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62 I.

Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

kunde en Nederzettingsgeschiedenis 28). Amster- Vries, Wobbe de (1952): Friese persoonsnamen.


dam. Assen.
Tummers, Pieter Laurentius Marie (1962): Ro- [Wassenbergh, Everwinus] (1774): Verhandeling
maans in Limburgse aardrijkskundige namen. As- over de eigennaamen der Friesen. Franeker.
sen. Winkler, Johan (1885): De Nederlandsche ge-
Vries, Jan de (1962): Woordenboek der Noord- en slachtsnamen in oorsprong, geschiedenis en betee-
Zuidnederlandse plaatsnamen. Utrecht. kenis. Haarlem.
Vries, Wobbe de (1945): Drentse plaatsnamen. As- Winkler, Johan (1898): Friesche naamlijst. Leeu-
sen. warden.
Vries, Wobbe de (1946): Groninger plaatsnamen.
Groningen/Batavia. Robert Rentenaar, Amsterdam (Niederlande)

10. Namenforschung in Deutschland bis 1945

1. Frühgeschichte der Namenkunde Laute, sondern bedeutungsvoll und in inniger


2. Ortsnamen im Dienste historischer Siedlungs- Beziehung zu dem bezeichneten Gegenstand
geographie zu denken. Niemals wird das mehr empfun-
3. Die sprachwissenschaftliche Wende den, als wenn Glück oder Schmerz den Blick
4. Entwicklung der Flurnamenforschung auf die Persönlichkeit selbst zu lenken zwin-
5. Entwicklung der Personennamenforschung gen; dann steigt in voller Kraft die an Gewiß-
6. Von der sprachlichen Landesforschung zur heit grenzende Erkenntnis auf, daß ein ide-
‘Kulturraumforschung’ eller Zusammenhang zwischen dem Namen
7. Literatur (in Auswahl) und dem bezeichneten Gegenstande bestehe,
daß nomen et omen sei.“
Mag die Sprachwissenschaft noch so sehr
1. Frühgeschichte der Namenkunde darauf bestehen, daß Namen der Individua-
lisierung von Objekten dienen, daß sie bedeu-
1.1.  „Als Kaiser Wilhelm I., auf der H eim- tungsleer und auf die reine Funktion der Be-
fahrt aus Gastein begriffen, am 12. August zeichnung begrenzt seien, das namenkundli-
1886 in G ü t e r g l ü c k, dem Knotenpunkt der che Interesse entsprang am Anfang just dieser,
Magdeburg—Leipziger und Berlin—Nord- eben skizzierten zeichenrealistischen H altung.
häuser Bahn, sich der seiner Ankunft harren- In Deutschland begann die Namenkunde
den Menge zeigte, da ruhte sein sinnender avant la lettre mit dem Bemühen frühmittel-
Blick nicht nur auf dem Menschenschwarme, alterlicher H agiographen und Panegyriker,
der ihm fröhlich zujubelte, sondern auch auf gemäß den Vorschriften antiker Rhetorik (ar-
dem Orte, der einen so eigentümlichen und gumentum a nomine) und den Gesetzen der
doch anziehenden Namen hat. Inmitten des allegorischen Bibelexegese, germanische Per-
regen Verkehrs, der sich damals entspann, sonennamen aus- und ihre Bedeutung frei-
inmitten der vielen wichtigen Dinge, die an zulegen (vgl. Haubrichs, Art. 51).
ihn herantraten, vergaß er den Klang dieses Getragen vom Bemühen um die Semantik
Namens nicht, und manche der damals ihm der Eigennamen sind die seit dem 16. Jahr-
vorgestellten Persönlichkeiten überraschte er hundert aufkommenden, und bis in unser
mit der Frage, was der Name dieses Ortes Jahrhundert ragenden praktischen Namen-
bedeute.“ bücher, die anfangs vom seelsorgerlichen Im-
Diese kleine Anekdote hat H ermann petus um die Vergabe von ‘wohlbedeutenden’
Wäschke (1900, 253) an den Beginn seines Taufnamen geleitet wurden, zuerst die 1537
achtenswerten methodischen Überblicks über anonym zu Wittenberg erschienenen, später
die Ortsnamenforschung seiner Zeit gestellt unter Luthers Namen gehenden ‘Aliquot no-
und mit vollem Recht hinzugefügt: „Dies eine mina propria Germanorum ad priscam ety-
Beispiel mag genügen, die Tatsache zu bestä- mologiam restituta’ (vgl. Fiedler 1942), dann
tigen, daß im Bewußtsein der Menschen die Georg Witzels 1541 publiziertes ‘Onomasti-
Ansicht lebt, die Namen seien nichts rein Zu- con ecclesiae. Die Taufnamen der Christen
fälliges, nicht eine Summe gleichgültiger deudsch und christlich ausgelegt ...’ und 1569

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 63

des Zacharias Pretorius, Predigers zu Eisleben E. G. Graff, F. J. Mone und W. Wackernagel


‘Namenbüchlein, das ist Erklerung fast aller folgend — auch das Projekt einer umfassen-
Mans und Weiber Namen jetziger Zeit den Sammlung und Deutung der althoch-
breuchlich’. Während der Katholik Witzel, deutschen Personennamen gefördert. Er
ohne die deutschen Namen — ‘wiewol sie sorgte 1846 dafür, daß die Berliner Akademie
nach der H eidnischen Barbarey fast schmek- ein Wörterbuch der alten deutschen Namen
ken’ — völlig verdammen zu wollen, sich bis zum Jahre 1100 als Preisaufgabe stellte.
vehement für den Gebrauch der aus den hei- Nur der fürstlich stolbergische Bibliothekar
ligen Sprachen Hebräisch, Griechisch und La- Ernst Förstemann, der 1863 auch als Autor
tein kommenden Namen ausspricht, bei de- eines achtenswerten Werkes über die „deut-
nen man im Gegensatz zu den ‘barbarischen’ schen Ortsnamen“ hervortrat, wagte sich an
Namen der ‘guten’ Bedeutung sicher sein diese Aufgabe. Er gewann — wegen mancher
könne, bemühen sich die protestantischen Mängel — zwar nicht den Preis, aber doch,
Onomastica auch um die Auslegung der deut- als Ermunterung für weiteres Werk, die aus-
schen Namen: Rodolfus, d. i. ‘Rat und H ilfe’, gesetzte Geldsumme von 100 Dukaten. 1854
Erwinus, d. i. ‘ehrlich und fein, Ehrgewinner’. hat Förstemann den Personennamenband,
Auch das 17. und 18. Jahrhundert kommt 1859 den Ortsnamenband herausgebracht;
kaum über dieses Stadium der ‘wilden Phi- 1872 ließ er eine stark revidierte Auflage fol-
lologie’ hinaus. Selbst nach der Geburt einer gen; den Personennamenband unterzog er
onomastischen Wissenschaft tummeln sich — 1900 für eine zweite Auflage einer nochmali-
bis zum heutigen Tage — deutungsorientierte gen Überarbeitung. Es hat von Anfang an
Dilettanten auf dem Gebiet der Namenkunde Kritik an diesem Werk gegeben, vor allem an
(vgl. Ruoff, Art. 52). Nicht immer präsentiert den etymologischen Ansätzen und an den feh-
sich diese ‘heitere Wissenschaft’ so niveauvoll lenden Angaben über den Kontext seiner
wie bei dem um die frühe Flurnamenkunde Quellen, über den Ort, an dem die verzeich-
und Kontaktlinguistik trotz mancher Irrtü- neten Namenträger auftreten, über den
mer verdienten Ludwig Steub, der seine ver- Stand, dem sie angehören. Das Werk ist sicher
streuten Beobachtungen noch unbefangen mit kritischer Vorsicht zu benutzen, doch muß
‘H erbsttage in Tirol’ (1869) oder gar ‘Ono- alle Kritik verstummen, wenn wir feststellen,
matologische Belustigungen’ (1879) über- daß bis heute kein auch nur in Teilen gleich-
schreiben konnte. wertiges Sammelwerk an seine Stelle treten
konnte (vgl. Schwarz 1950, I, 9 f.; Bach 1978,
1.2.  Die Grundlegung zu einer wissenschaft- I, 1, § 6,3).
lichen Namenkunde hat erst die histo-
risch-vergleichende Sprachwissenschaft Jacob
Grimms (1785—1863) schaffen können. Er 2. Ortsnamen im Dienste historischer
auch hat mit Nachdruck auf den Nutzen einer Siedlungsgeographie
genaueren Betrachtung der Eigennamen für
die Sprachwissenschaft hingewiesen. An 2.1.  In einer an Grimms vergleichend-histo-
Grimm orientierten sich mehrere frühe, meist rischer Methode orientierten, anspruchsvoll
im Rahmen deutscher Territorien landschaft- über die Regionen auf das ganze Deutschland
lich gebundene, oft in Schulprogrammen er- ausgreifenden Arbeit hat Joseph Bender 1846
schienene grammatische und sprachhisto- die interdisziplinäre Bindung eingeleitet, die
risch-vergleichende Arbeiten, in denen frei- von nun an bis zum Ende des Jahrhunderts
lich, wie billig, noch manche methodische Un- die Wissenschaftsgeschichte der Onomastik
sicherheit sichtbar wird (Strodtmann 1833; bestimmt: Sprachwissenschaft und Siedlungs-
Vilmar 1837; Piderit 1837; Schott 1843; geographie. Grundlegend ist ihm die Über-
Curtze 1847; Weigand 1853; Cassel 1854; zeugung vom appellativen Ursprung der To-
1858; spät noch Gotthard 1884 für Oberbay- ponyme: sie haben daher „eine ganz be-
ern). Sehr deutlich werden Bemühungen um stimmte Wortbedeutung“, die in vergleichen-
eine Typologie, den grammatischen Bau, ge- der Betrachtung zu Tage gefördert werden
legentlich auch schon um den Einbezug der kann. Die Ortsnamen können in sprachlicher
Dialektologie eines Kleinraumes (Piderit H insicht sowohl morphologisch (Simplicia,
1837). Einem einzelnen Typ von Ortsnamen Ableitungen, Komposita) als auch semantisch
(-lar) widmetete sich fruchtbar H antschke klassifiziert werden. Bringt man sie zum Spre-
1847. chen, vermögen sie etwas über die Zeit ihrer
Jacob Grimm hatte — Anregungen von

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64 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

