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§ 2 Wohnraum - beck-online 08.12.

19, 21:22

WoGG § 2 Wohnraum Zimmermann Zimmermann, Wohn- Rn. 1-8


geldgesetz
1. Auflage 2014

§ 2 Wohnraum

Wohnraum sind Räume, die vom Verfügungsberechtigten zum Wohnen bestimmt und
hierfür nach ihrer baulichen Anlage und Ausstattung tatsächlich geeignet sind.

I. Entstehungsgeschichte

Der Wohnraumbegriff wurde erstmals mit Gesetz zur Änderung des 1


Wohngeldgesetzes und anderer Gesetze (BGBl. I, 2671 vom
22.12.1999) eingeführt und trat mit dem 1.1.2001 als § 4 a in Kraft. § 
4 a wurde fast wortgleich im § 2 übernommen.25

II. Erläuterungen

1. Wohnraumbegriff

Die im Gesetz verwendete Definition des Wohnraumbegriffs lehnt sich 2


an die Rechtsprechung an.26 Sie dient der Abgrenzung zu nur vor-
übergehend nutzbaren Unterkünften, wie Notunterkünften usw. Wäh-
rend das Bundesverwaltungsgericht auf die bauordnungs- oder gar
bauplanungsrechtliche Geeignetheit abgestellt hatte und deshalb z.B.
den Lastzuschuss für ein nur als baurechtlich nutzbares Wochenend-
haus versagt hatte,27 kommt es nach dem Wortlaut der Regelung aus-
schließlich auf die tatsächliche Eignung zu Wohnzwecken an.28 Die
Räume müssen also lediglich von dem Verfügungsberechtigten zum
Wohnen bestimmt sein.

2. Bauliche Anlage

Nach der früheren Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes29 3


konnte Wohngeld für bauliche Anlagen nur gewährt werden, wenn eine
Dauernutzung zu Wohnzwecken (bau-)rechtlich zulässig war (dazu un-
ten Rn. 6). Dies lässt zunächst darauf schließen, dass es sich bei den
„baulichen Anlagen“ nur um solche handelt, die nach den baurechtli-
chen Vorschriften zu Wohnzwecken genutzt werden dürfen. Als bauli-
che Anlagen werden aber in fast allen Bauordnungen der Länder nur
solche Bauwerke bezeichnet, die fest mit dem Erdboden verbunden
und aus Bauprodukten hergestellt sind. Wohnwagen oder Schiffe ge-
hören hierzu also zunächst einmal nicht. Allerdings sehen einige Lan-
desgesetze Ausnahmen vor: So sind nach der Bauordnung Bremen (§ 
2 Abs. 1 Nr. 1) auch ortsfeste Wohnwagen als bauliche Anlage anzuse-
hen, nach der Bauordnung Rheinland-Pfalz (§ 2 Abs. 1 Nr. 6) auch orts-
feste Schiffe.

Tatsächlich ist der Begriff der baulichen Anlage in § 2 nach dem Zweck
des WoGG weit auszulegen und daher nicht auf Bauwerke im Sinne

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der Bauordnungen zu beschränken. Das WoGG soll ein angemessenes


(menschenwürdiges) Wohnen ermöglichen. Dies ist aber auch in
Wohnschiffen30 oder Wohnwagen31 möglich, sofern es an einer Min-
destausstattung nicht mangelt. Ob nach die Rechtsprechung des
BVerwG auch das Wohngeld bei Wohnschiffen oder Wohnwagen ver-
sagt werden muss, wurde bisher nicht entschieden. Das Bundesver-
waltungsgericht hat bisher nur solche Wohnräume vom Wohngeld aus-
geschlossen, deren Dauernutzung zu Wohnzwecken baurechtlich nicht
gestattet ist, nicht aber von Wohnräumen deren Nutzung baurechtlich
erlaubt ist.

3. Verfügungsberechtigte

Verfügungsberechtigt ist derjenige, der die Verfügungsmacht als Ei- 4


gentümer, Nutzungsberechtigter, Mieter oder aufgrund anderer Nut-
zungsrechte über den (Wohn-)Raum hat.

