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5 Reihen

5.1 Konvergenz von Reihen

Im Folgenden sei K = R oder K = C.

Definition 5.1 Es sei (ak )k≥k0 eine K-wertige Folge, k0 ∈ N0 und


n
sn ∶= ∑ ak für alle n ∈ N mit n ≥ k0 .
k=k0

Dann heißt (sn )n≥k0 die zu (ak )k≥k0 gehörende Reihe. ak heißen die Glieder der Reihe
und sn die Partialsummen der Reihe. Konvergiert (sn )n≥k0 , so heißt die Reihe konvergent,
ansonsten divergent.
∞ n
s ∶= ∑ ak ∶= lim ∑ ak
n→∞
k=k0 k=k0
heißt Summe oder Werte der Reihe, falls die Reihe konvergiert.

Bemerkung 5.2 Häufig wählt man auch ∑∞


k=k0 ak als Bezeichnung für die Reihe (sn )n≥k0 =
n
( ∑ ak ) . Im Folgenden werden wir meist k0 = 0 wählen. Alle Aussagen gelten aber
k=k0 n≥k0
auch entsprechend für allgemeines k0 , da sich die Reihen nur um endlich viele Summanden
unterscheiden, auf die es bei der Konvergenz nicht ankommt. Bzw. man kann sich immer
auf diesen Fall zurückziehen, wenn man ak = 0 für k < n0 definiert.

Aus der Vollständigkeit von R bzw. C (als metrischer Raum) erhält man sofort:

Satz 5.3 (Cauchy-Konvergenzkriterium für Reihen)


Es sei (ak )k∈N0 eine K-wertige Folge. Dann konvergiert: (∑nk=0 an )n∈N0 = (sn )n∈N0 genau
dann, wenn es für alle ε > 0 ein N ∈ N gibt, sodass für alle m, n ∈ N mit m > n ≥ N gilt:
m
∣ ∑ ak ∣ = ∣an+1 + . . . + am ∣ < ε.
k=n+1

Beweis: Nach Satz 4.31 und Lemma 4.30 konvergiert (sn )n∈N0 genau dann, wenn (sn )n∈N0
eine Cauchy-Folge ist, d.h.
∀ε > 0∃N ∈ N ∶ ∀m, n ≥ N ∶ ∣sm − sn ∣ < ε
wobei sm − sn = ∑m k=n+1 ak , falls m > n. Dabei kann o.B.d.A. m > n voraussetzen, da man
im Fall m < n einfach m und n tauschen kann und sm − sn = 0, falls m = n

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Folgerung 5.4 Konvergiert (∑nk=0 ak )n∈N0 , so ist (ak )k∈N0 eine Nullfolge.

Beweis: Wählt m = n + 1 in Satz 5.3, so erhält man ak →k→∞ 0.

Beispiele 5.5 1. (Geometrische Reihe)


Es sei z ∈ C und ak = z k für k ∈ N0 , wobei z 0 ∶= 1 für alle z ∈ C. Dann ist wegen
∣ak ∣ = ∣z∣k und (4.3) (ak )k∈N genau dann eine Nullfolge, wenn ∣z∣ < 1. Aus Beispiel 1.13
folgt
n
1 − z n+1
sn ∶= ∑ z k = für alle z ∈ C, z =/ 1.
k=0 1−z
Falls ∣z∣ < 1, konvergiert die Reihe und es gilt

1 − z n+1 1
∑ z = lim =
k
n→∞ 1 − z 1−z
k=0

da limn→∞ z n+1 = z lim z n = 0.


n→∞

2. Aus dem vorangehenden Beispiel folgt:



9 ∞ 1 k 9 1
0, 9 ∶= ∑ 9 ⋅ 10−k−1 = ∑( ) = ⋅ = 1.
k=0 10 k=0 10 10 1 − 10
1

3. (Harmonische Reihe)
n
Sei ak = 1
k für k ∈ N. Dann konvergiert (∑nk=1 k1 )n∈N nicht, da für sn = ∑ 1
k gilt:
k=0

1 1 1 1 1
∣s2n − sn ∣ = + +... + ≥n⋅ = für alle n ∈ N
n+1 n+2 2n 2n 2
² ²
≥ 2n
1
≥ 2n
1

und somit die Bedingung von Satz 5.3 für ε = 1


2 nicht erfüllt ist.

Definition 5.6 Die Reihe ∑∞


k=0 (−1) ck heißt alternierend, wenn ck ∈ R und ck > 0 für alle
k

k ∈ N0 .

