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Erklärung von Begriffen der Bedingten Entstehung

(paticcasamuppāda) anhand der Lehrreden


und eigener Gedanken (von Florian B.)

Mit dieser Arbeit möchte ich versuchen ein wenig Klarheit zu schaffen in Bezug auf
die Bedingte Entstehung (paticcasamuppāda [im Folgenden „PS“ genannt]. Der
größte Teil der Erklärungen stammen aus den Lehrreden und sind entsprechend
gekennzeichnet (DN = Digha Nikaya; MN = Majjhima Nikaya; SN = Samyutta
Nikaya). Sollte es sich um meine eigene Gedanken zum Thema handeln habe ich
versucht diese fettkursiv zu kennzeichnen.

PS besteht aus 12 Gliedern. Es ist ziemlich umfangreich, wie ich finde, jedes
einzelne Glied genau zu betrachten, doch ich bin davon überzeugt, dass es
besonders hilfreich ist. Ziemlich umfangreich deshalb, weil PS den gesamten Kern
der Lehre des Buddha umfasst. Am besten ist es wohl sich erst einmal völlig im
Klaren darüber zu sein was jedes einzelne Glied bedeutet.

Die 12 Glieder:
• Unwissenheit (avijjā)
• Gestaltungen (sankhārā)
• Bewusstsein (viññāna)
• Name und Form (nāmarūpa)
• 6 Sinnesgrundlagen (salāyatana)
• Kontakt (phasso)
• Gefühl (vedanā)
• Begehren (tanhā)
• Anhaftung (upādāna)
• Dasein (bhavo)
• Geburt (jāti)
• Altern und Sterben (jarāmarana)

Ich möchte jetzt zeigen in welcher Abhängigkeit die 12 Glieder zueinander stehen
bzw. welches Glied ein Anderes bedingt.

Da heißt es in MN 38 - Die Längere Lehrrede über die Vernichtung des Begehrens:

„Wenn dies existiert, ist jenes; mit der Entstehung von diesem, entsteht jenes.
Das heißt,
bedingt durch Unwissenheit sind Gestaltungen;
bedingt durch Gestaltungen ist Bewußtsein;
bedingt durch Bewußtsein ist Name-und-Form;
bedingt durch Name-und-Form ist die sechsfache Sinnesgrundlage;
bedingt durch die sechsfache Sinnesgrundlage ist Kontakt;
bedingt durch Kontakt ist Gefühl;
bedingt durch Gefühl ist Begehren;
bedingt durch Begehren ist Anhaften,
bedingt durch Anhaften ist Werden;
bedingt durch Werden ist Geburt;
bedingt durch Geburt sind Altern und Tod, Sorge, Klagen, Schmerz, Trauer und
Verzweiflung.
So ist der Ursprung dieser ganzen Masse von Dukkha.“
„Wenn dies nicht existiert, ist jenes nicht; mit dem Aufhören von diesem hört jenes
auf. Das heißt,
mit dem Aufhören von Unwissenheit ist das Aufhören von Gestaltungen;
mit dem Aufhören von Gestaltungen ist das Aufhören von Bewußtsein;
mit dem Aufhören von Bewußtsein ist das Aufhören von Name-und-Form;
mit dem Aufhören von Name-und-Form ist das Aufhören der sechsfachen
Sinnesgrundlage;
mit dem Aufhören der sechsfachen Sinnesgrundlage ist das Aufhören von Kontakt;
mit dem Aufhören von Kontakt ist das Aufhören von Gefühl;
mit dem Aufhören von Gefühl ist das Aufhören von Begehren;
mit dem Aufhören von Begehren ist das Aufhören von Anhaften;
mit dem Aufhören von Anhaften ist das Aufhören von Werden;
mit dem Aufhören von Werden ist das Aufhören von Geburt;
mit dem Aufhören von Geburt hören Altern, Tod, Sorge, Klagen, Schmerz, Trauer
und Verzweiflung auf.
So ist das Aufhören dieser ganzen Masse von Dukkha.“

Hier heraus kann man erkennen, dass es heißt:

„Wenn dieses ist, ist jenes ... Wenn dieses nicht ist, ist jenes nicht…“

Es handelt sich hier also um abhängiges Entstehen jedes einzelnen Gliedes


und seiner bestimmenden Bedingung. Entweder sind alle 12 Glieder oder
keines.

Es heißt nicht, wie es ab und zu gedeutet wird, dass zuerst „dieses“ ist und
danach „jenes“ oder erst wenn „dieses“ vergangen ist, „jenes“ ist oder
entsteht.

Was bedeuten nun die einzelnen Glieder?

Die Sammāditthi Sutta (MN9) beschreibt kurz jedes einzelne Glied im Kontext von
PS wie folgt. (Jeweils in Übersetzung Karl E. Neumann und Kay Zumwinkel)

Was ist Unwissenheit?

(MN 9 KEN): „Das Leiden, ihr Brüder, nicht kennen, die Leidensentwicklung nicht
kennen, die Leidensauflösung nicht kennen, das zur Leidensauflösung führende
Vorgehen nicht kennen, das nennt man, Brüder, Nichtwissen.“

(MN 9 KAYZ): „Dukkha nicht zu kennen, den Ursprung von Dukkha nicht zu kennen,
das Aufhören von Dukkha nicht zu kennen, und den Weg, der zum Aufhören von
Dukkha führt nicht zu kennen – dies wird Unwissenheit genannt.“

Unwissenheit ist das Nichtkennen der 4 Edlen Wahrheiten.

Was sind Gestaltungen?

(MN 9 KEN): „Drei Arten der Gestaltungen, ihr Brüder, gibt es: Körper-Gestaltungen,
Sprach-Gestaltungen, Herzens-Gestaltungen.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese drei Arten der Gestaltungen: die Gestaltung des
Körpers, die Gestaltung der Sprache, die Gestaltung des Geistes.“
Was ist Bewusstsein?