Entstehung auszusagen. So läßt sich in der und Erläuterung aller in einem Lande vor-
Deutung der Namen eine „Namensgeogra- kommenden Ortsnamen nach, so wird sich
phie oder etymologische Erdbeschreibung“ bald herausstellen, daß sie auch die wichtigste
(Bender 1846, 36 ff.) entwerfen. Den Schritt Quelle für die Kulturgeschichte des Landes
freilich zu einer konsequenten geographisch- bilden. Denn es wird dann möglich, zugleich
historischen Auswertung der auf sprachwis- den Gang der Ansiedelung zu verfolgen und
senschaftliche Weise gefundenen onomasti- verschiedene Perioden der Ortsgründung zu
schen Typen vollzog er noch nicht. unterscheiden“ (Arnold 1882, 24 f.). Arnold
Ein methodisch lehrreiches und empirisch hatte seinen Untersuchungen zwei leitende
unterbautes Plädoyer für die historische Grundprinzipien zugrundegelegt: einmal die
Erkenntniskraft sprachgeschichtlich-verglei- Verteilung der von der Sprachwissenschaft er-
chender Namenetymologie hat Paulus Cassel mittelten verschiedenen Ortsnamentypen auf
1856 am Beispiel der Siedlungsnamen (SN) verschiedene historische Schichten. An vor-
auf -leben gehalten (vgl. auch Cassel 1858 mit wiegend historischem Material unterschied er
einer namengeographischen Studie zu den SN drei H auptperioden: 1. die Urzeit mit Namen
auf -mar). Cassel ordnet die Namen auf -leben auf -affa, -aha, -mar, -loh; 2. die Ausbauzeit
in die mit Personennamen, also patronymisch (5.—8. Jh.) mit Namen auf ingen, -ungen, -ahi,
gebildeten und vermutlich Besitzernamen ent- -ithi, -bur, -wich, -hofen, -hausen, -heim, ellip-
haltenen deutschen Ortsnamen ein. Dann tischen Ortsnamen und sekundär aus Flur-
analysiert er den Typus in vier Schritten: namen abgeleiteten Siedlungsnamen; 3. die
Voran stehen Materialsammlung und geogra- Zeit der letzten großen Rodungen (9.—
phische Verbreitung; es folgt die auf verglei- 12. Jh.) mit Namen auf -thal, -rode, -hagen,
chender Betrachtung beruhende etymologi- -burg, -kirchen, -zell usw. Mögen auch ein-
sche Untersuchung, die ihm als Grundbegriff zelne seiner Zuweisungen sowohl in sprach-
mansio ergibt; die nach allen Seiten abgren- wissenschaftlicher als auch in chronologischer
zende Analyse der Verbreitung macht ihm den H insicht der Kritik nicht standgehalten
Gebrauch durch die gens der Thüringer wahr- haben, so bleibt doch die grundsätzliche Er-
scheinlich (vgl. ähnlich Gerland 1861); kenntnis der zeitlichen Schichtung der Orts-
schließlich werden parallele Toponyme in Dä- namentypen richtig. Defizite hat er selbst ge-
nemark angezogen, die Vermutungen über die kennzeichnet, hat auf die Notwendigkeit hin-
H erkunft der namenverbreitenden Gruppen gewiesen, ältere Namenformen zur Deutung
zulassen. heranzuziehen, diese zuverlässig in Archiven
zu ermitteln, die Überlieferungsart zu berück-
2.2.  Angeregt von Cassel und Friedrich sichtigen, bei der Deutung die Möglichkeit
Ranke, der Sammlungen deutscher Ortsna- volksetymologischer Umdeutung zu beden-
men forderte, um die älteren auf deutschem ken (1875, 26 ff.). Er ist auch einer der ersten,
Boden siedelnden Völker festzustellen, gleich- der auf die Wichtigkeit der Wüstungsfor-
zeitig sich zur vergleichenden Sprachwissen- schung für die Namenkunde hingewiesen hat:
schaft von Franz Bopp und Jakob Grimm als etwa die H älfte des Namenbestandes entfallen
einer genuin historischen Methode bekennend nach ihm auf Wüstungen, die also nicht ver-
und die reichen Materialien, die Ernst För- nachlässigt werden dürfen. (1875, 13 f.). Die
stemann gesammelt hatte, auswertend, hat zweite Grundidee Arnolds, nämlich be-
1875 Wilhelm Arnold, von H aus aus eigent- stimmte Ortsnamentypen einzelnen germani-
lich Jurist, in seinem Werk ‘Ansiedlungen und schen Stämmen zuzuweisen, etwa -ingen, -wei-
Wanderungen deutscher Stämme’ einen zu- ler den Alamannen, -heim, -dorf den Franken,
nächst vielbewunderten Paradigmenwechsel hat in einer strikten Form der Kritik nicht
der Ortsnamenkunde hin zu einer histori- standhalten können. H ier war Arnold ein
schen, speziell siedlungsgeschichtlichen und Kind seiner auf die romantischen Begriffe von
siedlungsgeographischen H ilfswissenschaft ‘Volk’ und ‘Stamm’ als Grundkomponenten
vollzogen, die versprach, neues Quellenma- einer deutschen ‘Urzeit’ fixierten Gegenwart
terial für die dunkle Frühgeschichte der deut- (vgl. die Würdigungen bei Schröder 1908, 159;
schen Stämme zu erschließen: „Die Ortsna- Bethge 1913, 674; Cramer 1914, 211; Will
men sind die wichtigste und zuverlässigste 1943, 227). „Die Ortsnamenforschung wurde
Quelle für die historische Geographie, weit dadurch auf eine Bahn gelenkt, die sich als
zuverlässiger, als die oft widersprechenden wenig ergiebig erwies und sie auf Jahrzehnte,
Berichte späterer Schriftsteller. Gehen wir bis etwa an den Schluß des Jahrhunderts zu-
aber mit Geduld und Liebe der Sammlung rückwarf. Nur mit Mißtrauen betrachtete

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 65

man diese Grenzwissenschaft, in der sich nun 2.4.  H istoriker und Geographen von Teilge-
viel Dilettantentum breit machte“ (Schwarz bieten Deutschlands wie H ans Witte, Adolf
1950, II, 10 f.). Manches davon wirkt im Miß- Schiber, Karl Weller, Ludwig Wirtz u. a.
trauen von H istorikern und Geographen bis haben um die Theorien Arnolds über die
heute nach. Stammesgebundenheit der deutschen Orts-
Eine andere Art, Geographie und Ono- namentypen gerungen. Die Kritik hat sich
mastik zu verbinden, bietet J. J. Eglis 1886 letztlich durchgesetzt (vgl. Steinbach 1926,
erschienene, breit angelegte, aber zumeist 44 ff.; Bach 1981, II, 2, § 640 ff.). Auch Ver-
nicht über Stoffsammlung hinauskommende suche, bestimmte Ortsnamentypen an kleinere
‘Geschichte der geographischen Namen- Personenverbände als Stämme zu binden,
kunde’ (vgl. auch Nagl 1903). Besonders in- sind nicht von durchgehendem Erfolg gekrönt
tensiv wird in diesem Werk die Zeit der „un- gewesen. So wurde etwa die Theorie Sieg-
methodischen Versuche“ vor 1840 behandelt. mund Riezlers (1887 an Ortsnamen der Mün-
Daneben verfolgt Egli auch didaktische chener Gegend gewonnen), der die Namen
Zwecke, in dem er über Namenschreibung auf -ingen analog den bekannten patronymi-
und -aussprache, Namenerklärung im geogra- schen Geschlechternamen wie Merovingi, Agi-
phischen Unterricht handelt. Über Sammlung lolfingi als Bezeichnungen von Sippensiedlun-
und Systematik will er in einem von den Na- gen auffaßte, eine Theorie, die sich bei Histo-
turwissenschaften geprägten Ansatz schließ- rikern eine Zeitlang einer gewissen Beliebtheit
lich gar zur „Ableitung der Gesetze“ der Na- erfreute, bald von sprachwissenschaftlicher
menkunde gelangen. Dabei kommt freilich Seite einer berechtigten Kritik unterzogen
nicht viel mehr heraus als einige Reflexionen (Kluge 1908). Das Suffix -ing(en) bezeichnet
über die Zusammenhänge von Toponomastik nur in einem allgemeineren Sinne die Zuge-
und kultureller Eigenart von Völkern und Ge- hörigkeit, so daß neben einem verwandt-
sellschaften. schaftlichen Zusammenhang auch andere Zu-
gehörigkeiten damit ausgedrückt werden kön-
2.3.  Im Gefolge der fruchtbaren Verbindung nen: North Albingi bezeichnet die Germanen
von Geographie, Siedlungsgeschichte und am Nordufer der Unterelbe (Gewässername
Onomastik, die Arnold nur auf einen vorläu- Albis ...), Sigmaringun heißt „bei den Leuten
figen H öhepunkt geführt hatte, kam es zu des Sigimar“ usw. (vgl. auch Weise 1910,
zahlreichen, für Deutschland bis heute cha- 434 f.). Wie immer man den Ertrag dieser
rakteristischen und den ‘Förstemann’ beglei- Periode der onomastischen Wissenschaft ein-
tenden und ergänzenden regionalen Namen- schätzen mag, so hat sie doch die Einsicht in
sammlungen. Eine der ersten bot 1863/64 Jo- die Eigenart von bestimmten Ortsnamen-
sef Kehrein mit seinem ‘Nassauischen Na- typen gefördert (etwa die Einsicht, daß
menbuch’. H inweise auf die wichtigsten wei- Siedlungsnamen auf -ingen aus Personen-
teren Publikationen dieses Sektors geben gruppennamen hervorgegangen sind), ja in
Wäschke 1900, 254 ff.; Weise 1910, 443 f.; Will einem allgemeinen Sinne hat sie auch die Ein-
1934, 139 ff.; Bach 1981, II,1, § 3 ff. sicht befördert, daß Namen als Teilmengen
Eine deutsche Namenkarte hat bereits u. a. der sprachlichen Wirklichkeit zunächst einer
P. Cassel (1854, 164) gefordert: Sie solle „die sprachwissenschaftlichen Betrachtung bedür-
Ortsnamen-Endungen als Maßstab“ nehmen. fen, bevor sie für historische oder geographi-
„Man würde aus ihr natürlich finden, daß sche oder sonstige hilfswissenschaftliche
man in dieser Buntheit eine Regel, ein Gesetz Zwecke in Anspruch genommen werden dür-
und sogar historische Gründe zu erkennen fen. Eine gute und treffende Übersicht über
versuche“. Die Karte „müßte die älteste Form die Bedeutung von Ortsnamen im Rahmen
und Erwähnung des Ortes tragen; darin be- der historischen Geographie gibt Kötzschke
steht die außerordentliche Schwierigkeit und (1908). Indem sie die auffallende, unterschied-
Mühseligkeit des Unternehmens, die der Ab- liche Raumverteilung von Ortsnamentypen,
fassung einer Urgeographie des Landes die Arnold zu seiner Stammestheorie verlei-
gleichkäme“. Eine solche gesamtdeutsche tete, mit Mitteln der Dialektgeographie in-
Karte, die dem geforderten wissenschaftlichen terpretierten, sind später die ‘Rheinische’
Standard entspräche, gibt es bis heute nicht Schule’, besonders Franz Steinbach und
(vgl. Bach 1981, II,1, § 3), doch haben orts- Adolf Bach, und in eigenständigem Ansatz
namenkundliche Fragestellungen seitdem ih- Ernst Schwarz, zu einer sachgerechteren Be-
ren typischen Platz in den regionalen Atlan- urteilung der arealen Aspekte der Toponymie
tenwerken Deutschlands gefunden. gelangt (vgl. u. 6).

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66 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

3. Die sprachwissenschaftliche Wende ‘Zeitschrift für Ortsnamenforschung’ erschie-


nen, Otto Springer mit einer Arbeit über die
3.1.  In einem Bereich der Ortsnamenkunde ‘Flußnamen Württembergs und Badens’
war diese schon stets auf die nahezu aus- (1930), Max Förster mit einer außerordent-
schließliche Kompetenz der Sprachwissen- lich material- und gedankenreichen Untersu-
schaft angewiesen; dort, wo es darum ging, chung des ‘Flußnamen Themse und seiner
vergleichbar den Bemühungen der Archäo- Sippe’ (1941), M. L. Belschner mit einer Un-
logie, die frühesten Schichten der in Deutsch- tersuchung über die Flußnamen im ‘Strom-
land faßbaren Ortsnamen abzuheben und als gebiet des Mains’ (1943), die bereits auf die
Quelle für die Vorgeschichte und die vor- bzw. nach dem Kriege systematisch aufgenommene
frühgermanische Sprachgeschichte zu er- und nach Flußgebieten gegliederte Serie der
schließen. Nachdem einmal die Bemühungen ‘H ydronomia Germaniae’ vorausdeutete. Der
von Dilettanten, besonders der Keltomanen Sonderung des keltischen und vorkeltischen
um Franz Josef Mone (1796—1871) abgewie- (zunächst ‘illyrisch’ genannten) Sprachguts in
sen waren (vgl. Bach 1981, II, 1, § 16), ließ mittel- und südeuropäischen Ortsnamen wid-
sich bald als leitendes Prinzip durchsetzen, meten sich J. Pokorny (1936) und Hans Krahe
daß nur diejenigen Toponyme für die vor- (1939/41/43; 1942). Es ist Krahe gewesen, der
germanischen Substrate in Anspruch genom- nach dem Kriege die ‘alteuropäische’ indo-
men werden dürften, die nicht aus deutschem germanische H ydronomie nach Leitlexemen
oder germanischem Sprachmaterial deutbar und Leitsuffixen systematisierte und eine sy-
waren, und daß den schon in der Antike über- stematische Erforschung der deutschen Ge-
lieferten Ortsnamen (z. B. Ptolemäus, Itine- wässernamen in Gang setzte.
rarium Antonini, Peutingersche Tafeln) ein
besonderes Gewicht zukomme. Besonders in 3.2.  Seit dem späteren 19. Jahrhundert be-
Karl Müllenhoffs ‘Deutscher Altertums- mühte man sich in einer eigenartigen, aber
kunde’ (II, 1887) fiel Orts- und Gewässerna- zeitcharakteristischen Mischung von politi-
men oft ein bedeutender Teil der Beweislast schen und siedlungs- bzw. volksgeschichtli-
zu. Nicht immer vermochten sie diese zu tra- chen Fragestellungen mit dem Instrumenta-
gen. Jedoch hat er ganz entschieden die Be- rium der Sprachwissenschaft um die Ortsna-
deutung der Gewässernamen als einer beson- men der deutschen Grenz- und Übergangs-
ders konservativen Schicht von Toponymen gebiete zu den Nachbarnationen. Im Umkreis
herausgestellt, die Frühgermanisches, Kel- der neuen deutsch-französischen Grenzzie-
tisches und Vorkeltisches bewahrte. So ist hung nach dem Kriege von 1870/71 sollten
es ihm auch gelungen, die frühgeschicht- Ortsnamen Argumentationshilfe für die Re-
liche germanisch-keltische Grenze in Mittel- konstruktion alter Sprach- und Volksgrenzen
deutschland leidlich genau zu bestimmen. Be- leisten. Gerade für das Gebiet der onomasti-
sondere Verdienste um die philologisch sach- schen Kontaktlinguistik fragt man sich daher,
gerechte Deutung „der aus der Antike über- ob eine Forschungsgeschichte auf der Basis
lieferten am deutschen Boden haftenden Orts- eines Landes oder einer Nationalphilologie
namen“ hat sich in zahlreichen Arbeiten sinnvoll und ausreichend ist, entstanden diese
Rudolf Much (1862—1936) erworben. Seine Arbeiten doch zunächst oft genug als Ant-
vorbildhaft von sorgsamer Quellenkritik und worten auf Forschungsresultate der Gegen-
etymologischer Kreativität zeugenden Einzel- seite, die selber wiederum neue Reaktionen
artikel in J. H oops seit 1911 erscheinendem herausforderten.
‘Reallexikon der germanischen Altertums- Zu den abgewogensten Arbeiten über die
kunde’ standen voran, um später in größer Besiedelungsgeschichte im deutsch-französi-
angelegten Untersuchungen verbunden und schen Grenzraum des Elsasses und Lothrin-
systematisiert zu werden (vgl. auch Guten- gens gehören diejenigen H ans Wittes (vgl.
brunner 1935). Die Gewässernamenforschung auch Bach 1981, II, 2, § 644), die seit 1890
wurde mehr und mehr eine Spezialdisziplin, erschienen. Auf der Grundlage seiner eminen-
der sich nicht nur Germanisten, sondern auch ten Kenntnis des archivalischen Materials und
Keltologen und Indogermanisten widmeten einer ausreichenden Einarbeitung in die
(Bach 1981, II,2, § 415 ff., 464 ff.): für sprachwissenschaftlichen Probleme der To-
Deutschland sind Protagonisten der Gewäs- ponymie gelangte er zu einer geschichtlich
sernamenforschungen Josef Schnetz mit sei- differenzierten und dauerhaften Rekonstruk-
nen ‘Untersuchungen zu den Flußnamen tion des mittelalterlichen Verlaufs der Sprach-
Deutschlands’, die zunächst seit 1925 in seiner grenze. Ebenfalls mit H ilfe der Ortsnamen