Satz 5.7 (Leibniz-Kriterium für alternierende Reihen)


Es sei (ck )k∈N0 eine monoton fallende Folge (in R) mit limk→∞ ck = 0. Dann konvergiert
∑∞
k=0 (−1) ck .
k

Beweis: Für m > n sei


c , falls m − n ungerade,
sn,m ∶= (cn+1 − cn+2 ) + (cn+2 − cn+3 ) + . . . + { m
´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹¸ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶ ´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹¸ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶ cm−1 − cm , falls m − n gerade.
≥0 ≥0

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Dann ist sn,m ≥ 0. Außerdem gilt:

c , falls m − n gerade,
sn,m = cn+1 − (cn+2 − cn+3 ) − . . . − { m
´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹¸ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶ cm−1 − cm , falls m − n ungerade
≥0
≤ cn+1

Daraus folgt 0 ≤ sn,m ≤ cn+1 für alle m > n. Sei nun sn = ∑nk=0 (−1)k ck . Dann gilt
∣sm − sn ∣ = ∣sn,m ∣ = sn,m ≤ cn+1 für alle m > n.
Da lim cn = 0 folgt
n→∞

∀ε > 0∃N ∈ N ∶ ∀m > n ≥ N ∶ ∣sn − sm ∣ ≤ cn+1 < ε.


Wegen Satz 5.3 konvergiert ∑∞
k=0 (−1) ck .
k


Beispiel 5.8 Die Reihe ∑ (−1)k k+1
1
konvergiert, da ( k+1
1
)k∈N eine monoton fallende Null-
0
k=0
folge mit 1
k+1 > 0 fïr alle k ∈ N0 ist.

Es stellt sich die Frage, inwieweit die Rechenregeln für endliche Summen, wie z.B.: Asso-
ziativität, Kommutativität oder Distributivgesetz auch für Reihen gelten. Im Allgemeinem
ist dabei aber Vorsicht geboten, wie einige Beispiele im Folgenden zeigen werden.
Das Distributivgesetz gilt im folgendem Sinn:
∞ ∞
Satz 5.9 Es seien ∑ ak , ∑ bk konvergente Reihen und α, β ∈ K. Dann konvergiert auch
k=0 k=0
∑∞
k=0 (αak + βbk ) und es gilt:
∞ ∞ ∞
∑ (αak + βbk ) = α ∑ ak + β ∑ bk
k=0 k=0 k=0

Beweis: Dies folgt aus Satz 4.19:


∞ n ∞ ∞
∑ (αak + βbk ) = lim ( ∑ (αak + βbk )) = α ∑ ak + β ∑ bk .
n→∞
k=0 k=0 k=0 k=0

Bei konvergenten Reihen darf man beliebig viele Klammern in folgendem Sinn hinzufügen:

Satz 5.10 Es sei ∑∞


k=0 ak eine konvergente Reihe und (kn )n∈N0 , sodass

k0 = 0, kn+1 > kn und kn ∈ N für allen ∈ N.


n+1 −1
Außerdem sei An ∶= ∑kk=k n
ak = akn + . . . + akn+1 −1 . Dann konvergiert ∑∞
n=0 An und es gilt
∞ ∞
∑ An = ∑ ak .
n=0 k=0

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n=0 An , sn ∶= ∑k=0 ak . Dann gilt:


Beweis: Es seien Sm ∶= ∑m n

Sm = A0 + . . . + Am = a0 + a1 + . . . + akn+1 −1 = skm+1 −1 für alle m ∈ N.

Deswegen ist (Sm )m∈N = (skm+1 −1 )m∈N eine Teilfolge von (sn )n∈N . Wegen Lemma 4.40 kon-
vergiert (Sm )m∈N , da (sn )n∈N konvergiert und es gilt lim Sm = lim sn
m→∞ m→∞

Im Allgemeinen, darf man in Reihen aber keine Klammern weglassen, (das entspricht von ei-
ner Teilfolgen zur ursprünglichen Folge überzugehen), es sei denn die Reihe ohne Klammern
konvergiert.

Beispiel 5.11 Es sei ak = (−1)k für alle k ∈ N0 und An = a2n + a2n+1 für alle n ∈ N0 , daraus
folgt:
∞ ∞
∑ An = ∑ (a2n + a2n+1 ) = 0
n=0 n=0 ´¹¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¸ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¹ ¶
(1−1)=0

konvergiert, aber:
∞ ∞
∑ ak = ∑ (−1)
k
k=0 k=0

konvergiert nicht, da ((−1)k )k∈N0 keine Nullfolge ist.

Für viele Rechengesetze für Reihen, ist die folgende Bedingung wichtig:

Definition 5.12 Eine Reihe ∑∞ ∞


n=0 an heißt absolut konvergent, wenn ∑k=0 ∣ak ∣ konvergiert.