(MN 9 KEN): „Sechs Arten des Bewusstseins, ihr Brüder, gibt es: Augbewusstsein,
Ohrbewusstsein, Nasenbewusstsein, Zungenbewusstsein, Körperbewusstsein,
Geistbewusstsein.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese sechs Klassen von Bewusstsein: Sehbewusstsein,
Hörbewusstsein, Riechbewusstsein, Schmeckbewusstsein, Berührungsbewusstsein,
Geistbewusstsein.“

Was ist Name und Form?

(MN 9 KEN): „Gefühl, Wahrnehmung, Absicht, Berührung, Aufmerksamkeit, das


nennt man, Brüder, Name. Die vier Hauptstoffe und was durch die vier Hauptstoffe
gebildet besteht, das nennt man, Brüder, Form. Und so ist dies der Name und dies
die Form. Das nennt man, Brüder, Name und Form.

(MN 9 KAYZ): „Gefühl, Wahrnehmung, Wille, Kontakt und Aufmerken – diese


werden Name genannt. Die vier großen Elemente und die materielle Form, die von
den vier großen Elementen abstammt – diese werden Form genannt. Dieser Name
und diese Form also werden Name und Form genannt.“

Was sind die 6 Sinnesgrundlagen?

(MN 9 KEN): „Sechs Bereiche, ihr Brüder, gibt es: Augbereich, Ohrbereich,
Nasenbereich, Zungenbereich, Körperbereich, Geistbereich.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese sechs Sinnesgrundlagen: Augen-Grundlage, die Ohren-
Grundlage, die Nasen-Grundlage, die Zungen-Grundlage, die Körper-Grundlage und
die Geist-Grundlage.“

Was ist Kontakt/Berührung?

(MN 9 KEN): „Sechs Arten der Berührung, ihr Brüder, gibt es: Augberührung,
Ohrberührung, Nasenberührung, Zungenberührung, Körperberührung,
Geistberührung.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese sechs Klassen von Kontakt: Sehkontakt, Hörkontakt,
Riechkontakt, Schmeckkontakt, Berührungskontakt, Geistkontakt.“

Was ist Gefühl?

(MN 9 KEN): „Sechs Arten des Gefühls, ihr Brüder, gibt es: durch Augberührung
entstandenes Gefühl, durch Ohrberührung entstandenes Gefühl, durch
Nasenberührung entstandenes Gefühl, durch Zungenberührung entstandenes
Gefühl, durch Körperberührung entstandenes Gefühl, durch Geistberührung
entstandenes Gefühl.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese sechs Klassen von Gefühl: Gefühl, das aus Sehkontakt
geboren wird, Gefühl, das aus Hörkontakt geboren wird, Gefühl, das aus
Riechkontakt geboren wird, Gefühl, das aus Schmeckkontakt geboren wird, Gefühl,
das aus Berührungskontakt geboren wird, Gefühl, das aus Geistkontakt geboren
wird.“
Was ist Begehren/Durst?

(MN 9 KEN): „Sechs Arten des Durstes, ihr Brüder, gibt es: Durst nach Formen,
Durst nach Tönen, Durst nach Düften, Durst nach Säften, Durst nach Tastungen,
Durst nach Gedanken.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese sechs Klassen von Begehren: Begehren nach Formen,
Begehren nach Klängen, Begehren nach Gerüchen, Begehren nach Geschmäckern,
Begehren nach Berührungsobjekten, Begehren nach Geistesobjekten.“

Was ist Anhaftung/Ergreifen?

(MN 9 KEN): „Vier Arten des Ergreifens, ihr Brüder, gibt es: das Ergreifen der
Sinnlichkeit, das Ergreifen von Ansichten, das Ergreifen von Tugendwerk, das
Ergreifen der Selbstbehauptung.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese vier Arten des Anhaftens: Anhaften an
Sinnesvergnügen, Anhaften an Ansichten, Anhaften an Regeln und Ritualen, und
Anhaften an einer Lehre über ein Selbst.“

Was ist Dasein/Werden?

(MN 9 KEN): „Drei Arten des Werdens, ihr Brüder, gibt es: sinnliches Werden,
formhaftes Werden, formloses Werden.“

(MN 9 KAYZ): „Es gibt diese drei Arten des Werdens: das Werden der
Sinnessphäre, das Werden der Sphäre (feinstofflicher) Form und das Werden der
formlosen Sphäre.“

Was ist Geburt?

(MN 9 KEN): „Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung Geburt, Gebärung,
Bildung, Keimung, Empfängnis, das Erscheinen der Teile, Ergreifen der Gebiete, das
nennt man, Brüder, Geburt.“

(MN 9 KAYZ): „Die Geburt der Wesen in die verschiedenen Klassen der Lebewesen,
ihr Geborenwerden, Herausstürzen aus dem Schoß, Erzeugung, die Manifestation
der Daseinsgruppen, das Erlangen der Sinnesgrundlagen – dies wird Geburt
genannt.“

Was ist Altern und Sterben?

(MN 9 KEN): „Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung altern und
abnutzen, gebrechlich, grau und runzelig werden, der Kräfteverfall, das Abreifen der
Sinne, das nennt man, Brüder, Altern. Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender
Gattung Hinschwund, Auflösung, Zersetzung, Untergang, Todessterben,
Zeiterfüllung, das Zerfallen der Teile, das Verwesen der Leiche, das nennt man,
Brüder, Sterben. Und so ist dies das Altern und dies das Sterben. Das nennt man,
Brüder, Altern und Sterben.“
(MN 9 KAYZ): „Das Altern der Wesen in den verschiedenen Klassen der Lebewesen,
ihr Alter, das Zerbrechen der Zähne, das Ergrauen der Haare, das Runzligwerden
der Haut, der Abstieg des Lebens, die Schwäche der Sinne – dies wird Altern
genannt. Das Abscheiden der Wesen aus den verschiedenen Klassen der
Lebewesen, ihr Dahinscheiden, Auflösen, Verschwinden, Sterben, Ablaufen der Zeit,
Auflösung der Daseinsgruppen, Ablegen des Körpers – dies wird Tod genannt.
Dieses Altern und dieser Tod sind also das, was Altern und Tod genannt wird.“

Für ein besseres Verständnis sollten die einzelnen Glieder jedoch noch detaillierter
betrachtet werden.

