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Professor Dr. Jörg Eisele

Übersichtsblatt Raub, § 249

I. Systematik

Der Raub ist ein aus Diebstahl und qualifizierter Nötigung zusammengesetztes
Delikt. Geschütztes Rechtsgut des § 249 ist daher zum einen das Eigentum, zum
anderen die freie Willensbildung und Willensbetätigung. Es ist aber ein delictum sui
generis und keine Qualifikation zu § 242. Daher ist in der Fallbearbeitung die Prüfung
sogleich mit § 249 zu beginnen.

§ 251, Erfolgsqualifikation

§ 250, Qualifikation

§ 249, Grundtatbestand zusammengesetzt aus § 242, Diebstahl und § 240,


Nötigung

II. Gesetzestext

(1) Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit
gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem
anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig
zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu
fünf Jahren.

III. Aufbauschema

1. Tatbestand
a. Objektiver Tatbestand
aa. Fremde bewegliche Sache
bb. Wegnahme
cc. Raubmittel: Gewalt gegen eine Person oder Drohung mit
gegenwärtiger
Gefahr für Leib oder Leben
dd. Finalzusammenhang zwischen Wegnahme und Raubmittel

b. Subjektiver Tatbestand
aa. Vorsatz
bb. (Dritt-)Zueignungsabsicht
(1) Enteignungswille
(2) Aneignungsabsicht
c. Rechtswidrigkeit der Zueignung und Vorsatz diesbezüglich
2. Rechtswidrigkeit als allgemeines Verbrechensmerkmal
3. Schuld
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IV. Grundzüge

1. Tatbestand

a. Objektiver Tatbestand

aa. Wegnahme einer fremden beweglichen Sache: Diese Merkmale bestimmen sich
wie beim Diebstahl, § 242.

Beachte: Beim Begriff der Wegnahme kann bereits die Abgrenzung zwischen Raub
und räuberischer Erpressung erfolgen. Dazu näher Übersichtsblatt zu § 255.

bb. Gewalt gegen eine Person/ Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder
Leben

Der Täter muss eines dieser Raubmittel einsetzen. Dieser Nötigungsteil entspricht
weitgehend dem § 240. Besonderheiten liegen darin, dass Gewalt gegen eine
Person erforderlich ist und eine Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder
Leben vorliegen muss.

(1) Gewalt ist der durch Anwendung von (auch nur) geringer körperlicher Kraft
verursachte körperlich wirkende Zwang gegen eine Person zur Überwindung eines
geleisteten oder erwarteten Widerstandes. Typische Fälle neben unmittelbarer
körperlicher Gewalt sind das Fesseln des Opfers oder das Verwenden eines Sprays,
um das Opfer auszuschalten. Es kann aber auch bereits das einfache Wegschieben
einer Hand genügen, wenn damit geleisteter oder erwarteter Widerstand
überwunden werden soll, so z.B. bei Schlafenden oder Betrunkenen. Wird hingegen
kein Widerstand geleistet oder erwartet und das Opfer nur deshalb an einen anderen
Ort verbracht, um es nach wertvollen Sachen durchsuchen zu können, so scheidet §
249 aus.

Folglich muss die entfaltete Kraft den Wegnahmeakt als widerstandsbrechendes


Mittel prägen. Nutzt der Täter lediglich das Überraschungsmoment durch eine List,
Geschicklichkeit oder Schnelligkeit aus, so kommt nur ein Diebstahl in Betracht.
Bsp.: T entreißt der O ihre fest umklammerte Handtasche. Hier liegt ein Raub vor.
Anders, wenn er die lose umhängende Handtasche schnell beim Vorbeifahren auf
dem Motorrad von der Schulter der O streift. Hier sind Schnelligkeit und
Geschicklichkeit tatprägend. Es kommt nur ein Diebstahl in Betracht.

Auch die Wegnahme nach vollendeter Tötung erfüllt die Anforderungen des Raubes,
wenn die zuvor angewandte, in der Tötung liegende Gewalt entsprechend der
Tätervorstellung Mittel zur Wegnahme war (zudem liegt § 251 vor, der auch bei
vorsätzlicher Tötung verwirklicht sein kann).

Bloße Gewalt gegen Sachen genügt ebenso wenig wie rein psychische
Einwirkungen. Das Töten des Wachhundes stellt daher keine Gewalt i.S. dieser
Vorschrift dar. Auch das Aufbrechen einer Wohnungstür genügt nicht (es liegt nur §
242 vor); anders liegt der Fall (§ 249), wenn der Eigentümer in ein Zimmer
geschlossen wird, um so die Wegnahme zu ermöglichen, da sich die Gewalt hier
mittelbar gegen die Person richtet.
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Nach h.M. muss die Gewalt zwischen Versuch und Vollendung vorliegen. Nach
Vollendung kommt § 252 zur Anwendung, sofern die Beuteerhaltungsabsicht
gegeben ist.

(2) Eine Drohung mit Gefahr für Leib oder Leben liegt dann vor, wenn der Täter nicht
unerhebliche Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität in Aussicht stellt, auf die
er (zumindest) vorgibt, Einfluss zu haben. Auf die Ernstlichkeit der Drohung kommt
es nicht an; ebenso ist es unerheblich, ob der Täter überhaupt in der Lage ist, das
Übel herbeizuführen (Bsp.: Drohung mit einer Scheinwaffe); entscheidend ist
letztlich, ob das Opfer die Drohung ernst nimmt. Die Drohung bezieht sich auf ein
künftiges Übel, während gegenwärtige Übelszufügungen über das Merkmal Gewalt
erfasst werden. Das Vorhalten einer Waffe ist daher richtigerweise eine Drohung und
keine Gewalt.

Die Drohung mit Gefahr für Leib oder Leben kann sich auch auf Dritte beziehen. Zum
einen werden auch – aus Tätersicht – andere schutzbereite Personen als der
Eigentümer und der Gewahrsamsinhaber erfasst. Zum anderen ist überhaupt nicht
erforderlich, dass sich die gegenwärtige Gefahr gegen den Nötigungsadressaten
richtet. Es muss sich nach h.M. auch nicht um nahestehende Personen handeln;
erforderlich ist vielmehr nur, dass die Drohung für das Opfer selbst ein empfindliches
Übel ist. Hierfür spricht, das § 249 – im Gegensatz z.B. zu § 241 – nicht von einer
nahestehenden Person spricht. Bsp.: T droht einen Kunden zu erschießen; Kassierer
K duldet daher die Wegnahme des Geldes.

Die Drohung ist von der straflosen Warnung abzugrenzen, bei der lediglich auf eine
außerhalb des Einflusses des Warnenden liegende Folge hingewiesen wird
Entscheidend für die Abgrenzung ist der Inhalt der Drohung, nicht der Wortlaut.

Die angedrohten Beeinträchtigungen müssen gegenwärtig sein, d.h., der Eintritt


eines Schadens für Leib oder Leben muss sicher oder höchstwahrscheinlich sein,
falls nicht alsbald Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Hierfür gelten richtigerweise
die zu § 34 entwickelten Grundsätze, so dass vor allem auch sog. Dauergefahren
erfasst werden.

cc. Finalzusammenhang zwischen Wegnahme und Raubmittel

Zwischen Wegnahme und Raubmittel ist ein Finalzusammenhang erforderlich.

(1) Dieser hat zunächst eine räumlich-zeitliche Komponente, d.h. die Wegnahme
muss in räumlich-zeitlichem Zusammenhang mit dem Raubmittel der Gewalt oder
Drohung stehen.

Bsp.: Daran fehlt es beispielsweise, wenn der Täter zunächst die Herausgabe des
Safeschlüssels erzwingt und das Safe erst nach einer langen Reise mit dem
Schlüssel öffnet.

(2) Ferner ist eine finale Beziehung zwischen Wegnahme und Raubmittel
erforderlich. Diese wird von der subjektiven Sicht des Täters geprägt (weshalb der
Finalzusammenhang bisweilen auch in den subjektiven Tatbestand verlagert wird).
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Dieser Finalzusammenhang fehlt, wenn die Nötigungshandlung lediglich eine
Begleiterscheinung der Wegnahme ist oder die Wegnahme der Nötigungshandlung
ohne innere Verknüpfung nur zeitlich nachfolgt.

Bsp.: T möchte sich an O vergehen, wozu er diese schlägt. Als T später erkennt,
dass O durch sein vorangegangenes Verhalten eingeschüchtert ist, beschließt er, ihr
Geld wegzunehmen. Da hier nur die Folgen der Nötigung, nicht aber die
Nötigungshandlung fortwirkt, scheidet § 249 aus; es verbleiben, §§ 242, 243 I 2 Nr.
6. Es liegt richtigerweise auch kein Fall des § 249 i.V.m. § 13 – Garantenstellung aus
Ingerenz – vor. Die bloße Fortwirkung von Gewalt genügt nicht den Anforderungen
der Entsprechungsklausel, § 13 I Hs. 2; der Fall liegt ganz anders, als wenn ein
Garant bei gegenwärtiger Gewalt eines Dritten nicht einschreitet.

