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Himmelskönigin

Christl M. Maier

1. Bezeichnung
„Himmelskönigin“ (→ Königin) ist der Titel bzw. Beiname einer in Jer 7,18; Jer
44,17-19.25 genannten weiblichen Gottheit. Er lautete ursprünglich wohl malkat
haššāmajim (vgl. griechisch ἡ βασιλίσσα τoῦ οὐρανoῦ hē basilíssa tou ouranou
lateinisch regina caeli in Jer 44,17), wurde von den Masoreten aber zu məlækæt
haššāmajim „Werk des Himmels“ (vgl. griechisch ἡ στρατία τoῦ οὐρανoῦ hē
stratía tou ouranou „Heer des Himmels“ Jer 7,18) umgedeutet. Der Eigenname der
Göttin bleibt in Jer 7 und Jer 44 absichtlich ungenannt, weil ihr Kult als Frevel
gegen den Gott Israels bewertet wird.

Einen dem Titel „Königin des Himmels“ vergleichbaren Beinamen tragen viele →
Göttinnen Vorderasiens mit astralem Charakter. Die sumerische Inanna, Tochter
des Himmelsgottes An, wird im Hymnus des Iddin-Dagan von Isis als bēlit šamē
„Herrin des Himmels“ angerufen. Ein Hymnus Enheduannas preist die „Inanna
von Himmel und Erde“ als „Großkönigin der Himmelsgründe und des Zenit“
(NIN.ME.ŠAR.RA Z.3.12.112 The Electronic Text Corpus of Sumerian Literature
4.07.2).

Auch Inannas akkadisches Äquivalent → Ischtar wird als „Herrin des Himmels“
und als šarrat šamāmi u kakkabāni „Königin des Himmels und der Sterne“
gepriesen (Tallqvist 1938, 239; vgl. auch 64, 129, 240, 333). Beide Göttinnen
haben als Symbol den Planeten Venus als Morgen- und Abendstern.

In Ägypten wird der Himmel durch ein feminines Wort bezeichnet und
durchgängig durch weibliche Gottheiten personi ziert. Seit dem Alten Reich trägt
die Göttin Hathor den Beinamen nb.t p.t „Herrin des Himmels“, der jedoch auch
für andere Göttinnen verwendet wird (Olyan 1987, 163).

„Herrin (= b‘lt) des (hohen) Himmels“ ist als Beiname für die jugendliche
Kriegsgöttin Anat im ugaritischen Pantheon (KTU 1.108,7 = TUAT II, 823) und auf
Stelen für Anat aus → Bet-Schean und Dendera belegt (→ Anat, 2.3). Als „Herr (=
b‘l ) des Himmels“ wird in Syrien und Phönizien des 1. Jt.s v. Chr. der → Wettergott
bezeichnet (→ Baal, 3.1). In Ägypten führen sowohl Anat als auch → Astarte,
Letztere auf Stelen des Qudschu-Typs, dargestellt als nackte Göttin auf dem
Löwen (→ Göttin, 3.) den Beinamen „Herrin des Himmels“. Deshalb kann die
„Himmelskönigin“ des Tempels im oberägyptischen Syene, die im aramäischen

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Hermopolis-Papyrus 4 aus dem 5. Jh. v. Chr. genannt ist, sowohl mit Anat als
auch mit Astarte identifiziert werden.

Astarte begegnet in phönizischen Personennamen und wird in der Sarkophag-


Inschrift des sidonischen Königs Eschmunazar aus dem 5. Jh. v. Chr. „Königin“
genannt (KAI 14, Z. 14-15; → Sidon). Als einziger Beleg für Astarte als „heilige
Königin“ (mlkt qdšt) kommt ein im Tempel der Göttin in Kition auf Zypern
gefundenes Verzeichnis der Tempelverwaltung aus dem 4.-3. Jh. v. Chr. in
Betracht (KAI 37 A, Z. 7; vgl. Z.10); die Lesung mlkt ist aber umstritten (vgl. die
Übersetzung in KAI II, 54), ebenso die Deutung des Wortes ḥlt in Z. 10 als
Ringbrot (KAI II, 55 zu Z.10). Die griechischen Historiker Herodot (5. Jh. v. Chr.;
Historien 1, 105 Herodot) und Pausanias (2. Jh. n. Chr., Beschreibung
Griechenlands 1, 14,7 Pausanias) bezeichnen die Göttin Astarte von Aschkelon
als Ἀφροδίτη Оὐρανίη Aphrodítē Ouraníē „himmlische Aphrodite“ (s.u. 3.), die
außerdem in Delos verehrt, auf Zypern auch „Herrin“ genannt und in Ägypten mit
Hathor gleichgesetzt wurde. Ihr latinisierter Titel Venus caelestis erinnert an die
Verbindung der mesopotamischen Himmelsherrinnen zum Planeten Venus.

