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Wald. Deine Natur.

Die Elsbeere | Sorbus torminalis L.


Die Elsbeere I Sorbus torminalis L.
Von den vier in Deutschland verbreiteten Sorbus-Arten ist nur die Eberesche oder Vogelbeere
besser bekannt. Die bei uns seltene Mehlbeere findet sich in Nordeuropa als Alleebaum. Der
Speierling wird seit langem im Raum Frankfurt am Main als Obstbaum für die Apfelwein-Her-
stellung angepflanzt und kommt vor allem in Bayern und Baden-Württemberg vereinzelt als
Waldbaum vor. Die vierte Art, die Elsbeere, ist trotz eines weiten Areals ein nur im Herbst durch
die Laubfärbung auffallender, seltener und weitgehend unbekannter Waldbaum.

Verbreitung Aussehen
Die Verbreitung reicht vom vermutlichen Ur- Die Elsbeere weicht als Waldbaumart in der
sprungsgebiet der Rosengewächse, dem Kau- Gestalt und der Form nicht auffallend oder
kasus, über die Türkei und den Balkan nach markant von anderen Baumarten ab. In der
Mitteleuropa und hat ihren Schwerpunkt in gegenseitigen Konkurrenz bildet die Elsbee-
Frankreich. In Deutschland bilden im Nord- re gerade Schäfte aus und zeigt eine gute
westen die Mittelgebirge eine Grenze. Wei- natürliche Astreinigung. Im Freistand bil-
ter östlich erreicht die Elsbeere über Meck- det sich dagegen eine tief angesetzte, rasch www.euforgen.org
lenburg und Rügen auch Südschweden. Von und stark aufgeteilte, sehr astreiche Krone.
Danzig aus geht die Verbreitung dann über Mit ihrem ausgeprägten Herzwurzelsys-
die Karpaten zum Schwarzen Meer. Verein- tem sind Elsbeeren im Untergrund fest ver- Wurzelausschlag kann der junge Spross
zelt kommt die Art in Nordafrika vor und zer- ankert. Sie können sich auf flachgründigen, durch Jahrestriebe bis einen Meter Länge
streut in Spanien. Sie ist nirgends ein Baum, felsigen Standorten sicher halten und da- rasch aus der verbissgefährdeten Zone he-
der ganze Bestände bildet. mit auch Grenzstandorte besiedeln. rauswachsen.
Nach der letzten Eiszeit kam die Elsbeere vor Die Rinde ist rissig und dunkelbraun wie
etwa 10.000 Jahren aus Frankreich wieder in bei der Wildbirne oder der Roterle und fällt
unsere Regionen zurück, denn in lichten Wäl- dem Waldbesucher auf. Die weißen Blüten
Kulturgeschichte und
dern gab es für sie gute Vermehrungsmög- sind zwar dekorativ, doch blühen im Mai Verwendung
lichkeiten. Dazu kam der Vorteil der früher mehrere andere Bäume und Sträucher so
üblichen eher punktuellen und sporadischen ähnlich, dass sich die Elsbeere nicht her- Dass die Elsbeerfrüchte frisch oder getrock-
Holznutzung, die immer wieder kleine, lichte vorhebt. Viel eher werden vom Wind ab- net gegen einen anhaltend zu weichen Leib
Flächen schuf. gerissene, am Boden liegende Blätter auf- und Magen gut sind, ist seit Jahrtausenden
fallen, denn die Form der Blätter ist sehr bekannt und drückt sich auch in dem Na-
Der Baum typisch. Im Herbst ist es die frühe und men „torminalis“ aus.
leuchtend scharlachrote Laubfärbung, die Mangelnde Kenntnis der Sorbusarten führ-
jeden Busch oder Stamm hervorhebt. Aus te mehr als anderthalb Jahrtausende lang
der Vogelperspektive kann man zu der Zeit dazu, dass die Botaniker, die über diese Ar-
alle Elsbeeren, die aus dem Kronendach he- ten schrieben, sie ständig verwechselten.
rausschauen, erkennen. Als erster hat Martin Luther den heutigen
In der Jugendphase hat es die Elsbeere Namen Elsbeere überliefert. Er kannte den
schwer. Sie trägt zwar in zwei von drei Jah- Baum, seine Früchte und deren spezielle,
ren Früchte, die aber von Vögeln bereits in heilende Wirkung und er wusste auch, wo
der Krone gefressen werden. Es fällt daher man solche Bäume findet. Daher schrieb er
kaum eine Frucht herunter! Die später von am 20. September 1526 an seinen Freund
den Vögeln unverdaut ausgeschiedenen Sa- Johannes Agricola in Eisleben, er möge
men werden fast alle von Mäusen verzehrt doch bitte Elsbeeren schicken.
W. Kausch und kommen nicht zum Keimen. Die weni-
gen verbleibenden Keimlinge werden wie- Die Verwendung der Elsbeerfrüchte muss
Die Elsbeere liebt trocken-warme Standor- derum bevorzugt verbissen und dann durch besonders erwähnt werden, denn welcher
te. Sie schätzt Nährstoffreichtum und mei- die rascher wachsenden, anderen Baumar- andere Waldbaum kann von sich behaup-
det feuchte, staufeuchte oder arme, sandi- ten herausgedunkelt. Mit einer Vermeh- ten, dass er die Früchte für den teuersten
ge Standorte. Ihr Wachstum steigt zwar auf rung durch Samen kann sich die Elsbeere Schnaps bzw. Edelbrand liefert. 170 bis 200
