Sie sind auf Seite 1von 28

INFORMATIONSDIENST HOLZ

Fassadenelemente
für den Gebäudebestand

Folge 5
Teil 9
Reihe 1
holzbau handbuch
2 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 Inhaltsverzeichnis, Impressum
Teil 9
Folge 5

Inhaltsverzeichnis Impressum

1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 10 Schlussfolgerungen und Ausblick. . . 26 Herausgeber:


Absatzförderungsfonds
2 Ausgangssituation . . . . . . . . . . . . . . . . 3 11 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 der deutschen Forst- und Holzwirtschaft
2.1 Gebäudebestand in der BRD . . . . . . . . 3 11.1 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 – HOLZABSATZFONDS –
2.2 Energie-Einsparverordnung. . . . . . . . . 3 11.2 Bildquellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Anstalt des öffentlichen Rechts
2.3 Energiepass für Gebäude . . . . . . . . . . 4 Godesberger Allee 142–148, D-53175 Bonn
2.4 Lebensdauer von Fassaden . . . . . . . . . 5 und
DGfH Innovations- und Service GmbH
3 Grundfunktionen Postfach 31 01 31, D-80102 München
von vorgehängten Fassaden . . . . . . . . 6 mail@dgfh.de
3.1 Schlagregenschutz. . . . . . . . . . . . . . . . 6 www.dgfh.de
3.2 Winterlicher Wärmeschutz . . . . . . . . . 6
3.3 Sommerlicher Wärmeschutz . . . . . . . . 7 Redaktion:
3.4 Raumlufthygiene Dipl.-Ing. (FH) Martin Fischer, München
und Wohnqualität . . . . . . . . . . . . . . . . 8
3.5 Bauwerkserhaltung . . . . . . . . . . . . . . . 8 Bearbeitung:
3.6 Corporate Design. . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Dipl.-Ing. Josef Egle, Übersee
3.7 Zusatzanforderungen . . . . . . . . . . . . 10 Dr. Ing. Frank Otto, Kassel (Kap. 3.2–3.4)

4 Komponenten von Holzfassaden . . . 10 Technische Anfragen an:


4.1 Unterkonstruktion . . . . . . . . . . . . . . . 10 Überregionale Fachberatung:
4.2 Dämmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 0 18 02-46 59 00
4.3 Verankerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 (0,06 e/Gespräch)
4.4 Bekleidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 fachberatung@infoholz.de
4.5 Oberflächenbeschichtung. . . . . . . . . 12 www. fachberatung.infoholz.de
www.informationsdienst-holz.de
5 Grundlagen für die Planung
und Ausführung . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Hinweise zu Änderungen,
5.1 Baurecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Ergänzungen und Errata unter:
5.2 Standsicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 www.informationsdienst-holz.de
5.3 Untergrundbeschaffenheit . . . . . . . . 14
5.4 Vermeidung Wärmebrücken. . . . . . . 14 Die technischen Informationen dieser Schrift
5.5 Hinterlüftete Fassaden. . . . . . . . . . . . 15 entsprechen zum Zeitpunkt der Drucklegung
5.6 Unterlüftete Fassaden . . . . . . . . . . . . 15 den anerkannten Regeln der Technik. Eine
5.7 Verhalten gegenüber Haftung für den Inhalt kann trotz sorgfäl-
Feuchteschwankungen . . . . . . . . . . . 15 tigster Bearbeitung und Korrektur nicht über-
5.8 Verhalten gegenüber nommen werden.
Temperaturschwankungen . . . . . . . . 16
5.9 Brandschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 In diese Broschüre sind Ergebnisse aus zahl-
5.10 Schallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 reichen Forschungsprojekten eingeflossen.
5.11 Leistungsbeschreibung . . . . . . . . . . . 16 Für deren Förderung danken wir der Arbeits-
gemeinschaft industrieller Forschungsvereini-
6 Bauarten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 gungen (AiF), der Arbeitsgemeinschaft Bau-
6.1 Vollholzfassaden . . . . . . . . . . . . . . . . 17 forschung (ARGE BAU), den Forst- und
6.2 Fassadenelemente Wirtschaftsministerien des Bundes und der
mit Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . 18 Länder und der Holzwirtschaft.
6.3 Holz-Glas-Elemente . . . . . . . . . . . . . . 19
6.4 Transparente Wärmedämmung . . . . 20 Gestaltung:
6.5 Solarfassaden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Creativ Mediendesign GmbH, Ottobrunn

7 CAD-CAM-Technologien
im Gebäudebestand . . . . . . . . . . . . . 24 Erschienen: 07/2005
7.1 Berührungslose Gebäudeerfassung . 24 ISSN-Nr. 0466-2114
7.2 CAD-Planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
7.3 CNC-Fertigung. . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
7.4 Montage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 holzbau handbuch
Reihe 1: Entwurf und Konstruktion
8 Holztafelelemente Teil 9: Fassaden und
zur Erneuerung der Gebäudehülle . . 21 Außenwandbekleidungen
Folge 5: Fassadenelemente
9 Vorgehängte Holztafelelemente. . . . 23 für den Gebäudebestand
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 3
Reihe 1 1 Einführung
Teil 9 2 Ausgangssituation
Folge 5

1 Einführung 2 Ausgangssituation

Der Wohnungsbestand in der Bundesrepublik 2.1 Gebäudebestand in der BRD Aus Sicht der Gebäudesanierung und Instand-
Deutschland kommt in die Jahre. Mehr als haltung stellen Ein- und Zweifamilienhäuser
75% unserer Wohnungen sind vor 1978 Die Bundesrepublik verfügt über etwa 17 Mio mit 14.2 Mio Wohngebäuden oder 81% die
errichtet worden [15]. Viele dieser Bauten Wohngebäude mit mehr als 37 Mio Wohnein- mit Abstand größte Gebäudegruppe in der
gelten aus heutiger Sicht geradezu als heiten. 30 Mio Wohnungen entfallen hiervon BRD dar:
Energieverschwender, insbesondere im Hin- auf das frühere Bundesgebiet, knapp 7.5 Mio
blick auf den Heizwärmebedarf. Die fossilen auf die neuen Bundesländer und Berlin Ost. Wohngebäude (in Mio.)
Energieträger Öl, Erdgas und Kohle, welche Über 12 WE 0,3
im Gebäudebestand fast ausschließlich zum Mit Einführung der Energieeinsparverordnung 7–12 WE 0,7
Einsatz kommen, stehen nur in begrenzten EnEV [1] im Jahre 2002 wurde der durchschnitt- 3–6 WE 2,2
Mengen zur Verfügung. Zugleich wird es eine liche Heizenergiebedarf bei neu zu errich- 2 WE 3,5
der zentralen Herausforderungen der nächs- tenden Einfamilienhäusern auf etwa 70 kWh 1 WE 10,7
ten Jahre sein, zur Reduzierung des Treib- je m2 Wohnfläche und Jahr abgesenkt. Dieser Gesamt 17,2
hauseffektes den Ausstoß von Schadstoffen, auch als Niedrigenergiestandard bezeichnete
insbesondere CO2, deutlich zu reduzieren. Bereich entspricht einem Heizölbedarf von
Maßnahmen hierin werden nur dann Wir- rund 7 Litern je m2. Der durchschnittliche
kung zeigen, wenn neben Neubauten ins- Heizenergiebedarf im Gebäudebestand liegt
besondere der Gebäudebestand einbezogen im Gegensatz hierzu entsprechend Abbildung
wird. Folglich wurden verbindliche Regelun- 2.1 bei etwa 250 kWh/m2a oder 25 Litern
gen hierzu in der Energieeinsparverordnung Heizöl, also knapp viermal so hoch.
(EnEV) verankert.

Der Bau- und Werkstoff Holz wird für die


Herstellung von Außenfassaden wieder ent- Abb. 2.2: Struktur Wohngebäude BRD nach Anzahl
deckt. Holz schützt die Bausubstanz nicht nur Wohneinheiten
dauerhaft gegen Feuchte, Wärme oder Kälte.
Auch das optische Erscheinungsbild, somit Über 3/4 unseres Gebäudebestandes stam-
das „Gesicht“ von Gebäuden, kann hiermit men aus einer Zeit, als noch keine besonderen
neu und zeitgemäß gestaltet werden. Für Anforderungen an den Wärmeschutz gestellt
Architekten, Planer und Bauherrn bietet der wurden. Alle Wohnungen zusammen, welche
Werkstoff Holz eine Fülle von Varianten und vor dem Inkrafttreten der 2. Wärmeschutz-
Freiheitsgraden. verordnung 1984 gebaut wurden, stellen
82% des Wohngebäudebestandes dar. Zu-
Zusätzlich zu den traditionellen Fassaden aus gleich verbrauchen sie etwa 96% der ge-
kleinformatigen Brettern, Leisten und Schin- samten in der Bundesrepublik Deutschland
deln finden größerflächige Tafeln von Holz- benötigten Heizenergie.
werkstoffen verstärkt Anwendung auch für Abb. 2.1: Jährlicher Heizwärmebedarf bei
Einfamilienhäusern
Außenwandbekleidungen. Der Baustoff Holz Tabelle 2.2 zeigt die Verteilung des Woh-
ist aufgrund seiner physikalischen Eigen- Fassaden, somit Außenwände und Glas- nungsbestandes nach Gebäudetypen, Alter
schaften für die Herstellung und Montage elemente, bilden den größten Anteil der und Heizenergiebedarf. Der hohe Anteil alter
großformatiger Fassadenelemente geradezu wärmeabgebenden Hüllfläche von Gebäu- Gebäude mit ungenügender Wärmedäm-
prädestiniert. Für Planer und Ausführende den. Während der Anteil im Ein- und Zwei- mung sowohl in den alten wie auch den
liegen hierin interessante gestalterische und familienhausbereich im Mittel 40–50% neuen Bundesländern ist charakteristisch.
wirtschaftliche Entwicklungspotenziale. beträgt, nimmt dieser im Geschosswoh-
nungsbau auf bis zu 80% zu: • Bauten der 50er bis 70er Jahre durchlaufen
Dabei wirken Fassaden in Holz dem Ausstoß den 1. großen Sanierungszyklus
Tabelle 2.1: Anteil Fassaden an Gebäudehüllfläche nach
von CO2 gleich in zweifacher Weise ent- Wohneinheiten • Reonvierte Vorkriegsbauten durchlaufen
gegen. Während des Wachstums entzieht der Gebäudetyp Anteil Fassade den 2. großen Sanierungszyklus
Baum unserer Atmosphäre dieses Treibhaus- an Hüllfläche • Die thermische Sanierung von Fassaden im
gas und lagert es im Stamm, den Ästen und 1 WE ca. 40–50% Gebäudebestand bietet die höchsten
dem Wurzelwerk. In der späteren baulichen Einsparpotenziale CO2
Nutzung des Baumes bleibt das CO2 weiter • 50% des Gebäudebestandes werden in
gebunden. Zusätzlich wird die Entstehung 2 WE ca. 45–55% den nächsten 20 Jahren umfassend saniert
neuer Treibhausgase durch verbesserte
Dämmeigenschaften der Fassade deutlich 3–6 WE ca. 50–60%
gesenkt. 2.2 Energie-Einsparverordnung

7–12 WE In der geltenden Energieeinsparverordnung


ca. 60–80% EnEV 2004 sind gesetzliche Anforderungen
> 12 WE an den Mindestwärmeschutz nicht nur für
Neubauten, sondern auch für den Gebäude-
4 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 2 Ausgangssituation
Teil 9
Folge 5

Tabelle 2.2: Anteil Fassaden an Gebäudehüllfläche nach Wohneinheiten Abweichende Regelungen gelten für bauliche
Gebäudetyp Bauzeit Heizenergie- Wohnfläche Heizenergie Veränderungen an bestehenden Vorhang-
Verbrauch [Mio m2] Verbrauch
[kWh/m2a] [GW/a] fassaden. Sofern hier Bauteile oder Füllungen
Alte Bundesländer erstmalig eingebaut oder ersetzt werden, darf
Freistehende Ein- und bis 1918 203 201 40,8 der Maximalwert 1,9 W/m2K nicht überschrit-
Zwekamillenhäuser 1919-1948 204 116 23,7 ten werden. Im Falle eines mehrschaligen
1949-1957 253 114 28,8 Mauerwerkes gelten die Anforderungen als
1968-1968 146 205 29,9 erfüllt, wenn die bestehenden Hohlräume
1969-1976 141 184 25,9 zwischen den Schalen vollständig mit Dämm-
1979-1983 119 94 11,2 stoff ausgefüllt sind. Bei der Verwendung von
1984-1990 120 85 10,2
Sonderverglasungen im Zusammenhang mit
Reihenhäuser bis 1918 203 33 6,7
vorgehängten Fassaden sind die in der EnEV
1919-1946 I66 50 8,3
1949-1957 163 38 6,2
enthaltenen Regelungen nochmalig geson-
1950-1968 171 68 11,6 dert zu prüfen.
1969-1978 162 90 14,6
1979-1983 121 35 4,2
1984-1990 94 21 2,0 2.3 Energiepass für Gebäude
kleine Mehrfamilienhäuser bis 1918 169 151 25,5
1919-1948 179 82 14,7 Anders als beim Erwerb von Fahrzeugen oder
1949-1957 184 119 21,9 technischen Haushaltsgeräten wissen Käufer
1958-1968 173 170 29,4
und Mieter von Wohnungen oder Häusern
1969-1978 127 127 16,1
bisher sehr wenig über den Energiebedarf.
1979-1983 98 54 5,3
1984-1990 75 49 3,7
Zugleich bilden die Heizkosten in den privaten
Große Mehrfamilienhäuser bis 1918 161 14 2,2 Haushalten den größten Anteil an den Be-
1919-1946 164 12 2,0 triebskosten. Durch die Umsetzung der EU-
1949-1957 151 16 2,4 Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz
1958-1968 153 43 6,6 von Gebäuden in Verbindung mit Einführung
1969-1978 123 55 6,8 der EnEV 2006 wird die Anfertigung eines
Hochhäuser 1960-1966 105 14 1,5 Energiepasses für Gebäude obligatorisch. Ab
1969-1978 120 16 1,9 Januar 2006 sind Wohnungsunternehmen
Neue Bundesländer
und Gebäudebesitzer verpflichtet, bei Neu-
Freistehende Ein- und bis 1918 312 73 22,8
Zweifamilienhäuser vermietung oder Verkauf einen Energiepass
1919-1945 285 42 11,9
1946-1970 335 20 6,7
vorzulegen.
1971-1985 181 18 3,3 Investitionen in die Gebäudehülle werden
1986-1990 152 7 1,1 damit zu einem zusätzlichen Marketing-
kleine Mehrfamilienhäuser bis 1918 195 43 8,4 instrument.
1919-1946 161 41 6,6
1946-1960 175 15 2,6
1961-1985 174 40 7,0
Große Mehrfamillenhäuser bis 1918 195 30 5,9
1965-1980 109 32 3,5
1981-1986 106 21 2,2
1986-1990 87 19 1,7
Hochhäuser 1965-1980 111 18 2,0
1981-1986 159 4 0,6

bestand aufgenommen worden. Begrenzun- schalungen oder Mauerwerk-Vorsatzscha-


gen des Wärmedurchganges von Außen- len angebracht
wänden im Gebäudebestand sind im Falle von • An der Innenseite von bestehenden Außen-
baulichen Veränderungen spätestens dann wänden werden Bekleidungen oder Ver-
vorzunehmen, wenn die geplanten Maß- schalungen aufgebracht
nahmen mehr als 20% der anteiligen Fläche • In eine bestehende Außenwand werden
betreffen und eine der nachstehenden Be- zusätzliche Dämmschichten eingebaut
dingungen erfüllt ist (EnEV § 8 in Verbindung • Bei einer bestehenden Außenwand mit ei-
mit Anhang 3 Absatz 1 sowie Anhang 3 nem Wärmedurchgangskoeffizienten U grö-
Absatz 7 Tabelle1): ßer 0,9 W/m2K wird der Außenputz erneuert
• In bestehende Fachwerkwände werden
• Erstmaliger Einbau oder vollständiger Ersatz neue Ausfachungen eingebracht
von Außenwänden
• An der Außenseite von bestehenden Au- Je nach Bauteilanordnung ist der Wärme-
ßenwänden werden Bekleidungen in Form durchgangskoeffizient U auf 0.35 W/m2K
von Platten, plattenartigen Bauteilen, Ver- bzw. auf 0.45 W/m2K zu begrenzen. Abb. 2.3: Muster Bewertungsskala Energiepass
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 5
Reihe 1 2 Ausgangssituation
Teil 9
Folge 5