Zum Beispiel: Unwissenheit (avijjā) ist das Nichtwissen der 4 Edlen Wahrheiten, wie
weiter oben in MN9 bereits beschrieben wurde.

Was sind also die 4 Edlen Wahrheiten?

1. die heilige Wahrheit vom Leiden


2. die heilige Wahrheit von der Leidensentwicklung
3. die heilige Wahrheit von der Leidensauflösung
4. die heilige Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Pfade

1. Was ist die heilige Wahrheit vom Leiden?


(DN 22 KEN)

„Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Sterben ist Leiden,
Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung sind Leiden, mit Unliebem
verbunden sein ist Leiden, von Liebem getrennt sein ist Leiden, was man begehrt
nicht erlangen, das ist Leiden, kurz gesagt: die fünf Daseinsgruppen sind Leiden.“

Was ist Geburt?


Das wissen wir bereits aus MN9, hier in DN22 der gleiche Wortlaut:

„Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung Geburt, Gebärung, Bildung,


Keimung, Empfängnis, das Erscheinen der Teile, das Ergreifen der Gebiete: das
nennt man, ihr Mönche, Geburt.“

Was ist Altern?


Wird bereits beschrieben in MN9, hier in DN22 gleicher Wortlaut:

„Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung altern und abnutzen,


gebrechlich, grau und runzelig werden, der Kräfteverfall, das Abreifen der Sinne: das
nennt man, ihr Mönche, Altern.“

Was ist Krankheit?


Wird nicht genauer beschrieben, ist meiner Meinung nach jedoch bereits ohne
Beschreibung verständlich.

Was ist Sterben?


Wird beschrieben in MN9, hier in DN22:

„Der jeweiligen Wesen in jeweilig wesender Gattung Hinschwund, Auflösung,


Zersetzung, Untergang, Todessterben, Zeiterfüllung, das Zerfallen der Teile, das
Verwesen der Leiche: das nennt man, ihr Mönche, Sterben.“
Was ist Kummer?
DN22:

„Was da, ihr Mönche, bei solchem und solchem Verluste, den man erfährt, bei
solchem und solchem Unglücke, das einen betrifft, Kummer, Kümmernis,
Bekümmerung, innerer Kummer, innere Verkümmerung ist: das nennt man, ihr
Mönche, Kummer.“

Was ist Jammer?


DN22:

„Was da, ihr Mönche, bei solchem und solchem Verluste, den man erfährt, bei
solchem und solchem Unglücke, das einen betrifft, Klage und Jammer, Beklagen und
Bejammern, Wehklage, Wehjammer ist: das nennt man, ihr Mönche, Jammer.“

Was ist Schmerz?


DN22:

„Was da, ihr Mönche, körperlich schmerzhaft, körperlich unangenehm ist, durch
körperhafte Berührung schmerzhaft, unangenehm empfunden wird: das nennt man,
ihr Mönche, Schmerz.“

Was ist Gram und Verzweiflung?


DN22:

„Was da, ihr Mönche, geistig schmerzhaft, geistig unangenehm ist, durch
gedankenhafte Berührung schmerzhaft, unangenehm empfunden wird: das nennt
man, ihr Mönche, Gram.
Und was ist, ihr Mönche, die Verzweiflung? Was da, ihr Mönche, bei solchem und
solchem Verluste, den man erfährt, bei solchem und solchem Unglücke, das einen
betrifft, Verzagen und Verzweifeln, verzagt sein und verzweifelt sein ist: das nennt
man, ihr Mönche, Verzweiflung.“

Was ist mit Unliebem verbunden sein?


DN22:

„Was einem da an unerwünschten, unerfreulichen, unangenehmen Formen


begegnet, an Tönen, Düften, Säften, Berührungen, Gedanken, oder was einem dabei
unförderlich, unfreundlich, unsanft, unversöhnbar vorkommt; damit zusammen,
vereinigt, vermengt und vermischt sein: das nennt man, ihr Mönche, mit Unliebem
verbunden sein zu Leiden.“

Was ist von Liebem getrennt sein?


DN22:

„Was einem da an erwünschten, erfreulichen, angenehmen Formen begegnet, an


Tönen, Düften, Säften, Berührungen, Gedanken, oder was einem dabei förderlich,
freundlich, sanft, versöhnbar vorkommt, als wie Mutter oder Vater, Bruder oder
Schwester, Kinder, Freunde und Genossen, Verwandte und Sippen; davon
gesondert, geschieden, entfernt und verlassen sein: das nennt man, ihr Mönche, von
Liebem getrennt sein zu Leiden.“
Was ist was man begehrt nicht zu erlangen?
DN22:

„Die Wesen, ihr Mönche, der Geburt unterworfen, kommt das Begehren an: 'O dass
wir doch nicht der Geburt unterworfen wären, dass uns doch keine Geburt
bevorstände!'; aber das kann man durch Begehren nicht erreichen: das nun eben
nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden. Die Wesen, ihr Mönche, dem Alter, der
Krankheit, dem Sterben, dem Kummer, Jammer, Schmerz, dem Gram, der
Verzweiflung unterworfen, kommt das Begehren an: 'O dass wir doch nicht dem
Alter, der Krankheit, dem Sterben, dem Kummer, Jammer, Schmerz, dem Gram, der
Verzweiflung unterworfen wären, dass uns doch kein Altern, Kranksein und Sterben,
kein Kummer und Jammer und Schmerz, kein Gram und keine Verzweiflung
bevorstände!'; aber das kann man durch Begehren nicht erreichen: das nun eben
nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden.“

Also in Kürze, allen Wesen die dukkha unterliegen kommt dieses Begehren an,
welches durch Begehren allein nicht zu erreichen ist und deshalb ist dies der
Grund für die Wesen, dass sie unter dem Nichterreichen des Begehrten leiden.

Noch mehr zusammengefasst, leiden alle Wesen die dukkha unterliegen, weil
sie sich wünschen sie würden nicht dukkha unterliegen und leiden zusätzlich
unter diesem Wunsch, weil sei sich etwas wünschen, dass durch wünschen
alleine nicht zu erreichen ist.

