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Valentin Schröder

Prüfungstrainer Strömungsmechanik
Valentin Schröder

Prüfungstrainer
Strömungsmechanik
Klausur- und Übungsaufgaben
mit vollständigen Musterlösungen
2., aktualisierte und erweiterte Auflage
Mit 130 Abbildungen
STUDIUM
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
<http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

1. Auflage 2011

Alle Rechte vorbehalten


© Vieweg +Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
Lektorat: Ulrich Sandten | Kerstin Hoffmann
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www.viewegteubner.de
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Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg


Druck und buchbinderische Verarbeitung: AZ Druck und Datentechnik, Berlin
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in Germany

ISBN 978-3-8348-0988-9
Vorwort

Die Idee dieses Buches beruht auf zwei Erfahrungen, die ich zum einen als Student und zum
anderen später als Lehrender gemacht habe. Mir ist noch sehr gut in Erinnerung, dass in mei-
ner eigenen Ausbildungszeit in den sechziger Jahren die vorlesungsbegleitende Literatur fast
ausnahmslos an den Bedürfnissen der Fachwelt orientiert war und weniger die studentischen
Interessen und Erfordernisse ansprach. Der bisweilen abstrakte Hintergrund in der Strö-
mungsmechanik wird jedoch von den meisten Lernenden dann besser oder überhaupt erst ver-
standen, wenn mittels geeigneter Anwendungsbeispiele die Theorie erprobt werden kann
(„Learning by doing“). Diesen „Hilfestellungen“ wurde in der damaligen Literatur zu wenig
Beachtung geschenkt. Die wenigen Beispiele, die zur Verfügung standen, zeichneten sich oft
dadurch aus, dass die einzelnen Lösungsschritte gar nicht oder nur fragmentarisch vorlagen
und somit die Erarbeitung der Aufgabenlösungen nur schwer möglich war und oft auch er-
folglos blieb.

Um diese Mängel nicht in meinen eigenen Vorlesungen „Strömungsmechanik“ und „Strö-


mungsmaschinen“, die ich während der Lehrtätigkeit von 1982 bis 2007 an der Fachhoch-
schule Augsburg gehalten habe, zu wiederholen, wurden die Vorlesungen auf zwei Schwer-
punkten aufgebaut. Neben der Vermittlung des theoretischen Hintergrunds wichtiger Grund-
lagen kam der Erprobung des Erlernten durch die anschließende Bearbeitung zahlreicher
Übungsbeispiele besondere Bedeutung zu. Das genannte Konzept fand bei den Studierenden
eine hohe Akzeptanz, was u.a. in den positiven Aussagen im Rahmen der „Evaluationen“ zum
Ausdruck kam.

Diese positiven Erfahrungen gaben dann auch den Ausschlag, vorliegendes Buch zu konzipie-
ren. Da die heute verfügbare Literatur zur Strömungsmechanik neben den Fachbüchern auch
sehr gute Lehrbücher anbietet, die den oft abstrakten, nicht immer sofort verständlichen Stoff
sowohl inhaltlich als auch pädagogisch gut aufbereitet vermitteln, bestand keine Notwendig-
keit, ein weiteres Lehrbuch hinzuzufügen. Es sollte dagegen eine Lücke geschlossen werden,
die im Bedarf nach einem vorlesungsergänzenden Übungsbuch bestand. Dessen besonderer
Schwerpunkt wurde auf die detaillierte Vorgehensweise bei der Aufgabenlösung gelegt, um
das Nachvollziehen auch von komplexeren Aufgaben zu ermöglichen. Durch die Punkte-
vergabe zu den jeweiligen Beispielen sollte das Buch insbesondere auch bei Prüfungsvorbe-
reitungen verwendet werden können.

Die diversen Gebiete der Strömungsmechanik werden von Hochschule zu Hochschule und
von Fachgebiet zu Fachgebiet unterschiedlich akzentuiert. Dies hat folglich eine Fülle ver-
schiedenartiger Schwerpunkte der Themenbereiche zur Folge, die mit einem einzigen
Übungsbuch allein nicht abgedeckt werden können. Vorliegendes Buch spricht vorzugsweise
Hörer des Maschinenbaus und der Verfahrenstechnik an Fachhochschulen aber auch Studie-
rende der Umwelttechnik an. Voraussetzung ist bei der Handhabung des Buchs, dass die
Grundlagen des Fachs Strömungsmechanik bekannt sind, was im Allgemeinen erst nach dem
3. oder auch höheren Semestern der Fall ist. Das erforderliche mathematische Rüstzeug wird
mit den diesbezüglichen Vorlesungsinhalten an Fachhochschulen abgedeckt.

Ich wünsche allen, die sich eine Verbesserung ihres Verständnisses strömungsmechanischer
Vorgänge durch die Erprobung der Theorie an konkreten Aufgaben erhoffen, dass ihnen vor-
liegendes Buch hierbei hilfreich ist und im Fall bevorstehender Prüfungen zum gewünschten
Erfolg beiträgt.
Nicht zuletzt möchte ich mich bei meiner Frau für ihren bewundernswerten Einsatz beim Nie-
derschreiben der zahllosen Gleichungen, für die kritischen Anmerkungen bei der Textgestal-
tung und für die Erduldung einer nahezu zweijährigen Einschränkung ihrer Freizeit von gan-
zem Herzen bedanken.

Ebenfalls Dank sagen möchte ich dem Vieweg + Teubner Verlag und hier insbesondere Frau
Kerstin Hoffmann vom Lektorat „Naturwissenschaften – Informatik – Energie&Umwelt“ und
dem Cheflektor, Herrn Ulrich Sandten, die alle meine Fragen in sehr freundlicher und zuvor-
kommender Art beantworten konnten.

Königsbrunn, im Juni 2011 Valentin Schröder


Hinweise zur Anwendung

Jedem der 16 Kapitel dieses Buchs ist eine kurze Einführung in die betreffende Thematik vo-
rangestellt. Hier werden auch die wichtigsten diesbezüglichen Gleichungen, die bei der Lö-
sung der nachfolgenden Beispiele benötigt werden, aufgelistet. Da man damit oft nicht allein
zum Ziel kommt, werden weitere Gesetze anderer Kapitel benötigt. In den Aufgabenerläute-
rungen finden sich hierzu entsprechende Hinweise.
Die Übungsaufgaben selbst sind im Allgemeinen wie folgt strukturiert. Zunächst führt die
Aufgabenstellung mit einer detaillierten Skizze in die Aufgabe ein. Die anschließende Auf-
gabenerläuterung mit Hinweisen auf die hier angesprochenen Themenbereiche soll den ein-
zuschlagenden Lösungsweg erkennen lassen. Besonderheiten, Annahmen, z.T. nicht geläufige
mathematische Zusammenhänge usw. werden unter Anmerkungen (grau hinterlegt) genannt.
Danach erfolgt unter Lösungsschritte der, oftmals vielleicht trivial anmutende, bis ins Detail
aufgelöste Weg zum gesuchten Ergebnis. Hintergrund dieser engmaschigen Vorgehensweise
ist der Wunsch, dem Studierenden Hürden bei der Aufgabenbearbeitung beiseite zu räumen,
die eventuell durch ausgelassene Hinweise entstehen könnten.
Schwerpunktsmäßig ist das Aufgabenkonzept so gewählt, dass vorrangig funktionale Zusam-
menhänge erarbeitet werden müssen. Erst in zweiter Linie folgt die Auswertung mit konkre-
ten Zahlen. Hierbei ist dann auf eine konsequente Beachtung dimensionsgerechter Größen zu
achten.
Die einzuschlagende Lösungsstrategie hat Turtur [18] in unten stehendem Ablaufplan über-
sichtlich zusammengestellt. Aufgrund der Ausführlichkeit und Vollständigkeit bedarf sie kei-
ner weiteren Erläuterungen bzw. Ergänzungen. Sie sollte bei der Bearbeitung der einzelnen
Aufgaben konsequent eingehalten werden, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen.

Abb. 1 Vorgehensweise bei der Bearbeitung der Aufgaben nach Turtur [18]
VI Hinweise zur Anwendung

Viele der Beispiele sind in verschiedene Teilaufgaben gegliedert. Diese weisen unterschiedli-
che Schwierigkeitsgrade auf und beanspruchen demgemäß auch verschiedene Lösungszeiten.
Beides ist in den Kopfzeilen einer jeden Aufgabe vermerkt, wobei der jeweilige Schwierig-
keitsgrad mit folgenden Symbolen belegt ist:

hhhh hhh hh h
sehr schwer schwer mittel leicht

Dies ist, wie man heute sagt, ein „gefühlter Schwierigkeitsgrad“, der sich leider nicht quanti-
fizieren lässt. Er dient ausschließlich dazu, eine qualitative Einschätzung über den zu erwar-
tenden gedanklichen und zeitlichen Aufwand abzugeben. Als einzige messbare Größe, die den
jeweiligen Lösungsaufwand beschreibt, kann die benötigte Zeit zugrunde gelegt werden.

Aufgabe 4.4 Verschlussklappe zwischen zwei Wasserkanälen


¥ 1. 9 min hh 9 Punkte

¥ 2. 11 min hhh 11 Punkte

¥ 3. 4 min h 4 Punkte

Abb. 2 Kopfzeilen einer Beispielaufgabe mit Lösungszeiten, Schwierigkeitsgrad und Punkten

Diese in Minuten festgestellten Bearbeitungszeiten finden sich hinter dem Symbol ¥ und
der anschließenden Teilaufgabennumerierung. Sie entsprechen den jeweils zu vergebenden
Punkten, die ebenfalls in den Kopfzeilen gemäß Abb. 2 angegeben sind. Für diese Aufgabe
sind bei vollständiger und korrekter Lösung 24 Punkte erreichbar. Einer 90-minütigen Prü-
fung liegen folglich maximal 90 Punkte zugrunde. Erzielt man ca. 40 % der maximal mögli-
chen Punkte, in diesem Fall also 36, so sollte eine Prüfung bestanden sein. Dies ist ein Erfah-
rungswert, der sich im Rahmen der eigenen Lehrtätigkeit und der von Kollegen als praktika-
bel herausgestellt haben. Aufgrund der breit gestreuten Hochschullandschaft mit den unter-
schiedlichen Lehrinhalten, Ansprüchen der Hochschullehrer, Zusammensetzung der Semester
usw. kann o. g. Bewertungsvorschlag jedoch keine allgemeingültige Bedeutung haben.
Trotz dieser Einschränkung bietet sich die Möglichkeit, eine eigene „fiktive“ Übungs- oder
Prüfungsklausur zusammenzustellen. Hierbei sollten sich die ausgesuchten Prüfungsaufgaben
über verschiedene Themenbereiche erstrecken und sowohl leichtere als auch schwerere Auf-
gaben enthalten. Die Addition der jeweiligen vorgeschlagenen Lösungszeiten sollte in etwa
die Gesamtdauer einer Prüfung (häufig 60 Minuten; 90 Minuten; 120 Minuten) erreichen.

Neben den „Prüfungsaufgaben“ gibt es noch „Übungsaufgaben“, die entsprechend gekenn-


zeichnet sind. Hier ist der Umfang zu groß oder die Aufgabe für eine Klausur zu schwierig.
Inhaltsverzeichnis Seite

1. Viskose Fluideigenschaften .............................................................................................. 1

Aufgabe 1.1 Viskosität in zwei dünnen Flüssigkeitsschichten.................................... 4


Aufgabe 1.2 Rotationsviskosimeter ............................................................................. 7
Aufgabe 1.3 Rotierender Hohlzylinder ..................................................................... 12

2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme ........................................ 15

Aufgabe 2.1 Wasserbehälter auf LKW...................................................................... 18


Aufgabe 2.2 Beschleunigtes Winkelrohr ................................................................... 21
Aufgabe 2.3 Rotierendes Winkelrohr ........................................................................ 23
Aufgabe 2.4 Rotierendes T-Stück ............................................................................. 25
Aufgabe 2.5 Rotierender geschlossener Zylinder...................................................... 27
Aufgabe 2.6 Rotierender Behälter mit Steigrohr ....................................................... 30
Aufgabe 2.7 Rotierender Behälter mit offenem Deckel (Ü) ..................................... 33
Aufgabe 2.8 Messfühler auf rotierender Flüssigkeitsoberfläche ............................... 38
Aufgabe 2.9 Schrägaufzug (Ü)........... ....................................................................... 40

3. Fluiddruck ....................................................................................................................... 47

Aufgabe 3.1 Kolben in Ölzylinder ............................................................................ 51


Aufgabe 3.2 Kugelbehälter ........................................................................................ 53
Aufgabe 3.3 U-Rohr mit zwei verschiedenen Flüssigkeiten ..................................... 55
Aufgabe 3.4 Behälter mit kommunizierenden Zylindern .......................................... 57
Aufgabe 3.5 Doppeltes Zylindersystem .................................................................... 59
Aufgabe 3.6 Behälter mit verschiedenen Flüssigkeiten (Ü) ...................................... 62
Aufgabe 3.7 Wasserglas ............................................................................................ 66
Aufgabe 3.8 Ballon .................................................................................................... 69
Aufgabe 3.9 Behälter mit Rohrleitungen (Ü).. .......................................................... 73

4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände .......................................... 77

Aufgabe 4.1 Rechteckige Staumauer......................................................................... 81


Aufgabe 4.2 Schräge Absperrklappe ......................................................................... 85
Aufgabe 4.3 Platte auf Wasser .................................................................................. 89
Aufgabe 4.4 Verschlussklappe zwischen zwei Wasserkanälen................................. 92
VIII Inhaltsverzeichnis

Aufgabe 4.5 Zylinder auf Rechteckabfluss ............................................................... 97


Aufgabe 4.6 Kugel auf Abflussrohr (Ü).. ................................................................ 101
Aufgabe 4.7 Segmentschütz .................................................................................... 105
Aufgabe 4.8 Zylinder zwischen zwei Flüssigkeiten ................................................ 108

5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern ................................................................ 115

Aufgabe 5.1 Boje ..................................................................................................... 117


Aufgabe 5.2 Dichtebestimmung eines Holzbalkens ................................................ 120
Aufgabe 5.3 Eingetauchter Holzstab ....................................................................... 123
Aufgabe 5.4. Schwimmender Hohlzylinder ............................................................. 127
Aufgabe 5.5 Schwimmender Quader....................................................................... 130
Aufgabe 5.6 Stahlklotz in Quecksilber .................................................................... 133
Aufgabe 5.7 TV-Quiz .............................................................................................. 135
Aufgabe 5.8 Tauchbehälter (Ü) ............................................................................... 138
Aufgabe 5.9 Schwimmender Vollzylinder (Ü)........................................................ 144
Aufgabe 5.10 Verschlusskegel (Ü) ............................................................................ 148

6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung .............................................................. 155

Aufgabe 6.1 Kontinuitätsnachweis .......................................................................... 157


Aufgabe 6.2 Durchflussgesetz ................................................................................. 159
Aufgabe 6.3 Laminare Rohreinlaufströmung .......................................................... 161
Aufgabe 6.4 Ebener Konfusor ................................................................................. 163
Aufgabe 6.5 Verteilersystem .............................................................................. ….166
Aufgabe 6.6 Messstelle der mittleren Geschwindigkeit .......................................... 168
Aufgabe 6.7 Beregnetes Stadion ............................................................................. 172

7. Bernoullische Energiegleichungen für ruhende Systeme .......................................... 175

Aufgabe 7.1 Wasserbecken mit zwei parallelen Ausflussrohren ............................ 178


Aufgabe 7.2 Vertikale Rohrerweiterung mit U-Rohr .............................................. 181
Aufgabe 7.3 Trichter................................................................................................ 184
Aufgabe 7.4 Vertikaler Rohrausfluss ...................................................................... 188
Aufgabe 7.5 Hakenrohr ........................................................................................... 192
Aufgabe 7.6 Venturimeter ....................................................................................... 194
Aufgabe 7.7 Rohrleitung ohne und mit Diffusor ..................................................... 197
Inhaltsverzeichnis IX

Aufgabe 7.8 Druckbehälter mit einem Zulauf und zwei Abflüssen ........................ 200
Aufgabe 7.9 Behälter mit Kreisscheibendiffusor .................................................... 203
Aufgabe 7.10 Wasseruhr ........................................................................................... 206
Aufgabe 7.11 Ausfluss aus zylindrischem Behälter .................................................. 208

8. Bernoullische Energiegleichungen für rotierende Systeme....................................... 211

Aufgabe 8.1 Rohrpumpe.......................................................................................... 213


Aufgabe 8.2 Rotierendes gerades Rohr ................................................................... 217
Aufgabe 8.3 Rasensprenger (Ü) .............................................................................. 222
Aufgabe 8.4 Pumpenlaufrad .................................................................................... 227

9. Bernoullische Energiegleichung instationärer Strömung ......................................... 231

Aufgabe 9.1 Turbinenfallleitung ............................................................................. 232


Aufgabe 9.2 Instationär durchströmte Heberleitung ............................................... 236
Aufgabe 9.3 Flüssigkeitsschwingung (Ü) ............................................................... 242
Aufgabe 9.4 Leitung mit Verlusten (Ü)................................................................... 247
Aufgabe 9.5 Abgestufte Rohrleitung (Ü) ................................................................ 253

10. Impulssatz strömender Fluide ..................................................................................... 261

Aufgabe 10.1 Wandkraft im Krümmer...................................................................... 263


Aufgabe 10.2 Frei ausblasender Krümmer ................................................................ 266
Aufgabe 10.3 Wandkraft in einer Düse ..................................................................... 269
Aufgabe 10.4 Kolben in Düse ................................................................................... 273
Aufgabe 10.5 T-Stück................................................................................................ 277
Aufgabe 10.6 Offener Behälter mit Stützfeder .......................................................... 281
Aufgabe 10.7 Mischer ............................................................................................... 285
Aufgabe 10.8 Wasserstrahlvolumen .......................................................................... 289
Aufgabe 10.9 Zylinder auf Flüssigkeitsstrahl............................................................ 292
Aufgabe 10.10 Schwebender Kegel ............................................................................ 296
Aufgabe 10.11 Körper im Rechteckkanal ................................................................... 300
Aufgabe 10.12 Behälter mit vertikalem sowie horizontalem Ausfluss (Ü) ................ 304
Aufgabe 10.13 Rotierendes abgewinkeltes Rohr ........................................................ 309
X Inhaltsverzeichnis

11. Rohr-, Kanalströmungen .............................................................................................. 313

Aufgabe 11.1 Abflussleitungen ................................................................................. 320


Aufgabe 11.2 Luftleitung .......................................................................................... 324
Aufgabe 11.3 Vertikale Rohrleitung ......................................................................... 327
Aufgabe 11.4 Graugussrohre ..................................................................................... 332
Aufgabe 11.5 Benzinleitung ...................................................................................... 335
Aufgabe 11.6 Abgestufte Rohrleitung ....................................................................... 340
Aufgabe 11.7 Grundablassleitung ............................................................................. 344
Aufgabe 11.8 Unstetige Querschnittserweiterung .................................................... 350
Aufgabe 11.9 Wärmetauscher ................................................................................... 354
Aufgabe 11.10 Rohrverzweigung ................................................................................ 357
Aufgabe 11.11 Horizontales Kapillarviskosimeter ..................................................... 361
Aufgabe 11.12 Injektionsspritze .................................................................................. 365
Aufgabe 11.13 Wasserkanal ........................................................................................ 370
Aufgabe 11.14 Abwasserrohr (Ü) ............................................................................... 374

12. Grenzschichtströmungen .............................................................................................. 381

Aufgabe 12.1 Laminare Plattengrenzschicht ............................................................. 385


Aufgabe 12.2 Laminare und turbulente Plattengrenzschicht..................................... 388
Aufgabe 12.3 Laminare Geschwindigkeitsverteilung in der Grenzschicht ............... 392
Aufgabe 12.4 Turbulente Plattengrenzschicht........................................................... 394
Aufgabe 12.5 Papierfahne ......................................................................................... 397
Aufgabe 12.6 Flussschiff ........................................................................................... 400
Aufgabe 12.7 Luftschiff ............................................................................................ 404

13. Umströmung von Profilen und Körpern..................................................................... 407

Aufgabe 13.1 Sinkende Kugeln ................................................................................. 414


Aufgabe 13.2 Quecksilberbehälter ............................................................................ 419
Aufgabe 13.3 Nebeltröpfchen.................................................................................... 424
Aufgabe 13.4 Tragflügelboot .................................................................................... 427
Aufgabe 13.5 Airbus A380 ........................................................................................ 432
Aufgabe 13.6 Spielzeugdrachen ................................................................................ 435
Aufgabe 13.7 Tragflächenschiff ................................................................................ 438
Aufgabe 13.8 Angeströmte Platte .............................................................................. 441
Inhaltsverzeichnis XI

Aufgabe 13.9 Sprungturm (Ü) ................................................................................... 445


Aufgabe 13.10 Fallschirmspringer im freien Fall ....................................................... 449
Aufgabe 13.11 Kugel im Windkanal ........................................................................... 452
Aufgabe 13.12 Sandkörner im vertikalen Luftstrom ................................................... 455

14. Fluidströmungen mit Dichteänderungen .................................................................... 459

Aufgabe 14.1 Umströmter Körper ............................................................................. 460


Aufgabe 14.2 Machzahl am Tragflügel ..................................................................... 463
Aufgabe 14.3 Isentrope Stromfadenströmung ........................................................... 465
Aufgabe 14.4 Isotherme Rohrströmung .................................................................... 468
Aufgabe 14.5 Geschoss ............................................................................................. 472
Aufgabe 14.6 Gasbehälter mit Kolben ...................................................................... 475
Aufgabe 14.7 Rohrleitung mit Kegeldiffusor ............................................................ 479
Aufgabe 14.8 Luftstrahl mit Pitot-Rohr .................................................................... 484
Aufgabe 14.9 Druckbehälter mit Düse (und Diffusor ............................................... 487
Aufgabe 14.10 Druckluftbehälter mit Lavaldüse ........................................................ 490
Aufgabe 14.11 Ringförmige Lavaldüse (Ü) ................................................................ 495

15. Strömungsmaschinen .................................................................................................... 503

Aufgabe 15.1 Wasserförderung in einen Druckbehälter ........................................... 504


Aufgabe 15.2 Pumpe zwischen Druckkesseln ........................................................... 509
Aufgabe 15.3 Axialventilator .................................................................................... 512
Aufgabe 15.4 Pelton-Turbine .................................................................................... 515
Aufgabe 15.5 Horizontaler Axialspalt ....................................................................... 519
Aufgabe 15.6 Leitring................................................................................................ 524

16. Navier-Stokes-Gleichungen .......................................................................................... 529

Aufgabe 16.1 Strömung entlang geneigter Wand ..................................................... 530


Aufgabe 16.2 Ebener Spalt ........................................................................................ 534
Aufgabe 16.3 Senkrechter Kanal (Ü) ........................................................................ 539
Aufgabe 16.4 Bewegte Platte über ruhender Wand .................................................. 546
Aufgabe 16.5 Zwei geneigte, entgegen gesetzt bewegte Platten ............................... 551

17. Anhang: Diagramme und Tabellen ............................................................................ 557


Nomenklatur

A >m @2
Fläche, Querschnittsfläche

a > m/s @ 2
Beschleunigung
a > m/s @ Schallgeschwindigkeit

A UR >m @2
Tatsächlicher durchströmter Querschnitt

B, b >m @ Breite
c > m/s @ Absolutgeschwindigkeit
c > m/s @ Mittlere Geschwindigkeit
cf > m/s @ Ungestörte Geschwindigkeit des Absolutsystems
cW >/ @ Widerstandsbeiwert

cA >/ @ Auftriebsbeiwert
cM >/ @ Momentenbeiwert
cp >J / kg K @ Spezifische Wärmekapazität bei konstantem Druck

cL > m/s @ Lavalgeschwindigkeit


cm > m/s @ Meridiankomponente von c
cu > m/s @ Umfangskomponente von c
d Differential
D > 1/ s @ Verformungsgeschwindigkeit
d hyd >m @ Hydraulischer Durchmesser, (Gleichwertigkeitsdurchmesser)

D, d >m @ Durchmesser
e >m @ Exzentrizität
F >N@ Kraft

f > m/s @ 2
Bezogene Massenkraft (z.B. FG/m)
I { FI >N@ Impulsstrom { Impulskraft

g > m/s @ 2
Fallbeschleunigung
H, h >m @ Höhe

I >m @4
Flächenmoment 2. Grades

IS >m @4
Flächenmoment 2. Grades um den Schwerpunkt
k >m @ Rauhigkeit
XIV Nomenklatur

kS >m @ Äquivalente Sandrauhigkeit

L, l >m @ Länge
m > kg @ Masse

m > kg / s @ Massenstrom
m >/ @ Exponent
Ma >/ @ Machzahl
n > 1/ s @ Drehzahl
p > Pa @ Druck
P >W @ Leistung
pV > Pa @ Druckverlust

pf > Pa @ Druck in ungestörter Außenströmung


pB > Pa @ Barometrischer Druck
pDa > Pa @ Dampfdruck
R, r >m @ Radius
Re >/ @ Reynoldszahl
Ri >J / kg K @ Spezifische Gaskonstante
s >m @ Spaltweite, Wandstärke, Weg
T >K @ Absoluttemperatur
t >s @ Zeit
T > N m @ Moment
T* >K @ Totaltemperatur
T, t >m @ Tiefe vom Flüssigkeitsspiegel aus gezählt
u > m/s @ Umfangsgeschwindigkeit, Systemgeschwindigkeit
U UR >m @ Gesamter fluidbenetzter Umfang

V >m @3
Volumen

V > m /s @
3
Volumenstrom

v > m / kg @
3
Spezifisches Volumen
w > m/s @ Relativgeschwindigkeit
x, y, z Karthesische Koordinaten
Y > N m / kg @ Spezifische Pumpenförderenergie
Nomenklatur XV

Y Anl > N m / kg @ Spezifischer Energiebedarf einer Anlage


Y Sch
f
> N m / kg @ Spezifische Schaufelarbeit bei schaufelkongruenter, verlustfreier

Strömung
Y Sp
f
> N m / kg @ Spezifische Spaltdruckarbeit bei schaufelkongruenter, verlust-

freier Strömung
YV > N m / kg @ Spezifische Verlustenergie

Z >m @ Ortshöhe

D >q @ Winkel
D >/ @ Kontraktionszahl
E >q @ Winkel
G >q @ Anstellwinkel
G > m@ Grenzschichtdicke
'    Differenz
H >/ @ Gleitzahl
M  >q @ Winkel
J >q @ Gleitwinkel
K >Pa s @ Dynamische Viskosität
K >/ @ Wirkungsgrad
N  >/ @ Isentropenexponent
O >/ @ Rohrreibungszahl
P0  >/ @ Haftreibungsbeiwert

Q >m 2
/s @ Kinematische Viskosität
- > qC @ Temperatur

U >kg / m @ 3
Dichte
VZ  >Pa @ Zugspannung
W >Pa @ Schub-, Scherspannung
W0  >Pa @ Wandschubspannung

Z >1 / s @ Winkelgeschwindigkeit
] >/ @ Verlustziffer
1. Viskose Fluideigenschaften

Viskosität

Die Stoffgröße „Viskosität“ ist als Resultat der inneren Reibung, die bei der Verschiebung von
Fluidteilchen gegeneinander entsteht, zu verstehen. Sie ist definiert als Eigenschaft eines fließ-
fähigen Stoffsystems (flüssig oder gasförmig), bei Verformungen Spannungen aufzunehmen.
Umgekehrt kann ebenso durch eine aufgebrachte Spannung (Schub-) eine Verformung hervor-
gerufen werden, die sich in der Änderung der Geschwindigkeit senkrecht zu ihrer Richtung äu-
ßert. Diese Geschwindigkeitsänderung wird als Verformungsgeschwindigkeit D bezeichnet.
Man muss hierbei zwischen zwei Fällen unterscheiden (Abb. 1.0.1 und Abb. 1.0.2):

1. Handelt es sich um sehr dünne Fluidschichten, so ist ein linearer Geschwindigkeitsverlauf


cx = f(z) feststellbar. Die Verformungsgeschwindigkeit D innerhalb dieser Schicht ändert
'c
sich folglich nicht, d.h. D { x = konstant. Diesen Fall bezeichnet man auch als
'z
Couette-Strömung.

2. Abweichend hiervon, wenn also die Fluidschichten nicht mehr als sehr dünn einzustufen
sind, verändert sich die Geschwindigkeit cx nicht mehr proportional mit z. Hier ist ein
nichtlinearer Geschwindigkeitsverlauf zu erkennen. Folglich wird auch die Verformungs-
dc
geschwindigkeit D { x z konstant.
dz
Newton hat für den Fall dünner Fluidschichten festgestellt, dass die Reibungskraft F zwischen
den Schichten abhängig ist von dem Geschwindigkeitsunterschied 'c x , nicht aber vom
Druck. Dies steht im Gegensatz zu Reibungskräften bei Festkörpern, die bekanntlich von
Normalkräften abhängen. Des Weiteren konnte Newton aufgrund von Versuchen ermitteln,
dass sich diese Kraft proportional zur Fläche A und der Fluiddichte U sowie umgekehrt pro-
portional zum Abstand 'z verhält.

Abb. 1.0.1 Über Flüssigkeit gezogene Platte bei zwei verschiedenen Schichtdicken

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_1,


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2 1. Viskose Fluideigenschaften

Lineare Geschwindigkeitsverteilung bei Nichtlineare Geschwindigkeitsverteilung


kleiner Schichtdicke bei größerer Schichtdicke

Abb. 1.0.2. Geschwindigkeitsverteilungen bei zwei verschiedenen Schichtdicken

1. Unter Voraussetzung dünner Fluidschichten lässt sich die Reibungskraft F ermitteln aus
'c
F K* A * x .
'z
Bezieht man diese Kraft auf die benetzte Fläche A, so erhält man als Schubspannung
F
W .
A
Das Newtonsches Fluidreibungsgesetz der Couette-Strömung lautet somit

'c x
W K* , wobei
'z
K dynamische Viskosität
'c x
D Verformungsgeschwindigkeit.
'z
K ist eine Stoffkonstante und hängt in vielen Fällen ausgeprägt von der Temperatur ab, vom
Druck dagegen weniger. Wegen der konstanten Verformungsgeschwindigkeit D bei Couette-
Strömungen und mit K als Stoffgröße (unabhängig von D angenommen) ist die Schubspan-
nung W in diesem Fall über z konstant.

2. Bei nichtlinearer cx -Verteilung lautet das Newtonsches Fluidreibungsgesetz analog zu 1.

dc x
W K* K D1
dz
K dynamische Viskosität
dcx
D Verformungsgeschwindigkeit.
dz
Die Schubspannung W ändert sich hierbei linear mit der Verformungsgeschwindigkeit
dc x
D , wenn K als dynamische Viskosität wiederum unabhängig von D vorausgesetzt
dz
wird. Die Fluide mit diesen Eigenschaften bezeichnet man auch als Newtonsche Fluide.
1. Viskose Fluideigenschaften 3

Dynamische Viskosität K :
Zur Dimension der dynamischen Viskosität gelangt man wie folgt:

W ªNº dc x ª m º ªN *sº
K mit W « 2 » und « » ergibt K « 2 » oder
§ dc x · ¬ ¼
m dz ¬ s m ¼ ¬ m ¼
¨ ¸
© dz ¹

K >Pa * s@ .

Kinematische Viskosität Q :
Bezieht man die dynamische Viskosität K auf die Fluiddichte U, so führt dies zu einer spezifi-
schen Viskosität, die als kinematische Viskosität Q bekannt ist.

K
Q .
U

Die Dimension der kinematischen Viskosität lässt sich folgendermaßen angeben:

K ªN *sº ª kg º ª N * s m3 º ª kg * m * s * m 3 º
Q mit K « 2 » und U « 3 » ergibt Q « 2 * » oder Q « 2 ».
U ¬ m ¼ ¬m ¼ ¬ m kg ¼ 2
¬ s * m * kg ¼

ª m2 º
Q « »
¬ s ¼

Für Wasser und Luft als sehr häufig verwendete Fluide sind die beiden Viskositäten bei atmo-
sphärischer Umgebung ( p = 1 bar und - = 20 q C ) in gerundeten Werten zusammenge-
stellt.

ª kg º ª m2 º
U « 3» K [Pa * s] Q«
¬m ¼ »
¬ s ¼
Wasser 1000 1000 * 10 6 1 * 10 6
Luft 1,2 18 * 10 6 15 * 10 6
4 1. Viskose Fluideigenschaften

Aufgabe 1.1 Viskosität in zwei dünnen Flüssigkeitsschichten


¥1. 9 min h 9 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

In Abb. 1.1.1 ist ein Flüssigkeitssystem zu erkennen, das aus zwei übereinander geschichte-
ten, sich nicht miteinander vermischenden Flüssigkeiten verschiedener Viskositäten K1 und K2
besteht. Die jeweiligen Schichthöhen h1 und h2 sind dabei als sehr klein einzustufen. Auf der
oberen Schicht wird eine nicht eintauchende Platte über die Fläche gezogen, wobei von der
Platte die Fläche A und die Geschwindigkeit c bekannt sind. Welche Kraft F wird für den Vor-
gang benötigt?

Abb. 1.1.1 Viskosität in zwei dünnen Flüssigkeitsschichten

 Lösung zu 1.1

Aufgabenerläuterung

dc
Der Aufgabe liegt das Newtonsche Reibungsgesetz W K zugrunde. Bei kleinen
dz
dc 'c
Schichtdicken liegt ein konstanter Geschwindigkeitsgradient vor, sodass man = set-
dz 'z
'c
zen kann. Dies bedeutet, dass sich auch die Schubspannung W K über z nicht ändert.
'z
In der Trennfläche beider Flüssigkeiten ist die örtliche Geschwindigkeit c1 gleich groß.

Gegeben: c ; A ; h1 ; h2 ; K1 ; K2

Gesucht: 1. F
2. F, wenn: K1 1 103 Pa s ; h1 = 1 mm
K2 15 103 Pa s ; h2 = 2 mm
m
c 1 ; A = 0,50 m2
s
1. Viskose Fluideigenschaften 5

Anmerkungen: - Haftbedingung an Platte und Boden.


- Flüssigkeiten vermischen sich nicht.
- Couetteströmung in beiden Schichten.
- In Ebene 1 dieselbe Geschwindigkeit c1 bei beiden Schichten

Lösungsschritte

Aufgrund des Haftens der Flüssigkeit 2 an der Platte und der Flüssigkeit 1 am Boden sowie
der vorausgesetzten kleinen Schichtdicken stellt sich die in der Abb. 1.1.1 erkennbare Ge-
schwindigkeitsverteilung ein. Zwischen Plattengeschwindigkeit c und der Geschwindigkeit c1
in der Trennschicht ist die Geschwindigkeitsdifferenz cDi. zu erkennen, also c c1  cDi.

Die gesuchte Zugkraft F an der Platte weist an der flüssigkeitsbenetzten Fläche die Reakti-
FR
onskraft FR auf. Nach dem Kräftegleichgewicht F = FR erhält man mittels W , wobei
A
Wdie konstante Schubspannung in der Flüssigkeit ist, FR W A und somit die gesuchte
Kraft F W A . Die erforderliche Schubspannung Wals noch unbekannte Größe ermittelt
man in folgenden Schritten:

'c1
Das Newtonsche Gesetz für die Schicht 1 lautet W K1 . Hierin sind
'z1
'c1 = c1 - 0 der Geschwindigkeitsunterschied in der Schicht 1 und folglich

'c1 = c1 sowie

'z1 = h1. Dies führt zu


c1
W K1 . Die hierin unbekannte Geschwindigkeit c1 in der Trennschicht lautet
h1

c1 c  cDi. . Eingesetzt in die Gleichung für W führt dies zu

W K1
c  c Di. . Nach Ausmultiplizieren der Klammer erhält man
h1

c c
W K1  K1 Di. oder auch
h1 h1

K1 K
W c  1 c Di. .
h1 h1

Die unbekannte Differenzgeschwindigkeit c Di. kann nun aus der Schubspannung in der obe-
ren Schicht wie folgt hergeleitet werden.
'c
Das Newtonsche Gesetz für die Schicht 2 lautet W K2 2 . Hierin sind
'z 2
'c2 = cDi. der Geschwindigkeitsunterschied in der Schicht 2 und
'z 2 h2 . Dies führt dann zu
6 1. Viskose Fluideigenschaften

c Di.
W K2 oder nach c Di. umgeformt
h2

W h2
c Di. . Eingesetzt in die Gleichung für W führt dies zu
K2

K1 K W h2 K1 K h
W c 1 c  1 2 W.
h1 h1 K2 h1 K2 h 1

Wird jetzt noch die Gleichung nach Gliedern mit W umgestellt

K1 h 2 K1
W W c, dann W ausgeklammert
K2 h 1 h1
§ K h · K1 h
W ¨¨1  1 2 ¸¸ c und schließlich mit 1 multipliziert
© K 2 h 1 ¹ h 1 K 1

§ h1 K1 h1 h 2 ·
W ¨¨  ¸¸ c , so entsteht
© K1 K2 K1 h1 ¹
§h h ·
W ¨¨ 1  2 ¸¸ c . Nach Division durch den Klammerausdruck lautet W:
© K1 K2 ¹
c
W . Das Ergebnis für F ist dann wie folgt bekannt:
§ h1 h 2 ·
¨¨  ¸¸
© K1 K2 ¹
1
F A c
§ h1 h 2 ·
¨¨  ¸¸
© K1 K2 ¹

2. F, wenn: Flüssigkeit 1 (Wasser) mit K1 1 103 Pa s ; h1 = 1 mm ;


Flüssigkeit 2 (Öl) mit K2 15 103 Pa s ; h2 = 2 mm
m
c 1 ; A = 0,50 m2
s

Unter Beachtung dimensionsgerechter Größen lässt sich die Kraft F wie folgt ermitteln:

1
F 0,50 1
§ 0,001 0,002 ·
¨  ¸
© 0,001 0,015 ¹

F = 0,441 N
1. Viskose Fluideigenschaften 7

Aufgabe 1.2 Rotationsviskosimeter


¥1. 15 min hhh 15 Punkte
¥2. 3 min h 3 Punkte

In Abb. 1.2.1 ist in vereinfachter Darstellung ein Rotationsviskosimeter zu erkennen, bei dem
sich ein zylindrischer Rotor in einem mit der Prüfflüssigkeit gefüllten Hohlzylinder dreht.
Zwischen Rotormantelfläche und Gehäuse erkennt man den Spalt s und zwischen Rotorbo-
denfläche und Gehäuse den Spalt h. Beide Spaltweiten sind so klein bemessen, dass man je-
weils von einer Couette-Strömung ausgehen kann. Zur Dimensionierung des Antriebs wird
von einer bekannten Viskosität K der Prüfflüssigkeit ausgegangen, ebenso wie von den Visko-
simeterabmessungen ra, ri, H und h sowie der Rotordrehzahl n. Mit welchem Drehmoment T
muss der Rotor angetrieben werden, wenn seine Mantelfläche und die untere Stirnfläche flüs-
sigkeitsbenetzt sind?

Abb. 1.2.1 Rotationsviskosimeter

 Lösung zu 1.2

Aufgabenerläuterung

Couette-Strömungen in ebenen Schichten oder kreisringförmigen Systemen mit sehr kleinen


Schichthöhen bzw. Spaltweiten weisen sich durch lineare Geschwindigkeitsverteilungen aus.
dc
Das Newtonsche Reibungsgesetz W K für diese Fälle formuliert lautet dann
dz
'c 'u
W K bzw. W K . Dies bedeutet, dass auch die Schubspannungen über der Höhe
'z 'r
'z bzw. 'r konstant sind. Die Anwendung dieses Gesetzes für den Spalt zwischen Rotor-
mantel und Gehäuse und für den Spalt zwischen Rotorstirnfläche und Gehäuseboden ist die
Grundlage bei der Lösung vorliegender Aufgabe. Da an der Rotorstirnfläche die Schubspan-
nung sich jedoch über dem Radius r ändert, muss dies durch eine geeignete Integration be-
rücksichtigt werden. Die aus den Schubspannungen mittels der Bezugsflächen resultierenden
Scherkräfte führen in Verbindung mit den Wirkradien zum gesuchten Antriebsmoment.
8 1. Viskose Fluideigenschaften

Gegeben: H ; ra ; r i ; h; K ; n

Gesucht: 1. T

2. T, wenn: ra 50,1 mm ; ri = 50,0 mm ; H = 100 mm ; h = 0,20 mm;


1
n= 2 .
s

Anmerkungen: Die Couetteströmung über der Spalthöhe h am Boden des Viskosimeters


trifft nur bei h << r zu. In unmittelbarer Umgebung der Drehachse ist
dies jedoch nicht mehr der Fall, was aber hier nicht weiter berücksichtigt
werden soll. Auch der Einfluss der Rotorlagerung soll von untergeordne-
ter Bedeutung sein.

Lösungsschritte

1. T :

Das gesamte Antriebsmoment T setzt sich aus der Summe der Momente an der Mantelober-
fläche TM und dem an der bodenseitigen Stirnfläche TB zusammen, also

T = TM  TB .

TM :
Das Moment am Rotormantel ist das Produkt der dortigen Scherkraft FWi mit dem Rotor-
radius ri .

TM FWi ri

Die Scherkraft FWi wiederum kann als Produkt der auch an der Manteloberfläche wirkenden,
über der Spaltweite konstanten Schubspannung W mit der Fläche selbst formuliert werden

FWi = W A i , wobei

Ai 2 S ri H die Rotormanteloberfläche darstellt. Somit erhält man FWi zu:

Fw i = W 2 S ri H . Das Moment TM FWi ri lautet dann

TM = W 2 S ri H .
2

Zu der in dieser Gleichung noch benötigten Schubspannung W gelangt man mittels Newton-
'u
schem Reibungsgesetz im Fall kleiner Spaltweiten W K , also linearer Geschwindig-
'r
keitsverteilungen (Abb. 1.2.2). Da im vorliegenden Fall die Umfangsgeschwindigkeit mit
wachsendem Radius ra > ri abnimmt, muss dies durch das negative Vorzeichen im
Newtonschen Gesetz berücksichtigt werden, also
1. Viskose Fluideigenschaften 9

Abb. 1.2.2 Ausschnitt aus dem Ringspalt an der Rotormanteloberfläche

'u
W  K mit 'u u a  u i und 'r (ra  ri ) = s .
'r

ua 0 Umfangsgeschwindigkeit des Gehäuses gleich Null, da Z = 0.

ui ri Z Umfangsgeschwindigkeit des Rotors

Z 2 S n Winkelgeschwindigkeit des Rotors

Diese Zusammenhänge in o.g. Gleichung für W eingesetzt liefert zunächst


ri 2 S n ri
W K  1 oder W 2 S K n . Damit erhält man das Moment
s s
ri
am Rotormantel zu TM 2 S K n 2 S ri2 H und weiter zusammengefasst
s
3
r
TM 4 S2 K n i H .
s
TB :

Dem Moment TB an der bodenseitigen Stirnfläche des Rotors (Abb. 1.2.3) liegt eine Schub-
spannung W r zugrunde, die zwar über der Spalthöhe h (quasi-)konstant ist, mit veränderli-
chen Radien r und demzufolge auch Umfangsgeschwindigkeiten u(r) eine diesbezügliche Ab-
hängigkeit aufweist. Die Lösung TB kann über eine Integration des infinitesimalen Moments
dTB herbeigeführt werden, also:

ri

TB ³ dT
0
B .

dTB dFB r Infinitesimales Moment am Radius r

dFB W r dA B Infinitesimale Scherkraft an Rotorstirnfläche bei r

dA B 2 S r dr Infinitesimale Kreisringfläche
'u r
W r K Schubspannung bei r über 'z = h konstant, wenn h << r.
'z
'z = h Spalthöhe zwischen Gehäuseboden und Rotorstirnfläche
10 1. Viskose Fluideigenschaften

'u r = u r  0 u r Geschwindigkeitsunterschied über 'z = h

u r r Z Umfangsgeschwindigkeit des Rotors bei r

Z 2 S n Winkelgeschwindigkeit des Rotors

u r 2 S r n

Abb. 1.2.3 Bodenseitige Stirnfläche des Rotors

Als Schubspannung erhält man mit diesen Zusammenhängen


2 S n 1
W r K r oder auch W r 2 S K n r . Eingefügt in die
h h
infinitesimale Scherkraft dFB W r dA B W r 2 S r dr liefert dies zunächst
1
dFB 2 S K n r 2 S r dr oder die betreffenden Größen zusammengefasst
h
1
dFB 4 S 2 K n r 2 dr . Das infinitesimale Moment dTB lautet dann
h
1
dTB 4 S 2 K n r 3 dr . Die anschließende Integration von dTB
h
r
1 i 3
h ³0
TB 4 S2 K n r dr führt zu
ri
1 r4
TB 4 S2 K n und schließlich
h 4 0
4
ri
TB S2 K n .
h
1. Viskose Fluideigenschaften 11

Das Gesamtmoment durch Addition beider Teilmomente


r H
3 4
r
T 4 S2 K n i  S2 K n i
s h
lässt sich nach Ausklammern von S2 K n r13 wie folgt angeben:

ª H rº
T S2 K n r13 «4  i »
¬ s h¼

2. T, wenn: ra 50,1 mm ; ri = 50,0 mm ; H = 100 mm ; h = 0,20 mm


1
K 30 103 Pa s ; n = 2 .
s

Werden die gegebenen Größen dimensionsgerecht in o.g. Gleichung eingesetzt,

ª 100 50,0 º
T = S2 30 10 3 2 0,0503 «4 
¬ 50,1  50,0 0,2 »¼

so benötigt man ein Antriebsmoment von

T = 0,3146 Nm.

