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D Gedanken formulieren

(i)
Der Korururuxrrv I (Konjunktivform der Präsensgruppe) vermittelt etwas sprachlich in die Ge-
genwart hinein. Das kann von Anderen GesaStes, das kann Gedachtes, Gewünschtes, Gesetz-
(z)
tes sein, das in seiner sprachlichen Form transferiert wird. ln der Gegenwartssprache ist der
Konjunktiv I vor allem im (geschriebenen) Standard anzutreffen. (:)
Der Koru:uruxrrv ll (Konjunktivform der Präteritumsruppe) stellt etwas auf der Ebene der Wis- Beim
sensverarbeitung als gedacht, als Denkmöglichkeit, subjektiven Wunsch des Sprechers, Rol-
(+)
lenspiel, Sachverhalt in einer mö§lichen Welt hin. Dazu kann auch der Gehalt fremder Rede
gehören. Die angeregte Schleife in der Wissensverarbeituns kann liußerungen in Kooperati-
onen höflicher wirken lassen.
Werde
Nicht deutlich markierte Formen des Konjunktiv ll werden gegenwärtig und besonders in der Passiv

§esprochenen Sprache durch die Wünor-Fonu ersetzt, die dazu tendiert, die einzige Kon-
junktivform zu werden und den synthetischen Konjunktiv zu verdrängen. Sie wird auch in der
RedewiederSabe eingesetzt (Zukunft in der wiedersegebenen Figurenrede). Ko nju i'

D4 Perspektive: Aktiv und Passiv


Sein-
Didaktischer Kommentar: Passiv

Hier geht es um unterschiedliche Perspektivierungen eines Sachverhalts. lm Mittelpunkt


soll das verbreitete werden-Passiv stehen und seine Funktion vor allem an Fachtexten
Konl un
und in der Täter-Aussparung gezeigt werden. Vorsicht ist bei den üblichen Umformübun-
gen (Rktiv * Passiv) §eboten. Die Wahl des falschen Aussangsverbs (auch in manchen
Lehrmaterialien) ftihrt zu Ergebnissen, die im Deutschen nicht akzeptabel sind. Entschei-
dend ist es, die Funktion der Passivformen zu verdeutlichen, um Verwendungen in Fach- Tab. t,::
und Wissenschaftssprachen zugänglich zu machen und aktiven Gebrauch anzuregen.
lntra ns
(,,unpe

Zum Passiv in Lernmedien Steinhoff 2011.


(s) |

(o) )
ln der Bildun§ vieler Verben lässt sich eine Aktiv-Grundform von Passivformen unter-
scheiden. Für das PRssrv werden drei Bildungsweisen senutzt:
(t) (

(r) Werden-Passiv, werden + Partizip ll (es wird gesagt) I

(b) Sein-Passiv: sein + Partizip ll (es ist gesagt)


(.) Bekommen-Passiv: bekommen/kriegen/erholten + Partizip ll (sie bekommt
(a) z
b
es gesogt).
fr
Hat ein Verb eine Passivform, so erscheint sie in allen Tempora, auch im Konjunktiv
(faf . t). Alle Formen enthalten das Partizip ll, das ein Ereignis in seinem Resultat, seinem
Prrriuf
Nachzustand bündelt. Der Subjektausdruck eines vergleichbaren Aktivsatzes erscheint
mation
im Passivsatz nicht mehr oder als Präpositionalgruppe (von/durch/seitens ... + Verur-
sacher/Ursache/lnstrument), das Akkusativobjekt erscheint als Subjekt, ein Dativobjekt (s) K
bleibt: u
Zl
d
b

292
D4 Perspektive: Aktiv und Passiv

(t) Paula öffnet das Fenster. Das Fenster ist geöffnet.

(z) Sarah verkauft das Auto. Das Auto wird (von Sarah) verkauft.

(s) Man hilft ihr. thr wird geholfen.

