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Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion Dezember 2020


34

cadastre
F  achzeitschrift für das schweizerische Katasterwesen

swisstopo
wissen wohin

© Andreas Schlatter

Die Grundbuchführung im Spannungsfeld zwischen Bundesrecht und Föderalismus Während das


Grundbuchrecht im Wesentlichen auf Bundesrecht beruht, handelt es sich bei der Grundbuchführung um
eine kantonale Aufgabe. ► Seite 4
Revision der Verordnungen der amtlichen Vermessung: Stand Herbst 2020 Die rechtlichen Grund-­
lagen der amtlichen Vermessung werden zurzeit revidiert mit dem Ziel, eine amtliche Vermessung zu schaf-
fen, welche rasch und flexibel auf die Nutzerbedürfnisse eingehen kann. ► Seite 8
Einsatz von BIM im Kanton Genf Das BIM-Verfahren ist für den Kanton Genf in verschiedener Hinsicht
von Interesse, vor allem was die Verwaltung seiner Baukultur und sein Landmanagement, aber auch die digi-
tale Abwicklung des Baubewilligungsverfahrens anbelangt. ► Seite 14
200 Jahre Repère Pierre du Niton Vor 200 Jahren wurde ein bekanntes Vermessungszeichen der Schweiz
angelegt. Noch heute legt RPN den offiziellen Horizont fest respektive definiert als Ausgangspunkt die
­Meereshöhen in der Schweiz. ► Seite 18
Zusammenschluss KKGEO und CadastreSuisse Gestützt auf einen Auftrag der Bau-, Planungs- und
Umweltdirektorenkonferenz (BPUK) haben die beiden kantonalen Fachkonferenzen CadastreSuisse und
­KKGEO an ihren ausserordentlichen Generalversammlungen beschlossen, sich per 1. Januar 2021 zur Kon-
ferenz der kantonalen Geoinformations- und Katasterstellen (KGK) zusammenzuschliessen. ► Seite 28

Schweizerische Eidgenossenschaft Bundesamt für Landestopografie swisstopo


Confédération suisse www.swisstopo.ch
Confederazione Svizzera
Confederaziun svizra
cadastre Nº 34, Dezember 2020

Inhalt

Editorial3

Fachbeiträge
  Die Grundbuchführung im Spannungsfeld zwischen Bundesrecht und Föderalismus 4 – 5
  Aktualisierung des Leitfadens Einführung E-GRID  5
  ÖREB-Kataster bekannter machen: Informationsoffensive von Bund und Kantonen 6  – 7
Jubiläumstafel zu Ehren des 200-jährigen
Repère Pierre du Niton   Revision der Verordnungen der amtlichen Vermessung: Stand Herbst 2020 8 – 9
  Level of information need (LOIN) unterirdischer Objekte – für eine bessere Planung
und einen verstärkten Austausch von Informationen 10 – 13
  Einsatz von BIM im Kanton Genf 14 – 17
  200 Jahre Repère Pierre du Niton 18 – 20
  Ein frühes Bekenntnis zum Bundesstaat: die Dufourkarte von 1845 21 – 22
Impressum «cadastre»
Redaktion:   Monitoring des volkswirtschaftlichen Nutzens der Daten der amtlichen
Karin Markwalder, Elisabeth Bürki G
­ yger
Vermessung 2019 23
und Marc Nicodet
Auflage:   Anwendungsbeispiel der ISO-Norm «Land Administration Domain Model»
1600 deutsch  /  700 französisch an der französisch-schweizerischen Grenze 24 – 27
Erscheint: 3 x jährlich
Adresse der Redaktion:
Bundesamt für Landestopografie
Mitteilungen
swisstopo
Geodäsie und Eidgenössische   Zusammenschluss KKGEO und CadastreSuisse 28 – 29
Vermessungsdirektion
Seftigenstrasse 264   Informationsveranstaltung ÖREB-Kataster 2020: Rückblick  30
3084 Wabern
Telefon 058  464 73 03
  Neu patentierte Ingenieur-Geometer 2020 – Patentübergabe in feierlichem Rahmen 31 –  32
vermessung@swisstopo.ch
  Umfrage zur Fachzeitschrift «cadastre» – Auswertung  32
www.cadastre.ch
  Personelle Änderungen bei den Verantwortlichen der kantonalen Vermessungsaufsichten  33
ISSN 2297-6086   Personelles aus dem Bereich «Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion»  33
ISSN 2297-6094
  Kreisschreiben und Express: jüngste Veröffentlichungen  34

Veranstaltungen und Weiterbildung


  Staatsexamen 2021 zur Erlangung des Geometerpatents 34
  Spirgarten 2021  35
  Kolloquien des Bundesamtes für Landestopografie swisstopo 2021  35

Legende


  Amtliche Vermessung

  ÖREB-Kataster

  Allgemeine Artikel

2
cadastre Nº 34, Dezember 2020

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser LOIN (Level of Information Need) ist ein wichtiges Kon-
zept von BIM; ab Seite 10 wird ein konkretes Beispiel für
Wir nähern uns dem Jahreswechsel, doch dieses 2020 dessen Umsetzung bei der Planung und Koordination
wird uns sicher lange in Erinnerungen bleiben, denn es von Untergrundarbeiten in Genf beschrieben.
war alles andere als ein normales Jahr!
Diese Ausgabe des «cadastre», für einmal sehr von Genf
Als Ingenieurinnen und Ingenieure, tätig in der amtlichen geprägt, blickt nicht nur in die Zukunft, sondern auch
Vermessung, der Ingenieurvermessung und der Geo-­ in die Vergangenheit: Sie streicht zwei herausragende
däsie, sind wir es gewohnt, bis ins kleinste Detail zu pla- Leistungen eines berühmten Genfers hervor: Guillaume
nen, zu prüfen, zu modellieren und dabei alles zu tun, Henri Dufour. Er legte vor genau 200 Jahren auf einem
Marc Nicodet
um mögliche Fehler so klein wie möglich zu halten und Findling im Hafenbecken von Genf das bekannte Ver-
Unsicherheiten zu minimieren – und nun wurden wir messungszeichen der Schweiz an: den «Repère Pierre
alle mit COVID-19 konfrontiert. Wir wurden gezwungen, du Niton»: den immer noch gültigen Bezugspunkt des
in ständiger Unsicherheit zu leben, unsere Pläne laufend Höhensystems der Schweiz (siehe den Beitrag auf S.18).
zu überdenken. Aber es hat uns auch ermöglicht, unsere Und unter seiner Leitung veröffentlichte das Eidgenös-­
Kompetenzen zu erweitern, die Reaktionsfähigkeit zu sische Topographische Bureau von 1845 bis 1864 die
stärken sowie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit unter 25 Blätter eines bedeutenden kartografischen Werkes,
Beweis zu stellen. Die ausserordentliche Situation hat das auch noch heute als «Dufourkarte» bekannt ist
auch der Digitalisierung einen starken Impuls verliehen (ab S. 21).
und die Umsetzung vieler Prozesse beschleunigt.
Nun wünsche ich Ihnen eine angenehme Lektüre dieses
Die Digitalisierung gewinnt auch in der stark regulierten «cadastre». Ihnen, Ihren Familien und Freunden wün-
Welt des Grundbuchs nach und nach an Bedeutung. sche ich aber vor allem besinnliche Feiertage, ein gutes
Der Beitrag auf Seite 4 berichtet unter anderem über den neues Jahr voller persönlicher und beruflicher Zufrieden-
computergestützten Zugang zu Grundbuchdaten und heit und dass uns 2021 – so hoffe ich sehr – zu einem
die Suche nach Grundstücken in der Schweiz. Bei dieser «normalen» Leben zurückführen wird.
Gelegenheit möchte ich speziell die Grundbuchverwalte-
rinnen und Grundbuchverwalter begrüssen, die sich für Tragen Sie sich Sorge!
diese Ausgabe dem Leserkreis des «cadastre» anschlies-
sen – ich hoffe, sie auch weiterhin dazuzählen zu dürfen!
Marc Nicodet, pat. Ing.-Geom.
In dieser Ausgabe können sie entdecken, dass die amt-­ Leiter Bereich «Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion»
liche Vermessung, einer der Pfeiler des schweizerischen swisstopo, Wabern
Katastersystems, einem tiefgreifenden Wandel unter-­
worfen ist.

Die zurzeit laufende Revision der Rechtsgrundlagen der


amtlichen Vermessung ermöglicht einen weiteren wich-
tigen Schritt zur Digitalisierung der Prozesse. Dies er-
laubt uns eine Annäherung an unsere Partner, die eben-
falls in die Digitalisierung einsteigen. Ich denke dabei
zum Beispiel an das Bauwesen und das Aufkommen von
BIM (Building Information Modelling). Auch die Verwal-
tungen auf Stufe Gemeinde, Kanton und Bund müssen
diese Entwicklung nutzen, um ihre Prozesse zu entmate-
rialisieren d. h. zu digitalisieren und neue Informations-
kanäle einzurichten. Lesen Sie dazu den Beitrag auf
­Seite 14, der den interessanten Ansatz des Kantons Genf
vorstellt.

Die neuen Rechtsgrundlagen ermöglichen auch die künf-­


tige Einführung von IND-AV (Information Need Defini-­
tion in der amtlichen Vermessung). Damit kann der ge-
samte Lebenszyklus von Objekten, auf denen die Daten
der amtlichen Vermessung basieren, verfolgt werden.

3
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Die Grundbuchführung im Spannungsfeld


­zwischen Bundesrecht und Föderalismus

Während das Grundbuchrecht im Wesentlichen auf Bundesrecht beruht, handelt es sich bei der
Grundbuchführung um eine kantonale Aufgabe. Entsprechend erfolgen die Einrichtung der Grund-
buchämter, die Umschreibung der Grundbuchkreise, die Ernennung und Besoldung der Beamtin-
nen und Beamten sowie die Ordnung der Aufsicht durch die Kantone. Die Oberaufsicht über die
Geschäftsführung der kantonalen Grundbuchämter obliegt dem Bund und wird durch das Eidge-
nössische Amt für Grundbuch- und Bodenrecht EGBA ausgeübt.

Im Grundbuch werden die Rechte an Grundstücken ge- entsprechende Auskünfte nur am Schalter e­ rteilt werden,
führt.1 Es dient dazu, dingliche Rechte an Grundstücken bieten andere Kantone einen elektronischen Zugang zu
sichtbar zu machen und ist somit ein Publizitätsmittel für den Daten an. Das Bundesrecht schreibt vor, dass allfällige
die Rechte an unbeweglichen Sachen (Immobilien).2 Auch elektronische Auskunftssysteme vor S­ erienabfragen ge-
wenn es der Wortlaut 3 vermuten lassen würde: In der schützt sein müssen.8 F­ erner sind Dienstbarkeiten, Grund-
Schweiz gibt es nicht ein Grundbuch. Vielmehr obliegt die lasten und Anmerkungen vom elektronischen Zugang
Grundbuchführung den Kantonen4 und diese befinden ­ausgeschlossen.9
auch darüber, ob sie das Grundbuch auf Papier oder mittels
Liegt ein berechtigtes Interesse zur Einsichtnahme vor,
Informatik führen wollen.5 Somit haben wir in der Schweiz
kann im Einzelfall eine weitergehende Einsichtnahme so-
26 weitgehend voneinander unabhängige Grundbücher.
wie die Erstellung eines Auszuges beantragt werden.10
Diesfalls ist auch eine personenbasierte Suche zulässig.
Öffentlichkeit des Grundbuchs
Die Kantone können unter diesem Titel auch für die im
Jede Person kann – ohne dies begründen zu müssen (und
­Erlasstext  11 abschliessend aufgeführten Berufs- und Behör-
somit ohne «Nachweis eines berechtigten Interesses») –
dengruppen den so genannten «erweiterten elektroni-
Auskunft über die folgenden Grundbuchdaten erhalten: 6
schen Zugang» vorsehen.12 Bei diesem entfällt die Notwen-
• die Bezeichnung des Grundstücks und die Grundstücks-
digkeit eines Interessennachweises im Einzelfall, da das
beschreibung;
­berechtigte Interesse vermutet wird. Einige Kantone verfü-
• den Namen und die Identifikation der Eigentümerschaft;
gen über entsprechende elektronische Auskunftssysteme.
• die Eigentumsform und das Erwerbsdatum;
Die SIX Terravis AG bietet ein die Kantonsgrenzen über-
• die Dienstbarkeiten und die Grundlasten;
schreitendes elektronisches Auskunftsportal an.13
• im Normtext abschliessend aufgelistete Anmerkungen.

Hierbei darf eine Abfrage nur grundstücksbezogen erfol- Landesweite Grundstücksuche für berechtigte
gen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine personen-­ ­Behörden
basierte Suche im Rahmen der öffentlich zugänglichen Abzugrenzen sind die soeben erwähnten Zugangsmöglich-
Grundbuchdaten unzulässig ist.7 keiten zu Grundbuchdaten von der landesweiten Grund-
stücksuche für berechtigte Behörden.14 Der Bundesrat hat
Wie die Auskunftserteilung im Rahmen der öffentlich zu-
am 14. Oktober 2020 eine Verordnungsanpassung in die
gänglichen Grundbuchdaten erfolgt, wird in den K­ antonen
Vernehmlassung gegeben. Berechtigte Behörden sollen
unterschiedlich geregelt. Während in einigen Kantonen
mittels Grundstücksuchdienst landesweit abfragen können,
1
ob und welche Rechte einer bestimmten Person an Grund-
Art. 942 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember
1907 (ZGB, SR 210). stücken zustehen. Der Dienst soll ab dem Jahr 2023 durch
2
Schmid Jörg / Hürlimann-Kaup Bettina, Sachenrecht, 5. Aufl., Zürich / Basel / den Bund, namentlich das Eidgenössische Amt für Grund-
Genf 2017, N 66; Mühlematter Adrian / Stucki Stephan, Grundbuchrecht buch- und Bodenrecht EGBA, betrieben werden. Die Ver-
für die Praxis, Zürich 2016, 37.
3
und insbesondere die Bezeichnung «eidgenössisches Grundbuch».
nehmlassung dauert bis am 1. Februar 2021.
4
Art. 4 der Grundbuchverordnung vom 23. September 2011
(GBV, SR 211.432.1).
5
Art. 942 Abs. 3 ZGB. Mittlerweile verfügen sämtliche Kantone über die Er-­    8
Art. 27 Abs. 2 GBV.
mächtigung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, das
   9
Grundbuch mittels Informatik zu führen (Art. 949 a Abs. 1 ZGB). Die Kantone Art. 27 Abs. 1 GBV.
10
bedienen sich hierfür unterschiedlicher Softwaresysteme: C­ apitastra, Art. 970 Abs. 1 ZGB.
11
eGBZH, SIFTI und TERRIS. Es gibt Kantone, die innerhalb i­hres Kantonsge- Art. 28 GBV.
12
bietes mehrere Softwaresysteme verwenden (je nach Grundbuchkreis). Art. 28 ff. GBV.
6 13
Art. 970 Abs. 2 ZGB; Art. 970 Abs. 3 ZGB i.  V.  m. Art. 26 GBV. www.six-group.com / terravis / de / home /auskunft.html
7 14
Art. 26 Abs. 2 GBV. Art. 949 c ZGB (noch nicht in Kraft, AS 2018 4017).

4
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Aktualisierung des Leit-­


fadens Einführung E-GRID

Der Leitfaden «Einführung der Eidgenössischen Grund-


stücksidentifikation E-GRID» vom Juli 2010 wurde über-
arbeitet. Dabei wurde das Kapitel «Erstmalige Vergabe
der E-GRID für bestehende Grundstücke» gestrichen.
Neu hinzugefügt wurde das Kapitel «Sonderfälle».

Die Überarbeitung erfolgte durch das Eidgenössische


Amt für Grundbuch- und Bodenrecht EGBA und den
­Bereich «Geodäsie und Eidgenössische Vermessungs-­
direktion» von swisstopo.
© Béatrice Devènes
Der aktualisierte Leitfaden «Führung der Eidgenössi-
Abbildung: Rolle des EGBA schen Grundstücksidentifikation E-GRID» finden Sie
Die Dokumentation
Das EGBA ist innerhalb der Bundesverwaltung jene Verwal- ­unter www.cadastre.ch/av  Informationsebenen 
der dinglichen Rechte
an Grundstücken – tungseinheit, welche Gesetzesänderungen auf Stufe Bun- Liegenschaften: Register Vorschriften.
wichtig für Rechts-­ desrecht im Bereich Grundbuch vorbereitet.15 Als Oberauf-
sicherheit und Wohl-
sicht kommen dem EGBA verschiedene Kompetenzen wie Eidgenössisches Amt für Grundbuch- und
stand
der Erlass von Weisungen oder die Durchführung von Ins- Bodenrecht EGBA
pektionen zu.16 Daneben nimmt das EGBA an den regiona- Bundesamt für Justiz, Bern
egba@bj.admin.ch
len Grundbuchinspektorenkonferenzen teil, vertritt den
Bund im Vorstand des Verbandes der Schweizer Grundbuch- Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
verwalter 17 und steht den Kantonen für den wissenschaft-­ swisstopo, Wabern
lichen Austausch zur Verfügung. Auf Bundesstufe werden vermessung@swisstopo.ch

jedoch keine Grundbuchdaten geführt. Dem Bund werden


hingegen unter dem Titel der Langzeitsicherung jährlich die
Hauptbuchdaten des Grundbuchs als Sicherungsmassnah-
me für den Katastrophenfall übermittelt.18 Die Übermittlung
der Daten erfolgt verschlüsselt. Die Datenaufbewahrung
beim Bundesarchiv BAR untersteht den Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Archivierung.19

In den letzten Jahren hat die Anzahl der «Querschnittsge-


schäfte» sehr stark zugenommen. Es handelt sich d­ abei um
Geschäfte, deren Kernproblem primär ausserhalb des Auf-
gabenkreises des EGBA liegt, bei denen aber den Aspekten
des Immobiliarsachenrechts, des Grundbuchrechts oder des
bäuerlichen Bodenrechts eine erhebliche Bedeutung zu-
kommt. Als Beispiel kann die Revision der Rechtsgrundlagen
der amtlichen Vermessung und insbesondere die künftige
Regelung des Plans für das Grundbuch angeführt werden.