2.4 Lebensdauer von Fassaden • Hinterlüftungsquerschnitte Fassaden in Holzkonstruktion mit Hinterlüf-


• Tauwasserprozesse, Umkehrdiffusion tung bzw. mit Ausführung nach DIN 68800-2
Aussagekräftige wissenschaftliche Untersu- Punkt 8.2 [18] sind stets für den Einsatz in Be-
chungsergebnisse zur Lebensdauer von Fas- DIN 4108-3 [17] klassifiziert drei Beanspru- anspruchungsgruppe 3 geeignet. Für die Zu-
saden unterschiedlicher Ausprägung liegen chungsgruppen unter Berücksichtigung der ordnung der Niederschlagsmengen im Gebiet
derzeit nicht vor. Zu vielfältig sind die Ein- örtlichen Windgeschwindigkeiten sowie den der Bundesrepublik Deutschland kann die
flussparameter, welche über Wartungs- durchschnittlichen jährlichen Regenmengen: sogenannte „Regenkarte“ DIN 4108-3 An-
intervalle und Nutzungsdauer von Fassaden hang A herangezogen werden.
Tabelle 2.3: Beanspruchungsgruppen nach DIN 4108-3
entscheiden:
Gruppe I II III Bei thermischen Sanierungsarbeiten im Ge-
Beanspruchung gering mittel stark
• Standort des Gebäudes (Höhenlage, Klima- bäudebestand liegen als ursprüngliche au-
Jahresniederschlag < 600 mm < 800 mm > 800 mm
zone usw.) ßenseitige Wandoberfläche überwiegend ver-
Lage geschützt geringe mittlere
• Schutzfunktionen (z.B. Vordächer, umlie- Schlagregenbean-
putzte Flächen vor, in seltenen Fällen auch
gende Bebauung, Anbauten) spruchung Hochhäuser vorgehängte Fassaden. Nach dem III. Bau-
• Güte und Art von Baustoffen und Gebäude schadensbericht des Ministeriums für Raum-
in exponierter Lage
• Mechanische Beanspruchung (u.a. Vibratio- ordnung, Bauwesen und Städtebau sind an
nen, Erschütterungen, Spannungen, Rissbil- Küstengebiete und Gebirgslagen sind der verputzten Fassaden innerhalb eines Zeitrau-
dung) Beanspruchungsgruppe III auch dann zuzu- mes von 80 Jahren 3 Maßnahmen zur Bau-
• Art und Beschaffenheit von Oberflächen- ordnen, wenn die durchschnittliche Nieder- werksunterhaltung durchzuführen. Rein sta-
beschichtungen schlagsmenge < 800 mm ist. tistisch fallen somit in Zeitintervallen von 27
Jahren solche Maßnahmen an, welche
typischer Weise aus einer grundlegenden
Renovierung oder Erneuerung des Putzes
bestehen. Innerhalb dieser 80 Jahre sind
hiernach für die Instandhaltung des Verputzes
etwa 130% der ursprünglichen Kosten auf-
zuwenden.

Im Gegensatz hierzu sind naturbelassene


Bekleidungen aus Holz, insbesondere als ge-
spaltene Holzschindeln, mit deutlich längeren
Standzeiten anzutreffen. Brettschalungen, in
der Vergangenheit häufig in senkrechter
Anordnung überlukt ausgeführt, ermöglichen
Standzeiten von 40 Jahren und höher. Die
außerordentlich hohe Resistenz von Holz bei
Beachtung baulichkonstruktiver Grundregeln
kann am Beispiel solcher Fassaden mehr als
eindrucksvoll dokumentiert werden. Abbil-
dung 2.5 zeigt eine handwerklich errichtete
Boden-Deckel-Schalung in Holzart Lärche an
der Westfassade eines öffentlichen Gebäu-
des. Die Holzschalung mit einem Alter von ca.
50 Jahren hat zwei Sanierungszyklen der
weiteren Fassadenflächen überdauert.

Abb. 2.5: Vorgehängte unterlüftete Boden-Deckel-


Abb. 2.4: Regenkarte DIN 4108-3 [17] Schalung in Holzart Lärche
6 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 3 Grundfunktionen von vorgehängten Fassaden
Teil 9
Folge 5

3 Grundfunktionen von vorgehängten Fassaden

3.1 Schlagregenschutz Anforderungen wirksam sind, kann Kapitel


2.2 entnommen werden. Weitere von Neu-
Über längere Zeiträume anliegende Feuchte bauten einzuhaltende Bauvorschriften müs-
ist der Feind Nummer 1 aller heute bekannten sen die vorgesehenen Maßnahmen erfüllen,
Bauweisen und Baumaterialien. Bei unzu- wenn der Bestandsschutz entfällt [2]. Mit der
träglichen Feuchtekonzentrationen können örtlichen Baubehörde ist zu klären, ob
Baustoffe durch biologische und/oder che- Bestandsschutz in Anspruch genommen
mische Prozesse eine vorzeitige Schädigung werden kann. Nicht bestandsgeschütze Alt-
erleiden. Zugleich muss bei einer Feuchte- bauten müssen den in DIN 4108-2 [3]
aufnahme der thermisch wirksamen Schich- geregelten Mindestwärmeschutz einhalten.
ten mit einer Reduzierung der Dämmwirkung Ist aus konstruktiven Gründen die Einhaltung
gerechnet werden. Nicht zuletzt treten an nicht möglich, so sind die Konsequenzen
älteren Putzfassaden mechanische Schädi- sorgfältig abzuwägen, mit der Baubehörde
gungen durch Frost auf. Vorgehängte abzustimmen und die Bewohner auf verant-
Fassaden als äußere Schutzhülle des Wand- wortungsvolles, angepasstes Verhalten hinzu-
kernes halten Regen und Feuchte von der weisen.
Außenseite fern. Die Intervalle für Nach-
bearbeitung oder Instandsetzung von Fassa- Die EnEV [1] stellt bei einigen Maßnahmen im
den hängen in besonderer Weise mit der Gebäudebestand Anforderungen an den
Fähigkeit zusammen, auftreffendes Ober- Wärmedurchgangskoeffizienten U einzelner
flächenwasser rasch und sicher abzuleiten. Bauteile. Die Anforderungen an den Mindest-
Eine Befeuchtung des Bekleidungsmaterials Abb. 3.1: Prinzip der 2-stufigen Abdichtung wärmeschutz richten sich an den Wärme-
oder der dahinter befindlichen Schichten ist durchlasswiderstand R [m2K/W] und den
unschädlich, wenn durch geeignete kons- 3.2 Winterlicher Wärmeschutz Temperaturfaktor fRsi [3]. Darüber hinaus
truktive Maßnahmen diese Feuchtemengen besteht die Forderung, dass Fugen zu angren-
wieder an die Umgebung abgeführt werden Durch Verbesserung des Wärmeschutzes von zenden Bauteilen, beispielsweise Fenster, luft-
(Vermeidung von „Feuchtenestern“). Hierzu Gebäuden mit Holzfassaden wird folgendes dicht auszuführen sind.
sind drei wichtige Anforderungen zu erfüllen: erreicht:
– Die Heizkosten werden gesenkt. Eine Holzfassade bewirkt
• Möglichst ungestörte Ableitung der auftref- – Die thermische Behaglichkeit wird erhöht. • Heizkostensenkung
fenden Regentropfen sowohl in der Fassa- – Die Baukonstruktion wird vor klimabe- • Erhöhung der Behaglichkeit
denfläche als auch im Bereich von An- dingter Feuchte geschützt. • Klimaschutz der Baukonstruktion
schlüssen und Übergängen – Durchfeuchtetes Mauerwerk kann wieder • Verringerung einer Schimmelpilzgefährdung
• Hinterlüftung oder Belüftung der Konstruk- austrocknen. • Austrockung von nassem Mauerwerk
tion für eine beschleunigte Abtrocknung – Die Gefahr von Schimmelpilzbildung verrin-
des Zwischenraumes zwischen Rückseite gert sich. Die Anforderungsgrößen Wärmedurchgangs-
Bekleidung und Vorderseite Dämmung/ koeffizient und Wärmedurchlasswiderstand
Wandkern Soll bei einem Gebäude eine Holzfassade sind gemäß DIN EN ISO 6946 [4] zu be-
• Entkopplung von bewitterter Fassaden- angebracht werden, müssen abhängig vom rechnen. Neben den einzelnen Bauteil-
oberfläche und Wandkern, Vermeidung von Umfang der Maßnahme ggf. die Anforde- schichten fließen auch konstruktive Randbe-
Feuchtebelastungen in diesem Bereich (Um- rungen der EnEV [1] eingehalten werden. dingungen in die Berechnung mit ein.
kehrdiffusion). Unter welchen Voraussetzungen diese Abhängig von der Lage und der kon-

Fassadenkonstruktionen in Holz sind seit Tabelle 3.1: Bewertung der wärmetechnischen Sanierung der Außenwand für das in Abbildung 3.2 dargestellte
jeher nach diesem Grundprinzip aufgebaut. Mustergebäudes [10]
Stets handelt es sich um vorgehängte Gebäudedaten
Schutzbekleidungen, welche in der dahinter freistehendes Einfamilienhaus, Baujahr zwischen 1958 und 1968
beheiztes Gebäudevolumen Ve = 934 m3
befindlichen Zwischenbereich (meist 1- oder Nutzfläche AN = 299 m2
2-fache Lattung) eine Belüftung besitzen. Gebäudehüllfläche A = 607 m2
Anlagentechnik Anlagentechnik
Zentralheizung, Standardkessel Heizöl (1950–79) Zentralheizung, Standardkessel Heizöl (1950–79)
Eine vollständig winddichte Ausführung der außerhalb thermischer Hülle mit kombinierter außerhalb thermischer Hülle mit kombinierter
Bekleidung ist nicht erforderlich. Stoßüber- Trinkwassererwärmung Trinkwassererwärmung
lappungen, wie sie bei Holzschindeln oder
Wärmedurchgangskoeffizienten U Wärmedurchgangskoeffizienten U
Stülpschalungen anzutreffen sind, bieten Außenwand 1,73 W/(m2K) Außenwand 0,34 W/(m2K)
auch langfristig einen hervorragenden Witte- Fenster 2,9 W/(m2K) Fenster 2,9 W/(m2K)
Glasbaustein 3,6 W/(m2K) Glasbaustein 3,6 W/(m2K
rungsschutz. Ist die Bekleidungsebene durch Haustür 2,2 W/(m2K) Haustür 2,2 W/(m2K)
horizontale oder vertikale Fugen unter- Dach 0,8 W/(m2K) Dach 0,8 W/(m2K)
brochen, muss in Abhängigkeit zur baulichen Kellerdecke 0,97 W/(m2K) Kellerdecke 0,97 W/(m2K)
Situation ein erhöhter Feuchteeintrag in den Jahres-Endenergiebedarf Jahres-Endenergiebedarf
Luftzwischenraum konstruktiv berücksichtigt Endenergiebedarf Q = 125 508 kWh/a Endenergiebedarf Q = 106 123 kWh/a
werden. Q = 420 kWh/(m2a) Q = 355 kWh/(m2a)
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 7
Reihe 1 3 Grundfunktionen von vorgehängten Fassaden
Teil 9
Folge 5

struktiven Ausbildung müssen Korrekturen Darüber hinaus ist bei diesen Bauteilen im
vorgenommen werden, um folgende Ein- Mittel ein Wärme-durchgangswiderstand von
flüsse zu berücksichtigen: 1,0 m2 K/W einzuhalten.