Bemerkung 5.13 Wegen Satz 4.22 und Satz 4.9 gilt: ∑∞ k=0 ∣ak ∣ konvergiert genau dann,
wenn sn = ∑nk=0 ∣ak ∣ nach oben beschränkt ist, da sn+1 ≥ sn für alle n ∈ N0 .

Beispiele 5.14 1. ∑∞ k 1 ∞
k=0 (−1) k+1 ist konvergent, aber nicht absolut konvergent, da ∑k=0
1
k+1
bzw. ∑∞k=1
1
k nicht konvergiert.
∞ ∞
2. Für alle ∣z∣ < 1 ist ∑ z k absolut konvergent, da ∑ ∣z∣k = 1
1−∣z∣ konvergiert.
k=0 k=0

Satz 5.15 Absolut konvergente Reihen konvergieren.

n n
Beweis: Es sei sn ∶= ∑ ak , Sn ∶= ∑ ∣ak ∣ für alle n ∈ N0 . Da (Sn )n∈N0 konvergiert, ist
k=0 k=0
(Sn )n∈N0 eine Cauchyfolge. Sei also ε > 0 und N ∈ N0 , sodass ∣Sm − Sn ∣ ≤ ε für alle m, n ≥ N .
Dann folgt für alle m > n ≥ N :
m m
∣ ∑ ak ∣ ≤ ∑ ∣ak ∣ = Sm − Sn = ∣Sm − Sn ∣ < ε.
k=n+1 k=n+1

Wegen Satz 5.3 konvergiert ∑∞


k=0 ak .

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Satz 5.16 (Vergleichskriterium)


Es seien ak ∈ C und bk ∈ R für alle k ∈ N0 und N ∈ N0 .
(a) Konvergiert ∑∞ ∞
k=0 bk und gilt ∣ak ∣ ≤ bk für alle k ∈ N0 mit k ≥ N , so konvergiert ∑k=0 ak
absolut.
(b) Gilt ak ∈ R und 0 ≤ bk ≤ ak für alle k ∈ N0 mit k ≥ N und divergiert ∑∞
k=0 bk , so

divergiert auch ∑k=0 ak .

n
Beweis: Zu (a): Sei sn = ∑ ∣ak ∣ für n ∈ N0 . Dann folgt
k=0

N −1 n N −1 ∞
sn ≤ ∑ ∣ak ∣ + ∑ bk ≤ ∑ ∣ak ∣ + ∑ bk für alle n > N .
k=0 k=N k=0 k=0

Somit ist (sn )n∈N eine monoton wachsende, nach oben beschränkte Folge und konvergiert
wegen Satz 4.22. Deswegen konvergiert ∑∞
k=0 ak absolut.
Zu (b): Dies folgt sofort per Widerspruch aus Teil (a): Falls ∑nk=0 ak konvergieren würde,
so würde wegen
0 ≤ bk = ∣bk ∣ ≤ ak für alle k ≥ N
auch ∑nk=0 bk konvergieren.

Beispiele 5.17 1. Sei ak = 1


k2
für k ∈ N. Dann gilt

1 1
0≤ ≤ , falls k ≥ 2,
k 2 k(k − 1)

sowie
n n n−1 n
1 1 1 1 1 1
∑ = ∑( − ) = ∑ − ∑ = 1 − →n→∞ 1.
k=2 k(k − 1) k=2 k − 1 k k=1 k k=2 k n
Deswegen konvergiert ∑∞
k=2
1
k(k−1) und somit auch ∑∞
k=2
1
k2
sowie ∑∞
k=1
1
k2
absolut.

2. Daraus folgt sofort, dass auch ∑∞


k=1
1
kr für alle r ∈ N mit r ≥ 2 konvergiert, da 0 ≤ 1
kr ≤
k
1
2 für alle k ∈ N.

Satz 5.18 (Wurzelkriterium)


Es sei (ak )k∈N0 eine Folge in R oder in C. Dann gilt:

(a) Falls lim supk→∞ k ∣ak ∣ < 1, konvergiert ∑∞k=0 ak absolut.

(b) Falls lim supk→∞ k ∣ak ∣ > 1, divergiert ∑∞
k=0 ak .


Beweis: Sei a ∶= lim supk→∞ k
∣ak ∣.
Zu (a): Wir vergleichen mit der geometrischen Reihe ∑∞ k=0 q für ein q ∈ (a, 1). Da
k


a = lim sup { k ∣ak ∣ ∶ k ≥ n} < q
n→∞

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gibt es ein N ∈ N, sodass k
∣ak ∣ ≤ q für alle k ≥ N . Daraus folgt

∣ak ∣ ≤ q k für alle k ≥ N

Wegen Satz 5.16 (Vergleichskriterium) konvergiert die Reihe absolut.



