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Fakten

Der Bundestag auf einen Blick


2 Die Aufgaben des Bundestages

4 Der Deutsche Bundestag –


18. Wahlperiode

6 Der Bundestag macht die Gesetze

10 Der Bundestag wählt die Kanzlerin

12 Der Bundestag kontrolliert


die Regierung

14 Die Abgeordneten –
Abgesandte des Volkes

22 Wichtige Organe und Gremien


des Bundestages

30 Die Wahl zum Bundestag

36 Die Parlamentsgebäude
38 Das Reichstagsgebäude
44 Das Paul-Löbe-Haus
46 Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
48 Das Jakob-Kaiser-Haus

52 Mehr über den Bundestag

Inhalt
Der Deutsche Bundestag ist das höchste
Verfassungsorgan der Bundesrepublik
Deutschland und das einzige Staatsor­
gan, das direkt vom Volk gewählt wird.
„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“,
heißt es im Grundgesetz. Und das Volk –
der Souverän – gibt seine Macht immer
nur auf Zeit an das Parlament ab: Alle
vier Jahre bestimmen die Bürgerinnen
und Bürger in der Bundestagswahl,
wer ihre Interessen vertritt.
Die staatliche Macht orientiert sich in
Deutschland an der klassischen Drei­
teilung in Gesetzgebung (Legislative),
Rechtsprechung (Judikative) und voll­
ziehende Gewalt (Exekutive), die sich
gegenseitig kontrollieren. In diesem Zu­
sammenspiel der Gewalten kommt dem
Bundestag die Rolle des Gesetzgebers
zu: Nur er kann auf Bundesebene die
Gesetze verabschieden, die für alle Men­
schen in Deutschland verbindlich sind.
Damit liegt eine große Verantwortung
in den Händen des Parlaments, das die
Entwicklung von Politik und Gesell­
schaft steuert.

Die Aufgaben des Bundestages

2
Aber der Bundestag macht nicht nur die
Gesetze. Er wählt auch die Bundeskanz­
lerin, die an der Spitze der Exekutive,
also der Bundesregierung, steht. Das
­Regierungsoberhaupt geht damit direkt über Regierungsvorhaben ist die Bun­
aus dem Parlament hervor. Das zeigt, deskanzlerin auf das Vertrauen des Par­
wie eng trotz der Gewaltenteilung die laments angewiesen. Wenn eine Regie­
Verfassungsorgane miteinander ver­ rung die Abgeordneten nicht überzeugt,
schränkt sind. Auch bei der Wahl des kann sie ihre politischen Ziele nicht
Bundes­präsidenten haben die Stimmen verfolgen.
der Parlamentarier hohes Gewicht: Um diese Kontrollfunktion wahrnehmen
Die Bundesversammlung, die das Staats­ zu können, müssen sich die Abgeordne­
oberhaupt wählt, besteht zur Hälfte aus ten über die Arbeit und Vorhaben der
den Bundestagsabgeordneten und aus Regierung informieren können. Dazu
ebenso vielen Vertretern der Bundes­ steht ihnen eine Reihe von Rechten und
länder. Instrumenten wie Kleine und Große An­
Darüber hinaus ist der Bundestag an fragen oder die Aktuelle Stunde zur Ver­
der Bestellung weiterer wichtiger Äm­­ter fügung. Außerdem bildet der Bundestag
beteiligt. So wählt er beispielsweise ständige Ausschüsse, deren Hauptauf­
die Hälfte der Richter des Bun­desver­fas­ gabe es ist, bei der Gesetzgebung mitzu­
sungsgerichts, den Präsidenten und wirken, und spezielle Gremien wie die
Vizepräsidenten des Bundesrechnungs­ Untersuchungsausschüsse, die fast aus­
hofs sowie die Bundesbeauf­tragte für schließlich zur Kontrolle der Regierung
den Datenschutz und die Informations­ eingesetzt werden.
freiheit. Seine eigenen Angelegenheiten hat der
Gegenüber der Regierung übt der Bun­ Bundestag in einer Geschäftsordnung
destag die wichtige Kontrollfunktion selbst geregelt und damit die Vorgaben
aus. Kein Kanzler, kein Minister kann für die Umsetzung seiner Aufgaben,
sich dieser Kontrolle durch das Parla­ seiner Zusammenkünfte und die Art
ment entziehen. Bei Abstimmungen und Weise seiner Beratungen festgelegt.

Kanzlerwahl 2013: Die Wahl des


Regierungsoberhaupts ist eine der
Aufgaben des Bundestages.

3
Die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag
am 22. September 2013 veränderte die
Zusammensetzung des Parlaments.
CDU und CSU, die tradi­tionell eine
Frak­tion bilden, erhielten 311 Abgeord­
neten­sitze, die SPD erhielt 193 Sitze.
64 Sitze e­ ntfielen auf die Fraktion
Die Linke, 63 ­Sitze auf Bündnis 90 /
Die ­Grünen. Mit 631 Abgeordneten
zu Beginn der Wahlperiode ist der
18. Bundestag (nach den drei Sonder­
fällen nach der Wiedervereinigung) der
zahlenmäßig größte in der Geschichte.
CDU/CSU und SPD schlossen sich
zu ­einer Regierungskoa­lition, einer
sogenannten Großen Koali­tion, zu­
sammen. Die FDP ist erstmals seit der
Gründung der ­Bundesrepublik nicht
im Bundestag ­vertreten.
Der Bundestag wählte Angela Merkel
(CDU/CSU) am 17. Dezember 2013
erneut zur Bundeskanzlerin.
Mittlerweile hat sich die Zusammenset­
zung des Bundestages geringfügig geän­
dert: Nach dem Ausscheiden eines Mit­
glieds der CDU/CSU-Fraktion war die
entsprechende Landesliste erschöpft,
und der Sitz wurde nicht nachbesetzt.
Daher beträgt die aktuelle Sitzzahl 630.
Außerdem ist ein Mitglied aus der
CDU/CSU-Fraktion ausgetreten und
nun fraktionslos. Damit hat sich die

Der Deutsche Bundestag – 18. Wahlperiode

4
Sitz­zahl der CDU/CSU-Fraktion von
311 auf 309 verringert. auch die Rechtswissenschaften, Volks-
Von den derzeit 630 Abgeordneten sind und Betriebswirtschaft und das Ingeni­
229 (rund 36 Prozent) neu ins Parlament eurwesen. Neun Abgeordnete sind noch
gekommen, 401 Parlamentarier haben in der Ausbildung.
bereits Bundestagserfahrung. Die Alters­
spanne umfasst mehrere Generationen.
So ist die jüngste Abgeordnete, die Abgeordnete und ihr Glaube
1989 geborene Ronja Kemmer (CDU/CSU),
54 Jahre jünger als Alterspräsident Heinz Fast zwei Drittel der Abgeordneten geben
Riesenhuber (CDU/CSU). Dienstältester an, einer der beiden christlichen Kirchen
Abgeordneter ist Wolfgang Schäuble in Deutschland anzugehören. Drei Mit­
(CDU/CSU), der seit 1972 und damit in glieder des Bundestages sind islamischen
seiner zwölften Wahlpe­riode im Bundes­ Glaubens.
tag sitzt. Der Anteil der Frauen im Bun­ Allen Abgeordneten steht im Reichstags­
destag liegt bei rund 37 Prozent und gebäude ein Raum für religiöse Besinnung
hat sich gegenüber der 17. Wahl­periode zur Verfügung: der Andachtsraum, ein
(32,8 Prozent) deutlich erhöht. ruhiger, dezent-spiritueller Ort, den der
Düsseldorfer Künstler Günther Uecker
gestaltet hat. In Sitzungswochen erklingen
Abgeordnete und ihre Berufe donnerstags und freitags pünktlich um
8.35 Uhr die Glocken des Kölner Doms
Viele Berufe sind im Parlament vertre­ im Bundestag. Die ­Glockentöne kommen
ten, die Abgeordneten kommen aus den vom Tonband und laden zu gemeinsamen
unterschiedlichsten Bereichen: Das Andachten ein.
Handwerk und die Medizin sind ebenso Der Raum ist bewusst interreligiös an­
vertreten wie künstlerische Berufe, die gelegt, kann aber durch religiöse Symbole
Industrie und die Wirtschaft. Die größ­ eine christliche, jüdische oder muslimi­
ten Gruppen der Ab­geordneten stellen sche Prägung erhalten. Eine steinerne
die Beamten und Selbstständigen: Kante im Boden zeigt die Ostrichtung an
115 sind Beamte, 168 selbstständig oder und ermöglicht dem Betrachter, in Rich­
freiberuflich tätig. Stark vertreten sind tung Jerusalem und Mekka zu blicken.

630  CDU/CSU
Sitze 309 Sitze

SPD
193 Sitze

Die Linke
64 Sitze

Bündnis 90 /
Die Grünen
63 Sitze

fraktionslose
Abgeordnete
1 Sitz

5
Im Deutschen Bundestag werden Ent­
scheidungen getroffen, die alle angehen.
Denn nur der Bundestag kann auf Bun­
desebene die Gesetze verabschieden,
die für alle Menschen in Deutschland
verbindlich sind. Dabei ist die Gesetzge­
bung eine vielschichtige Aufgabe, die
einen großen Teil der parlamentarischen
Arbeit ausmacht.
Bevor der Gesetzgebungsprozess be­
ginnt, muss es zunächst eine Initiative,
also eine Idee zu einem Gesetzentwurf
geben. Eine Gesetzesinitiative kann von
der Bundesregierung ausgehen, aus der
Mitte des Bundestages entstehen oder
vom Bundesrat kommen. Bis ein Gesetz
in Kraft tritt, sind viele Einzelschritte
notwendig. Erst nachdem sich die Ab­
geordneten in den Ausschüssen des
Bundestages sorgfältig mit einer Geset­
zesvorlage beschäftigt haben, das Für

