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Ernst Dorfner

 
Der Sozialstaat und seine Befreiung
aus der monetären Abhängigkeit von
der kapitalistischen Wachstums-Wirtschaft
 
Auflage 6

Zur Bewältigung der Coronakrise 


und das (neoliberale?) Verbot der monetären Staatsfinanzierung
 

 „Wir müssen Vorsorge betreiben, statt alles zu kapitalisieren“, sagte sie auch
mit Blick auf das Gesundheitssystem. „Wir müssen endlich das Wohlergehen der
Menschen in den Mittelpunkt unseres Wirtschaftssystems stellen, statt die
Gewinnmaximierung einzelner.“
Annalena Baerböck am BuKo der Grünen 2020

 „Kein Markt ohne Staat“ -  Kernbotschaft des Soziologen Jens Beckert;


 „Märkte sind immer eingebettet in soziale und politische Institutionen. Es wäre
naiv, moderne kapitalistische Ökonomien mit der Lesart des Funktionierens von
Märkten verstehen zu wollen, die sich in der neoklassischen Wirtschaftstheorie
durchgesetzt hat. Ein Markt entsteht nicht einfach dadurch, dass mehrere
Akteure zusammenkommen und Waren oder Dienstleistungen austauschen. In der
Vorstellung des Nationalökonomen Adam Smith führt das Eigeninteresse der
einzelnen Akteure im Ergebnis zum Nutzen für alle. Aber damit Märkte
funktionieren, bedarf es auf vielen Ebenen institutioneller Strukturen, die ganz
wesentlich durch den Staat zur Verfügung gestellt werden. Leistet er diese
Aufgabe nicht oder nicht hinreichend, wird die Leistungsfähigkeit der Märkte
und der Volkswirtschaft insgesamt beschädigt.“
(www.brandeins.de/magazine/brand-eins-
wirtschaftsmagazin/2020/leistung/kein-markt-ohne-staat )
 
 

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Von der Zukunft des homo sapiens
Homo sapiens hat die Hand durch das Werkzeug verstärkt, das Werkzeug zur
Maschine entwickelt, seine Sinne durch Sensoren erweitert; zunehmend überlässt
er nun die geistige Arbeit den Computeralgorithmen, die bereits die
organisierenden, kreativen, musischen Tätigkeiten übernehmen......
Industrie 4.0, Arbeit 4.0 – die Schlagworte klingen nach Evolution, nach
Fortschritt auf einer früher eingeschlagenen Bahn. Das klingt harmlos. Aber es
spricht alles dafür, dass diese Entwicklung Teil eines Epochenbruchs ist, der
ebenso einschneidend sein wird wie die beiden vorigen Veränderungen im
Aggregatszustand der Menschheit: der Übergang zur Sesshaftigkeit und die
industrielle Revolution. Ein Epochenbruch, der sich mit zwei Großereignissen in
die Menschheitsgeschichte einschreiben wird: zum einen die dramatischen
Umweltveränderungen – der Klimawandel, das Artensterben, die Erschöpfung von
Erde und Wasser. Und zum anderen die neuen, mächtigen Werkzeuge, die uns die
Digitalisierung in die Hand gibt. Matin Greffrath in
https://www.deutschlandfunk.de/anmerkungen-zur-automatisierung-von-der-
zukunft-des-homo.1184.de.html

Stephanie Kelton ist Vertreterin der neuen ökonomischen Strömung Modern


Monetary Theory (MMT). Fast alles, was wir glaubten, über Geld zu wissen, wird
auf den Kopf gestellt
Kelton: ….. Man kann diese Geschichte nicht damit beginnen, dass der
Steuerzahler anfängt, den Staat zu finanzieren. Es ist als Erstes immer der
Staat, der Geld ausgibt. Steuern und Geld dienen dazu, dass sich die Regierung
mit jenen Dingen versorgt, die sie haben möchte. In früheren Zeiten war das
eine Söldnerarmee, heute sind es Straßen, Spitäler, Brücken. Die Regierung
beauftragt Unternehmer und Bürger, für sie etwas zu bauen. Die Steuerpflicht
sorgt dafür, dass alle an die Währung herankommen wollen, das Geld
akzeptieren. https://www.derstandard.at/story/2000121634395/kann-geld-in-
der-krise-knapp-werden-nein-wir-haben

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Vorbemerkung

Ob Milo Rau seine Kernaussage so verstanden hat, wie ich es meine, sei
dahingestellt. Ich meine: Es ist institutionell bewußt so ausgelegt

In den  hier vorgestellten Überlegungen sind angeregt durch die von der Corona-
Krise ausgehenden tiefgreifenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme., die
unser ganzes Gesellschaftsmodell in Frage stellen könnten. Um einen sozialen
Crash zu vermeiden, stürzen sich deshalb die Staaten und die EU in gewaltige
Milliarden-Schulden, wobei man nicht weiß, wie sie zurückgezahlt werden
können. Es geht also um monetäre Fragen, von denen aber – so wird es immer
deutlicher – die Politiker keine Ahnung haben. Das Thema „Geld“ ist für sie tabu.
Sich die Frage zu stellen, ob sich den der Stadt überhaupt verschulden muss,
wenn das Geld aus den Steuern und Abgaben zur Finanzierung der Staatsaufgaben
nicht reicht oder überhaupt wegfällt, sind sie von links bis rechts nicht fähig.
Diese Frage einer eigenständigen, vom Gedeihen der Wirtschaft unabhängige
Finanzierung des Staates aber wird auf sie früher oder später zukommen..

Diese unabhängige direkte Staatsfinanzierung wird unumgänglich, um beim


Übergang zu einer immer weiteren Digitalisierung der Wirtschaft und damit den
immer weitergehenden Verlust von  Arbeitsplätzen und Lohneinkommen  in der
Erwerbswirtschaft – sowie den weitgehend allein darauf aufbauenden Steuer- und
Abgabeerträgen.  Die Konsumeinkommen müssen dann anderswie bereitgestellt
werden. Eine Digitalsteuer auf die Unternehmen aber ist ein Nullsummenspiel,
wenn dann alles einmal digital produziert wird. Denn die Investitionen lösen sich
bisher nahezu in ihrer Gesamtheit in Lohneinkommen auf. Ein Lohnersatz aus der
Digitalsteuer kann jedoch nur deren Mehrkosten in den Verkaufspreisen abdecken,
aber nicht die Abschreibung der Investitionen.