Hinweis: Man kann natürlich auch o.g. Gleichung im Sinne der Aufgabe des Viskosimeters
nach der zu bestimmenden Viskosität K umformen und erhält:

T
K
ª H rº
S n r «4  i »
2
1
3

¬ s h¼

Hierin sind T und n Messgrößen, die in Verbindung mit den anderen Werten zur jeweiligen
dynamischen Zähigkeit führen.
12 1. Viskose Fluideigenschaften

Aufgabe 1.3 Rotierender Hohlzylinder


¥1. 11 min hh 11 Punkte
¥2. 3 min h 3 Punkte

Ein Hohlzylinder rotiert mit konstanter Winkelgeschwindigkeit Z um einen Vollzylinder, der


die Länge L und den Radius R aufweist. Der Raum zwischen beiden Körpern ist vollständig
mit einer Flüssigkeit ausgefüllt, von der die dynamische Zähigkeit K bekannt ist. Welche
Spaltweite s muss vorliegen, wenn an der Einspannstelle A des ruhenden Vollzylinders ein
Grenzmoment T nicht überschritten werden soll?

Abb. 1.3.1 Rotierender Hohlzylinder

 Lösung zu 1.3

Aufgabenerläuterung

Die Aufgabe befasst sich mit der Anwendung des Newtonschen Schubspannungsgesetzes
'c
W K , das wie im vorliegenden Fall kleiner Schichtdicken bzw. Spaltweiten (Couette-
'z
'c
Strömung) einen konstanten Geschwindigkeitsgradienten aufweist. Demzufolge stellt
'z
sich in dieser Schicht auch eine konstante Schubspannung Wein. Das Grenzmoment T muss
weiter verknüpft werden mit der aus der Schubspannung resultierenden Scherkraft an der
Oberfläche des Vollzylinders, um die Spaltweite s ermitteln zu können.

Gegeben R; T ; L ; K ; Z ;

Gesucht: 1. s

2. s , wenn: R = 10 cm ; T = 0,045 Nm ; L = 60 cm ;
1
K 0,0010 Pa * s ; Z 12,57
s
1. Viskose Fluideigenschaften 13

Anmerkungen: - Couette-Strömung im Spalt wegen s/R <<, d.h. lineare Geschwindig-


keitsverteilung.
- Schubspannungen an den Stirnflächen des Vollzylinders bleiben
unberücksichtigt.
- Reibungsmomente in den Dichtungen bleiben unberücksichtigt.

Lösungsschritte

1. s :
'c
Die gesuchte Spaltweite s ist im Newtonsche Gesetz W K
enthalten, das, auf die Ge-
'z
gebenheiten des vorliegenden Falls bezogen (Abb. 1.3.1), wie folgt lautet:
'u
W K = konstant. Hierin bedeuten unter Verwendung von u r Z
'R
'u u R  s  u R die Differenz der Umfangsgeschwindigkeiten,

u R  s R  s Z die Umfangsgeschwindigkeit innen am Hohlzylinder und

u R = 0 ; Z 0 die Umfangsgeschwindigkeit des ruhenden Vollzylinders. Es folgt

'u R  s Z .
'R s Die Differenz der Radien ist gleich die Spaltweite s selbst.

In o.g. Gleichung eingesetzt erhält man zunächst W K


R  s Z .
s
Es muss nun s herausgetrennt werden. Dies erreicht man in nachstehenden Schritten.

§R ·
W K ¨  1¸ Z . Durch K Z dividiert
©s ¹
W §R · R
¨  1¸ , auf eine Gleichungsseite gebracht
K Z © s ¹ s
R § W ·
¨¨  1¸¸ und dann den Kehrwert gebildet führt zu
s ©K Z ¹
s 1 K Z
oder s R .
R § W · W  K Z
¨¨  1¸¸
© K Z ¹

In diesem Ausdruck muss jetzt noch die Schubspannung Win Verbindung gebracht werden
mit dem vorgegebenen Grenzmoment T. Dies erreicht man in nachstehenden Schritten. Die
Schubspannung an der Oberfläche des Vollzylinders lässt sich ersetzen durch die auf die
FWi
wirksame Fläche bezogene Scherkraft FWi , also W konstant. Hierin ist als Bezugs-
Ai
fläche A i 2 ˜ S R L die Mantelfläche des Vollzylinders zu verwenden. Die Scherkraft
14 1. Viskose Fluideigenschaften

T
FWi ersetzt man gemäß FWi R T nach Umstellen durch FW = . Auf diese Weise können
i
R
wir die noch zu bestimmende Schubspannung darstellen mit
T 1 T
W oder W = . In die Ausgangsgleichung eingesetzt
R 2 S R L 2 S R2 L

lautet dann das Ergebnis der gesuchten Spaltweite s:

K
s R
§ T ·
¨  K¸
©2 S R L Z
2
¹

1
2. s , wenn: R = 10 cm ; T = 0,045 Nm ; L = 60 cm ; K 0,0010 Pa * s ; Z 12,57
s

Werden die gegebenen Größen dimensionsgerecht verwendet, so errechnet sich die Spaltweite
wie folgt:

0,001
s 0,10
§ 0,045 ·
¨  0,001¸
© 2 S 0,10 2
0, 60 12,57 ¹

s = 0,00106 m = 1,06 mm
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Freie Oberflächen

Die Ausbildung freier Oberflächen als Grenzflächen zwischen Flüssigkeitsspiegeln und Ga-
sen (oft Wasser und Luft) erfolgt aufgrund folgender Beobachtungen und Feststellungen:

- Die Fluidteilchen sind leicht verschiebbar. Sie passen sich jeder Körperform an.
- Die Fluidteilchen bewegen sich unter Einwirkung von Tangentialkräften (-komponenten)
solange, bis diese verschwunden sind.
- Die Fluidteilchen kommen also dann zur Ruhe, wenn nur noch Normalkräfte zwischen
ihnen wirken. Im Beharrungszustand ist keine Bewegung der Fluidteilchen relativ zueinan-
der und zu den Wänden vorhanden.
- Freie Oberflächen stellen sich in jedem Punkt senkrecht zur Kraftresultierenden ein.

1. Flüssigkeitsoberfläche bei beschleunigter Translationsbewegung

Abb. 2.0.1. Fluid bei beschleunigter Translationsbewegung

Der Neigungswinkel D einer Flüssigkeitsoberfläche bei einer am System wirksamen Be-


schleunigung a lässt sich gemäß Abb. 2.0.1. wie folgt bestimmen:

dm * a
tan D
dm * g
a
tan D oder
g

§a·
D arctan ¨¨ ¸¸
©g¹

2. Flüssigkeitsoberfläche im Fall rotierender Systeme


Im Bereich des freien Spiegels einer rotierenden Flüssigkeit kann für jeden Punkt der Ober-
fläche der Neigungswinkel D r und die Kontur des Spiegels hergeleitet (Abb. 2.0.2) werden.

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_2,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
16 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Abb. 2.0 2. Flüssigkeitsoberfläche in einem rotierenden Behälter

r * Z2
Neigungswinkel D tan D r
g
Z2
Ortskoordinate z r * r 2  ZS
2*g
Folglich bildet die freie Oberfläche ein Rotationsparaboloid. Dieses ist unabhängig vom
Fluid, da kein Stoffwert in der Gleichung Einfluss nimmt. Weitere Abmessungen lauten:

Einfüllhöhe H0

Z2 R 2
Spiegelabsenkung h1 *
2*g 2
Z2 R 2
Spiegelanstieg h2 * d.h. h1 = h2
2*g 2
Scheitelhöhe ZS H 0  h1
Randhöhe ZR H0  h 2

Druckverteilungen in bewegten Flüssigkeitssystemen

1. Druckverteilung bei beschleunigter Translationsbewegung

Im Fall gleichmäßig translatorisch beschleunigter Flüssigkeitssysteme lässt sich die Druck-


verteilung p( x; z ) im Flüssigkeitsraum herleiten zu:

p( x; z ) p 0  U (a x  g z )
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 17

p0 Druck im Koordinatenursprung
U Flüssigkeitsdichte
a Beschleunigung des Systems
g Fallbeschleunigung
x, z Ortskoordinaten

2. Druckverteilung im Fall rotierender Systeme


Der statische Druck p z, r im gleichmäßig rotierenden Flüssigkeitsraum wird mit folgender
Funktion beschrieben:
ª Z2 2 º
p z, r p 0  U «g z  r »
¬ 2 ¼

p0 Druck im Koordinatenursprung
U Flüssigkeitsdichte
g Fallbeschleunigung
Z Winkelgeschwindigkeit
z Höhenkoordinate
r Radius
18 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Aufgabe 2.1 Wasserbehälter auf LKW


¥1. 11 min hh 11 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

Auf einem LKW wird ein offener, mit Wasser befüllter Behälter transportiert. Im ruhenden
Zustand lässt sich das Wasservolumen V im quaderförmigen Behälter mit der Füllhöhe h, der
Länge L und der Breite B (senkrecht zur Bildebene) feststellen. Der LKW soll aus der Ruhe
heraus mit einer konstanten Beschleunigung a angefahren werden, bis er eine Endgeschwin-
digkeit c0 erreicht hat. Wie lange dauert die Beschleunigungsphase t0, wenn gerade kein Was-
ser aus dem Behälter verloren gehen soll?

Abb. 2.1.1 Wasserbehälter auf LKW

 Lösung zu 2.1

Aufgabenerläuterung

Die Grundlage bei der Lösung dieser Aufgabe liegt in der Erkenntnis, dass sich die Oberflä-
chen von Flüssigkeiten immer senkrecht zur Kraftresultierenden an den Fluidelementen der
Oberfläche anordnen. Bei der vorliegenden translatorischen Bewegung mit zunächst konstan-
ter Beschleunigung a bewirken die Gewichtskraft vertikal nach unten sowie die Trägheitskraft
entgegen Beschleunigungsrichtung diese resultierende Kraft. Als Richtung der Wasserober-
fläche zur Horizontalebene lässt sich dann der Winkel Dermitteln. 

Gegeben: h; h1 ; L ; c0

Gesucht: 1. t0
m
2. Pkt. 1, wenn: h = 1,8 m ; h1 = 3,0 m ; L = 4,0 m ; c0 = 10
s

Anmerkungen: - Flüssigkeitsschwingungen sollen nicht entstehen.


Da die Einfüllhöhe h das Ergebnis beeinflusst, soll wie in
h
Abb. 2.1.1. dargestellt der Fall h > 1 zugrunde liegen.
2
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 19

Lösungsschritte

1. t 0 :
dc
Die gesuchte Zeit t0 lässt sich aus der Definition der Beschleunigung a
, bzw. bei kon-
dt
'c 'c
stanter Beschleunigung a durch Umformung nach 't zunächst ermitteln zu 't .
't a
c0
Hierin sind 'c c0  0 und 't t 0  0 . Dies führt zum Ausdruck t 0 . Mit der noch zu
a
bestimmenden Beschleunigung a erhält man die Zeit t0.

a:

Für ein Masseelement dm an der Flüssigkeitsoberfläche wird gemäß Abb. 2.1.2 bei senkrech-
ter Anordnung der Oberfläche zur Kraftresultierenden

Abb. 2.1.2 Kräfte am Masseelement dm

dFa
tan D wobei
dFG

dFa dm * a die Trägheitskraft am Element und

dFG dm * g die Gewichtskraft des Elements sind. Dies liefert

dm * a a
tan D .
dm * g g

Einen weiteren Zusammenhang des Winkels D mit jetzt nur geometrischen Größen kann
Abb. 2.1.1 entnommen werden. Hierbei wird berücksichtigt, dass das Wasser im Fall der ge-
suchten Beschleunigung gerade die obere Kante des Behälters erreicht und keine Flüssig-
keitsverluste entstehen. tan D lässt sich wie folgt formulieren:

( h1  y )
tan D .
L
20 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

y:

Die noch unbekannte Größe y ist aus der Volumengleichheit

V=h*L*B im ruhenden Zustand und im


1
V= y*L*B + * B * ( h1  y ) L gleichmäßig beschleunigten Fall
2
1
h * L * B = y * L * B + * B * L ( h1  y ) durch das Gleichsetzen der Gleichungen
2
und Zusammenfassen und Kürzen betreffender Größen wie folgt bestimmbar:
1 1
h * L * B = y * L * B + * B * L h1  * B * L y
2 2
1 1 1 1
h = y + h1  y oder h = * y + h1 . Multipliziert mit 2 und nach y umge-
2 2 2 2
stellt folgt y = 2 * h – h1. y in oben stehende Gleichung für tan D eingesetzt liefert
h1  2 h  h1 2 h1  h
tan D oder tan D .
L L
Die zwei voneinander unabhängig ermittelten Zusammenhänge für tan Dgleichgesetzt

2 h1  h a
tan D = führen zur Beschleunigung a
L g
2 h1  h
a = g* . Diese in der Zeit t 0 verwendet
L

co L
t0 führen wie folgt zum Ergebnis
g 2 h1  h

§L·
¨¨ ¸¸
© 1¹ .
1 co h
t0
2 g § h·
¨¨1  ¸¸
© h1 ¹

m
2. t 0 , wenn h = 1,8 m ; h1 = 3 m ; L = 4,0 m ; c0 = 10 :
s

Bei dimensionsgerechtem Gebrauch der gegebenen Größen erhält man


4
1 10 3
t0
2 9,81 § 1,8 ·
¨1  ¸
© 3 ¹
t 0 1,70 s .
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 21

Aufgabe 2.2 Beschleunigtes Winkelrohr


¥1. 5 min h 5 Punkte

Ein hakenförmiges dünnes Röhrchen ist mit Flüssigkeit gefüllt. Der horizontale Teil ist an der
Stelle 3 verschlossen und weist die Länge L auf. Im vertikalen, oben offenen Abschnitt steht
das Fluid bis zur Höhe H. Das Röhrchen soll in horizontaler Richtung derart beschleunigt
werden, dass an der Stelle 3 gerade der Dampfdruck pDa. der Flüssigkeit erreicht wird. Wie
groß muss bei den gegebenen Größen die Maximalbeschleunigung werden?

Abb. 2.2.1 Beschleunigtes Winkelrohr

 Lösung zu 2.2

Aufgabenerläuterung

Die Aufgabe beschäftigt sich mit der Anwendung der Druckverteilung in translatorisch be-
schleunigten Flüssigkeitssystemen.

Gegeben: L; H; U ; pDa ; pB ;

Gesucht: amax

Anmerkungen: - Das Röhrchen wird als sehr dünn angesehen. Diese Vereinfachung
führt dazu, dass die Druckverteilung jeweils nur in x- bzw. z-Richtung
betrachtet werden muss.
- Zur Anwendung kommt die Druckverteilungsgleichung
p ( x; z ) p 0  U (a x  g z ) .
22 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Lösungsschritte

amax , wenn p3 = pDa :

Die Druckverteilung in beschleunigten, translatorisch bewegten Systemen lautet (s.o.):


p( x; z) p 0  U (a x  g z) . p0 ist hierin der Druck im gewählten Koordinatenursprung.
Demnach wird im vorliegenden Fall der Druck an der Stelle 3 zuerst den Dampfdruck errei-
chen, da x = L, wenn auch z = 0 ist. Folglich lautet der Druck p3 = p ( x L; z 0) :
p3 p0  U a L .
Es muss zur Lösung der gestellten Aufgabe weiterhin p0 festgestellt werden. Dies lässt sich
mit der Druckverteilung p( x; z) p 0  U (a x  g z) jetzt an der Stelle 1 mit x = 0 und
z = H bewerkstelligen. Hier ist p (x 0; z H) p1 pB . Dies führt zu
p1 pB p0  U g H . Stellt man nach p0 um, so kann man schreiben

p0 pB  U g H . Der Druck p3 nimmt mit diesem Ergebnis die Form an

p3 pB  U g H  U a L . Den Beschleunigungsterm auf die linke Gleichungsseite

U a L p B  U g H  p3 gebracht und dann durch U L dividiert liefert

a
p B  p3  g H
. Beachtet man jetzt noch, dass bei p3 = pDa die maximale
U L L
Beschleunigung amax. erreicht wird, so lautet das Ergebnis:

a max
p B  p Da  g H
U L L
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 23

Aufgabe 2.3 Rotierendes Winkelrohr


¥1. 7 min hh 7 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

Ein U-förmig ausgebildetes Winkelrohr ist am kürzeren vertikalen Schenkel verschlossen, der
längere dagegen am oberen Ende gegen Atmosphäre offen. Das mit Flüssigkeit der Dichte U
befüllte Rohr rotiert mit der Winkelgeschwindigkeit Z um die Vertikalachse des kurzen
Schenkels. Dort liegt eine Flüssigkeitshöhe h1 über der Horizontalebene vor, wogegen h2 die
Höhe im offenen, längeren Schenkel ist. Dieser weist einen Abstand R von der Drehachse auf.
Wie groß darf die maximale Winkelgeschwindigkeit Zmax höchstens werden, wenn an der
Stelle 1 der dortige statische Druck gerade den Dampfdruck der Flüssigkeit erreicht, also
p1 = pDa. wird?

Abb. 2.3.1 Rotierendes Winkelrohr

 Lösung zu 2.3

Aufgabenerläuterung

Es wird bei der Bestimmung von Zdie Druckgleichung rotierender, nicht strömender Flüs-
sigkeiten Gebrauch zu machen sein. Die Besonderheiten vorliegenden Systems sind dabei zu
verwenden.

Gegeben: R ; h1 ; h 2 ; p B ; p Da ; U

Gesucht: 1. Zmax
2. Zmax , wenn R = 200 mm; h 2 500 mm ; h 1 = 200 mm; pB 1 bar;
kg
p Da = 0,0234 bar ; U 1000 3 .
m

Anmerkungen: - Es wird von einem sehr dünnen Rohr ausgegangen.


§ Z2 ·
- Die Druckgleichung lautet: p r, z = p 0  U ¨¨ g z  r 2 ¸¸ .
© 2 ¹
24 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Lösungsschritte

1. Zmax :
§ Z2 ·
Die Druckverteilung in rotierenden Flüssigkeiten p r, z = p 0  U ¨¨ g z  r 2 ¸¸ lautet
© 2 ¹
mit p 0 p1  U g h1 als Druck im Koordinatenursprung des vorliegenden Falls
Z2
p r, z = p1  U g h1  U g z  U r2 .
2
An der Stelle r = R und z = h2 liegt atmosphärischer Druck pB vor. Also wird dann mit diesen
Koordinaten in o.g. Gleichung
Z2
p r R; z h2 = pB p1  U g h1  U g h 2  U R 2 . Umgeformt nach Z
2
Z2
folgt U R2 p B  p1  U g h 2  h1 . Mit 2 2 multipliziert entsteht
2 U R
2 1
Z2 > p B  p1  U g h 2  h1 @ . Wird jetzt noch die Wurzel gezogen, so liegt
U R2
die Winkelgeschwindigkeit Z vorliegender Aufgabe ohne Einschränkung von p1 vor :

2 1
Z > p B  p1  U g h 2  h1 @
U R2

Da die Frage nach der maximalen Winkelgeschwindigkeit Zmax beim Erreichen von
p1 p Da gestellt ist, werden diese Größen oben eingesetzt, und man gelangt zum Ergebnis

1 2
Zmax > p B  p Da  U g h 2  h1 @ oder
R U

1 ª p  p Da º
Zmax 2 « B  g h 2  h1 » .
R ¬ U ¼

2. Zmax , wenn R = 200 mm; h 2 500 mm ; h 1 = 200 mm; pB 1 bar;


kg
p Da = 0,0234 bar ; U 1000 3 :
m

Bei dimensionsgerechter Verwendung der gegebenen Daten folgt

1 ª 100000  2340 º
Zmax 2 «  9,81 0,50  0,20 »
0,20 ¬ 1000 ¼

1 Zmax
Zmax 70,9 oder als Drehzahlwert mit n max
s 2 S
1 1
nmax. 11,29 { 677 .
s min
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 25

Aufgabe 2.4 Rotierendes T-Stück


¥1. 2 min h 2 Punkte
¥2. 1 min h 1 Punkte

In Abb. 2.4.1 ist ein T-Stück zu erkennen, das aus einem senkrechten und einem horizontalen
Kreisrohr besteht. Oben ist das vertikale Rohr gegen Atmosphäre offen, die seitlichen Enden
sind dagegen verschlossen. Das in der Höhe h mit Flüssigkeit befüllte T-Stück rotiert mit der
konstanten Winkelgeschwindigkeit Zum die vertikale z-Achse. Gesucht wird eine Glei-
chung, mit der es möglich ist, an jeder beliebigen Stelle des Flüssigkeitsraums den dort vor-
liegenden statischen Druck p (r, z) zu ermitteln.

Abb. 2.4.1 Rotierendes T-Stück

 Lösung zu 2.4

Aufgabenerläuterung

Da bei konstanter Winkelgeschwindigkeit Zdes rotierenden Systems jedes Flüssigkeitsele-


ment sich gegenüber seiner Nachbarschaft in Ruhe befindet, handelt es sich um ein statisches
Problem. Zur Aufgabenlösung setzt man sinnvollerweise die Gleichung an, welche die
Druckverteilung in rotierenden Fluiden beschreibt.

Gegeben: h, ro , pB , U, Z, g

Gesucht: 1. p = f (z ; r )

2. pmax.
26 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Anmerkungen: - Die Flüssigkeitsdichte U ist konstant.


- Die Krümmung der Flüssigkeitsoberfläche ist ohne Einfluss.

Lösungsschritte

1. p = f (z ; r ) :

Die Druckgleichung in rotierenden Flüssigkeiten lautet:

ª Z2 º
p z, r p 0  U «g z  r 2 » . Hierin ist p0 der Druck im Koordinatenursprung. Im vor-
¬ 2 ¼
liegenden Fall lautet er gemäß Abb. 2.4.1 p 0 p B  U g h . In oben genannte Gleichung
eingesetzt folgt
ª Z2 º
p z, r p B  U g h  U «g z  r 2 » . Die Gleichung umgestellt führt zu:
¬ 2 ¼

r2
p(r,z) = pB  U g h  z + U Z2 .
2

Hiermit ist also die Frage zur Größe des statischen Drucks an jeder beliebigen Stelle im Flüs-
sigkeitsraum lösbar.

2. pmax.:

Der Maximaldruck wird bei z 0 und r ro erreicht werden. Das Ergebnis lautet dann:

2
r0
p max p B  U g h  U Z2 .
2
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 27

Aufgabe 2.5 Rotierender geschlossener Zylinder


¥1. 5 min hh 5 Punkte
¥2. 6 min hh 6 Punkte
¥3. 3 min h 3 Punkte

In Abb. 2.5.1 erkennt man einen rotierenden, vollständig mit Flüssigkeit gefüllten zylindri-
schen Behälter. Dem mit einem Deckel verschlossenen Zylinder wird ein Druck pSys. aufge-
prägt. Die Füllhöhe H, der Behälterradius R und die Wandstärke s sind bekannt. Ebenso kön-
nen die zulässige Spannung V Z zul. des Zylinders und die Flüssigkeitsdichte U als gegebene
Größen verstanden werden. An welcher Stelle entsteht der Maximaldruck pmax. und wie groß
wird er? Mit welcher Maximaldrehzahl nmax. darf der Behälter rotieren?

Abb. 2.5.1 Rotierender geschlossener Zylinder

 Lösung zu 2.5

Aufgabenerläuterung

Die Frage nach dem Maximaldruck pmax muss in zwei Schritten beantwortet werden. Einer-
seits wird er durch die Flüssigkeitsrotation in Verbindung mit dem Systemdruck pSys. und dem
hydrostatischen Druck bestimmt. Andererseits steht über die Festigkeitseigenschaften des
Behälters eine zweite Möglichkeit zur Verfügung, den Druck pmax zu beschreiben. Aus der
Verknüpfung beider Zusammenhänge wird dann die Ermittlung der zulässigen Maximaldreh-
zahl nmax. bestimmbar.

Gegeben: R; H; pSys ; V Z zul. ; s ; Z ; U


Gesucht: 1. Stelle und Gleichungen des maximalen Drucks p max .
2. Zmax
kg
3. Zmax bei: D = 1,5 m; H = 2,0 m ; U 1260 ; pSys 3,0 bar ;
m3
N
s = 8 mm ; V Z zul 9,5 * 107 2
m
28 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Anmerkungen: - Die Druckverteilung in rotierenden, nicht strömenden Flüssigkeiten


folgt dem Gesetz:
ª Z2 º
p z, r p 0  U «g z  r2 » .
¬ 2 ¼
Hierin ist p0 der Druck im Koordinatenursprung.
- Die Gleichung zur Wandstärkenberechnung dünnwandiger Rohre und
p max d
Behälter lautet: s .
2 V z zul

Lösungsschritte

1. p max :

Unter Verwendung o.g. Gleichung der Druckverteilung in rotierenden Flüssigkeiten


ª Z2 º
p z, r p 0  U «g z  r 2 » sowie dem Druck im Koordinatenursprung p0, der sich
¬ 2 ¼
aus dem Systemdruck pSys und dem hydrostatischen Anteil U g H zusammensetzt
p0 = pSys + U g H erhält man im vorliegenden Fall die Druckverteilung im Behälter
Z2
p z, r pSys  U g H  z  U
r2 .
2
Der maximale Druck pmax liegt vor, wenn z = 0 und r = R. Hieraus erhält man für pmax:
U
p max pSys  * Z2 * R 2  U g H .
2
Ist die zulässige Zugspannung in der Zylinderwand V z zul gegeben, so berechnet sich die zwei-
te Gleichung für den maximalen Innendruck pmax wie folgt. Hierzu wird die Wandstärkenbe-
rechnung von dünnwandigen Rohren und Kesseln („Kesselformel“) herangezogen.

p max d p max 2 R
s oder umgeformt nach pmax:
2 V z zul 2 V z zul
s
p max V Z Zul
R

Aus beiden Gleichungen für pmax entsteht an der Stelle r = R und z = 0:

U s
pmax = psys  * Z2 * R 2  U g H V Z Zul * .
2 R

Zmax :

Oben stehende Gleichung nach Z = Zmax umgeformt führt zunächst zu


U s
* Z2max * R 2 V Z Zul *  pSys  U g H .
2 R
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 29

U
Dividiert durch * R 2 erhält man
2
2 ª s º
Z2max * V Z *  pSys  U g H » , und nach dem Wurzelziehen lautet das ge-
U R 2 «¬ Zul R ¼
suchte Ergebnis:
1 2 ª s º
Zmax * * «V ZZul *  pSys  U g H »
R U ¬ R ¼

kg
3. Zmax , wenn : D = 1,5 m; H = 2,0 m ; U 1260 ; pSys 3,0 bar ; s = 8 mm
m3
N
V z zul 9,5 * 107 .
m2

Bei dimensionsgerechtem Gebrauch der gegebenen Größen folgt:

1 2 ª 8 º
Zmax * «9,5 * 107  300000  1260 * 9,81 * 2»
0,75 1260 ¬ 750 ¼

1
Zmax 44,08 oder mit Z= 2 S n erhält man dann
s

1 1
n max 7,016 { 421 .
s min
30 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Aufgabe 2.6 Rotierender Behälter mit Steigrohr


¥1. 9 min hh 9 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte
¥3. PLQ hh 5 Punkte

Ein zylindrischer, gegen Atmosphäre offener Behälter ist am Boden mit einem sehr dünnen
Steigrohr verbunden. Nach der Befüllung mit Flüssigkeit steht der Spiegel im Behälter und im
Steigrohr auf gleicher Höhe h0 über der Bezugsebene. Nachdem der Behälter mit Steigrohr in
Rotation Z versetzt wird stellt sich im stationären Zustand eine paraboloidförmige Oberflä-
chenkontur ein, die sich auch im Steigrohr (kommunizierendes System) fortsetzt. Ermitteln
Sie den Flüssigkeitsanstieg hx im Steigrohr, wenn neben der Winkelgeschwindigkeit Z die
Radien r1 und r0 bekannt sind. Des Weiteren sollen die statischen Drücke an den Stellen C und
D am Boden des Steigrohrs im Fall der Rotation des Systems angegeben werden.

Abb. 2.6.1 Rotierender Behälter mit Steigrohr

 Lösung zu 2.6

Aufgabenerläuterung

Im rotierenden System liegt ein statischer Zustand vor; die Fluidteilchen bewegen sich nicht
relativ zueinander. Durch die Voraussetzung, dass im Steigrohr 'V  sein soll, ist von ei-
nem unveränderten Volumen im rotierenden Behälter auszugehen. Im Behälter und im Steig-
rohr gelten die Gesetzmäßigkeiten in rotierenden Flüssigkeiten.

Gegeben: Z ; h 0 ; r0 ; r1 ; pB ; U
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 31

Gesucht: 1. h x
2. p C
3. p D

Anmerkungen: - Annahme 'V 


- Folgende Gleichungen sollen Verwendung finden:
ª Z2 º Z2 r2
p z, r p 0  U «g z  r 2 » und h1 h 2 0 .
¬ 2 ¼ 2*g 2

Lösungsschritte

1. hx :
ª Z2 º
Mit p z, r p 0  U «g z  r2 » und
¬ 2 ¼
Z2 r2
p0 p B  U g ZS sowie Z S h 0  h1 und h1 0 folgt
2*g 2
Z2 r2 Z2
p z, r pB  U g h 0  U g 0 U g z U r2 oder
2*g 2 2
Z2 § 2 r02 ·
p z, r p B  U g h 0  z  U ¨ r  ¸¸ .
2 ¨© 2¹

An der Stelle z = (hx + h0) und r = r1 wird p z h0  h x ; r r1 = pB. Hiermit in oben ste-
hender Gleichung eingesetzt führt dies zu
Z2 § 2 r02 ·
p z, r pB p B  U g h 0  h x  h 0  U
¨ r1  ¸¸ .
2 ¨© 2¹
Nach der gesuchten Höhe hx umgeformt liefert dies zunächst
Z2 § 2 r02 ·
U g hx U ¨ r1  ¸¸
2 ¨© 2¹
Z2 * r12 ª 1 r2 º
und schließlich hx «1  * 02 » .
2*g ¬ 2 r1 ¼

2. p C :

Der Druck an der Stelle C lautet


Z2 r2
pC p0 p B  U g ZS . Setzen wir Z S h 0  h1 mit h1 0 ein, so folgt
2*g 2
§ Z2 r02 ·
p C = p B  U g ¨¨ h 0  ¸.
© 2 * g 2 ¸¹
32 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Der Druck an der Stelle C wird somit beschrieben durch

1
pC pB  U g h 0  * U Z2 r02 .
4

3. p D :

Den Druck an der Stelle D erhalten wir unter Verwendung von


ª Z2 º
p z, r p 0  U «g z  r 2 » an der Stelle z = 0 und r = r1. Dies führt zunächst zu
¬ 2 ¼
Z2
p z 0, r r1 p D p 0  U r12 . Setzt man noch p 0 p B  U g ZS und
2
Z2 r2
Z S h 0  h1 mit h1 0 ein, so folgt
2*g 2
§ Z2 r2 · Z2
pD p B  U g ¨¨ h 0  0 ¸¸  U r12
© 2*g 2 ¹ 2
Z2 r2 Z2
pD pB  U g h 0  U g 0 U r12 , oder umgeformt
2*g 2 2

1 ª r2 º
pD pB  U g h 0  * U Z 2 r12 * «2  02 » .
4 ¬ r1 ¼
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 33

Aufgabe 2.7 Rotierender Behälter mit offenem Deckel Übungsbeispiel


1. hhhh
2. hhh
3. h
Ein mit Flüssigkeit befüllter zylindrischer Behälter ist mit einem Deckel ausgestattet. Auf-
grund einer Öffnung im Deckel stellt sich über der Flüssigkeit atmosphärischer Zustand ein.
Bei Rotation des Behälters und der mitdrehenden Flüssigkeit wird die Fluidoberfläche in
Form eines Rotationsparaboloids ausgebildet. An der Unterseite des Deckels erreicht die Flüs-
sigkeit dabei den Radius r1. Ermitteln Sie die Kraft FD auf der Deckelunterseite und diejenige
auf dem Behälterboden FBo., wenn die Behälterabmessungen H und R sowie der Radius r1
gegeben sind. Die Flüssigkeitsdichte Uder atmosphärische Druck p% und die Winkelge-
schwindigkeit Z sollen ebenso bekannt sein. Weiterhin wird der Abstand ZS des tiefsten
Punktes der Flüssigkeit über dem Behälterboden gesucht.

Abb. 2.7.1 Rotierender Behälter mit offenem Deckel

 Lösung zu 2.7

Aufgabenerläuterung

Grundlage bei der Frage nach den Kräften auf die Deckelunter- und die Behälterbodenseite ist
die jeweilige Druckverteilung auf den beiden flüssigkeitsbenetzten Oberflächen. Die Integra-
tion der infinitesimalen Kraft dF = p(r, z) * dA über der betreffenden Fläche liefert die ge-
suchten Größen. Auch im vorliegenden Fall kann die Druckverteilungsgleichung von rotie-
renden Flüssigkeiten uneingeschränkt angewendet werden, wobei auf die hier vorliegenden
Randbedingungen genau zu achten ist.

Gegeben: R; r1 ; H ; U; Z ; pB
34 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Gesucht: 1. FD
2. FBo.
3. Zs

Anmerkungen: - Die Druckverteilung in rotierenden, nicht strömenden Flüssigkeiten


lautet:
§ Z2 ·
p(r ; z ) = p 0  U ¨¨ g z  * r 2 ¸¸
© 2 ¹
- Aus Abb. 2.7.2 sind die wichtigsten Größen zur Herleitung von FD und
FBo. zu entnehmen.

Abb. 2.7.2 Größen zur Herleitung von FD und FBo.

Lösungsschritte

1. FD :

Gemäß Abb. 2.7.2 bestimmt man die infinitesimale Kraft dFD auf dem kreisringförmigen
Flächenelement dA aus d FD = p (r ; z = H) dA mit dA = 2 S r dr . Folglich wird

d FD = 2 S p (r ; z = H) r dr . Den noch unbekannten Druck p(r ; z = H ) erhält man aus

§ Z2 ·
p(r ;z) = p 0  U ¨¨ g z  * r 2 ¸¸ , wobei zunächst p 0 als Druck im Koordinatenursprung
© 2 ¹
des vorliegenden Systems ermittelt werden muss. An der Stelle r r1 und z = H kennt man
den Druck p(r = r 1 ; z = H ) = p B . Die Koordinaten in o.g. Druckgleichung eingesetzt hat
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 35

Z2
p(r = r 1 ; z = H ) = p B p0  U * g * H  U * r12 zur Folge. Umgeformt nach p 0 führt
2
Z2
dies zu p 0 pB + U * g * H  U * r12 .
2
p 0 wiederum in p (r ; z) eingesetzt liefert dann
Z2 Z2
p( r ; z ) = p B  U * g * H  U * r12  U * g * z  U * r2 .
2 2
Fasst man jetzt noch geeignete Glieder der Gleichung zusammen, so entsteht die allgemeine
Druckgleichung des vorliegenden Systems wie folgt:
U
p( r ; z ) = p B  U * g * (H  z)  Z2 * (r 2  r12 ).
2
Da zur Bestimmung von dFD der Druck p( r ; z = H ) benötigt wird, setzt man oben z = H und
erhält
U
p( r ; z = H ) = p B  Z2 * ( r 2  r12 ).
2
Die infinitesimale Kraft dFD lautet dann

ª U U º
d FD = 2 S «p B  * Z2 * r 2  * Z2 * r12 » * r * dr .
¬ 2 2 ¼
Multipliziert man den Radius r in die Klammer, so gelangt man zur integrierbaren Kraft
ª U U º
d FD = 2 S «p B r * dr  * Z2 * r 3 * dr  * Z2 * r12 * r * dr » .
¬ 2 2 ¼
Die Gesamtkraft auf der Deckelunterseite entsteht durch Integration von dFD zwischen r 1 und
R:
ª R
U
R
U
R º
FD = 2 S «p B ³ r dr  Z2 * ³ r 3 dr  * Z2 * r12 * ³ r * dr »
¬« r1
2 r1
2 r1 ¼»
ª r2
R
U 1
R
U r2 º
R

FD = 2 S «p B  Z2 r 4  Z2 r12 »
«¬ 2r
1
2 4 r1 2 2r»
1 ¼

U U
FD = S * «p B * R 2  r12  * Z2 * R 4  r14  * Z2 * r12 * R 2  r12 » .
ª º
¬ 4 2 ¼


Mit R 4  r14 = R 2  r12 * R 2  r12
und R 2  r12 ausgeklammert führt dies zu

U U
FD = S * R 2  r12 * «p B  * Z2 * R 2  r12  * Z2 * r12 »
ª º
¬ 4 2 ¼
ª U U U 2º
FD = S * R 2  r12 * «p B 
2 *
* Z2 * R 2  * Z2 * r1  * Z2 * r1 »
2

¬ 4 4 4 ¼
36 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

U U
FD = S * R 2  r12 * «p B  * Z2 * R 2  * Z2 * r12 » . Als Ergebnis entsteht
ª º
¬ 4 4 ¼
nach Umformung in der Klammer:

ª U § r 2 ·º
FD = S * R 2  r12 * «p B  * Z2 * R 2 * ¨¨1  1 2 ¸¸»
¬ 4 © R ¹¼

2. FBo :

Gemäß Abb. 2.7.2 bestimmt man die infinitesimale Kraft dFBo auf dem kreisringförmigen
Flächenelement dA aus
dFBo = p (r ; z = 0) dA mit dA = 2 S r dr und somit

dFBo = 2 S p (r ; z = 0) r dr .

Den Druck p (r ; z = 0) erhält man mit der allgemeine Druckgleichung des vorliegenden Sys-
tems (s.o.):
U
p( r ; z ) = p B  U * g * (H  z)  Z2 * (r 2  r12 ) an der Stelle r und z = 0
2
U
p( r ; z = 0 ) = p B  U * g * H  Z2 * (r 2  r12 ) .
2
Die infinitesimale Kraft dFBo lautet dann:

ª U U º
dFBo = 2 S «p B  U g * H  * Z2 * r 2  * Z2 * r12 » * r * dr .
¬ 2 2 ¼
Den Radius r in die Klammer multipliziert
ª U U º
dFBo = 2 S «p B r dr  U g * H r dr  * Z2 * r 3 dr  * Z2 * r12 r dr »
¬ 2 2 ¼
liefert die Kraft FBo nach Integration zwischen r = 0 und r = R

R ª R R
U
R
U
R º
FBo = ³
o
dFBo = 2 S «p B ³ r * dr  U g * H * ³ r * dr  * Z2 * ³ r 3 * dr  * Z2 * r12 ³ r * dr »
«
¬ 0 0
2
0
2
0
»
¼
ª r2
R
r2
R
U r4
R
U r2 º
R

FBo. = 2 * S* «p B * U g*H*  * Z2 *  * Z2 * r1 * »


2

«¬ 2 0
2 0
2 4 0
2 2 0»
¼

ª R2 R2 U R4 U R2 º
FBo. = 2 * S* «p B * U g*H*  * Z2 *  * Z2 * r1 *
2

¬ 2 2 2 4 2 2 »¼

und nach Ausklammern von R 2


ª U U 2º
FBo. = S* R 2 «p B  U g * H  * Z2 * R 2  * Z2 * r1 » .
¬ 4 2 ¼
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 37

Eine Umformung in der Klammer führt dann zum gesuchten Ergebnis:

ª U § r 2 ·º
FBo. = S* R 2 «p B  U g * H  * Z2 * R 2 ¨¨1  2 1 2 ¸¸»
¬ 4 © R ¹¼

3. ZS:

Den tiefsten Punk ZS der Flüssigkeitsoberfläche erhält man aus der Druckgleichung vorlie-
genden Systems (s.o.)
U
p( r ; z ) = p B  U * g * (H  z)  Z2 * (r 2  r12 ) ,
2
indem man die Koordinaten an dieser Stelle r 0 und z ZS ebenso wie den Druck

p( r 0;z ZS ) = pB einsetzt.

U
p( r = 0 ; z = ZS ) = pB = p B  U * g * H  ZS  Z2 * (0  r12 ) oder
2
U
U * g * H  ZS  Z2 * r12 = 0. Nach ZS umgeformt erhält man zunächst
2
1
g * ZS = g * H  Z2 * r12 und nach Division durch g lautet das Ergebnis:
2

1
ZS = H  Z2 * r12
2 g
38 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Aufgabe 2.8 Messfühler auf rotierender Flüssigkeitsoberfläche


¥1. 6 min hh 6 Punkte

Abb. 2.8.1 zeigt einen mit Flüssigkeit befüllten, rotierenden zylindrischen Behälter im Fall
zweier unterschiedlicher Winkelgeschwindigkeiten Z. Es bilden sich in Abhängigkeit von Z
jeweils Oberflächenprofile in Form von Rotationsparaboloiden aus, bei denen die Vertikal-
schnitte demgemäß Parabeln sind. Ermitteln Sie die Stelle 1 dieser Parabeln, an der man mit-
tels Messfühler am Radius r1 durch Abtasten der dortigen Höhe Z1 das eingefüllte Volumen V
bestimmen kann. Hierbei wird der Innenradius r0 des Zylinders als bekannt vorausgesetzt.

Abb. 2.8.1 Messfühler auf rotierender Flüssigkeitsoberfläche

 Lösung zu 2.8

Aufgabenerläuterung

Bei Volumengleichheit V = konst. lässt sich nachweisen, dass die Stelle 1 ein fester Punkt
r1 ; Z1 aller Parabeln ist, die bei den verschiedenen Drehzahlen n (bzw. Winkelgeschwindig-
keiten Z) entstehen. Die Verwendung unten stehender Gesetze bei zwei verschiedenen
Z-Werten führt zur gesuchten Lösung der Fragen.