Der Bundestag macht die Gesetze

6
und Wider in Änderungsanträgen, Aus­
schussberichten und Beschlussfassun­
gen dokumentiert ist, kann ein Gesetz
den Bundestag passieren. Deshalb
wird jeder Gesetzentwurf in der Regel
dreimal im Plenum des Parlaments
be­raten. Diese Beratungen nennt man
Lesungen.
In der ersten Lesung geht es meist ­
um die Diskussion von Grundsatz­
fragen. Dieser Schritt wird in vielen
Fällen durch die direkte Überweisung
(„ohne Aussprache“) an die zuständi­ Dabei kann es vorkommen, dass das Er­
gen Fachausschüsse abgekürzt. In den gebnis nicht eindeutig ist oder dass der
Ausschüssen wird der Gesetzentwurf Sitzungsvorstand sich über das Ergebnis
von Fachpolitikern aller Fraktionen uneins ist. In solchen Fällen kommt
des Bundestages auf seine Inhalte und der „Hammelsprung“ zum Einsatz: Dazu
Auswirkungen untersucht, wobei Sach­ verlassen alle Abgeordneten den Plenar­
verständige zu Anhörungen eingeladen saal und betreten ihn wieder durch eine
werden können. Anschließend wird von drei Türen, die mit „Ja“, „Nein“ und
der Entwurf, meist mit Änderungsvor­ „Enthaltung“ markiert sind. Dort zählen
schlägen versehen, im Plenum in zwei­ jeweils zwei Schriftführer alle abstim­
ter Lesung beraten. Erst dann kommt menden Abgeordneten, sodass es ein
die dritte Lesung mit der Schlussab­ klares Ergebnis gibt. Zum Hammel­
stimmung. sprung kommt es auch, wenn vor einer
Die Abgeordneten stimmen also über Abstimmung die Beschlussfähigkeit
jede Gesetzesvorlage ab – entweder bezweifelt und nicht vom Sitzungsvor­
durch Aufstehen oder Handheben. stand als gegeben bejaht wird.

Überweisung vom Plenum:


Jede Gesetzesvorlage wird in
den Ausschüssen des Bundestages
geprüft und beraten.

7
Gesetzesinitiative Gesetzesinitiative Gesetzesinitiative
durch durch durch
Bundesregierung Bundestag Bundesrat

Gesetzesvorlage Gesetzesvorlage Gesetzesvorlage

Bundesrat Bundesregierung
(fakultative (regelmäßige
Stellungnahme) Stellungnahme)

Bundesregierung
(Gegenäußerung)

Bundestag
1., 2. und 3. Lesung

Einspruchsgesetze Zustimmungsgesetze

Bundesrat 1)
Billigung des Gesetzes Antrag Zustimmung
auf Beratung
Bundesregierung

Vermittlungsausschuss Antrag auf Beratung

Bundestag

Änderungs­
ohne Änderung 2) vorschlag 3) ohne Änderung 2)

4) 4)
Bundesrat Bundestag Bundesrat

Billigung Einspruch keine


Zustimmung Zustimmung

Bundestag
Einspruch
wird
GESETZ
nicht
überstimmt überstimmt

Bundesregierung

GESETZ GESETZ

Ausfertigung Ausfertigung
Verkündung Bundespräsident Verkündung

8
Über den Bundesrat wirken die 16 Bun­
desländer an der Gesetzgebung des Bun­
des mit. Bei Gesetzen, die die Angele­
genheiten der Länder berühren, ist seine
ausdrückliche Zustimmung erforderlich wichtige Rolle spielen. Einigt man sich
(Zustimmungsgesetze). Bei anderen Ge­ auf einen Kompromiss, muss über die­
setzen kann der Bundesrat seinen Ein­ sen nochmals im Bundestag und an­
spruch anmelden (Einspruchsgesetze). schließend im Bundesrat abgestimmt
Wenn zwischen Bundestag und Bundes­ werden, bevor das neue Gesetz in Kraft
rat keine Einigkeit über ein Gesetzesvor­ treten kann.
haben besteht, kann der Vermittlungs­ Manchmal sind die Meinungsverschie­
ausschuss angerufen werden. Dieses denheiten zwischen Bundestag und
Gremium mit je 16 Vertretern des Bun­ Bundesrat unüberbrückbar. Bei einem
destages und des Bundesrats hat die Zustimmungsgesetz ist das Gesetzes­
Aufgabe, einen Kompromiss zu finden. vorhaben dann endgültig gescheitert.
Gerade bei unterschiedlichen Mehr­ Bei einem Einspruchsgesetz kann der
heitsverhältnissen im Bundestag und Bundestag jedoch den Einspruch des
Bundesrat kann dieser Ausschuss eine Bundesrats überstimmen.

Der Weg der Gesetzgebung


1) bei sofortiger Ablehnung:
­Anrufung durch Bundestag oder
Bundesrat möglich
2) Bestätigung des Gesetzesbe­
schlusses oder kein Vorschlag
3) bei Ablehnung des Änderungs­
vorschlags: ursprünglicher Geset­
zesbeschluss
4) bei vorgeschlagener Aufhebung:
Stimmt Bundestag zu, ist das
­Gesetz gescheitert, andernfalls
Weiterleitung an Bundesrat

9
Die Bundeskanzlerin ist die Regierungs­
chefin in Deutschland und hat eine starke
Position. Sie bestimmt die Richtlinien
der Politik und schlägt dem Bundes­
präsidenten die Kandidaten für die
Ministerämter vor – politisch unter­
liegt sie dabei natürlich Bindungen aus
der Koalitionsvereinbarung. Gewählt
wird sie zu Beginn einer Wahlperiode
vom Bundestag.

Der Bundestag wählt die Kanzlerin

10
Der Bundestag kann den Regierungs­chef
durch das konstruktive Misstrauens­
votum auch stürzen, indem ihm die
Mehrheit der Abgeordneten das Miss­
trauen ausspricht. Gleichzeitig muss ein
Nachfolger gewählt werden. Diese Maß­
nahme ist allerdings sehr selten und
setzt den Verlust der Mehrheit voraus,
beispielsweise bei Auflösung oder Bruch
einer Koalition. In der Geschichte des Bundespräsident auf Vorschlag des Bun­
Bundestages gab es daher bislang nur deskanzlers den Bundestag innerhalb
zwei Abstimmungen über konstruktive von 21 Tagen auflösen kann. Die Ver­
Misstrauensvoten: 1972 scheiterte die trauensfrage kann also den Weg für Neu­
CDU/CSU-Fraktion mit einem Antrag wahlen vor Ablauf der Wahlperiode frei­
gegen Willy Brandt (SPD), 1982 musste machen. Der Bundestag muss allerdings
­Helmut Schmidt (SPD) dem damali­gen nicht aufgelöst werden, wenn er mit der
Oppositionsführer der CDU/CSU, Mehrheit seiner Mitglieder einen neuen
Helmut Kohl, weichen. Kanzler wählt. Bislang wurde die Ver­
Der Bundeskanzler wiederum kann mit trauensfrage fünfmal gestellt, zuletzt
der Vertrauensfrage feststellen lassen, 2005 von Gerhard Schröder (SPD):
ob noch die Mehrheit der Abgeordneten Der Bundestag sprach ihm nicht das
seine Politik unterstützt. Versagt der ­Vertrauen aus, wodurch der Bundes­
Bundestag dem Kanzler die Mehrheit, präsident den Bundestag auflöste und
bestimmt das Grundgesetz, dass der Neuwahlen anordnete.

Die erste Regierungschefin der


Bundesrepublik: Der Bundestag
wählte 2013 erneut A­ ngela Merkel
(CDU/CSU), hier nach der Verei­
digung durch Bundestagspräsident
Norbert Lammert (CDU/CSU),
zur Bundeskanzlerin.

11
Zu den klassischen Aufgaben eines
Parlaments in einem demokratischen
Staat gehört die Kontrolle der Regierung.
Diese Rolle übernehmen vor allem die
Oppositionsfraktionen, die über keine
parlamentarische Mehrheit im Bundes­
tag verfügen. Aber auch die Mehrheits­
fraktionen kontrollieren die Bundesre­
gierung durch ihre Mitwirkung an den
parlamentarischen Prozessen. Die Bun­
desregierung muss den Bundestag regel­
mäßig über ihre Pläne und Absichten
informieren.
Ein zentrales Moment der Kontrolle ist
das Budgetrecht des Bundestages. Im
jährlichen Haushaltsgesetz stellt der
Bundestag Einnahmen und Ausgaben des
Staates fest, der Bundesfinanzminister
muss dem Parlament Rechnung legen.
Die Haushaltsdebatten sind zweifellos
ein Höhepunkt des Sitzungsjahrs. Bei
allen Auseinandersetzungen im Plenum
gilt auch hier: Die Regierungspolitik
steht auf dem Prüfstand und muss sich
gegenüber dem Parlament rechtfertigen.

Der Bundestag kontrolliert die Regierung

12
Dem Bundestag steht eine Vielzahl von
Instrumenten zur Verfügung, um die Re­ 553 Gesetze wurden verabschiedet,
gierungsarbeit zu kontrollieren. So kön­ und das Plenum kam zu 253 regulären
nen einzelne Abgeordnete schriftliche Sitzungen zusammen. Das Ausmaß der
Fragen an die Regierung stellen, und in parlamentarischen Arbeit wird auch
den Regierungsbefragungen und Frage­ daran deutlich, dass es insgesamt mehr
stunden des Bundestages müssen Regie­ als 14.000 Bundestagsdrucksachen
rungsvertreter den Abgeordneten direkt gab.
auf ihre Fragen antworten. Als scharfes Mittel der Regierungskon­
Zudem können die Fraktionen des Bun­ trolle haben sich die Untersuchungsaus­
destages die Regierung in Kleinen und schüsse erwiesen, die auf Antrag von
Großen Anfragen zu schriftlichen Aus­ mindestens 120 Bundestagsmitgliedern
künften über bestimmte Themen auffor­ ein­gesetzt werden können. Dort können
dern. Die Antworten auf Große Anfragen sich die Abgeordneten Regierungsakten
führen nicht selten zu parlamentarischen vorlegen lassen, Regierungsvertreter
Debatten, in denen die Regierung Rede als Zeugen vorladen und zum Unter­
und Antwort stehen muss. Vor allem suchungsthema verhören – manchmal
die Oppositionsfraktionen nutzen gern sogar vor laufenden Fernsehkameras.
das Instrument der Aktuellen Stunde, Eine Kontrollfunktion gegenüber der
um sich kritisch mit der Regierungs­ Regierung übt der Bundestag auch über
politik auseinanderzusetzen. In einer den Wehrbeauftragten aus, der vom
Aktuellen Stunde können Themen von Bundestag mit der parlamentarischen
allgemeinem aktuellen Interesse disku­ Kontrolle über die Streitkräfte beauftragt
tiert werden. Sie findet auf Verlangen ist. Er informiert das Parlament über den
einer Fraktion oder mindestens fünf Pro­ Zustand der Bundeswehr und schreitet
zent der Abgeordneten oder durch eine bei Grundrechtsverletzungen ein. Die
Vereinbarung im Ältestenrat statt. Bundeswehr wird häufig auch als Par­
In der 17. Wahlperiode (2009 bis 2013) lamentsarmee bezeichnet, denn bei
richteten die Mitglieder des Bundestages bewaffneten Auslandseinsätzen kann
20.141 schriftliche und 6.057 mündliche die Bundesregierung nicht ohne die
Fragen an die Bundesregierung. Zustimmung des Bundestages handeln.