Diesen Wunsch trotzdem töricht aufrecht zu erhalten, lässt die Wesen


weiterhin leiden. Im Grunde ergibt es sogar einen Kreisschluss, da die
leidenden Wesen sich etwas leidvolles Wünschen leiden sie genau deshalb
darunter ohne dies zu erkennen.

Was sind die fünf Daseinsgruppen und was ist das Leid an Ihnen?
DN22:

„Es ist da ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein
Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an den
Geistesobjekten, ein Stück Anhangen am Bewusstsein: das nennt man, ihr Mönche,
kurz gesagt, die fünf Daseinsgruppen als Leiden.“

Die Daseinsgruppen sind:


• Form (rūpa-kkhandha)
• Gefühl (vedanā-kkhandha)
• Wahrnehmung (saññā-kkhandha)
• Geistobjekte (sankhāra-kkhandha)
• Bewusstsein (viññāna-kkhandha)

und das Anhangen (upādāna) an den Daseinsgruppen (kkhandha), das nennt


man die fünf Daseinsgruppen als Leiden. (Die fünf Gruppen der Anhaftung/des
Anhaftens = pañc’upādānakkhandha)
2. Was ist die heilige Wahrheit von der Leidensentwicklung?
DN22:

„Es ist dieser Durst (Begehren), der Wiederdasein säende,


Vergnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergötzende,
es ist der Durst (Begehren) nach den Sinnen
es ist der Durst (Begehren) nach Dasein
es ist der Durst (Begehren) nach Nicht-Dasein.“

Was genau dieser Durst, dieses Begehren ist, wird weiter unten genauer
erklärt.

Hier in DN22 wird zusätzlich beschrieben, dass es ebenfalls der Durst (das
Begehren) nach dem zugehörigen Bewusstsein (Sehbewusstsein, Hörbewusstsein
usw.), der Durst nach dem zugehörigen Kontakt [(Berührung) Sehkontakt, Hörkontakt
usw.], nach der zugehörigen Wahrnehmung (Sehwahrnehmung, Hörwahrnehmung
usw.) und der Durst nach dem verstehen, erdürsten, überlegen und erwägen von
Form, Tönen, Düften usw. ist der zur Leidensentwicklung führt.

3. Was ist die heilige Wahrheit von der Leidensauflösung?


DN22:

„Es ist eben dieses Durstes (Begehrens) vollkommen restlose Auflösung, ihn
abstoßen, austreiben, fällen, vertilgen.“

Also die vollkommene restlose Auflösung des in der zweiten edlen Wahrheit
beschriebenen Begehrens.

4. Was ist die heilige Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden
Pfade?
DN22:

„Dieser heilige achtfältige Weg ist es, der zur Leidensauflösung führende Pfad,
nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechte Tat, rechter
Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Sammlung.

Was ist rechte Erkenntnis?


DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechte Erkenntnis? Das Leiden kennen, ihr Mönche, die
Entwicklung des Leidens kennen, die Auflösung des Leidens kennen, den zur
Auflösung des Leidens führenden Pfad kennen: das nennt man, ihr Mönche, rechte
Erkenntnis.“

Was ist rechte Gesinnung?


DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechte Gesinnung? Entsagung sinnen, keinen Groll hegen,
keine Wut hegen das nennt man, ihr Mönche, rechte Gesinnung.“
Was ist rechte Rede?
DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechte Rede? Lüge vermeiden, Verleumdung vermeiden,
barsche Worte vermeiden, Geschwätz vermeiden das nennt man, ihr Mönche, rechte
Rede.“

Was ist rechte Tat?


DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechte Tat? Lebendiges umzubringen vermeiden,
Nichtgegebenes zu nehmen vermeiden, Ausschweifung zu begehen vermeiden: das
nennt man, ihr Mönche, rechte Tat.“

Was ist rechter Lebenserwerb?


DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechter Lebenserwerb? Da hat, ihr Mönche, der heilige
Jünger falschen Lebenserwerb verlassen und fristet sein Leben auf rechte Weise:
das nennt man, ihr Mönche, rechter Lebenserwerb.“

Was ist rechte Anstrengung?


DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechte Anstrengung? Da weckt, ihr Mönche, der Mönch
seinen Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen
lasse, er müht sich darum, mutig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit;
weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er
müht sich darum, mutig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt
seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen lasse, er müht
sich darum, mutig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen
Willen, dass er aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern,
weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er müht sich darum, mutig
bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit: das nennt man, ihr Mönche, rechte
Anstrengung.“

Was ist rechte Achtsamkeit?


DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechte Achtsamkeit? Da wacht, ihr Mönche, der Mönch
beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach
Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den Gefühlen über
die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen
Begehrens und Bekümmerns; wacht beim Bewusstsein über das Bewusstsein,
unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und
Bekümmerns; wacht bei den Geistobjekten über die Geistobjekte, unermüdlich,
klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und
Bekümmerns: das nennt man, ihr Mönche, rechte Achtsamkeit.“
Was ist rechte Sammlung?
DN22:

„Was ist nun, ihr Mönche, rechte Sammlung?


1. Da weilt, ihr Mönche, der Mönch, gar fern von Begierden, fern von
unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender Ruhe geborener seliger
Verzückung, in der Weihe der ersten Schauung.
2. Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt er die innere
Meeresstille, die Einheit des Bewusstseins, die von sinnen, von gedenken
freie, in der Einigung geborene selige Verzückung, die Weihe der zweiten
Schauung.
3. In heiterer Ruhe verweilt er gleichmütig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück
empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ‚Der gleichmütig
Einsichtige lebt beglückt’ – so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung.
4. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen
Frohsinns und Trübsinns erwirkt er die Weihe der leidlosen, freudlosen,
gleichmütig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
Das nennt man, ihr Mönche, rechte Sammlung.“

Nun das Nichtwissen dieser Dinge ist Unwissenheit (avijjā). Geburt, Altern und
Sterben, Begehren, Anhaften, die 6 Grundlagen, einige der Glieder von PS
werden darin bereits mit einbegriffen.

Als nächstes sollte man die Gestaltungen (sankhārā) betrachten.