4. Bestimmung zu Wohnzwecken

Zum Wohnen bestimmt sind Räume immer dann, wenn der Nutzungs- 5
berechtigte seinen Willen erkennbar zum Ausdruck bringt, dass diese
Räume zum Wohnen genutzt werden sollen. Dies wird zB durch die
Vermietung eines Raumes an einen Mieter oder die Ingebrauchnahme
des Eigentümers zu eigenen Wohnzwecken sein. Neben diesem sub-
jektiven Element ist außerdem erforderlich, dass die Wohnräume nach
ihrer baulichen Anlage und Ausstattung objektiv zu Wohnzwecken ge-
eignet sind.

5. Eignung zu Wohnzwecken

Die Eignung zu Wohnzwecken ist nicht davon abhängig, ob die landes- 6


rechtlichen Vorschriften über die Anforderungen an die Wohnbebauung
erfüllt sind, denn § 2 stellt nur auf die tatsächliche Nutzungsfähigkeit
ab. Welche Mindestanforderungen an eine Wohnung gestellt werden
müssen, ergibt sich aus dem in § 1 Abs. 1 gesetzlich festgelegten Ziel,
angemessenen und familiengerechten Wohnraum wirtschaftlich zu si-
chern. Als objektiver Mindeststandard sind daher die Regelungen über
den angemessenen Wohnbedarf in der Grundsicherung und in der So-
zialhilfe heranzuziehen.32 Die vom BVerwG33 vertretene Meinung,
dem Wohnraumbegriff des WoGG entspreche ein Wohnraum nur dann,
wenn er tatsächlich und (bau)rechtlich zur dauernden Wohnnutzung
geeignet und vom Berechtigten dazu bestimmt sei, ist nach der Ein-
führung des § 4 a WoGG34 nicht mehr vertretbar. Die baurechtlichen
Vorschriften können allerdings noch insoweit herangezogen werden als
sie einen allgemeinen Mindeststandard der Einrichtung erfordern (zB
notwendige Fenster § 48 Abs. 2 BauO-NW). Auf der anderen Seite wird
ein Wohnraum, der eine gesetzlich vorgeschriebene Deckenhöhe von
2,40 m (§ 48 Abs. 1 BauO-NW) unterschreitet aber noch ausreichende
Stehhöhe gewährleisten oder statt einer Toilette mit Wasserspülung
über eine modernen Komposttoilette verfügt, als geeigneter Wohn-
raum iSd § 2 anzusehen sein.

6. Dauerhafte Nutzung

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Nach dem Wortlaut des § 2 reichen eine Bestimmung zum Wohnen 7
und die objektive Eignung für Wohnzwecke zum Ausfüllen des Begrif-
fes Wohnraum aus. Eine gewisse Dauer, wie vom Bundesverwaltungs-
gericht in seiner Entscheidung vom 18. Januar 1991 verlangt,35 ist
nach dem Gesetzeswortlaut nicht erforderlich. In der Gesetzesbegrün-
dung wird angeführt, dass dem Begriff des Wohnens eine gewisse
Dauer immanent sei, so dass eine gesonderte Erwähnung im Gesetz
nicht für nötig erachtet wurde.36 Hieraus lässt sich für die Auslegung
des Wohnraumbegriffs wenig entnehmen, findet doch das menschliche
Leben in der Zeit statt. Die Unterscheidung der dauerhaften von der
vorübergehenden Nutzung dient lediglich zur Abgrenzung von Wohn-
unterkünften zu Notunterkünften und ähnlichen Einrichtungen. Im Ge-
setz findet sich kein Hinweis für eine Mindestdauer. Obdachlosenunter-
künfte, Frauenhäuser, Hotels und Pensionen sind daher, sofern sie
nach den Umständen des Einzelfalls zur Dauernutzung und nicht nur
als Notunterkunft bestimmt sind, als Wohnraum anzusehen.