Anders liegt der Fall, wenn T die O schlägt, um sich an ihr zu vergehen und während
dessen das Geld wegnimmt (die Nötigungshandlung dauert noch an) oder T zwar
nicht mehr schlägt, jedoch zu erkennen gibt, dass er bei Widerstand gegen die
Wegnahme erneut Gewalt anwenden wird (hierin liegt eine Drohung). In beiden
Fällen ist § 249 zu bejahen.

Entscheidend ist also, ob die Nötigungshandlung selbst noch fortdauert und nicht
lediglich die Nötigungsfolgen fortwirken. Nur, wenn eine vorher zu anderen Zwecken
verübte Gewalt als Drohung mit weiterer Gewalt verstanden wird und der Täter diese
Situation zur Wegnahme ausnutzt, liegt trotz bloßer Fortwirkung der
Finalzusammenhang vor. Weiteres Bsp.: A schlägt den schmächtigen B aus
Aggressionslust. Er holt den fliehenden B rasch ein und stellt sich vor ihm auf. In
dieser Situation greift A in die Tasche des B und entnimmt dieser den Geldbeutel des
B.

Grenzfall: T will sich eine Waffe besorgen und bedroht den O mit einem Messer. Als
O sagt, er habe keine Waffe, durchsucht T die Wohnung des O. Als er tatsächlich
keine Waffe findet, nimmt er 600 € aus dem Geldbeutel des O. Kein Raub am Geld,
da die Drohung zur Wegnahme einer Waffe und nicht zur Wegnahme des Geldes
erfolgte. Lediglich die Folgen der Drohung wirkten fort (zw., wenn man berücksichtigt,
dass bei verschiedenen Gegenständen ein einheitlicher Raubvorsatz gegeben sein
kann).

b. Subjektiver Tatbestand

Der Täter muss Vorsatz hinsichtlich der Merkmale des objektiven Tatbestandes
handeln und Zueignungsabsicht haben (vgl. dazu das Übersichtsblatt Diebstahl).
Daher wird die bloße Gebrauchsanmaßung nicht erfasst; ferner liegt nur versuchter
Raub vor, wenn das mitgenommene Behältnis leer ist, dem Täter es aber nur auf den
Inhalt ankam.

c. Rechtswidrigkeit der Zueignung und Vorsatz diesbezüglich

Vgl. dazu das Übersichtsblatt Diebstahl

2. Rechtswidrigkeit als allgemeines Verbrechensmerkmal


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Nach der hier vertretenen Konzeption wird an dieser Stelle nur noch die
Rechtswidrigkeit der Wegnahmehandlung geprüft.

3. Konkurrenzen

§§ 242, 240 werden im Wege der Spezialität verdrängt. Fraglich ist, ob § 244 I Nr. 3
zu § 249 in Idealkonkurrenz tritt, da § 250 keine entsprechende Qualifikation enthält.
M.E. ist stattdessen auch vertretbar, dass § 244 I Nr. 3 verdrängt wird und zwischen
§ 249 und § 123 Idealkonkurrenz angenommen wird.
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Übersichtsblatt schwerer Raub, § 250

I. Systematik

§ 250 stellt eine Qualifikation zum Raubtatbestand, § 249, dar.

II. Gesetzestext

(1) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn
1. der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub
a) eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
b) sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen
Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden,
c) eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer schweren
Gesundheitsschädigung bringt oder
2. der Täter den Raub als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung
von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen
Bandenmitglieds begeht.
(2) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter oder
ein anderer Beteiligter am Raub
1. bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet,
2. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 eine Waffe bei sich führt oder
3. eine andere Person
a) bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder
b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.
(3) In minder schweren Fällen der Absätze 1 und 2 ist die Strafe Freiheitsstrafe von
einem Jahr bis zu zehn Jahren.

III. Aufbauschema

1. Tatbestand
a. Grundtatbestand des § 249
b. Qualifikation des § 250
aa. § 250 I:
(1) Der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub
(a) eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich
führt
(b) sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den
Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung
mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden
(c) eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer
schweren Gesundheitsschädigung bringt
(2) der Täter den Raub als Mitglied einer Bande, die sich zur
fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat,
unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begeht
bb. § 250 II: Der Täter
(1) bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug
verwendet
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(2) in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 eine Waffe bei sich führt oder
(3) eine andere Person
(a) bei der Tat körperlich schwer misshandelt
(b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt
2. Rechtswidrigkeit
3. Schuld

IV. Grundzüge

1. § 250 I Nr. 1 a: Der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub eine Waffe oder
ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt. Vgl. hierzu die Übersicht zu § 244 I
Nr. 1 a.

2. § 250 I Nr. 1 b: Hinsichtlich dieses Merkmals darf nicht ohne Weiteres auf § 244 I
Nr. 1 b verwiesen werden, da § 249 als Grunddelikt – anders als § 242 – bereits
einen Angriff auf die Freiheit der Willensentschließung zum Gegenstand hat. Auch ist
zu berücksichtigen, dass § 250 I Nr. 1 b, die einzige Variante ist, die keine objektive
Gefährlichkeit voraussetzt.

Hinsichtlich der Erfassung von Scheinwaffen ist angesichts der klaren


gesetzgeberischen Aussage jedoch kein Platz für eine teleologische Reduktion.
Erkennt das Opfer freilich die Scheinwaffe als ungefährlichen Gegenstand, so ist
bereits § 249 zu verneinen, weil das Opfer die Drohung nicht für ernst nimmt; es
bleibt nur Raum für einen Versuch. Streitig ist aber im Übrigen, ob andere ganz
ungefährliche Gegenstände, die nur zu einer kurzfristigen Beeinträchtigung führen,
ausgeklammert werden sollen. Bsp.: Sprühen mit harmlosem Deo. Die Rspr. verneint
dies.

3. § 250 I Nr. 1 c: Bei dieser echten Qualifikation handelt es sich um ein konkretes
Gefährdungsdelikt. Die konkrete Gefahr der Gesundheitsbeschädigung muss gerade
durch die Tat verursacht werden, so dass also ein spezifischer
Gefahrzusammenhang, wie er vom erfolgsqualifizierten Delikt bekannt ist, vorliegen
muss. Darunter werden bisweilen sowohl die Nötigungshandlung als auch die
Wegnahme gefasst (Letzteres anders als bei § 251). Dem ist richtigerweise zu
widersprechen, da sich auch hier nur die Gefahr eines Diebstahls realisiert und § 250
I Nr. 1 c gewissermaßen eine Vorstufe zu § 251 darstellt: Bsp.: T nimmt unter
Drohung O lebenswichtige Medikamente weg (dasselbe gilt für § 250 II Nr. 3 a).

Die Handlung, die zur konkreten Gefahr führt, muss richtigerweise zwischen
Versuchsbeginn und Vollendung vorgenommen werden; die Gegenansicht, die auch
die Beendigungsphase mit einbezieht, überzeugt nicht (vgl. näher zum Beisichführen
einer Waffe das Übersichtsblatt zu § 244).

Gefährdet werden kann auch ein an der Tat unbeteiligter Dritter. Lediglich
Tatbeteiligte sind in den Schutzbereich des § 250 nicht einbezogen. Für die Gefahr
einer schweren Gesundheitsschädigung reicht es immer aus, wenn die konkrete
Gefahr des Eintritts einer der Folgen des § 226 gegeben ist. Ferner werden Fälle
erfasst, in denen die konkrete Gefahr besteht, dass das Opfer in langwierige
Krankheit fällt oder seine Arbeitskraft erheblich beeinträchtigt wird.
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4. § 250 I Nr. 2: Qualifizierend wirkt, dass der Täter den Raub als Mitglied einer
Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat,
unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begeht. Vgl. dazu die
Ausführungen zu § 244 I Nr. 2.

5. § 250 II Nr. 1: Diese Qualifikation wird verwirklicht, wenn der Täter oder ein
anderer Beteiligter am Raub bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches
Werkzeug verwendet. Verwenden ist jeder Gebrauch als Gewalt- oder
Drohungsmittel. Das Verwenden einer Waffe oder eines gefährlichen Werkzeuges
als Drohmittel setzt aber voraus, dass die Drohung von dem Bedrohten
wahrgenommen wird. „Bei der Tat“ umfasst richtigerweise den Zeitraum vom
Versuchsbeginn bis zur Vollendung (die h.M. bezieht die Beendigungsphase mit ein).

Die Begriffe Waffe und gefährliches Werkzeug sind im Prinzip ebenso zu bestimmen
wie bei § 244 I Nr. 1 a. Bei einer Waffe genügt bereits die abstrakte Gefährlichkeit.
Bsp.: Die Qualifikation ist auch verwirklicht, wenn der Kassierer, der bedroht wird,
hinter einer kugelsicheren Verglasung sitzt. Wann ein Werkzeug dagegen gefährlich
ist, ist wie bei § 244 I Nr. 1 a problematisch. Die Schwierigkeiten, eine Bestimmung
vorzunehmen, zeigen sich vor allem beim Einsatz einer Schreckschusspistole bei
größerer Distanz zum Opfer.

Bsp.: T bedroht O mit einer mit Platzpatronen geladenen Schreckschusspistole (bei


welcher der Explosionsdruck nach vorne austritt) aus 3 m Entfernung.