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 67

suchte wiederum der belgische Historiker Go- mannensturm’ abgewehrt, die -heim-Ortsna-
defroy Kurth die völkerwanderungszeitliche men eingeführt und die Eindeutschung des
Grenze zwischen Franken und Romanen im Landes bewirkt (vgl. auch Tourneur-Aumont
Norden zu etablieren. Seine 1896—98 erschie- 1919). Diese und andere Verirrungen zeigen
nenen Untersuchungen haben zu einer lang- überdeutlich, zu welchem empirisch nicht
andauernden Kontroverse über Reichweite, mehr befragten, beliebig handhabbaren, ja
Umfang und Dauer der fränkischen Über- ideologisch mißbrauchbaren Instrumenta-
schichtung Belgiens und Nordfrankreichs ge- rium inzwischen die an Ortsnamentypen an-
führt, die im Vorfeld des zweiten Weltkriegs knüpfende Stammestheorie im Dienste der hi-
von Franz Petri in seinem monumentalen, in storischen Siedlungsgeographie verkommen
vielem — sowohl in der Quellengrundlage, in war. Die sprachhistorischen Möglichkeiten,
der Quellenkritik als auch in der sprachwis- die doppelsprachig überlieferte Ortsnamen
senschaftlichen Auswertung — problemati- durch die mehrfache Beleuchtung, in der sie
schen Werk über „das germanische Volks- stehen, bieten, wurde dagegen kaum genutzt
erbe“ in Nordfrankreich zu einem H öhepunkt (vgl. zu Elsaß und Lothringen weitere Lit. bei
geführt wurde (1937; vgl. Petri 1936). Sein Bach 1981, II, 2, § 564 f.).
Vorstoß richtete sich dabei auch gegen die viel Wohltuend heben sich — aufgrund ihres
weniger weitreichenden und gemäßigteren empirischen und sprachhistorischen Ansatzes
Vorstellungen der Romanisten Wilhelm von — romanistische Arbeiten zu den vorgerma-
Wartburg und Ernst Gamillscheg über das nischen Substraten der westlichen Interfe-
fränkische Superstrat in der Galloromania renzgebiete ab: Kaspers 1921 und 1936 zu den
(vgl. u. 6.5). Auf anderen methodischen -acum-Ortsnamen des Rheinlandes und El-
Grundlagen, nämlich den überholten Zuwei- saß-Lothringens; Risch 1932 und 1935 zu den
sungen von Ortsnamentypen an Franken und romanischen Reliktnamen im Oberelsaß und
Alamannen durch Arnold aufbauend hat sich in Lothringen. H ier ist auch der Ort, auf die
1937 auch A. Helbok um die ‘Grundlagen der hohen Verdienste der deutschen Romanistik
Volksgeschichte Deutschlands und Frank- bei der Entstehung der französischen Orts-
reichs’ bemüht. Am brauchbarsten erwies sich namenkunde hinzuweisen, einmal mit Arbei-
dabei das ausgebreitete Kartenmaterial. ten zu den frühen keltischen bzw. galloro-
1894 hatte Adolf Schiber in Abwandlung manischen Namentypen auf -acum, -anum,
der Theorien Arnolds für das Elsaß, Lothrin- -ascum, -uscum (z. B. Skok 1906; Kaspers
gen und Nordfrankreich ein Landnahmemo- 1918); dann aber vor allem mit Auguste Long-
dell entwickelt, das viele Anhänger finden nons bedeutenden und auf die genaueste
sollte: Er nahm an, daß die (nach Arnold ja Kenntnis der frühen Quellen gestützten Ver-
fränkischen) zahlreichen -heim-Namen im El- such über ‘Les noms de lieux de la France.
saß Resultate einer im Zuge der Besetzung Leur origine, leur specification, leur signifi-
durch die Franken vorgenommene Umbenen- cation, leurs transformations’ (1920 bis 1929
nung von alamannischen -ingen-Namen wä- erschienen) zur Seite tretenden H andbuch von
ren. Fränkische H erren hätten in den erober- H. Gröhler (1913 bis 1933).
ten Siedlungen Militärkolonien angelegt; ähn- Die ausführliche Behandlung der deutsch-
lich — als Benennungen fränkischer H erren- romanischen Kontaktgebiete im Westen mag
siedlungen mit romanischen Kolonen — seien hier als Exempel dienen, in welchen Gefahren
die in Nordfrankreich häufigen Ortsnamen die frühe Kontaktonomastik stets dann
auf -villers, -ville, -court- -ménil, die zumeist schwebte, wenn sie ihren sprachwissenschaft-
einen germanischen Personennamen im Erst- lichen Mutterboden nicht pflügen zu müssen
glied aufweisen, zu deuten (vgl. auch Schiber glaubte (weitere Lit. bei Bach 1981, II, 2,
1900; 1902; Weller 1894; weiteres bei Bach § 425 ff.). Für die deutsch-romanischen Kon-
1981, II, 2, § 643). Es grenzt ans Groteske, taktgebiete im Süden haben nur im Anfang
daß dieses spekulative und sachlich nicht auf die achtbaren, doch kritisch zu rezipierenden
festem Boden gegründete Vorstellungsge- Arbeiten von Ludwig Steub und M. R. Buck
bäude 1918 von dem Franzosen J. M. Tour- eine Rolle gespielt (Lit. bei Bach 1981, II, 1,
neur-Aumont dazu benutzt wurde, die ala- § 8). Schon bald ist hier — wie natürlich und
mannische Besiedlung des Elsaß überhaupt in zu erwarten — die Schweizer und österrei-
Frage zu stellen. Nach ihm haben vielmehr chische Ortsnamenforschung in den Vorder-
die einheimischen Keltoromanen selbst und grund getreten (vgl. Sonderegger, Art. 13;
die spätere fränkische Besatzung den ‘Ala- Wiesinger, Art. 14). Für Bayern hat der aus
diesen Schulzusammenhängen herausgewach-

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68 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

sene Ernst Schwarz 1925 auf gewisse roma- tete, leider ohne gründliche Berücksichtigung
nische Substrattoponyme hingewiesen. der Überlieferung, Welz 1912; die bis ins 7.
Auch für die Erforschung der slavischen Jahrhundert zurückreichende Weißenburger
Relikt-Toponyme in deutschem Sprachgebiet Überlieferung behandelte Socin 1882.
kommt — wenn man von einigen regionalen Namen wurden — als nahezu einzige
Vorläufern wie A. Buttmann 1856 absieht — Sprachzeugnisse der frühesten Zeit — immer
der österreichischen Forschung eine bedeu- wieder zur Lösung von sprachgeschichtlichen
tende Position etwa mit F. Miklosich und Problemen, etwa dem der Chronologie der
Primus Lessiak (1878—1937) zu. Naturge- hochdeutschen Lautverschiebung herangezo-
mäß beschäftigten sich vor allem Slavisten mit gen, am konsequentesten vielleicht von Th.
den slavischen Relikten: vor anderen sind die Steche 1937 und 1939. Unter dem Einfluß
Namen von A. Brückner, M. Vasmer und R. von P. Lessiaks anregenden Studien über den
Trautmann zu nennen (Lit. bei Bach 1981, Vokalismus der kärntnischen Eigennamen
§ 499 ff.). Aus der Germanistik hat sich be- und die aus Lehnverhältnissen für die Laut-
sonders Ernst Schwarz mit den deutsch-sla- lehre zu gewinnenden Erkenntnissen hat es
vischen Kontakten auf dem Boden der Su- auch namenorientierte Arbeiten zu phone-
detenländer, Ostfrankens und Nordostbay- tischen Einzelfragen gegeben (vgl. etwa
erns beschäftigt, und das in stetem Bemühen Schwarz 1926). Auch Grammatiken verarbei-
um die historische Aussagekraft der Namen. teten Namenmaterial, vor allem J. Franck
(s. o.), J. H . Gallée in seiner ‘Altsächsischen
3.3.  Nur in geringem Umfang, in geringerem Grammatik’ und J. Schatz 1927 in seiner ‘Alt-
Umfang als dies möglich wäre, wurden Na- hochdeutschen Grammatik’. Letzterem ver-
menzeugnisse zur Rekonstruktion bestimmter danken wir auch Ansätze zu einer Namen-
Epochen und Areale der deutschen bzw. vor- grammatik (Schatz 1935), deren eigenstän-
deutschen Sprachgeschiche herangezogen, am dige, nach Epochen und Arealen gegliederte
ehesten noch für die früheste Periode, das sog. Begründung jedoch (trotz Edward Schröders
Althochdeutsche, das ja bekanntlich keine noch zu würdigenden gewichtigen Beiträgen
Einheit darstellt, und auch dort oft nur für zur Morphologie) nicht gelang und eigentlich
die Rekonstruktion von ‘Trümmersprachen’, bis heute aussteht, wenn auch Adolf Bachs
bei denen literarische Zeugnisse ganz oder handbuchartige Zusammenfassung inzwi-
weitgehend fehlen. So ist Wilhelm Bruckners schen eine Übersicht über die Grundfragen
grundlegendes Buch über ‘Die Sprache der gestattet (Bach 1978 und 1981 in Bd. I,1 und
Langobarden’ (1895) weitgehend auf Namen- II,1).
zeugnissen aufgebaut. Arbeiten aus anderen
deutschen Sprachlandschaften konzentrierten 3.4.  Nach dem Scheitern der allzu schema-
sich sinnvollerweise auf Überlieferungsorte, tisch verfahrenden, historisch-geographischen
blieben freilich auch dabei stehen: so behan- Schule kam es um die Jahrhundertwende und
delten z. B. die ältesten Freisinger Urkunden in den Jahrzehnten danach zu einer Wende,
Wagner 1876, das Salzburger Verbrüderungs- deren Träger sich — ohne das Ziel einer hi-
buch Schatz 1899, den Mondseer Traditions- storischen Auswertung von Namenzeugnissen
codex Ilg 1902, das bischöfliche Traditions- völlig aus den Augen zu verlieren — in An-
buch von Passau Schröter 1938. Nur der knüpfung an die neueren Einsichten der hi-
bahnbrechende Josef Schatz zielte 1928 und storischen Sprachwissenschaft und der phi-
schon in seiner ‘Altbairischen Grammatik’ lologischen Quellenkritik neu auf die philo-
von 1907 auf Allgemeineres. Für das Ala- logischen und sprachwissenschaftlichen For-
mannische haben sich mit den St. Gallischen derungen an eine wirklich wissenschaftlich zu
Urkunden der frühen Karolingerzeit Wilkens nennende Namenkunde besannen. Vor ande-
1891 und H enning 1874 befaßt, mit den Rei- ren sind H ermann Wäschke, Edward Schrö-
chenauer Mönchslisten Baesecke 1928. Die der, Otto Bethge und Karl Bohnenberger zu
niederfränkischen Namen in Urkunden der nennen. E. Schröder hat die Triebkräfte dieser
frühesten Zeit hat H einzel 1874 behandelt; Neubesinnung unter dem Begriff der ‘Na-
Franck 1909 zieht für seine grammatische mengeschichte’ schlagwortartig zusammen-
Darstellung des ‘Altfränkischen’ Namenquel- gefaßt. Unter Verzicht auf vorschnelle Deu-
len aus dem gesamten fränkischen Sprach- tung und Auswertung von Namen und Na-
raum heran. Fuldaer und Mainzer Namen mengeschichte sollte es um die Erstellung der
widmeten sich Kossinna 1881 und Kletschke methodischen Prinzipien gehen, nach denen
1933; den Lorscher Namenbestand verwer- die Quellen in ‘Treue’ und mit ‘Kritik’ zu

