Sie sind auf Seite 1von 30

Meditation, der innere Heiler

Jürgen Waltersson

copyright: Tao-Veda Verlag


Siebter Stern – Heilung durch Einheit

Der sechste Stern dieses Buches entspricht dem sechsten


Chakra, im Bereich des Dritten Auges zwischen den Augen-
brauen, dem sechsten feinstofflichen Bewusstseinszentrum. Es
ist das Zentrum für das Erblühen von Intelligenz, für Bewusst-
sein und höhere Wahrnehmung.

2
24. Meditation, der innere Heiler

Sechster Stern
Der Glückseligkeitskörper-Körper

24. Meditation, der innere Heiler

Zunächst, wenn man zu


meditieren versucht, kommen
Gedanken. Diese legen sich
dann. Als nächstes hat man
einige Visionen.
Danach wird der Geist leer.
Manche meinen dann, es gebe
da nichts, und hören auf zu
meditieren. Aber wenn man
weitermacht, erreicht man
schließlich die Verwirklichung.

Mutter Meera, »Antworten«,


1994, S. 99

1. Meditation und Gesundheit


Die Studie auf der folgenden Seite verdeutlicht das Potenzi-
al von Meditation für Gesundheit und Krebserkrankungen. In-
zwischen haben Hunderte von klinischen und wissenschaftli-
chen Studien den positiven Einfluss von Meditationen auf alle
Bereiche von Körper, Geist und zwischenmenschlichen Bezie-
hungen nachgewiesen. Trotzdem darf Meditation natürlich nicht
als Selbsthilfe bei so schwerwiegenden Erkrankungen wie
Krebs empfohlen werden.

3
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

Die Meditation ist eine einfache Methode, unser gewohntes


Gedankenkarussell zu verlassen und innerlich still zu werden.
Dabei erfahren Körper und Geist gleichzeitig eine viel tiefere
Entspannung als selbst während der Tiefschlafphase. Man
könnte Meditation also als einen »täglichen Kurzurlaub« von
nur wenigen Minuten Dauer betrachten.
Der amerikanische Psychologe D. Orme-Johnson analysier-
te in einer vergleichenden Studie zwischen 1800 Meditierenden
der Transzendentalen Meditation und einer entsprechenden
Gruppe von Nicht-Meditierenden die Häufigkeit von Kranken-
hausaufenthalten und Arztbesuchen. Meditierende verzeichne-
ten 55% weniger Krankenhausaufenthalte wegen Krebserkran-
kung als Nicht-Meditierende, was ein Hinweis auf die gesund-
heitsfördernde Wirkung regelmäßiger zusätzlicher Ruhe wäh-
rend der Meditationen ist.1
Der Hautwiderstand ist ein wichtiges Kriterium für die Beurtei-
lung des Entspannungszustandes. Sicher haben Sie schon ein-
mal bemerkt, wie im Zustand großer Aufregung oder Anspan-
nung die Hautoberfläche feuchter wird oder sogar zu schwitzen
beginnt, was mit einem sehr geringen Hautwiderstand verbun-
den ist: die Haut leitet den elektrischen Strom jetzt sehr gut.
Während der Meditation können Sie das andere Extrem erfah-
ren: Die Entspannung ist so tiefgreifend, dass der Hautwider-
stand um mehrere hundert Prozent ansteigt. Michael A. West
stellte in einer vergleichenden Studie fest, dass der Hautwider-
stand schon nach wenigen Minuten Meditation (in dieser Studie
wieder Transzendentale Meditation) wesentlich höher war, als
bei den Tätigkeiten des Lesens, Musikhörens und Ruhens (mit
geschlossenen Augen).2

1) Orme-Johnson, Psychosomatic Medicine, 49, 493-507,1987;


2) Michael A. West, »Changes in Skin Resistance in Subjects
Resting, Reading, Listening to Music, or Practicing the
Transcendental Meditation Technique«, Scientific Research on the
Transcendental Meditation Program : Collected Papers. Volume I,
1976.

4
24. Meditation, der innere Heiler

2. Hintergrundwissen - Wie funktioniert Meditation?


Obwohl Meditationstechniken oft im Rahmen eines religi-
ösen Kontextes weitergegeben werden, geschehen viele ihrer
positiven Auswirkungen nach allgemeingültigen, physiologi-
schen und psychologischen Gesetzmäßigkeiten. Der Kardiolo-
ge Herbert Benson vom »New England Deaconess Hospital«
in Boston machte schon in den siebziger Jahren Untersuchun-
gen sowohl mit traditionellen Meditationstechniken als auch mit
modernen Versenkungsmethoden. Bei Anwendung verschiede-
ner Lautkombinationen, Worte, Gebete und sinnloser Silben
konnte er jedes Mal die nach ihm benannte Entspannungsreak-
tion (relaxation response) beobachten: verringerte Stoffwech-
selrate, verringerter Herzschlag und Verminderung der bekann-
ten Stresssymptome. Die physiologischen und psychologi-
schen Auswirkungen neuerer Techniken unterschieden sich