Nach dem 1. und 3. Senat des BGH verwendet der Täter nur dann ein gefährliches
Werkzeug, wenn die Schreckschusspistole unmittelbar am Körper des O zum
Einsatz gebracht wird (konkrete Gefahr). Der 2. Senat lässt es genügen, wenn diese
innerhalb kürzester Zeit unmittelbar am Körper des O zum Einsatz gebracht werden
kann (abstrakte Gefahr). Nach einer Divergenzvorlage entschied der Große Senat
über die Streitfrage: Bei einer Schreckschusspistole handele es sich nicht um ein
gefährliches Werkzeug, sondern um eine Waffe. Nach § 1 II Nr. 1 WaffG werden
Schreckschusswaffen wegen ihrer allgemeinen Gefährlichkeit als Waffen im
technischen Sinn eingestuft (Begriffsbestimmung des Waffengesetzes als Indiz für
die strafrechtliche Definition der Waffe). Neue Erkenntnisse im Bereich der
Wissenschaft, Rechtsmedizin und Kriminalistik zur Gefährlichkeit der
Schreckschusspistole stützten diesen Standpunkt (Gefährlichkeit als maßgebliches
Kriterium). Ferner werde dadurch ein gewisser Wertungswiderspruch im Vergleich
der Bewertung eines Messers beseitigt: Ein Messer wird stets als gefährliches
Werkzeug eingestuft, unabhängig von der festgestellten Entfernung zwischen Täter
und Opfer. Das Bedrohen mit einer Schreckschusspistole stelle daher das
Verwenden einer Waffe dar.

6. § 250 II Nr. 2: Hier werden der Bandenraub, § 250 I Nr. 2, und der bewaffnete
Raub, § 250 I Nr. 1 a, kombiniert. Zu beachten ist, dass der Täter nur dann von Abs.
1 Nr. 2 in Abs. 2 „aufrückt“, wenn er eine Waffe bei sich führt. Das Beisichführen
eines gefährlichen Werkzeuges genügt nicht.

7. § 250 II Nr. 3 a: Die körperliche Misshandlung ist dann schwer, wenn eine
gravierende Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit vorliegt. Diese liegt
vor, wenn erhebliche Folgen (freilich nicht notwendig solche des § 226) eintreten
oder wenn die Misshandlung mit erheblichen Schmerzen verbunden ist.
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8. 250 II Nr. 3 b: Es handelt sich um ein konkretes Gefährdungsdelikt. Die konkrete
Gefahr des Todes muss gerade durch die Tat verursacht werden, so dass auch hier
ein spezifischer Gefahrzusammenhang, erforderlich ist. Darunter fallen sowohl die
Nötigungshandlung als auch die Wegnahme (Letzteres anders als bei § 251).
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Übersichtsblatt Raub mit Todesfolge § 251

I. Systematik

§ 251 stellt eine Erfolgsqualifikation i.S.d. § 18 zu § 249 dar. Zusätzlich zum


vorsätzlich begangenen Raub tritt der Tod des Opfers ein. Über Verweise gilt die
Vorschrift aber auch für § 252 und § 255.

II. Gesetzestext

Verursacht der Täter durch den Raub (§§ 249 und 250) wenigstens leichtfertig den
Tod eines anderen Menschen, so ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder
Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren.

III. Aufbauschema

1. Tatbestand
a. Verwirklichung des Grundtatbestands
b. Schwere Folge i.S.d. § 18
aa. Eintritt der schweren Folge
bb. Kausalität zwischen Handlung und schwerer Folge
cc. Wenigstens Leichtfertigkeit hinsichtlich der schweren Folge
dd. Objektive Zurechenbarkeit
ee. Spezifischer Gefahrzusammenhang
2. Rechtswidrigkeit
3. Schuld

IV. Grundzüge

1. Tatbestand

a. Verwirklichung des Grundtatbestands


Der Grundtatbestand des § 249 muss objektiv und subjektiv verwirklicht sein.

b. Schwere Folge i.S.d. § 18 StGB

aa. Eintritt der schweren Folge: Tod

bb. Kausalität zwischen Handlung und schwerer Folge.

cc. Wenigstens Leichtfertigkeit (bloße Fahrlässigkeit genügt nicht) hinsichtlich der


schweren Folge i.S.d. § 18 StGB. Leichtfertig handelt der Täter, wenn er der Gefahr
aus besonderem Leichtsinn oder Gleichgültigkeit nicht entgegenwirkt; dieser Begriff
entspricht in etwa der groben Fahrlässigkeit im Zivilrecht. Diese ist grundsätzlich in
der vorsätzlichen Verletzungshandlung, d.h. der Verwirklichung des
Grundtatbestandes, zu sehen. Da das Gesetz wenigstens Leichtfertigkeit verlangt,
werden auch Fälle erfasst, in der Täter vorsätzlich hinsichtlich des Todes handelt. Es
ist dann Tateinheit mit §§ 212, 211 gegeben (§ 222 tritt hingegen hinter § 251 im
Wege der Gesetzeskonkurrenz zurück).
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dd. Die schwere Folge muss dem Täter objektiv zurechenbar sein.

ee. Darüber hinaus muss der sog. spezifische Gefahrzusammenhang gegeben sein.
Dem Raub muss bereits die spezifische Gefahr des (dann auch eingetretenen)
Todes innegewohnt haben. Bei § 251 genügt es, wenn die schwere Folge durch die
Raubhandlung (Gewalt oder Nötigung) verursacht wird. Die h.M. lässt im Übrigen
über die Nötigungshandlung hinaus alle Handlungen vom Versuchsbeginn bis zur
Beendigung genügen. Bsp.: Ein Verfolger wird bei der Flucht erschossen. Teile der
Lehre wollen dagegen zu Recht lediglich Handlungen bis zur Vollendung erfasst
sehen, da die Strafschärfung an den geschriebenen Tatbestand anknüpfen muss; die
Erfolgsqualifikation kann daher nur über § 252 verwirklicht werden (d.h. nur, wenn es
dem Täter auf die Beuteerhaltung ankommt):

In der Todesfolge muss sich ein raubspezifisches Risiko niedergeschlagen haben;


daher genügt der Eintritt des Todes durch einen Unfall des Verfolgers auf der Flucht
nicht, da sich diese Gefahr bei jedem Delikt realisieren kann. Streitig ist, ob der
gefahrspezifische Zusammenhang auch dann gegeben ist, wenn der Tod (nur) die
Folge der Wegnahme war. Bsp.: T nimmt unter Drohung O lebenswichtige
Medikamente weg. O stirbt. Die h.M. verneint dies; dafür spricht, dass sich nur die
Gefahr eines Diebstahls realisiert.

V. Vertiefungshinweise:

Da es sich bei erfolgsqualifizierten Delikten um Vorsatzdelikte handelt (vgl. § 11 II


StGB), ist der Versuch nach allgemeinen Regeln strafbar, wenn es sich bei der
Erfolgsqualifikation um ein Verbrechen handelt oder die Versuchsstrafbarkeit
angeordnet ist. Da bei § 251 der Erfolg an die Raubhandlung angeknüpft wird, sind
sowohl ein erfolgsqualifizierter Versuch (bezieht man die Beendigungsphase mit ein:
auch der tödliche Schuss auf der Flucht bei einem nur versuchten Raub; anders
natürlich bei Rücktritt vom versuchten Raub) als auch ein Versuch der
Erfolgsqualifikation möglich. In einer Klausur können hier auch die umstrittenen
Rücktrittsfragen zu erörtern sein.
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Übersichtsblatt Räuberischer Diebstahl, § 252

I. Systematik

§ 252 stellt ein eigenständiges raubähnliches Delikt, d.h. ein delictum sui generis,
dar. § 252 verweist auch auf § 250 und § 251. Während das Nötigungsmittel bei §
249 der Erlangung der Beute dient, dient es bei § 252 der Beuteerhaltung.

Wegnahme:
§ 242 Gewalt/Drohung: § 252 Gewalt/Drohung: §§ 223,
240

Vollendung Beendigung
Gewahrsamswechsel

Wegnahme mit
Gewalt/Drohung:
§ 249 Gewalt/Drohung: § 252 Gewalt/Drohung: §§ 223,
240

II. Gesetzestext

Wer, bei einem Diebstahl auf frischer Tat betroffen, gegen eine Person Gewalt verübt
oder Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben anwendet, um sich im
Besitz des gestohlenen Gutes zu erhalten, ist gleich einem Räuber zu bestrafen.

