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Übersichtsblatt Stilmittel

STILMITTEL

auch: rhetorische Mittel, Redefiguren, Stilfiguren

ANALOGIE Vergleich: Er hat gekämpft wie ein Löwe. Nicht zu verwechseln mit der
→Metapher

ANADIPLOSE Wiederholung. Wiederholung des letzten Wortes bzw. der letzten Wortgruppe
eines Satzes (oder Verses) am Anfang des folgenden Verses oder Satzes: Sein
Mantel war aus Eisen, / Aus Eisen sein Habit

ALLEGORIE Verbildlichung, weiter ausgeführte →Metapher, z.B.: auf dem Theater dieser
Welt sind alle Menschen Spieler; mancher bekommt die Rolle eines Königs,
mancher die eines Bettlers…

ALLITERATION Stabreim. Zwei od. mehrere aufeinanderfolgende Wörter besitzen den gleichen
Anfangslaut, z.B.: Kind und Kegel, Haus und Hof, auch: Geiz ist geil…Der
Stabreim war die übliche Reimform der germanisch-heidnischen Dichtung.

AKKUMULATION Um stärkere Bildhaftigkeit zu erzeugen, werden anstelle eines Oberbegriffes


mehrere Unterbegriffe verwendet: Feld, Wald und Wiesen (statt Natur).

ANAKOLUTH Satzbruch: Ein Satz wird begonnen und plötzlich in anderer Weise fortgesetzt:
Es ist zwar teuer und es ist klein.

ANAPHER Wiederholung eines od. mehrerer Wörter am Beginn von Sätzen oder Satzteilen,
z.B.: das Wasser rauscht, das Wasser schwoll… Gegenteil der →Epipher

ANTITHESE Entgegenstellung. Kombination gegensätzlicher Gedanken. Dient der Kontrast-


ierung: Er konnte alles, aber er konnte dies nicht; was dieser heute baut, reißt
jener morgen ein…

APORIE Ratlosigkeit. Nur in der Rede: vorgebliche Verlegenheit, Zweifel bzw. fingierte
Bitte um Hilfestellung beim Publikum. Der Redner wirkt dadurch bescheiden,
problembewusst und aufrichtig.

APOSIOPESE Verstummen. Ein begonnener Satz wird plötzlich nicht zu Ende geführt. Der
Adressat muss ihn selbst ergänzen, wodurch auch unangenehme Dinge leichter
angesprochen werden können: Ist das etwa die Person, mit der mein Sohn…?

APOSTROPHE Abwendung. Z.B. Anrede von Abwesenden, Göttern, Dingen…

ASSONANZ Gleichklang zwischen mehreren Wörtern, die sich auf die Vokale beschränkt,
z.B.: Ottos Mops kotzt… nicht zu verwechseln mit der →Alliteration

Stilmittel 1 Martin Windischhofer


Übersichtsblatt Stilmittel

CHIASMUS Überkreuzstellung: Satzglieder werden kreuzweise entgegengesetzt: Die Zeit ist


kurz, lang ist die Kunst / der Fromme liebt jeden, niemanden der Böse…

CONCESSIO Zugeständnis. Einer Gegenposition wird scheinbar recht gegeben oder sogar Lob
erteilt, oder es werden eigene Fehler eingeräumt. Später wird die Gegenposition
mit starken Gegenargumenten attackiert. Der Redner wirkt aufrichtig und
glaubwürdig.

ELLIPSE Aussparung. Auslassung eines Satzteiles. Emotionen können so verdichtet


transportiert werden: Wer? Ich! Je schneller, desto besser.

EMPHASIS Etwas mit Nachdruck betonen: Dies und nur dies habe ich gemeint!

ENUMERATIO Aufzählung: Wein, Weib und Gesang!

EPANALEPSE Wiederaufnahme. Ein Wort oder eine Wortgruppe wird mit etwas Abstand
wiederholt: Und atmete lang und atmete tief.

EPIPHER Wiederholung eines od. mehrerer Wörter am Ende von Sätzen oder Satzteilen,
z.B.: Ende gut, alles gut. Gegenteil der →Anapher

EUPHEMISMUS Beschönigung. Kann sowohl der Höflichkeit dienen, als auch der Abschwächung
eines unangenehmen Sachverhaltes, der in ein anderes Licht gerückt werden soll,
z.B.: ältere Dame (alte Frau), vollschlank (dick), Null-Wachstum (wirtschaftliche
Stagnation), Seniorenresidenz (Altersheim).

EXCLAMATIO Ausruf. Emotionalität, die auch beim Publikum erzeugt werden soll, z.B.: Mein
Gott! Wer kann so etwas wollen? Grauenhaft!

EXEMPLUM Beispiel. Ausführung eines konkreten Falls.