Der Titel „Himmelskönigin“ hat sich bis heute im Beinamen regina caeli für Maria
erhalten, der der Gottesmutter in einer Enzyklika des Papstes Pius XII. (1876-
1958) im Jahre 1954 offiziell beigelegt wurde.

2. Art der Verehrung


Im Rahmen der Tempelrede Jeremias, die verschiedene Kultfrevel au istet, wird
die Verehrung der Himmelskönigin durch Opferkuchen (kawwānîm) erwähnt, an
deren Herstellung die ganze Familie beteiligt ist: Die Kinder sammeln Holz, die
Väter zünden das Feuer an und die Frauen kneten den Teig (Jer 7,18). Außerdem
erwähnt die Tempelrede Räucheropfer für Baal (Jer 7,9) und Trankopfer für
andere Gottheiten (Jer 7,18). Die Tempelrede wurde von den exilischen
Herausgebern des Jeremiabuches so stark überarbeitet, dass ursprüngliche
Jeremiaworte nicht verifizierbar sind.

I n Jer 44 kündigt der Prophet den nach Ägypten ge ohenen Menschen (Jer
44,1.12.15) die Vernichtung durch Hunger und Schwert an. Diese Rede setzt die
Zerstörung Jerusalems voraus und nennt als einen Grund die Räucher- und
Trankopfer für die Himmelskönigin. Die Kultausübung wird explizit den Frauen
zugewiesen, die in Jer 44,15-19 Jeremia antworten und ihrerseits die
Unterlassung von Opfern für die Himmelskönigin als Grund für die Zerstörung
angeben. Die griechische Übersetzung adressiert das Gotteswort in Jer 44,25 nur
an die Frauen und hat wahrscheinlich den ursprünglichen Wortlaut bewahrt.

Während die Beschreibung in Jer 7,18 und die Hervorhebung der Frauen in Jer
44,15-19 auf eine mögliche Verehrung der Himmelskönigin im Rahmen der

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Familienreligion hinweisen, nennen Jer 44,17 und Jer 44,21 ausdrücklich den
König, seine Beamten und die Bevölkerung als Verehrerinnen und Verehrer.
Obwohl der Kult für die Himmelskönigin im Rahmen der Tempelrede kritisiert
wird, war er wohl nicht Teil des Tempelkultes, da als Orte der Verehrung „die
Städte Judas und die Straßen Jerusalems“ erwähnt werden (Jer 7,17; Jer 44,17)
u n d Jer 44 in Ägypten situiert ist. Allerdings spricht die Erwähnung in der
Tempelrede für eine Bedeutung des Kultes über die Familienreligion hinaus.

2.1. R äu ch er- u n d Tran kop fer

Bei → Räucheropfern handelt es sich um die Verbrennung von Weihrauch oder


anderen Aromata. Der Opferterminus qṭr Piel „in Rauch aufsteigen lassen“ weist
lediglich auf die Verbrennung, nicht auf das Opfermaterial hin und wird deshalb
auch allgemein für Brand- und Schlachtopfer gebraucht (1Sam 2,16; 1Kön 9,25
u.ö.). Beim Räucheropfer wird daher oft zusätzlich qəṭoræt „Räucherwerk“ als
Objekt genannt. Im Zentralisationsgesetz Dtn 12,6 fehlen Räucheropfer in der
Liste der Opfer am Tempel, in nachexilischen Texten sind sie jedoch auch für
JHWH geboten (Ex 30,34-38; Lev 16,12; Ps 141,2); es ist dazu sogar ein
gesonderter Altar vorgesehen (Ex 30,1-10). Bei Trankopfern werden Flüssigkeiten
ausgegossen (Libation).

Im exilischen Texten des Jeremiabuches wie im → Deuteronomistischen


Geschichtswerk werden Räucheropfer überwiegend negativ beurteilt, als Opfer
für fremde Gottheiten (1Kön 11,8; 2Kön 18,4; 2Kön 22,17; 2Kön 23,5; Jer 1,16;
Jer 11,12f.17 u.ö.) oder als Opferart auf den sog. → Kulthöhen (bāmôt; 1Kön 3,3;
1Kön 22,44; 2Kön 14,23; 2Kön 17,11). Räucher- und Trankopfer für fremde
Gottheiten (Jer 19,13; Jer 32,29) und für die Himmelskönigin (Jer 44,19) werden
von den exilischen Bearbeitern des Jeremiabuches als Frevel gegenüber JHWH
bewertet. Die Texte lassen erkennen, dass solche Opfer nicht nur der
Himmelskönigin zugeeignet wurden.