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 69

analysieren waren, ferner um die Etablierung Ambiguitäten darf zusätzlich mit analogen
und Erklärung einer historischen Abfolge dif- Fällen bzw. mit historischen, etwa besitzge-
ferenzierter Formen eines Namens bis hin zur schichtlichen Sachverhalten argumentiert
Mundartform, dann um die Erstellung von werden.
grammatischen ‘Gesetzen’ und Regularitäten Edward Schröder (1858—1942), der große
der Namen durch vergleichende Betrachtung, Philologe, hat die Grundsätze seiner Konzep-
schließlich um Einsichten in die Motivation tion von Namenforschung und ‘Namenge-
der Namengebung. „Erst auf dem Grund der schichte’ in zwei schon klassisch zu nennen-
Geschichte des Namens“ sollte Namendeu- den Vorträgen aus den Jahren 1907 (zu Per-
tung und historische Verwertung erlaubt sein sonennamen) und 1908 (zu Ortsnamen) ent-
(Trier 1943, 142 ff.). Dabei stand — wie auch wickelt, die in seiner ‘Deutsche Namenkunde’
bisher — die Toponymie durchaus im Vor- überschriebenen Aufsatzsammlung von 1938
dergrund, doch rückten zusätzlich andere Na- (1944) wieder abgedruckt wurden (vgl. dazu
mensorten, die bislang weniger beachtet wur- Bach 1981, II, 1, § 6). Er, der so zahlreiche
den, stärker ins Blickfeld. Aufsätze Einzelproblemen der Namenfor-
H . Wäschke formulierte 1900 in einem bis schung gewidmet hat, war zugleich ihr streng-
heute lesenswerten Aufsatz drei ‘Gesetze’ wis- ster Methodenkritiker. Wie Wäschke legte er
senschaftlicher Ortsnamenforschung, die bis- besonderen Wert auf die Überlieferungskritik,
her sporadisch geäußerte Forderungen zum die allein es gestatte, neuzeitlich gleichlau-
methodischen Umgang mit den Quellen in tende Formen zu differenzieren. Als Korrek-
stringenter Form zusammenfaßten: 1) „Es ist tiv der oft den Bräuchen von Kanzlei, Ver-
notwendig, die gesamten erreichbaren For- waltung und Kataster folgenden Schreibfor-
men eines Ortsnamens festzustellen, in der men sei auch die Mundartform stets heran-
historischen Überlieferung die älteste Form zuziehen. Dennoch, wo alte Formen fehlten
zu erkennen und auf dieser Form in stetem oder analogische Angleichung, Volksetymo-
H inblick auf die Reihe der Überlieferung und logie die ursprüngliche Form verschüttet
die Überlieferung und Bildung gleichartiger habe, müsse die Kunst auch des saubersten
Namensformen die sprachliche Deutung auf- und scharfsinnigsten Philologen im Einzelfall
zubauen“. Gefordert waren damit also Voll- versagen. Schröders Namenforschung rich-
ständigkeit und Serialisierung des Materials, tete sich daher auch konsequent über die Ein-
relativer Vorrang der ältesten Formen und zelfälle hinaus auf das Typische und den Pro-
eine vergleichende sprachwissenschaftliche zeß. So ist beispielhaft seine umsichtig die
Analyse, die den gesamten Lautbestand der sachlichen Gegebenheiten, die appellative Le-
Formen zu erklären hatte. 2) „Die Überlie- xikologie (auch Lehnwortforschung) und die
ferung der Ortsnamenformen bedarf zu ihrer Kulturgeschichte einbeziehende Studie zu den
Sicherung des Zurückgreifens auf die ersten deutschen Burgennamen (1927). So, als Ty-
und besten Quellen und dabei der steten Be- pengeschichte wollte er ‘Namengeschichte’
rücksichtigung der diplomatischen und phi- verstanden wissen (weitere Lit. bei Will 1934,
lologisch-historischen Kritik“ (vgl. auch H irt 144 f.). Ähnliches erstrebte für einen morpho-
1909, 328). Gefordert war damit der Einzug logischen Ortsnamentyp, die -weiler-Namen,
der Quellenkritik in die Ortsnamenkunde Otto Behaghel (1910), dessen Schlüsse auf
(nicht zuletzt die strikte Berücksichtigung von römische H erkunft dieser Namen freilich
Überlieferungsarten wie Original, Kopie, Fäl- nicht dauerhaft überzeugen konnten, wie
schung usw.). 3) „Die Entscheidung über Franz Steinbach (1926, 126 ff.) in einer eben-
sprachliche Zugehörigkeit der einzelnen Orts- falls typusorientierten Studie treffend nach-
namen muß ohne jedes Vorurteil sich rein auf wies; ferner für den Flurnamentypus ‘Wein-
die durch die Kritik gesicherte historische garten, Weinberg’ A. Götze (1924).
Reihe der überlieferten Formen gründen; im Ein Musterbeispiel einer auf eine Land-
Zweifel müssen die sprachlichen Thatsachen schaft begrenzten, Schicht um Schicht sorg-
ihre Sicherung durch die Analogie sowie fältig abhebenden und mit dem historischen
durch die sonstige geschichtliche Überliefe- Prozeß verknüpfenden Darstellung liefert
rung suchen“. Gefordert war damit, daß sich Schröders Arbeit über die hessischen Orts-
die Identifizierung von überlieferten Namen- namen von 1911. Nacheinander werden die
formen allein auf die sprachwissenschaftlich keltischen Spuren, die mit dem Vordringen
plausible Einfügung in die Reihe der sicher der germanischen Chatten zu verknüpfenden
identifizierten Formen zu stützen habe, Un- Leitnamen und ältesten Ortsnamenschichten,
zugehöriges aber auszustoßen sei. Nur bei die Sonderproblematik römischer und ala-

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70 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

mannischer Relikte, sowie der jüngere Ro- auch Weise (1910, 440 f.) fast gleichzeitig
dungsbau voneinander abgehoben. H ier wird zeigte: Der Ortsname Hohegeiß (Harz) knüpft
das, was positiv am theoretischen Ansatz Ar- an eine Kapelle zum hl. Geist an; ein Flur-
nolds war, sorgfältig mit dem Instrumenta- name hinnerm Feld wird zu Hühnerfeld usw.
rium des Philologen geprüft und nur das Fe- Diese stärkere Konzentration auf die Bil-
ste, Beständige in den neuen Bau der Sied- dungsweise der Namen ist ein gemeinsames
lungsgeschichte einbezogen. Kennzeichen der sprachwissenschaftlichen
Als Vertreter der ‘Namengeschichte’ inter- Wende der Ortsnamenforschung. Bethge z. B.
essierte sich Schröder auch besonders für die (1913, 66 f.) weist auf die Bedeutung der
Pragmatik der Namen. Wie sind Ortsnamen Produktivitätszeiten von Suffixen (etwa -ida,
motiviert? Die okkasionellen Ereignisnamen -ithi) für die Datierung von Ortsnamentypen
vom Typ ‘Bärental’, die Relativität von Sin- hin. Bohnenberger (1929, 329) benennt in An-
neswahrnehmungen bei schmalen Bächen na- knüpfung an Beobachtungen von E. Ochs
mens ‘Breitenbach’ fanden seine Aufmerk- und R. Much die Probleme, die sog. ‘Klam-
samkeit; die oft geringe Extension von Ge- merformen’, gekürzte Komposita vom Typ
wässernamen, die am Unter-, Mittel- und Bosen(bach)berg oder Engil(bode)sdorf der
Oberlauf eines Baches anders lauten; Namen- Erkenntnis der Grundform und damit der
übertragung als Ursache von identischen Na- ursprünglichen Motivation bereiten. Auch
men in weit entfernten Landschaften (Saalfeld dies blieben vorerst verstreute Beobachtun-
in Thüringen und Ostpreußen); die auch für gen.
chronologische Fragestellungen verwertbare Auf lexikologischem und semantischem
‘Mode’ von Grundwörtern bei den Ortsna- Gebiet ist es wohl nicht zufällig Otto Bethge
men; die Imitation und Nachbenennung als gewesen, der in Anknüpfung an das Konzept
modesteuernde Kraft bei den Personennamen von ‘Wörter und Sachen’ sein Augenmerk auf
(Heinrich, Hinz nach den deutschen Königen die (seltenen, aber oft in Komplexen zu-
dieses Namens; Emil als Folge des Rousse- sammenliegenden) Zusammensetzungen von
aukults usw.). Leider fehlt bei Schröder, der Ortsnamengrundwörtern mit Appellativen
durchaus eine zusammenfassende Darstellung richtete (Typus Osthofen, Bergheim usw.). Die
plante, die Systematisierung der so oft scharf- Fragestellung erwies sich als fruchtbar:
sinnigen und wertvollen Einzelbeobachtun- Bethge entdeckte den Zusammenhang dieser,
gen. Andere haben später den Wert der prag- wie er es nannte, ‘schematischen’ Ortsnamen-
matischen und soziologischen Fragestellun- gebung mit der fränkischen Reichs- und
gen erkannt und aufgegriffen, so die noch zu Königsgutverwaltung (Bethge 1915; vgl. Bach
besprechende ‘Rheinische Schule’ und sogar 1981, II, § 467).
schon K. Bohnenberger (1929, 330 f.), der Besonders intensiv ging in einer Verbin-
z. B. darauf aufmerksam machte, daß es ein dung von morphologischen, lexikologischen
Unterschied sei, ob die Namengebung von und siedlungsgeschichtlichen Fragestellungen
den Siedlungsgründern und -insassen (endo- K. Bohnenberger dem Bezeichnungsaspekt
gene Perspektive) oder von den Nachbarn der Ortsnamen nach. In seiner Systematik
(exogene Perspektive) ausgehe. Doppelbenen- (1925, 1926, 1929) gehen die Siedlungsnamen
nungen eines Ortes, die in der Überlieferung aus drei Bezeichnungsklassen hervor: 1) Sied-
faßbar werden, könnten sich so erklären. lungsbezeichnungen wie Bischofsheim oder
Auch der Namengrammatik, und zwar der Talhausen; 2) Siedlerbezeichnungen (Insassen-
Morphologie von Personennamen (vgl. 5.2), namen) wie Sigmaringen „bei den Leuten des
hat E. Schröder Beobachtungen gewidmet, Sigimar“ oder München „bei den Mönchen“;
gleich mehrfach (1922; 1936; 1939) dabei dem 3) Stellenbezeichnungen (Flurnamen, Gewäs-
Auftreten des Partizip Präsens in Ortsnamen sernamen) wie Schöntal, Marbach usw. Das
(mhd. ze dem schouwenden berg > Schauen- Bestimmungswort bei Komposita-Namen
berg > Schaumberg). Wie Otto Bethge (1913, kann eine Person oder eine Sache bezeichnen.
661 f.) bemerkte er (1908, 162 f.), daß sich Mit diesen Unterscheidungen war ein An-
Ortsnamen in Nachbarschaften öfter einan- satzpunkt gegeben, um die in Namen auffind-
der angleichen, besonders oft dem dominie- baren Appellativa zu klassifizieren und ihre
renden Namentypus einer Landschaft: so ursprüngliche Bedeutung zu ermitteln. Denn
wird Dalaheim über *Talêm unter Anglei- leitender Gesichtspunkt einer Namenkunde
chung an die überwiegenden thüringischen mußte für ihn „Wortkunde“ bleiben und „mit
Ortsnamen auf -leben zu Thalleben. Analogie der Frage nach dem Worte ist stets die nach
und ‘Volksetymologie’ treiben ihr Spiel, wie der Sache zu verbinden“, ein Ansatz, den