Zu (b): Falls a > 1, so gibt es eine Teilfolge (akj )j∈N , sodass limj→∞ kj ∣akj ∣ = a > 1, siehe
Lemma 4.40 bzw. Bemerkung danach. Somit gibt es ein N ∈ N, sodass

kj
∣akj ∣ ≥ 1 bzw. ∣akj ∣ ≥ 1kj = 1 für alle j ≥ N.

Deswegen ist (ak )k∈N0 keine Nullfolge und ∑∞


k=0 ak divergiert wegen Folgerung 5.4.

k2
Beispiele 5.19 1. Es sei ak = für alle k ∈ N0 . Dann folgt
2k
√ √ √
√ k
k2
k
k⋅ k
k
1⋅1 1
k
∣ak ∣ = √
k
= →k→∞ = < 1.
2 k 2 2 2

Aus Satz 5.18 folgt, dass ∑∞


2
k=0 2k absolut konvergiert.
k


2. Gilt lim supk→∞ k ∣ak ∣ = 1, so kann i.A. keine Aussage über Konvergenz bzw. Divergenz
getroffen werden. Für ak = k1 und ãk = k12 gilt:
√ 1
k
lim∣ak ∣ = lim √
k
=1
k→∞ k→∞ k
sowie √ 1
k
lim∣ãk ∣ = lim √ √ = 1,
k→∞ k→∞ k k ⋅ k k

aber ∑∞
k=1
1
k divergiert und ∑∞
k=1
1
k2
konvergiert.

In einigen Fällen lässt sich das folgende Kriterium besser anwenden:

Satz 5.20 (Quotientenkriterium)


Es sei (ak )k∈N0 eine Folge in R oder C mit ak =/ 0 für alle k ≥ N und ein N ∈ N.

(a) Falls lim supk→∞ ∣ aak+1
k
∣ < 1, dann konvergiert ∑ ak absolut.
k=0

(b) Falls ∣ aak+1
k
∣ ≥ 1 für alle k ≥ N , so divergiert ∑ ak .
k=0

Beweis: Zu (a): Sei b ∶= lim supk→∞ ∣ aak+1


k
∣ < 1 und q ∈ (b, 1). Dann gibt es ein Ñ ∈ N mit
Ñ ≥ N , sodass
ak+1
∣∣<q bzw. ∣ak+1 ∣ ≤ q∣ak ∣ für alle k ≥ Ñ .
ak
Daraus erhält man leicht

∣ak ∣ < q k−Ñ ∣aÑ ∣ für alle k ≥ Ñ

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per vollständiger Induktion. Da ∑∞
k=Ñ
q k−Ñ ∣aÑ ∣ = ∣aÑ ∣⋅∑∞
n=0 q konvergiert, konvergiert ∑ an
n
n=0
absolut nach Satz 5.16.
Zu (b): Aus den Voraussetzungen folgt leicht

∣an ∣ ≥ ∣an−1 ∣ ≥ . . . ≥ ∣aN +1 ∣ ≥ ∣aN ∣ > 0 für alle n ≥ N

per Induktion. Somit ist (ak )k∈N0 keine Nullfolge und ∑∞


k=0 ak divergiert wegen Folge-
rung 5.4.

Bemerkung 5.21 Man kann zeigen, dass


√ an+1
lim sup n ∣an ∣ ≤ lim sup ∣ ∣
n→∞ n→∞ an
Siehe Barner/Flohr “Analysis I”, S. 161.

zk
Beispiel 5.22 Für z ∈ C sei ak = k! für k ∈ N0 . Daraus folgt:

ak+1 z k+1 ⋅ k! ∣z∣


∣ ∣=∣ k ∣= →k→∞ 0.
ak z ⋅ (k + 1)! k+1
Deswegen sind die Voraussetzungen von Satz 5.20(a) für ein genügend großes N ∈ N erfüllt
und ∑∞ zk
k=0 k! konvergiert absolut.

Definition 5.23 Die Exponentialfunktion exp∶ C → C ist definiert durch



zk
exp(z) ∶= ∑ für alle z ∈ C.
k=0 k!

