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ISSN 1864-1725 1/2011

BiblioTheke
Zeitschrift für katholische Bücherei- und Medienarbeit

Leben – Qualität – Bücherei


Wehe, wenn was fehlt

Lesesozialisation in Familien
Umdenken und Handeln

Librix, der Bücherwurm


So schmeckt mir der Frühling

Jahreszeiten
Literatur-Praxis
2 Inhalt 1/2011 1/2011 Ed i t o r i a l 3

4 Leben – Qualität – Bücherei Karl Allgaier Liebe Leserin, lieber Leser,


10 Trendmonitor: stabiler Treffpunkt Bücherei Rolf Pitsch
wir sind in das zweite Jahr im zweiten um, das nicht abstürzt und das dort
14 Lesefreude trotz Risikofaktoren Simone C. Ehmig Jahrzehnt des – lang ist’s her – neuen rasch wieder zur Nutzung zur Verfü-
Jahrtausends gestartet. Und sicher gung steht, wo man es zuletzt verlas-
18 Man(n) liest – Werben um den männlichen Leser Sonhild Menzel werden wir auch in diesem 365tä- sen hat… Sie ahnen, um welches
gigen Zeitabschnitt oft die Diskussi- Medi­um es sich handelt? Wenn nein,
23 Librix – So schmeckt mir der Frühling Susanne Emschermann onen über das Lesen und die Bücher empfehle ich Ihnen diesen kleinen
führen. Filmbeitrag unter
27 Sie lesen viel – und schenken gern Christina Schulte http://www.youtube.com/watch?
Gut, wenn Sie sich dabei von klugen v=01lKFuA__VM&feature=player_
30 Literaturkritik ein Auslaufmodell? – Interview Matthias Koeffler Sätzen nicht irre machen lassen. embedded
Manche in Ihrem Umkreis werden
33 Fachstellen im Profil – Rottenburg-Stuttgart Uschi Ermers Ihnen Geschichten – oder soll ich Nicht nur nach dem gesunden
Ammenmärchen sagen – von den Menschenverstand, gehärtet durch
36 Deutsche Literaturkonferenz e.V. Leoni Heister „alten“ Medien erzählen, die wir Bücher­eierfahrungen, sondern auch
doch nicht mehr benötigen. Andere nach dem Stand der Leseforschung: Stanislas Dehaene:
39 Praxisberichte werden Sie vielleicht an den großen Lesen ist die Schlüsselkompetenz für Lesen.
Philosophen Sokrates erinnern, der Informationserwerb und -verarbei- Die größte Erfindung der
- Lauras Wunschbücherei KÖB St. Dionysius, Korschenbroich vor über 2.000 Jahren im Dialog tung in der Medien- und Kommuni- Menschheit und was dabei
„Phaidros“ wohlwollend einen Kö- kationsgesellschaft. Und mit dem in unseren Köpfen passiert
- BoysDay in der KÖB KÖB Im Alten Rathaus, Pulheim-Brauweiler nig zitiert: Die Erfindung der Schrift- Com­puter­pionier Joseph Weizen- Knaus Verlag
kunst „wird Vergessenheit schaffen baum gehe ich immer wieder gerne 469 Seiten; 24,99 €
- Gründung eines Fördervereins KÖB St. Johannes Baptist, Delbrück in den Seelen derer, die sie erlernen.“ den Gedanken durch: Lesefähigkeit MedienNr.: 333 391
Denn die Schrift dient für den großen ist die Vorrausetzung zur Denkfähig-
- Familientag KÖB St. Martinus, Harsum-Borsum Philosophen nicht der „Kräftigung keit in einer auf Kommunikation an- Der Mathematiker und Psycho­
des Gedächtnisses“. Mit solchen Aus- gewiesenen Gesellschaft. In den Bü- loge (*1965) erzählt in versteh-
44 Literatur-Praxis: Jahreszeiten. Ulrike Fink sagen, die mal in die eine und wenig chereien legen wir eine gute Grundla- barer Wissenschaftssprache eine
später – nicht selten von den selben ge, dass die vom Ulmer Hirnforscher lebendige Geschichte der Lesefä-
Personen – in die andere Richtung ge- Manfred Spitzer beobachtete neue higkeit des mensch­li­chen Ge-
sagt werden, wurden Büchereimen- „Aufmerksamkeitsstörung“ durch di- hirns. Er be­richtet von der Bezie-
schen immer konfrontiert. gitales Multitasking bzw. exzessive hung zwischen Auge und Geist,
Internetnutzung sich nicht weiter von gedruckten Zeichen und
Wie sehr es möglich ist, dieses Wech- verbreitet. Seien Sie also bitte weiter Gedanken.
selbad der Gefühle in zeitgemäße Bil- durch ihr tätiges Vorbild aktive Lese-
der im Medium Internet zu packen, förderer, Kulturschaffende und Sinn-
zeigt ein kleiner Filmbeitrag, den eine gedankenanreger. Und vergessen Sie
spanische Internetgemeinschaft (ger- nicht, von Ihrem Engagement im Eh-
ne auch Community) produzierte. renamtsjahr 2011 laut zu erzählen.
Sie präsentieren darin ein neues Me-
dium, dass scheinbar alle Fähigkeiten Mit freundlichen Grüßen
aufweist, nach denen sich Medien- Ihr
nutzer nach dem immer mal wieder
zähen und anfälligen Gebrauch des
Computers sehnen. Ein Medium
ohne Batterie und Kabel. Ein Medi- Rolf Pitsch
Bild: ©Fotolia
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stattdessen von der großen und von der kleinen Bü-


cherei sprechen. Vom Buch, vom Lesen und von der Dr. Karl Allgaier leitet die Bischöfliche Akademie im
nicht-digitalen Information. Vor allem möchte ich Bistum Aachen; zuvor war er viele Jahre Leiter der
von inneren Gründen sprechen und unausdrücklich diözesanen Büchereifachstelle und Vorsitzender des
immer wieder von Qualität, Lebens-Qualität. Beirates Buch-/medienprofile. Sein Text beruht auf
dem Eröffnungsreferat für den 48. Diözesantag der
Ein evolutionärer Sprung Katholischen Öffentlichen Büchereien im Bistum
Essen am 11. September 2010. Der Vortragsstil
Eine erste Feststellung: Große (öffentliche) Büchereien wurde im Wesentlichen beibehalten.
können heute keine reinen Büchereien mehr sein.
Dazu muss ich zunächst bei der Nicht-Buch-Sphäre
ansetzen. Es wäre natürlich Unfug, ein Feindbild der
bösen Computer-Welt aufzubauen. Das sogenannte zugleich auch als neues Hindernis, ja als Einengung,
digitale Zeitalter hat uns eine Menge Wunder beschert. Begrenzung erfahren:
Die Möglichkeiten auf vielen Gebieten unseres Lebens
sind rasant gewachsen. Keine Generation zuvor hat Fünf (innere) Gründe:
solche Geschwindigkeiten und Beschleunigungen er-
fahren. 1. Die jetzt zur Verfügung stehende Informationsmenge ist
keine Fülle, sondern eine Unmasse. Allerdings scheint das
Und es ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern Problem nicht neu zu sein. So warnte schon vor mehr als
auch die pure Ausweitung unserer Möglichkeiten, also 2200 Jahren der Redaktor des Buchs ‚Kohelet’ (der soge-

Leben – Qualität – Bücherei Möglichkeiten, die wir früher überhaupt nicht hatten.
Sie werden selbst genug Beispiele kennen. Wenn ich
im Übrigen von unserer Generation spreche, muss ich
nannte Prediger Salomo): „Es werden viel zu viele Bücher
geschrieben.“ (12,12; Text nach der Gute Nachricht Über-
setzung).

Was fehlt, wenn die Bücherei fehlt? für meine Person bereits konstatieren, dass es nach mir
längst eine neuere Generation gibt (z.B. meine verhei-
2. Die uns verfügbare Informationsmasse ist weitgehend
ungeordnet, ja chaotisch, z.B. auch hinsichtlich des Kriteri-
ratete Tochter). Und die nächste kündigt sich bereits ums wertvolle oder wertlose Information. Es ist eine neue
an. Meine Kinder verfügen über Dinge und Fähigkei- Kunst nötig geworden, Strategien des Suchens zu entwi-
ten, die mir abgehen, ohne dass sie mir vielleicht wirk- ckeln.
Karl A llg a ier habe eine Zweitwohnung in Mülheim-Saarn. Wenn da lich fehlen, weil mich allerdings auch kein Verlangen 3. So wie neue Fähigkeiten hinzugekommen sind, so kom-
eine Bücherei wäre und sie würde geschlossen: ich nach ihnen treibt. Was wird erst die dritte Generation men uns laufend alte Fähigkeiten abhanden. Ich meine
Ich beginne mit einer Außensicht auf unser Thema: Dabei würde es nicht bemerken. können. Umberto Eco verliert regelmäßig gegen sei- nicht nur die Fähigkeiten, sich am Sternenhimmel zu ori-
heiße ich zwar auch Karl Allgaier, arbeite aber erfolgreich nen siebenjährigen Enkel beim Computer-Spiel (Die entieren oder Vogelstimmen zu erkennen. Das kann kaum
in der IT-Branche. Ich habe zu Hause kein einziges Buch, Und Sie? Würde es Ihnen denn wehtun? Keine Angst: Zeit, 22.7.10). noch jemand. Momentan steht die Fähigkeit auf dem Spiel,
nicht einmal ein Telefonbuch und auch kein Gebetbuch. Ich davon stirbt man nicht. Es ist auch keiner gestorben, als sich mit einer Straßenkarte zurechtzufinden, weil wir dem
bin sozusagen ein buchfreier Mensch. Ich bin glücklich mit die letzten Bänkelsänger verschwanden. Meine Damen Tatsächlich sind also unsere Möglichkeiten in gerade- „Navi“ blind gehorchen sollen.
meinen Informations- und Unterhaltungsmöglichkeiten. und Herren, wir befinden uns hier und heute offen- zu unendlicher Weise angeschwollen und auch so 4. Die Einengung unserer so schrankenlos gewordenen
Mir fehlt nichts. Und ich bin nicht allein. Jeder vierte Deut- sichtlich in einer anachronistischen Veranstaltung. Es manche persönlichen Fähigkeiten. In meiner Familie Freiheit durch eben dieselben Mechanismen der Vernetzt-
sche lebt so (Die Zeit, 22.7.10, S. 40). 28% der Männer, ist, als ob sich die ehemaligen Mitarbeiter/innen einer nenne ich nur den linken SMS-Daumen meiner Kinder heit im weitesten Sinne deute ich nur an. Sie wissen alle,
22% der Frauen, 40% der Hauptschüler lesen nie. Dampflokomotiven-Fabrik träfen. Was soll ich hier? und im Vergleich dazu meinen eigenen: hier scheint was ich zu Datenschutz und Kontrolliertsein, ja Beobacht­
ein evolutionärer Sprung vorzuliegen. etsein nun ausführen könnte. Gut, dass man meinen Auf-
Die Bücherei in meiner Nähe? (Das fragte kürzlich – Aber nun im Ernst. Was kann uns diese Sichtweise sa- enthalt anhand meines Handys jederzeit orten kann. Gut,
auch mich – wieder der Trendmonitor „Religiöse Kom- gen? Wird uns doch noch eine unbeschwerte Nostal- Die berechtigte Euphorie, die ich hier weiterreiche, dass mein Handy meistens vergessen zu Hause auf dem
munikation“ der Mediendienstleistungs-Gesellschaft gie-Feier gelingen? Sollen wir einfach frisches statisti- brachte Goethes Wagner, der Famulus des Doktor Nachtkommödchen liegt.
S.10). Offengestanden: Ich habe keine Ahnung. Da sches Material gegen den vorigen Referenten anfüh- Faust, einmal auf den Punkt: „wie wir’s dann zuletzt so 5. Es gibt viel neue Sicherheit durch elektronische Überwa-
war irgend so ein Logo mit vier schwarzen Balken ... ren? Immerhin liest jeder fünfte Deutsche täglich. Bei- herrlich weit gebracht“, (v. 573). Allerdings müssen chung und ebenso viele neue Gefahren, Risiken, Kriminali-
Ich wohne übrigens in Essen am Porscheplatz und de Wege scheinen mir „abseits“ zu führen. Ich möchte wir paradoxerweise eben diese allseitige Entgrenzung täten, ob beim Internet-Einkauf oder beim Online-Banking.
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Immer wieder sollte bedacht werden, dass bei aller genen Jahrzehnte das Prinzip „Nahversorgung“ hochge- Ich deute nur an:

Bild: ©Fotolia
persönlichen Weiterentwicklung die Fähigkeiten des halten, die „Verdichtung“ des Versorgungsnetzes unter- Im Vergleich zu dreißigtausend Google-Treffern (das
einzelnen Menschen im Großen und Ganzen gleich strichen und für alle weitergehenden Bedürfnisse eine ist sehr wenig) ist ein gutes Sachbuch eben ein aufbe-
geblieben sind. Vor dem Bildschirm sitzt ja immer ausgeprägte Fernleihtätigkeit vorgesehen. reiteter Informations-Zusammenhang.
noch jemand aus Fleisch und Blut mit der uns allen Wenn wir an Ihren persönlichen Lieblings-Roman
bekannten mäßigen Aufnahme-Kapazität, Gedächt- Ich möchte jedoch diese Nützlichkeits-Argumente in denken, sozusagen den Inbegriff von Lektüre, so wis-
nisleistung und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Was den Hintergrund rücken. Nach meiner Überzeugung sen wir: er ermöglicht eine ganz und gar andere Erfah-
nützt mir die verfügbare Datenmenge, wenn ich sie kann sich eine Bücherei dieser Größenordnung nur rung, ja ein Erlebnis, als Film oder Computer zu bieten
nicht zur Kenntnis nehmen kann? Es ist, als sagte mir sehr begrenzt auf "Neue Medien" einlassen, oder sie vermögen. (Das spricht sicher nicht gegen gute Filme,
einer: „Ich möchte dir Bücher schenken.“ – „Gern. sollte dann gleich als reine Mediothek auftreten, als es ist aber wahrhaftig etwas anderes).
Wie viele sind es denn?“ – „Na, so zwanzigtausend.“ Nichtbuch-Zone sozusagen. Diese Bücherei sollte sich Besteht Anlass zur Sorge um die Zukunft des Lesens?
Oder ich war vielleicht ein Jahr im Ausland und hätte auf die Qualitäten ihres ursprünglichen Arbeitsge- Im Durchschnitt verbringen die Deutschen 45 Minu-
Einiges zu erzählen: „Gern. Zwei Minuten könnte ich bietes besinnen. Und wenn sich eine Bücherei besinnt, ten ihrer täglichen Freizeit mit Lesen. Schaut man frei-
erübrigen.“ Das passt nicht zusammen. Wir brauchen dann sind das natürlich die Menschen darin, die Mit- lich genauer hin, sind es 8 Minuten in Büchern (eine
Zeit und nicht nur Geschwindigkeit. Aber vor dem arbeiter/innen , die Leser/innen (ich gehe optimistisch absurde Vorstellung), 27 Minuten in Zeitungen und
zweitschnellsten Computer verlieren wir beim Hoch- davon aus, dass es noch immer zwei Geschlechter Zeitschriften, die restlichen 10 Minuten vermutlich in
fahren schon die Geduld. „Hochfahrend“ bedeutete gibt) und die Auftraggeber/innen. Versandkatalogen (Die Zeit, 22.7.2010). Viele empfin-
noch vor hundert Jahren soviel wie „hochmütig“. den so manches Buch gar über seinen Inhalt hinaus als
Damit wir uns nicht missverstehen: ich empfinde die Das Buch ist immerhin seit etwa zweieinhalbtausend ein ästhetisches Objekt. Und wie es in der Hand liegt! Daher rührt meine unerschütterliche Überzeugung,
neuen Möglichkeiten immer noch vorwiegend als Se- Jahren eine dem menschlichen Denken besonders an- Wir reden also auch von der Sinnlichkeit des Lesens. dass gerade Kindern, die ohne mehr als das allernötigste
gen. Suchmaschinen, Internet-Enzyklopädien, aktu- gemessene Form, Mitteilung zu bewahren. Umberto Sie beginnt nach meiner Überzeugung schon bei der Lesen aufwachsen, etwas Wesentliches verloren geht. Es
elle Web-Seiten, CD-ROM-Ausgaben unbezahlbarer Eco: „Das Buch ist wie der Löffel, der Hammer oder das Tageszeitung. ist die Fähigkeit zum Still-Sein, zur Versenkung, zur
vielbändiger Nachschlagewerke, DVD-Filme und Blue Rad. [...] An einem Löffel gibt es nichts zu verbessern.“ Fantasie als einer inneren Welt. Und es ist ja keineswegs
Ray, aber auch Hörbücher und elektronische Spiele lei- (Die Zeit, 22.7.2010, S. 41). Das Lesen ist mithin eine Die Bedeutung der Langsamkeit ein passives Aufnehmen, sondern eine aktive Auseinan-
sten in vielfacher Hinsicht etwas, das Bücher nicht zu der zentralen Handlungsweisen überhaupt, heute ge- dersetzung. Vor dem Fernseher können wir, ohne es zu
bieten vermögen. wiss durch Hören und schriftloses Sehen (Fern-Sehen) Lesen bedeutet Langsamkeit. Ich bestreite nicht, dass merken, wegdämmern. Ein Buch liest sich nicht selbst
ergänzt, aber noch immer grund-nötig, bekannterma- wir individuell unterschiedlich schnell lesen. Es gibt weiter. Es fordert und fördert meine Aufmerksamkeit.
Darum brauchen wir keine rückwärtsgewandte Pole- ßen auch am Bildschirm. auch (bewusst oder unbewusst) Lesetechniken, die die
mik, die in den Neuen Medien Teufelswerk sieht. Eine Informationsaufnahme effizienter machen sollen. Ehe mir Kritiker entgegenhalten, die Kehrseite der Ver-
moderne größere Bücherei – ich gehe einmal von Vieles überfliegen wir oder sprechen gar vom Diago- senkung sei Abkapselung, Isolation, Einzelgängertum
einem Mindestbestand von 10.000 Medieneinheiten nal-Lesen. Den neuen Jonathan Franzen – um nur ein und menschliche Verarmung, lege ich gleich nach,
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aus – braucht, neben einem ausgebauten Buchbestand Beispiel zu nennen – sollten und werden wir aber wohl dass ich natürlich auch das Vorlesen meine und das
unerlässlich, ein differenziertes Angebot elektro- kaum diagonal lesen: wir würden sonst sicher nicht gemeinsame Betrachten der Bilder im illustrierten
nischer Medien, was nach meiner gegenwärtigen Ein- den vollen Ertrag davon haben. Ein guter Roman Buch. Allerdings: Nur 8% der Väter lesen heute ihren
sicht auf absehbare Zeit nicht unbedingt e-books ein- braucht eine gewisse Langsamkeit. Immer müssen wir Kindern vor, aber 73% der Mütter. In Kindergärten
schließen muss. uns der in der Apostelgeschichte belegten Frage stel- wird überhaupt weniger vorgelesen, 2008 nur noch in
len: „Verstehst du auch, was du da liest?“ (Apg 8,30) 38% der Tagesstätten gegenüber 56% 1992 (Die Zeit,
Qualität der ursprünglichen Arbeit 22.7.10).
Zur Langsamkeit kommt damit vor allem bei den um-
Und nun soll der Abgesang auf die kleine Bücherei ertö- fangreichen Texten die Ausdauer, ja die Geduld (die- Bücher sind eben sehr wohl Objekte der Kommuni­
nen? Keineswegs. Reden wir einmal von Beständen nicht selbe, die uns am Notebook oft ausgeht). Sie ist heut- kation (nicht nur mit dem Autor), und natürlich auch
unter 3.000 Medieneinheiten und einer ordentlichen all- zutage vielen nicht mehr in ausreichendem Maße ge- für uns Erwachsene, denen nur noch selten einer vor-
jährlichen Erneuerungsrate. Diese kleine Bücherei soll geben. 25% der Deutschen finden Lesen zu anstren- liest (siehe oben Rufus Beck und Konsorten). Wann
keine Konkurrenz zur großen sein und sie stellt auch gend. Lang-Leser wissen dagegen von einer geradezu ha­ben eigentlich Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partne-
nicht einen im Verhältnis 1:4 verkleinerten Extrakt dar. heilsamen, wohltuenden Wirkung des Buch-Lesens, rin zuletzt etwas vorgelesen? Literatur kann sogar in
Die diözesanen Fachstellenleiter haben in den großen z.B. am Abend eines Tages, der uns vielleicht mit Infor- hohem Maße Gegenstand von Gespräch und Begeg-
und kleinen bibliothekspolitischen Debatten der vergan- mationen und Lärm überschüttet hat. nung sein; ganz zu schweigen von Literaturgesprächs-
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kreisen oder der Literarischen Sommerwoche des turparks brauchen, weil es etwas zu schützen gilt, das den Umschlag auszieht. Es stammt aus dem 17. Jahr-

