
csa, Kunbábony, Tépe - sekundärer Fundort, 81. Traubenanhänger OrnJank 16
Unbekannter Fundort. Letztere Pseudoschnalle 117. Óbuda Ohrgehänge mit
kann der Vermutung von A. Kiss nach aus der Um­ Pfaufigur OrnJank 23
118. Óbuda Ohrgehänge mit
gebung von Németpalánka und der einstige Haken
aufgezogener
mit Almandineinlage aus der Umgebung von Sze­ Blechkugel OrnJank 4-5
ged stammen. (Über die letzteren zwei Gegenstän­ 126. Rácalmás Ohrgehänge mit
de S. Kiss 1988a, 82). Vom Fundort Németpalánka Pyramidenanhänger OrnJank 9
Kat.- Fundort Name des Nr. im Die granulationverzierte Schwertöse von Alpár
Nr. Gegenstandes Jankovich- ist die einfachere Variante der Öse des Fürsten­
Inventarbuch
schwertes von Kecel. Die granulationverzierten
131. Székesfehér- Ohrgehänge mit Beschläge, Schwerter sind für den Pseudoschnal-
vár Kugelanhänger OrnJank 12 lenkreis charakteristisch. Im Khagangrab von
133. Szombathely Ohrgehänge mit Kunbábony wurden auch granulationverzierte
(Savaria) Kugelanhänger OrnJank 11 Gürtelzierden, Dolchbeschläge, in Mala PereSce-
136. Alpár Schwerthängeöse OrnJank 66 pino hingegen außer den granulationverzierten
Gürteln auch in einer mit dreibögiger Hängeöse
Aus dem Jankovich-Inventarbuch identifizierten verzierten Scheide ein prachtvolles Eisenschwert
wir unter 24 Posten 25 Stücke als awarenzeitliche mit Ringgriff gefunden. Die Scheide des Schwertes
Goldgegenstände, von diesen ist die Identifizierung und sein Griffblech ist von der Granulation dicht
der Posten OrnJank 1-2,13 und 17 (Kat.-Nr. 43,55, bedeckt.
56) in diesem Buch unsicher. Aufgrund der Be­ Falls wir annehmen, daß sich unter den von Jan­
schreibungen des Jankovich-Inventarbuches dürften kovich zusammengesammelten und in das Ungari­
awarenzeitliche Gegenstände auch noch in der sche Nationalmuseum gelangten Goldstücken auch
abgekauften Sammlung gewesen sein. Der Gegen­ zusammenhängende, d.h. aus ein und demselben
stand unter OrnJank 15 kann mit dem einen Grab stammende Funde gewesen sein konnten, wo­
Exemplar der unter Kat.-Nr. 61 oder 62 mit unbe­ ran I. Bona auch im Falle der Jankovich-Beschläge
kanntem Fundort bezeichneten Ohrgehänge iden­ und der Pseudoschnalle gedacht hat, so kann in
tisch sein. (Laut I. Bona ist das Stück unter Kat.-Nr. Kenntnis der Zusammensetzung der bisherigen
61 mit OrnJank 16 identisch.) Es kann auch sein, Grabfunde mit Pseudoschnalle viel mehr vorgestellt
daß mit OrnJank 12 nicht das unter Kat.-Nr. 131 werden, daß die unter der Postennummer OrnJank
aufgenommene kleine Ohreghänge mit fünf Kuge­ 56 inventarisierte Pseudoschnalle und unter Nr. 66
lanhängern, sondern Nr. 50 identisch ist. Die Be­ eingeschriebene goldene Schwertöse aus je einem
schreibungen sind leider zur ganz genauen Identifi­ reichen Fürstengrab, aus dem Abhang des Burghü­
zierung zuweilen allzu wortkarg. gels von Alpár stammen. (Auf die Einwendung,
E i n Großteil der identifizierten Gegenstände bil­ weshalb bei der Schwerthängeöse der Fundort ange­
den Orgehänge (5 mit Pyramidenanhänger, 1 mit geben wird und dies bei der Pseudoschnalle fehlt,
großem, 1 mit mittelgroßem, 1 mit kleinem Kuge­ kann bemerkt werden, daß es zur Erwerbung der
lanhänger, 3 mit Beerenanhänger, 1 mit gegosse­ beiden Gegenstände wahrscheinlich nicht zu ein
nem Traubenanhänger, 1 mit Pfaugestalt und 2 mit und derselben Zeit gekommen ist (s. darüber B O ­
aufgezogener Blechkugel), es gibt ferner 2 Anhän­ N A 1982-33,84).
ger, 1 Pseudoschnalle, 1 Schwertöse und je eine ver­ Tiszaalpár, der Fundort der Schwerthängeöse im
mutlich zusammengehörende Schnalle, Riemenzun­ Donau-Theiß-Zwischenstromland bildet das Gebiet,
ge, Beschlag und Sattelbogenbeschlag. Von diesen wo die goldenen Pseudoschnallen und Schwerter
teilt Jankovich bei 12 Posten auch den Fundort des mit dreibögiger, goldener Hängeöse zum Vorschein
Gegenstandes mit (Adony, Inota, Óbuda 3x, Nagy­ kommen.
tétény, Pentele, Rácalmás, Fehérvár, Savaria, Alpár Untersuchen wir die Liste der von Jankovich ge­
und Torda?). Obwohl die meisten Fundorte sich in kauften Goldstücke vom Gesichtspunkt, ob von den
Transdanubien befinden, können wir dennoch nicht Ohrgehängen und Anhängern irgendein Exemplar
daran denken, daß die Jankovich-Sammlung größ­ eventuell aus einem solchen Grab stammen könnte,
tenteils aus Transdanubien stammt, da es unter den in welchem die Schwertöse und die Pseudoschnalle
aus einer anderen Periode stammenden Gegenstän­ zusammen vorhanden gewesen konnten, so scheint
den mehrere Funde gibt, die nicht transdanubisch es, daß dies nicht der Fall war. Der Großteil der
sind. Mit gewissem Bedenken müssen wir aber die Jankovich-Ohrgehänge hat einen Pyramidenanhän­
als vom Gebiet der einstigen römischen Städte zum ger, in den Gräbern mit Pseudoschnalle hätten wir
Vorschein gekommenen, registrierten Goldgegen­ in Kenntnis von Bocsa und Kunbábony Ohrgehänge
stände behandeln, wie z.b. das Ohrgehänge mit Ku­ mit kleinem Kugelanhänger erwartet.
gelanhänger aus Savaria (Szombathely). Aus dem Grab von Alpár mit der vorausgesetzten
Von den awarenzeitlichen Goldstücken der nicht Pseudoschnalle konnte aber der Fingerring von
transdanubischen Fundorte hebt sich die in Alpár Bocsa-Typ gestammt haben, der aus der Sammlung
(heute: Tiszaalpár) zum Vorschein gekommene von Ferenc Kiss im Jahre 1843 in das National­
Schwertöse der Jankovich-Sammlung hervor (Orn­ museum kam (Taf. 36, 1, Kat.-Nr. 68). Auf stilkri­
Jank 66 = Kat.-Nr. 136, Taf. 98, 3. Die Identifizie­ tischer Grundlage dürfte mit diesem voraus gesetz­
rung führte I. Bona durch. Ein genauer Fundort ist ten Fund oder mit einem anderen Grabfund mit
in Tiszaalpár, der Várdomb, von wo die auf die erste Pseudoschnalle (z.B. Tépe) jene granulationverzier­
Hälfte des 7. Jh. datierbaren Gräber stammen: te, kleine Riemenzunge zusammengehört haben,
BÓNA-NOVÁKI 1982, 96-98). die vom Nationalmuseum unlängst aus der alten
Sammlung von Mauthner gekauft wurde (Kat.-Nr. Paar solches Ohrgehänge mit kleinem Kugelanhän­
83. G A R A M 1988,159-172). ger, das eine gute Analogie des Ohrgehänges des
Aufgrund unserer Voraussetzungen kann vorge­ Fürstengrabes von Bocsa bildet (Kat.-Nr. 49, Taf.