Gegeben: r0

Gesucht: r1

Anmerkungen: - Es darf kein Volumen verloren gehen, d.h. 'V = 0.


Z2
- Die Schnittparabel folgt dem Gesetz z = r 2  ZS .
2*g
- Die Absenkhöhe h1 bzw. Anstiegshöhe h2 ermittelt sich mit
Z2 r2
h1; 2 = 0 .
2*g 2
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 39

Lösungsschritte

1. r1:
Z2
Mit z = r 2  ZS als Gleichung (Parabel) zur Beschreibung der Oberflächenkontur
2*g
kann man bei z.B. zwei verschiedenen Winkelgeschwindigkeiten Z1 und Z2 an der Stelle
z = Z1 formulieren:

Z12 Z22
Z1 r12  ZS1 sowie Z1 r12  ZS2 . Also wird
2 g 2 g
Z12 Z22
r12  ZS1 r12  ZS 2 . Umgeformt
2 g 2 g
Z22 Z2
2 g
r12  1 r12
2 g
Z S1  ZS2 und
r12
2 g
ausgeklammert liefert

r12
2 g

Z22  Z12 ZS1  ZS 2 .

Mit der Scheitelhöhe ZS H 0  h1 oder im vorliegenden Fall

Z S1 H 0  h1 1 und Z S2 H 0  h1 2 folgt


2
r
Z22  Z12
1
( H 0  h 1 1 ) – ( H 0  h1 2 )
2 g
r12
2 g

Z22  Z12 h12  h11 .

Die Absenkhöhe h1 lautet allgemein

Z2 Z1 Z2
2 2
r2 r2 r2
h1 = * 0 oder im vorliegenden Fall h11 = * 0 und h 12 = * 0 .
2*g 2 2*g 2 2*g 2

Oben eingesetzt führt dies zu

Z2 Z1
2 2
r12
2 g

* Z22  Z12 r2
* 0 -
2*g 2
r2
* 0 .
2*g 2
Rechts
r02
4 g
ausgeklammert liefert

r12
2 g

* Z22  Z12 r02
4*g

* Z22  Z12 . Dann wird r12
2 2
4
* r0 oder r12
1 2
2
* r0 .

Hieraus erhält man das gesuchte Ergebnis

1
r1 * r0 .
2
40 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

Aufgabe 2.9 Schrägaufzug Übungsbeispiel


1. hhh
2. hh
3. hhh
4. hh
Im Hochgebirge und auch an anderen Orten sind bisweilen so genannte „Schrägaufzüge“ in-
stalliert, mit denen Lasten und Personen z.T. über beachtliche Höhenunterschiede transportiert
werden. In Abb. 2.9.1 ist die schematische Darstellung eines solchen Aufzugs zu erkennen,
der im vorliegenden Fall zum Flüssigkeitstransport in einem offenen Behälter eingesetzt wird.
Über das Zugseil greift die Kraft F am Behälter an, um ihn und das eingefüllte Wasser aus der
Ruhe heraus mit gleich bleibender Beschleunigung a in Bewegung zu setzen. Hierbei darf ge-
rade kein Wasser verloren gehen. Unter dieser Voraussetzung soll zunächst die Beschleuni-
gung a ermittelt werden. Neben der Behältermasse mB, der Bodenlänge L, der Behälterbreite
B sind die wirksamen Kraft F, die Höhe H1 der Wasserbefüllung und der Steigungswinkel D
bekannt. Nach Feststellung der Beschleunigung a ist der Winkel ß zwischen Wasseroberfläche
und Horizontalebene (Abb. 2.9.2) unter Einwirkung von a zu bestimmen. Des Weiteren wird
unter der genannten Vorgabe nach der Mindesthöhe H der hinteren Behälterwand gefragt.

Abb. 2.9.1 Kräfte am Schrägaufzug

 Lösung zu 2.9

Aufgabenerläuterung

Die Frage nach der Beschleunigung a lässt sich mit der Anwendung des zweiten New-
tonschen Gesetzes am Behälter unter Berücksichtigung aller äußeren Kräfte lösen. Bei der
Ermittlung des Winkels ß werden die Kräfte an einem Element dm der Flüssigkeitsoberfläche
benötigt mit der Feststellung, dass sich diese Oberflächen immer normal zur Kraftresultieren-
den orientieren. Die Höhe H hängt von den geometrischen Abmessungen in Abb. 2.9.2 ab.
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 41

1
Gegeben: F ; U ; mB ; L ; D ; B = L ; H1 = *L;
4
Gesucht: 1. a
2. ß
3. H
kg
4. Pkte. 1 y 3 , wenn: F = 25000 N; mB = 400 kg ; U 1000 ; L = 2 m;
m3
D 300 ;

Anmerkungen: - Das Flüssigkeitsvolumen ist bei allen Überlegungen eine konstante Größe.

Lösungsschritte

1. a:

Das Newtonsche Gesetz am gleichmäßig beschleunigten Schrägaufzug in Bewegungsrichtung


angewendet führt zu:
o o
¦ Fi m * a mit m { mGes mB  m F als Gesamtmasse und ¦ Fi F  FGges sin D
als resultierende äußere Kraft. Somit wird

( mB  mF )* a = F  FG ges * sin D oder nach der gesuchten Beschleunigung umgeformt

a
F  F
G ges * sin D . Hierin bedeuten
m B  m F

FG ges = FG B  FG F Gesamtgewichtskraft
FG B g * mB Behältergewichtskraft
FG F g * mF Flüssigkeitsgewichtskraft
mF U VF Flüssigkeitsmasse
VF Flüssigkeitsvolumen

VF:

Das Flüssigkeitsvolumen setzt sich gemäß Abb. 2.9.1 aus dem Produkt der Rechteckfläche
ACMNH und der Dreiecksfläche AACH multipliziert mit der Breite B = L zusammen.

Hierbei sind:

ACMNH = CH * CM mit CH = L cos D und CM H1


1
A ACH * CA * CH mit CA = L * sin D
2

Das Flüssigkeitsvolumen lautet folglich


1
VF H1 * L * cos D * B  * L * cos D * L * sin D * B .
2
42 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

1
Mit B=L und H1 *L wird
4
1 1
VF * L3 cos D  * L3 * sin D * cos D oder schließlich
4 2
1
VF * L >1  2 * sin D @ cos D .
3

4
Die Zusammenhänge in die Gleichung für a eingesetzt liefert die gesuchte Beschleunigung:

ª ª 1 º º
«F  «g * m B  g * U * * L3 * 1  2 * sin D cos D » sin D »
«¬ «¬ 4 »¼ »¼
a
ª 1 º
«m B  U * * L3 * 1  2 * sin D cos D »
¬« 4 ¼»

1
4
> > @
* 4 * F  4 * g * m B  g * U * L3 * 1  2 * sin D * cos D * sin D @
a
1
4
>
* 4 * m B  U * L3 * 1  2 * sin D * cos D @

a
^ 4 * F  g * >4 * m  U * L * 1  2 * sin D * cos D@ * sin D`
B
3

> 4 * m  U * L * 1  2 * sin D * cos D@


B
3

2. ß:

Der Flüssigkeitsspiegel stellt sich immer senkrecht zur Kraftresultierenden am Masseelement


dm an der Oberfläche ein. Im vorliegenden Fall erhält man aus dem Kräfteparallelogramm
folgenden Zusammenhang zwischen dem gesuchten Winkel ß sowie D und den Beschleuni-
gungen a und g:

Abb. 2.9.2 Kräfte an einem Oberflächenelement dm


2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 43

dFa * cos D
tan ß =
dFG  dFa * sin D

dFG = dm*g dFa = dm* a

dm * a * cos D
tan ß =
dm * g  dm * a * sin D
cos D
tan ß =
ªg º
«¬ a  sin Da »¼
ª º
« cos D »
ß = arctan « »
« §¨ g  sin D ·¸ »
«¬ © a ¹ »¼
3. H:

Gemäß Abb. 2.9.2 setzt sich H wie folgt zusammen:

H AC  H*  DE
Hierbei sind

AC = L * sin D
DE = DF * tan ß und

DF CH L cos D .

Zunächst erhält man somit

H L sin D  H*  L * cos D * tan ß .

H*:

Aus dem Volumen VF in Ruhe und bei der beschleunigten Bewegung lässt sich H* in nach-
stehenden Schritten ermitteln:

Flüssigkeitsvolumen im Ruhestand (s.o.):

1
VF L3 1  2 * sin D cos D
4

Flüssigkeitsvolumen ( ohne Verluste) bei der beschleunigten Bewegung (Abb. 2.9.2):

VF B * A EDF  A DFHC  A ACH

1
A EDF DE DF Dreieckfläche
2
44 2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme

DE DF * tan ß und DF CH L * cos D

1 1
A EDF * L * cos D * tan ß * L * cos D * L2 * cos 2 D * tan ß
2 2

A DFHC B * DC * CH Rechteckfläche

DC = H * ; CH DF (s.o.)

A DFHC B H * L * cos D

1
A ACH AC CH Dreieckfläche
2

AC L sin D und CH DF (s.o.)

1
A ACH * L * sin D * L * cos D
2

Man erhält zunächst aus den drei Einzelflächen A EDF , A DFHC und A ACH das Volumen
ª1 1 º
VF B * « * L2 cos 2 D * tan ß  H * * L * cos D  * L2 * sin D * cos D » .
¬2 2 ¼
Mit B = L führt dies zu

1 1
VF * L3 cos 2 D * tan ß  H* * L2 * cos D  * L3 * sin D * cos D
2 2
1
und mit * L * cos D ausgeklammert erhält man das zweite Ergebnis für VF:
3

1 ª H
*
º
VF * L3 * cos D * «cos D * tan ß  2 *  sin D »
2 ¬ L ¼
Beide Gleichungen für VF gleichgesetzt und entsprechende Größen gekürzt liefert

1 1 ª H
*
º
* L3 * cos D * 1  2 * sin D = * L3 * cos D * «cos D * tan ß  2 *  sin D »
4 2 ¬ L ¼

*
1 H
oder mit 2 multipliziert: * 1  2 * sin D = cos D * tan ß  2 *  sin D .
2 L

Weiteres Umstellen liefert

H* 1
2*  sin D  cos D * tan ß  sin D und nach Division durch 2
L 2
2. Translatorisch und rotierend bewegte Flüssigkeitssysteme 45

H* 1 1
 * cos D * tan ß . Das Ergebnis für H * nimmt dann folgende Form an:
L 4 2

L
H* = * 1  2 cos D * tan ß
4

Mit H * lässt sich die gesuchte Höhe H ermitteln zu

1 1
H = L sin D  L  L cos D tan ß  L cos D * tan ß
4 2

ª 1 1 º
H L * «sin D   * cos D * tan ß » .
¬ 4 2 ¼

kg
4. Pkte. 1 y 3 , wenn: F = 25000 N; mB = 400 kg ; U 1000 ; L = 2 m; D 300 ;
m3

Bei dimensionsgerechter Verwendung der gegebenen Größen erhält man

a:

a=
^4 * 25000  9,81 * >4 * 400  1000 * 2 * 1  2 sin 30 * cos 30 @ * sin 30 `
3 0 0 0

>4 * 400  1000 * 2 * 1  2 sin 30 * cos 30 @


3 0 0

m
a = 1,565
s2
ß:
ª º
« cos 30 0 »
ß = arctan « »
« § 9,81 0 ·»
« ¨ 1,565  sin 30 ¸ »
¬© ¹¼

ß = 7,29 0

H:

ª 1 1 º
H 2 «sin 300   cos 300 tan 7,290 »
¬ 4 2 ¼

H = 1,61 m
3. Fluiddruck

Druckdefinition

In einem in Ruhe befindlichen Newtonschen Fluid können nur Normalkräfte auftreten.


Schubspannungen sind in Ruhe nicht vorhanden (W = 0). Zugkräfte (-spannungen) können von
Fluiden nicht oder nur sehr geringfügig übertragen werden. Bezieht man die Normalkraft auf
die belastete Fläche, so wird damit der Druck p formuliert. Die allgemeine Druckdefinition
lautet:
dF
p .
dA
In dieser Form kann der Druck auch bei ungleichmäßigen Verteilungen auf Begren-
zungswänden von z.B. hohen Flüssigkeitsbehältern, Absperrmauern usw. oder auch bei
ungleichförmigen Verteilungen als statischer Druck an umströmten Profilen angewendet
werden, um z.B. resultierende Kräfte zu ermitteln. Die jeweilige Druckverteilung muss
hierbei bekannt sein. Bei einer homogenen Verteilung der Normalkraft F über der Fläche A
lautet der Druck:
F
p=
A

N
Dimensionen des Drucks [ ]; [Pa]; [bar]
m2

1 [bar] = 105 [Pa]

Druckentstehung

Äußere Kräfte: Pressung durch Kolben o.Ä.


InnereKräfte: Gewichtskräfte, Fliehkräfte …

Richtungseinfluss auf den Druck

Es kann festgestellt werden, dass der Druck p in irgendeinem Punkt des im Gleichgewicht
befindlichen Fluids eine skalare Größe ist und nur von den Koordinaten des Punktes abhängt.

Druckfortpflanzung

Durch z.B. eine äußere Kraft (Presskraft), die mittels eines Kolbens auf die Fläche A ausgeübt
wird, entsteht ein als Pressung bezeichneter Druck, der sich im geschlossenen Raum überall,
auch an den Wänden, gleichmäßig fortsetzt.

Druck durch Gewichtskräfte

Flüssigkeiten:
In diesem Zusammenhang sollen Druckkräfte aufgrund von Gewichtskräften erfasst werden,
die sich über der Höhe z oder Tiefe t ändern. Die Flüssigkeitsdichte sei dabei konstant. Das
Kräftegleichgewicht an dem in Abb. 3.0.1 dargestellten Flüssigkeitsvolumen in z-Richtung
führt zu dem Ergebnis:
p Z0  g U Z0 p Z1  g U Z1 .

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_3,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
48 3. Fluiddruck

Abb. 3.0.1 Vertikale Kräfte an einem Flüssigkeitsvolumen

Wählt man das Koordinatensystem so, dass Z0 0 und Z1 { z (also beliebig) ist, und gibt
p Z0 die Bezeichnung p Z0 p0 , so wird:

p z p 0  U g z

p0 Druck in der Horizontalebene des Koordinatenursprungs


U Flüssigkeitsdichte
g Fallbeschleunigung
z Ortskoordinate vom Koordinatenursprung nach oben zählend

Abb. 3.0.2 Druckverteilung in vertikaler t-Richtung

In zahlreichen Fällen ist es angebracht, die Horizontalebene des Koordinatenursprungs auf die
Flüssigkeitsoberfläche anzuordnen (Abb. 3.0.2), da dort der Druck i.A. bekannt ist. Hiervon
3. Fluiddruck 49

ausgehend lässt sich dann an jeder Stelle der Druck unterhalb der Oberfläche ermitteln, wenn
in o.g. Gleichung  z t gesetzt wird:

p t p 0  U g t

Bei atmosphärischen Bedingungen ist p0 = pB und man erhält in diesem Fall

p t p B  U g t .
Gase:
Da die Dichte von Gasen i.A. nicht konstant ist, erfolgt die Herleitung der Druckverteilung
p(z) aufgrund der Gewichtskraft anhand eines infinitesimalen Volumenelements gemäß
Abb. 3.0.3. Als Resultat für dieses Element gelangt man zu:

v dp  g dz

Abb. 3.0.3 Vertikale Kräfte an einem Gasvolumen

Die Auswertung dieses o.g. Zusammenhangs kann auf zweierlei Weise vorgenommen
werden. In beiden Fällen wird eine Integration von einem definierten Anfangszustand bis zu
dem in einer betreffenden Höhe z vorliegenden Zustand vorgenommen.

Isotherme Schichtung:
In nicht zu dicken Schichten geht man davon aus, dass die Temperatur konstant ist. Man
benutzt innerhalb der jeweiligen Schicht eine mittlere Temperatur Tm und legt eine isotherme
Zustandsänderung zugrunde. Aus der thermischen Zustandsgleichung folgt:

p*v pbo * vbo R * Tm konst .

U bo Gasdichte (Luftdichte) auf Bezugsniveau (hier


Erdoberfläche) festgelegt
pbo Atmosphärendruck auf Bezugsniveau (hier
Erdoberfläche) festgelegt
50 3. Fluiddruck

Als Ergebnis der Integration erhält man eine Gleichung in der Form:

§ Ub ·
 ¨ o g z ¸
¨ pb ¸
© o ¹
p( z ) pbo * e

Nach ICAO-Norm sind hierin:


kg
Ub o 1,225
m3
Tb o 288,15 K 15 qC

pbo 1,01325 bar 1013,25 mbar

Isentrope Schichtung:

Bei größeren Luft- (Gas-)schichten kann man die Annahme konstanter Temperatur (in jewei-
liger Schicht) nicht mehr aufrechterhalten. Hier benutzt man die Vorgabe einer isentropen
Zustandsänderung, das heißt

- keine Wärmezufuhr oder -abfuhr und


- keine Verluste.

Bei isentroper Zustandsänderung gilt mit N als Isentropenexponent des Gases:


p * vN p b 0 * v bN0 konst.

Die Integration von v dp  g dz unter Verwendung von p v N konst. liefert

N
ª Ub N  1 º N 1
p( z ) p b 0 «1  0 * g z» ,
¬« p b 0 N ¼»

wobei wiederum
kg
Ub o 1,225
m3
Tb o 288,15 K 15 qC

pbo 1,01325 bar 1013,25 mbar .


3. Fluiddruck 51

Aufgabe 3.1 Kolben in Ölzylinder


¥1. 3 min h 3 Punkte

Auf der Flüssigkeitsoberfläche eines ölgefüllten Zylinders liegt ein Kolben mit dem
Durchmesser D auf. Der Zylinder ist über eine Messleitung mit einem Druckmessgerät ver-
bunden, welches sich in einer Höhe H über dem Kolbenboden befindet. Das Druckmessgerät
zeigt einen Absolutdruck pH an. Gesucht wird die Kolbengewichtskraft FG K .

Abb. 3.1.1. Kolben in Ölzylinder

 Lösung zu 3.1.

Aufgabenerläuterung

Neben dem von Flüssigkeiten verursachten hydrostatischen Druck kommt hier eine weitere
Druckerzeugung zur Wirkung, die von der Gewichtskraft des Kolbens auf die belastete
Flüssigkeitsoberfläche verursacht wird.

Gegeben: H ; D; pB; pH ; UÖI ;

Gesucht: FG K

Anmerkungen: - Es soll keine Reibungskraft zwischen Kolben und Zylinderwand wirken.


52 3. Fluiddruck

Lösungsschritte

In der vorgegebenen Bezugsebene 0 y 0 in Abb. 3.1.1 ist der Druck p0 links im Behälter
gleich groß wie der Druck p0 rechts in der ölgefüllten Messleitung, also:
FG
Links: p0 = pB  K
AK
Rechts: p0 p H  UÖL g H .

Somit erhält man aus der Verknüpfung beider Gleichungen

FG K
pB  p H  UÖL g H . Nach FG K aufgelöst
AK
FG K S
= p H  p B  UÖL g H und der Multiplikation mit A = D2
AK 4

FG K = A K > p H  p B  UÖL g H @ lautet das Ergebnis der gesuchten


Kolbengewichtskraft:

S
FG K = D 2 > p H  p B  UÖL g H @
4
3. Fluiddruck 53

Aufgabe 3.2 Kugelbehälter


¥1. 5 min h 5 Punkte

¥2. 3 min h 3 Punkte

In Abb. 3.2.1 sind zwei Behälter mit einem zwischengeschalteten U-Rohrmanometer zu


erkennen. Der linke Behälter ist mit Wasser gefüllt, im rechten befindet sich Luft. Als
Sperrflüssigkeit im U-Rohrmanometer dient Quecksilber. Der obere Teil des rechten
Manometerschenkels muss aus Platzgründen schräg angeordnet werden. Aufgrund des
Druckunterschieds (p1 – p2) wird die Sperrflüssigkeit um die Länge l3 in den Schrägabschnitt
verschoben. Wie groß wird der Druckunterschied 'p = (p1 – p2), wenn neben den Höhen h1,
h2, der Länge l3 und dem Winkel D noch die Dichte von Wasser UW und Quecksilber UHg
bekannt sind?

Abb. 3.2.1 Kugelbehälter

 Lösung zu 3.2

Gegeben: h l , h 2 , l3 , D, U W , U Hg

Gesucht: 1. 'p p1  p2
2. 'p, wenn: h l 800 mm, h 2 1000 mm, l3 400 mm,
kg kg
D 45q, U Hg 13550 3 , U W 1000 3
m m

Anmerkungen: - Die Luftdichte im Manometer ist vernachlässigbar.


- Die Ebene 0 – 0 durch das Manometer dient als Bezugsebene.
54 3. Fluiddruck

Lösungsschritte

1. 'p:

Der Druck p 0 im Schnitt der Ebene 0 – 0 mit dem linken und rechten Manometerschenkel ist
gleich groß, also:

Linker Schenkel: p0 p1  U W g ˜ h1
Rechter Schenkel: p0 p 2  U Hg g h 2  h 3

Der Anteil aus der Luftdichte wird vereinbarungsgemäß vernachlässigt. Die Gleichheit von p0
hat somit zur Folge:

p1  U W g ˜ h1 p 2  h 2  h 3 g U Hg .

Verwendet man noch gemäß Abb. 3.2.1 den Zusammenhang h 3 l3 sin D (rechtwinkliges
Dreieck) und sortiert nach p1  p 2 um, so entsteht

p1  p 2 h 2  l3 sin D g U Hg  h1 g U W .

Nach Ausklammern von g U W steht das Ergebnis wie folgt fest :

ª U º
'p p1  p 2 g UW « h 2  l3 sin D Hg  h1 »
¬ UW ¼

kg
2. 'p, wenn: h l 800 mm, h 2 1000 mm, l3 400 mm, D 45q, U Hg 13550 ,
m3
kg
UW 1000
m3

Der dimensionsgerechte Gebrauch des gegebenen Zahlenmaterials

'p
ª

9,81 1000 « 1,000  0,400 sin 450
13550
º
 0,80»
¬ 1000 ¼

liefert den gesuchten Druckunterschied zu

'p 162675 Pa .
3. Fluiddruck 55

Aufgabe 3.3 U-Rohr mit zwei verschiedenen Flüssigkeiten


¥1. 4 min h 4 Punkte

Über einer Flüssigkeit 2 der Dichte Ub steht im rechten Schenkel eines U-Rohrs eine Flüssig-
keit 1 der Dichte Ua mit einer Höhe h1. Dieselbe Flüssigkeit 1 steht im linken Schenkel mit
einer Höhe h2 über dem Spiegel von Flüssigkeit 2. Ermitteln Sie bei gegebenen Dichten Ua
und Ub sowie den Höhen h1 und h2 die Meniskenhöhenunterschiede 'ha von Flüssigkeit 1 und
'hb von Flüssigkeit 2.

Abb. 3.3.1 U-Rohr mit zwei verschiedenen Flüssigkeiten

 Lösung zu 3.3

Aufgabenerläuterung

Bei dieser Aufgabe müssen die hydrostatischen Druckgleichungen für Flüssigkeiten ver-
schiedener Dichte z.B. im Schnitt 0 – 0 des U-Rohrs angewendet werden. In Verbindung mit
den gegebenen Größen resultieren hieraus die gesuchten Höhen 'ha und 'hb.

Gegeben: h 1 ; h2 ; U a ; U b ;

Gesucht: 'h a ; 'h b

Anmerkungen: - Die Flüssigkeiten vermischen sich nicht.


- Die Höhe x in Abb. 3.3.1 ist als Hilfsgröße bei der Lösungsfindung zu
sehen.
56 3. Fluiddruck

Lösungsschritte

'h b :

Im Schnitt 0 – 0 des U-Rohrs gemäß Abb. 3.3.1 sind die Drücke auf der linken und rechten
Seite des Schnitts gleich groß, also:
Rechte Seite: p 0 p B  U a g h1  U b * g * x

Linke Seite: p0 p B  Ua g h 2  Ub * g * 'h b  x .

Folglich wird durch das Gleichsetzen beider Gleichungen

p B  U a g h1  U b * g * x p B  Ua g h 2  Ub * g * 'h b  Ub * g * x .

Aufgelöst nach der gesuchten Größe 'hb bleibt zunächst

U b * 'h b Ua h1  Ua h 2 Ua * h1  h 2 und nach der Division durch U b erhält man

das Ergebnis für 'hb :


'h b h1  h 2 * Ua
Ub
'h a :

Aus den Abmessungen am U-Rohr stellt man fest:

h1  'h a h 2  'h b . Der gesuchte Meniskenunterschied 'h a lautet folglich

'h a h1  h 2  'h b . Unter Verwendung des Ergebnisses für 'h b führt dies zu

'h a h1  h 2  h1  h 2 * Ua . Nach Ausklammern von h1  h 2 gelangt man zu:


Ub

§ ·
'h a h1  h 2 * ¨¨1  Ua ¸¸
© Ub ¹
3. Fluiddruck 57

Aufgabe 3.4 Behälter mit kommunizierenden Zylindern


¥1. 4 min h 4 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

Zwei Rohre und ein in der Mitte befindlicher, nach unten offener zylindrischer Behälter sind
gemäß Abb. 3.4.1 in einem flüssigkeitsgefüllten Gefäß fest installiert. In den drei Bauteilen
steht in unterschiedlichen Höhen die im Gefäß eingefüllte Flüssigkeit. Dies wird bewirkt
durch zwei Kräfte F1 und F2, die über Kolben auf die Flüssigkeitsoberflächen in den Rohren
übertragen werden. Des Weiteren wird der Druck pK im mittleren Behälter wirksam. Ermitteln
Sie die Höhen h1 und h2, wenn von bekannten Kräften, Rohrdurchmessern, Drücken und der
Flüssigkeitsdichte ausgegangen werden kann.

Abb. 3.4.1 Behälter mit kommunizierenden Zylindern Schnitt durch Ebene 0 – 0

 Lösung zu 3.4

Aufgabenerläuterung

Im vorliegenden Fall kommunizierender Rohre sind zur Lösung der Fragen die hydro-
statischen Druckgleichungen nebst den von außen eingeleiteten Kräften anzusetzen. Zur
Vereinfachung wird die Bezugsebene 0 – 0 vorgegeben.

Gegeben: F1 ; F2 ; D1 ; D2 ; pB ; pK ; U ; g

Gesucht: 1. h1
2. h2

Anmerkungen: - Die Kolbenmassen sind vernachlässigbar.


- Die Wandstärke des mittleren Behälters ist vernachlässigbar.
- Die Ebene 0 – 0 in Abb. 3.4.1 ist zur Lösungsfindung zu verwenden.
- Die Kolben dichten vollständig ab und es sind keine Reibungskräfte
wirksam.
58 3. Fluiddruck

Lösungsschritte

In der Bezugsebene 0 – 0 ist der Druck p0 in den drei Bauteilen jeweils gleich groß, also:

F1
Linkes Rohr: p0 pB   U g h1  h 2
A1
Mittlerer Behälter: p0 pK  U g h 2
F
Rechtes Rohr: p0 pB  2
A2

1. h2 :

Es sollten zunächst die beiden Gleichungen des rechten Rohrs und des mittleren Behälters für
p0 zusammengefügt werden, da hier h2 als einzige unbekannte Größe vorliegt:

F2
pK  U g h 2 pB  . Nach h2 umgeformt liefert dies zunächst
A2
F2
U g h2  p K  p B . Danach durch U g dividiert
A2

h2
F2 p  p B
 K und die Fläche A 2
S
D 22 eingesetzt führt zu
A2 U g U g 4

h2
4 F2
 K
p  p B . Klammern wir noch
1
aus, so lautet das Ergebnis:
S D 22 U g U g U g

1 ª 4 F2 º
h2 «  p K  p B »
U g ¬ S D 22 ¼

2. h1 :

Die Druckgleichungen p0 jetzt für das linke Rohr und den mittleren Behälter gleichgesetzt
F
p B  1  U g h1  U g h 2 p K  U g h 2 ergibt nach Wegstreichen von U g h 2
A1
und Umstellung nach h1 zunächst nachstehenden Ausdruck:
F
U g h1 = p K  p B - 1 .
A1
1
Nach Division durch U g sowie danach Ausklammern von erhält man h1 zu
U g
1 S
h1 > p K  p B  F1/A1 @ . Die Fläche A1 D12 noch eingesetzt legt das
U g 4
Ergebnis von h1 wie folgt fest:

1 ª 4 F1 º
h1 « p K  p B 
U g ¬ S D12 »¼
3. Fluiddruck 59

Aufgabe 3.5 Doppeltes Zylindersystem


¥1. 8 min hh 8 Punkte
¥2. 1 min h 1 Punkte
¥3. 1 min h 1 Punkte
¥4. PLQ h 3 Punkte

In Abb. 3.5.1 erkennt man ein zweifaches Zylinder-Kolbensystem. Die zwei Kolben verbindet
dabei eine Stange. Beide Zylinder sind jeweils mit einer gegen Atmosphäre offenen
Steigleitung versehen. Ermitteln Sie den Druck p2 in Zylinder 2 sowie die Höhen h1 und h2,
wenn die Drücke p1 und pB, die Zylinderdurchmesser d1 und d2 sowie die Wasserdichte U
gegeben sind.

Abb. 3.5.1 Doppeltes Zylindersystem

 Lösung zu 3.5

Aufgabenerläuterung

Im vorliegenden Kolben-Zylindersystem ist es bei der Lösungsfindung zunächst wichtig, die


an den beiden Kolben wirksamen Kräfte einzutragen. Hierbei ist darauf zu achten, dass auf
beiden Seiten der jeweiligen Kolben Kräfte zu berücksichtigen sind. Zu den Kräften aus den
hydrostatischen Druckverteilungen ist der Hinweis unter „Anmerkungen“ zu beachten.

Gegeben: p1 ; pB ; d1 ; d2 ; U

Gesucht: 1. p2
2. h1
3. h2
60 3. Fluiddruck

4. Pkte. 1 y 3, wenn p1 = 110000 Pa ; pB = 100000 Pa ; d1 = 0,03 m ;


kg
d2 = 0,01 m ; U = 1000 3 .
m

Anmerkungen: - Der Stangenquerschnitt kann vernachlässigt werden.


- Wegen der linearen Verteilung des statischen Drucks in der
Vertikalebene wird derjenige in Kolbenmitte als gleichmäßig über der
Kolbenfläche wirkend benutzt.
- Reibungskräfte sind vernachlässigbar.

Lösungsschritte

1. p2:

Ansatz ist das Kräftegleichgewicht am Kolbensystem, wobei der gesuchte Druck p2 in der
Kraft Fp 2 enthalten ist sowie alle anderen Kräfte bekannt sind.

&
6 Fi 0 Fp1  Fp' 2  Fp 2  Fp' 1

Fp1 p1 A1 Druckkraft auf der Flüssigkeitsseite von Kolben 1


F '
p1 p B A1 Druckkraft auf der Luftseite von Kolben 1
Fp 2 p2 A 2 Druckkraft auf der Flüssigkeitsseite von Kolben 2
Fp' 2 pB A 2 Druckkraft auf der Luftseite von Kolben 2

Unter Verwendung dieser Zusammenhänge und umsortiert nach dem gesuchten Druck p2 folgt:

p2 A2 p1 A1  p B A 2  p B A1 . Dividiert durch A2

A1 A A1
p2 p1  pB  pB 1 und Glieder mit zusammengefasst
A2 A2 A2
A S
p2 p B  p1  p B 1 sowie die Kreisflächen A1 d12
A2 4
S
und A 2 d 22 verwendet liefert:
4
d12
p2 p B  p1  p B
d 22

2. h1:

Die Höhe h1 lässt sich leicht bestimmen aus

p1 p B  U g h1 oder umgeformt U g h1 p1  p B . Dividiert durch U g wird

h1
p1  p B .
U g
3. Fluiddruck 61

3. h2:

Analog zu Pkt. 2 bestimmt man h2 zu

h2
p 2
 pB
.
U g

4. p2 ; h1 ; h2 ; wenn: p1 = 110000 Pa ; pB = 100000 Pa ;


kg
d1 = 0,03 m ; d2 = 0,01 m ; U = 1000 .
m3

Bei dimensionsgerechtem Gebrauch der vorliegenden Zahlenwerte gelangt man zu folgenden


Ergebnissen.

p2 :
2
§ 0,03 ·
p2 = 100 000 + 110000  100000 ¨ ¸
© 0,01 ¹
p2 = 190 000 Pa
h1 :

h1 =
110000  100000
1000 9,81

h1 1,019 m
h2 :

h2 =
190000  100000
1000 9,81

h2 9,17 m
62 3. Fluiddruck

Aufgabe 3.6 Behälter mit verschiedenen Flüssigkeiten Übungsbeispiel


1. hhhh
2. hh
In Abb. 3.6.1 sind zwei querschnittsgleiche (A), gegen Atmosphäre offene Behälter zu
erkennen, die durch einen engen Kanal miteinander verbunden sind. Im rechten Behälter und
z.T. auch auf der linken Seite ist eine Flüssigkeit der Dichte U1 und dem Volumen V1
eingefüllt. Die linke Oberfläche der Flüssigkeit V1 wird überlagert von einer zweiten
Flüssigkeit der Dichte U2 < U1 und dem Volumen V2. Dieses Volumen soll der n-te Teil von V1
sein. Die Dichten U1 und U2 , die Querschnittsfläche A sowie das Gesamtflüssigkeitsvolumen
V und n sind bekannt. Ermitteln Sie die Füllhöhen h1 und h2.

Abb. 3.6.1 Zwei Behälter mit verschiedenen Flüssigkeiten

 Lösung zu 3.6

Aufgabenerläuterung

Bei der Aufgabenlösung müssen die hydrostatischen Druckgleichungen für Flüssigkeiten


verschiedener Dichte z.B. im Schnitt 0 – 0 des Verbindungskanals angewendet werden. In
Verbindung mit den gegebenen Größen resultieren hieraus die gesuchten Höhen h1 und h2.

Gegeben: A ; V ; U1 ; U 2 ; n

Gesucht: 1. h1
2. h2

Anmerkungen: - Das Volumen im Verbindungskanal ist vernachlässigbar.


- Die Flüssigkeiten vermischen sich nicht.
- Die Höhe x in Abb. 3.6.1 ist als Hilfsgröße bei der Lösungsfindung zu
sehen.
3. Fluiddruck 63

Lösungsschritte

1. h1 :

Die gesuchten Höhen sind zunächst bei gegebenem Behälterquerschnitt A mit dem
Gesamtvolumen V wie folgt verknüpft:

V A h1  h 2 .
1
Weiterhin gilt V = V1 + V2 , und mit der Vorgabe V2 = V1 wird dann
n
1 ª 1º
V = V1 + V1 = V1 «1  » . Da gemäß Abb. 3.6.1 auch gleichzeitig das Teilvolumen V1
n ¬ n¼
V1 A h1  x ist, erhält man einmal für das Gesamtvolumen V
ª 1º
V A h1  x «1  » und zweitens laut o.g. Zusammenhang
¬ n¼
V A h1  h 2 . Beide Gleichungen für V führen zu
§ 1·
A h1  h 2 A h1  x ¨1  ¸ und folglich
© n¹

h1  h 2 h1  x §¨1  1 ·¸ .
© n¹
Dies ist eine Gleichung mit drei Unbekannten h1, h2 und x, die mit entsprechenden weiteren
Zusammenhängen zu einer Gleichung mit nur noch einer Unbekannten reduziert werden
muss. Im ersten Schritt wenden wir uns der Höhe x zu. Im Schnitt 0 – 0 der Verbindungs-
leitung ist der Druck links und rechts gleich groß, also

Rechts: p0 p B  U1 g h1
Links: p0 p B  U2 g h 2  x  U1 g x .

Somit gelangt man zu

p B  U1 g h1 p B  U2 g h 2  x  U1 g x oder

U1 g h1 U2 g h 2  x  U1 g x . Nach Kürzen von g, Ausmultiplizieren

U1 h1 U2 h 2  U2 x  U1 x und Zusammenfassen der Größen mit x liefert dies

U1 h1 x U1  U2  U2 h 2 . Stellen wir x U1  U2 auf die linke Gleichungsseite

x U1  U2 U1 h1  U2 h 2 und dividieren durch U1  U2 , so führt dies zu

x
U1 h1  U2 h 2 .
U1  U2
64 3. Fluiddruck

Hiermit stellt man jetzt eine Gleichung mit nur noch zwei Unbekannten wie folgt auf:
h1  h 2 h1  x §¨1  1 ·¸ und die Gleichung für x eingesetzt liefert:
© n¹

h1  h 2 «h1  U1 h1  U2 h 2 » §¨1  1 ·¸
ª º
¬ U1  U 2 ¼ © n¹
V
Ersetzt man nun links h1  h 2 , so erhält man zunächst
A
V ª U1 h1  U2 h 2 º §1  1 · . Nach Division durch §1  1 ·
« h1  U1  U2 »¼ © n ¹
¨ ¸ ¨ ¸
A ¬ © n¹
V

1 ª
h1  1
U h1  U2 h 2 º und einer Erweiterung von h mit U  U
« U1  U2 »¼ 1
§ 1· 1 2
¨1  ¸ ¬
A
© n¹
V

1 ª
h 1
U  U2  U1 h1  U2 h 2 º entsteht durch Umformen
A § 1 · «¬ 1 U1  U2 U1  U2 »¼
¨1  ¸
© n¹
V 1 ª h1 U1  U2  U1 h1  U2 h 2 º
Mit U1  U 2 multipliziert führt zu
§ 1· « U1  U2 ».
¨1  ¸ ¬ ¼
A
© n¹
V

U1  U2
h1 * U1  U2  U1 h1  U2 h 2 .
A § 1·
¨1  ¸
© n¹

Die Gleichung mit nur noch einer Unbekannten lässt sich aufstellen, indem h2 aus
V
V A h1  h 2 mit h 2  h1 ersetzt wird. Oben eingefügt folgt
A

V U1  U2 §V ·
h1 * U1  U2  U1 h1  U2 ¨  h1 ¸ oder
A § 1· © A ¹
¨1  ¸
© n ¹
V U1  U2 V
h1 * U1  h1 * U2  U1 h1  U2  h1 U2 . Hieraus entsteht
A § 1· A
¨1  ¸
© n¹
V U1  U2 V
2 h1 * U1  U 2 . Umgestellt nach h1
A § 1· A
¨1  ¸
© n¹
V U1  U2 V V
2 h1 * U1  U2 oder ausgeklammert liefert
A § 1· A A
¨1  ¸
© n¹
ª º
V « U1  U2 » § 1·
2 h1 * U1 «  U2 » . Die Erweiterung von U2 in der Klammer mit ¨1  ¸
A « § 1· » © n ¹
1 ¸
«¬ ¨© n¹ »¼
3. Fluiddruck 65

ª 1 ·º ª
§
¨1  ¸ U  U2  U2 §¨1  1 ·¸ º»
V « U1  U2 n ¹» V « 1
 U2 © © n¹
2 h1 * U1 « » « » und
A « § 1· § 1 ·» A « § 1· »
1 ¸ ¨1  1 ¸
«¬ ¨© n¹ ©
¸»
n ¹¼ «¬ ¨
© n¹ »¼

weiter vereinfacht ergibt

ª 1 º ª1 º
U  U2
V « 1 n » V « U1 n  U2 » V ª U1 n  U2 º
2 h1 * U1 « » = «n » = .
A « § 1· » A « 1
n  1 » A «¬ n  1 »¼
1 ¸
«¬ ¨© n¹ »¼ ¬ n ¼

Nach Division durch 2 U1 erhalten wir als Ergebnis:

ª U2 º
V «n  U »
h1 *« 1
»
2*A « n 1 »
«¬ »¼

2. h 2 :

V
Die Verwendung von V A h1  h 2 nach h2 umgestellt sowie mit 2 erweitert führt zu
A
V V
h2  h1  h1 .
2* Setzt man jetzt noch das gefundene Ergebnis für h1 ein
A 2*A
ª U2 º
V V «n  U » V
h2 2*  *« 1
» und klammert aus, so entsteht
2*A 2*A « n 1 » 2*A
«¬ »¼
ª § U ·º
« ¨ n  2 ¸»
V U1 ¸
h2 * «2  ¨ ». Eine Erweiterung in der Klammer mit n  1 führt zu
2*A « ¨ n  1 ¸»
« ¨ ¸
¬ © ¹»¼
ª U2 º ª U2 º
V « 2 * n  1  n  U » V «2 * n  2  n  U »
h2 *« 1
» oder h 2 *« 1
».
2*A « n  1 » 2*A « n  1 »
«¬ »¼ «¬ »¼

Das Ergebnis für h2 lautet folglich:


ª U2 º
V «2  n  U »
h2 *« 1
»
2 * A « n  1 »
«¬ »¼
66 3. Fluiddruck

Aufgabe 3.7 Wasserglas


¥1. 3 min h 3 Punkte
¥2. 7 min hh 7 Punkte
¥3. 3 min h 3 Punkte

Ein zylindrisches Glas wird in einem Wasserbehälter (z.B. Eimer) untergetaucht, bis es
vollkommen mit Wasser gefüllt ist. Dann dreht man das Glas im Wasser mit der Öffnung nach
unten in die vertikale Position und zieht es (im Bild beispielhaft an einer Aufhängung) nach
oben, bis sich der Glasboden im Abstand h1 über der Wasseroberfläche befindet. Wie groß
wird in diesem Fall der Druck p1 am höchsten Punkt im Glas, und mit welcher Kraft FH wird
das Glas in dieser Lage gehalten. Die Masse des leeren Glases mz, der Glasdurchmesser d,
die Wasserdichte U und der atmosphärische Druck pB sind dabei bekannt.

Abb. 3.7.1 Wasserglas

 Lösung zu 3.7

Aufgabenerläuterung

Die Aufgabe beinhaltet die Anwendung der hydrostatischen Druckgleichung sowie der
Kräftebilanzen an gegebenen Systemen.

Gegeben: d ; h1 ; pB ; mz ; U

Gesucht: 1. p1

2. FH
kg
3. Pkte. 1 y 2, wenn: h1 = 8,5 cm ; d = 6 cm ; m Z = 280 g ; U 1000
m3
3. Fluiddruck 67

Anmerkungen: - Die in Abb. 3.7.1 eingetragenen Höhen h2 und hx sind Hilfsgrößen bei
der Lösungsfindung.

Lösungsschritte

1. p1:

In der Ebene am Behälterboden lässt sich der Druck p0 sowohl unterhalb des Glases als auch
unterhalb der freien Wasseroberfläche formulieren.

Unterhalb des Glases: p0 p1  U g (h1  h 2 )


Unterhalb der Wasseroberfläche: p0 pB  U g h 2

Wegen der Gleichheit von p0 folgt:

pB  U g h 2 p1  U g (h1  h 2 ) oder nach dem gesuchten Druck p1 aufgelöst

p1 p B  U g h1 .

2. FH :

Die Systemgrenze wird bei der Bestimmung der Haltekraft FH außen um die Kontur des
Wasserglases gelegt. Die Kräfte in vertikaler Richtung an diesem System lauten gemäß
Abb. 3.7.2 wie folgt.

Abb. 3.7.2 Wasserglas mit wirksamen Kräften

¦F i 0 FH  FG W  FG Z  Fp x  Fp y .