Hier möchte ich anfügen:


Es geht nicht um die Finanzierung eines Grundeinkommens, sondern um mehr. 
Mehr deshalb, weil Arbeit nur Sinn macht, wenn sie sich in zielgerichteter und
sinnvoller Zusammenarbeit  manifestiert, die nicht nur belohnt, sondern auch
entlohnt wird. Nur dann erfüllt sich ja der Zweck des ganzen technischen
Fortschrittes.

Erwähnt sei noch, dass  die  hier vorgestellten Vorschläge  eine Fortentwicklung
des TAXOS-Vorschlages sind, der wiederum angeregt   wurde durch das Wörgler
Experiment im Jahr 1932,  das von Bürgermeister Alois Unterguggenberger
umgesetzt wurde, aufbauend auf den Gedanken von Silvio Gesell. Auch damals
wurden Arbeitsplätze in der Krise geschaffen und Lohneinkommen mit einem
eigenen Geld -  den Arbeitswertscheinen - finanziert, dass nicht aus Krediten der
Notenbank stammt.Es war die Gemeinde Wörgl, die dafür gutstand – sehr zum
Unmut der Österreichischen Nationalbank, die dann auch das Experiment Ende
1932 verbat.

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1.
Die ökonomische Lehre beschreibt Geld zuvorderst noch immer als Tauschmittel,
das der Staat zur Verfügung stellt, - Irgendwie – Und auch der Staat in all seinen
Institutionen sieht Geld als Tauschmittel, was in seiner Finanzgebarung, der
Kameralistik, zum Ausdruck kommt. Eine einfache Einnahmen - und
Ausgabenrechnung, die sich deutlich von der doppelten Bilanzbuchhaltung der
Wirtschaft unterscheidet. Keine Aktiva und keine Passiva, die sich
gegenüberstehen.

Diese aber finden sich in der Buchhaltung der Zentralbank. Deshalb darf die
Notenbank derzeit zwar Geld(scheine) als „wohl abgezählte Drucksorte“ (ÖNB)
„drucken“, aber diese sind solange nicht Geld als rechtsstaatliches
Wertdokument, als sie nicht über einen Kreditvertrag an eine Geschäftsbank oder
ein Unternehmen weitergegeben werden. Geld in seiner Gesamtheit entsteht
somit heute nur durch Verbuchung einer Schuld in der doppelten Buchhaltung:
Der Verbindlichkeit der Bank auf der Passivseite steht eine Forderung  der Bank
auf der Aktivseite gegenüber.  Wird die Schuld getilgt, verschwindet damit auch
das Geld. Dies gilt sowohl für die Zentralbank in ihrem Verhältnis zur
Geschäftsbank,  als auch für die Geschäftsbank in ihrem Verhältnis zu einem
Unternehmen.
Es ist das Geld der kapitalistischen Erwerbswirtschaft, die solches  Geld für die
Bildung von Sachkapital braucht. Ein Geld, das in der Lage ist, die Zeitdifferenz
zwischen der Investition in Sachkapital in der Gegenwart und der Rückerstattung
in Zukunft zu überbrücken. Wobei die Investition immer in einen Rückgriff auf das
gern schon Gefertigte mit Geld, das heute für die fertigen Produkte von morgen
bezahlt wird.
Dies ist ein Erkenntnis, die nur mit einem zeitbezogenen Zugang zum Verständnis
des Wirtschaftsablaufes Berücksichtigung findet. Damit kommt der Faktor „Zeit“
mit in die Betrachtung, der beim Tausch von Konsumierbarem gegen ebensolches
keine so entscheidende Rolle spielt. Es geht um die im Zeitlauf erfolgende
Erzeugung und Verwertung von Rohstoffen und Ressourcen über Halbfertigem bis
hin zu den Konsumprodukten in einer hoch arbeitsteiligen Wertschöpfungskette.

Mit der Zeit aber kommt auch das Vertrauen mit ins Spiel. Und damit das Geld,
das dieses Vertrauen  vermittelt:  Das Kreditgeld in Form einer Verbindlichkeit
eines Kreditinstitutes, der Bank, der eine Forderung der Bank – eine Schuld –
gegenübersteht. Diesen Kredit braucht es in einer liberalen, und nicht zentral

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gesteuerten – hoch arbeitsteiligen Wirtschaft, die allein das vielfältige
Innovationsvermögen der Menschen nutzt.

Dagegen gibt es nicht  das Geld als einfaches Dokument mit einem konkreten
Wertversprechen, aber ohne Schuld  - entweder als Geldschein oder als einfaches
Treuhandguthaben bei einer Bank.  Das, was jede/r an Geld hat, zeigt sich nur
mehr als Forderung gegen die Bank auf seinen Kontoauszügen aus der doppelten
Buchhaltung der Banken – einschließlich der Notenbank.

Es ist das Geld der kapitalistischen Erwerbswirtschaft, die solches  Geld für die
Bildung von Sachkapital braucht. Ein Geld, das in der Lage ist, die Zeitdifferenz
zwischen der Investition in Sachkapital in der Gegenwart und der irgendwie
unsicheren Rückerstattung in Zukunft zu überbrücken. Wobei die reale Investition
immer aus einem Rückgriff auf das gestern schon Gefertigte besteht, das mit Geld
für die Fertigung der Produkte von morgen bezahlt wird. Diese werden über alle
Stufen hinweg immer wieder gegen Geld verkauft, aber erst am Ende der
Wertschöpfungskette konsumiert.
Damit kommt der Faktor „Zeit“ mit in die Betrachtung des Wirtschaftsablaufes,
die beim Tausch keine so entscheidende Rolle spielt. Und damit auch das
Vertrauen. Und das Geld, das dieses Vertrauen  vermittelt:  Das Kreditgeld in
Form einer Verbindlichkeit seitens der Bank an den Bezahlten, dem eine
Forderung der Bank gegen den Kreditnehmer – eine Schuld – gegenübersteht. Die
Bank als Kredit-Institut in der Erwerbswirtschaft.