stellt werden, daß auf dem Abhang des Burghügels 34, 1-2). E s kann vorgestellt werden, daß dieses
von Alpár in den ersten Jahrzehnten des 7. Jh. ein Ohrgehängepaar entweder zu den Pseudoschnallen-
Fürst im Range der Person von Bocsa mit Gürtel funden des Jahres 1878 oder 1889 gehört.
mit goldener Pseudoschnalle, granulationverzier­ Die aufgrund der Akquisitionsliste vorausgesetz­
tem Schwert mit Ringgriff und dreibögigen Hänge­ ten Zusammengehörigkeiten mehnen darauf, daß
ösen, eventuell mit dazu gehörenden, von granula­ wir die gleichen oder beinahe zu ein und derselben
tionverzierten Beschlagen geschmücktelúrn Gürtel, Zeit aus unbekanntem Fundort in das Museum ge­
Goldring mit rhombusförmigem Kopf und mit vie­ langten Gegenstände einer Revision unterziehen
len anderen solchen Gegenständen bestattet wor­ und die zur selben Zeit zum Vorschein gekomme­
den ist, über deren Vorhandensein wir noch weniger nen Funde aus Fürstengräbern oder Begräbnisstät­
phantasieren könnten, als bisher, also über die uns ten führender Persönlichkeiten untersuchen müs­
keine Angaben zur Verfügung stehen. sen. Es steht aber fest, daß mehrere Gegenstände
Von den goldenen Pseudoschnallen sind zwei aus ein und demselben Grab zutage gefördert
mangelhaft. Dem Beweis der Kat.-Nr. 81 und 82 worden sind. E s ist unwahrscheinlich, daß im vor­
nach kam nur der gegossene Rahmen durch Ankauf igen Jahrhundert soviel reiche Grabfunde zum Vor­
in den Besitz des Nationalmuseums (Taf. 41, 2-3). schein gekommen wären, wie so manche mangelhaf­
Beachtenswert ist, daß das gerippte Band beider te Einzelstücke in das Museum gekommen sind.
Schnallenrahmen, mit dem sie an den Beschlag der Dies bezieht sich aber nicht auf die mit Pyramiden-
Pseudoschnalle befestigt wurden, durchlöchert wa­ und Kugelanhängern oder einen späteren Typ zei­
ren. Das Loch des einen Bandes war intakt, das an­ genden Ohrgehänge, die auch aus den Gräbern des
dere durchgerissen. E s mag sein, daß diese Schnal­ gemeinen Volkes stammen können, eventuell han­
lenrahmen auch sekundär verwendet worden sind delt es sich um solche kleine goldene Ohrgehänge,
(entweder in der Awarenzeit oder später), ihre die im vorigen Jahrhunderte bzw. zu Beginn des
unsprüngliche Montierungsweise beansprucht näm­ Jahrhunderts aus gestörten awarischen Gräbern
lich keine Durchlöcherung. Zwischen der Zeit der bzw. unter Erschließung befindlichen Begräbniss­
Erwerbung der zwei Pseudoschnallen kaufte das tätten herausgerafft und dem Museum übergeben
Ungarische Nationalmuseum durch J . Schwarz ein wurden.

OZORA-TÓTIPUSZTA (Kat. Nr. 122; Taf. 72-88)

Von den in das Museum gelangten Funden der Die Zahl der Bestattungen bzw. der erschlossenen
vor 120 Jahren ans Tageslicht gekommenen Gräber Gräber in Ozora
von Ozora können wir eine vornehme Bestattung, Nach der Interpretation von Gy. László (LÁSZ­
ein Männer- und Frauengewand, Schmucke, Tafel- LÓ 1940b, 151) ist die Forschung der Meinung, daß
und Begräbnisgefäße, Bewaffnung und ein Pferdege­ die Leute des Gutes im Jahre 1871 in Tótipuszta
schirr in beruhigender Weise rekonstruieren. Trotz drei Körperskelette (1 Mann, 1 Frau, 1 Mädchen)
dessen aber, daß uns über die Befunde wesentlich und das Grab von einem Pferd freigelegt haben.
mehr als bei den übrigen awarenzeitlichen Leitfun­ Diese Feststellung akzeptiert auch I. Bona, stellt so­
den bekannt ist, können wir nicht endgültig ent­ gar auch die Reihenfolge der Bestattungen „richtig"
scheiden, ob die einzelnen Gegenstände, Schmuck­ fest: Mädchen, Frau, Pferd, Mann (BONA 1971b,
stücke aus dem Männer- oder Frauengrab zum 247 (31-248) 32; B O N A 1982-83, 106). Die Fest­
Vorschein gekommen wären. stellung der Zahl der Bestatteten gründet sich auf
Die beinahe schon vor 10 Jahren erschienene den goldenen Kreuzbalken (Taf. 86, 3) und auf den
gründliche, ausführliche, in seiner Art und Weise kleineren Armring (Taf. 85, 5), aus welchen Gy.
bahnbrechende Arbeit von I. Bona erhebt mich der László auf eine Kreuz tragende Frau und aufgrund
weiteren Bemühungen, die Befunde der Gräber von des Armringes auch ihr Lebensalter bestimmend
Tótipuszta und ihren Weg in das Museum von auf ein 6-7 jähriges Mädchen geschlossen hat. Laut
neuem zu schildern ( B O N A 1982-83,104-114). Bei Gy. László und I. Bona dürfte auch das kleinere
der Analyse und Gruppierung der Funde ist es Ohrgehänge dem Mädchen gehört haben.
aber in einzelnen Fällen unvermeidlich, die Tatsa­ Mit den Schmuckgegenständen, Agraffen be­
chen mit den bisherigen Feststellungen zu konfron­ faßten wir uns schon in unserer über die Juwe­
tieren. lenkragen, mit Anhänger verzierten Halszierden
byzantinischen Ursprungs geschriebenen Studie che Knochen gefunden hat" (BISITS 1872, 16-17).
( G A R A M 1990b, 147-153, G A R A M 1991a). Das Aller Wahrscheinlichkeit nach stießen sie auf das
intakte Kreuz und der Kreuzbalken wurden auf Frauen- und auf das rechts oder links davon liegen­
demselben Preßmodel erzeugt. Der letztere ist ein de Pferdeskelett. Dies untermauern die von ihnen
abgebrochener Balken, dessen oberer Rand noch vom Fürsten Eszterházy angekauften Agraffen, das
die Spuren der einstigen Bandöse zeigt, ebendort Kreuz und jene zum Frauengrab gehörende Funde,
und auch auf dem abgebrochenen Rand wurden zur die schon 1871 als Geschenk von Bisits in das Mu­
Befestigung dienende sekundäre Löcher gebohrt. seum gelangt sind (kleiner Fingerring, großes Ohr­
Verbesserungen, Durchbohrungen sind auch an gehänge, Halsring). Diese Meinung vertritt auch I.
mehreren Gegenständen von Tótipuszta zu sehen. Bona, der aufgrund des 1871 dem Museum abgege­
Diese stammen gewiß aus derselben Zeit, da es ja benen kleinen Armringes daran denken konnte, daß
nicht wahrscheinlich ist, daß die Fragmente von man zuerst das Grab des Mädchens gefunden hat.