– Luftspalte in Dämmebene Im Bereich von Wärmebrücken können


– mechanische Befestigungselemente deutlich niedrigere Oberflächentemperatu-
– Niederschlag auf Umkehrdächern ren als im Regelbereich auftreten. Um die
Gefahr einer Schimmelpilzbildung in Wohn-
Ist die Gesamtkorrektur geringer als 3%, räumen mit üblicher Nutzung auszuschließen,
braucht keine Erhöhung des U-Werts vor- muss mit Ausnahme von Fenstern und
genommen zu werden. Fensterfassaden gemäß DIN 4108-2 [3] an der
Abb. 3.3: Prinzipieller Verlauf der operativen Raumtem-
ungünstigsten Stelle ein Temperaturfaktor peratur in einem Wohnraum. Die Jahressumme der
Der für die Bewertung einer möglichen von grau hinterlegten Flächen bilden die Übertemperatur-
Schimmelpilzgefahr wichtige Temperaturfak- gradstunden für den Grenzwert 26° C.
tor fRsi errechnet sich gemäß [3, 5 bis 8]. Er fRsi ≥ 0,70
entspricht: ist deshalb in Hitzeperioden von außen nach
eingehalten werden. innen gerichtet. Mit zunehmendem Wärme-
fRsi = (θsi – θe) / (θi – θe) (1) schutz nimmt der Wärmeeintrag von außen in
mit Angaben zu Temperaturfaktoren vielfältiger Wohnräume hinein somit ab. Deshalb ist die
θsi [°C] raumseitige Oberflächentempera- Anschlusssituationen finden sich in [9]. Behauptung, dass durch Verbesserung des
tur Wärmeschutzes das sommerliche Wärme-
θi [°C] Raumlufttemperatur Zusätzliche Dämm-Maßnahmen auf Außen- verhalten von Wohnräumen schlechter wird,
θe [°C] Außenlufttemperatur wänden verringern den Transmissionswärme- falsch [11].
f = 1 [–] entspricht der Raumlufttemperatur verlust. Die außen angeordnete Holzfassade
f = 0 [–] entspricht der Außenlufttemperatur. wirkt sich bauphysikalisch günstig auf die Bei gutem Wärmeschutz und sinnvollem
Baukonstruktion aus. Durch die Wärme- Nutzerverhalten sind die Raumlufttempera-
Soll bei bekanntem Temperaturfaktor die dämmung stellt sich im Mauerwerk ein turen niedriger als bei schlechtem Wärme-
Oberflächentemperatur in Celsius ermittelt höheres Temperaturniveau ein. Werden die schutz.
werden, so ist eine einfache Umrechnung auf raumseitigen Oberflächentemperaturen über
beliebige Innen- und Außenlufttempera- den Grenzwert der DIN 4108-2 [3] an- Die Mindestanforderungen an den sommer-
turrandbedingungen mit Gleichung (2) mög- gehoben, so wird bereits vorhandenen lichen Wärmeschutz regelt DIN 4108-2 [3].
lich: Schimmelpilzen die Wachstumsgrundlage Die Anforderungsgröße ist der Sonnen-
entzogen. Darüber hinaus trocknet nasses eintragskennwert Smax, der die baulichen Ge-
θsi = (θi – θe) · fRsi + θe (2) Mauerwerk durch das wesentlich höhere gebenheiten, die Lüftungsmöglichkeiten und
Wasserkonzentrationsgefälle nach innen und die interne Wärmelast berücksichtigt. Der
Der maximal erlaubte Wärmedurchgangs- außen schneller aus. Sonneneintragskennwert ist eine abstrakte
koeffizient für sanierte Außenwände beträgt Anforderungsgröße, die eine Bewertung der
nach EnEV [1] 0,35 W/(m2K) bei Außen- An einem Beispiel soll die Bedeutung einer tatsächlichen Temperaturverhältnisse nicht
dämmung und 0,45 W/(m2K) bei Innen- Fassadenerneuerung aufgezeigt werden. Bei erlaubt. Deshalb ist es anschaulicher auf die in
dämmung. DIN 4108-2 [3] fordert einen dem Gebäude handelt es sich um das in [11, 12] beschriebenen Übertemperaturgrad-
Wärmedurchgangswiderstand R von größer Abbildung 3.2 gezeigte Mustergebäudes stunden überzugehen. Die Kenngröße er-
gleich 1,2 m2 K/W bei einer Flächenmasse von aus [10]. Beim Ausgangsfall beträgt der rechnet sich aus empfundenen Raumtem-
mindestens 100 kg/m2. Bis zu einer Flächen- Wärmedurchgangskoeffizient der Außen- peraturen oberhalb eines vorgegebenen
masse von 100 kg/m2 ist ein Wärmedurch- wand 1,74 W/(m2K). Durch Aufbringen einer Grenzwertes und der Überschreitungsdauer.
gangswiderstand bei Rahmen- und Skelett- Dämmschicht verringert sich der U-Wert auf Abbildung 3.3 veranschaulicht die Definition
bauten von größer gleich 1,75 m2 K/W, 0,34 W/(m2K). Den Jahres-Endenergiebedarf der Kenngröße. Die über der gestrichelten
bezogen auf den Gefachbereich, gefordert. (benötigter Brennstoffbedarf für Heizung und 26°C-Linie grau hinterlegten Flächeninhalte
Warmwasser) vor und nach der Sanierung bilden übers Jahr aufsummiert die Über-
zeigt Tabelle 3.1. Der Endenergiebedarf des temperaturgradstunden. Sie errechnen sich
Altbaus beläuft sich beim Ausgangsfall auf zu:
420 kWh/(m2a). Nach der Sanierung sinkt der 8760h
Bedarf auf 355 kWh/(m2a). Gh26 = Σ
i=1
(θ – 26° C) · 1 h  pos. (3)

Die Bedeutung von Holzfassaden für den


3.3 Sommerlicher Wärmeschutz sommerlichen Wärmeschutz wird exempla-
risch für ein Wohnzimmer in einem Mehr-
In den Sommermonaten werden die Raum- familienhaus aufgezeigt. Die Wohnung ist mit
temperaturen – abgesehen von Räumen mit 4 Personen belegt. Der Sonnenschutz besteht
hohen internen Wärmelasten – maßgeblich aus außenliegenden hinterlüfteten Lamellen
von der Außenlufttemperatur und der Son- (Abminderungsfaktor Fc = 0,25). Die Berech-
Abb. 3.2: Mustergebäude aus [10]. neneinstrahlung bestimmt. Der Wärmestrom nung wird für mittlere meteorologische
8 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 3 Grundfunktionen von vorgehängten Fassaden
Teil 9
Folge 5

Sie dienen zunächst dem Schutz des Außen-


wandkernes an der Außenseite gegen Witte-
rung, chemische und mechanische Bean-
spruchung. Dabei sind sie in der Lage, rissige
oder schadhafte Putzfassaden, fehlende Frost-
beständigkeit, Durchfeuchtung bei Schlag-
regen sowie optische Mängel auszugleichen.
Diese, die Nutzungsdauer von Bauwerken
erhöhende Maßnahmen haben ihre Gültigkeit
bis heute erhalten.

Zusätzlich sind vorgehängte Fassaden in


Holzbauweise, wie in den vorstehenden Kapi-
Abb. 3.4: Abhängigkeit der zur Behaglichkeit erforderlichen Raumlufttemperatur von der inneren Oberflächen-
temperatur eines Außenbauteils bei unterschiedlichen Einstrahlzahlen ϕ Mensch-Außenbauteil. (Die Oberflächentempe- teln aufgezeigt wurde, in der Lage, die
ratur aller Innenbauteile ist vereinfachend der jeweiligen Raumlufttemperatur gleichgesetzt) [14]. raumseitigen Oberflächentemperaturen wäh-
rend der Heizperiode zu erhöhen.
Randbedingungen durchgeführt. Eine aus- peraturen der Außenwände in den Winter-
führliche Beschreibung der Berechnungs- monaten zu. Aufgrund der höheren Ober- Starke Wärmebrückeneffekte, welche im
grundlagen findet sich in [13]. Tabelle 3.2 flächentemperaturen ist es bei geringeren Baubestand z.B. in den Raumecken oder an
können die Übertemperaturgradstunden ent- Raumlufttemperaturen behaglich, wobei die Fenster- und Türlaibungen auftreten, führen
nommen werden. Darüber hinaus zeigt eine Bedeutung der Außenwand für die Behaglich- wiederkehrend zu Tauwasser- und Schimmel-
Variante, wie dramatisch sich ein fehlender keit mit kleiner werdendem Abstand zu- pilzbildung. In Abhängigkeit zu den baulichen
Sonnenschutz oder der nachlässige Einsatz nimmt. Den Abstand zu einem Bauteil Gegebenheiten kann die Wärmedämm-
des Sonnenschutzes auswirkt. kennzeichnet die Einstrahlzahl, die die geo- wirkung von vorgehängten Fassaden so ein-
metrische Zuordnung zwischen mensch- gestellt werden, dass Tauwasserbildung auch
Tabelle 3.2: Übertemperaturgradstunden in einem lichem Körper und Bauteiloberfläche im Bereich von Schwachstellen vermieden
Wohnzimmer
beschreibt. Abbildung 3.4 zeigt den Zusam- wird.
Altbau Haus mit
Holzfassade menhang zwischen der Raumlufttemperatur
außenliegender und der Oberflächentemperatur der Außen- Durchfeuchtetes Mauerwerk wird mit Hilfe
Sonnenschutz 96 Kh/a 59 Kh/a wand [14] für unterschiedliche Einstrahl- von hinterlüfteten Fassaden zuverlässig wie-
ohne zahlen. Vereinfachend ist angenommen, dass der ausgetrocknet. Auf zusätzliche, Kosten
Sonnenschutz 943 Kh/a 608 Kh/a
die Temperaturen der Innenbauteile und der intensive technische Zusatzmaßnahmen kann
Raumluft übereinstimmen. Im Sommer keh- in vielen Fällen verzichtet werden.
ren sich die Verhältnisse um; es gilt Ent-
3.4 Raumlufthygiene und thermische sprechendes.
Behaglichkeit

Durch eine Erhöhung der Wärmedämmung 3.5 Bauwerkserhaltung


von Außenbauteilen kann die Gefahr von
Schimmelpilzbildung aber auch bereits vor- Vorgehängte Fassaden in Holzbauweise
handenes Schimmelpilzwachstum bekämpft schützen Bauwerke in mehrfacher Weise. Sie
werden. Da Nährstoffe in üblichen Wandbe- waren seit jeher unverzichtbare Bestandteile
lägen, wie Rauhfaser, oder durch Schmutz- einer Klima gerechten Architektur und Kons-
ablagerungen auf Oberflächen vorhanden truktion und hatten ihren Ursprung in Ge- Abb. 3.6: Infrarot-Thermografieaufnahme Mehrfami-
sind, setzt Schimmelpilzbildung bei ent- bieten mit besonders rauhem Klima (Küsten- lienhaus Ziegel 30 cm, Baujahr 1970: Wärmebrücken
sprechend hohen Materialfeuchten ein. Auf- gebiete, Gebirge). Zwischenwände und Decken und Decken EG und OG

grund der hygroskopischen Eigenschaften


üblicher Baustoffe reicht im Material eine
relative Luftfeuchte von 80% für Schimmel-
pilzwachstum aus. Dies entspricht bei einer
Lufttemperatur von 20° C und 50% r.F. einer
Temperatur an der Bauteiloberfläche von
12,6° C.

Bei der thermischen Behaglichkeit kommt der


Raumlufttemperatur und den Oberflächen-
temperaturen der Umschließungsflächen eine
zentrale Bedeutung zu [14]. Beide Größen
werden vom Wärmeschutz der Gebäudehülle
beeinflusst. Mit zunehmendem Wärmeschutz Abb. 3.5: Erhalt der Bausubstanz durch zweifaches Abb. 3.7: Gebäude wie vor, Innenaufnahme Außen-
nehmen die raumseitigen Oberflächentem- Wirkprinzip von vorgehängten Holzfassaden wand OG, starker Schimmelpilzbefall
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 9
Reihe 1 3 Grundfunktionen von vorgehängten Fassaden
Teil 9
Folge 5

3.6 Corporate Design

Fassaden in Holz bieten im Gebäudebestand


die Möglichkeit, Erhaltung der Bausubstanz
und energetische Modernisierung mit der
Schaffung eines zeitgemäßen Erscheinungs-
bildes zu verknüpfen. Standardisierte Voll-
holz- und Holzwerkstoffsortimente mit einer
Vielzahl verfügbarer Formate, Profile und
Oberflächen unterstützen die Kreativität des
Planers vom Entwurf bis hin zur Ausführung.
Sachlichkeit, klare Formen und ökologische
Verantwortung führen bei Fassaden in Holz
zur Verinnerlichung einer zeitgemäßen Bau-
kultur ebenso wie zur äußerlichen Darstel-
lung. Die gezielte Positionierung und Prä-
sentation von gewerblichen, öffentlichen und
privaten Gebäuden ist mit dem Werkstoff
Holz seit jeher in besonderer Weise möglich.
Abb: 3.9: Sanierung Gebäudefassade eines Versicherungsunternehmens während der Montagearbeiten

Abb. 3.8: Sanierung Fassade Wohngebäude mit Holz-


werkstoffplatten und Glasvorbau
Abb: 3.10: Fassade nach Abschluss der Sanierungsarbeiten

Abb: 3.11: Kombination Holz-Glas und beschichtete Holzwerkstoffplatten für Fassadengestaltung


10 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 3 Grundfunktionen von vorgehängten Fassaden
Teil 9 4 Komponenten von Holzfassaden
Folge 5

4 Komponenten von Holzfassaden

Für die thermische und bauliche Ertüchtigung Neben der Einleitung von Lasten in den Unter-
von Außenwänden im Gebäudebestand mit grund ermöglichen solche Holzquerschnitte
Holzfassaden stehen eine Vielzahl von Kons- einen sicheren und einfachen Ausgleich von
truktionen und Ausführungsvarianten zur Unebenheiten. Je nach gewählter Dimension
Verfügung. Für die Herstellung von Fassaden- von Holz und Dämmung lässt sich mit diesen
elementen erfolgt ein Rückgriff auf Baustoffe Unterkonstruktionen eine hinter- oder unter-
und Produkte, die auch für herkömmliche lüftete Zone zwischen Dämmbereich und
Fassadenkonstruktionen Anwendung finden. außenseitiger Bekleidung herstellen.

Sonderausführungen wie etwa konische


4.1 Unterkonstruktion Profilierung ermöglichen verdeckt liegende
Befestigungssysteme, welche vorzugsweise
Die Unterkonstruktion wird im Regelfall in der Verankerung großformatiger Fassaden-
Holz ausgeführt. In Sonderanwendungen so- elemente ohne sichtbare Befestigung dienen.
wie für die Herstellung von vorgefertigten
Modulen sind Konstruktionen auch in Alu- Kanthölzer und Latten sind nicht nur für die
minium oder nichtrostendem Stahl lieferbar. Aufnahme von Bekleidungen in Holz geeig-
Abb. 3.12: Reihenhaussiedlung mit waagrechter Als weit verbreitete, dabei einfache und be- net, sondern auch für eine Vielzahl weiterer
Brettfassade währte Unterkonstruktionen bei Holzfassa- Baustoffe wie Aluminium, Stahlbleche, Faser-
den, auch für elementweise Vorfertigung, zementplatten und anderes mehr. Unter-
werden Latten oder Kanthölzer mit Recht- konstruktionen in Holz weisen dabei eine
3.7 Zusatzanforderungen eckquerschnitten eingesetzt und mit Mehr- Reihe technischer und wirtschaftlicher Vor-
fachbefestigungen im Untergrund verankert. züge auf:
Neben den aufgezeigten Grundfunktionen Überwiegend liegen die Holzteile unmittelbar
können weitere Aspekte und Anforderungen am Untergrund an. Bei größeren Unebenhei- • gute Verfügbarkeit
in die Investitions- und Realisierungsprozesse ten oder für die Herstellung durchlaufender • kostengünstig
einfließen: Wärmedämmebene) sind Haltewinkel oder • einfache und wirtschaftliche Befestigung
Halteprofile in Alu oder Edelstahl verfügbar. von Bekleidungen aller Art
• Niedrige Investitionskosten • Minimierung von Wärmebrücken durch
• Geringe Unterhaltskosten Handelsübliche Dimensionen für Lattungen günstiges Dämmverhalten
• Gute Austauschbarkeit von Bekleidungs- und Kanthölzer sind hierbei: • keine Korrosion
teilen z.B. bei Verschleiß oder Elementar- 30 mm x 50 mm • unempfindlich gegenüber Luftschadstoffen
schäden 40 mm x 60 mm oder Auswaschsubstanzen
• Steigerung des Verkehrswertes der Immo- 60 mm x 60 mm
bilie 60 mm x 100 mm Für vorgefertigte Fassadenelemente sind zu-
• aktive oder passive Sonnenenergienutzung 60 mm x 120 mm sätzlich Unterkonstruktionen in Metall liefer-
• Ressourcen schonende Materialien und 60 mm x 140 mm bar. Je nach Ausführung lassen sich die
Herstellungsverfahren Bekleidungen auch hier ohne sichtbare Befes-
• Kosten für Rückbau und Entsorgung Diese Standardquerschnitte sind in aller Regel tigung einhängen und nachträglich justieren.
(Materialtrennung, recyclebar) im Handel als technisch getrocknete Ware
• Kurze Montagezeiten (Verkehrsbehinde- (≤ 20%) verfügbar und müssen der Sortier-
rungen, Einschränkungen in der Nutzung klasse S10 DIN 4074-1 entsprechen. Die
während der Baumaßnahmen) Dimensionen 60 x 120 mm und 60 x 140 mm 4.2 Verankerung
• Corporate Identity (sowohl gewerbliche als sind zudem Standardquerschnitte für nicht
auch private Objekte) sichtbares Konstruktionsvollholz (KVH-Nsi) Verankerungen sind Verbindungsmittel, die
mit nochmals erhöhten Sortieranforderun- zur mechanischen Verbindung der Unter-
gen. Die zulässige Holzfeuchte beträgt hier konstruktion mit dem tragenden Untergrund
15+/– 3%, damit lassen sich Konstruktionen dienen. Der hohe technische Stand sowie die
auch mit sehr hohen Anforderungen an die Vielfalt von Fassadenkonstruktionen wäre
Maßhaltigkeit herstellen. Für Brettschalungen ohne moderne Verankerungstechnologien
gelten in Abhängigkeit zur Brettdicke als nicht denkbar. Am Markt herrschen dabei Sys-
Erfahrungswerte die nachstehenden Latten- teme wie Kunststoff-Fassadendübel, Anker,
abstände: Metall-, Verbund- und Injektionsdübel vor. Sie
wurden entsprechend den Anforderungen
Tabelle 4.1: Lattenabstände für Brettschalungen des Verankerungsgrundes sowie der Bau-
Brettdicke (mm) Lattenabstand (mm) praxis entwickelt.
18,0 400
19,5 500
22,0 550 Die Anzahl der erforderlichen Verankerungen
24,0 600 hängt von den aufzunehmenden Lasten der
25,5 700 Fassadenkonstruktion und den übertragbaren
28,0 800 Lasten in den Verankerungsgrund ab.
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 11
Reihe 1 4 Komponenten von Holzfassaden
Teil 9
Folge 5

