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Sigmund Freud

Der österreichische Neurologe und Tiefenpsychologe ist der Begründer der theoretischen
und praktischen Psychoanalyse. Er schuf mit seiner Theorie über das Unterbewusste, die
Verdrängung; und mit seiner Theorie des Ödipus-Komplexes einen der bedeutendsten
Gedankenkonstrukte des 20. Jahrhunderts: die Psychoanalyse. Von 1892 bis 1895
entwickelte Sigmund Freud unter Verzicht auf Hypnose die Methode der freien
Assoziation und ab 1899 die "Traumdeutung" (1900). Im seelischen Kräftespiel auf
Befriedigung fand Freud die Triebenergie als Ergebnis verdrängter frühkindlicher
sexueller Wünsche. Die seelische Organisation stellte er sich in Strukturen vor, bestehend
aus den Komponenten des "Es" (das Unterbewusste), des "Ich" (die bewusste
Vermittlungsinstanz zwischen Wünschen des Es sowie den Anforderungen der Umwelt)
und des "Über-Ich" (anerzogene Normen und Verhaltensmuster)...
Sigismund Schlomo Freud wurde als Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Jacob Freud
und dessen Frau Amalia, geborene Nathanson, am 6. Mai 1856 in Freiberg (heutiges
tschechisches Pribor) geboren.

Im Jahr 1860 zog die Familie von Sigmund Freud nach Wien um. Von 1873 bis 1881
studierte er an der Wiener Universität Medizin. Es folgte in den Jahren von 1876 bis 1882
eine Forschungstätigkeit am Physiologischen Institut in Wien. 1880 trat Freud seinen
Militärdienst für ein Jahr an. Im Jahr darauf promovierte er zum Dr. med. Von 1882 bis
1885 arbeitete er am Allgemeinen Krankenhaus in Wien. In dieser Zeit entdeckte er die
schmerzstillende Wirkung des Kokains. 1885 habilitierte Freud zum Professor für
Neuropathologie. Anschließend lehrte er bis 1902 dieses Fach an der Wiener Universität
und beschäftigte sich mit der Erforschung der Hirnanatomie. In dieser Zeit befasste sich
Sigmund Freud an der Nervenklinik Salpêtriere in Paris zugleich mit Frauen, die ohne
körperliche Diagnose seelisch erkrankt waren. Freud übernahm die Übersetzungen der
Arbeiten von Jean-Martin Charcot, der diese Frauen mit Hypnose und Suggestion
behandelte. 1886 heiratete Freud Martha Barnays. Im gleichen Jahr gründete er eine
neurologische Praxis in Wien.

Im Jahr 1895 publizierte er die Schrift "Studien über Hypnose", die in Zusammenarbeit


mit dem österreichischen Physiologen und Internisten Josef Breuer entstand. Sie befasst
sich mit dem Thema der freien Assoziation. Darin wird zu Grunde gelegt, dass
Traumerfahrungen seelische Störungen bedingen, so dass der Therapeut aus spontanen
Äußerungen des Patienten seine codierten Ängste erfährt und ihn von seinen Neurosen
heilen kann. Im Jahr 1895 wurde Sigmund Freuds Tochter Anna geboren. Aus der Ehe
gingen weitere fünf Kinder hervor. 1897 definierte er in einem Brief an Wilhelm Fliess
den Ödipus-Komplex. In einer Selbstanalyse fand er heraus, dass Jungen in einer
Verliebtheit zu ihrer Mutter stehen und dabei Eifersuchtsgefühle gegen den Vater
entwickeln – nach dem Vorbild der griechischen Sage mit dem gleichnamigen Sohn des
Thebanerkönigs Laios und seiner Frau Iocaste. Mit seiner Ödipus-Theorie als Lehre von
der pathogenen Wunscherfüllung löste Freud die Auffassung vom pathogenen Trauma
ab. Von 1892 bis 1895 entwickelte Sigmund Freud unter Verzicht auf Hypnose die
Methode der freien Assoziation und ab 1899 die Traumdeutung.

Im Jahr 1900 erschien Freuds theoretische Schrift "Die Traumdeutung", mit denen er die
Grundbegriffe der Psychoanalyse schuf. Danach stehen die unterbewussten kindlichen
Sexualphantasien im Vordergrund als Hauptantrieb des menschlichen Verhaltens. Diesen
Kindphantasien kontrastieren gesellschaftliche Konventionen. Die Fähigkeit des
Menschen zur Sublimationsleistung ist dafür verantwortlich, dass die unterdrückte
Libido, diese Sexualphantasien in kulturelles Engagement geleitet wird. Für Freud sind in
seiner Psychoanalyse Träume codierte Hinweise auf den Widerstreit zwischen
menschlichen Wünschen und konventionalisierten Verboten. 1902 wurde das Werk
"Psychopathologie des Alltagslebens" publiziert. Darin beschäftigt sich Freud mit der
Bedeutung von Vergesslichkeit und Versprechern. Eine ihrer Ursachen sieht der
Psychoanalytiker im Egoismus, in der Feindseligkeit oder Eifersucht. Ab 1902 lehrte
Sigmund Freud als Professor für Neuropathologie an der Universität Wien. Er richtete in
seiner Wohnung die Tagungen "Psychologische Mittwochsvereinigung" ein, in denen
Forschungsergebnisse diskutiert wurden.