Rahel Müller, Dr. iur., Rechtsanwältin


Eidgenössisches Amt für Grundbuch- und Bodenrecht
Bundesamt für Justiz
rahel.mueller@bj.admin.ch

15
Das EGBA betreut daneben die Bundesprojekte im Bereich Immobiliar-­
sachen- und Beurkundungsrecht und ist im Bereich des Grundstückerwerbs
durch Personen im Ausland (BewG, SR 211.412.41) beschwerdeberechtigte
Behörde.
16
Art. 6 GBV.
17
www.grundbuchverwalter.ch
18
Art. 949 a Abs. 2 Ziff. 7 ZGB i. V.  m. Art. 35 GBV sowie Art. 23 der Techni-
schen Verordnung des EJPD und des VBS über das Grundbuch
(TGBV, SR 211.432.11).
19
BGA (SR 152.1). Weitere Informationen finden sich unter:
www.egris.admin.ch/egris/de/home/langzeitsicherung.html

5
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Den ÖREB-Kataster bekannter machen:


Informationsoffensive von Bund und Kantonen

Seit Herbst 2020 läuft die Informationsoffensive von Bund und Kantonen zur Steigerung der
­Bekanntheit des Katasters der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen (ÖREB-Kataster).
Kantonen, Städten, Gemeinden und Verbänden stehen praktische Hilfsmittel zur Verfügung,
die sie bei ihrer eigenen Kommunikationstätigkeit unterstützen.

Erklärfilm zu Vorteilen
und Anwendung des
ÖREB-Katasters

Der Nutzen des ÖREB-Katasters ist bei Fachleuten heute eignen sich der neue Erklärfilm oder die Kurzfilme mit
unbestritten. Aber viele von ihnen kennen die zahlrei- konkreten Anwendungsbeispielen aus der Deutsch-
chen Vorteile und das volle Potenzial noch zu wenig. schweiz und der Romandie.
Und bei Laien ist der ÖREB-Kataster oft gänzlich unbe-
kannt. Das soll sich ändern. In der ÖREB-Strategie Anpassungen auf cadastre.ch
2020 – 2023 sehen Bund und Kantone eine verstärkte Um Interessierten die Suche nach ÖREB-relevanten The-
Informationstätigkeit vor. Ziel ist es, die Nutzung bei der men zu erleichtern, hat swisstopo zudem die Struktur
Bevölkerung, Fachkreisen, Politik, Wirtschaft und Ver- der Internetseite cadastre.ch angepasst. Nutzerinnen und
waltungen in Kantonen, Städten und Gemeinden zu er- Nutzer gelangen nun noch schneller zum Kataster und
höhen. Im Frühling 2020 haben die Arbeiten zur Pla- damit zu den kantonalen Portalen. Eine wichtige Mass-
nung der Informationsoffensive begonnen. Seit Herbst nahme ist auch die so genannte «Search Engine Optimi-
2020 steht ein umfangreiches Paket mit neuem Infor- zation SEO». Dabei geht es darum, dass cadastre.ch so
mationsmaterial in drei Landessprachen zur Verfügung. aufgebaut ist, dass sie von Suchmaschinen gefunden
und korrekt angezeigt wird. Vorgesehen sind zudem ge-
Praktische Hilfsmittel zielte Werbemassnahmen auf digitalen Kanälen. Dazu
Die Hilfsmittel umfassen unter anderem Textvorlagen für gehört auch ein Auftritt auf Wikipedia, der zusammen
informative Artikel in Publikationsorganen der Gemein- mit erfahrenen Wikipedia-Autoren entwickelt wurde –
den, Zeitschriften, auf Webseiten oder in Newslettern. wiederum in Deutsch, Französisch und Italienisch. Dieser
Auch Briefvorlagen für gezielte Mailings an Käuferinnen ist bereits seit September 2020 online.
und Käufer oder Besitzerinnen und Besitzer von Grund-
stücken stehen zur Verfügung. Ebenfalls zur Verwen- Helfen Sie mit
dung im Internet oder in gedruckten Informationskanä- Bund und Kantone haben das Informationsmaterial
len liegen Vorlagen für Inserate und Banner bereit. Für ­zusammen erarbeitet und begleiten die Informationsof-
Videoplattformen oder zur Nutzung an Veranstaltungen fensive ebenfalls in engem Austausch. Die Aktivitäten

6
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Abbildung 1: werden regelmässig evaluiert und wo nötig finden An- Die beauftragte Agentur CRK nimmt Rückmeldungen
Auf cadastre.ch ist der
passungen der Massnahmen und des Kommunikations- entgegen: kommunikation@cr-k.ch
­Zugang zu ÖREB-Informa-
tionen noch einfacher materials statt. Aber auch Fachorganisationen, Städte
Die Informationsoffensive läuft voraussichtlich bis
oder Gemeinden können das Informationspaket nutzen
Abbildung 2: Ende 2021.
Inseratvor­lagen für
und die Kommunikationstätigkeit unterstützen. Nur ein
­gedruckte und digitale gemeinsamer Effort führt letztlich zum Erreichen der Matthias Gerth, Dr. phil.
­Anwendungen Ziele. Rückmeldungen sind deshalb wichtig und stets Agentur CRK, Bern
kommunikation@cr-k.ch
Abbildung 3:
willkommen. So wollen Bund und Kantone das Informa-
Fachleute erklären den tionsmaterial laufend optimieren und wo sinnvoll ergän- 1
Nutzen des ÖREB-Katas- zen und noch besser auf die Bedürfnisse der Nutzerin-
ters anhand konkreter
­Beispiele nen und Nutzer anpassen.

Abbildung 4:
Flyer
Neues Informationsmaterial
Bezug via www.cadastre.ch /campagne

• Grafischer Auftritt mit CI/CD-Manual


• Vorlagen für Inserate
• Vorlagen für Briefversände und Mailings
• Textvorlagen für Artikel in Zeitungen und Zeitschriften
• Textvorlagen für Webseiten, Newsletter und Social Media
• Erklärfilm zu den Vorteilen des ÖREB-Katasters
• Kurzfilme mit Anwendungsbeispielen
• Reportagen mit Anwendungsbeispielen
• Foliensatz für Referate 3
• Flyer

• Florence Meyer
Wer profitiert vom ÖREB-Kataster? Beauftragte für die Koordination der Bodenpolitik des
rund um Kantons Neuchâtel
Der ÖREB-Kataster bietet praktische Informationen
das Eigentum für verschiedenste Nutzer. Der ÖREB-Kataster bietet ihr die Möglichkeit, Nutzungsoptionen
von Gebäuden und Grundstücken einfach und schnell abzuklären.
zukünftige Grund-
Der ÖREB-Kataster ist für sämtliche aktuelle und So entfällt der Aufwand, verschiedene Ämter und Dokumente
Der ÖREB-Kataster: stückseigentümer, Immobilienbesitzer, Planer und
Architekten,
und Hypothekar- zu konsultieren.
private Ingenieurunternehmen sowie den Immobilien-
Das offizielle Informations- markt von grossem Nutzen. Auch für Behörden und
die öffentliche «Der ÖREB-Kataster ist für mich nützlich, um den
Verwaltung bringt er Vorteile. zuständigen kantonalen Behörden Unterlagen
system für öffentlich-rechtliche viele und Informationen über die Möglichkeit der Bewer-
Immobilienverwalter*innen beispielsweise benötigen
Eigentumsbeschränkungen verschiedene Informationen, um eine Immobilie
bewerten zu können.
sind
tung von staatseigenen Grundstücken zur Ver-
Ebenso Gemeinden, die mit einem Bauprojekt beschäftigt fügung zu stellen.»
oder Architekt*innen, die ein Gebäude entwerfen.
Einblick in Ihre
Verschiedene Nutzerinnen und Nutzer bieten Ihnen Zu den Videos unter:
individuelle Nutzung des ÖREB-Katasters. Dazu gehören: youtube.com/swisstopo

• Marc Lehmann
Bauverwalter Aarberg
von
Er nutzt den ÖREB-Kataster fast täglich für die Beratung
der Erstellung
Bauwilligen, die Prüfung von Baugesuchen und bei
von Verkaufsdokumentationen.
Prü-
«Der ÖREB-Kataster ist beispielsweise bei der
fung von Baugesuchen ein hilfreiches Instrument.»

• Simon Wegmann
AG
Planer, Suter von Känel Wild – Planer und Architekten
Den ÖREB-
Er beschäftigt sich mit raumplanerischen Fragestellungen.
Abfragen von
Kataster nutzt der Planer vor allem für das schnelle
hilfreiche Über-
Geoinformationen. Der PDF-Auszug bietet ihm eine
sicht über die relevanten Rechtsdokumente.

«Für Begeisterung hat bei uns gesorgt, dass


ist.»
die Anwendung des ÖREB-Katasters kinderleicht

Einfache Anwendung:
Die wichtigsten öffentlich-rechtlichen Eigen- Der ÖREB-Kataster einfach erklärt im Video Informationen zum
Der Zugang zu den ÖREB-Informationen gewünschten Grundstück
tumsbeschränkungen (ÖREB) auf einen Klick unter: youtube.com/watch?v=Ya84KQVNQ2k erhalten.
Der Zugang zum ÖREB-Kataster erfolgt unter
Grundlegende Informationen für alle, die ein Grundstück cadastre.ch/oereb-public Die einzelnen ÖREB
besitzen, ein Haus bauen möchten oder sich mit lassen sich in beliebigen
Immobilien beschäftigen. Via Grundstücksnummer, Adresse oder Koordinaten gelangen Kombinationen ein- oder
Interessierte zum individuellen Grundstück. ausblenden und einander
Für die Nutzung von Grundstücken gibt es in der Schweiz zahlreiche Unter cadastre.ch/oereb-public ist bei jedem Grundstück das entspre- überlagernd darstellen.
Gesetze, Verordnungen und behördliche Einschränkungen – die chende kantonale ÖREB-Geoportal verlinkt. Mit nur einem
sogenannten öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen (ÖREB). Neben einzelnen Grund-
weiteren Klick sind damit sämtliche ÖREB-Informationen abrufbar.
Zonenpläne geben beispielsweise die erlaubte Bauhöhe in einer stücken erlaubt das In-
bestimmten Zone vor und Baulinienpläne legen den Mindestabstand formationssystem auch
zwischen Haus und Grundstücksgrenze fest. die Darstellung ganzer
Gebiete.
Für die Abklärungen der wichtigsten Beschränkungen bietet der soge- 3
nannte ÖREB-Kataster Hand. Der Kataster ist ein praktisches
Bundesplatz 1 Bern
interaktives Informationssystem, das eine Übersicht über die relevantes-
ten ÖREB umfasst. Es bietet Informationen zu unter anderem
folgenden Kategorien, die in verschiedene Themen unterteilt sind: Die gewünschte Adresse,
oder Koordinaten PDF
eingeben. Bern

Raumplanung Strassen Eisenbahnen Sie können eine Land- Auszug aus dem Kataster der öffentlich-rechtlichen
Alle wichtigen Informationen
karte oder ein Luftbild als Eigentumsbeschränkungen (ÖREB-Kataster)
als PDF. Dieses kann man mit
Hintergrund auswählen. einem einzigen Klick erstel-
1 len. Das PDF-Dokument bietet
eine hilfreiche Übersicht über
die geltenden ÖREB eines
Die Vorteile Grundstücks.
Belastete
Flughäfen Standorte Wasser Heute entfällt dank des Es enthält zusätzlich detail-
ÖREB-Katasters der früher unver- lierte Informationen zu den
meidliche Aufwand, alle ÖREB einzelnen ÖREB. Dazu ge-
Grundstück-Nr 1461
E-GRID CH973576094644
Gemeinde (BFS-Nr.) Bern (351)

eines Grundstücks einzeln bei den Grundbuchkreis


Fläche
1 - Altstadt
5579 m²
hören:
zuständigen Stellen einzuholen, Auszugsnummer d7fe5e8f-86b7-4af1-b516-095b2e585dcc
• Geodaten (Plan)
Die Daten im sie zusammenzutragen, mit-
Erstellungsdatum des Auszugs 19.11.2020
Katasterverantwortliche Stelle Amt für Geoinformation
Reiterstrasse 11
3013 Bern • Rechtsvorschriften
einander zu vergleichen und zu
ÖREB-Kataster kombinieren. Beglaubigung
Gemäss EV ÖREBKV Art.3,, https://www.belex.sites.be.ch/frontend/texts_of_law/247
• gesetzlichen Grundlagen
• nützliche Zusatzinforma-
Lärm Wald sind stets aktuell, Auf den Link des Kanto- (Stempel) (Datum) (Unterschrift)

nalen Geoportal klicken tionen


vollständig und
19.11.2020 10:49:26 d7fe5e8f-86b7-4af1-b516-095b2e585dcc Seite 1/9

oder unter «ÖREB-Auszug»


24 Stunden am direkt das PDF abrufen.

Tag verfügbar. 2

7
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Revision der Verordnungen der amtlichen Vermessung:


Stand Herbst 2020

Die rechtlichen Grundlagen der amtlichen Vermessung werden zurzeit revidiert mit dem Ziel, eine amtliche
­Vermessung zu schaffen, welche rasch und flexibel auf die Nutzerbedürfnisse eingehen kann. Dabei soll auch
die­ Finanzierung der amtlichen Vermessung auf eine neue ­gesetzliche Grundlage gestellt werden. Die Arbei-­
ten sind weit fortgeschritten. Dieser Beitrag informiert über die laufenden Arbeiten.

Mit der Revision der rechtlichen Grundlagen Neuregelung der Finanzierung der AV: soll kostenneutral erfolgen. Die Höhe des
der amt­lichen Vermessung (AV) befasst sich Aufhebung der FVAV Transferkredits der amtlichen Vermessung
die 17-köpfige A­ rbeitsgruppe zur Revision Bei der Neuregelung der Finanzierung der ist nicht Gegenstand der Vorlage.
der Verordnungen der amtlichen Vermes- AV geht es formell darum, dass deren Grund-
sung (AGRAV) (s. Kasten). Diese setzt sich sätze analog zu anderen Verbundaufgaben • Vernehmlassung vom 13. September
aus Vertreterinnen und Vertretern des Bun- neu im Fachgesetz, d.  h. im Geoinformations- bis 13. Dezember 2019
des – Fachstelle Eidgenössische Vermes- gesetz 1, und die entsprechenden Details in Die im Mantelerlass geplanten Anpassungen
sungsdirektion und Eidgenössisches Amt für den Fachverordnungen der AV geregelt wer- am GeoIG wurden in der Vernehmlassung
Grundbuch- und Bodenrecht (EGBA) als die den. Damit soll auch die Steuerung mit Pro- von allen politischen Parteien und einer über-
beiden Oberaufsichtsinstanzen über die grammvereinbarungen und Beiträgen ge- wiegenden Mehrheit der Kan­tone begrüsst.3
amtliche Vermessung bzw. über das Grund- stärkt werden. Das bedeutet, dass die FVAV Lediglich der Kanton Waadt äusserte Beden-
buch – sowie der kantonalen Vermessungs- aufgehoben werden soll. Dieses Rechtset- ken, dass die Kantone beim Erlass der De-
aufsichten und der Privatwirtschaft zusam- zungsverfahren wurde in einen sogenannten tailregelungen durch den Bundesrat künftig
men. Die AGRAV nahm im Frühling 2018 Mantelerlass i­ntegriert, welcher unter dem keine Mitsprachemöglichkeit mehr hätten
die A
­ rbeiten auf. Stichwort «Strukturelle Reformen» bekannt und dass die Kriterien der Mittelvergabe zu
wurde. Das entsprechende Bundesgesetz wenig klar seien. Bereits heute besteht je-
über administrative Erleichterungen und die doch ein garantiertes Mitwirkungsrecht der
Auftrag der Arbeitsgruppe
­Entlastung des Bundeshaushalts umfasst Kantone im gesamten B ­ ereich des Geoinfor-
Die AGRAV hat den Auftrag, einen Entwurf
­gesamthaft sechs Bereiche, die neu geregelt mationsrechts (Art. 35 GeolG). Die Mitwir-
von revidierten rechtlichen Grundlagen für
werden sollen. Einer davon betrifft das kung der Kantone wird daher auch künftig
eine amtliche Vermessung zu schaffen, wel-
GeoIG (vgl. Auszug S. 9). in geeigneter Weise sichergestellt werden.
che rasch und flexibel auf die Nutzerbedürf-
nisse eingehen kann. Die Änderung des GeoIG sieht vor, dass künf- Weiter forderten der Kanton Bern sowie
tig der Bundesrat die Details der finanziellen ­einige Branchenorganisationen, dass Bundes-
Hauptgegenstand der laufenden Revision
Beteiligung des Bundes festlegt. Gleichzeitig beiträge für die Finanzierung der Arbeiten
sind:
wird im GeoIG festge­halten, welche Arten der amtlichen Vermessung Typ Ersterhebun-
• Verordnung der Bundesversammlung
von Arbeiten und Projekte der amtlichen Ver- gen und Erneuerungen auch künftig in der
über die F­ inanzierung der amtlichen Ver-
messung der Bund unterstützen darf. gleichen Grössenordnung zur Verfügung
messung (FVAV, SR 211.432.27)
Die Aufzählung der beitragsberechtigten Ar- stehen s­ ollen. Für die amtliche Vermessung
• Verordnung über die amtliche Vermessung
beiten wird ergänzt um die innovativen Pro- sollen auch in Zukunft Mittel im bisherigen
(VAV, SR 211.432.2) und
jekte zur Weiterentwicklung der amtlichen Umfang zur Verfügung stehen. Der Umfang
• Technische Verordnung des VBS über
Vermessung und zur Erprobung n ­ euer Tech- der Bundesbeiträge und deren Aufteilung
die amtliche ­Vermessung
nologien. Zudem soll der maximal mögliche auf die verschiedenen Arbeiten wird jedoch
(TVAV, SR 211.432.21).
Bundesbeitrag an die Arbeiten Typ BANI 2 auf mit der G­ esetzesänderung nicht tangiert.
Aufgrund unterschiedlicher Zuständigkeiten
80 % erhöht werden. Bund und Kantone
– die FVAV ist eine Parlamentsverordnung,
streben damit mehr Flexibilität s­ owie die För-
die VAV eine Bundesrats- und die TVAV eine
derung von Innovation in der amtlichen Ver-
Departementsverordnung – sind die Gesetz-
messung an. Die Anpassung der Regelung
gebungsverfahren unterschiedlich.
der Finanzierung der amtlichen Vermessung