Beim Bekomrnen-Passiv erscheint das Dativobjekt als Subjekt:

(+) lhr Vater schenkt ihr ein Buch. Sie bekommt (von ihrem Vater) ein Buch ge-
schenkt.

Werden- Präsens Präteritum Präsensperfekt Präteritum- Futur Futurperfekt


Passiv perfekt
lndikativ wird wurde ge- ist §eöffnet war §eöffnet wird geöffnet wird geöffnet
geöffnet öffnet worden worden werden worden sein
Konjunktiv werde würde §e- sei geöffnet wäre geöffnet werde geöff- werde geöff-
geöffnet öffnet worden worden net werden net worden
sein

Sein- Präsens Präteritum Präsensperfekt Präteritum- Futur Futurperfekt


Passiv perfekt
lndikativ ist war ge- ist geöffnet war geöffnet wird geöffnet wird geöffnet
geöffnet öffnet gewesen gewesen sein §ewesen sein
Konjunktiv sei wäre ge- sei geöffnet wäre geöffnet werde §eöffnet werde geöff-
§eöffnet öffnet gewesen gewesen sein net worden
sein

Tab.1: Formen des werden- und des sein-Passivs

lntransitive Verben können mit werden oder sein qine subjektlose Passivkonstruktion
(,,unpersönliches Passiv") bilden, auch mit einigen transitiven ist das möglich:

(s) lhm wird vergeben. [intransitiv]

(o) Jetzt wird ausgepackt. [transitiv]

(t) (a) tttan hat ihr gekündigt.


(b) lhr wurde gekündigt.
(c) .Sie wurde gekündigt. [als Fehler nicht selten]

(a) Zwischen Computern, Unterlagen und Telefonen wurde ,,verfasst, glefeiert,


beraten, §ekichert, und manchmal auch §eweint", so Teigler - aus Erschöp-
fun§, Frust oder auch aus Freude.
Ihttp://www.derwesten.de/staedte/luenen/Gefeiert-gekichert-und-geweint-id2123169.htm1, 1S.6.2011]

Passivformen spielen eine wichtige Rolle besonders in Fachsprachen, Gebrauchsinfor-


mationen, Verwaltungstexten; vgl. die folgenden Lehrwerktexte:

(S) Kostenvergleich. Durch die Einrechnung des Unternehmerlohnes in die Kosten


wird erreicht, dass Kapitalgesellschaften sowie Personengesellschaften/Ein-
zelunternehmungen in der Selbstkosten-und Betriebser§ebnisrechnun§ §leich-
gestellt sind.

293
D Gedonken formulieren

Die Höhe des kalkulatorischen Unternehmerlohns richtet sich nach dem Ge- (tz) Paul
halt eines leitenden Angestellten in vergleichbarer Position. Prozr
Zusatzkosten. Der kalkulatorische Unternehmerlohn wird als Kostenbestand- etc.)l
tei! in die Kosten- und Leistunssrechnung eingebracht; er darf aber nicht -
Auf die An1
wie z.B. die Gehälter leitender Angestellter - in der Finanzbuchhaltung ge-
etwa wenn
bucht werden, da er nicht zu Aufwendungen und Aussaben führt. Kosten mit
dieser Eigenschaft heißen Zusatzkosten (vgl. S. 378). (t:) Strafi
(Schmolke/Deitermann 2OO9: 37 2) (Oberstufe, Berufskolleg) Der P

Neun
(to) DieTriebkrafteiner Reaktion wird also sowohl durch die Reaktionswärme wie
ander
durch die entstehende Unordnung bestimmt. Vorgänge, die mit einer Abgabe
nung
von Energie verbunden sind, verlaufen nur dann freiwillig, wenn die Ordnung
und r
nicht wesentlich größer wird. Freiwillig verlaufende endotherme Vorgänge
haber
sind stets mit einer starken Zunahme der Unordnuns verknüpft:
x Verdunsten: die Teilchen sind im Gaszustand weniger geordnet als im
flüssigen Zustand
x Bei der Reaktion von Wasserdampf mit Kohle entstehen aus einem Gas
und einem festen Stoff zwei Gase: die Unordnung nimmt also zu.
(Ch risten 19712 152) (0 berstufe, G rundstud u m Chem ie)
i