Die Regierungsbank im Bundestag:


Die Kanzlerin und die Bundes­
minister müssen dem Parlament
Rede und Antwort stehen.

13
Bundestagsabgeordneter, ein Beruf wie
jeder andere? Sicherlich nicht, denn
Parlamentarier sind Abgesandte auf
Zeit; bei jeder Bundestagswahl müssen
sie sich erneut dem Wählervotum stellen.
Sie haben ein Mandat, also den Auftrag,
die Interessen der Bürgerinnen und Bür­
ger nach bestem Wissen und Gewissen
zu vertreten. Als Abgeordnete im Bun­
destag bekleiden sie ein hohes öffentli­
ches Amt, das mit Rechten, aber auch
mit vielen Regeln und Pflichten verbun­
den ist.
Grundsätzlich kann in der Bundesrepu­
blik Deutschland jeder Wahlberechtigte
für den Bundestag kandidieren. Dazu
wird er normalerweise von einer Partei
aufgestellt, deren politische Ziele er teilt.

Die Abgeordneten – Abgesandte des Volkes

14
Gewissensfreiheit und Kooperation

Die Arbeit im Parlament ist vielseitig.


Daher ist es wichtig, dass sich die Ab­
geordneten abstimmen und ihre Arbeit
koordinieren. Dafür sorgen die Fraktio­
nen: Als politische Zusammenschlüsse Aufträge und Weisungen nicht gebunden
von Abgeordneten bereiten sie Ent­ und ausschließlich ihrem Gewissen ver­
scheidungen des Bundestages vor und pflichtet. Diese Freiheit kam gerade bei
sind für die gesamte Parlamentsarbeit besonders wichtigen ­Abstimmungen
unerlässlich – ohne Fraktionen würde auch öffentlich zum Ausdruck, etwa bei
der Bundestag in Hunderte von Einzel­ Entscheidungen über Militäreinsätze,
interessen zerfallen. bei der Festlegung von Hauptstadt und
Fraktionen verfügen über eigene par­ Regierungssitz im Jahr 1991 oder auch
lamentarische Rechte. Sie können bei­ bei Abstimmungen über Regelungen
spielsweise Gesetzentwürfe und Anträge zum Schwangerschaftsabbruch und zur
einbringen, Aktuelle Stunden oder na­ Gentechnik.
mentliche Abstimmungen im Plenum Auch Abgeordnete, die keiner Fraktion
verlangen sowie Große und Kleine An­ angehören, haben neben dem Rede- und
fragen an die Bundes­regierung richten. Stimmrecht im Plenum eine Reihe von
Keiner der 630 Abgeordneten des Bun­ Rechten, die ihnen keine Mehrheit neh­
destages kann dazu gezwungen werden, men kann. Sie können etwa in Plenar­
sich der Meinung seiner Fraktion zu debatten Geschäftsordnungs- und Än­­­­-
­unterwerfen. Das ist im Grundgesetz de­rungsanträge stellen, Erklärungen zu
festgelegt: Artikel 38 garantiert das Abstimmungen abgeben, Anfragen an die
freie Mandat. Danach sind Abgeordnete Bundesregierung stellen oder in einem
Repräsentanten des ganzen Volkes, an Ausschuss beratendes Mitglied werden.

Die Entscheidung nach der


­Debatte: Abgeordnete bei einer
­namentlichen Abstimmung.

15
Zwischen Parlament und Wahlkreis
Alle Abgeordneten genießen zwei Privi­
legien: das Recht der Immunität und das Abgeordnete haben in der Regel zwei
der Indemnität. Immunität bedeutet, Arbeitsplätze: im Bundestag und im
dass gegen einzelne Abgeordnete nur Wahlkreis. Den Wahlkreis betreuen sie
mit Zustimmung des Bundes­tages ermit­ unabhängig davon, ob sie über einen
telt oder Anklage erhoben werden darf, Listenplatz oder als Direktkandidat in
es sei denn, der Abgeordnete wird bei den Bundestag gelangt sind. Sie stehen
Begehung einer Straftat oder am folgen­ den Bürgern Rede und Antwort, wirken
den Tag festgenommen. Die Immunität oft in der Kommunalpolitik mit und
ist auf die Dauer der Mitgliedschaft im berichten über ihre Abgeordnetentätig­
Bundestag begrenzt und kann nur auf keit. In regelmäßigen Sprechstunden
Beschluss des Bundestages aufgehoben machen sie sich ein Bild von den Pro­
werden. Indemnität bedeutet, dass blemen und Interessen der Menschen
­Abgeordnete zu keiner Zeit wegen Ab­ vor Ort und bringen dies in ihre Arbeit
stimmungen oder Äußerungen im Bun­ in Berlin ein.
destag, in der Fraktion oder in einem Die Themen des Wahlkreises sollen
Ausschuss gerichtlich oder dienstlich auch in der Hauptstadt nicht zu kurz
verfolgt oder sonst außerhalb des Par­ kommen. In Sitzungswochen wartet
laments zur Verantwortung gezogen zwar ein besonders enger Terminplan
­werden dürfen. Davon ausgenommen auf die Parlamentarier. Doch in jeder
sind verleumderische Beleidigungen. Fraktion gibt es Landesgruppen, in
Mit diesen Rechten soll vor allem die denen sich die Abgeordneten über die
Arbeitsfähigkeit des Parlaments sicher­ politischen Fragen austauschen, die ihr
gestellt werden. Bundesland oder ihre Region betreffen.

Anwesenheitspflicht: An Sitzungs­
tagen müssen sich die Abgeord­
neten in die Anwesenheitsliste
eintragen.

16
Keine Zeit für Medienspektakel

Immer von einer Talkshow zur anderen


– das ist ein weit verbreitetes, aber un­
zutreffendes Bild vom Abgeordneten­
alltag. Auch sind Fernsehzuschauer oft
irritiert, wenn sie eine Bundestagssit­
zung beobachten, bei der das Plenum
nur halb besetzt ist. Dabei werden die Die Anwesenheit im Plenarsaal ist für
vielfältigen Aufgaben der Parlamentarier einen Abgeord­neten vor allem gefragt,
von der Öffentlichkeit selten wahrge­ wenn wich­tige Themen seines Aus­
nommen. Tag für Tag gehen Gesetzesvor­ schusses oder seines Wahlkreises an­
lagen, Änderungsanträge, Anfragen und stehen, bei grund­legenden Debatten
Regierungsantworten, Stellungnahmen oder Regierungs­erklärungen und in
und Berichte zu den aktuellen Themen jedem Fall bei ­Ab­stimmungen.
über die Tische der Abgeordneten. Mehr als 14.000 Drucksachen gibt
Der größte Teil der Gesetzesarbeit findet es in einer Wahlperiode. Sie müssen
in den Ausschüssen statt. Nach dem gelesen, verarbeitet und in Arbeits­
Prinzip der Arbeitsteilung organisieren gruppen, Fraktionen und Ausschüssen
sich die Abgeordneten in Ausschüssen, beraten werden, bis über viele von
Unterausschüssen und Arbeitsgruppen. ihnen im Plenum entschieden wird.
Hinzu kommen zahlreiche Gesprächs­ Statt Reden im Plenarsaal zu halten,
termine mit Sachverständigen, Bürgern ­suchen die Abgeordneten oft im Hinter­
oder Journalisten. grund Lösungen und Kompromisse.

Arbeiten unter den Augen


der ­Öffentlichkeit: Die Medien
­beobachten das G­ eschehen im
Bundestag genau.

17
Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag

8.00 Besprechung Pressetermin Büroarbeit

9.00
Anreise aus Sitzung der Ausschuss­ Plenarsitzung Plenarsitzung
dem Wahlkreis Arbeitsgruppen, sitzung (ganztägig),
Arbeitskreise, regelmäßig zwei
10.00 Arbeitsgemein­ Kernzeitdebatten
schaften und anschlie­
ßend weitere
11.00 Aussprachen,
eventuell
12.00 Aktuelle Stunde

Treffen Plenarsitzung parallel dazu:


13.00 mit Regierungs­
Projektgruppe, Besuchergruppe
Parlamentsgruppe befragung, Frage­ aus dem Wahl-
14.00 Büroarbeit stunde, Aktuelle
kreis, Pressege-
Stunde (nach
Bedarf)
spräch, Büroarbeit
Sitzungsvorbe­ Fraktionssitzung Pressetermin,
15.00 reitung, Treffen Weiterführung Treffen mit Ver-
der Arbeitsgrup­ der Ausschuss­ bandsvertretern,
16.00 pen, Arbeits­ sitzung Wissenschaftlern
kreise

17.00 Sitzung des Abreise in den


Fraktionsvor­ Wahlkreis
stands
ausnahmsweise
18.00 Gremiensitzung

19.00 Politische Gespräche Abendveranstal-


tungen (Podiums-
Sitzung der diskussionen, Besuchergruppe Abendveran-
20.00 Vorträge)
Landesgruppe aus dem Wahl- staltung im
kreis Wahlkreis
21.00

22.00

Voller Terminplan:
die Sitzungswoche.