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Borro­mäusvereins (siehe www.proliko.de). sonst verloren ginge. Unsere Büchereien sind so etwas hundert, wurde aber soeben erstmals vollständig über-
wie Naturparks des Lesens, Naturparks einer besonde- setzt. Es ist nicht belletristisch, dafür die reine Wahr-
Besonderer Begegnungsort ren Lebens-Qualität. Und, dass diese Bereicherung un- heit. Es gibt unzüchtige Details, der Verfasser hat sie
seres Lebens auch in einem größeren pastoralen Zu- aber in einer Geheimsprache verschlüsselt und die
Und damit sind wir wieder bei der Bücherei, gerade sammenhang zu sehen ist, das hat Pfarrer Dr. Peter liegt bei.
auch bei der kleinen Bücherei. Sie ist und bleibt ein Hoffmann schon vor ein paar Jahren unverbesserbar
besonderer Ort des Lesens und damit zugleich ein Ort dargelegt (Anzeiger für die Seelsorge 11/2006). Die Wer soll das lesen? Sie können einsteigen, wo sie wol-
der Begegnung. deutschen Bischöfe haben in ähnlicher Weise von der len, jede Seite schmeckt nach Wirklichkeit. Um es kurz
"Kultur-Diakonie" gesprochen, die unsere Büchereien zu machen: da hat ein ganz gewöhnlicher Londoner
Hier finden wir leisten (BiblioTheke Heft 1.2007, S. 4). Kaufmann, freilich erfolgreich und auch mit Zugang
- die wohlerwogene Auswahl statt der Flut, zur höheren Politik, zehn Jahre seines Lebens, bis sein
- die Beratung durch andere Lese-Erfahrene, Sagen Sie jetzt bitte nicht entmutigt: Es liest ja doch Augenlicht es nicht mehr zuließ, jeden Tag protokol-
- das persönliche Gespräch, ja die Zuwendung (die wir, keiner mehr. Das lasse ich nicht gelten. Und darum, liert, die kleinen und die großen Dinge, die ganz klei-
glaubt man der Werbung, sonst nur noch in der Apo- wenn Sie ihn sehen sollten, den reinen IT-Menschen, nen wie seine Verdauung, die mittleren wie die Seiten-
theke finden), grüßen Sie ihn herzlich und erzählen Sie ihm, dass sprünge und die Geldsorgen, und die großen Ereig-
- mit etwas Glück den Treffpunkt Gleichgesinnter, am Und diese erwachsen nicht zufällig aus einem Ethos ihm oder ihr noch grandiose Entdeckungen bevorste- nisse der englischen Geschichte, die in diese Zeit fie-
besten in einer Kaffee-Ecke, heraus, das mit dem Ausdruck „ehrenamtliches Enga- hen, wenn er oder sie denn einmal auf einen Flirt mit len. Ungewollt ist so das Panorama einer Person, eines
- und mit einem Wort: eine ganz besondere, schwer gement“ nur sehr unzulänglich zu charakterisieren ist. der Bücherei vorbeischaut. Da wird es keine Beriese- Lebens und einer Zeit entstanden: es gibt nichts Ver-
beschreibbare Atmosphäre. Das ist ja mehr als eine allgemeine Hilfsbereitschaft. Es lung wie im Supermarkt geben und keine wahllose Zer- gleichbares. Lesevergnügen und Erkenntnis in einem:
ist vor allem die Erkenntnis, um was für eine gute Sa- streuung wie durch die Illustrierten beim Friseur. so können Bücher sein.
Der neue, schon erwähnte, „Trendmonitor Religiöse che es geht. Und dass sie den Menschen gut tut, auch
Kommunikation“ hat soeben festgestellt, dass 37% der denen, die es noch gar nicht wissen. Die Ehre ist dann Nein, wenn Sie einmal nahe am Resignieren (statt Es ging und geht mir um Qualität in unserem Leben,
Büchereibesucher das ausführliche Gespräch suchen, nachrangig. beim Bücher-Signieren) sein sollten: schließen Sie nur vielleicht auch um Begeisterung. Lassen Sie mich mit
ein Drittel davon geht sogar ohne Buch wieder davon. kurz die Augen, denken Sie fest an eines Ihrer Lieb- einem einzigen Satz schließen: Büchereien – mit und
Beeindruckend, obwohl ich Sie eigentlich zum Gegen- Zugangsgerechtigkeit lingsbücher und dann an einen Menschen, den Sie ohne Pepys – sind noch viel nötiger als Blu-
teil ermuntern wollte. Hier liegt übrigens auch ein wieder einmal gern in der Bücherei treffen würden. menbeete – und die sind für uns auch
gutes Argument, die reine Ausleihstatistik nicht über- Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst hat auf dem dor- Diese Sehnsucht teilen viele mit Ihnen. An dieser schon sehr nötig. &
zubewerten. In der Bücherei geschieht einfach mehr. tigen Diözesantag im Oktober 2009 vieles gesagt, was ich Stelle folge ich einer inneren Stimme und breche aus,
nicht besser sagen kann (siehe BiblioTheke Heft 1.2010, werde unsachlich: ich muss mich entschuldigen, wenn
Mit diesen wenigen Andeutungen hoffe ich zu zeigen, S. 4-9). Er hat vor allem von zwei Dingen gesprochen: ich die ganze Zeit vom Lesen gesprochen hätte, doch
dass die Bücherei, gerade die kleine, ein wichtiger Ort zum einen von der Verwurzelung, die wir Menschen von keinem einzigen Buch. Wie kann ich es aber wa-
des Lebens jahraus – jahrein sein kann, ein Ort, der zu brauchen, der Verwurzelung in Gemeinschaft und auch gen, Ihnen, den so Buch-Erfahrenen, ein einziges
meinem Leben passt und ein Teil davon ist. Ein Ort, in unserer Vergangenheit, Kultur und Literatur, also der Buch zu empfehlen?
der meinem Leben eine besondere Qualität gibt. Brau- Gemeinschaft, aus der wir hervorgegangen sind. Dem
chen wir also die Bücherei? Wir brauchen auch keinen dient das Buch in reichem Maße. Zum andern von der So können Bücher sein
Tierpark, kein Schwimmbad, kein Theater. Zugangsgerechtigkeit. Auch wenn das letztes Jahr schon
wieder 93.000 neue Bücher auf den deutschen Markt ge- Seit fünf Jahren leite ich nicht mehr die Reakti-
Aber genau darum brauchen wir das Theater, das schwemmt hat: Beileibe nicht jeder kann sich die Bücher onskonferenz der „Buch- und medienprofile“. Ich
Schwimmbad, den Tierpark, die Bücherei. Es geht kaufen, die er oder sie braucht. Unsere Büchereien ma- bin also frei von der Verantwortung, nur Bücherei-
nicht um die nackte Nützlichkeits-Erwägung. Informa- chen die Welt in dieser Hinsicht ein wenig gerechter. Gerechtes empfehlen zu müssen. Lassen Sie mich
tion und Kommunikation gibt es selbstverständlich einfach von einem großen Buch-Ereignis dieser
auch anderswo. Doch eben diese kleineren Büchereien Das gilt dann noch einmal besonders für Kinder, erst Tage erzählen. Ich meine die „Geheimen Tagebü-
– und tatsächlich sind dies, abgesehen von den Stadt- recht für Kinder aus buchfreien Haushalten. Dass wir cher“ von Samuel Pepys. Manches spricht gegen
büchereien, fast ausschließlich kirchliche Büchereien die Jugendlichen nur begrenzt erreichen, ist mir be- dieses Werk: Das Buch ist teuer.
– haben eine besondere Kultur bewahren können, eine wusst. Ich will es nicht schönfärben. Wir haben in Eu- Es ist gar kein Buch, es sind zehn Bände, allerdings
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Kultur der menschlichen Proportionen. ropa seit einigen Jahrzehnten begriffen, dass wir Na- wunderbar anzufassen, wenn man ihnen einmal
sende BesucherzahlenKÖBBücherei katholiken

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nKÖBreligionbindungchanceKÖBdatenreligion 1/2011 Tr e nd mo ni t o r 11
ndungKÖBWachsende Besucherzahlenreligion
KÖBkatholikenreligionbindungchanceBücherei
sende BesucherzahlenKÖBBücherei katholiken
nKÖBreligionbindung hanceKÖBdatenreligion
ndungKÖBWac erzahlenreligion jenigen entwickelt, die Büchereien besonders auch für
KÖBkatholiken chanceBücherei Hinweis: Der Text erschien ursprünglich im Pastoral­ ausführliche Gespräche (2009: 37%) nutzen. Von die-

sende Besuch erei katholiken blatt 8.2011 – http://www.pastoralblatt.de/;


Abdruck mit freundlicher Genehmigung.
ser Gruppe nutzen 1/3 diesen öffentlichen Ort aus-
schließlich zum Gespräch. Wird dies in der Zukunft,
nKÖBreligion Bdatenreligion in der kirchliche Gesprächsorte angesichts der struktu-

ndungKÖBWa zahlenreligion rellen Veränderungen weiter abnehmen, an Bedeu-


tung gewinnen? Die Nutzung der Büchereien in der
KÖBkatholike hanceBücherei samtbevölkerung wie bei den Katholiken. Die von der
Beratungsgesellschaft MDG (München) in Auftrag ge-
Gesamtbevölkerung ist im genannten Zeitraum von

sende Besuch erei katholiken gebene Studie wurde vom Institut für Demoskopie in
4% auf 5% gestiegen. Dennoch: Die Freude über eine
gestiegene Nutzung unter Katholiken paart sich mit
nKÖBreligion ÖBdatenreligion Allensbach durchgeführt und erstmals durch die Firma
Sinus Sociovision milieuverortet. So erfahren die Nut-
dem Fakt, dass andere Bevölkerungsgruppen weniger
erreicht werden.
ndungKÖBWach cherzahlenreligion zer der Studie nicht nur die bekannten Prozentanga-

KÖBkatholikenreligionbindungchanceBücherei ben, sondern auch die Wohnraummilieus, in denen


die Mediennutzer leben.
Leichtes Land-Stadt Gefälle

Differenzierte Daten für 2009 zeigen, dass unabhängig


Nicht wegzudenken – persönliche Gespräche von der konkreten Ausleihnutzung in der Bevölkerung
ein gutes Wissen über die KÖB-Existenz: 31% der Be-

Büchereien: stabile Kommu­nika­tions- Ohne auf die Ergebnisse aller Medienangebote einge-
hen zu können: Im Ergebnis zeigen die Daten: Die Ver-
völkerung (57% der Katholiken) wissen, dass es diese
Einrichtung am Ort oder in der näheren Umgebung

und Medienorte der Gemeinden


braucher ziehen unter den kircheneigenen Angeboten gibt. 20% der Bevölkerung (14% der Katholiken) wis-
die gedruckten Medien mit unmittelbarem Nutzen sen immerhin, dass es eine KÖB nicht gibt. Nur 47%
(Pfarrbriefe, Bistumszeitung) vor, was bei häufigeren (29% der Katholiken) können keine Angaben machen.
Nutzern besonders ausgeprägt ist. Nicht wegzudenken
Ergebnisse des MDG-Trendmonitors sind die persönlichen Gespräche mit Hauptamtlichen Was kann über die Menschen gesagt werden, die schon

Religiöse Kommunikation 2010 und Ehrenamtlichen. 44% aller Katholiken sagen, dass
sie zu mindestens einem haupt- oder ehrenamtlichen
einmal in einer Bücherei waren: Sie haben in einem
höheren Maße „guten“ Kontakt zu den haupt- und eh-
Ansprechpartner „guten Kontakt“ haben: Pfarrer 25%,
Mitarbeiter in kirchl. Einrichtung 22%, Ehrenamtliche
21%; anderer Priester 19%, Ordensleute 10%. Die

Bild: ©Fotolia
Rolf P itsch KÖBs ein niedrigschwelliges Angebot: „Es ermöglicht Kehrseite: 56% aller Katholiken ab 16 Jahren haben zu
den Zugang zu Literatur in erreichbarer Nähe oder gar in keinem dieser Gesprächspartner einen guten Kontakt.
„Lesen – spielen – Leute treffen“ lautete viele Jahre die besonderen Lebenssituationen und bietet zugleich die Neben dem institutionellen Kontakt wird seit 1999
Werbezeile für Katholische Öffentliche Büchereien Möglichkeit, sich in der unübersichtlichen Vielfalt der auch erhoben, in welchem Maße Katholiken einen Ge-
(KÖB). Seit gut zehn Jahren sagen Insider: Büchereien Bücher und Medien in der Gegenwart zuverlässig und sprächspartner haben, „mit dem sie sich über Glau-
sind wichtige Kommunikationsorte in den Gemein- mit Vertrauen in die gebotene Auswahl zu orien­tieren.“1 bensfragen austauschen können“: Dies bejahten 1999
den. Ihre Arbeit weist seit vielen Jahren unverändert Erzbischof Zollitsch stellt fest: „Die beiden katholischen insgesamt 58%, in 2009 sogar 60%.
gute Statistikwerte auf: Wachsende Besucherzahlen, Büchereiverbände, Borromäusverein e.V. in Bonn und St.
mehr ehrenamtlich Engagierte, zunehmender Zu- Michaelsbund Landesverband Bayern e.V., bieten mit ih- Wie sieht die Akzeptanz in der Bevölkerung und bei
spruch von jungen Familien und viele Veranstal- ren Medienempfehlungen und Bildungsangeboten eine den Katholiken für das KÖB-Angebot aus. Die Grund-
tungen. fundierte Grundlage, um Büchereien zu Orten der Kom- aussagen: Die Nutzung der KÖBs („Leihe mir manch-
munikation zu machen. Hier geschieht Leseförderung mal ein Buch dort aus.“) hat von 1999 bis 2009 von
Außerhalb der kirchlichen Szene wird den KÖBs, den im besten Sinne.“2 9% auf 12% aller Katholiken (ab 16 Jahren) zugenom-
diöze­sanen Fachstellen und den Büchereiverbänden ein Findet sich diese Wertschätzung in den Ergebnissen men. Durchschnittlich wurden nach den Daten für
Angebot bescheinigt, dass in seinem profilierten Bestand des neuen MDG-Trendmonitors „Religiöse Kommuni- 2009 12 Medien pro Jahr entliehen. Unter dem Aspekt
besser sei als in vergleichbaren kommunalen öffent­ kation 2010“ wieder?3 Er bietet Hinweise zur Nutzung der persönlichen Kommunikation wird es bei der
lichen Büchereien. Medienbischof Fürst attestierte den kirchlicher und religiöser Medienangebote in der Ge- nächsten Studie interessant sein, wie sich die Zahl der-
12 Tr en d m on i to r 1/2011

renamtlichen Aktiven in der Gemeinde (54,1% statt für ausführliche Gespräche genutzt wird, zeigen sich
44% aller Katholiken). Wer schon einmal in einer KÖB in den genannten Bistümern höhere Werte. Dieses