dem Knecht, der sie gefunden oder von dem Für­ M. Bisits ließ nach dem Untersagen der Fortset­
sten bzw. dem Abt, die sie verschenkt haben, durch­ zung des Kellerbaues und dem Ankauf der meisten
bohrt wären. Dies ist schon deshalb nicht wahr­ Schmuckgegenstände weiter graben. E r schreibt fol­
scheinlich, da man die Befestigung des intakten gendes in seinem Brief: „jedoch nachdem in der
Kreuzes (dessen linker Balken im Anfangsstück Grube ein Pferdeschädel gefunden wurde und wir
ebenfalls gebrochen und restauriert ist) zum Ersatz des weiteren weder auf Waffen, noch auf Sporen­
der abgerissenen Bandöse gerade auf diese Weise, fragmente stießen, hielt ich es für wahrscheinlich,
mit Hilfe der durch die von der Rückplatte ausge­ daß ebendort auch noch eine andere Leiche begra­
henden und schmalen Seitenplatte sichtbaren ben sein muß ... Die Fortsetzung der Grabungen
Löcher durchgezogene, dünne Schnur gelöst hätte. verordnete ich unter der Aufsicht meines Försters
Das unversehrte Kreuz kam als Geschenk des Fürs­ und man stieß auch dann auf das zweite Skelett. In
ten Eszterházy 1872, der Kreuzbalken hingegen seinem Grab wurden die Schwertfragmente, Hal­
dank der Güte des Abtes Bubics 1875 in das Muse­ szierde, Münze, Schnallen, der eine Fingerring und
um. Aus dem oben erwähnten schließen wir darauf, die kleineren Ohrgehänge gefunden" (BISITS 1872,
daß der Kreuzbalken in beschädigtem Zustand 16-17). Laut I. Bona ist dies die „ausführliche,
mangelhaft getragen wurde, ebenso wie auch der authentische Beschreibung" des Männergrabes von
noch mangelhaftere, blattförmige Anhänger mit Ozora (BONA 1982-83, 105). Die von Bisits aufge­
mehrfach durchbohrtem Rand (Taf. 86, 2) (GA­ zählten Funde identifiziert I. Bona mit den vorhan­
RAM 1990b, 148). denen (von diesen wird von den Anhängern später
Der mangelhafte Kreuzbalken kann also kein Be­ noch die Rede sein) und gibt in zeichnerischer
weis dafür sein, daß in Ozora zwei Frauen bestattet Darstellung ein kleines Ohrgehänge mit Beerenan­
worden sind. hänger von Igar-Typ als Ersatz des fehlenden „klei­
Betrachten wir nun die Lage mit den Armringen! neren" Ohrgehänges zurück (BONA 1982-83, 108;
Unter den Funden von Ozora gibt es zwei, aus tor­ Taf. 8,1-2).
diertem Draht gebogene, goldene Armringe (in­ Dem Anschein nach legten die Gräber, unter de­
nerer Durchmesser 5,3 und 4,8 cm. Taf. 85, 5; 7). nen der eine der Knecht Sütő gewesen sein konnte,
Die offenen Enden der Armringe sind gerade abge­ unter der Aufsicht des Försters in der Tat das Män­
schnitten, auf dem einen Ende des größeren Arm­ nergrab frei, also das Grab, in dem auch die Münze
ringes ist die Spur einer kräftigen Abzwickung zu gefunden wurde. Bisits war aber nicht zugegen, dies
sehen. Der kleinere Armring wäre der richtige Be­ erhellt eindeutig aus seinem Bericht. E r spricht
weis für das Mädchengrab von Ozora. Unsrer Mei­ aufgrund der Erzählung über die Funde erst einen
nung nach kann auch dies bezweifelt werden. In Monat später. Unabhängig davon, daß der Bericht
Grab 173 des awarischen Gräberfeldes von Halimba zwar noch als exakt zu betrachten ist, kann even­
fand Gy. Török je einen Armring aus Bronzedraht tuell in die späteren Erklärungen hie und da doch
mit dem Durchmesser von 5,5 bzw. 3,3 cm. E i n heu­ ein Fehler unterlaufen. Laut I. Bona dürfte Bisits
tiges Beispiel herangezogen: In den Goldschmiede­ von dem „kleineren" Ohrgehänge, das 1888 durch
werkstätten von Samarkand werden zu Hunderten den Feldhüter Kenner und den Goldschmied Roh­
für Frauen die Armringe mit kleinerem Durchmes­ müller in das Museum gelangte, noch nichts gewußt
ser als 5 cm feilgeboten und gekauft. Demnach kann haben (BONA 1982-83, 108). Unser Meinung nach
die Altersbestimmung aufgrund der Größe des Ge­ kann angenommen werden, daß das „kleinere" Ohr­
genstandes nicht entscheidend sein. Die „Polemik gehänge aus dem Jahre 1888 das Ohrgehänge des
über das Mädchengrab" müßte demnach das kleine­ Männergrabes ist, über welches Bisits gehört hat,
re Ohrgehänge entscheiden. Aus dem zu Beginn des jedoch ist dieses mit mehreren anderen Funden des
Monats November 1871, also einen Monat nach der Männergrabes dennoch zum Feldhüter Kenner ge­
Auffindung der Funde geschriebenen Brief von Mór kommen.
Bisits erfahren wir, daß der die Kellergrube auswer­ Betrachten wir nun, welche Gegenstände der
fende Kutscher und Knecht „Pferde- und menschli­ Feldhüter Kenner verkaufen wollte. Diese sind mit
den folgenden, im Jahre 1888 durch Ankauf er­ telawarischen Gräbern in mehreren Exemplaren be­
worbenen Gegenständen identisch: große Silber­ kannt. In den Männergräbern 32 und 34 von Kiskö­
schnalle, 1 kleine Riemenzunge, 1 Gürtelbeschlag, 1 re verzierte eine kleine schwarze Glasperle den gol­
doppelschildförmiger Beschlag, größerer Armring, denen Ohrring ( G A R A M 1979, Taf. 9. 10-11,
kleines Ohrgehänge, 2 Glöckchen, 2 runde Einfas­ 27-28). Für das Vorhandensein der perlenverzier­
sungen, Säbelortband, Säbelscheide mit Hängeöse, ten Ohrgehänge, als von zur Tracht der mittelawa-
2 Amethystperlen. Die Schnalle, kleine Riemenzun­ renzeitlichen, reicheren Männergräbern gehören­
ge, Beschläge und Säbelzubehöre stammen gewiß den Stücken fand R. Müller unlängst auch einen
aus dem Männergrab. weiteren Beweis. In Grab 64 einer führenden Per­
Aller Wahrscheinlichkeit nach kamen auch die sönlichkeit von Gyenesdiás waren 2 goldene Ohrge­
Anhänger aus dem Männergrab zum Vorschein hänge mit Blechmantel und Amethyststein. Das
(BONA 1982-83, 106). Die 1888 abgelösten zwei Grab wird vom Goldsolidus des Constans II. datiert
Glöckchen, zwei runde Einfassungen und zwei (MÜLLER 1989,146; Abb. 5).
durchbohrte, längliche Amethystperlen sind ebenso Zusammenfassend: In Ozora wurden vermutlich je
Teile je eines Anhängers, wie die vorhandenen vier ein Frauen-, Pferde- und Männergrab erschlossen.
intakten Stücke. Der Mann dürfte also in der Tat Das Vorhandensein des vorausgesetzten Mädchen­
sechs, ähnlich aufgebaute Anhänger gehabt haben. grabes kann weder der Kreuzbalken, noch der klei­
(Die zwei Amethystperlen können nicht zu den nere Armring oder das kleinere Ohrgehänge ein­
kleinen Ohrgehängen gehören (BONA 1982^83, deutig beweisen. Die 1888 in das Museum
107), die an diesen sichtbaren Perlenstellen sind gekommene, vom Feldhüter Kenner eingesammel­
nämlich um fünfmal kleiner, als die Amethystper­ ten Gegenstände können aus dem Männergrab
len). Der größere Armring dürfte ebenfalls zum stammen, dessen Freilegung und die Einholung der
Mann gehört haben und der 1871 abgelieferte, klei­ Funde leider nicht mit genügender Sorgfalt vorge­
nere stammt wahrscheinlich aus dem Frauengrab. nommen wurden. Dies und nicht die „Vergeßlich­
Die Voraussetzung, daß die tordierten Hals-, Arm- keit" kann eine Erklärung dafür sein, daß Bisits von
und Fußringe auch zur Männertracht gehört haben den Gürtelzierden nichts erwähnt.