III. Aufbauschema

1. Tatbestand
a. Objektiver Tatbestand
aa. Vortat: Vollendeter Diebstahl oder Raub
bb. Auf frischer Tat betroffen
cc. Nötigungsmittel: Gewalt gegen eine Person oder Drohungen mit
gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben
b. Subjektiver Tatbestand
aa. Vorsatz
bb. Besitzerhaltungsabsicht
2. Rechtswidrigkeit
3. Schuld
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IV. Grundzüge

1. Objektiver Tatbestand

a. Vortat: Vollendeter Diebstahl oder Raub

Geeignete Vortat für § 252 ist der Diebstahl sowie nach h.M. auch der Raub, der den
Diebstahlstatbestand mitenthält. Strafantragserfordernisse wie § 248 a und § 247
stehen dem nicht entgegen. Die Vortat muss vollendet sein, d.h. es ist ein
vollzogener Gewahrsamswechsel erforderlich (ansonsten würde die
Beuteerhaltungsabsicht keinen Sinn ergeben). Täter des § 252 kann nur derjenige
sein, der als Täter an der Vortat beteiligt war (und mit Beuteerhaltungsabsicht
handelt); die bloße Teilnahme an der Vortat genügt auch dann nicht, wenn der
Teilnehmer die Beute in Besitz hat (str., a.A. die Rspr.). Denn § 252 setzt sich (wie
auch § 249, auf den § 252 hinsichtlich der Strafe verweist) aus Diebstahl und
Nötigung zusammen. Täter des § 252 kann damit nur sein, wer beide Teile
täterschaftlich verwirklicht.

b. Auf frischer Tat betroffen

Der Täter muss ferner auf frischer Tat betroffen sein. Die Tat ist dann frisch, wenn
mit der Wegnahmehandlung ein enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang
besteht.

aa. Zeitlicher Zusammenhang: Die h.M. verlangt, dass der Diebstahl vollendet, aber
noch nicht beendet ist. Eine Beendigung der Wegnahme ist spätestens dann
anzunehmen, wenn der Täter die gesicherte Sachherrschaft erlangt hat. Die Tat
kann aber auch vor Beendigung schon keine frische Tat mehr sein. Dies kann
insbesondere der Fall sein, wenn kein räumlicher Zusammenhang mehr gegeben ist.

bb. Räumlicher Zusammenhang: Der Täter muss am Tatort selbst oder jedenfalls in
dessen unmittelbarer Nähe betroffen worden sein.

Bsp.: T stiehlt im Wohnzimmer des O Geld. Als er dieses in der Scheune auf dem
Grundstück des O nachzählen will, wird er von diesem überrascht und schlägt ihn
nieder, um sich in dem Besitz des Geldes zu erhalten. Hier liegt zwischen der
Entwendung und der Entdeckung ein kurzer zeitlicher Abstand; die Tat ist auch noch
nicht beendet. T wird ferner in unmittelbarer Nähe zum Tatort aufgespürt.

Es ist ferner noch ausreichend, wenn das Nötigungsmittel bei sofort am Tatort
aufgenommener Verfolgung erst im Laufe Fluchtphase, d.h. in räumlicher Distanz
zum Tatort, eingesetzt wird. Wird nur der Diebstahl bemerkt und der Täter erst
während der Nacheile an anderer Stelle betroffen, so scheidet § 252 aus.

cc. Der Täter muss außerdem betroffen sein. Dies ist unstreitig der Fall, wenn er
tatsächlich als Täter entdeckt wird.
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(1) Problematisch ist der Fall, in dem nur der Täter glaubt, er sei als Tatverdächtiger
erkannt (er objektiv aber nicht entdeckt ist). Ein Teil der Lehre lehnt ein Betreffen ab,
da der Täter nach oben genannter Definition nicht tatsächlich entdeckt wird. Nach
der h.M. reicht aber auch das bloße räumlich-zeitliche Zusammentreffen mit einer
Person aus. Aus der Beutesicherungsabsicht ergebe sich, dass der Täter nur
glauben müsse, er sei entdeckt und ihm könne die Beute wieder entzogen werden.

(2) Ferner ist die folgende Konstellation umstritten: Das Opfer kommt hinzu, hat den
Dieb noch nicht wahrgenommen und wird vom Dieb vor der Entdeckung mit Gewalt
ausgeschaltet, um dem Bemerken zuvorzukommen. Nach dem BGH liegt hier § 252
vor, da ein räumlich-zeitliches Zusammentreffen ausreicht. Dies lehnt die Lehre
wiederum ab, da mit dem Begriff des Betroffenseins letztlich nichts anderes als die
Entdeckung der Tat gemeint sei.

(3) Auch nach dem BGH liegt allerdings dann kein Betreffen vor, wenn Täter und
Opfer bereits während der Tatausführung räumlich zusammen waren und das Opfer
den Diebstahl nicht wahrgenommen hat.

c. Einsatz qualifizierter Nötigungsmittel

Die eingesetzten Nötigungsmittel sind Gewalt gegen eine Person oder Drohungen
mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben. Diese entsprechen denen des § 249.
Beachte: Das Nötigungsmittel kann ggf. über § 25 II zugerechnet werden, so dass
der Täter der Vortat auch dann nach § 252 bestraft werden kann, wenn er nicht
eigenhändig Nötigungsmittel einsetzt.

2. Subjektiver Tatbestand

Erforderlich ist neben dem Vorsatz die Absicht i.S.v. dolus directus 1. Grades, sich
im Besitz des gestohlenen Gutes zu erhalten; die Beuteerhaltungsabsicht für einen
Dritten genügt nicht. Die Beuteerhaltungsabsicht muss nicht einziges Motiv sein.
Kommt es dem Täter aber nur auf die Flucht an, so scheidet § 252 aus. Die Rspr.
verlangt zudem einschränkend, dass es dem Täter darauf ankommt, eine
Gewahrsamsentziehung zu Gunsten des Bestohlenen sofort zu verhindern. Bsp.: §
252 soll demnach zu verneinen sein, wenn der Täter verhindert, dass der Betroffene
Hilfe holt (zw.).

Für den notwendigen Besitz/Gewahrsam ist es ausreichend, dass dem Täter nach
der Verkehrsanschauung Mitgewahrsam an der Sache zukommt. Im Übrigen ist für
Mittäter des § 242 anerkannt, dass der Gewahrsam über § 25 II zugerechnet werden
kann, d.h. auch derjenige, der nicht im Besitz der Beute ist, nach § 252 zu bestrafen
ist, wenn er seinerseits Gewalt übt. Beachte: Es wird nur der Besitz, der für § 252
unerlässlich ist, zugerechnet, nicht etwa die subjektive Beuteerhaltungsabsicht; diese
muss bei jedem Mittäter in seiner Person gegeben sein.

3. Qualifikationen

Da der Täter wie ein Räuber zu bestrafen ist, finden auch §§ 250, 251 Anwendung,
wenn sie zwischen Vollendung und Beendigung der Vortat verwirklicht werden. Da
15
nach h.M. beim Raub noch bis zur Beendigungsphase Qualifikationen möglich sind,
kann es zu Überschneidungen mit dem räuberischen Diebstahl kommen. Dabei soll
das Delikt mit den weitergehenden Strafschärfungen vorgehen. Sind keine
Strafschärfungen verwirklicht, so soll § 252 mitbestrafte Nachtat sein (teilweise wird
dann in Tateinheit § 240 angenommen, um die zweifache Nötigung im Tenor zum
Ausdruck zu bringen).

Nach der hier vertretenen Konzeption sind Strafschärfungen beim Raub nur bis zur
Vollendung des Grundtatbestandes möglich, so dass sich die Strafbarkeit in der
Beendigungsphase allein nach § 252 (i.V.m. §§ 250, 251) richtet (§ 249 ist, da der
Diebstahl darin enthalten ist, geeignete Vortat zu § 252).
16

Übersichtsblatt Erpressung, § 253

I. Systematik

Geschütztes Rechtsgut ist die persönliche Freiheit der Willensentschließung und -


betätigung sowie das Vermögen.

§ 255 i.V.m. § 251, Erfolgsqualifikation: Räuberische Erpressung mit Todesfolge

§ 255 i.V.m. § 250, Qualifikation: Schwere räuberische Erpressung

§ 255, Qualifikation: Räuberische Erpressung

§ 253, Grundtatbestand: Erpressung

II. Gesetzestext

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem
empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und
dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich
oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf
Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung
des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.
(3) Der Versuch ist strafbar.
(4) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr.
Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter gewerbsmäßig
oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung einer
Erpressung verbunden hat.

III. Aufbauschema

1. Tatbestand
a. Objektiver Tatbestand
aa. Nötigungshandlung: Gewalt oder Drohung mit einem empfindlichen
Übel
bb. Nötigungserfolg: Handlung oder Unterlassung
cc. Vermögensverfügung (str.)
dd. Vermögensschaden
b. Subjektiver Tatbestand
aa. Vorsatz
bb. Bereicherungsabsicht
(1) Absicht der Bereicherung zu eigenen Gunsten / zugunsten Dritter
(2) Stoffgleichheit der Bereicherung
c. Rechtswidrigkeit der Bereicherung und Vorsatz diesbezüglich
2. Rechtswidrigkeit
a. Allgemeine Rechtfertigungsgründe
b. Verwerflichkeit nach Abs. 2
3. Schuld
17
4. Strafschärfung: Besonders schwerer Fall, § 253 IV, bei gewerbsmäßigem Handeln
oder wenn der Täter als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten
Begehung einer Erpressung verbunden hat

IV. Grundzüge

1. Tatbestand
a. Objektiver Tatbestand

aa. Nötigungshandlung

Der Täter muss Gewalt anwenden oder mit einem empfindlichen Übel drohen, vgl.
dazu Übersichtsblatt zu § 240. Die Probleme der Drohung mit einem Unterlassen
stellen sich auch hier.

bb. Nötigungserfolg

Das Opfer muss dadurch zu einem Tun, Dulden oder Unterlassen genötigt werden.

cc. Vermögensverfügung

(1) Strittig ist, ob das Verhalten des Opfers eine Vermögensverfügung darstellen
muss.