5
D4.1Das werden-Passiv

Dies ist die zentrale Passiv-Form. Das Passiv-Hilfsverb werden drückt einen prozessua-
len Übergang aus. Es erscheint als finites Verb im Präsens und Präteritum, als Partizip ll
in den Perfekt-Tempora, im Infinitiv im Futur. Das werden-Passiv kann von den meisten
transitiven Verben (Verben mit Akkusativobjekt wie verkoufen, onklagen, schlagen) ge-
bildet werden. Ausgeschlossen sind insbesondere:

x reflexive Verben (sich wundern, sich schämen)

x Verben des Besitzens, Besitzwechsels (hoben, besitzen, bekommen, kriegen,


erhalten).
IUz
Unter den intransitiven Verben sind Handlungsverben wie arbeiten, worten passivfähig.
Allgemein sind aber die Grenzen unscharf, z.B. findet man bei den Verben wissen, ken-
nen, glauben schon mal ein Passiv, bei interessieren, begeistern, beeindrucken etc.
hängt es davon ab, wie sehr der Handlungscharakter des Sachverhalts ausseprägt ist.

Das wsporru-Pnsslv leistet eine spezifische Ereignisperspektivierung: konzeptuell wird bei


dem von dem Ereignis Erfassten (Oblektfeerson) ansesetzt; es wird in einen vom Verb be-
schriebenen Prozess $esetzt und die verursachende Größe kann ausgespart werden. Durch
das prozessuale Konzept von werden erfahren auch punktuelle Ereignisse eine zeitliche Form der P,a:

(leichte) Streckung.
handelnde P:

(tt) Paula weckt Paul auf. [lktiv, Orientiert wird auf den Umschlagpunkt des Auf- von der Ha":
wachens] betroffenes l
andere 0b1e':

Fab.2: Werce-

294
D4 Perspektive: Aktiv und Possiv

(tz) Paul wird (von Paula) aufgeweckt. lwerden-Passiv: 0rientiert wird auf den
Prozess des Aufweckens, der eine gewisse Zeit einnehmen kann (wachrütteln
etc.)l
Auf die An§abe des Handelnden wird oft verzichtet. Er kann sich von selbst verstehen,
etwa wenn es eine institutionelle Zuständigkeit gibt:

(t:) Strafverhandlung (Verlesung der nnklage) (F. r)


Der Pflasterer Hans-Uwe Keller, Personalien wie erörtert, wird anseklacht, in
Neunkirchen am 15.10.1977 gegen 17 Uhr gemeinschaftlich handelnd mit dem
anderweitis verfolgten Hollmann mit einem nicht zur ordnungsgemaßen öff-
nun§ bestimmten werkzeus in einen Geschäftsraum eingedrungen zu sein
und dabei einem Anderen fremde, bewechliche Sachen weggenommen zu
haben in der Absicht, sich dieselben rechtswidrig zuzueichnen.

Resultat

lsynchronisierung in
t der Wahrnehmuno/

lVorstellung

geteilter Vorstellun gsbereich

Abb. 1: W e r de n -Passiv (Präsens)

Aktiv Passiv
Form der Prädikation Verb, Verbkomplex Verbkomplex enthält werden + Partizip ll
des Vollverbs

handelnde Person (Agens) Subjektausdruck (Nominativ) nicht aussedrückt oder Präpositional-


$ruppe mit von, seitens, durch
von der Handlung erfasstes, Akkusativobjekt Subjektausdruck
betroffenes 0bjekt/Person
andere Objekte, Adverbialia unverändert

Tab.2: Werden-Passiv sesenüber dem Aktiv

29s
D Gedanken formulieren

(t+) Der nun Angeklagte wurde bei der Razzia festglenommen und sitzt seither in de
Untersuchungshaft. SO

Ihttpr//www.main-netz.de/nachrichten/region/aschaffenburg/aschaffenburg-stadt/stadt/
a1111846,1686337, 17.6.20]11 lm Beisp
Unfug al:
ln Gebrauchsanleitungen ist klar, wer handelt (Anwender), etwas benennt (Hersteller):
sivform r

(ts) Was ist Budes Easyhaler@ und wozu wird es angewendet?