dürften, ist aufgrund von Kunmadaras und Üc-Tepe Im vergangenen Jahrhundert kamen von den
vorstellbar ( J E S S E N 1965, Risz. 30). großen Funden meistens nur die aus Edelmetall er­
Laut I. Bona ist das durch Kenner vom Museum zeugten Stücke in das Museum (z.B. aus Kunágota,
erworbene „kleinere" Ohrgehänge ein „typischer Kunmadaras). Ozora ist in dieser Hinsicht auch ein­
Frauenschmuck", von welchem „beim Auffinden die zigartig. Von den drei Gräbern gelangten 94 Funde
Ziersteine abgebrochen wurden". Die fehlenden, in das Museum, 85 Goldgegenstände (90% des Ge­
kleinen, runden Perlen (sie dürften Almandin, Kar­ samtfundmaterials), 6 Silbergegenstände, sowie je
neol oder echte Perlen gewesen sein) wurden - uns- ein Bronze-, Eisen- und Tongegenstand. Von den
rer Meinung nach - bei dem Goldschmied Rohmül­ Goldgegenständen waren 9 mit Ziersteinen verziert,
ler von den Ohrgehängen heruntergenommen und ein Teil der Trense und der Säbelfragmente hatte
deshalb zerlegte man ebenfalls die Anhänger mit einen Eisenkern. Das Auseinanderhalten der Funde
runder Einfassung. So konnte nämlich das reine der Mähner- und Frauengräber von Ozora könnte
Goldgewicht gewogen werden, was bei dem Verkauf mit aller Sicherheit erst dann erfolgen, falls uns
ein wichtiger Gesichtspunkt war. ähnliche Funde, wie bei diesen zwei Gräbern aus
Die Parallelen des Ohrgehänges mit kleinem authentischen Ausgrabungen zur Verfügung stün­
schwingendem Anhänger von Ozora können im den. Ohne diese kann die Trennung der Gegen­
ausgehenden 7. Jh. nicht nur in Frauen-, sondern stände je Grab nur bedingterweise vorgenommen
auch in Männergräbern angetroffen werden. In dem werden.
Gürtelbeschläge enthaltenden Gräbern von Jasino- Die Funde des Frauengrabes:
va und Zacepilovka befanden sich goldene Exemp­ Das größere Ohrgehänge, der Halsring mit Bulle,
lare (unlängst ERDÉLYI 1985, Abb. 12; 15/a). Auch das Kreuz und der Kreuzbalken, der blattförmige
in den mittelawarischen Männergräbern des Karpa­ Anhänger mit Öse, das Agraffenpaar, der kleine
tenbeckens kommt das Perlenohrgehänge mit Armring, der kleinere Fingerring - als Schmuckge­
Blechmantel und schwingendem Anhänger in bron­ genstände - , ferner die mittelgroße Schnalle, viel­
zener Variante vor (z.B. Zsély/Zelovce Grab 328, leicht die kleine Riemenzunge mit Tamga können
mit gepreten, runden und halbmondförmigen Be­ aus dem Frauengrab stammen. Gewiß enthielt das
schlägen: C I L I N S K A 1973, T L V I . 6.; Alsógel- Grab auch ein kleines Tongefäß, das jedoch nicht in
lér/Holiare Grab 85, mit viereckigen Blechbeschlä­ das Nationalmuseum kam.
gen: T O C I K 1968, Taf. X X X V . 12.; Alattyán Grab Falls dieses Armringmaß zur Bestimmung des L e ­
457, mit gepreßten, runden und halbmondförmigen bensalters genügt, so dürfte also die Frau jung ge­
Beschlägen: K O V R I G 1963, T. X X X . 37-38). E i n wesen sein, entweder die junge Frau oder die Toch­
einfacheres, nur mit Perlenanhänger verziertes Ohr­ ter des in der nähe liegenden Mannes. Aus dem
gehänge, auch paarweise getragen, sind uns aus mit­ Fundreichtum müssen wir noch nicht auf eine er-
wachsene Frau denken. Aus den Funden des Kin­ einer Frau. Dieses Ohrgehänge kann in die Gruppe
dergrabes VIII/A von Kiskőrös-Vágóhíd ist uns be­ IV/B nach A. Pásztor der mit schwingendem An­
kannt, daß die Schmucke der vornehmen Kinder zu hänger und Blechmantel verzieten Ohrgehänge ein­
dieser Zeit das Mehrfache der der durchschnittli­ gereiht werden, laut A Pásztor bildet es ihr Leit­
chen Erwachsenen übertroffen haben dürften. stück (PÁSZTOR 1986, 125). In dieser Gruppe
Die Funde des Männergrabes: bilden die Ohrgehänge der Gräber von Ozora, Igar
Die kleineren Ohrgehänge, der größere Armring, und Dunapentele 12/IV, ferner des Grabes V I I I von
der große Fingerring, der mit 6 Anhängern und Kiskőrös-Vágóhíd die ältesten, noch aus Gold er­
einer kleinen Goldschnalle zusammengehaltene zeugten Exemplare, bei denen die perlenhaltenden
Halsschmuck dürften die Schmuckgegenstände des Dorne noch auf den Ring angelötet worden sind.
Mannes gebildet haben. In meinem über den Juwe­ Bei den späteren, einfacheren Nachahmungen
lenkragen von Ozora geschriebenen früheren Auf­ sitzen die Perlen auf den durch die Ringe durchge­
satz nahm ich an, daß auch die zwei zellenverzierten zogenen Schleifen.
Scheiben zum Halsschmuck mit Anhänger gehört Das ähnlich aufgebaute, jedoch weniger verzierte,
haben: G A R A M 1990b, 150. Die Beschreibung von „kleinere" Ohrgehänge mit Perlen dürfte - wie wir
Bisits macht aber wahrscheinlich, daß das Agraffen­ es weiter oben analysiert haben - der Mann getra­
paar im Frauengrab war. Dies wird auch von der gen haben.
Tatsache bekräftigt, daß Agraffen bisher nur aus Von den Fingerringen war der kleinere vermutlich
Frauengräbern zum Vorschein gekommen sind. Die ein Frauenring (Täf. 85, 6), obwohl aufgrund des 3
Umänderung des Agraffenpaares und die Änderung mm großen Unterschiedes zwischen den Maßen der
ihrer Montierungsweise läßt aber noch weiterhin beiden Ringe und der zwei Goldringe aus dem glei­
die Voraussetzung zu, daß der Schmuck ursprüng­ chaltrigen Grabes 64 von Gyenesdiás auch vorge­
lich eine andere Funktion hatte. stellt werden kann, daß beide Ringe von einem
Der Gürtel des Mannes war von einer Silber­ Mann getragen wurden.