Zeitschriften Abo-Service
war, weist eine höhere persönliche Bindung zur Ge- Ergebnis spiegelt sich auch in der Zahl der ausgelie-
meinde als andere Katholiken auf: 23% statt 16%. Die- henen Bücher pro Jahr wieder.
se Bindung ist gerade bei den aktiv Medien Auslei-
henden in den vergangenen zehn Jahren teilweise Trendmonitor und Sinus Milieus
deutlich gestiegen: 10% Zunahme bei denen, die regel-
mäßig, 50% bei denen, die „ab und zu“ den Sonntags- Erstmals bietet der Trendmonitor eine Verbindung Haben Sie mehrere Zeitschriftenabonnements? Möchten zulässigen Büchereirabatt von 5% auf Ihre Abos.
gottesdienst besuchen. Die Kontaktintensität zwi- mit den Sinus Milieus. Für die als kirchenaffin gel- Sie es leichter haben mit der Verwaltung dieser Abos? - Sie erhalten im Serviceheft regelmäßig eine aktuelle
schen Ausleihern und Gesprächspartnern stieg zwi- tenden Milieus der Traditionsverwurzelten und der Dann nutzen Sie den Service der borro medien gmbh diese Aufstellung der Zeitschriften.
schen 1999 und 2009: Um 20% bei denen mit „gutem“ Bürgerlichen Mitte und den kircheninteressierten Aboverwaltung zu übernehmen. Ihre Vorteile sind: - Sie haben einen Zeitschriftenwunsch? Fragen Sie nach!
und 175% bei denen mit „weniger gutem“ Kontakt zu und kirchenkritischen Milieus der Postmateriellen
Seelsorgern, Angestellten und Ehrenamtlichen in der und der Konservativen gibt es kaum Überraschun- - Sie bestellen die verschiedenen Zeitschriften Sie wünschen sich diese Arbeitserleichterung?
Gemeinde. Unter dem Aspekt der Kirchenbindung be- gen. Die traditionsverwurzelten Katholiken weisen unterschiedlicher Verlage bei einem Anbieter. Rufen Sie einfach an: Andrea Angeles 0228-7258-112
trachtet hat die Zahl der Personen, die sich (im Zehn- zwar ein hohes Wissen über den Büchereiort auf, aber - Sie erhalten eine Sammelrechnung im Jahr für alle Abos. oder per E-Mail: angeles@borromedien.de.
jahrestrend) als gläubige Kirchennahe bezeichnen und nur eine unterrepräsentative Büchereinutzung, in der - Sie überweisen einmal im Jahr den gesamten Betrag. borro medien gmbh, Aboservice, Frau Andrea Angeles,
Medien in der KÖB ausleihen leicht abgenommen, zu- Gesamtbevölkerung liegt in diesem Milieu die Büche- - Sie bekommen den im Rahmen der Preisbindung Wittelsbacherring 7-9, 53115 Bonn.
genommen haben dafür die kritisch der Kirche Ver- reinutzung über dem Durchschnitt. Erstaunlich sind
bundenen. die guten Nutzungswerte bei Hedonisten und Kon-
summaterialisten. Sie gelten als sozial schwache und
Die katholische Büchereiarbeit hat weiterhin ein kirchenferne Milieus. In ihrem Wissen von Büche-
leichtes Land-Stadt Gefälle. Der Blick auf die Akzep- reien weisen sie jedoch über dem Katholikendurch-
tanz dieses kirchlichen Angebotes in verschiedenen schnitt liegende Werte auf. Beispiel: 35,7% aller Ka-
Bistumsregionen zeigt: Die Nutzung ist in den NRW- tholiken waren schon einmal in einer Bücherei, von Und religiöse Medien? Bevölkerung wie bei den Katholiken sind sie jedoch
Diözesen und in den Bistümern Fulda, Limburg, den (katholischen) Hedonisten 40,9%. Hier zeigt sich stabile Säulen einer kommunikativen Diakonie, die
Mainz, Trier und Speyer stärker als im Norden oder zweierlei: Diese Milieus erfahren durch die Sozialsy- Daten zum Lesen und zum Kauf (religiöser) Bücher dank des unermüdlichen Engagements von rund
Südwesten. In den bayrischen Diözesen haben die Di- steme von öffentlichen und kostenfreien Angeboten. stützen diese Aussagen. Katholiken sind die Bevölke- 35.000 Ehrenamtlichen möglich ist. In der Verbin-
özesen Bamberg, Eichstätt und Würzburg stärkere Re- Um sie jedoch zur aktiven Nutzung zu bringen, be- rungsgruppe, die am häufigsten religiöse Bücher liest: dung zwischen medialen Angeboten und persönlicher
sonanz. Auf die Frage, ob der Büchereibesuch auch darf es weiterer Anstrengungen. In der aktiven 70% aller katholischen und 58% aller evangelischen Kompetenz von Menschen, die in und für die Kirche
Buchausleihe liegen beide Gruppen unter den Durch- Buchleser lesen auch religiöse Bücher. Deutlich gestie- arbeiten und von ihrem Glauben sprechen, liegt die
schnittswerten. Wichtig ist für den öffentlichen Cha- gen ist die Zahl der Katholiken, die für Kinder religiöse Stärke dieses Engagements. Und die vielen Ehrenamt-
rakter der Büchereien für alle Interessenten der Hin- Bücher kaufen (1999: 38%, 2009: 45%). Katholiken lichen sind bereit, diese Arbeit bei entsprechender Un-
Bild: ©Fotolia

weis: Die Akzeptanz der KÖBs in der Bevölkerung gilt sind auch insgesamt die fleißigsten Schenker religiöser terstützung fortzusetzen. &
ebenfalls für kirchenferne Milieus. Bücher (Bevölkerung 26%, Katholiken 41% und Prote-
stanten 29%). Besonders zugenommen hat die Beerdi-
So kann festgehalten werden: Mit Büchereien kön- gung als Geschenkanlass für religiöse Bücher. Interne-
nen Pfarrgemeinden einerseits die Bindung für Men- trecherchen und Tipps in religiösen Zeitungen und 1) Bischof Dr. Gebhard Fürst: Kirche hat Kultur; in:
schen erhalten und ausbauen, die für ihre lebendige Zeitschriften helfen neben der Beratung in einer Buch- BiblioTheke, Bonn, Heft 1.2010, S. 7 (online unter
Existenz unter den der Kirche eng und kritisch Ver- handlung am ehesten zum richtigen Titel. Religiöse www.borromaeusverein.de/articles/article/bibliotheke/ )
bundenen wichtig ist, sowie auch jene Milieus an- Bücher finden auch bei sich als „glaubensunsicher“
sprechen, die eine Offenheit für die sozialen und kul- einstufenden Menschen gute Resonanz. Insgesamt 2) „Katholische Öffentliche Büchereien sind unverzichtbar“,
turellen Aktivitäten mangels beschränkter finanzi- stieg die Zustimmung auf die Frage, ob religiöse Bü- Presse­mitteilung der DBK vom 3.11.2009, Nr. 137; recher-
eller Ressourcen haben. Dies stellt unter dem eigenen cher Mut geben von 34% in 1994 auf 46% in 2009 in chierbar unter www.dbk.de/Presse/Archiv
Anspruch ‚Missionarisch Kirche sein’ neue Anforde- der Bevölkerung.
rungen z.B. an die Gestaltung von Büchereiräumen, 3) MDG-Trendmonitor „Religiöse Kommunikation 2010“,
ihre Öffnungszeiten sowie die Medienauswahl und Buch und Büchereien sind nur ein kleiner Teil des München 2010; (Bestell-) Hinweise unter www.mdg-online.de
die Bewerbung der Angebote. kirchlichen Medienangebotes. In der Nutzung in der
Bild: ©Fotolia
1/2011 L e s e fr e u d e 15

len Fähigkeiten jedoch haben sie wenig zu tun. Unter

Bild: ©Fotolia
den Erziehungszielen der Eltern ste­hen traditionelle
Werte wie Ordnung und Ge­wis­sen­haf­tig­keit hoch im
Kurs. Besonders viele wol­len ihren Kindern Vor­aus­set­
zun­gen für gutes und er­folg­rei­ches so­ziales Handeln
mit auf den Weg geben. Nur wenige verbinden solche
Tu­gen­den mit dem Lesen. Das Lesen zu fördern ist so-
mit kaum funktional. An­ge­sichts dessen verwundert
es nicht, dass für 52 Pro­zent der El­tern die Freu­de an
Bü­chern kein zentrales Erziehungsziel ist.

Empfehlung:
• Im Sinne eines Imagewandels muss das Lesen stärker mit
zentralen Erziehungszielen in Ver­bin­dung gebracht werden,
die bisher in den Vorstellungen vom Lesen keine Rolle spie­
len oder von denen Eltern annehmen, dass sie durch das
Lesen gehemmt werden: Lebensfreude, Hu­ mor, Kontakt­

Lesefreude trotz Risikofaktoren freude, Menschenkenntnis und ak­ti­ve Lebensgestaltung.

4. Zwei markante Diskrepanzen prägen die aktuelle Si-


Fazit einer repräsentativen Studie zur Lesesozialisation tuation der Lesesozialisation in den Fa­mi­li­en: Eltern
von Kindern in der Familie nehmen auf das konkrete Le­severhalten ihrer Kinder
nur selten aktiv Ein­fluss, ob­­wohl sie erstens dem kind-
lichen Lesen einhellig einen ho­hen Stellenwert bei- El­tern an­spre­chen, die auf die Mediennutzung ihrer Kinder
messen und ob­wohl sie zweitens auf die Fernseh- und nur dann Ein­fluss nehmen, wenn Ge­fahr droht.
Sim on e C. E h m ig für Eltern an pri­vi­le­gier­ter Stelle. Ihre Wert­schätzung Computernutzung ihres Nachwuchses deutlich häu- • Maßnahmen zur Leseförderung in Kindergärten und
kon­zen­ triert sich auf Bücher, wäh­ rend Zeit­schriften figer ein­­wir­ken als auf ihr Leseverhalten. Schulen müssen noch stärker als bisher El­tern bzw. Fami­
Anknüpfend an eine Studie über „Familie und Lesen“ aus kaum mit einer po­­si­tiven Entwicklung von Kindern in lien aktiv einbeziehen. Werden Projekte in Kindergärten
dem Jahr 1988 wurde mittels quantitativer und qualita- Ver­bin­dung ge­bracht werden. Erfahrungen mit Zeit­ 5. Dass Eltern seltener auf das Leseverhalten ihrer Kin- und Schu­ len zu stark vom familiären Umfeld separiert,
tiver Befragungen von Kindern, Eltern und eines repräsen- schrif­ten­­pro­jek­ten in Schulen deuten dagegen auf der einwirken als auf ihren Fernsehkonsum und die könnten sie für Eltern Anlass sein, sich von ei­ge­nem Han­
tativen Querschnitts der Be­völ­
ke­rung eine aktuelle Be- eine zen­trale Funktion al­ters­ge­rech­ter Zeit­schrif­ten­ Computernutzung dürfte mit der Wahrnehmung von deln entlastet zu sehen.
standsaufnahme zur familiären Lesesozialisation von Kin- angebote zur Le­se­mo­tivation von Kindern, v. a. aus Risiken zusammenhängen. Lesen ist im allgemeinen
dern vorgenommen. bildungsfernen Fa­mi­li­en, hin. Konsens etwas Harmloses, während die negativen Wir- 6. Nur in jeder zweiten Familie in Deutschland haben
kungen von Fern­se­hen und Computer Gegenstand an- Eltern die sichere Vor­stellung, dass sie er­folg­reich etwas
Auf dieser Grundlage lässt sich ein dif­ferenziertes Bild Empfehlungen: haltender öffentlicher Diskussion sind. Viele Eltern für die Lesefreude ihrer Kinder tun können. 21 Prozent
zeichnen, das in neun Aussagen zu­ sam­men­ ge­
fasst • Um das lesefördernde Potential von Zeitschriften besser dürften sich zudem durch lesefördernde Aktivitäten halten sie für Ver­an­la­gung. Jüngere Eltern ge­hen etwas
werden kann: auszuschöpfen, sollten Eltern früh­zei­tig über die Breite des von Kindergärten, Schulen und außerschulischen In­ seltener da­von aus, dass Le­sefreude beeinflussbar ist als
Angebotes emp­feh­lens­wer­ter Zeit­schriften für Kinder un­ter­ stitutionen von eigener Verantwortung entlastet se- Väter und Müt­ter über 40 Jahre. Dabei fallen vor al­lem
1. Das klare Bekenntnis einer überwiegenden Mehr- schied­li­chen Alters informiert und motiviert werden, Zeit­ hen. die 25 bis 29-jährigen auf, die besonders skeptisch sind:
heit der Bevölkerung zum kindlichen Lesen bie­tet ein schriften in den Lesestoff ihrer Kinder zu in­te­grieren. Nur gut ein Drittel von ihnen meint, man kön­ne beein-
gün­stiges ge­sell­schaftliches Umfeld für die Leseförde- • Pilotprojekte sollten die lesemotivierende Wirkung des Ein­ Empfehlungen: flussen, dass Kinder gern le­sen.
rung von Kindern in Familien. Un­ter Eltern besteht satzes von Zeitschriften früher als bis­her, nämlich bereits im • Lesen muss aus der Nische der Harmlosigkeit und des Un­
na­he­zu einhelliger Konsens, dass Le­sen für die Ent- Grundschulalter prüfen. Eine entsprechende Begleitfor­ ver­däch­ti­gen heraus. Selbst­ver­ständ­lich muss der Nutzen Empfehlung:
wicklung eines Kin­des sehr wich­tig oder wichtig ist. schung kann dazu systematische Erkenntnisse liefern. des Lesens bei der In­for­ma­tion und Mo­ti­va­ti­on von Eltern • Die besondere Skepsis der 25- bis 29-jährigen Eltern zeigt,
weiter­hin zentral sein. Dennoch wird man mit der The­ma­ wie differenziert man mit Blick auf Maßnahmen Zielgrup­
2. Unter der Vielzahl der Me­di­en, die um die Freizeit 3. Bücher – so also die öffentliche Vorstellung – sind ti­sie­rung von Ri­si­ken, die mit dem Nicht-Le­sen – aber auch pen bestimmen und ansprechen muss. Hier sind weitere
der Kin­der und Fa­milien kon­kur­rie­ren, steht das Lesen zweifellos etwas für den Kopf. Mit Gefühlen und so­zia­ mit dem Lesen – verbunden sein kön­nen, besonders jene Un­ter­
su­
chun­gen notwendig, um Ursachen und Hinter­
16 Le s e fr e u d e 1/2011 1/2011 L e s e fr e u d e 17

gründe der Sichtweisen in dieser Al­ters­grup­pe zu identifizie­ Dr. Simone C. Ehmig ist Leiterin des Institutes fernen Familien, die gern le­sen, von ihren
ren und daraus gezielt Strategien zu entwickeln. für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. Eltern nicht häufiger vor­gelesen als Kin­
E-Mail: simone.ehmig@stiftunglesen.de, dern, die keine Freude am Lesen ha­ben.
7. Gute Chancen auf eine bewusste und en­ga­gier­te Le­ www.stiftunglesen.de/forschung Ihre Müt­ter und Väter lesen aber er­heblich
se­­­­­­för­de­rung in der Familie haben Kinder – v. a. Mäd- öfter mit ihnen zusammen Bücher.
chen – von Eltern mit hohem formalem Bil­dungs­hin­
tergrund, die häufig nicht mehr ganz jung sind und 9. Bei Kindern, die gern lesen, ist es
selbst viel lesen. Diese Mütter und Väter schätzen die durch das gemeinsame Lesen mit den El-
Freude ihrer Kin­der an Büchern hoch und hal­ten sie ihre Kinder, sie praktizieren es selbst häufig und neh- tern ge­lun­gen, eine Brücke zu schlagen
für ein wichtiges Erziehungsziel. Sie wirken mit ihrem men damit für ihre Kinder ei­ne Vorbildfunktion wahr. zwischen dem Vorlesen und dem eigen-
eigenen Vor­ bild wie auch durch Er­ zie­hungs­ maß­  Eltern mit ausgeprägtem Familiensinn: Sie verbrin- ständigen Lesen. Die ge­ teil­
ten Le­
bens­
nahmen auf das Leseverhalten ihres Nach­wuchses ein. gen viel Zeit mit den Kindern und ver­su­chen ihnen wel­­ten beim gemeinsamen Lesen dürf-
We­­ni­ger gute Chancen auf eine en­ga­gierte Leseförde- möglichst viel mit auf den Weg zu geben. ten dazu beitragen, dass der Bruch vom
rung in der Familie ha­ben Kinder – v. a. Jungen – von  Eltern mit klaren Erziehungszielen und Werten: Sie Vor­le­sen im Vor­schulalter zum (Nicht-)
Eltern mit ein­fa­cher formaler Bildung, die häu­fig noch vermitteln ihnen häufig ein traditionell ge­prägtes Wer- Lesen nach dem Eintritt in die Schule ab­
jung sind und selbst nicht oder selten lesen. Diese tesystem, legen aber auch Wert auf Eigenschaften, die ge­federt wird. Wenn El­tern – nach der
Mütter und Vä­ter halten die Freude ihrer Kinder an sie zu le­bens­taug­li­chen Menschen machen. Sie setzen Vor­le­se­phase – mit ihren Kindern zusam-
Büchern selten für ein Erziehungsziel. Sie wirken we- ihren Kin­dern kla­re Grenzen, die ihnen zugleich einen men Bücher lesen, über­brücken sie das
nig auf das Leseverhalten ihres Nach­wuchses ein und Be­zugs- und Orientierungsrahmen bieten. Innerhalb Va­ku­um, das zu ent­ste­hen droht. Ei­ne
bieten dies­bezüglich auch kaum ein Vorbild. der ge­setz­ten Gren­zen lassen diese El­tern ihren Kin- von den Müttern und Vätern begleitete
dern weit­ge­hend freie Bahn, ihre eigenen Interessen ge­mein­sa­me Ein­le­se­phase zwischen Vor­­
8. Risikofaktoren wie ein niedriges Bildungsniveau der und Vor­lieben zu ent­wickeln. Das Lesen steht dabei le­se- und ei­­gen­ständiger Lesephase
Eltern bedeuten keine vorprogrammierte „Ab­wärts­spi­ ebenso wie Fernsehen und Computer zur Disposition. scheint eine sinn­vol­le Vor­aus­setzung da­
rale“. Dies zeigt ein systematischer Vergleich der Lesen wird eine Möglichkeit zur Selbstentfaltung. für zu sein, dass Kin­der das Lesen lie­ben
Lebens­welten von Kindern mit ein­fachem Bildungshin-  El­tern, die ihre Lebens-, Erfahrungs-, Gesprächs- und lernen und sich in der Welt der Bü­cher
tergrund, die gern lesen und nicht gern lesen. Vier Fak- Lesewelten mit den Kindern teilen: Sie gehen auf das zu Hause füh­len können.
toren scheinen trotz bestehender Risikofaktoren eine ein, was ihr Nachwuchs er­lebt, was die Kinder beschäf-
gute und erfolgreiche Lesesozialisation zu ermöglichen: tigt und interessiert. Sie wei­ten den Blick der Kinder Empfehlungen:
für Werte, Normen und Grundfragen menschlicher • Eltern müssen da­rin bestärkt werden, sich möglichst viel umgekehrt mit geeigneten Produkten ent­ ge­
gen­
kommen.
 Eltern, für die das Lesen zum Leben dazugehört: Sie Existenz. Da­bei spielen auch Medien eine Rolle. Anders mit ihren Kindern zu beschäftigen und dabei die Fragen, In­ Idealerweise würden Lesemedien, die be­stimm­te Interessen
schätzen es hoch, sowohl für sich selbst als auch für als man vermuten könn­te, wird Kindern aus bil­dungs­ ter­essen und Bedürfnisse der Kinder in die familiären Ge­ bedienen, einen Anreiz schaf­fen, dass sowohl Eltern wie
spräche ein­zu­beziehen. Das Lesen stellt da­bei einen elemen­ auch Kin­der sich mit ihnen beschäftigen und darüber aus­
taren Bestandteil der Aktivitäten und Ge­sprächs­themen dar. tauschen. Da­bei wird die Motivation eher über The­men als
• In Emp­feh­lun­gen zum Umgang mit Medien sollte neben über das Lesen selbst gehen können. Einen Ansatzpunkt bie­
dem Vorlesen und dem späteren ei­ge­nen Lesen unbedingt ten Zeitschriften, die spe­zi­­fische Interessen und Vorlieben
auch das gemeinsame Lesen von Eltern und Kindern eine bedienen und z.B. mit Ausgaben für Kinder eine Ver­bin­dung
Rolle spie­len und in seiner Brückenfunktion her­vorgehoben der Lesewelten von Eltern und Kindern herstellen. Einen
werden. In Handreichungen könnten dazu pra­ktische Tipps weiteren Ansatzpunkt bie­ten Kon­zepte in Kindergärten und
vermittelt werden, die z.B. Anregungen für spielerische und Grundschulen, die die Familien konkret einbeziehen. Hier­zu
kreative Ele­men­te enthalten. Auch wenn die Bedeutung des fin­den sich Modelle im Präventionsbereich. Zentral ist, El­
Vorlesens und die Rol­le von Vätern und Müt­tern als selbst tern auf spielerische Weise in die Le­­se­welten ihrer Kinder
lesende Vorbilder unbestritten sind, muss auch dar­über hi­ hineinzunehmen, ohne sie damit zeitlich und intellektuell
naus noch et­was ge­sche­hen, sonst lesen Eltern „neben“ ih­ zu über­for­­dern. &
ren Kindern her, brin­gen sie aber nicht dazu, selbst zu lesen.
• Eltern, die wenig Interesse an der Persönlichkeitsentwick­
lung ihrer Kinder haben, werden schwer zum Um­denken
und Handeln gebracht werden können. Ihnen muss man
Bild: ©Fotolia
1/2011 1/2011 M an(n) l i e s t 19

rum von Frauen dominierten Berufsfeld erfolgverspre- erworben, mit Schlagwort und neuem Interessenaufkle-

Platzverweis chend sein? Ist beispielsweise eine geschlechterge-


trennte Veranstaltungsarbeit wirklich eine gute Idee
ber „Jungen“ versehen und je nach Möglichkeit in den
Bibliotheken hervorgehoben präsentiert. Lesetipps für

für Jungen?
oder eher ein Rückfall in längst überwundene Zeiten? Jungen auf der Kinderhomepage sollen den Zugang
Keine Frage! Es ist an der Zeit, die neuen Jungen-Be- auch von zu Hause aus erleichtern und Eltern, Pädago-
funde stärker als bisher zu berücksichtigen und auch gen und Vorlesepaten beraten. Doch die Verführung
Man(n) liest – Werben um im bibliothekarischen Alltag nach Antworten zu su- zum Lesen kann letztlich erst gelingen, wenn das Buch
chen. Dabei geht es um den Gesamtblick, um Ge- auch wirklich an den Mann bzw. an den Jungen ge-
den männlichen Leser schlechtergerechtigkeit für Jungen und Mädchen, bracht ist. Dafür braucht es mehr Signale an „Noch-
nicht um eine neue Beschränkung. So ist es richtig nicht-Leser“, mehr direkte Ansprache von „Noch-nicht-
und wichtig, dass momentan die Jungenarbeit vieler- Nutzern“, mehr Aufmerksamkeit fürs Buch und letzt-
orts mit Ideen und Experimenten ins Zentrum der lich mehr Identifikation mit der Bibliothek.
So nhi l d M enzel Aufmerksamkeit rückt.