Im Jahr 1905 erschien sein Titel "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie", in denen er die
Beschreibung des sexuellen Verhaltens in normaler und pathogener Weise lieferte. Darin
werden dem Kleinkind zum ersten Mal erotische Impulse attestiert und Freud betonte in
diesem Werk wiederholt die Sexualphantasien als mächtigsten Antrieb menschlichen
Handelns. 1908 fand der Erste Internationale Psychoanalytische Kongress in Salzburg
statt, an dem auch Freud teilnahm. Zwei Jahre später wurden das "Zentralblatt für
Psychoanalyse" und die "Internationale Psychoanalytische Vereinigung" ins Leben
gerufen, zu der C. G. Jung den Vorsitz übernahm. In der 1913 veröffentlichten Schrift
"Totem und Tabus" erforschte Sigmund Freud die Inzestverbote der australischen
Ureinwohner, der Aborigines. Dazu fand er heraus, dass die Verdrängung von
Inzestwünschen und Aggressionen religiöse Anbetungen und den sozialen
Zusammenhang begründen. Seine letzte Vorlesung mit dem Titel "Einführung in die
Psychoanalyse" hielt Freud in den Jahren 1916 und 1917. 1919 wurde der "Internationale
Psychoanalytische Verlag" gegründet. 1920 kam seine Schrift "Jenseits des Lustprinzips"
auf den Buchmarkt. Darin propagiert der Psychoanalytiker seine Theorie vom
Triebdualismus zwischen Tod und Eros entgegen seiner vorherigen Lehre von der
Wunscherfüllung.

Im Jahr 1923 erkrankte Freud an Gaumenkrebs. An dieser Krankheit sollte er noch mehr


als 15 Jahren leiden, wobei er insgesamt 33 Operationen über sich ergehen ließ. In den
Jahren zwischen 1923 und 1930 baute Freud das Modell der Psyche um zu den bekannten
Einteilungen von "Es" als das Unterbewusstsein, "Ich" als Vermittler zwischen Es und
der Außenwelt und "Über-Ich" als Konvention in Norm und Verhalten. 1930 wurde ihm
der Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/M. verliehen. Im gleichen Jahr, 1930, wurde sein
Werk "Das Unbehagen in der Kultur" fertiggestellt. Darin setzt der Wissenschaftler den
Ursprung des religiösen Glaubens mit dem infantilen, vor-ödipalen Wunsch mit der
omnipotenten Mutter zu einer Einheit zu gelangen, gleich. Im Jahr der
nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde die Schrift "Warum Krieg?", die in
Zusammenarbeit zwischen Freud und Albert Einstein entstand, veröffentlicht.

Im gleichen Jahr fielen Freuds Schriften der Bücherverbrennungen im NS-Reich zum


Opfer. 1935 wurde er zum Ehrenmitglied der British Royal Society of Medicine ernannt.
1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, emigrierte Sigmund Freud
nach Großbritannien. Dort war er als Psychoanalytiker tätig. 1938 veröffentlichte er den
Titel "Abriss der Psychoanalyse".

Sigmund Freud starb am 23. September 1939 in London.

Werksverzeichnis

1887
Studie Über Coca

1893
Über den psychischen Mechanismus hysterischer Phänomene zusammen mit Breuer

1895
Entwurf einer Psychologie (Manuskript; gemeinsam mit Josef Breuer)

1895
Studien über Hysterie

1896
Zur Ätiologie der Hysterie (Aufsatz; erste Verwendung des Begriffes Psychoanalyse)
1900
Die Traumdeutung

1904
Zur Psychopathologie des Alltagslebens

1905
Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (vgl. dazu den Artikel Infantile Sexualität nach
Freud)

1908
Die ''kulturelle'' Sexualmoral und die moderne Nervosität

1913
Totem und Tabu

1914
Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung

1915
Zeitgemäßes über Krieg und Tod

1916
Trauer und Melancholie

1917
Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse

1920
Jenseits des Lustprinzips

1921
Massenpsychologie und Ich-Analyse

1923
Das Ich und das Es

1925
Selbstdarstellung

1927
Die Zukunft einer Illusion

1930
Das Unbehagen in der Kultur
1933
Warum Krieg? (Briefwechsel mit Albert Einstein)

1933
Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse

1937
Die endliche und die unendliche Analyse

1939
Der Mann Moses und die monotheistische Religion