schnalle abgeschlossen und von Goldblechbeschlä­ Die Ringe sind byzantinische Goldschmiedear­
gen Hängeglied ein Eisenmesser heruntergehangen beiten. E i n dem kleineren ähnliches ist uns auf das
haben, dessen Scheide und Griff von Goldbleich­ 7. Jh. datiert aus Konstantinopel bekannt (ROSS
bändern verziert wurde. Auf dem Ende eines 1965, Pl. X L V I ) . Die Verzierung des Bandringes
schmaleren Riemens dürfte eine kleine, gerippte, und des Kopfes des größeren Fingerringes zeigt
silberne Tüllenriemenzunge gewesen sein. Der Sä­ (Taf. 85, 8) zur Verzierung des Ringes und der
bel war in einer Scheide mit Goldblechverkleidung. Parierstange des Schwertes im Funde von Glodosi
Es ist anzunehmen, daß die Goldblechrosetten (Taf. ( G R I N C E N K O 1950 Taf. V I . 2), zu den Zellen
77, 6; 11-13) den inneren Feld der goldblechrahm­ des Schlußgliedes der byzantinischen Halskette
ten Hängeösen verziert haben. Die kleine Silber­ des Fundes II von Igar ( F E T T I C H 1929, Taf. V I I ,
schnalle und die von Rechtband verzierten, golde­ 28-29) und zur gekerbten Verzierung des Bandes
nen Riemenzungen dürften zum Tragriemen des auf dem byzantinischen Goldring von Horvátgurab
Säbels gehört haben. ( G A R A M 1980, Abb. 5 I B ) eine starke Verwandt­
Im Tongefäß wurde neben den Mann die Speise­ schaft. Diese Gegenstände stellen alle byzantinische
beigabe hingelegt. In dem Sarg wurden mit ihm Goldschmiedearbeiten der, die in der zweiten Hälf­
auch sein Silberkrug und Fußbecher begraben. Der te des 7. Jh. erzeugt worden sind.
Goldsolidus des Konstantinos I V kam ebenfalls aus Die Parallelen der aus tordiertem Golddraht ge­
dem Grab des Mannes zum Vorschein. fertigten Armringe (Taf. 85, 5, 7) sind die ähnlichen,
Aus den Funden des Pferdegrabes kamen die Tren­ jedoch lockerer tordierten Drähte von Kunmadaras,
senfragmente mit Seitenstange, ein kleines Frament von welchen ein-zwei Exemplare schleifenförmig
des eisernen Steigbügels mit eingestülpten Ecken ausgehen. Diese sind Fragmente von Hals-, Arm­
und 29 Goldbeschläge in verschiedener Größe in oder Fußringen. Sie dürften auf dem Arm und auf
das Museum, die den Brustriemen, das Hinter- und den Füßen zur Befestigung des weitärmeligen Hem­
Kopfgeschirr verziert haben. Von diesen dürften des oder Beinkleides gedient haben. Eigentlich wa­
ursprünglich mehrere Exemplare gewesen sein, ein­ ren sie gar keine richtigen Schmuckgegenstände.
zelne blieben in der Graberde, andere hingegen gin­ Den .Armringen" von Tótipuszta fiel vermutlich
gen wahrscheinlich verloren. eine ähnliche Rolle zu.
Der Halsring mit Bulle (Taf. 86, 1) wurde eben­
Über die Funde falls aus tordiertem Draht erzeugt. Einen ähnlichen
Die Ohrgehänge des Männer- und Frauengrabes tordierten Halsring mit Schleifenenden kennen wir
gehören in die Gruppe der Ohrgehänge mit schwin­ auch aus dem Fund von Kelegej, auf welchem ein
gendem Anhänger und Zierstein von byzantini­ gepreßtes Goldblechkreuz byzantinischen Typs
schem Ursprung. Das größere Stück (Taf. 35, 1-2), hängt ( F A B R I C I U S 1927, 8). Die aus dünnem
dessen Ring ursprünglich wahrscheinlich auch von Golddraht tordierten Arm-, Fuß- und Halsringe
je 3 runden Perlen verziert war, ist das Ohrgehänge kommen im 6-7. Jh. im südrussischen Raum häufi-
ger als im Karpatenbecken vor. Außer den Stücken 131, Anm. 29), der auch die weiteren Parallelen auf­
von Tschmi und Kamunta sind die Exemplare von zählt und auf die technische Ähnlichkeit des Kreu­
Üc-Tepe die am meisten bekannten, welche mit zes von Ozora und der Vogelanhänger hinweist (Taf.
granulationverzierten Gürtelbeschlägen und einem 38, 1-2). E r hält die awarenzeitlichen, gepreßten
Früh-Stil-Säbel mit „P"-förmigen Hängeösen zum Kreuze nicht für byzantinische Produkte, sondern
Vorschein gekommen sind. Im Männergrab war für ihre awarischen oder onogurischen Nachahmun­
auch die durchbohrte Münze des Justinianus I. gen. Auch wir sind dieser Meinung und möchten
( J E S S E N 1965, 153-192, 193-194). Auch unter den bloß den Kreis der für die Kreuze von Ozora cha­
Funden des Khagangrabes von Mala Pereäcepino rakteristischen, gerillten, berahmten Durchbrüche,
befand sich die Hälfte eines tordierten Halsringes. als einer technischen Eigenartigkeit mit den tech­
Aufgrund der durchbohrten Münzen des Constans nischen Griffen ergänzen, die auf den goldenen Ver­
II. kann das Grab auf die 60er Jahre des 7. Jh. zierungen von Kiskőrös-Vágóhíd (Taf. 50, 9-11), auf
datiert werden ( B O B R I N S K O J 1914, 11-120, Täf. dem geschweiften Rahmen von Cibakháza (Taf. 22,
X I . 36). 1-3), auf dem mit Steineinlage verzierten Beschlag
Die Schmuckgegenstände mit tordiertem Draht des Grabes 131 von Kisköre ( G A R A M 1979, Taf.
sind auch unter den byzantinischen Schmucken be­ 31, 13) und auf den Rändern der Scheibenfibeln
kannt. Wir kennen Fingerringe und Ohrgehänge (Görcsönydoboka, Romonya) angewandt wurden
mit Blechanhänger auch mit tordiertem Ring (darüber ausführlicher G A R A M 1989). In diesen,
(ROSS 1965, Pl. X L V I , 74; Pl. X L V I I , 86). Unter nach dem Pressen ausgeschnittenen Zellen waren
den byzantinischen Schmucken kommen auch Hals­ einst Stein- oder Glasplatteneinlagen (im Funde
ringe mit Bulle vor. Eine dem Stück von Ozora ähn­ von Kisköre ist diese noch vorhanden). Auch die
liche byzantinische Bulle teilt R O S S 1965, PI. untere Platte des Kreuzes von Ozora ist bei den
X C V I I . K mit. Das Vorkommen der Bullen im Ausschnitten stark zusammengekratzt, in den
Karpatenbecken sammelte A. Pásztor zusammen Ecken des tropfenförmigen Ausschnittes hingegen
(PÁSZTOR 1986,113-134, Abb. 12-13). Die nahen die Spur einer Pastaeinlage (?) zu sehen. Waren die
Parallelen des Halsringes mit Bulle von Ozora sind Zellen vielleicht mit Email ausgefüllt? Die schwe­
miteinander am ehesten aufgrund der Form der ren, scheibenförmigen Agraffen (Taf. 87, 2-3) mit
Bullen und der Funktion des Gegenstandes ver­ Schleifen verbunden, kamen aus dem Frauengrab
wandt. Die Halsringe von Igar, Böly und Nagyhar­ zum Vorschein. Über den Ursprung und Aufbau der
sány wurden aus dickem Silberdraht gefertigt. Die Agraffe von Ozora berichteten wir bereits ausführ­
tordierten, jedoch aus Bronzedraht erzeugten Stük- lich ( G A R A M 1989) und stellten fest, daß die
ke waren in der zweiten Hälfte des 8. Jh. in Mode, awarenzeitlichen Agraffen nach byzantinischen
ihre Tracht wurde aber nicht allgemein ( G A R A M Vorbildern (Armringscheiben, Medaillons usw.) in
1985, Tiszafüred - im Druck). Kenntnis der byzantinischen Goldschmiedengriffe
Auf dem einen Teil des Halsringes von Ozora (an in einem awarischen (onogur-bulgarischen) Milieu
der echten Seite des Bildes, von der gegenwärtig in entstanden sein dürften. Im Aufbau der Agraffen
der Mitte hängenden Bulle 2-3 cm entfernt) ist eine von Ozora und der Gegenstände des Pseudoschnal-
starke Abwetzungsspur sichtbar. E s kann ange­ lenkreises sind mehrere ähnliche technische Ele­
nommen werden, daß auch das Kreuz (Taf. 87, 1) mente (staffeiförmig aufgetriebene Grundplatte,
und der blattförmige Anhänger (Taf. 86, 2) früher gekerbtes Umrahmungsband, Kugelreihenrahmen,
auf dem Halsring gehangen sind, wie wir dies Schleifenösen, Kugeln abtrennendes Perlendraht).
auch auf der Konstantinopler/syrischer Goldkette Wir setzen voraus, daß das Agraffenpaar von Ozora
des 7. Jh. oder der zyprischen Schmuckgarnitur ein Produkt aus dem Karpatenbecken sein kann.