(a) Nach der h.L. ist die Erpressung strukturverwandt mit dem Betrug. Statt mit einer
Täuschung erreiche der Täter hier sein Ziel mit Zwang. Daher setze auch die
Erpressung eine Vermögensverfügung voraus. Das Opfer müsse folglich bewusst
über sein Vermögen verfügen (zu Einzelheiten, insb. der Abgrenzung von Raub und
räuberischer Erpressung, vgl. Übersichtsblatt zu § 255). Dies kann nur bei vis
compulsiva, nicht aber bei vis absoluta der Fall sein.

(b) Die Rechtsprechung hält dagegen die Erpressung für wesensverwandt mit der
Nötigung. Dies ergebe sich aus der Übereinstimmung von Tatmittel, Opferreaktion
und Verwerflichkeitsprüfung. Nach dieser Ansicht genügt also jedes Verhalten des
Genötigten, das dem Täter die Herbeiführung des Vermögensschadens ermöglicht.
Im Gegensatz zur Konzeption der h.L. kann der Tatbestand auch bei vis absoluta
gegeben sein.

(2) Dreieckserpressung: Wie beim Betrug kann es auch bei der Erpressung zu
Dreieckskonstellationen kommen. Der Tatbestand der Erpressung schützt nämlich
sowohl das Vermögen als auch die Willensfreiheit. Daraus, dass die Träger dieser
beiden Rechtsgüter nicht identisch sein müssen, folgt die Möglichkeit der
Dreieckserpressung.

Bsp.: T entführt den B und möchte von C Geld des B für dessen Freilassung.

Geht man davon aus, dass § 253 eine Vermögensverfügung voraussetzt, so müssen
die für § 263 entwickelten Grundsätze zum Dreiecksverhältnis übertragen werden.
Aber auch der BGH verlangt auf Grundlage seiner abweichenden Konzeption ein
solches Näheverhältnis:
18
Teilweise wird eine Erpressung nur bejaht, wenn der Genötigte vor der Tat in einer
Herrschaftsposition über das Vermögen des später Geschädigten gestanden hat und
zumindest konkludent zu der konkreten Verfügung ermächtigt worden ist (Theorie
der rechtlichen Befugnis). Die h.M. geht darüber hinaus und bejaht nicht nur bei einer
rechtlichen Befugnis das Näheverhältnis, sondern vertritt auch hier der Lagertheorie.

Nach BGH setzt eine Dreieckserpressung weder eine rechtliche Verfügungsmacht


noch eine tatsächliche Herrschaftsgewalt des Genötigten über die fremden
Vermögensgegenstände voraus. Es muss aber zwischen dem Genötigten und dem
Geschädigten ein Näheverhältnis dergestalt bestehen, dass das Nötigungsopfer
spätestens im Zeitpunkt der Tatbegehung auf der Seite des Vermögensinhabers
steht. Gerade darin, dass der Täter die von einem Dritten im Interesse des
Vermögensinhabers wahrgenommene Schutzfunktion mit Nötigungsmitteln aufhebt,
liegt der Unrechtsgehalt der Dreieckserpressung. Ein Näheverhältnis soll nach BGH
auch dann gegeben sein, wenn die Polizei in Erfüllung ihrer Aufgaben anstelle des
Geschädigten handelt. Steht der Dritte, den der Täter in Bereicherungsabsicht zur
Wegnahme zwingt, den Vermögensinteressen des Geschädigten hingegen
gleichgültig gegenüber, so ist er lediglich wegen Nötigung in Tateinheit mit Anstiftung
zum Diebstahl oder Diebstahl in mittelbarer Täterschaft zu bestrafen.

dd. Vermögensschaden

Das Delikt ist mit Eintritt des Vermögensschaden vollendet. Dieser Begriff ist
identisch mit dem Vermögensschaden bei § 263. Auch juristische Personen werden
erfasst. Denn die Vorschrift setzt auch in ihrer Fassung nach dem 6. StrRG nicht
voraus, dass der Geschädigte eine natürliche Person sein muss. Der Begriff „Mensch“
bezieht sich – entgegen einer Mindermeinung – nur auf die genötigte Person, d.h.
darauf, dass Drohungsadressat nur eine natürliche und keine juristische Person sein
kann. Demgegenüber ist im Zusammenhang mit der Nachteilszufügung von dem
Vermögen „des Genötigten oder eines anderen“ die Rede. Hierunter fällt auch das
Vermögen einer juristischen Person

Auch die schadensgleiche konkrete Vermögensgefährdung genügt. Überwacht die


Polizei eine Geldübergabe und nimmt dem Täter das Geld sogleich wieder ab, so
liegt keine Vermögensgefährdung vor. Es kommt aber Versuch in Betracht.

Bei einer Sicherungserpressung, bei der die durch eine andere Straftat erlangte
Beute mit Nötigungsmitteln „verteidigt“ wird, ist zu prüfen, ob noch eine
Schadensvertiefung gegeben ist. Ist dies zu bejahen, so bleibt zu prüfen, ob es sich
um eine mitbestrafte Nachtat handelt bzw. die Vortat mitbestraft ist.

b. Subjektiver Tatbestand

Der Täter muss Vorsatz hinsichtlich des objektiven Tatbestandes sowie


Bereicherungsabsicht haben. Ferner muss zwischen der Herbeiführung des
Vermögensnachteils und der Bereicherung Stoffgleichheit bestehen.

c. Rechtswidrigkeit der erstrebten Bereicherung und Vorsatz diesbezüglich


19
Diese entfällt, wenn die erstrebte Vermögensverschiebung objektiv von der
Rechtsordnung gedeckt ist. Bei Irrtümern kann § 16 I 1 eingreifen. Es kann dann
aber eine Strafbarkeit wegen Nötigung verbleiben.

2. Rechtswidrigkeit

Im Zusammenhang mit der Prüfung der Rechtswidrigkeit ist vor allem zu beachten,
dass die Tat nach § 253 II nur dann rechtswidrig ist, wenn der Einsatz des
Nötigungsmittels zu dem erstrebten Zweck verwerflich ist, vgl. dazu Übersichtsblatt
zu § 240. Aufgrund des rechtswidrigen Zwecks (die erstrebte Bereicherung muss
objektiv rechtswidrig sein) wird die Verwerflichkeit meist gegeben sein.
20

Übersichtsblatt räuberische Erpressung, § 255

I. Systematik

Die Vorschrift enthält einen Qualifikationstatbestand zur Erpressung, § 253. Bei


Einsatz der Nötigungsmittel des Raubes wird der Erpresser dem Räuber
gleichgestellt.

II. Gesetzestext

Wird die Erpressung durch Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von
Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben begangen, so ist der Täter
gleich einem Räuber zu bestrafen.

III. Aufbauschema

1. Tatbestand
a. Objektiver Tatbestand
aa. Nötigungshandlung: Gewalt gegen eine Person oder Drohung mit
gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben
bb. Nötigungserfolg: Handlung oder Unterlassung
cc. Vermögensverfügung (str.)
dd. Vermögensschaden
b. Subjektiver Tatbestand
aa. Vorsatz
bb. Bereicherungsabsicht
(1) Absicht der Bereicherung zu eigenen Gunsten / zugunsten Dritter
(2) Stoffgleichheit der Bereicherung
c. Rechtswidrigkeit der Bereicherung und Vorsatz diesbezüglich
2. Rechtswidrigkeit:
a. Allgemeine Rechtfertigungsgründe
b. Verwerflichkeit der Nötigung nach Abs. 2: Die Anwendung von Raubmitteln
zu Erpressungszwecken ist grds. verwerflich.
3. Schuld
4. Strafschärfungen:
a. Qualifikation: §§ 253, 255 i.V.m. § 250
b. Qualifikation: §§ 253, 255 i.V.m. § 251

IV. Grundzüge

1. Tatbestand

a. Objektiver Tatbestand

aa. Nötigungshandlung

Der Täter muss Gewalt gegen eine Person anwenden oder mit einer gegenwärtigen
Gefahr für Leib oder Leben drohen.
21
Für die Gegenwärtigkeit der Gefahr gilt nach BGH Folgendes: Genaue zeitliche
Grenzen dafür, wann eine für die Zukunft angedrohte Gefahr noch gegenwärtig ist
und wann nicht mehr, lassen sich nicht allgemein festlegen. Eine für den Fall der
Zahlungsverweigerung angedrohte Gefahr kann auch dann gegenwärtig und in ihrer
Auswirkung auf das Opfer besonders gefährlich sein, wenn die Verwirklichung der
Drohung nicht sicher unmittelbar bevorsteht, sondern in dem Sinne ungewiss ist,
dass die Gefahr jederzeit - alsbald, aber auch später - in einen Schaden umschlagen
kann. Kann aber eine dem Zeitpunkt ihrer Verwirklichung nach ungewisse Gefahr
ausreichen, stellt das Fehlen einer Fristsetzung gerade keinen Grund dar, die
Gegenwärtigkeit der angedrohten Gefahr zu verneinen.

bb. Nötigungserfolg

Das Opfer muss dadurch zu einem Tun, Dulden oder Unterlassen genötigt werden.

cc. Vermögensverfügung

Strittig ist, ob das Verhalten des Opfers eine Vermögensverfügung darstellen muss.
Davon hängt letztlich die besonders klausurrelevante Abgrenzung von Raub und
räuberischer Erpressung ab.

