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§ 6 Zu berücksichtigende Haushaltsmitglieder - beck-online 08.12.

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WoGG § 6 Zu berück- Zimmermann Zimmermann, Wohn- Rn. 1-6


sichtigende Haushalts- geldgesetz
mitglieder 1. Auflage 2014

§ 6 Zu berücksichtigende Haushaltsmitglieder

(1) Bei der Berechnung des Wohngeldes sind vorbehaltlich des Absatzes 2 und der
§§ 7 und 8 sämtliche Haushaltsmitglieder zu berücksichtigen (zu berücksichtigende
Haushaltsmitglieder).

(2) 1Stirbt ein zu berücksichtigendes Haushaltsmitglied, ist dies für die Dauer von
zwölf Monaten nach dem Sterbemonat ohne Einfluss auf die bisher maßgebende An-
zahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder. 2Satz 1 ist nicht mehr anzuwen-
den, wenn nach dem Todesfall

1. die Wohnung aufgegeben wird,


2. die Zahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder sich mindestens auf den
Stand vor dem Todesfall erhöht oder
3. der auf den Verstorbenen entfallende Anteil der Kosten der Unterkunft in einer Leis-
tung nach § 7 Abs. 1 mindestens teilweise berücksichtigt wird.

I. Entstehungsgeschichte, Allgemeines

Die vorstehende Norm regelt, inwieweit die nach § 5 ermittelten Haus- 1
haltsmitglieder bei der Berechnung des Wohngeldes berücksichtigt
werden. In Abs. 2 wird der Sonderfall geregelt, dass ein Haushaltsmit-
glied während des Bezugszeitraumes verstirbt.

Die Regelung des Abs. 2 Satz 1 erfolgte bis zum 31.12.2008 in § 4 2
Abs. 4 Satz 1 WoGG. Die Regelung ist weitgehend inhaltsgleich über-
nommen worden. Eine wesentliche Änderung besteht darin, dass die
Übergangszeit nach dem Tod des Haushaltsmitgliedes von 24 auf zwölf
Monate reduziert wurde. Satz 2 des Abs. 2 wurde in den Nr. 1 und 2
aus der bis zum 31.12.2008 geltenden Regelung übernommen und die
Nr. 3 wurde neu angefügt.

II. Erläuterungen

Abs. 1 regelt, dass grundsätzlich alle in § 5 erfassten Haushaltsmitglie- 3


der zu berücksichtigen sind. In §§ 7, 8 werden demgegenüber die
Haushaltsmitglieder, die nicht zu berücksichtigen sind, aufgeführt.
Haushaltsmitglieder sind die Personen, die mit dem Wohngeldberech-
tigten den Wohnraum gemeinsam bewohnen und mit ihm in einer
Wirtschaftsgemeinschaft zusammenleben (siehe § 5 Rn 15).

Nach Abs. 2 wird ein Haushaltsmitglied zwölf Monate nach seinem Tod 4
noch weiterhin als solches angerechnet. Damit soll – ähnlich wie bei
der Suchfrist nach § 22 Abs. 1 Satz 3 SGB II – dem Wohngeldberech-
tigten die Möglichkeit gegeben werden seine Wohnsituation innerhalb
einer angemessenen Frist von zwölf Monaten an die geänderte familiä-

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re Situation anzupassen. Allein aufgrund der mietvertraglichen Kündi-


gungsfrist von drei Monaten (§ 573 c Abs. 1 S. 1 BGB) ist die „Anpas-
sungsfähigkeit“ des Mieters einer Wohnung begrenzt. Das Gleiche gilt
im verstärkten Maße für Bezieher von Wohngeld als Lastenzuschuss,
denn Wohneigentum lässt sich in der Regel noch schlechter als gemie-
teter Wohnraum an die geänderten Lebensverhältnisse anpassen. Ein
Anspruch auf die Todesfallvergünstigung besteht unabhängig von dem
zwölfmonatigen Bewilligungszeitraum (§ 27 Abs. 1). Das Haushaltsmit-
glied muss daher nicht zum Zeitpunkt der Antragstellung noch leben.
Die Todesfallvergünstigung bleibt auf die Zeit von zwölf Monaten nach
dem Tod beschränkt, so dass der Bewilligungsbescheid für unter-
schiedliche Zeiträume eine unterschiedliche Höhe aufweist. Da es sich
bei der Todesfallvergünstigung um eine nach den allgemeinen Ausle-
gungsgrundsätzen eng auszulegende Ausnahmevorschrift handelt, ist
eine entsprechende Anwendung auf Personen, die anderweitig aus der
Haushaltsgemeinschaft ausgeschieden sind, nicht anzuwenden.112

Der Zweck der Todesfallvergünstigung, dem Wohngeldberechtigten 5


eine Zeit der Anpassung zuzubilligen, kann später wegfallen, weil die
typische „Anpassungssituation“ entfällt. Das Gesetz sieht deshalb in
Abs. 2 Satz 2 abschließende Ausnahmen von der Ausnahme vor. Bei
Aufgabe der Wohnung wird Wohngeld nur noch für die tatsächliche
Personenzahl gewährt. Diese Regelung präzisiert lediglich den Grund-
satz, dass Wohngeld nur für einen Wohnraum geleistet wird. Da die
Regelung nach Satz 1 nur die Nachteile aus dem Todesfall ausgleichen
soll, sollen andererseits keine Vorteile dadurch erwachsen, dass die
Nachteile durch Aufnahme einer Ersatzperson in den Haushalt kom-
pensiert werden (Satz 2 Nr. 2).

Des Weiteren ist die Todesfallvergünstigung ausgeschlossen, wenn ein 6


nach dem Todesfall in den Haushalt aufgenommenes Haushaltsmit-
glied wegen des Bezugs von Leistungen der Grundsicherung oder er-
setzenden Leistungen nach § 7 Abs. 1 Satz 1 vom Wohngeldbezug aus-
geschlossen ist. Bei diesen Personen müssen Leistungen zur Sicherung
der Unterkunft wenigstens teilweise erbracht werden. Bei Empfängern
von Grundsicherungsleistungen nach dem SGB II und SGB XII werden
die angemessenen Kosten der Unterkunft in voller Höhe übernommen
(§ 22 Abs. 1 Satz 1 SGB II, § 35 Abs. 1 Satz 1 SGB XII). Der Hilfebe-
dürftige erhält allerdings nur den auf ihn entfallenden Teil der Unter-
kunftskosten, dh diese Kosten werden – unabhängig von ihrem kon-
kreten Wohnbedarf – durch die Anzahl der Personen, die gemeinsam
eine Wohnung bewohnen geteilt.113 Zu einer „Unterdeckung“ kann es
bei dem vom Wohngeld ausgeschlossenen Hilfebedürftigen nur dann
kommen, wenn die anteiligen Wohnkosten von dem jeweiligen Träger
der Grundsicherung als unangemessen bewertet und daher nur antei-
lig übernommen werden. Diese „Unterdeckung“ ist auch zulasten der
Wohngeldberechtigten hinnehmbar, weil dem verfassungsrechtlichen
Anspruch auf Existenzsicherung (Art. 1 Abs. 1, 20 Abs. 1 GG) mit der
Übernahme angemessener Wohnkosten genügt wird.

112 So auch Gutekunst/Stadtler/Dietrich/Fröba, WoGG, § 6 Rn 11.


113 BSG 31.10.2007 – B 14/11 b AS 7/07 R zur Grundsicherung der Arbeitsuchenden; BVerwG
21.1.1988 – 5 C 68/85 zur Sozialhilfe.

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