18
Die Sitzungswoche

Für einen reibungslosen Ablauf braucht


die Arbeit in der Sitzungswoche eine
klare Struktur mit festen Terminen.
Nach der Anreise aus dem Wahlkreis
bereiten sich die Abgeordneten am Mon­
tag mit ihren Mitarbeitern auf die Parla­
mentswoche vor, legen Aktivitäten und Rede und Gegenrede –
Schwerpunkte fest. Montagnachmittag die Redezeiten im Plenum
tagen die Fraktionsvorstände und die
Führungsgremien der Parteien. Wer wie lange in den Plenarsitzungen
Am Dienstag kommen die Fraktionen reden darf, richtet sich nach den Stärken
zusammen und diskutieren die anste­ der Fraktionen. Bei einer einstündigen
henden Themen. Am Vormittag tagen Debatte im 18. Bundestag hat die
die Arbeitsgruppen der Fraktionen und CDU/CSU 27 Minuten Redezeit, die
bereiten die Ausschusssitzungen vor, SPD 17, Die Linke und Bündnis 90 /
die in der Regel mittwochs stattfinden. Die Grünen je acht Minuten. Die Ver­
Die ständigen Ausschüsse mit ihren Mit­ teilung auf die einzelnen Rednerinnen
gliedern aus allen Fraktionen sind der und Redner regeln die Fraktionen selbst;
Ort, an dem die Facharbeit geleistet der Ältestenrat legt im Vorfeld die Stun­
wird. Hier präsentieren die Fraktionen denanzahl für jeden einzelnen Tages­
ihre Ansichten zu Gesetzesvorhaben, ordnungspunkt fest.
ringen um Kompromisse und bereiten Der Sitzungspräsident achtet auf die
mehrheitsfähige Lösungen vor. Ab­ Einhaltung der Redezeit und des Prin­
schließend diskutiert und abgestimmt zips von Rede und Gegenrede. Er kann
wird dann in den öffentlichen Plenar­ Rednern auch das Wort entziehen und
sitzungen donnerstags und freitags. sogar notfalls das Mikrofon abstellen.

Rede und Gegenrede: Der Sitzungs­


präsident wacht über die Einhal­
tung der Redezeit.

19
Fachgespräche der Parlamentarier
im Plenum: Abgeordnete am
­Rande einer Plenarsitzung.

20
Die festen Termine in den Sitzungs­
wochen bilden den Arbeitsrahmen.
Die Mitarbeit in Fraktions-, Ausschuss-
und Plenarsitzungen wird ergänzt durch
viele andere Termine wie Fachkonferen­
zen, Vorträge und Gespräche mit der
Presse oder mit Verbandsvertretern. eingerichtetes Büro im Bundestag und
­Außerdem kommen oft Besucher- oder die Möglichkeit, für die Abgeordne­­-
Schülergruppen aus dem Wahlkreis, ten­tätigkeit Verkehrsmittel im Inland
die ihre Abgeordneten treffen möchten. zu nutzen. Hinzu kommt eine steuer­
freie Kostenpauschale von zurzeit rund
4.300 Euro, mit der etwa das Wahl­
Büros, Diäten, Pauschalen – kreisbüro und der zweite Wohnsitz in
die Arbeitsgrundlagen Berlin finanziert werden. Über eine Mit­
arbeiterpauschale bezahlen die Abgeord­
Für die Abgeordnetentätigkeit auf Zeit neten ihre Mitarbeiter (Assistenten und
gilt, dass niemand berufliche Nachteile Bürokräfte) in Berlin und im Wahlkreis­
in Kauf nehmen soll, wenn er ins Parla­ büro. Für ihr Mandat erhalten die Ab­
ment gewählt wird und dort seine viel­ geordneten steuerpflichtige Entschädi­
fältigen Aufgaben verantwortungsvoll gungen, die sogenannten Diäten. Die
erfüllen soll. Daher steht allen Abgeord­ Höhe der Diäten wird durch Gesetz be­
neten eine Amtsausstattung aus Sach- schlossen. Sie beträgt seit 2016 monat­
und Geldmitteln zu. Dazu zählen ein lich rund 9.300 Euro.

21
Der Bundestagspräsident

Der Bundestagspräsident ist der höchste


Repräsentant des Parlaments. Zusam­
men mit seinen Stellvertreterinnen und
Stellvertretern bildet er das Präsidium
als oberstes Gremium des Bundestages.
Nach dem Staatsoberhaupt, dem Bun­
despräsidenten, nimmt der Bundestags­
präsident in der protokollarischen Rei­
henfolge den zweiten Platz ein, noch vor
der Bundeskanzlerin und den Präsiden­
ten anderer Verfassungsorgane. Darin
drückt sich der Vorrang der gesetzgeben­
den Gewalt (Legislative) vor der ausfüh­
renden Gewalt (Exekutive), also des
Bundestages vor der Regierung aus.
Der Bundestagspräsident steht dem Bun­
destag vor und regelt mit seinen Stell­
vertretern und dem Ältestenrat die Ge­
schäfte des Bundestages. Er wahrt die

Wichtige Organe und Gremien des Bundestages

22
Rechte des Parlaments und vertritt es
nach außen. Der Bundestagspräsident
besitzt das Hausrecht und die Polizeige­
walt im Parlament und trifft gemeinsam
mit seinen Stellvertretern die wesent­
lichen Personalentscheidungen bei der
Verwaltung des Bundestages. Er wird für
die Dauer der Wahlperiode gewählt und
leitet im Wechsel mit seinen Stellvertre­
terinnen und Stellvertretern die Plenar­ Das Bundestagspräsidium
sitzungen.
Besonders deutlich werden seine Stellung Der Bundestagspräsident und seine
und die seiner Stellvertreter als Vorsit­ Stellvertreterinnen und Stellvertreter
zende bei den Plenarversammlungen des bilden das Bundestagspräsidium. Es
Parlaments. Hier gilt vor allem das Gebot, wird für die Dauer der Wahlperiode
die Beratungen gerecht und unparteiisch ­gewählt. Die Präsidiumsmitglieder
zu leiten, auf die Einhaltung der Debatten­ ­können nicht durch einen Bundestags­
spielregeln zu achten, für eine sachge­ beschluss abberufen werden. Das Präsi­
mäße Erledigung der Aufgaben zu sorgen dium tritt regelmäßig in jeder Sitzungs­
und die Ordnung im Hause zu wahren. woche des Bundestages zusammen, um
Verletzt ein Abgeordneter die parlamen­ Angelegenheiten zu beraten, die die
tarische Ordnung, kann der Bundestags­ ­Leitung des Hauses betreffen. Die Stell­
präsident eine Rüge oder einen Ordnungs­ ver­treterinnen und Stellvertreter von
ruf erteilen, das Wort entziehen, ein Bundestagspräsident Norbert Lammert
Ordnungsgeld verhängen oder den Ab­ (CDU/CSU) in der 18. Wahlperiode
geordneten für bis zu 30 Sitzungstage sind Ulla Schmidt (SPD), Michaela Noll
von den Verhandlungen ausschließen. (CDU/CSU), Edelgard Bulmahn (SPD),
Bundestagspräsident in der 18. Wahl­ Johannes ­Singhammer (CDU/CSU),
periode ist erneut Norbert Lammert Petra Pau (Die Linke) und Claudia Roth
(CDU/CSU). (Bündnis 90 / Die Grünen).

Das Präsidium des


18. Bundes­tages:
Norbert Lammert (CDU/CSU),
Ulla Schmidt (SPD),
Michaela Noll (CDU/CSU),
Edelgard Bulmahn (SPD),
Johannes Singhammer (CDU/CSU)
Petra Pau (Die Linke),
­Claudia Roth (Bündnis 90 / 
Die Grünen).

23
Die Fraktionen
Der Ältestenrat
Fraktionen sind die politischen Motoren
Bei der Regelung der Bundestagsan­ des Bundestages; sie bilden in ihrer
gelegenheiten steht dem Präsidium ­Größe und Zusammensetzung das Ergeb­
der nach dem Stärkeverhältnis der Frak­ nis der Bundestagswahl ab. Die Arbeit
tionen zusammengesetzte Ältestenrat im Bundestag wird maßgeblich von den
zur Seite. Dabei handelt es sich nicht Fraktionen bestimmt. Mindestens fünf
um die ältesten Mitglieder des Hauses, Prozent der Bundestagsmit­glieder sind
sondern um erfahrene Abgeordnete. nötig, um eine Fraktion bilden zu
Der Ältestenrat, in dem der Präsident ­können.
den Vorsitz führt, besteht aus den Mit­ Fraktionen sind formal wichtig, da ent­
gliedern des Bundestagspräsidiums und sprechend ihrer Stärke der Ältestenrat
23 weiteren Mitgliedern. An seinen Sit­ und die Ausschüsse des Parlaments
zungen nimmt auch ein Vertreter der sowie die Vorsitze in den Ausschüssen
Bundesregierung teil. bestimmt werden. Aber auch inhaltlich
Der Ältestenrat unterstützt den Präsiden­ sind die Fraktionen wichtig: einerseits
ten bei der Führung der Geschäfte und als Bindeglieder zwischen den politischen
beschließt über innere Angelegenheiten Bestrebungen überall im Land und der
des Bundestages, soweit sie nicht dem praktischen Umsetzung im Parlament,
Präsidenten oder dem Präsidium vor­ andererseits als Vorbereiter der Bundes­
behalten sind. Die wichtigste Aufgabe tagsbeschlüsse. Dazu bilden sich inner­
des Ältestenrats besteht darin, den halb der einzelnen Fraktionen Arbeits­
Arbeitsplan des Bundestages und die kreise und Arbeitsgruppen, die die
­Tagesordnung für die Plenarsitzungen ­Themen in den Fachausschüssen be­­
aufzustellen. Außerdem soll er sich mit gleiten und die Haltung der Fraktion
Streitfragen, die mit der Würde und ­vorbereiten. Deshalb hat nicht nur jeder
den Rechten des Hauses oder mit der Abgeordnete Mitarbeiter für die eigene
Aus­legung der Geschäftsordnung zu Arbeit. Auch die Fraktion greift auf
tun haben, befassen und sie möglichst Referenten zurück, die erkunden und
schlichten. beraten.

Die Fraktionsvorsitzenden der


18. Wahlperiode:
Volker Kauder (CDU/CSU),
Thomas Oppermann (SPD),
Sahra Wagenknecht (Die Linke),
und Dietmar Bartsch (Die Linke)
sowie Katrin Göring-Eckardt
(Bündnis 90 / Die Grünen) und
Anton ­Hof­reiter (Bündnis 90  /  
Die Grünen).