(1) Die Rechtsprechung geht von einer Wesensverwandtschaft zwischen der


Erpressung und Nötigung aus. Der Wortlaut verlange keine Vermögensverfügung. §§
253, 255 sollen daher sowohl bei Selbst- als auch bei Fremdschädigungen mit
Raubmitteln eingreifen. Die Rechtsprechung nimmt die Abgrenzung beider
Tatbestände nach dem äußeren Erscheinungsbild vor: Nimmt der Täter die Sache, so
liegt Raub vor, gibt sie das Opfer heraus, so finden §§ 253, 255 StGB Anwendung.

Dies gilt übrigens auch für die Abgrenzung zur Dreieckserpressung: Wird der
schutzbereite Dritte vom Täter mit Gewalt oder gegenwärtiger Gefahr für Leib oder
Leben gezwungen, die Wegnahme der Sache durch den Täter selbst oder ein auf
dessen Seite stehendes Werkzeug zu dulden, so liegt Raub vor; wird er hingegen
nicht nur zur Duldung, sondern zur Vornahme einer vermögensschädigenden
Handlung gezwungen, so ist eine räuberische Erpressung anzunehmen.

Raub soll demnach gegenüber der räuberischen Erpressung lex specialis sein. Damit
erfüllt jeder Raub auch die Voraussetzungen der §§ 253 255. Liegt also nach dem
äußeren Erscheinungsbild primär Raub vor, scheitert § 249 jedoch an anderen
tatbestandlichen Voraussetzungen, so kann sekundär auf §§ 253, 255
zurückgegriffen werden. Die Ansicht der Rechtsprechung gewinnt vor allem an
Bedeutung, wenn § 249 mangels Zueignungsabsicht zu verneinen ist. Sie vermeidet
daher Strafbarkeitslücken und erfasst auch über §§ 253, 255 die stärkste Form der
Gewalt, nämlich vis absoluta.

(2) Die wohl h.L. ordnet die räuberische Erpressung als Selbstschädigungsdelikt ein,
da der Tatbestand Betrugselemente enthalte. Er sei, wie der Betrug vom Diebstahl,
randscharf vom Raub, § 249, abzugrenzen. Zwischen Raub und räuberischer
Erpressung bestehe daher ein Exklusivitätsverhältnis. Liegt eine Wegnahme i.S.d. §
249 vor, so seien §§ 253, 255 tatbestandlich ausgeschlossen. Das Opferverhalten
des Erpressten könne daher nur in einer bewussten Vermögensverfügung bestehen;
dagegen spreche auch nicht der Wortlaut, da auch § 263 das Erfordernis der
22
Vermögensverfügung nicht ausdrücklich nenne. Die Literatur macht gegen die
Rechtsprechung geltend, dass diese auch in den Fällen bloßer Gebrauchsanmaßung
(furtum usus) aus § 255 strafe, wenn der Täter qualifizierte Nötigungsmittel einsetze.
Der Täter, der mangels Diebstahlsvoraussetzungen kein Räuber sein kann, werde im
Ergebnis wie ein solcher bestraft; auch werde in Fällen des § 248 b die Privilegierung
unterlaufen. Letztlich wäre § 249 überflüssig, wenn in diesen Fällen immer §§ 253,
255 verwirklicht wären.

Nach dieser Konzeption ist zur Abgrenzung von Raub und räuberischer Erpressung auf
die innere Willensrichtung des Opfers abzustellen. Bei einer „freiwilligen“ Gewahr-
samsverschiebung (aufgrund der Drohung ist die Vermögensverschiebung freilich
niemals völlig „freiwillig“, sondern allenfalls bedingt freiwillig) soll nicht Raub, sondern
räuberische Erpressung zu bejahen sein:

- Eine solche freiwillige Vermögensverfügung ist aber nur dann anzunehmen, wenn das
Opfer noch eine „Wahlmöglichkeit“ zwischen der Hinnahme des Übels und des
Vermögensverlustes besitzt oder willentlich den Gewahrsam, d.h. mit faktischem
Einverständnis (trotz Zwang), überträgt.

- Andere wollen dagegen darauf abstellen, ob aus Sicht des Opfers noch eine
Mitwirkung an der Vermögensverschiebung notwendig ist.

- Wiederum andere möchten auf das Erfordernis der unmittelbaren


Vermögensminderung verzichten. Nach dieser Ansicht schließt bereits ein
abgenötigtes Opferverhalten die Wegnahme und damit den Tatbestand des § 249
aus, wenn dieses nur zu einer Gewahrsamslockerung führt (selbst wenn der
Gewahrsam später endgültig gebrochen wird). Die bloße Gewahrsamslockerung
begründet damit die Vermögensverfügung i.S.d. §§ 253, 255. Bsp.: Preisgabe einer
PIN für die Zahlungskarte. Diese Ansicht ist abzulehnen, da sie die Parallele zu §
263 aufgibt.

dd. Vermögensschaden

Dieser Begriff ist identisch zum Vermögensschaden bei § 263, vgl. auch das
Übersichtsblatt zu § 253.

b. Subjektiver Tatbestand

Der Täter muss Vorsatz hinsichtlich des objektiven Tatbestandes sowie


Bereicherungsabsicht haben. Ferner muss zwischen der Herbeiführung des
Vermögensnachteils und der Bereicherung Stoffgleichheit bestehen.

c. Rechtswidrigkeit der erstrebten Bereicherung und Vorsatz diesbezüglich

Dies entfällt, wenn die erstrebte Vermögensverschiebung objektiv von der


Rechtsordnung gedeckt ist. Bei Irrtümern kann § 16 I 1 eingreifen. Es kann dann
aber eine Strafbarkeit wegen Nötigung verbleiben.

2. Strafschärfungen
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Zu beachten ist, dass auf § 255 („so ist der Täter gleich einem Räuber zu bestrafen“)
§ 250 und § 251 anwendbar sind.

a. §§ 253, 255, 250: Schwere räuberische Erpressung. Hinsichtlich des


Beisichführens einer Waffe (§ 250 I Nr. 1 a) stellt sich die Frage, ob diese – da die
Tat Dauerdeliktscharakter haben kann – einen räumlichen Bezug aufweisen muss.
Bsp.: T droht dem O telefonisch und hat dabei eine Waffe in der Tasche. Erfasst wird
hingegen (unproblematischer) der Fall, dass der Täter bei der Geldübergabe eine
Waffe bei sich trägt.

b. §§ 253, 255, 251: Räuberische Erpressung mit Todesfolge. Bsp.: T vergiftet


Lebensmittel, um einen Supermarkt zu erpressen. Ein Kunde kommt zu Tode.

3. Konkurrenzen

a. Innertatbestandliche Konkurrenz bei mehreren Nötigungshandlungen: Eine


Tat im Rechtssinne liegt dann vor, wenn die der Tatbestandsvollendung dienenden
Teilakte einen einheitlichen Lebensvorgang bilden. Dieses Erfordernis besteht bei
Erpressungen auch dann, wenn durch die Einzelakte, die auf die
Willensentschließung des Opfers einwirken sollen, letztlich nur die ursprüngliche
Drohung durchgehalten wird. Der BGH hat in der „Dagobert-Entscheidung“ die
Zäsurwirkung des fehlgeschlagenen Versuchs als Kriterium zur Bestimmung von
Tatmehrheit herangezogen: Danach soll der Fehlschlag des Versuchs nicht nur
einen Rücktritt ausschließen, sondern bei einem erneuten Ansetzen auch das
Vorliegen einer neuen materiell-rechtlichen Tat begründen.

b. Verhältnis zu § 263: Möchte oder kann der Täter seine Drohung nicht wahr
machen (er hat z.B. nur eine Schweinwaffe), so liegt dennoch § 253 (§ 255) vor.
Daneben ist auch eine Täuschung i.S.d. § 263 gegeben. Diese hat jedoch keinen
eigenständigen Unrechtsgehalt, da sie nur die Drohung ermöglichen soll. § 263 tritt
daher im Wege der Gesetzeskonkurrenz als mitbestrafte Beleittat zurück. Anders
liegt der Fall, wenn die Täuschung selbständigen Charakter hat. Bsp.: T erpresst die
Eltern des entführten Kindes. Er täuscht darüber, dass er das Kind nach Zahlung frei
lassen werde.

c. Verhältnis zu § 249: Wechselt der Täter während derselben Tat und hinsichtlich
desselben Gegenstandes zwischen Raub und räuberischer Erpressung, so wird der
Versuch hinsichtlich des nicht verwirklichten Deliktes durch das letztlich vollendete
Delikt abgegolten.
24

Übersichtsblatt Räuberischer Angriff auf Kraftfahrer, § 316 a

I. Systematik

Geschützte Rechtsgüter sind die Sicherheit des Kraftverkehrs und das Vermögen.
Bei Ausnutzung der besonderen Verhältnisse des Straßenverkehrs wird die
Strafbarkeit gegenüber Raub, räuberischen Diebstahls und räuberischer Erpressung
vorverlagert, da insoweit die Absicht der Begehung dieser Taten ausreichend ist.