Tabelle 4.2: Bauaufsichtlich zugelassene Dübel und Setzbolzen 4.3 Dämmung


Bef.-Mittel Abbildung Untergrund
Zur Wärmedämmung bei belüfteten oder
Hinterschnitt- Ungerissener und gerissener hinterlüfteten Außenwandbekleidungen dür-
Dübel Metall Beton, Spannbeton-
Holzplattendecken, Porenbeton
fen nur genormte oder bauaufsichtlich zu-
gelassene Dämmstoffe gewählt werden. Zu-
dem ist eine Eignung für den gewählten
Einsatzzweck nachzuweisen. Die Dämmlage
Sprelzdübel Ungerissener und gerissener
drehmoment- Beton, Spannbeton- wird in Form von Platten oder Matten in
kontrolliert Holzplattendecken vorhandene Dämmgefache passgenau ein-
gesetzt.

Sprelzdübel Ungerissener Beton, leichte Zum Zweck der Belüftung oder Hinterlüftung
wegkontrolliert Deckenbekleidungen in Beton.
Spannbeton-Holzplattendecken verbleibt ein Luftspalt zwischen Vorderseite
Dämmung und Rückseite der Bekleidung. Die
verwendeten Dämm-Materialien haben meh-
Verbunddübel Ungerissener und gerissener rere Aufgaben zu erfüllen:
Beton
a) Windsperre

b) Wärmedämmung
Verbund- Ungerissener und gerissener
Spreizdübel Beton
c) Schalldämmung

d) Feuchteschutz
Injektions- Beton, Ziegel, Kalksand!stein,
Systerne Leichtbeton, Zugzone Dach-
und Deckenplatten Porenbeton
e) Brandschutz

f) Ausgleich von Unebenheiten


Fassadendübei Beton, Ziegel, Kalksandstein,
Kunststoff Leichtbeton, Zugzone Dach- Für die bauphysikalischen Anforderungen ist
und Deckenplatten Porenbeton stets die Gesamtkonstruktion, bestehend aus
Baubestand und zusätzlicher vorgehängeter
Fassade, zu betrachten. Es sind nur solche
Betonschraube Ungerissener Beton, leichte
Deckenbekleidungen in Beton
Dämmstoffe zu verwenden, deren Funktion
bei Feuchtebeanspruchung in der Lüftungs-
zone nicht beeinträchtigt wird. Feuchte em-
pfindliche Dämmstoffe können mit diffusions-
Setzbolzen Ungerissener Beton, leichte offenen, dabei wasserabweisenden Bahnen
Deckenbekleidungen in Beton (sd-Wert < 0,2 m) abgedeckt werden. Geeig-
nete Dämmstoffgattungen sind zunächst
Faserdämmstoffe wie Mineralwolle, Stein-
wolle oder Holzfasern. Als weitere mögliche
Für Verankerungssysteme existieren keine Gruppe werden Schaumkunststoffe verwen-
Normen, sie zählen zu den sogenannten det. Im Falle hoher dynamischer Steifigkeit
„ungeregelten Bauprodukten“ und bedürfen von Platten oder Matten müssen Untergründe
einer Zulassung. mit geringen Unebenheiten vorliegen. An-
dernfalls besteht die Gefahr einer Hinter-
Bisherige „allgemeine bauaufsichtliche Zu- strömung, wodurch die Dämmwirkung er-
lassungen“, welche durch das Deutsche Ins- heblich herabgesetzt oder vollständig
titut für Bautechnik (DIBt) erteilt wurden, aufgehoben werden kann.
werden zunehmend durch „Europäische
Technische Zulassungen“ (ETA) abglöst. Seit Je nach Dämmstoffgattung und Anwen-
1998 haben bereits eine Reihe von Herstellern dungsfall werden die einzelnen Dämm-
für ihre Produkte eine ETA erhalten. Die elemente mit Dämmstoffhaltern mechanisch
Realisierung auch grenzüberschreitender Pro- am Untergrund fixiert. Dämmstoffhalter
jekte wird damit unterstützt. benötigen keine bauaufsichtliche Zulassung,
DIN 18516-1 [19] sieht im Mittel fünf
Halterungen je m2 zu dämmender Fläche vor.
12 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 4 Komponenten von Holzfassaden
Teil 9
Folge 5

4.4 Bekleidung Dauerhaftigkeit solcher Fassaden im wesent- Durch Muliplikation von Diffusionswider-
lichen durch die Erfüllung baulich-kons- standszahl und Schichtdicke (in Meter) wird
Für Fassaden in Holzbauweise werden als Be- truktiver Grundregeln bestimmt wird. Wenn die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke er-
kleidungen Vollholz oder Holzwerkstoffe ein- durch fachgerechte Planung und Ausführung mittelt:
gesetzt. Großformatige Bekleidungselemente eine rasche Abtrocknung vorgehängter Fas-
bedürfen einer allgemeinen bauaufsichtlichen saden in Holz sichergestellt ist, sind Wasser- sd = µ x m [m]
Zulassung. Kleinformatige Elemente (< 0,4 m2, eintritte über Konstruktionsfugen oder Trock-
< 5 kg) werden nach handwerklichen Fach- nungsrisse unschädlich. Sofern bei nicht maßhaltigen Fassaden-
regeln eingebaut. Technische Regelungen zu bekleidungen ein Beschichtungssystem ge-
Konstruktion und Aufbau solcher Fassaden wählt wird, gilt ein sd-Wert von 0,5 (z.B.
finden sich in ATV DIN 18334 Zimmer- und Dünnschichtlasuren) allgemein als ausrei-
Holzbauarbeiten [20]. chend. Für maßhaltige Bauteile wie Fenster
oder Fenstertüren haben sich sd-Werte > 1,5
Bekleidungen in Holz werden wahlweise als nützlich erwiesen.
– überdeckt,
– überlukt, Abweichend zu den Festlegungen nach DIN
– mit Spundung (z.B. Nut-Feder), wird in der europäischen Norm prEN 927
– mit geschlossenen Fugen oder neben diffusionsoffen und diffusionsdichten
– mit offenen Fugen verarbeitet. Beschichtungen mit „semistable“ eine dritte
Gruppe geschaffen, aus der sich die nach-
Offene Fugenausbildungen werden beispiels- stehende Einteilung ableiten lässt:
weise bei großformatigen Holzwerkstoffen
oder Tafelelementen aus gestalterischen
Gründen gewählt. Bei hinterlüfteten Fassaden
stable

00
1,5
Sd-Wert (m) 0

0
nach DIN 18516-1 ist auch bei solchen Kons- 500

15
truktionen eine ausreichende Schlagregen- 1,0 semistable
sicherheit gegeben.
2000
0,5
Kapitel 5 enthält Informationen zur Detail- non stable
planung und -Ausführung, in Kapitel 6 sind 100 200
die wesentlichen Grundarten von Holzfas- Schichtdicke (µm)
saden dargestellt. Abb: 4.2: Zuordnung Anstrichstoffe zu
Abb: 4.1: Stulpschalung in Lärche ohne Anstrichstoffe Diffusionswiderstandsgruppen

4.5 Oberflächenbeschichtung Fassadenkonstruktionen mit großformatigen 4.5.1 Beschichtungssysteme


Holzwerkstoffen erfordern einen erhöhten
Beschichtungen erfüllen an Fassadenbeklei- Schutz vor Feuchteaufnahme, damit Verfor- Am Markt existieren eine Vielzahl von Be-
dungen von Holz drei wesentliche mungen durch Quellen und Schwinden, in schichtungsstoffen. Die Summe aller Einzel-
Funktionen: Abhängigkeit zu den Plattendimensionen schichten wird dabei als Beschichtungssystem
auch Schüsselung, gering gehalten werden. bezeichnet, wobei einzelne Schichten unter-
• Abweisung Niederschlagswasser Ein wirksamer Feuchteschutz ist dabei sowohl schiedliche Funktionen im Gesamtsystem
• Reduzierung der sorptiven Feuchtebelas- in der Bauteilfläche als auch an den Schmal- übernehmen. Die Einzelschichten setzen sich
tung seiten sicherzustellen. Je nach Werkstoff- im Regelfall aus Grundierung und Schluss-
• dekorative Effekte gattung könnten hier andernfalls bei starker anstrich in ein oder zweifachem Auftrag zu-
Witterungsbeanspruchung Kantenquellungen sammen. In Spezialfällen können noch wei-
Fassadenbekleidungen zählen im Allge- („Trompetenbildung“) oder Delaminierungs- tere Zwischenanstriche erforderlich sein.
meinen zu den nicht maßhaltigen Bauteilen, erscheinungen auftreten. Beschichtungssysteme mit spezialisierten Ein-
da sie gegenüber Quell- und Schwind- zelschichten sind grundsätzlich leistungs-
verformungen weitgehend unempfindlich Ein wichtiges Maß für die Dampfdurch- fähiger als Universalsysteme, die bei ein-
sind. Dies gilt insbesondere für kleinformatige lässigkeit von Beschichtungssystemen ist die heitlicher Zusammensetzung alle Aufgaben
Vollholzprodukte wie z.B. Holzschindel, ver- dimensionslose Diffusionswiderstandszahl (µ). wahrnehmen sollen. Neben dem dekorativem
tikal angeordnete Boden-Deckel-Schalungen, Am Markt befindliche Anstrichstoffe können Charakter sind insbesondere Feuchteschutz
horizontale Stülpschalungen oder auf Fuge hierbei grob wie nachstehend eingeteilt bei gleichzeitiger Diffusionsfähigkeit und UV-
angeordnete Leistenschalungen. werden: Schutz von Bedeutung. Auftraggeber und
Auftragnehmer sollten daher auf vollständige
Tabelle 4.3: Diffusionswiderstandszahl von
Anstrichstoffen [28] Beschichtungssysteme achten.
Solche Bekleidungsarten können ohne Be- Beschichtung µ
schichtungen ausgeführt werden, wenn Kunststoffdispersionen 900– 2.000 Aus ökologischen und gesundheitlichen Er-
Verfärbungen bzw. Vergrauungserscheinun- Reinacrylatdispersionen 5.000–10.000 wägungen wird bei Beschichtungen der
gen bewusst in Kauf genommen werden. Alkydharzlacke 15.000–60.000 Lösungsmittelanteil verringert. Bei Wasser
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Öllacke > 20.000 verdünnbaren Produkten, in der Regel Emul-
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 13
Reihe 1 4 Komponenten von Holzfassaden
Teil 9
Folge 5

sionen oder Dispersionen, kann es während schicht auf dem Trägermaterial bilden. Lacke vollkommen wartungsfrei. Damit eine lang
des Anstriches bei Temperaturen unter ca. 5° C können sowohl hoch diffusionsoffen als auch anhaltende Gebrauchstauglichkeit sicherge-
zu Störungen kommen. Auch ist für An- stark diffusionshemmend eingestellt sein. stellt werden kann, sind regelmäßige War-
wendungen an Fassadenbekleidungen zu Daher ist es erforderlich, das jeweilige Produkt tungs- und Instandhaltungsintervalle vorzu-
beachten, dass hier bei der Filmbildung zwei auf das tatsächliche Einsatzgebiet abzu- sehen. Von wesentlicher Bedeutung ist
Stufen durchlaufen werden. Nach Abtrock- stimmen. hierbei die Witterungsbeanspruchung an den
nung des Wassers beginnt die Filmbildung Bauteiloberflächen. In Anlehnung an DIN
durch ein Zusammenfließen der verbleiben- 510010-1 [37] wird zur Beschreibung der
den Bindemittel und Partikel. Je nach An- 4.5.5 Naturfarben Beanspruchung nach Außenraumklima und
strichsystem und Klima kann dieser Vorgang Freiluftklima I und II unterschieden. Unter
bis zu einem halben Jahr dauern. Erst nach Naturfarben werden als Lasuren oder Lacke in Außenraumklima sind Fassaden zu verstehen,
Abschluss dieses Prozesses wird die end- steigender Zahl am Markt angeboten. Sie die z.B. durch große Dachüberstände gegen
gültige Diffusionsdichte erreicht. besitzen gemäß Definition naturbelassene unmittelbare Einwirkungen durch Nieder-
Komponenten, die weder chemisch modifi- schläge, UV-Strahlung oder mechanischem
ziert noch in ihrer natürlichen Struktur ver- Abrieb gesichert sind. Freiluftklima I stellt den
4.5.2 Grundierungen ändert wurden. Anstriche, welche ausschließ- Normalfall dar für Fassaden an Gebäuden bis
lich aus Naturstoffen hergestellt wurden, sind zu drei Geschossen. Exponierte geografische
Grundierungen sind der erste Teil eines voll- selten. Lagen, höhere Gebäude sowie erheblicher
ständigen Beschichtungssystems und bilden Abrieb durch Sand oder Staub werden dem
eine Haftbrücke zwischen Trägermaterial und Freiluftklima II zugeordnet. Abhängig von den
weiteren Anstrichen. Sie können mit Fungi- 4.5.6 Wartungsintervalle klimatischen Voraussetzungen und der ge-
ziden als vorbeugenden Schutz gegen Bläue- wählten Beschichtungsart sind die nach-
oder Schimmelpilze angereichert sein (nicht Wie alle witterungsbeanspruchten Bauteile stehenden Instandsetzungsintervalle an be-
zu verwechseln mit einem vorbeugenden sind auch beschichtete Holzfassaden nicht schichteten Holzfassaden zu erwarten:
chemischen Holzschutz nach DIN 68800-3
[22]. Grundierungen sind transparent oder
Tabelle. 4.5: Instandsetzungsintervalle [24]
pigmentiert und stellen ohne weitere An-
striche noch keinen wirkungsvollen Witte- Beschichtungssystem Außenraumklima Freiluftklima I Freiluftklima II
rungsschutz dar. Grundierungen und die Farblose und gering 5 Jahre 1 Jahr < 1 Jahr
dann folgenden Beschichtungen sind stets pigmentierte Systeme
aufeinander abzustimmen. Erstbeschichtun-
gen bei Vollholz und Holzwerkstoffen sind Dünnschichtlasuren mit 8–10 Jahre 2–3 Jahre 1–2 Jahre
gemäß VOB/C DIN 18363 [23] vor dem ausreichender Pigmentierung
Einbau allseitig auszuführen. Dickschichtlasuren mit 10–12 Jahre 4–5 Jahre 2–3 Jahre
ausreichender Pigmentierung
Deckende Lacke ohne 12–15 Jahre 3–4 Jahre 2–3 Jahre
4.5.3 Lasursysteme fungizider Grundierung
Deckende Lacke mit 12–15 Jahre 5–8 Jahre 4–5 Jahre
Je nach Einstellung werden Lasuren als
fungizider Grundierung
Dünnschicht- (Feststoffgehalt ≤ 30%) oder
Dickschichtlasuren (Feststoffgehalt 30–60%)
angeboten. Je geringer die Pigmentierung,
umso besser bleibt die natürliche Holz-
oberfläche sichtbar. Andererseits sind farblose
oder gering pigmentierte Lasuren aufgrund
des unzureichenden UV-Schutzes für Fassa-
den wenig tauglich. Sägerauhe Holzober-
flächen nehmen dünnflüssige Beschich-
tungen besonders gut auf. Niederviskose
Dünnschichtlasuren sind hier besonders
geeignet. Hochviskose Beschichtungen hinge-
gen bilden Luftpolster, eine ausreichende
Haftfestigkeit an rauhen oder fransigen
Oberflächen wird deshalb nicht erreicht.