24
Die Fraktionsebene im Reichstags­
gebäude: Fraktionen sind wichtige
Schaltstellen des Parlaments.

25
Als Zusammenschlüsse aller Abgeord­
neten einer Partei – oder wie im Fall
der CDU/CSU verwandter Parteien –
sind Fraktionen im parlamentarischen
Getriebe wichtige, oft ausschlaggebende
Schaltstellen. Nicht nur, dass sie zum Ausschüsse
Beispiel über neue Gesetzentwürfe oder
die politische Marschroute für die Ple­ Zur Vorbereitung seiner Beschlüsse setzt
nardebatten entscheiden. Vielmehr sind der Bundestag Ausschüsse ein. In der
sie oft auch so etwas wie „Parlamente 18. Wahlperiode gibt es 23 ständige Aus­
im Parlament“. Auch wenn die Mitglie­ schüsse, denen zwischen 14 und 46 or­
der einer Fraktion in ihrer politischen dentliche Mitglieder und eine gleiche
Grundhaltung übereinstimmen, so gibt es Anzahl von Stellvertretern angehören.
im Einzelnen doch immer wieder viele Die Ausschüsse sind Organe des ganzen
Meinungen. Im Stadium der Diskussion Parlaments. Sie setzen sich deshalb nach
und Willensbildung sind die Fraktionen dem Stärkeverhältnis der Fraktionen
noch nicht unbedingt geschlossener ­zusammen, die sich ihrerseits darüber
Meinung. So kommt es, wie im Plenum verständigen, wie viele Ausschüsse ein­
zwischen den einzelnen Fraktionen, gesetzt werden, welche Aufgaben sie
auch innerhalb der Fraktionen immer ­erhalten und wie viele Mitglieder sie
wieder zu lebhaften und manchmal zählen sollen. Vier Ausschüsse schreibt
recht gegensätzlichen Debatten, bevor allerdings das Grundgesetz vor: den
die verschiedenen Standpunkte geklärt Ausschuss für Verteidigung, den Aus­
und möglichst auf einen Nenner gebracht wärtigen Ausschuss, den Ausschuss
sind. Auch das macht die Fraktionen für die Angelegenheiten der Euro­
im politisch-parlamentarischen Prozess päischen Union und den Petitions­
zu entscheidenden Stationen. ausschuss.

So arbeiten die Ausschüsse


des Bundestages.

26
Plenum

Plenum überweist Plenum überweist die Plenum überweist die


die Vorlage nach Vorlage ganz oder teil­ Vorlage zur Mitberatung,
der 1. Lesung des weise zurück, wenn wenn die Vorlage mehr
Gesetzentwurfs beispielsweise umfang­ als ein Sachgebiet betrifft
reiche Änderungen
angenommen wurden

federführender
Ausschuss gibt
eine Beschluss­
empfehlung für
die 2. Lesung
im Plenum

federführender mitberatender
Ausschuss Ausschuss
berät den Gesetzentwurf Stellungnahme erarbeitet eine Stellung-
im Detail, erarbeitet nahme, die der feder-
eine mehrheitsfähige führende Ausschuss
Beschlussvorlage für berücksichtigen muss
das Plenum

Unterausschuss bereitet Ausschuss überweist


eine Beschlussvorlage eine Beschlussvorlage
oder Entscheidung vor an Unterausschuss

Zur parlamentarischen
Kontrolle der Bundes-
regierung verfügen die
Ausschüsse außerdem über
ein Selbstbefassungsrecht:
Sie können auch ohne Auf-
Unterausschuss trag des Plenums Fragen
kann für bestimmte Teil­ aus ihrem Zuständigkeits-
gebiete eingesetzt werden bereich behandeln.

27
stand durch Anhörungen (Hearings)
­heranziehen. Als Ergebnis liefern sie
­Beschlussempfehlungen, auf deren
Grundlage der Bundestag das Gesetz
Die Ausschüsse des Bundestages spie­ verabschiedet.
geln inhaltlich in der Regel die Aufga­
ben der Bundesministerien – auch das
dient der parlamentarischen Kontrolle Untersuchungsausschüsse
der Bundesregierung. Doch es gibt auch
Ausnahmen, mit denen der Bundestag Ein bedeutsames Mittel des Bundestages
eigene politische Schwerpunkte setzt. zur Kontrolle der Bundesregierung ist
Das sind beispielsweise die Ausschüsse das Recht, Untersuchungsausschüsse
für Wahlprüfung, Immunität und Ge­ einzurichten (Artikel 44 des Grundgeset­
schäftsordnung, für Menschenrechte zes). Auf Verlangen von mindestens
und humanitäre Hilfe, für Tourismus 120 Abgeordneten ist der Bundestag hier­
und für Sport. Die Ausschüsse tagen zu sogar verpflichtet. Untersuchungsaus­
in der Regel nicht öffentlich. schüsse prüfen mög­liche Missstände
Die Arbeit an neuen Gesetzen findet in Regierung und Verwaltung oder ein
vor allem in den Ausschüssen statt. Sie mögliches Fehlver­halten von Politikern.
bereiten die Plenarverhandlungen des Dazu können sie Zeugen und Sachver­
Bundestages vor und erstellen mehr­ ständige vernehmen und sich Akten vor­
heitsfähige Beschlussvorlagen. In den legen lassen. Das E­ rgebnis fasst der Un­
Ausschüssen konzentrieren sich die tersuchungsausschuss in einem Bericht
Abgeordneten auf ein Teilgebiet der an das Plenum zusammen. Um eine
Politik. Sie beraten alle ihnen vom Ple­ wirksame parlamentarische Kontrolle
num überwiesenen Gesetzentwürfe und der Streitkräfte zu gewährleisten, hat
versuchen, im Ausschuss einen Kom­ der Verteidigungsausschuss jederzeit
promiss zu finden. Wenn nötig, können das Recht, sich als Untersuchungsaus­
die Ausschüsse auch externen Sachver­ schuss zu konstituieren.

Expertenmeinung gefragt:
Anhörungen von ­Sachverständigen
sind Teil der Ausschussarbeit.

28
Enquetekommissionen

Auf Antrag von mindestens 120 Abge­


ordneten ist der Bundestag verpflichtet,
zur Vorbereitung von Entscheidungen
über umfangreiche und bedeutsame
Themen Enquetekommissionen einzu­
setzen. ­Enquetekommissionen bestehen
aus ­Abgeordneten und externen Sach­
verständigen. Sie legen dem Bundestag
Berichte und Empfehlungen vor.
Wehrbeauftragter

Petitionsausschuss Jede Soldatin und jeder Soldat hat die


Möglichkeit, sich mit Beschwerden
Über Petitionen kann jeder in Deutsch­ direkt und ohne Einhaltung des Dienst­
land die Politik oder die Gestaltung des wegs an den Wehrbeauftragten des
gesellschaftlichen Zusammenlebens be­ Deutschen Bundestages zu wenden.
einflussen. Damit steht jedem ein direk­ In der Regel wird der Wehrbeauftragte
ter Weg zum Parlament offen. Das Peti­ immer dann tätig, wenn ihm Umstände
tionsrecht ist ein Grundrecht und seit bekannt werden, die auf eine Verletzung
1949 im Grundgesetz verankert. Bitten der Grundrechte der Soldaten schließen
oder Beschwerden an den Bundestag lassen. Er prüft auf Weisung des Bundes­
­gehen an den Petitionsausschuss, der tages oder des Verteidigungsausschusses
die Petitionen prüft und berät. Wie bestimmte Vorgänge oder handelt aus
sich Gesetze auf den Bürger auswirken, alleiniger Verantwortung. Der Wehr­
erfährt der Petitionsausschuss so aus beauftragte ist somit ein Hilfsorgan
­erster Hand. Er kann dem Bundestag des Bundestages zur parlamentarischen
­unter anderem vorschlagen, die Petition Kontrolle der Streitkräfte. Einmal im
der Bundesregierung zur Berücksichti­ Jahr berichtet der Wehrbeauftragte dem
gung, zur Erwägung oder als Material Bundestag über das Ergebnis seiner
zu überweisen. Arbeit.

Anwalt der Soldaten: Der Wehr­


beauftragte Hans-Peter Bartels
wird von Bundes­tagspräsident
Norbert Lammert (CDU/CSU)
vereidigt.

29
Alle Staatsgewalt geht in der Demokratie
vom Volk aus; die Wählerinnen und
Wähler geben ihre Macht auf Zeit an die
Volksvertreter ab. Wer das Land regiert,
wer die Gesetze macht – alles hängt von
zwei Kreuzen ab, die die Wahlberechtig­
ten auf ihrem Stimmzettel machen.
Bei den Wahlen zum 18. Deutschen
Bundestag am 22. September 2013 waren
alle Deutschen wahlberechtigt, die am
Wahltag mindestens 18 Jahre alt waren.

Die Wahl zum Bundestag

30
Zur Wahl stellen kann sich jeder min­
destens 18 Jahre alte deutsche Staatsbür­
ger. Alle, die in den Bundestag gewählt
werden, erhalten vom Bürger ein Man­
dat (lateinisch mandare = auftragen,
übergeben, anvertrauen). Sie sind Beauf­
tragte des Volkes für eine begrenzte Zeit,
bis ein neuer Bundestag gewählt wird.
Bei jeder Bundestagswahl haben die Parteienkoalition im Bundestag so stark
Wähler zwei Entscheidungen zu treffen. wird, dass sie aus ihrer Mitte den Bun­
Mit der Erststimme legen die Wähler deskanzler oder die Bundeskanzlerin
fest, wer sie persönlich in Berlin vertre­ wählen kann. Jede Partei kann sich um
ten soll. Jeder Kandidat, der in seinem Sitze im Bundestag bewerben, indem sie
Wahlkreis die Mehrheit der Erststimmen in einem oder mehreren Bundesländern
erhält, kommt so mit einem Direktman­ die Kandidaten, die sie für geeignet hält,
dat in den Bundestag. auf Landeslisten in einer Reihenfolge
Die Bundesrepublik ist in 299 Wahl­ festlegt. Hat eine Partei nach dem Anteil
kreise aufgeteilt, vom schleswig-holstei­ der Zweitstimmen in einem Bundesland
nischen Flensburg (Wahlkreis 1) bis zum zehn Mandate erzielt und im selben
saarländischen Homburg (Wahlkreis 299). Land vier Direktmandate errungen, blei­
Entscheidend für das Kräfteverhältnis ben sechs Sitze, die die Partei mit Kan­
der Parteien im Bundestag ist die Zweit­ didaten der Landesliste besetzt. Aller­
stimme. Durch dieses Kreuz bestimmen dings gilt für die zur Wahl stehenden
die Wähler, welche Partei oder welche Parteien die Fünfprozentsperrklausel:

Direktmandat, Listenplatz,
­Überhangmandat, Ausgleichs­
mandat: Die 630 Abgeordneten
des 18. Bundestages kommen
im Reichstagsgebäude in Berlin
­zusammen.