2.2. Op ferku ch en

Bei dem nur in Jer 7,18 und Jer 44,19


erwähnten Gebäck kawwānîm handelt sich
wohl um Glutaschekuchen oder
Holzkohlenbrote, die ohne Ofen auf der Glut
gebacken werden und eine kurze Backzeit
haben. Der Begri ist ein Lehnwort aus dem
Akkadischen (CAD 8, 110 listet Texte, in denen
gesüßte kamānu -Kuchen genannt sind); in
Hymnen und Beschwörungstexten werden in
Asche gebackene kamānu -Kuchen in
Verbindung mit der Göttin → Ischtar erwähnt
(AHw I, 430a mit den Belegen KAR 42,19.25;

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KAR 357,10.35). Der These, die einfache
Backweise der kamānu -Kuchen spreche für
eine Verortung des Kultes der Himmelskönigin
im privaten Bereich (Rast 1977, 175) steht
entgegen, dass die akkadischen
Beschwörungsrituale zumindest einen
Beschwörungspriester voraussetzen, also
einen Kult implizieren (Winter 1983, 572f).
Außerdem wurden die meisten Ritualtexte, die
ein Backen solcher Brote beschreiben, in
Tempeln gefunden und wahrscheinlich auch
dort verwendet (Jost 1995, 220). Jer 44,19
erwähnt, die Kuchen würden die Göttin
abbilden (die Wendung fehlt im griechischen
Text und ist daher wohl eine späte Glosse), d.h.
die Kuchen könnten gürlich geformt oder
aber mit dem Bild oder einem Attribut der
Göttin versehen gewesen sein. Dafür spricht
Abb. 1 Gebäckform mit „nackter
auch, dass sich in der Stadt → Mari am
Göttin“ auf dem Bett (Mari, Palast
Zimrilims, Raum 77; 18. Jh. v. Chr.). mittleren Euphrat in der Bäckerei des Palastes
47 Backformen mit geometrischen Mustern
fanden, in Tierform oder auch in Form von
Tänzern (18. Jh. v. Chr.). Drei Formen zeigen die „nackte Göttin“ auf einem Bett.

Winter stellt diesem Befund den Abguss eines


Pressmodels aus → Taanach aus dem 10. Jh. v.
Chr. zur Seite, das eine Frau mit markierter
Vulva und Nabel darstellt, die vor der Brust
ein mit einem Kreuz gekennzeichnetes Brot
hält.

Keel und
Uehlinger
(2001, 390
und Abb.
332)
Abb. 3 Teigstempel mit
Frauengesicht (Ramat Rachel; 8.-7.
verweisen
Jh. v. Chr.). auf einen
Tonstempel
aus →
Ramat Rachel, Stratum V (Ende 8.-7.Jh. v. Chr.)
mit einem Frauenkopf en face, den sie als
Teigstempel interpretieren.

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3. Identifikation
Die

Abb. 4 Die Kriegsgöttin Ischtar steht


mit Pfeil und Bogen bewa net auf
ihrem Symboltier, dem Löwen,
davor ein Beter und kämpfende
Steinböcke (neuassyrisches
Rollsiegel; 8./7. Jh. v. Chr.).

Identi kation der Himmelskönigin mit einer


der bekannten Göttinnen → Ischtar, → Astarte,
→ Anat oder → Aschera ist umstritten und
nicht vollständig geklärt (Jost 1995, 61f;
Frevel, 1995, 471; Delcor 1982, 103-114 führt
alle Möglichkeiten auf). Obwohl die Göttin
A nat auch den Beinamen „Herrin des
Himmels“ hat, kommt sie kaum in Betracht,
da ihr Name im Alten Testament nur in
Personen- und Ortsnamen belegt ist und sie
nirgends als selbstständige Göttin auftritt.