4.5.4 Lacksysteme

Lacke sind deckende Anstriche, welche in


vielen Farbtönen erhältlich sind und nach
Aushärtung eine durchgehende Schutz-
14 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 5 Grundlagen für die Planung und ausführung
Teil 9
Folge 5

5 Grundlagen für die Planung und Ausführung

5.1 Baurecht Befestigungen vor, die nicht in Normen oder


bauaufsichtlichen Zulassungen geregelt sind,
Für die Genehmigung von Außenfassaden sind Prüfungen nach Anlage A.3 DIN 18516-1
liegen in den Landesbauordnungen unter- [19] durchzuführen.
schiedliche Regelungen vor. Die nach-
stehenden Faktoren sollten vor der Durch- Auch aufgrund der geringen Empfindlichkeit
führung von baulichen Maßnahmen geprüft bei Schädigungen des früheren Außenputzes
werden: im Gebäudebestand kann die Anbringung
von vorgesetzte Fassaden in Holzkonstruktion
a) Anforderungen in Bebauungsplänen hin- besonders wirtschaftlich sein. Anders als bei
sichtlich des äußeren Erscheinungsbildes Abb: 5.1: Software zur Bemessung von Verankerungen Erneuerung von Putzen oder bei Anbringung
an Fassaden
der Fassade in Struktur und Farbe eines Vollwärmeschutzes kann auf kosten-
intensive Maßnahmen wie vollflächiges Ab-
b) Mögliche Sonderregelungen an Denkmal Im Geltungsbereich von DIN 18516-1 [27] sind schlagen, Armierungen oder sonstige Ertüch-
geschützten Häusern oder in deren um- Fassaden in Holzkonstruktion ausgenommen, tigungsmaßnahmen verzichtet werden.
liegender Bebauung welche nach handwerklichen Regeln errichtet
werden. Hierzu zählen insbesondere Be-
c) Verringerung des Grenzabstandes von kleidungen mit Holzschindeln und horizontal, 5.4 Vermeidung Wärmebrücken
Gebäuden durch Zunahme der Gesamt- vertikal oder diagonal angeordnete Brettfas-
dicke Außenwände zur Außenseite hin saden. Beschreibungen zu Aufbau, Kons- Die Wärmedämmung wird in der Regel
truktion und Befestigung solcher Systeme einlagig verlegt, die einzelnen Platten werden
d) Brandschutz- oder Schallschutzanforderun- sind in VOB/C DIN 18334 [20] enthalten. im Verband dicht gestoßen.
gen, welche sich nach Baurecht oder auf-
grund der baulichen Situation ergeben Für die statische Bemessung der Verankerung Sämtliche Durchdringungen der Dämmebe-
können. werden zwischenzeitlich von namhaften Pro- ne, etwa im Bereich von Verankerungen, sind
duktherstellern Softwareprogramme als mit besonderer Sorgfalt und dicht anzuar-
Rechtzeitige Anfragen bei der zuständigen kostenlose Shareware angeboten. In Stan- beiten, um mögliche Wärmebrücken an
Genehmigungsbehörde beugen späteren dardfällen kann so die Ermittlung der erfor- diesen Stellen zu vermeiden.
Auseinandersetzungen auch im Falle einer derlichen Verankerungstypen und Stück-
vermuteten Genehmigungsfreiheit am besten zahlen stark vereinfacht werden. Größere und zusammenhängende Hohlräu-
vor. me im Übergang zwischen Wandkern und
vorgesetzter Dämmung sind zu vermeiden.
5.3 Untergrundbeschaffenheit Andernfalls können hier Konvektionsströme
5.2 Standsicherheit auftreten, welche die Dämmwirkung erheb-
Die Unterkonstruktion von vorgehängten lich mindern.
Für die statische Bemessung sind Eigenlasten Fassaden wird im Regelfall in das tragende
und Windlasten (DIN 1055-4) [25] sowie Außenmauerwerk verankert. Die Lasten Bei vorhandenen größeren Unebenheiten
in Abhängigkeit zur baulichen Situation werden über Einzelbefestigungen oder (bei können die größten Abweichungen durch
Schnee-, Eislasten oder sonstige Zusatzlasten Holzfassaden vorherrschend) über Unter- Abschlagen oder Auffüllen (z.B. Spachte-
(Gerüste, Leuchtkörper usw.) zu berück- konstruktionen punktweise eingeleitet. Die zu lungen) beseitigt werden. Weiche Dämm-
sichtigen. wählenden Verankerungen, Rand- und Min- stoffe ermöglichen einen besseren Ausgleich
destabstände der Befestigungspunkte sind von Unebenheiten als Systeme mit höherer
In den nachstehenden Fällen ist nach DIN auf die Tragfähigkeit des Untergrundes abzu- dynamischer Steifigkeit. Nach DIN 18516-1
18516-1 [27] die Standsicherheit der Unter- stimmen. Angaben zur Tragfähigkeit von [19] sind Dämmplatten im Mittel mit fünf
konstruktion sowie deren Verankerung nach- häufig verwendeten Untergründen aus Dämmstoffhaltern je m2 Dämmfläche me-
zuweisen: Mauerwerk und Beton finden sich in DIN chanisch zu befestigen.
18516-3 [29]. Auch in den bauaufsichtlichen
• Gebäudehöhe > 8 m Zulassungen für Befestigungsmittel sowie in
• Einzelgröße Bekleidung > 0,4 m2 den Produktbeschreibungen der Hersteller
• Einzelgewicht Bekleidung > 5 kg finden sich Informationen hierzu.

Ist die äußere Bekleidung winddurchlässig, In Kapitel 4.2 der vorliegenden Schrift sind
z.B. aufgrund offener Fugen, so brauchen die diejenigen Verankerungsgründe aufgelistet,
erhöhten Windsoglasten nach DIN 1055-4 zu denen bauaufsichtlich zugelassene Ver-
[25] nicht angesetzt zu werden. bindungsmittel wie Anker, Dübel oder Setz-
bolzen existieren. Liegen unbekannte Mauer-
Die Berechnung der Holzunterkonstruktion werksarten oder solche vor, welche in den
einschließlich der erforderlichen Lattungen Dübelzulassungen nicht erfasst sind (gerade
oder Schalungen, auch in Holzwerkstoffen bei Altbauten häufig der Fall), so sind die
mit oder ohne Konterlatten erfolgt nach DIN aufzunehmenden Lasten im Bedarfsfall vor
1052 [26]. Ort zu ermitteln. Liegen Verbindungen oder Abb: 5.2: Wärmeverluste durch Hinterströmung
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 15
Reihe 1 5 Grundlagen für die Planung und ausführung
Teil 9
Folge 5

Bei der Verwendung von Holz als Material für 5.6 Unterlüftete Fassaden Ausgehend von ca. 10% Holzfeuchteände-
die Unterkonstruktion sind Wärmebrücken- rung zwischen Minimum und Maximum und
effekte in diesen Bereichen aufgrund der Für senkrecht verlaufende Brettschalungen den obigen Tabellenwerten ist deshalb von
vorzüglichen Wärmedämmeigenschaften im nach handwerklichen Regeln werden als Un- den nachstehenden Verformungen auszu-
Regelfall vernachlässigbar gering. Bei Unter- terkonstruktion häufig einlagige, horizontal gehen:
konstruktionen in Aluminium oder Stahl sind verlaufende Lattungen gewählt. Zwischen
wegen der erhöhten Wärmeleitfähigkeit in Rückseite Bekleidung und Untergrund ent- a) Fassadenbrett in Vollholz, vertikal oder
Abhängigkeit zu den baulichen Gegeben- steht ein Luftpolster, eine systematische Hin- horizontal liegend:
heiten mögliche Wärmebrückeneffekte stets terlüftung nach DIN 18516-1 [19] liegt hier b = 160 mm, l = 4000 mm
zu beachten. nicht vor. Aufgrund baupraktischer Erfahrun- ∆b = 160 x 10% x 0.24%/% = 3,8 mm
gen sind aufgrund der Pumpwirkung bei ∆l = 4000 x 10% x 0.01%/% = 4 mm
Wind keine Einschränkungen in der Nut-
5.5 Hinterlüftete Fassaden zungsdauer zu erwarten, wenn die nach- b) Geschosshohe 3-Schicht-Platte, Faserrich-
stehenden konstruktiven Anforderungen er- tung Sichtfläche vertikal verlaufend:
Vorgehängte Fassaden mit wirksamer Hinter- füllt sind: b = 1250 mm, h = 2800 mm
lüftung nach DIN 18516-1 [19] erreichen nach ∆b = 1250 x 10% x 0.02%/% = 2,5 mm
dem heutigen Stand von Wissenschaft und • Lichter Abstand zwischen Rückseite Be- ∆h = 2800 x 10% x 0.02%/% = 5,6 mm
Praxis die höchste Funktionssicherheit und kleidung und Dämmung bzw. Mauerwerk
Dauerhaftigkeit. Mit diesen sogenannten ≥ 20 mm (= Dicke Querlattung) Die Anordnungen von Fassadenbekleidungen
VHF’s (vorgehängte hinterlüftete Fassaden) • ungehinderter Wasserablauf an vertikalen in Holz sind daher so zu wählen, dass
wird Baufeuchte reduziert, eventuell ein- Stößen und Übergängen sowohl an der Zwängungen bei Feuchteaufnahme vermie-
dringende Niederschläge werden auf einfache Vorder- als auch Rückseite der Fassaden- den werden und im trockenen Zustand an
Weise abgeleitet. Durch die kapillare Tren- bretter oder Leisten den Stößen und Übergängen noch aus-
nung von Bekleidung und Wandkern wird reichende Überdeckungen verbleiben. Bei der
Tauwasser aus dem Innenbereich oder der Verwendung von Holzwerkstoffplatten, auch
Rückseite Bekleidung ebenfalls rasch und 5.7 Verhalten gegenüber bei großformatigen Ausführungen, liegen die
sicher abgeführt. Feuchteschwankungen zu erwartenden Verformungen im Millimeter-
bereich.
Folgende bauliche Voraussetzungen müssen Der Wechsel von Feuchteeinwirkung und
an Fassaden in Holzkonstruktion erfüllt sein, Abtrocknung führt bei Fassadenbekleidungen Bei der Ausführung üblichen Fugen an den
damit eine wirksame Hinterlüftung im Sinne in Vollholz und Holzwerkstoffen zu Größen- Stoßstellen sind die zu erwartenden Format-
der DIN 18516-1 [19] vorliegt: änderungen durch Quellen und Schwinden. änderungen völlig unkritisch. Für senkrechte
Die zu erwartenden Verformungen können in Stülpschalungen, welche nach handwerk-
• Lichter Abstand zwischen Bekleidung und Abhängigkeit zu Holzart und Bekleidungstyp lichen Regeln VOB/C DIN 18334 [20] verbaut
Dämmung bzw. Mauerwerk ≥ 20 mm rechnerisch ermittelt und in der Detailplanung werden, sind die Überdeckungen jeweils min-
• Örtlich darf der Abstand durch Unter- berücksichtigt werden. Die nachstehende destens 20 mm breit zu wählen. Der lichte
konstruktion, Wandunebenheiten oder Tabelle listet für häufig verwendete Werk- Abstand der Einzelbretter in der 1. Lage muss
dergleichen auf 5 mm reduziert werden stoffgattungen die zugehörigen Quell- und mindestens 20 mm betragen.
• Be- und Entlüftungsöffnungen sind zumin- Schwindwerte in % je % Holzfeuchteän-
dest am Gebäudefußpunkt und am Dach- derung in Abhängigkeit zur Faserrichtung. Bei
rand je lfm Wand mit mindestens 50 cm2 Holzwerkstoffen gilt hierbei die Faserrichtung 5.8 Verhalten gegenüber
vorzusehen von Deckfurnier oder Decklage : Temperaturschwankungen

Lüftungsöffnungen mit mehr als 20 mm Tabelle 5.1: Normwerte Quell- und Schwindmaße Bei Temperaturschwankungen unterliegen
Breite sind nach VOB/C DIN 18351 „Fas- Material Quell- u. Schwindmaß in %/% alle gebräuchlichen Baustoffe Dimensions-
längs quer
sadenarbeiten“ [32] mittels Lüftungsgittern veränderungen. Nach DIN 18516-1 [19] Punkt
Vollholz 0.01 0.24
gegen Kleintiere und Insekten zu schützen. Dreischicht-Platte 0.02 0.02
5.2.2 sind bei Außenwandbekleidungen
Die notwendigen Hinterlüftungsquerschnitte Fassaden-Sperrholz 0.02 0.02 Schwerpunktstemperaturdifferenzen zwischen
nach DIN 18516-1 [19] beziehen sich hierbei Furnier-Schichtholz 0.01 0.03 der Temperatur bei der Montage (i.d.R. +10°
auf den freien Querschnitt von Lüftungs- Zementgebundene C) und Grenztemperaturen von –20° C und
gittern, der luftundurchlässige Massivanteil ist Flachpressplatten 0.03 0.03 +80° C zu berücksichtigen. Der Längenaus-
in Abzug zu bringen. dehnungskoeffizient α ist bei Nadelhölzern
In Abhängigkeit zu Himmelsrichtung, herr- deutlich geringer als bei weiteren Fassa-
schendem Klima und Dachüberständen kann denbaustoffen. Ein Anstieg der Temperatur
bei Fassaden in Holzkonstruktion in unseren verursacht bei Holz zudem eine Absenkung
Breitengraden von einem Feuchtegehalt der Holzfeuchte und somit Schwund, wo-
zwischen 10 und 20%, Mittelwert 4%, aus- durch Dimensionsvergrößerungen in der
gegangen werden, wobei in Extremfällen Praxis fast vollständig kompensiert werden.
noch eine kurzfristige Überschreitung möglich Ausgehend von dem Beispiel einer ge-
ist. Die Verbaufeuchte von Bekleidungsteilen schosshohen Fassadenplatte b x h = 1250 x
liegt im Idealfall deshalb im Bereich 14 +/– 2%. 2800 mm finden sich in der nachstehenden
16 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 5 Grundlagen für die Planung und ausführung
Teil 9
Folge 5