5.2 Produkte von Reihen

Für das Folgende benötigen wir: Ist A eine endliche Menge und β∶ {1, . . . , N } → A bijektiv
(mit N = ∣A∣) sowie aα ∈ C für alle α ∈ A so definiert man
N
∑ aα ∶= ∑ aβ(k) .
α∈A k=1

Wegen des Kommutativgesetzes (A2) ist der Wert der Summe unabhängig von der Wahl
von β.

Satz 5.24 (Cauchy-Produkt von Reihen)


Es seien ∑∞ ∞
k=0 ak und ∑k=0 bk absolut konvergente Reihen in R oder C und für n ∈ N0 sei
n
cn = ∑ an−k ⋅ bk . Dann konvergiert auch ∑∞
n=0 cn absolut und es gilt:
k=0

∞ ∞ ∞
∑ cn = ( ∑ ak ) ⋅ ( ∑ bk )
n=0 k=0 k=0

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Beweis: Es seien A ∶= ∑∞ ∞
k=0 ak , B ∶= ∑k=0 bk und Cm ∶= ∑n=0 cn für alle m ∈ N0 .
m

1. Behauptung: limm→∞ Cm = A ⋅ B

Beweis der 1. Behauptung: Es sei Cm k=0 ak ) ⋅ (∑n=0 bn ). Dann gilt
∶= (∑m m

m m

lim Cm = ( lim ∑ ak ) ⋅ ( lim ∑ bn ) = A ⋅ B
m→∞ m→∞ m→∞
k=0 n=0

wegen Satz 4.15. Es reicht also:



lim (Cm − Cm )=0
m→∞

zu zeigen. Es gilt:
m m

Cm = ∑ ∑ ak bn = ∑ ak bn und Cm = ∑ ak bn ,
k=0 n=0 (k,n)∈◻m (k,n)∈∆m

wobei

◻m ∶= {(k, n) ∈ N0 × N0 ∶ k ≤ m, n ≤ m}, ∆m ∶= {(k, n) ∈ N0 × N0 ∶ k + n ≤ m}

Daraus folgt

Cm − Cm = ∑ ak bn .
(k,n)∈◻m /∆m

Außerdem sei
m m m
Pm ∶= ( ∑ ∣ak ∣) ( ∑ ∣bn ∣) = ∑ ∣ak ∣∣bn ∣.
k=0 n=0 (k,n)∈◻m

Dann ist (Pm )m∈N monoton wachsend, durch (∑∞ ∞


k=0 ∣ak ∣) ⋅ (∑n=0 ∣bn ∣) beschränkt und somit
konvergent. Also gibt es für alle ε > 0 ein M ∈ N, sodass

∣Pm − Pm′ ∣ < ε für alle m, m′ ≥ M .

Nun ist
Pm − PM = ∑ ∣ak bn ∣
(k,n)∈Γm

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mit Γm ∶= ◻m /◻M für m ≥ M . Daraus folgt


∣Cm − Cm ∣ ≤ ∑ ∣ak bn ∣ ≤ ∑ ∣ak bn ∣ < ε für alle m ≥ 2M ,
(k,n)∈◻m /∆m (k,n)∈Γm

da Γm ⊇ ◻m /∆m , und somit die 1. Behauptung.

2. Behauptung: ∑∞
n=0 cn konvergiert absolut.
n
Beweis der 2. Behauptung: Es seien ãk ∶= ∣ak ∣, b̃k ∶= ∣bk ∣, c̃n ∶= ∑ ãn−k b̃k . Aus der
k=0
1. Behauptung mit ãk , b̃k , c̃n statt ak , bk , cn folgt, dass ∑∞
konvergiert. Wegen ∣cn ∣ ≤
n=0 c̃n
∑nk=0 ∣an−k bn ∣ = c̃n folgt die Konvergenz von ∑∞ n=0 ∣cn ∣ aus Satz 5.16.

Als Anwendung erhalten wir:

Lemma 5.25 (Funktionalgleichung für die Exponentialfunktion)


Für alle z, w ∈ C gilt exp(z + w) = exp(z) ⋅ exp(w).

Beweis: Wegen Beispiel ist exp(z) = ∑∞


k
k=0 k! für alle z ∈ C absolut konvergent. Aus
z

Satz 5.24 folgt


∞ k ∞ ∞
z wn
exp(z) ⋅ exp(w) = ( ∑ ) ⋅ ( ∑ ) = ∑ cn ,
k=0 k! n=0 n! n=0

wobei
n
z n−k wn 1 n n n−k k 1
cn = ∑ = ∑ ( )z w = (z + w)
n
k=0 (n − k)! k! n! k=0 k n!
wegen Beispiel 1.15. Dies impliziert

(z + w)n
exp(z) ⋅ exp(w) = ∑ = exp(z + w).
n=0 n!

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