Da nun aber die Ausgabe von Geld als einfaches Wertdokument rechtlich
untersagt ist, wird der Staat gezwungen, sich über Steuern und Abgaben zu
finanzieren. Er betreibt ja keine Wertschöpfung, sondern stellt auf vielen Ebenen
institutionelle Strukturen, deren es bedarf, damit Märkte funktionieren, laufend
zur Verfügung.

Diese führt dazu, dass neben den reinen Herstellungskosten auch die Steuern und
Abgaben von der Wirtschaft vorzufinanzieren sind, damit dann damit der Staat
bzw. die bei ihm Beschäftigten der Wirtschaft ihre Produkte abkaufen können –
und die Wirtschaft mit den Verkaufserträgen die unter diesen Umständen
angefallenem Kreditschulden samt Zinsen wieder zurückzahlen kann.  Mit dieser
Methode aber macht sich der Staat in seiner  Finanzierung auch abhängig vom
Gedeihen und Wachstum der Wirtschaft. Er gerät in eine Falle: Entscheidende
Schritte in Richtung einer öko-sozialen Wirtschaft können oftmals dadurch
gegenüber dem Finanzbedarf des Staates zurückstehen.

Wir haben somit ein Geld, das als Kreditgeld in seiner ganzen Form zurecht
gerichtet ist für die kapitalistische  Erwerbswirtschaft, die das nahezu
unkontrollierte Wachstum der aus dem Nichts geschöpften Kredite für das
Wachstum der Geldmenge braucht.  Der Staat wird damit zum Gefangenen der
kapitalistischen Wirtschaft.

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Anzufügen bleibt: Das Tauschgeld ist ein Geld , das umläuft – so wie es immer
wieder dargestellt wird. Es ist immer wieder das gleiche Geld, das von Hand zu
Hand vorwärts in der Zeit läuft, mit dem die erzeugten Güter getauscht und
verteilt werden. Von A zu B zu C zu ….  Kreditgeld dagegen läuft zurück in der
Zeit, in dem mit neuem Geld von heute die Kreditschulden von gestern getilgt
werden. Und dieses neue Geld ist nicht einfach da. Es gibt es nur, wenn die
zukünftigem Erwartungen (Keynes) versprechen, dass dies immer so mit dem
Wachstum weiter geht.

Und weiters: Es ist grundsätzlich richtig, dass gespartes Tauschgeld in Form von
Darlehen aus Ersparnissen diese die Zeit überbrückende Funktion des Kredites
auch auch erfüllt.  Da aber hier immer nur schon vorhandenes Geld eingesetzt
werden kann, kann das kapitalistische  Verlangen, aus Geld mehr Geld zu
machen, nicht erfüllt werden. Wie ich aber unter Punkt 5.(ganz am Ende ) noch
zeigen werde, gibt es auch noch einen zeitlichen Grund, warum die Finanzierung
der Investitionen über Ersparnisse nicht funktioniert.

Da dieses Kreditgeld nun auch für die ganzen Lohnzahlungen der Unternehmen in
der  Wertschöpfungskette unumgänglich ist, wurde das einfache Tauschgeld, – das
sich beim Tausch nicht vermehrt -, klammheimlich beseitigt. Der  EZB ist es 
sogar mit Art. 123 AEUV untersagt, solches Geld an den Staat auszureichen. 
Wenn sie es trotzdem macht, dann nur auf mehr oder minder illegalen Wegen. 

Der Rechtsstaat ist damit zum Schäferhund der profitorientierten


Erwerbswirtschaft geworden, die ihn füttert, und er dafür die Lämmerherde
streng zusammenhält. Die Entwicklung des Sozialstaates bis heute hat schon mit
der Sozialgesetzgebung von Otto von Bismarck im Deutschen Reich  begonnen, mit
welcher der damals entstandenen Sozialdemokratie eine wichtige Forderung
abhanden gekommen ist. Dabei ist die nicht mit Geld belohnte Arbeit außen vor
geblieben. Erst jetzt in der Corona-Krise wird einigermaßen erkannt, wie
abhängig unsere Gesellschaft von der von der mit Geld entlohnten Erwerbsarbeit
geworden ist. Die Sozialdemokraten heute sind sich dieser nicht wirklich bewusst.
Die Sozialpolitik hängt vom Gedeihen des Kapitalismus ab.  Und auch die Grünen
sehen das nicht. In geldtheoretischer Hinsicht sind auch  sie vollkommen blind –
und erfassen nicht, dass auch sie stille Mithilfe  bei der Umweltzerstörung leisten
(sieh dazu das neue Grundsatzprogramm der Grünen-Liste 90), die durch den
Wachstumszwang angetrieben wird. Die Bundessprecherin Annalena Baerbock
stilisiert sich bei Anna Will als Verfechterin des wirtschaftlichen Wachstums in der
Uralt-Illusion, diese nachhaltig gestalten zu können. Aber auch diese Wachstum
kann sich nur in einem immer weiter wachsenden Konsum und
Ressourcenverbrauch erfüllen. Wenn Ilo Rau sagt; „Unsere komplette Demokratie,
unser kompletter Wohlstand ruhen – nicht ausschließlich, aber vor allem – auf
dem Geld von Großkonzernen.“, dann ist das zwar polemisch gesagt, trifft aber
doch den Nagel am Kopf. Wie viel Geld zr Verfügung steht, bestimmen vor allem
die großen Industriellen Investoren, und nicht der Staat. Der muss allerdings dann

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immer wieder den Notnagel abgeben, wenn das Spiel nicht mehr richtig läuft.
 
 Somit muss auch der Staat, der als Rechtsstaat dem Geld seinen Wert gibt, sich
selbst auch verschulden, wenn er neben den Einnahmen aus Steuern und Abgaben
zusätzliches Geld braucht. Üblicherweise erfolgt diese Geldaufnahme und
Verschuldung des Staates über den Verkauf von Staatsanleihen am Finanzmarkt,
die bei Staaten mit guter Bonität auch gerne als Wertanlage von Privaten gekauft
werden. Der Staat steht dafür mit Notenbankgeld gut, das er zwar selbst
hervorbringt, aber für den Zugriff darauf er sich trotzdem – paradoxerweise -
verschulden muss.
Was sich dagegen mit einer direkten Notenbankfinanzierung des Staates ändert,
ist der Umsatnd, dass nun auch das Notenbankgeld schon ad ovo ein
Wertdokument ist – so wie eine Staatsanleihe -, für das der Rechtsstaat gutsteht,
und nicht erst eine Verschuldung erforderlich ist, die den Geldschein oder das
Geldguthaben zu Geld macht. Heute  jedoch braucht es  erst die Staatsanleihe,
damit die Verbuchung des vom Staat entliehenen Geldes in der doppelten
Buchhaltung - als Scheinhandlung – möglich wird.  Der Erfüllungsinhalt der
Staatsanleihe ist ja Notenbankgeld, das aber erst durch die Staatsanleihe zu Geld
wird. Münchhausen, der sich am eigenen  Zopf aus dem Sumpf zieht!