Lesen klingt in vielen Jungenohren altmodisch und ver- Die Städtischen Bibliotheken Dresden haben sich die-
staubt, nach Geradesitzen oder Deutschstunde. Es hat den sem Thema sowohl im laufenden Bibliotheksentwick-
Geruch des Verordneten, des Unmännlichen, des Langwei- lungsplan (2008–2010) als auch in der aktuellen Jahres-
ligen, Spaßfreiheit inklusive. Das Fatale ist, dass immer planung mit neuen Schwerpunkten zugewandt. Schnell
mehr Jungen die Erfahrung zu machen scheinen, dass Le- war klar, dass es neben Schwerpunkten eines grundsätz-
sen für sie nicht lohnt, Lektüre ihnen nichts bringt. Die lichen Überdenkens und Hinterfragens eingeschliffener Werben um die Gunst des männlichen Lesers
Folge ist eine lebenslange Aversion – eine Abneigung mit berufspraktischer Herangehensweisen und Verhaltens-
Konsequenzen. muster bedarf. Denn die zentrale Fragestellung lautet: Komplexen Problemen ist mit einer schnellen Kampa-
Wie können wir im bibliothekarischen Alltag, in der gne allein nicht beizukommen, sie kann aber auch
Dabei sind fehlende Lesekompetenz und damit man- täglichen Praxis besser auf die besondere Lesesituation hilfreich sein, wenn es darum geht, mehr öffentliches
gelnder Schulerfolg nur zwei Probleme von vielen. Vor- von Jungen eingehen, wie leiten wir durch kleine Interesse auf ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen
bei die Zeiten, in denen Jungen überall die Nase vorn Schritte dauerhafte Veränderungen ein und wie zu lenken. Die Arbeitsgruppe Erwachsene der Städ-
hatten. Zwar scheinen sie oft selbstbewusst und durch- könnten geschlechtsspezifische Angebote trotz Beibe- tischen Bibliotheken hatte in Reaktion auf aktuelle
setzungsstark, in ihren schulischen Leistungen aber haltung einer Veranstaltungsarbeit mit gemischten Kin- Statistiken ein Aktionsjahr zur Gewinnung von mehr
bleiben sie immer öfter zurück. Jungen lernen und ent- dergartengruppen und Schulklassen aussehen. Ausge- männlichen Bibliotheksbenutzern konzipiert, das aus
wickeln sich anders, sie lesen weniger und kürzere hend von diesen Überlegungen entwickelte die Arbeits- verschiedenen Angebotselementen bestand. Unter
Texte und sie bevorzugen Spannung, Fantasy und Co- gruppe Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit, in der Ver- doppeldeutiger Überschrift „Man(n) liest“ warben
mics. In der Basiskompetenz Lesen beträgt der Vor- treter aus Dresdner Stadtteilbibliotheken zusammenar- alle Stadtteilbibliotheken das gesamte Jahr 2009 hin-
sprung der Mädchen laut PISA inzwischen mehr als ein beiten, ein Konzept, dessen wichtigste Punkte an dieser durch in ihren Räumen mit Buchpräsentationen und
Schuljahr. An passenden Erklärungsmodellen dafür Stelle skizziert werden sollen. Sonderaktionen um die Gunst des männlichen Lesers,
herrscht kein Mangel: Da werden biologische Faktoren, begleitet von einem thematischen Veranstaltungspro-
kulturhistorische, rollen- und sozialisationsbedingte Grundlage Bestandsangebot gramm für Männer in der Haupt- und Musikbiblio-
Unterschiede ins Feld geführt. Zudem, so meinen Kriti- thek. Für Aufsehen und gelegentliches Schmunzeln
ker, orientiert sich Vor- und Grundschulbildung zu ein- Wir waren uns einig, dass der Bestandsaufbau in allen sorgte der Auftakt der Aktionen, ein City-Light-Plakat
seitig an weiblichen, berücksichtigt zu wenig männ- Stadtteilbibliotheken die Lese- und Medieninteressen mit Michelangelos David, das an 19 Punkten der Stadt
liche Interessen und Bedürfnisse. Nötig wäre auch von Jungen stärker als bisher berücksichtigen muss. an beleuchteten Plakatsäulen sicher nicht nur den
mehr Alltag, mehr Normalität im Umgang mit männ- Dank breiter öffentlicher Diskussion sind Jungen als männlichen Leser ansprach.
lichen Bezugspersonen und zwar ganz generell. Zielgruppe auch für Verlage wieder interessant gewor-
den. Entsprechend verbessert ist das Angebot mit jun- Passend zum Jahresthema für Männer wurde mit
Also auch in den Bibliotheken! Doch welchen Spiel- gengeneigten Titeln und Buchreihen, bei denen das Schülern des Sportgymnasiums Dresden eine Foto-Se-
raum haben Bibliotheken, ihre Angebote für Jungen Cover stimmt und in denen männliche Protagonisten rie für eine Jungen-Schaufenster-Kampagne entwi-
gezielt zu verbessern? Welche Möglichkeiten im Um- mit Spaß, Spannung und Action im Mittelpunkt ste- ckelt. Zeigen wollten wir damit, dass lesende Jungen
gang mit den Jungen könnten hier, in einem wiede- hen. Diese Titel werden seit ca. einem Jahr verstärkt durchaus auch coole und sportliche Typen sind, mit
20 M a n ( n ) l i e st 1/2011 1/2011 M an(n) l i e s t 21

higen Roll-ups als Deko-Elemente für Innenräume, zur zentrieren können und zum Gespräch über Inhalte dürfen gespannt sein auf ihre Anregungen, Ideen und
Belebung der Jugendbereiche oder als Hintergrund für nur zögerlich bereit sind. Wie also könnte man ihre Umsetzungsvorschläge. Als Dankeschön und Anreiz
Lesungen und Veranstaltungen einzusetzen. In Zweit- Lesebegeisterung für Bücher entfachen und welche Ka- lud die Bibliothek Pieschen zu einem gemeinsamen
verwertung der Motive entstanden außerdem mit un- talysatoren sind dafür die richtigen? Unser Jungenlese- vorweihnachtlichen Bücherkauf ein, bei dem die Jun-
seren „coolen lesenden Jungs“ farbige Plakate im DIN- club in der Stadtteilbibliothek Pieschen versucht dies gen das Medienangebot der Bibliothek schon mal ein
A1- Format, gedacht für Aufsteller im Innen- und Au- mit der Methode „Learning by Doing“ vorsichtig zu wenig mitbestimmen konnten.
ßenbereich, die sich genau wie die Roll-ups gut für den ergründen. Unter der Leitung eines männlichen, in
längerfristigen Einsatz eignen. der Programmarbeit erfahrenen Bibliothekars treffen Jungen-Aktionstage in der medien@age
sich seit Juli 2009 Jungen zwischen 8 und 12 Jahren im
Programmarbeit Turm der alten Feuerwache (zur Bibliothek gehörig). Wie kann Lesen selbstverständlicher Bestandteil eines
Günstig sind in diesem Fall die räumlichen Gegeben- Jungenlebens werden? Ein Workshop Ende 2009 mit
Trotz neuer Ausrichtung werden auch künftig ge- heiten zu nennen: Ein kleiner, separater Raum hoch einem Mix aus theoretischem Hintergrundwissen und
mischte Gruppen aus Kindergärten und Schulen als oben über den inspirierenden Bücherwelten der ei- praktischen Tipps sollte nach Antworten suchen und
Zielgruppe das Gros unserer Veranstaltungstätigkeit gentlichen Bibliothek bildet den Rahmen. Die gewen- den Abschluss des ersten Jahres einer neuen Ausrich-
ausmachen. Veränderungen im Kleinen erhoffen wir delte Eisentreppe hinauf in den Turm ist eng und tung unserer Zielgruppenarbeit bilden. Unter dem
uns allerdings schon davon, dass alle Veranstaltungen, schmal. Es scheint, als wäre der Aufstieg schon der Be- Motto “Kann denn Lesen männlich sein“ ging der
Themen und Angebote bereits in der Planung stärker ginn eines (Lese-) Abenteuers, das die Jungen oben er- Kinder- und Jugendbuchautor Frank Reifenberg in
daraufhin durchdacht werden, ob damit Mädchen wartet. Und trotzdem: Ganz und gar schwierig gestal- einem Workshop für Mitarbeiter sowie in Veranstal-
und Jungen gleichermaßen angesprochen werden tete sich das Vorhaben, Jungen passenden Alters für tungen der Frage nach, wie Leseförderung für Jungen
können. Das fängt bei der Wahl des thematischen den Lesetreff erst einmal zu gewinnen, eine Gruppe funktionieren könnte und welche Konzepte, Strate-
Schwerpunktes an und reicht bis zur Auswahl der Re- Interessierter allmählich aufzubauen und zu stabilisie- gien und Beispiele dabei hilfreich sind. Neu entwi-
ferenten. Um bibliotheksspezifischen Frauenüber- ren, um dann gemeinsam mögliche Inhalte und Ziele ckelte Angebote wurden kritisch reflektiert, deren bis-
denen sich männliche Jugendliche gut identifizieren schuss etwas zu relativieren, kümmern wir uns inten- zu entwickeln. herige Wirkung analysiert und neue Ideen und Mög-
können. Und so stehen sie dann auch souverän auf 2 siv um regionale Kooperationen mit Partnern, die uns Unter dem Motto „Books for Boys – für Mädchen ver- lichkeiten für die Zukunft diskutiert. Flankiert wurden
Meter hohen, schwarz-weiß gedruckten Roll-ups, bli- mit männlichen Referenten und Akteuren zur Seite boten“ begannen wir Mitte vergangenen Jahres, ca. ei- die Jungen-Aktionstage durch Lesungen und eine Fan-
cken selbstbewusst in die Runde und haben jeweils stehen können. Die so entstehenden Vernetzungen nen Monat vor dem ersten geplanten Termin mit den tasy-Lesenacht mit einem speziellen Programm aus-
versteckt oder offenkundig eine Lesebotschaft in Form mit Institutionen und Vereinen, die Kooperationen Werbemaßnahmen für den Jungenleseclub. Plakate schließlich für Jungen in der medien@age.
ihres Lieblingsbuches dabei. Die Bücher, im Unter- mit Schauspielern, Autoren und Künstlern sowie die und Handzettel in der Bibliothek und im Wohngebiet
schied zu den Personen hervorgehoben durch Vier- Veranstaltungen mit Sportlern, männlichen Vorlese- sowie ein Aufsteller vor der Tür führten schon bald zu Mehr als nur ein Jahresthema – wie weiter?
farbdruck, schauen entweder nur knapp aus der Ho- paten und Prominenten verändern allmählich das ermutigenden Nachfragen und Interessenbekun-
sentasche oder werden augenzwinkernd in verschie- Bild und stärken das Angebot an lesenden Vorbildern dungen. Gekommen zu den ersten Treffs, die termin- Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Jungenförderung
denen Posen präsentiert. in Bibliotheken. Jungen eine Bühne zu geben, auf der lich noch in den Sommerferien lagen, waren aller- setzen wir vor allem auf mehr Sensibilität, mehr Kon-
sie selbst zu Akteuren werden können, ist das Ziel der dings lediglich ein bis drei interessierte Teilnehmer. tinuität und Langfristigkeit. Was wir brauchen ist der
Werbend aus den Räumen der Bibliotheken herauszu- 2009 neu ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen größten- grundsätzlich andere Blick und praktikable Ideen, mit
treten, Nicht-Nutzer bzw. unterrepräsentierte Nutzer- „Schülerbands treffen sich“. Für eine geringe Auf- teils auf der Hand. Mitunter sind sie aber auch in sim-
schichten direkt in den Blick zu nehmen sowie neue wandsentschädigung treten alle zwei Monate interes- plen lebenspraktischen Tatsachen zu suchen, nämlich,
Akzente in die Außendarstellung von Bibliotheken zu sierte Dresdner Schülerbands in der medien@age auf, dass Grundschulkinder kaum noch ohne Begleitung
bringen, war das Ziel der Schaufenster-Kampagne. umrahmen Veranstaltungen, Lesenächte und Preisver- ihrer Eltern im Stadtgebiet allein unterwegs sind. Die Autorin Sonhild Menzel ist Lektorin für Kinder-
Thematisch passend zu den neuen Werbeträgern wur- leihungen, geben Kostproben ihres musikalischen Inzwischen hat sich ein kleiner stabiler Stamm lesein- und Jugendmedien und betreut Projekte in der
den dazu in den Schaufenstern der Stadtteilbiblio- Könnens und begeistern Gleichgesinnte. teressierter Jungen gebildet, der sich zweimal im Mo- Leseförderung. Kontakt: Städtische Bibliotheken
theken Buch- und Medientipps für männliche Leser, nat trifft. Sie lesen gemeinsam oder lesen vor, hören Dresden, Kinder- und Jugendliteratur, Kinderbiblio-
also Spannungsliteratur, Sachbücher, Comics und Jungenlesetreff in der Stadtteilbibliothek Pieschen einander zu und tauschen sich aus. Sie schauen sich theksarbeit, Frau Sonhild Menzel, Freiberger Straße
Non-Books präsentiert und sorgten mit ihren farbin- literarische Schauplätze im Internet an, recherchieren 33, 01067 Dresden. E-Mail: s.menzel@bibo-dres-
tensiven Covern bei der Zielgruppe (hoffentlich) für Jungen bevorzugen bekanntlich Sachtexte oder und haben Spaß dabei. Sie wollen sich in der Biblio- den.de. Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Leseanimation. Nach Ablauf der Schaufenster-Aktion schmökern gern in Zeitschriften. Weniger spannend thek mit Lesetipps von Jungen für Jungen zu Wort der Redaktion BIS : das Magazin der Bibliotheken
ist 2010 in einem zweiten Schritt vorgesehen, die mit finden sie erzählende Texte. Beobachten kann man melden, vielleicht ein Jungen-Regal kreieren, ihre in Sachen. (1. 2010, S.30–33)
Strahlern ausgestatteten, stabilen und strapazierfä- auch, dass sie sich nicht sehr lange auf das Lesen kon- Lieblingsbücher evtl. auch ins Internet stellen. Wir
22 M a n ( n ) l i e st 1/2011 1/2011 me d i e np ro fi l e 23

5, steht u.a. dafür in jeder Bibliothek zur Verfügung.