Tabelle die Veränderungen der Abmessungen • Mischfassaden aus abschnittsweise brenn- – Beschreibung der Unterkonstruktion mit
in Breite und Höhe, bezogen auf die Grenz- baren und nicht brennbaren Bekleidungen Baustoffen, Sortierung, Abmessungen, Ver-
temperaturen DIN 18516-1 [19] (Nadelholz legeabstand
ohne Kompensation durch Quellen und • Unterbrechnung bzw. Minimierung des
Schwinden): Hinterlüftungsquerschnittes – Beschreibung der Verbindungsmittel, Befes-
tigungen und Verankerungen nach Art,
Tabelle 5.2: Verformungen Fassadenelemente durch • Schutz der Rettungswege vor herabfallen- Werkstoff, Anzahl und Anordnung
Temperaturschwankungen
den Fassadenteilen (z.B. Eingangsüber-
Material Verformungen in mm bei
–20° C +80° C dachungen) – Fugen entsprechend gestalterischen Vor-
b/h b/h gaben, soweit erforderlich Dehnfugen in
Nadelholz –0.2 / – 0.4 + 0.5 / + 1.0 Unterkonstruktion und Bekleidung
Aluminium –0.9 / – 2.0 + 2.1 / + 4.7 5.10 Schallschutz
Edelstahl V2A –0.6 / – 1.3 + 1.4 / + 3.1 – Beschichtungssystem mit Beschaffenheit
Plexiglas –3.0 / – 6.7 + 7.0 / +15.7 Zur Bewertung des Schallschutzes ist das und Zahl der einzelnen Beschichtungsarten
Polyvinylchlorid (PVC) –6.4 / –14.3 +14.9 / +33.3 jeweilige Gesamtsystem, bestehend aus
Wandkern und vorgehängter Fassade, maß- – Angaben zur Beschaffenheit und Aus-
geblich. Fassaden in Holz wirken sich in der führung von Lüftungsebenen (Hinterlüf-
Regel positiv auf den Schallschutz aus. Bei tung, Unterlüftung)
5.9 Brandschutz Wänden schwerer Bauart, welche im
Gebäudebestand überwiegend anzutreffen
Die Landesbauordnungen regeln entspre- sind, ist eine größere Verbesserung zu er-
chend den Gebäudehöhen und Abstands- warten als bei Leichtbauten. Bei rechne-
flächen Brandschutzanforderungen an die rischen Nachweisen sollte eine vorgehängte
Fassadenbaustoffe. Bei der Gebäudehöhe Fassade unberücksichtigt bleiben, da spätere
exisitieren drei Anforderungsgruppen: bauliche Veränderungen in diesem Bereich zu
wiederum anderen Ergebnissen führen
a) Gebäude geringer Höhe (Fußbodenober- können.
kante des obersten Geschosses ≤ 7 m über
dem Gelände) Anforderungen und Ausführungsbeispiele
sind DIN 4109 [34] sowie den Beiblättern 1
Fassadenbekleidungen benötigen die und 2 [35, 36] zu entnehmen.
Baustoffklasse B2 (normal entflammbar)
nach DIN 4102-4 [33]. Sämtliche Sortimen-
te von Vollholz und Holzwerkstoffen
erfüllen diese Anforderungen. 5.11 Leistungsbeschreibung

b) Gebäude mittlerer Höhe (≤ 22 m) In Leistungsbeschreibungen sowie Ausfüh-


rungsplänen sind zum Zweck einer bau-
Alle Fassadenbaustoffe müssen mindestens technisch einwandfreien, dauerhaften und
Baustoffklasse B1 (schwer entflammbar) wirtschaftlichen Erstellung von vorgehängten
aufweisen. Mögliche Werkstoffe sind Ze- Fassaden in Holz die nachstehenden Angaben
ment gebundene Flachpressplatten, z.Zt. erforderlich:
weiterhin eine mit Flammschutzmitteln
imprägnierte Furnierschichtholzplatte – Gebäudehauptmaße

c) Hochhäuser (> 22 m) – Einzelaufmaße Fassadenteile

Verwendung nicht brennbarer Baustoffe. – Zahl, Größe und Form von Aussparungen,
Befreiungen bei Vorlage geeigneter Brand- Durchdringungen
schutzkonzepte sind möglich. Sie können
u.a. die nachstehenden baulichen und – Anzahl, Länge und Art von Bauwerks-
konstruktiven Regeln beinhalten: anschlüssen und Übergängen (Schwelle,
Geschosstrennung, Laibungen, Dachan-
• Quellbänder zur Unterbrechung des Hinter- schluss, Gebäudeecken)
lüftungshohlraumes im Brandfalle
– Verankerungsgrund nach Art und Material-
• Nicht brennbare, durchlaufende und aus- dicke, Stein- oder Betonfestigkeitsklasse,
kragende Bauteile (z.B. Balkone) Mörtelgruppe

• Automatische Löschhilfeanlagen (z.B. – Ebenheitsabweichungen Außenhaut Ge-


Sprinkler) bäudebestand
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 17
Reihe 1 6 Bauarten
Teil 9
Folge 5

6 Bauarten

6.1 Vollholzfassaden oder parallel gesägte Sortimente verfügbar.


Neben Rechteck und Biberschwanz sind
Vollholzfassaden werden aus den Nadel- weitere Zierformen erhältlich. Die Verlegung
holzarten Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Dou- erfolgt mindestens 2-lagig auf einem Latten-
glasie und Zeder hergestellt. Bei Brettfassaden rost. Als Befestigungsmittel sind ausschließ-
werden die einzelnen Bretter waagrecht, lich nichtrostende Stähle nach DIN 17440,
senkrecht oder diagonal verlegt. Eine Son- Werkstoffnummer 1.4301, zulässig.
derform von Vollholzfassaden sind Holz-
schindel in mindestens 2-lagiger Anordnung.
Neben Nadelhölzern findet hier auch Eichen- 6.1.2 Geschlossene Brettschalungen
holz Verwendung.
Geschlossene Brettschalungen werden aus
ungehobelten oder gehobelten Brettern her-
6.1.1 Holzschindel gestellt. Bei gehobelter Ausführung sind sie
4-seitig glatt gehobelt (Glattkantbretter),
Gespaltene Holzschindel zählen zu den gespundet (mit Nuten versehen), mit Nut-
ältesten und zugleich dauerhaftesten Fassa- Feder-Verbindung oder in Sonderprofilen aus-
denbekleidungen. Zusätzlich zu dieser tradi- geführt.
tionsbehafteten handwerklichen Herstellung
sind industrielle, nach DIN 68119 konisch Die Mindestdicke von Brettschalungen be-
trägt 18 mm, Maximalbreite 200 mm. Zur Re- Abb. 6.3: Lamellenschalung Holzart Lärche
duzierung von Verformungen ist eine Bau-
teilbreite ≤ 160 mm zu empfehlen. Bei Neben Witterungsschutz und dekorativer
sichtbarer Befestigung ist nichtrostender Stahl Wirkung eignen sich Lamellenschalungen aus
(Werkstoffnummer 1.403 nach DIN 17740) zu Holz ganz hervorragend als Sonnenschutz-
verwenden, bei landwirtschaftlichen Gebäu- elemente. Bei einer konstruktiven Anordnung
den sind auch feuerverzinkte Sortimente zu- nach Abbildung 6.4 exemplarisch für den 48.
lässig. Einige wichtige handwerkliche Regeln Breitengrad (etwa die Achse Freiburg–
für die Ausführung von Brettbekleidungen München) während der Sommermonate bei
beinhaltet VOB/C DIN 18334. hoher Lichteinfallquote die direkte Sonnen-
einstrahlung weitgehend unterbunden
Brettschalungen als äußere Fassadenbeklei- werden. Unter Verwendung handelsüblicher
dungen eignen sich sowohl für handwerklich Brettdimensionen erfolgt im Zeitraum
errichtete Fassaden als auch industriell vor- zwischen 21. April und 21. August von 9–15
Abb. 6.1: Holzschindelbekleidung in Lärche gespalten gefertigte Elemente. Uhr eine vollständige Abschirmung der
direkten Sonneneinstrahlung (Einstrahlwinkel
β ≥ 37°).
6.1.3 Lamellenschalungen
Nochmals weitergehende Einsatzmöglichkei-
Horizontal auf Fuge verlegte Fassadenbe- ten liegen dann vor, wenn die einzelnen
kleidungen werden aus Brettern oder Leisten Lamellen verstellbar ausgeführt werden.
hergestellt, hierbei kommen wahlweise säge- Durch geeignete Sensorik und Antriebs-
rauhe, egalisierte oder gehobelte Sortimente elemente ist hiermit eine sehr weitgehende
zur Auswahl. automatische Unterstützung des Wärme-

Abb. 6.2: Ausführungsbeispiele geschlossene


Brettschalungen Abb. 6.4: Abschirmung direkte Sonneneinstrahlung durch geneigte Lamellenschalung
18 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 6 Bauarten
Teil 9
Folge 5

stoffe, soweit sie nicht durch Normen geregelt


sind, bedürfen auch für Anwendungen im
Fassadenbereich einer bauaufsichtlichen Zu-
lassung. Die Mindestdicke nach VOB/C DIN
18334 [20] beträgt 12 mm. Holzwerkstoffe
für den Einsatz als Fassadenbekleidungen
zählen zu den begrenzt maßhaltigen Bau-
teilen und entsprechen der Holzwerkstoff-
klasse 100 bzw. Beanspruchungsklasse 2
nach DIN 50010-1 [37]. Sie sind durch ge-
eignete Beschichtungssysteme gegen über-
höhte Feuchteaufnahme zu schützen (vgl.
Kapitel 4.5).

Aufgrund der großen handelsüblichen Bau-


teildimensionen (Breiten bis ca. 200 cm,
Längen bis 600 cm, noch größere Sonder-
formate lieferbar) eignen sich Holzwerk-
stoffplatten in besonderer Weise zur Her-
stellung von Fassadenelementen. Das Quell-
und Schwindverhalten fällt geringer aus als
bei Vollholz, auch bieten diese Platten er-
weiterte Gestaltungsmöglichkeiten. Die Be-
Abb. 6.5: Fassadenelemente mit Lamellen, verfahr- und verstellbar festigung erfolgt wahlweise verdeckt oder
sichtbar. Vorzugsweise werden die nach-
schutzkonzeptes sowohl im Sommer als auch 6.2 Fassadenelemente mit stehenden Holzwerkstoffgattungen als Fassa-
im Winter möglich. Holzwerkstoffen denbekleidungen eingesetzt:

Abbildung 6.5 zeigt ein verstell- und ver- Holzwerkstoffplatten, im Innenbereich von • Massivholzplatten als 3- oder 5-Schicht-
fahrbares Gesamtsystem, bestehend aus Gebäuden vielfach zur Scheibentragwirkung platten. Die Bretter der Mittellagen sind für
mehreren Einzelrahmen in Aluminium mit bzw. Aussteifung eingesetzt, finden zuneh- diese Anwendungsfälle auch an den Schmal-
feldweise regelbaren Lamelleneinheiten (hier men Anwendung auch als Fassadenbe- seiten zu verkleben. Baustoffklasse B2.
Thermoholz). Der Wechsel von waagrechten kleidung. Grundlagen des baulichen Holz-
und senkrechten Lamellengruppen verleiht schutzes nach DIN 68800-2 [18] sind auch bei • Massivholzplatten als 3- oder 5-Schicht-
der Architektur dieses Gebäudes in Holz- Holzwerkstoff-Fassaden anwendbar, auf platten. Die Bretter der Mittellagen sind für
tafelbauweise eine besondere Note. einen vorbeugenden chemischen Holzschutz diese Anwendungsfälle auch an den Schmal-
kann außer in Ausnahmefällen verzichtet seiten zu verkleben. Baustoffklasse B2.
Lamellenschalungen erfreuen sich sowohl bei werden. Es sind entsprechende Material-
Neubauten als auch im Gebäudebestand normen, Güterichtlinien sowie bauaufsicht- • Fassadensperrholz aus kreuzweise verkleb-
zunehmender Beliebtheit. Zugleich sind diese liche Zulassungen zu beachten. Holzwerk- ten, ca. 1,5–2,5 mm dicken Schälfurnier-
Konstruktionen für die Vorfertigung von
Elementen bestens geeignet. Hierbei sollten
die nachstehenden Grundregeln Beachtung
finden:

• Lichter Abstand zwischen den einzelnen


Lamellen ≥ 10 mm
• Vermeidung von stumpfen Stößen und An-
schlüssen
• Abschrägung der oberseitigen Schmalfläche
für beschleunigten Wasserablauf
• Hinterlüftete Konstruktionen nach DIN
18516-1
• Zusätzliche wasserführende Schicht hinter
Bekleidung und Luftzwischenraum

Abb. 6.6: Geschosshohe Fassadenplatten mit 3-Schicht-Platten


holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 19
Reihe 1 6 Bauarten
Teil 9
Folge 5

Abb. 6.7: Kombination Holzwerkstoffplatten farbig Abb. 6.8: Kombination Holz-Glas-Fassade mit zementgebundenen Flachpressplatten, farbig beschichtet
beschichtet und senkrechten Holzleisten

lagen. Für den Einsatz als Fassadenbeplan-


kung sind Sortimente mit wetterfester
Verklebung sowie speziell sortierten Fur-
nierlagen lieferbar. Baustoffklasse B2

• Furnierschichtholz besteht aus 3 mm dicken


Furnierlagen. Lieferbar mit Kesseldruck-
imprägnierung sowie Zusätzen von Flamm-
schutzmitteln. Baustoffklasse B2, mit be-
sonderer Imprägnierung und Zulassung B1.

• Zementgebundene Flachpressplatten, her-


gestellt aus Nadelholzspänen, welche mit
Portlandzement gebunden werden. Für den
Fassadeneinsatz werden grundierte oder
endbehandelte Sortimente angeboten. Bau-
stoffklasse produktabhängig B1 oder A2.