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 71

später A. Bach systematisch ausbaute (vgl. grund der Sonderbedingungen, unter denen
6.5). Die Fülle der in Siedlungsnamen auf- Flurnamen leben und interessieren, sowie
scheinenden Grundwörter kann im Vergleich wegen ihrer eigenständigen Forschungsge-
mit dem appellativen Wortschatz klassifiziert schichte, gerechtfertigt, die Entwicklung der
werden. „Dabei ist auszugehen von der im Flurnamenforschung in einem eigenen Kapi-
appellativen Wortgebrauch gültigen Regel der tel zu skizzieren. Flurnamen scheinen wie
volkstümlichen Sprache, daß für eine Sache kaum eine andere Namensorte eng am Ort,
zur gleichen Zeit im gleichen Sprachkreise nur an einer Gemarkung zu kleben, scheinen des-
ein Wort verwendet wird (eine Sache, eine halb auch vorwiegend von lokal- und regio-
Zeit, ein Personenkreis, ein Wort) und daß nalgeschichtlichem Interesse. Daß in den
damit beim Auftreten mehrerer Wörter ur- Flurnamen, die in hoher Quantität überliefert
sprünglich die Bedeutung oder die Verwen- sind, beachtenswerte Quellen für die Rekon-
dungszeit oder der Sprachkreis verschieden struktion und die Verbreitung sonst verlore-
sein muß“ (1929, 324 ff.). Für die Grundwör- nen Wortschatzes vorliegen, diese Erkenntnis
ter wie -heim, -dorf, -weiler ließen sich also hat sich erst allmählich durchgesetzt. Als na-
entweder chronologische, areale oder seman- hezu erster wies 1838 Jacob Grimm auf den
tische Bestimmungen treffen. Dafür sind je- Wert von Flurnamen hin und gab selbst in
doch jeweils weitere Kriterien heranzuziehen, sprachhistorisch-vergleichender Analyse erste
die sich z. B. aus der Verbreitung eines Typus Proben davon.
ergeben können. Für die Chronologie hat Die frühesten Arbeiten zu Flurnamen in
Bohnenberger neben der Lebensdauer der Deutschland begrenzten sich entweder selbst
Appellative in umsichtiger Untersuchung in lokalgeschichtlichem Interesse (z. B. noch
auch die Korrelation von Ortsnamentypen vor Grimm der auf Braunschweig orientierte
mit der Bodengunst und der Größe der Sied- Ballenstedt 1826) oder werteten die Flurna-
lungen herangezogen (vgl. auch Bohnenber- men als Dokumente der Siedlungsgeographie,
ger 1925, 134 ff.). In der Semantik der Grund- Agrargeschichte, ländlichen Rechtsgeschichte
wörter hat Bohnenberger manchmal sehr und Landesgeschichte aus. Als ausgezeichnete
feine Unterscheidungen treffen zu können ge- Prototypen solcher hilfswissenschaftlicher
glaubt, so zwischen -hausen als Bezeichnung Flurnamenforschung darf man die Arbeiten
für ein geringeres Anwesen und -hofen als von W. Uhlemann (1926; 1928) betrachten.
Bezeichnung für ein stattlicheres Anwesen Das hier zugrundegelegte Konzept zielt auf
(1929, 338). Ob solche Feindifferenzierung eine landeskundlich bestimmte Geschichtsfor-
der Bedeutung wirklich trägt, muß bezweifelt schung, wie sie Hermann Aubin in den zwan-
werden. Namengrundwörter werden zudem ziger Jahren des Jahrhunderts entwickelte
recht bald ein von Nachahmung und Analo- (vgl. Höhn 1935, 25 f.). Die hilfswissenschaft-
gie geprägtes Eigenleben gegenüber den ver- liche Nutzung hatte bereits W. Arnold vor-
wandten Appellativa entfaltet haben. geschwebt (1875, 14 ff.), als er den Nutzen der
Otto Bethge hat 1913 bedauert, daß die Flurnamen, Bach- und Bergnamen usw. für
Ortsnamenkunde zu sehr in den H änden der die Erkenntnis der historischen Flora und
Siedlungshistoriker und Siedlungsgeographen Fauna, der Rechtsaltertümer, der Technikge-
geblieben sei, daß sie dagegen sprachwissen- schichte und anderer Disziplinen exempla-
schaftlich, vergleichend und interdisziplinär risch skizzierte (vgl. auch für Vor- und Früh-
betrieben werden solle. Die Wende zur geschichte Kleinath 1938).
Sprachwissenschaft war in seinen Tagen Einer der wenigen, der — freilich als Au-
schon eingeleitet. Er forderte zugleich ein ßenseiter — die Flurnamen als Zeugen ver-
eigenes onomastisches Fachorgan. Diesen lorenen Wortschatzes vernahm, war M. R.
Wunsch erfüllte 1925 Josef Schnetz mit der Buck, dessen Resultate sich vor allem in sei-
Gründung der ‘Zeitschrift für Ortsnamenfor- nem 1880 erschienenen ‘Oberdeutschen Flur-
schung’ (seit 1938 ‘Zeitschrift für Namenfor- namenbuch’ vereinigt finden, freilich auch
schung’). stets kritischer Überprüfung bedürfen (vgl.
Steub 1885, 104 ff.; Schulte 1933, 80). In ge-
wisser Weise steht die verdienstliche Samm-
4. Entwicklung der lung von Th. Zink über ‘Pfälzische Flurna-
Flurnamenforschung men’ (1923) noch in dieser Tradition.
Edward Schröder konstatierte 1908 (S.
4.1.  Obwohl auch die Flurnamen zu den To- 170 ff.), daß im Grunde die Flurnamenfor-
ponymen gezählt werden müssen, ist es auf- schung noch am Anfang stehe. An die Ver-
wirklichung seines Konzepts der ‘Namenge-

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72 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

schichte’ sei bei diesem Stand kaum zu den- schorners Anregung hin wurde 1903 auf der
ken. Nur zwei auf Entstehung und Verbrei- Tagung des ‘Gesamtvereins der deutschen Ge-
tung eines Flurnamentyps gerichtete Arbeiten schichts- und Altertumsvereine’ zu Erfurt eine
(Jacobs 1890; 1897) vermochte er zu nennen. Zentralstelle für Flurnamen-Sammlung ge-
Unter diesen Umständen sprach er sich gegen schaffen, die beratend und organisierend tätig
die üblichen Deutungskorpora von Namen- wurde. Über die Flurnamen-Literatur wurde
beständen einer Gegend oder Landschaft aus. jährlich (1904—1926) im Korrespondenzblatt
Was nottue, sei die Vermehrung und Verbes- des Gesamtvereins berichtet. 1928 faßte Be-
serung des Vergleichsmaterials: dazu seien schorner die bestehende Literatur in einem
großräumige Sammlungen notwendig, welche bibliographischen H andbuch zusammen.
nicht nur die katastermäßig rezenten Namen, 1932 gelang es ihm, die regionalen Flurna-
sondern auch die urkundlich bezeugten (hi- men-Archive in einem Zweckverband zu ver-
storischen) Formen aufzunehmen hätten. einigen und diesem ein eigenes publizistisches
Den Fallen, die von oft landesfremden Ka- Organ, das ‘Nachrichtenblatt für deutsche
tasterbeamten mit verhochdeutschten oder Flurnamen-Forschung’ zu geben. Seit seiner
verballhornten amtlichen Formen gestellt Initiative von 1903 wuchsen auch die regional
wurden, müsse durch phonetisch an Ort und orientierten Flurnamen-Arbeiten. Als die be-
Stelle ermittelten mundartlichen Formen be- ste hat schon W. Will (1931, 252) die auf das
gegnet werden. Die Sammlung sei im örtli- H erzogtum Gotha gerichtete Arbeit von
chen Kontext vorzunehmen, die kartographi- Luise Gerbing (1910) bezeichnet, die auch
sche Fixierung sei zur Rekonstruktion des Angaben über Größe und Form des benann-
Kontextes unerläßlich. Darüber hinaus seien ten Flurstücks in ihre Datenangaben einbezog
zum Verständnis der Flurnamen zusätzliche (vgl. auch H otz/Dieterich 1910; Wieries
Angaben notwendig (hier trifft sich Schröder 1910). Als Organisator der Flurnamensamm-
mit Uhlemann), etwa über den älteren und lung in Bayern ist schließlich Remigius Voll-
heutigen „Terrainbefund“, Bodenarten, Be- mann zu nennen (vgl. Vollmann 1926 a), des-
wuchs usw. Das letztliche Ziel müßten land- sen — wie A. Bach formuliert — „treffliche
schaftlich gebundene, die Kenntnis der bo- Schrift“ ‘Flurnamensammlung’ (1926 b) vie-
denständigen Dialekte voraussetzende Flur- len Interessierten als Ansporn und Vorbild
namenbücher sein. diente (vgl. Steinberger 1928, 275 f.). H . Be-
schorner hatte unterdessen 1911 die bisher
4.2.  E. Schröder nahm mit diesen Forderun- gemachten Erfahrungen in einer gewinnbrin-
gen Bestrebungen auf, die seit Anfang des genden Zwischenbilanz (‘Über das Veröffent-
Jahrhunderts der große Organisator der Flur- lichen großer Flurnamensammlungen’) zu-
namenforschung, H ans Beschorner, betrieb sammengefaßt. Die Flurnamenforschung ge-
(vgl. Will 1931, 250 ff.; Höhn 1935, 9 f.; Bach wann so allmählich an Renommée, so daß sie
1981, II, 1, § 10). Beschorner betonte durch- auch an den H ochschulen Fuß faßte. Beson-
aus die Rolle der Flurnamenforschung als ders Otto Behaghel in Gießen und Gustav
einer H ilfswissenschaft für Sprachforschung, Ehrismann in Greifswald haben Flurnamen-
Geographie, Volkskunde, Landes-, Wirt- dissertationen angeregt. In Schweizer Arbei-
schafts-, Verfassungs-, Rechts- und Kirchen- ten zwischen 1910 und 1913 wurden die Be-
geschichte, doch entwickelte sich für ihn ziehungen zur dialektgeographischen Me-
rechte Deutung erst in genauer Betrachtung thode enger geknüpft (Lit. bei Will 1931,
des Namenkontexts, den es in Sammlungen 255 f.; 1934, 146; Höhn 1935).
überhaupt erst zu erheben galt. 1902 entstand
als ältestes Archiv dieser Art die Flurnamen- 4.3.  Nach der Phase der Sammlung schien
stelle der Sächsischen Kommission für Ge- die Zeit reif, „den Gesetzen der Flurnamen-
schichte im Dresdener H auptstaatsarchiv, Entstehung und -Entwicklung nachzugehen“
welche die „Umwelt des Namens“, Daten (Will 1931, 253). Wenn man von dem von der
über Lage, Boden, Klima, Pflanzen- und Tier- Volkskunde H ans Naumanns inspirierten, sei-
welt, Geschichte, Vorgeschichte, Legenden, nerzeit stark diskutierten, doch letztlich ver-
aber auch alte, vor die Agrarreformen hin- fehlten Versuch von Walter Best (1929, 1 ff.)
abreichende Flurkarten in ihren Bestand in- absieht, die Flurnamen als Zeichen „primiti-
tegrierten (vgl. Uhlemann 1928, 254 f.). Nach ver Gemeinschaftskultur“ zu deuten, die von
ihrem Vorbild entstanden — oft mit gleicher der „kultisch bedingten, geheimnisvollen Ver-
institutioneller Anbindung — über kurz oder bundenheit unserer Vorfahren mit dem Bo-
lang regionale Flurnamenarchive. Auf Be- den, den sie bewohnten“, zeugen sollten (vgl.

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 73

H öhn 1935, 21), dann wird diese neue Phase rungsgesättigte, empirisch gegründete, gegen-
der Theoriebildung von den Forscherpersön- über den verschiedensten, in der Forschungs-
lichkeiten von Alfred Götze, Adolf Bach, Wil- geschichte angestrebten Forschungszielen of-
helm Will und Elisabeth Westphal bestimmt. fene Flurnamenkunde. Darüber hinaus aber
Alfred Götze hat 1923 in seiner Arbeit über wollte er noch mehr, wie in der Zusammen-
die Flurnamen der Gemarkung Waldshut das arbeit mit W. Will und E. Westphal deutlich
feine, von Friedrich Kluge und seiner Schule wurde.
entwickelte Instrumentarium der auf dem en- Wilhelm Will war in seinen auf einer histo-
gen Bezug von Wörtern und Sachen beruhen- risch sehr tiefreichenden Sammlung von Flur-
den etymologischen und lexikographischen namen der Gemarkung Wimpfen am Neckar
Forschung eingeführt und damit die Verwer- beruhenden ‘Flurnamenstudien’, mit denen er
tung von Flurnamen für die Rekonstruktion 1931 in Gießen promovierte (Auszug: 1931),
des Wortschatzes endlich auf eine dem Stand vor allem der zeitlichen Schichtung der Flur-
der Sprachwissenschaft angemessene Stufe namen nachgegangen. Er entdeckte, daß —
gehoben. anders als Siedlungsnamen — Flurnamen
Adolf Bach hat diese sprachwissenschaft- während ihres Lebens stärker mit dem appel-
liche Wende in seinen 1925 erschienenen Stu- lativen Wortschatz verbunden bleiben und
dien über die Namen zweier hessischer Ge- von ihm, ohne daß Relikte geleugnet werden
meinden mitvollzogen, indem er die Frage sollen, ständig erneuert und verjüngt werden,
nach den sprachlichen Bildungsmitteln der indem untergegangene Wörter ausgestoßen
Flurnamen hinzufügte und wie Götze Ansätze und durch neue Bezeichnungen ersetzt wer-
dialektographischer Betrachtungsweise er- den. Daß ferner Flurnamen teilweise mit den
kennen ließ. Konsequenterweise ergibt sich bezeichneten Sachen untergehen, teilweise
ihm die über die Grenzen einer Gemarkung aber auch reliktförmig diesen Untergang
hinausreichende Forderung nach einer „ver- überdauern, überraschte als Erkenntnis nicht,
gleichenden deutschen Flurnamenkunde“. A. doch formulierte Will zum erstenmal die Be-
Bach hat gleichwohl 1931 in einem den Auf- dingungen, unter denen das eine oder das
bau des ‘Rheinischen Flurnamenarchivs’ be- andere geschah. Will entwickelte so das Bild
gleitenden grundlegenden Aufsatz, in dem er einer dynamisch, in steter Wechselbeziehung
Wege zur Überwindung des „im Augenblick mit der lebendigen Sprache sich entfaltenden
herrschenden sammelnden oder monographi- und doch in eigener Struktur beharrenden
schen Betriebs“ weisen wollte, die achtbare Namenwelt.
dienende Funktion der Flurnamenforschung Die Folge dieser Einsichten war, daß ge-
als eines Instrumentes sprachlicher, ethnolo- rade bei den Flurnamen die Abgrenzung zu
gischer und historischer Landesforschung den Appellativa nicht mehr in Schärfe mög-
akzentuiert und mit Beispielen über die Re- lich war. Der Begriff des Flurnamens wurde
konstruktion agrarischer Altkulturen von neuer Klärung bedürftig. Die Namen waren
Wüstungen und Altstraßen aus Flurnamen auch in sprachsoziologischer H insicht nicht
belegt. Die „Bedeutung der Flurnamen für mehr gleichwertig. Wer gab und gibt, wer
ortsgeschichtliche Untersuchungen“ wird von kennt die Namen? W. Will entdeckte die dif-
ihm ausdrücklich anerkannt, detaillierte An- ferenzierte kommunikative Reichweite der
weisungen zur Umsetzung dieser Erkenntnis Flurnamen, die Bezogenheit dieser sprachli-
werden gegeben (vgl. Bach 1981, II, 2, chen Gebilde auf die Kommunikationsge-
§ 767 ff.). meinschaft, die sie gebraucht.
Die Flurnamen werden schließlich als In- Diese Konzentration auf die sprachliche
strument der Laut- und Wortgeographie ge- Münze, Prägung, die Namen darstellen, kenn-
würdigt, so wie das Ernst Christmann, der zeichnet auch seine spätere Arbeit über ‘Bild
später vor allem die hilfswissenschaftlichen und Metapher in unseren Flurnamen’ (1939).
Funktionen pflegte, 1938 an ausgewählten Alle diese Fragen waren nur mit H ilfe der
Beispielen für die Pfalz umsetzte. Bach faßte „vergleichenden Flurnamenforschung“ mög-
auch in methodischer H insicht die aus den lich, welchen Begriff er freudig von A. Bach
bisherigen Forschungen gewonnenen Erfah- übernahm. Indem die Flurnamenkunde ver-
rungen zu einem Anforderungsprofil an den gleichend wurde und damit sich nicht nur der
Flurnamenforscher zusammen: Dieser muß kulturelle Charakter der Namen als Ergon
über Ortskenntnis, sprachhistorisches und des Menschen, sondern auch deren Verbrei-
dialektologisches Wissen verfügen. Was Bach tung und Begrenzung im Raum abzeichnete,
vorschwebte, war eine umfassende, erfah- trat sie für ihn ein „in die Reihe der als