II. Gesetzestext

(1) Wer zur Begehung eines Raubes (§§ 249 oder 250), eines räuberischen
Diebstahls (§ 252) oder einer räuberischen Erpressung (§ 255) einen Angriff auf Leib
oder Leben oder die Entschlussfreiheit des Führers eines Kraftfahrzeugs oder eines
Mitfahrers verübt und dabei die besonderen Verhältnisse des Straßenverkehrs
ausnutzt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu
zehn Jahren.
(3) Verursacht der Täter durch die Tat wenigstens leichtfertig den Tod eines anderen
Menschen, so ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht
unter zehn Jahren.

III. Aufbauschema

1. Tatbestand
a. Objektiver Tatbestand
aa. Angriff auf Leib, Leben oder die Entschlussfreiheit des Führers eines
Kraftfahrzeugs oder eines Mitfahrers
bb. Verüben des Angriffs
cc. Ausnutzung der besonderen Verhältnisse des Straßenverkehrs
b. Subjektiver Tatbestand
aa. Vorsatz
bb. Zur Begehung eines Raubes (§§ 249 oder 250), eines räuberischen
Diebstahls (§ 252) oder einer räuberischen Erpressung (§ 255)
2. Rechtswidrigkeit
3. Schuld
4. Strafschärfung: Erfolgsqualifikation, § 316 a III, wenigstens leichtfertige
Verursachung des Todes

IV. Grundzüge

1. Objektiver Tatbestand

a. Angriff auf Leib oder Leben oder die Entschlussfreiheit des Führers eines
Kraftfahrzeugs oder eines Mitfahrers
25
aa. Unter Angriff auf Leib oder Leben ist eine feindselige und auf den Körper
zielende Einwirkung zu verstehen. Erfasst wird jede Art der Körperverletzung und
Tötung. Ein Verletzungserfolg muss nicht eintreten.

bb. Der Angriff auf die Entschlussfreiheit umschließt alle Formen der Nötigung und
auch Täuschungen. Auch mittelbare Einwirkungen (Gewalt gegen Sachen) werden
erfasst.

cc. Der Angreifer kann ein Dritter sein, aber auch Fahrer (gegenüber Mitfahrern) und
Mitfahrer kommen in Betracht.

dd. Das Opfer muss bei Verüben des Angriffs entweder Führer oder Mitfahrer eines
Kraftfahrzeugs sein. Führer eines Kraftfahrzeugs ist, wer das Fahrzeug in Bewegung
zu setzen beginnt, es in Bewegung hält oder allgemein mit dem Betrieb des
Fahrzeugs und/oder mit der Bewältigung von Verkehrsvorgängen beschäftigt ist.
Danach ist Führer des Kraftfahrzeugs stets derjenige, der es im Straßenverkehr in
Bewegung hält. Befindet sich das Fahrzeug, in dem sich das Opfer aufhält, nicht
(mehr) in Bewegung, so ist darauf abzustellen, ob das Opfer als Fahrer (noch) mit
der Bewältigung von Betriebs- oder Verkehrsvorgängen befasst ist (vgl. BGHSt 49, 8,
14). Bei einem verkehrsbedingten Halt, etwa an einer Ampel, an einer
geschlossenen Bahnschranke oder in einem Stau, wird dies in der Regel zu bejahen
sein, weil der Lenker eines Kraftfahrzeugs in einer solchen Situation - unabhängig
davon, ob er den Motor weiterlaufen lässt oder kurzfristig ausstellt - seine
Aufmerksamkeit weiter auch auf das Verkehrsgeschehen richten muss. Auch bei
einem nicht verkehrsbedingten Halt bleibt der Fahrer, solange er sich in dem
Fahrzeug aufhält und mit dessen Betrieb und/oder mit der Bewältigung von
Verkehrsvorgängen beschäftigt ist, weiterhin Führer des Kraftfahrzeugs. Dies ist
allerdings regelmäßig dann nicht der Fall, wenn das Tatopfer sein Fahrzeug zum
Halten gebracht und den Motor ausgestellt hat.

b. Verüben des Angriffs

Verüben des Angriffs verlangt, dass der Angriff ausgeführt wird. Dies setzt
richtigerweise voraus, dass der Täter auf das Opfer, d.h. dessen Leib bzw. Leben
oder die Entschlussfreiheit einwirkt. Damit ist die Tat aber auch vollendet. Bsp.: Der
Täter bedroht das Opfer während der Fahrt mit einer Waffe. Der Täter täuscht eine
Polizeikontrolle vor, um den Fahrer so zum Anhalten zu zwingen. Nicht hinreichend
ist es, wenn der Täter das Opfer nur über den Zweck der Fahrt täuscht und auf das
Opfer erst nach der Fahrt einwirken möchte.

Ansonsten kommt nur Versuch in Betracht. Im bloßen straflosen


Vorbereitungsstadium befindet sich die Tat aber entgegen älterer Rechtsprechung,
soweit lediglich die Fahrt unternommen wird. Also richtigerweise kein unmittelbares
Ansetzen mit Fahrtbeginn.

c. Unter Ausnutzung der besonderen Verhältnisse des Straßenverkehrs

Weiterhin muss der Angriff unter Ausnutzung der besonderen Verhältnisse des
Straßenverkehrs erfolgen. Danach ist erforderlich, dass der tatbestandsmäßige
26
Angriff gegen das Tatopfer als Kraftfahrzeugführer unter Ausnutzung der
spezifischen Bedingungen des Straßenverkehrs begangen wird (BGHSt 49, 8, 11),
weil der Straßenverkehr typischerweise eine erhöhte Konzentration der
Fahrzeuginsassen erfordert und für diese die Gegenwehr bzw. die Flucht erschwert
ist. Das ist nach BGH der Fall, wenn der Führer eines Kraftfahrzeugs im Zeitpunkt
des Angriffs noch in einer Weise mit der Beherrschung seines Kraftfahrzeugs
und/oder mit der Bewältigung von Verkehrsvorgängen beschäftigt ist, dass er gerade
deshalb leichter zum Angriffsobjekt eines Überfalls werden kann. Verübt der Täter
den Angriff im fließenden Verkehr, ist dies ein gewichtiges Indiz dafür, dass er dabei
auch die besonderen Verhältnisse des Straßenverkehrs ausnutzt; Entsprechendes
gilt auch für einen verkehrsbedingten Halt (s.o.).

Grundsätzlich kann auch bei einem Halt aus anderen Gründen infolge spezifischer
Bedingungen des Straßenverkehrs eine Gegenwehr des angegriffenen
Kraftfahrzeugführers erschwert sein. Allerdings liegt bei einem nicht
verkehrsbedingten Halt mit laufendem Motor außerhalb der allgemeinen Fahrbahn
ohne eingelegten Gang bei angezogener Handbremse eine Erschwerung der
Gegenwehr gerade infolge der spezifischen Bedingungen des Straßenverkehrs
regelmäßig dann nicht vor, wenn der Kraftfahrzeugführer (wie etwa der Taxifahrer
beim Kassieren des Fahrpreises), seine Aufmerksamkeit nicht in erster Linie auf das
Führen des Fahrzeugs, sondern auf andere Tätigkeiten richtet. Erforderlich sind
daher weitere verkehrsspezifische Umstände, aus denen sich ergibt, dass das Opfer
als Kraftfahrzeugführer zum Zeitpunkt des Angriffs noch in einer Weise mit der
Beherrschung des Fahrzeugs und/oder mit der Bewältigung von Verkehrsvorgängen
beschäftigt war, dass es gerade deshalb leichter Opfer des räuberischen Angriffs
wurde und der Täter dies für seine Tat ausnutzte.

Bspe.: Der Angriff wird unmittelbar im Zusammenhang mit dem Anhaltevorgang


verübt ; das Fahrzeug setzt sich nach dem Anhalten mit laufendem Motor während
der heftigen Gegenwehr seines angegriffenen Führers plötzlich in Bewegung; der
Fahrer lässt das Automatikgetriebe auf Dauerbetrieb und bleibt mit dem Fuß auf der
Bremse.

Gegenbeispiel: § 316 a ist hingegen zu verneinen, wenn sich T und O auf einem
Parkplatz küssen und T dann den Entschluss fasst, die O zu bedrohen, um sie
auszurauben. Ein verkehrsbedingtes Anhalten, z.B. an einer Ampel, steht der
Annahme des Merkmals „unter Ausnutzung der besonderen Verhältnisse des
Straßenverkehrs“ nicht entgegen.