HOMONYME Wörter mit gleichem Klang, aber anderer Bedeutung, z.B.: Schloss (als
Türverriegelung, als herrschaftlicher Wohnsitz)

HYPERBEL (griech.: Wurf über das Ziel) Bewusste Übertreibung. Verstärkt eine Aussage,
wodurch sowohl witzige, anschauliche oder abwertende Effekte erzielt werden
können, z.B.: blitzschnell; ein Meer von Tränen; es war kleiner junger Mensch,
so dünn, dass die Sterne durchschimmern konnten...

INDIREKTER Unzulässiges Mittel: Jemand wird mit einem Begriff oder Sachverhalt in
ANGRIFF Verbindung gebracht, indem man eben diese Verbindung bestreitet. Beim
Zuhörer bleibt sie jedoch unbewusst erhalten. Beispiel: Ich halte Sie nicht für
geldgierig…

Stilmittel 2 Martin Windischhofer


Übersichtsblatt Stilmittel

INVERSION Umstellung des üblichen Satzbaus: Unmöglich ist’s! (statt: es ist unmöglich)

IRONIE Gegensatz von wörtlicher und wirklicher Bedeutung, z.B.: schöne Bescherung!
Das hab' ich mal wieder toll gemacht!

KATACHRESE Falscher Gebrauch von →Metaphern: Auch ein blindes Huhn legt mal ein Ei /
reinen Tisch einschenken / etwas mit eigenem Fleisch und Blut erleben…

KLIMAX Steigerung. Kann sich sowohl auf den Gesamtaufbau einer Rede oder eines
Textes beziehen (z.B. Argumente) oder auch auf Formulierungen: Heute back
ich, morgen brau ich, übermorgen... / Das war gemein, fast schon bösartig…
Gegenteil: Antiklimax: Senkung. Z.B. für einen effektvollen Schluss.

LITOTES Eine Form der Untertreibung (→Understatement), bei der durch Betonung eines
Gegenteils etwas betont wird: nicht übel, nicht gerade tapfer…

METAPHER Eine Metapher ist ein Ausdruck, der nicht wörtlich, sondern im übertragenen
Sinn verstanden wird, z.B.: Wüstenschiff (Kamel), Zahn der Zeit (Verfall), leeres
Stroh dreschen (inhaltslos reden). Eine falsch gebrauchte Metapher ist eine
→Katachrese. Nicht zu verwechseln mit der →Periphrase oder der →Analogie.

NEOLOGISMUS Wortneuschöpfung: Angewendet v.a. in der Lyrik und in der Werbung, z.B.:
sämmertliche Eigenwäscher (Ernst Jandl), heute schon geschweppt? (Werbung)

OBSECRATIO Beschwörung: um Himmels Willen!

ONOMATOPOESIE Lautmalerei: Wiedergabe nichtsprachlicher Laute, z.B.: Muh!, Kuckuck!, Peng!,


murmeln, rascheln…

OXYMORON Scharfsinnige Dummheit. Sich scheinbar widersprechende Begriffe werden zu


einer pointierten Aussage zusammengefasst: beredtes Schweigen, alter Knabe,
stummer Schrei, virtuelle Realität, individueller Standard…

PARADOXON
(Scheinbarer) Widerspruch, gegen die Erwartung des Hörenden gerichteter
Gedanke: Weniger ist mehr / ich lüge immer…

PARALIPSE Übergehen. Ein Redner kündigt an, etwas 'Unwichtiges' übergehen zu wollen,
führt es aber dennoch aus. Ermöglicht mitunter wichtige Sachverhalte nur kurz
anzusprechen oder in eigener Sichtweise darzustellen.

PARALLELISMUS
Gleichlauf der Satzglieder: ich kam, ich sah, ich siegte…

PARS PRO TOTO Ein Teil steht für das Ganze, z.B. Köpfe anstatt Personen / ich sah seine Augen /
ein Dach über dem Kopf haben… Gegenteil: →Totum pro parte

PAUSE Der Redefluss wird unterbrochen. Dient oft der Spannungssteigerung.

Stilmittel 3 Martin Windischhofer


Übersichtsblatt Stilmittel

Umschreibung: Gepresste Milch (=Käse) / der Allmächtige (=Gott). Nicht zu


PERIPHRASE verwechseln mit der →Metapher

Anheimgabe. Dem Adressaten wird scheinbare Denk-, Handels- bzw.