Nach der Haltekraft FH aufgelöst folgt

FH
FG W  FG Z  Fp x  Fp y .
FG W = g m W Wassergewichtskraft im Behälter
mW U VW Wassermasse im Behälter
68 3. Fluiddruck

VW A h1  h 2  h x Wasservolumen im Behälter
FG Z g mZ Behältergewichtskraft
mz Behältermasse
Fp y
py A Druckkraft auf obere Systemfläche
Fp x px A Druckkraft auf untere Systemfläche
py pB Druck auf obere Systemfläche
px p B  U g h 2  h x Druck auf untere Systemfläche

Setzt man diese Zusammenhänge in die Gleichung für FH ein und berücksichtigt gleiche
Größen mit umgekehrten Vorzeichen, so führt dies zu

FH g U A h1  h 2  h x  g m Z  A >p B  U g h 2  h x  p B @
S
FH g U A g m Z . Mit der Kreisquerschnittsfläche A = d 2 lautet das gesuchte
4
Ergebnis der Haltekraft FH:

S
FH d 2 g U h1  g m Z
4

kg
3. Pkte. 1 y 2, wenn: h1 = 8,5 cm ; d = 6 cm ; m Z = 280 g ; U 1000
m3

Mit der dimensionsgerechten Verwendung der gegebenen Größen erhält man:

p1:

p1 100000  1000 9,81 0,085 p1 99166 Pa

FH :
S
FH 0,06 2 9,81 1000 0,085  9,81 0,28
4
FH 5,1 N

Es sei erwähnt, dass man zur selben Lösung der Haltekraft FH gelangt, wenn man die System-
grenzen unmittelbar außen und innen um die Glaskontur anordnet. Es entfällt dann allerdings
die Wassergewichtskraft FG W . Dafür muss eine veränderte Druckkraft Fp x verwendet werden.
3. Fluiddruck 69

Aufgabe 3.8 Ballon


¥1. 19 min hhh 19 Punkte
¥2. 3 min h 3 Punkte

Ein mit Gas (Helium) befüllter Ballon steigt von der Erdoberfläche auf und erreicht seine
maximale Steighöhe bei Zmax, wo er in den Schwebezustand übergeht. Die Ballonhülle ist
nicht verformbar und weist ein Volumen V auf. Der Ballon wird am Boden mit der Gasmasse
mG befüllt, die danach unverändert bleibt. Die Masse m des Ballons (ohne die zusätzliche
Gasmasse mG) ist bekannt, ebenso wie die Zustandsgrößen der Luft an der Erdoberfläche
(Stelle 0) sowie die Gaskonstanten Ri und Adiabatenexponenten N der Luft und des
verwendeten Gases. Ermitteln Sie die maximale Steighöhe Zmax bei „Isentroper Schichtung“
und der Voraussetzung eines gasdichten Ballons.

Abb. 3.8.1 Ballon im Schwebezustand

 Lösung zu 3.8.

Aufgabenerläuterung

Um Zmax zu bestimmen, muss man von der Druckgleichung isentroper Schichtung ausgehen
und diese zunächst nach z auflösen. Die Variable p(z) in der neuen Gleichung lässt sich
p( z ) p0
mittels in Zusammenhang mit der Dichte U(z) bringen. Diese Dichte U(z) ist
U z
N
U0N
wiederum über die Auftriebskraft mit der Gesamtgewichtskraft verknüpft, die sich aus den
gegebenen Größen herleiten lässt.
70 3. Fluiddruck

Gegeben: p 0 ; U0 ; T0 ; R i ; N ; R i G ; m; V

Gesucht: 1. Zmax

2. Pkt. 1, wenn:
kg
p0 1,013 bar ; U0 1,225 ; T0 288 K ;
m3
N m N m
Ri 287 ; N 1,4 ; R i G 2078 ;
kg K kg K

m = 500 kg ; V = 700 m 3

Anmerkungen: - Bei isentroper Schichtung gilt:


N
ª
p z p 0 «1 
N  1 U0 g zº N 1 und p(z) p0
.
»
U z
N
¬ N p0 ¼ U0N
- Die Gasbefüllung findet bei p 0 ; T0 mit R iG statt.

Lösungsschritte

1. Zmax :

Die Druckgleichung bei isentroper Schichtung


N
p z ª N  1 U0 º N 1 p( z ) p0
«1  g z» sowie des Weiteren nach
U z
N
p0 ¬ N p0 ¼ U0N
N
p z § U(z) ·
¨¨ ¸¸ umgestellt und miteinander verknüpft liefert
p0 © U0 ¹
N
N
§ U(z) · ª N  1 U0 º N 1 N  1
¨¨ ¸¸ «1  g z» . Mit potenziert führt dies zunächst zu
© U0 ¹ ¬ N p0 ¼ N

N 1
§ U( z ) ·
¨¨ ¸¸ 1
N  1 U0 g z . Umgestellt nach z
© U0 ¹ N p0

N 1
N  1 U0 g z =
§ U( z ) ·
1  ¨¨ ¸¸ und mit
N p 1
0 multipliziert lautet das
N p0 © U0 ¹ N  1 U0 g
Ergebnis zunächst:
N 1
N p0 1 ª § U(z) · º
z = «1  ¨ ¸ »
N  1 U0 g «¬ ¨© U0 ¸¹ »¼
3. Fluiddruck 71

Auf die gesuchte maximale Steighöhe Z max übertragen folgt:

N 1
N p 1 ª § U( Zmax ) · º
Zmax = 0 «1  ¨¨ ¸¸ »
N  1 U0 g «¬ © U0 ¹ »¼

Die noch unbekannte Dichte U( Z max ) in dieser Gleichung lässt sich in nachstehenden
Schritten feststellen. Im Fall der maximalen Steighöhe schwebt der Ballon, d.h. es entfällt die
beim Steigen oder Sinken wirkende Widerstandskraft FW. Das Kräftegleichgewicht lautet:

¦F i 0 Fa  FG  FG G (-FW)

Fa FG  FG G

Fa g U Zmax V Auftriebskraft in der Höhe Z max

FG g*m Gewichtskraft des Ballons ohne die Gasmasse mG

FG G g mG Gewichtskraft der Gasmasse mG

g U Z max V g m  g mG Nach Division durch (g * V) führt dies zu

U Z max
m  m G . Zur noch unbekannten Gasmasse m G UG V
V
gelangt man, wenn mG an der Erdoberfläche im Zustand 0 eingefüllt wird. Unter Verwen-
1
dung der thermischen Zustandsgleichung p v R i T mit v wird
U
p
U und somit für das einzufüllende Gas
Ri T
pG
UG . Beim Befüllen an der Stelle 0 gilt TG T0
R i G TG
und p G p 0 . Die Gasdichte lautet dann

p0
UG .
R i G T0

Damit gelangt man zur benötigten Gasmasse mG aus den gegebenen Größen wie folgt:

p0 V
mG
R i G T0
§m p0 V ·¸
Die Dichte an der Stelle Zmax lässt sich nun ermitteln aus U Zmax ¨ 
¨ V V R i T0 ¸
© G ¹
§m p 0 ·¸
oder U Zmax ¨  .
¨ V R i T0 ¸
© G ¹
72 3. Fluiddruck

Die hiermit bestimmbare Dichte U Z max liefert dann in o.g. Gleichung für Zmax die gesuchte
maximale Steighöhe.
kg
2. Pkt. 1, wenn: p 0 1,013 bar ; U0 1,225 3 ; T0 288 K ;
m
N m N m
R i 287 ; N 1,4 ; R i G 2078 ;
kg K kg K

m = 500 kg ; V = 700 m 3

Die dimensionsgerechte Verwendung der gegebenen Größen führt zu folgenden Resultaten.

Zunächst benötigt man die Dichte U Z max :

§ 500 101300 · kg
U Z max ¨  ¸ 0,8836
© 700 2078 288 ¹ m3

Z max erhält man damit dann zu:

1, 4 1
1,4 101300 1 ª § 0,8836) · º
Zmax = «1  ¨ ¸ »
1,4  1 1,225 9,81 «¬ © 1,225 ¹ »¼

Zmax = 3615 m
3. Fluiddruck 73

Aufgabe 3.9 Behälter mit Rohrleitungen Übungsbeispiel


1. hh
2. hhhh
3. h
In Abb. 3.9.1 ist ein Behälter zu erkennen, an dem drei Rohrleitungen installiert sind.
Behälterquerschnittsfläche A, Behälterhöhe H sowie Abstand h von Leitung B zum
Behälterboden und die Flüssigkeitsdichte U sind bekannt. Auf der linken Seite in Abb. 3.9.1
ist die Flüssigkeit bis zur Höhe h0 eingefüllt. Leitung A ist geöffnet und Leitung C abgesperrt.
Im Raum oberhalb der Flüssigkeit und auch im oberen Teil der beidseitig offenen Leitung B
herrscht somit Atmosphärendruck pB. Es liegt überall die gleiche Einfüllhöhe h0 vor. Auf der
rechten Seite in Abb. 3.9.1 wird die Leitung A verschlossen und dem Behälter entnimmt man
Flüssigkeit über die geöffnete Leitung C, bis im Behälter der Flüssigkeitsstand z erreicht ist.
Hierbei verschiebt sich der Flüssigkeitsspiegel in der offenen Leitung B um 'h gegenüber z.
Der luftgefüllte Raum oberhalb des Flüssigkeitsspiegels im Behälter wird vom Zustand 0 auf
den Zustand 1 expandiert.
Stellen Sie einen Zusammenhang zwischen 'h und z her und ermitteln Sie die kleinst-
mögliche Höhe z min , bis zu der gerade noch keine Luft über Leitung B in den Behälter
gelangt.

Abb. 3.9.1 Behälter mit Rohrleitungen

 Lösung zu 3.9

Aufgabenerläuterung

Neben den hydrostatischen Druckgleichungen ist bei der Aufgabenlösung von der thermi-
schen Zustandsgleichung Gebrauch zu machen, da man über sie zur neuen Füllhöhe z gelangt.
74 3. Fluiddruck

Gegeben: H; h0 , h , pB, U ,
Gesucht: 1. 'h
2. z min , wenn gerade noch keine Luft über Leitung B eindringt
3. Pkte. 1 y 2 , wenn H = 2,0 m; h 0 1,0 m ; H = 0,20 m ;
kg
p B 105 Pa ; U 1000 3
m

Anmerkungen: - Rohrquerschnitt von Leitung B ist gegenüber dem Behälterquerschnitt


vernachlässigbar.
- Isotherme Zustandsänderung vom Zustand 0 auf den Zustand 1.

Lösungsschritte

1. 'h :

'h ist im statischen Druck an der Stelle x enthalten:

px p B  g U z  h  'h

px p1  g U z  h

p B  U g z  U g h  U g 'h p1  U g z  U g h

U g 'h p B  U1

1
'h p B  p1
U g

p1:

Aus isothermer Zustandsänderung von Zustand 0 auf Zustand 1 erhält man mit der thermi-
schen Zustandsgleichung p V m R i T = konstant: p 0 V0 p1 V1 .

Hierin sind gemäß Abb. 3.9.1: p 0 p B ; V0 A H  h 0 ; V1 A H  z .

Somit folgt p B A H  h 0 p1 A H  z oder umgeformt

p1 pB
H  h 0 . Diesen Ausdruck für p1 in oben gefundene Gleichung 'h eingesetzt
H  z
'h
1 ª
«p B  p B
H  h 0 º , dann p ausgeklammert und weiter umgeformt
U g ¬ H  z »¼ B

p B ª H  h 0 º p B ª H  z H  h 0 º pB ª H  z  H  h 0 º
'h 1  führt zu
U g «¬ H  z »¼ U g «¬ H  z H  z »¼ U g «¬ H  z »¼
3. Fluiddruck 75

p B ª h 0  z º
'h . Jetzt sollte noch im Zähler und Nenner z ausgeklammert werden:
U g «¬ H  z »¼
§ h0 ·
¨  1¸
pB z © z ¹ . Damit liegt das Ergebnis für 'h wie folgt vor:
'h
U g z § H ·
¨  1¸
©z ¹
§ h0 ·
¨  1¸
'h
pB
© z ¹
U g §H ·
¨  1¸
©z ¹

2. z min , wenn gemäß Abb. 3.9.1 gerade noch keine Luft an der Stelle x in den Behälter
gelangt. Dies ist der Fall, wenn:
z min 'h  h .

Hierin ist nun noch 'h aus dem o.g. Ergebnis bei kleinstmöglichem z min einzusetzen:
p
'h = B 0 min
h  z
U g H  z min
p B h 0  z min
Dies führt zu z min + h.
U g H  z min

Erweitert man jetzt den zweiten Term der rechten Seite mit
H  z min , so wird
H  z min
p B h 0  z min H  z min
z min + h .
U g H  z min H  z min

H  z min mit der gesamten Gleichung multipliziert


pB
z min H  z min h 0  z min + h H  z min
U g
und danach alles ausmultipliziert führt zu
pB p
z min H  z 2min h 0  B z min  h H  h z min .
U g U g
Alle Glieder mit z min auf die linke Gleichungsseite gebracht sowie die restlichen auf die
rechte Seite hat zur Folge:
pB pB
z min H  z 2min  z min  h z min h0  h H
U g U g
Vertauscht werden jetzt noch sämtliche Vorzeichen und Glieder mit z min zusammengefasst:

§ p · § p ·
z 2min  z min ¨¨ H  h  B ¸¸  ¨¨ H h  B * h 0 ¸¸
© U g ¹ © U g ¹
76 3. Fluiddruck

Um eine binomische Formel der Art (a 2  2 a b  b 2 ) a  b 2 zu entwickeln, muss der


2
ª1 § p ·º
Term « * ¨¨ H  h  B ¸¸» auf beiden Gleichungsseiten hinzuaddiert werden:
¬2 © U g ¹¼
2 2
§ p · ª1 § p ·º 1 § p · § p ·
z 2min  z min ¨¨ H  h  B ¸¸  « * ¨¨ H  h  B ¸¸» * ¨ H  h  B ¸¸  ¨¨ H h  B * h 0 ¸¸
© U g ¹ ¬2 © U g ¹¼ 4 ¨© U g ¹ © U g ¹

Die binomische Formel des vorliegenden Falls lautet dann auch:

2 2
ª 1 § p B ·º 1 § p · § p ·
«z min  * ¨¨ H  h  ¸» * ¨ H  h  B ¸¸ - ¨¨ H h  B * h 0 ¸¸
¬ 2 © U g ¸¹¼ 4 ¨© U g¹ © U g ¹

Nach dem Wurzelziehen erhalten wir das gesuchte Ergebnis wie folgt:

2
1 § p · 1 § p · § p ·
z min * ¨¨ H  h  B ¸¸  * ¨¨ H  h  B ¸¸  ¨¨ H h  B * h 0 ¸¸
2 © U g ¹ 4 © U g¹ © U g ¹

Das positive Vorzeichen vor der Wurzel entfällt, da es keinen Sinn macht.

3. Pkte. 1 y 2 , wenn: H = 2,0 m; h 0 1,0 m ; H = 0,20 m ; p B 105 Pa ;

kg
U 1000
m3
Bei dimensionsgerechter Benutzung der gegebenen Größen wird

'h :
§ 1, 0 ·
¨  1¸
'h
100000
* © z ¹
9 ,81 1000 § 2 , 0 ·
¨  1¸
© z ¹
§1 ·
¨  1¸
'h 10,19 * ©
z ¹
§2 ·
¨  1¸
©z ¹
z min :

2
1 § 100000 · 1 § 100000 · § 100000 ·
z min * ¨ 2  0,2  ¸ ¨ 2  0,2  ¸  ¨ 2 * 0,2  *1¸
2 © 9,81 1000 ¹ 4 © 9,81 1000 ¹ © 9,81 1000 ¹

z min = 0,924 m
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände
Die korrekte Dimensionierung von Strukturen, die statischen Belastungen durch Flüssigkeiten
ausgesetzt sind, setzt die Kenntnis der wirksamen Kräfte voraus ebenso wie die Angriffsrich-
tung und die Angriffspunkte. Die geometrischen Formen der betreffenden Bauteile können
ebener oder auch gekrümmter Art sein. Die im Folgenden angegebenen Zusammenhänge be-
ziehen sich auf Flüssigkeitssysteme, die gegen Atmosphäre offen sind. Gegebenenfalls müs-
sen andersartige Systemdrücke zusätzlich berücksichtigt werden.

Ebene Wände

Abb. 4.0.1 Flüssigkeitskraft gegen ebene Wand

Flüssigkeitskraft F:
Bei der Ermittlung der resultierenden Kraft F als Folge des Flüssigkeitsdrucks auf die Fläche
A wird der Druck in der Tiefe t p t U g t in seiner Auswirkung auf die infinitesimale
Fläche dA herangezogen. Es sei erwähnt, dass der atmosphärische Druck pB, der auf beiden
Seiten der Fläche A bzw. dA wirkt, bei der Herleitung von F entfällt. Die Integration der auf
dA wirksamen Kraft dF U g t dA mit t y cos D über der Fläche A liefert

F ³ dF
A
U g ³ y ˜ cos D dA U g cos D ³ y dA
A A

Aus der Mechanik kennt man das Flächenmoment 1. Grades bezüglich der x-Achse:

³ y dA
A
yS A

Somit folgt F U g cos D yS A oder mit tS = yS cos D

Das Ergebnis lautet F U g tS A .

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_4,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
78 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

U Flüssigkeitsdichte
tS Schwerpunktsabstand der Fläche A vom Flüssigkeitsspiegel
A Belastete Fläche

Angriffspunkt D ( x D , y D ) der Kraft F:

Es sollen hier nur Flächen betrachtet werden, die symmetrisch zur y-Achse ausgebildet sind.
Dies hat zur Folge, dass xD = 0 ist und nur yD ermittelt werden muss. Mit der Definition, dass
die resultierende Kraft F im Druckmittelpunkt D angreift, folgt aus dem Momentensatz be-
züglich der x-Achse:
³ dF * y F * y D
A
Unter Verwendung von dF und F (s.o.) gelangt man zunächst zu

³ y dF ³ U g y cos D dA y
A A
y D U g yS cos D A

³y
2
oder * dA y D * yS * A .
A

³y dA erhält man
2
Mit dem Flächenmoment 2. Grades bezüglich der x-Achse I x

Ix
yD .
yS * A

Unter Verwendung des „Steinerschen Satzes“ I x I S  A * y S2 folgt für y D auch:

IS
yD yS 
yS * A

IS Flächenmoment 2. Grades um Schwerpunkt S


yS Schwerpunktsabstand von der x-Achse
Exzentrizität e:
IS
e y D  yS
yS * A

Im Fall senkrechter Wände, wenn also D 90 0 und folglich cos D = 1, wird yS t S und
yD tD .

Gekrümmte Wände

Es ist zu beachten, dass die folgenden Angaben von einem Koordinatensystem ausgehen, wel-
ches gegenüber dem vorangegangenen Fall ebener Wände z.T. verändert wurde.
Bei der Herleitung der auf einer gekrümmten Fläche wirksamen Kraft F wird von einer infini-
tesimalen Fläche dA und der auf ihr angreifenden Kraft dF ausgegangen. Die Fläche dA und
die Kraft dF müssen hierbei in ihre x- und t-Komponenten zerlegt werden. Durch Integration
von dFt und dFx erhält man die gesuchten Lösungen Ft und Fx .Gemäß Abb. 4.0.2 lauten die
Komponenten dA t dA * sin D , dA x dA * cos D , dFt dF * cos D und dFx dF * sin D .
Weiterhin gilt dF p t * dA , p t U * g * t und folglich dF U * g * t * dA .
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 79

Vertikalkomponente Ft :

Unter Verwendung der o.g. Zusammenhänge lässt sich mittels Integration


Ft ³ dF t oder Ft U * g * ³ t dA x mit dV t dA x die gesuchte Komponente Ft herlei-
V

ten zu
Ft U*g*V .

U Flüssigkeitsdichte
V Volumen über der gekrümmten Fläche *)

Abb. 4.0.2 Flüssigkeitskraft gegen gekrümmte Wand

Horizontalkomponente Fx:
Wiederum unter Verwendung der o.g. Zusammenhänge wird mittels Integration die gesuchte
Komponente Fx hergeleitet zu Fx ³ dFx bzw.

Fx U * g * ³ t dA t .
At

³ t * dA t Flächenmoment 1. Grades der Projektionsfläche At bezüglich der y-Achse.

Mit t S t als Abstand des Schwerpunktes S t der Projektionsfläche A t von der y-Achse erhält
man
³ t * dA
A
t t St * A t .
80 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Somit lautet das Ergebnis für Fx :

Fx U * g * t St * A t

U Flüssigkeitsdichte
t St Schwerpunktsabstand der Flächenprojektion At von der y-Achse
At Projektion der Fläche A in die t-y-Ebene

Kraftangriffspunkt D:

Analog zur ebenen Fläche erhält man für die t D t -Koordinate des Kraftangriffspunktes im Fall
der gekrümmten Fläche:
Iyt
tDt
tSt * A t

Iy t Flächenmoment 2. Grades der Projektionsfläche A t um die


y-Achse

Mit dem Steinerschen Satz Iyt IS t  t S2 t * A t erhält man:

IS t
tDt tSt 
tSt * A t

ISt Flächenmoment 2. Grades der Projektionsfläche At um die


horizontale Schwerpunktsachse

Exzentrizität et t Dt  tSt IS t
tSt * A t

Die horizontale Kraftkomponente Fx verläuft immer durch den Kraftangriffspunkt Dt der Pro-
jektionsfläche At, die Wirkungslinie von Ft durch den Schwerpunkt SF des Volumens über
der gekrümmten Fläche. Der Kraftangriffspunkt D ist der Schnittpunkt der Wirkungslinien
von F´x und Ft .

Die Gesamtkraft F lautet: F Fx2  Ft2

*)
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 81

Aufgabe 4.1 Rechteckige Staumauer


¥1. 5 min hh 5 Punkte
¥2. 11 min hh 11 Punkte
¥3. 3 min h 3 Punkte

Eine Staumauer (Abb. 4.1.1) mit rechteckigem Querschnitt steht auf einem ebenen Funda-
ment und wird von links im Kraftangriffspunkt D mit der hydraulischen Kraft F belastet. Die
Gewichtskraft FG der Mauer greift bekanntermaßen im Schwerpunkt SM an. Zwischen Mauer-
boden und Fundament wirkt die Haftreibungskraft FR o . Die Flüssigkeitshöhe T über dem
Fundament ist neben der Mauerhöhe H und der Mauerlänge L bekannt. Ebenso gegeben sind
die Dichten UW der Flüssigkeit (Wasser) und des Mauerwerkstoffs UM. Ermittelt werden soll
die erforderliche Mauerbreite B, die vorgesehen werden muss, um die gegen das Verrutschen
notwendige Mauergewichtskraft sicherzustellen. Aufgrund dieser dann bekannten Breite ist
danach zu überprüfen, ob die Mauer um den Punkt G kippen kann oder nicht.

Abb. 4.1.1 Rechteckige Staumauer

 Lösung zu 4.1

Aufgabenerläuterung

Diese Aufgabe stellt einen klassischen Fall der Kräfte- und Momentenbilanz an einem System
dar. Als primär wirksame Kräfte sind hier in horizontaler Richtung die aufgrund des Flüssig-
keitsdrucks an der Mauer angreifende hydraulische Kraft F und in vertikaler Richtung die
82 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Mauergewichtskraft FG zu nennen. Letztere, multipliziert mit dem Haftreibungskoeffizient P0,


bewirkt in der Maueraufstandsfläche die entgegen F gerichtete Haftreibungskraft FR o .

B
Gegeben: U M ; U W ; g; T; H; L; P o ; k
Bmin
Gesucht: 1. B
2. Kippsicherheit um Punkt G
kg kg
3. Pkt. 1 und Pkt. 2, wenn: UM 2406 ; U W 1000 ;
m3 m3
H 6 m ; T 5 m ; k 1,5 ; P 0 0,42

Anmerkungen: - Das Verrutschen der Mauer wird durch Vergrößern der Mindestbreite
Bmin auf die tatsächliche Breite B mit dem Sicherheitsfaktor k
vermieden.

Lösungsschritte

1. B :

Die Bedingung, dass die Mauer gerade noch nicht verrutscht, erhält man aus dem Kräf-
tegleichgewicht in x-Richtung:
o
¦ Fi x 0 F  FR 0 min . Hieraus folgt FR 0 min = F.

Mit

FR 0 min P o FG min Haftreibungskraft bei Bmin


FG min g U M VM min Mauergewichtskraft bei Bmin
VM min Bmin H L Mauervolumen bei Bmin

lautet die Haftreibungskraft:

FR 0 min P o g U M Bmin H L .

Die Kraft F aus der Druckverteilung in der Flüssigkeit wird bestimmt mit

F = g UW t S A .
T
tS Flächenschwerpunktsabstand vom Flüssigkeitsspiegel,
2
A = T L vom Fluid benetzte Fläche.

Die Kraft F aus der Druckverteilung in der Flüssigkeit ermittelt man hier also aus:

1
F= g UW T 2 L
2
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 83

Somit lässt sich die o.g. Kräftebilanz in x-Richtung auch ersetzen mit:

1
P o g UM Bmin H L g U W T 2 L oder nach Bmin umgeformt
2
1 UW 1 T 2
Bmin .
2 UM P0 H

Um die Sicherheit gegen das Verrutschen zu gewährleisten, muss die Haftreibungskraft


FR 0 > FR 0 min gewählt werden. Dies erreicht man im vorliegenden Fall durch eine Vergröße-
rung der tatsächlichen Breite B gegenüber der berechneten Größe Bmin . Mit dem Faktor
B
k= erhält man die tatsächliche Breite zu:
B min
1 UW k T 2
B
2 UM P 0 H

2. Kippsicherheit um G:

Die Frage, ob die Mauer bei den an ihr wirkenden Kräften Gefahr läuft, um den Punkt G zu
B
kippen, lässt sich mit der Gegenüberstellung des Momentes FG aus der Gewichtskraft
2
§ T ·
und des Momentes F ¨  e ¸ aus der hydraulischen Kraft um den Punkt G beantworten.
©2 ¹
Die Mauer ist immer dann kippsicher, wenn

B §T ·
FG > F ¨  e¸ . Nach der Mauerbreite aufgelöst erhält man
2 ©2 ¹
F §T ·
B > 2 ¨  e¸ oder
FG © 2 ¹
F
B! T  2 e . Mit der Exzentrizität
FG
IS IS
e = (bei D = 0°, also senkrechte Wand),
A yS A tS

dem Flächenmoment 2. Grades der Rechteckfläche um den Schwerpunkt S


L T3
IS , dem Schwerpunktabstand
12
T
tS und der Fläche A = T * L wird
2
L T3 2 1
e oder e T . Damit wird
12 L T T 6
F § 2 · F § 1 · 2 F
B! ¨T  T¸ oder B ! ¨ T  T ¸ bzw. B ! T .
FG © 6 ¹ FG © 3 ¹ 3 FG
84 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

1
FG g UM B L H und F= g U W T 2 L oben eingesetzt liefert:
2
2 g UW T 2 L
B! T
3 2 g UM B L H
Durch das Kürzen betreffender Größen sowie der Multiplikation mit B kommt man zu
1 U T3
B2 ! W . Nach dem Wurzelziehen lautet das Ergebnis schließlich:
3 UM H

1 UW T
B ! T
3 UM H

Ein Umkippen der Staumauer wird immer dann vermieden, wenn diese Bedingung eingehal-
ten wird.

kg kg
3. Pkt. 1 und Pkt. 2, wenn: UM 2406 ; UW 1000 ; H 6 m; T 5 m;
m3 m3
k 1,5; P 0 0,42

B:
1 1000 1,5 52
B
2 2406 0,42 6

B 3,09 m

1 1000 5
B ! 5 1,70
3 2406 6

3,09 > 1,70, d.h. die Kippsicherheit ist gewährleistet


4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 85

Aufgabe 4.2 Schräge Absperrklappe


¥1. 19 min hhh 19 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

Eine Absperrklappe liegt gemäß Abb. 4.2.1 auf einer Flüssigkeit auf und dichtet den Flüssig-
keitsraum gegenüber der Umgebung ab. Die Klappe ist um den Punkt G drehbar gelagert. Der
vertikale Abstand h ihres höchsten Punktes A vom Gelenk G sowie der des Flüssigkeitsspie-
gels vom Punkt A sind gleich groß. Die Klappensteigung wird durch den Winkel D festgelegt.
Die Gewichtskraft der Klappe FG ist bekannt. Zu ermitteln ist diejenige im Klappenschwer-
punkt angreifende, vertikale Haltekraft Ft , mit der am Punkt A gerade noch abgedichtet wird.

Abb. 4.2.1 Schräge Absperrklappe

 Lösung zu 4.2

Aufgabenerläuterung

Zur Lösung der Frage nach der Vertikalkraft Ft sind sämtliche an der Klappe wirksamen Kräf-
te im Gleichgewichtszustand zu berücksichtigen. Die o.g. Formulierung „… gerade noch ab-
gedichtet …“ soll darauf hinweisen, dass an der Stelle A keine Kraft mehr zwischen Klappe
und Fundament wirkt. Neben der bekannten Klappengewichtskraft FG und der gesuchten Hal-
tekraft Ft muss die aufgrund der hydrostatischen Druckverteilung an der Klappenunterseite
angreifende Kraft F ermittelt werden. Kraftangriffspunkt für FG und Ft ist jeweils der
Schwerpunkt der Klappe; dagegen ist derjenige von F um die Exzentrizität e vom Schwer-
punkt aus nach unten versetzt.

Gegeben: U ; D ; g ; h ; FG ; B ;

Gesucht: 1. F t
86 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

kg m
2. F t , wenn: U 1000 ; D 30 0 ; g 9,81 ; FG 300 kN ;
m3 s2
h 2m; B 3m;

Lösungsschritte
1. F t :

Einen schnellen Weg zur Bestimmung der Kraft Ft stellt die Anwendung des Momentensatzes
um das Gelenk G dar. Hierzu ist es zunächst erforderlich, alle Kräfte und notwendigen geo-
metrischen Größen in Abb. 4.2.2 einzutragen. Es wird davon ausgegangen, dass im Gelenk
kein mechanisches Reibmoment wirkt.
Die Kräfte FG und Ft greifen im Schwerpunkt S dieser Rechteckplatte mittig, vertikal nach un-
ten gerichtet an. Die hydraulische Kraft F steht senkrecht am Angriffspunkt D auf der Klap-
penfläche.

Abb. 4.2.2 Abmessungen und Kräfte

Der Momentensatz liefert mit den Abmessungen in Abb. 4.2.2.:

ª1 h º 1 h 1 h
¦T G 0 F «
¬ 2 sin D
 e»  Ft cos D
¼ 2 sin D
 FG cos D
2 sin D

Da Ft gesucht wird, erfolgt eine Umstellung gemäß

1 h ª1 h º 1 h
Ft cos D F «  e»  FG cos D
2 sin D ¬ 2 sin D ¼ 2 sin D
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 87

2 sin D
Multipliziert mit liefert die gesuchte Kraft Ft alleine auf der linken Seite:
h cos D
2 sin D 1 ª 1 h º 1 h 2 sin D
Ft F «  e»  FG cos D
cos D h ¬ 2 sin D ¼ 2 sin D cos D h
Das Kürzen geeigneter Größen und Ausmultiplizieren auf der rechten Seite
ª 2 sin D 1 h e 2 sin D º
Ft F «   FG
¬ cos D h 2 sin D h cos D »¼
führt zum vorläufigen Zwischenergebnis:
ª 1 e sin D º
Ft F «  2  FG
¬ cos D h cos D »¼
Es sind also noch die hydraulische Kraft F und die Exzentrizität e unbekannt.
F= U g A tS Durch den Flüssigkeitsdruck bewirkte hydraulische Kraft
h
A= B Benetzte Fläche
sin D
1 3
tS h  h h Schwerpunktsabstand der Fläche A von der Oberfläche
2 2
Die hydraulische Kraft F lässt sich dann beschreiben mit
3 h2
F U g B .
2 sin D
Die Exzentrizität e als Abstand des Punktes D von S auf der Rechteckklappe lautet :
IS
e=
A yS
IS Flächenmoment 2. Grades
B H3
IS Im vorliegenden Fall einer Rechteckfläche
12
B h3 h
IS , da H { .
sin 3 D 12 sin D
A (s.o.)
h 1 h
yS =  Koordinate durch die geneigte Klappe vom Flüssigkeitsspiegel bis
sin D 2 sin D
zum Schwerpunkt S. Für yS erhält man somit
3 h .
yS Die Exzentrizität bestimmt man mit diesen Zusammenhängen zu
2 sin D

B h 3 sin D 2 sin D 1 h
e oder e .
sin 3 D 12 B h 3 h 18 sin D
88 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Die gesuchte Kraft Ft lässt sich nun durch Verwendung von e in der Ausgangsgleichung her-
leiten zu

ª 1 2 h sin D º
Ft F «   FG oder die Klammer zusammengefasst
¬ cos D 18 sin D h cos D »¼
ª 1 1 1 º 8 F
Ft F «  »  FG und folglich Ft  FG .
¬ cos D 9 cos D ¼ 9 cos D
3 h
Unter Verwendung von F U g B gelangt man zunächst zu
2 sin D
8 3 h2 1
Ft U g B  FG . Durch Kürzen lautet dann das Ergebnis
9 2 sin D cos D

4 U g
Ft B h 2  FG .
3 sin D cos D

kg m
2. F t , wenn: U 1000 ; D 30 0 ; g 9,81 ; FG 300 kN ; h 2m; B 3m;
m3 s2
Unter Beachtung der dimensionsgerechten Benutzung der gegebenen Größen berechnet man
die erforderliche Vertikalkraft Ft zu
4 1
Ft 1000 9,81 3 2 2  300000
3 sin 30 0 cos 300

Ft 62,48 kN .
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 89

Aufgabe 4.3 Platte auf Wasser


¥1. 20 min hhh 20 Punkte

Bei der folgenden Aufgabe stelle man sich gemäß Abb. 4.3.1 vor, dass eine schwere massive
Stahlplatte als Abdichtelement den Austritt von Wasser aus einem Becken verhindern soll. Die
Platte ist drehbar im Beckenfundament gelagert und liegt auf dem Wasser auf. Die seitlichen
Abdichtungen sind in Abb. 4.3.1 nicht erkennbar. Im Fall von Holz als Plattenwerkstoff hat
man keine Vorstellungsschwierigkeiten dieses Vorgangs; bei einer z.B. 20 Tonnen schweren
Stahlplatte dagegen könnte man meinen, dass ein Untergehen im Wasser aufgrund der enor-
men Plattenmasse unvermeidlich ist. Die hydrostatische Druckverteilung im Wasser sorgt je-
doch dafür, dass auch die Stahlplatte bei korrekter Dimensionierung die Aufgabe erfüllt.
Da die Flüssigkeitstiefe t1 über dem Drehgelenk variabel angenommen wird (z.B. Ebbe und
Flut), soll der Zusammenhang zwischen t1 und dem Plattenneigungswinkel Ihergeleitet wer-
den.

Abb. 4.3.1 Platte auf Wasser

 Lösung zu 4.3

Aufgabenerläuterung

Die variable Wassertiefe t1 bewirkt, dass die flüssigkeitsbenetzte Plattenfläche A1, auf welcher
der hydrostatische Druck wirkt, sich ebenfalls verändert (A1 = B * L1 mit B = konstant und
L1 z konstant). Aufgrund der Verschiebung des Bezugsschwerpunktes S1 der Fläche A1 lie-
gen auch unterschiedliche Schwerpunktsabstände tS1 vor. Direkte Auswirkungen auf die vom
Flüssigkeitsdruck erzeugte Plattenkraft F U W g t S1 A1 sind die Folge. Weiterhin wird
auch der Angriffspunkt D1 der Kraft F durch die variable Wassertiefe t1 beeinflusst. Dies äu-
ßert sich in veränderlichen Werten der Exzentrizität e1 .

Gegeben: U W , UP , g, B, L, d
Gesucht: t1 = f (I)
90 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Anmerkungen: - Der Plattenschwerpunkt S darf nicht mit dem Flächenschwerpunkt S1


verwechselt werden.

Lösungsschritte

Zunächst müssen alle bekannten bzw. benötigten geometrischen Größen in Abb. 4.3.2 einge-
tragen werden, ebenso wie die beiden Kräfte FG und F in ihren Wirkungspunkten S bzw. D1.

Abb. 4.3.2 Abmessungen und Kräfte

Den einfachsten Ansatz zur Ermittlung der gesuchten Funktion liefert der Momentensumme
um das Drehgelenk, wobei davon ausgegangen wird, dass im Gelenk Reibungsfreiheit vor-
liegt:

¦ T 0 FG cos M 2  F L1  yS1  e1 . Umgeformt folgt


L

F L1  yS1  e1 FG cos M .
L
Multipliziert mit 2 liefert
2
2 F L1  yS1  e1 FG cos M L .

F g U W A1 t S1 Hydraulische Kraft in D1

A1 B L1 Benetzte Fläche
t S1 yS1 sin M Schwerpunktsabstand der Fläche A1
L1
yS1 Schwerpunktskoordinate in der Flächenrichtung
2
FG g mP Gewichtskraft der Platte
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 91

mP UP VP Plattenmasse

VP B L d Plattenvolumen
Diese Zusammenhänge in der Ausgangsgleichung verwendet führt zu:
1

2 g U W B L21 sin M L1  yS1  e1 = g U P B L d cos M L
2
oder

§L · L1
U W L21 sin M ¨ 1  e1 ¸ = UP L2 d cos M , da yS1 .
© 2 ¹ 2
Die Exzentrizität e1 als Abstand des Kraftangriffpunktes D1 vom Flächenschwerpunkt S1 er-
hält man mit den vorliegenden Größen wie folgt:
IS1
e1 Exzentrizität
A1 yS1
B L31
IS1 Flächenmoment 2. Grades der Rechteckfläche A1
12
A1 L1 B (s.o.)
L1
yS1 (s.o.)
2
1 B L1 2
3
1
e1 oder e1 L1 .
12 B L1 L1 6

§L L ·
U W L21 sin M ¨ 1  1 ¸ = UP L2 d cos M
© 2 6¹
1
U W L31 sin M = UP L2 d cos M . Nach L31 zunächst umgeformt folgt
3
3 UU L2 d cos M t1
L31 = . Ersetzt man jetzt L1 , so erhält man
U w sin M sin M
U
t13 3 P L2 d cos M sin 2 M und als gesuchtes Ergebnis:
UW

UP
t1 3 3 L2 d cos M sin 2 M
UW
92 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Aufgabe 4.4 Verschlussklappe zwischen zwei Wasserkanälen


¥1. 9 min hh 9 Punkte
¥2. 11 min hhh 11 Punkte
¥3. 4 min h 4 Punkte

Wie in Abb. 4.4.1 erkennbar werden zwei Kanäle durch eine Wand voneinander getrennt. In
der Wand ist eine kreisförmige Verschlussklappe in der Weise installiert, dass sie den Kanal-
boden gerade berührt und am höchsten Punkt in einem Drehgelenk gelagert ist. An diesem
angeschweißt erkennt man einen Hebel, der am hinteren Ende mit einer Masse m belastet
wird mit der Aufgabe, die Abdichtung zwischen beiden Kanälen herzustellen. Die Frage, die
sich im vorliegenden Fall stellt, ist zweigeteilt und behandelt den Abdichtvorgang unter ver-
schiedenen Aspekten:
1. Mit welcher Masse m muss der Hebel belastet werden, damit bei gegebener Füllhöhe t1 im
linken Kanal (Abb. 4.4.1) die Verschlussklappe gegenüber dem rechten leeren Kanal „ge-
rade noch“ abdichtet?
2. Bei unterschiedlichen Wasserständen in beiden Kanälen (Abb. 4.4.2) soll festgestellt wer-
den, wie groß die linke Füllhöhe t2 werden darf, dass bei eingetauchter Masse m und fes-
ter Höhe t im rechten Kanal die Abdichtung ebenfalls „gerade noch“ funktioniert?

Abb. 4.4.1 Verschlussklappe zwischen zwei Wasserkanälen

 Lösung zu 4.4

Aufgabenerläuterung

Die Aufgabe behandelt das Zusammenwirken verschiedener an der Verschlussklappe angrei-


fender Kräfte unter jeweils dem Aspekt des „Gerade noch“-Abdichtens an der Dichtfläche.
Dies bedeutet, dass die Kraft zwischen Dichtung und Klappe in diesem Grenzfall gleich Null
ist und folglich nicht berücksichtigt wird. Als Kräfte kommen neben der Gewichtskraft der
Masse m noch diejenigen aus den hydrostatischen Druckverteilungen an der Verschlussklappe
und im zweiten Fall auch die Auftriebskraft der eingetauchten Masse zur Wirkung.
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 93

Anmerkungen: d
- a! ist in Abb. 4.4.1 nicht eindeutig erkennbar.
2
- Reibungsfreiheit im Drehgelenk.
- Die Volumina des Hebels und des Versteifungswinkels sind vernachläs-
sig bar.
S
- IS d 4 Flächenmoment 2. Grades um Schwerpunkt einer Kreisflä-
64
che.

Teil 1:

Gegeben: U W , d, a, l, t1

Gesucht: m

Lösungsschritte

Bildet man mit den wirksamen Kräften die um das Drehgelenk wirkenden Momente, so folgt
entgegen dem Uhrzeigersinn

¦T D 0 F a  e  FG l oder umgestellt FG l F a  e .

Mit FG = m * g und F U W g t S A wird


S
m g l U W g t S A a  e . Nach m aufgelöst sowie mit A = d2
4
tS S
m UW a  e d 2 t S in die Klammer multipliziert und umgestellt
l 4
S d 2
m U W t S a  t S e .
4 l
IS
Die Exzentrizität lautet allgemein e und im Fall der Kreisplatte:
tS A
S
IS = d4 Flächenmoment 2. Grades um den Schwerpunkt S
64
S
A = d2 Fläche
4
§ d·
t S ¨ t1  ¸ Schwerpunktsabstand von der Flüssigkeitsoberfläche
© 2¹

Somit lässt sich e unter Verwendung dieser Zusammenhänge ermitteln zu:


S
d4
64 d2 l
e
S
t S d 2 16 t S
4
94 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Wird e in die Gleichung für die gesuchte Masse eingesetzt, so führt dies zum Ergebnis:
S d2 § d2 · § d·
m UW ¨¨ t S a  ¸¸ oder mit t S ¨ t1  ¸
4 l © 16 ¹ © 2¹

S d2 § § d· d2 ·
m UW ¨¨ ¨ t1  ¸ a  ¸¸ .
4 l ©© 2¹ 16 ¹
Teil 2:

Gegeben: m, l, a, d, t, U W , UG

Gesucht: t2

Lösungsschritte

Auch hier ist der Ansatz der von allen Kräften um das Drehgelenk erzeugten Momente der
einfachste Weg, die gesuchte, maximal zulässige Flüssigkeitshöhe t 2 zu ermitteln. Im Unter-
schied zu Teil 1 wirken jetzt aber zwei durch den Flüssigkeitsdruck an der Verschlussklappe
hervorgerufene Kräfte F1 und F2. Die verschiedenen Füllhöhen in den Kanälen verursachen
des Weiteren unterschiedliche Kraftangriffspunkte von F1 und F2. Dies äußert sich in vonei-
nander abweichenden Exzentrizitäten e1 und e2. Weiterhin wird eine Kraft wirksam, die im-
mer dann entsteht, wenn ein Körper mit seinem Volumen in einem Fluid das gleiche Fluidvo-
lumen verdrängt: die Archimedische Auftriebskraft. Im vorliegenden Fall entsteht sie an der
in Teil 1 bestimmten, jetzt aber vollkommen eingetauchten Masse m und greift wie die Ge-
wichtskraft FG im Massenschwerpunkt an.