1
Bundesgesetz über Geoinformation (Geoinformationsge-
setz, GeoIG), SR 510.62 3
Bundesgesetz über administrative Erleichterungen und
2
BANI: Besondere Anpassungen von aussergewöhnlich die Entlastung des Bundeshaushalts, Bericht über die Er-
hohem nationalen Interesse gebnisse der Vernehmlassung www.cadastre.ch  / revision

8
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

orientierter Ideen – etwa die Einführung bei den Parteien, Kantonen und Organisa-­
1. Geoinformationsgesetz vom 5. Oktober 2007
Art. 38 Abs. 1–1 quater
von Identifikatoren für alle Objekte – oder tionen voraussichtlich nach den Sommer-­
1
Bund und Kantone finanzieren die amtliche Vermes- der Vorbereitung zukünftiger Entwicklun- ferien 2021.
sung gemeinsam. Der Bund gewährt den Kantonen
gen, welche bereits heute absehbar sind,
auf der Grundlage von P ­ rogrammvereinbarungen Bei- Der Bundesrat wird etwa Mitte 2022 über
träge an folgende Massnahmen und Projekte: wie etwa 3D.
die Inkraftsetzung entscheiden.
a. Erst- und Neuerhebungen;
b. Erneuerungen; Um den Rechtssetzungsprozess bei Anpas-
c. Vermarkungen; sungen des Datenmodells künftig zu be- Der Abschluss der Arbeiten ist in Sicht
d. Massnahmen infolge von Naturereignissen;
e. periodische Nachführungen; schleunigen, werden gewisse Regelungen Die Inkraftsetzung des ergänzten Geoinfor-
f. besondere Anpassungen von aussergewöhnlich ­ aus der Bundesratsverordnung VAV in die mationsgesetzes und der revidierten Verord-
hohem nationalem Interesse;
technische Departementsverordnung ver- nungen der amtlichen Vermessung wurde
g. innovative Projekte zur Weiterentwicklung der
amtlichen Vermessung und zur Erprobung neuer schoben. provisorisch auf den 1. Januar 2023 festge-
Technologien. legt. Gleichzeitig wird die Einführung des
1bis Die Beiträge bemessen sich nach der Bedeutung
Totalrevision TVAV DM.flex erfolgen.
der Massnahmen und Projekte für die Flächende- Auch die Totalrevision der TVAV ist weit fort-
ckung, Homogenität und Harmonisierung der Daten geschritten. Die technische Verordnung war Helena Åström Boss, pat. Ing.-Geom.
der amtlichen Vermessung der Schweiz.
auf das Inkrafttreten des neuen Geoinforma- Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
ter
swisstopo, Wabern
1 Bei einem aussergewöhnlich hohen nationalen tionsrechts am 1. Juli 2008 hin nur minimal helena.astroem@swisstopo.ch
I­ nteresse an der Umsetzung einer Massnahme oder
­eines Projekts kann der Beitrag maximal 80 Prozent
revidiert worden. Schon vor Beginn der ak-
der Gesamtkosten decken. Für die Finanzierung eines tuellen Revision war deshalb klar, dass einige
innovativen Projekts zur Weiterentwicklung der amt- historisch bedingte Inhalte überprüft und
lichen Vermessung oder zur Erprobung neuer Techno- Mitglieder der AGRAV
logien kann der Beitrag höher sein. eingehend überarbeitet oder sogar gänzlich
Fachstelle Eidgenössische Vermessungsdirektion
gestrichen werden müssen. Diese Arbeiten
1quater Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die swisstopo
sind grundsätzlich abgeschlossen. • Åström Boss Helena, Leitung
­Bemessung der Beiträge.
• Grütter Christian
Der von einem Arbeitsgruppenmitglied ein- • Scherrer Markus
gebrachte Vorschlag, das bisherige plan-­ • Mäusli Martin
Auszug aus dem Entwurf des Bundesgesetzes über admi-
orientierte Konzept der Toleranzstufen abzu-
nistrative Erleichterungen und die Entlastung des Bundes- Eidgenössisches Amt für Grundbuch- und
haushalts, welches aktuell vom Parlament beraten wird schaffen und durch das neue Konzept des ­Bodenrecht EGBA
IND-AV (Information Need Definition) abzu- • Stoffel Nathalie

lösen, hat das Interesse der AGRAV geweckt. • Risch Anja


• Beratung im Parlament ab 5. Oktober Das Konzept orientiert sich an BIM (Building Juristische Begleitung
2020 Information Modelling) und an den Bedürf- • Kettiger Daniel, kettiger.ch - law§solutions
Die Finanzkommission des Nationalrats hat nissen der Nutzerinnen und Nutzer. Die Fach- • Küttel Anita, swisstopo

dieses Geschäft am 5. Oktober 2020 erstmals hochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat Kantonale Vermessungsaufsichten
behandelt und im November 2020 z­ uhanden den vorgeschlagenen Ansatz geprüft. Der • Dettwiler Christian, TG
des Nationalrats verabschiedet. Die Beratung Bericht der FHNW wurde von der AGRAV dis-
• Favre Cyril, VD
• Niggeler Laurent, GE
im Zweitrat ist für die Frühlingsses­sion 2021 kutiert und soll zu einem späteren Zeitpunkt • Reimann Patrick, BL
vorgesehen.4 veröffentlicht werden. Die für eine allfällige • Veraguth Hans Andrea, GR

künftige Einführung des Konzepts IND-AV • Zanetti Gabriella, SZ


Revision der VAV notwendigen Anpassungen der vorliegenden Ingenieur-Geometer Schweiz IGS
Gemäss Auftrag sollen die rechtlichen Grund- Verordnungsentwürfe und deren Erläuterun- • Frick Thomas
lagen der AV künftig ermöglichen, rasch und gen werden aktuell formuliert. Diese Doku- • Rindlisbacher Markus

flexibel auf Nutzerbedürfnisse einzugehen. mente sollen im Q1 2021 der Geschäftslei- Fachliche Begleitung
Dazu gehört auch die Schaffung der Grund- tung des Bundesamtes für Landestopografie • KaulChristian
lagen für das neue modulare Datenmodell swisstopo eingereicht werden.
der amtlichen Vermessung DM.flex.

Weitere Anpassungen der VAV dienen der Gemeinsame Vernehmlassung


­Integration neuer Technologien und zukunfts- Das zweite Rechtsetzungsverfahren umfasst
sowohl die Revision der VAV wie auch die
4
Totalrevision der TVAV. Nach den bundesin-
20.067 Botschaft zum Bundesgesetz über administrative
Erleichterungen und die Entlastung des Bundeshaushalts
ternen Konsultationen und Bereinigungen
vom 26. August 2020 www.cadastre.ch  / revision erfolgt die gemeinsame Vernehmlassung

9
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Level of information need (LOIN) unterirdischer


­Objekte – für eine bessere Planung und einen
­verstärkten Austausch von Informationen

Um unterirdische Bauarbeiten – mit jeweils verschiedensten Akteuren – im Kanton Genf zu


­optimieren, hat die Direction de l’information du territoire ein Projekt lanciert. Dieses stützt sich
unter anderem auf das Prinzip des Level of information need (LOIN), einem Objekt über seine
verschiedenen Darstel­lungsformen während seiner gesamten Lebensdauer zu folgen. Es wurde
ein funktionierender Datenbankprototyp erstellt und das erarbeitete Konzept soll weiterver-
folgt werden.

Kontext mation Modelling) hervorgegangen ist und dessen Prin-


In Genf planen, koordinieren und verwalten die öffent- zip darin besteht, einem Objekt über seine verschiedenen
lich-rechtlichen Körperschaften und Anstalten die Bau- Darstel­lungsformen während seiner gesamten Lebens-
arbeiten für die Installation und /oder die Reparatur so- dauer zu folgen. Bauen digital Schweiz bildete zudem
wohl öffentlicher wie auch privater unterirdischer Anla- eine Arbeitsgruppe, um Überlegungen zur Umsetzung
gen und Rohrleitungen. Diese Akteure bilden zusammen dieses Konzepts auf der Ebene der Geodatenbanken
eine Organisation namens OGETTA, die auf ihre Tätig- ­anzustellen.
keitsgebiete hinweist: Wasser (Eau, ausgesprochen O),
Aus der Ausgangsfrage «Wie kann die Plattform des
Gas, Elektrizität, Telekommunikation, Wärme (Ther-
Système d’Information du Territoire à Genève (SITG) so
mique), Sanierung (Assainissement).
erweitert werden, dass Informationen über beabsich-­
Die OGETTA besteht aus der Commission de gouver- tigte und voraus­sichtliche Projekte geteilt werden kön-
nance des travaux en sous-sol (CGTSS) und den beiden nen?» ergaben sich mehrere Anschluss­fragen: «Wie
Gremien Commission de planification des travaux en kann eine GIS-Datenbank pro Projekt eingerichtet wer-
sous-sol (CPTSS) und Commission de coordination des den, die von der General­planung bis zu den Vermessun-
travaux en sous-sols (CCTSS). Letztere stellt die Beschei- gen auf der Baustelle reicht?» – «Wie soll das Planungs-
nigungen von Koordinierungsanträgen aus. management über diese Datenbank aufgebaut wer-
den?» – «Wie kann die Datenbank unter den Akteuren
Bei der Planung und Koordination anstehender Unter-
des Untergrunds geteilt, gemeinsam genutzt und mit
grundarbeiten stützt sich das CPTSS auf Dokumente zur
Querverbindungen zwischen den Projekten versehen
Raumplanung (Raum, Transport, Infrastruktur etc.), um
werden und dabei BIM-(LOIN) und IoT-Konzepte (Inter-
insbesondere die Auswirkungen auf die Nutzerinnen
net of things) einbinden und das gesamte GIS-Potenzial
und Nutzer des öffentlichen Raumes möglichst klein zu
ausschöpfen?».
halten, die Arbeiten zu rationalisieren und die Kosten
und Interventionszeiten zu reduzieren.
Entstanden ist das Projekt aus einem Antrag des CPTSS, Vorgehen
nach einer Lösung zur Optimierung der Untergrundar- Für ein gezieltes Vorgehen wurde das Projekt in zwei
beiten in Genf zu suchen. Die Direction de l’information Phasen aufgeteilt. Auf eine erste Analysephase folgte
et territoire (DIT) begrüsste diese Initiative und sah sie die Phase, in der ein Datenbankmodell und ein Prototyp
als Gelegenheit, die Definition und die Verwaltung der entwickelt wurden. Um die Anforderungen klar zu defi-
Wissensbasis über Untergrunddaten zu überarbeiten. In nieren, wurden Gespräche mit verschie­denen OGETTA-
der Folge beauftragte die DIT das in Geoinformatik spe- Mitgliedern durchgeführt. Es zeigte sich ein starkes
zialisierte Unternehmen arx iT AG mit der Betreuung der ­Bedürfnis an Unterstützung bei der Koordination und
Praktikumsabschlussarbeit von Guillaume Meyfroidt an das Anliegen, die Auswirkungen auf die Struktur der
der UniLaSalle, Beauvais, Frankreich, zu diesem Thema. ­bestehenden Datenbanken möglichst zu minimieren.
Während der Analysephase bestand der erste Schritt da-
rin, ein konzeptionelles Schema zu erstellen, um die da-
Herausforderungen
mit verbundenen Herausforderungen und Bedürfnisse
Das Land- und Planungsmanagement unterirdischer
gut zu verstehen (Abb. 1).
Bauarbeiten erfordert einen Ansatz, welcher territoriale
Objekte mit Informationen aus Projekten, Vorprojekten, Die Ausarbeitung der Lösung erfolgte in zwei Schritten.
Nutzungsplänen etc. verbindet. So entstand die Idee, In einem ersten Schritt wurde ein Datenbankschema
sich vom Konzept des Level of information need (LOIN) im Einklang mit den LOIN-Themenbereichen entwickelt.
inspirieren zu lassen, das aus dem BIM (Building Infor- Auf der Basis eines sogenannten Plug-in-Verfahrens

10
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Abbildung 1: Übersichts- 20 Jahre


schema des LOIN-Konzepts
Generalplanung
Lod 0 z. B.: kantonaler Richtplan
4 Jahre
BIM Gebietspläne
Lod 1 Lod 100 z. B.: Quartierplan
Detaillierungsgrad

2 Jahre

Lod 200 / Pläne in


Lod 2 300 Vorbereitung
4 Monate

Lod 400 / Bau-


stelle
Lod 3 500

T0
Lod 500 /
GIS 600
Unterhalt
T +1 Lod: Level of detail

wurden die Daten referenziert und mit ihren Projekten Daten


verknüpft, wodurch die Auswirkungen auf die bestehen- Die in diesem Projekt berücksichtigten Daten stellen
den Daten­banken minimiert werden konnten. ­bestehende (z. B. Strassen, Gebäude etc.) oder beabsich-
In einem zweiten Schritt wurde das Konzept einer Kom- tigte territoriale Objekte (z. B. zu verlegende Rohrleitun-
plettlösung erarbeitet, bei der die Datenbank als Kern gen, geplante Schachteinlässe etc.) sowie Projektflächen
dient und mit verschiedenen Instrumenten und Metho- dar. Je nach Projektstatus können diese Grundflächen
den zur Planung der Untergrundarbeiten verknüpft sehr gross (z. B. Quartierpläne) bis sehr klein (z. B. Bau-
­werden kann. stellenbereiche) sein.

Abbildung 2: Beispiele für


unterirdische Objekte

Gebäude
Strasse und
verbesserter Untergrund

Abflusslose
Untergrund
Sammelgrube
Wurzeln
Versorgungs-
Geologie

netze
Fundament

Grundwasser

Tunnel

11
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Web-Abfrage
Dashboard

Abbildung 3: High-Level- Konfliktmanagement User


Design der LOIN-Lösung Web-Anwendung OGETTA-Mitglied

Planung
Web-Anwendung

Datenübertragung
Untergrund
ArcGIS Pro + FME

Web-Portal

LOIN-Datenbank
Arbeitsplatz ArcGIS Pro
LOIN-zuständige Person

SITG-Datenbank

Ergebnisse Auf technischer Ebene setzt sich die LOIN-Datenbank


Die am Ende der Studie empfohlene Lösung besteht in aus drei LOIN-Tabellen zusammen, die die Untergrund-
der Verbindung einer Daten­bank mit einem Web-Portal objekte referenzieren: einer Haupttabelle und zwei
für das Management und die Koordination von Unter- ­Bezugstabellen. Diese drei Tabellen gewährleisten die
grund­projekten (Abb.  3). Verknüpfung zwischen Objekten, Projekten und Grund-
flächen. Hier im Detail:
Als Kern der Lösung dient die LOIN-Datenbank, in der
die Daten gespeichert werden. In den Funktionen des Objekte sind GIS-Objektschichten, die aus einem Quar-
Web-Portals sind diese Daten über verschiedene Module tierplan, aus territorialen Objekten oder projektierten
in der Form von Plug-in-Implementierungen verfügbar. Objekten stammen können. Diese Objekte können 2D-,
Das Ziel besteht darin, verschiedene Datenquellen inner- 3D-, BIM- oder IoT-Objekte sein. Aktuell gibt es auf der
halb dieser zentralisierten Datenbank zusammenzufüh- SITG-Plattform nur wenige territoriale Objekte, weshalb
ren, wobei jedes Objekt mit einem eindeutigen Identifi- bei den verschiedenen Akteuren Überlegungen zur Be-
kator referenziert wird (Abb. 4). reitstellung dieser Daten angestellt werden.

Abbildung 4: Schema der Grundflächen sind GIS-Objektschichten, die unter ande-


Plug-in-Implementierung LOIN-Datenbank
rem aus einem kantonalen Richtplan, einem Quartier-
der LOIN-Datenbank
plan oder aus der aktuellen PCM-Software für das Bau-
Daten Identifikator stellenmanagement stammen. Diese Objekte sind 2D-
Polygone, die den Standort eines Projekts darstellen.

Die Haupttabelle listet die verschiedenen in der LOIN-


Diese Referenzierung ist eine Antwort auf den ursprüng- Datenbank vorhandenen Projekte auf. In diese Tabelle
lichen Antrag. Sie stellt eine systematische Verknüpfung können die Informationen zu den Projekten eingegeben
der Objekte zu ihren Projekten und Konzeptphasen her, werden. Die aktuell gespeicherten Informationen betref-
um einen erleichterten Zugang zu allen Merkmalen ei- fen die Phase, den Beginn und das Ende des Projekts,
nes Untergrundprojekts aus verschiedenen Blickwinkeln aber die Liste lässt sich bei Bedarf erweitern.
(Projektphasen, berufsspezifische, rechtliche und wirt­
Die Datenbank wird mit einer GIS-Anwendung (ArcGIS
schaftliche Aspekte) zu bieten. So wird es möglich, Ab-
Pro) aus verwaltet, um über alle innovativen Manage-
fragen innerhalb bisher nicht miteinander verbundener
mentfunktionen zu verfügen, die diese bietet: Einfügen
Datenwelten durchzuführen.
in das LOIN-Projekt von 2D- und 3D-Daten, BIM-Projekt,
Workflow-Management etc.

12
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Abbildung 5: Für das


­LOIN-Projekt modelliertes
Dashboard (Insights for
­ArcGIS)

Das Web-Portal mit seinen verschiedenen Modulen wird gen, die auf dieser LOIN-Datenbank beruhen, um die
den Usern – in diesem Fall den OGETTA-Mitgliedern, Daten zu ergänzen und anzuzeigen und dabei gleich-
aber auch Partnerdiensten und, für bestimmte Daten, zeitig die Planung zu optimieren. Ein erstes Visualisie-
der Öffentlichkeit – zur Verfügung stehen. Diese Mo-­ rungsmodell steht in Form eines Dashboards zu Ver-­
dule in der Form von Dashboards und Karten erlauben fügung. Es liegt zwar noch nicht in der endgültigen
es b
­ eispielsweise, ein Projekt auszuwählen und einen ­Fassung vor, ermöglicht aber bereits den angestrebten
Zeitplan zu den beabsichtigten Bauarbeiten zu erhalten Informationsaustausch. Über die Web-Anwendungen
(Abb. 5). Da die Daten bereits im Vorfeld des Bauvor­ und Informationen zum Zeitfaktor der Daten lassen
habens eingegeben werden, können die an einer Bau- sich zudem Planungsinstrumente wie Gantt-Diagram-­
stelle beteiligten oder interes­sierten Akteure bei Bedarf me sowie A ­ larm- und Konfliktwarnsysteme erstellen.
über ein Warnsystem über mögliche Planungskonflikte Diese machen das System noch effizienter, indem sie
oder andere Ereignisse informiert werden. die verschiedenen A ­ kteure über die Entwicklung eines
Projekts informieren.