Aufgrund der kawwānîm bzw. kamānu -Kuchen


erscheint Ischtar naheliegend. Ihre Symbole
Venusstern, Strahlen- oder Sternenkranz und
Kriegsbewa nung (Abb.4) verweisen auf die
Bereiche „Himmel“ und „Herrschaft“.
Abb. 2 Pressmodel mit nackter Frau
Die und Brot (Taanach; 10. Jh. v. Chr.).
kriegerische
Göttin im
Strahlenkranz ist die einzige weibliche
assyrische Göttin, die in Palästina im 7. Jh. v.
Chr. ikonographisch bezeugt ist. Doch die
Belege stammen aus Zentren assyrischer
Verwaltung und sind nicht lokale judäische
Abb. 5 Räucherszene vor Ischtar mit Produkte (Abb. 5; vgl. Keel / Uehlinger 2001, §
Strahlenkranz (neuassyrisches 171 mit Abb. 286-289).

WiBiLex | Himmelskönigin 5
Rollsiegel aus Sichem; 8./7. Jh. v. Die Beschreibung der geliebten Frau in Hhld
Chr.). 6,10 nimmt Züge der Ischtar als kriegerische
und astrale Göttin auf.

Für die westsemitische A starte spricht, dass ihr Name in phönizischen und
punischen Personennamen erhalten ist und sie in Texten gelegentlich als
„Königin“ tituliert wird (KAI 14, Z. 14-15; KAI 37 A. Z. 7, s.o. 1; vgl. Olyan 1987,
166f) sowie in hellenistischer Zeit mit Ἀφροδίτη Оὐρανίη („Himmlische
Aphrodite“) identi ziert wurde. Allerdings wird die These einer Verschmelzung
der westsemitischen Astarte mit der ostsemitischen Ischtar gegen Ende des 2. Jt.s
v. Chr. (Ackerman 1992, 34; ähnlich Weinfeld 1992, 150) bestritten (Olyan 1987,
172-174; Keel / Uehlinger 2001, 389). Zudem ist Astarte bisher ikonographisch
nicht eindeutig belegt (zu einem singulären Siegelfund vgl. Keel / Uehlinger 2001,
Abb. 331a).

Aufgrund der Rituale Räuchern und Libieren (Jer 44,19) liegt für die
Himmelskönigin eine Verbindung zur Verehrung des Himmelsheeres (→ Zebaoth)
nahe, die aramäischen Ursprungs ist und in Juda wahrscheinlich durch die
Assyrer vermittelt wurde (Weinfeld 1972, 146-150; Keel 1998,104). Dann wäre
der Kult für die Himmelskönigin „ein assyrisch geprägtes ‚Revival’“ (Winter 1983,
574) und dies würde für die Identi kation mit einer Göttin aus diesem Raum
sprechen.

Mit Blick auf die nach 2Kön 23,5 von König → Josia abgescha ten Räucheropfer
für das Himmelsheer, die unmittelbar vor der Zerstörung des Kultbildes der
Aschera (2Kön 23,6-7) genannt sind, kommt A schera als Himmelskönigin in
Betracht (Koch 1988, 98.108f). Allerdings ist die astrale Kompetenz der sonst im
Baum oder Holzpfahl symbolisierten Göttin in den biblischen Belegen wenig
ausgeprägt (Frevel 1995, 464-469). Dennoch halten Keel und Uehlinger (2001,
386-390) es für wahrscheinlich, dass im 8./7. Jh. v. Chr. der in Juda verehrten
Göttin Aschera, beein usst vom neuassyrischen Ischtarkult, astrale Züge
zugewachsen sind. Da die Texte und die ikonographischen Belege nicht
übereinstimmen, kann die „Himmelskönigin“ bisher nicht eindeutig identi ziert
werden. Die weite Verbreitung des Titels unterstreicht aber, dass auch lokal
verehrte Göttinnen „himmlische“ Kompetenzen erwerben konnten und sich die
Vorstellung einer Himmelskönigin im 1. Jt. v. Chr. in der Levante und in Ägypten
großer Beliebtheit erfreute.

4. Aspekte jüdischer und christlicher Rezeption


Das Bild der Himmelkönigin im Sternenkranz wird in der in den 90er-Jahren des
1. Jh.s entstandenen Johannes-Apokalypse aufgenommen. In Apk 12,1 erscheint
eine sternenbekränzte, mit der Sonne bekleidete Frau, die hochschwanger auf
dem Mond steht; sie wird von einem Drachen bedroht, kann ihren Sohn aber zur

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Welt bringen und dann in die Wüste iehen, während das Kind bei Gott geborgen
ist. Der Drache wird von den himmlischen Heerscharen auf die Erde geworfen,
wo er die weiteren Nachkommen der Frau drangsaliert (Apk 12,17).
Traditionsgeschichtlich ist das Motiv der gebärenden Frauengestalt mit
alttestamentlichen Ankündigungen eines Messias verbunden (vgl. Jes 7,14; Jes
9,5-6; Jes 66,5-8; Lk 1,31-33), erzählt wird es als christlicher Mythos, der
Elemente hellenistischer Isis-Mythen aufnimmt (Schreiber 2007, 441.455). Diese
apokalyptischen Bilder spiegeln die Situation jüdischer Christusgläubiger in
Gemeinden Kleinasiens unter römischer Vorherrschaft.