31
Jede Partei muss bundesweit mindestens
fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten,
wenn sie in den Bundestag einziehen
will. Eine Ausnahme: Erringt eine Partei Überhangmandate entstehen, wenn eine
mindestens drei D­ irektmandate, zieht Partei über die gewonnenen Erststimmen
sie unabhängig von der Sperrklausel mit mehr Kandi­daten in den Bundestag ent­
dem Anteil der erzielten Zweitstimmen senden kann, als ihr nach der Anzahl
ein. Die Sperrklausel soll eine Zersplit­ der Zweitstimmen in einem Bundesland
terung des Parteiensystems verhindern, zustehen. Seit der Bundestagswahl 2013
die das Parlament schwächen könnte. werden diese Überhangmandate aber
Grundsätzlich wird die Hälfte der Bun­ durch die Vergabe zusätzlicher ­Sitze
destagsmandate über die Landeslisten (Ausgleichsmandate) in dem Maße
vergeben, die zweite Hälfte über die ­ausgeglichen, dass am Ende die Sitz­
­Direktmandate. So wurden 598 der ins­ verteilung nach dem Verhältnis der
gesamt 631 Abgeordnetensitze (zu Be­ Zweitstimmen gewahrt bleibt. In der
ginn der Wahlperiode) im 18. Deutschen 18. Wahlperiode ­entfallen daher 13 Aus­
Bundestag besetzt. Die zusätzlichen gleichsmandate auf die CDU, zehn auf
33 Sitze beruhten auf vier Überhangman­ die SPD, vier auf Die Linke und zwei
daten und 29 Ausgleichsmandaten. auf Bündnis 90 / Die Grünen.

So wird der Bundestag gewählt.

32
Stimmzettel
Erststimme Kandidat Zweitstimme Partei

A Direktmandat Landesliste mit Kandidaten 1


B Direktmandat Landesliste mit Kandidaten 2
C Direktmandat Landesliste mit Kandidaten 3

Mehrheitswahl Verhältniswahl

Wahlkreiskandidaten Landeslisten
(Erststimme) (Zweitstimme)

Der Anteil der Zweitstimmen


entscheidet über die Anzahl
Direktmandate der Sitze einer Partei. Kandidaten der Landesliste

299 332*
Abgeordnete 631* Abgeordnete
Sitze

* Einschließlich vier Überhang­


mandate und 29 Ausgleichs­
mandate zu Beginn der 18. Wahl­
periode. Nach dem Ausscheiden
eines Mitglieds der CDU/CSU-
Fraktion war die entsprechende
Landesliste erschöpft, und der Sitz
wurde nicht nachbesetzt. Daher
beträgt die aktuelle Sitzzahl 630.

33
34
35
Am 20. Juni 1991 beschloss der Deut­
sche Bundestag, Parlament und Regie­
rung nach Berlin zu verlegen. Sitz des
Parlaments sollte nach einem Beschluss
im Ältestenrat das Reichstagsgebäude
sein. Nach internationalen Architektur­
wettbewerben entstand im Berliner
Spreebogen ein neues Parlamentsvier­
tel, dessen Wahrzeichen das umge­
staltete Reichstagsgebäude mit seiner
gläsernen und begehbaren Kuppel ge­
worden ist. Jedes Jahr besuchen rund
drei Millionen Menschen aus aller Welt
die Häuser des Bundestages in Berlin.
Rund um das Reichstagsgebäude sind
drei Parlamentsneubauten entstanden:
das Jakob-Kaiser-Haus, das Paul-Löbe-
Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-
Haus. Sie vereinen repräsentative und
transparente Architektur mit hoher
Funktionalität und innovativer, um­
weltschonender Technologie.

Die Parlamentsgebäude

36
Zentrum der parlamentarischen
Demokratie in Deutschland:
das Reichstagsgebäude in Berlin.

37
Das Reichstagsgebäude

Ein imposanter Bau mit wuchtigen


­Fassaden – das Reichstagsgebäude be­
eindruckt schon beim ersten Anblick.
Im Inneren finden seine Besucher eine
moderne Ausstattung, die dem neuesten
Stand der technischen Möglichkeiten Die Plenarsaalebene im ersten Stock,
entspricht. Dem britischen Architekten ­erkennbar an der Türfarbe Blau, ist den
Norman Foster ist es gelungen, den Abgeordneten, ihren Mitarbeitern, Mit­
­historischen Mantel des Reichstagsge­ gliedern der Bundesregierung und in
bäudes zu erhalten und gleichzeitig der Westlobby den Medienvertretern
die Räumlichkeiten für ein modernes, vorbehalten.
weltoffenes Parlament zu schaffen. Die Rund um den Plenarsaal ist Platz für
äußere Gestalt des Reichstagsgebäudes das parlamentarische Leben neben dem
hat sich nicht verändert. Doch moderne Plenum. Da sind zunächst die Wandel­
Elemente wurden integriert, alte Archi­ hallen (die klassische Lobby), eine
tektur verbindet sich mit futuristisch ­Präsenzbibliothek und die Ostlobby.
anmutenden Formen, Verspieltes und ­Außerdem gibt es Aufenthaltsräume
kühle Funktionalität ergänzen sich in für Regierungsmitglieder sowie einen
neuer Harmonie. Raum zur Auszählung der Stimmen
Das Keller- und das Erdgeschoss um­ bei namentlichen Abstimmungen oder
fassen Einrichtungen des Parlaments­ geheimen Wahlen.
sekretariats sowie Haustechnik und Ver­ Herzstück des Reichstagsgebäudes ist
sorgungsinstallationen. Darüber liegt die der Plenarsaal mit seinen 1.200 Quadrat­
Plenarsaalebene mit dem großen Saal für metern. Er reicht mit seiner Höhe von
die Vollversammlung der Abgeordneten. 24 Metern praktisch durch das ganze
Es folgt die Besucherebene, dann die Haus und ist von fast allen um ihn
Präsidialebene, darüber der Bereich für he­rum gruppierten Stockwerken wie
die Bundestagsfraktionen und schließ­ auch aus den Lichthöfen und vielen
lich die Dachterrasse und die Kuppel. anderen Blickwinkeln einsehbar.

38
Reichstagsblue: Die Farbe der
Stühle im Plenarsaal wurde eigens
für den Bundestag entworfen.

39
Gegenüber dem Präsidentenpodest er­
strecken sich dann die Abgeordneten­
sitze, geordnet nach den Fraktionen.
Plenum und Sitzordnung Vom Präsidenten aus gesehen beginnen
Für die Besucher der Plenarsitzungen sie rechts mit den Plätzen für die Parla­
ist im Reichstagsgebäude ein Zwischen­ mentarier der CDU/CSU-Fraktion. Es
geschoss über der Plenarsaalebene ange­ folgen in der Mitte die Abgeordneten
legt. Einen hervorragenden Blick auf die der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen.
Arbeit der Abgeordneten hat man auf Links daneben nehmen die Abgeordne­
den Besuchertribünen im Plenarsaal. ten der SPD Platz, und ganz außen links
Sechs im Halbkreis angeordnete Tribü­ befinden sich die Plätze der Fraktion
nen bieten insgesamt etwa 430 Plätze Die Linke (siehe Grafik Seite 5).
für Besucher, offizielle Gäste des Bun­ Auf der Besucherebene, erkennbar an
des­tages und Journalisten. Von hier dunkelgrünen Türen, befinden sich au­
fällt der Blick auf den vor der gläsernen ßerdem Vortrags- und Informationssäle
Stirnwand des Plenums hängenden für Gespräche der Abgeordneten mit
Bundestagsadler. Zu seinen Füßen be­ ihren Besuchern.
finden sich die Plätze des Sitzungsvor­
stands. Dieser setzt sich zusammen aus Präsidium und Fraktionen
dem Präsidenten des Deutschen Bundes­ Über der Besucherebene befinden
tages oder einem seiner Stellvertreter sich im zweiten Obergeschoss mit den
und den beiden Schriftführern – je ein burgunderroten Türen die Räume des
Abgeordneter aus den Koalitions- und Bundestagspräsidenten und seiner Mit­
den Oppositionsfraktionen. Davor befin­ ar­beiter, die Büros der Leitungsebene
den sich das Rednerpult und die Bank der Bundestagsverwaltung und der
der Stenografen. Sitzungssaal des Ältestenrats.
Von den Besuchertribünen aus gesehen Im dritten Obergeschoss, erkennbar
sind links vom Sitzungspräsidenten die an grauen Türen, haben die Fraktionen
Plätze für die Regierung und rechts die ihren Platz; hier liegen die Sitzungssäle
des Bundesrats. Zwischen Bundesrat der Fraktionen, Vorstandsräume und
und Sitzungspräsidium hat der Wehrbe­ die Presselobby, die auch für Empfänge
auftragte des Bundestages seinen Platz. genutzt werden kann.

Burgunderrot: Von der Präsidial­


ebene fällt der Blick direkt in den
Plenarsaal.