7. Wohnräume Einzelbeispiele

Eine Gartenlaube, die baurechtswidrig zu Wohnzwecken genutzt wird, 8


ist jedenfalls dann als zu Wohnzwecken objektiv geeignet anzusehen,
wenn ein Minimum an Ausstattung vorhanden ist.37 Ein Wohnschiff
mit festem Ankerplatz wird ebenfalls als ausreichender Wohnraum an-
zusehen sein.38 Das gleiche gilt für Wohnwagen, wenn sie den Erfor-
dernissen an eine dauerhafte Wohnnutzung (Wasser- und Stroman-
schluss usw.) entsprechen. Nicht zu Wohnzwecken geeignet, ist hinge-
gen eine Wohnung ohne Wasser und Stromanschluss.39

Neben der Eignung zu Wohnzwecken muss auch eine Bestimmung


zum dauerhaften Wohnen erfolgt sein. Daher sind etwa Geschäftsräu-
me, die ausschließlich unternehmerischen und gewerblichen Zwecken
dienen, nicht zu Wohnzwecken bestimmt. Allerdings können auch sol-
che Geschäftsräume vom Eigentümer – auch entgegen der baurechtli-
chen Bestimmungen – umgewidmet werden. Nach dem Willen des Ge-
setzgebers sollte ein Anspruch auf Wohngeld auch für Wohnräume, die
in Geschäftsgebäuden gelegen sind, möglich sein. In § 3 Abs. 1 sind
die „Arten des Wohneigentums“ (Eigenheim, Eigentumswohnung usw.)
nicht mehr aufgeführt, so dass nunmehr auch für eine Wohnung in ei-
nem Geschäftsgebäude Wohngeld geleistet werden kann.40

Nicht zu Wohnzwecken bestimmt sind Wohnungen, die von dem Verfü-


gungsberechtigten nur zur vorübergehenden Nutzung bestimmt
sind.41 Hierbei handelt es sich um Obdachlosenheime, Übergangs-
wohnheime, Notunterkünfte, Frauenhäuser, Krankenhäuser, Kurheime
usw., sofern sie zwar zur dauerhaften Nutzung geeignet, hierzu aber
nicht bestimmt sind. Wiederum kommt eine Umwidmung durch die
Verfügungsberechtigten in Frage, wenn die Einrichtungen nach ihrer
Gestaltung zur dauerhaften Wohnnutzung geeignet sind.

Zelte, Sammellager, Turnhallen und ähnliche Schlafstellen sind bereits


aufgrund ihrer baulichen Substanz nicht geeignet, als Wohnungen iSd
WoGG angesehen zu werden, denn sie entsprechen nicht den Anforde-
rungen an ein menschenwürdiges Wohnen iSd des SGB II und XII. Die
Wohnung iSd WoGG erfordert eine gewisse Abgeschlossenheit und

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überdies insbesondere das Vorhandensein einer Küche oder Kochstelle


für die Zubereitung von Speisen.42 Hiervon ist bei Heimen im Sinne
des Heimgesetzes (§ 1 Abs. 1 HeimG) wegen § 3 Abs. 1 Nr. 3 WoGG
eine Ausnahme zu machen.

25 BT-Drucks. 16/6543, 87 f.


26 BVerwG 18.1.1991 – 8 C 63.89, BVerwGE 87, 299.
27 BVerwG 18.01.1991 – 8 C 63.89 aaO Rn 10
28 BT-Drucks. 14/1636, 186.
29 BVerwG 18.1.1991 – 8 C 63.89, BVerwGE 87, 299.
30 Gutekunst/Stadler/Dietrich/Fröba, WoGG, § 2 Rn 7.
31 A.A. Gutekunst/Stadler/Dietrich/Fröba, WoGG, § 2 Rn 8.
32 BayVGH 22.12.2009 – 12 C 08.2140.
33 BVerwG 18.1.1991 – 8 C 63.89, BVerwGE 87, 299.
34 BGBl. I, 2671 vom 22.12.1999.
35 BVerwG 18.1.1991 – 8 C 63.89, BVerwGE 87, 299.
36 BT-Drucks. 14/1636, 183 zu § 4 a WoGG.
37 Anders noch zum alten Recht VG Berlin 1.3.2001 – 21 A 3.99.
38 Gutekunst/Stadler/Dietrich/Fröba, WoGG Kommentar, § 2 Rn 7.
39 BayVGH 22.12.2009 – 12 C 08.2140.
40 BT-Drucks. 16/6543, 88.
41 BVerwG 14.8.1992 – 8 C 39/91.
42 BVerwG 14.8.1992 – 8 C 39/91.

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