Fazit und Ausblick Es geht nun also darum, die Datenbank umzubauen
Aus dem ursprünglichen Antrag des CPTSS zur Erstel- und mit Untergrunddaten anzu­reichern. In der Folge
lung einer Karte für die Planung von Untergrundarbei- können Visualisierungsanwendungen wie oben be-
Quellen:
ten hat sich die Möglichkeit ergeben, die SITG-Plattform schrieben entwickelt werden.
arx iT AG,
www.arxit.com zu erweitern, um Informationen über beabsichtigte
Nach den ersten Vorführungen bei den OGETTA- und
Diplomarbeit von und voraussichtliche Projekte zu teilen. Gestützt auf die
CPTSS-Mitgliedern zeichnet sich ab, dass das Konzept
Guillaume Meyfroidt, BIM-Konzepte, hauptsächlich LOIN, und deren Verknüp-
UniLaSalle, Beauvais, einstimmig befürwortet wird. Vorgesehen ist, in einer
fung mit eindeutigen Identifikatoren und Bezugstabellen
­Frankreich, «Level of in- ersten Phase die Gebietspläne und Pläne in Vorbereitung
formation need (LOIN) konnte ein Datenbankprototyp erstellt werden, der als
umzusetzen. Parallel dazu sollen auch Überlegungen
des o ­ bjets du sous-sol: Plug-in funktioniert. Die Datenbank verbindet die erhal-
pour une planification zur Verwaltung der Untergrunddatenbanken angestellt
tenen Daten über Identifikatoren mit ihrem / ihren jewei-
et un échange d’infor- werden.
mations renforcés», ligen Projekt  /en. Dank dem Einbezug der Projektpartner
­Februar bis Juli 2020, bietet diese Lösung einen vereinfachten und umfassen- Laurent Niggeler, pat. Ing.-Geom.
unter der L­ eitung von
arx iT AG.
den Zugang zu den Daten. Es ist möglich, auf die Pro- Direction de l’information du territoire des Kantons Genf
laurent.niggeler@etat.ge.ch
jektinformationen in den verschiedenen Projekt­phasen
Arbeitspapier «Studie
zur Überprüfung des zuzugreifen und gleichzeitig die Auswirkungen auf die
Konzepts IND-AV», Datenbanken der Beteiligten zu minimieren.
­Januar 2020, Bauen
­digital Schweiz. Der grösste Aufwand bestand im Aufbau dieser Daten-
bank; aber es wurden auch Anwendungen vorgeschla-

13
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Einsatz von BIM im Kanton Genf

Heutige Projekte basieren auf einem digitalen Ansatz. Das Bauwesen ist davon nicht nur in den
Phasen der Vorstudie, Projektierung und Konstruktion betroffen, sondern auch bei der Abnah-
me der Bauwerke für deren Bewirtschaftung bis hin zur Renovation und zum Abriss – und dies
alles in kollaborativer Zusammenarbeit und unter Nutzung der BIM-Methode (Buil­ding Infor-
mation Modelling). Das BIM-Verfahren ist daher für den Kanton Genf in verschiedener Hinsicht
von Interesse, vor allem was die Verwaltung seiner Baukultur und sein Landmanagement, aber
auch die digitale Abwicklung des Baubewilligungsverfah­rens anbelangt.

Definition des BIM-Ansatzes Das BIM-Konzept lässt sich in vier Bereiche unterteilen:
Das Akronym BIM steht für «Building Information Mo- Organisation, Prozesse, Daten und Techno­logie.
delling» und bedeutet die Digitali­sierung der Prozesse
• Arbeitsorganisation
der Entwicklung, Erstellung und Nutzung von Konstruk-
Die Arbeitsorganisation wird durch die Nutzung ver-
tionsdaten über den gesamten Lebenszyklus eines Bau-
netzter Systeme, die den Informationsaustausch über
werks. Das BIM-Konzept ermöglicht die gemeinsame
das ganze Bauvorhaben hinweg ermöglichen, tief-
Nutzung des digitalen Modells eines Neubaus unter den
greifend verändert und optimiert.
beteiligten Akteuren und bildet so das Herz­stück einer
optimierten Zusammenarbeit. • Arbeitsprozesse
Auch die Arbeitsprozesse müssen sich ändern. Denn
Das Modell enthält nicht nur die Geometrie des Projekts,
es ist notwendig, dass das vernetzte System sowohl
sondern auch eine Fülle von Informationen über bauli-
effiziente und langfristige Prozesse als auch spezifische
che, zeitliche, thermische, akustische, finanzielle und
Protokolle in Bezug auf die neue Rollenverteilung und
ökologische Aspekte, die das Bauwerk in all seinen Fa-
die neuen Verantwortlichkeiten berücksichtigt.
cetten beschreiben.
BIM ermöglicht somit, Konzeptionsfehler zu reduzieren, • Datenstrukturierung
die verschiedenen Konstruktions- und Bewirtschaftungs- Die Datenstrukturierung ist ein zentraler Punkt bei
Abbildung 1: phasen dank Simulationen frühzeitig aufzugleisen und der Implementierung des BIM-Verfahrens. Sie ermög-
BIM-Verfahren: Lebens-­
zyklus der D
­ aten eines die Informationen während der gesamten Lebensdauer licht nicht nur einen raschen und effizienten Zugang
Bauwerks (swissBIM, 2017) des Projekts zu nutzen. zu den Informationen, sondern auch die Kontinuität
der Datenübermittlung über den gesamten Lebens-­
zyklus des Projekts und des Bauwerks hinweg.
KOORDINATION MENGENGERÜST
• Technologie
Die Technologie macht das früher Undenkbare heute
ANALYSE
PROZESSE 4D/ 5D möglich. Neue Anwendungen erlau­ben es, die ver-
schiedenen BIM-Dimensionen 3D, 4D, 5D, 6D und 7D
  nicht nur zu organisieren und zu verwalten, sondern
T K
EP sie auch mit zusätzlichen Angaben wie Zeit, Kosten,
O
NZ

NS

nachhaltige Entwicklung, Facility Management etc.


KO

TRU

zu ergänzen.
KTION

Vision des Kantons Genf


EW G
B

IRT N Mit der Einführung des BIM-Verfahrens beabsichtigt der


SCHA FTU
PROJEKT Kanton Genf die Erweiterung seiner bereits vor einigen
AUSFÜHRUNG
Jahren unternommenen Anstrengungen zur Digitalisie-
rung. Er sieht darin die Gelegen­heit, neue Anwendungen
zu entwickeln, um die Daten zu bündeln und zu vernet-
zen und die Organi­sation der von den zuständigen Ab-
RENVATION REVISION
teilungen angebotenen Dienstleistungen zu optimieren.
UNTERHALT / FM
Erhaltung des digitalen Erbes

14
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Der Prozess wurde im Kanton Genf bereits angestossen, Der Umfang dieser Roadmap wurde in Bezug auf die
insbesondere durch private Unternehmen, die in der von der BIM-Implementierung betroffenen Aufgaben
Konstruktion und Bewirtschaftung von Gebäuden tätig definiert und basiert auf vier Entwicklungsachsen
sind und das BIM-Konzept für ihr Projektmanagement (siehe Abb. 2).:
anwenden. Der Kanton möchte daher proaktiv sein und • der Kanton als Aufsichtsbehörde,
den Wandel organisieren und begleiten, der es einer- • der Kanton als Verwalter seiner Baukultur,
seits ermöglicht, die verschiedenen Aufgaben gegen- • der Kanton als Verwalter seines Territoriums und
über der Bevölkerung effizienter wahrzunehmen, und • der Kanton als Informationsdienst.
andererseits die Arbeit aller Fachleute erleichtert, die
Alle diese Achsen weisen spezifische BIM-Herausforde-
­immer präzisere und aktuellere Daten benötigen.
rungen, Akteure und Schlüsselkenntnisse auf und wirken
Vor diesem Hintergrund beschloss das Département du zu unterschiedlichen Zeit­punkten auf den Lebenszyklus
territoire des Kantonts Genf eine Roadmap für die Ein­ eines Bauwerks ein. Die Umsetzung des BIM-Verfahrens,
führung des BIM-­Verfahrens im Kanton zu erstellen, mit auf diesen vier Achsen beruhend, erfolgt in unterschied-
den folgenden Zielen: lichem Tempo – je nach Prioritäten, aber auch je nach
• Entwicklung einer globalen Vision für die Umsetzung der behördeninternen und -externen Bereitschaft der
des BIM-Konzepts beim Kanton Genf, Akteure zur Digitalisierung. Dennoch muss aber eine um-
• detaillierte Auflistung der wichtigen Themen oder fassende Konsistenz bei der verfahrenstechnischen und
­Bereiche und technologischen Umsetzung des BIM-Konzepts gewähr-
• Ableitung der zu ergreifenden Massnahmen. leistet sein, um die Verfolgung eines gemeinsamen Ziels
sicherzustellen.
Abbildung 2:
BIM-Entwicklungsachsen
im Kanton Genf

Der Kanton als Der Kanton als


Der Kanton als Der Kanton als
­Verwalter seiner ­Verwalter seines
Aufsichtsbehörde ­Informationsdienst
­Baukultur ­Territoriums
Aufgabe des Kantons

Entwicklung und Um­


Überwachung der setzung der Strategie für
Entwicklung, Bau und Leitung der Raum-­
­Einhaltung der die Informations-, Kommu-
­Renovierung kantons­ entwicklung des
­Bauvorschriften und nikations- und Informa-
eigener Bauten Kantons
­-gesetze tionssicherheits­systeme der
kantonalen Verwaltung
Herausforderungen der BIM-Implementierung

Definition der Informatio­


nen und Ergebnisse, die Konvergenz zwischen
Anpassung des ­Bauinformationen (BIM)
von den Kantonsbeauftrag-
gesetzlichen Rahmens des und Landinformationen Entwicklung koordinierter
ten für die Planung, Aus-
Baubewilligungs­verfahrens (GIS) technologischer Lösungen,
führung und insbesondere
die den berufsspezifischen
Definition und Einbindung Instandhaltung der Bauten Definition der Verwen-­ Anforderungen gerecht
der zu kontrollierenden benötigt werden dungen und der Relevanz werden
­Daten der BIM-Daten auf
Definition einheitlicher,
­Gebietsebene Begleitung bei der Über-
Einführung und Unter-­ ­bereichsübergreifender
nahme der neu implemen-
stützung der neuen ­BIM-Pflichtenhefte Verbesserung des digitalen tierten digitalen Prozesse
­Prozesse für Antragsteller Zwillings (Digital Twin) des
Einrichtung von Instrumen-
und Vorprüfer Gebiets
ten zur Erhaltung der
­Baukultur

15
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Inhalt der BIMÉtat-Roadmap tig, die für die beteiligten Akteure neu geschaffenen
Die Roadmap basiert auf neun thematischen Kompo- Austauschkanäle zu veran­schaulichen (Komponente
nenten, in denen alle über die gesamte Dauer der Im- Sharingservices). Ebenfalls zu berücksichtigen sind
plementierung von BIMÉtat zu behandelnden Punkte die rechtlichen und normativen Auswirkungen (Kom-
­ausführlich beschrieben sind. Diese Bereiche umfassen ponenten Rechtsgrundlagen und Normen und Stan-
Mensch, M­ ethodik und Technologie: dards).

• Mensch • Technologie
Die Umsetzung des digitalen Wandels erfordert ein Die Digitalisierung des Baubewilligungsverfahrens
starkes menschliches Engagement. Auf Governance- wird sich auf digitale Daten stützen, insbesondere
Ebene muss das Projektmanagement effizient, pro-­ ­3D-Daten für die digitalen BIM-Modelle (Komponente
aktiv und transparent sein (Komponente Organisation Daten). Die bereitzustellenden Informatikmittel müs-
und Governance). Der Paradigmenwechsel von der sen den Bedürfnissen des Informationsaustausches
analogen zur digitalen Welt bringt eine Veränderung zwischen den BIMÉtat-Akteuren gerecht werden (Kom-
der Bezugspunkte mit sich und erfordert die Beglei- ponente Technologie-Plattform).
tung des Personals (Komponente Change Manage-
Die BIMÉtat-Roadmap sieht ein Zeitfenster von mehreren
ment).
Jahren vor; der effektive Start war im Jahr 2018. Für
Information und Kommunikation sind auch ein wichti-
jede Komponente ist eine Richtung mit einem Makroziel
ger Hebel für die Akzeptanz neuer digitaler Nutzun-
festgeschrieben. Die verschiedenen BIMÉtat-Komponen-
gen (Komponente Informationsnetzwerke). Schliesslich
ten werden darin beschrieben (s. Abb. 3).
bilden Ausbildung und Innovation die Grundlage für
den Erwerb und die Entwicklung von neuem Wissen
Aktuelle Entwicklung des BIMÉtat-Ansatzes
(Komponente Ausbildung und Forschung).
Aktuell entwickeln mehrere Ämter der kantonalen Ver-
• Methodik waltung von Genf im Rahmen eines abgestimmten Vor-
Abbildung 3: Im Rahmen des digitalen Wandels müssen die beste- gehens die verschiedenen BIMÉtat-Komponenten.
BIMÉtat-Roadmap henden Prozesse angepasst werden. Daher ist es wich-

Leiten Auf Governance-Ebene wurde eine effiziente Strategie zur Steuerung


Organisation
Entscheidungsfindung und operative Umsetzung des BIM-Ansatzes entwickelt.
Governance

Gesetze erlassen Die gesetzlichen Rahmen­bedingungen für die Verwen­dung der


Rechtsgrundlagen Alle anwendbaren Gesetze für die BIMÉtat-Nutzung ­BIM-Methode im Kanton Genf wurden geschaffen.

Standardisieren Die Anweisungen für die Erstellung und Verbreitung der


Normen und Anpassung der Normen und Standards an das Umfeld
BIM-Methode stehen den Fachleuten zur Verfügung.
Standards des Kantons Genf

Strukturieren
Die BIM-Daten werden voll ausgeschöpft.
Daten Stamm- und operative Daten und Metadaten

Entwickeln Die IT-Infrastruktur entspricht den BIM-Bedürfnissen


Technologie- Hardware, Software und Netzwerke,
und -Anwendungen.
Plattform welche die IT-Infrastruktur bilden

Ausbildung Die Akteure der Plattform werden in den


Ausbildung
Massahmen zum Erlernen des BIM-Konzepts BIM-Instrumenten und -Methoden geschult.
Forschung

Zusammenarbeiten Der Lebenszyklusprozess der BIM-Daten ist klar definiert


Berufsspezifische Prozesse zwischen den Akteuren
Sharingservices zwischen den Beteiligten.
der Plattform und Datenaus­tauschkanälen

Begleiten
Die Akteure der Plattform sind mit dem Einsatz der
Change Adäquate Assimilation neuer Methoden,
BIM-Methode vertraut.
Management Prozesse und Anwendungen

Kommunizieren Die Kommunikation rund um die BIM-Methode ist


Informations- Marketingstrategie, Technologie-Monitoring,
effizient und umfassend.
netzwerke Benutzergemeinschaft

Komponenten Ziele

16
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Das BIM-Baubewilligungsverfahren umfasst sechs


­Elemente:
• Bereitstellung kantonaler Daten im BIM-Format (.ifc)
für die Ausarbeitung von Projekten unter Berücksichti-
gung der geografischen Daten sowie der im Projekt-
gebiet einzuhaltenden Normen und Vorschriften.
­Diese Vorlage wird auch Elemente zur angemessenen
Strukturierung des eingereichten Modells enthalten,
damit es den vom Kanton Genf festgelegten Anforde-
rungen entspricht.
• Bereitstellung einer Konformitätsprüfung für die digi-
talen Modelle, um den Antragsteller bei der Erstellung
seines digitalen Modells in Bezug auf die Form (Struk-
turierung, Vollständigkeit) zu begleiten.
• Bereitstellung einer Plattform für die Ablage und Visua-
lisierung digitaler BIM-Modelle im IFC-Format. Diese
Plattform versteht sich sowohl als externes Instrument
für die Antragsteller als auch als internes Instrument
Abbildung 4: Für eine koordinierte Umsetzung wird zurzeit eine be-
Illustration aus der vom für den Kanton, um Projekte zu visualisieren und die
reichsübergreifende BIM-Charta für den Kanton Genf
Kanton Genf entwickelten
Verwaltungsangestellten bei der Vorprüfung zu unter-
Plattform zur Visualisierung ausgearbeitet. Sie beschreibt die verschiedenen Prozes-
von BIM-Modellen stützen, Projekte rasch und einfach abzuwickeln und
se, die im Kanton in Bezug auf die BIM-Methode umge-
dabei den Fokus auf die berufsspezifischen Bedürfnis-
setzt werden, die angestrebten Ziele sowie die Erwar-
se zu richten (Abb. 4).
tungen des Kantons gegenüber seinen Partnern, Auf-
• Bereitstellung eines Instruments zur Visualisierung des
tragnehmern und Auftraggebern für alle BIM-Anträge,
Projekts in seiner Umgebung, damit das Projekt als
-Gesuche und -Projekte. Die einzelnen BIM-Implemen­
Ganzes und in seinem urbanen Kontext beurteilt wer-
tierungen in den verschiedenen kantonalen Ämtern
den kann.
werden sektorielle BIM (BIM sectoriel) genannt.
• Unterstützung bei der Konformitätsprüfung der digi-­
Das Office cantonal des bâtiments setzt so seine Strate- talen Modelle, um den Antragsteller während der
gie für die Verwaltung der Baukultur mit der BIM-Me- Konzeptphase seines Projekts in Bezug auf das Grund-
thode um. Dazu bedient es sich entsprechender Mittel, layout (Ein­halten von gesetzlichen und baulichen Vor-
um die digitalen BIM-Modelle aufzunehmen und zu schriften) zu begleiten.
­visualisieren, und legt Modellierungsanforderungen für • Bereitstellung einer Austauschmöglichkeit rund um
die einzelnen Projekt­phasen fest. Auch das Office canto- das digitale Modell auf der Grundlage des ISO-normier-
nal du génie civil entwickelt seine Strategie und Prozes- ten Formats BIM Collaboration Format (BCF), das den
se, um das Manage­ment seiner Bauprojekte mit BIM Austausch innerhalb des Kantons, aber auch zwischen
zu bewerkstelligen. Das Office cantonal de l’urbanisme Behörden und Antragstellern, ermöglicht.
und das Office cantonal de l’énergie sind ebenfalls da-
bei, ihre BIM-Implementie­rungsstrategie zu definieren Ophélie Vincendon, Ing. BIM-Manager
und umzusetzen. Direction de l’information du territoire des Kantons Genf
ophelie.vincendon@etat.ge.ch
Die absolute Priorität bei der Umsetzung des BIMÉtat
liegt in der BIM-Abwicklung von Baugesuchen. Für die
Durchführung dieses Projekts hat der Kanton Genf
­einen Forschungsvertrag mit dem Labor Cultures Numé-
riques du Projet Architectural (CNPA) der EPFL Lausanne
abgeschlossen. Dieses Projekt stellt die Grundlage für
die Entwicklung des BIMÉtat dar. In der Folge werden die
verschie­denen oben erwähnten sektoriellen BIM darin
eingebunden.