Nach anderer Ansicht kann der Überfall dagegen nicht nur während der Fahrt,
sondern auch sofort nach Anhalten und Aussteigen erfolgen, wenn ein unmittelbarer
räumlicher und zeitlicher Zusammenhang zur Fahrt besteht. Bsp.: T fährt die
Anhalterin O in einem Waldweg (hierin liegt noch kein Verüben), um sie
auszurauben; die empörte O kann noch aussteigen, bevor sie T bedroht.

Im Übrigen bedarf es keiner besonderen Ausnutzungsabsicht; vielmehr muss der


Täter lediglich die tatsächlichen Umstände in seinen Vorsatz aufnehmen
(Ausnutzungsbewusstsein).

2. Subjektiver Tatbestand
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Der subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz und die Absicht der Begehung eines
Raubes, eines räuberischen Diebstahls oder einer räuberischen Erpressung.

3. Strafschärfung

§ 316 a III enthält eine Erfolgsqualifikation, die eine wenigstens leichtfertige


Verursachung des Todes voraussetzt.

4. Konkurrenzen

Sind Raub, räuberischer Diebstahls und räuberische Erpressung vollendet, so


besteht Tateinheit, da § 316 a ein anderes Rechtsgut schützt. Bei Versuch der Taten
treten diese hinter § 316 a im Wege der Konsumtion zurück.

V. Klausurhinweis

Raub, räuberischer Diebstahls und räuberische Erpressung sind vorab und nicht
etwa inzident zu prüfen.
28
Vertiefungsfälle

Fall 1:1 Um Geld aus einer Ladenkasse zu entwenden, spritzte der Angeklagte der
Kassiererin mit einem zu diesem Zweck mitgeführten Deo-Spray aus etwa 60 cm
Entfernung gezielt in das Gesicht. Als diese, wie von ihm beabsichtigt, daraufhin in
Folge des Lidschlussreflexes die Augen schloss, entnahm er Geldscheine aus der
offenen Kasse. Die Kassiererin, die alsbald wieder die Augen öffnete, versuchte
letztlich vergeblich, den Angeklagten noch festzuhalten. Er riss sich los und entkam
mit einer Beute von 1.380 DM. Wie auch vom Angeklagten erwartet, war das Deo
nach der konkreten Art seiner Verwendung ungeeignet, körperliche
Beeinträchtigungen herbeizuführen.

Fall 2:2 Die Angeklagten boten nachts dem erkennbar stark angetrunkenen Opfer O
an, es nach Hause zu bringen. Nachdem der Angeklagte A den O in einem Park zu
Boden gestoßen hatte, schlugen und traten beide Angeklagte aufgrund eines
spontanen gemeinsamen Entschlusses mit beschuhten Füßen auf das wehrlose
Opfer ein. Nachdem die Angeklagten ihre Misshandlungen beendet hatten, kam der
Angeklagte B auf den Gedanken, die fortdauernde Gewalt sowie die Hilflosigkeit des
Tatopfers auszunutzen; mit Billigung des Angeklagten A durchsuchte er den
Geschädigten und entnahm dessen Taschen unter anderem einen
Wohnungsschlüssel und Zigaretten, die beide später untereinander aufteilten. Den
Wohnungsschlüssel behielten beide Angeklagte, um später aus der Wohnung des
Opfers mitnehmenswerte Gegenstände zu entwenden. Nachdem sich die
Angeklagten daraufhin eine kurze Wegstrecke entfernt hatten, wurde ihnen bewusst,
dass sie die Wohnungsadresse des Tatopfers nicht kannten. Der Angeklagte B
kehrte zu dem Geschädigten, den er wegen der Adresse befragen wollte, zurück und
schlug ihm zwei Mal mit der flachen Hand ins Gesicht; der Geschädigte nannte
daraufhin dem Angeklagten B seine Anschrift. Aus der Wohnung des Geschädigten,
der später an den Folgen der Schläge verstarb, nahmen die Angeklagten später
einige Gegenstände an sich.

Fall 3:3 Der Angeklagte betrat mit einer geladenen Schreckschusspistole eine
Bankfiliale, lud die Pistole durch und forderte von den beiden anwesenden
Bankmitarbeiterinnen mit den Worten „Geld her, das ist ein Überfall, sofort Geld her,
sonst schieße ich“ die Herausgabe von Bargeld. Eine der Mitarbeiterinnen befand
sich in der gesicherten Kassenbox, die zweite zunächst im Schalterraum; sie
flüchtete später ebenfalls in den Kassenraum. Im angrenzenden Besprechungsraum
führte der Filialleiter ein Kundengespräch. Der Angeklagte drohte, als ihm nicht
sogleich Bargeld ausgehändigt wurde, mehrfach damit, „alle zu erschießen“; hierbei
deutete er auf die Tür des Besprechungsraums. Die Mitarbeiterinnen, die die
Drohung ernst nahmen, übergaben ihm daraufhin einen Bargeldbetrag in Höhe von
34.840 DM, mit welchem der Angeklagte flüchtete. Da sich nicht feststellen ließ, ob
die von dem Angeklagten verwendete Pistole mit Gas- oder Schreckschussmunition
geladen war, ist das Landgericht zu seinen Gunsten davon ausgegangen, dass nur
Schreckschussmunition verwendet wurde.

1
BGH NStZ 2003, 89.
2
BGH StraFo 2003, 178.
3
BGHSt 48, 197.
29

Fall 4:4 Die Angeklagten A und B betraten gemeinsam das Ladenlokal, in dem zu
diesem Zeitpunkt sich lediglich die Verkäuferin V aufhielt. Nachdem der Angeklagte
A die gekaufte Ware mit einem 100.- DM - Schein bezahlt und das Wechselgeld
eingesteckt hatte, entwendete kurz darauf einer der beiden Angeklagten die
Geldtasche der V. Diese bemerkte sogleich das Fehlen der Tasche; sie nahm die
Verfolgung auf und konnte die Angeklagten, die bereits in ihren etwa 20 bis 30 m
entfernt geparkten Pkw eingestiegen waren, noch erreichen. Als V die Fahrertür des
Fahrzeugs öffnete, sich in den Innenraum beugte und die Rückgabe der Geldtasche
verlangte, fuhr die Angeklagte A auf die Aufforderung des Angeklagten B "Gib Gas !"
mit dem Pkw ruckartig beschleunigend los, so dass V, die sich an der noch
geöffneten Fahrertür festklammerte, mitgerissen und später auf die Fahrbahn
geschleudert und schwer verletzt wurde,

Fall 5:5 Die Angeklagten glaubten, der Geschädigte sei Mittäter eines Diebstahls und
wisse, wo das dabei erbeutete Geld versteckt sei. Sie lockten den Geschädigten in
eine Gartenlaube, fesselten ihn an einen Stuhl und zwangen ihn mit Schlägen und
unter Todesdrohungen, die Lage des angeblichen Geldverstecks „unter den Wurzeln
einer Eiche“ preiszugeben. Zwei der Täter fuhren mehrmals zwischen der Laube und
der bezeichneten Stelle hin und her, weil sie das Geldversteck nicht finden konnten
und den Verdacht hegten, der Geschädigte habe ihnen den falschen Ort benannt.
Nach weiteren Gewaltanwendungen und Bedrohungen beschrieb der Geschädigte
das angebliche Versteck noch genauer, so dass die Täter hofften, die Beute anhand
der ergänzten Angaben doch noch zu finden.

Fall 6:6 Der Angeklagte hat in seiner Wohnung den geschädigten Zeugen nach
einem Wortwechsel über eine Hakenkreuzfahne zunächst mit einer Metallkette und
einem Holzknüppel körperlich schwer misshandelt. Als dieser zur Wohnungstür
flüchtete, forderte der Angeklagte ihn auf, sofort seine Wohnung zu verlassen, griff
dann aber sein Opfer erneut an, zog es ins Wohnzimmer zurück, schlug weiter mit
Fäusten auf es ein, ließ zwei schwere Hantelringe auf sein auf dem Boden liegendes
Opfer fallen, hielt ihm ein Bajonett vor und äußerte, dass er die Wohnung nicht
lebend verlassen werde. Dann forderte der Angeklagte unvermittelt von dem Zeugen
Geld. Unter dem Eindruck der erlittenen Misshandlungen und aus Angst vor weiteren
Übergriffen übergab der Zeuge dem Angeklagten sein Portemonnaie, dem dieser
340 € entnahm. Anschließend verließen beide die Wohnung.

Fall 7:7 T fasst während einer Fahrt mit dem Taxi den Entschluss, dessen Fahrerin
zu überfallen. An der von T genannten Straßenecke stoppt die Fahrerin das Taxi und
verlangt bei laufendem Motor den Fahrpreis. T zieht ein Messer und hält es mit den
Worten "Geld her!" vor seinem Körper in Richtung der Fahrerin. Als diese antwortet:
"Das ist jetzt nicht Dein Ernst", führt T das Messer bis auf einen Abstand von 20 cm
an den Körper der Taxifahrerin heran, die dem T daraufhin Geldscheine im Wert von
insgesamt 100 Euro aushändigt.

4
BGH NStZ 2000, 530.
5
BGH NStZ 2006, 38.
6
BGH NStZ 2004, 556.
7
BGHSt 50, 169.