Abb. 4.4.2 Abmessungen und Kräfte

Bildet man mit den wirksamen Kräften die um das Drehgelenk wirkenden Momente, so folgt
im Uhrzeigersinn:

¦T D 0 FG l  Fa l  F1 e1  a  F2 e 2  a 0 oder umgestellt
F2 e 2  a  F1 e1  a FG  Fa l .
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 95

FG g m Gewichtskraft

Fa U W g VG Auftriebskraft
m
VG Volumen der Masse. Oben eingesetzt
UG
F2 e 2  a - F1 e1  a = l >g m  U W g VG @ führt zu
ª U g VG º
F2 e 2  a - F1 e1  a = l g m «1  W .
¬ g m »¼
m
m g ausgeklammert und UG eingesetzt liefert:
VG
ª U º
F2 e 2  a - F1 e1  a = l m g «1  W »
¬ UG ¼

Die hydraulischen Kräfte F2 und F1 an der Klappe unterscheiden sich nur durch die verschie-
denen Schwerpunktsabstände t S2 und t S1 und lauten :

F2 U W g t S 2 A und F1 U W g t S1 A

Die Schwerpunksabständen t S2 und t S1 lassen sich aus Abb. 4.4.2 wie folgt ablesen:
§ d· § d·
tS2 ¨ t 2  ¸ und t S1 ¨t  ¸
© 2¹ © 2¹
Is
Die beiden noch benötigten Exzentrizitäten folgen allgemein dem Ansatz e = .
yS A

Im Fall der senkrechten Fläche (D = 0°) wird gemäß tS = yS * cos Doder tS = yS.
Man erhält folglich:
Is Is
e1 und e 2
tS A t S2 A
1

F2 und F1 sowie e 1 und e 1 mit den neuen Zusammenhängen in das Ergebnis der Momenten-
gleichung eingesetzt und vereinfacht 
ª I º ª I º ª U º
UW g A t S2 « S  a »  U W g A t S1 « S  a » = l m g «1  W »
¬« S 2
t A ¼» ¬« S1
t A ¼» ¬ UG ¼
ª U º
> @
UW IS  A t S2 a  IS  A t S1 a = l m «1  W » führt zu:
¬ UG ¼
ª U º
>
A a t S 2  t S1
m
UW
@ l «1  W » . Dividiert man noch durch (A * a), so bleibt stehen:
¬ UG ¼

m l 1 ª UW º
t S 2  t S1 «1  ». Mit den o.g. Schwerpunktsabständen erhält man
A a U W ¬ UG ¼
96 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

§ d· § d· m l 1 ª UW º S
¨ t2  ¸  ¨ t  ¸ «1  » und mit A d 2 das Endergebnis
© 2¹ © 2¹ A a U W ¬ UG ¼ 4

4 m l 1 ª UW º
t2 t «1  ».
S d 2 a U W ¬ UG ¼

3. m und t2 bei folgenden Größen:

kg
m: t1 = 1 m, d = 0,90 m, a = 0,53 m, l = 0,95 m, UW = 1000 ,
m3

S 0,92 § § 0,9 · 0,92 ·


m 1000 ¨¨ ¨1  ¸ 0,53  ¸
4 0,95 © © 2 ¹ 16 ¸¹

m = 229 kg

kg kg
t2: t = 1 m, d = 0,90 m, a = 0,53 m, l = 0,95 m, UW = 1000 ,UG = 7850
m3 m3

4 229 0,95 1 ª 1000 º


t2 1 1
S 0,9 2 0,53 1000 «¬ 7850 »¼

t2 = 1,56 m
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 97

Aufgabe 4.5 Zylinder auf Rechteckabfluss


¥1. 20 min hhh 20 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

In Abb. 4.5.1 ist der Querschnitt durch ein flüssigkeitsgefülltes Becken mit einem rechtecki-
gen Abfluss zu erkennen. Eine zylindrische Walze mit dem Radius R und der Länge L (senk-
recht zur Bildebene) liegt auf diesem Rechteckabfluss gleicher Länge auf und verhindert das
Ausströmen der Flüssigkeit. An der oberen und unteren flüssigkeitsbenetzten Zylinderoberflä-
che wirken unterschiedliche, durch die hydrostatische Druckverteilung hervorgerufene Kräfte.
Zu ermitteln ist die resultierende hydrostatische Kraft, die an der Walze zur Wirkung kommt.

Abb. 4.5.1 Querschnitt durch flüssigkeitsgefülltes Becken

 Lösung zu 4.5

Aufgabenerläuterung

Im vorliegenden Fall der im unteren Segment nicht vollständig in Flüssigkeit eingetauchten


Walze stellt sich die Frage nach Kräften, die an Körpern mit gekrümmten Oberflächen auf-
grund der hydrostatischen Druckverteilung in Flüssigkeiten wirken. Da Symmetrie zur t-
Achse vorliegt, heben sich die Horizontalkomponenten der Kräfte bei gleicher Größe, aber
entgegengesetzter Wirkrichtung vollständig auf. Somit sind nur die Kraftkomponenten Ft von
Bedeutung. Bei deren Bestimmung ist es erforderlich, zu unterscheiden, ob die Kraftkompo-
nente „von oben“, also in t-Richtung oder „von unten“, also entgegen t-Richtung wirkt. Hier-
nach richtet sich das Volumen V, welches bei der Ermittlung von Ft g U V benötigt
wird.

Gegeben: h 1, U, M, R, L

Gesucht : 1. Ft 1 , Ft 2 , Ft res .
kg
2. Ft res . wenn: h1 = 7 m, U  , M  q, R = 4 m, L = 3 m.
m3
98 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Lösungsschritte

1. Ft res . :

Zunächst müssen in Abb. 4.5.2 die beiden Kraftkomponenten Ft 1 und Ft 2 sowie die benötigten
Volumina V1 und V2 eingetragen werden. Zweckmäßigerweise ist es ratsam (aber nicht zwin-
gend erforderlich), die Kräfte und Volumina pro Walzenhälfte einzuzeichnen und zu ermit-
teln. Das Volumen V1 und auch Ft 1 , eigentlich in der linken Hälfte vorhanden, sind wegen
der besseren Erkennbarkeit auf der rechten Seite eingezeichnet.

Abb. 4.5.2 Abmessungen und hydraulische Kräfte

Die resultierende hydraulische Kraftkomponente wird wie folgt festgelegt:


Ft res
Ft 1  Ft 2 (pro Hälfte des Zylinders).
2
Zur Vertikalkraft Ft1 , welche eine Zylinderhälfte von oben belastet, führen nachstehende
Herleitungsschritte:

Ft 1 U g V1 Von oben wirkende hydraulische Kraft

V1 VQuader  VViertelkreis Wirksames Flüssigkeitsvolumen gemäß Abb. 4.5.2

VQuader A FMJG L Quadervolumen

VViertelkreis A MKJ L Volumen aus Viertelkreis und Länge

A FMJG h1 * R Querschnittsfläche des Quaders

1
A MKJ S R2 Querschnittsfläche des Viertelkreises
4
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 99

§ S ·
Diese Zusammenhänge liefern zunächst V1 R L ¨ h1  R ¸ und dann die gesuchte
© 4 ¹
Kraft Ft1 in nachstehender Funktion:

§ S ·
Ft 1 U g R L ¨ h1  R ¸
© 4 ¹

Zur Vertikalkraft Ft 2 , welche eine Zylinderhälfte von unten belastet, führen nachstehende
Herleitungsschritte:

Ft 2 U g V2 Von unten wirkende hydraulische Kraft

V2 VQuader  VKreissektor  VPr isma Wirksames Flüssigkeitsvolumen gemäß Abb. 4.5.2

VQuader A BCDE L Volumen des Quaders


A BCDE h1 BE Querschnittsfläche des Quaders

BE R  R cos M gemäß Abb. 4.5.2 oder R ausgeklammert

BE R 1  cos M

VQuader h1 L R 1  cos M Ergebnis für VQuader

VKreissektor A ABM L Volumen aus Kreissektorfläche und Länge


M o
A ABM S R2 Querschnittsfläche des Kreissektors
360o
Mo
VKreissektor S R2 L Ergebnis für VKreissektor
360o

VPr isma A AEM L Volumen des Prismas


1
A AEM EM EA Querschnittsfläche des Prismas
2
EM R cos M gemäß Abb. 4.5.2

EA R sin M gemäß Abb. 4.5.2


1
A AEM R 2 sin M cos M
2
1
VPr isma R 2 L sin M cos M Ergebnis für VPr isma
2

Die drei Teilvolumina in V2 eingesetzt liefern zunächst


Mo 1
V2 h1 R L 1  cos M  S R 2 L  R 2 L sin M cos M .
360o 2
100 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Das Ausklammern von R L führt zu

ª Mo 1 º
V2 R L «h1 1  cos M  o
S R  R sin M cos M» .
¬ 360 2 ¼

1 1
Unter Verwendung von M 30o und sin 30o sowie cos 30o 3 gelangt man zu
2 2

ª § 1 · 30
o
1 1 1 º
V2 R L « h1 ¨1  3 ¸  o
S R  R 3» oder umgeformt
¬ © 2 ¹ 360 2 2 2 ¼

ª § 1 · R § 3 ·º
V2 R L « h1 ¨1  3 ¸  ¨ S  3 ¸ » .
¬ © 2 ¹ 12 © 2 ¹¼

Die Kraftkomponente Ft 2 lautet folglich:

ª § 1 · R § 3 ·º
Ft 2 U g R L « h 1 ¨1  3 ¸  ¨ S  3 ¸ »
¬ © 2 ¹ 12 © 2 ¹¼

Ft res
Die resultierende hydraulische Kraftkomponente erhält man mit:
2
Ft res ­§ S · ª § 1 · R § 3 ·º ½
U g R L ®¨ h1  R ¸  «h1 ¨1  3 ¸  ¨ S  3 ¸» ¾
2 ¯© 4 ¹ ¬ © 2 ¹ 12 © 2 ¹¼ ¿

Ft res § S 1 S 1 ·
U g R L ¨ h1  R  h1  3 h1  R  3 R ¸
2 © 4 2 12 8 ¹
oder die Gesamtkraft nach Multiplikation mit 2:

§ 3 2 ·
Ft res U g R L ¨¨ 3 h1  R  S R ¸¸
© 4 3 ¹

kg
2. Ft res . , wenn: h1 = 7 m, U  , M  q, R = 4 m, L = 3 m.
m3
Die dimensionsgerechte Benutzung der gegebenen Zahlen vorausgesetzt ermittelt man die
Kraft Ft res zu
§ 3 2 ·
Ft res 1000 9,81 4 3 ¨¨ 3 7  4  S 4 ¸¸ oder
© 4 3 ¹

Ft res . = 644967 N | 645 kN.


4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 101

Aufgabe 4.6 Kugel auf Abflussrohr Übungsbeispiel


1. hhh
2. h
Am Boden eines offenen Wasserbeckens befindet sich ein kreisförmiges Abflussrohr. Das Be-
cken ist bis zur Höhe h mit Wasser befüllt. Den Eintrittsquerschnitt des Abflussrohrs versperrt
eine Kugel mit der Gewichtskraft FG und dem Radius r0. Der obere Kugelscheitelpunkt weist
einen Abstand h0 vom Beckenboden auf. Das Abflussrohr mündet ins Freie. Zu ermitteln ist
diejenige Kantenkraft FK, die zwischen Kugel und Eintrittskante der Abflussleitung wirkt.

Abb. 4.6.1 Kugel auf Abflussrohr

 Lösung zu 4.6

Aufgabenerläuterung

Die gesuchte Kantenkraft FK lässt sich aus den verschiedenen an der Kugel wirkenden Kräf-
ten herleiten. Hierbei handelt es sich neben dem bekannten Gewichtsanteil FG um Kräfte, die
an Körpern mit gekrümmten Oberflächen aufgrund der hydrostatischen Druckverteilung in
Flüssigkeiten wirken. Da Symmetrie zur t-Achse vorliegt, heben sich die Horizontalkompo-
nenten Fx der Kräfte bei gleicher Größe, aber entgegengesetzter Wirkrichtung vollständig auf.
Somit sind nur die Kraftkomponenten Ft von Bedeutung. Bei deren Bestimmung ist es erfor-
derlich, zu unterscheiden, ob die Kraftkomponente „von oben“ (hier Ft 2 ) oder „von unten“
(hier Ft 1 ) wirkt. Hiernach richtet sich das jeweilige Volumen V, welches bei der Ermittlung
von Ft g U V benötigt wird.
102 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Anmerkungen: - Das Volumen der mit zu verwendenden Kugelkalotte V3 lautet im vor-


S 2
liegenden Fall (Abb. 4.6.1 ): VKalotte h 0 3 r0  h 0 .
3

Gegeben: g, h, r0, h0, U FG

Gesucht: 1. FK
m
2. FK ,wenn: g = 9,81 , h = 200 mm, r0 = 50 mm, h0 = 90 mm,
s2
kg
U  3  FG = 3,924 N
m
Lösungsschritte

Alle gegebenen Größen h, r0, h0, FG sowie die Kräfte Ft 1 , Ft 2 und die gesuchte Kantenkraft FK
müssen zunächst in Abb. 4.6.2 eingezeichnet werden. Die Wirkrichtungen der Kräfte sind alle
bis auf diejenige von FK bekannt. Diese kann man willkürlich wählen, da das Vorzeichen des
Ergebnisses die Lösung liefert. Die Kraftangriffspunkte von FG und Ft 2 entsprechen den tat-
sächlichen Gegebenheiten. Aus Darstellungsgründen erkennt man die Kräfte Ft 1 und FK an
frei gewählten Stellen, was aber auf das Ergebnis keinen Einfluss hat. Weiterhin benötigte
geometrische Größen wie der Radius rx und der Abstand der Kugelmittelebene vom Becken-
boden (h0 – r0) sind ebenfalls zur Lösungsfindung erforderlich.

Abb. 4.6.2 Abmessungen und Kräfte

1. FK:

Als Ansatz wird die Kräftebilanz in t-Richtung wie folgt benutzt:


p ¦F ti 0 FG  Ft z  Ft1  FK oder FK Ft 2  Ft 1  FG
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 103

Die Kräfte Ft 1 und Ft 2 nach dem allgemeinen Ansatz Ft g U V lauten demgemäß:

F t1 U g V1 bzw. F t2 U g V2 . Oben eingesetzt erhält man folglich

FK U g V2  V1  FG .

Somit ist in diesem Fall die gesuchte Kantenkraft FK nur noch abhängig von den Volumina
V 2 „oberhalb“ der flüssigkeitsbenetzten Kugelkonturkrümmung bis zur Scheitelebene und
V 1 „unterhalb“ der flüssigkeitsbenetzten Kugelkonturkrümmung bis zur Scheitelebene mit
jeweils der Flüssigkeitsoberfläche als Bezugsebene.

V1 :

V1 VKalotte  V2  VZylinder Flüssigkeitsvolumen „von unten“

S 2
VKalotte h 0 3 r0  h 0 Kalottenvolumen
3
V2 siehe Abb. 4.6.2
VZylinder S r h 2
x Zylindervolumen mit

r02  h 0  r0 h 0 2 r0  h 0 .
2
rx2 oder rx2

Ohne V1 und V2 jetzt detailliert bestimmen zu müssen, gelangt man zur Volumendifferenz
V2  V1 wie folgt:
V2  V1 V2  VKalotte  V2  VZylinder oder

V2  V1 V Zylinder
 VKalotte . Mit den oben angegebenen Gleichungen erhält

man Kürzen und Ausmultiplizieren der Klammerausdrücke:


§ S 2 ·
V2  V1 ¨ S h 0 h 2 r0  h 0  h 0 3 r0  h 0 ¸
© 3 ¹
§ S 3·
V2  V1 ¨ 2 S h 0 h r0  S h 0 h  S h 0 r0  h 0 ¸
2 2

© 3 ¹
Zur Vereinfachung wird nun noch S h 02 r0 vor die Klammer gebracht und es resultiert

§ 2 h 0 h r0 h 02 h h 02 r0 h 30 ·
V2  V1 S h 02 r0 ¨¨    ¸ oder
© h 0 r0
2
h 0 r0 h 0 r0 3 h 0 r0 ¸¹
2 2 2

§ h h h ·
V2  V1 S h 02 r0 ¨¨ 2   1  0 ¸¸ oder
© h 0 r0 3 r0 ¹

ªh § h · § h ·º
V2  V1 S h 02 r0 « ¨¨ 2  0 ¸¸  ¨¨1  0 ¸¸» .
¬ h0 © r0 ¹ © 3 r0 ¹¼
104 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Die gesuchte Kantenkraft FK lautet dann mit den genannten Zusammenhängen:

ªh § h · § 1 h ·º
FK U g S r0 h 02 « ¨¨ 2  0 ¸¸  ¨¨ 1  0 ¸¸ »  FG
h
¬ 0 © r0 ¹ © 3 r0 ¹¼

m kg
2. FK , wenn: g = 9,81 , h = 200 mm, r0 = 50 mm, h0 = 90 mm, U  3 
s2 m
FG = 3,924 N

Die dimensionsgerechte Verwendung der genannten Größen vorausgesetzt führt zu folgen-


dem Ergebnis der Kantenkraft:

ª 0, 2 § 0,09 · § 1 0,09 · º
FK 1000 9,81 S 0,05 0,09 2 « ¨2  ¸  ¨1  ¸ »  3,924
¬ 0 , 09 © 0 , 05 ¹ © 3 0,05 ¹ ¼

FK = 4,478 N
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 105

Aufgabe 4.7 Segmentschütz


¥1. 14 min hh 14 Punkte
¥2. 3 min h 3 Punkte

Ein Kreissegmentschütz (Radius R) ist gemäß Abb. 4.7.1 im Gelenk G drehbar angebracht
und liegt mit der Unterkante abdichtend auf einem Fundament auf. Der Wasserspiegel erreicht
mit der Höhe H über dem Fundament den Scheitelpunkt des Segments. Die aufgrund der hyd-
rostatischen Druckverteilung auf die flüssigkeitsbenetzte Oberfläche wirkenden Kraft weist
die beiden Komponenten Fx und Ft auf. Diese, bezogen auf die Segmentlänge L, sollen neben
dem Winkel M im vorliegenden Fall ermittelt werden.

Abb. 4.7.1 Kreissegmentschütz

 Lösung zu 4.7

Aufgabenerläuterung

Die Fragestellung ist in diesem Fall relativ einfach. Die Kraftkomponenten der auf die ge-
krümmte Kontur einwirkenden Gesamtkraft leiten sich bekanntermaßen wie folgt her:
x-Richtung: Fx U g t S A t und t-Richtung: Ft U g V . Hierin bedeuten:

tS Schwerpunktsabstand der Projektionsfläche At von der Flüssigkeitsoberfläche


At Projektion der benetzten Krümmungsfläche in die t-y-Ebene
V Bei Wirkung der Komponente Ft „von unten“ auf die Krümmungsfläche wird das Vo-
lumen über dieser Fläche im hier nicht fluidgefüllten Raum verwendet.
Somit ist die Aufgabe gelöst, wenn tS, At und V mittels der gegebenen Größen bekannt sind.

Gegeben: U; g; R ; H
F F
Gesucht: 1. M , t , x
L L
kg m
2. Pkt. 1, wenn: R = 6,1 m ; H = 3,05 m ; U 1000 ; g = 9,81 2
m3 s
106 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Lösungsschritte

Zunächst werden die betreffenden Größen Fx, Ft, tS, At und V in Abb. 4.7.2 eingetragen, um
sie leichter in Verbindung mit den Vorgaben zu formulieren.

Abb. 4.7.2 Abmessungen und Kräfte

Fx F
1. M , , t:
L L

M:
§M· M H §M· §H·
Der Winkel ¨ ¸ ist mit sin ( ) gegeben oder auch ¨ ¸ arcsin¨ ¸ . Hieraus folgt:
©2¹ 2 R ©2¹ ©R¹
§H·
M 2 arcsin¨ ¸
©R¹
Fx
:
L
Die horizontal wirkende Kraftkomponente berechnet sich aus Fx U g t S A t , wobei

H
tS Schwerpunktsabstand der Flächenprojektion At und
2
At H L die Flächenprojektion sind. Fx lautet dann

H
Fx U g H L und bezogen auf L
2
Fx 1
U g H2 .
L 2
Ft
:
L
Die vertikal wirkende Kraftkomponente berechnet sich aus Ft U g V , wobei V aus

V = VKreissektor - VPr isma zu ermitteln ist.


VKreissektor A Kreissektor L Volumen aus Kreissektorfläche und Länge
VPr isma A Pr isma L Volumen aus Prismenquerschnittsfläche und Länge
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 107

M0
A Kreissektor S R2 Kreissektorfläche
2 360o
1 §M· §M·
A Pr isma R sin ¨ ¸ R cos¨ ¸ Prismenquerschnittsfläche oder
2 ©2¹ ©2¹
1 § M · § M ·
A Pr isma R 2 sin ¨ ¸ cos¨ ¸ oder mit sin D cos D 2 sin 2 D
2 ©2¹ ©2¹
1
A Pr isma R sin M
2

Das Volumen erhält man somit zu:


ª M0 1 º 1
V = « S R 2  R 2 sin M» L , oder, wenn R 2 ausgeklammert wird,
¬ 2 360
o
4 ¼ 4

1 ª M0 º
V = R2 « o
S  sin M» L .
4 ¬180 ¼
Die Kraftkomponente Ft lässt sich dann beschreiben mit

1 ª M0 º
Ft U g R2 L « o
S  sin M» bzw. durch L dividiert:
4 ¬180 ¼

Ft 1 ª M0 º
U g R2 « o
S  sin M»
L 4 ¬180 ¼

Ft Fx kg m
2. M ; ; ; wenn: R = 6,1 m ; H = 3,05 m ; U 1000 3 ; g = 9,81
L L m s2
Unter Beachtung dimensionsgerechter Verwendung der gegebenen Größen folgt:

§ 3,05 ·
M 2 arcsin¨ ¸ M = 60°
© 6,1 ¹

Fx 1
1000 9,81 3,052
L 2
Fx N
45629
L m

Ft 1 ª 600 º
1000 9,81 6,12 « o S  sin 60o » .
L 4 ¬180 ¼
Ft N
16533
L m
108 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

Aufgabe 4.8 Zylinder zwischen zwei Flüssigkeiten


¥1. 30 min hhhh 30 Punkte
¥2. 5 min h 5 Punkte

Eine zylindrische Walze mit der Gewichtskraft FG berührt eine Ebene und trennt hierbei zwei
Flüssigkeiten 1 und 2 unterschiedlicher Dichte U1 und U2. Die Flüssigkeitshöhe von Flüssig-
keit 1 über der Ebene ist gleich dem halben Zylinderradius, die der Flüssigkeit 2 entspricht
dem Zylinderradius selbst. Gesucht wird die Kraft F an der Berührlinie von Zylinder und
Ebene, wobei hierzu zunächst die beiden Komponenten Fx und Ft zu ermitteln sind.

Abb. 4.8.1 Zylindrische Walze zwischen zwei Flüssigkeiten

 Lösung zu 4.8

Aufgabenerläuterung

Bei dieser Aufgabe ist das Zusammenwirken verschiedener Kräfte an der zylindrischen Walze
verantwortlich für die gesuchte Kraft an der Berührlinie zwischen Ebene und Walze. Diese
Kräfte sind neben der schon genannten Walzengewichtskraft die aus den Flüssigkeitsdrücken
von unten auf die gekrümmten Konturen wirkenden Druckkräfte. Sie werden notwendiger-
weise in ihre Komponenten Fx 1 und Ft 1 sowie Fx 2 und Ft 2 zerlegt und getrennt den Kräfte-
gleichgewichtsbedingungen in x- und t-Richtung zugeführt.

Gegeben: R, L, U1 , U2 , FG, g

Gesucht: 1. Fx, Ft, F

2. Die Größen und Richtungen von Fx, Ft, F, wenn:

FG 2225 N ; R = 1,219 m ; L = 0,9144 m ; U1 1000 kg / m³ ;


U2 750 kg / m³
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 109

Anmerkungen: - Zu beachten ist, dass die t-Achse nach unten positiv definiert ist.
- Der barometrische Druck pB hat auf die Lösung keinen Einfluss, da er
am Walzenumfang homogen verteilt ist und sich seine Auswirkung folg-
lich aufhebt.
- Der Winkel M ist eine Hilfsgröße.

Lösungsschritte:

1. Fx, Ft, F:

Zunächst ist es erforderlich, an der äußeren Kontur der Walze in Abb. 4.8.2 die vorliegenden
Kräfte respektive ihre Komponenten einzutragen. Des Weiteren müssen dort alle notwendigen
geometrischen Größen festgelegt werden. Dies betrifft die jeweiligen Schwerpunktsabstände
tS, Flächenprojektionen At sowie den Winkel M der sich aus denVorgaben ermitteln lässt.
Da noch keine Angaben über Größe und Richtung der gesuchten Kraft F (mit Fx und Ft) vor-
liegen, ist der eingezeichnete Fall eine willkürliche Vorgabe. Die wahren Gegebenheiten las-
sen sich erst für konkrete Daten feststellen (Pkt. 2).

Abb. 4.8.2 Abmessungen und Kräfte

Fx :
Kräftebilanz in x-Richtung:

¦ Fi x 0 Fx  Fx 1  Fx 2 oder nach Fx umgestellt : Fx Fx 2  Fx1

Die horizontale Komponente der hydraulischen Druckkraft auf gekrümmte Oberflächen


ermittelt sich allgemein aus:
Fx U g tS At
110 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

tS ist hierin der Abstand des Schwerpunktes S der Fläche At von der Flüssigkeitsoberfläche.
At wiederum stellt die Projektion der gekrümmten Fläche in die vertikale Ebene (t-Richtung)
dar. Somit erhält man für Fx 1 :
Fx 1 U1 g t S1 A t 1

R
A t1 L Projektion von ABC in die vertikale Ebene (Rechteckfläche)
2
1 1 1
t S1 R R Schwerpunktsabstand der Fläche A t1
2 2 4
Unter Verwendung dieser Zusammenhänge gelangt man zu Fx 1 wie folgt:
R R 1
Fx 1 U1 g L oder Fx 1 U1 g R 2 L
4 2 8
Analog hierzu lässt sich die Kraftkomponente Fx 2 auf der rechten Seite der Walze bestimmen:

Fx 2 U2 g t s 2 A t 2

At2 R L Projektion von AEC in die vertikale Ebene (Rechteckfläche)


R
ts2 Schwerpunktsabstand der Fläche A t 2
2
Unter Verwendung dieser Zusammenhänge gelangt man zu Fx 2 wie folgt:

1
Fx 2 * U2 g R 2 L
2

Als Ergebnis für die gesuchte horizontale Komponente Fx der Kraft F findet man:
1 1
Fx U 2 g R 2 L  U1 g R 2 L
2 8
1
Fx g R 2 L >4 U2  U1 @
8
Ft :

Kräftebilanz in t-Richtung:

p ¦F it 0 FG  Ft  Ft 1  Ft 2 oder nach Ft umgestellt: Ft FG  Ft 1  Ft 2

Die vertikale Komponente der hydraulischen Druckkraft auf gekrümmte Oberflächen wird
ermittelt nach Ft U g V . Das Volumen V muss hierbei wie folgt unterschieden werden:

- Wird eine gekrümmte Fläche „von unten“ vom hydrostatischen Druck belastet (linke Seite
in Abb. 4.8.3), dann ist das Volumen zwischen ABC (im wie z.B. hier nicht-
flüssigkeitsgefüllten Raum) zu verwenden.

- Wird eine gekrümmte Fläche „von oben“ vom hydrostatischen Druck belastet (rechte Sei-
te in Abb. 4.8.3), dann ist das Volumen zwischen ABC (im flüssigkeitsgefüllten Raum) zu
verwenden.
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 111

Abb. 4.8.3 Zu verwendende Volumina bei verschiedenen Druckkraftrichtungen

Ft1 :

Die vertikale Komponente der hydraulischen Druckkraft auf gekrümmte Oberflächen ermittelt
sich allgemein aus

Ft U g V oder im vorliegenden Fall Ft 1 U1 g V1 .

V1 (AMBC – ABDM) * L Volumen gemäß Abb. 4.8.2 in Anlehnung an Abb. 4.8.3


L Walzenlänge
AMBC Kreissektorfläche
ABDM Dreiecksfläche

AMBC:
Kreissektorfläche A MBC Mo
Aus folgt
Kreisfläche S R2 3600
Mo
A MBC S R2 .
3600

ABDM:
1
ABDM = MD BD . Mit BD = R sin M und MD R cos M wird
2
1
ABDM = R 2 sin M cos M .
2
Das Volumen V1 lässt sich nun formulieren zu

§ Mo 1 ·
V1 ¨¨ o
S R 2  R 2 sin M cos M ¸¸ L .
© 360 2 ¹
MD R
Zum Winkel M gelangt man mit cos M und MB = R sowie MD wie folgt:
MB 2
R
2 1
cos M = oder M 60q . In die Gleichung für V1 eingesetzt folgt
R 2
112 4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände

§ 60o 1 · 1
V1 ¨¨ o
S R 2  R 2 sin 60o cos 60o ¸¸ L oder mit cos 60o und
© 360 2 ¹ 2
1
sin 60o 3
2
§1 1 1 1· 1
V1 ¨ S R 2  R 2 3 ¸ L . Nach Ausklammern von R 2 erhält man
©6 2 2 2¹ 12

1 ª 3 º
V1 R 2 L «2 S  3 » .
12 ¬ 2 ¼
Die Vertikalkraftkomponente, die von der Flüssigkeit 1 auf die Walze hervorgerufen wird,
lautet:
1 ª 3 º
Ft 1 U1 g R 2 L «2 S  3 »
12 ¬ 2 ¼

Ft 2 :

Analog zu Ft1 kann Ft 2 wie folgt entwickelt werden:

Ft 2 U 2 g V2

Das Volumen V2 stellt sich auf der rechten Seite der Walze gemäß Abb. 4.8.3 jetzt als das
Produkt der Viertelkreisfläche multipliziert mit der Walzenlänge L dar, also:
1
V2 S R2 L
4
Die Vertikalkraftkomponente, die von der Flüssigkeit 2 auf die Walze hervorgerufen wird,
lautet:
1
Ft 2 U2 g S R 2 L
4
Mit den so gefundenen Größen Ft1 und Ft 2 erhält man die gesuchte Vertikalkomponente Ft

von F zu:
1 ª 3 º 1
Ft FG  U1 g R 2 L «2 S  3 »  U2 g S R 2 L oder
12 ¬ 2 ¼ 4
1 3
Ft FG  g R 2 L >2 S U1  3 U1  3 S U2 @
12 2
F:

Die Gesamtkraft F wird somit:

F= Fx2  Ft2
4. Hydrostatische Kräfte auf ebene und gekrümmte Wände 113

2. Daten:

Mit den vorgegebenen Daten dimensionsgerecht verwendet nehmen Fx, Ft und F folgende
Werte an:
1
Fx 9,81 1,219 2 0,9144 >4 750  1000@
8

Fx 3332 N

Ft
ª1
1
º
2225  9,81 1,219 2 0,9144 « 1000 2S  3 sin 60o  750 S»
¬12 4 ¼

Ft  9720 N (nach unten wirkend, entgegen der


angenommenen Richtung in Abb. 4.8.2 )

2.3. F = 3332 2  ( 9720) 2

F = 10275 N
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern
Archimedes hat das Grundprinzip des Auftriebs und des Schwimmens vor mehr als 2200
Jahren entdeckt und formuliert. Man kann dieses Prinzip wie folgt beschreiben. An einem auf
einer Flüssigkeit schwimmender oder in ihr eingetauchter Körper wirkt eine Kraft aufwärts,
die gleich ist der Gewichtskraft der vom Körper verdrängten Flüssigkeitsmasse. Hieraus leiten
sich zahlreiche Anwendungsfälle ab, wie z.B.

- Volumenbestimmung unregelmäßig geformter Körper,


- Dichtebestimmung von Flüssigkeiten usw.

Die Auftriebskraft ist als „resultierende vertikale Druckkraft“ an einem in ein Fluid
eingetauchten Körper zu verstehen. Hierbei wird ursächlich die Verteilung des statischen
Drucks im Fluid wirksam. Die Definition der Auftriebskraft an einem infinitesimalen
Volumenelement dV lautet wie folgt:

dFa dFt , 2  dFt ,1

Bei diesen Betrachtungen kommen nur die vertikalen Kraftkomponenten dFt der Kraft dF zur
Wirkung, da sich die horizontalen Komponenten über der Oberfläche aufheben.

Abb. 5.0.1 Skizze zur Herleitung der Auftriebskraft Fa

Unter Verwendung der in Abb. 5.0.1 erkennbaren Drücke, Kräfte sowie Komponenten der
Kräfte und Flächen an einem infinitesimalen Volumenelement dV gelangt man zu dFa :

dA
p1 pB  U * g * t1 dF1 p t1 * dA1 dFt ,1 dF1 * cos D 1 dA1
cos D1
dA
p2 pB  U * g * t 2 dF2 p t 2 * dA 2 dFt , 2 dF2 * cos D 2 dA 2
cos D 2
dFa U * g * dA * t 2  t1 oder mit dV dA * t 2  t1 dFa U * g * dV

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_5,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
116 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Die Integration Fa ³ dF
V
a U * g * ³ dV
VK
liefert

Fa U * g * VK

U Fluiddichte
VK Vom Körper verdrängtes Fluidvolumen

Schwimmen:

Ein Körper schwimmt immer dann, wenn Gleichgewicht zwischen Gesamtgewichtskraft FG


des Körpers und der Auftriebskraft Fa herrscht. Man unterscheidet des Weiteren folgende drei
Fälle:

Schwimmen : Fa FG

Steigen : Fa ! FG

Sinken : Fa  FG
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 117

Aufgabe 5.1. Boje


¥1. 1 min h 1 Punkte
¥2. 6 min hh 6 Punkte
¥3. 3 min h 3 Punkte

In Abb. 5.1.1 ist eine in Wasser schwimmende, zylindrische Boje zu erkennen, an der zur
Gewichtsvergrößerung ein am unteren Ende erkennbares kugelförmiges Graugussgewicht
befestigt ist. Ermitteln Sie die Eintauchtiefe h der Boje, wenn Bojenmasse m Zyl. ,
Bojendurchmesser D Zyl. , Kugeldurchmesser D Kug. und die Dichte des Kugelwerkstoffs UKug
und des Wassers UW bekannt sind.

Abb. 5.1.1 Schwimmende Boje mit Kugel

 Lösung zu 5.1

Aufgabenerläuterung:

Die gesuchte Eintauchtiefe h der Boje ist Bestandteil des von dem zylindrischen Bojenkörper
verdrängten Wasservolumens. Dieses und das der Kugel bewirken Auftriebskräfte, die bei
schwimmendem Zustand im Gleichgewicht mit den Gewichtskräften der Boje und der Kugel
stehen.

Gegeben: m Zyl. ; D Zyl. ; D Kug. ; U W ; UKug.

Gesucht: 1. Wirksame Kräfte in Abb. 5.1.1. eintragen.


2. h
3. Pkt.1, wenn: m Zyl = 1000 kg; D Zyl = 1,2 m; D Kug = 0,5 m;
kg kg
U W = 1000 ; UKug = 7250 .
m3 m3
118 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Anmerkungen: - Die Stangenmasse ist in der Zylindermasse enthalten.


- Die Stangenauftriebskraft kann vernachlässigt werden.
S
- Kugelvolumen: V = D3
6

Lösungsschritte

1. s. Abb. 5.1.1.

2. h:

Der Gleichgewichtszustand des Bojen-Kugelsystems lautet: FG ges. FA ges.

FG ges. = FG Zyl.  FG Kug . Gesamtgewichtskraft


FA ges. = FA Zyl.  FA Kug . Gesamtauftriebskraft
FG Zyl. = g m zyl Zylindergewichtskraft
FG Kug . = g m Kug Kugelgewichtskraft
m Kug = U Kug. VKug. Kugelmasse
FA Zyl. = g U W VZyl. Vom Zylinder verursachte Auftriebskraft
FA Kug . = g UW VKug.. Von der Kugel verursachte Auftriebskraft
S
VKug D3Kug Kugelvolumen
6
S
VZyl D 2Zyl h Vom Zylinder verdrängtes Wasservolumen
4

Setzt man diese Zusammenhänge Schritt für Schritt in das oben stehende Kräftegleichgewicht
ein, so erhält man zunächst

g m zyl  g U Kug. VKug. g U W VZyl.  VKug. und nach Kürzen

m zyl  U Kug. VKug. U W VKug  VZyl .

Unter Verwendung der Volumina für VKug und VZyl


S §S S ·
m Zyl  UKug D3Kug U W ¨ D3Kug  D 2Zyl h ¸
6 ©6 4 ¹
und nach Division durch U W führt dies zu:
m Zyl UKug S S S
 D3Kug D3Kug  D 2Zyl h
UW UW 6 6 4
S
Um h aus der Gleichung heraus zu isolieren, muss jetzt D 3Kug auf die andere
6
Gleichungsseite gebracht werden. Zusammengefasst und umgestellt folgt dann:
S m Zyl § UKug · S
D 2Zyl h  ¨¨  1¸¸ D3Kug
4 UW © UW ¹ 6
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 119

S
Wird nun noch durch D 2Zyl dividiert und gekürzt
4
S
· 6 D Kug
3
m Zyl § U Kug
h  ¨¨  1¸¸ ,
S © UW ¹ S D 2Zyl
D 2Zyl. U W
4 4

so lautet das Ergebnis:

4 m Zyl 2 D Kug § UKug


3
·
h  2 ¨¨  1¸¸
S D 2Zyl. U W 3 D Zyl © U W ¹

3. h, wenn: m Zyl = 1000 kg; D Zyl = 1,2 m; D Kug = 0,5 m;


kg kg
U W = 1000 ; UKug = 7250
m3 m3

Bei dimensionsgerechter Verwendung der gegebenen Größen erhält man folgende


Eintauchtiefe:

4 1000 2 0,53 § 7250 ·


h  2 ¨  1¸
S 1,2 1000 3 1,2 © 1000
2
¹

h 1,246 m
120 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Aufgabe 5.2 Dichtebestimmung eines Holzbalkens


¥1. 12 min hh 12 Punkte

¥2. 1 min h 1 Punkte

Ein Holzbalken mit der Grund- und Deckfläche A sowie der Höhe H wird in einen
Wasserbehälter gegeben. Seine aus der Wasseroberfläche herausragende Höhe beträgt h1.
Danach wird das Wasser gegen Glyzerin ausgetauscht. Jetzt ragt der Holzbalken um die Höhe
h2 aus der Glyzerinoberfläche. Bei bekannten Dichten UW und UG und den genannten Ab-
messungen soll die Holzdichte UH ermittelt werden.

Abb. 5.2.1 Schwimmender Holzbalken in Wasser und in Glyzerin

 Lösung zu 5.2

Aufgabenerläuterung

Der Gleichgewichtszustand zwischen Gewichtskraft und hydrostatischer Auftriebskraft


schwimmender oder schwebender Körper in Fluiden ist Grundlage der Aufgabenlösung. Bei
Flüssigkeiten verschiedener Dichte taucht ein und derselbe Körper verschieden tief ein bzw.
ragt unterschiedlich hoch aus den Flüssigkeiten heraus.

Gegeben: h1 ; h 2 ; UW ; UG ;

Gesucht: 1. UH
kg kg
2. UH , wenn : h1 50 mm; h 2 76 mm ; U W 1000 ; UG 1350
m3 m3

Lösungsschritte

1. U H :
m
Gemäß der Dichtedefinition U lautet diese für den Holzbalken
V
mH
UH . Holzdichte
VH
FG
mH Holzmasse
g
VH A H Holzvolumen
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 121

FG
Man erhält somit U H . Die jetzt noch erforderliche Gewichtskraft FG sowie die
g A H
Balkenhöhe H lassen sich mit den bekannten Größen wie folgt bestimmen.

Abb. 5.2.1 Verdrängungsvolumina in Wasser und in Glyzerin

FG :

FG Fa W Gleichgewichtszustand im Wasser
Fa W g U W 'VW Auftriebskraft im Wasser
m W U W 'VW Verdrängte Wassermasse
'VW = H  h1 A Verdrängtes Wasservolumen

Dies liefert mit den genannten Zusammenhängen für die Auftriebskraft die Gleichung

FG Fa W
g A U W H  h1 .
H:

Um die Balkenhöhe H auf die Vorgabegrößen zurückzuführen, ist es sinnvoll, bei derselben
Gewichtskraft FG die beiden gleich großen aber mit verschiedenen Verdrängungsvolumina
verknüpften Auftriebskräfte Fa W und Fa G gegenüberzustellen.

FG Fa W Fa G Gleichgewichtszustand in Wasser und Glyzerin


Fa W g U W 'VW Auftriebskraft in Wasser
Fa G g UG 'VG Auftriebskraft in Glyzerin
m W U W 'VW Verdrängte Wassermasse
'VW = H  h1 A Verdrängtes Wasservolumen
m W U W 'VW Verdrängte Glyzerinmasse
'VG = H  h 2 A Verdrängtes Glyzerinvolumen

Diese Zusammenhänge in Fa W Fa G eingesetzt liefert zunächst

g U W A H  h1 g UG A H  h 2 und nach Kürzen gleicher Größen


122 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern


U W H  h1 UG H  h 2 . Ausmultipliziert U W H  U W h1 UG H  UG h 2

und nach Größen mit der gesuchten Höhe H unter Beachtung UG ! U W umgeformt führt zu:

H UG  U W UG h 2  U W h1 . Nach Division durch UG  U W erhält man

H
UG h 2  U W h1 .
UG  U W
Die Holzdichte können wir mit der festgestellten Gleichung für FG wie folgt formulieren:

g A U W H  h1 § H  h1 ·
UH . Nach Kürzen gleicher Größen entsteht U H U W ¨ ¸
g A H © H ¹
§ h ·
oder UH UW ¨1  1 ¸ . Die oben ermittelte Balkenhöhe H eingesetzt
© H¹
ª º
«
UH
ª
U W «1 
h1 UG  U W º
= U «1  h1 UG  UW »» liefert U zu:
¬ UG h 2  U W h1 »¼ W « h1 §¨ h2 ·»
¸
H

« ¨ U G  U W ¸ »
¬« © h1 ¹ ¼»

ª º
«
UH U W «1 
UG  U W »»
« § h ·»
« ¨¨ UG 2  U W ¸¸ »
«¬ © h1 ¹ »¼

kg kg
2. U H , wenn: h1 50 mm ; h 2 76 mm ; U W 1000 ; UG 1350
m3 m3

Bei dimensionsgerechtem Gebrauch der gegebenen Größen wird die Holzdichte ermittelt zu:

ª º
« 1350  1000 »
UH 1000 «1  »
« §¨1350 76  1000 ·¸ »
«¬ © 50 ¹ »¼

kg
UH 667
m3
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 123

Aufgabe 5.3 Eingetauchter Holzstab


¥1. 3 min h 3 Punkte
¥2. 9 min hh 9 Punkte
¥3. 4 min hh 4 Punkte
¥4. 2 min h 2 Punkte

Gemäß Abb. 5.3.1 taucht ein im Punkt B drehbar gelagerter Holzstab der Länge L und der
Querschnittsfläche A in darunter befindliches, ruhendes Wasser ein. Das Gelenk befindet sich
im Abstand h oberhalb des Wasserspiegels. Aufgrund der Kräfte, die an dem Stab wirken,
sinkt er hierbei um die Teillänge l unter die Wasseroberfläche. Ermitteln Sie diese Teillänge l
und den Winkel D zwischen dem Stab und der Flüssigkeitsspiegel, wenn die geometrischen
Abmessungen L, A und h sowie die Stabdichte UK und die Wasserdichte UFl. bekannt sind.