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74 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

‘Kulturraumforschung’ zusammenarbeiten- hungsarten“, die zuerst 1853 (2. Aufl. 1859)


den Wissenschaften“ (Will 1931 b, 257; vgl. erschien. Ihm, der viele Kultursprachen in
u. 6.1). seine Betrachtung miteinbezog und ein im-
In die Tat umgesetzt hat die Forderung menses Material (auch aus kulturgeschichtli-
nach einer Einordnung der Flurnamen in dy- chen und literarischen Quellen) verarbeitete,
namisch mit dem Appellativwortschatz in gelangen Einblicke sowohl in den Bau der
Verbindung und Kontrast stehende und unter Namen (Simplicia und Komposita, typische
dem Druck historischer Veränderungen sich Suffixe, Diminutiva usw.) als auch in die Sy-
allmählich zersetzende und wieder neu auf- stemhaftigkeit der Namengebung. Daß eine
bauende ‘Kulturkreise’ 1934 Elisabeth West- große Menge der indogermanischen und ger-
phal in einer auf einer Fragebogenaktion fu- manischen Personennamen Komposita vom
ßenden wort- und namengeographischen Stu- Typ Adal-wulf waren, hat nach J. Grimm, W.
die zu den sich semantisch teilweise über- Wackernagel und Pott an anderem Material
schneidenden Bezeichnungen Bungert, Bitze, nochmals deutlich Karl Strackerjan (1864)
Päsch, Bänd und Kamp im Rheinland. herausgearbeitet. Die Kurznamen, auf Ablei-
tung mittels Suffix beruhenden Namen der
germanischen Sprachen hat dann 1868 Franz
5. Entwicklung der Stark differenziert untersucht. Sorgfältige
Personennamenforschung Deutungen bot Karl Gustav Andresen in sei-
nem Werk über die „altdeutschen Personen-
5.1.  Mit der Anthroponymie betreten wir das namen“ (1873, 1876) zusammen mit Überle-
am schlechtesten bestellte Feld der Namen- gungen zur sprachlichen Weiterentwicklung
forschung. Das liegt einmal an den hohen dieses Namenschatzes bis in die Neuzeit. Daß
Quantitäten von Exemplaren, die sammelnd die Bestandteile der germanischen Personen-
und analytisch zu bewältigen sind, was von namen aus nur sehr wenigen semantischen
den Anfängen an vertiefte, historisch entwik- Feldern des appellativen Wortschatzes (Volk,
kelnde oder vergleichende und systematische H eimat, Verwandte, Freunde, Besitz, Adel,
Studien behindert hat. Zum anderen wirkte Krieg, Waffen, H eidentum) stammten, stellte
sich aber auch gerade in diesem Bereich, des- Weishaupt (1877, 15) deutlich heraus (vgl.
sen lebenspraktischer Bezug alltäglich, etwa weitere Lit. bei Bach 1978, I, 1, § 70). Mit des
bei der Namenfindung und Namengebung, zu Niederländers M. Schönfeld 1911 (als Um-
erfahren und oft persönlich herzustellen war, arbeitung einer Groninger Proefschrift von
ein elementarer und nahezu unbezähmbarer, 1906) erschienenem ‘Wörterbuch der altger-
in einer Fülle unbrauchbarer oder nur mit manischen Personen- und Völkernamen’ war
Vorsicht zu gebrauchender Veröffentlichun- dann eine quellenkritische Sammlung und
gen sich äußernder Dilettantismus aus (vgl. methodisch umsichtige befriedigende Deu-
zur Forschungsgeschichte Streitberg/Michels tung des ältesten Materials entstanden, die
1927, 109 ff.; Will 1934, 144 f.; Gottschald einen vorläufigen H öhepunkt und Abschluß
1942, 18 ff.; Schwarz 1950, I, 10 ff.; Bach darstellte.
1978, I, 1, § 6). Die Darstellung beschränkt Schon 1907 hatte erneut Edward Schröder
sich auf den Bereich der germanischen und in einem epochalen Aufsatz dazu aufgefor-
althochdeutschen Personen und der sich teil- dert, nur germanisches und altes Quellenma-
weise aus ihnen entwickelnden Rufnamen und terial zu verwenden, was etwa Stark noch
Familiennamen, während andere Bereiche, nicht selbstverständlich war, und hatte die
etwa Völkernamen, weitgehend ausgespart Ernte der bisherigen Forschung eingebracht:
bleiben. „Ursprünglich war jede Namengebung Na-
menschöpfung gewesen, erwachsen aus einem
5.2.  Die wissenschaftliche Behandlung der Akt erhöhter Phantasie: der Name selbst war
altdeutschen Personennamen beginnt 1856 ein konzentrierter poetischer H eilswunsch.
mit dem bereits gewürdigten, monumentalen Darum war es die feinste Blüte des Sprach-
und trotz mancher Mängel bis heute nicht schatzes, die hier allein Verwendung fand: die
ersetzten, brauchbaren und gebrauchten Sam- Ausdrücke der religiösen und der kriegeri-
melwerk Ernst Förstemanns (s. 1.2). Die schen Poesie ...“ (1907, 8), nicht aber die
eigentliche Forschung beginnt nahezu gleich- Alltagswörter. Wie kein anderer hat er auch
zeitig mit A. F. Potts vergleichender Unter- vor der vorschnellen Deutung gewarnt, viel-
suchung über die „Personennamen, insbeson- mehr wie bei den Ortsnamen als vorrangig
dere die Familiennamen, und ihre Entste- „Namengeschichte, Geschichte der Namen-

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 75

schöpfung“ gefordert, vergleichende Betrach- aus den für die Namengebung entscheidenden
tung, welche die ‘Gesetze’ der Eigennamen- Jahrhunderten geben. Darin liegt der große
bildung zu Tage fördert. Er erkannte und Wert des Buches von A. Socin (1903), der die
betonte die scharfe Scheidung der Geschlech- oberrheinischen Quellen des 12. und 13. Jahr-
ter, der Männer- und Frauennamen im ger- hunderts, der am Oberrhein entscheidenden
manischen Namensystem, die Rolle der Ele- Zeit, durchmustert hat.“
ment-Variation als Möglichkeit der Konno- Socin hat viele Nachfolger gefunden, De-
tation genealogischer Abkunft. Die Proble- tailuntersuchungen zur Entwicklung der Per-
matik beschäftigte ihn lebenslang, und 1940 sonennamen und Familiennamen in Regionen
hat er eine vorläufige Summe über die und Städten, die hier nicht aufgelistet werden
‘Grundgesetze’ der germanischen Anthropo- können (vgl. Will 1934, 147; Gottschald 1940,
nymie gezogen, in der er dem bisher Formu- 20 f.; Schwarz 1950, Anhang; Bach 1978, I, 1,
lierten noch hinzufügte, daß im Zweitglied § 381 ff.). Hiervon möchte man besonders die
germanischer Namen die Substantive nach von Alfred Götze und seiner Schule erarbei-
Genus (freilich auch nach Bedeutung) auf die teten Studien hervorheben, in denen sich ein
Geschlechter verteilt würden und deshalb H ang zur Anbindung an die Familienge-
keine Neutra vorkommen könnten; daß vo- schichte bemerkbar macht. Götze verdankt
kalischer Anlaut mit Zweitglied der Kompo- man auch eine anregende, grundsätzlich me-
sita gemieden werde; daß schließlich ein all- thodische Besinnung (1928), in der er noch
iterierendes Verhältnis der Kompositionsele- einmal die Notwendigkeit eindringlicher land-
mente (bis auf wenige Ausnahmen wie z. B. schaftlich gebundener Spezialuntersuchungen
Hlodhari) ausgeschlossen werde. Es ist merk- hervorhob, wie er sie selbst 1918 für das ba-
würdig, daß die methodisch anregenden und dische Oberland unternommen hatte. Nur
didaktisch überzeugenden Arbeiten Edward hier, in der begrenzten, aber sicheren und
Schröders auf diesem Gebiete vor 1945 kaum historisch tiefeindringenden Quellenuntersu-
Nachfolge fanden. chung, läßt sich eine Methode anwenden, die
ihm zu jener Achse wird, mit der sich die
5.3.  „Das Entstehen der Familiennamen voll- Lücken der Zeiten überbrücken lassen. Der
zieht sich im vollen Licht der deutschen Über- schlesische Familienname Paschke erweist
lieferung seit dem 12. Jahrhundert“ (Schwarz sich als Koseform zu Paul, wenn im Posener
1950, I, 10). Mit diesem Übergang zur sog. Stadtbuch dieselbe Person einmal 1437
Zweinamigkeit werden zugleich die bisher ge- Paschke Wynter, 1439 Paulus Wynther heißt.
brauchten Personennamen, soweit sie weiter „Wo immer möglich“, ist „die Namenfor-
verwendet werden, zu Rufnamen. schung mit der Familiengeschichte zu verbin-
Seit dem späteren 19. Jahrhundert entstan- den“ (ebd. 406). Wer würde sonst feststellen
den in Ablösung älterer Namenbüchlein (vgl. können, daß der Freiburger Familienname
1.1.) eine Menge erklärender Lexika zu Fa- Marbe nicht auf die mundartliche Form eines
miliennamen und Ruf-, Tauf- oder Vornamen, der Marbach-Orte zurückgeht, sondern auf
zu denen die Übersichten bei Gottschald einen adligen französischen Offizier des 17.
(1940, 22 f.) und Bach (1978, I, 1, § 9; 123 ff.) Jahrhunderts namens Marbois? Noch deutli-
zu vergleichen sind. Für das besonders cher zeigt sich die Verbindung mit der Fa-
schwierige Gebiet der Familiennamen seien milienforschung (die er nun, wie Brechen-
wenigstens diejenigen herausgestellt, die einen macher dem Zeitgeist folgend, ‘Sippenfor-
gewissen Fortschritt in der methodischen Be- schung’ nennt) in seinen späteren Aufsätzen
handlung dieser Namensorte in der For- (1935 a/b).
schungsgeschichte erbrachten: H eintze/Cas- Seit Socins Durchbruch haben sich auch
corbi 1882, 1933; Brechenmacher 1928; 1936; viele Arbeiten Einzelproblemen zugewandt.
Gottschald 1932, 1940; Bahlow 1933; Lin- Am stärksten wurde nach den Quellfeldern
nartz 1936; 1939. der deutschen Familiennamengebung gefahn-
Ernst Schwarz (1950, I, 12) hat zu diesen det und hier sind es wiederum die Berufsbe-
Arbeiten treffend formuliert: Sie zeigen, „wie zeichnungen, die voranstehen. (Bücher 1914;
schwierig es ist, die Namengebung größerer Ricker 1917; 1920; Götze 1918; Buchner 1926;
Gebiete ohne geschichtliche Unterlagen zu Günther 1926; Wasmannsdorff 1935; Lin-
übersehen und ohne historische Belege eine nartz 1936; Dibelius 1941; zu den bei der
Deutung zu sichern. Was fehlt, sind großräu- Gesellentaufe der Zünfte gegebenen ‘Schleif-
mige Untersuchungen, die einen Überblick namen’ H egi 1914; Götze 1934; Scheidl 1940;
über ein Land immer auf Grund von Belegen Petersen 1944), ferner Wohnstätten- und