Außerdem werden wir künftig durch mehr naturwis-
senschaftlich-technische Inhalte in Veranstaltungen,
wie z.B. Natur, Erfindungen, Maschinen, Sport, Tech-
nik oder Verkehr, den Bereich jungenbezogener Inte-
ressensgebiete ausbauen. Das vielfältige und aktuelle
Kindersachbuchangebot im gesamten Netz kann dafür
eine gute Basis sein. Da alle Kinder, besonders aber
Jungen, Freude an Rhythmus, Bewegung und körper-
lichem Einsatz haben, soll generell der Integration von
Bewegungsphasen und Bewegungsspielen in Veran-
staltungskonzepten mehr Aufmerksamkeit geschenkt
Librix grübelt
unterm Dach
werden. Auch unkonventionelle Ideen kommen auf
den Prüfstand: Guttun könnte uns vielleicht einmal
ein von den Akteuren her männlich ausgerichteter Bü-
cherfrühling oder auch personelle Verstärkung durch So schmeckt mir der Frühling
einen geeigneten jungen Mann im „Freiwilligen Sozia-
len Jahr“ in der Kinderbibliotheksarbeit.
denen wir den Interessen und Potentialen von Jungen
besser Rechnung tragen können. Für die Zukunft wird entscheidend sein, dass an die Su s anne Ems chermann Katalonien (MedienNr. 329118) oder mit Helge Sobik
Mit der geplanten Veranstaltungsreihe „Jungen lesen Stelle punktueller Angebote, die wir jetzt ausprobie- nach Kanada (MedienNr. 329125) reisen. Beide Titel
vor“ wollen wir 2010 Jungen ermuntern, ihre Lesebe- ren, mehrstufige, gut vernetzte und dauerhafte Kon- Na, haben Sie mich nicht vermisst? Hier unter meinem rus­ sind aus der Reihe „Lesereise“ aus dem Picus Verlag.
geisterung auch an andere weiterzugeben. Durch mehr zepte treten, dass die Verführung zum Lesen komplex tikalen Büchereidach habe ich inzwischen eine echte Fan- Ich wette, spätestens jetzt lachen Sie mit der spa-
Veranstaltungen mit wettbewerbsähnlichen Struk- und auf breiter Basis erfolgt. Bibliotheken und Schulen gemeinde. Im Sommer konnte ich viele Tipps anbringen nischen Sonne um die Wette.
turen soll erreicht werden, dass sich vor allem Jungen sind hierbei wohl besonders in der Pflicht. Helfen wir und unsere Leser kamen gut erholt aus den Ferien zurück.
für Bibliotheksangebote interessieren. Unser neu ent- also mit unseren Möglichkeiten mit, dass Jungen ih- In der dunklen Jahreszeit sehe ich viele graue Gesichter Ich krieche zum Beginn der Sachbuchrezensionen zu-
wickeltes und bereits erfolgreich getestetes „Biblio- ren Platz im Leben auch als lesende Individuen und und ich überlege, ob ein Buch nicht ein Lächeln zaubern rück. Unter Ha Handbücher, Allgemeines wird der
theks-Activity“, ein Spiel für Schülergruppen ab Klasse zukünftig präsente, vorlesende Väter finden. & kann. Titel „Die Meinungsmacher: über die Verwahrlosung
des Hauptstadtjournalismus“ von Leif Kramp (Medi-
So schnappe ich mir mal wieder die aktuellen medien- enNr. 564214) ganz ausdrücklich empfohlen. Ich weiß
profile 1.2011 und suche nach geeigneter Lektüre. nicht, ob dieses Buch in unserer kleinen Bücherei gut
Schnell werde ich fündig: „Ich bin nicht gut drauf“, so gehen würde, aber das Thema ist aktuell. Der Rezen-
fängt die Rezension des Buches „Die Launen der Seele“ sent Carl Wilhelm Macke schreibt „Wer macht in
von Christophe André an (MedienNr. 565048). Auf dem Deutschland wie und mit welchen Zielen die ,öffent-
Cover sitzt ein kleiner Teufel auf einer weißen Wolke und liche Meinung’?“ An dem Thema, das die Öffentlich-
Englisch? Aber gerne ... grinst. Darunter steht „Vom Umgang mit unseren Stim-
mungen“. Karola Sußbacher empfiehlt diesen Ratgeber,
keit im Herbst 2010 stark bewegt hat, kommt natür-
lich auch unsere KÖB nicht vorbei. Die „Integrations-
der Stimmungen bewusst macht und zu einem inneren debatte“ ist in aller Munde. Zum Thema Integration,
Fremdsprachenkenntnisse werden in unserer globali- gen in der jährlich zum Schulanfang erscheinenden Gleichgewicht führt. Wenn Sie den Alltag noch immer aber auch Toleranz bieten die medienprofile wie immer
sierten Welt immer wichtiger. Mit der Einführung einer Medienliste mit empfehlenswerten Titeln. als grau empfinden, versuchen Sie doch den Titel „Wa- eine reichliche Titelauswahl (auch im Internet unter
Fremdsprache in den Unterrichtsplan der Grundschule Und für die Großen gibt es viele bekannte Bestseller im rum es sich zu leben lohnt“ von Uwe Böschemeyer (Me- http://www.medienprofile.de/articles/article/tole-
wurde ein erster wichtiger Beitrag geleistet. Doch englischen Original, eine interessante Auswahl ist in dienNr. 567053). Auch das Buch „Der Freude auf der ranz/). Folgen Sie einem engagierten Bücherwurm
auch außerhalb der Schule sollen die Kinder spiele- der Medienliste „Englische Belletristik“ zusammenge- Spur“ von Elisabeth Lukas (MedienNr. 329993) verdeut- durch die Seiten.
risch an die fremde Sprache herangeführt werden und fasst: spannende Krimis, All-Age-Titel, literarische licht uns das Geschenk des Lebens.
der Spaß am Erlernen gefördert werden. Der Bor- Glanzstücke oder Historische Romane. Wer der täglichen Routine weiterhin entfliehen möch- Die Rezensentin Martina Häusler stellt zwei Titel vor:
romäusverein e.V. unterstützt dieses wichtige Anlie- www.medienprofile.de te, für den habe ich zwei besondere Lesereisen im Ge- „Muslimisch – weiblich – deutsch!: mein Weg zu
päck. Wahlweise können Sie mit Christian Leetz nach einem zeitgemäßen Islam“ (MedienNr. 316456) von
24 m ed i en p r ofile 1/2011 1/2011 me d i e np ro fi l e 25

Lamya Kaddor. Die Autorin ist Religionspädagogin Der Roman „Meeresstille“ von Nicol Ljubi (MedienNr. Ebenso „für jede Bilderbuchkiste gut geeignet“ ist der Ti- hende Journalistin Claire soll eine Biographie über ei-
und „... plädiert dafür, den Islam so weiterzuentwi- 329136) behandelt den Völkermord auf dem Balkan. tel „Ich und Du“ von Janet A. Holmes und Judith Rossell nen Serienvergewaltiger schreiben. Dieser „scheint De-
ckeln, dass er auf die Herausforderungen der moder- Günther Freund nennt es „ein wichtiges Buch, sehr zu (MedienNr. 326829). Das kleine weiße Häschen kann tails aus ihrem Leben zu kennen ... Doch ihre Befürch-
nen Gesellschaften antworten kann... und fordert die empfehlen für zeitgeschichtlich interessierte Leser“. Es schon vieles, aber alles macht erst mit dem besten Freund, tungen werden zum blanken Horror, als Crill eines Ta-
rechtliche Gleichstellung mit Christentum und Juden- war ebenso wie der folgende Titel für den Deutschen einer kleinen Maus, richtig Spaß. Anna Bartjes-Schohe ges aus dem Gefängnis ausbricht.“
tum.“ In ihrer Biographie „So wie ich will: Mein Leben Buchpreis nominiert. „Tauben fliegen auf“ von Melinda lobt diese „warmherzige Freundschaftserzählung“. Für einen politischen Kriminalroman aus Argentinien
zwischen Moschee und Minirock“ (MedienNr. 326191) Nadj Abonji (MedienNr. 566871) ist der Gewinnertitel. krabbele ich mal kurz in die medienprofile 3.10. Ma-
erzählt Melda Akbas, eine junge Deutsch-Türkin der „Die aus Serbien stammende, in Zürich lebende Auto- Aus den Jugendbuchempfehlungen greife ich mir den rion Sedelmayer möchte Ihnen den Titel „Der Tote von
zweiten Generation aus Berlin-Kreuzberg, ihre Ge- rin... nimmt ihre Leser mit auf eine Zeitreise durch über Titel: „Die Hassliste“ von Jennifer Brown (MedienNr. der Plaza Once“ von Ernesto Mallo empfehlen (S. 645,
schichte. „Gehört in jede Bücherei!“ 30 Jahre serbische Geschichte... und füllt damit den 326609). Hier geht es um einen Amoklauf an einer MedienNr. 328506). Die Geschichte „spielt in Buenos
zurzeit so heiß diskutierten Begriff der Integration mit Schule. Lotte Schüler fasst die Botschaft des Buches so Aires zur Zeit der argentinischen Militärdiktatur“.
prallem Leben.“ Die Rezensentin Beate Mainka emp- zusammen: „Geht achtsam miteinander um, grenzt Während Comisario Lascano versucht, einen Mordfall
fiehlt diesen Roman anspruchsvollen Lesern. niemanden aus und stärkt nicht das eigene Ego auf Ko- zu lösen, sind ihm plötzlich „die Todesschwadronen
Passend zum Thema findet sich bei den Kinderbü- sten anderer!“ Sie empfiehlt auch das Buch „Wish u auf den Fersen. – Ein melancholischer und strecken-
chern eine Geschichtensammlung: „Ich mag dich, were dead“ von Todd Strasser, in dem es „um das The- weise auch poetischer, kluger Roman, der die Schre-
weil du anders bist!: Geschichten vom Vertrautsein ma der Verantwortung gegen die Mitmenschen und cken des politischen Terrors auf beeindruckende Weise
und Fremdsein“ (MedienNr. 334353). Die Schauspiele- für das eigene Tun“ geht (MedienNr. 328357). thematisiert.“ Dieser Roman wurde als bester Krimi bei
rin Iris Berben hat Geschichten bekannter Kinder- der Semana Negra, einem internationalen Krimifesti-
buchautoren gesammelt. Die Rezensentin Veronika Spannendes „Lesefutter“ bieten außerdem die Titel val in Gijón, Spanien ausgezeichnet.
Remmele greift die erste Geschichte von Otfried „Worldshaker“ von Richard Harlan (MedienNr. 566092)
Preußler auf. Darin geht es „um einen ungarischen und „Nach dem Sommer“ von Maggie Stiefvater (Medi-
Jungen, der nach Deutschland in eine neue Klasse enNr. 333849). Der erste Titel beschreibt lt. Nicole Schu-
Ich muss mich jetzt erst einmal stärken und suche mir kommt und kein Wort Deutsch spricht. Seine Mit- ster die „Abenteuer eines Jungen aus der Eliteschicht, der
etwas zu essen. Auch wenn der Frühling noch ein biss- schüler reagieren sehr abweisend. Doch ihr Klassen- zum Oberbefehlshaber auserkoren wird, sein Weltbild
chen auf sich warten lässt, kann ich schon einmal von lehrer... schickt allen Schülern in der Nacht einen be- dann aber überdenken muss.“ Es ist der erste Band einer
Rhabarberkompott und Erdbeertorte träumen. „So stimmten Traum ...“. neuen Reihe. Der zweite Titel handelt von der jungen
schmeckt der Frühling: das Frühjahrsgenussbuch“ von Grace, die sich in einen Wolfsmenschen verliebt. Beate
Magda Drostel (MedienNr. 329770) ist ein „wunder- Mainka lobt die „herausragende Fantasy-Autorin ... de-
schön und reichhaltig bebildertes Kochbuch“, das der ren Charaktere weder schwarz noch weiß sind ...“ und
Rezensent Josef Schnurrer sehr empfiehlt. Jetzt wün- die „Liebesgeschichte“, die „anrührend zart erzählt ist“.
sche ich mir noch ein Butterbrot mit Blaubeerlimet-
tencreme. Das Rezept hierfür finden Sie in „Genuss im Ein Bücherwurm gleitet mühelos über die Seiten, Sie Jetzt gibt es noch schnell was auf die Ohren. Das Buch
Glas: die 100 besten Rezepte für Marmeladen, Gelees, müssen ein bisschen vor- und zurückblättern. Ich „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“ von Suzan-
Chutneys und Co.“ (MedienNr. 329771) Am besten möchte zurück zu den Romanen. Georg Bergmeier legt ne Collins (MedienNr. 315076) bekam in diesem Jahr
fangen Sie schon einmal an, Gläser zu sammeln. uns den Roman „Pierre und Luce“ von Romain Rol- den Jugendliteraturpreis in der Kategorie „Preis der Ju-
land ans Herz (MedienNr. 334440). Der Autor, der be- gendlichen“. Das Hörbuch (MedienNr. 565368) ist an
Es geht weiter zu den Romanen. Hier finde ich fol- reits 1915 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeich- Spannung kaum zu überbieten. Sie befinden sich zu-
genden Titel: „Feigen in Detroit“ von Alia Yunis (Me- net wurde, hat diesen kleinen Roman 1918 geschrie- sammen mit der Hauptfigur Katniss in ständiger Ge-
dienNr. 334053). Eine 85-jährige arabische Immigran- In dem Bilderbuch „Als ich Maria war“ von Jutta Rich- ben. Er erscheint nun in neuer Übersetzung und er- fahr und versuchen, in einem Amerika der Zukunft
tin erzählt „scharfsinnig, aber durchaus auch humori- ter und Jacky Gleich (MedienNr. 335746) geht es um zählt eine zarte Liebesgeschichte zur Zeit des 1. Welt- Gladiatorenkämpfe zu überleben. Da es auch eine Lie-
stisch... über den multikulturell geprägten Alltag in ein Krippenspiel, in dem ein dunkelhäutiges Mädchen krieges. Der Rezensent schreibt: „... eine der schönsten besgeschichte gibt, ist es für Mädchen und Jungen ge-
den USA“. Edith Schipper rezensiert diesen Roman, so furchtbar gerne die Maria spielen möchte. Die Ge- Erzählungen über die zwischen Menschen mögliche eignet (in unserer Bücherei haben es auch etliche Müt-
der doch tatsächlich, heute (da ich diesen Text schrei- schichte von „Hoffung, Toleranz und dem Wunder der Liebesfähigkeit. Gehört in jede Bücherei!“ ter und einige Väter gehört). Wegen der Gewaltdarstel-
be) der Medientipp des Tages ist. Wenn Sie jetzt nur Weihnacht“ beschreibt Angelika Rockenbach „als zu lungen ist es aber erst für Jugendliche ab ca. 14 Jahren
Bahnhof verstehen, besuchen Sie doch mal die Seite Herzen gehend“. Als Bücherwurm glaube ich, dass die- Für Leser/innen mit starken Nerven empfiehlt Günter geeignet. Der zweite Band „Gefährliche Liebe“ (Medi-
www.borromedien.de, dort finden Sie täglich interes- ses Bilderbuch auch abseits der Weihnachtszeit ein Bielemeier den Thriller „Der Vogelbrunnen“ von Pad- enNr. 329671 und als Hörbuch MedienNr. 335099) ist
sante Tipps. Renner wird. dy Richardson (MedienNr. 326997). Die alleinerzie- genauso spannend. Der letzte Band der Trilogie „Flam-
Bild: ©Fotolia
26 m ed i en p r ofile 1/2011

mender Zorn“ erscheint im Januar 2011. Für die, die anspricht – ohne dabei elitär zu wirken.“ Ich hoffe,
nicht solange warten wollen und einigermaßen Eng- dass Ihnen die Arbeit in den KÖBs ähnlich gelingt.
lisch können, hier der englische Titel: „The Hunger Holger Schwab, einer der beiden Inhaber, hat gesagt:
Games. Mockingjay“ (ISBN 9781407109374). „Ich glaube immer noch daran, dass wenn ich ein
gutes Buch lese, ich ein besserer Mensch werde.“
Zum Schluss wieder ein Filmtipp: „Gran Torino“ (Me-
dienNr. 564864). Clint Eastwood spielt einen Vete- Auf ein schönes Frühjahr, mit reichlich Lesezeit, bis
ranen des Koreakrieges. Er lebt in einer Vorstadtsied- zum nächsten Mal herzlichst
lung, in der hauptsächlich Asiaten wohnen. Die Wand-
lung des bärbeißigen Witwers zum Kämpfer für die Librix, Ihr Bücherwurm &
Wehrlosen ist sehenswert. Der Film trägt das Prädikat
„besonders wertvoll“.

Auf der Frankfurter Buchmesse wird jedes Jahr die


Buchhandlung des Jahres gekürt. In diesem Jahr hat
u.a. der Bonner "buchLaden 46" den Preis bekommen. Susanne Emschermann, freie Autorin, Bücherei­
In der Begründung heißt es „...eine literarische Buch- leiterin KÖB St. Dionysius Niederkassel.
handlung, die ihre Kundschaft mit viel Sprachgefühl

Sie lesen viel – und schenken gern


Die Generation 50 plus ist eine attraktive Zielgruppe.
Eine neue Studie des Börsenvereins beleuchtet, was
die Senioren von »ihrer« Buchhandlung erwarten.

Besondere Würdigung
für Willi Weiers
Chris tina Schu lte lung zu Büchern und zu ihrem Kauf- - Besonders groß ist die Leselust zwi-
verhalten befragt. Wie die Studie schen 60 und 69 Jahren.
Sie sind viele, sehr viele sogar – und zeigt, stehen die Bücher und das Le-
sie sind auf dem Weg, die Gesellschaft sen bei den Älteren hoch im Kurs: All diese Kennzahlen sind jedoch
Die Verleihung der Ver- der ehrenamtlichen Büchereien im gesamten Bistum zu prägen: Die rund 32 Millionen abhän­gig von den Sinus-Milieus, de-
dienstmedaille des Ver- Mainz. Vor allem in Bezug auf die Gesamtsicht der Menschen in Deutschland, die zur - Rund 14,5 Millionen der Senioren nen die Menschen zuzurechnen sind.
dienstordens der Bun- Bücher­eiarbeit, in der Stadt, im Landkreis, im Bistum Generation 50 plus gehören. Eine äu- sind Buchkäufer.
desrepublik Deutsch- Mainz setzt Herr Weiers stets auf Kooperation und ßerst attraktive, aber keinesfalls ho- - Etwa 1,81 Milliarden Euro pro Jahr
land an Willi Weiers, im Netzwerkbildung, damit die geringen finanziellen Mit- mogene Zielgruppe für Buchhand- geben sie für ihre Lektüre aus.
November 2010 setzte ein Zeichen der Anerkennung tel mit bestmöglichem Ergebnis eingesetzt werden lungen und Verlage. - Mit 12,8 Exemplaren jährlich wer- Abdruck mit freundlicher Geneh-
für seinen ehrenamtlichen Einsatz. In der Laudatio können: alles zum Wohle der Bürger. Dies ist Vorbild den die meisten Bücher von den 50- migung der Redaktion Börsen-
hieß es unter anderem: Herr Weiers ist starker Motiva- für 170 Büchereiteams mit mehr als 1300 Ehrenamt- Die Gesellschaft für Konsumfor- bis 59-Jährigen erworben. blatt: Quellenhinweis Börsenblatt
tor des gesamten Büchereiteams, der ehrenamtlichen lern. Herzlichen Dank und Glückwunsch! Mehr lesen schung und Sinus Sociovision haben - 68 Prozent der Senioren greifen re- 46.2009 / Christina Schulte.
Büchereien in der Stadt, im Odenwaldkreis und vieler unter http://twiturl.de/dliauuk die älteren Menschen im Auftrag des gelmäßig zu Büchern; 58 Prozent le- Bildquelle: GfK
Börsenvereins nach ihrer Einstel- sen Zeitungen und Zeitschriften.
28 G e n e r a ti on 50 plus 1/2011 1/2011 G e ne r at i o n 50 p l u s 29