5
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

nicht von denen der traditionellen Meditationsformen.1 Der wei-


ter oben beschriebene Hautwiderstand ist ein wichtiges objekti-
ves Kriterium für die Beurteilung des Entspannungszustandes.
Die von Dr. Benson untersuchte Entspannungsreaktion ist
einer der zwei Pole, zwischen denen unser psychisches und
physisches Erleben hin und her schwingt. Physiologen be-
zeichnen die beiden Pole als Stressreaktion (Sympathikus) und
Entspannungsreaktion (Parasympathikus) .
A) Die Stressreaktion ist ein unvermeidliches Ergebnis jeder
Belastungssituation - ob psychisch oder physisch, angenehm
oder unangenehm. In einer Stresssituation werden, ausgehend
vom Hypothalamus (dem Zentrum des Gehirns für Emotionen
und Grundantriebe), über die Hypophyse Hormone ausge-
schüttet, die in den Nebennierenrinden zur Ausscheidung von
Adrenalin führen. Das gesamte Geist-Körper-System wird mo-
bilisiert: Je nach Intensität der Stressreaktion spüren wir das
Herz schneller schlagen, der Atem beschleunigt sich, und wir
empfinden Erregung, Lust, Angst, Furcht oder Ärger. Das Feh-
len von Stress geht leider nicht automatisch mit einer Entspan-
nung einher. Insbesondere dann nicht, wenn Stress sehr häufig
erfahren wird. In diesem Fall reicht auch eine längere ober-
flächliche Entspannung nicht aus, um den ständig angespann-
ten Muskeltonus, die Nervosität und die zahlreichen Begleiter-
scheinungen von Dauerstress wieder aufzulösen.
B) Den Gegenpol der Stressreaktion bildet die Entspan-
nungsreaktion. Auch hierfür gibt es bestimmte Zentren im Ge-
hirn, die durch das parasympathische Nervensystem unter be-
stimmten Bedingungen stimuliert werden. Dr. Benson entdeck-
te vier Vorbedingungen, die für eine Auslösung der Entspan-
nungsreaktion sehr förderlich sind:

1) Herbert Benson, »The Relaxation Response«, Avon Books,


New York, 1976.

6
24. Meditation, der innere Heiler

1. Geistige Disziplin. Es sollte ein ständiger Reiz vorhanden


sein, etwa ein Laut, ein Wort oder ein Satz, den man hörbar
oder unhörbar ständig wiederholt; eine andere Möglichkeit
wäre, den Blick auf einen Gegenstand zu fixieren. Dadurch löst
sich der Geist vom logischen, nach außen orientierten Denken.
2. Passive Einstellung. Wenn während dieses ständig wie-
derholten Reizes oder der Fixierung des Blicks ablenkende Ge-
danken aufkommen, wird empfohlen sie unbeachtet zu lassen
und die Aufmerksamkeit wieder der Technik zuwenden. Man
sollte sich keine Gedanken darüber machen, wie gut man die-
se Technik verwirklicht.
3. Verringerung des Muskeltonus. Wichtig ist eine angeneh-
me Körperhaltung, die nur minimale Muskelaktivität erfordert.
4. Ruhige Umgebung. Man sollte sich eine ruhige Umge-
bung ohne zu viel ablenkende Reize aussuchen.
Diese klaren und einfachen Richtlinien sind Bestandteil fast
aller überlieferten und modernen Meditationslehren.

3. Nicht-suppressive Meditationsmethoden
Ebenso wie in Wissenschaft, Technik und Kunst, so ist auch
bei den Meditationstechniken im Laufe der letzten Jahrzehnte
eine rasante Entwicklung zu beobachten. Es scheint, dass die
Ausübung von Meditation zunehmend müheloser und in den
Auswirkungen zugleich effektiver geworden ist. Als ich im Alter
von 12 Jahren mit der Ausübung begann, bestand eine simple
Anweisung darin, sich eine weiße Wand vorzustellen und alle
Bilder und Gedanken zu verdrängen. Das funktionierte natür-
lich nicht sehr gut. Auf der weißen Wand tauchten zwar noch
nicht die Abbilder der damaligen attraktiven weiblichen Film-
stars auf, dafür bildete der Kosmos Elektronik Baukasten die
Nummer 1 der Hitliste.

7
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden


aber auch die sogenannten nicht-suppressiven Meditationsme-
thoden eingeführt. Gemeint sind damit Techniken, bei denen
ablenkende Gedanken, Gefühle oder Einschlafbedürfnisse
nicht unterdrückt werden. Was immer im Körper-Geist-System
auftaucht, darf geschehen und ist willkommen. Gedankenket-
ten, intensive Emotionen und Vorstellungen, Trauer oder Mü-
digkeit dürfen durch das Bewusstsein fließen. Sowie der Geist
sich bewusst wird, dass Gedanken, Gefühle und Vorstellungen
dominant sind, kehrt er zum Objekt der Meditationspraxis zu-
rück. Dieses Objekt kann ein Wort (Mantra) sein, eine Kerzen-
flamme oder der Atem.

4. Meditationsformen in der Praxis


Die unübersehbare Flut der heutigen Meditationspraktiken
unterscheidet sich in den Objekten, auf welche die Aufmerk-
samkeit gerichtet wird sowie in den Anweisungen der Aus-
übung. Hier eine kleine, unvollständige Aufzählung:
- Quantenheilung nach Dr. Frank Kinslow, eine sehr einfa-
che und mühelose Methode, die nach Angabe von Dr. Frank
Kinslow zwar keine Heilmethode ist, aber Heilung sehr unter-
stützen kann (siehe folgender Abschnitt);
Die »TM« (Transzendentale Meditation), eine einfache und
gesundheitlich intensiv erforschte Tiefenmeditation;
- die »Klinisch Standardisierte Meditation« (CSM), ähnlich
wie die TM; 1
- »Shikantaza« (eine buddhistische Meditation, die das reine
Wahrnehmen trainiert),

1) Patricia Carrington, »Das große Buch der Meditation«, Scherz


Verlag;

8
24. Meditation, der innere Heiler

- die »Meditation der Stille«, ebenfalls eine Tiefenmeditation


und Synthese der wichtigsten Meditationsarten. 1 Diese und die
Meditation der Quantenheilung seien nachfolgend kurz be-
schrieben:

5. Meditation der Stille


Die Meditation der Stille ist das Ergebnis jahrzehntelanger
Meditationserfahrung und stellt eine flexible Synthese von Tie-
fenmeditation, Achtsamkeits-, Körper-, und Atemmeditation dar.
Sie trägt den Erfordernissen von Körper, Geist, Seele und so-
zialem Umfeld gleichermaßen Rechnung.
- Meditation der Stille erfordert keinerlei Konzentration, Kon-
templation oder Visualisierung. Auch in stressreichen Zeiten
mit großer Belastung kann jeder wirkungsvoll meditieren.
- Meditation der Stille überlässt dem Meditierenden die Ent-
scheidung, welche Lautkombination, auch Mantra genannt, er
für seine Meditation wählen möchte. Er wählt diejenige Laut-
kombination, die für ihn angenehm oder von Bedeutung ist.
Durch diese Freiheit können Menschen jeder Kultur, auch
jene, die keinen religiösen Hintergrund akzeptieren, die Erfah-
rung tiefer, entspannender Bewusstseinszustände erfahren.