Schulden können mit Geld ja nur dann wirklich getilgt werden, wenn Geld selbst
einen Wert hat, den ich gegen einen anderen Wert tauschen kann.  Diesen
verleiht ihm der Rechtsstaat mit seinem Machtmonopol – und tagtäglich die
Finanzbehörde, indem sie dieses Geld zur Bezahlung von Steuern und Abgaben
akzeptiert.
Damit aber Zahlungen mit diesem Geld gemacht werden können, müssen Banken
auch solches Geld in Form von Geldscheinen und Münzen, oder in in Form von
Geldguthaben bei der Notenbank, haben.

„Einlagen bei Banken


Gesicherte zinslose Kundeneinlagen auf Girokonten bei Geschäftsbanken würden durch
diese treuhänderisch verwaltet. Bei Ausfall einer Bank wären diese Kundengelder nicht
gefährdet, weil ein entsprechendes Guthaben bei der Zentralbank bestehen müsste.
Dazu wäre nicht erforderlich, dass die Zentralbank selbst individuelle Kundenkonten
führen würde. Sie könnte diese Aufgabe an die Geschäftsbanken delegieren. Alternativ
könnten Kunden wie bisher der Geschäftsbank Geld zu einem durch diese definierten
Zins auf einem Sparkonto überlassen. Die Bank könnte diese Gelder für Ausleihungen
nutzen. In diesem Fall bestände jedoch wie bisher das Gegenparteirisiko bei der
entsprechenden Geschäftsbank“. https://www.wikiwand.com/de/Vollgeld-System
 
Nun scheint es aber, dass das Kernanliegen des Neoliberalismus die Bemühung
war und ist, die monetäre Staatsfinanzierung zu verhindern, um mit der
derzeitigen Methode der Staatsfinanzierung über Steuern und Abgaben (die bis zu
zwei Drittel auf den Lohnkosten lasten), den Staat zum Gehilfen der
kapitalistischen Erwerbswirtschaft zu nötigen. Denn die funktioniert nur, wenn sie
wächst – wenn aus Geld mehr Geld gemacht wird. Das nennt sich dann
Wertschöpfung. Und die läuft über die Umwandlung von Natur in Geld. Der Staat

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muss da mitmachen – und tut es auch!  Der New Green Deal der EU ist daher auch
nichts anderes als eine Hilfestellung seitens des Staates. Und „Green“ damit
weitgehend nur ein Schmuckwort
Mit einer richtig angewandten  monetären oder direkten Staatsfinanzierung kann
sich dagegen der Staat – und insbesondere der Sozialstaat – aus dieser
Abhängigkeit befreien. Er ist nicht mehr darauf angewiesen, dass die Wirtschaft
schon alleine deshalb kräftig wachsen muss, damit auch der Staat zu seinen
Geldeinnahmen kommt.
 
Mit dieser Finanzierung  der gesamten öffentlichen Hand kann dagegen der Staat
unabhängig bestimmen, wie hoch dann die gesamte Konsumnachfrage – die sich
aus den Einkommen der in der Erwerbswirtschaft Beschäftigten, und dem
Einkommen der Beschäftigten der öffentlichen Hand bestimmt – am Ende der
ganzen Wertschöpfungskette wird. Und der ein ausreichendes, aber nicht durch
Werbung aufgezwungenes Angebot an Gütern und Leistungen gegenübersteht,
das  durch die Erwerbswirtschaft bereitgestellt wird – weiterhin angetrieben
durch das Verlangen, aus Geld  mehr Geld zu machen,
 
 
3.
Worauf nochmals deutlich hinzuweisen ist; Es geht allein um die Finanzierung des
Staates und seiner ureigensten Aufgaben. Worum es aber gerade nicht geht, ist
eine staatliche Subventionierung der kapitalistischen Erwerbswirtschaft. Diese
Vorstellung spricht dabei beispielsweise aus einem Beitrag in der Süddeutschen
Zeitung mit dem Titel; „Rolle der Notenbanken:“Direkte Staatsfinanzierung ist
brandgefährlich“ Dort heißt es u.a.:

„Was der Brite  (gemeint ist Adair Turner) vorschlägt, unterscheidet sich grundlegend
von der jetzigen Praxis der EZB. Gegenwärtig kauft die Zentralbank große Mengen an
Staatsanleihen aus dem normalen Markt, also von Investoren und nicht in den
Regierungen direkt. Damit "druckt" sie zwar auch Geld, wie es immer heißt, im
übertragenen Sinne jedenfalls. Sie kann dies Geld aber auch jederzeit wieder
vernichten, wenn sie will. Dazu muss sie lediglich die Anleihen wieder verkaufen.
Bei direkter Staatsfinanzierung geht das nicht. Das Geld ist für staatliche Projekte fest
gebunden, die Geldschöpfung dauerhaft. Es ist offenkundig, dass dem Missbrauch hier
Tür und Tor geöffnet werden. Geld drucken in diesem Sinne ist für alle Beteiligten
unglaublich bequem, anfangs wenigstens. Die Quittung kommt immer hinterher.
Besonders Deutschland ist in dieser Hinsicht traumatisiert. Die Hyperinflation des Jahres
1923, eine der schlimmsten der Geschichte, war das Ergebnis direkter
Staatsfinanzierung. Die Nationalsozialisten finanzierten nach 1933 den Aufbau der
deutschen Kriegsmaschine mit Wechseln einer Scheinfirma namens Metallurgische
Forschungsanstalt. Die berüchtigten "Mefo-Wechsel" wurden bei der
Reichsbank diskontiert.“

Beide hier erwähnt Maßnahmen  erfolgten unter jeweils ganz anderen


historischen Umstanden: In den 1920-iger Jahren im Zusammenhang mit den
gigantischen Reparationsleistungen des Deutschen Reiches als Besiegte des 1.