Ihre Bücher kauft die Generation ebenso wie das Vertrauen in den men gern konkrete Buchvorschläge
50 plus am liebsten in kleineren Buchhändler, den der Käufer per- an. Auch Buchbesprechungen in Käuferreichweite und Kaufintensität bei Büchern
Buchhandlungen. Für 27 Prozent sönlich kennt. Gleichzeitig verlie- Zeitungen oder Zeitschriften sind
sind sie die bevorzugte Einkaufs- ren größere Geschäfte an Relevanz. für sie wichtiger als für die jüngeren Verteilung der Altersgruppen in der Gesamtbevölkerung
stätte. Die Top-3-Buchhandlungen, Sie bieten zwar mehr Auswahl, Zielgruppen. Wenig bedeut­ sam
Thalia, Hugendubel und die Mayer­ doch der Einkauf wird als anstren- sind dagegen Internetrecher­ chen, 70 Jahre und älter
sche, folgen mit 25 Prozent, das gend empfunden, weil sich die Se- Online-Rezensionen und die Web- Käufer: 4 Mio. Buchkäufer
Inter­net kommt auf einen Markt- nioren dort nicht so schnell zu- sites der Verlage. Käuferreichweite: 51%
anteil von 17 Prozent. Dieser Wert rechtfinden. Doch trotz guter Beratung und Ver- Kaufintensität: 11 Bücher
untermauert, dass die Silver-Gene- Je älter die Zielgruppe, desto häu- trauen zu den Buchhändlern: Je äl- Bis 49 Jahre im Jahr
ration keinesfalls von neueren figer werden Bücher gekauft, um ter die Kunden sind, desto höher Käufer: 21 Mio. Buchkäufer
Infor­mations- und Kommunika­ sie zu verschenken. Zwar ist immer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Käuferreichweite: 57% 60 bis 69 Jahre
tionsmedien abgeschnitten ist. noch gut jedes zweite Buch für den
persönlichen Gebrauch bestimmt,
das Sortiment ohne Buch wieder
verlassen. Als Begründung für den
Kaufintensität: 10,3 Bücher
im Jahr 12 Käufer: 4,8 Mio. Buchkäufer
Käuferreichweite: 53%

14
Vertrauen und aber die Anzahl der Buchgeschenke Nichtkauf geben die meisten an, Kaufintensität: 12,5 Bücher
persönliche Beratung steigt – gedacht sind sie vor allem dass sie sich nur informieren im Jahr

58
für die Enkelkinder. Allerdings: Mit wollten (61 Prozent). Gut die Hälf-
Kleinere Sortimente werden mit zunehmendem Alter gibt es immer te gibt zu Protokoll, nichts Pas-

16
zunehmendem Alter der Kunden mehr Menschen, die gar nicht sendes gefunden zu haben. Immer
immer beliebter. Der Grund: Per- mehr in die Buchhandlungen kom- wieder wird auch angeführt, dass
sönliche Beratung und Empfeh- men. Bei den über 70-Jährigen ist das gesuchte Buch nicht verfügbar 50 bis 59 Jahre
Käufer: 5,7 Mio. Buchkäufer
lungen gewinnen an Bedeutung – das bereits jeder Fünfte. gewesen sei.
Käuferreichweite: 57%
Um sich über ihre Lektüre zu infor-
Kaufintensität: 12,8 Bücher
mieren, greift die Generation 50 Klare Anforderungen im Jahr
plus vor allem die Empfehlungen
der Buchhändler auf. Die Senioren Die Anforderungen, die ältere Kun-
schätzen gute Beratung und neh- den an eine Buchhandlung stellen,
können sie ganz klar formulieren: Grundgesamtheit 2008: 64 Mio. Deutsche ab 10 Jahre; Käuferreichweite:
- eine große Auswahl an Büchern in bezogen auf die jeweilige Altersgruppe in der Gesamtbevölkerung.
übersichtlicher Anordnung. Ist das
nicht der Fall, befürchten sie, sich
nicht zurechtzufinden und das Ge- setzen und schmökern zu können. möchten. Insofern sind ihnen Aus- sich ein klarer Alterseffekt erken-
suchte zu übersehen; – Großer Wert wird darauf gelegt, wahl und Atmosphäre weniger nen. Während diese Angebote für
- eine angenehme, ruhige Einkauf- dass Bücher auf Wunsch als Ge- wichtig, wohl aber die Übersicht- die 50- bis 69-Jährigen noch attrak-
satmosphäre; schenk verpackt werden. lichkeit der Buchanordnung. tiv sind, haben sie für die über
- ein umfassender Service. Dieser 70-Jährigen keine Relevanz mehr.
beginnt bei der Erreichbarkeit des Für ältere Zielgruppen weniger re- Zusatzwünsche erfüllen Bei Spielfilmen und Software lässt
Geschäfts (Anbindung an öffent- levant sind bargeldlose Zahlungs- das Interesse ebenfalls mit zuneh-
liche Verkehrsmittel, Parkplätze) möglichkeiten, die Option, online Sortimentserweiterungen können mendem Alter nach.
Seniorenstudie und reicht bis hin zu intensiver Be- zu bestellen oder zu recherchieren auch bei der älteren Generation für
Erhebung: Kontinuierliche Erfassung der Kaufdaten von ca. 7.800 ratung und aufmerksamer Bedie- sowie eine schnelle Lieferung in- zusätzliche Kaufanreize sorgen. Die Studie zeigt: Die Generation 50
Personen, Ad-hoc-Befragung von 10.000 Menschen nung. In der Regel wird es als gera- nerhalb von 24 Stunden. Bei den Am ehesten punkten Produkte, die plus weiß sehr genau, was sie vom
Institute: Gesellschaft für Konsumforschung und Sinus Sociovision dezu respektlos empfunden, Bü- Ansprüchen an »ihre« Buchhand- mit Büchern in Verbindung ste- Buchhandel will. Auch wenn die
Herausgeber: Börsenverein, Umfang: ca. 110 Seiten cher selbst suchen zu müssen. lung geben sich die Männer be- hen, etwa Glückwunschkarten, Zielgruppe auf den ersten Blick
Bild: ©Fotolia

Weitere Informationen: Christoph Kochhan, Telefon: 069 / 1306-347 - Die Buchhandlung sollte ein Ort scheidener. Sie kaufen häufig sehr Zeit­schriften oder Schreibwaren. nicht ganz einfach und sehr an-
oder E-Mail: kochhan@boev.de der Ruhe sein. Dazu gehört die zielorientiert ein und sind bereits Schwie­ riger wird es bei Hörbü- spruchsvoll erscheinen mag – es
Möglichkeit, sich gemütlich hin- vorher informiert, was sie haben chern und Musik-CDs: Hier lässt lohnt sich, sie zu erschließen. &
30 I n te r v i ew 1/2011 1/2011 I nt e r v i e w 31

Bild: ©Fotolia
Was kann starke Literaturkritik heute lerdings versagt, nicht nur weil sie das Wenn man sich manche Feuilletons
auch im Sinne der Verlage leisten? Plagiat nicht erkannt hat. Urteilt der ansieht, dann finden sich dort derart
Nach meiner Berufsauffassung ist Kritiker zu sehr nach persönlichem spezielle Titel oder spezialisiert und
der Kritiker der Moderator zwi- Geschmack und zu wenig nach objek­ mit Fremdwörtern argumentierende
schen dem Buch und dem Lesepu- tiven Kriterien? Kritiker, dass so mancher Leser vor­
blikum und nicht der Lobbyist der Der Fall Hegemann war eine große schnell abschaltet. Muss es eine neue
Verlage. Wenn er damit liebäugelt, Blamage für die beteiligten Kritiker. Literaturkritik geben, die eine breitere
mit seinen Rezensionen den Verla- Bei diesem Hype haben alle mög- Leserschicht erreicht?
gen zu gefallen, statt die Leser zu lichen außerliterarischen Gesichts- Das Problem scheint mir darin zu
informieren, hat er seine Unab- punkte eine Rolle gespielt, doch liegen, dass es manchen Kritikern
hängigkeit – und damit seine kaum ein Kritiker hat sich die Mühe eher um das eigene Sozialprestige
Glaubwürdigkeit – schon verspielt. gemacht, die unsägliche Sprache und um die Anerkennung der Peers
dieser Autorin zu analysieren. in den anderen Feuilletons geht,
Lassen sich die Kritiker verführen? denen man imponieren will, als
Nicht wenige Kritiker versuchen Nach dem Fall Hegemann haben die um die Information des Lesers.
heute, sich dem Zeitgeist, dem Kritiker dem anfänglichen Lob nicht Dieses selbstreferentielle Gehabe
Trend zur fröhlichen Konsu- die Stange gehalten, sondern plötzlich trägt naturgemäß zum Renommee-
menten-Beratung, anzupassen und so getan, als wäre das Buch schon im­ Verfall der Kritik beim Publikum

Literaturkritik als Auslaufmodell? nur ja niemanden mit anspruchs-


vollen Text-Analysen zu verschre-
cken. Sie verstehen sich als Medi-
mer fragwürdig gewesen. Und das ist
nicht der erste Fall. Ist ein solches
Umfallen der Kritik nicht auch Sym­
bei. Ich wüsste nicht, wie dieser
Autoritätsverlust aufgehalten wer-
den könnte, geschweige denn, wie

Wer bestimmt, was Leser lesen? enpartner. Sie arbeiten an der iro-
nischen Selbstaufhebung der Kri-
ptom einer Krise im Feuilleton?
Es war ein unwürdiges Schauspiel –
eine „neue Literaturkritik“ beschaf-
fen sein sollte, die „eine breitere
tik, an deren Auflösung im medi- egal, ob die Kritiker auf ihrem Fehl- Leserschicht erreicht“. Vielleicht
alen Spiel. Ihnen geht es ums Amü- urteil beharrten oder ob sie opportu- ist der Literaturkritiker, wie wir ihn
sement des Publikums, das bei Lau- nistisch umschwenkten und zum seit Lessing kennen, tatsächlich ein
Wer heute das Sagen hat und ob Und wer hält dann heute die Fäden? ne gehalten werden muss, um die Kollegen-Bashing ausholten. Ich Auslaufmodell.
die Literaturkritik noch zeitgemäß In erster Linie die Marketing-Abtei- wechselseitige Bestätigung des Sta- glaube, diese ästhetische Bankrott-
ist, ein Interview von Matthias lungen und Vertriebs-Experten der tus im Mediengefüge, um freund- Erklärung wird längerfristig negative Wenn die Literaturkritik ausfällt, be­
Koef­fler, Redakteur BuchMarkt mit Verlage, die Literatur-Agenten und schaftliche Beziehungen zu den Auswirkungen haben auf das Anse- kommt der Leser auch keine Orient­
Sigrid Löffler, Literaturkritikerin. die Chefeinkäufer der großen Buch­- Mächtigen in den Verlagshäusern, hen der Kritiker-Branche überhaupt. ierung mehr.
handelsketten. ums Platzieren griffiger Lobesfor-
Sie haben jüngst an der Uni Bielefeld meln, die für die Verlagswerbung
einen Vortrag zur Frage „Wer be­ Sie unterstellen damit aber auch, dass als Blurbs (Klappentexte) verwend-
stimmt, was wir lesen?“ gehalten und Literatur zunehmend zum Geschäft bar sind, kurz: es geht ums Networ-
kamen zu dem Schluss, dass die wird. Die Preisbindung hat ja ihre Be­ king in der Buch-und Medienbran- Sigrid Löffler wuchs in Wien auf und studierte
Litera­turkritik zunehmend entmachtet rechtigung, weil das Buch auch ein che zwecks Beförderung des eige- an der dortigen Universität Anglistik, Germani-
wird. Wie kommen Sie zu dieser An­ Kulturgut ist. Ist sie dann noch ge­ nen Fortkommens. Um die kri- stik, Philosophie und Pädagogik. Sie war für
sicht? Wer tut das? rechtfertigt? tische Auseinandersetzung mit zahlreiche namhafte Tageszeitungen und Ma-
Der Strukturwandel auf dem Buch- Die Preisbindung ist die letzte, oh- dem Buch geht es zuallerletzt. Mei- gazine tätig, unter anderem Die Presse, Profil
markt sorgt dafür, dass die Litera- nehin schon durchlöcherte Barrie- ner Meinung nach sind das Verhal- und Die Zeit. Von 1988 bis 2000 war Sigrid
turkritik drastisch an Einfluss ver- re gegen das Freistilringen auf dem tensweisen der Panik. Löffler ständige Teilnehmerin der Sendung Das
liert. Die Kritik soll entweder ver- Buchmarkt. Literatur ist übrigens Literarische Quartett des ZDF und wurde da-
Bild: ©Fotolia

einnahmt oder überflüssig, also in den seltensten Fällen ein Ge- Früher hatte Literaturkritik auch im­ nach Herausgeberin des Magazins Literaturen.
mundtot gemacht werden. An die- schäft. Das Geschäft machen die mer einen pädagogischen Aspekt, Im September 2008 gab Löffler diese Position
ser Entwicklung sind wir Kritiker Verlage zumeist mit nicht-litera- nämlich den, den Geschmack zu auf Grund inhaltlicher Differenzen auf.
aber selbst nicht unschuldig. rischen Titeln. schulen. Im Fall Hegemann hat sie al­
32 I n te r v i ew 1/2011

Fachstellen

Bild: ©Fotolia
Die Fachstellen der Mitgliedsdiözesen des Borromäusvereins e.V.
sind Planungs-, Förder- und Beratungseinrichtungen für die
Katholischen Öffentlichen Büchereien. Sie gewährleisten die

im Profil fachliche Beratung und geistliche Begleitung ehrenamtlicher


Büchereimitarbeiter/innen, ermöglichen Bildungsangebote für
diese Zielgruppe und unterstützen sie in Fragen der Literatur-
vermittlung und Leseförderung in ihren Bistümern.

Menschen – Bücher – Begegnungen


Büchereiarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Auch wenn viele das nicht wahrha- ist gute oder schlechte Literatur, der öffentlich zu diskutieren und zu Us chi Ermers möglichen. Leseförderung und beim Aufbau und Betrieb von Ka-
ben wollen: Der Kritiker ist heute Gier nach Einschaltquote geopfert? streiten – der Konsens darüber ist Sprachgewinnung, Vermittlung tholischen Öffentlichen Büchereien,
nötiger denn je, denn das Publi- Am Beispiel der USA können wir brüchig geworden. „Es geht bei der Büchereiarbeit ele- von Medienkompetenz, allgemei- • Erarbeitung von Büchereikonzep-
kum verlangt nach Orientierung. derzeit studieren, wie die Zeitungs- mentar um Begegnung: einerseits um ne Literatur- und Informations- ten mit den KÖBs und ihren Trägern,
Wenn die richtigen Bücher und die krise direkt auf die Literaturkritik Wie kann die Literaturkritik diese Begegnungen zwischen Menschen, versorgung sind dabei genau so • Beratung und Hilfe bei allen bi­
richtigen Leser zusammenfinden durchschlägt und sie existentiell Krise überleben? die in die Büchereien kommen und wichtig wie der Treffpunktcharak- blio­­­thekarischen und literari­schen
sollen, dann bedarf es der kri- gefährdet. Fast überall wurden zu- Wenn ich das wüsste. denen, die sich dort engagieren – ins- ter der Katholischen Öffentlichen Fragen,
tischen Moderation der Literatur- erst die Buchseiten gestrichen. Seit besondere in den zahlreichen Veran- Büchereien (KÖBs). Nach dem • Bestandsdurchsichten und -reor-
kritiker. Das können weder die auch die „Washington Post“ ihre Sie sagten, das „Literarische Quartett“ staltungen. Andererseits aber auch Motto „Menschen, Bücher, Begeg- ganisation,
Werbesprüche von Marketing-Leu- allwöchentliche Literatur-Beilage war eine Sendung des 20. Jahrhunderts. um die Begegnung mit Geschichten, nung“ erfüllen die Büchereiteams • Anregung und Hilfen für die
ten oder Fernseh-Marketender/in- weggespart hat, ist die „New York Welche Formate braucht dann das 21.? Ideen, Weltbildern, die den Lese- einen wich­ tigen kulturell-diako- Öffent­ lichkeitsarbeit und Veran-
nen leisten, noch die vor sich hin Times“ die einzige Zeitung im Lan- Darüber muss ich mir zum Glück rinnen und Lesern in den Büchern nischen Dienst in den Gemein- staltungen in den KÖBs,
delirierenden Blogger, Twitter und de, die überhaupt noch Buchrezen- nicht den Kopf zerbrechen. & entgegenkommen. Lesend und inter- den. • Bibliothekarische Grundausbil-
Chatter auf ihren Websites. Die Zei- sionen anbietet. Auch in deutschen pretierend entwickeln Kinder und Er- dung BASIS 12,
tungskrise in den USA lässt ahnen, Printmedien werden die Literatur- wachsene Welt, entwickeln Men- Das Team und seine • Fort- und Weiterbildungen zur
was es für den Buchmarkt bedeuten seiten immer mehr eingeschränkt schen- und Gottesbilder, entwickeln Dienst­leistungen Leseförderung und Literarischen
würde, wenn in den Medien keine und die Honorare für Außenkritiker Fantasie und Kreativität.“ (Prof. Dr. Kompetenz (proliko®),
kritische Sichtung der Neuerschei- gekürzt. Die Redakteure müssen Klaus Koziol) Yvonne Conradi (Fachangestellte • „Bilderbuchkino“ – Arbeitshilfe
nungen und keine Diskussion der alle Rezensionen selbst schreiben, für Medien und Informations- zur Durchführung eines Bilder-
aktuellen Bücher mehr stattfände. was in the long run die Buchseiten Die Fachstelle Katholische Büche- dienste) und Uschi Ermers (Dipl.- buchkinos,
nicht spritziger machen wird. reiarbeit in der Diözese Rotten- Bibl., Leiterin der Fachstelle) wer- • Beratung bei der Einführung des
Haben die Zeitungsmanager nicht burg-Stuttgart bietet den 1.276 den in der Öffentlichkeitsarbeit Bibliotheksverwaltungssys­tems BVS,
längst die Hoheit über die Frage, was Aber die Buchverlage schalten auch ehren­amtlichen Büchereimitar­ unterstützt von Christian Kindler • Zuschüsse für neue Medien, Mö-
immer weniger Anzeigen und rauben bei­ter/innen Ausbildung, Förde- (Fachreferent Medienkultur) und bel, EDV-Bedarf und für Veranstal-
Die Fragen stellte Matthias Koeff- damit dem Leser eine wichtige Institu­ rung und Hilfestellung, damit in bieten folgende Dienstleistungen tungen,
ler, Redakteur für BuchMarkt April tion wie die Buchkritik. den Kirchengemeinden ein orts- für die KÖBs: • Enge Zusammenarbeit mit dem
2010. Abdruck mit freundlicher Nach meinem Eindruck gehen die nahes und aktuelles Angebot von Borromäusverein e.V. Bonn und im
Genehmigung der Redaktion. Verleger allmählich von der Fahne. Büchern und anderen Medien be- • Begleitung der ehrenamtlichen Netzwerk Büchereiarbeit. Mitarbeit
Dass es notwendig ist, über Bücher reitsteht, um Begegnungen zu er- Teams in den Kirchengemeinden in den Sachausschüssen „Literatur-
1/2011 F ac hs t e l l e n i m P ro fi l 35

Zur Arbeit der Fach­


stelle gehört es, die
KÖBs fit für die Zu-
kunft zu machen. Da­
zu gehören die Redu-
zierung der Me­dien­be-
stände und das Aus-
sondern alter und un-
attraktiver Medien.
Über unsere Bistums­
lizenz können die
Bücher­eien das Bi­blio­
theks­ver­wal­t­ungs­pro­
gramm BVS kosten­los
bekommen. Die religi-
onspädagogischen In-
stitute werden von uns
Conradi.
hi Ermers (l.) und Yvonne ebenfalls mit BVS aus-
holische Büchereiarbeit: Usc
Das Team der Fachstelle Kat gestattet.