(Kyrenia) sehen können (ROSS 1965, Pl. X I I - X I V ; Die Agraffen sind abgewetzt, die Verbindungskonst­
S T R Z Y G O V S K Y 1917, Taf. VIII). In den Rand des ruktion, der Haken und die Schleife dürften noch in
Kreuzes von Ozora wurden, nachdem seine Öse zer­ der Awarenzeit abgebrochen worden sein. Neben
rissen war, Löcher gebohrt und das Kreuz dürfte der Schleife bzw. dem einstigen Haken ist der Rand
man mit einer über diese durchgezogenen Schnur durchbohrt, was soviel bedeutet, daß man die
angebunden haben. Diesem Verfahren ähnlich kam Verbindung der Agraffen auch nach dem Bruch zu
es auch zur Befestigung des mangelhaften, blattför­ lösen versucht hat.
migen Anhängers. Der Kreuzbalken ist nicht nur Gürtelzierden: Aus Goldblech gepreßte, große
auf dem Rand, sondern auch auf dem gebrochenen, und kleine Riemenzungen, mit bronzener Unter­
unteren Teil durchbohrt, also war mit seiner ganzen lagsplatte mitgepreßte, wappenförmige, doppel­
Oberfläche irgendwo angenäht, wie ein seine Funk­ schildförmige Beschläge und Lochkranzbeschlag
tion verlorener, bloß als Verzierung dienender gehören zu den Gürtelzierden der Männer (Taf. 72,
Gegenstand. 2 -7, Taf. 73, 1-3, Taf. 74, 1-4). Den Gürtel schloß
Das gepreßte Kreuz von Ozora wurde byzantini­ eine silbervergoldete Schnalle (Taf. 72, 1). Die
schen Vorbildern nach gefertigt. Seine beste Form­ Gürtelgarnitur ist vermutlich nicht komplett, ur­
parallele führt I. Bona an ( B O N A 1982-83, 130- sprünglich dürften mehrere Beschläge und Loch-
kranzbeschläge gewesen sein. E i n Teil der Gürtel­ wetzt. Der Gürtel war längere Zeit in Gebrauch,
zierden ist stark abgewezt, zerknüllt, insbesondere dies zeigt auch die Umänderung der kleinen Rie­
die große Riemenzunge. Eine gleichzeitige Ausbes­ menzunge an. Die mittelgroße, gegossene Schnalle
serung kann auf der einen kleinen Riemenzunge ge­ dürfte vielleicht zum Frauengewand gehört haben
sehen werden, deren oberer Rand beschädigt ist, die (Taf. 77, 4). Aufgrund ihrer Größe war auf diesem
gepreßte Perlenkette fehlt, deshalb mußte man auch Gürtel vermutlich auch die kurze, gepreßte, mit
den riemenhaltenden Niet niedriger, in den oberen Tanga verzierte Riemenzunge (Taf. 77,1).
Rand des Mittelfeldes schlagen. Die Konstruktion Das unter der Inv.-Nr. 275/1874.20 registrierte
des Gürtels kann nur schwer rekonstruiert werden. „langgekerbte Silber" ist eine aus Silberblech gep­
Außer den an Ort und Stelle vorgenommenen Be­ reßte, rechteckförmige Tüllenriemenzunge, mit einer
obachtungen fahlen auch die Befestigungsschleifen Rückseite aus glattem Blech (Taf. 77, 2). Dieser Ge­
der Beschläge, deren übereinstimmende oder ab­ genstand war bisher unveröffentlicht. Die Riemen­
weichende Länge zur Rekonstruktion eine Zurecht­ zunge dürfte am Ende eines mittelschmalen Rie­
weisung geben könnte. Aufgrund der Lage der mens vielleicht auf dem Befestigungsriemen der
Beschläge des authentisch erschlossenen, reichen Messerscheide gewesen sein. Diesen Tüllenriemen-
Männergrabes von Kecskemét-Sallai utca (H. enden fiel eher eine funktionelle als eine verzieren­
TÓTH 1980, Abb. 28 a-b) ist es wahrscheinlich, daß de Rolle zu, sie schützen diese auf einen Leder­
der doppelwappenförmige Beschlag sich an der oder Textilstreifen befestigt vor dem Einriß und
Rückseite des breiten Gürtels befunden, die kleinen Ausfransen. Zahlreiche ähnliche, aus Silber- oder
Riemenzungen hingegen an kurzen Riemen, dicht Bronzeblech gefertigte Tüllenriemenzungen sind
unter den Beschlägen gehangen haben. uns aus dem Fundmaterial des mittelawarenzeit-
Das Muster der Gürtelzierden, die hellenistische lichen gemeinen Volkes bekannt. Unter ihren Be­
Palmette und die Punkt-Kommaornamentik sind gleitfunden finden wir doppeltdreieckig ausge­
byzantinische Zierelemente. Die Herstellung, Form schnittene Blechgürtelzierden, Blechbeschläge mit
und Größe der Beschläge weichen aber von der der ge- schweifter Seite und Beschläge mit Ringanhän­
klassischen byzantinischen Beschläge ab (die Be­ ger, sowie Schlaufen vor (Kisköre Grab 210: G A ­
schläge von Kunágota kommen an das klassische R A M 1979, Taf. 28, 32, Igar Fund III: F E T T I C H
Muster viel besser heran). Die Gürtelzierden von 1929, Taf. V I , 15). Die aus Blech ausgeschnittenen
Ozora sind groß, das Muster verschwommen. Im Beschläge kommen auch mit einfachen, gegossenen
mittleren Teil der großen Riemenzunge befindet Tüllenriemenzungen vor, d.h. die Tüllenriemenzun­
sich an der Stelle des Monogramms eine in einen gen sind für die obere bzw. untere Grenze der Ge­
Kreis komponierte Rosette mit geschweifter Seite. brauchszeit der gepreßten, aus Blech angefertigten
Diese ist den Messerscheidenbeschlägen von Cibak­ und der gegossenen Gürtelzierden für das aus­
háza, den Rosetten der Agraffe von Dunapentele gehende 7. bzw. Anfang des 8. Jh. charakteristisch.
und der gepreßten Zierde von Kiskőrös-Vágóhíd Pferdebeschläge: Das Prerdegrab von Ozora
ähnlich (Taf. 23, 9-10, Taf. 27,9-11, Taf. 51,17). Die nimmt mit seinem goldbeschlagenen Pferdegeschirr
Gürtelzierden von Ozora und die Gegenstände mit unter den awarenzeitlichen Pferdegräbern eine vor­
verwandtem Muster sind nach byzantinischen Vor­ nehme Stelle ein.