Abb. 5.3.1 In Wasser eingetauchter Holzstab

 Lösung zu 5.3

Aufgabenerläuterung

Beim teilweise im Wasser eingetauchten Holzstab wirkt einerseits die Gewichtskraft FG des
Stabs in Richtung der Fallbeschleunigung und andererseits die Auftriebskraft FA aufgrund der
vom eingetauchten Stabanteil verdrängten Wassermasse. Die Gewichtskraft greift im
Stabschwerpunkt S an und die Auftriebskraft im Punkt C als Mittelpunkt der eingetauchten
Länge l. Die jeweiligen Normalkomponenten ergeben sich aus den zugrunde liegenden
trigonometrischen Zusammenhängen.

Gegeben: U K ; U FI ; L ; h
124 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Gesucht: 1. Kräfte in den Punkten S und C mit den Normalkomponenten (Abb. 5.3.1)
2. l
  D
kg kg
4. Pkt. 2 und 3, wenn: UK 550 ; UFI 1000 ; L = 2 m ; h = 0,5 m.
m3 m3

Anmerkungen: - Der Stab ist im Gelenk B reibungsfrei gelagert.


- U K < U FI

Lösungsschritte

1. Kräfte in den Punkten S und C mit den Normalkomponenten:

Abb. 5.3.2 Kräfte und Abmessungen am eingetauchten Holzstab

2. l :

Als Ansatz zur Ermittlung der Eintauchlänge l wird sinnvollerweise der Momentensatz um
das Gelenk B verwendet.

¦T B 0
L § l·
FG cos D  FA cos D ¨ L  ¸ 0 . Gekürzt und umgeformt entsteht
2 © 2¹
L § l·
FG FA ¨ L  ¸ und nach Multiplikation mit 2
2 © 2¹
FG L FA 2 L  l .
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 125

FG mK g Gewichtskraft der Stange

mK UK VK Stangenmasse
VK A L Stangenvolumen
FA g m Fl. Auftriebskraft des eingetauchten Stangenanteils

m Fl. UFl. VFI. Verdrängte Flüssigkeitsmasse des eingetauchten Stangenanteils

VFI A l Verdrängtes Flüssigkeitsvolumen

Mit diesen Zusammenhängen lautet die Gewichtskraft FG g UK A L und die Auf-

triebskraft FA g UFl. A l . Eingesetzt in die o.g. Ausgangsgleichung führt dies zunächst


zu
g UK A L L g UFl. A l 2 L  l ,

und nach Ausmultiplikation des rechten Klammerausdrucks und Division durch U Fl. entsteht

UK
L2 2 L l  l2 .
UFl.
Das Vertauschen der Vorzeichen führt im nächsten Schritt zu
UK
l2  2 L l  L2 .
UFl

L2 links und rechts hinzuaddiert

UK § U ·
L2  2 L l  l 2 L2  L2 L2 ¨¨1  K ¸¸
U Fl © U FI ¹

und die linke Seite als binomische Formel geschrieben ergibt den Ausdruck
UK
L  l 2 L2 (1  ). Nach dem Wurzelziehen erhält man
UFI

UK UK
Ll r L 1 oder auch l L # L 1 .
U FI UFI

Da aber die Eintauchlänge kleiner als die Gesamtlänge sein muss, also l < L, ist nur das
negative Vorzeichen vor der Wurzel sinnvoll. Somit folgt

UK
l L  L 1 oder mit L ausgeklammert als Ergebnis
UFI

§ U ·
l L ¨¨1  1  K ¸¸ .
© UFI ¹
126 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

D:
h
Gemäß Abb. 5.3.2 wird sin D . Wird hierin das oben ermittelte Ergebnis der
L  l
Eintauchlänge l eingesetzt, so folgt

h h
sin D = oder sinD .
§ U · UK
L  ¨¨ L  L 1  K ¸¸ L 1
© U FI ¹
U FI

Das Ergebnis des gesuchten Winkels D erhält man zu:


§ ·
¨ ¸
¨ h ¸
D arc sin ¨ ¸
¨ L 1  UK ¸
¨ U FI ¸
© ¹

kg kg
4. Pkt. 2 und 3, wenn: UK 550 ; UFI 1000 ; L = 2 m ; h = 0,5 m.
m3 m3
Setzt man die gegebenen Größen dimensionsgerecht ein, so folgt

l:
§ 550 ·
l 2 ¨¨1  1  ¸
© 1000 ¸¹
l 0,658 m

D
§ ·
¨ ¸
arc sin ¨ ¸
0,5
D
¨ 550 ¸
¨2 1 ¸
© 1000 ¹

D 21,9o 22o
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 127

Aufgabe 5.4. Schwimmender Hohlzylinder


¥1. 6 min hh 6 Punkte
¥2. 3 min h 3 Punkte
¥3. 1 min h 1 Punkte

Ein Hohlzylinder mit dem Außenradius ra , der Länge L und einer Dichte UZyl. soll mit seiner
Wandstärke s derart bemessen werden, dass er gerade bis zur Hälfte im Wasser eintaucht und in
dieser Position schwimmt. Das Eindringen von Wasser an den seitlichen Stirnflächen wird durch
geeignete Maßnahmen verhindert (in der Abb. 5.4.1 nicht erkennbar).

Abb. 5.4.1 Schwimmender Hohlzylinder

 Lösung zu 5.4.

Aufgabenerläuterung

Befinden sich beliebige Körper im schwimmenden oder schwebenden Zustand in einem


Fluid, so wirken zwei Kräfte mit entgegengesetzten Richtungen an ihnen: die Gewichtskraft
FG und die „hydraulische“ Auftriebskraft Fa. Diese müssen mit den hier gegebenen Ver-
hältnissen verknüpft werden, um zur gesuchten, auf den Außenradius bezogenen Wandstärke
s
zu gelangen.
ra
Gegeben: UZyl. ; UW ; ra ; L

s
Gesucht: 1.
ra
2. Wie groß muss für den halb eingetauchten Zylinder die Dichte UZyl
gewählt werden, wenn es sich nicht um einen Hohlzylinder, sondern um
einen Vollzylinder handelt?
kg kg
3. Pkt. 1 und Pkt. 2, wenn: UZyl = 700 (Holz) ; UW = 1000
m3 m3
128 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Lösungsschritte

s
1. :
ra
Das Kräftegleichgewicht lautet:

FG Fa .

FG g m Zyl Gewichtskraft des Hohlzylinders


m Zyl U Zyl VZyl Masse des Hohlzylinders
VZyl S r a
2
 S ri 2
L Volumen des Hohlzylinders
Fa g m W Auftriebskraft am Hohlzylinder
m w U w Vw vom Hohlzylinder verdrängte Wassermasse
1
Vw S ra2 L vom Hohlzylinder verdrängtes Wasservolumen
2

Alle Größen in die Kräftegleichung eingesetzt und durch die Zylinderdichte dividiert
1
g UZyl S (ra2  ri ) L g S ra2 L U w : U Zyl
2

2
Uw 1 2
führt zunächst zu ra2  ri ra . Bei einer weiteren Division durch ra2 erhält man
2

U Zyl 2
2 2
ri
2
1 UW § ri · § ri · 1 UW
1 . Jetzt nach ¨¨ ¸¸ umgestellt liefert dies: ¨¨ ¸¸ 1 .
ra2 2 U Zyl © ra ¹ © ra ¹ 2 U Zyl

Gemäß Abb. 5.4.1 kann ri ra  s gesetzt werden, so dass man nun o.g. Gleichung auch
wie folgt anschreiben kann:
2 2
§ ra  s · § s· 1 Uw
¨¨ ¸¸ ¨¨1  ¸¸ 1 .
© ra ¹ © ra ¹ 2 U Zyl
Mit dem Wurzelausdruck aus diesem Zusammenhang folgt zunächst
s 1 U
1 r 1 w
ra 2 U Zyl

sowie die gesuchte Wandstärke separat geschrieben:

s 1 Uw
1# 1
ra 2 U Zyl

Da die Wandstärke logischerweise kleiner als der Außenradius ist, also s < ra , und somit
s
das Verhältnis < 1, ist nur das negative Vorzeichen vor dem Wurzelausdruck sinnvoll.
ra
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 129

Das Ergebnis lautet folglich:


s 1 Uw
1 1
ra 2 U Zyl
2. Vollzylinder:

s s
Beim Vollzylinder ist s = ra oder = 1. Setzt man = 1 in die unter 1. gefundene
ra ra

1 Uw 1 Uw
Lösung ein, so resultiert 1 1 1 bzw. 0  1 . Nach dem
2 U Zyl 2 U Zyl

Uw
Quadrieren und Umformen auf das Dichteverhältnis erhält man die gesuchte
U Zyl

Zylinderdichte UZyl wie folgt:


1 Uw 1 Uw 1
1 =0 oder 1 oder UZyl UW
2 U Zyl 2 U Zyl 2

Wegen des notwendigen positiven Radikanden muss weiterhin gelten:



1
UZyl t UW
2

kg kg
3. Pkt. 1 und Pkt. 2, wenn: UZyl = 700 (Holz) ; UW = 1000 (Wasser)
m3 m3
Die Auswertung mit den genannten Daten führt zu nachstehendem Ergebnis.
s
:
ra

s 1 1000 s
1 1 0,465
ra 2 700 ra

UZyl :

1 kg
UZyl t 1000 UZyl t 500
2 m3
130 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Aufgabe 5.5. Schwimmender Quader


¥1. 2 min h 2 Punkte
¥2. 5 min h 5 Punkte
¥3. 3 min h 3 Punkte

In Abb. 5.5.1 ist ein quaderförmiger Körper im Längsschnitt und in der Draufsicht zu
erkennen. In den Quader mit der Masse mK wurde eine Längsnut eingearbeitet, die zunächst
leer ist. In diesem Zustand schwimmt der Quader in Wasser und ragt dabei um die Resthöhe h
heraus. Bestimmen Sie die Höhe h. Dann wird Wasser in die Nut eingefüllt und zwar so lange,
bis sich die Quaderoberkante gerade noch in Höhe der Wasseroberfläche befindet. Wie groß
muss die Einfülltiefe t1 des Wassers in der Längsnut sein und wie groß ist das einzufüllende
Wasservolumen V1 ?

Abb. 5.5.1 Quader mit Längsnut

 Lösung zu 5.5.

Aufgabenerläuterung

Als Ansatz muss bei beiden Fragestellungen das Kräftegleichgewicht an einem „schwim-
menden Körper“ verwendet werden. Bei den hier in Frage kommenden Kräften handelt es
sich um die Gesamtgewichtskraft des Quaders und die entgegengerichtete hydrostatische
Auftriebskraft. Da im Fall des Schwimmens keine Sink- oder Aufwärtsbewegungen
vorliegen, entfallen somit alle geschwindigkeitsabhängigen Kräfte. Der Ansatz ist folglich
relativ einfach zu erstellen.

Gegeben: B; H; L; a; R; U W ; mK
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 131

Gesucht: 1. h Resthöhe
2. t1 Einfülltiefe
3. V1 Einfüllvolumen

Lösungsschritte

1. h :

Das Kräftegleichgewicht im Fall der leeren Längsnut lautet F G K = Fa .

FG K g mK Gewichtskraft bei leerer Längsnut


Fa g UW V hydrostatische Auftriebskraft
V = B L H  h vom Körper verdrängtes Flüssigkeitsvolumen

Eingesetzt in die Kräftegleichung g m K g U W B L H  h und nach (H –h)


mK
aufgelöst folgt H  h . Hieraus erhält man für h:
UW B L

mK
h=H -
UW B L
2. t 1:

Im Fall des Einfüllens von Wasser in die Längsnut vergrößert sich sowohl die
Gesamtgewichtskraft als auch die Auftriebskraft durch die tiefere Lage des Quaders im
Wasser und folglich ein höheres Verdrängungsvolumen.

Abb. 5.5.2 Quader mit Wasserfüllung in der Längsnut

Bezeichnet man die neue Gesamtgewichtskraft mit FG ges und die veränderte Auftriebskraft mit
Fa 1 , so folgt für das Kräftegleichgewicht im Fall der gefüllten Längsnut F G ges = Fa .
1

Die Gesamtgewichtskraft setzt sich aus dem Anteil des Quaders selbst FG K und dem des
eingefüllten Wassers FG W zusammen zu: F G ges = FG K  FG W . Das Kräftegleichgewicht lautet:

FG K  FG W Fa 1
132 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

FG K g mK Gewichtskraft bei leerer Längsnut


FG W g mW Gewichtskraft des eingefüllten Wassers
mW U W V1 Masse des eingefüllten Wassers
V1 Volumen des eingefüllten Wassers
Das Volumen V1 setzt sich bei vorliegender Längsnut aus einem quaderförmigen Anteil
S R2
a (2 R ) t1 und zwei Halbzylindern 2 t1 zusammen, also
2
S R2
V1 a 2 R t1  2 t1 oder t1 ausgeklammert V1 t1 2 R a  S R 2 .
2
Für die Wassergewichtskraft erhält man somit FG W g U W t1 2 R a  S R 2 und
als Gesamtgewichtskraft kann man schreiben:

F G ges = g m K + g U W t1 2 R a  S R 2

In der Auftriebskraft kommt jetzt das komplette, vom Quader verdrängte Wasservolumen zur
Wirkung, also

Fa 1 g UW B L H .

Die Kräftegleichung ersetzt mit den so gefundenen Gleichungen führt zu


g m K  g U W t1 2 R a  S R 2 g UW B L H .

Formt man noch nach der gesuchten Einfülltiefe um,


t1 U W 2 a R  S R 2 U W B L H  m K , so lautet t1:

mK
(B L H  )
UW
t1
2 a R  S R2

3. V1 :

Das Einfüllvolumen gemäß V1 t1 2 R a  S R 2 unter Verwendung von t1 nach


obiger Gleichung
B L H  mK
UW
V1 2 a R  S R 2 liefert nachstehendes Ergebnis:
2 a R  S R2
mK
V1 B L H 
UW
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 133

Aufgabe 5.6 Stahlklotz in Quecksilber


¥1. 4 min h 4 Punkte
¥2. 1 min h 1 Punkte

Ein Stahlquader mit dem Volumen V und der Dichte USt. schwimmt in Quecksilber mit der
Dichte UHg. Wie hoch ist der prozentuale Volumenanteil des Quaders VRest./V, der nicht im
Quecksilber eingetaucht ist?

 Lösung zu 5.6

Aufgabenerläuterung

Im Fall des Schwimmens eines Körpers in einem Fluid herrscht Gleichgewicht zwischen der
Gewichtskraft des Körpers und der hydrostatischen Auftriebskraft. Hieraus lässt sich bei den
gegebenen Größen die Frage nach dem nicht eingetauchten Volumenanteil lösen.

Gegeben: USt. ; UHg.

VRe st .
Gesucht: 1.
V
VRe st . kg kg
2. , wenn USt 7850 und UHg 13560
V m3 m3

Lösungsschritte

VRe st .
1. :
V

Mit dem Kräftegleichgewicht am Quader FG FA , wobei

FG g mSt Gewichtskraft des Stahlquaders


mSt USt V Masse des Stahlquaders
FA g m Hg Auftriebskraft am Stahlquader
m Hg UHg 'V vom Quader verdrängte Quecksilbermasse
'V vom Quader verdrängtes Quecksilbervolumen

folgt: g U Hg 'V = g USt V .

Das nicht im Quecksilber eingetauchte Restvolumen des Quaders VRe st lautet VRe st = V  'V.
Nach 'V aufgelöst folgt 'V = V  VRe st . In oben stehende Gleichung eingefügt folgt dann
UHg V - VRest USt V . Dividiert man noch durch die Dichte U Hg , so erhält man zunächst
USt
V  VRe st V oder nach VRe st umgeformt:
UHg
134 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

USt
VRe st V V. Nachdem auf der rechten Seite V ausgeklammert
U Hg
§ U ·
VRe st V ¨1  St ¸ und dann noch die Gleichung durch V dividiert wird, führt dies
¨ U Hg ¸¹
©
zum Ergebnis:
§ ·
VRe st ¨1  USt ¸ 100%
V ¨ UHg ¸¹
©

VRe st . kg kg
2. , wenn USt 7850 und UHg 13560 :
V m3 m3

VRe st § 7850 ·
¨1  ¸ 100%
V © 13560 ¹

VRe st
42,1 %
V
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 135

Aufgabe 5.7 TV-Quiz


¥2. 12 min hh 12 Punkte

In einer TV-Sendung wurde den Zuschauern eine Quizfrage gestellt mit der Aufforderung, sie
spontan zu beantworten. Die Frage hatte folgenden Hintergrund:
Auf der Oberfläche eines mit Wasser gefüllten Beckens gemäß Abb. 5.7.1 schwimmt eine
Luftmatratze, die mit einem schweren Metallklotz beladen ist. Die Flüssigkeitshöhe h1 im
Becken lässt sich an einem transparenten Röhrchen (kommunizierende Rohre) ablesen.
Entfernt man jetzt die gegenüber dem Metallklotz sehr leichte Luftmatratze, so sinkt der Klotz
auf den Beckenboden, und es stellt sich gemäß Abb. 5.7.1 eine neue Wasserhöhe h2 ein. Die
Frage lautet dem zu Folge: Ist die neue Höhe h2 größer oder kleiner als die ursprüngliche
Höhe h1?
Der Autor gibt zu, sich spontan für die größere Variante entschieden zu haben, was aber falsch
war. Bei der TV-Sendung konnte deutlich erkannt werden, dass sich die Flüssigkeitshöhe h2
verkleinerte. Den Autor hat seine Fehleinschätzung zu nachstehendem Beweis veranlasst.

Abb. 5.7.1 Wasserbecken mit und ohne Luftmatratze

 Lösung zu 5.7

Aufgabenerläuterung:

Zur Lösungsfindung muss man das im Becken befindliche, unveränderliche Wasservolumen


VW in den beiden Fällen miteinander vergleichen. Der Volumenanteil in den Steigrohren
bleibt unberücksichtigt. VW setzt sich aus jeweils verschiedenen Anteilen zusammen, die
durch die gegebenen bzw. gesuchten Größen bestimmt werden. Hierbei spielt die bei der TV-
Sendung leicht übersehbare Eintauchtiefe der Luftmatratze tLu. eine entscheidende Rolle.
136 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Gegeben: mK; VW; ABe.; ALu.; tLu.; g; UW ; UK


Gesucht: h 2 > h1 oder h 2 < h1 ?

Abb. 5.7.2 Wasserbecken mit Abmessungen

Lösungsschritte:

Gemäß Abb. 5.7.2 setzt sich das Wasservolumen VW im Becken für die auf der Oberfläche
schwimmende mit mK belastete Luftmatratze wie folgt zusammen:
VW A Be. h1  A Lu t Lu mit

A Be. L Be. BBe. Beckenfläche

A Lu . L Lu. BLu. Luftmatratzenfläche

Die Behälterbreite BBe. und Luftmatratzenbreite BLu. muss man sich senkrecht zur Zeichen-

ebene vorstellen. Um die Eintauchtiefe t Lu zu ermitteln, wird das Kräftegleichgewicht im

Fall des „Schwimmens“ angesetzt: FG Fa , wobei FG g m K  g m Lu. .

Unter der Annahme, dass m Lu.  m K folgt FG g mK .

Fa g U W VLu. wird durch das von der Matratze verdrängte

VLu. A Lu. t Lu. Wasservolumen bestimmt. Somit wird

Fa g U W A Lu. t Lu. . Mit diesen Zusammenhängen folgt


5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 137

FG g mK g U W A Lu. t Lu. Fa und man erhält nach einer Umformung

mK
t Lu . . Eingesetzt in die Gleichung für VW
U W A Lu .

mK
VW A Be. h1  A Lu. führt dies zu
U W A Lu .

mK
VW A Be. h1  .
UW
Das unveränderte Wasservolumen VW im Fall des vollkommen eingetauchten, auf dem
Beckenboden ruhenden Metallklotzes lautet gemäß Abb. 5.7.2
mK
VW A Be. h 2  VK wobei VK . Man erhält eine zweite Gleichung für VW:
UK
mK
VW A Be. h 2 
.
UK
Durch Gleichsetzen der zwei Gleichungen für VW folgt
m m
A Be. h1  K A Be. h 2  K . Durch Umformen nach h2
UW UK
§m m ·
A Be. h 2 A Be. h1  ¨¨ K  K ¸¸ und Division mit A Be. führt dies zum Ergebnis
U
© W UK ¹

mK § 1 1 ·
h2 h1  ¨¨  ¸,
A Be. © U W U K ¸¹

§ 1 1 ·
da U W  UK und damit ¨¨  ¸¸ > 0. Folglich ist, was zu beweisen war,
© UW UK ¹

h 2  h1 !!!
138 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Aufgabe 5.8 Tauchbehälter Übungsbeispiel


1. hhh
2. hhh
3. hhh
4. hh
Ein vereinfacht dargestellter zylindrischer Tauchbehälter ist in Abb. 5.8.1 in drei
verschiedenen Zuständen zu erkennen. Im Zustand 1 befindet er sich mit seinem unten
offenen Querschnitt gerade in Höhe der Wasseroberfläche. In seinem Inneren herrscht dabei
Atmosphärendruck. Infolge des Eigengewichts sinkt er in die als Zustand 2 bezeichnete Lage
und beharrt in ihr. Hierbei wird das eingeschlossene Luftvolumen vom Zustand 1 auf den
Druck pV verdichtet. Das ursprüngliche Volumen V1 verringert sich dabei auf VV. Danach
wird der Behälter durch Aufbringen einer zusätzlichen Kraft soweit nach unten verschoben,
bis sich seine obere Deckfläche im Abstand H unter der Wasseroberfläche befindet. Eine
weitere Kompression der eingeschlossenen Luft ist die Folge und es wird im Zustand 3 der
Druck px bei einem Volumen Vx erreicht. Ermitteln Sie bei bekannten Behälterabmessungen D
und L, Atmosphärendruck pB und Wasserdichte U die im Zustand 2 vorliegenden Teilhöhen
h2, h3 und h1. Des Weiteren soll im Zustand 3 die auf der Innenseite der oberen Deckfläche
wirksame Kraft Fx sowie die Höhe hx bestimmt werden.

Abb. 5.8.1 Tauchbehälter


5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 139

 Lösung zu 5.8.

Aufgabenerläuterung

Die Lösung der gesuchten Teilaufgaben wird mittels thermischer Zustandsgleichung


(„Gasgesetz“) und den Drücken in verschiedenen Flüssigkeitstiefen (hydrostatische Drücke)
möglich.
Weiterhin ist im Zustand 2 vom Gleichgewicht der Gewichts- und Auftriebskraft am Behälter
Gebrauch zu machen (Schwimmen, Schweben).

Gegeben: p B ; U ; L ; D ; FG

Gesucht: 1. h 2 ; h 3 ; h1 ;
2. Fx
3. h x
kg
4. Pkte. 1 y 3 , wenn: pB 105 Pa ; U 1000 ; FG = 3000 N ;
m3
L = 2,0 m ; D = 1,0 m; H = 4 m.

Anmerkungen: - Das Volumen infolge der Behälterwandstärke wird vernachlässigt.


- Bei der Luftverdichtung wird von gleich bleibender Temperatur
ausgegangen (isotherm).

Lösungsschritte

1. h 2 ; h 3 ; h1 :

h2 :

Im Zustand 2 lässt sich die Teilstrecke h2 als Höhe des vom Behälter verdrängten Wasser-
volumens 'V erkennen. Dieses kann aufgrund des Kräftegleichgewichts am schwimmenden
Körper Fa  F 0 oder Fa FG ermittelt werden.

Fa g 'm hydrostatische Auftriebskraft


'm U 'V verdrängte Wassermasse
'V A h 2 verdrängtes Wasservolumen

S
Hieraus entsteht g U A h 2 FG oder mit A D2
4
4 FG
h2 .
S g U D2
140 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

h3 :

Die Teilstrecke h3 ist zunächst in der Gesamthöhe L der Luftsäule des Zustands 1 enthalten.
Weiterhin tritt sie im Zustand 2 aufgrund des hydrostatischen Drucks in der 0 – 0-Ebene in
Erscheinung. Mit der Verknüpfung beider Zusammenhänge lässt sich h3 wie folgt feststellen.
Bei der angenommenen isothermen Verdichtung der Luft vom Zustand 1 zum Zustand 2
gemäß Abb. 5.8.1 erhält man mit der thermischen Zustandsgleichung
p V m Ri T :
p B V1 m R i T p V VV . Nach Umformung liefert dies den Druck pV zu
V
p V p B 1 . Hierin lauten die Volumina V1 A L sowie VV A h1  h 2 .
VV
A L
Somit entsteht p V p B bzw. nach Kürzen von A
A ( h1  h 2 )
L
pV pB .
( h1  h 2 )

Eine zweite Gleichung für pV lässt sich aus den statischen Drücken in der 0 – 0-Ebene
bestimmen:

p B  g U h 2  h 3 p V  g U h 3 und somit p V p B  g U h 2 . In die oben


stehende Gleichung für pV eingesetzt und gleichzeitig L = h1 + h2 + h3 verwendet führt
zunächst zu
pB  U g h 2 pB 1
h  h 2  h 3 oder auch
h1  h 2
ª h  h 2 h3 º
pB  U g h 2 pB « 1  » bzw.
¬ h1  h 2 h1  h 2 ¼
ª h3 º
p B  U g h 2 p B «1  ». Ersetzt man jetzt noch
¬ h 1  h 2 ¼

h1  h 2 L  h 3 , so wird nach gleichzeitiger Ausmultiplikation der rechten Seite


h3 h3
pB  U g h 2 pB  pB oder U g h 2 pB .
L  h 3 L  h 3
Da wir h3 suchen, muss durch U g dividiert werden
pB h3
h2 und danach mit dem Klammerausdruck L h 3 multipliziert werden
U g L  h 3
pB
h 2 L h 3 = h3 . Das Ausmultiplizieren der linken Seite
U g
pB
h2 L  h2 h3 h3 und danach das Zusammenfassen von h3 liefert
U g
p
h 3 h 2  B h3 h 2 L . Das Ausklammern von h3 auf der linken Seite
U g
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 141

ª p º ª p º
h 3 «h 2  B » h2 L und danach die Division durch «h 2  B » ergibt
¬ U g¼ ¬ U g¼
h2
h3 L .
ª pB º
«h 2  U g »
¬ ¼
h1 :

Zu h1 gelangt man nach Umstellung von L = h1 + h2 + h3 bei jetzt bekanntem h2 und h3


wie folgt:
h1 L  h 2  h 3

2. Fx :

Die gesuchte Kraft Fx ist das Produkt aus Innendruck p x der komprimierten Luft und der
Grundfläche des Körpers Fx p x A . Notwendigerweise muss nun der unbekannte Druck
p x in Verbindung gebracht werden mit dem Zustand x des eingeschlossenen Gases sowie
demjenigen Zustand 1 vor der Verdichtung, den man ja kennt.

px :

Bei der angenommenen isothermen Verdichtung vom Zustand 1 zum Zustand 3 folgt:

p B V1 m R i T
p x Vx
V
Man erhält dann für p x p B 1 sowie nach Einführung der Volumina gemäß Abb. 5.8.1
Vx
A L
V1 A L und Vx A h x den Ausdruck p x p B und nach Kürzen von A
A hx
L
px pB .
hx

hx :

Aus den statischen Drücken in der 0 – 0-Ebene des Zustands 3 folgt:

p x  U g L  h x p 0 y 0 p B  U g H  L

p x  U g hx pB  U g H oder

U g hx p x  pB  U g H. Nach Division durch U g erhält man

hx
p x
 pB
H oder hx
p x  pB  U g H
.
U g U g
142 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Das Ergebnis in die oben stehende Gleichung für p x eingesetzt führt zu


L U g
p x pB .
> p x  p B  U g H @
Multipliziert man den im Nenner stehenden Klammerausdruck mit der Gleichung, so liefert
das zunächst p x >p x  p B  U g H @ p B U g L oder die linke Seite
ausmultipliziert
p 2x  p x p B  U g H p B U g L .

Um auf die Form einer „binomischen Formel“ a 2  2 a b  b 2 a  b zu kommen,


2

1
wird es erforderlich, den Ausdruck b { p B  U g H wie folgt zu ergänzen:
2
2 2
§1 · pB U g L  §¨ 1 p B  U g H ·¸
p 2x  p x p B  U g H  ¨ p B  U g H ¸
©2 ¹ ©2 ¹
2
§ 1 · 1
¨ p x  p B  U g H ¸ pB U g L  p B  U g H
2

© 2 ¹ 4
oder nach dem Wurzelziehen

1 1
px  p B  U g H r pB U g L  p B  U g H
2

2 4
und schließlich

1 1
p B  U g H  p B U g L  p B  U g H
2
px .
2 4
Das negative Vorzeichen vor der Wurzel kommt nicht in Betracht, da der Wurzelausdruck
immer größere Werte als der davor stehende Term liefert und negative Drücke ausscheiden.
S
Mittels Kreisfläche A = D 2 lautet dann die gesuchte Kraft Fx:
4

S ª1 1 2 º
Fx D 2 « p B  U g H  p B U g L  p B  U g H »
4 ¬2 4 ¼
3. h x :

Wie oben ausgeführt ist U g h x p x  p B  U g H . Den Druck p x eingesetzt


führt zu
1 1 1
U g hx p B  U g H  p B U g L  p B  U g H - p B  U g H
2

2 2 4
oder umgestellt
1 1 1
U g hx pB U g L  p B  U g H  p B  U g H - p B  U g H .
2

4 2 2
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 143

Dann lässt sich weiter vereinfachen:


1 1 1
U g hx pB U g L  p B  U g H  p B  U g H
2

4 2 2
Nach der Division durch U g gelangt man zum gesuchten Ergebnis

1 § p ·
hx
1
U g
1

p B U g L  p B  U g H 2 - ¨¨ B  H ¸¸ .
2 ©U g
4 ¹

kg
4. Pkte. 1 y 3 , wenn: p B 105 Pa ; U ; FG = 3000 N ;
1000
m3
L = 2,0 m ; D = 1,0 m; H = 4 m.

Die dimensionsgerechte Verwendung der gegebenen Daten hat nachstehende Zahlenwerte der
gesuchten Größen zur Folge.

h2 :
3000 4
h2
9,81 1000 S 12
h2 0,3894 m

h3 :
0,3894
h3 2
ª 100000 º
«0,3894  1000 9,81»
¬ ¼
h3 0,0736 m

h1 :
h1 2  0,3894  0,0736
h1 1,537 m

Fx :
S 2 1 1
1 100000  1000 $ 9,81 4  100000 1000 9,81 2  100000  1000 9,81 4
2
Fx
4 2 4

Fx 119488 N
hx :
1 1 1 § 100000 ·
100000 1000 9,81 2  100000  1000 9,81 4  ¨  4¸
2
hx
1000 9,81 4 2 © 1000 9,81 ¹

h x = 1,314 m
144 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Aufgabe 5.9. Schwimmender Vollzylinder Übungsbeispiel


1. hhh
2. h
3. hh
Ein Vollzylinder der Dichte UK schwimmt in einer Flüssigkeit, die eine Dichte UF aufweist.
Für die in Abb. 5.9.1 dargestellte Lage des Zylinders bezüglich der Flüssigkeitsoberfläche ist
U
ein Dichteverhältnis K  0,5 erforderlich, wie sich aus dem Ergebnis der Aufgabenstellung
UF
feststellen lässt. Hierbei wird zunächst nach dem Winkel D gefragt, wenn die
Zylinderabmessungen R und L sowie die o.g. Dichten bekannt sind. Des Weiteren soll noch
die Eintauchtiefe T des Zylinders in der Flüssigkeit ermittelt werden.

Abb. 5.9.1 Schwimmender Vollzylinder

 Lösung zu 5.9
Aufgabenerläuterung

Die Grundlage bei der Lösung der Aufgabenstellung ist das Kräftegleichgewicht zwischen
Zylindergewichtskraft und der am Körper wirkenden hydrostatischen Auftriebskraft. Hierbei
ist das verdrängte Flüssigkeitsvolumen respektive der (berechenbare) Verdrängungs-
querschnitt in Verbindung zu bringen mit dem gesuchten Winkel D.

Gegeben: UF ; UK ; R ; L ;

Gesucht: 1. D

2. T
3. Pkte. y , wenn UF kg ; U kg ; R = 0,25 m ;
1000 K 400
m3 m3
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 145

Anmerkungen: - Zylinderlänge L senkrecht zur Zeichenebene

Lösungsschritte

1. D q :

Aus der Proportionalität zwischen Kreissektorfläche A MHB und Kreisfläche A Kreis in Verbin-
dung mit dem Zentriwinkel D q und dem Vollkreiswinkel 360 q erhält man zunächst:
A MHB Dq
, wobei A Kreis S R 2 ist. Der gesuchte Winkel lautet dann
A Kreis 360q

A MHB
D q = 360 q .
S R2

Die Sektorfläche A MHB lässt sich nun gemäß Abb. 5.9.1 aus dem Verdrängungsquerschnitt
A AHB und dem Dreiecksquerschnitt A MCB wie folgt formulieren:
2 A MHB = A AHB  2 A MCB

Umgeformt entsteht
1
A MHB = A AHB  A MCB .
2

A AHB :
Den Verdrängungsquerschnitt A AHB liefert das Kräftegleichgewicht F G Fa aus den
gegebenen Größen:

FG m K UK Zylindergewichtskraft
m K UK VK Zylindermasse
VK S R 2 L Zylindervolumen
FG g UK S R 2 L
Fa g m F hydrostatische Auftriebskraft
m F UF VF verdrängte Flüssigkeitsmasse
VF A F L verdrängtes Flüssigkeitsvolumen
A F { A AHB Querschnittsfläche von VF ({ Kreissegmentfläche)
{ Verdrängungsquerschnitt

Unter Verwendung dieser Zusammenhänge und Kürzen entsprechender Größen in F G Fa


g UF A AHB L g UK S R L 2
gelangt man zu
U
A AHB S R 2 K .
UF
146 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

A MCB :
1
Die noch erforderliche Dreiecksfläche A MCB lautet A MCB = MC BC . Hierin sind
2
MC = ( R – T ) und BC = R sin D und folglich wird
1
A MCB R  T R sin D . Den Klammerausdruck R  T kann man jetzt noch mittels
2
cos D
R  T oder umgeformt R  T R cos D ersetzen. Dies führt zunächst zu
R
1
A MCB R cos D R sin D bzw. mit 2 sin D cos D = sin(2 D)
2
1
oder sin D cos D = sin 2 D erhalten wir als Ergebnis für A MCB :
2
1
A MCB R 2 sin 2 D .
4

Die gewonnenen Resultate von A AHB und A MCB in A MHB eingefügt


1 U 1
A MHB S R 2 K  R 2 sin 2 D und dann A MHB in unserer
2 UF 4
Ausgangsgleichung des gesuchten Winkels D q weiter verarbeitet führt zu

ª1 UK 1 º
« 2 S R U  4 R sin 2 D »
2 2

Dq 360q ¬ F ¼ . Kürzt man noch S R 2 im Zähler


S R2
§ 1 UK 1 ·
und Nenner, so liefert dies uns zunächst D q 360q ¨¨ ˜  sin 2 D ¸¸ .
© 2 UF 4 S ¹
Mit nachfolgenden Umstellungen dieser Gleichung

Dq 1 U K sin 2 D
˜  oder
360q 2 UF 4 S

sin 2 D Dq 1 U
 ˜ K oder
4 S 360q 2 U F

Dq U
sin 2 D S2 S K gelangt man zum gesuchten Ergebnis wie folgt:
90q UF

ª Dq U º
sin 2 D = 2 S «  K»
¬180q UF ¼

Die Bestimmung von D macht (bei gegebenem U K und UF ) eine Iteration erforderlich.
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 147

2. T :

Wenn D bekannt ist, lässt sich die Eintauchtiefe T wie folgt ermitteln:

R  T R cos D (s.o.) nach T aufgelöst führt zu T = R - R cos D oder

T = R >1  cos D @ .
3. Pkte. y , wenn UF kg ; U kg ; R = 0,25 m ;
1000 K 400
m3 m3

D:

Durch Umstellen o.g. Gleichung lässt sich die Iteration wie folgt durchführen:

UK Dq sin 2 D

UF 180q 2 S

1. Iterationsschritt

D 75q Ÿ 0,40 = 0,41677 - 0,07958 Ÿ 0,4 z 0,3372

2. Iterationsschritt

D 80q Ÿ 0,40 = 0,4444 - 0,05443 Ÿ 0,40 z 0,3900

3. Iterationsschritt

D 81q Ÿ 0,40 = 0,450 - 0,0492 Ÿ 0,40 | 0,4008

D 81q

T:

T = 0,25 >1  cos 81q@

T = 0,2109 m
148 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

Aufgabe 5.10 Verschlusskegel Übungsbeispiel


1. hhhh
2. h
Ein kegelförmiger Körper dient als Verschlussorgan in einem mit Flüssigkeit gefüllten, gegen
Atmosphäre offenen Becken. Er weist die in Abb. 5.10.1 erkennbaren Abmessungen auf und
besitzt eine Dichte UK. Die Flüssigkeitshöhe H über dem Beckenboden sowie die
Flüssigkeitsdichte UF sollen ebenfalls bekannt sein. Welche Kraft F muss aufgebracht werden,
um den Kegel bei Beginn des Öffnungsvorgangs gerade vom Dichtungssitz zu lösen?

Abb. 5.10.1 Verschlusskegel

 Lösung zu 5.10

Aufgabenerläuterung

Das Anheben des Kegels aus dem gerade noch wirksamen Schließzustand bedeutet, dass an
dem Dichtungssitz 2 keine Auflagekraft mehr vorhanden ist (Abb. 5.10.1). Neben der
Gewichtskraft und der gesuchten Kraft zum Anheben des Kegels wirken aufgrund
unterschiedlicher Druckverteilungen an der Kegeloberfläche verschiedene Druckkräfte. Als
Berechnungsansatz ist gemäß Abb. 5.10.2 sinnvollerweise das Kräftegleichgewicht in z-
Richtung zu verwenden.

Gegeben: R ; h ; H ; UF ; UK ; g
Gesucht: 1. F

2. F, wenn: R = 10 cm ; h = 20 cm ; H = 0,80 m ;
kg kg
UF = 1000 3
; UK = 7800 .
m m3
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 149

Anmerkungen: - Am Dichtungssitz ist gerade noch keine Strömung vorhanden.


S
- Kegelvolumen: VK R2 h .
3

Lösungsschritte

1. F :

Gemäß Abb. 5.10.2 lautet das Kräftegleichgewicht in z-Richtung:

n ¦F i 0 Fp B proj  FN Z  F  Fp1  FG oder nach der gesuchten Kraft F umgeformt

F = FG  Fp1  Fp B proj  FN Z .

Abb. 5.10.2 Größen des Verschlusskegels und wirksame Kräfte

FG g mK Gewichtskraft des Kegels


mK UK VK Kegelmasse
S
VK R2 h Kegelvolumen
3
S
FG g UK R 2 h
3

Fp1 p1 A1 Druckkraft auf Kegelgrundfläche


A1 S R 2
Kegelgrundfläche
§ h·
p1 p B  UF g ¨ H  ¸ Druck auf Kegelgrundfläche
© 2¹
150 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

ª § h ·º
Fp1 = «p B  UF g ¨ H  ¸» S R 2
¬ © 2 ¹¼

Fp B proj p B A proj Vertikalkraftkomponente in Folge Atmosphärendrucks auf


flüssigkeitsfreie Kegelmantelfläche
A proj S r 2
2 Projektion der flüssigkeitsfreien Kegelmantelfläche in die
Horizontalebene
1 R r2 1
r2 R Radius des Dichtkreises. Wegen tan D folgt r2 R.
2 h h 2
2
1
Fp B proj pB S R2
4

FN z Vertikalkomponente der Normalkraft in Folge des Drucks auf


die flüssigkeitsbenetzte Kegelmantelfläche. Die Ermittlung lässt
sich aus der an dAx angreifenden elementaren Kraft dFN wie
folgt durchführen:

dFN z dFN sin D Vertikalkomponente der elementaren Normalkraft dFN


dFN p x dA x Elementare Normalkraft
dA x proj.
dA x sin D Projektion des Flächenelements dAx in die Horizontalebene
dFN z p x dA x sin D
dFN z p x dA x proj
dA x proj = 2 S rx drx Fläche als elementarer Kreisring
px p1  UF g t x Druck an der Stelle x

dFN z = p1  UF g t x 2 S rx drx

Um eine Integration von dFN z vornehmen zu können, muss t x in Verbindung mit rx gebracht
(R  rx )
werden. Dies ist wie folgt möglich. Mit tan D umgeformt nach tx erhält man
tx

zunächst t x
R  rx . Führt man dann noch tan D R ein, so liefert dies die gesuchte
tan D h
h
Verknüpfung t x R  rx . In dFN z eingesetzt entsteht
R
ª h º
dFN z = «p1  U F g R  rx » 2 S rx drx .
¬ R ¼
Hierin noch p1 mit oben gefundener Druckgleichung ausgetauscht liefert uns
ª§ § h· h ·º
dF N Z = «¨¨ p B  UF g ¨ H  ¸  UF g R  rx ¸¸ » 2 S rx drx .
¬© © 2¹ R ¹¼
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 151

Multipliziert man nun die inneren Klammern aus

ª h r º
dFN Z = «p B  U F g H  U F g  UF g h  UF g h x » 2 S rx drx ,
¬ 2 R¼
h
 UF g
2
und fasst vereinfachend zusammen, so entsteht die integrierbare Gleichung:
ª § h· h º
dFN = «p B  UF g ¨ H  ¸  UF g rx » 2 S rx drx
Z
¬ © 2 ¹ R ¼
Wenn man rx drx in die Klammer hinein multipliziert und die drei Teilintegrale in dem
flüssigkeitsbenetzten Bereich zwischen den Grenzen r2 und R bildet, führt dies zu:
R ªR R
§ h·
R
h º
³ dF 2 S « ³ p B rx drx  ³ U F g ¨ H  ¸ rx drx  ³U rx drx »
2
FNZ NZ F g
r2 «¬ r2 r2 © 2¹ r2
R ¼

Die drei Teilintegrale in der Klammer lassen sich folgendermaßen bestimmen:

R
rx2 R
³ pB rx drx
r2
pB
2 r2
R

³p B rx drx
1
2

p B R 2  r22
r2

R
§ h· § h · r2 R
³U
r2
F g ¨ H  ¸ rx drx = UF g ¨ H  ¸ x
© 2¹ © 2 ¹ 2 r2
R

³U F
§ h·
g ¨ H  ¸ rx drx =
1 § h·
U F g ¨ H  ¸ R 2  r22
r2 © 2¹ 2 © 2¹

R
h h rx3 R
³U g rx drx UF g
2
F
r2
R R 3 r2
R

³U F g
h
R
rx drx
2 1
3
h
R

UF g R 3  r23
r2

1
Mit r2 R (s.o.) folgt dann:
2
R
1 § 2 1 2· 3
³r p B rx drx 2 p B ¨© R  4 R ¸¹ 8
pB ˜ R 2
2

R
§ h· 1 § h· § 1 ·
³U
r2
F g ¨ H  ¸ rx drx
© 2¹ 2
UF g ¨ H  ¸ ¨ R 2  R 2 ¸
© 2¹ © 4 ¹
R
§ h· 3 § h·
³U
r2
F g ¨ H  ¸ rx drx =
© 2¹ 8
UF g ¨ H  ¸ R 2
© 2¹
152 5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern

h § R3 ·
R
h 1
³ UF g
r2
R
rx2 drx
3
UF g ¨¨ R 3 
R ©
¸
8 ¸¹
R
h 7
³U g rx drx UF g h R 2
2
F
r2
R 24
Die so gefundenen Integrationsergebnisse in die Gleichung für FN Z eingefügt
ª3 3 § h· 7 º
FN Z = 2 S « p B R 2  UF g ¨ H  ¸ R 2  UF g h ˜ R 2 » und danach
¬8 8 © 2¹ 24 ¼
3
R 2 ausgeklammert hat nachstehendes Ergebnis zur Folge:
8
3 ª § h· 7 8 º
FN Z = 2 S R 2 «p B  UF g ¨ H  ¸  UF g h »
8 ¬ © 2 ¹ 24 3 ¼
Die innere Klammer ausmultipliziert
3 ª 1 7 º
FN Z = S R 2 «p B  UF g H  UF g h  UF g h »
4 ¬ 2 9 ¼
und gleiche Produkte zusammengefasst
3 ª 9 14 º
FN Z = S R 2 «p B  UF g H  UF g h  UF g h »
4 ¬ 18 18 ¼
führt zum Resultat des letzten gesuchten Kraftanteils am Kegel:

3 ª 5 º
FN Z = S R 2 «p B  UF g H  UF g h »
4 ¬ 18 ¼

Alle Kräfte werden jetzt mit den ermittelten Zusammenhängen in der o.g. Bilanzgleichung für
F eingesetzt, was zunächst einen umfangreichen Ausdruck gemäß nachstehender Gleichung
liefert.