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Weltkrieges, bzw. in der Folge der Deflationskrise nach dem Jahr 1928, wo das
damit neu geschöpfte Geld nicht für zivile öffentliche Projekte eingesetzt wurde,
sondern für die Wiederaufrüstung unter Hitler.
Hier und heute ist die Warnung „brandgefährlich“ vor einem andern Hintergrund
zu sehen. Wenn etwas brandgefährlich ist, dann die  anstehenden Bedrohungen
aus der Umweltzerstörung, und nicht durch die notwendigen  Schritte, die auch
die Neuordnung unseres Geld- und Finanzierungswesens betreffen.  Auch wenn 
hier Fehler passieren, so sind diese im Gesamtzusammenhang  viel weniger
brandgefährlich als die drohende endgültige Zerstörung unserer 
Lebensgrundlagen.
 
 
4,
Mit dem Vorschlag der direkten Staatsfinanzierung sollte es deshalb  gerade nicht
um die Finanzierung von  Projekten im Rahmen des New Green Deal - und damit
der kapitalistischen Erwerbsarbeit - gehen. Vielmehr geht es hier um  die
Finanzierung der ureigensten staatlichen Aufgaben, welche die kapitalistische
Erwerbswirtschaft erst ermöglichen, aber auch zügeln können – allem voran der
Rechtsstaat  und ein darauf aufbauendes Geldsystem, das erst die Verwirklichung
der tiefen Wertschöpfungsketten der Erwerbswirtschaft möglich macht. 
Was heute wirklich benötigt wird, dazu zählen vielmehr und  zuvörderst auch
Ausgaben für das Gesundheits- und Pflegewesen, für die staatlichen Schulen und
anderen Bildungs- und Forschungsinstitutionen, sowie für Einrichtungen  der Ver-
und Entsorgungsinfrastruktur..

Hier erfüllt sich auch nicht das letzte Ziel der Erwerbswirtschaft, die sgn,
„Wertschöpfung“ - aus Geld mehr Geld zu machen. Wobei diese Art von 
„Wertschöpfung“ bereits die Unternehmen der industriellen Großunternehmen
hinter sich gelassen hat und sich mit Investitionen im US-Dollar dominierten
globalen Sektor des Nicht-BIP Finanzkapital austobt, wie nicht nur Joseph Huber2
meint. Dies zeigt sich insbes. in den Wertpapier- und Immobilienspekulationen,
die mit dem Geld aus dem „Quantitativ Easing“ der EZB angefüttert werden.
 
Vielmehr geht es hier und handfeste reale Dinge und Leistungen: Es sollen damit
dringend nachgefragte Dauerarbeitsplätze in der Sozialwirtschaft geschaffen
werden, und damit rasch dann auch ein entsprechendes Nachfragepotential  im
Konsumbereich., Dieses wird zwar über Investitionen in den technischen
Strukturwandel zur Erreichung einer CO2-freien Energieversorgung bislang auch
angedacht , wird, aber bestenfalls erst in Jahren nach Entwicklung und Planung
dieser Anlagen zur Schaffung von vielen neuen Industrie-Arbeitsplätzen und
breitem Lohneinkommen führen. In der Sozialwirtschaft dagegen sind zwar auch
Ein- und Umschulungen erforderlich, die aber auch rascher und einfacher zu
Lohneinkommen aus staatlicher Finanzierung führen. 

Und ganz wichtig: Dieses Geld läuft immer wieder zum Staat zurück.  Die
Direktfinanzierung des Staates entledigt die Erwerbswirtschaft nicht von der

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Steuer - und Abgabenleistung. Sie erfolgt hier in Form von Produkten und
Leistungen vor allem an alle Haushalte – also sowohl die, die ihre Einkommen von
den Unternehmen beziehen, die  die Waren und Leistungen produziert haben, als
auch denen, die ihre Einkünfte für die Bereitstellung Dienste und Leistungen des
Staates erhalten.

Da diese  wiederum die Grundvoraussetzung für das Funktionieren der


Erwerbswirtschaft sind, steht diesen Beschäftigten auch ein entsprechender
Anteil an dem daraus hervorgegangenen materiellen Sozialprodukt etwa im
Verhältnis der Höhe der direktfinanzierten Haushaltseinkommen  der öffentlich
Beschäftigten zur Höhe der Gesamtsumme der beiden Einkommensarten. In etwa
deshalb, weil, um es an eine Beispiel zu zeigen, bei einem Anteil der
Erwerbswirtschaft an der Gesamtkonsumnachfrage in Höhe von  etwa 55%   und
einem Durchschnittsgewinn von 3 - 4  Prozent die Erwerbswirtschaft etwa 58 %
der Gesamtnachfrage für sich beanspruchen kann, und der Staat nur 42 %
zurückerhält – somit zumindest  2 .3% neu zuschließen muss. Dieser Gewinn wird
dann weiter mit der Körperschaft-  bzw. Einkommenssteuer belastet.

5.
Dem gegenüber steht – wie schon angedeutet - dann die Erwerbswirtschaft, die
weiterhin eine kapitalistische bleibt. Sie wird  aber nicht so  wie bisher mit Geld
aus der Kreditschöpfung von Geschäftsbanken, also Geschäftsbankengeld,
finanziert,  sondern nur mit Notenbankgeld, das über Kredite in Notenbankgeld,
die Geschäftsbanken als verlängerter Arm der Notenbank ausreichen, und für den
Kapitaleinsatz zur Verfügung steht.   