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Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

200 Jahre Repère Pierre du Niton

Vor 200 Jahren wurde ein bekanntes Vermessungszeichen der Schweiz angelegt: Repère Pierre
du Niton (RPN), die Bronze-Platte auf dem Findling im Hafenbecken von Genf. Noch heute
legt RPN den offiziellen Horizont fest respektive definiert als Ausgangspunkt die Meereshöhen
in der Schweiz. Dieser Beitrag fokussiert auf die Einführung des neuen Horizontes ab dem
­Jahre 1902.

Abbildung 1 links:
Die Pierres du Niton im Ha-
fenbecken von Genf

Abbildung 2 rechts:
RPN im Höhenverzeichnis
aus 1895

Von der Pegelmarke … 1879: Der alte Horizont RPN 376.86 m ü. M.


Unweit des Jet d’eau, dem Wahrzeichen von Genf, prä- In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren exakte
gen zwei Granitfindlinge das Seebecken: die beiden Höhen für die Bedürfnisse des Eisenbahn- und Wasser-
­Pierres du Niton (Abb. 1). Auf dem niedrigeren, vom baus gefordert und die grossen Höhenunterschiede an
Ufer weiter entfernten Felsblock befindet sich Repère1 den Landesgrenzen wurden als störend empfunden. Auf
Pierre du Niton (RPN), eine runde Bronze-Platte mit Druck des Eidgenössischen Departements des Innern
85 mm Durchmesser (Abb. 2). Sie wurde 1820 auf An- legte Oberst Hermann Siegfried (1819 –1879), General-
ordnung von Guillaume Henri Dufour (1787–1875), stabschef und Leiter des Eidgenössischen Topographi-
­damals Ingénieur du Canton et de la Ville de Genève, schen Bureaus, für RPN den als «alter Horizont» bekann-
gesetzt (vgl. den Beitrag zur Dufourkarte auf S. 21). Der te Wert 376.86 m ü. M. fest. Er wurde für Vermessungen
Kanton Waadt beschuldigte die Genfer, den Abfluss und Karten bis weit ins 20. Jahrhundert verwendet und
der Rhone künstlich zu stauen und Überschwemmungen stiftet bis zum heutigen Tage gelegentlich für Verwir-
zu verursachen. RPN diente Dufour zur Überwachung rung.
des Seestandes. Die Geburtsstunde unseres «Jubilars»
basiert somit auf einem Streit zwischen Waadt und 1902: Der neue Horizont RPN 373.6 m ü.  M.
Genf, welcher bis weit ins 19. Jahrhundert schwelte. Schon 1862 war bekannt, dass die Höhen in der Schweiz
2  –  3 m zu hoch sein mussten. Im Auftrag der Landesto-
… zum Höhen-Fundamentalpunkt der Schweiz pographie korrigierte Jakob Hilfiker (1851 –1913) im Jah-
Die meisten Geomatikfachleute lernten, dass der re 1902 Siegfrieds Wert aufgrund einer U ­ ntersuchung
Schweizer Horizont in Genf gegenüber dem Mittelmeer mit den Nivellements der Nachbarstaaten. Er schlug die
bei Marseille definiert ist. Tatsächlich: Für die geodäti- noch heute gültige Festlegung des «neuen Horizonts»
schen Grundlagen der Schweiz dient RPN als Fundamen- vor:
talpunkt für die offiziellen Höhen, den sogenannten Als Ausgangshorizont des schweizerischen Höhennet-
­Gebrauchshöhen LN02. Die Kote 373.60 m ü. M. legt in zes wird das Mittelwasser des Mittelländischen Meeres
der GeoIV 2 den Höhenbezug der Geobasisdaten fest. im Hafen von Marseille eingeführt, das mit Abschluss
der Mareographenangaben vom 1. Januar 1900 11 mm
über « zéro normal du nivellement général de la France »
1
Repère (frz.): Markierung, Festpunkt, Bezugspunkt, Vermessungszeichen
liegt. Demgemäss wird die absolute Höhe von Pierre
2
Verordnung über Geoinformation (Geoinformationsverordnung, GeoIV), du Niton auf 373,6 m festgesetzt.
SR 510.620

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Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Diese Definition erfolgte gleichzeitig mit der Einführung einen eigenen Horizont – was ja begreiflich ist, (ich bin
der neuen Zylinderprojektion, um die Landes- und Grund- Zürcher) und zwar gegenüber der alten 376.86 um
buchvermessung auf eine einheitliche Basis zu stellen. 2.60 m verschieden, Basel stützt sich auf den Nullstrich
Sie war keineswegs unbestritten. Es dauerte mehrere des Pegels als Null etc. etc.
Jahrzehnte, bis sie sich durchsetzte und die alten Höhen
von Gugelberg entgegnete: Ein neuer Horizont [sic. der
verschwanden:
Alte aus 1879] war im Begriffe, 5 bis 6 alte verschiede-
• 1910 erfolgte die gesetzliche Verankerung in der
ne zu verdrängen. Viel war schon erreicht, sehr viele
­Instruktion für die Ausführung der Grundbuchvermes-
Angaben waren schon und wurden auf 376 eingestellt.
sung.
Das Ziel war schon zu einem recht nennenswerten Teile
• 1917 beschloss die Abteilung für Wasserwirtschaft
erreicht – da wird ein neues, noch viel weiter gesteck-
(Departement des Innern), die Höhenangaben auf
tes Ziel, theoretisch völlig richtig, für die Praxis aber hin-
den neuen Horizont zu beziehen.
derlich, aufgestellt, dessen Vorteile so klein sind, dass
• 1927 hoben die Schweizerischen Bundesbahnen die
wir es nicht verstehen können, dass wir uns unser gan-
vielfältigen Horizontangaben auf und führten den
zes Leben nicht mehr über das erreichte freuen und es
neuen Horizont ein.
geniessen sollen.
• 1979 erschien die letzte Erstausgabe der Landeskarte
1: 25 000 und verdrängte den alten Horizont in der von Gugelberg schlug vor, auf die Karte zu drucken:
Siegfriedkarte. «sämtliche Höhenangaben dieser Karte sind um 3.26 m
zu erniedrigen, um richtige Meereshöhen zu erhalten».
Ein Wechsel, der zu diskutieren gab
Baeschlin meinte dazu: Jeder Durchschnittsmensch
Amüsant zu lesen ist der im Bundesarchiv einsehbare
­würde sich sagen: «Warum haben denn diese Kamele
Briefwechsel zwischen dem Bündner Ingenieur Hans
dies nicht berücksichtigt?». Sein gesunder Menschen-
­Luzius von Gugelberg (1874 –1946), Hans Zölly (1880 –
verstand würde noch mehr verletzt, wenn er dann
1950; Chef der Sektion für Geodäsie) und Fritz Baeschlin
noch erführe, dass diese Tatsache schon sehr lange,
(1881–1961; Geodäsie-Professor an der ETH Zürich).
ca. 40 Jahre, bekannt war.
von Gugelberg beschwerte sich 1927 über «die Untat». Die Höhe von Pierre du Niton zu 373.60 Meter steht
auf einige wenige Centimeter fest für sehr lange Zeit,
Zölly verteidigte die Einführung des neuen Horizontes:
ganz sicher für Hundert Jahre, subjektiv bin ich über-
… viel wichtiger war es, an Stelle eines Wirrwars von
zeugt für Jahrhunderte.
verschiedenen Horizonten, die in der Technik und in
der Karte bestanden, darunter auch den «alten» von
376.86 m durch einen einzigen zu ersetzen. Der aktuelle Vergleich mit den Höhen der Nach-
Die vereinigten Schweiz. Bahnen hatten nicht densel- barstaaten
ben Horizont wie die Central Bahnen. Genf besitzt heu- Vergleicht man zum jetzigen Zeitpunkt die Höhenunter-
te in dem nicht vermessenen Stadtgebiet einen anderen schiede an der Landesgrenze, so ergibt sich das Bild in
Horizont als die Cité, die Stadt Bern noch vor 6 Jahren Abbildung 3.

Abbildung 3:
Höhenunterschiede an der
Landesgrenze in [cm]

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Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Fotos: © Andreas Schlatter

Abbildung 4: Der Jet Im Mittel gleichen sich die Werte beinahe aus. Erstaun-
d’eau, das Wahrzeichen
lich aber, dass der offizielle Höhenunterschied beim
von Genf, mit dem Pierre
du Niton im Vordergrund Dreiländereck in Basel zwischen Deutschland und Frank-
reich mehr als 0.5 m beträgt. Gegenüber der letzten
Abbildung 5: Jubiläums-­
tafel zu Ehren des
­Veröffentlichung von gesamteuropäischen Normalhöhen
­200-jährigen Repère Pierre (EVRF2019 / ZeroTide), die im Amsterdamer Pegel (NAP)
du Niton gelagert sind und deshalb gut mit den deutschen Nor-
malhöhen übereinstimmen, weicht RPN um 16 cm ab
(CH - EVRF2019). Die «europäische Normalhöhe» von
RPN liegt somit bei 373.44 m ü. M.

Solange die einzelnen Länder den europäischen Bezugs-


wert nicht verwenden und die Schweiz ihr Höhensystem
nicht ändert, dürfen wir uns auch künftig an RPN mit
seinen 373.6 m ü. M. freuen. Ob dies, wie Baeschlin pro-
phezeite, noch für Jahrhunderte gilt?

Andreas Schlatter, Dr. sc. techn.


Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
swisstopo, Wabern
andreas.schlatter@swisstopo.ch

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Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Ein frühes Bekenntnis zum Bundesstaat:


die Dufourkarte von 1845

Die Topographische Karte der Schweiz (Dufourkarte) vermittelte eine unmissverständliche


­Botschaft. Ihr Kartenbild hob das Territorium der Eidgenossenschaft deutlich vom umliegenden
Ausland ab, kantonale Grenzen waren hingegen nur bei genauem Hinsehen sichtbar. Damit
betonte sie einen geeinten Bundesstaat bereits zu einer Zeit, als ein solcher noch gar nicht
­existierte.

Im Jahr 1883 öffnete in Zürich die erste Schweizerische rend die Kantonsgrenzen nur bei genauem Hinschauen
Landesausstellung ihre Tore. Auch ein Berichterstatter erkennbar waren. Die Nomenklatur der Karte kam sogar
der Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitung besuch- gänzlich ohne die Nennung der Kantone aus.
te das Grossereignis. Ein Exponat begeisterte den Be-
Nationale Grenzen hob die Dufourkarte in ihrer Erstaus-
trachter ganz besonders: An der Landesausstellung war
gabe hervor, indem das Schweizer Territorium plastisch
eine Zusammensetzung aller 25 Blätter der Topographi-
und detailliert herausgearbeitet, das Ausland aber nur
schen Karte der Schweiz zu bewundern. Der Bericht-­
skizzenartig dargestellt war. Die Schweiz schien sich wie
erstatter verbarg seine Faszination für das 1864 fertig-
Abbildung 1 links: eine Insel aus einem weissen Meer zu erheben. Dieser
Das Schweizer Territorium gestellte Kartenwerk nicht. Er schrieb schwärmerisch:
Effekt war überall dort besonders stark, wo die Grenzen
hebt sich deutlich von «Dies Ausstellungsobjekt ist die Perle der ganzen Aus-
­Savoyen (damals Sardinien) der Eidgenossenschaft durch die gekonnten Reliefdar-
stellung, es stellt in würdigster Weise die politische Ein-
ab. (swisstopo Karten- stellungen der Berggebiete verliefen (vgl. Abb. 1 und 2).
sammlung, TK 017 1844, heit der Schweiz dar».
Auszug) Das Kartenbild hob die politische Einheit der Schweiz un-
Landes- und Kantonsgrenzen in der Dufourkarte missverständlich hervor. Doch in den 1830er und 1840er
Abbildung 2 rechts:
In der Bildmitte befindet Für den anonymen Berichterstatter war es 1883 eine Jahren, in denen die Gestaltung der Dufourkarte ausge-
sich das waadtländische Tatsache, dass die Schweiz über politische Einheit ver- arbeitet wurde, existierte eine solche Einheit noch in
Dappental. Das Kartenbild
der Dufourkarte vermit-­
fügte. In der Tat war das Land seit der Gründung des ­keiner Weise.
telte zwar eine klare terri- modernen Bundesstaates im Jahr 1848 zusammenge-
toriale Abgrenzung, doch wachsen, auch wenn politische Gräben und Spannun- Eine uneinige Schweiz
die staatliche Zugehörigkeit
des Tals zwischen Frank-
gen weiterhin bestanden. Die Topographische Karte der Als das Eidgenössische Topographische Bureau im Jahr
reich und der Schweiz war Schweiz schien diese Entwicklung zu bestätigen. Wie 1845 die ersten zwei Blätter des Kartenwerks (XVI Ge-
bis 1862 umstritten die Historiker Daniel Speich-Chassé und David Gugerli nève, Lausanne; XVII, Vevey, Sion) veröffentlichte, befand
­(swisstopo Kartensamm-
lung, TK 017 1845, Aus- in ihrer Studie «Topografien der Nation»1 aufzeigten, be- sich die Schweiz in einer politischen Lage, für die «Ein-
zug) tonte das Kartenbild die Schweiz als Gesamtstaat, wäh heit» die vielleicht am wenigsten passende Bezeichnung

1
Gugerli, David / Speich, Daniel: Topografien der Nation. Politik, karto-
grafische Ordnung und Landschaft im 19. Jahrhundert, Zürich: Chronos
2002.

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Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

gewesen wäre. Die Schweizerische Eidgenossenschaft der Eidgenossenschaft (Oberstquartiermeister) und be-
war zu diesem Zeitpunkt kein Bundesstaat, sondern ein fürwortete einen liberalen Schweizer Bundesstaat.
Staatenbund. Die Souveränität lag in weiten Teilen bei Gleichzeitig wusste er aber auch um die Notwendigkeit
den Kantonen, während die Tagsatzung als politische des politischen Kompromisses. So war es nicht zuletzt
Klammer der Schweiz nur geringe exekutive und legisla- seiner gemässigten Kriegführung zu verdanken, dass
tive Verfügungsgewalt kannte. sich der 1847 ausgetragene Sonderbundskrieg zwischen
den Gegnern und Befürwortern eines modernen Bun-
Die Frage, wie Kompetenzen zwischen kantonalen und
desstaates zu keinem grösseren, verheerenden Bürger-
eidgenössischen Einrichtungen aufzuteilen waren, stellte
krieg entwickelte. Vielmehr wirkte Dufour an dem föde-
sich seit den frühen 1830er Jahren mit immer grösserer
ralen Kompromiss zwischen Kantonen und Bund mit,
Dringlichkeit. Während die Vertreterinnen und Vertreter
der die Schweiz bis heute prägt. Erst dieser Kompromiss
des Liberalismus einen starken, säkularen Bundesstaat
ermöglichte es 1848, den Schweizer Bundesstaat ohne
anstrebten, setzte sich das religiös-konservative Lager
weiteres Blutvergiessen zu gründen.
für die Beibehaltung kantonaler Souveränität ein. Als
Brennpunkt dieser Diskussion stellte sich das Bildungs- Die Topographische Karte der Schweiz war weniger kon-
wesen heraus. Dessen Gestaltung wollten insbesondere ziliant als Dufours Handeln. Ihr Kartenbild beschrieb
die katholisch-konservativen Kantone der Innerschweiz 1845 keine politische Realität, sondern einen Anspruch:
nicht einem liberal-säkularen Bundesstaat überlassen. Anders als die fehlenden Kantonsnamen nahelegten,
waren die Kantone nicht in der Bedeutungslosigkeit ver-
sunken. Auch war die Schweiz zu jenem Zeitpunkt zu
Verschärfte Konflikte
keinem grossen Ganzen verschmolzen, wie die fast un-
In den zehn Jahren vor der Gründung des Bundesstaates
sichtbaren Kantonsgrenzen und markanten Landesgren-
im Jahr 1848 verschärfte sich der mit weltanschaulichen
zen des Kartenwerks suggerierten. Die Dufourkarte be-
Fragen verwobene Verfassungskonflikt deutlich.
schrieb keinen Ist-, sondern einen Soll-Zustand. Sie
Zwischen 1839 und 1845 war es in den Kantonen Zü-
übermittelte die Aufforderung, eine Schweiz zu erschaf-
rich, Aargau, Solothurn und Wallis zu Unruhen, Gewalt-
fen, die dem Kartenbild entsprach – und nicht umge-
ausbrüchen und Umsturzversuchen gekommen. Die
kehrt.
­politischen Vorzeichen waren dabei wechselhaft. Nicht
immer verliefen sie eindeutig zwischen Protestanten Der Berichterstatter der Landesausstellung von 1883
und Katholiken: Während in Zürich 1839 die protestan- hatte Recht, wenn er in der Dufourkarte die «politische
tisch-konservative Landbevölkerung gegen die ebenso Einheit der Schweiz» dargestellt sah. 35 Jahre nach der
protestantische, aber liberale Regierung des Kantons Gründung des Bundesstaates wuchs das Land langsam
aufbegehrte, spaltete sich das Oberwallis 1839/40 unter zusammen, Routinen zwischen Bund, Kantonen und
katholisch-konservativer Führung für kurze Zeit gewalt- Gemeinden hatten sich entwickelt. Die tiefen weltan-
sam vom freisinnig regierten Kanton ab. Als die luzerni- schaulichen Gräben, die sich in den 1840er Jahren in
sche Kantonsregierung 1844 den katholischen Jesuiten ­aller Deutlichkeit offenbart hatten, waren jedoch auch
weitgehende Kompetenzen im Bildungswesen zusprach, zum Zeitpunkt der Landesausstellung nicht aus der
zogen wiederum liberale Freischärler zweimal gegen Welt geschafft: 1883 war die Topographische Karte der
die Innerschweizer Stadt – erfolglos. Schweiz Tatsachenbeschreibung und Vision zugleich.
Staatenbund oder Bundesstaat, säkulare oder religiöse
Felix Frey, Dr. sc. ETH
Bildung, Industrialisierung oder Bewahrung traditioneller Topografie
Wirtschaftsweisen: Zahlreiche weltanschauliche Fragen swisstopo, Wabern
spalteten die Schweizer Bevölkerung in den 1840er Jah- felix.frey@swisstopo.ch

ren und führten regelmässig zu gewaltsamen Auseinan-


dersetzungen. In diesem unübersichtlichen und span- Jubiläumsband «Die Schweiz auf
dem Messtisch – 175 Jahre Dufour-
nungsgeladenen Umfeld erschienen die zwei ersten
karte»
Blätter der Dufourkarte. Es erwarten Sie spannende Artikel zum
Verhältnis von Karten und Geschichte.