6. Welchen Meditationsgedanken soll ich wählen?


Das Sanskrit Wort für einen Meditationsgedanken lautet
»Mantra«. Die Silbe »man« steht für den Geist (Manas) die Sil-
be »tra« deutet an, dass es ein Werkzeug ist, das eine be-
stimmte Funktion hat. So kann man Mantra mit Werkzeug für
den Geist übersetzen. Alle Mantras sollen uns zur stillen Weite

1) »Meditation der Stille« erscheint demnächst in diesem Verlag.

9
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

des Höheren Selbst führen und einen positiven Einfluss auf die
Gesundheit ausüben. Manche Menschen meditieren, um Gott
nahe zu sein und wählen einen ihrer Tradition entsprechenden
Namen: Christus, Krischna, Mutter Maria, Vater, Paramatma,
Amen und so weiter. Wir selbst können den Gedanken unserer
Meditation wählen. Die »Mutter« von Auroville und Begleitern
Shri Aurobindos, Mirra Alfassa, gibt einige Hinweise:1
„Das richtige Mantra kann nicht von einem Lehrer gegeben
werden. Es ist »keine Sache« (original englisch: »no thing«),
die gegeben werden kann, sondern etwas aus unserem inne-
ren Selbst Hervorströmendes. Es muss von innen kommen,
plötzlich, aus eigenem Antrieb, wie ein tiefes Verlangen, inten-
siv in seinem Sein - in diesem Fall besitzt es Kraft. Weil es
»keine Sache« von außen ist, ist es die innere Stimme, an dich
selbst gerichtet.“
Mutter Meera empfiehlt, ein Mantra zu wählen, das für uns
eine Bedeutung hat.2 Dabei verwendet Mutter Meera meist den
Begriff Japa. Beim Japa kann man das Mantra im Gegensatz
zur Tiefenmeditation auch laut oder während der Aktivität be-
nutzen. Die in Mitteldeutschland lebende Frau wird in Indien
und von vielen Anhängern in der ganzen Welt als eine Inkarna-
tion oder ein Avatar der Göttlichen Mutter betrachtet:
„Beim Japa wiederholen wir den Namen dessen, an den wir
glauben … Das Mantra, das leicht und spontan zu dir kommt,
solltest du benutzen. Es sollte ein starkes Gefühl geben und
wie Musik sein, die vom Herzen fließt.“
Die moderne Neurowissenschaft bestätigt uraltes Meditati-
onswissen. „Wörter, die als angenehm oder beruhigend emp-
funden werden, enthalten eher lange, gedehnte Vokale.“ Wes-
halb die Wissenschaftler vermuten, dass viele Wörter einer

1) L'Agenda de Mère, 1963, Volumen IVE, S. 135,136 oder Clau de


Gérard Sarrazin, »Mère Meera«, Éditions de Mortagne, S. 246;
2) Mutter Meera, aus »Antworten«, Seite 96 und 98;

10
24. Meditation, der innere Heiler

Sprache durch ihre Klangstruktur bereits eine emotionale Wir-


kung hervorrufen, die unbewusst wahrgenommen wird.1
Von der alten Indischen Ursprache Sanskrit wird gesagt,
dass ein Erwachter, dessen emotionale Barrieren und Trauma-
ta weitgehend aufgelöst sind, sie spontan verstehen würde,
ohne je ihre Grammatik und Semantik studiert zu haben. Die-
ses spontane Verständnis kann geschehen, weil die Bedeutung
der Worte in der Klangstruktur vorhanden sein soll. Würde ein
solch Erwachter das Sanskritwort Madhu (Honig) hören, so
würde er spontan den Geschmack des Honigs auf der Zunge
spüren.
Es ist nicht notwendig, immer mit dem gleichen Wort zu me-
ditieren. Wir sollten das aufnehmen, wofür wir im Moment gera-
de offen sind: „was einen in dem jeweiligen Augenblick an-
spricht, ist in Ordnung. Man muss nicht ein festes Mantra ha-
ben.“ 2 Einige Beispiele:
Die Benson Technik verwendet wohlklingende Worte ohne
Bedeutung:3
One oder Nine (englische Aussprache: uuuan oder neeiiin)
Mantras der Yogawissenschaft werden häufig ohne ihre
Bedeutung gegeben. Dies bewirkt, dass der Meditierende frei
von begrenzenden Vorstellungen und Gedanken bleibt. Nur die
Schwingung, der Klang, ist wichtig. Mantras mit nur einer Silbe
beginnen meist mit einem Vokal und enden meist mit einem
Konsonanten. Sie werden Wurzelmantras genannt:

1) Anne Devillard, Natur & Heilen, »Lesen als Medizin«, Juni


2015, Seite 18 f; Andrea Gerk, »Lesen als Medizin. Die
wundersame Wirkung der Literatur«, Rogner & Bernard Verlag,
2015
2) Mutter Meera, aus »Antworten«, Seite 98;
3) Herbert Benson, »The Relaxation Response«, Avon Books,
New York, 1976.