Der Doppelname „Rot-


tenburg-Stuttgart“ weist
arbeit“ und „Bildung“ sowie in der er: „Durch ihren engagierten, krea- auf die Bandbreite un-
bundesweiten Aus- und Fortbil- tiven und persönlichen Einsatz be- Dipl. Bibl. Uschi Ermers ist Leite- serer Diözese hin. Neben der Lan- dienversorgung. tungen vor Ort. Dabei gilt:
dungskonferenz. zeugen sie in Tat und Wort das rin der Fachstelle Stuttgart-Rot- deshauptstadt Stuttgart gibt es zwi- In der Büchereiarbeit lässt sich eine Man kann in der Büchereiarbeit
• Lobbyarbeit für die Büchereien in Evangelium und stärken das katho- tenburg und Vorsitzende des SA l schen Taubergrund und Bodensee, Menge tun und bewegen. Abhän- viel tun und probieren – man muss
den Gremien der Diözese Rotten- lische Profil der Bücherei. Auf diese – Literaturarbeit der bv.-Fach- Schwarzwald und Ostalb keine gig von den Begabungen im Team, nur wissen, warum man es so und
burg-Stuttgart. Weise sind lebendige Büchereien konferenz, weiterhin arbeitet sie weiteren Großstädte. Gerade in dem Raum und dem Umfeld, muss nicht anders macht. „Das war
ein wichtiger Baustein zur Schaf- im SA lV – Bildung der bv.-Fach­ kleineren Gemeinden unterstüt- für jede Bücherei ein jeweils eige- schon immer so“, reicht jedenfalls
Im Mai dieses Jahres hatten wir die fung von Beziehungen und zur konferenz mit. zen viele Kommunen die KÖBs als nes Konzept erarbeitet und regel- als Begründung nicht aus. &
Gelegenheit, die Arbeit der Büche- Verwurzelung der Menschen in ih- wichtige Treffpunkte und als Teil mäßig überprüft werden. Hier un-
reien im Diözesanrat – dem höch- rer Gemeinde. Es ist zu hoffen, dass der allgemeinen Literatur- und Me- terstützt die Fachstelle die Bera-
sten beschlussfassenden Gremium viele Kirchengemeinden, kirch­liche
aus Priestern und Laien in unserer Institutionen und die Kirche insge-
Büchereiarbeit in Zahlen
Diözese – vorzustellen. samt die Chancen erkennen, nut- ren Arbeit aufmerksam machen
(basierend auf den Angaben zur Deutschen Bibliotheksstatistik [DBS] – Stand 31.12.2009)
zen und fördern, die im Dienst der können. Nicht nur Kirchenge-
Am Diözesantag 2009 ließen sich 200 Büchereiarbeit in einer sich erneu- meinderäte und bereits bekannte 206 536.925 234.438
Bü­cher­eimit­arbeiter/innen durch ernden Kirche liegen.“ Benutzer/innen können auf diese Katholische Bestand Besucher
Öffentliche Büchereien
den Gottesdienst mit Bischof Dr. Weise angesprochen werden. Eini-
(davon sind 133 so gut, dass sie 871.070 54.531
Gebhard Fürst sowie seinen Im- Arbeitsfelder und Wirkungskreis ge Büchereiteams haben – unter- Ausleihen regelmäßige Benutzer
an die DBS gemeldet werden)
pulsvortrag in ihrer Arbeit bestär- stützt von ihren Familien – die
ken. „Katholische Öffentliche Bü- Zum dritten Mal gestaltet die Fach- Postkarte in jeden Briefkasten der 1,62 1.276
chereien bilden durch ihr breites stelle in diesem Jahr eine Postkarte. Ge­meinde geworfen und viel posi- Umsatz ehrenamtliche
Mitarbeiter/innen
Angebot eine zentrale Nahtstelle Sie wird in einer Auflage von tive Resonanz erhalten. Die Fachstel-
1.500
zur Kultur unserer Zeit“, so Bischof 25.000 Stück verschickt, damit die le verschickt die Karte auch an alle Veranstaltungen
Fürst. Den Ehrenamtlichen sagte Büchereiteams auf die KÖB und de- Mitglieder des Diözesanrates.
1/2011 Sc ho n mal g e hö rt ?! 37

Schon mal gehört?!


Welche Berührungspunkte verbinden die porträtierten Institutionen und Verbände
mit der Büchereiarbeit? Welche Personen und welche Dienstleistungen verbergen
Die Literaturkonferenz ist ein ge- kontrovers. Deutlich wird dies, tur­konferenz e.V.: genau am
sich dahinter? In einer losen Reihe wird Leoni Heister, Büchereileiterin in Biebesheim, meinnütziger Verein und finan- wenn man sich die Mitglieder der 24.10.1828 wurde in Großenhain
aus der Büchereisicht heraus diese Verbindungen aufzeichnen und erklären. ziert ihre Arbeit vorwiegend durch Literaturkonferenz ansieht. Unter (Sachsen) die erste Bürgerbiblio-
Beiträge der Mitglieder, Zuwen- anderem stehen dies der Börsen- thek von Karl Benjamin Preusker
dungen von Bund und Ländern, verein des Deutschen Buchhan­dels (1786 – 1871) gegründet. Im An-
Spenden und Schenkungen. e.V. und das P.E.N.-Zentrum denken an diesen Vorkämpfer der
Deutsch­land, Borromäusverein e.V., Volksbüchereibewegung verleiht
Konkret und Ideell St. Michaelsbund, die „VG WORT“, die Literaturkonferenz alljährlich

Deutsche Literaturkonferenz e.V.


„Bibliothek & Information Deut­ die nach Preusker benannte Me-
Die Literaturkonferenz nimmt schland (BID) e.V.“, der „Verband daille an Personen oder Instituti-
über ihre Mitgliedschaft im Deut- deutschsprachiger Übersetzer lite- onen, die auf dem „Gebiet der Lite­
schen Kulturrat politischen Ein- rarischer und wissenschaftlicher ratur, des Verlagswesens, des Buch­
fluss. Bei Bedarf werden in Arbeits- Werke e.V“, „Me­dibus – Medienge- handels, der Öffentlichen Bibliothe­

Deutsche Literaturkonferenz e.V. gemeinschaften Vorhaben voran-


getrieben, die hohe Relevanz für
alle im „Literaturbetrieb“ Tätigen
meinschaft für blinde und sehbe-
hinderte Menschen e.V.“.
Das Hauptinteresse gilt der Förde-
ken oder der Kulturpolitik tätig sind
und den Kulturauftrag des Öffent­
lichen Bibliothekswesens direkt oder

Literaturfreiheit wahren haben. Ein aktuelles Beispiel ist die


AG „Digitale Bibliothek“, in der
rung jeglicher Literatur, sowohl die
Interessen der „Hersteller“ sprich
indirekt fördern und unterstützen“.

Sinn und Nutzen sowie über die Schriftsteller als auch der „Verwer- Wenn Sie liebe Leserin und lieber
Auswirkungen der vollständigen ter“ sprich Buchhandel sollen sich Leser weitere Informationen rund
teratur die ihrer gesellschaftlichen Be- damals der Börsenverein des Deut- Digitalisierung von Bibliotheken unter diesem Dach wiederfinden. um die Literaturkonferenz möch-
deutung entsprechende Stellung zu schen Buchhandels, die Deutsche diskutiert werden. Die Konferenz Die Konferenz will die Literaturfrei- ten: unter www.literaturkonferenz.
gewährleisten und Beiträge für die Akademie für Sprache und Dich- kann auch Themen setzen, für die heit wahren – sie erarbeitet keine de findet sich alles Wissenswerte
Weiterentwicklung der Literatur zu tung, der Deutsche Bibliotheksver- im raschen Alltagsgeschäft oft Zeit Kriterien fürs Dichten oder für Li- rund um den Verein. &
leisten.“ band, das P.E.N.-Zentrum Bundes- und Mittel zu knapp sind. Als Bei- teraturbeurteilungen. Sie lässt die
republik Deutschland und der Ver- spiel sei an Fachkolloquien (z.B. souveränen Rechte ihrer Mitglieder
Beim Lesen der Zeilen schlich sich band deutscher Schriftsteller an. zum Thema „Krise des Lektorats“, unangetastet, es gibt keinen Mehr-
Unbehagen ein – „meine Güte, Le- 1991 wurde die "Deutsche Litera- die Ergebnisse sind in einem Buch heitsentscheid. Der Sprecher hat
sen soll doch Spaß machen“. Ich ver- turkonferenz e.V." gegründet – als festgehalten: Krise des Lektorates?, kein Mandat und kann keine Stel-
biete meiner Phantasie Purzelbäume, gemeinsame Stimme der am litera- MedienNr.: 567186) während der lungnahmen für die Mitglieder ab-
schalte den „jetzt bleib aber mal sach- rischen Leben in Deutschland Buchmessen erinnert. geben – es sei denn, es erfolgt im
lich Blick“ ein und informiere mich meist­beteiligten Verbände und In­ Einzelfall dafür eine ausdrückliche
weiter – was will die Literaturkonfe- sti­
tutionen. Ihre Vertreter/innen Normalerweise jedoch versteht Beauftragung.
renz denn wirklich und was versteckt tagen zweimal bis dreimal im Jahr, sich die Literaturkonferenz im ur-
sich hinter den Auftaktzeilen? Vorsitz hat dabei der „Sprecher“. sprünglichen Wortsinn als reine Literaturkonferenz und Bücherei
Plattform des Austausches, des
Leoni H e iste r Geschichtliches Zusammen­tragens unterschied- Die Auswirkungen auf die einzelne
licher Standpunkte und Ansichten Bücherei vor Ort sind direkt zu
„Die deutsche Literaturkonferenz ver- Schon in den 70er Jahren gab es Leoni Heister, seit 1994 ehren- und deren Auswertung. Die Ge- spüren: z.B. bei den Regelungen
folgt als Satzungszweck die Förde- Überlegungen zwischen dem Bör- amtliche Leiterin der KÖB Biebes- schäftsführerin Iris Mai empfindet mit Gemma und Videma oder bei
rung der deutschen Literatur. Sie will senverein des Deutschen Buchhan- heim, kirchliche Büchereiassisten- „die kurzen Wege zwischen den Urheberrechtsfragen, die Aus­ wir­
als Vereinigung der am literarischen dels und dem Schriftstellerver- tin, Referentin für Büchereiarbeit, Mitgliedern“ als sehr angenehm. kungen auf die Benutzerordnung
Leben in der Bundesrepublik Deutsch- band, die Belange der Literatur ge- Rezensentin für den Borromäus- Die Konferenz gibt den Rahmen haben.
land maßgeblich beteiligten Verbän- genüber der Öffentlichkeit besser verein und arbeitet im SA lll - Bü- vor, in dem gemeinsame Nenner Und haben Sie sich jemals gefragt,
de und Institutionen auf die öffent- zu vertreten. 1986 folgte der lo- chereiarbeit in Kirche und Gesell- gesucht und auch gefunden wer- weshalb ausgerechnet am 24. Ok-
liche Meinung, die Erziehung und die ckere Zusammenschluss in der „Li- schaft der bv.-Fachkonferenz mit. den. Die verbandsübergreifenden tober der Bibliothekstag gefeiert
Gesetzgebung einwirken, um der Li- teraturkonferenz“ – ihr gehörten Diskussionen sind dabei durchaus wird? Die Antwort gibt die Litera­
38 C om i c 1/2011
Das Interessanteste in vielen Zeitschriften
steckt meist eher in den alltäglichen,

Praxisberichte
lebens- und berufspraktischen Beiträgen
als in den bedeutsamen Grundsatz-
artikeln. So ist es wohl auch in dieser
Zeitschrift BiblioTheke. Leider mangelt
es der Redaktion immer wieder an
interessanten oder nachahmenswerten
Berichten. Schreiben Sie uns:
redaktionbit@borromaeusverein.de

Lauras
Wunschbücherei

Vom 30.9. bis 3.10.2010 besuchte nach ihrer Wunschbücherei/Ju- fühlten. Laura möchte durch un-
ich mit einer Büchereikollegin die gendecke fragten, hatte Laura eine ser Einsortieren der zurückgebrach-
116. F-Tagung in Würzburg. Das Menge konkreter Vorstellungen: ten Medien nicht gestört werden!
interessante The­ma lautete: „Bis(s) Die Jugendecke soll knallige und Wenn sie Fragen hat, erwartet sie
und kein Ende – Aktuelle Strömun­ bunte Wände haben. Gemütliche Kompetenz und dass ihre Buch-
gen im Jugend­buch“ Sitzmöbel könnten einladen. Eine wünsche, wenn möglich, erfüllt
PIN-Wand sollte für Bücherei-Infos werden können.
Bei einer Gruppenarbeit hatte der und Wünsche der jungen Leser
Borromäusverein die gute Idee, Ju- dienen. Toll wäre es, wenn Reihen Viele von Lauras Anregungen sind
gendliche aus dem Würzburger und Serien mit unterschiedlichen beim Überdenken bestimmt ohne
Raum einzuladen. Laura, 15 Jahre, Autoren trotzdem zusammen ste- große finanzielle Mittel und ohne
war als Gast in meinem Workshop. hen. Medien, wie DVDs, Hör­ Aufwand gleich umzusetzen. Der
Die Schülerin stellte uns zuerst ihre bücher und auch Sachbücher, Versuch lohnt sich! &
Lieblingsbücher vor (u.a. „Liverpool möch­ te sie ebenfalls im Jugend­
Street“, Der geheime Zirkel, Titel von bereich finden. Da Laura auch
dtv extra und Arena Thriller). Laura schon mal bei den Romanen gerne
bevorzugt also nicht nur Fantasy- stöbert, findet sie es gut, wenn sich
Litera­
tur, sondern liest auch gerne das Jugend­ regal nahtlos an diese
histori­sche Romane und Krimis. Sie Sparte anschließt. Aktionen, wie
erwähnte weiter, dass englische Wör- eine Bibliotheks-Rallye oder eine
ter im Buchtitel sie schon sofort an- Lesenacht, würde Laura begrüßen.
sprechen, und sie möchte gepflegte Interessant war auch ihr Hinweis,
Bücher mit einladendem Cover vor- die Büchereien zu unterschied-
finden. Fazit = Nicht unbedingt nur lichen Tageszeiten zu öffnen, also
einem Trend folgen, sondern im Rah- z.B. Spätnachmittag, a­bends, oder Kontakt und Text:

Bilder: ©Fotolia
men der Mittel vielfältig sein! Die Ti- morgens (am Sonntag). Veronika Dackweiler, Bücherei-
tel mit „pinken Glitzerbildern“ sind Zum Schluss äußerte sie noch ei- ­leiterin KÖB St. Dionysius, Kor-
Die Illustratorin unseres Comics, Villiprott bei Bonn. Seit über zehn Jah- lag Eins, Claudius Verlag und Verlag übrigens mit 15 Jahren restlos out! nen Wunsch, der uns schmunzeln schenbroich, E-Mail: buch@dwi.de
Rebecca Meyer, geboren in Heidel- ren ist sie freischaffende Illustratorin an der Ruhr Bücher illustriert. Ein Blick Als wir „alten Büchereihasen“ sie ließ, weil wir uns ein wenig ertappt
berg, studierte Design in Dortmund, im Kinder- und Jugendbereich. Sie auf ihre Internetseite lohnt sich:
sie wohnt und arbeitet in Wachtberg- hat u.a. für Auer Verlag, Bildungsver- http://rebecca-meyer.de/
40 Pr a x i s b er i c hte 1/2011 1/2011 P rax i s b e ri c ht e 41

BoysDay in der KöB


Ein Erfahrungsbericht von der Idee
bis zur Umsetzung
Frau Schröder (Mitte) bindet mit Simon (li) und Arnim (re) Comics ein.

„Und was ist mit den Jungen?“, be- vorwiegend in den klassischen Damit die Ausleihe problemlos Am aufgeregtesten war… natür- küche, um mit ihnen bei einem stellen konnte, doch eine ganze
schwerte sich unser Sohn Arnim, Bereichen Kindergarten und weitergehen konnte, musste nun lich ich, die Mutter. Dabei lief al- kleinen Pausensnack die mög- Menge: Von Ausleihfristen und
13 Jahre. Immer wieder im Februar Kran­kenhaus, aber eben auch Be- aber doch ein kleines bisschen les von Anfang an ganz problem- lichen Aufgaben zu besprechen. Verlängerung über Rückenschil-
geht es los: Die Frage von unserer hörden und Bücher­eien. Planung sein und so überlegten los. Simon kam als erster um 9.45 Beide füllten ihre Wunschliste der und Medienpflege – die bei-
Tochter nach dem richtigen, inter- „Da kann ich doch auch mit dir wir mit unserer Leiterin zusam- Uhr an und half mir sofort, noch aus und waren sich erstaunlich den hatten wirklich gut zugehört.
essantesten Platz für den GirlsDay zum Dienst gehen! Du hast doch men, welche Aktivitäten wir den etwas nach oben zu tragen. Als einig: Ausleihe mit allem drum So hat der Tag allen Beteiligten
in diesem Jahr, ein Tag zum Hinein­ immer am Donnerstag Auslei- Jungen nun vorschlagen sollten. beide Jungen da waren und ihre und dran, Buch oder Comic ein- sehr viel Spaß gemacht und wird
schnuppern in typische Männer­ he!“, stellte unser Sohn fest. Da- Heraus kam ein Fragebogen, den Sachen verstaut hatten, stellten binden und noch etwas am Com- bei Interesse gerne wiederholt.
berufe. gegen konnte ich nun nichts ein- die Jungen zu Beginn ausfüllen wir das Ausleihteam vor, mach- puter! Denn – BoysDay ist jedes Jahr am
wenden und fragte zunächst ein- sollten und nach dem sie sich ih- ten einen kurzen Rundgang durch Darauf konnten wir gut eingehen dritten Donnerstag im April. &
mal bei unserer Büchereileiterin ren Tag selbst mitgestalten konn- die Bücherei und zeigten ihnen und so waren beide Jungen bald
Frau Schröder nach, ob er mich ten. Außerdem überlegten wir als erstes die Arbeit hinter der beschäftigt mit ihren Wunsch­
an dem Tag begleiten könne. uns einen groben Zeitplan, nach Ausleihtheke. Als um 10.00 Uhr aktivitäten. Unsere Leiterin Frau
„Kein Problem!“, war ihre spon- dem der Tag ablaufen sollte. die ersten Leser kamen, konnten Schröder nahm sich eine gute
tane Antwort. Für beide Jungen wurde eine offizi- Arnim und Simon sofort mitar- halbe Stunde Zeit, um beiden das
elle Teilnahmebescheini­ gung aus beiten. Die Medien wurden ge- Einbinden zu zeigen. Unter ihrer
Nun ging mein Sohn los, um sich dem Internet vorbereitet und meinsam am Computer zurückge- Anleitung schaffte es jeder Junge,
„Natürlich nur wieder für Mäd- in der Schule seinen BoysDay- eine Einverständniserklärung, um bucht und kontrolliert, danach ein Comic einzubinden.
chen!“ – Klar, denn die sollen ja Platz genehmigen zu lassen. eventuell Fotos und Namen in wie üblich gereinigt und zurück- Simon und Arnim hatten sogar
auch mal ein anderes Berufespek- Auch das Problem der Versiche- der Presse veröffentlichen zu dür- sortiert. Beide Jungen lernten noch die Gelegenheit, Leseraus-
trum kennenlernen. Aber wir rung war so offiziell geklärt – die fen. Die Schule selbst gab einen schnell die Bedeutung der far- weise auszustellen und mit den
stellten überrascht fest: auch für Schüler bleiben über die Schule Antrag auf Freistellung vom Un- bigen Rückenschilder kennen neuen Lesern eine kleine Führung Kontakt, Text und Bilder:
Jungen wird inzwischen unter versichert. Im März meldete sich terricht heraus, den die Eltern un- und hiel­ten sich streng an die al- durch die Bücherei zu machen. Annette Hanke, Mitarbeiterin der
http://www.neue-wege-fuer- Simon (12 Jahre), um auch in der terschreiben mussten. Dann hieß phabetische Sortierung. Dabei erzählten sie, was sie an KÖB Im Alten Rathaus, Pulheim-
jungs.de/ einiges angeboten, um Bücherei einen Tag mitzuarbei- es: Abwarten bis zum 22.04.2010, diesem Tag über unsere Arbeit Brauweiler, E-Mail: buecherei@
typisch weib­liche Berufe im sozi- ten. Es gab also zwei Jungen für dem diesjährigen BoysDay am Nach der ersten halben Stunde hinter der Büchereitheke gelernt St-Nikolaus.info
alen Bereich kennenzulernen, diese Aktion! dritten Donnerstag im April. ging ich mit beiden in unsere Tee- hatten. Und das war, wie ich fest-
42 Pr a x i s b er i c hte