In MN9 heißt es:

„Es gibt diese drei Arten der Gestaltungen: die Gestaltung des Körpers
(kāyasankhāro), die Gestaltung der Sprache (vacīsankhāro), die Gestaltung des
Geistes (cittasankhāro).“

Was sind aber Gestaltungen des Körpers (kāyasankhāro), Gestaltung der


Sprache (vacīsankhāro), die Gestaltung des Geistes (cittasankhāro)?
MN44 Cūlavedalla Sutta:

„Was aber, Ehrwürdige, ist die Gestaltung des Körpers? Was ist die Gestaltung
der Sprache? Was ist die Gestaltung des Geistes?“

„Das Einatmen und das Ausatmen, Freund Visākha, ist die Gestaltung des
Körpers; Gedankenfassung und diskursives Denken sind die Gestaltung der
Sprache; Wahrnehmung und Gefühl sind die Gestaltung des Geistes.“

„Warum aber, Ehrwürdige, ist das Einatmen und das Ausatmen die Gestaltung
des Körpers? Warum sind Gedankenfassung und diskursives Denken die
Gestaltung der Sprache? Warum sind Wahrnehmung und Gefühl die Gestaltung
des Geistes?“

„Freund Visākha, das Einatmen und das Ausatmen ist körperlich, diese Zustände
sind eng mit dem Körper verbunden; deshalb ist das Einatmen und das Ausatmen
die Gestaltung des Körpers.
Zuerst fasst man Gedanken und denkt diskursiv und anschließend beginnt man zu
sprechen; deshalb sind Gedankenfassung und diskursives Denken die Gestaltung
der Sprache.
Wahrnehmung und Gefühl sind geistig; diese Zustände sind eng mit dem Geist
verbunden; deshalb sind Wahrnehmung und Gefühl die Gestaltung des Geistes.“
Es gibt noch eine andere Sutta (Nidāna-Samyutta 51) in der beschrieben wird, dass
man verdienstvolle Gestaltungen, nicht verdienstvolle Gestaltungen und
Gestaltungen die sich im Gleichgewicht (von Verdienst und Unverdienst) befinden
hervorbringen kann.
SN12.51:

„Wenn nun, ihr Bhikkhus, eine mit Nichtwissen begabte menschliche Persönlichkeit
Gestaltungen hervorbringt, die verdienstlich sind, dann ist das Bewusstsein mit
Verdienst ausgestattet. Wenn sie Gestaltungen hervorbringt, die nicht verdienstlich
sind, dann ist das Bewusstsein mit Nichtverdienst ausgestattet. Wenn sie
Gestaltungen hervorbringt, wo Gleichgewicht (von Verdienst und Nichtverdienst)
besteht, dann ist das Bewusstsein mit (solchem) Gleichgewicht ausgestattet.“

Das Einatmen und Ausatmen gestaltet den Körper, Gedanken fassen und
diskursives Denken (begriffliches Nachdenken ist hier gemeint im Gegensatz
zu intuitivem, einfallsartigem Denken) gestaltet das Sprechen und
Wahrnehmung und Gefühl gestaltet den Geist und aus diesen können weitere
Gestaltungen hervorgebracht werden die verdienstvoll, nicht verdienstvoll oder
im Gleichgewicht von Verdienst und Nichtverdienst sind.

Bei den sankhārā geht es hier also, meiner Meinung nach sowohl um die
"Dinge" die Körper, Sprache und Geist "gestalten" als auch um die "Dinge",
welche durch Körper, Sprache und Geist gestaltet werden. Also körperliche,
sprachliche und geistige Handlungen und die Grundlagen (Körper, Sprache
und Geist) durch die Handlungen erst möglich werden.

Es gibt verschiedene Gestaltungen die keinesfalls durcheinander gebracht


werden dürfen. Auf der einen Seite die kāyasankhārā, vacīsankhārā, cittasankhārā
- hier was den Körper gestaltet (Ein- und Ausatmung), was die Sprache
gestaltet (Gedanken fassen und Nachdenken), was den Geist gestaltet
(Wahrnehmung und Gefühl) und auf der anderen Seite die kāyasankhārā,
vacīsankhārā, cittasankhārā - Gestaltungen durch den Körper, durch Sprache,
durch Geist, diese können auch puññābhisankhāra, apuññābhisankhāra,
āneñjābhisankhāra genannt werden (verdienstvolle Gestaltung, nicht
verdienstvolle Gestaltung, im Gleichgewicht befindliche Gestaltung [āneñjā
bedeutet eigentlich Unverstörbarkeit oder Unverrückbarkeit]).

Hier kommt zum Teil kamma (Handlung) und cetanā (Wille oder Absicht) mit ins
Spiel, denn die Handlungen, welche verdienstvoll, nicht verdienstvoll oder im
Gleichgewicht sind, sind wahrscheinlich jene, welche auch als heilsam (kusala),
unheilsam (akusala) oder neutral bezeichnet werden können.. Hier wird
ersichtlich warum zu den sankhārā auch "Karmaformationen" oder
Kammagestaltungen" gesagt wird.

Dies zeigt sich auch in vollgendem Satz aus AN VI.63 in dem es heißt:

„Absicht, ihr Bhikkhus, ist Handlung; man beabsichtigt und dann begeht man
Handlung mit Körper, Sprache, Geist.“

Durch Absicht oder Wille (cetanā) wird gehandelt (kamma) mit Körper
(kāyasankhārā), Sprache (vacīsankhārā), Geist (cittasankhārā). Jede Handlung
(kamma) ist eine Gestaltung durch Körper, Sprache, Geist (kāyasankhāra,
vacīsankhāra, cittasankhāra) oder auch eine Gestaltung die verdienstvoll, nicht-
verdienstvoll oder im Gleichgewicht sein kann (puññābhisankhāra,
apuññābhisankhāra, āneñjābhisankhāra), die entweder heilsam, unheilsam oder
„karmisch“ neutral sind.
Ich hoffe das stellt die Bedeutung von sankhārā im Kontext von PS verständlich
dar.

Es gibt noch eine viel einfachere Bedeutung von sankhāra. Nämlich im Grunde
bedeutet sankhāra, "etwas, wovon etwas anderes abhängt", sozusagen eine
Bestimmung oder Gestaltung (bzw. Gestaltendes). [Entnommen aus dem Buch
"Notes on Dhamma" von Bhante Ñanavira Thera aus den "Shorter Notes on
Sankhāra".