11
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

- OM - (Ein Mantra ähnlich unserem »Amen« mit der


Bedeutung des gesamten Universums, wird fast immer
mit anderen Mantren kombiniert)
- ING oder IM (nasal. langsam ausklingend);
- AING oder AIM (ausgesprochen mit einem langen »A«);
- Kombinationen mit einer bekannten Bedeutung in
Sanskrit:
- OM Namo Bhagavate Vasudevaya (Krishna);
- OM Namo Bhagavate Paramatmane (das Selbst des Uni-
versums, im Herzen eines jeden Lebewesens lokalisiert);
- OM Krishna;
- Rama (ein Avatar, eine Inkarnation universalen Bewusst-
seins);
- OM Meera (englische Aussprache mit langem »i«, eine In-
karnation der Göttlichen Mutter);
- Christliche Tradition: Amen, Jesus oder Christus oder
Jesus Christus, Mein Herr, Dein Wille geschehe,
Halleluja;
- Hebräisch: Schirim (singen);
- Taoistisch: TAO (gesprochener DAO);
- Tibetische Tradition: OM Mani Padme Hum;
- Indianische Tradition (Nordamerika): Heyah Hoh
(symbolisch für Himmel und Erde);

12
24. Meditation, der innere Heiler

7. Die Praxis: Gedanken, Mantra, Stille


1. Für die Meditation solltest Du Dir 20 Minuten Zeit neh-
men. Stelle sicher, dass die Türklingel oder das Telefon und
andere Lärmquellen nicht stören.
2. Wenn es uns ein gutes Gefühl vermittelt, kann zu Beginn
der Meditation eine Einstimmung auf unser Höheres oder
Höchstes Selbst sehr hilfreich sein: Eine Kerze mit einem Ge-
bet an das Göttliche, Reinigung mit Räuchern von Salbei, Vi-
sualisierung eines Schutzkreises mit Symbolen oder Personen,
die für uns erhaben oder heilig sind, Ausrichtung auf etwas
sehr Heiliges, den Körper entspannende Übungen wie Yoga,
tiefes Durchatmen.
3. Schließe Deine Augen und fühle Deinen Körper als Gan-
zes und entspanne Füße, Unterschenkel, Oberschenkel, Po,
Bauch, Brust und Schultermuskeln, Ober- und Unterarme,
Hände, Finger, Nackenmuskeln, Kiefer, Lippen, Stirn und den
gesamten Kopf.
4. Wenn Gedanken auftauchen, so nimm sie ganz einfach
wahr, ohne sie zu unterdrücken. Wie Wolken, die am Himmel
vorüberziehen.
5. Nimm auch die Stille im Raum wahr, die äußere Stille, die
auch unter und zwischen Deinen Gedanken besteht. Gedan-
ken tauchen auf der Stille auf, ziehen am Himmel Deines Be-
wusstseins vorüber und verschwinden wieder in der Stille.
6. In dem Moment, in dem sie sich eines Gedanken bewusst
werden, ist ihre Aufmerksamkeit wieder etwas stärker präsent.
Sie sind wieder mehr im Hier und Jetzt und nicht mehr mit Ih-
ren vorherigen oder aktuellen Gedanken identifiziert.
7. Dies ist der Anlass, die Aufmerksamkeit wieder auf die
Stille zu richten. Auf jene Stille, die mehr oder weniger immer
gleichzeitig mit jedem Gedanken oder jeder Sinneswahrneh-

13
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

mung vorhanden ist. Schon die Absicht, die Aufmerksamkeit


von den Gedanken auf die Stille zu verlagern, wird diesen lee-
ren und weiten Bereich Ihres Bewusstseins etwas mehr in den
Vordergrund versetzen.
8. Halten Sie jetzt in dieser Stille nach Ihrem Mantra oder Ih-
rem Gegenstand der Meditation Ausschau. Es ist weniger ein
„Denken“ des Mantras, als vielmehr ein »Hören« oder »Wahr-
nehmen« oder »Fühlen«. Es ist wie ein sanftes Ausschau hal-
ten mit allen Sinnen, Körper, Geist und Seele. Es kann auch
hilfreich sein, das Mantra im Körper zu hören oder zu fühlen.
Auf diese Weise nehmen Sie es sehr zart wieder auf, ohne zu
sehr im Kopf zentriert zu sein.
9. Auch die Wahrnehmung des Mantra wird nach einigen
Sekunden wieder verblassen und von der zugrunde liegenden
Stille abgelöst. Danach tauchen in der Regel wieder Gedanke
auf. Bei neuen Gedanken gehen Sie wieder zu Schritt 6. Falls
der Geist still bleibt, gehen Sie zu Schritt 10.
10. Wenn der Geist still bleibt, genießen Sie die Stille einige
Sekunden. Werden Sie sich der Stille gewahr und halten Sie in
dieser Stille wieder nach Ihrem Mantra Ausschau. In der Ab-
sicht, sich wieder dem Mantra zuzuwenden, ist das Mantra
schon enthalten. Es muss nicht gedacht werden. Nur ein sanf-
tes »Hören«, »Wahrnehmen« oder »Fühlen« aus der Stille
oder aus dem Herzen heraus, Ein sanftes Ausschau halten mit
allen Sinnen, Körper, Geist und Seele. Oder ein sehr zartes
Hören oder Fühlen des Mantra im Körper sein, ohne zu sehr im
Kopf zentriert zu sein.
- Die untere Grafik soll den Prozess der Meditation der Stille
veranschaulichen. Das Wort »Stille« unter jedem Wellental
symbolisiert die zunehmend tiefere Stille im Verlauf der Medita-
tion.