40
Publikumsmagnet Kuppel
Über der Fraktionsebene des Reichstags­
gebäudes erstreckt sich die Dachterrasse.
Von dort aus gelangt man in die Kuppel, die Energie aus der Abluft des Plenar­
die 40 Meter im Durchmesser misst saals nutzt, um das Gebäude zu heizen.
und einen Rundblick über Berlin aus Auf dem Süddach des Hauses dient
47 Metern Höhe bietet. Die Kuppel ist eine 300 Quadratmeter große Fotovoltaik­
am unteren und oberen Rand offen und anlage als saubere Stromquelle. Ähnli­
wirkt wie eine schwebende Raumhülle – che Anlagen sind auf den Dächern des
der Scheitel liegt 54 Meter über Straßen­ Paul-Löbe-Hauses und des Jakob-Kaiser-
niveau. Vom Kuppelfuß aus kann man Hauses angebracht.
bei günstigen Lichtverhältnissen auch Kernstück des Ökokonzepts sind die
in den Plenarsaal hinuntersehen. Blockheizkraftwerke des Parlaments­
viertels. Ihre Motoren arbeiten mit Bio­
Ökologisch auf der Sonnenseite diesel, der aus Raps gewonnen wird.
Das Reichstagsgebäude und die um­ Nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-
liegenden Häuser des Bundestages sind Kälte-Kopplung wird die Wärme, die bei
mit umweltschonender und ressourcen­ der Stromerzeugung entsteht, zum Heizen
sparender Technik ausgestattet. Das von der Parlamentsgebäude genutzt. Durch
Bundestag und Bundesregierung vorge­ diese Technik können die Kraftwerke für
gebene Energiesparkonzept wurde in die Parlamentsbauten rund 50 Prozent
die bauliche Modernisierung und Neu­ der Elektroenergie und 100 Prozent der
gestaltung integriert. Wärme- und Kälteenergie liefern. Nicht
Im Reichstagsgebäude sorgt in der Mitte gebrauchte Abwärme kann für die Kälte­
der Glaskuppel der rüsselförmige Trich­ erzeugung in einer Absorptionskälte­
ter mit seinen 360 Spiegeln dafür, dass maschine oder im Sommer als warmes
das Tageslicht in den Plenarsaal fällt. Wasser in einer rund 300 Meter tief
In diesem Trichter verborgen, arbeitet ­gelegenen Erdschicht gespeichert und
eine Wärmerückgewinnungsanlage, die im Winter zurückgespeist werden.

Dem Parlament aufs Dach


­ge­stiegen: Rund drei Millionen
­Menschen besuchen jedes Jahr
die Kuppel des Reichstags­
gebäudes.

41
Chronik Reichstagsgebäude

5. Dezember 1894
Das Reichstagsgebäude (Architekt: Paul
Wallot) wird nach zehnjähriger Bauzeit
eröffnet. Mai 1945
Ende des Zweiten Weltkriegs, auf dem
9. November 1918 Reichstagsgebäude weht die rote Fahne
Philipp Scheidemann ruft von e­ inem der sowjetischen Armee als Zeichen des
Reichstagsfenster die Republik aus, Sieges über das nationalsozialistische
nachdem am Mittag desselben Tages Deutschland.
Reichskanzler Max von Baden eigen­
mächtig die Abdankung von Kaiser 9. September 1948
­Wilhelm II. verkündet hat. Über 350.000 Berliner versammeln sich
zu einer Kundgebung vor dem Reichs­
27. Februar 1933 tagsgebäude während der Blockade
Nach der Machtübernahme durch die ­Berlins durch die Sowjetunion.
Nationalsozialisten unter Adolf Hitler ­Oberbürgermeister Ernst Reuter hält
wird der Reichstagsbrand zum Symbol vor der Kulisse des stark beschädigten
für das Ende der parlamentarischen De­ Gebäudes seine berühmte Rede mit dem
mokratie in Deutschland und Vorwand Appell: „Ihr Völker der Welt ... Schaut
für die Verfolgung politischer Gegner. auf diese Stadt.“

Spuren der Geschichte: Beim


­Umbau wurden die „Graffiti“
­sowjetischer Soldaten sorgfältig
konserviert.

42
13. August 1961
Nach dem Mauerbau läuft die Berliner
Mauer unmittelbar am Reichstagsgebäu­
de vorbei. Dennoch wird die Wiederher­
stellung des Gebäudes nach den Plänen
von Paul Baumgarten vollendet; seit 1973
bietet es Platz für eine historische Aus­
stellung und Sitzungssäle für Gre­mien
und Fraktionen.
Juni/Juli 1995
4. Oktober 1990 Die Künstler Christo und Jeanne-Claude
Erste Sitzung des ersten gesamtdeutschen verhüllen das Reichstagsgebäude. Nach
Bundestages im Reichstagsgebäude. der Kunstaktion beginnt der Umbau des
Hauses.
20. Juni 1991
Der Bundestag in Bonn beschließt mit 19. April 1999
338 gegen 320 Stimmen, seinen Sitz Der Bundestag übernimmt das umgebau­
wieder im Reichstagsgebäude in Berlin te Reichstagsgebäude in Berlin. Norman
zu nehmen. Nach einem Wettbewerb Foster überreicht Bundestagspräsident
­erhält der britische Architekt Norman Wolfgang Thierse den symbolischen
Foster den Auftrag für den Umbau des Schlüssel für das Haus.
Gebäudes.
Sommer 1999
Mai 1995 Der Bundestag zieht von Bonn nach
Der Ältestenrat beschließt nach kontro­ ­Berlin, am 6. September beginnt die
versen Debatten, eine moderne, begeh­ ­erste Sitz­ungswoche des Bundestages
bare Glaskuppel zu errichten. in Berlin.

Reflexionen zur Parlaments­


geschichte: Jenny Holzers
„Installa­tion für das Reichstags­ge­
bäude“ mit Reden von Reichstags-
und Bundestagsabgeordneten.

43
Paul Löbe (1875–1967)
Der Sozialdemokrat Paul Löbe wird
1919 Mitglied der Weimarer National­
versammlung, 1920 Mitglied des Reichs­
tags und Reichstagspräsident – ein Amt,
Das Paul-Löbe-Haus aus dem ihn 1932 der Nationalsozialist
Hermann Göring verdrängt.
Neben dem Reichstagsgebäude liegt Als Redakteur des SPD-Zentralorgans
das Paul-Löbe-Haus. Benannt nach dem „Vorwärts“ kommt er unter dem Vor­
letzten demokratischen Reichstagspräsi­ wand, Parteigelder unterschlagen zu
denten der Weimarer Republik, gehört haben, für sechs Monate in Schutzhaft.
das Gebäude im Spreebogen zum „Band Später nimmt er Verbindung mit der
des Bundes“, das die beiden früher ge­ Widerstandsgruppe um Carl Friedrich
trennten Teile Berlins über die Spree Goerdeler auf und wird nach dem
hinweg verbindet. Im rund 200 Meter Attentat vom 20. Juli 1944 erneut
langen und 100 Meter breiten Gebäude in­haftiert.
sind die zweigeschossigen Sitzungssäle Nach Kriegsende wird Löbe sofort wie­
der Ausschüsse in acht Rotunden unter­ der für die SPD und als Redakteur tätig
gebracht. Im Paul-Löbe-Haus befinden und ist 1948/49 als Mitglied des Parla­
sich außerdem rund 510 Räume für mentarischen Rates maßgeblich an der
­Abgeordnete sowie 450 Büros für die Gestaltung des Grundgesetzes beteiligt.
Ausschusssekretariate und die Bundes­ Als Alterspräsident eröffnet er die
tagsverwaltung, darunter für die Öffent­ konstituierende Sitzung des ersten
lichkeitsarbeit und den Besucherdienst. Deutschen Bundestages 1949.

Namensgeber: Eine Büste von


Paul Löbe steht in der Halle des
gleichnamigen Parlamentsbaus.

44
Einladende Offenheit: der West­
eingang des Paul-Löbe-Hauses.

45
Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus

In dem nach der liberalen Politikerin


benannten Bundestagsbau ist das Infor­
mations- und Dienstleistungszentrum
des Parlaments untergebracht, darunter
die Bibliothek, das Archiv und die
Presse­dokumentation. Das Haus beher­ Marie-Elisabeth Lüders (1878 –1966)
bergt mit über 1,4 Millionen Bänden Die liberale Politikerin Marie-Elisabeth
eine der größten Parlamentsbibliotheken Lüders gilt als eine der bedeutendsten
der Welt. Sozialpolitikerinnen und wichtigsten
Unter der Informations- und Beratungs­ Vertreterinnen der Frauenbewegung in
ebene des Bibliotheksrundbaus ist in Deutschland. Als erste Frau in Deutsch­
­einem sonst leeren Raum ein Stück der land wird sie 1912 zum Dr. rer. pol.
Berliner Mauer erhalten. Das Teilstück promoviert; bis 1918 übt sie mehrere
der sogenannten Hinterlandmauer folgt leitende Funktionen in der Sozial- und
dem einstigen Verlauf und verweist auf Frauenarbeit aus. 1919 wird sie Mitglied
die Geschichte des Ortes. Außerdem der Verfassunggebenden Nationalver­
gibt es einen großen Anhörungssaal, den sammlung, 1920/21 und von 1924 bis
vor allem Enquetekommissionen und 1930 ist sie Mitglied des Reichstags.
Untersuchungsausschüsse nutzen. Die Nationalsozialisten belegen sie 1933
Nach Abschluss der Bauarbeiten zum mit einem Berufs- und Publikationsver­
Erweiterungsbau des Marie-Elisabeth- bot; 1937 muss sie für vier Monate in
Lüders-Hauses wird der Kunst-Raum Einzelhaft.
des Bundestages, in dem Ausstellungen Von 1953 bis 1961 gehört sie für die FDP
zeitgenössischer Kunst mit Parlaments- dem Deutschen Bundestag an, dessen
und Politikbezug gezeigt werden, wieder konstituierende Sitzungen sie zweimal
öffentlich zugänglich sein. als Alterspräsidentin eröffnet.

Im Bau: Mit Abschluss der


­Erweiterung nach Plänen des
­Architekten Stephan Braunfels
wird das Marie-Elisabeth-Lüders-
Haus 44.000 Quadratmeter
groß sein.

46
Wissensspeicher des Parlaments:
Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus
beherbergt eine der größten
­Parlamentsbibliotheken der Welt.