„Kreditvergabe
Kredite könnten von Geschäftsbanken nur mit Geld vergeben werden, welches sie sich
bei der Zentralbank ausgeliehen hätten, ihnen auf verzinsten Kundenkonten überlassen
würde oder ihnen durch Aufnahme am Kapitalmarkt zugeflossen wäre. Jede Bank würde
unabhängig entscheiden, an wen sie zu welchen Bedingungen Kredite erteilen würde.
Dafür trüge die Bank das alleinige Risiko. Falls ein Kreditinstitut durch ungeeignete
Direkt Kreditvergabe in Schwierigkeiten geriete, wäre eine Abwicklung einfacher. Die
Girokonten außerhalb der Bankbilanz und die Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs
ließen den Ausfall eines Institut verkraften.“ .(https://www.wikiwand.com/de/Vollgeld-
System)
 
Notenbankgeld,  das sich die kapitalistischen Erwerbsunternehmen über Kredite –
und damit über Verschuldung – besorgen,, und im direkten und im
Zahlungsverkehr zwischen den den Unternehmen der ganzen Wertschöpfungskette
von der Rohstoffgewinnung bis zum Konsumhändler einsetzen. Direkt beim
Zahlungsverkehr zwischen Käufer und Verkäufer von Vorprodukte, indirekt beim
Verkäufer von Konsumprodukten über die Lohnzahlungen an die Beschäftigten,
die in Form eins Tausches erfolgen: Der Tausch Lohnarbeit gegen Geld , und der
Tausch Geld gegen Konsumprodukte.

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Der Lohnarbeiter tauscht also seine Arbeitskraft gegen Geld – und tauscht dann
das Geld gegen Konsumprodukte - so wie es die öffentlich Bediensteten mit ihren
Bezügen in Tauschgeld tun. Tauschgeld ist das übliche Geld der Haushalte, die es
für ihren Konsum ausgeben. Haushalte können aber auch sparen, einen Teil ihres
Geldes sparen – und in Form von Darlehen am anderer Haushalte verleihen, die
das Geld für größere Anschaffungen brauchen. Oder auch Rücklagen bilden
wollen, und mit dem Tauschgeld Wertpapiere kaufen. Das Kreditverhältnis
überträgt sich jedoch nicht hierher.
 
Dieses Kreditverhältnis  gehört somit allein zu den Unternehmen der
Erwerbswirtschaft, die die Lohnbezieher von der immer weiter laufenden
Kreditaufnahme  - damit Verschuldung . befreien, was zur Attraktivität der
kapitalistischen Lohnarbeit beiträgt . Auch wenn Marx von „Lohnsklaverei“
spricht. Viele Kleinbauern wurden nach 1945 zu Industriearbeiter (und
Nebenerwerbsbauern):.Sie wollten „Geld verdienen“ - und nicht mehr
weitgehend nur in Subsistenz leben.

Im Innenbereich der Wertschöpfungskette – also zwischen den Unternehmen - ist


das Kreditgeld erforderlich. Es braucht Vertrauen, dass in der ganzen
Wertschöpfungskette - immer etwas erzeugt wird, das weiterverkauft werden
kann. Und dann ganze am  Ende verkauft werden kann, das verkonsumiert wird,
das - im wahrsten Sinn des Wortes – VERbraucht wird. Dort löst sich auch die
ganze, bis hierher angehäuften Schuld auf – allerdings nur dadurch, dass
vorauseilend schon neue Schulden gemacht - und neues Geld geschaffen wurde..
Denn der Unternehmer, der investieren will, braucht dabei das Geld schon, bevor
er einen Kauf tätigt. Nur so kann er den Verkäufer von der Schuld erlösen, die
dieser eingegangen ist, um das zu verkaufende Produkt herstellen zu können.
Denn selbst wenn das zurückgezahlte Geld nicht vernichtet 1 würde, wäre es erst

1
Kreditnehmer gestern: A nimmt Bargeldkredit von Bargeldsparer a
und zahlt damit seinen Vorproduktlieferanten Z
 
Kreditnehmer morgen: B nimmt Bargeldkredit von Bargeldsparer b
und kauft damit das Produkt des A.
 
B kauft A morgen sein Produkt ab – und zahlt mit dem Geld, das er von b schon vorher
geborgt hat. Der b hat nun in seinem Depot statt des Bargeldes eine Forderung gegen
B.in gleicher Höhe.
Erst jetzt kann B dem A sein Produkt bezahlen. Und erst in weiterer Folge kann A die
Forderung des a einlösen,
 
Das Bargeld ist also erst übermorgen wieder im Depot des a. Und erst jetzt kann a das
Bargeld wieder verborgen. Und dieses Geld ist nicht genau das Geld, das a geborgt hat,
sondern des Geld, das b geborgt hat.
 
Das Ganze spielt sich in gleicher Form, jedoch mit mehr Zwischenschritten, ab, wenn
das ganze über eine oder mehrere Banken läuft. Entscheidend ist immer, dass der

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nach der erfolgten Tilgung-Rückzahlung da. (Fn 1)

Und nur durch die Kreditaufnahme des Arbeitgebers kann der Lohnempfänger den
Detailhändler von den Schulden befreien, die bis zu ihm über die ganze
Wertschöpfungskette angehäuft wurden. Aber das geht nur dann, wenn im Voraus
neu geschöpftes Geld geschaffen wurde, mit dem in jeder Wertschöpfungsstufe 
die alten Schulden  getilgt werden.   Diese Kreditgeld läuft also nicht vorwärts in
die Zukunft, sondern zurück in die Vergangenheit. Was weitergeben wird, sind die
Schulden – und zwar jeweils höhere Schulden, als zuvor. Auch am Ende  beim
Konsum braucht es mehr Geld, das aus der Wertschöpfung der nächsten Periode
kommt, um die Konsumgüter nicht nur schuldtilgend, sondern vielmehr
gewinnbringend verkaufen zu können.