Ein Kartenbild als Anspruch Bezug: www.schwabe.ch


Das Eidgenössische Topographische Bureau war eine (Buchtitel eingeben)
Herausgabe: 12. Oktober 2020
der wenigen kantonsübergreifenden, eidgenössischen
Anzahl Seiten: 152
Institutionen. Sein Leiter und Directeur de la Carte, Preis: CHF 27.–
Guillaume Henri Dufour, war zugleich oberster Militär

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Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Monitoring des volkswirtschaftlichen Nutzens


der ­Daten der amtlichen Vermessung 2019

Die Ergebnisse des Monitorings des volkswirtschaftlichen Nutzens der Daten der amtlichen Ver-
messung 2019 ­liegen vor. Es wurde zum 13. Mal durchgeführt.

Am Monitoring des volkswirtschaftlichen Nutzens der Nachführungsaktivitäten in der AV


Daten der amtlichen Vermessung (AV) 2019 haben alle Es wurden insgesamt 55 259 Mutationen (+ 4.8 %)
Kantone sowie das Fürstentum Liechtenstein teilgenom- durchgeführt, davon 13 796 Grenzmutationen (– 3.2 %)
men. Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse und 41 463 Gebäudemutationen (+7.8 %).
dargestellt. Das Gesamtvolumen der Nachführungstätig-keiten hat
gegenüber dem Vorjahr um + 4.7 % auf 96.2 Mio. CHF
Umfang der AV zugenommen. Der Anteil einer durchschnittlichen Muta-
Die Gesamtzahl der Liegenschaften liegt Ende 2019 bei tion liegt mit 1741 CHF etwa gleich hoch wie im Vor-
3 967 506, was einem leichten Rückgang gegenüber jahr.
2018 entspricht. Der Rückgang ist vor allem auf die An-
passung der Schätzung im Kanton Wallis zurückzuführen Anzahl Grenzmutationen
Anzahl Gebäudemutationen
(– 7.1 %), während praktisch alle anderen Kantone eine 50 000
45 000
Zunahme verzeichnen. Über die ganze Schweiz gesehen 40 000

sind von allen Liegenschaften 98.7 % in die AV aufge- 35 000


30 000
nommen worden (Vorjahr: 97.4 %). Dabei haben 18 Kan- 25 000

tone die 100%ige Flächendeckung erreicht, in sechs wei- 20 000


15 000
teren Kantonen werden über 98 % gemeldet, während 10 000
5000
bei den letzten zwei Kantonen der Vollständigkeitsgrad 0

für Liegenschaften noch bei 85.9 % und 94.8 % liegt. 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

Die Anzahl der in die AV aufgenommenen Gebäude hat Anzahl Grenzmutationen


Anzahl Gebäudemutationen
leicht zugenommen auf 3 091 379; hier basieren die An- 50 000
Benutzung
45 000 der Daten
gaben noch in zwei Kantonen auf Schätzungen. 40 000
Der
35 000
Trend zu weniger
Total Gebühreneinnahmen (in Mio.Gebühreneinnahmen
Fr) hat sich
14.0

Anzahl der in der Nachführung der AV t­ ätigen 2019 nicht weiter fortgesetzt; das Total der Einnahmen
30 000
25 000
12.0
­Personen stieg
20 000
auf 5.1 Mio. CHF (+18 %).
10.0
Der Personalbestand hat etwas abgenommen und liegt Der
15 000 Bezug von analogen (36 699, +5 %) und digitalen
10 000

nun per Ende 2019 bei 2889 Personen (– 1.6 % gegen- (198 123,
5000
8.0
+12 %) Daten hat zugenommen, insgesamt
über dem Vorjahr). Die prozentuale Verteilung dieser in auf6.00
234 822
2007 2008 2009 (+11 %).
2010 2011Das 2012 Verhältnis
2013 2014 2015zwischen analogen
2016 2017 2018 2019

der Nachführung der AV tätigen Personen nach Amts- und4.0 digitalen Datenbezügen verschiebt sich weiter in
stufe und Berufsgattung ist in den folgenden beiden Ab- Richtung
2.0 digital: 16  /  84 % (Vorjahr 17/  83 %).
bildungen ersichtlich. 0.0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

Total Gebühreneinnahmen (in Mio. Fr)


6.9 %
14.0
kantonale Verwaltungen 6.2 % patentierte  / r Ingenieur-
andere öffentliche 14.9 % 11.9 % Geometer  / in 12.0

Stellen Ingenieur  / in
13.7 % 10.0
Privatbüros 19.1 % Geomatiker  / in resp.
Geomatiktechniker  / in 8.0
87.0 %
40.4 % Lernende 6.0
administratives
4.0
Personal
2.0

Die wichtigsten Kennzahlen für 2019 (in Klammern der Vergleich mit 2018) 0.0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019

Umfang der amtlichen Vermessung Nachführungsaktivitäten


Anzahl Liegenschaften: 3 967 506 (–1.1 %) Anzahl Grenzmutationen: 13 796 (– 3.2 %)
Anzahl Gebäude: 3 091 379 (+ 0.5 %) Anzahl Gebäudemutationen: 41 463 (+7.8 %)
Umsatz: CHF 96.2 Mio. (+  4.7 %) Daniel Steudler, Dr. sc. techn.
Personal Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
Umsatz pro Mutation: CHF 1741 (– 0.2 %)
in Nachführung der AV swisstopo, Wabern
tätige Personen: 2889 (–1.6 %) Benutzung der Daten daniel.steudler@swisstopo.ch
Gebühreneinnahmen: CHF 5.1  Mio. (+18 %)
Anzahl Datenbezüge: 234 822 (+11 %)
Datenbezüge analog: 16 %
Datenbezüge digital: 84 %

23
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Anwendungsbeispiel der ISO-Norm


«Land Administration Domain Model» an
der französisch-schweizerischen Grenze
Die Norm ISO 19152:2012 – Land Administration Domain Model – wurde im Dezem­ber 2012
vom Technischen Komitee ISO / TC 211 herausgegeben, welches für geografische Informationen
und Geomatik zuständig ist. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft «Géofoncier de l’Ordre
des Géomètres-Experts de France» führte die Direction de l’information du territoire des Kan-
tons Genf eine Projektstudie durch, um das Potenzial dieser Norm zu evaluieren und einen
­Prototyp für die Anwendung in einem grenzüberschreitenden Gebiet zu entwickeln.

Präsentation der Norm Punkte und Grenzflächen, aber auch räumliche Da-
Mit der Norm ISO 19152 wurde das Land Administra-­ tenquellen wie topografische, GNSS-, fotogrammetri-
tion Domain Model (LADM) eingeführt. Dieses beschäf- sche oder lasergrammetrische Vermessungen oder
tigt sich mit Daten der Landadministration bzw. der amt- ­jedes Dokument, das die Geometrie einer räumlichen
lichen Vermessung und stellt ein konzeptuelles Modell Einheit ­beschreibt.
zu deren Verwaltung dar. Das LADM soll die bestehen-
Alle diese «Pakete» setzen sich aus Klassen für jeden
den Systeme aber nicht ersetzen, sondern sie vielmehr
der zu den «Paketen» gehörenden Elementtyp zusam-
in e­ iner formalen Sprache beschreiben, um damit die
men. Die Klassen umfassen wiederum Attribute, die
Kommunikation innerhalb der Institutionen eines Landes
­Elemente des Landadministrationssystems charakteri-­
oder zwischen verschiedenen nationalen Landadminist-
sieren.
rationssystemen mit dem vorgegebenen Vokabular zu
ermöglichen. Das Modell soll also eine Ontologie, eine
Verbindung zwischen den einzelnen Systemen, darstel-
len. Seine spezifische Terminologie wurde aus Kataster-
systemen aus aller Welt zusammengetragen und analy-
siert. Ziel war, die diesen Systemen zugrundeliegenden
Konzepte einheitlich beschreiben zu können. Der ISO-
Standard LADM beruht auf den Merkmalen der Model
Driven Architecture (MDA), einem von der Object Ma-
nagement Group vorgeschlagenen Modellierungs- und
Modelltransformationsansatz, und verwendet daher die
grafische Sprache Unified Modeling Language (UML)
zur Beschreibung seiner Funktionsweise.

Konkret handelt es sich bei der Norm um ein konzeptio-


Abbildung 1: Schema der LADM-Pakete
nelles Schema eines Landmanagementsystems mit vier
grundlegenden «Paketen» mit Bezug zu:
Das Schema in Abbildung 1 ist dem Artikel «LADM Im-
• Parteien: alle Menschen und Organisationen, die sich
plementation in Colombia – Process, Methodology and
mit der Verwaltung oder Nutzung des Bodens be-
Tools Developed and Applied» von Jenni et al. entnom-
schäftigen.
men. Es veranschaulicht das mit dem LADM eingeführte
• Administrativeinheiten: Rechte, Beschränkungen und
Paketkonzept, indem es aufzeigt, wie alle Elemente des
Pflichten, administrative Datenquellen sowie grundle-
Referenzmodells für das Landadministrationssystem mit-
gende Verwaltungseinheiten, die von Gesetzes wegen
einander verbunden sind, um so ein kohärentes Ganzes
registriert werden müssen. Sie bestehen aus Null, einer
an referenzierten und dokumentierten Elementen zu
oder mehreren räumlichen Einheiten (spatial unit).
­bilden.
­Beispiel: Eine Liegenschaft mit zwei räumlichen Einhei-
ten (einer Garage und einer Wohnung) ist eine grund- Das in der Norm beschriebene LADM geht von einem
legende Administrativeinheit. globalen Ansatz des Systems aus. So ist es möglich, dass
• Räumlichen Einheiten, Gruppen räumlicher Einheiten, gewisse Elemente des Modells nicht verwendet oder
Gebäuden (legal space of buil­dings) und Versorgungs- Klassen für eine gewisse Region oder ein bestimmtes
netzen (utility networks). Land hinzugefügt werden, um besondere Merkmale des
• Räumlichen Darstellungen bzw. Elementen, aus de- betreffenden Landadministrationssystems zu beschrei-
nen sich die räumlichen Einheiten zusammensetzen: ben. Folglich werden Landesprofile definiert, indem das

24
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

in der Norm für das entsprechende Land bereitgestellte Umsetzung des LADM-Standards in anderen
Schema angepasst wird. Die Landesprofile werden in ­Ländern
Form von UML-Diagrammen dargestellt und stellen so- Seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 2012 wurden welt-
mit eine «Übersetzung» des Landadministrationssystems weit mehrere Studien zur LADM-Norm durchgeführt; in
in die Sprache der Norm dar. mehreren Ländern sind Initiativen von Forschenden zur
Erstellung eines auf dem LADM-Standard beruhenden
Die Norm dient der Integration der dritten Dimension
Landesprofils entsprungen. Die meisten dieser Initiativen
in die räumlichen Einheiten, wobei Konzepte von Grenz-
erfolgten jedoch nicht durch die für die bestehenden
flächenfolgen und Grenzflächen zur 2D- und 3D-Ab-
Landadministrationssysteme zuständigen Stellen; sie
grenzung von räum­lichen Einheiten verwendet werden.
müssten zuerst genehmigt werden, um offizielle Gültig-
Die Grenzflächen können vertikal sein; in diesem Fall
keit zu erlangen. In den Anhängen der Norm ISO 19152
werden sie durch Linien auf Bodenhöhe dargestellt und
sind acht Landesprofile aufgeführt.
auf eine unendliche obere und untere Ebene extrapo-
liert. Sie können aber auch komplett definiert und zur Eines der grössten Projekte zum Thema LADM ist die
Abgrenzung einer 3D-Einheit verwendet werden, deren technische Umsetzung des Modells in Kolumbien, wo es
Kontur vollständig durch Grenzflächen beschrieben wer- als Modell für das Katastersystem übernommen wurde.
den muss. Die räumlichen Einheiten, die den Übergang
von einer 3D- zu einer 2D-Einheit bilden, werden limi- Stand der Entwicklung Implizierte Länder
nale räumliche Einheiten (liminal spacial unit) genannt. Physisch implementiertes Kolumbien, Griechenland (nicht mit
Es handelt sich dabei um 2D-Einheiten mit der Besonder- LADM ­realen Daten unterlegtes Modell)

heit, dass ein Teil ihres Perimeters durch eine Grenzflä- Ergänzende Module zum Niederlande
che begrenzt wird, die zur Abgrenzung einer 3D-Einheit LADM

verwendet wird. Dieses Konzept veranschaulichen die Verankertes Landprofil in Portugal, Queensland (Australien),
der LADM-Norm ­Indonesien, Japan, Ungarn, Niederlande,
Schemas in Abbildung 2.
Russland, Korea
Der LADM-Standard hat zum Ziel, eine skalierbare Entwickeltes Landprofil In der vorherigen Zeile genannte Länder +
Grundlage für die Entwicklung oder Optimierung von Serbien, Republika Srpska, Montenegro,
Polen, Griechenland, Kolumbien
Landadministrationssystemen zu schaffen, indem die
Projekt zur Entwicklung In der vorherigen Zeile genannte Länder
Kommunikation zwischen zwei Institutionen innerhalb
e­ ines Landprofils / Studie + Frankreich, Schweiz, Südafrika, Zypern
eines Landes oder zwischen verschiedenen Ländern über das Interesse an der
dank gemeinsamer Begriffe verbessert wird. Für Länder Norm
ohne etabliertes Katastersystem dient die Norm ausser-
Tabelle: Überblick über den LADM-Standard in verschiedenen Ländern
dem als Modell für die Einführung eines Systems für die
Abbildung 2:
3D-Management im Publikation oder Aufnahme von Grundbucheinträgen
LADM-Standard zur Sicherung von Eigentumsrechten.

Konzept der Grenzflächenfolge


3D
(für 2D-Darstellungen) 3D
+∞
Liminale
3D Einheit
Liminale
3D Einheit
3D

Linienfolge auf
3D
Bodenhöhe
3D
3D
3D
Vertikale
Grenzflächen

–∞ Gemischte Verwendung von 2D- und 3D-Darstellungen


(Schema aus der Norm ISO 19152)

Liminale räumliche Einheit: 2D-Einheit, die an eine 3D- und


an eine 2D-Einheit angrenzt

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Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Entwicklung eines Prototyps auf die Vollständigkeit des Modells in der Online-Version
Um das Potenzial des LADM eingehender zu untersu- verzichtet werden.
chen wurde beschlossen, einen LADM-Prototyp für ein
Die Erstellung des Prototyps hat dennoch die interessan-
grenzüberschreitendes Gebiet zu erstellen. Das dafür
ten Möglichkeiten von Data Mining – vor allem durch
ausgewählte Gebiet umfasst die Gemeinde Ferney-­
die zwischen den verschiedenen Elementen des Land-
Voltaire auf französischer Seite und einen Teil der Ge-
managementsystems aufgebauten Beziehungen – auf-
meinde Grand-Saconnex in der Schweiz.
zeigen können. Der LADM-Standard ermöglicht tatsäch-
Abbildung 3: lich eine Verknüpfung der Daten, was die Rückverfol-
Ausgewähltes Gebiet für
gung zu den einzelnen Verwaltungsstellen der Rechte,
den Prototyp
Einschränkungen und Verantwortlichkeiten erlaubt.