In der christlichen Rezeption von Apk 12,1 späterer Jahrhunderte wurde Maria
als Himmelskönigin verehrt. Bischof Epiphanius von Salamis auf Zypern (4. Jh. n.
Chr.) kritisiert Frauen in Thrakien, Skythien und der Arabia für die Verehrung
Marias als Göttin mit kuchenartigen Opfergaben (κολλúριδα; Epiphanius,
Panarion, Adversus Haereses 74). Der syrische Kirchenvater Isaak von Antiochien
(5. Jh. n. Chr.; opera omnia I, 210, 244-247) identi ziert die biblische
Himmelskönigin mit der arabischen Göttin Al-Uzza und der syrischen Göttin
Kaukatba „der Stern“ (wohl Venus). Die zuletzt genannte Vorstellung spiegelt auch
das Targum zum Jeremiabuch, das den Titel in Jer 7,18 mit „Stern des Himmels“
übersetzt.

In der Enzyklika des Papstes Pius XII. wird


Maria zwar deutlich ihrem Sohn
untergeordnet und nicht als Göttin bezeichnet.
Ihr offizieller Titel Regina caeli aber erinnert an
die Vorstellung der antiken Göttinnen.
Ikonographisch begegnet die Himmelskönigin
wieder in der Barockzeit (1575-1770) in
Darstellungen Marias mit dem Sternen- oder
Strahlenkranz (Keel / Schroer 2004, 266-273
mit Abb.9).

Angaben zu Autor / Autorin finden Sie hier

Abb. 6 Maria als Regina caeli mit


dem Mond zu ihren Füßen – Apk
12,1 (Kölner Dom; 19. Jh.).

WiBiLex | Himmelskönigin 7
Empfohlene Zitierweise
Maier, Christl M., Art. Himmelskönigin, in: Das Wissenschaftliche
Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de), 2010

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weiblichen Gottesbild im Alten Israel und in dessen Umwelt (OBO 53), Freiburg (Schweiz)
/ Göttingen

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Gebäckform mit „nackter Göttin“ auf dem Bett (Mari, Palast Zimrilims, Raum 77;
18. Jh. v. Chr.). Aus: U. Winter, Frau und Göttin. Exegetische und ikonographische
Studien zum weiblichen Gottesbild im Alten Israel und in dessen Umwelt (OBO 53),
Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1983, Abb. 519; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg /
Schweiz
Abb. 2 Pressmodel mit nackter Frau und Brot (Taanach; 10. Jh. v. Chr.). Aus: U. Winter,
Frau und Göttin. Exegetische und ikonographische Studien zum weiblichen Gottesbild
im Alten Israel und in dessen Umwelt (OBO 53), Freiburg (Schweiz) / Göttingen 1983,
Abb. 63; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
Abb. 3 Teigstempel mit Frauengesicht (Ramat Rachel; 8.-7. Jh. v. Chr.). Aus: O. Keel / Chr.
Uehlinger, Götter, Göttinnen und Gottessymbole (QD 134), Freiburg 5. Au . 2001, Abb.
332; © Stiftung BIBEL+ORIENT, Freiburg / Schweiz
Abb. 4 Die Kriegsgöttin Ischtar steht mit Pfeil und Bogen bewa net auf ihrem
Symboltier, dem Löwen, davor ein Beter und kämpfende Steinböcke (neuassyrisches
Rollsiegel; 8./7. Jh. v. Chr.). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Abb. 5 Räucherszene vor Ischtar mit Strahlenkranz (neuassyrisches Rollsiegel aus
Sichem; 8./7. Jh. v. Chr.). Aus: O. Keel / Chr. Uehlinger, Götter, Göttinnen und
Gottessymbole (QD 134), Freiburg 5. Au . 2001, Abb. 287; © Stiftung BIBEL+ORIENT,
Freiburg / Schweiz.
Abb. 6 Maria als Regina caeli mit dem Mond zu ihren Füßen – Apk 12,1 (Kölner Dom; 19.
Jh.). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2011)

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