6.
Zwischen diesen beiden Einkommensströmen – dieser des Staates und dieser der
Erwerbswirtschaft, sowie den beiden Nachfragen nach Arbeitskräften ist nun in
weitere Folge ein gesundes Gleichgewicht am Arbeitsmarkt durch die Politik zu
schaffen. Für beide Bereiche müssen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung
stehen. Eine Aufgabe auch der Geldpolitik. Diese kann aber nicht nur von der
demokratischen Politik allein gesteuert werden. Es erfordert darüber hinaus die
Kontrolle von einer unabhängigen, einer vierten Staatsgewalt, einer Monetative,
die die politischen Entscheidungen beeinspruchen kann. Es geht hier vor allem um
die Vermeidung einer störenden inflationären Entwicklung, die ja die neoliberale
Seite immer wieder als Gegenargument gegen die direkte Staatsfinanzierung
vorbringt.
Die gegenwärtige Geldschwemme wird aber gerade mit Art 123  AEUV gefördert,
So schreibt Josef Huber:
„Mit Art. 123 (1) AEUV wird bezüglich der Staatsfinanzierung die staatliche Geldhoheit
auch formalrechtlich außer Kraft gesetzt zugunsten der de facto schon länger
bestehenden Giralgeldhoheit der Banken. Man könnte meinen, die Bankenlobby habe
diesen Artikel gemacht. Die EU-Mitgliedstaaten haben dem Artikel jedenfalls zugestimmt
und damit praktisch der Preisgabe ihrer monetären Souveränität und ihrer einseitigen
finanziellen Abhängigkeit von Banken und dem Anleihemarkt. Es ist das
Giralgeldmonopol des Bankensektors, das monetär alles weitere pro-aktiv festlegt, im
besonderen auch die re-aktive und residuale Bereitstellung von staatlichen Münzen
sowie Banknoten und Reserven der staatlichen Zentralbanken bzw der EZB.“
(https://vollgeld.page/verbot-der-direkten-zentralbank-staatsfinanzierung
 
Die gesamte den  Konsum nachfragende Geldsumme kommt also aus zwei
unterschiedlichen Quellen.
folgende Kreditnehmer auf anderes Geld zurückgreifen muss, um die Kreditschulden zu
tilgen, weil der A sein mit dem Kredit aufgenommene Geld an den Z gezahlt hat, von
dem er sein Vorprodukt kaufte, oder dem er Lohneinkommen zahlte.
 
Tatsächlich wird nicht zur Kreditvergabe nicht auf Spargeld zurückgriffen, sondern auf
neues Geld der Zentralbank aus einem ZB-Kredit.

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Die erste Teilsumme – die des Staates - jedoch wird erst in der Finalstufe der
Wertschöpfung  beim Verbrauch des  bis hier Erzeugtem durch die privaten und
öffentlichen Haushalte preiswirksam und führt zu Verbraucherpreisen weit über
den Herstellungskosten, die aber in etwa den heutigen entsprechen. Die heutigen
Aufschläge auf die - vor allem – Lohnkosten werden ja in der Pilotphase „nur“
ersetzt durch die Beiträge aus der Direktfinanzierung..  Diese Beiträge schlagen
sich nun aber nicht in den Fertigungskosten nieder, was wiederum heißt: Der
daraus resultierende Scheinertrag muss abgeschöpft werden, was nicht anderes
heißt, als dass die Beiträge aus der Direktfinanzierung mit Tauschgeld wieder an
den Staat  als Nachweis der Erfüllung der Steuern und Abgaben  in realen
Produkten und Leistungen, zurückgeführt wird. Womit dieses weiter umlauft.
Es sei erinnert:  Mit der Tilgung der Kreditschulden – den Forderungen der Bank –
gehen auch die Verbindlichkeiten der Bank an diese zurück – Damit aber
verschwindet dieses Geld, diese Verbindlichkeit der Bank  mit deren Forderung.
Damit dies aber möglich ist, muss vorauseilend  sich aber ein Anderer sich
verschulden, um damit an den Einen durch den Ankauf seiner Produkte das Geld
für die Entschuldung  übertragen zu können.
 
Größenordnungsmäßig liegt der Anteil des Staates am monetären Sozialprodukt
über die Aufschläge auf die „reinen“  Herstellung bei 45 bis 50 Prozent. Damit ist
dann auch die Höhe dieser Abschöpfung definiert 
Das führt nun dazu, dass der Faktor Arbeit nicht mehr so einseitig belastet wird,
sondern die Abgabe auf alle  Produktionsfaktoren gleichmäßiger aufgeteilt
werden.
Dieses Tauschgeld wird vom Staat leihweise als eine Art Leih-Werkzeug 
kostenfrei zur Verfügung gestellt, und nach dem Tausch wieder vom Staat als
Nachweis der erbrachten Steuer-und Abgabeleistungen zurückverlangt. Im
Gegensatz zum Kreditgeld – siehe weiter unten - wird also das Tauschgeld nicht
vernichtet, Der Staat kann es deshalb in der Folge wieder im gleichen Sinn
nutzen. Hier – und nur hier - gibt es also den immer wieder das, was in der
klassischen Volkswirtschaftslehre immer als „Geldumlauf“ bezeichnet wird.
 
Diesen Geldumlauf aber gibt es nicht bei der zweiten Teilsumme des Geldes, das
aus der Erwerbswirtschaft kommt. Diese entsteht – um es noch einmal zu
eindringlich betonen - aus einem Kredit, der später an den Kreditgeber
zurückzuzahlen ist, Damit wird dessen Forderung getilgt – also auf Null gesetzt – ,
damit aber auch die Verbindlichkeit des früheren Kreditgebers als das von ihm aus
dem Nichts geschöpftem Geld.
Diese Rückzahlung an den alten Kreditnehmer aber ist nur möglich, wenn der
neue Kreditnehmer wieder etwas erzeugt, das er gegen diese Summe Geld plus
einem monetären Mehrwert verkaufen kann. Dabei wir das alte Geld vernichtet
und durch mehr neues Geld mehr als ersetzt.  Also gewinnbringend! Dazu aber
braucht es in der Folge immer wieder eines weiteren Investors, der  über einen
„neuen“ und höheren Kredit jene Geldmittel bereitstellt, die für diesen Kauf
erforderlich sind.  Das heiß aber auch, dass die Schöpfung des „neuen“ Geldes,
das das „alte“ersetzt, zeitlich VOR der Tilgung des „alten“ Kredites erfolgen

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muss.  Also vorauseilend!!. Erst dann kann der Verkäufer seinen Kredit tilgen,
nachdem der Käufer bezahlt hat.

Das Geld läuft damit nicht „vorwärts“ in der Zeit, sondern läuft es „rückwärts“.
Was „vorwärts“ in die Zukunft läuft, sind die Kreditschulden – sie werden
weitergegeben - und dabei auch vermehrt. So ist die Zukunft immer wieder schon
vom Heute zwanghaft vorbestimmt.