PERMISSIO Entscheidungsfreiheit eingeräumt, wordurch Offenheit vorgegeben wird: Es ist
natürlich Ihnen überlassen, wie Sie damit umgehen, aber wir dürfen keinesfalls
den Fehler begehen…

PERSONIFIKATION Tieren, Pflanzen oder unbelebten Erscheinungen werden menschliche Züge


verliehen, z.B.: der Tag verabschiedet sich, wie lacht die Flur, der Winter ist ein
reicher Mann…

PLEONASMUS Überflüssigkeit. Erklärender Zusatz zu einem Begriff, in dem die Erklärung


bereits enthalten ist (meist: verschiedene Wortarten). Z.B.: tote Leiche, kaltes
Eis, Rückstau, Glasvitrine, Krummsäbel, am optimalsten... Pleonasmen sollten
nicht verwendet werden. Nicht zu verwechseln mit der → Tautologie

POINTE
Unerwartete kurze geistreiche bzw. witzige Schlussbemerkung

PRÄSUMPTIO Vorwegnahme. Ein Einwand wird vorweggenommen, um die eigene Darstellung


im Vorhinein abzusichern. Übliches Stilmittel in Appellationsreden.

REIM Reime werden oft zur Veranschaulichung eines Sachverhalts verwendet. Siehe
hierzu auch andere Stilmittel, z.B. →Alliteration, →Anapher, →Epipher

RHETORISCHE Frage, die eigentlich keine ist. Rhetorische Fragen sind so formuliert, dass die
FRAGE Antwort bereits vorweggenommen ist. Z.B.: Wollen wir wirklich in einer Welt
des Hasses leben? Die Adressaten werden so zum Mitdenken angeregt, der
Redner/Schreiber wirkt nicht besserwisserisch.

SARKASMUS
Bittere scharfe Ironie, meist gegenüber einem Gegner

SENTENZ Sinnspruch. Durch das Einstreuen von Sentenzen können einzelne Sachverhalte
auf die Ebene der Allgemeingültigkeit gehoben werden: Ohne Fleiß kein Preis;
ernst ist das Leben, heiter die Kunst. Dienlich sind manchmal Abänderungen:
Veni, vidi, visa (Werbung)…

STILBRUCH Stilebenen werden vermischt: erzeugt Kontrast und Aufmerksamkeit, muss aber
gekonnt eingesetzt werden. Z.B.: Einstreuen von Dialekt, plötzlicher lockerer
Ton…

SUSTENTATIO Hinhalten. Fortführung eines Themas oder Handlungsstrangs wird durch einen
Einschub hinausgezögert. Wird auch in Romanen oder Filmen gerne zum
Spannungserhalt verwendet.

Stilmittel 4 Martin Windischhofer


Übersichtsblatt Stilmittel

SYNÄSTHESIE Verschmelzung verschiedener Sinnesbereiche: schreiendes Rot, heiße Musik,


süßer die Glocken nie klingen…

TAUTOLOGIE Dasselbe sagen. Häufung von Wörtern derselben Wortart, mit ähnlicher bzw.
gleicher Bedeutung. Tautologien sind oft zu weit verbreiteten Redewendungen
geworden: voll und ganz; angst und bange; hegen und pflegen. Nicht zu
verwechseln mit dem →Pleonasmus

TOTUM PRO PARTE Das Ganze steht für einen Teil, z.B. im Sport: Österreich ist Weltmeister
Gegenteil: →Pars pro toto

TRIKOLON Dreierfigur: Ein Trikolon (von griech. kolon: „Glied“, Plural: die Trikola) ist ein
aus drei rhythmischen Elementareinheiten (Kola) zusammengesetztes Satzgefüge
oder ein dreigliedriger Satz, wie „Ich kam, ich sah, ich siegte“ (im lateinischen
"Veni vidi vici"). Die drei gleich langen oder gleich aufgebauten Teile bilden
eine semantische Einheit. Entsprechende zwei- oder vierteilige Einheiten nennt
man Dikolon und Tetrakolon. Ein mehrteiliges Gefüge dieser Art ist allgemein
ausgedrückt ein Isokolon

UNDERSTATEMENT Untertreibung: Kann bescheiden wirken. Mit meinem Kleinwagen (eigentlich ein
Mercedes), hatte ich das Stück Straße (eigentlich: 350 km) schnell (in drei
Stunden) hinter mir. Gegenteil: →Hyperbel, siehe auch: →Litotes

VERNIEDLICHUNG (lat. diminutiv), z.B.: Mütterlein, Kerlchen, Häuschen, Hansi, Bertl. In


Diskussionen können Diminutive gegnerische Positionen abwerten, z.B. bei
einem Hinweis auf ein Gutachten: ‚Was soll ich mit diesem Papierl'?

ZYNISMUS Wörtl.: Hundigkeit. Verletzende Herabsetzung der Wertvorstellung eines


anderen. Zynismus ist keine akzeptierte Umgangsform.

ZITAT Wiedergabe von etwas bereits durch jemand anderen Gesagtem. Ebenso wie
→Reime dienen Zitate der Veranschaulichung oder Untermauern die
Glaubwürdigkeit der eigenen Position.

Stilmittel 5 Martin Windischhofer