gut wasserversorgten Standorten deutlich unter den heutigen Umständen nicht be- Euro zahlt man in Österreich für den Liter
an, sie kann aber nicht mit den dort wüchsi- haupten. Daher ist die Vermehrung durch ab Erzeuger und meist bekommt man ihn
geren Buchen, Eschen, Ahornen oder Eichen Wurzelausschlag für die Elsbeere viel wich- nur nach längerer, vorheriger Anmeldung.
mithalten. tiger, nur so kann sie sich erhalten. Beim Im westlichen Wienerwald fanden Land-
Landschaft
Gefährdung
Durch die Seltenheit der Elsbeere haben
sich keine speziellen, artbezogenen „Fein-
de“ entwickelt. Die Vögel fressen die Els-
beerfrüchte im Herbst direkt in der Krone.
Dann folgen die Mäuse, die die ausgeschie-
denen Kerne während des Winters finden
und verzehren. Keimlinge werden von Pil-
zen befallen und umgeworfen und, falls
sie auch das überstehen, vom Wild verbis-
sen. Gelingt es dennoch einer Pflanze, das
Dickungsstadium zu erreichen, kommt die
übermächtige Konkurrenz durch wüchsige-
re Baumarten. Auf diesem langen Weg na-
türlicher Verjüngung aus dem Samen ent-
stehen viel weniger Elsbeeren, als durch die
Vermehrung aus Wurzelbrut. Bei dem Fäl-
len von Stämmen und dem anschließenden
N. Mayer Rücken werden oberflächennahe Wurzeln
beschädigt. Der Wundreiz führt zur Bildung
wirte vor 200 Jahren so viel Gefallen an von Trieben. Bis zu einem Meter Höhe kön-
dem feinen, fruchtigen Mandelgeschmack Holz nen sie bereits im ersten Jahr im Zaun er-
des Elsbeerbrandes, dass sie Hunderte Nicht nur den teuersten Edelbrand, auch reichen und dann im zweiten Jahr aus dem
von Bäumen solitär auf Weiden und in die das teuerste Holz liefert die Elsbeere. Da Rehwildverbiss herauswachsen.
offene Landschaft pflanzten, um später die Preise für Elsbeerholz um ein Vielfaches Elsbeeren zeigen im Freistand im Sommer
die gesuchten Früchte ernten zu können. über denen der zugleich angebotenen Kir- eine Gelbfärbung eines Teils der Blätter, die
Die wenigen, im dortigen Wald vorkom- schen oder Eichen liegen, geben sich die rasch einrollen und abfallen. Hier sind Läu-
menden Elsbeeren hatten ja nur schma­ Waldbesitzer viel Mühe um die Förderung se am Werk. Man könnte sie in Parkanlagen
le Kronen, fruchteten selten und spärlich der selten gewordenen Baumart Elsbeere. durch Spritzen erfolgreich bekämpfen. Tro-
und die Durchführung der Ernte war in- Nur so kann erwartet werden, sie auch in ckene Zweigspitzen sind Zeichen einer an-
nerhalb der dichten Bestände technisch nachfolgenden Generationen anbieten zu deren Gefährdung, deren Ursachen und
kaum möglich. In dieser Gegend stehen können. Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ge-
bei den Orten Kasten, Laaben, Michelbach Die größten Mengen guten Elsbeerholzes lie- klärt wurden.
oder Stössing heute noch – weltweit ein- fert Frankreich; es sind etwa 6.000 Kubikme-
malig – um die 200 mächtige Solitärbäu- ter jedes Jahr. Vor allem in Ostfrankreich ge-
me in der Feldflur. Sie sollen nicht höher hört die Elsbeere als Mischbaumart in die
werden als 12 bis 13 Meter, damit man die großflächigen Laubwälder, die oft dem Mit-
Ernte noch mit Leitern durchführen kann. telwaldbetrieb entstammen. Die besten Möbel
Alle drei bis vier Jahre lohnt sich die Mühe Stämme werden zu gemesserten Furnie-
des Pflückens der kleinen, rotbraunen und ren verarbeitet, dann kommt die Sägeware
noch ziemlich harten Früchte. Würde man für den anspruchsvollen Möbelbau. Messer-
warten, bis sie weich und reif sind und ge- furniere gehen vor allem in den Innenaus-
schüttelt werden können, hätten meist bau oder den Möbelbau. Die markante Kern-
schon Vögel in den Baumkronen alles auf- färbung und die nicht selten vorkommende
gefressen. feine Riegelung des Holzes finden bei Lieb-
Die harten Früchte werden dann gerebelt, habern schöner Einzelmöbel begeisterte An-
also von den Stielen befreit und zur Reife erkennung. Die Musikindustrie nimmt für Flö-
ausgelegt. Weich gewordene Früchte kom- ten und bestimmte Teile im Klavierbau sowie
men ins Maischefass. Diese Prozedur der für die Dudelsackpfeifen bevorzugt Elsbeer-
Ernte und Fruchtbehandlung ist derart ar- holz, da es besondere klangliche und techni-
beitsaufwendig, dass die Baumbesitzer das sche Eigenschaften hat.
nur für den Eigenbedarf machen und die
Stunden nicht zählen. Die enormen Ernte-
kosten sind auch der Grund dafür, warum
niemand trotz des hohen Erlöses für den
Edelbrand größere Plantagen zur Fruchter-
W. Kausch
zeugung anlegt.
Die Rinde Die Blüte Das Holz