Was aber mit der beschriebenen Trennung der Zahlungsströme nun erreicht
werden kann, ist:  Dias Investitionsrisiko sowie Zinsen und der Gewinn leiten sich
jetzt nur noch  aus  dieser zweiten Teilsumme, den „reinen“ Herstellungskosten,
ab, wodurch der Zwang zum Wirtschaftswachstum zwar nicht beseitigt, aber doch
stark reduziert wird. Diese Reduzierung aber  ist auch deshalb möglich, weil sich
der Staat aus der Abhängigkeit von der Finanzierung durch die  kapitalistische
Erwerbswirtschaft befreit hat-
 
 
7.
Nun birgt der  Übergang von der alten Finanzierungsmethode des Staates in die
neue sicher etliche Unwägbarkeiten.  Er wird deshalb auch nur in mehreren
Lernschritten möglich sein.
Vorgeschlagen wird deshalb , mit der Finanzierung des Sozialstaates zu beginnen,
dessen Anteil am Gesamtbetrag der derzeitigen öffentlichen Steuern und 
Abgaben etwa in Höhe von 33 Prozent liegt. Werden diese 33 Prozent direkt
finanziert,  dann sind sie am Ende der Wertschöpfungskette beim Konsum -  wo
sie erst wirksam werden - auch wieder abzuschöpfen. Man könnte dies auch
„Konsumabgabe“ nennen. Ich aber schlage „Sozialabgabe neu“ vor.  Während die
erstere Bezeichnung eher nach Strafe schmeckt, ist zweiteres eher mit positiven
Konnotationen verbunden.
Diese „Sozialabgabe neu“, deren Summe der Summe der Direktfinanzierung
entspricht - und im ersten Schritt sich in der Höhe  an der heutigen Höhe der 
Sozialabgaben orientieren sollte. Zusammen mit dem Abzug der Aufwendungen
für den Fertigungsaufwand vom Primärertrag ergibt sich dann der Rohertrag des
Unternehmens, der der Körperschaftssteuer unterliegt. Der Fertigungsaufwand
wiederum enthält mit Ausnahme der gesamten heutigen Sozialabgaben auch alle
übrigen Steuern und Abgaben.  Diese Sozialabgaben – auch wenn als
Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil „sozialpartnerschaftlich“verbrämt – muss ja
heute der Arbeitgeber finanzieren.
 
Zu den Zielen dieser Maßnahmen[ gehört aber auch die politische Kontrolle über
das, was überhaupt erzeugt wird, Der Staat kann sich nun erlauben, die
Herstellung und den Vertrieb von Produkten, die umwelt- oder sozial schädlich
sind, zusätzlich durch Lenkungsabgaben zu versteuern bis verbieten. Erst damit
wird eine ökosoziale Weiterentwicklung möglich. Dies Lenkungsabgaben oder
-steuern werden damit überhaupt die Mehrheit der Steuern und Abgaben bilden,
da ja der Bedarf an Ertragssteuern und -abgaben durch die

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Notenbankfinanzierung stark zurückgehen wird, Die Lenkung kann nun ihr
Hauptzweck sein, unbeeinflusst durch ein Ertragsziel.
 
 
8.
Abschließend ist  zu bemerken, dass dieser Übergang schon irgendwie begonnen
hat. Ja. Irgendwie!
Um all die Ausgaben der EU-Staaten zur Überwindung (nicht nur) der Coronakrise 
bezahlen zu können, verschulden sie sich durch Kreditaufnahmen in einer
aberwitzigen Billionenhöhe, -  und  keiner der Politiker weiß so recht,wo dieses
Geld daraus wirklich herkommt – angeblich aus den Ersparnissen -, und wie diese
Schulden je zurückgezahlt werden können. So werden neue direkte EU-Steuern
ventiliert. Wie etwa eine Plastikabgabe für nicht weiter verwertete Plastikabfälle
– bei der man eigentlich nicht weiß, was sie bewirken soll: Soll es Ertragsabgabe –
oder eine Lenkungsabgabe sein?  Finanzminister Scholz setzt auf „Wachstum“.

Tatsächlich aber sind diese Schulden eine Fiktion. Das Geld kommt nicht aus
Ersparnissen, also aus Geldern, die nicht für den Konsum verwendet wurden,  Das
Geld, das aus diesen „Schulden“ hervorgeht, wird von der EZB durch
Bilanzverlängerung aus dem „Nichts“ geschöpft. Dazu heißt es in´den Beitrag von
Dr. Nicolas Afflatet ,  Parlamentarischer Assistent im Europäischen Parlament in
Brüssel.  

„Bereits am 26. April 2018 hatte darüber hinaus der damalige EZB-Vizepräsident Vitor
Constâncio auf einer Pressekonferenz Zweifel daran geäußert, dass die Zentralbanken
jemals zu Vorkrisenzeiten mit kleinen Bilanzsummen zurückkehren würden. An einen
Abbau der Anleihebestände ist auf absehbare Zeit somit nicht zu denken. Constâncios
Aussage lässt sogar den Schluss zu, dass das Eurosystem mindestens einen Teil der
Staatsschulden dauerhaft in seinen Büchern halten wird. Die Anleihekäufe kämen dann
einem dauerhaften Schuldenschnitt gleich, weil die Zinserträge aus den vom Eurosystem
gehaltenen Anleihen jedes Jahr zurück an die Finanzminister gehen würden. Diese
Staatsschulden wären also faktisch gestrichen. Selbst wenn man der EZB benevolent
unterstellt, dass sie mit dem Anleihekaufprogramm ihr Inflationsziel erreichen will, wäre
das ein weiterer Beleg dafür, dass sie mit dem Public Sector Purchase Programme
mindestens gleichberechtigt „monetäre Fiskalpolitik“ betreibt.“.
(https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2019/heft/8/beitrag/staatsfinanzierung
-durch-geldpolitik.html

In den nun  hier vorgestellten Überlegungen geht es aber gerade nicht darum. Es
geht nicht um Kredite von der EZB an die EU. Es geht, wie beschrieben, um die
direkte Finanzierung des Staates  und seiner unumgänglichen Aufgaben mit einem
Tauschmittel, das den geordneten Austausch seiner Leistungen gegen Produkte
der Wirtschaft erlaubt.. Damit erst wird es möglich, dass die Politik über der
Wirtschaft steht, und diese maßgeblichen Einfluss auf deren Gestaltung gewinnt.
 
Linz, November 2020

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