Formulre
Budes Easyhaler@ ist ein Arzneimittel, das als ,,Vorbeuger" bezeichnet wird. struktior
Es behandelt den Entzündunglsvorgang und wird verwendet, um Asthma- Konstru «

Symptomen vorzubeugen. Es gehört zu einer Gruppe von Arzneimitteln, die


Kortikostereoide genannt werden. (Gebrauchsinformation Budes Easyhaler) (zt) Da

Die ldentität ist abstrakt, unbekannt, soll nicht genannt bzw. soll verschwiegien werden: (zz) Da
f^,
TE
(to) Geschichte wird gemacht ISongtitel von ,,Fehlfarben"]

(tz) Wolfgang Joop


(z:) s e
nic
Sein Familiengrab wurde beschädigt. (...) Uodeschöpfer Wolfgang Joop (6s)
hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, nachdem seinem steinernen Engel
D4.2 Das
der Penis abgeschlagen worden ist.
Ihttp://www.bunte.de/newsline/wolfgang-joop-sein-familiengrab-wurde- beschaedigt- aid-18643.htm1,
v.a.zorl
Das seir

(rA) Turm ut
taz: Warum haben Sie für lhre Militanz-Diskussion auf dem Kongress Re$eln
besteht
aufgestellt) Es soll ,,im Passiv" und ,,im Konjunktiv" geredet sowie lieber im
jektiv o
Allgemeinen §eblieben werden.
Lutz: Das sind keine Regeln, sondern eher Tipps, wie man überhaupt eine Sa-
che diskutierbar machen kann, die eigentlich ein hohes Maß an Anonymität
braucht. Es ist eine schwierige Debatte. Man sollte nicht Leute, die vielleicht
unbedarft in eine solche Diskussion hineingehen, Fehler machen lassen, die
eine Repression zur Folge haben könnten. (taz18./19.6.2001, 11)

lm folgenden Beispiel liefert die durch-Gruppe das lnstrument, aber nicht den Täter:

(ts) Am 1. Juni2001wurde nahezu die gesamte nepalesische Königsfamilie durch


Schüsse Eletötet. Nach dem offiziellen Untersuchungsbericht gilt Kronprinz Di-
pendra als der Täter. Es bestehen aber erhebliche Zweifel, ob der Tathergang
wie im offiziellen Bericht dar§estellt, sich auch so zugetragen hat.
Ihttp://de.wikipedia.orglwiki/Dipendra, 17.6.2011]

Eine wichtige Funktion des werden-Passivs ist es, die lineare Abfolge zu ändern, so dass
ein thematischer Ausdruck aus der Akkusativobjektposition in die Subjektposition am
Satzanfang rückt. Damit ist der thematische Anschluss durch die Nähe zum vorausge-
henden thematischen Ausdruck besser nachzuvollziehen.

(zO) Zudem wollte Mach nicht leugnen, daß der Unterschied zwischen dem armen
und dem reichen Kretin der war, daß ein reicher Kretin es in der Hand hatte,
als ,,weise und fähig" dazustehen, eine gesellschaftliche Stellung zu besetzen,
in welcher noch [der größte Unfug].rn, eine bedeutun§svolle lnterpretation er-
fuhr, nicht zuletzt, indem fder Unfug]rn, hoch dotiert wurde. Daß solche Leute
dann Kinder zeugten, an die sie ihre betrügerische Ader weitergaben. Daß al-
les in dieser Welt wesentlich von den Gesetzen des Vererbens bestimmt wur-