14
24. Meditation, der innere Heiler

- Das Wort »Stille« über jedem Wellental steht für die An-
weisung, sich eines ablenkenden Gedanken bewusst zu wer-
den, sodann die Aufmerksamkeit auf die immer zugrunde lie-
gende Stille zu richten und das Mantra in dieser Stille ganz
leicht wahrzunehmen.
- Auf dem zweiten Wellenberg sehen sie die Bezeichnung
»Gewahrsein der Stille« ebenfalls in roter Schrift, genau wie
den ablenkenden Gedanken »Ich bin hungrig«. In diesem Fall
wurden Sie sich einfach nur der Stille gewahr, ohne einen ab-
lenkenden Gedanken. Auch in diesem Fall nehmen Sie das
Mantra aus der Stille heraus wieder ganz leicht wahr. Auch
wenn es wie eine leicht störende Gedankenaktivität wirken
mag, führt es dennoch zu Ebenen noch tieferer Stille.

15
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

Die Schritte 9, 10 und 9 oder, wenn Gedanken auftauchen,


die Schritte 9, 6, 7, 8 und 9 werden 20 Minuten lang wiederholt.
8. Sanftes Gewahrwerden des Mantra in der Stille
9. Vertieftes Sein in der Stille
6. Ein neuer Gedanke (z.B. „Ich bin hungrig“)
7. Aufmerksamkeit wieder auf die Stille richten
8. Sanftes Gewahrwerden des Mantra in der Stille
9. Vertieftes Sein in der Stille
10. Sanftes Gewahrwerden der Stille (wenn keine Gedanken
kommen)
8. Sanftes Gewahrwerden des Mantra in der Stille
9. Vertieftes Sein in der Stille
6. Ein neuer Gedanke (z.B. „Es ist langweilig“)
7. Aufmerksamkeit wieder auf die Stille richten
8. Sanftes Gewahrwerden des Mantra in der Stille
9. Vertieftes Sein in der Stille

Gedanken stören die Meditation nicht wirklich


In seinem Buch »Sri Aurobindo und das Abenteuer des Be-
wusstseins« erwähnt Satprem, wie wichtig es ist, „nie den Feh-
ler zu machen, gegen Gedanken anzukämpfen, es ist die Auf-
merksamkeit, die verlagert werden muss.“ 1 Ein sehr nützlicher
Rat, der in jeder modernen und klassischen Methode der Medi-
tation gegeben wird.
Auch nach jahrelanger Meditationspraxis ist es möglich,
dass insbesondere in Zeiten von Belastung und Anspannung

1) Satprem, »Shri Aurobindo oder das Abenteuer des Bewusst-


seins«, Seite 39;

16
24. Meditation, der innere Heiler

viele Gedanken während der Meditation auftauchen. Aber Ge-


danken entstehen immer, wenn tief verwurzelte Spannungen
sich in tiefer Entspannung lösen. Dies sollte als positiv und not-
wendig bewertet werden. Kehren Sie einfach auf leichte Weise
mit der Aufmerksamkeit zunächst zur Stille und dann zum Me-
ditationsgedanken zurück.
Sollten die Gedanken sehr intensiv, vordergründig oder
zwanghaft sein, ist es schwierig, die Aufmerksamkeit auf die
Stille zu verlagern. Dies kann besonders nach einem anstren-
genden Tag oder nach einem heftigen Streitgespräch der Fall
sein. Wechseln Sie in diesen Fällen mit ihrer Aufmerksamkeit
zum Atem. Der Atem ist selbst ein starkes und natürliches Man-
tra, mit dem die Dominanz des Denkens und die Zentrierung im
Kopf vermindert werden und gleichzeitig das Fühlen und Emp-
finden aus dem Herzen heraus gestärkt werden. Wenn sich die
Gedanken ein wenig beruhigt haben, verlagern Sie die Auf-
merksamkeit wieder vom Atem zur Stille und halten von dort
aus wieder Ausschau nach dem Meditationsgedanken. Viel-
leicht fragen Sie sich, warum man denn nicht gleich beim Atem
bleiben kann, um ihn als Meditationsgedanken zu wählen. Ge-
nau dies wird ja in der buddhistischen Vipassana Meditation
gemacht, die eine sehr wirkungsvolle und weit verbreitete
Meditationsform ist. Nur ist es eben keine Tiefenmeditation,
sondern eine Aufmerksamkeitsmeditation. Der Fokus bei einer
Aufmerksamkeitsmeditation liegt mehr auf einer klaren, stillen
Wachheit, während bei der Tiefenmeditation, verbunden mit ak-
tiver Nutzung der Entspannungsreaktion, ein sehr tiefer Zu-
stand von Ruhe und Stille erreicht wird.
Ein Seinszustand, der dem Leben in unserer westlichen
Welt meist sehr fern ist. Das Erwachen zum Sein im Hier und
Jetzt, zur Einheit, ist letztlich das Ziel beider Techniken, und sie
können durchaus beide, wie in der „Meditation der Stille“, sinn-
voll eingesetzt werden.

17
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

Es ist sogar möglich, während der Meditation einzuschlafen,


und dies ist ein sehr tiefer und regenerierender Schlaf. Danach
kann man dann mit deutlich größerer Wachheit weiter meditie-
ren.
Es ist viel wichtiger, wie Sie Sich nach der Meditation fühlen,
als während der Meditation. Erleben Sie im Alltag ein ent-
spanntes, wachsames Gefühl, bessere Konzentration, mehr
Mitgefühl mit allem, eine erhöhte Fähigkeit, zu geben und zu
lieben? Dann können Sie sicher sein, dass sie jeden Tag richtig
und nicht zu lange meditiert haben.
Die Dauer der Meditation sollte so bemessen sein, dass sich
diese Ergebnisse einstellen. 20 Minuten am Morgen und Abend
ist für die meisten Menschen optimal. Wenn sie jedoch sensi-
bel und gereizt werden, kann dies ein Zeichen sein, um die Zeit
zu reduzieren.
Um die Zeit von 20 Minuten einzuhalten, können Sie die Au-
gen gelegentlich sanft öffnen und auf die Uhr sehen. Nach eini-
gen Sitzungen werden sie spüren, wenn die 20 Minuten vor-
über sind. Oder aber sie haben einen Wecker mit einem sehr
sanften Weckton zur Verfügung.