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76 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

H ausnamen (Grohne 1912; H ackel 1924; Alt- schung keineswegs verschweigende Skizze der
richter 1928; Schmidt 1930; Schmoeckel 1930; Personennamengebung von den germani-
Müller 1932). Merkwürdig geringer fiel das schen Anfängen bis in die Neuzeit. Das ei-
(im 19. Jahrhundert noch lebhafte) Interesse gentlich sprachwissenschaftliche Kompen-
für die aus Bei- und Übernamen entwickelten dium der Personennamenforschung wurde je-
Familiennamen aus, wenn man nicht die Ar- doch mit dem „methodisch vorbildlichen, die
beiten zu den Satz- und Befehlsnamen vom vorhandene Literatur ausschöpfenden und
Typ Haßdenteufel hierherstellen will, die zu- zurückhaltend, aber immer sicher deutenden“
gleich aber auch einen morphologischen Typ (Schwarz 1950, I, 12) H andbuch ‘Die deut-
repräsentieren (Behaghel 1927; Mittenwieser schen Personennamen’ von Adolf Bach (1943)
1930). Fast ganz fehlen auch spezielle Unter- geschaffen.
suchungen zu Amtsnamen und Patronymika Adolf Bach war es auch, der in zwei Ab-
vom Typ Petersen, Dietrichs, Sieveking usw. handlungen 1935 und 1938 die theoretischen
(vgl. weitere Lit. bei Bach 1978, I, 1, § 212 ff.). Zukunftsperspektiven der Personennamen-
Mit H erkunftsfeldern bei den nur zum Teil forschung entschieden vorantrieb. In dem ge-
noch ererbten Rufnamen, die zunehmend seit haltvoll die verschiedenen Betrachtungswei-
dem hohen Mittelalter mit H eiligennamen sen und Auswertungsaspekte der Personen-
aufgefüllt werden, beschäftigte sich Edmund namen abschreitenden Überblick, den er 1938
Nied (1924) in einer vielbeachteten Arbeit. für das ‘H andbuch der Volkskunde’ gab, hat
Das Aufkommen der Doppelvornamen in der er an Beispielen gezeigt, wie sich die geogra-
Neuzeit beobachtete Heinrichs 1908. phische Verbreitung von Familiennamenty-
Die soziale Dimension der Namengebung pen (Berufsnamen, Werkstättennamen, H er-
geriet seit der Jahrhundertwende ebenfalls all- kunftsnamen) zu sozial- und kulturgeschicht-
mählich, wenn auch etwas zögerlich, ins lichen Aussagen nutzen läßt, wie sich etwa
Blickfeld der Forschung. Mit der Namenge- (S. 329 ff.) aus der Streuung der auf be-
bung sozialer Gruppen (vgl. auch Gottschald stimmte Städte (Frankfurt a. M., Friedberg
1940, 21) beschäftigten sich für die Juden im und Wetzlar) bezogenen H erkunftsnamen der
Zeitalter der Emanzipation Schiff 1917; Drey- Interessen- und Strahlungsbereich einer mit-
fuss 1927; für die bäuerliche Bevölkerung telalterlichen Stadt abzeichnet und im Ver-
Lösch 1936. Zu den humanistischen Gelehr- gleich der Verbreitungsgebiete gar miteinan-
tennamen arbeitete Bergerhoff 1918. Grund- der konkurrierende und interferierende ‘Kul-
sätzlich befaßte sich mit der Familiennamen- turkreise’ sichtbar werden. Zugleich erschließt
soziologie in zwei Studien, die methodisch er — er nennt dies ‘Psychologische Betrach-
wertvoll sind, Emil Mackel (1929; 1932), in tungsweise’ — die pragmatische Komponente
denen er auch der Frage, ab wann eigentlich der Personennamen für die Mentalitätsge-
Beinamen, Berufsbezeichnungen usw. feste schichte: „Wir fragen hier also: In welchem
Bestandteile des Namens seien, nachging. inneren Verhältnis steht das Volk zum Namen
und zur Namengebung? Welche Geisteseigen-
5.4.  Die dreißiger und frühen vierziger Jahre schaften, welche Züge seiner Mentalität verrät
brachten, nach dem frühen und souveränen, dies Verhältnis?“ (S. 334 ff.). So läßt sich aus
aber kurzen Überblick, den Friedrich Kluge dem Bedeutungsspektrum der für das ger-
schon 1917 (3. Aufl. 1924) in seiner ‘Deut- manische Namensystem verwendeten Ele-
schen Namenkunde’ gegeben hatte, das Zeit- mente nicht nur ein besonderes Wertesystem
alter der Gesamtdarstellungen und Summen. der Namengeber, das von Krieg, heroischem
Wilhelm Will gab in der Behaghel-Festschrift Ethos, Verwandtenbindung geprägt ist, fol-
von 1934, die stolz und treffend ‘Germanische gern, sondern, indem diese Namen nur sinn-
Philologie’ überschrieben war, einen kurzen, voll werden, wenn man sie als Mannmeta-
aber inhaltsreichen, wegen seiner Bewertun- phern oder ‘H eilswunsch’ versteht, bilden sie
gen immer noch wertvollen Überblick über auch den Zeichenrealismus, den Glauben an
die ‘Deutsche Namenforschung’. Max Gott- die Realpräsenz des Bedeuteten im Benannten
schald suchte in seiner Einführung ‘Die deut- ab. „Auf jenen frühen Kulturstufen ist der
schen Personennamen’ (1940) den mittelalter- Name ein Teil des Trägers“. Andererseits spie-
lichen ‘Sitz im Leben’ der Familiennamen geln in der Neuzeit die Benennungsgewohn-
aufzuspüren. In seinem 1943 erschienenen heiten — wie sie etwa im Zusammenhang
Beitrag zur ‘Deutschen Wortgeschichte’ von zwischen katholischer Bevölkerung und H ei-
Friedrich Maurer und Fritz Stroh gab er eine ligennamen, zwischen Dynastien und Nach-
respektable, kundige, die Lücken der For- benennungen vom Typus Wilhelm, Friedrich,

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 77

in den lehrhaften Namen der Aufklärung wie zu befördern: 1) eine ‘Rheinische Siedlungs-
Leberecht und Gotthelf zu Tage treten — ganz geschichte’: sie ist nicht geschrieben worden;
bestimmte und historisch charakteristische 2) einen westdeutschen ‘Namenatlas’, der der
„Sonderzüge deutscher Mentalitätsgruppen“. Konkurrenz mit A. H elboks ähnlich gerich-
Es ist die Frage, ob die spätere Namenfor- tetem, aber nicht überzeugenden Unterneh-
schung dieses weitperspektivierte ‘ethnose- men früh zum Opfer fiel; 3) ein ‘Rheinisches
mantische’ Programm hat erfüllen können. Flurnamenarchiv’, das 1930 zustandekam:
das ‘Rheinische Flurnamenbuch’, das er vor-
bereitete, wurde von seinem Schüler H einrich
6. Von der sprachlichen Dittmaier (1963) fertiggestellt (im Vorwort ein
Landesforschung zur geschichtlicher Rückblick auf das Archiv von
‘Kulturraumforschung’ A. Bach); 4) eine allgemeine ‘Deutsche Na-
menkunde’, deren erster Band (Personenna-
6.1.  „Von besonderer Bedeutung für die land- men) 1943 erschien und das 1954 abgeschlos-
schaftliche Staffelung unseres Namenguts ... sen werden konnte. Das zentrale Institut für
sind die einzelnen landschaftlichen Verkehrs- deutsche Namenforschung, für das er Zeit
gemeinschaften, die einzelnen deutschen Le- seines Lebens warb, konnte er nicht durch-
bens- und Kulturräume geworden“ (Bach, setzen.
1978, I, 1, § 419; vgl. § 534; 1981, II, 2,
§ 661 ff., 769). Die Grenzen dieser Kommu- 6.2.  Adolf Bachs Stellung in der Forschungs-
nikations- und Kulturräume werden durch geschichte der Onomastik ist zunächst einmal
die in diesem Raum tätig werdenden Men- dadurch charakterisiert, daß er ohne Kom-
schen, durch den Transport von Kulturgü- promisse und mit überzeugender theoreti-
tern, beim sprachlichen Verkehr also auch von scher Begründung die sprachwissenschaftli-
sprachlichem Gut, erarbeitet, sind fließend, che Wende der Namenkunde vollzogen hat
dynamisch, historisch variabel. Innerhalb die- und der Onomastik als linguistischer Teildis-
ser Räume wird das Resultat solcher Kom- ziplin die instrumentelle Grundlage in einem
munikation als kulturelle Beeinflussung, sog. festen systematischem Aufriß gegeben hat.
‘Strahlung’ sichtbar. Zwischen den verschie- Namenkunde „ist in erster Linie Philologen-
denen kulturellen Strömungen vollzieht sich werk. Sie ist — trotz des unerläßlichen An-
Mischung und Ausgleich, welche die relative schlusses an die die Sachen bearbeitenden
sprachliche Einheit des Kulturraums erzielen. nichtphilologischen Disziplinen — zunächst
Die Kulturräume und Verkehrsgemeinschaf- ein Teil der deutschen Wortkunde und wei-
ten können auf natürlichen, aber auch auf terhin der deutschen Sprachgeschichte“ (Bach
künstlichen geographischen Gebilden, etwa 1950/51, 372). Diese Worte waren dezidiert
politischen (z. B. Territorien) oder kirchlichen gegen die von A. H elbok, einem der letzten
(z. B. Diözesen) aufruhen. Die Reliktlagerun- Vertreter der geographisch-historischen Na-
gen geben wiederum die Chance, solche alten menforschung, geäußerte Meinung gerichtet,
Kommunikationsräume zu rekonstruieren. daß man auch ohne vertieftes philologisches
Diese Theorie der ‘Kulturraumforschung’, Wissen mittels der Ortsnamen an siedlungs-
die auf weitgehend überzeugende Weise zum geschichtliche Fragen herantreten könne,
ersten Male konsequent Sprache und Ge- „wobei er in Abhängigkeit von philologischen
schichte miteinander vermittelt hat, wurde in Autoren recht zweifelhaften Ranges geraten
den zwanziger Jahren von H ermann Aubin mußte“. Daß er selbst in der historischen Aus-
und Theodor Frings für die Gegenstände der wertung der Namenbefunde eine bedeutsame
Volkskunde und Dialektologie entwickelt. Aufgabe sah, hat er nicht nur durch seine
Ihre H eimstätte fand sie zunächst im Bonner erste Arbeit über die Siedlungsnamen des
‘Institut für geschichtliche Landeskunde der Taunusraumes (1927; vgl. Bach 1929) bewie-
Rheinlande’. Als Adolf Bach (1890—1972), sen. „Diese von rein sprachlichen Gesichts-
der seit 1923 mit dem Institut in Verbindung punkten ausgehende Behandlung des Pro-
stand, die Leitung der ‘Abteilung für rheini- blems“ erarbeitet aus den urkundlichen Be-
sche Mundartforschung und Volkskunde’ legen und mit H ilfe einer Auftretensstatistik
übernahm, so tat er es, um „der deutschen eine klare chronologische Schichtung der
Namenkunde die ihr in der Landeskunde wie sprachlich sauber geschiedenen Ortsnamen-
in der Wissenschaft von der deutschen Spra- typen und läßt bereits Themen wie Grund-
che gebührende Stellung sichern zu helfen“ wortwechsel und Ortsnamenausgleich anklin-
(Bach 1981, II, 2, ix). Vier Projekte suchte er gen, die von nun an zum Themenspektrum