S ª h º
F g U K R 2 h  S R 2 «p B  U F g §¨ H  ·¸»
3 ¬ © 2 ¹¼
S 3 ª 5 º
 R 2 p B  S R 2 «p B  U F g H  UF g h»
4 4 ¬ 18 ¼
Vereinfachend wird nun S R 2 g ausgeklammert
­° 1 ª pB § h ·º 1 p 3 ª pB 5 º ½°
F S R 2 g ® UK h  «  U F ¨ H  ¸»  B  «  UF H  U F h»¾ ,
°̄ 3 ¬ g © 2 ¹¼ 4 g 4 ¬ g 18 ¼ °¿
danach die inneren Klammerausdrücke ausmultipliziert
­1 pB h 1 p 3 pB 3 3 5 ½
F S R 2 g ® UK h   UF H  UF  B   UF H  UF h¾
¯3 g 2 4 g 4 g 4 4 18 ¿
sowie gleichartige Produkte zusammengefasst
ª1 1 3 3 5 º
F S R 2 g « UK h  UF H  UF h  UF H  UF h » .
¬3 2 4 4 18 ¼
Als Resultat erhält man dann zunächst
ª1 1 12 5 º
F S R 2 g « UK h  UF H  UF h  U F h » oder
¬3 4 24 24 ¼

7
= UF h
24
5. Auftriebskräfte an eingetauchten Körpern 153

ª1 1 7 º
F S R 2 g « UK h  UF H  U F h » . Wird nun noch UF h vor die
¬ 3 4 24 ¼
Klammer gesetzt, so liefert dies das gesuchte Endergebnis wie folgt:

ª1 U 1 H 7º
F S g UF R 2 h « K   »
¬ 3 U F 4 h 24 ¼

2. F, wenn: R = 10 cm ; h = 20 cm ; H = 0,80 m ;
kg kg
UF = 1000 3
; UK = 7800 .
m m3

Setzt man die gegebenen Größen dimensionsgerecht in die entwickelte Gleichung ein, so folgt
zunächst
ª 1 7800 1 0,8 7º
F S 9,81 1000 0,102 0,20 «   » oder
¬ 3 1000 4 0,2 24 ¼

F = 203,9 N.
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung
Die Kontinuitätsgleichung der Strömungsmechanik beruht auf der Massenerhaltung in ei-
nem abgegrenzten Fluidraum. Sie stellt eine der fundamentalen Grundlagen der Strömungs-
mechanik dar und ist bei der Lösung sehr vieler Fragestellungen unerlässlich.

Stromröhre

Bei einem abgegrenzten, ortsfesten Kontrollvolumen strömen über dessen Grenzen in defi-
nierten Stromröhrenquerschnitten stationär i-Massenströme in das Kontrollvolumen hinein
bzw. heraus. Die Massenerhaltung im Kontrollraum erfordert dann

¦ m
i 1
i 0.

Dies ist die Kontinuitätsgleichung in integraler Form im Fall von Stromröhren, wobei die po-
sitiven Vorzeichen für einströmende und die negativen Vorzeichen für ausströmende Fluid-
massen belegt sind. Mit m  U V  und V  c A lässt sich dann auch formulieren:

¦U c A
i 1
i i i 0.

Im Fall der Stromröhren werden konstante (mittlere) Geschwindigkeiten ci und Dichten Ui


über den Querschnitten Ai vorausgesetzt. Die Richtungszuordnung von ci und Ai ist ortho-
gonal. Damit gestaltet sich die Anwendung dieser Kontinuitätsgleichung relativ einfach. Sie
ist in der beschriebenen Form auch für kompressible Fluide zu verwenden. Bei inkompressib-
len Fluiden vereinfacht sich diese Kontinuitätsgleichung auf

¦ V
i 1
i 0 oder

¦i 1
ci A i 0.

Betrachtet man einen Kontrollraum mit nur zwei durchströmten Stromröhrenquerschnitten A1


und A2 (Rohrleitung unterschiedlicher Durchmesser), so folgt

1
m 2
m oder

U1 A1 c1 U2 A 2 c 2

Im Fall inkompressibler Fluide führt dies mit U1 = U2 = U= konstant zu


V 
V oder
1 2

c1 * A1 c2 * A 2 .

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_6,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
156 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

Volumenelement

Für ein infinitesimales Volumenelement dV (oder auch Kontrollelement) lässt sich aufgrund
der Massenerhaltung die Kontinuitätsgleichung bei stationärer Strömung wie folgt herleiten:

w U c x w U c y w U c z
  0
wx wy wz
Bei inkompressibler Strömung (U= konstant) vereinfacht sich diese Gleichung zu dem Aus-
druck:

wc x wc y wc z
  0.
wx wy wz

Durchflussgleichung

Unter der allgemeinen Durchflussgleichung versteht man folgende Zusammenhänge:

Massenstrom 
m U A c Gase und Flüssigkeiten

Volumenstrom 
V c A nur bei Flüssigkeiten gebräuchlich
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 157

Aufgabe 6.1 Kontinuitätsnachweis


¥1. 4 min h 4 Punkte

Eine wichtige Grundgleichung der Strömungsmechanik ist das Kontinuitätsgesetz, das in der
vollständigen Form wie folgt hergeleitet wird:

wU w U c x w U c y w U c z
   0.
wt wx wy wz
wU
Bei einer stationären ( = 0) und inkompressiblen (U= konstant) Strömung vereinfacht
wt
sich diese Gleichung zu dem Ausdruck
wc x wc y wc z
  0.
wx wy wz
Es soll nachgewiesen werden, ob nachstehende Geschwindigkeitskomponenten cx, cy und cz
bei der angenommenen stationären, inkompressiblen Strömung dieses Gesetz erfüllen.

 Lösung zu 6.1

Aufgabenerläuterung

Die vorgegebenen drei Geschwindigkeitskomponenten cx, cy und cz erfüllen dann das Konti-
nuitätsgesetz, wenn, wie oben erkennbar, die Summe der drei partiellen Ableitungen
wc x wc y wc z
, und den Wert Null ergibt. Die partiellen Ableitungen erhält man, indem wie
wx wy wz
z.B. im vorliegenden Fall cx nach x differenziert wird und dabei die beiden anderen Variablen
y und z als konstante Größen zu verwenden sind. In analoger Weise verfährt man mit cy und
cz .

Gegeben: cx 2 x 2  x y  z2
cy x 2  4 x y  y2
cz  2 x y  y2  y z

wc x wc y wc z
Gesucht: Nachweis, dass   0.
wx wy wz

Lösungsschritte

wc x wc x
: 2 2 x  y 4 x  y
wx wx
wc y wc y
: 4 x  2 y
wy wy
158 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

wc z wc z
: y
wz wz

Somit erhält man

4 x  y +  4 x  2 y +  y = 0 oder

0 = 0.

Folglich ist der Nachweis erbracht, dass die gegebenen Geschwindigkeitskomponenten die
Kontinuitätsbedingungen erfüllen.
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 159

Aufgabe 6.2 Durchflussgesetz


¥1. 7 min h 7 Punkte

Mit dem allgemeinen Kontinuitätsgesetz der Strömungsmechanik soll für den Fall der eindi-

mensionalen, stationären Rohrströmung die Durchflussgleichung m konst. ermittelt wer-
den.

 Lösung zu 6.2

Aufgabenerläuterung

Als Ansatz bei der Lösung dieser Aufgabe sind zunächst die Besonderheiten des eindimensi-
onalen, stationären Strömungsvorgangs in der Kontinuitätsgleichung zu berücksichtigen. Mit
dem verbleibenden Term lässt sich dann mittels weiterer mathematischer Schritte die Lösung
erarbeiten.
wU w U c x w U c y w U c z
Gegeben: Kontinuitätsgesetz    0
wt wx wy wz
Gesucht: Herleitung von m konst.

Anmerkungen: - Die Geschwindigkeitskomponenten und auch die Dichte hängen im o.g.


allgemeinen Fall von den unabhängigen Variablen x, y, z und t ab, also
c x c x x, y, z, t ; c y c y x , y, z, t ;
cz cz x, y, z, t ; U U x, y, z, t .

Lösungsschritte

Die Vorgabe stationärer Strömung beinhaltet, dass o.g. Größen nicht mehr von der Zeit t ab-
wU
hängen und demzufolge 0 wird. Man erhält also zunächst
wt
w U c x w U c y w U c z
  0.
wx wy wz
Berücksichtigt man die zweite Vorgabe der eindimensionalen Strömung, so existieren neben
cx c x x keine weiteren Geschwindigkeitskomponenten, d.h. cy = 0, cz = 0. Es folgt

w U c x w U c y w U c z
  0.
wx wy wz

Vereinfachend c x x c x gesetzt gelangt man somit zu


w U c w>U x c x @ d>U x c x @
0 oder präziser formuliert: 0.
wx wx dx
160 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

Da in der Klammer ein Produkt k(x) = U x c x steht, muss bei der Differentiation die
Produktenregel verwendet werden. Diese führt zu:
dk ( x ) d>U x c x @ dU x dc x
c x  U x 0 oder vereinfacht geschrieben:
dx dx dx dx
dU dc
c U 0 . Mit dx multipliziert dU c  dc U 0 und danach durch c U
dx dx
dU dc
dividiert liefert  0 . Integrieren wir nun diese Gleichung gliedweise
U c
dU dc 1
³ U
 ³ c ³0 und verwenden das Grundintegral ³ x dx ln x  C , so gelangen wir

zu ln U  ln c C1 oder auch ln U c C1 . Mit eln a a folgt im vorliegenden Fall

eln U c U c eC1 { C 2 = konst.

Man stellt also fest, dass U c konst. ist und dies auch nach Multiplikation mit dem Quer-
schnitt A bleibt, wenn auch mit einer anderen Konstanten. Folglich kann man formulieren:
U c A  , so dass letztlich das
konst. Das Produkt c A entspricht dem Volumenstrom V
Ergebnis lautet:


U V 
m konst.
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 161

Aufgabe 6.3. Laminare Rohreinlaufströmung


¥1. 6 min hh 6 Punkte

Beim Einströmen aus einem sehr großen Behälter in eine Rohrleitung liegt unmittelbar im
Eintrittsquerschnitt, hier an der Stelle 0, eine homogene Geschwindigkeitsverteilung c0 vor.
Hierzu ist eine geeignete Abrundung der Eintrittskantengeometrie erforderlich. Aufgrund von
Schubspannungen bei laminarer Rohrströmung verändert sich dann das ursprüngliche Recht-
eckprofil entlang der Anlaufstrecke LA und erlangt an deren Ende an der Stelle 1 die bekannte
parabelförmige Kontur mit cmax. in Rohrmitte. Weiter stromabwärts verändert sich das Ge-
c
schwindigkeitsprofil nicht mehr. Ermitteln Sie das Verhältnis max .
c0

Abb. 6.3.1 Laminare Rohreinlaufströmung

 Lösung zu 6.3

Aufgabenerläuterung

Aus Kontinuitätsgründen muss durch die Querschnitte an den beiden Stellen 0 und 1 derselbe
Massenstrom und bei Dichtegleichheit auch derselbe Volumenstrom hindurchfließen. Mittels
Durchflussgleichung bei homogener c-Verteilung an der Stelle 0 und einer Integration der an
der Stelle 1 vorliegenden parabelförmigen c-Verteilung ist die Aufgabe lösbar.

Gegeben: c0
c max
Gesucht:
c0

Anmerkungen: - Rechteckprofil im Rohreintrittsquerschnitt 0 vorhanden


- Die Geschwindigkeitsverteilung ausgebildeter laminarer Rohrströmung
ª r2 º
lautet: c(r ) c max «1  2 » .
¬ R ¼
- Es wird eine inkompressible Flüssigkeitsströmung angenommen.
162 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

Lösungsschritte

 c A
Die Durchflussgleichung bei homogener c0 -Verteilung liefert an der Stelle 0 V 0 0

mit A S R . Folglich erhält man hier den Volumenstrom V


2  mit V c S R 2 . An der
0

Stelle 1 wird V durch eine Integration des infinitesimalen Volumenstroms dV beschrieben:
  
V ³ dV . dV wiederum ist das Produkt aus der örtlichen Geschwindigkeit c(r ) und der ihr
A
zugeordneten orthogonalen Fläche dA. Diese infinitesimale Fläche dA lässt sich gemäß Abb.
6.3.1 als Kreisringfläche dA = 2 S r dr angeben. Somit lautet

dV 2 S r dr c(r ) . Mit der parabelförmigen c-Verteilung laminarer Rohrströmung
ª r2 º  ª r2 º
c( r ) c max «1  2 » gelangt man zu dV 2 S r dr c max «1  2 » . Nach Multi-
¬ R ¼ ¬ R ¼

 2 S c ªr  r º dr . Diese
3
plikation von r in den Klammerausdruck entsteht dV « R 2 »¼
max
¬
 2 S c ª« r dr  1 r 3 dr º» liefert zunächst nach
R R

Darstellung von V ³
A
d V max ³
¬0 R 2 ³0 ¼
ª 2 R R
º
 2 S c « r  §¨ 1 r ·¸ » . Werden dann die Integrations-
4
der Integration V max ¨ 2 ¸
«2 0 ©R 4 ¹0 »
¬ ¼
 2 S c R  R º oder
ª 2 4
grenzen eingesetzt, so führt dies zu V « 2 R 2 4 »¼
max
¬
 ªR2 R2 º R2
V 2 S c max «  2 S c max .
¬ 2 4 »¼ 4

Der Volumenstrom an der Stelle 1 kann folglich bestimmt werden mit:

 R2
V S c max
2

Die Ergebnisse der beiden Durchflussgleichungen an den Stellen 0 und 1


2

V c0 S R 2 und V  S c R gleichgesetzt und entsprechende Größen gekürzt
max
2
2
 R 1
V c0 S R 2 c max S führt zu c 0 c max .
2 2
Damit lautet das gesuchte Geschwindigkeitsverhältnis:

c max
2
c0

An Stelle von c0 kann auch, unabhängig vom hier betrachteten Rohreinlauf, die mittlere
Geschwindigkeit c übernommen werden.
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 163

Aufgabe 6.4. Ebener Konfusor


¥1. 6 min hh 6 Punkte
¥2. 3 min h 3 Punkte

Einen in Abb. 6.4.1 im Längsschnitt dargestellten Kanal durchströmt eine reale, also rei-
bungsbehaftete Flüssigkeit bei konstantem Volumenstrom V  . Aufgrund eines installierten
Konfusors findet zwischen den Stellen 1 und 2 eine Geschwindigkeitserhöhung statt. Die Ka-
nalbreite b stelle man sich senkrecht zur Bildebene vor, wobei b im Verhältnis zu den bekann-
ten Kanalhöhen h1 und h2 sehr groß ist. In der Eintrittsebene 1 wird eine Geschwindigkeits-
verteilungsmessung vorgenommen. Das Ergebnis c1(z) ist in Abb. 6.4.1 erkennbar. Die Ge-
schwindigkeit weist über der Kanalhöhe eine symmetrische Verteilung auf. Mit zunehmendem
Wandabstand z wächst sie vom Wert an der Wand c1(z = 0) = 0 auf die Maximalgeschwindig-
keit in Kanalmitte c max1 (z z1 ) an. Das dargestellte Profil verändert sich über der Kanalbreite
m
c1 (z) §z·
b nicht nennenswert. Es lässt sich mit dem Potenzgesetz ¨¨ ¸¸ darstellen. Der Wand-
c max1 © z1 ¹
abstand z wird von der Wand bis Kanalmitte definiert. Ermitteln Sie den Volumenstrom V  .

Abb. 6.4.1 Ebener Konfusor mit Geschwindigkeitsverteilung an der Stelle 1

 Lösung zu 6.4

Aufgabenerläuterung

Der Volumenstrom wird als Produkt einer Geschwindigkeit mit der ihr orthogonal zugeordne-
ten Fläche bestimmt. Hiermit ist es dann z.B. auch möglich, bei gegebenem V und bekannter
Fläche A die mittlere Geschwindigkeit in einem Kanal zu ermitteln. Im vorliegenden Fall
wird jedoch von einer gemessenen, ungleichmäßigen Geschwindigkeitsverteilung c1(z) aus-
gegangen, die zur Bestimmung des Volumenstroms heran gezogen wird. Um dies zu ermögli-
chen, betrachtet man im Abstand z von der Kanalwand ein Flächenelement dA = dz * b mit
der auf dA senkrecht stehenden örtlichen Geschwindigkeit c1(z). Den elementaren Volumen-
strom dV  erhält man dann als Produkt von dA und c1(z). Eine Integration von dV
 zwischen
Wand und Kanalmitte liefert die Hälfte des gesuchten Volumenstroms V .
164 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

m
3 c1 (z) §z·
Gegeben: h1 ; h2 = h 1 ; b ; c max1 ; ¨¨ ¸¸ ; m
4 c max1 © z1 ¹
Gesucht: 1. 
V

2. c1; c2

Anmerkungen: - Aufgrund der großen Kanalbreite b bleiben Einflüsse aus Geschwindig-


keitsveränderungen an den seitlichen Begrenzungswänden von unterge-
ordneter Bedeutung.

Lösungsschritte


1. V

Mit c1 z bei z und dem elementaren Querschnitt dA = b dz lautet dV


 :


dV c1 z b dz
Um eine Integration vornehmen zu können, muss die örtliche Geschwindigkeit c1 z aus dem
gemessenen Verteilungsgesetz in der Weise ersetzt werden, dass neben der integrierbaren
Ortskoordinate z nur noch gegebene, konstante Größen erscheinen. Dies lässt sich wie folgt
lösen. Zunächst formt man das Verteilungsgesetz so um, dass c1 z heraus isoliert wird, also
zm 1
c1 z c max1 oder auch c1 z c max1 zm .
z1m z1m
 eingesetzt erhält man als integrierbare Funktion den Ausdruck:
In dV

 1
dV b c max1 z m dz
z 1m
Da der Wandabstand bis Kanalmitte definiert ist, liefert die Integration zwischen z = 0 und
z = z1 natürlich nur den halben gesuchten Volumenstrom, also


V 1
z1
1 z m 1
z1

b c max1 ³0 z dz b cmax1 z1m m  1 . Setzt man noch die Grenzen


m
m
2 z1 0

ein und multipliziert die Gleichung mit 2, so lautet der zu bestimmende Volumenstrom V

m  1
 1 z  2 b c 1
V 2 b c max1
1 oder V max1 z .
m  1 z1m m  1 1
h1
Da gemäß Abb. 6.4.1 z1 ist, liefert dies in o.g. Gleichung eingesetzt
2

 1 h
V 2 b cmax1 1 oder als Endresultat
m  1 2

 h1 b
V c max1 .
m  1
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 165

2. c1 ; c2 :

c1 :

Die mittleren Geschwindigkeiten folgen nun aus dem jetzt bekannten Volumenstrom und den
jeweiligen Querschnitten A1 bzw. A2.
V
Mit V c1 A1 lautet c1 .V nach oben stehender Gleichung eingesetzt und unter
A1
h1 b 1
Verwendung von A1 b h1 führt dies zu c1 c
m  1 max1 b h1
oder als Ergebnis:

1
c1 c
m  1 max1
c2 :

Die mittlere Geschwindigkeit im Konfusoraustritt erhält man auf einfache Weise aus dem
Kontinuitätsgesetz V c2 A 2 c1 A1 . Nach c2 aufgelöst folgt zunächst unter Ver-
wendung von c1 nach oben stehendem Zusammenhang

A1 1 b h1 1 h
c2 c1 c max1 oder c2 1 c max 1 . Wird jetzt
A2 m  1 b h2 m  1 h 2
3 1 h1
noch h2 = h1 als bekannte Größe eingeführt, so liefert dies c2 c max 1
4 m  1 3
h1
4
oder
4 1
c2 c max 1 .
3 m  1
166 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

Aufgabe 6.5 Verteilersystem


¥1. 4 min h 4 Punkte
¥2. 3 min h 3 Punkte

An einem Verteilersystem sind gemäß Abb. 6.5.1 vier Rohrleitungen unterschiedlicher Quer-
schnitte angeschlossen. Bei verschiedenen, in diesen Rohrleitungen vorgegebenen Größen soll
die Geschwindigkeit c2 zunächst allgemein und aufgrund konkreter Zahlenwerte auch in ihrer
Richtung ermittelt werden.

Abb. 6.5.1 Verteilersystem

 Lösung zu 6.5

Aufgabenerläuterung

Die vorliegende Aufgabe beschäftigt sich mit der Anwendung der Massenstrombilanz in ei-
nem System mit mehreren Zu- und Abflüssen. Ebenfalls muss von der Durchflussgleichung
Gebrauch gemacht werden.

Gegeben: A1 ; A2 ; c1 ; m  ; U= konst.


3 ; V4

Gesucht: 1. c2

2. c2 in Größe und Richtung, wenn:


m kg
A1 200 cm 2 ; A2 500 cm 2 ; c1 = 3 3
; m 40 ;
s s
 m3 kg
V 4 0,030 ; U= 1000
s m3

Anmerkungen: - Es liegt ein inkompressibles Fluid vor.


- Die Richtung der Leitungen hat keinen Einfluss auf die
Massenstrombilanz.
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 167

Lösungsschritte

1. c2 :

Die Geschwindigkeit c2 lässt nach Umstellen der Durchflussgleichung an der Stelle 2


V
V c 2 A 2 darstellen durch c 2 2
. Aufgrund der gegebenen Fläche A2 stellt sich jetzt
2
A2
nur noch die Frage nach dem Volumenstrom V  . Da weder über c2 noch V
 eine Angabe ge-
2 2

macht ist, nehmen wir an, dass V  in das System hineinströmt und somit auch c2 diese Rich-
2
tung besitzt. Im Falle eines negativen Resultats für c2 liegt die entgegengesetzte Richtung
vor.
Die Massenstrombilanz am System lautet 6m  i 0 , wobei einströmende Fluide mit positivem
Vorzeichen verknüpft sind, ausströmende dagegen negativ. Im vorliegenden Fall und der ge-
troffenen Vereinbarung für V erhält man:
2

1  m
m 2 m
3 m
4  2 führt dies zu
0 . Umgestellt nach m

2
m 3 m
m 1  m 
 4 . Mit m 
U V U c A und unter Berücksichtigung der
gegebenen Größen liefert dies zunächst
U c2 A 2 m  . Dividiert man durch U A , so liegt das Ergebnis
 3  U c1 A1  U V4 2

für c2 wie folgt vor:


3
m A V
c2  c1 1  4
U A2 A2 A2

2. c2 in Größe und Richtung, wenn:


m kg
A1 200 cm 2 ; A2 500 cm 2 ; c1 = 3 3
; m 40 ;
s s
 m3 kg
V 4 0,030 ; U= 1000
s m3

Unter Beachtung der Dimensionen o.g. Größen erhält man

40 200 0,030
c2  3 
1000 0,050 500 0,050

m
c2 = - 1
s

Das negative Vorzeichen weist darauf hin, das die angenommene Richtung von c bzw. c2
 aus dem Verteiler heraus mit der ebenfalls in diese Richtung
falsch ist; tatsächlich fließt V2
weisenden Geschwindigkeit c2.
168 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

Aufgabe 6.6 Messstelle der mittleren Geschwindigkeit


¥1. 12 min hhh 12 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

Die Geschwindigkeitsverteilung ausgebildeter turbulenter Rohrströmung lässt sich aufgrund


von Messungen in Form eines Potenzgesetzes darstellen. Demzufolge ändert sich die örtliche
Geschwindigkeit c(z) mit zunehmendem Wandabstand z exponentiell. Die Geschwindigkeit
an der Wand ist gleich Null und sie erreicht in Rohrmitte ihren Größtwert c max . Es wird nun
derjenige Wandabstand ZM gesucht, an dem gerade die mittlere Geschwindigkeit c vorliegt,
und man folglich mit einer einzigen Messung den Volumenstrom berechnen kann.

Abb. 6.6.1 Messstelle ZM der mittleren Geschwindigkeit c

 Lösung zu 6.6

Aufgabenerläuterung

Zur Aufgabenlösung muss der Volumenstrom V  durch eine Integration der gegebenen Ge-
schwindigkeitsverteilung über dem Rohrquerschnitt ermittelt werden. Das Ergebnis dieser In-
tegration wird dann demjenigen Volumenstrom gegenübergestellt, den man aus der Durch-
flussgleichung mit der hierin enthaltenen mittleren Geschwindigkeit bestimmt. Aus diesem
Vergleich erhält man als Ergebnis einen Zusammenhang zwischen c , c max und m. Die ge-
suchte Koordinate ZM bringt man hiermit in Verbindung, indem die bekannte Geschwindig-
keitsverteilung an der Stelle z = ZM und c(z) = c gebildet und nach ZM aufgelöst wird.

Gegeben: R; m

Gesucht: 1. ZM
1 1
2. ZM , wenn: Re = 1,1 105 ; m = ( sog. - Gesetz )
7 7

m
c( z ) §z·
Anmerkungen: - Das Potenzgesetz lautet ¨ ¸ .
c max ©R¹
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 169

Lösungsschritte

1. ZM :


V ³ dV
A
wird mit der Durchflussgleichung des infinitesimalen Volumenstroms


dV c z dA und der orthogonal zu c(z) angeordneten Kreisringfläche
dA 2 S R  z dz ermittelt. Somit folgt d V c z 2 S R  z dz .

Hiermit gelangt man zunächst zu der Gleichung


R

V ³ dV 2 S ³ c z (R  z) dz , in der c(z) noch mit einer integrierbaren Funktion
A 0

belegt werden muss. Dies gelingt mit dem Potenzgesetz der Geschwindigkeitsverteilung in
Kreisrohren bei voll ausgebildeter, turbulenter Strömung:
m m
c( z ) §z· §z·
¨ ¸ , wobei m = f (Re) . Nach c(z) umgeformt erhält man c(z) c max ¨ ¸ .
c max ©R¹ ©R¹
 eingesetzt und die Durchflussgleichung
Den Ausdruck in oben stehende Gleichung für V

V c A mit A S R 2 benutzt liefert
R m
§z·
c S R2 2 S ³ c max ¨ ¸ R  z dz . Kürzt man S heraus, dividiert durch
0 ©R¹
m
§z· zm
c max R 2 und ersetzt ¨ ¸ mit m , so führt dies zu der nachstehenden integrierbaren
©R¹ R
R
c 2 zm
Funktion 2
³ R  z m dz . Den Klammerausdruck in die zwei Teilinte-
c max R 0
R

1
grale zerlegt, wobei die beiden Glieder noch mit z m multipliziert werden müssen und
Rm
vor das Integral zu setzen ist, liefert

c 2 ªR R
º
« ³ R z m dz  ³ z z m dz » oder auch
c max R R
2 m
¬0 0 ¼

c 2 ª R R
º
«R ³ z m dz  ³ z m 1 dz » .
c max R m  2 ¬ 0 0 ¼
b b
1
Die Integrationsregel ³ y dy
m
y m  1 auf oben stehende Gleichung
a
m  1 a

angewendet führt zunächst zu


170 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

c 2 ª z m 1
R
z > m 1 1@
R
º
« R  » oder auch
c max R m  2
«¬ m  1 0 > m  1  1@ 0 »¼
c 2 ª z m 1
R
z m  2 º
R

« R  » . Mit den Integrationsgrenzen folgt


c max R m  2 «
¬
m  1 0 m  2 0 ¼»
c 2 ª R R m 1 R m  2 º
«  . Den ersten Term in der Klammer
c max R m  2
¬ m  1 m  2 »¼
zusammengefasst führt zu:

c 2 ª R ( m 11) R ( m  2) º c 2 ª R m  2 R m  2 º
«  » oder auch «  »
¬ m  1 m  2 ¼ ¬ m  1 m  2 ¼
m  2 m  2
c max R c max R

R m  2 im jeweiligen Zähler der beiden Terme ausgeklammert liefert


c 2 ª 1 1 º ª 1 1 º
R m  2 «  2 «  .
c max R m  2 ¬ m  1 m  2 »¼ ¬ m  1 m  2 »¼
Eine weitere Vereinfachung entsteht durch Herstellen eines gemeinsamen Nenners wie folgt:
c ª
2 «
m  2 
m  1 º
» oder anders dargestellt
c max ¬ m  1 m  2 m  2 m  1 ¼

c ª m  2  m 1 º c
2 « » . Die endgültige Fassung für lautet dann
c max ¬ m  1 m  2 ¼ c max

c 2
.
c max m  1 m  2
Da die Koordinate ZM an der Stelle der mittleren Geschwindigkeit c gesucht wird, setzt man
c z
m
§z·
diese Größen in die bekannten Geschwindigkeitsverteilung ¨ ¸ ein und erhält
c max ©R¹
m
c § ZM · c
¨ ¸ . Die Gleichheit von in beiden Zusammenhängen führt zunächst zu
c max © R ¹ c max
m
§ ZM · 2 1
¨ ¸ = . Nach Potenzieren mit ist die gesuchte Stelle ZM, an der
© R ¹ m  1 m  2 m

die mittlere Geschwindigkeit c vorliegt, bestimmbar mit

1
ª 2 ºm
ZM R « » .

¬ m 1 m  2 ¼

Hierin hängt m nur von der aktuellen Re-Zahl ab und ist aufgrund von umfangreichen Mes-
sungen für ein breites Anwendungsspektrum bekannt.
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 171

1
2. ZM , wenn: Re = 1,1 105 ; m =
7
7
ª º
« 2 »
ZM R « »
« §¨ 1  1·¸ §¨ 1  2 ·¸ »
«¬ © 7 ¹ ©7 ¹ »¼

ZM 0,2423 R
172 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

Aufgabe 6.7 Beregnetes Stadion


¥1. 7 min hh 7 Punkte
¥2. 1 min h 1 Punkte
¥3. 2 min h 2 Punkte

Ein Stadion mit einer Gesamtfläche A wird gleichmäßig beregnet. Die Regentropfen mit an-
genommener kugelförmiger Gestalt weisen den Durchmesser dTr. auf und fallen mit der Ge-
schwindigkeit cTr. vertikal abwärts. Die Tropfen sollen homogen im Raum verteilt sein. Pro
Volumeneinheit VWü . 1 m3 sind zu jeder Zeit n Tropfen vorhanden. Welcher Wasservolu-
menstrom bzw. Massenstrom V  ;m  fällt auf die Gesamtfläche und muss dort durch einen
ges. ges.

Kanal abgeführt werden? Wie groß ist die Höhe HK des Rechteckkanals zu bemessen, wenn
die Kanalbreite BK und die Fließgeschwindigkeit des Wassers cK bekannt sind?

Abb. 6.7.1 Beregnetes Stadion

 Lösung zu 6.7

Aufgabenerläuterung

Bei der Ermittlung des anfallenden Volumen- bzw. Massenstroms sind die in der Volumen-
einheit VWü. 1 m3 enthaltenen n-Tropfen (Abb. 6.7.1) und das hiermit verbundene Wasser-
volumen VWa . maßgebend. Dieses Wasservolumen, also die Summe der n-Tropfen, fällt mit
deren Geschwindigkeit cTr durch die Fläche AWü. = 1 m2 zu Boden. Der zu bestimmende Vo-

lumenstrom V Wa . ist dann wiederum bekannt, wenn die Zeit 't des Herausfallens der Tropfen

(und somit von VWa . ) aus dem Volumen VWü. feststeht. 't ist folglich diejenige Zeit, welche
die Tropfen bei der gegebenen Fallgeschwindigkeit cTr. zum Zurücklegen der (Würfel-) Höhe
H 1 m benötigen. Die Umrechnung des Volumenstroms V  , der auf die Fläche
Wa .
2
AWü. = 1 m bezogen ist, zum Gesamtvolumenstrom V  erfolgt mit der Stadionfläche A.
ges.
6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung 173

Gegeben: A ; n ; cTr. ; dTr. ; U%.cK

Gesucht: 1.  ;m
V  ges.
ges.

2. HK
Tropfen
3. Pkt. 1 und 2, wenn : A = 20000 m 2 ; n = 10000 ;
m3
m kg
cTr . 4 ; d Tr . 1 mm ; U 1000 3 ;
s m
m
BK = 1 m ; c K 1
s

Anmerkungen: - Annahme einer homogenen Tropfenverteilung und Tropfengröße.


- Annahme einer vertikalen Fallrichtung (Windstille).
- Die aus der Volumeneinheit heraus fallenden Tropfen werden
kontinuierlich durch nachrückende Tropfen ersetzt

Lösungsschritte

 ;m
1. V  ges. :
ges.

Den Gesamtvolumenstrom  bzw. -massenstrom m


V  ges. bestimmt man wie folgt:
ges.
 = A V
V  bzw. m 
 ges. U V U A V  .
ges. Wa . ges. Wa .

 VWa .
Hierin lautet der aus der Volumeneinheit VWü. ausfließende Volumenstrom V .
't
Wa .

Das pro Volumeneinheit VWü. vorliegende Wasservolumen VWa . erhält man mit VWa . n VTr . ,
S
wobei aufgrund der angenommenen Kugelform VTr . d 3Tr . zu verwenden ist. Dies führt
6
S
zum Wasservolumen VWa . n d 3Tr . .
6
Die Zeit 't, welche alle n-Tropfen und folglich auch VWa . zum Zurücklegen des Weges

H = 1 m benötigen, ermittelt man aufgrund der gegebenen Geschwindigkeit cTr. mit


's 1
cTr. = und 's = H = 1 m zu 't = .
't cTr .
Der durch AWü. abfließende Wasserstrom V 
Wa . folgt somit der Gleichung

 S
V Wa . n d 3Tr . cTr . .
6
Dies liefert als gesuchten Gesamtvolumenstrom bzw. -massenstrom

 S
V ges. A n d 3Tr . cTr .
6
S
 ges.
m U A n d 3Tr . cTr . .
6
174 6. Kontinuitätsgleichung, Durchflussgleichung

2. HK :


Die Höhe HK des Abflusskanals wird mittels Durchflussgleichung V c A oder im vorlie-

genden Fall Vges. c K A K mit AK = HK * BK hergeleitet zu:


V ges.
HK
c K BK

Tropfen
3. Pkt. 1 und 2, wenn: A = 20000 m 2 ; n = 10000 ;
m3
m kg
cTr . 4 ; d Tr . 1 mm ; U 1000 3 ;
s m
m
BK = 1 m ; c K 1 .
s
Unter Beachtung dimensionsgerechter Zahlenwerte ermittelt man:

 S
V ges. 20000 10000 0,0013 4
6
 m3
V ges. 0,419
s
kg
 ges.
m 419
s
0,419
HK =
1 1
HK = 0,419 m.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme
Der Energieerhaltungssatz in einem Kontrollraum besagt, dass die Gesamtenergie eines jeden
Stromfadens gleich bleibt, sofern keine mechanische Energie (Strömungsmaschinen) und/oder
Wärmeenergie (Wärmetauscher) über die Kontrollraumgrenzen transportiert werden. Die
Energiegleichung (Bernoulligleichung) lässt sich sowohl mittels Energiesatz als auch dem
ersten Newtonschen Gesetz herleiten. Aus dem letzteren entsteht die Eulersche
Bewegungsgleichung, deren Integration zur Bernoullischen Energiegleichung führt. Dieses
fundamentale Gesetz kommt bei der Berechnung zahlreicher Aufgaben der Strömungs-
mechanik zum Einsatz, wo die Frage nach Geschwindigkeits- und Druckgrößen gestellt ist.
Neben den meist bekannten Ortsgrößen z werden jedoch noch Randbedingungen an den
Referenzstellen sowie die Kontinuitätsgleichung benötigt.

Reibungsfreie Strömung

Im Folgenden wird von einer stationären, eindimensionalen Strömung inkompressibler


Fluide ausgegangen. Unter Zugrundelegung des Kräftegleichgewicht an einem Fluidelement
dm, welches sich entlang einer Stromlinie (= Bahnlinie bei stationärer Strömung) bewegt,
lässt sich das erste Newtonsche Gesetz anschreiben mit

n & &
¦ dF
1
i dm a .

Unter der Einwirkung der Druckkräfte und der Schwerkraftkomponente in bzw. entgegen der
Stromlinienrichtung gelangt man zur Bernoullischen Energiegleichung in

dp
- differentieller Form  g dz  c dc 0 oder in
U

p c2
- integraler Form g z  C .
U 2

Dies ist die Bernoullische Gleichung als Energiegleichung formuliert mit

p ª Nm º
spez. Druckenergie « kg »
U ¬ ¼
ª Nm º
g z spez. potentielle Energie « kg »
¬ ¼
c2 ª Nm º
spez. Geschwindigkeitsenergie « kg »
2 ¬ ¼
C Integrationskonstante oder Bernoullische Konstante

Die Anwendung der Bernoullischen Gleichung ist streng genommen nur für einzelne
Stromlinien zulässig. Unter Voraussetzung gleich bleibender Geschwindigkeiten über den
Strömungsquerschnitten kann sie aber auch uneingeschränkt bei Stromröhren eingesetzt
werden.

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_7,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
176 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Wenn nicht anders angegeben oder die Aufgabenstellung von ungleichförmigen Geschwin-
digkeitsverteilungen ausgeht, werden in den folgenden Beispielen mittlere Geschwindigkeiten
( c { c ) zugrunde gelegt und somit die o.g Forderung nach Homogenität von c erfüllt. Die
betreffenden Einflüsse bei tatsächlich vorliegenden inhomogenen c-Verteilungen können
durch geeignete Korrekturbeiwerte berücksichtigt werden.

Eine andere Form der Bernoullischen Gleichung entsteht nach Multiplikation o.g. Energie-
gleichung mit der Dichte USie ist als Druckgleichung bekannt und lautet:

U 2
p  U g z  c C* , wobei
2

p statischer Druck >Pa@ { p stat

U g z potentieller Druck >Pa@


U 2
c dynamischer Druck >Pa@ { p dyn .
2
oder auch Staudruck
*
C Integrationskonstante

Häufig formuliert man diese Druckgleichung bei horizontalen Anwendungen bzw. wo


U g z vernachlässigbar ist (Gase) auch wie folgt:

p g { p tot p stat .  p dyn. oder

U 2
pg pstat .  c
2

p g { p tot Gesamtdruck (Totaldruck) >Pa@


An zwei Stellen 1 und 2 auf einem Stromfaden lauten die Bernoulligleichungen:

p1 c12 p 2 c 22
- Energiegleichung   g Z1   g Z2
U 2 U 2

U 2 U 2
- Druckgleichung p1  c1  U g Z1 p2  c 2  U g Z2
2 2

Diese Zusammenhänge besagen, dass die Summe aus den jeweiligen drei Energie- oder
Druckgrößen an den Stellen 1 und 2 und jeder anderen Stelle des Stromfadens (-röhre) gleich
bleibt, die einzelnen Terme sich aber ändern können. In welchem Maß dies geschieht, hängt
von den Gegebenheiten der jeweiligen zugrunde liegenden Kontrollräume ab.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 177

Reibungsbehaftete Strömung

Auch jetzt wird wieder von stationärer, eindimensionaler Strömung inkompressibler


Fluide ausgegangen. Unter Berücksichtigung der Reibungskräfte wird die mechanische
Energie an der Stelle 1 gegenüber der an der Stelle 2 um einen irreversiblen Verlustanteil
p c2 p 2 c 22
YV ,1y 2 bzw. p V ,1y2 reduziert, was dann 1  1  g Z1 z   g Z2 zur Folge hat.
U 2 U 2
Wenn auch jetzt an der Stelle 2 zur Kennzeichnung der veränderten Gegebenheiten gegenüber
dem reibungsfreien Fall eine neue Indizierung der Größen p und c erforderlich wäre, soll es
der Einfachheit halber bei der bisherigen Kennzeichnung bleiben. Die auch häufig mit
„Dissipation“ benannten Verluste finden in den Bernoullischen Gleichungen wie folgt ihren
Niederschlag.

p1 c12 p 2 c 22
- Energiegleichung   g Z1   g Z2  YV ,1y 2
U 2 U 2

YV ,1y 2 Verlustenergie zwischen 1 y 2

U 2 U 2
- Druckgleichung p1  c1  U g Z1 p2  c 2  U g Z 2  p V ,1y 2
2 2

p V ,1y 2 Druckverlust zwischen 1 y 2


178 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.1 Wasserbecken mit zwei parallelen Ausflussrohren


¥1. 3 min h 3 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte
¥3. 6 min hh 6 Punkte

Ein großes Wasserbecken, dessen Flüssigkeitsspiegel Z0 als konstant anzusehen ist, speist ein
Rohrleitungssystem mit verschiedenen Rohrquerschnitten A1; A 2 ; A 3 . Die Rohre können
durch Ventile geöffnet werden, wodurch ein Ausströmen ins Freie erfolgt. Die Strömung sei
verlustfrei.

1. Wie groß werden bei geöffneten Schiebern und stationären Bedingungen die Aus-
flussgeschwindigkeiten an den Stellen 1 und 2, wenn die Höhen Z über der Bezugsebene
bekannt sind?
A
2. Wie groß muss das Verhältnis 1 gewählt werden, wenn an den Stellen 1 und 2 jeweils
A2
der gleiche Volumenstrom austreten soll?

3. Wie lautet in diesem Fall der statische Druck an der Stelle 3, wenn neben den bekannten
Höhen Z die Querschnitte A1 und A3 sowie die Flüssigkeitsdichte und der Barometerdruck
gegeben sind?

Abb. 7.1.1 Wasserbecken mit zwei parallelen Ausflüssen


7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 179

 Lösung zu 7.1

Aufgabenerläuterung

Beim Ausströmen aus einem gegen Atmosphäre offenen, sehr großen Behälter wiederum in
atmosphärische Umgebung kann man bei der Bestimmung der Austrittsgeschwindigkeit von
der Torricellischen Gleichung (Sonderform der Bernoullischen Gleichung) Gebrauch machen.
Das gesuchte Flächenverhältnis lässt sich bei der vorausgesetzten Volumenstromgleichheit an
den Stellen 1 und 2 und den jetzt hier bekannten Geschwindigkeiten mit der Durch-
flussgleichung herleiten. Bei der Bestimmung des statischen Drucks an der tiefsten Stelle der
Zuleitung zu den Ausflüssen 1 und 2 wird wiederum der Bernoullische Ansatz verwendet.
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass an dieser Stelle der Gesamtvolumenstrom die Rohrleitung
durchfließt.

Gegeben: U ; g ; A1 ; A 3 ; Z0 ; Z1 ; Z2 ; Z3 ;

Gesucht: 1. c1 ; c 2
A1  
2. , wenn V 1 V 2
A2
3. p3

Anmerkungen: - Annahme einer verlustfreien Strömung in allen Leitungen.


- Annahme einer konstanten Flüssigkeitsspiegelhöhe Z0.