bildern erzeugte onogur-bulgarische Goldschmie­ Das goldbeschlagene Pferdegeschirr kommt sel­
dearbeiten. Die fehlenden, gegossenen Dorne der ten vor. Unter den frühawarenzeitlichen Pferdegrä­
massiven, gegossenen Schnalle des Gürtels dürfte bern sind uns aus dem Pferdegrab eines Fürsten in
man nach dem Auffingen abgefeilt haben und auch Kunmadaras dreibögige und halbkugelförmige Be­
zu dieser Zeit brach vermutlich der Schnallendorn schläge bekannt (Taf. 68). In Csengőd kamen solche
ab. Die Schnalle mit mitgegossenem Beschlag und angebrannte Pferdegeschirrzierden zum Vorschein,
auch die anderen zwei kleineren Schnallen von die den Stücken von Kunmadaras und Ozora ähn­
Ozora gehören in den späten Typ der frühawaren­ lich aus mit Bronzeblech mitgepreßtem, dünnem
zeitlichen, gegossenen Schnallen. Charakteristisch Goldblech erzeugt wurden ( K O V R I G 1945,10-13).
für diese sind der ovale, profilierte Schnallenrah­ Diesem ähnlich dürfte auch das frühawarische
men und der mit ihr mitgegossene, wappenförmige Pferdegeschirr von Tolnanémedi gewesen sein, aus
Beschlag, der im ausgehenden 7. Jh. größtenteils welchem nur die aus Goldblech erzeugten, mit
schon aus Blech erzeugt wird. Gleichzeitig nimmt schmalen, rechteckförmigen, bronzenen Unterlags­
der Schnallenrahmen die mit „Schwalbenschwanz platten versehenen Riemenzungen erhalten blie­
förmigen" Stützen versehene Form auf. Diese ben ( H A M P E L 1905, II. 752).
Eigenartigkeit kann auch an der großen Schnalle Unter den mittelawarenzeitlichen, goldbeschlage­
von Ozora wahrgenommen werden. Schneiden wir nen Pferdegeschirren nimmt das Pferdegeschirr von
den Schnallenbeschlag theoretisch an der quer­ Vörösmart eine hervorragende Stelle ein. Von die­
gerichteten Rippe entzwei, so erhalten wir diese sem sind uns die gerade schließenden, rechteckför­
Form. migen Riemenzungen und gepreßten Rosetten be­
Die Gürtelschnalle von Ozora ist stark abge­ kannt. Die Rosetten wurden mit dem Bronzeblech
mitgepreßt, die Rückseite der Riemenzungen bildet das wahrscheinlich aus der für den Zügel bestimm­
eine glatte Silberplatte (Taf. 101-102). E i n dünnes ten, rechteckförmigen Öse stammen kann (Taf. 83,
Goldblech bedeckt die viereckigen konischen 2). Die mit geripptem Goldblech überzogene Sei­
Beschläge des Pferdegrabes 24 von Solymár und tenstange ist der Trensenstange des Grabes 104 des
auch die den Brust-, sowie den Schwanzriemen ver­ im Vorraum des Kaukasus erschlossenen Gräberfel­
zierenden Bronzeblechscheiben ( T Ö R Ö K 1990 - des von Borisovo ähnlich. Im selben Gräberfeld war
im Druck). In den Kreis der mittelawarenzeitlichen, auch ein Steigbügel mit eingestülpter Ecke. Das
goldbeschlagenen Pferdegeschirre können auch die Gräberfeld von Borisovo kann auf das 7. Jh. datiert
gepreßten Beschläge mit bronzener Unterlagsplatte werden (SAHANOV 1914,119, Taf. X , X V I ) .
von Ozora eingereiht werden. Die Verzierung der Säbel: Die einzige Waffe im Männergrab von
runden, ovalen oder sog, mit Stiel versehenen Ozora. Es stehen uns keine Angaben dafür zur Ver­
Beschläge mit wulstigem Rand und gerillter Mitte fügung, daß das Grab auch andere Waffen enthalten
haben keine genaue Parallele. Den Beschlägen „mit hätte. Der „1 (seit langem verschollene oder zer­
Stiel" ähnliche kennen wir aber aus zahlreichen, bröckelte Pfeil/Pfeilspitze) ist die einzige Informa­
mittelawarenzeitlichen Gräbern (Iváncsa, ebenfalls tion von der Köchergarnitur von Ozora" ( B O N A
mit Goldblech überzogen: BONA 1970, 255-256, 1982-83, 108) kann nur das Ergebnis einer Verle­
Abb. 7; Dunapentele, Grab 10/11, mit Goldblech sung sein.
überzogen: M A R O S I - F E T T I C H 1936, 14-15, Taf. Die Eintragung im Inventarbuch ist nämlich die
IV; Böly, Grab 55, mit Silberblech überzogen: PAPP folgende: 297/1871.2. „Ein 12 1/2 hohes, henkello­
1962, Taf. XIV, 4-6. Über alldiese berichtet I. ses, grobes Tongefaß 1 St. Mdm : 10 1/2...", dem­
BONA 1970, 256). nach las I. Bona die Abkürzung des Mündungs­
Der Beschlagtyp „mit Stiel" erscheint schon un­ durchmessers (ung. „nyil.átm.") des Tongefäßes in
ter den asiatischen Pferdegeschirren von Kudirge irrtümlicher Weise. In Kenntnis der Funde der übri­
(Kudirge Gräber 4,8: K E N K 1982, Abb. 13,16) und gen Fürstengräber ist es wahrscheinlich, daß im
dies beweist den östlichen Ursprung der Form. Den Männergrab von Ozora gar keine andere Waffe war.
dreibögigen, frühawarenzeitlichen Beschlägen ähn­ Die frühawarenzeitlichen Bestattungen in Kun­
lich ahmen auch die Beschläge von Ozora eine Le­ madaras und Kunágota wurden mit Schwert vorge­
der-, oder Textilverzierung, Knoten, Fransenbeset­ nommen. In den Gräbern von Bocsa und Kunbá­
zung nach. bony mit Pseudoschnalle waren ebenfalls Schwerter,
Aufgrund der Maße dürften die kleinen und die jedoch wurden hier auch mit Pfeilen gefüllte Kö­
Beschläge „mit Stiel" auf dem Brustriemen bzw. auf cher zutage gefördert. Aus den mit dem Grab von
dem Schwanzriemen gewesen sein. Ursprünglich Ozora chronologisch übereinstimmenden, mittel­
waren vermutlich mehrere Beschläge. Ähnliche vier awarenzeitlichen, reichen Gräbern mit Säbel kam
Typen kennen wir aus dem gestörten Pferdegrab außer diesen auch ein Bogen ans Tageslicht (Duna­
20 von Káptalantóti ( B A K A Y 1973, Taf. X X V I I - pentele 7,10,11), Igar III., Gyenesdiás, Iváncsa).
X X V I I I ) . Die vergoldeten Bronzeblechbeschläge Über die wechselvolle Museumkarriere des Sä­
mit Palmettenverzierung gehören mit den Beschlä­ bels von Ozora berichtete I. Bona ausführlich (BO­
gen von Ozora zusammen zu den schönsten Pfer­ N A 1982-83, 119-112). Nicht weniger bewegt war
degeschirrverzierungen der Mittelawarenzeit. Die auch das Schicksal der ovalen Schwertortbänder.
Preßmodel der Pferdegeschirrbeschläge von Ozora Das Griffende des Säbels von Ozora war als
sind unter den Funden der Goldschmiedegräber un­ Schwertscheidenortband von Bocsa aufmontiert,
bekannt. Bloß im Goldschmiedegrab von Kunszent­ obwohl dieses Stück aus Bocsa gar nicht in das Mu­
márton war ein einziger, den kleinen Beschlägen seum kam. Die Stelle des Säbels von Ozora nahm
von Ozora ähnlicher, runder Preßmodel mit einge­ das Ortband des Grabes B von Kiskőrös-Vágóhíd
tiefter Mitte, dessen Maß jedoch mit dem der ein, infolgedessen dieses Stück aus Kiskőrös fehlte.