Nun komme ich zu Bewusstsein (viññāna).


Die Stelle aus MN9 beschreibt bereits welche Arten von Bewusstsein es gibt.

Sie beschreibt aber nicht durch was bedingt Bewusstsein entsteht. Dazu ein
Beispiel, welches stellvertretend auch für alle anderen Sinne gültig ist.
MN18:

Bedingt durch Auge und Formen entsteht Sehbewusstsein.


Bedingt durch Ohr und Klänge entsteht Hörbewusstsein. (usw.)

Es gibt 6 inneren Grundlagen (die 6 Sinne Sehen, Hören, Riechen, Schmecken,


Tasten und das Denken) und 6 äußere Grundlagen (Formen (& Farbe), Töne,
Düfte, Geschmäcker, Tastungen(Tast-Objekte), Gedanken (Geist-Objekte))
kommen nun 2 passende Grundlagen (innere und äußere) zusammen (und
noch andere Dinge wie Aufmerksamkeit usw.) dann entsteht das zugehörige
Bewusstsein.

Also kommt das Auge (also Organ des Sehens, wobei wir es einfach dabei
belassen ohne weiter auf medizinische Genauigkeit wert zu legen) und sehbare
Objekte zusammen, entsteht Sehbewusstsein.

Das Bewusstsein kann auch gleichgesetzt werden mit der „Existenz“ des
Objekts. Das Objekt wird bewusst. Ist quasi den Sinnen gegenüber existent.

Ich gehe jetzt gleich über zu Name und Form (nāmarūpa), da dies in besonderem
Zusammenhang mit Bewusstsein (viññāna) steht. Diese Beschreibung ist ebenfalls
angelehnt an Bhante Ñanavira's Beschreibungen aus dem Buch „Notes on
Dhamma“.
In MN9 heißt es:

Gefühl (vedanā), Wahrnehmung (sañña), Wille (cetanā), Kontakt (phasso) und


Aufmerken (manasikāra) – diese werden Name (nāma) genannt.
Die vier großen Elemente (mahā bhūta) und die materielle Form, die von den vier
großen Elementen abstammt – diese werden Form (rūpa) genannt.

Wir wissen jetzt was Name (nāma) und Form (rūpa) ist, aber was
bedeuten die Details?
Was ist Gefühl?

Bereits bekannt durch MN9:

„Es gibt diese sechs Klassen von Gefühl: Gefühl, das aus Sehkontakt geboren wird,
Gefühl, das aus Hörkontakt geboren wird, Gefühl, das aus Riechkontakt geboren
wird, Gefühl, das aus Schmeckkontakt geboren wird, Gefühl, das aus
Berührungskontakt geboren wird, Gefühl, das aus Geistkontakt geboren wird.“

Gefühl entsteht also durch Kontakt der jeweiligen Sinne mit dem
entsprechenden Sinnesobjekt. Die sechs Klassen der Gefühle lassen sich
jeweils nochmals unterteilen in positives Gefühl, negatives Gefühl und
neutrales Gefühl.
Somit kommen wir zu 18 (6x3) verschiedenen Gefühlen.

Im selben Zug können wir auch gleich noch erklären was Kontakt ist, beschrieben in
MN18:

„Bedingt durch Auge und Formen entsteht Sehbewusstsein; das Zusammentreffen


der drei ist Kontakt.“ (genau so verhält es sich für die übrigen Sinne)

Von Kontakt spricht man also, wenn Sehsinn und Sehobjekt zusammentreffen
und dadurch Sehbewusstsein entsteht.

Was Wille (cetanā) bedeutet ist weiter oben bereits beschrieben in AN VI.63, es ist
der Wille der zur Handlung wird.

Wie entsteht der Wille?


AN VI.63:

„Was aber ist die bedingte Entstehung des Wirkens (kamma)? Durch Kontakt, ihr
Mönche, ist die Entstehung des Wirkens bedingt.“

Da der Wille/Absicht (cetanā) und die Handlung (kamma) gleichzusetzen sind


(Absicht, ihr Bhikkhus ist Handlung... [aus AN VI.63]) ist Kontakt (phasso) ebenso
die Ursache für die Entstehung von Absicht/Wille (cetanā).

Was ist Wahrnehmung?


SN 22.56 sagt es uns:

„Was nun, ihr Mönche, ist Wahrnehmung? Diese sechs Wahrnehmungs-Gruppen


gibt es, ihr Mönche: Form-Wahrnehmung, Ton-Wahrnehmung, Duft-Wahrnehmung,
Geschmacks-Wahrnehmung, Berührungs-Wahrnehmung, geistige Wahrnehmung.
Das, ihr Mönche, nennt man Wahrnehmung. Durch Entstehung von Sinneskontakt
kommt es zur Entstehung der Wahrnehmung. Durch Aufhebung von Sinnskontakt
kommt es zur Aufhebung der Wahrnehmung.“

In MN18 steht zudem noch etwas, dass dies unterstreicht, denn der Eine oder
Andere mag sich jetzt fragen:

Aber durch Sinneskontakt entsteht doch Gefühl, ist Gefühl und Wahrnehmung
das gleiche?
Nicht ganz, aber auch nicht völlig verschieden. Gefühl und Wahrnehmung
entstehen durch die selbe Bedingung, nämlich Kontakt bzw. Berührung.
Es heißt da weiter in MN18:

„Was man fühlt, das nimmt man wahr. Was man wahrnimmt, darüber denkt man
nach.“

Siehe ebenso SN 35.93:

„Berührt, ihr Mönche, fühlt man, berührt beabsichtigt man, berührt nimmt man wahr.“

Ich fass es kurz in eigenen Worten zusammen:


Beim Zusammentreffen von Sehsinn und Sehobjekt entsteht Sehbewusstsein.
Man ist sich hier in erster Linie des „Sehens“ selbst bewusst oder „Sehen“ ist
präsent. Was gesehen wird also die Form die gesehen wird, diese nimmt man
wahr und was man wahr nimmt, darüber denkt man nach, man denkt über die
Form-Wahrnehmung (in diesem Beispiel) nach. Das Zusammenkommen von
Sehsinn, Sehobjekt und Sehbewusstsein ist Kontakt und dadurch ist Gefühl,
Wahrnehmung und Absicht bedingt.