Fazit
Der LADM-Standard ist ein leistungsfähiges, konzeptio-
nelles und vielversprechendes Instrument für aktuelle
Katastersysteme. Dies nicht zuletzt dank seines Status
als ISO-Norm, der einen gewissen Lebenszyklus mit
­regelmässiger Überarbeitung sicherstellt. Die Norm be-
findet sich mit der Ausarbeitung der zweiten Version
zurzeit in einer Entwicklungsphase, welche iterativ auf
Erfahrungen und Ergänzungen basieren wird. Diejeni-
gen Elemente, die für die Integration in die zweite Ver-
sion der Norm ISO 19152 vorgesehen sind, sind tech-­
nische Modelle zur Korrektur des Hauptproblems des
Dieses Gebiet wurde ausgewählt, weil sich darin der in- LADM, namentlich der fehlenden Umsetzung weltweit.
ternationale Flughafen Genf befindet und somit auch Dabei kann Kolumbien als einziges Beispiel für den Er-
öffentlich-rechtliche Beschränkungen modelliert werden folg der Norm bezeichnet werden.
müssen.
Mit dieser Studie konnte aufgezeigt werden, dass es
Die Modellierung des Prototyps erfolgte mit ArcGIS pro, möglich ist, einen physischen Prototyp des LADM in
um die Kompatibilität bei der Online-Schaltung des Pro- Frankreich und der Schweiz zu schaffen. Es wird interes-
totyps zu gewährleisten. Das Modell wurde in ArcGIS sant sein, weitere Studien durchzuführen und die Bedeu-
pro in Form von Domains aufgebaut. Diese beruhen auf tung dieser Norm für unsere Katastersysteme genauer
den in der Norm zur Verfügung gestellten Codelisten, auszuloten. Mit Bezug auf die Studie wird eine Liste von
womit das Normenvokabular berücksichtigt werden Empfehlungen für die Anwendung des LADM-Standards
konnte. Die vordefinierten Attributwerte erlauben, die für die beiden untersuchten Länder vorgeschlagen:
Möglichkeiten bei der Dateneingabe einzuschränken. 1. Es wäre sinnvoll, wenn die Impulse für die Anwen-
Bei den zur Realisierung des Online-Prototyps verwende- dung oder Prüfung der Grundsätze des LADM von
ten Daten handelt es sich um OpenData, die für den staatlicher Seite gesetzt werden. Dies würde einen
französischen Teil des Studiengebiets aus den Portalen maximalen und freien Zugang zu den erforderlichen
des französischen Katasters und dem Géoportail de Daten gewährleisten.
l’urbanisme des Institut national de l’information géo-
graphique et forestière (IGN) und für den Schweizer 2. Das Landesprofil muss von einer nationalen Kommis-
Teil aus den Datenbanken der Direction de l’information sion definiert werden, die aus Fachpersonen aus jeder
du territoire des Kantons Genf stammen. am Landadministrationssystem beteiligten Institution
besteht.
Es muss darauf hingewiesen werden, dass bei der Da-
3. Fachleute der Norm müssen hinzugezogen werden,
tenzusammenführung aus den beiden Ländern Schwie-
um alle Akteure in deren Anwendung und Konzep-­
rigkeiten insbesondere bei der Datenharmonisierung
tion zu schulen und die Normenkonformität der
aufgetreten sind, vor allem wegen der unterschiedlichen
­definierten konzeptionellen Modelle zu prüfen.
Beschreibungsebene. Angesichts des Schutzes sensibler
Daten (die Namen der Eigentümerinnen und Eigentümer 4. Für Katastersysteme, deren Infrastrukturen moderni-
sind in Frankreich nicht verfügbar) musste ausserdem siert und deren Landadministrationsmodelle überar-

26
Fachbeiträge cadastre Nº 34, Dezember 2020

Abbildung 4:
Screenshot der Online-­
Version des Prototyps

beitet werden sollen, empfiehlt sich die Verwendung


Weitere Kontaktpersonen:
der LADM-Norm, um den Standardisierungsprozess
voranzutreiben, dessen kontinuierliche Entwicklung Direction de l’information du territoire des Kantons Genf
• Laurent Niggeler, Studienleiter
auch in Zukunft gesichert ist.
laurent.niggeler@etat.ge.ch
5. Um das LADM auf nationaler Ebene umzusetzen und • Mayeul Gaillet, Studienbegleiter
seinen konkreten Nutzen zu testen, sind weiterge- mayeul.gaillet@etat.ge.ch
hende Studien notwendig, die über den Rahmen die-
ser Abschlussstudie hinausgehen.

6. Die Verbindung der zuständigen Parteien mit den in


Die Online-Version des Prototyps ist unter dem folgenden Link
das Landadministrationssystem integrierten Elemen-
­verfügbar: https://arcg.is/C8L9L
ten und ganz allgemein mit Quellen, die die rechtli-
Die vollständige Projektstudie wird im entsprechenden Verzeichnis
chen Folgen und deren Geometrie beschreiben, ist des Institut national des sciences appliquées de Strasbourg (INSA)
ein Konzept der Norm, das zur Optimierung der be- zur Verfügung gestellt: http://eprints.insa-strasbourg.fr
stehenden Systeme übernommen werden sollte.

Es gilt, die Entwicklung von ISO 19152 – LADM anhand


der Erfahrungen und der Revisionen, die es durchlaufen
wird, mit Interesse zu verfolgen. Zum heutigen Zeit-
punkt scheint es angebracht, die Veröffentlichung der
zweiten Ausgabe der Norm abzuwarten, bevor eine
neue Studie initiiert wird. Diese würde eine bessere Ana-
lyse erlauben – einerseits der Möglichkeiten und der
Kosten für die Einführung dieses Systems, andererseits
der Parallelen dieser Norm mit den für unsere Kataster-
systeme geplanten Entwicklungen, wie dem neuen
­Datenmodell DM.flex.

Jean Lou Combe, étudiant ingénieur géomètre INSA1


Direction de l’information du territoire des Kantons Genf
jean-lou.combe@insa-strasbourg.fr

1
Institut National des Sciences Appliquées (INSA) de Strasbourg]

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Mitteilungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Zusammenschluss KKGEO und CadastreSuisse

Gestützt auf einen Auftrag der Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK) haben
die beiden kantonalen Fachkonferenzen CadastreSuisse und KKGEO an ihren ausserordent-
lichen Generalversammlungen am 15. Oktober 2020 in Bern beschlossen, sich per 1. Januar 2021
zur Konferenz der kantonalen Geoinformations- und Katasterstellen (KGK) zusammenzuschlies-
sen. Erste Gespräche dazu wurden bereits 2012 geführt und im Herbst 2018 neu aufgenom-
men.

Rückblick Annäherung bei den Schwerpunktthemen


Bereits 1911 waren die Kantone AG, BL, BS, BE, FR, SG, Neben der Verbundaufgabe «Amtliche Vermessung» fiel
GR, LU, NE, SO, TG, VD und ZH im Vermessungswesen ab 2010 auch die neue Verbundaufgabe «ÖREB-Katas-
gesetzlich organisiert und gründeten am 18. Dezember ter» in den Tätigkeitsbereich der KKVA – ab 2014 aktiv
1911 in Bern die «Konferenz der schweizerischen Kan- unter dem neuen Namen CadastreSuisse. Nebst der Er-
tonsgeometer». Gestützt auf Artikel 950 des Zivilge- reichung des AV93-Standards befasste sie sich mit den
setzbuches nahm die Durchführung der amtlichen Ver- Prinzipien der dritten Dimension, welche einen beachtli-
messung Fahrt auf und wurde über Jahrzehnte mit den chen Zwischenerfolg mit der Empfehlung «Digitale Do-
­damals bestehenden Möglichkeiten erstellt und nach- kumentation Stockwerkeigentum – Aufteilungsplan» er-
geführt. Ein erheblicher Paradigmenwechsel erfuhr die reichte. Weitere Schwerpunkte bildeten namentlich der
amtliche Vermessung mit der Revision der amtlichen eidgenössische Grundstücksidentifikator (EGRID) und
Vermessung (RAV) und mit der Inkraftsetzung der Ver- unter Einbezug der eidgenössischen Gebäudeidentifika-
ordnung über die amtliche Vermessung (VAV) und der toren (EGID) die Harmonisierung der amtlichen Verzeich-
dazugehörenden technischen Verordnung (TVAV) im nisse der Strassen und der Gebäudeadressen.
Jahr 1993.
Auf Seiten KKGEO war nach Einführung des neuen
Mit der damit einhergehenden Digitalisierung – nicht Geoinformationsrechts bald klar, dass die Kantone die
nur in der amtlichen Vermessung – wurden Geoinforma- dort neu geforderten Abstimmungs- und Bereitstel-
tionssysteme wichtiger und entsprechende Fachstellen lungsaufgaben nicht mehr nur im Milizsystem angehen
auf Stufe Kanton, Gemeinden und Bund ins Leben geru- konnten. Die Schweizerische Bau-, Planungs- und Um-
fen. Mit fortschreitenden Erfordernissen und dem Ruf weltdirektorenkonferenz (BPUK) entschied deshalb im
nach Standardisierung und Datenharmonisierung wur- Jahr 2010, den kantonalen Geoinformationsstellen einen
den in einem intensiven partizipativen Prozess das Bun- Leistungsauftrag zur Umsetzung der Aufgaben aus dem
desgesetz über Geoinformation (GeoIG) sowie die da- Geoinformationsgesetz und zur Koordination der über-
zugehörenden Verordnungen erarbeitet. Die damalige geordneten kantonalen GIS-Interessen zu erteilen. Der
Konferenz der kantonalen Vermessungsämter (KKVA) Leistungsauftrag wurde bis 2015 von der dafür speziell
und die im Jahr 2004 gegründete Konferenz der kanto- gegründeten IKGEO (interkantonale Koordination in der
nalen Geoinformationsstellen (KKGEO) beteiligten sich Geoinformation) ausgeführt. Seit 2016 wird der Leis-
massgeblich daran, dass die neue Gesetzgebung zu- tungsauftrag direkt von der KKGEO erledigt und durch
kunftsweisend und mehrheitsfähig vor den Bundesrat das Begleitgremium Geoinformation der BPUK unter-
und das Parlament gebracht und im Jahr 2008 in Kraft stützt. Im Rahmen des Leistungsauftrages wurden bei-
gesetzt werden konnte. spielsweise zahlreiche Fachinformationsgemeinschaften
zu minimalen Geobasisdatenmodellen begleitet, die ge-
Mit diesen Erlassen wurde die amtliche Vermessung
meinsame Datenprüf- und Bereitstellungsinfrastruktur
zum Referenzdatensatz einer Vielzahl weiterer Geoba-
geodienste.ch aufgebaut sowie an Metadaten-, Vorge-
sisdatensätze. Die KKVA fokussierte sich weiterhin na-
hens- und Datenstandards mitgewirkt.
mentlich auf die Digitalisierung und Weiterentwicklung
der amtlichen Vermessung. Die KKGEO organisierte die Nachdem ein Zusammengehen der beiden Konferenzen
interkantonale Koordination der Geoinformationsthe- CadastreSuisse und KKGEO im Jahr 2012 infolge damals
men, beispielsweise die gemeinsame Bereitstellung der noch grundlegend divergierender Vorstellungen im or-
Geobasisdaten nach Bundesrecht in Zuständigkeit der ganisatorischen Bereich sistiert wurde, mehrten sich die
Kantone. redundanten Aufgaben und der Abstimmungsaufwand
zunehmend. Daraufhin beschlossen die beiden Vorstän-
de im Herbst 2018, die Gespräche über eine Zusammen-

28
Mitteilungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Foto: Patrick Reimann und


Simon Rolli, Präsidenten
CadastreSuisse und
­KKGEO – bis zur ersten
Generalversammlung im
Januar 2021 Vizepräsident
und Präsident des Über-
gangsvorstandes der KGK

© Paul Haffner

legung erneut aufzunehmen. Den entscheidenden Im- Für die erste konstituierende Generalversammlung im
puls gab ein gemeinsamer Workshop im November 2019: Januar 2021 konkretisiert zurzeit ein Übergangsvorstand
Die Vorstände erhielten mit einem Mehr von über 90 % KGK (siehe Kasten) die kommenden Aufgaben und das
den Auftrag, mit der Planung der Zusammenführung künftige Zusammenwirken in der Konferenz. Neben dem
weiterzufahren. Als entscheidenden politischen Impuls ersten Budget wird vor allem auch der erste gemein-­
erhielten die beiden Präsidenten an der Generalversamm- same Aktionsplan ein wichtiger Meilenstein sein. Darin
lung der BPUK am 17. September 2020 in Fribourg den werden die übergeordneten Anforderungen der BPUK,
Auftrag, die Zusammenführung zügig abzuschliessen. der Nationalen Geodaten-Infrastruktur, der Verbundauf-
Schliesslich stimmten an den ausserordentlichen Gene- gaben amtliche Vermessung und ÖREB-Kataster sowie
ralversammlungen am 15. Oktober 2020 die Mitglieder die Interessen der kantonalen Fachbereiche an Weiter-
beider Konferenzen für den Zusammenschluss. entwicklungen bestimmt. In der nächsten Ausgabe des
«cadastre» im April 2021 wird ausführlicher über Orga-
Die neue Konferenz KGK nisation und Aufgaben der KGK berichtet.
Die neue Konferenz der kantonalen Geoinformations-
Mit der KGK sind die Kantone somit optimal aufgestellt,
und Katasterstellen KGK ist eine Fachämterkonferenz der
ihre Interessen und Vorgehensweisen abzugleichen und
Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz (BPUK)
koordiniert zu vertreten. Die kantonale Geoinformation
und hat die Rechtsform einer Körperschaft des öffentli-
und die Katasterthemen können dadurch zur weiteren
chen Rechts mit beschränkter Rechtsfähigkeit.
Unterstützung der digitalen Transformation und zum
Sie fördert die Zusammenarbeit, koordiniert die Erfüllung
Nutzen der Gesellschaft weiterentwickelt werden.
der Aufgaben der Kantone im Bereich der Geoinforma-
tion und stimmt die übergeordneten geoinformationsbe- Patrick Reimann, Präsident CadastreSuisse
zogenen Interessen der Kantone aufeinander ab. Insbe- Amt für Geoinformation des Kantons Basel-Landschaft
patrick.reimann@bl.ch
sondere vertritt die KGK die kantonalen Fachbereiche
amtliche Vermessung, Geoinformationssysteme, Kataster
Simon Rolli, Präsident KKGEO
der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen und Grundbuch- und Vermessungsamt des Kantons Basel-Stadt
Leitungskataster Schweiz. Die Chance und damit der simon.rolli@bs.ch
Auftrag der KGK ist es, die Kompetenzen der Cadastre
Suisse aus der vertikal ausgerichteten Bearbeitung und
Weiterentwicklung der Referenzdaten amtliche Vermes- Übergangsvorstand der KGK
• Rolli Simon, Präsident, BS
sung und die Kompetenzen der KKGEO aus den hori-
• Reimann Patrick, Vizepräsident, BL
zontal ausgerichteten Koordinations- und Infrastruktur- • Barrucci Martin TG
aufgaben ohne Qualitätseinbussen zusammen- und ge- • Filli Romedi SH
meinsam weiterzubringen – eine gute Konferenz kann • Haller Priska ZH
das! • Niggeler Laurent GE
• Spicher Florian NE
• Veraguth Hans Andrea GR

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Mitteilungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Informationsveranstaltung ÖREB-Kataster 2020:


Rückblick

Die Informationsveranstaltung ÖREB-Kataster vom 20. Oktober 2020 zum Thema «Bekanntheitsgrad und
Nutzen steigern» zeigte auf, was einerseits mit der schweizweiten Informationskampagne und andererseits mit
der Revision der Weisungen erreicht werden soll.

Rund 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ten dort einmal publiziert und dann von r­ evidiert und zugleich zu einer Weisung
aus der g ­ anzen Schweiz nahmen am 20. Ok-
­­ dort mehrfach beziehen kann. Vincent ­aufgewertet. Alle Dokumente befinden sich
tober zum Thema «Bekanntheitsgrad und Grandgirard, ÖREB-Katasterverantwortlicher zurzeit in Konsultation bei den Kantonen
Nutzen des ÖREB-Katasters steigern» teil. des Kantons Freiburg, stellte das kantonale und zuständigen Bundesstellen und sollen
COVID-19-bedingt konnte knapp die Hälfte ÖREB-Katastersystem vor, aber auch was per Anfang 2021 in Kraft gesetzt werden.
des Publikums der Veranstaltung vor Ort in ­alles datenseitig notwendig war und noch
Matthias Gerth und Stefanie Probst, Kom-
der Welle7 in Bern beiwohnen. Die anderen zu tun ist, bis die ÖREB korrekt mit den je-
munikationsexperten der Agentur CRK,
verfolgten die Tagung online per Livestream. weiligen Rechtsvorschriften publiziert wer-
stellten dann das Kommunikationsmaterial
Die durch das Bundesamt für Landestopo- den können.
für die schweizweite Informationskampagne
grafie swisstopo, KKGEO1 und Cadastre
Christian Dettwiler, ÖREB-Katasterverant- vor. Siehe dazu ihren Beitrag auf Seite 6.
­Suisse  2 gemeinsam durchgeführte Veranstal-
wortlicher des Kantons Thurgau, ging an-
tung widmete sich dem Stand der Einführung Den Abschluss der Präsentationen machte
schliessend der raumplanerischen Fragestel-
des ÖREB-Katasters und der an der Tagung Mark Imhof, Geschäftsführer Luucy AG. Die
lung bei Verkehrsflächen nach. Wo hören
gestarteten schweizweiten Informations- von ihnen entwickelte schweizweite Platt-
die Zonen der Grundnutzung auf und was
kampagne sowie generell dessen Weiterent- form Luucy mit Informationen zu Projekten
ist die Verkehrsfläche: eine Grundnutzung
wicklung mit der Revision der Weisungen. in Raum und Zeit für Entscheidungsträger
oder eine Überlagerung? Gemäss minima-
und Bürgerinnen und Bürger ermöglicht
Marc Nicodet, Leiter «Geodäsie und Eidge- lem Geodatenmodell des Bundes (die zu-
eine mehrdimensionale und gesamtheitliche
nössische Vermessungsdirektion», swisstopo, ständige Fachstelle ist in diesem Fall das Bun-
Sicht auf die Weiterentwicklung unseres
startete die Veranstaltung und bedankte desamt für Raumentwicklung) ist die Ver-
­Lebensraumes. Der ÖREB-Kataster bietet
sich zuerst bei allen, die am ÖREB-Kataster kehrsfläche eine Grundnutzung. Zur Analyse
dazu wertvolle Daten.
mitwirken. Nach jahrelangen Arbeiten darf der Problematik wurden vom Kanton ver-
nun schweizweit gemeinsam ein tolles Pro- schiedene Rechtsgutachten in Auftrag gege- Die anschliessende Plenumsdiskussion er-
dukt breit bekannt gemacht werden. Dann ben. Dr. Amir Moshe, freischaffender Rechts- laubte es, auf die Fragen aus dem Publikum,
ging er auf die stark zunehmende Nutzung experte, beschäftigte sich dabei mit dem aber auch der online-Teilnehmerinnen und
des Katasters sowie auf den gesetzlichen ­Zusammenspiel der verschiedenen föderalen -Teilnehmer, einzugehen und gewisse Sach-
Evaluationsauftrag beim ÖREB-Kataster ein. Ebenen und wie weit der Harmonisierungs- verhalte noch klarer darzustellen.
Bis Ende 2021 ist dem Bundesrat Bericht zu auftrag des Bundes aus der Bundesverfas-
Wir freuen uns schon auf die nächste Durch-
erstatten über Notwendigkeit, Zweckmäs- sung geht. Sein Fazit: Je nach Sichtweise
führung der Veranstaltung im November
sigkeit, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit kann sogar von einer Harmonisierungspflicht
2021.
des ÖREB-Katasters. Dazu wird im ersten des Bundes gesprochen w ­ erden.
Halbjahr 2021 eine Wiederholung der Christoph Käser, dipl. Ing. ETH
Nach der Pause stellten Christoph Käser,
schweizweiten Erhebungen und Indikato-­ Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
­Leiter ÖREB-Kataster bei «Geodäsie und Eid- swisstopo, Wabern
ren von 2016 / 2017 durchgeführt.
genössische Vermessungsdirektion», swiss- christoph.kaeser@swisstopo.ch
Als nächstes wurden zwei ÖREB-Kataster- topo, und Rolf Zürcher, KOGIS 3, swisstopo,
systeme vorgestellt. Felix Berger, ÖREB-Katas- die Revisionen der Weisungen vor, die durch
terverantwortlicher des Kantons Schaffhau- die Weiterentwicklungen 2020 – 2023 not-
sen, zeigte, wie durch den ÖREB-Kataster wendig werden. Aufgrund der neuen Funk-
die kantonale Geodateninfrastruktur und ins- tionen, der neuen ÖREB-Themen und der
besondere der Webclient erneuert werden praktischen Erfahrungen der letzten Jahre
konnten. Dabei wurde auch geodienste.ch, bestand Handlungsbedarf beim Rahmen-
die Aggregationsinfrastruktur der Kantone, modell, dem statischen Auszug, dem ÖREB-
so integriert, dass der Kanton seine Geoda- Webservice und D ­ ATA-Extract. Die Empfeh-
1
lung «Rechtsvorschriften und Hinweise auf
KKGEO: Konferenz der Kantonalen Geoinformations-
stellen gesetzliche Grundlagen» wurde ebenfalls
2
CadastreSuisse: Konferenz der kantonalen Kataster-
3
dienste Koordination, Geo-Information und Services KOGIS