Nebenwirkungen der Meditation


In tiefer Entspannung lösen sich tief verwurzelte Anspan-
nungen. Deshalb sind vorübergehende Nebenwirkungen oder
Empfindungen des Missbehagens eine normale Begleiterschei-
nung tiefer Meditation. Eine kleine Auswahl der Symptome:
- Zucken der Muskeln, Jucken der Haut,
- Schwitzen, Fieber,
- Gereiztheit, Nervosität, Kopfschmerzen,
- Müdigkeit, Dumpfheit,

18
24. Meditation, der innere Heiler

- Schmerzen aller Art,


- Angst, Traurigkeit, Einsamkeit, Wut, Ärger, Depression
oder intensive, unangenehme Gedanken.
Bei den meisten Menschen kommen diese Folgeerschei-
nungen nur selten und nur in schwachen Graden vor. Sie lösen
sich meist am Ende der Meditationszeit wieder auf. Grundsätz-
lich sind diese Erscheinungen positiv zu bewerten, denn das,
was unterdrückt war und chronisch störte, wird nun gelöst und
ausgeschwemmt. Trotzdem gibt es viele Möglichkeiten mit die-
sen Nebenwirkungen umzugehen, falls sie sehr störend sind
oder sich bis über die Meditationszeit hinaus ausdehnen. Dazu
gehören zum Beispiel
- die individuelle Anpassung / Kürzung der Meditationszeit,
- das Auflösen des Unbehagens durch Annehmen und
Hineinfühlen,
- einfache Atem- und Körperübungen nach der Meditation,
- viel körperliche Aktivität, Sport, Aufenthalt in der Natur.
Schmerzen oder Druck an der Stirn, im Hinterkopf, an den
Schläfen, im Nackenbereich oder irgendwo im Körper, die wäh-
rend der Meditation auftreten, können zwei verschiedene Grün-
de haben:
1. Ein unterschwelliger oder verdrängter Schmerz, der in der
Meditation bewusst wird, oder
2. Konzentration oder Anspannung in der Meditation.
Falls der Schmerz nicht dominiert und es nicht schwer fällt,
den Meditationsgedanken weiter zu denken, sollte man weiter
meditieren.
Falls der Schmerz dominiert und es eine Anstrengung wäre,
die Aufmerksamkeit zum Meditationsgedanken zu lenken, hört
man einfach auf, ihn zu wiederholen. Man sitzt solange still und

19
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

mit geschlossenen Augen da, nimmt den Schmerz vollständig


ohne jede Ablehnung an und fühlt in ihn hinein, bis der
Schmerz nachlässt, was in der Regel nicht länger als einige
Sekunden oder eine Minute dauert. Dann beginnt man wieder,
den Meditationsgedanken sanft aus der Stille heraus wahrzu-
nehmen.
Wegen der großen Vielfalt der möglichen Erfahrungen kann
es hilfreich sein, Meditation von einem erfahrenen Lehrer zu er-
lernen. Einige Adressen sind im Anhang aufgelistet.
Auch sollte man stets den gesunden Menschenverstand und
das Gefühl nutzen, um gegebenenfalls einen Arzt oder Heilkun-
digen aufzusuchen, wenn die Syptome zu beunruhigend sind.

Stabilität im Alltag
Die Nebenwirkungen der Meditation können zu gewissen
Zeiten stärker werden, so dass Ihre Effektivität im Alltag beein-
trächtigt ist. Eine Entspannungstechnik wie die „Meditation der
Stille“ ist nie Meditation zum Selbstzweck. Erfahrungen in der
Meditation, wie tief und beeindruckend sie auch sein mögen,
sind nur vorübergehende Eindrücke, die kommen und gehen,
verbunden oft mit der Auflösung tiefer Verspannungen.
Wirklich wichtig ist, wie Sie sich nach der Meditation im All-
tag fühlen. Fühlen Sie eine wachsende Präsenz im täglichen
Leben, die Ihnen hilft, sich nicht mehr so stark mit Gedanken,
Konzepten und dem eigenen Weltbild zu identifizieren? Kön-
nen Sie bei einer Meinungsverschiedenheit leichter Ihren
Standpunkt lediglich als Standpunkt sehen und auch den Ande-
ren verstehen? Erleben Sie ein gesteigertes Mitgefühl, eine le-
bendigere Wahrnehmung, eine vermehrte Fähigkeit, Anzuneh-
men und gleichzeitig Loszulassen? Folgende Erfahrungen kön-
nen ein Anzeichen für zu intensive Meditation, verbunden mit
zu viel Auflösung von mentalen und körperlichen Spannungen
sein:

20
24. Meditation, der innere Heiler

- Versunkensein in Vorstellungen und Gefühle bei vermin-


derter Präsenz im Alltag;
- unerklärliche Gereiztheit und Starrheit bei der Kommuni-
kation mit Anderen;
- fehlende Lebensfreude, Energie und Spontaneität;
- verminderte Fähigkeit, Gedanken zu artikulieren;
- ein Gefühl, wie in Watte gepackt und isoliert zu sein.
Diese wenigen Beispiele, die von Meditierenden durchaus
erfahren werden, zeigen die Wichtigkeit einer gesunden, eige-
nen Selbstreflektion, und damit auch die Verantwortung, mit
der Meditation bewusst und achtsam umzugehen.
Sollte es sich herausstellen, dass Ihre verminderte Alltags-
tauglichkeit nicht die Folge einer arbeitsbedingten Erschöpf-
ung, von zuviel Stress oder einer gesundheitlichen Beeinträch-
tigung ist, so kann auch hier eine Reduzierung der Meditations-
dauer von 20 Minuten auf eine kürzere Zeit morgens und
abends Wunder wirken. Ebenso können vermehrte körperliche
Aktivität, Gartenarbeit und Sport erdend wirken und das Leben
im Alltag wieder freudvoller und stabiler gestalten.
Meditation und ihre Wirkungen sollten sich stets im Einklang
mit dem täglichen Leben, den Lebenszielen und einem gewis-
sen Maß an gesundem Menschenverstand befinden. Auch die
„heiligste“ Meditationserfahrung und die intensivsten Glücksge-
fühle zeigen ihren wahren Wert erst in ihren Auswirkungen auf
unseren gesamten Lebenskontext.
Eine sehr ähnliche Meditation, die ebenfalls großes Potenti-
al für Transformation beinhaltet, allerdings mehr den Charakter
einer Aufmerksamkeitsmeditation und weniger den einer Tie-
fenmeditation besitzt ist die nachfolgend beschriebene Quan-
tenheilung nach Kinslow.

21
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

8. Die Quantenheilung
Als ich vor einigen Jahren mit der Praxis der Quantenhei-
lung nach Kinslow begann, war ich überrascht von der einfa-
chen, kurzen Anleitung und der deutlich spürbaren tiefen Stille
und Entspannung, die mit einem heiteren klaren Glücksgefühl
verbunden waren. Dr. Frank Kinslow beschreibt die Einfachheit
seiner Meditation in seinem 21-minütigen Audio-Lehrgang so: 1
„Bestimmt haben Sie auch schon gehört, man müsse viele
Jahre lang üben, um den Geist von Gedanken zu befreien.
Und wissen Sie was: Sie haben es innerhalb weniger Sekun-
den geschafft.“
Die einfachen und kurzen Anleitungen, verbunden mit der
Vielseitigkeit der Meditation der Quantenheilung und den sofort
spürbaren Auswirkungen, sind der Grund, weshalb die Technik
in diesem Buch etwas ausführlicher besprochen wird. Dr. Frank
Kinslow ist ein Meister in der Reduzierung auf das Wesentli-
che. Auf seinen beiden preisgünstigen Doppel-CDs sind die
Anleitungen und praktisch das gesamte Wissen seiner zahlrei-
chen Bücher über Quantenheilung zusammengefasst. Beim Er-
lernen der Schritte muss man noch nicht einmal lesen, sondern
kann bequem den Worten auf der CD folgen.
Die meisten Formen der Meditation empfehlen ein Meditati-
onsobjekt – ein Mantra, eine Kerze, den Atem – um von den
ständigen Gedanken abzulenken, sie zu beruhigen und inner-
lich still zu werden. Quantenheilung wird zwar von Frank
Kinslow nicht als eine Meditation bezeichnet, weist aber zahl-
reiche Aspekte einer solchen auf. Quantenheilung benutzt so-
zusagen die Gedanken selbst als Meditationsobjekt. Was diese
Meditation jedoch vom normalen Denken unterscheidet, ist die
Beobachterposition.

1) Dr. Frank Kinslow, »Quantenheilung im Alltag« 1 & 2,


insgesamt vier CD´s, Vak-Verlag, 2014.

22
24. Meditation, der innere Heiler

Unser Grundproblem ist, dass wir mit unseren Gedanken


mehr oder weniger so stark identifiziert sind, dass wir dadurch
die ekstatische Freude unserer eigentlichen Natur - auch das
Höhere Selbst, Gottesfunke oder Seele genannt - vergessen
haben. Eckart Tolle drückt es so aus:1
„Der Strom der Gedanken hat eine enorme Triebkraft, die
dich leicht mitreißen kann. Jeder Gedanke gibt vor, sehr wich-
tig zu sein. Er will deine Aufmerksamkeit auf sich konzentrie-
ren.“
Dies wird als Identifikation bezeichnet. Wir denken - treffen-
der könnte man sagen: wir werden gedacht, während der Rest
unseres Selbst im Unter- und Unbewussten versinkt.
Bei der Quantenheilung lösen wir uns von der Identifikation
und nehmen die Beobachterposition ein. Man macht es sich
bequem, schließt die Augen und lässt die Gedanken einfach
frei umherschweifen. Gedanken kommen und gehen und man
beobachtet sie ganz bewusst und mit voller Aufmerksamkeit.
Das erstaunliche Ergebnis: Wenn wir unserer Gedanken ge-
wahr werden, beruhigen sie sich und lösen sich schließlich
ganz auf. Und es bleibt nichts übrig außer uns selbst und unse-
rem Gewahrsein des Nichts. Aber es handelt sich um eine Art
belebtes Nichts. Dr. Frank Kinslow benennt es als Eu-Gefühl.
Die Vorsilbe Eu stammt aus dem Griechischen und wird mit
gut, wahr oder echt übersetzt. In der Yoga-Wissenschaft In-
diens wird es als »Sat Chit Ananda« bezeichnet - eine Einheit
aus Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit.
Die folgende Grafik soll den Verlauf eines Prozesses der
Selbsterfahrung nach Dr. Frank Kinslows Quantenheilung ver-
anschaulichen. Gedanken (in Rot) haben die Tendenz, das Be-
wusstsein des Denkenden durch Identifikation einzuengen.
Durch Aufmerksamkeit (Farbe Grün) aus der Beobachterpositi-
on heraus lösen sich die Gedanken auf, vermindern oder ver-
1) Eckart Tolle, »Stille spricht«, Arkana Verlag, 2003, S. 20.

23
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

langsamen sich. Dies rückt das Eu-Gefühl (Farbe Blau) wieder


ins Bewusstsein und entspannt Körper und Geist.