6.3 Holz-Glas-Fassaden
Abb. 6.9: Kombination Holz-Glas-Fassade mit Abb. 6.10: An- und Neubau einer Holz-Glas-Fassade in
3-Schicht-Platten Holzart Douglasie, farbig beschichtet Kombination mit beschichteten Holzwerkstoffplatten
Für innovative Gebäudekonzepte finden Holz-
Glas-Fassaden ebenfalls verstärkt Anwen-
dung. Die Grundanforderungen

• Funktionalität
• Witterungsschutz
• Gebrauchstauglichkeit und
• Ästhetik

lassen sich mit diesen baulichen Anordnun-


gen in besonderer Weise verbinden und opti-
mieren. Die Grundkonstruktion besteht aus
horizontalen und vertikalen Holzprofilen,
Glasfeldern sowie Halte- und Verbindungs-
systemen. Die Konstruktion verläuft wahl-
weise über die gesamte Fassadenhöhe (Pfos-
ten-Riegel-Bauweise), auch ist die Herstellung
z.B. geschosshoher Elemente möglich.
Entsprechend der bauphysikalischen Wirk-
weise wird unterschieden in Warm-, Kalt-,
Zweite-Haut-Fassade sowie Mischformen, vgl.
Abbildung 6.11. Abb: 6.11: Bauphysikalische Wirkungsweise Holz-Glas-Fassaden
20 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 6 Bauarten
Teil 9
Folge 5

6.4 Transparente Wärmedämmung 6.5 Solarfassaden

Transparente Wärmedämmsysteme, kurz TWD Vergleichbar mit TWD´s wird zunächst als
genannt, eignen sich insbesondere für die äußere Bekleidung eine transparente Dämm-
Sanierung von Massivaußenwänden mit ebene vorgesetzt. Zwischen Bekleidung und
hoher Wärmespeicherkapazität. Durch den Wandkern verbleibt ein Luftzwischenraum, in
Einsatz transparenter, dabei lichtdurchlässiger welchen Solarwaben gestellt werden. Je nach
Dämm-Materialien wird eine passive Nutzung Sonnenstand erfolgt die Umwandlung von
der Sonnenenergie möglich. Abbildung 6.12 Sonnenenergie in Wärme überwiegend an
zeigt die prinzipielle Wirkungsweise einer der Wabe oder am dahinter befindlichen
solchen Anordnung: Mauerwerk.

Anders als bei opaken (= nicht transparenten) In den Wintermonaten mit tiefstehender
Oberflächen lässt eine außenseitig vorge- Sonne dringt die Strahlung zum Wandkern
setzte transparente Dämmschale den Großteil durch und führt dort zur gewünschten
der auftreffenden Solarstrahlung durch. An Umwandlung in Wärmeenergie. Bei hohem
der dahinter befindlichen Wand wird diese Sonnenstand in den Sommermonaten trifft
Strahlung in Wärme ungewandelt (Absorber- die Strahlung auf die Wabenoberfläche, wird
prinzip), das Mauerwerk wirkt damit als dort umgewandelt und zum größten Teil über
Wärmespeicher. die Verglasung wieder nach außen ab-
gestrahlt (vgl. Kapitel 8, Projekt LEG).
Der Transmissionswiderstand zur Außenseite
ist wegen der vorgesetzten Dämmschale
deutlich höher als zur Raumseite. Die Erwär-
mung der Wandaußenseite führt deshalb Zeit
verzögert zu einem Temperaturanstieg der
Wandoberflächen auch im Innenbereich. Da-
Abb. 6.13: Wirkungsprinzip Solarfassade
mit im Sommer unbehaglich hohe Oberflä-
chentemperaturen vermieden werden, sind in
der Regel temporäre Sonnenschutzeinrich-
tungen vorzusehen. Hierzu zählen automa-
tische oder manuelle Verschattungssysteme,
weiterhin baulich-konstruktive Maßnahmen.

Als Materialien für TWD’s werden PMMA


(Polymethylmethacrylat, z.B. „Plexiglas“), PC
(Polycarbonat, z.B. „Markrolon“), Glas sowie
Silica-Aerogele (derzeit nur in Forschungs-
vorhaben) eingesetzt.

Abb. 6.14: Solarwabe

Abb. 6.12: Wirkungsprinzip transparenter Wärmedämmung


holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 21
Reihe 1 7 CAD-CAM-Technologien im Gebäudebestand
Teil 9
Folge 5

7 CAD-CAM-Technologien im Gebäudebestand

Nach Stand der Technik fallen Arbeits- 7.2 CAD-Planung


leistungen zur Erneuerung von Fassaden im
Gebäudebestand überwiegend an der Bau- Die obig genannten Systeme zur Gebäude-
stelle an. Neben unverzichtbaren Aufmaß- erfassung besitzen Schnittstellen zu CAD-
arbeiten sind hier insbesondere die Aus- Systemen. Für eine weitgehend auto-
gleichs-, Anpass- und Montageleistungen vor matisierte Übernahme der Bauwerksdaten in
Ort zu nennen. Stets in Abhängigkeit von die Werks- und Ausführungsplanung sind
Bausubstanz, gewählter Fassadenart und ört- weitere Entwicklungsarbeiten sinnvoll und
lichen Gegebenheiten übersteigen die Auf- möglich.
wändungen für Arbeitsleistungen die Mate-
rialkosten um ein Mehrfaches. Notwendige Nach Übernahme der Fassadenkonturen
Baugerüste führen insbesondere in Innen- erfolgt die Werks- und Detailplanung mit
städten oder Plätzen mit dichter Bebauung zu Abb. 7.1: Software für Mehrbildauswertung geeigneten CAD-Systemen in 21/2 oder 3D.
Behinderungen. Vergleichbar mit der Planung von Tafel-
elementen an Neubauten werden Bauteil-
Nachstehend werden Verfahren und Techno- 7.1 Berührungslose Gebäudeerfassung schichten definiert, Stiel- und Gefachbereiche
logien für die Erstellung von Fassadenmo- festgelegt sowie Stücklisten und Pläne
dulen aufgezeigt, mit denen Kosten intensive Für die digitale, berührungslose Gebäudeer- erstellt. Auch können hiermit die Abbund-
Baustellenarbeiten auf einen Bruchteil des fassung stehen zwei Grundsysteme zur Ver- daten für marktgängige CNC-Fertigungs-
bisherigen Umfanges reduziert werden fügung, welche in der Praxis teilweise auch in anlagen ermittelt und ausgegeben werden.
können. Hierzu sind die folgenden Teilschritte Kombination Anwendung finden.
erforderlich:

• Anstelle von Einzelteilen werden passge- 7.1.1 Fotogrammetrie


naue vorgefertigte Module an die Baustelle
geliefert Einzelne Fassaden oder Bauwerksabschnitte
• Die notwendige sehr exakte Gebäudever- werden mit hochauflösenden, hochpräzisen
messung erfolgt elektronisch, dabei be- Kameras wahlweise analog oder digital unter
rührungslos Verwendung von Referenzpunkten und
• Die Werks- und Ausführungsplanung er- -Strecken abfotografiert.
folgt mit CAD, wobei auf verkorisierte
Daten des Gebäudebestandes zurückge- Mit Hilfe durchaus komplexer Software-
griffen wird Systeme werden im Nachgang die einzelnen
• Die Vorfertigung der Module kann wahl- Bilder bzw. Bauwerkssegmente zugeordnet,
weise handwerklich oder mit CNC-Ferti- entzerrt und abgeglichen.
gungseinrichtungen erfolgen
• Die Endmontage der vorgefertigten
Module vor Ort geschieht mittels LKW- 7.1.2 Polare Messtechnik
Kränen und verfahrbaren Arbeitsbühnen
• Auf Fassadengerüste wird vollständig ver- In mehreren Achsen bewegliche und elek-
zichtet tronisch steuerbare Geodimeter erfassen
unter Verwendung von Messmarken und
natürlichen Punkten einzelne Fassaden und
Für die einzelnen Verfahrensschritte sind die Bauwerksabschnitte. Dies erfolgt dreidimen-
notwendigen Technologien teils vorhanden, sional nach Punkten, Linien und Profilen. Abb. 7.2: Grundprinzip berührungslose 3-D-Erfassung
teils müssen noch Entwicklungsarbeiten ge- von Gebäuden mittels Lasermesstechnik
leistet werden. Holzkonstruktionen sind auf- Abbildung 7.2 zeigt eine solche prinzipielle
grund ihres geringen Gewichtes bei Anordnung.
gleichzeitig hoher Stabilität für diese neuen
Technologien geradezu prädestiniert. Verfüg- Software gestützt werden Abgleichungen,
bare CAD-CAM-Technologien, welche derzeit Entzerrungen und weitere vermessungstech-
im Neubau-Bereich Anwendung finden, nische Berechnungen vorgenommen.
können für diese Prozesse angepasst werden.
Am Beispiel einer Musterfassade (Giebelwand
Angesichts einer wachsenden Zahl von kleines Einfamilienhauses) können die ein-
sanierungsbedürftigen Wohnungen und Ge- zelnen Vorgänge erläutert werden. Zusätzlich
bäuden können hier aus Sicht der Forst- und zu den Gebäudekonturen lassen sich mit Hilfe
Holzwirtschaft ebenso innovative wie profi- der Laser-Messtechnik Unebenheiten von
table neue Märkte erschlossen werden. Fassaden erfassen und dokumentieren. Gitter-
oder Isohypsendarstellungen sind hieraus
ableitbar. Abb. 7.3: Entzerrte Bildaufnahme Giebelwand
22 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 7 CAD-CAM-Technologien im Gebäudebestand
Teil 9
Folge 5

7.3 CNC-Fertigung

Moderne, numerisch gesteuerte Fertigungs-


einrichtungen zur Vormontage von Holz-
tafelelementen, wie sie für Neubauten ein-
gesetzt werden, ermöglichen auch die
Herstellung von Fassadenmodulen. Gebäu-
deerfassung, Ausführungsplanung und Vor-
fertigung können dabei örtlich getrennt
erfolgen. Die Herstellung der Module in
mechanisierten Fertigungszentren wird auf
diese Weise unterstützt.
Abb. 7.4: Gitter- und Isohypsendarstellung Musterfassade

7.4 Montage

Die weitgehend vorgefertigten Fassaden-


module werden an die Baustelle transportiert
und mit mobilen Kränen an den Be-
stimmungsort gehoben. Für die Befestigung
am Gebäudebestand sind Einzel- oder Mehr-
fachverankerungen möglich. Die Befesti-
gungsmittel sind dabei wahlweise sichtbar
oder verdeckt. Auch Einhängesysteme mit
nachträglicher Justiermöglichkeit können An-
wendung finden.

Abb. 7.5: Programmstudie CAD-Planungswerkzeug für Fassadenelementierung


Abb. 7.7: Darstellung von Fassadenmodulen
CAD in 3D

Abb. 7.8: 3-D-Darstellung von Fassadenmodulen mit


Unterkonstruktion, Dämmung und Bekleidung

Abb. 7.6: Mechanisierte Fertigung Holzriegelkonstruktion für Tafelelemente


holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 23
Reihe 1 8 Holztafelelemente zur Erneuerung
Teil 9 der Gebäudehülle
Folge 5

8 Holztafelelemente zur Erneuerung der Gebäudehülle

Anstelle einer thermischen oder sonstigen


baulichen Ertüchtigung alter Bausubstanz ist
bei geeigneten Objekten ein vollständiger
Austausch der alten Außenwandkonstruktion
gegen Holztafelelemente möglich („In-Fill“).
Durch weitgehende Vorfertigung der Module
in überdachten Fertigungshallen lassen sich
Kosten intensive Arbeitsaufwändungen an
der Baustelle auf ein Minimum reduzieren.
Insbesondere modular konzipierte, mehrge-
schossige Gebäude eignen sich für solche
Maßnahmen. Die Konstruktion der einzelnen
Module im Hinblick auf

• äußerliches und inneres Erscheinungsbild


• Gesamt-Bauteildicke
• Bauwerksanschlüsse
• Wärme-, Schall- und Brandschutz
• tragende/aussteifende Wirkung Abb. 8.1: Mehrgeschossiger Plattenbau vor Beginn der Sanierungsmaßnahmen
• evtl. Installationsführung und
• Auswahl der Baustoffe

kann objektbezogen sehr individuell in den


verschiedensten Holzbaukonstruktionen er-
folgen.
Die Abbildungen 6.16 bis 6.19 zeigen eine
Umbaumaßnahme der Landesentwicklungs-
Gesellschaft LEG Thüringen in Erfurt. Die
Stahlbeton-Außenwände eines Plattenbaues
wurden durch vollständig vormontierte Groß-
tafelelemente in Holzrahmenbauweise er-
setzt. Die außenseitige Bekleidung der Wände
erfolgte mit Solarfassaden.

Abb. 8.2: Mit Holztafelelementen erneuerte Stirnseite des Plattenbaues. Noch offene Fassade an der Längsseite

Abb. 8.3: Positionierung eines geschosshohen Holztafelelementes an der offenen Fassade


24 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 8 Holztafelelemente zur Erneuerung
Teil 9 der Gebäudehülle
Folge 5

Bürosanierung LEG, Erfurt


Bauherr:
Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen
Architektur:
Dipl.-Ing. T.Zill, Dipl.-Ing. N. Lippe, LEG
Holzbau:
Obermayr, A-Schwanenstadt
Solarfassade:
gap-solar GmbH, A-Perg
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Dr. Krämer, D-Weimar

Abb. 8.4: Gebäudekomplex nach Abschluss der Fassadenarbeiten

Ein weiteres richtungsweisendes, im Rahmen


des Deutschen Holzbaupreises 2005 ausge-
zeichnetes Fassadenprojekt im Gebäude-
bestand ist das Studentenwohnheim Burse in
Wuppertal. An dem Gebäude mit Baujahr
1977 wurden verschiedene Szenarien, be-
ginnend von minimalen Renovierungsar-
beiten bis hin zu Abriss und Neubau, auf
deren wirtschaftliche Auswirkungen hin
untersucht. Als optimierte Lösung wurde Ab-
nahme der Fassaden, Entkernung des
Altbaues, Vorsatz von Betonrahmen und
hochdämmende Fassadenelemente in Holz-
tafelbauweise gewählt. Der Heizwärmebedarf
wurde auf ca. 10% reduziert, die umfang-
reichen Umbaumaßnahmen lagen 25% un-
terhalb den Kosten eines Neubaues.

Abb. 8.6: Anlage nach Abschluss der Umbaumaßnahmen

Abb. 8.5: Bestandsanlage Baujahr 1977


holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 25
Reihe 1 8 Holztafelelemente zur Erneuerung
Teil 9 der Gebäudehülle
Folge 5 9 Vorgehängte Holztafelelemente

9 Vorgehängte
Holztafelelemente

Die anfallenden Arbeitsleistungen an der


Baustelle zur nachträglichen Montage von
Fassaden können durch den Einsatz vorge-
fertigter Elemente spürbar reduziert werden.
Großformatige Holzwerkstoffplatten als äu-
ßere Bekleidungsschicht von Fassaden finden
zunehmend Anwendung.