296
D4 Perspektive: Aktiv und Passiv
t
de, eben nicht nur Veranlagungen, sondern auch Häuser, nicht nur Häuser,
sondern auch Positionen. (Steinfest 2011: 151)

fm Beispiel kann durch die Passivkonstruktion dotiert wurde das zweite Vorkommen von
Unfug als Subjekt und Thema direkt an das erste angeschlossen werden. Durch die Pas-
sivform bestimmt wurde ist es zudem möglich, die beiden dass-Sätze zu parallelisieren.
Formulierungsalternativen sind manchmal Funktionsverbgefüge (* Ot.S), Reflexivkon-
struktionen, reflexive Iossen-Konstruktionen und modale lnfinitive sowie unpersönliche
Konstruktionen (etwa mit mon):

(zt) Das wurde entschieden. - Das kam zur Entscheidung.

(ZZ) Das Fenster kann geöffnet werden. - Das Fenster lässt sich öffnen. - Das
Fenster ist zu öffnen.

(z:) Sie wird nicht betrogen. - Sie lässt sich nicht betrügen. - Man betrügt sie
nicht.

D4.2 Das sern-Passiv

Das sein-Passiv drückt für das Subjekt einen Zustand als Resultat eines Vorsangs aus (den
Turm umwerfen - der Turm ist umgeworfen, die Stadt zerstören - die Stadt ist zerstört). Es
besteht eine Ahnlichkeit zu Konstruktionen mit dem Kopulave rb sein, das sich mit einem Ad-
jektiv oder bereits als Adjektiv zu verstehenden Partizip ll verbindet: ist beliebt, ist begobt.

i Ereignis Nachzustand/
i Vorgeschichte Resultat

Synchronisierung in
der Wahrnehmungi
Vorstellung

geteilter WahrnehmungsJ
Vorstellungsbereich

Abb. 2: Sein-Passiv (Präsens)

297
D Gedonken formulieren

Das Passiv-Hilfsverb sein kann kombiniert werden mit

c dem partizip ll von transitiven Verben (verlaufen, treffen, schloge.n, bitten), (ii)
darunter etwa auch enthalten, das kein werden-Passiv gestattet (darin sind (i ii)
CDs entholten) sowie

§ wenigen intransitiven Verben (hetfen, domitist dir geholfen) und echt reflexiven (ir)
verbJn $ich verlieben: wir sind verliebt, sich verloben: wir sind verlobt) und

x Verben mit Reflexivum (sich kämmen: er ist gekömmt\.

Die Grenzen zwischen sein-Passiv und Prädikativ sind mitunter schwer zu ziehen.

D4.3 Das bekommen-Passiv Ds I'

Das bekommen-passiv bezieht einen Vorgan§, auf das Subjekt als Rezipienten (daher auch'
Rezipientenpassivs ist
E
,,Rezipientenpassiv"), der im Subjekt versprachlicht ist. lm Konzept des
verankert, dass jemand etwas - ursprünglich einen Gegenstand - entgegennimmt.

Bildunsen mit erhqlten sind seltener, bei Verben des We§nehmens ist die Form nicht
zulässig (*bekommt etwas gestohlen). Bildungen mit kriegen sind umgangssprachlich
und regional geprägt. lm Aktiv-Gegenstück steht der Rezipient als Empfänger oder
Nutznießer im-Dativ, im Passiv wird äas Dativobjekt zum Subjekt (,Dativpassiv').
E
(zc) Sein Vater schenki ihm einen Gutschein.

(zs) Er bekommt von seinem Vater einen Gutschein geschenkt.


Die
Das bekommen-Passiv wird vor allem von Verben des Mitteilens, Gebens, Nehmens spi
(beibringen, berichten, bescheinigen, erklören, empfehlen, schicken) gebildet, intransi- Har

iire VeÄen wie helfen, drohen, schimpfen, donken, gratulieren, kündigen, verzeihen, Nor

widersprechen werden re$ional auch manchmal in dieser Form gebraucht: ser

(ze) Du bekommst gleich geschimpft.