30
Mitteilungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Neu patentierte Ingenieur-Geometer 2020 –


­Patentübergabe in feierlichem Rahmen

Acht Ingenieure dürfen neu den Titel «Patentierter Ingenieur-Geometer» tragen. Sie wurden
am 11. September 2020 nach erfolgreich abgeschlossenem Staatsexamen im Hotel Bellevue
­Palace in Bern patentiert.

In Anwesenheit von rund 40 Personen – die Teilnehmer- Das auf zwei Wochen ausgelegte Prüfungsprogramm
zahl war COVID-19 bedingt beschränkt – fand am ist sehr anspruchsvoll und verlangt von den Teilnehmen-
11. September 2020 im Hotel Bellevue Palace in Bern den nebst fundiertem und breitem Wissen auch sehr
die feierliche Übergabe der Patenturkunde an die erfolg- viel Durchhaltewillen. Die diesjährigen Prüfungen waren
reichen Absolvierenden des Staatsexamens statt. Acht aufgrund der COVID-19-Situation besonders herausfor-
Ingenieure dürfen ab sofort den Titel «Patentierter Inge- dernd, galt es doch zusätzlich, das Schutzkonzept um-
nieur-Geometer» tragen: zusetzen und z. B. während der Prüfungen die Masken-
pflicht einzuhalten.
• Baumann Martin, Gstaad 
• Filli
Romedi, Zürich  Mit der Patenterteilung und vorbehältlich des Eintrags
• Gaillet Mayeul, Carouge  im Register für Ingenieur-Geometerinnen und -Geome-
• Gerber Johannes, Meiringen ter sind die acht Patentierten nun berechtigt, in der gan-
• Januth Timon, Fribourg  zen Schweiz amtliche Vermessungen durchzuführen.
• Rohr Nico, Bern 
• Salzgeber Roman, Winterthur  Die Patente wurden durch Georges Caviezel, Präsident
• Saner Marco, Basel der Eidgenössischen Kommission für Ingenieur-Geome-
terinnen und -Geometer überreicht. Die feierliche Über-
Nach Erlangung des Mastertitels und mindestens zwei gabe erfolgte dieses Jahr ohne Händeschütteln, dafür
Jahren Berufserfahrung, in denen Kenntnisse in den vier mit den besten Wünschen für eine gute Gesundheit.
Themenkreisen «Amtliche Vermessung», «Geomatik»,
«Landmanagement» und «Unternehmensführung» ge- An der Patentfeier dabei waren auch Dr. Fridolin Wicki,
wonnen werden müssen, verbrachten die Kandidaten Direktor Bundesamt für Landestopografie swisstopo,
eine äusserst intensive Prüfungszeit im Nationalen Sport- Thomas Frick, Präsident Ingenieur-Geometer Schweiz
zentrum in Magglingen. IGS und Patrick Reimann, Präsident CadastreSuisse.

Foto (von links nach


rechts):
Romedi Filli, Nico Rohr,
­Johannes Gerber, Timon
Januth, Mayeul Gaillet,
Martin Baumann, Roman
Salzgeber, Marco Saner

31
Mitteilungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Fotos: Der Referent, ­


Patrick Reimann, mit
­«seinem» historischen
­Instrument

Sie und die zahlreichen Familienan-


gehörigen, Freundinnen und Freun-
de, Arbeitgeber sowie Mitglieder
und Expertinnen und Experten der
Geometerkommission zollten den
erfolgreichen Prüflingen ihren Res-
pekt.

Hauptredner der Patentfeier war


­Patrick Reimann, Kantonsgeometer
Baselland. Mit seinem Referat «Was
hat Nonius auf der Sphinx zu tun»
zeigte er auf, wieso er sich mit ei-
nem alten Instrument (Kern Repeti-
tionstheodolit aus dem Jahr 1909)
auf die hochalpine Forschungssta-­
tion auf dem Jungfraujoch begab.
George Everest brachte es fertig, die
Höhe des später nach ihm benann-
ten Mount Everest im 19. Jahrhundert auf acht Meter Wir gratulieren den patentierten Ingenieur-Geo-
genau zu messen und zu berechnen. Der Referent führ- metern herzlich: Sie dürfen stolz darauf sein, die-
te mit Wissen, Initiative und Neugier trigonometrische sen Titel zu t­ ragen! Für ihre berufliche Zukunft
Höhenbestimmungen von bis 150 km entfernten Zielen wünschen wir ihnen viel Erfolg und auch für den
durch: La Dôle, Chasseral und Feldberg (D). Er kämpfte privaten Weg alles Gute.
mit Hindernissen wie suboptimale Sicht, Refraktion,
­Horizontierung, Schwereanomalie und Kälte. Die Ergeb- Georges Caviezel, pat. Ing.-Geom.
nisse dieses Experiments sind beachtlich, lassen sich Präsident der Eidgenössischen Kommission für
Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer
aber wissenschaftlich nicht ein-­deutig einordnen. geometerkommission@swisstopo.ch

Der anschliessende Aperitif bot Gelegenheit, nochmals


Erfahrungen und Anekdoten auszutauschen und die
­Feierlichkeiten in geselliger Runde ausklingen zu lassen.
Der feierliche Rahmen in unmittelbarer Nachbarschaft
zum Bundeshaus wurde allseits sehr geschätzt und die
Herausforderungen durch COVID-19 taten der guten
Stimmung keinen Abbruch.

32
Mitteilungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Umfrage zur Fachzeit- Personelle Änderungen Personelles aus dem


schrift «cadastre» – bei der Vermessungs- ­Bereich «Geodäsie und
Auswertung aufsicht des Fürsten- Eidgenössische Vermes-
tums Liechtenstein sungsdirektion»
Von Ende August bis Anfang Oktober 2020 Fürstentum Liechtenstein Eintritt
waren die Leserinnen und Leser der Fach- Markus Scherrer, pat. Ing.-­ Wir heissen Roxanne Pott als Mitarbeiterin
zeitschrift «cadastre» eingeladen, sich an Geom., zuständiger Geome- im Bereich «Geodäsie und Eidgenössische
­einer Umfrage zu beteiligen. Ziel war, die ter für das Fürstentum Liechtenstein, verlässt Vermessungsdirektion» herzlich willkom-
Bedürfnisse der Leserschaft zu evaluieren, per 31. Dezember 2020 das Bundesamt für men.
sowohl i­nhaltlich wie auch hinsichtlich Er- Landestopografie swisstopo und den Bereich
scheinungsweise und -häufigkeit der Fach- «Geodäsie und Eidgenössische Vermessungs- Roxanne Pott
zeitschrift. direktion». Ausbildungstitel: Master of
Helena Åström Boss übernimmt seine Funk- ­Science ETH en géomatique
Wir haben gute Rückmeldungen erhalten –
tion ab 1. Januar 2021. Funktion: Projektleiterin
besten Dank dafür! Allerdings war die Betei-
Eintrittsdatum: 1. Dezember
ligung so niedrig, dass die Ergebnisse keine
Geodäsie und Eidgenössische 2020
repräsentativen Rückschlüsse ermöglichen.
Vermessungsdirektion
Nun werden wir die einzelnen Voten prüfen
swisstopo, Wabern Aufgabengebiet
und intern entscheiden, welche Impulse
Im Prozess «Innovation und Produktmanage­
wir aus den Umfrageergebnissen aufgreifen
ment» wird Roxanne mitwirken
werden. An der heutigen Erscheinungs-­
• bei der Durchführung von Projekten wie
weise – dreimal pro Jahr sowie gedruckt und
die Einführung von DM.flex;
als PDF erhältlich – werden wir vorerst fest-
• beim Produktmanagement, z. B. für das
halten.
Geoportal der amtlichen Vermessung;
• bei Innovationsprojekten zu den vier The-
Elisabeth Bürki Gyger, Karin Markwalder,
men geoBIM, Geolokalisierung, Daten-
Marc Nicodet
wissenschaft und Co-Produktion sowie
Redaktion «cadastre»
vermessung@swisstopo.ch Distributed Ledger Technologie (DLT).

Austritt
31. Dezember 2020
Markus Scherrer, patentierter Ingenieur-
Geometer Oberleitung / Oberaufsicht amt-­
liche Vermessung

Wir wünschen Markus viel Glück und alles


Gute für die Zukunft.

Geodäsie und Eidgenössische


Vermessungsdirektion
swisstopo, Wabern

33
Mitteilungen
Veranstaltungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Kreisschreiben und Express: Staatsexamen 2021 zur


jüngste Veröffentlichungen ­Erlangung des Geometer-­
patents

Kreisschreiben Das Staatsexamen wird einmal


Schweizerische Eidgenossenschaft

für wichtige Präzisierungen von gesamtschweizerisch jährlich durchgeführt. Die anwen-


Confédération suisse
Confederazione Svizzera
Confederaziun svizra

anwendbaren rechtlichen Vorschriften dungsorientierte Prüfung umfasst


die Themenkreise «amtliche Vermessung», «Geomatik»,
Datum Thema
«Landmanagement» und «Unternehmensführung» und
24. 09. 2020 Kreisschreiben AV  2020 / 01
Abschluss der Validierung der Strassen besteht aus je einem schriftlichen und einem mündlichen
Teil. Sie beinhaltet unter anderem auch eine Feldarbeit
unter Verwendung der eigenen Instrumente.

Express Es besteht die Möglichkeit, eine der vier Themenkreisprü-


für allgemeine Informationen und Umfragen fungen (schriftlich und mündlich) um ein Jahr zu verschie-
ben. Diese wird «zeitvariable Prüfung» genannt. Mit der
Datum Thema
Anmeldung muss die Kandidatin resp. der Kandidat mit-
01. 09. 2020 AV-Express 2020 /  05
Digitalisierung der Verwaltungsprozesse amtliche
teilen, ob sie bzw. er von der Möglichkeit der zeitvariablen
Vermessung und ÖREB-Kataster Prüfung Gebrauch machen will und falls Ja, in welchem
Themenkreis die Prüfung im darauffolgenden Jahr abge-
01. 09. 2020 ÖREB-Kataster-Express 2020 / 01
Digitalisierung der Verwaltungsprozesse amtliche legt wird. Eine Abmeldung ist nur für das Staatsexamen
Vermessung und ÖREB-Kataster als Ganzes zulässig. Die zeitvariable Prüfung muss zwin-
08. 09. 2020 ÖREB-Kataster-Express 2020 / 02 gend im darauffolgenden Jahr abgelegt werden.
Revision Empfehlungen «Rechtsvorschriften und
Hinweise auf die rechtlichen Grundlagen» Agenda Staatsexamen 2021
und Umwandlung in eine Weisung – Konsultation
1. Woche: 23. bis 27. August
11. 09. 2020 ÖREB-Kataster-Express 2020 / 03 2. Woche: 30. August bis 3. September
Revision der technischen Weisungen – Konsultation
Patentfeier: 10. September
15. 10. 2020 AV-Express 2020 / 06 Das Staatsexamen 2021 findet im Bundesamt für Sport
Monitoring des volkswirtschaftlichen Nutzens der
AV-Daten – Resultate 2019 und Fragebogen 2020
in Magglingen statt.

Anmeldung
Amtliche Vermessung
ÖREB-Kataster Die Anmeldung muss zwingend folgende Dokumente
umfassen:
Die Dokumente selbst sind abrufbar auf:
• Anmeldeformular (www.cadastre.ch /anmeldung),
www.cadastre.ch  / av 
• Lebenslauf mit Foto,
Rechtliches & Publikationen
• Anerkennungsentscheid oder Gesuch um Anerkennung
resp. der theoretischen Vorbildung,
www.cadastre.ch  / oereb  • Nachweis der Berufspraxis.
Rechtliches & Publikationen
Sie ist bis spätestens 31. März 2021 per Post (Post-­
stempel zählt) und per E-Mail einzureichen:
Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
swisstopo, Wabern • Per Post
Sekretariat der Eidgenössischen Kommission für
­Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer
c  /o Bundesamt für Landestopografie
Geodäsie und Eidgenössische Vermessungsdirektion
Seftigenstrasse 264, 3084 Wabern

• Per
E-Mail (PDF)
geometerkommission@swisstopo.ch

Zusätzliche Informationen:
www.cadastre.ch /anmeldung

Eidgenössische Kommission für


Ingenieur-Geometerinnen und -Geometer
geometerkommission@swisstopo.ch

34
Veranstaltungen cadastre Nº 34, Dezember 2020

Spirgarten 2021 Kolloquien des Bundesamtes


für Landestopografie
­swisstopo 2021

Ziel des Spirgartentreffens ist der Die Kolloquien von swisstopo um-
swisstopo
offene Informationsaustausch fassen Vorträge zu ausgewählten
über den aktuellen Stand der Nor- Themen aus den Fachgebieten Vermessung, Topografie,
mierung und Standardisierung in der Geoinformations- Kartografie und Landesgeologie sowie von KOGIS (Ko-
technologie zwischen GIS-Fachleuten der öffentlichen ordination, Geo-Information und Services).
Verwaltung und der Privatwirtschaft.
Die unten aufgeführten Veranstaltungen sind öffentlich
und finden jeweils freitags, 10.00 – 11.30 Uhr statt, auf
Das nächste Spirgartentreffen findet statt am
Grund von COVID-19 online.
18. März 2021, 9.30 –12.30 Uhr
Die Kolloquien werden über das Onlinekonferenz-Tool
im Kongresszentrum Spirgarten – Zürich Altstetten
«Webex» durchgeführt. Wir bitten um Anmeldung
Das Hauptthema wird später definiert. ­unter www.swisstopo.ch   Veranstaltungen.
Das Programm finden Sie ab ca. Februar 2021 auf
www.interlis.ch  
Veranstaltungen. 29. Januar 2021
Die Grenzüberschreiterin: 175 Jahre Topogra-­
Schauen Sie vorbei: neue Teilnehmerinnen und phische Karte der Schweiz
T­ eilnehmer sind herzlich willkommen! Vor 175 Jahren erschienen die ersten beiden Blätter der
Topographischen Karte der Schweiz. Im Kolloquium wird
Koordination, Geo-Information und Services KOGIS der nationale und internationale Entstehungskontext
swisstopo, Wabern der sogenannten Dufourkarte beleuchtet.

5. Februar 2021
Vector Tiles für die BGDI und eine neue
Light Base Map
Vector Tiles eröffnen neue Möglichkeiten. swisstopo bie-
tet eine neue Light Base Map und ergänzt die Bundes
Geodaten-Infrastruktur (BGDI).

12. März 2021
Geologischer Untergrund: Wie swisstopo die
­Tiefen ausleuchtet
Untergrunddaten bilden eine wichtige Grundlage für
die nachhaltige Nutzung von Georessourcen. Die Landes-
geologie zeigt, wie aus Grundlagendaten mehrdimen-­
sionale Informationen entstehen.

26. März 2021
Verkehrsnetz CH: Drehscheibe und multimodale
Basisdaten zur Referenzierung von Fachdaten
­Verkehr und Mobilität
Mit dem Basisdatensatz Verkehrsnetz CH wird die Ver-
kehrsdateninfrastruktur der öffentlichen Hand erweitert
und optimiert.

9. April 2021
geoBIM: Von Geodaten zu BIM-Daten
swisstopo beschäftigt sich stark und in Zusammenarbeit
mit anderen Bundesstellen, Kantonen und Privaten mit
dem Thema BIM (Building Information Modelling). Im
Kolloquium werden gemeinsam Projekte – der Schwer-
punkt liegt dabei auf Geodaten und Standardisierung,
deshalb geoBIM – vorgestellt.

Als Fortbildung anerkannt Bundesamt für Landestopografie swisstopo

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Schweizerische Eidgenossenschaft
Confédération suisse
Confederazione Svizzera
Confederaziun svizra

Eidgenössisches Departement für Verteidigung,


Bevölkerungsschutz und Sport VBS
Bundesamt für Landestopografie swisstopo