Gründung eines
Fördervereins Die positive Entwicklung des Bücher­eiensystems im Delbrücker
Land nachhaltig weiterzuführen wünschen sich Eva Merschmann,

Für die Büchereien im Brigitte Strunz, Ingrid Henke, Werner Peitz, Johannes Lindhauer,
Stefan Sudhoff, Marita Lange-Laskowski und Johanna Hagenhoff
Delbrücker Land (v.l.). kro/ Foto: Barbara Kroker

Die magische Bastelwerkstatt bringt Der große Saal vom Pfarrheim bot Platz Eines der tollen Baumhäuser im Schuh-
gute Laune für Bücherflohmarkt und Cafeteria karton
Mit der Gründung eines gemein- So wie sie den Vorstand einstimmig zelnen Bücher­eien aus. Mitglieder
samen Fördervereines für alle Büche- wählten, nahmen die Gründungs- können sowohl Privatpersonen als
reien im Stadtgebiet haben Leser, in- mitglieder ohne Einspruch auch auch Firmen sein. Persönlich gutes
teressierte Bürger sowie Vertreter aus die Satzung an, die von einem Vor- Gelingen wünschte Bürgermeister Familientag in der KÖB St. Martinus
Politik und Wirtschaft jüngst unter bereitungsteam zur Abstimmung Werner Peitz.
dem schiefen Kirchturm ein neues vor­
gelegt wurde. Als erstes an­
Kapitel aufgeschlagen. Ziel des frisch spruchs­­
volles Projekt haben sich Gerade in wirtschaftlich schwä- Gute Laune ist in der Katholischen die Cafeteria, mit leckeren Torten Als es dann am Abend ans Aufräu-
initiierten Zusammenschlusses ist die Förderer den Aufbau einer ge­ cheren Zeiten wird es auch für an- öffentlichen Bücherei St. Martinus von lieben Spendern, sowie für die men ging, konnten die Bücherei-
es, die bestehenden Einrichtungen mein­­samen Internetseite vorge- dere Büchereien von Interesse sein, in Borsum eigentlich immer ange- Kin­der eine Bastelwerkstatt und als Ab- mitarbeiterinnen feststellen, dass
in Delbrück, Lippling, Ostenland, nommen, auf der Interessierte ab einen Förderverein zu gründen, so sagt. Diesmal war der Auslöser für schlussbonbon die beliebte Pony­­
­ tatsächlich viele Kilo Bücher den
Schöning, Steinhorst, Sudhagen und September auch einen Gesamtkata- Johanna Hagenhoff. Vielleicht ein viel Spaß und gute Stimmung der kutsch­fahrt. Besitzer gewechselt hatten, denn
Westenholz als festen Bestandteil log der mehr als 34.000 Medien fin- Anreiz für Sie, liebe Leser/innen. alljährliche Familientag der Büche- etliche Kartons blieben nun leer.
des dörflichen Lebens zu erhalten den sollen, die in den Büchereien rei, kurz vor Beginn der Schulferi- Das Thema der Bastelwerkstatt hat- Was sich dann auch beim Kassen-
sowie ihre Arbeit in finanzieller und im Delbrücker Land zur Ausleihe Und hier ein paar Zahlen über en. Und es wurde, wie immer, für te natürlich Bezug zu Büchern, und sturz bestätigte. Die anwesenden
ideeller Weise zu unterstützen und stehen. unsere Arbeit: jeden in der Familie etwas geboten: zwar zu einem ganz bestimmten Bücher­ei­mitarbeiterinnen hatten
weiter auszubauen. der Bücherflohmarkt, wo man kilo- Buch: die Kinder konnten „Das ma- schon gleich die ersten Ideen, was
Der Mindestbeitrag für Fördermit- 25 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen weise die Bücher erstehen konnte, gische Baumhaus“ im Schuhkarton man an neuen Medien anschaffen
Zur ersten Vorsitzenden bestimm- glieder beträgt zwei Euro pro Monat, haben 10.000 Besucher in 2010 be- darstellen. Und viele Kinder mit ih- könnte, und freuten sich schon auf
ten die Teilnehmer der Gründungs- also 24 Euro im Jahr, was dem Ge- grüßt, darunter 116 neue Leser. ren Eltern nutzten dieses schöne die zahlreichen Leser, klein und
Die passende Gelegenheit,
versammlung im Johanneshaus die genwert von ein bis zwei neuen Bü- 36.000 Medien wurden in den ersten Angebot und hämmerten, leimten, groß, die sich nach den langen Feri-
um für Urlaubslektüre zu sorgen
Schöningerin Christiane Rolf, die chern entspricht. Weitere Unterstüt- sechs Monaten ausgeliehen, es wur- pinselten und verzierten nach Her- en wieder auf Lesereise begeben
sich aktuell im Urlaub befand. Den zer sind herzlich willkommen, Bei- den 854 neue Medien eingekauft. zenslust. Die fertigen Baumhäuser werden. &
Posten ihrer Stellvertreterin über- trittserklärungen liegen in den ein- 62 Kinder haben einen Bibliotheks- waren dann auch wahre Kunst-
nahm unter der Wahlleitung von Jo- führerschein erworben, 21 Kinder werke, jedes anders und jedes auf
hannes Lindhauer aus Lippling die nahmen an der Aktion Lesekom- seine Art wunderschön.
Ostenländerin Eva Merschmann. pass für Schulkinder teil. (Diese Pro-
Als Kassiererin übernahm Ingrid jekte der Leseförderung sind mitt- Wer dann von Hunger und Durst
Henke aus Sudhagen weitere Ver- lerweile ein fester Programmpunkt nach all der Arbeit geplagt war,
antwortung genauso wie Brigitte Kontakt, Text und Bild: in der Jahresplanung der Bücherei konnte sich in der Cafeteria die nö-
Strunz aus Delbrück als Schriftführe- Johanna Hagenhoff, Leiterin der und der Kindergärten.) Jeden ersten tige Stärkung holen, um sich dann
rin. Die Arbeitsgemeinschaft der KÖB St. Johannes Baptist in Donnerstag im Monat gibt es ein anschließend in das Getümmel
Delbrücker Büchereien ist mit den Delbrück, Tel.: 05250-930 119, Bilderbuchkino, in den Ferien gab beim Bücherflohmarkt zu stürzen. Text und Bilder:
Beiräten Stefan Sudhoff aus Westen- E-Mail: koeb.delbrueck@t-online.de es ein Kinderkino und es wurden Hier war einiges zu holen, womit Elisabeth König, Mitarbeiterin der
holz, Marita Lange-Laskowski aus Internet: http://www.koeb-del- Bücher gebastelt. Vorlesungen und eventuell aufkommende Langewei- KÖB St. Martinus, Landwehrstr. 1,
Ostenland und Johanna Hagenhoff brueck.de Novitätenvorstellung runden das le in den Ferien im Keim erstickt 31177 Harsum-Borsum
aus Delbrück vertreten. Angebot der KÖB ab. & werden konnte.
44 Li te r a tu r - P r a x ia BiblioTheke 1/2011 1/2011 BiblioTheke L i t e rat u r- P r ax i s 45

Jahreszeiten. Wurm? Er hat ihn zwischen all dem Unrat gefunden


und zieht und zieht. Ob er ihn wohl mitnimmt? Kann
der Müll für Tiere gefährlich sein? Was kann passieren? Für
Aktionsvorschlag Rausch:
Das Bild mit den blühenden Zweigen, in dem sich Bie-
nen tummeln steht für den Frühling. Und Rausch? –
Blexbolex: wen kann er noch ein Risiko sein? Sind es die Bienen, die nach dem Erwachen der Natur
Jahreszeiten. Ein Nest: Ja, er hat ihn für sein Nest mitgenommen. Er in einen Rausch nach Blüten, Honig und der Aufzucht
Verlag Jacoby & Stuart 2010 hält es für Baumaterial um sein Nest auszupolstern. Es ihrer Larven verfallen? Was ist mit uns? Geraten wir
Preis 18,95 € liegen bereits Eier zum Ausbrüten im Nest. Seht Ihr die nach einem langen, kalten, dunklen Winter in einen
MedienNr.: 326756 anderen bunten Fäden? Wo mag er sie wohl herhaben? (Frühlings-)Rausch? Es ist heller, es wird wärmer, alles
Eine Baumkrone: Da, seht den großen Baum und hoch fängt an zu blühen. Die dicken Wintersachen bleiben
oben in der Krone ist das Nest. Gut geschützt. Und die im Schrank, leichtere Kleidung in fröhlichen Farben
Ulrike Fink welche typischen Früchte und Blumen usw. Nun kön- beiden Eier sind nicht mehr da. Woher ich das weiß? wird jetzt getragen.
nen sie in dem Buch blättern und die verschiedenen Schaut mal ganz genau hin – na, wisst ihrs? Lassen Sie die Kinder weitererzählen, was das Bild aussa-
Borro-Rezension Motive, die die Kinder schon erwähnt haben zeigen. gen kann. Wie der Frühling für die Kinder ist. Oder viel-
Wie mannigfaltig Frühling, Sommer, Herbst und Win- Hinweis: Da das Buch ohne Seitenzahlen auskommt, Aktionsvorschlag Spinne: leicht sehen die Kinder etwas ganz anders in dem Bild?
ter erscheinen können, erfahren Kinder und Erwach- nutzen sie kleine Klebezettel, um zu bekannten Seiten Sie können auch zu jedem Bild eine kleine Geschichte Aktion: Basteln Sie mit den Kindern Blütenzweige.
sene in diesem Bilderbuch, und dass die Jahreszeiten leicht zurückkehren zu können. erzählen. So zu den beiden Bildern, die auf einer Dop- Sammeln Sie auf einem Spaziergang kleine Zweige und
immer wiederkehren. In seiner Einfachheit ist das Interessant: Was erkennen die Kinder in den einzel- pelseite stehen: Nacht und Spinnweben. Wo ist hier bekleben diese mit kleinen Blüten, die entweder aus
Buch perfekt: pro Seite ein Stichwort und eine Illustra- nen, sehr unterschiedlichen und offensichtlich nicht die Verbindung zwischen diesen Motiven? Versuchen Bastelpapier ausgeschnitten werden oder auch aus
tion, fein aufeinander abgestimmt, mit dem Seiten- zusammenhängenden Bildern. Welche Geschichten Sie mit der folgenden Geschichte herauszufinden, um kleinen farbigen Wattebäuschen bestehen können.
Pendant manchmal einen harten Kontrast, manch- sie dahinter vermuten, was einzelne Bilder für sie be- was es geht: Eine kleine Spinne, die die Nacht nutzt, um Die Bienen können einfach aus einer bemalten Klopa-
mal nahe Assoziationen bildend. Die Illustrationen deuten. Versuchen sie diese Ideen im Gespräch aufzu- ein wunderschönes perfektes Spinnennetz zu spinnen. Denn pierrolle, mit Pfeifenreinigern für die Fühler, Schasch-
stehen in der Tradition der Pop-Art: Motive der Wer- nehmen und die Kinder zum Weiterdenken zu ermuti- nachts schlafen die Menschen, die tagsüber die Spinnweben likspießen beklebt mit transparentem Bastelpapier für
bung oder von Schnappschüssen werden aufgegriffen, gen. Können vielleicht Bilder zu kleinen Bilderge- wegwischen oder Spinnen töten. Die kleine Spinne freut sich die Flügel gebastelt werden. Für anspruchsvollere Ba-
mal plakativ bis zum Kitsch getrieben oder auch fein schichten verbunden werden? Eignen würden sich und ist stolz auf ihr Netz. Sie war so fleißig, sie hat die stelfans: ein Gesicht für die Bienen besteht aus einer
nuanciert und nur andeutungsweise auf die Imagina- z.B. die Bilder: Grillen, Ein Picknick, Abfall, Ein Fund- ganze Nacht gearbeitet, nun ist es fertig. Sie bewundert ihr halben Styroporkugel auf eine Öffnung der Rolle ge-
tionen des Betrachters bauend. Es sind besonders die stück, Ein Nest, Eine Baumkrone. Oder: Trockenheit, Werk, indem sich am Morgen die Tautropfen gefangen ha­ klebt und freundlich bemalt alá Biene Maya. Hängen
auf wenige Farbflächen reduzierten Blätter, die (selbst Ein Waldbrand, Feuerwehrleute, Ein Warnruf und ben und das ganze Netzt glitzern lassen als wären Diaman­ Sie die Zweige mit den Kindern an die Decke, so zieht
bei Kindern) für konzentriertes Schauen sorgen wer- auch: Ein Vogelzug. ten darin eingesponnen. Sie stellt sich vor, wie schön es sein der Frühling in die Räume ein.
den. Die wunderbare buchkünstlerische Gestaltung Zur ersten Bilderfolge könnten Sie eine Geschichte wird, den Tag über dort in diesem Netz zu hängen. Aber – Dieses Buch braucht etwas Vorbereitung aber es ist un-
(fester Einband, Leinenrücken, griffiges, getöntes Pa- erzählen. die Nacht ist vorbei. Eine Türe öffnet sich. Ein Mensch tritt erschöpflich an Geschichten. Selbst wenn Sie spontan
pier) verdient höchstes Lob. Empfohlen ab 3 Jahre. Grillen: Leute treffen sich zum Grillen auf der Wiese heraus und – wischt das Spinnennetz weg, welches sich in zum Buch greifen wird Ihnen und den Kindern der
Rezensentin: Dominique Moldehn im Park, einer spielt den Grillmeister und brät Würst- seinen Haaren verfangen hat. Er sieht nicht die Schönheit, Diskussions- und Erzählstoff nicht ausgehen. Wenn
chen, Steaks und vieles mehr. Habt ihr auch schon mal nicht die Arbeit, nicht die kleine Spinne. Das Kunstwerk ist die Zeit und Möglichkeit besteht lassen Sie die Kinder
Der Autor gegrillt? Was gab es bei euch zu essen? Wer grillt? Durftet zerstört, die kleine Spinne fort. die Bilder nachmalen mit ihren eigenen Ideen oder die
Blexbolex wurde 1966 als Bernard Granger in Douai/ ihr helfen? Wann grillt man, zu welcher Jahreszeit? Wie sehen die Kinder die Geschichte? Passt sie zu den Bil- kleinen Geschichten in Bildern verarbeiten. Oder ba-
Nordfrankreich geboren. Er studierte an der Kunst- Ein Picknick: Zum großen Picknick haben sie Decken dern? Welche Geschichten fallen den Kindern ein. Welche steln Sie Motive nach. Auch kann dieses Buch, nach
hochschule von Angoulême und arbeitete anschlie- mitgebracht und viele leckere Sachen. Zum Trinken Tiere sind nachtaktiv und warum? Wie und wo leben sie? z.B. einem Herbstspaziergang, auf dem die Kinder Blät-
ßend als Drucker und Verleger der Éditions Cornélius gibt es Wein. Wer hat mal ein Picknick mitgemacht? Aktion: Lassen Sie die Kinder in Gruppen ein großes ter, Kastanien, Nüsse usw. sammeln, zu einem Erzähl-
in Paris. Inzwischen hat er über 40 Bücher geschrie- Wann ist es am schönsten? Was trinkt ihr? Spinnennetz aufmalen. Am besten stilecht zu den bei- nachmittag eingesetztet werden. Oder andersherum,
ben und gestaltet. Abfall: Es wird Abend, dunkler und kühler, die Leute den Bildern: schwarze Bastelpappe für die Nacht und studieren Sie mit den Kindern die Motive und gehen
sind fort. Doch, was ist das? Die Picknicker haben Ih- Silberstifte für das glitzernde Netz. Und dann basteln dann nach draußen. Finden die Kinder alles wieder?
Zum Arbeiten mit dem Buch ren Müll hinterlassen und die Wiese sieht gar nicht Sie kleine Spinnen. Aus Pfeifenreiniger für die Beine, Lassen Sie sich inspirieren. &
Was sind Jahreszeiten? Die ersten Seiten des Buches mehr so schön aus. Wie findet ihr dieses Verhalten? einer kleinen Styroporkugel für den Körper, zwei Steck-
bilden jede Jahreszeit auf einer Doppelseite ab. Sicher Ich sehe keinen Mülleimer aber darf man deshalb den Müll nadeln mit buntem Kopf für die Augen und laaangen Ulrike Fink ist Assistentin der Geschäftsleitung des
werden die Kinder einiges dazu wissen: wie viele es einfach liegen lassen? Wie ist es richtig? Spinnfäden zum aufhängen. Das schaffen auch die Borromäusverein e.V. und der borro medien gmbh,
gibt, wie heißen sie, welche Farben und Temperaturen Ein Fundstück: Ein Vogel findet diese Reste interes- Kleineren. Das große Bild an einer Wand aufgehängt Leseförderbeauftragte und Redakteurin.
bringen sie mit den einzelnen Zeiten in Verbindung, sant, hält er den roten Faden vielleicht für einen und die kleine Spinnen baumeln davor.
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Eine Organisation, die Probleme hat, Ehrenamtliche zu integrieren, ist selbst das Problem.

Professor Michael N. Ebertz, Zitat aus seinem Referat vom 30.01.2009,


Ehrenamtstagung Köln.

Rundlauf