Das Eu-Gefühl ist in der Quantenheilung von elementarer


Bedeutung. Als die Essenz unseres eigentlichen Wesens wird
es für Heilung auf allen Ebenen eingesetzt, da es die Quelle
von Freude, Liebe, innerem Frieden, Gesundheit, Geborgen-
heit und kreativer Energie darstellt:
- Geldsorgen;
- Arbeit und Beruf;
- negative Gefühle Heilen;

24
24. Meditation, der innere Heiler

- chronische Erkrankungen, körperliche Beschwerden;


- Partnerschaft und Familie;
- Kommunikation.
Dr. Frank Kinslow betont immer wieder, dass Quantenhei-
lung eine professionelle ärztliche Behandlung nicht ersetzen
soll und kann. Er beobachtete allerdings zahllose ermutigende
Heilerlebnisse in Zusammenhang mit seiner Methode der
Quantenheilung und der QE-Intention, einer Erweiterung dieser
Technik:1
„Die Kraft und Schnelligkeit, mit der QE-Intention für chro-
nisch Kranke wirkt, kann nur als höchst erstaunlich angesehen
werden. QE-Intention hat immer eine sofortige Wirkung. Wie
schnell sich Ergebnisse in der Symptomatik zeigen, hängt von
der Art und Schwere der Erkrankung und der Konstitution des
Kranken ab.“

9. Meditation und ganzheitliche Psychotherapie


Meditative Erfahrungen werden insbesondere von einem re-
lativ neuen Zweig der Psychologie beschrieben, der transper-
sonalen Psychologie. Die untere Abbildung verdeutlicht diesen
Sachverhalt mit einer Darstellung der verschiedenen Schichten
des Bewusstseins.
- Das positive aber unvollständige Selbstbild ist dasjenige, das
wir mehr oder weniger unreflektiert von uns haben.
- Das verdrängte und negative Selbstbild beschreibt das, was
wirklich in uns vorgeht. Es ist oft viel mehr, als wir gewöhnlich
nach außen dringen lassen und offen zeigen. Alle unbewussten
Aspekte unserer Persönlichkeit zählen hierzu.

1) Dr. Frank Kinslow, »Eu-Gefühl, Quantenheilung für ein erfülltes


Leben«, VAK Verlag, 2011, Seite 151

25
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

- Das wahre Selbst ist der innerste Teil unseres individuellen


Wesens. Es ist das, was wir hinter allen Masken und Tarnun-
gen wirklich sind. Das wahre Selbst zu finden, entspricht dem,
was wegweisende Psychologen wie Abraham Maslow als
Selbstverwirklichung bezeichnen. Durch regelmäßige Meditati-
on wird uns diese Erfahrungsebene immer zugänglicher.

26
24. Meditation, der innere Heiler

- Das Höhere Selbst gibt uns ein Gewahrsein, auf der tiefsten,
innersten Ebene unseres Wesens eins mit dem Rest des Uni-
versums zu sein. Wir fühlen uns als Teil von etwas viel Größe-
rem. Das Höhere Selbst zu finden, nannte Abraham Maslow
Selbst-Transzendierung. Dies ist der eigentliche Forschungs-
bereich der transpersonalen Psychologie und es ist die Ebene,
die wir in der tiefsten Meditation bewusst erfahren können.
- Das Höchste Selbst schließlich können wir als das Selbst des
Universums betrachten, den Großen Geist oder Gott. Sowohl
das Höhere Selbst als auch das Höchste Selbst gelten nach
einhelligem Meditationsverständnis nicht als Erfahrungsweisen,
sondern als Seinsweisen – also nicht als Objekte der Sinnes-
wahrnehmung, sondern vielmehr als Das, was wir im tiefsten
Wesen wirklich sind.
Dessen ungeachtet wird das Erlebnis des Einsseins in der
transpersonalen Psychologie oft als Grenzerfahrung oder Gip-
felerlebnis beschrieben und von Maslow in folgenden sieben
Punkten zusammenfasst:1

„- Grenzerfahrungen können einige therapeutische Wirkung


im strengen Sinne der Symptombeseitigung haben.
- Grenzerfahrungen können die Sicht, die man in Bezug auf
sich selbst hat, in eine gesunde Richtung ändern.
- Sie können die Sicht anderer Menschen und die eigene
Beziehung zu ihnen in verschiedener Weise ändern.
- Sie ändern mehr oder minder dauerhaft die Sicht der Welt
oder die Sicht von Aspekten oder Teilen der Welt.
- Sie können größere Kreativität, Spontaneität, Expressivität
und Idiosynkrasie (Selbst-Eigenheit, Anm. d. A.) auslösen.

1) Abraham H. Maslow, »Psychologie des Seins«, Kindler Verlag,


1973, Seiten 83ff.

27
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

- Man erinnert sich an die Grenzerfahrung als an etwas sehr


Wünschenswertes und strebt die Wiederholung an.
- Der Mensch ist fähiger, das Leben im Allgemeinen als le-
benswert zu empfinden, auch wenn es grau, alltäglich,
schmerzlich oder unbefriedigend ist, da Schönheit, Erregung,
Ehrlichkeit, Spiel, Güte, Wahrheit und Sinn ihre Existenz für ihn
demonstriert haben.“
Dieser letzte Abschnitt über das Höchste Selbst, das Selbst
des Universums, den Großen Geist oder Gott, bildet den per-
fekten Übergang zum folgenden Kapitel: »Gebete und Gesprä-
che mit Gott«.

28
24. Meditation, der innere Heiler

Vollmond, Theo Jacobi

„Der Vollmond scheint


Eine Nachtigall schlägt
Es duftet nach Heu
Frieden in mir“

Theo Jacobi,
Aussichten, Bilder und Betrachtungen, Seite 62

29
Siebter Stern – Heilung durch Einheit

Tao-Veda Verlag

Birgit Heinrich
Kleindröbener Waldweg 3
06917 Jessen (Elster)

bh@tao-veda.de

www.tao-veda.de

30