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Infinitesimalzahl

In der Mathematik ist eine positive Infinitesimalzahl ein Objekt, welches bezüglich der Ordnung der reellen
Zahlen größer ist als null, aber kleiner als jede noch so kleine positive reelle Zahl.

Inhaltsverzeichnis
Eigenschaften
Infinitesimalrechnung
Historische Weiterentwicklung
Quellen

Eigenschaften
Offensichtlich gibt es unter den reellen Zahlen keine Infinitesimale, die dieser Forderung genügen, denn ein
solches müsste die Bedingung erfüllen, da auch eine positive reelle Zahl ist. Um
trotzdem solche Infinitesimale definieren zu können, muss entweder die obige Forderung abgeschwächt
werden, oder die reellen Zahlen müssen in einen größeren geordneten Körper eingebettet werden, in welchem
dann Platz für solche zusätzlichen Elemente ist. Letzteres ist der Weg, auf welchem algebraische Infinitesimale
definiert werden (Coste, Roy, Pollack), und auch der Weg der Nichtstandard-Analysis (NSA) (Robinson,
Nelson).

Ein Infinitesimal hat die Eigenschaft, dass jede beliebige Summe von endlich vielen (in der NSA:
standard-endlich vielen) Gliedern des Betrages dieser Zahl kleiner als 1 ist:

für jede endliche Anzahl von Summanden.

In diesem Fall ist größer als jede beliebige positive reelle (in der NSA: standard-reelle) Zahl. Dies heißt
für die algebraischen Infinitesimale, dass die zugehörige Körpererweiterung nicht-archimedisch ist.

Infinitesimalrechnung
Der erste Mathematiker, der solche Zahlen nutzte, war wohl Archimedes, obwohl er nicht an ihre Existenz
glaubte.

Newton und Leibniz nutzen die Infinitesimalzahlen, um ihr Kalkül der Infinitesimalrechnung (Differential- und
Integralrechnung) zu entwickeln.

Typischerweise argumentierten sie (eigentlich nur Newton, Leibniz benutzt Monaden, heute in etwa:
abgebrochene bzw. formale Potenzreihen) so:

Um die Ableitung der Funktion zu bestimmen, nehmen wir an, sei


infinitesimal. Dann ist
weil infinitesimal klein ist.

Obwohl dieses Argument intuitiv einleuchtet und richtige Ergebnisse liefert, ist es mathematisch nicht exakt:
Das grundlegende Problem ist, dass zunächst als ungleich null betrachtet wird (man teilt durch ), im
letzten Schritt hingegen als gleich null. Die Nutzung von Infinitesimalzahlen wurde von George Berkeley in
seinem Werk: The analyst: or a discourse addressed to an infidel mathematician (1734) kritisiert.[1]

Historische Weiterentwicklung
Die Frage nach den Infinitesimalen war seitdem eng verknüpft mit der Frage nach der Natur der reellen
Zahlen. Erst im neunzehnten Jahrhundert verliehen Augustin Louis Cauchy, Karl Weierstraß, Richard
Dedekind und andere der reellen Analysis eine mathematisch strenge formale Form. Sie führten
Grenzwertbetrachtungen ein, die die Nutzung infinitesimaler Größen überflüssig machten.

Trotzdem wurde die Nutzung der Infinitesimalzahlen weiterhin als nützlich für die Vereinfachung von
Darstellungen und Berechnungen betrachtet. So kann, wenn die Eigenschaft bezeichnet, infinitesimal
zu sein, und entsprechend die Eigenschaft, infinit zu sein, definiert werden:

Eine (Standard-)Folge ist eine Nullfolge, wenn für alle gilt: .


Eine (Standard-)Funktion auf einem beschränkten Intervall ist gleichmäßig stetig genau
dann, wenn für alle gilt, dass aus folgt: .

Im 20. Jh. wurden Zahlbereichserweiterungen der reellen Zahlen gefunden, die infinitesimale Zahlen in formal
korrekter Form enthalten. Die bekanntesten sind die hyperreellen Zahlen und die surrealen Zahlen.

In der Nichtstandardanalysis von Abraham Robinson (1960), welche die hyperreellen Zahlen als Spezialfall
enthält, sind Infinitesimalzahlen legitime Größen. In dieser Analysis kann die oben erwähnte Ableitung von
durch eine geringfügige Modifikation gerechtfertigt werden: Wir sprechen über den
Standardteil des Differentialquotienten und der Standardteil von ist (sofern eine Standardzahl
ist; Genaueres im verlinkten Artikel).

Quellen
1. Der vollständige Text ist (neu gesetzt) als Download zu finden [1] (http://www.maths.tcd.ie/pub/
HistMath/People/Berkeley/Analyst/)

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Diese Seite wurde zuletzt am 3. Januar 2020 um 18:27 Uhr bearbeitet.

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