Was ist Aufmerken (manasikāra)?

Im Grunde etwa ähnlich der Aufmerksamkeit, das „sich einem Phänomen


hinwenden/zuwenden“, es bemerken. In manchen Situationen würde ich es mit
Achtsamkeit (sati) gleichsetzen.

Ein kleines Beispiel dazu. Nehmen wir an man ist, während des Autofahrens
mit der Aufmerksamkeit bei den Dingen die noch zu erledigen sind, wenn man
endlich zuhause ist, dann wird man später feststellen, dass man eine Menge
Dinge während der Fahrt völlig übersehen hat.

Warum?

Weil die Aufmerksamkeit während des Zusammentreffens von Sehsinn und


Sehobjekt nicht da war und es deshalb zu keinem Erscheinen des Sehobjekts
kam.

Zurück zu nāmarūpa…
Bhante Ñanavira sagt auch "Erscheinung" oder "Bezeichnung" zu nāma
anstatt „Name“.

In jeder Erfahrung ist ein Phänomen präsent. Die Präsenz oder Existenz des
Phänomens entspricht dem "Bewusstsein".
Jede Erfahrung eines Phänomens lässt sich vollkommen in nāmarūpa
aufteilen.

Ohne Aufmerksamkeit kommt es zu keiner "Erscheinung", könnte man sagen.


Es fehlt der nāma-Teil der Erfahrung und nur rūpa alleine ohne nāma führt zu
keinem Bewusstsein (warum genau wird später deutlicher).

Nebenbei möchte ich noch sagen, dass nāma, entgegen der Traditionellen
Interpretation, nicht "Geist" bedeutet. "Bewusstsein" (viññāna) fällt ebenso
nicht unter nāma. Ich bin mir sicher, dass keine Suttastelle in den Nikāyas
gefunden werden kann in der es heißt viññāna sei Teil von nāma.
Was bedeutet rūpa?
Gemäß MN9:

Die vier großen Elemente (mahā bhūta) und die materielle Form die von den vier
großen Elementen abstammt.

Was sind die vier großen Elemente?

Erde (pathavī), Wasser (āpo), Feuer (tejo), Luft (vāyo)

Damit sind auch vier grundlegende "Verhaltensweisen" gemeint.

Erdig, meint auch fest, beharrlich, widerstehend oder dauerhaft.

Wässrig, meint auch flüssig, zusammenhängend, fließend, kohäsiv.

Feurig, meint auch heiß, warm oder zur Reife bringend, sich entwickelnd.

Luftig, meint auch bewegend, straff, dehnend, aufblähend oder sich weitend.

Mit materielle Form die von den vier großen Elementen abstammt ist
„Substanz“ oder „Materie“ gemeint.

Bhante Ñanavira sagt hier auch „Materie“ oder „Verhalten“. Etwas, dass mir
sehr gut beim Verständnis geholfen hat ist folgendes:

Man könnte sagen unter nāmarūpa ist sowohl die „Erscheinung eines
Verhaltens“ als auch das „Verhalten einer Erscheinung“ zu verstehen.

Eine "Erscheinung" (nāma) jeglicher Art ist nicht ohne "Verhalten" (rūpa)
denkbar, denn es fehlt der "Erscheinung" an Substanz oder Materie. Zum
Beispiel „verhält“ sich jede Erscheinung mehr oder weniger beständig, sie
scheint einen Moment (egal wie lange dieser Moment wirklich sein mag) zu
bestehen. Das bezeichnet Bhante Ñanavira beispielsweise als „Trägheit“, eine
Grundlegende Verhaltensweise von Materie, man könnte auch sagen es sei die
materielle Form (rūpa) die von dem Element Erde abstammt.

Andererseits ist auch kein „Verhalten“ (rūpa) ohne „Erscheinung" (nāma)


denkbar, es fehlt dem "Verhalten" an Bedeutung oder „nennbarem Inhalt“.
Ohne jegliches Gefühl und Wahrnehmung das sich auf irgendeine Art und
Weise manifestiert, ist „Verhalten“ feststellbar.

„Trägheit“ oder „Dauer“ eines Gefühls kann nur in Verbindung mit einem
Gefühl existieren, es gibt keine „Dauer“ ohne etwas das „dauert“ (egal wie
lange).
Ich hoffe hier wird die Untrennbarkeit von Name+Form (nāmarūpa) ersichtlich.

Dies zeigt auch deutlich warum Name+Form (nāmarūpa) abhängig von


Bewusstsein (viññāna) entsteht.

Bewusstsein kann als die Existenz von Name+Form angesehen werden.

Es gibt ebenso PS Formulierungen die besagen abhängig von Bewusstsein


entsteht Name+Form und abhängig von Name+Form entsteht Bewusstsein.
Das wird im Folgenden nun auch etwas klarer.

Die gesamte Erfahrung eines Phänomens ist Name+Form, aber die Existenz
der Erfahrung ist Bewusstsein. Genau wie es Name ohne Form und Form ohne
Name nicht geben kann, kann es Name+Form ohne Bewusstsein nicht geben
und Bewusstsein nicht ohne Name+Form.

Ohne Name+Form gibt es kein "Ding" welches existent oder päsent sein
könnte und ohne Bewusstsein fehlt einem "Ding" die Existenz oder Präsenz.

Deshalb entsteht Bewusstsein abhängig von Name+Form und Name+Form


abhängig von Bewusstsein.

Um etwaige Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. PS sagt nichts über


eine zeitliche Bedingtheit aus. Die 12 Glieder bedingen sich nicht zeitlich
sondern logisch. Bewusstsein kommt nicht zeitlich vor Name+Form sondern
eben logisch.

Es heißt wer PS sieht, sieht das Dhamma und das Dhamma ist hier und jetzt
sichtbar (sanditthiko) und zeitlos (akāliko). Da PS dem Dhamma gleicht, muss
es demnach ebenso hier und jetzt sichtbar und zeitlos sein.