W. Kausch W.-P. Polzin W. Kausch

Die Frucht Das Blatt

Vital trotz Klimawandel


Ein Blick auf die Verbreitungskarte zeigt,
dass Elsbeeren an trocken-warme Klima-
verhältnisse angepasst sind. Die Baumart
kommt mit höheren Temperaturen gut zu-
recht und ist in der Lage, auch längere Tro-
ckenperioden zu überstehen. Ihr intensives
Herzwurzelsystem macht sie stabil gegen
W.-P. Polzin L. Albrecht Stürme. Schädlingsbefall spielt im gesam-
ten Verbreitungsgebiet nur eine sehr ge-
ringe Rolle. Damit gilt die Elsbeere auf aus-
reichend mit Kalk bzw. Basen versorgten
Die Elsbeere | Steckbrief Waldstandorten als großer Hoffnungsträ-
ger im Zeitraum des Klimawandels.

Name: → Elsbeere, Sorbus torminalis L.

Familie: → Rosengewächse (Rosaceae)

Alter: → bis 200 Jahre

Höhe: → 20 bis 25 m (maximal 35 m)

Durchmesser: → 60 bis 100 cm


Impressum:
Herausgeber:
Rinde: → rissig, dunkelbraun Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
Bundesverband e. V. (SDW)
Blätter: → langgestielt, wechselständig, breit-ovaler Umriss, Meckenheimer Allee 79 · 53115 Bonn
Tel. 0228-945983-0 · Fax: 0228-945983-3
tief gelappt, 6 bis 10 cm lang, 4 bis 8 cm breit
info@sdw.de · www.sdw.de
Spendenkonto:
Blüte: → zwittrig (männliche und weibliche Fortpflan- Sparkasse KölnBonn
zungseinrichtungen in einer Blüte) Konto.Nr. 31 019 995
BLZ 370 501 98
Früchte: → kugelig bis länglich, 1,5 cm dick, anfangs rötlich-
gelb, reif braun, durch Korkwarzen punktiert Gefördert mit Mitteln des Bundesministeriums für
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Gefährdung: → Verdrängung durch schnellwüchsige Baumarten; aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundes-
tages
Wildverbiss an Jungpflanzen
Text:
Holz: → schwer, hart, wertvoll, Splint: rötlich-weiß,
Prof. Dr. W. Kausch-Blecken
Kern: rotbraun von Schmeling
Titelfoto:
Verwendung: → Furnier, Möbel, Musikinstrumente; W.-P. Polzin
Früchte für Branntweine Elsbeere für Fruchternte,
daher ist eine Leiter am Baum