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78 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

der ‘Rheinischen Schule’ gehören werden. Die völkisch sicher zuzuweisen“ (Will 1934, 143).
Sprachwissenschaft sollte Fundament der Prononciert und exemplarisch wurde von ihm
Onomastik sein: 1929 (S. 244) formulierte 1943 unter vielen möglichen Gegenständen
Bach, daß die „Lösung der etymologischen gerade die „volkshafte Namengebung in der
Seite der Frage“ die Voraussetzung für die Ostkolonisation“ am Beispiel der deutschen
Erzielung siedlungsgeschichtlicher Aufschlüs- Siedlung in der Ukraine 1803—1817 ausge-
se aus Ortsnamen sei. Als zweites Prinzip hielt wählt und dargestellt.
er fest, „daß die einzelnen Ortsnamen nicht
in der Vereinzelung zu betrachten sind, son- 6.4.  Es gab in den dreißiger Jahren in
dern stets im Zusammenhang mit dem gesam- Deutschland in den einzelnen Landschaften
ten Namenbild einer Landschaft“, worin sich viele Bestrebungen, die mit der ‘Rheinischen
ein weiterer perspektivischer Schwerpunkt der Schule’ im Bemühen um eine sprachliche
‘Rheinischen Schule’ andeutet (vgl. auch Bach ‘Landesforschung’ einig waren, die besonders
1938, 343 ff.). auf dem Gebiet der Flurnamen der Initiative
H . Beschorners (vgl. oben 4.2) folgten, die
6.3.  Der zweite bedeutsame Grundzug, der auch Adolf Bach anregte. Besonders hervor-
die Namenkunde der ‘Rheinischen Schule’ zuheben wären etwa für Bayern die von J.
prägte, ist die ganzheitliche Betrachtung der Schnetz (1938 ff.) organisierten Flurnamen-
Onomastik, die sie forderte. In einem System- sammlungen, dann das erst seit 1952 erschei-
entwurf von 1950/51, der die älteren Bestre- nende, aber in den dreißiger Jahren geplante
bungen gut kennzeichnet, kombinierte A. ‘H istorische Ortsnamenbuch von Bayern’; für
Bach die rein sprachwissenschaftliche Be- Franken der von B. Schmeidler (1935) dar-
trachtung der phonologischen, morphologi- gestellte Plan eines geschichtlichen Ortsna-
schen und semantischen Aspekte der Namen menbuches; für Baden E. Fehrles Bausteine
mit den historischen (diachronen), geogra- zu einem Flurnamenbuch (1932 ff.); für H es-
phischen (arealen), soziologischen und psy- sen der erste Band eines ‘H essischen Orts-
chologischen Perspektiven, die zusammen erst namenbuchs’ (Müller 1937); für Westfalen
das Verständnis der Namen als sprachlicher die vom Provinzialinstitut für Westfälische
Zeichen und ihrer Verwendung ermöglichten. Landes- und Volkskunde getragene Flurna-
Zu den methodisch innovativen Zügen dieses men-Reihe (Schulte—Kemminghausen 1936);
Gesamtkonzepts gehört wiederum — für die für Niedersachsen L. Fiesel (1934) mit sei-
Personennamen war es schon darzustellen ner Quellenkritik, Geographie, Archäologie,
(vgl. o. 5.4.) — die Forderung nach einer Wirtschaftsgeschichte und sprachliche Orts-
mentalitätsgeschichtlichen Einbettung („psy- namenforschung verbindenden Siedlungsge-
chologische Betrachtung“) der Namen, der schichte; für Ostfriesland die Bonner Arbeit
Analyse des „inneren Verhältnisses zu den von G. Lohse (1939); für die Sudetenländer
Ortsnamen“, wofür Bach reichhaltiges, wenn schon früh, und methodisch der österreichi-
auch vielleicht noch disparates Material ge- schen Kontaktlinguistik verpflichtet, das be-
sammelt hatte, etwa aus den Gebieten der deutsame Werk von Ernst Schwarz (1923;
Volksetymologie, der Aetiologie und der 1927; 1931), der auch eine Flurnamensamm-
‘Kunstnamen’ vom Typ Engelpfort und Gu- lung initiierte (1930) und zusammen mit E.
tehoffnungshütte (1935 a, 262 ff.). Dieser be- Gierach ein Ortsnamenbuch begann (1931 ff.;
reits 1938 vorbereitete klare Entwurf unter- vgl. Matúšová 1990); für Sachsen, Schlesien,
scheidet sich durchaus von weniger systema- Preußen die Flurnamensammlungen der ent-
tisch ausgebildeten und stärker traditionellen sprechenden H istorischen Kommissionen
Betrachtungsvorlieben verbundenen Gliede- (Beschorner 1930 ff.; Maetschke 1925 ff.; Alt-
rungen wie etwa Will 1934 und 1943, in denen preußischer Flurnamen-Sammler 1929/30 ff.),
„Namengeschichte“, „Namenfelder“, „Na- schließlich für Brandenburg die Darstellung
mengeographie“, „soziale Schichtung der Na- der Neusiedlungen von 1500—1800 von B.
men“ neben „Namensammlung“ und „Ety- Schultze (1939).
mologie“ stehen. Es kann auch nicht überse-
hen werden, daß Wilhelm Will sich stärker 6.5.  Keines dieser Unternehmen besaß die
dem Vokabular des Dritten Reiches angenä- theoretische Unterbauung, wie sie die ‘Rhei-
hert hat, so wenn er von dem „großen sied- nische Schule’ und für die Namenkunde A.
lungsgeschichtlichen Forschungsziel der Ge- Bach auszeichnete. In einer frühen Arbeit
schichte des deutschen Volksbodens“ spricht über -heim-Ortsnamen im Südwesten des
und daß es darum gehe, den „Namenbestand deutschen Sprachgebiets (1923; vgl. 1929,

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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 79

248 f.) hatte er feststellen können, daß in der Adolf Bach selbst (1938, 362) hat ihr ein ho-
Frühzeit des 8./9. Jahrhunderts noch manche hes Erklärungspotential für die quellenarme
Ortsnamen in ihrem Grundwort unfest sind deutsche Frühzeit zugeschrieben: er hält sie
und etwa sowohl mit -heim als auch mit -ingen für „geeignet, die Entwicklung unseres Na-
Verbindungen eingehen können, wobei der menschatzes als einen von historisch-kultu-
Personenname im ersten Bestandteil des Orts- rellen Kräften angetriebenen organischen
namens stets gleich bleibt. Er schloß daraus Prozeß sprachlich-psychologischer Art er-
— nach dem Modell wortgeographischer Er- scheinen zu lassen. Durch diese Auffassung
klärungen, die Ferdinand Wrede initiiert hatte glauben wir, den wirklichen Verhältnissen er-
— daß hier ein Konflikt zwischen zwei syn- heblich näher zu kommen, als das Arnold und
onymen sprachlichen Zeichen im Gange war, seine Nachfolger vermochten. Ohne Frage
wobei das siegreiche -heim das zunächst funk- wird die Aufdeckung jener in der Vergangen-
tional als Insassenbezeichnung differenzierte heit wirkenden kulturellen Kräfte wie die Er-
-ingen in Reliktlagen abdrängte. Durch Ana- fassung der sie formenden Räume uns Rück-
logie glichen sich in einem Verkehrsraum viele schlüsse ins Sachliche gestatten, so daß wir
Ortsnamen dem dominierenden Typus an, den deutschen Ortsnamen einen historischen
was in Ansätzen auch schon Schröder, Bethge Quellenwert zuschreiben dürfen, der hinter
und Bohnenberger gesehen hatten (vgl. o. dem von Arnold behaupteten keineswegs zu-
3.4). So erhielt das seit W. Arnold vieldisku- rückbleibt. Mit H ilfe der Ortsnamen werden
tierte Problem der Lagerung dieser Ortsna- wir in der Lage sein, Kulturkreise und Kul-
mentypen eine verblüffende neue Erklärung turbewegungen in Epochen der deutschen
jenseits der diskreditierten Stammestheorie. Vergangenheit zu bestimmen, für die an an-
Nicht mehr Wanderung, sondern kulturelle deren Quellen ein empfindlicher Mangel zu
‘Strahlung’ — so erklärte es die ‘Rheinische beklagen ist.“
Schule’ in folgenden Arbeiten (Bach 1924 b; Ob dieser Optimismus berechtigt ist, oder
1927, 179 ff.; 1935 a, 343 ff.; 1981, II, 2, § 662; ob nicht doch ein höherer Anteil der arealen
Will 1934, 150 ff.; Westphal 1934) — analog Lagerungen auf Siedlerströme, chronologi-
den in der Wortgeographie anzutreffenden sche Abstände bei der Besiedlung agrarisch
Verhältnissen — bestimmte vornehmlich die unterschiedlich günstiger Böden und schließ-
Ausbreitung auch von Namentypen, obwohl lich semantisch-funktionale Differenzierung
punktuell Verbreitung durch einwandernde von Namentypen zurückzuführen ist, bleibe
Neusiedler, für die es ja im deutschen Kolo- dahingestellt. Abgesehen von der mangelhaf-
nialgebiet des Ostens und Südostens schla- ten quellenkritischen Aufarbeitung des ver-
gende Beispiele gibt, auch von A. Bach nicht wandten onomastischen Materials, was sich
ausgeschlossen wurde. Wie in der Geographie in der ‘Rheinischen Schule’ am deutlichsten
von Worten entstehen im Grenzbereich zweier und mit verhängnisvollen Folgen in F. Petris
konkurrierender Formen oft Kompromißfor- Buch über das „fränkische Volkserbe“ in der
men; so zwischen -ingen- und -heim-Gebieten Nordostgallia (1937) zeigt, hat die Forschung
Ortsnamen auf -ingheim, was von A. Bach zu auch sonst schon früh Zweifel angemeldet. So
Recht als ein positives Argument zugunsten hat E. Schwarz (1931, 468 ff.) zu Recht darauf
seiner Theorie verwertet wurde. Die Verfol- hingewiesen, daß Ortsnamenwechsel und
gung dieses Ansatzes führte zur oben (6.1) -ausgleich, die methodische ‘Achse’ der Theo-
skizzierten ‘Kulturraumtheorie’. Damit war rie, selbst in der Frühzeit kaum so häufig
es zugleich möglich, bestimmte kompakte La- anzutreffen ist, wie Bach und seine Schüler
gerungen von Namentypen zu erklären als annahmen. Auch aus grundsätzlichen Erwä-
auch aus der Lagerung die Areale von ‘Kul- gungen taugen Annahmen, die für die Ver-
turkreisen’ zu rekonstruieren. Konsequenter- breitung von Wörtern, die im sprachlichen
weise hat Franz Steinbach (1926, 126 ff.) die Verkehr transportiert werden und miteinan-
eigenartige Lage der -weiler- und -viller-Na- der konkurrieren, nur begrenzt (nämlich wäh-
men auf beiden Seiten der deutsch-französi- rend einer halbappellativen Entstehungsphase
schen Sprachgrenze als räumliche Projektion bzw. bei der Existenz verschiedener, etwa en-
der „germanisch-romanischen Mischkultur“ dogener und exogener, ortsnamenprägender
des fränkischen Staates (S. 148) aufgefaßt. Kommunikationsgemeinschaften) für die Er-
Die kulturräumliche Auffassung wurde klärung von Elementen der Toponyme, die
von A. Bach und E. Westphal — wie z. T. feste Individualitäten bezeichnen, am Orte
schon dargestellt — auch auf die Bereiche der haften und keiner Konkurrenz unterliegen.
Flurnamen und Personennamen übertragen. Das gilt zumal dann, wenn — wie bei Petri

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80 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

— Ortsnamenausgleich auf die Doppelfor- Die deutschen Personennamen, 2 Tle. 3. Aufl. H ei-
men angewandt wird, die in miteinander le- delberg.
benden, unterschiedlichen Sprachen für die- Bach, Adolf (1981): Deutsche Namenkunde, Bd. II:
selben Orte gebraucht werden. Das Absterben Die deutschen Ortsnamen, 2 Tle. 2. Aufl. H eidel-
einer Doppelform vollzieht sich mit dem Un- berg.
tergang einer Sprache im bilingualen Gebiet Baesecke, Georg (1928): Das Althochdeutsche von
und muß streng von dem innersprachlichen Reichenau nach den Namen seiner Mönchslisten.
Ausgleich von konkurrierenden Appellativen In: H ermann Paul’s und Wilhelm Braune’s Beiträge
und ebenso streng von dem ebenfalls inner- zur Geschichte der deutschen Sprache und Litera-
sprachlichen (begrenzt wirksamen) analogi- tur 52. Tübingen, 92—148.
schen Ausgleich von Grundworttypen bei To- Bahlow, H ans (1933): Deutsches Namenbuch. Neu-
ponymen geschieden werden (H aubrichs münster.
1992, 637 f.). Diese kritischen Bemerkungen
Ballenstedt, Johann Georg Justus (1826): Versuch
ändern jedoch nichts am forschungsgeschicht-
einer Erklärung einiger altdeutscher Benennungen
lichen Rang der theoretischen Konzepte der
von Straßen und Plätzen der Stadt Braunschweig.
‘Rheinischen Schule’.
In: J. G. J. Ballenstedt, Kleine Schriften historisch-
topographisch-antiquarisch-etymologischen In-
7. Literatur (in Auswahl) halts, Bd. 2. Nordhausen, 63—86.
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genetisch-wortgeographischer Betrachtung. In: Bei- 52, 3—18.
träge zur germanischen Sprachwissenschaft. Fest- Beschorner, H ans (1911/1914): Über das Veröf-
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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 81

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82 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

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schichte und Kunst der deutschen Sprache. Fest- 3. Aufl. 1924. Leipzig.
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schrift für deutsche Wortforschung 15, 243—245. schichtswissenschaft, hrsg. v. A. Meister, Bd. 1,
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10.  Namenforschung in Deutschland bis 1945 83

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84 I. Namenforschung: Überblick, Geschichte, Richtungen,Institutionen

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