Was sind die 6 Sinnesgrundlagen?


Die Sinnesgrundlagen (salāyatana) sind, denke ich, bereits eindeutig in MN9
beschrieben. Es handelt sich um den Seh-, Hör-, Geruchs-, Geschmacks- und
Tastsinn und das Denken.

Was ist Berührung bzw. Kontakt?


Ebenfalls bereits durch MN18 und MN9 eindeutig beschrieben:

„Bedingt durch Auge und Formen entsteht Sehbewusstsein; das Zusammentreffen


der drei ist Kontakt.“ (genau so verhält es sich für die übrigen Sinne)

und die sechs Arten von Kontakt bedingt durch die 6 Grundlagen und den zugehören
Objekten:

„Es gibt diese sechs Klassen von Kontakt: Sehkontakt, Hörkontakt, Riechkontakt,
Schmeckkontakt, Berührungskontakt, Geistkontakt.“

Was ist Gefühl?


Gefühl (vedanā) ist bereits in MN9, sowie von mir (weiter oben) unter der
Erklärung von Name+Form beschrieben worden.

Was ist Durst/Begehren?


Durst oder Begehren wurde in der zweiten Edlen Wahrheit beschrieben und in MN9.
Es ist im jeweiligen Kontext zu betrachten.

In Bezug auf die Entstehung des Leidens (zweite Edle Wahrheit):

das sinnliche Begehren (kāma-tanhā),


das Daseinsbegehren, (bhava-tanhā),
das Selbstvernichtungsbegehren (vibhava-tanhā)
In Bezug auf die Sinnesgrundlagen, Begehren der

• Formen, (rūpa-tanhā)
• Töne, (sadda-tanhā)
• Düfte, (gandha-tanhā)
• Geschmäcke, (rasa-tanhā)
• Körpereindrücke (potthabba-tanhā)
• Geistobjekte (dhamma-tanhā)

Im Bezug auf das Dasein:

Sinnliches Begehren (kāma-tanhā),


Begehren nach Feinkörperlichem Dasein (rūpa-tanhā),
Begehren nach Unkörperlichem Dasein (arūpa-tanhā)

Was ist Anhaften/Ergreifen?


Gemäß MN9:

„Es gibt diese vier Arten des Anhaftens: Anhaften an Sinnesvergnügen, Anhaften an
Ansichten, Anhaften an Regeln und Ritualen, und Anhaften an einer Lehre über ein
Selbst.“

Was ist Anhaften an Sinnesvergnügen (kāmūpādāna)?


Das Anhaften nach Sinnlichkeit, nach erwünschten, begehrten, angenehmen,
lieblichen, sinnlichen, berauschenden Objekten und Leidenschaften der Sinne.

Warum gibt es Anhaften an Sinnesvergnügen?


Wegen dem Durst/Begehren nach den Sinnen. (AN VI.63):

„Was aber, ihr Mönche, ist die bedingte Entstehung der Sinnenlüste? Durch
Sinneskontakt ist die Entstehung der Sinnenlüste bedingt.“

Wie entsteht die Lust/Begehren/Durst nach den Sinnen?

Denn durch Kontakt ist Gefühl bedingt, durch Gefühl ist Begehren bedingt,
durch Begehren ist Anhaften bedingt. (Siehe die PS-Reihe)

Was ist Anhaften an Ansichten (ditthūpādāna)?


Alle nur denkbaren Ansichten über die Natur des Menschen, der Welt usw. sind
in DN 1 in 62 Ansichten zusammengefasst. Das Ergreifen und Festhalten von
unheilsamen Ansichten.

Was ist Anhaften an Regeln und Riten (sīlabbatūpādāna)?


(Dhs. § 1216, Vibh. XVII)

„Das Festhalten an der Ansicht, dass man durch bloße Sittenregeln und Riten
Heiligkeit erlange, das gilt als das Anhaften an Regeln und Riten.“

Was ist Anhaften an einer Lehre über ein Selbst (attavādūpādāna)?


Alles in Verbindung mit Ewigkeitsglaube (sassata-ditthi) oder
Vernichtungsglaube (uccheda-ditthi).
Was ist Ewigkeitsglaube?
Der ‚Ewigkeitsglaube’ ist die Ansicht, dass es eine Ichheit oder Persönlichkeit
gebe, die ewig sei und unabhängig von den fünf das ganze Dasein
ausmachenden sog. Daseinsgruppen also auch nach dem Tode noch weiter
fortbestehe.

Was ist Vernichtungsglaube?


Der ‚Vernichtungsglaube’ ist die Ansicht, dass es eine Ichheit oder
Persönlichkeit gebe, die von den fünf Daseinsgruppen abhängig sei und daher
auch bei der Auflösung der Gruppen beim Tode der Vernichtung anheimfalle.

Was bedeutet Dasein/Werden?


MN9 beschreibt:

„Es gibt diese drei Arten des Werdens: das Werden der Sinnessphäre, das Werden
der Sphäre (feinstofflicher) Form und das Werden der formlosen Sphäre.“

Damit ist ein "Dasein" gemeint in den 3 Daseinssphären.


Die 3 Daseinssphären oder Welten sind:

Welt der Sinnlichkeit (kāmaloka)


Welt der Form oder Körperlichkeit (rūpaloka)
Welt der Formlosigkeit (arūpaloka)

In Kirfel, Die Kosmographie der Inder, S. 207. steht folgendes über die 3 Welten:

„In der ersten wohnt die große Menge der teuflischen, tierischen,
menschlichen und niedrigeren göttlichen Wesen. Die zweite umfaßt den
Brahmahimmel und die nächst höheren himmlischen Welten bis zu der der
akanitthā devā genannten Götter. In der dritten wohnen die rein geistigen
Götterwesen.“

Es geht hier um das "Dasein" in einer der 3 Welten.

Geburt, Altern und Sterben ist bereits in MN9 wieder eindeutig beschrieben worden.

Das ist die Erklärung der 12 Glieder der Bedingten Entstehung nach meinem
Verständnis aus den Lehrreden.