47
Jakob Kaiser (1888 –1961)
Schon früh schließt sich Jakob Kaiser
Das Jakob-Kaiser-Haus der Christlichen Gewerkschaftsbewe­
gung (CGD) an und geht in die Politik:
Im größten Parlamentsbau sind vor allem 1912 wird er Mitglied der Zentrums­
die Fraktionen und ihre Mitarbeiter un­ partei und sitzt als ihr Abgeordneter im
tergebracht. Das Jakob-Kaiser-Haus, in letzten frei gewählten Reichstag. 1934
dem mehr als 2.000 Menschen arbeiten, schließt er sich dem Widerstand gegen
integriert vorhandene Architektur, greift die Nationalsozialisten an und verbringt
frühere Straßenzüge auf und passt sich wegen Verdachts der Vorbereitung zum
so in die Berliner Art des Bauens ein. Hochverrat 1938 mehrere Monate in
Fünf Architektenteams waren an dem Gestapohaft. Nur knapp entgeht er der
aus acht Häusern bestehenden Komplex Verhaftungswelle nach dem 20. Juli
beteiligt. Im Jakob-­Kaiser-Haus sind 1944: Er überlebt als Einziger aus dem
­unter anderem die Bundestagsvize­ engeren Kreis des gewerkschaftlichen
präsidenten, die Frak­tions­vorstände, Widerstands in Berlin.
die Stenografen, die Pressestelle sowie Nach Ende des Krieges ist er am Aufbau
Regiezentrum und Studio des Bundes­ der CDU beteiligt und übernimmt den
tagsfernsehens untergebracht. Darüber Vorsitz der Partei für Berlin und die
hinaus stehen zwei Sitzungssäle für ­sowjetische Besatzungszone. Weil er
­ nquetekommissionen zur Verfügung.
E aber gegen die Gleichschaltungspolitik
Zahlreiche Parlamenta­rier haben hier ist, enthebt ihn die sowjetische Militär­
ihre Büros – jeweils drei rund 18 Quad­ ad­ministration 1947 seines Amtes als
ratmeter große Räume für den Abgeord­ Vorsitzender.
neten und seine Mitarbeiter. Über die Kaiser gehört dem Berliner Stadtpar­
Raumvergabe an die Fraktionen ent­ lament an und wirkt als Mitglied des
scheidet die Raumkommission des Parlamentarischen Rates an der Ent­
­Ältestenrats nach jeder Bundestagswahl stehung des Grundgesetzes mit. Ab 1949
neu. Die Zuteilung erfolgt, wie meistens ist er Abgeordneter im Bundestag und
im Bundestag, streng nach Proporz. Minister für Gesamtdeutsche Fragen.

Sichtachsen: Das Jakob-Kaiser-


Haus bietet beeindruckende
­Perspektiven.

48
Ein Haus aus acht Häusern:
Fünf Architektenteams schufen
den Parlamentskomplex.

49
50
51
Der Bundestag ist eines der meistbe­
suchten Parlamente der Welt, jedes ­
Jahr besuchen rund drei Millionen
­Menschen aus aller Welt das Reichstags­
gebäude und die Häuser des Bundes­
tages im Berliner ­Parlamentsviertel.
Um sie kümmert sich der Besucher­
dienst des Deutschen ­Bundestages.
­Neben einem Rundgang durch die Kup­
pel des Reichstagsgebäudes bietet der
Besucherdienst auch Führungen bei­
spielsweise zur Architektur oder Kunst
in den Häusern des Bundestages an. In
der sitzungsfreien Zeit gibt es Vorträge
im Plenarsaal über die Aufgaben,
­Arbeitsweise und Zusammen­setzung
des Bundestages sowie zur Geschichte
und Architektur des Reichstagsgebäu­
des. Für Kinder und Jugend­­liche gibt es
besondere Angebote wie die „Kinder­
tage“, Parlamentsseminare oder das
Planspiel „Parlamentarische Demokratie
spielerisch erfahren“.
Über die Teilnahme an einer Plenar­
sitzung, an Informationsvorträgen auf
der Tribüne des Plenarsaals und an
Hausführungen informiert der Besucher­
dienst des Deutschen Bundestages unter
www.bundestag.de > Besuch sowie
­telefonisch unter + 49 30 227-32152.

Mehr über den Bundestag

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Informationsmaterial

Die Öffentlichkeitsarbeit des Bundes­


tages informiert mit Broschüren, DVDs,
Ausstellungen und dem Infomobil über
die Arbeit des Par­laments. Veröffentli­
Besuch der Kuppel, Audio-Guide chungen erklären, wie die Abgeordneten
im Plenum, in den Ausschüssen und
Die Dachterrasse und die Kuppel im Wahlkreis ­arbeiten und wie Gesetze
sind täglich von 8 bis 24 Uhr geöffnet entstehen. ­Außerdem gibt es Informatio­
(letzter Einlass ist um 22 Uhr). Die nen über die Geschichte des Bundes­
Besichtigung ist nur nach vorheriger tages über die Architektur und Kunst im
Anmeldung möglich. ­Parlamentsviertel sowie Informationen
Besucher können sich online unter in Einfacher und Leichter Sprache. Viele
www.bundestag.de > Besuch  > Online- Broschüren sind in mehrere ­Sprachen
Anmeldung, per Fax (+49 30 227-36436) übersetzt. Informationsmate­rial rund um
oder Post (Deutscher Bundestag, den Bundestag finden Sie im Bereich
­Besucherdienst, Platz der Republik 1, des Westeingangs und auf der ­Ebene der
11011 Berlin) anmelden. Besuchertribünen. Bestel­lungen sind über
Bei einem Rundgang durch die Kuppel das Internet ­unter www.bundestag.de
steht Ihnen ein Audio-Guide zur Ver­ > Service > Informations­material,
fügung, der Ihnen in 20 Minuten Infor­ ­telefonisch (+49 30 227-33300),
mationen über das Reichstagsgebäude per Fax (+49 30 227-36200) oder per
und seine Umgebung, den Bundestag, E-Mail an infomaterial@bundestag.de
die parlamentarische Arbeit und die möglich. Auf www.bundestag.de
­Sehenswürdigkeiten vermittelt. Der können Sie ­Ple­nardebatten live ver­
­Audio-Guide ist in elf Sprachversionen folgen, Informa­tions­material bestellen
auf der Dachterrasse erhältlich. oder Gesetzes­texte herunterladen.
­Außerdem gibt es Audio-Guides für Für Kinder gibt es die Internetseite
­Kinder, in Leichter Sprache und für www.kuppelkucker.de, ­Jugendliche
blinde Kuppelbesucher sowie einen ­können sich auf www.­mitmischen.de
­Video-Guide für Gehörlose. über den B
­ undestag informieren.

Vielfältige Angebote:
Der Besucherdienst des Bundes­
tages bietet Führungen zu ver­
schiedenen Themen und für
alle Alterstufen.

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Ausstellungen, Infomobil und
Messestand
Mauer-Mahnmal
Wechselnde Ausstellungen im Paul-­
Löbe-Haus zu politischen und parla­ Im Marie-­Elisabeth-Lüders-Haus be­
mentarischen Themen bieten Besuchern findet sich das Mauer-Mahnmal: Teile
die Möglichkeit, sich mit Fragen rund der Hinterlandmauer wurden hier
um den Bundestag auseinanderzusetzen. ­wieder aufgebaut und erinnern an die
www.bundestag.de > Besuch > Ausstel­ über­wundene Teilung Deutschlands.
lungen >  Politisch-parlamentarische www.bundestag.de > Besuch > Kunst
Ausstellungen. > Mauer-Mahnmal.
Mit der Wanderausstellung „Deutscher
Bundestag – unsere Abgeordneten“
­informieren die Parlamentarier in Historische Ausstellung
ihren Wahlkreisen über ihre Arbeit. des Deutschen Bundestages
Das Infomobil des Bundestages ist
im ganzen Land unterwegs und bietet Die Ausstellung „Wege – Irrwege –
­Diskussionsrunden, Ausstellungen Umwege“ ist dienstags bis sonntags
oder Filmvorführungen. von 10 bis 18 Uhr (Mai bis September
Auf den großen Verbrauchermessen ist bis 19 Uhr) geöffnet.
der Bundestag mit einem Kommuni­ka­ Deutscher Dom,
tionsstand vertreten. Gendarmenmarkt 1, 10117 Berlin
Ausführliche Informationen gibt es unter www.bundestag.de > Besuch > Ausstel­
www.bundestag.de > Besuch > Ausstel­ lungen > Historische Ausstellung im
lungen > Bundestag in Ihrer Nähe. Deutschen Dom.

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Impressum

Herausgeber: Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit


Koordination: Robert Schönbrodt
Redaktion: Georgia Rauer
Gestaltung: Regelindis Westphal Grafik-Design / Berno Buff, Norbert Lauterbach
Bundestagsadler: Urheber Prof. Ludwig Gies, Bearbeitung 2008 büro uebele
Fotos: 1. u. 4. Umschlagseite, S. 47 Deutscher Bundestag / Jan Pauls; 2. u. 3. Umschlag­seite,
S. 15, S. 43– 45, S. 48 DBT / Jörg F. Müller; S. 3, S. 29 DBT / studio kohlmeier; S. 7, S. 20,
S. 41, S. 55 DBT / Simone M. N ­ eumann; S. 11, S. 19, S. 39 DBT / Werner Schüring;
S. 13 DBT / Thomas Trutschel / photothek.net; S. 16, S. 23 (E. Bulmahn, C. Roth, U. Schmidt,
J. Singhammer), S. 24 (V. Kauder, T. Oppermann, K. Göring-Eckardt, A. Hofreiter) DBT / 
Stella von Saldern; S. 17, S. 34 /35 DBT / Arndt Oehmichen; S. 23 (N. Lammert) DBT / 
Achim M ­ elde; S. 23 (P. Pau) Trialon / Dig / Thomas Kläber; S. 23 (M. Noll) DBT / Tom Peschel;
S. 24 (S. Wagenknecht, D. Bartsch) DIE LINKE im Bundestag; S. 25 DBT / Marco Urban;
S. 28 DBT / Katrin Neuhauser; S. 31, S. 42, S. 53 DBT / Juno­photo / Julia Nowak; S. 37, S. 46
DBT / Johannes Backes; S. 40 DBT / _ideazione. / Sebastian Fischer; S. 49 DBT / Linus Lintner;
S. 50/51 DBT / Marc-Steffen Unger
Grafiken: S. 5, S. 8, S. 18, S. 27 Regelindis Westphal Grafik-Design; S. 33 Marc Mendelson,
Bearbeitung Regelindis Westphal Grafik-Design
Druck: Druckhaus Waiblingen, Remstal-Bote GmbH

Stand: April 2017


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