Beschläge von Ozora nicht übereinstimmt (CSAL- Zur Zeit befinden sich nach den Identifizierungsar­
LÁNY 1933, 31, Taf. II. 13). Den Pferdegeschirr­ beiten alle Ortbänder im Fund, in dem sie in das
beschlägen von Káptalantóti ähnliche Preßmodel Museum gelangt sind.
tauchen jedoch auch unter den Preßmodeln von Der Säbel von Ozora ist eines der schönsten
Gátér auf und so können auch die Pferdegeschirr­ Stücke der awarischen Säbel mit sternförmiger Pa­
zierden von Ozora und Káptalantóti als örtliche rierstange. Seine Rekonstruktion schien bisher si­
Produkte betrachtet werden. cher zu sein. In Kenntnis des Säbels von Gyenesdiás
Die Eisentrense mit Seitenstange von Ozora (Taf. kann aber fast als sicher angesehen werden, daß sein
83) und der Steigbügel mit eingestülster Ecke und Griff länger gewesen sein dürfte, als das vorhandene
geradem Tritt (Taf. 84) stellen eines der frühesten Griffeisen. Der „rhombusförmige, mit Goldblech
Vorkommen dieser Typen im Karpatenbecken dar. überzogene Eisengegenstand" (275/1871.30) dürfte
Die Seitenstangen der Trense hat eine Goldblech­ nicht den vorhandenen, sondern den fehlenden Teil
verkleidung. Im Fund ist auch ein schmaleres, eben­ des Griffes verziert haben. Ebenfalls waren auf dem
falls gerippt verziertes Stangenfragment vorhanden, Griff vermutlich die zwei „gekerbten Niete mit
Goldkopf" (275/1871.9), die heute schon fehlen. Es schen in winzige Stücke zerbröckelten Kruges
ist aber auch vorstellbar, daß diese Niete im inneren ließen wir vornehmen. Dieser rekonstruierte Krug
Feld der geschweiften Ö s e n waren und zur Befesti­ ist niedriger, als ihre frühere, in einen fertigen
gung der Säbelaufhängeriemen gedient haben. Den Blechboden gesetzte Variante (s. die alten Fotos,
Angaben des Grabes von Gyenesdiás nach könnten der Bogen der vorhandenen Stücke ergab aber diese
wir in diesem Teil aber einen großen, viereckigen Form). Die Fragmente des Kruges oder die des
Beschlag mit Unterlagsblech erwarten ( M Ü L L E R Trinkhornes (BONA 1982-83, 113) dürfte man un­
1989, 141-165). (Oder dürften die Goldblechroset­ ter dem heute schon fehlenden Posten 275/1871.24
ten (Taf. 77, 6; 11-13) die Hängeösen verziert ha­ „Silber 3 St." inventarisiert haben.
ben?) Die genaue Parallele der viereckigen Beschlä­ Das doppelstumpfkegelförmige Tongefäß des
ge von Gyenesdiás finden wir im Fund von Igar und Männergrabes von Ozora kann zur Zeit nicht iden­
auch in Grab 11 (III.) von Dunapentele vor. Diese tifiziert werden (Taf. 80 - aufgrund eines alten
Beschläge wünschten wir bisher stets auf den Gürtel Fotos: MNM Dokumentationsabteilung N 1532, ge­
anzubringen. Die Verzierung des authentisch er­ zeichnet). Aufgrund der im Inventarbuch angegebe­
schlossenen Säbels von Gyenesdiás mahnt uns aber nen Maße könnte man es unter den awarenzeitli­
darauf, daß wir die mittelawarenzeitlichen Säbel chen Gefäßen des Ungarischen Nationalmuseums
einer Revision unterziehen müssen. Die eselsrük- von unbekanntem Fundort antreffen, jedoch wurde
kenförmigen, mit Goldblech umrahmten Hänge­ ein mit den angegebenen Maßen völlig übereinstim­
ösen des Säbels von Ozora hatten bisher keine ge­ mendes Stück nicht gefunden. Am wahrscheinlich­
naue Parallele ihrer Form nach, wie die Einzel- und sten scheint es, daß das unter Inv.-Nr. 71/1950.3
zugleich ältesten Stücke in der Gruppe der großbö- neuinventarisierte Tongefäß mit dem von Ozora
gigen Ösen mit Silber- oder Eisenbändern. In den gleich ist, sein Mündungs- und Bodendurchmesser
mit Silberblech umrahmten eselsrückenförmigen ist mit denen des gesuchten identisch, jedoch um 2
Hängeösen des Säbels von Gyenesdiás fand R . Mül­ cm niedriger. Seine etwas unregelmäßige Doppel-
ler die genaue Parallele der Osen von Ozora vor. stumpfkegelform ist für das auch ursprünglich un-
Das untere Drittel der Scheide des Säbels von verzierte Gefäß nicht charakteristisch.
Ozora dürften die Goldbleche bedeckt haben, die Münze: Der hervorragende Fund des Männergra­
als „Goldblechfragmente 11 St. Silber 3 St." unter bes von Ozora, der das Fundhorizont von Tötipusz-
der Inv.-Nr. 275/1871.24 registriert Blechen zwei ta-Igar-Dunapentele datiert. Die Münze ist der
größere Stücke V E N T U R I 1902, fig. 57 (der Auf­ zwischen 668-673 von Konstantinos IV. geprägte
nahme aus dem Jahre 1884 nach) mit, aufgrund die­ Solidus (BONA 1982-83,105,114).
ser verfertigten wir eine maßproportionell vergrö­ Mit der Münze datierten wir bisher im allgemei­
ßerte Zeichnung (Taf. 76,6-7). nen die „Funde von Ozora". Den Forschungen von
Wahrscheinlich dürften die kleinste Schnalle (Täf. I. Bona nach wissen wir genau, daß die Münze im
76, 3) und die zwei schmalen, gepreßten, flecht- Männergrab war. Von den Gräbern von Ozora ge­
bandverzierten Riemenzungen (Täf. 76, 1-2) zu den hören das Männer- und das Pferdegrab, als gleich­
Aufhängeriemen des Säbels gehört haben. Die zeitig vorgenommene Bestattungen gewiß zusam­
Rückplatte und das gekerbe Umrahmungsband der men. Von den Funden des Frauengrabes, obwohl sie
Riemenzungen sind stark abgewetzt. natürlich größtenteils von anderem Typ sind als die
Gefäße: Der Krug mit Ringhenkel (Taf. 79) und Funde des Männergrabes, bilden der tordierte Arm­
der halbkugelförmige Fußkelch (Taf. 78) gehörten ring und das Ohrgehänge mit schwingendem A n ­
zum silbernen Tischservice des Fürsten. Die Metall­ hänger eine derart enge chronologische Verbindung
gefäße, obwohl sie nur selten in der Awarenzeit vor­ zu den Funden des Männergrabes, daß hiedurch die
kommen, sind uns nicht nur aus fürstlichen Grä­ gleichzeitige oder in sehr nahem Zeitintervall vor­
bern bekannt. Am Ende des 7. Jh. kamen sie in genommene Bestattung als wahrscheinlich betrach­
verhältnismäßig größerer Zahl in das Grab, ja der tet werden kann. Auf dieser Grundlage können wir
halbkugelförmige Fußbecher ist sogar nur für diese nicht nur das bisher reichste Männergrab mit Pferd,
Periode charakteristisch ( G A R A M 1976, 144). Die sondern auch das ebenfalls fürstlichen Reichtum
Identifizierung des Kruges von Ozora mit seinem zeigende Frauengrab der Mittelawarenzeit in beru­
wechselvollen Leben führte I. Bona durch (BONA higender Weise auf das letzte Drittel des 7. Jh.
1982-83, 112-113). Die Restauration des inzwi­ datieren.