In einem weiteren Schritt werden, neben der


Bekleidung selbst weitere Fassadenbestand-
teile wie Dämmung oder Unterkonstruktion
in die Vorfertigung einbezogen. Gesondertes
Augenmerk ist der Wärmedämmung zu
widmen, sofern diese im Zuge der Vor-
fertigung eingebracht wird. Nach DIN 18516
sind Dämmstoffhalter vorzusehen, damit
größere zusammenhängende Hohlräume
zwischen Wandkern und Zusatzdämmung mit
damit möglicher Hinterströmung unterbun-
den werden. Eine ausreichende Anpressung
der Dämmung in vorgefertigten Modulen
kann insbesondere durch „federnde“ Dämm-
stoffe sowie integrierter linienförmiger oder
flächigen Anpresskonstruktionen erreicht
werden.
Abb. 8.7: Gerüstlose Montage Fassadenelemente in Holztafelbauweise
Vorgehängte Fassadenelemente in Holz-
bauweise können zusätzlich zu Bauwerks-
erhalt und thermischer Verbesserung eine
große Zahl weiterer Funktionseinheiten in sich
vereinigen, z.B.

• Glaselemente

• Beschattungs-Systeme

• Kanäle, Stränge oder Leitungen für Elektro-,


Heizungs- und Sanitärinstallation

• Lüftungsanlagen

• allgemein Außenwanddurchführungen

Abb.8.8–8.10: Projekt nach Fertigstellung • Beleuchtungskörper

• u.a.m.

Studentenwohnheim Burse, Wuppertal


Bauherr:
Hochschul-Sozialwerk Wuppertal
Architektur:
Architektur Contor Müller Schlüter, Wuppertal
Holzbau:
O. Lux Holzbau, Roth
Tragwerksplanung:
Prof. Karsten Tichelmann in Petzinka Pink und
Tichelmann, Darmstadt
Dipl.-Ing. Rüdiger Klumpp,
Beratender Ingenieur, (Detailverbindungen),
Weikersheim
26 holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand
Reihe 1 10 Schlussfolgerung und Ausblick
Teil 9
Folge 5

10 Schlussfolgerungen und Ausblick

Eine national wie international erkennbare Abb. 10.1:


Wohngebäude 2-geschossig,
Überalterung des Wohnungsbestandes lässt BJ ca. 1938.
kurz- und mittelfristig für den Fassadenmarkt UKellerdecke 0.97 W/(m2K)
Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbe- UDecke OG 1.2 W/(m2K)
UAußenwand, alt 1.80 W/(m2K)
reich erwarten. Vorgefertigte Fassadenele- UAußenwand, neu 0.33 W/(m2K)
mente in Holz erschließen vollkommen neue UFenster, alt 6.0 W/(m2K)
UFenster, neu 1.20 W/(m2K)
Verfahren zur effektiven und wirtschaftlichen Jahresheizwärmebedarf alt
Verbesserung der vorhandenen Gebäude- ca. 289 kWh/(m2a),
hülle. Die Herstellung dieser Elemente erfolgt neu ca. 110 kWh/(m2a)
mit CAD-CAM-Technologien, die aus dem
Neubausektor abgeleitet werden können. In
Verbindung mit berührungsloser elektro-
nischer Gebäudeerfassung und Aufbereitung
der Daten für nachfolgende Planungsprozesse
ist ein Verzicht auf kostenintensive Fassa-
dengerüste möglich. Insbesondere bei glat-
ten, einfach strukturierten Fassaden vor-
nehmlich im Geschosswohnungsbau lassen
die aufgezeigten Technologien bautechnische
und wirtschaftliche Vorteile erwarten. Die
Bewohnbarkeit der einzelnen Wohnungen
Abb. 10.2:
bleibt während der Sanierungsmaßnahmen Wohngebäude 4-geschossig,
erhalten. BJ 1954.
UKellerdecke 0.80 W/(m2K)
UDecke OG 1.2 W/(m2K)
Sowohl beim Austausch von Außenwänden UAußenwand, alt 1.71 W/(m2K)
(In-Fill-Elemente) als auch bei zusätzlichen UAußenwand, neu 0.32 W/(m2K)
UFenster, alt 2.9 W/(m2K)
vorgehängten Fassaden können ergänzend UFenster, neu 1.20 W/(m2K)
zu Dämmung und äußerer Bekleidung auch Jahresheizwärmebedarf alt
Glaselemente und Installationsmerkmale in ca. 179 kWh/(m2a),
neu ca. 83 kWh/(m2a)
die vorgefertigten Module integriert werden.
Örtliche Gegebenheiten wie Beschaffenheit
des Untergrundes oder Ebenheitstoleranzen
sind für die Planung und Herstellung der
Elemente zu berücksichtigen. Neue Entwick-
lungen in Konstruktion, Bemessung und Ver-
fahrenstechnik zu den aufgezeigten Techno-
logien sind daher zur Erschließung eines
bedeutenden Wachstumsmarktes auf natio-
naler und internationaler Ebene zu erwarten.

Die nachstehenden Abbildungen 10.1 bis


10.3 zeigen Wohngebäude unterschiedlicher Abb. 10.3:
Größe und Geschosszahl mit baulichem und Wohngebäude 10-geschossig,
BJ ca. 1950.
thermischem Sanierungsbedarf an Fassade UKellerdecke 0.80 W/(m2K)
und Glaselementen. Durch die Montage UDecke OG 1.5 W/(m2K)
zusätzlicher vorgefertigter Fassadenelemente UAußenwand, alt 2.20 W/(m2K)
UAußenwand, neu 0.35 W/(m2K)
in Holz (hinterlüftet, im Gefach Dämmung UFenster, alt 6.0 W/(m2K)
100 mm WLG 040) und Erneuerung der UFenster, neu 1.20 W/(m2K)
Glaselemente (U-Wert neu 1.20 W/(m2K)) Jahresheizwärmebedarf alt
ca. 143 kWh/(m2a),
wird an allen drei Gebäuden der Jahres- neu ca. 48 kWh/(m2a)
heizwärmebedarf auf weniger als die Hälfte
reduziert.
holzbau handbuch Fassadenelemente für den Gebäudebestand 27
Reihe 1 11 Anhang
Teil 9
Folge 5

11 Anhang

10.1 Literatur Deutsche Gesellschaft für Holzfor- [31] Fachverband Baustoffe und Bauteile für
schung e.V., München, 1998. vorgehängte hinterlüftete Fassaden e.V.
[1] Verordnung über energiesparenden [15] GRE, Energieeinsparung im Gebäude- (FVHF): Informationsblätter FVHF-Focus
Wärmeschutz und energiesparende bestand, bauliche und anlagentech- [32] DIN 18351:2002-12, VOB, Vergabe-
Anlagentechnik bei Gebäuden (Ener- nische Lösungen, I/2002 und Vertragsordnung für Bauleis-
gieeinsparverordnung – EnEV) vom 16. [16] Oswald, Dahmen: Systematische In- tungen – Teil C, Allgemeine Technische
Nov. 2001. Bundesgesetzblatt Jahrgang standsetzung und Modernisierung im Vertragsbedingungen für Bauleistun-
2001 Teil I Nr. 59, S. 3085-3102. Wohnungsbestand, AiBau, Forschungs- gen (ATV) - Fassadenarbeiten
[2] Lißner, K.; Rug, W.; Winter, S.; Schmidt, bericht, 06/2003 [33] DIN 4102-4:1994-03, Brandverhalten
D.; Holtz, F.; Hessinger, J.; Hauser, G. [17] DIN 4108-3:2001-07, Wärmeschutz von Baustoffen und Bauteilen – Teil 4:
und Otto, F.: Modernisierung von Alt- und Energieeinsparung in Gebäuden - Zusammenstellung und Anwendung
bauten. INFORMATIONSDIENST HOLZ, Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz, klassifizierter Baustoffe, Bauteile und
holzbau handbuch, Reihe 1, Teil 14, Anforderungen, Berechnungsverfahren Sonderbauteile
Folge 1, Dez. 2001. und Hinweise für Planung und Aus- [34] DIN 4109:1989-11, Schallschutz im
[3] DIN 4108-2:2003-07, Wärmeschutz führung Hochbau, Anforderungen und Nach-
und Energie-Einsparung in Gebäuden – [18] DIN 68800-2:1996-05, Holzschutz - Teil weise, auch Änderungen A1 2001-12
Teil 2: Mindestanforderungen an den 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen [35] DIN 4109:1989-11, Schallschutz im
Wärmeschutz. im Hochbau Hochbau – Beiblatt 1: Ausführungs-
[4] DIN EN ISO 6946:2003-10, Bauteile – [19] DIN 18516-1:1999-12, Außenwandbe- beispiele und Rechenverfahren, auch
Wärmedurchlasswiderstand und Wär- kleidungen, hinterlüftet – Teil 1: Anfor- Änderung A1 2003-09
medurchgangskoeffizient – Berech- derungen, Prüfgrundsätze [36] DIN 4109:1989-11, Schallschutz im
nungsverfahren. [20] DIN 18334:2005-01, VOB, Vergabe- Hochbau – Beiblatt 2: Hinweise für
[5] Hauser, G. und Stiegel, H.: Wärme- und Vertragsordnung für Bauleistun- Planung und Ausführung; Vorschläge
brücken-Atlas für den Mauerwerksbau. gen – Teil C, Allgemeine Technische für einen erhöhten Schallschutz;
Bauverlag Wiesbaden, 1990, 3. durch- Vertragsbedingungen für Bauleistun- Empfehlungen für den Schallschutz im
gesehene Auflage 1996. gen (ATV) – Zimmer- und Holzbau- eigenen Wohn- oder Arbeitsbereich
[6] Hauser, G. und Stiegel, H.: Wärme- arbeiten 1989-11
brücken-Atlas für den Holzbau. Bau- [21] Holzforschung Austria, Holzfassaden, [37] DIN 50010-1:1977-10, Klimate und
verlag Wiesbaden, 1992. 2. Auflage, 2003 ihre technische Anwendung – Teil 1:
[7] Hauser, G., Schulze, H. und Wolfseher, [22] DIN 68800-3:1990-04, Holzschutz – Klimabegriffe, allgemeine Klimabe-
U.: Wärmebrücken im Holzbau. Bau- Teil 3: Vorbeugender chemischer Holz- griffe
physik 5 (1983), H. 1, S. 17–21; H. 2, S. schutz [38] Fachverband transparente Wärmedäm-
42–51. [23] DIN 18363:2002-12, VOB, Vergabe- mung e.V.: Produkte und Systeme, Eine
[8] DIN EN ISO 10 211-2:2001-06, Wärme- und Vertragsordnung für Bauleis- Übersicht, Informationsmappe 1,
brücken im Hochbau – Berechnung der tungen – Teil C, Allgemeine Technische 06/2001
Wärmeströme und Oberflächentempe- Vertragsbedingungen für Bauleistun- [39] Fachverband transparente Wärmedäm-
raturen – Teil 2: Linien-förmige Wärme- gen (ATV) – Maler- und Lackiererarbei- mung e.V.: Transparente Wärmedäm-
brücken. ten mungen, Eigenschaften und Funk-
[9] Hauser, G. Stiegel, H., Haupt, W.: Wärme- [24] Böttcher: Anstriche für Holz und Holz- tionen, Informationsmappe 2, 05/2000
brückenkatalog auf CD-ROM. Ingenieur- werkstoffe im Außenbereich, Informa- [40] Swedish Timber Council: Architecture
büro Prof. Dr. Hauser GmbH, Baunatal tionsdienst Holz, 12/1999 in Wood, Architektur Förlag AB,
(1998), überarbeitete Fassung (2002). [25] DIN 1055-4:1986-08, Lastannahmen Stockholm, 1992
[10] EID-Bestandsenergiepass 1.0. Energie- für Bauten – Teil 4: Verkehrslasten, [41] Reyer, Schild, Völkner: Kompendium
passInitiative Deutschland. Vertrieb: Windlasten bei nicht schwingungs- der Dämmstoffe, Fraunhofer IRB Ver-
ZUB, Kassel, www.zubkassel.de, 2003. anfälligen Bauwerken lag, 2001
[11] Hauser, G. und Otto, F.: Auswirkung [26] DIN 1052:2004-08, Entwurf, Berech- [42] Schild, Weyers: Handbuch Fassaden-
eines erhöhten Wärmeschutzes auf die nung und Bemessung von Holzbau- dämmsysteme, Grundlagen - Produkte
Behaglichkeit im Sommer. Bauphysik werken – Allgemeine Bemessungsre- – Details, Fraunhofer IRB Verlag, 2003
19 (1997), H. 6, S. 169–176. geln und Bemessungsregeln für den [43] Arbeitskreis „Dübel“ in der Studien-
[12] Ottel, R.: Zusammenhang zwischen Hochbau gemeinschaft für Fertigbau e.V.: Bau-
Raumklima und Gebäudekonstruktion [27] DIN 18516-1:1999-12, Außenwandbe- aufsichtlich zugelassene Dübel und
von Schulen. DBZ 22 (1974), Heft 4, S. kleidungen, hinterlüftet – Teil 1: Setzbolzen, Wiesbaden, 2002
723–744. Anforderungen, Prüfgrundsätze [44] div. Unterlagen Produkthersteller
[13] Otto, F. und Hauser, G.: Planungsinstru- [28] Böttcher: Oberflächenbehandlung von [45] Schriftenreihe Informationsdienst Holz;
ment für das sommerliche Wärmever- mehrgeschossigen Holzfassaden, 1998 holzbau handbuch
halten von Gebäuden. Abschlussbe- [29] DIN 18516-3:1999-12, Außenwandbe-
richt BMVBW Forschungsvorhaben BI kleidungen, hinterlüftet – Teil 3: Natur-
5-800195-2, Ingenieurbüro Prof. Dr. werkstein – Anforderungen, Bemes-
Hauser GmbH, Nov. 1997. sung
[14] Hauser, G.: Wohngesundheit im Holz- [30] LIGNUM: Oberflächenschutz von Holz-
bau. INFORMATIONSDIENST HOLZ, fassaden, Lignatec 13/2001
11.2 Bildquellen

2.1 Institut Wohnen und Umwelt


IWU, D-Darmstadt
2.2 + 2.3 Deutsche Energie-Agentur
GmbH, D-Berlin
2.5,
3.5–3.7,
6.4,
10.1–10.3 Egle, D-Übersee
3.1, 5.2 FVHF e.V., D-Berlin
3.8, 3.11,
6.7, 6.8 Eternit AG, D-Heidelberg
3.9, 3.10,
6.13,
8.1–8.4 gap Solar, A-Perg
3.12, 6.11 Informationsdienst Holz,
D-Düsseldorf
4.1 Holzforschung Austria, A-Wien
4.2 Dr. Böttcher, D-Braunschweig
5.1 fischerwerke Artur Fischer GmbH
& Co.KG, D-Waldachtal
6.2 Osmo Holz und Color GmbH &
Co.KG, D-Warendorf
6.5 GriffnerHaus, A-Griffen
6.6 Dold Holzwerke GmbH,
D-Buchenbach
6.9, 6.10 Merk-Finnforest, D-Aichach
6.12, 6.14 Fachverband transparente
Wärmedämmung e.V.,
D-Gundelfingen
7.1 Rollei Fototechnik GmbH,
D-Braunschweig
7.2–7.4 Ruhr-Universität, D-Bochum
7.5,
7.7 + 7.8 Döpper/Egle, D-Übersee
7.6 Weinmann & Partner GmbH,
D-St.Johann-Lonsingen
8.5–8.10 Architektur Contor Müller
Schlüter, D-Wuppertal

H 455

EGH
Entwicklungsgemeinschaft Holzbau
in der
Deutschen Gesellschaft für Holzforschung