Mod;
lm Türkischen wird das Passiv durch das eingeschobene Suffix -il-, -(i)n- $ekennzeich- AkkL
net: reine

(zl) sevmek ,lieben' * sev-il-mek ,geliebt werden' (r)

(zs) Bu su iq-il-ir mi)


dies Wasser trink-Passiv-Aorist Fragepartikel ,Wird dies Wasser gietrunken?' /
,Kann man dieses Wasser trinken?'

Mod.
wird
Bestimmen und erläutern Sie die Tempora, den Verbmodus und das Genus Verbi in der
samr
Satzfolge eines Urteils in einem Strafverfahren (Ft3):
dass

(i) lch verkünde im Namen des Volkes folgendes Urteil: Der An$ekla$te Matthias (z)
Puhlmann wird wegen NötiSun$ und Widerstands gegen Vollstreckun$sbe-

298
D5 Hondlungs- und Wissensmodalitiiten, Modalverben

amte zu einer Gesamtgeldstrafe von fünfundfünfzig Tagiessätzen zu je zehn


D-Mark verurteilt.
(ii) Er träst die Kosten des Verfahrens. (...)
(iii) lch werde mich beschränken auf die ((t s)) nackten Tatsachen, wie man im-
mer so schön sagt, soweit wir sie hier heute in der Hauptverhandlung haben
feststellen können.
(ir) Da ist zunächst . die Einlassung des Herrn Puhlmann, der uns den Vorfall so
geschildert hat, als sei dieser Funkstreifenwagen für ihn völlig überraschend
und plötzlich auf ihn zusekommen, als habe er keine Möglichkeit mehr ge-
habt, beiseite zu springen ...

D5 Handlunss- und Wissensmodalitäten: Modalverben

ch: i
Didaktischer Kommentar:
ist I
Modalverben spielen eine zentrale Rolle im System deutscher Verben. Sie werden ver-
L
wendet zum Ausdruck der Handlungsplanung und Handlungskoordination, für die Verga-
be des Rederechts und die Modalisierung weitergegebenen Wissens. Die Beherrschung
des wissensbezogenen Gebrauchs ist keinesweSs selbstverständlich.
nicht
h lich
od er
Literaturhinweis:

Redder 1984 (Unterrichtsdiskurs), 2oo9a.

Die Moonlvene*t dürfen, können, mögen/möchte, müssen, sollen, wollen (nicht brouchen)
11ens spielen im kommunikativen Alltag eine große Rolle: in der Planung und Vorbereitung von
ansi- Handlunsen, bei der Vergabe und Nutzung des Rederechts in Gesprächen, in der Rede über
';hen, Normen und ihre Geltung, aber auch zum Transfer von Schlussfolgerun§en, Annahmen, As-
sertionen anderer Personen.

Modalverben können als Vollverben gebraucht werden (ich kann dos), aber auch ohne
^ -L
tsiLlt-
Akkusativobjekt wie Hilfsverben im Verbkomplex (sie will nur spielen). Sie regieren den
reinen lnfinitiv (ohne zu), vgl.:

(t) Man dürfe ihn nicht belügen, sagte Büttner. Das sei das schwierigste Lehrbuch
deutscher Zunge. Niemand könne es an einem Tag studieren, schon gar nicht
ein Achtjahriger mit triefender Nase. Gauß wußte nicht, was er sagen sollte.
Büttner griff mit unsicheren Händen nach dem Buch. Er könne sich auf etwas
gefaßt machen, jetzt werde er ihn befragen! (Kehlmann 2005: 58)
*müsse, ?wolle). Ein Passiv
Modalverben bilden in der Regel keine lmperativform (* solle,
wird kaum gebildet (wurde gekonnt, wurde gewollt, *wurde gesollt). Sie bilden die zu-
sammengesetzten Tempusformen nicht mit dem Partizip ll, sondern mit dem lnfinitiv, so
dass dann zwei lnfinitive vorhanden sind:

:< (z) Paula hat schlafen sollen (.schlafen gesollt).


:-

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