Lösungsschritte

1. c1; c2:

Die Torricellische Gleichung lautet allgemein c 2 g 'Z . Hierin ist 'Z der Höhen-
unterschied zwischen Flüssigkeitsspiegel und Ausflussstelle.

c1 :
c1 2 g 'Z1 , wobei 'Z1 = (Z0 - Z1).

Es folgt: c1 2 g Z o  Z1

c2 :
c2 2 g 'Z 2 , wobei 'Z2 = (Z0 - Z2).

Es folgt: c2 2 g Z o  Z 2

A1   :
2. , wenn V 1 V2
A2
 und V
Die Durchflussgleichungen für V 
 lauten: V 
c1 A1 und V c 2 A 2 . Bei
1 2 1 2
 und V
Gleichheit von V  erhält man c A = c A . Umgestellt nach dem gesuchten
1 2 1 1 2 2
180 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

A1 c2
Flächenverhältnis und unter Verwendung der unter Pkt. 1 ermittelten Geschwin-
A2 c1
digkeiten liefert dies zunächst

A1 2 g Z 0  Z 2 2 g Z 0  Z 2
. Nach dem Kürzen gleicher Größen folgt:
A2 2 g Z0  Z1 2 g Z0  Z1

A1 Z0  Z2
A2 Z0  Z1
3. p3 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 3:

p 0 c 02 p 3 c32
  g Z0   g Z3
U 2 U 2

Mit den hier vorliegenden Gegebenheiten p0 p B und c0 0 erhält man


2
pB p3 c
 g Z 3  Z 0  . 3
U U 2

Mit der Dichte Umultipliziert und nach dem gesuchten Druck p3 umgestellt liefert dies:
U c2
p3 p B  U g Z0  Z3  c32 . Der noch unbekannte Term 3 lässt sich mittels
2 2

V
Durchflussgleichung V  c3 A 3 oder c3 3
angeben. Benutzt man das Kontinuitäts-
3
A3

gesetz V V V  oder im vorliegenden Fall, da V V vorausgesetzt wird,
3 1 2 1 2


V  ,
2 V 
so folgt mit V c1 A1
3 1 1
2
A1 §A ·
c3 2 c1 . Mit dem Quadrat c32 4 c12 ¨¨ 1 ¸¸ folgt somit
A3 © A3 ¹
2
c32 §A ·
2 c12 ¨¨ 1 ¸¸ . Setzen wir nun noch c12 2 g Zo  Z1 ein, so erhält man
2 © A3 ¹
2 2
c32 §A · §A ·
2 2 g Zo  Z1 ¨¨ 1 ¸¸ 4 g Zo  Z1 ¨¨ 1 ¸¸ .
2 © A3 ¹ © A3 ¹
In die Gleichung des Drucks p3 eingefügt führt dies zu
2
§A ·
p3 p B  U g Z0  Z3  4 U g Zo  Z1 ¨¨ 1 ¸¸ oder
© A3 ¹
ª §A · º
2

p3 p B  U g « Z0  Z3  4 Zo  Z1 ¨¨ 1 ¸¸ » .
«¬ © A 3 ¹ »¼
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 181

Aufgabe 7.2 Vertikale Rohrerweiterung mit U-Rohr


¥1. 6 min hh 6 Punkte
¥2. 5 min hh 5 Punkte
¥3. 4 min h 4 Punkte

In Abb. 7.2.1 ist der Ausschnitt einer vertikalen Rohrleitung zu erkennen, in der eine
Wasserströmung durch eine Rohrerweiterung verzögert wird. Von den Messstellen 1 und 2
führen zwei wassergefüllte Druckmessleitungen zu einem U-Rohrmanometer (Sperrflüssig-
keit: Quecksilber „Hg“ ). Bestimmen Sie bei bekannten geometrischen Größen, Fluiddichten
und Volumenstrom den zu erwartenden Druckunterschied zwischen den Stellen 1 und 2 sowie
den Ausschlag der Quecksilbersäule im U-Rohrmanometer.

Abb. 7.2.1 Rohrleitungsausschnitt mit Rohrerweiterung

 Lösung zu 7.2

Aufgabenerläuterung

Der Volumenstrom V  fließt im vorliegenden Fall vertikal abwärts gerichtet zunächst durch
ein Rohr kleineren Durchmessers D1 und wird dann mit einer Erweiterung übergeleitet in ein
Rohr größeren Durchmessers D2. Hierdurch kommt es aufgrund des Kontinuitätsgesetzes zu
einer Geschwindigkeitsverkleinerung von c1 auf c2. Unter Beachtung des Bernoullischen
Gesetzes wird bei gleichzeitiger Berücksichtigung des Höhenunterschieds zwischen den
Messstellen 1 und 2 eine entsprechende Veränderung des statischen Drucks 'p hervorgerufen.
182 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Die beiden Drücke werden auf die Schenkel eines U-Rohrmanometers geschaltet, wo sie
neben dem Höheneinfluss eine Verschiebung h der Sperrflüssigkeit (hier Quecksilber „Hg“)
bewirken. Bei der Ermittlung von h empfiehlt es sich, am tiefsten Punkt des U-Rohrs
gedanklich den Druckvergleich der „linken“ Seite mit der „rechten“ Seite vorzunehmen.

Gegeben : 
D1 ; D 2 ; Z1 ; Z 2 ; UW ; UHg ; V

Gesucht: 1. (p 2  p1 ) 'p
2. h
3. 'p und h, wenn:
D1 0,20 m ; D 2 0,40 m ; Z1 4 m; Z2 2 m;
kg kg  m3
UW 1000 ; UHg 13560 ; V 0,3142 ;
m3 m3 s

Anmerkungen: - Die Strömung wird verlustfrei angenommen.


- Aufgrund dieser Annahme sind V  , 'p und h idealisierte Größen.
Sie werden wegen einer besseren Übersicht nicht zusätzlich indiziert.

Lösungsschritte

1. p 2  p1 'p :

Den gesuchten Druckunterschied leitet man sich aus der Bernoullischen Gleichung her:
p1 c2 p2 c2 p  p1
 1  g Z1  2  g Z2 . Umgeformt nach 2 folgt zunächst
UW 2 UW 2 UW
p 2  p1 c12  c 22
g Z1  Z2  und nach Multiplikation mit der Wasserdichte UW
UW 2
UW
'p = p 2  p1 = U W g Z1  Z2 
2

c12  c 22 . Da der Volumenstrom bekannt ist,
können die beiden Geschwindigkeiten c1 und c2 mit dem Kontinuitätsgesetz
V V

V c1 A1 V  c2 A 2 V  und somit c bzw. c 2 ersetzt werden.
1 2 1
A1 A2
S S
Führt man noch die beiden Kreisrohrquerschnitte A1 D12 und A 2 D 22 ein, so
4 4
4 V  4 V 
liefert dies c! bzw. c 2 . Diese beiden neuen Ausdrücke für c1 und c2
S D1 2
S D 22
quadriert und in die Gleichung für p 2  p1 eingesetzt führt zu
2 ª º
p 2  p1 = 'p = UW g Z1  Z2  UW 16 2V « 14  14 » und nach Kürzen
2 S D
¬ 1 D 2¼

'p = U W g Z1  Z2  U W
8  2 ª 1  1 º.
V « 4 4»
S2 ¬ D1 D 2 ¼
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 183

2. h:

Der Vergleich des Drucks auf der „linken“ Seite und „rechten“ Seite am tiefsten Punkt des
U-Rohrmanometers liefert:

p 2  U W g Z2  b  UHg g b p1  U W g >Z1  b  h @  UHg g h  b oder

p 2  UW g Z2 p1  U W g Z1  U W g h  U Hg g h . Umgeformt nach Größen

mit h folgt zunächst

UHg g h  U W g h p 2  p1  UW g Z2  UW g Z1 oder

g h UHg  U W
1
p 2  p1  UW g Z1  Z2 . Wird jetzt noch mit
g (UHg  U W )
multipliziert, so führt dies zum gesuchten Ergebnis:

(p 2  p1 )  U W g ( Z1  Z 2 )
h
g (UHg  U W )

3. 'p und h bei oben angegebenen Größen.

Bei dimensionsgerechter Verwendung der gegebenen Zahlenwerte erhält man

'p :
8 ª 1 1 º
'p = 1000 * 9,81 4  2  1000 0,31422 « 4 
S 2
¬ 0,2 0,44 »¼

'p = 66507 Pa { 0,665 bar

h:

66 507  1000 9,81 4  2


h =
9,81 13 560  1000

h = 0,3805 m.
184 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.3 Trichter


¥1. 5 min h 5 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte
¥3. 1 min h 1 Punkte
¥4. 3 min hh 3 Punkte
¥5. 7 min h 7 Punkte

Ein in Abb. 7.3.1 dargestellter trichterförmiger Behälter mit veränderlichen Kreisquer-


schnitten ist mit Wasser befüllt. Das Wasser strömt an der Stelle 3 in atmosphärische
Umgebung. Bei bekannten geometrischen Abmessungen des Trichters an den Stellen 1, 2 und
3 und ihren Abständen zur Bezugsebene sollen die betreffenden Geschwindigkeiten und
Drücke ermittelt werden. Weiterhin ist der Flüssigkeitsanstieg im offenen Steigrohr an der
Stelle 1 zu bestimmen.

Abb. 7.3.1 Ausfluss aus Trichter

 Lösung zu 7.3

Aufgabenerläuterung

Zur Lösung der Fragen nach den Geschwindigkeiten und Drücken kommen die Bernoullische
Gleichung, das Kontinuitätsgesetz und die Durchflussgleichung zur Anwendung. Die Frage
nach der Höhe im Steigrohr löst man mit dem statischen Druck an der Stelle 1 und den Druck-
anteilen im Steigrohr.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 185

Gegeben: Z0 ; Z1 ; Z2 ; Z3 ; D1; D 2 ; D3 ; p B ; U

Gesucht: 1. c 3 ; c1 ; c 2
2. p1
3. p2
4. h1
5. c3 ; c1 ; c 2 ; p1 ; p 2 ; h1 , wenn:

Z0 5 m ; Z1 4,2 m ; Z2 3,8 m ; Z3 3,3 m ;


kg
D1 11 cm ; D 2 4,8 cm ; D3 7 cm ; p B 105 Pa ; U 1000
m3

Anmerkungen: - Annahme verlustfreier Strömung.


- Das Trichtervolumen kann als sehr groß angenommen werden,
so dass c0 | 0 wird.

Lösungsschritte

1. c 3 ; c1 ; c 2

c3:
Es wird zunächst die Geschwindigkeit an der Stelle 3 ermittelt, da sie mit den vorgegebenen
Größen sofort lösbar ist.

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 3:


p 0 c 02 p 3 c32
  g Z0   g Z3
U 2 U 2
Mit den hier vorliegenden besonderen Gegebenheiten p 0 p3 p B ; c0 0 folgt:


2
c 3
g Z 0  Z3 oder
2
c3 2 g ( Z 0  Z3 ) .
c1 :
Bei nun bekannter Geschwindigkeit c3 lassen sich c1 und c2 mit dem Kontinuitätsgesetz und
der Durchflussgleichung folgendermaßen bestimmen:
   umgeformt führt zu c A
Das Kontinuitätsgesetz V 1 c1 A1 V 3 c3 A 3 V 1 c3 3 .
A1
S S
Die Kreisquerschnitte A 3 D32 und A1 D12 eingesetzt liefern
4 4
D32
c1 c3 .
D12
186 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

c2:
   und somit c A3
Analog zu c1 folgt mit V 2 c2 A 2 V 3 c3 A 3 V 2 c3 sowie
A2
S S
den Kreisquerschnitten A 3 D32 und A 2 D 22 :
4 4
D32
c2 c3
D 22
2. p 1 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 1:


p 0 c02 p1 c12
  g Z0   g Z1 .
U 2 U 2
p1
Die besonderen Gegebenheiten p 0 p B ; c0 0 in die Gleichung eingesetzt und nach
U
p1 pB c2
aufgelöst führt zunächst zu  g Z0  Z1  1 und nach Multiplikation mit der
U U 2
Dichte U zum Ergebnis
U
p1 p B  U g Z0  Z1  c12 .
2
3. p 2 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 2:


p 0 c 02 p 2 c 22
  g Z0   g Z2 .
U 2 U 2
p2
Die besonderen Gegebenheiten p 0 p B ; c0 0 in die Gleichung eingesetzt und nach
U
p2 pB c2
aufgelöst führt zunächst zu  g Z0  Z2  2 und nach Multiplikation mit der
U U 2
Dichte U zum Ergebnis
U
p2 p B  U g Z0  Z2  c 22 .
2

4. h 1 :

Dem statischen Druck an der Stelle 1 stehen im Steigrohr der barometrische Druck und der
hydrostatische Druck der Wassersäule gegenüber, also
p1 p B  U g h 1 oder umgeformt U g h1 p1  p B . Multipliziert man noch mit
1
, so lautet h1 vorläufig h1
p1  p B . Den Druck p1 mit dem oben ermittelten
U g U g
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 187

1 ª U º
Zusammenhang ersetzt h1 p B  U g Z0  Z1  c12 - p B » liefert
U g «¬ 2 ¼

c12
h1 Z0  Z1  .
2 g

5. c3 ; c1; c 2 ; p1 ; p 2 ; h1 , wenn:

Z0 5 m ; Z1 4,2 m ; Z 2 3,8 m ; Z3 3,3 m ; D1 11 cm ; D 2 4,8 cm ; D3 7 cm


kg
pB 10 Pa ; U 1000
5
.
m3

Bei dimensionsgerechter Verwendung der gegebenen Größen erhält man:

m
c3: c3 2 9,81 5  3,3 5,78
s
2
§7· m
c1 : c1 5,78 ¨ ¸ 2,34
© 11 ¹ s
2
§ 7 · m
c2: c2 5,78 ¨ ¸ 12,29
© 4,8 ¹ s

p1 :
1000
p1 100 000  1000 9,81 5  4,2  2,342
2
p1 105110 Pa
p2 :
1000
p2 100 000  1000 9,81 5  3,8  12,292
2
p2 36 250 Pa
h1 :
2,34 2
h1 5  4,2 
2 9,81

h1 0,521 m
188 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.4 Vertikaler Rohrausfluss


¥1. 7 min hh 7 Punkte
¥2. 3 min hh 3 Punkte
¥3. 4 min h 4 Punkte

Am Ende einer senkrechten Rohrleitung strömt Flüssigkeit in die Atmosphäre. Die Lage des
Austritts Z1, der Rohraustrittsdurchmesser d1 und die Austrittsgeschwindigkeit c1 sind
bekannt. Auf welchen Durchmesser d2 verkleinert sich der Strahldurchmesser an der Stelle Z2
und welche Re-Zahl liegt dort vor?

Abb. 7.4.1 Vertikaler Ausfluss aus einer Rohrleitung

 Lösung zu 7.4

Aufgabenerläuterung

Der Flüssigkeitsstrahl strömt ab der Stelle 1 ins Freie, ist also dann gleich bleibendem Atmo-
sphärendruck ausgesetzt. Somit wird nach der Bernoullischen Gleichung aufgrund der
Ortshöhenverkleinerung eine Geschwindigkeitsvergrößerung erzeugt, was wiederum gemäß
Kontinuitäts- und Durchflussgleichung eine Querschnittsverkleinerung bewirkt.

Gegeben: d1; c1; Z1; Z2; g; Q

Gesucht: 1. d 2
2. Re 2
3. d2; Re2 , wenn:
m m2
Z1 2,5 m ; Z2 2,0 m ; d1 50 mm ; c1 1 ;Q 1 10  6
s s

Anmerkungen: - Verluste des Flüssigkeitsstrahls mit der umgebenden Luft werden


vernachlässigt.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 189

Lösungsschritte

1. d 2 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 1 und 2:

p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2 . Mit dem gleich bleibenden Druck p1 p2 pB
U 2 U 2
c 22 c2 c12
folgt, wenn nach umgestellt 2  g Z1  Z 2 und dann mit 2 multipliziert wird:
2 2 2
c 22 c12  2 g Z1  Z2 . Mittels Kontinuitätsgesetz und Durchflussgleichung muss nun
noch c2 wie folgt ersetzt werden: V  V  
V c1 A1 c 2 A 2 oder umgeformt
1 2

A1 A12
c2 c1 . Quadriert erhält man dann c 22 c12 . Eingesetzt in die oben angegebene
A2 A 22
Gleichung für c 22 führt zu

A12
c12 = c12  2 g Z1  Z2 . Nach Gliedern mit c 12 auf der linken Seite sortiert
A 22
A12
c12  c12 = 2 g Z1  Z 2 und c 12 ausgeklammert liefert dies zunächst
A 22
§ A2 ·
c12 ¨¨ 12  1¸¸ = 2 g Z1  Z 2 . Wird danach die gesamte Gleichung durch c12 dividiert
© 2
A ¹
A12 2 g Z1  Z 2 A2
2
1 2
und jetzt das Flächenverhältnis 12 abgetrennt, folgt
A2 c1 A2
A12 § 2 g Z1  Z 2 ·
¨¨1  ¸¸ . Da man über A2 den Durchmesser d2 erhält, muss die
A 22 © c12 ¹
gesamte Gleichung auf ihre reziproke Form gebracht werden, also:
A 22 1 S
. Mit den Kreisquerschnitten A1 d12 und
A12 § 2 g Z1  Z 2 · 4
¨¨1  ¸
¸
© c12 ¹
S
A2 d2
2
eingesetzt führt zunächst zu
4

2
§S·
¨ ¸ d2
4
A 22 ©4¹ 1 d 42 1
oder .
§ 2 g Z1  Z 2 · § 2 g Z1  Z 2 ·
2
A12 §S· d14
¨ ¸ d1
4
¨¨1  ¸¸ ¨¨1  ¸¸
©4¹ © c12 ¹ © c12 ¹
190 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

1
Multipliziert man dann noch mit d14 und potenziert anschließend mit , so kommt man zum
4
gesuchten Ergebnis:

1
d2 d1 .
§ 2 g Z1  Z 2 ·
¨¨1  ¸
4

c12 ¸
© ¹

2. Re 2 :
c d
Mit der Definition der Reynoldszahl bei kreisförmigen Strömungsquerschnitten Re
Q
c2 d 2
lautet die gesuchte Reynoldszahl an der Stelle 2 Re 2 . Hierin ist d2 gemäß Pkt. 1
Q
S
d12
A1 4
bekannt. Die Geschwindigkeit c2 lautet (s.o.) c 2 c1 c und somit
A2
1
S
d22

4
d12
c2 c1 . Das Ergebnis für d2 (s.o.) quadriert und eingefügt führt zu
d 22
d12 § 2 g Z1  Z 2 ·
c2 c1 oder c 2 c1 ¨¨1  ¸¸ .
1 © c12 ¹
d12
§ 2 g Z1  Z 2 ·
¨¨1  ¸¸
© c12 ¹
c2 d 2
Ersetzt man in Re 2 nun c2 und d2 mit den neuen Zusammenhängen, so erhält man
Q

§ 2 g Z1  Z 2 · 1
c1 ¨¨1  ¸¸ d1
© c1
2
¹ 4 §
¨¨1 
2 g Z1  Z2 ·¸
c12 ¸
© ¹
Re 2 oder
Q

c1 d1 § 2 g Z1  Z 2 ·
Re 2 4 ¨¨1  ¸¸ .
Q © c12 ¹

m m2
3. d2; Re2 , wenn: Z1 2,5 m ; Z2 2,0 m ; d1 50 mm ; c1 1 ;Q 1 10  6
s s
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 191

Bei dimensionsgerechtem Gebrauch der gegebenen Größen folgt für

d2 :

12
d2 0,050 4 = 0,02757 m
[12  2 9,81 (2,5  2)]

d2 27,57 mm

Re2 :

1 0,05 § 2 9,81 2,5  2 ·


Re 2 4 ¨1  ¸ 10
6

1 © 12 ¹
Re 2 = 90662
192 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.5 Hakenrohr


¥1. 5 min h 5 Punkte
¥2. 1 min h 1 Punkte

Ein hakenförmig gebogenes Rohr mit dem Querschnitt A ist mit seinem unteren Ende im
Abstand h in eine mit c f bewegte Flüssigkeit eingetaucht. Die Achse dieses unteren Rohr-
abschnitts verläuft parallel zur Anströmrichtung. Am oberen Ende des Rohrs im Abstand H
von der Flüssigkeitsoberfläche fließt bei genügend großer Zuströmgeschwindigkeit c f ein
Volumenstrom V  ins Freie. Wie groß muss c bemessen werden, um bei den bekannten geo-
f

metrischen Abmessungen einen gewünschten Volumenstrom V  ausfließen zu lassen? Des


Weiteren wird die Mindestgeschwindigkeit cf gesucht, ab der die Strömung im Rohr gerade
min

einsetzt.

Abb. 7.5.1 Angeströmtes Hakenrohr

 Lösung zu 7.5

Aufgabenerläuterung

Bei genügend großer Zuströmgeschwindigkeit cf liegt eine Durchströmung des Hakenrohrs


vor. Die Frage nach dieser Geschwindigkeit lässt sich mittels Bernoullischer Gleichung
entlang der Stromlinie an den Stellen x und 1 sowie mit der Durchflussgleichung lösen.

Gegeben: U;g;A;H

Gesucht: 1. c f

2. cf  !0
, wenn V
min
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 193

Anmerkungen: - Annahme verlustfreier Strömung im Rohr.


- Die Stelle x befindet sich genügend weit vor dem Rohreintritt und
die Stelle 1 im Rohraustritt.

Lösungsschritte

1. c f :
 ! 0 ) an den Stellen x
Bernoullische Gleichung (bei vorhandener Strömung im Rohr, also V
und 1 :
p x c 2x p1 c12
  g Zx   g Z1
U 2 U 2
c 2x
Nach aufgelöst führt dies zu:
2
c 2x c12 p1 p x
   g Z x  g Z1
2 2 U U
Der statische Druck an der Stelle x lautet p x p B  U g h und der Druck p1 = pB.
Oben eingesetzt und c x mit cf ersetzt erhält man:
c f2 c12 p B p
  ( B  g h )  g ( Z1  Z x )
2 2 U U
c f2
Des Weiteren ist gemäß Abb. 7.5.1 Z1  Z x = H  h . Dann wird :
2
cf2 c12 cf2 c12
 g h  g (H  h ) oder g H
2 2 2 2

Multiplikation mit 2 und anschließendes Wurzelziehen liefert zunächst

cf c12  2 g H .

V
Führt man noch die Durchflussgleichung und hieraus c1 ein, so lautet das Ergebnis:
A

2
V
cf  2 g H
A2
2. cf :
min

Die Mindestanströmgeschwindigkeit cf , bei der gerade ein Volumenstrom durch das


min

Hakenrohr fließt, erhält man aus der Bedingung c1 > 0 und folglich auch c12 > 0. Mit dem
gefundenen Ausdruck cf2 c12  2 g H , den man nach c12 umformt zu
c12 cf2  2 g H , lässt sich auch formulieren: c f2  2 g H > 0 oder auch
cf2 min > 2 g H . Nach dem Wurzelziehen lautet das gesuchte Ergebnis:

cf min ! 2 g H
194 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.6 Venturimeter


¥1. 12 min hh 12 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

Das in Abb. 7.6.1 dargestellte Venturimeter wird zur Messung eines Volumenstroms, im
vorliegenden Fall von Luft verwendet. Seine Wirkung beruht in der Druck- und
Geschwindigkeitsänderung zwischen den Stellen 1 und 2. Hier erfolgt auch die erforderliche
Druckentnahme. Als Druckmessgerät dient z.B. ein mit Wasser befülltes U-Rohrmanometer.
Bei gegebenen Abmessungen des Messgeräts, bekannten Fluiddichten und vorliegendem
Manometerausschlag soll der Volumenstrom ermittelt werden.

Abb. 7.6.1 Horizontales Venturimeter

 Lösung zu 7.6

Aufgabenerläuterung

Die Wirkung eines Venturimeters beruht, wie bei den Messdüsen und den Messblenden, auf
der Drosselung des Drucks bei sich verengenden Querschnitten. Diese Drosselung des Drucks
wird mittels Bernoullischer Gleichung erfasst, wobei die gleichzeitige Geschwindig-
keitsänderung in umgekehrter Richtung zur Druckänderung verläuft. Unter Zuhilfenahme des
Kontinuitätsgesetzes und der Durchflussgleichung gelingt es, den zu ermittelnden Volumen-
strom in Abhängigkeit von der Druckänderung zu beschreiben. Die Zuordnung des Druck-
unterschieds zum Manometerausschlag gelingt mit einer Gleichgewichtsbetrachtung des
Drucks im U-Rohr.

Gegeben: D1 ; D 2 ; U W ; UL ; h ; g

Gesucht: 1. 
V
2.  , wenn :
V
kg kg
D1 200 mm; D 2 100 mm; U W 1000 ; UL 1,2 ;h 800 mm
m3 m3
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 195

Anmerkungen: - Annahme einer verlustfreien, inkompressiblen Strömung bei


horizontaler Anordnung.
- Aufgrund dieser Annahme sind V  , p und h idealisierte Größen.
2
Sie werden wegen einer besseren Übersicht nicht zusätzlich indiziert.
- Index „L“ steht für Luft, Index „W“ steht für Wasser.

Lösungsschritte

 :
1. V

Die Bernoullische Gleichung an den Stellen 1 und 2 angesetzt führt zu


p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2 . Bei der horizontalen Lage ist folglich Z1 Z2 .
UL 2 UL 2
Geschwindigkeitsenergiegrößen und Druckenergiegrößen jeweils auf eine Seite gestellt
c 22 c12 p1 p c2
  2 , und dann auf der linken Seite 2 ausgeklammert liefert zunächst
2 2 UL UL 2
c 22 ª c12 2 º 1
«1  2 » p1  p 2 . Im Klammerausdruck links muss nun noch das
2 ¬ 2 c2 ¼ UL
c12
Geschwindigkeitsverhältnis ersetzt werden. Dies gelingt mit dem Kontinuitätsgesetz
c 22
  c A2
V 1 V 2 c1 A1 c 2 A 2 oder umgeformt 1 . Eingefügt in o.g. Gleichung führt
c2 A1
c 22 ª A 22 º 1 S
dies zu «1  » p1  p 2 . Die Kreisquerschnitte mit A1 D12
2 ¬ A1 ¼ UL 4
ª §S 2·
2
º
« ¨ D 2¸ »
S 2
D 22 ersetzt, ergibt 2 «1  © ¹ »
c 1
p1  p 2 oder
4
und A 2
2 « §S » UL
2
4 2·
« ¨ D1 ¸ »
¬ ©4 ¹ ¼

c 22 ª § D 2 · º
4
1 2
«1  ¨ ¸¸ » p 1  p 2 . Die Gleichung mit multipliziert
2 « ¨© D 1 ¹ »¼ UL ª §D · º
4
¬ «1  ¨¨ 2 ¸¸ »
¬« © 1 ¹ »¼
D
2 p1  p 2
liefert zunächst c22 = , oder wenn die Wurzel gezogen wird:
ª § D ·4 º
UL «1  ¨¨ 2
¸¸ »
«¬ © D1 ¹ »¼

2 p1  p 2
c2 . Unter Verwendung der Durchflussgleichung an der Stelle 2
ª § D ·4 º
UL «1  ¨¨ 2
¸ »
D ¸
¬« © 1 ¹ ¼»
196 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

  = c A mit A S
V 2 V 2 2 2 D 22 erhält man als vorläufiges Ergebnis
4

 S 2 p1  p 2
V D 22 .
4 ª § D ·4 º
UL «1  ¨¨ 2
¸¸ »
«¬ © D1 ¹ »¼

Der Druckunterschied p1  p 2 muss nun noch mit den Größen des U-Rohrmanometers in
Verbindung gebracht werden. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Luftsäulen in den
Zuleitungen und über den Wassersäulen im Manometer ohne Einfluss sind. Legt man
gedanklich einen horizontalen Schnitt in Höhe der linken Wassersäule durch das U-Rohr, so
folgt p1 p 2  U W g h . Nach p1  p 2 aufgelöst folgt p1  p 2 = U W g h . Diesen
neuen Ausdruck für p1  p 2 in V
 eingefügt, liefert das Resultat

 S UW g h
V D 22 2 .
4 UL ª § D ·4 º
«1  ¨¨ 2
¸¸ »
«¬ © D1 ¹ »¼

 bei den gegebenen Zahlenwerten:


2. V
kg kg m
D1 200 mm; D 2 100 mm; U w 1000 ; UL 1,2 ;g 9,81 ; h 800 mm
m3 m3 s2

 :
Bei dimensionsgerechtem Gebrauch der Größen in der Gleichung liefert dies für V

 S 1000 9,81 0,80


V 0,10 2 2
4 1,2 ª § 0,1 · 4 º
«1  ¨ ¸ »
«¬ © 0,2 ¹ »¼

3
 = 0,9277 m
V
s
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 197

Aufgabe 7.7 Rohrleitung ohne und mit Diffusor


¥1. 3 min h 3 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte
¥3. 10 min hh 10 Punkte

Gemäß Abb. 7.7.1 fließt Wasser aus einem offenen Behälter stationär ins Freie. Der Ausfluss
erfolgt durch eine Rohrleitung mit dem Durchmesser d. Der Flüssigkeitsspiegel im Behälter
weist einen gleich bleibenden Abstand H von den Stellen 2 und 3 auf. Es wird angenommen,
 an der Stelle 2 ohne
dass die Strömung verlustfrei erfolgt. Wie groß ist der Volumenstrom V 2

Diffusor und welche Größe erreicht V3 an der Stelle 3, wenn der Diffusor mit der Rohrleitung
verbunden wird? Des Weiteren soll das Verhältnis H D / d im Fall des angeschlossenen
Diffusors ermittelt werden, wenn an der Stelle 1 zur Vermeidung des Strömungsabrisses der
dort vorliegende statische Druck den Dampfdruck nicht unterschreiten darf.

Abb. 7.7.1 Wasserbecken mit Rohrleitung

 Lösung zu 7.7

Aufgabenerläuterung

Zur Ermittlung des Volumenstroms ist die Durchflussgleichung anzuwenden, da bei beiden zu
bestimmenden Größen V  und V  die jeweiligen Austrittsgeschwindigkeiten und die durch-
2 3

strömten Querschnitte bekannt sind. Das weiterhin gesuchte Durchmesserverhältnis lässt sich
mittels Kontinuitätsgesetz und der Bernoullischen Gleichung herleiten.
198 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Gegeben: U; g ; h ; H ; d ; D ; pB ; pDa. ;

Gesucht: 1. 
V ohne angeschlossenen Diffusor
2

2. 
V mit angeschlossenem Diffusor
3

D
3. H mit angeschlossenem Diffusor, wenn p1 ! p Da . .
d

Anmerkungen: - Annahme verlustfreier Strömung in der Rohrleitung und im Diffusor.


- Z0 = konstant, d.h. c0 = 0.

Lösungsschritte

 :
1. V2

Den Volumenstrom V  an der Stelle 2 erhält man aufgrund der Durchflussgleichung


2

V2 c 2 A 2 . Hierin lässt sich die Austrittsgeschwindigkeit c2 bei dem offenen System und
angenommener verlustfreier Strömung einfach mit dem Torricellischen Gesetz bestimmen:

c2 2 g H . Der bei der Stelle 2 weiterhin benötigte Kreisrohrquerschnitt A2 lautet:


S  zu:
A2 d2 . Beide Größen in die Durchflussgleichung eingefügt liefern V 2
4

 S
V 2 d2 2 g H
4
 :
2. V3

Den Volumenstrom V  an der Stelle 3 bei jetzt installiertem Diffusor erhält man aufgrund der
3

Durchflussgleichung V c A . Da die Stelle 3 auf derselben Höhe Z3 = Z2 liegt, und
3 3 3
folglich der Abstand H des Flüssigkeitsspiegels gleich bleibt, ist auch die Austritts-
geschwindigkeit nach Torricelli c3 gleich c2 und somit c3 c 2 2 g H . Der am
S
Diffusoraustritt größere Querschnitt A 3 D 2 ruft – bei gleichen Geschwindigkeiten –
4
einen entsprechend größeren Volumenstrom V  hervor:
3

 S
V 3 D2 2 g H
4

D
3. H :
d

Die Vermeidung des Strömungsabrisses an der gefährdeten Stelle 1 wird gewährleistet, wenn
der dortige statische Druck immer größer als der Flüssigkeitsdampfdruck ist, also p1 ! p Da .
Einen entscheidenden Einfluss auf p1 hat die an gleicher Stelle vorliegende Geschwindigkeit
c1. Diese lässt sich bei installiertem Diffusor wie folgt ermitteln.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 199

Der Volumenstrom V  liegt in gleicher Größe auch an der Stelle 1 vor und somit lautet
3

V
V c1 A1 oder nach c1 umgeformt c1 3  und den
. Fügt man jetzt das Ergebnis für V
3 3
A1
S
 D2 2 g H
S V 4
Querschnitt A1 A 2 d ein, so führt dies zu c1
2 3
oder
4 A1 S
d2
4
D2
c1 2 g H.
d2

Den gesuchten statischen Druck p1 kann man mit der Bernoullischen Gleichung an den
Stellen 0 und 1 wie folgt herleiten:
p 0 c02 p1 c12 p
  g Z0   g Z1 . Nach 1 umgeformt und unter Berücksichtigung der
U 2 U 2 U
hier vorliegenden besonderen Gegebenheiten p 0 p B ; c0 0 ; Z0  Z1 h führt dies zu
p1 p B c12 p B c12 p B c12
  g Z0  g Z1   g Z0  Z1   g h.
U U 2 U 2 U 2
Mit der Dichte U multipliziert lautet zunächst der gesuchte Druck p1:
U
p1 p B  U g h  c12 . Setzen wir hierin nun die oben bestimmte Geschwindigkeit c1
2
ein, benutzen gleichzeitig die Forderung p1 ! p Da
4
U §D·
p1 pB  U g h  ¨ ¸ 2 g H ! p Da
2 ©d¹
D
und stellen nach dem Term mit um, so folgt
d
4
U §D·
¨ ¸ 2 g H  p B  p Da  U g h .
2 ©d¹

Nach Multiplikation mit


1 §D·
erhält man zunächst: ¨ ¸
4

<
p B  p Da  h
.
U g H ©d¹ U g H H
1
Potenziert mit führt dies zum Ergebnis:
4

H
§D· pB  pDa  h
¨ ¸ 4
©d¹ U g H H
200 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.8 Druckbehälter mit einem Zulauf und zwei Abflüssen


¥1. 4 min hh 4 Punkte
¥2. 5 min hh 5 Punkte
¥3. 4 min h 4 Punkte

In Abb. 7.8.1 ist ein Wasserbehälter zu erkennen, in den kontinuierlich ein Gesamtvolumen-
strom V  einfließt und bei dem an den beiden Austrittsstellen zwei verschieden große
Teilvolumenströme V  und V
 abfließen. Die Flüssigkeitshöhe Z0 im Druckbehälter soll sich
1 2
dabei nicht ändern. Für die Ausströmvorgänge in atmosphärische Umgebung wird über dem
Wasserspiegel ein geeigneter statischer Druck p 0 erforderlich.
Bei bekannten Abmessungen der Abflussrohre d, h1 und h2, dem Teilvolumenstrom V , der
1
Flüssigkeitsdichte U, dem Atmosphärendruck pB und der Fallbeschleunigung g soll zunächst
 ermittelt werden.
der Druck p 0 und danach der zweite Teilvolumenstrom V2

Abb. 7.8.1 Druckbehälter

 Lösung zu 7.8

Aufgabenerläuterung

Die Lösung der o.g. zwei Fragen wird im Ansatz jeweils mittels Bernoullischer Gleichung
anzugehen sein, wobei sie getrennt an den Stellen 0 und 1 bei der Ermittlung von p0 bzw. an
den Stellen 0 und 2 bei der V -Bestimmung verwendet werden muss. Dies leuchtet schnell
2
ein, wenn man sich klar macht, dass im Fall des gesuchten Drucks p0 an den Stellen 0 und 1
 und A fest). Mit dem auf diese Weise
alle Größen bis auf p0 bekannt sind (c1 liegt ja mit V1
ermittelten Druck p0 resultiert dann c2 (und folglich bei gegebenem Querschnitt A der
gesuchte Teilvolumenstrom V  ) aus der Energiegleichheit an den Stellen 0 und 2. Des
2
Weiteren wird von der Durchflussgleichung Gebrauch gemacht.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 201

Gegeben:  ; U ; p ;g
d ; h1 ; h 2 ; V1 B

Gesucht: 1. p0
2. 
V
2
3. Pkt.1 y 2 , wenn:
 = 1,585 l kg
d = 12 mm; h1 = 1,4 m; h 2 = 3,7 m; V1 ; U = 1000 ;
s m3
p B = 100000 Pa.

Anmerkungen: - Annahme verlustfreier Strömung in beiden Rohren.


- Annahme einer konstanten Flüssigkeitsspiegelhöhe Z0.

Lösungsschritte

1. p 0 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 1:


p 0 c02 p1 c12
  g Z0   g Z1 .
U 2 U 2
Mit den besonderen Gegebenheiten im vorliegenden Fall p1 p B ; ( Z1  Z0 ) h1 ; c 0 0
erhält man zunächst
p0 p B c12 p0 p B c12
  g ( Z1  Z0 ) oder   g h1 . Die Geschwindigkeit c1
U U 2 U U 2
V
1
lässt sich mittels umgestellter Durchflussgleichung c1 und dem gegebenen Rohrquer-
A
S 4 V  2
16 V
schnitt A d 2 wie folgt angeben: c1 1
oder quadriert c12 1
.
4 S d 2
S d4
2

c12 oben eingesetzt und die Gleichung noch mit der DichteU multipliziert führt zu

U V 2 16
p0 pB  12  g h1 U oder zum Ergebnis
2 S d4

8 1  2+ U g h .
p0 pB  U 4 V
S2
1 1
d

 :
2. V 2

 bei der Stelle 2 liefert die Durchflussgleichung V


Den Volumenstrom V  c 2 A mit
2 2

S  S
dem Rohrquerschnitt A d 2 zu V 2 d 2 c 2 . Hierin muss noch die Geschwindig-
4 4
keit c2 aus bekannten Größen an den Stellen 0 und 2 mittels Bernoullischer Gleichung
202 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

p 0 c 02 p 2 c 22 p0 p 2 c 22
  g Z0   g Z2 oder   g ( Z2  Z0 ) bestimmt
U 2 U 2 U U 2
werden. Setzt man die besonderen Größen an diesen Stellen
c 22
p2 p B ; ( Z2  Z0 ) h 2 ; c0 0 ein und stellt die Gleichung nach um, so folgt
2
c 22 (p 0  p B )
 g h 2 . Nach Multiplikation mit 2 und Wurzelziehen erhält man:
2 U
ª p  p B º  eingefügt
c2 2 « 0  g h 2 » . Diese Geschwindigkeit in die Gleichung für V
U
2
¬ ¼
führt zum Ergebnis:
 S ª p  p B º
V d2 2 « 0  g h2 »
U
2
4 ¬ ¼

 = 1,585 l kg
3. Pkt.1 y 2 , wenn: d = 12 mm; h1 = 1,4 m; h 2 = 3,7 m; V1 ; U = 1000 ;
s m3
p B = 100000 Pa.

Bei dimensionsgerechter Verwendung des gegebenen Zahlenmaterials folgt:

p0 :
8 1
p 0 = 100 000 + 1000 0,0015852  1000 9,81 1,4
S 2
0,012 4

p 0 = 211937 Pa

 :
V2

 S ª (211937  100000) º
V 2 0,012 2 2 «  9,81 3,7 »
4 ¬ 1000 ¼

3
 = 0,001391 m
V { 1,391
l
2
s s
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 203

Aufgabe 7.9 Behälter mit Kreisscheibendiffusor


¥1. 3 min h 3 Punkte
¥2. 5 min hh 5 Punkte

Aus einem großen Behälter fließt Wasser zwischen zwei kreisförmigen Scheiben mit dem
Außendurchmesser D2 und dem Abstand h an der Stelle 2 ins Freie. Der von den Scheiben
gebildete zylindrische Raum wird dabei radial von innen nach außen durchströmt. Der
Abfluss erfolgt über die offene Zylindermantelfläche. Die Flüssigkeitsoberfläche im Behälter
soll einen zeitlich unveränderlichen Abstand H zur Bezugsebene aufweisen. Welcher
Volumenstrom V  stellt sich ein, und wie groß wird der Druck px am Radius r?

Abb. 7.9.1 Offener Behälter mit Kreisscheibendiffusor

 Lösung zu 7.9

Aufgabenerläuterung

Mittels Bernoullischer Gleichung lässt sich die Austrittsgeschwindigkeit an der Stelle 2


aufgrund der gegebenen Größen bestimmen. Bei ebenfalls bekannter Austrittsfläche gelangt
man unter Verwendung der Durchflussgleichung zum gesuchten Volumenstrom.
Die Ermittlung des statischen Drucks an einem beliebigen Radius im Diffusor erfolgt
ebenfalls mit Hilfe der Bernoullischen Gleichung, dem Kontinuitätsgesetz sowie der
Durchflussgleichung.

Gegeben: H ; h ; R 2 ; pB ; U ; g
Gesucht: 1. V 
2. px (r)
204 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Anmerkungen: - Annahme verlustfreier Strömung.


- H = konstant, d.h. c1 = 0 .
- Stelle x genügend weit vom Staupunkt S entfernt, so dass dort gilt:
1
c x (r ) v .
r

Lösungsschritte

 :
1. V

Bernoullische Gleichung an den Stellen 1 und 2:

p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2 . Mit den besonderen Gegebenheiten im vorliegenden
U 2 U 2
Fall p1 p B ; c1 0 ; p 2 p B ; Z1 H ; Z2 0 erhält man zunächst
c 22
g H und nach dem Wurzelziehen
2
c2 2 g H . Dies entspricht auch der Torricellischen Gleichung.

 c A
V Volumenstrom bei 2
2 2
A 2 S D2 h Durchströmter Querschnitt bei 2 (offene Mantelfläche)

Mit diesen Zusammenhängen lautet der gesuchte Volumenstrom:


V S D2 h 2 g H

2. p x r :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 1 und x:

p1 c12 p r c 2 r
  g Z1 = x  x  g Zx r . Mit den besonderen Gegebenheiten im vor-
U 2 U 2
liegenden Fall p1 p B c1 0 Z1 H Zx (r ) 0 reduziert sich die Gleichung auf
pB p x r c 2x r
g H  oder umgestellt nach der gesuchten Druckenergie
U U 2
p x (r ) pB c 2 r
 g H  x . Hierin muss noch die Geschwindigkeit c x r mit bekannten
U U 2
Größen ersetzt werden.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 205

c x r :

Man macht zur Ermittlung von c x r sinnvollerweise von der Kontinuitätsgleichung


Gebrauch, d.h. V 
x c x r A x r V

2 c 2 A 2 . Nach c x r umgestellt führt dies bei
jetzt bekannter Geschwindigkeit c2 zunächst zu

A2
c x r c2 . Die durchströmten zylindrischen Mantelflächen wie folgt ersetzt
A x r
A2 2 S R 2 h durchströmter Querschnitt bei 2
A x r 2 S r h durchströmter Querschnitt bei x
und oben eingefügt liefern als Resultat für c x r :
2 S R2 h R2
c x r c2 oder c x r = c 2
2 S r h r

p x (r )
Diesen Ausdruck für c x r jetzt in verwendet führt zu
U
p x r pB 1 R2
 g H  c 22 22 . Hierin muss nun noch c 22 2 g H ausgetauscht
U U 2 r
p x r pB 1 R2
 g H  2 g H 22 und die Glieder mit der Höhe H
U U 2 r
pB p x r ª R2 º
zusammengefasst werden:  g H «1  22 » . Nach der Multiplikation mit der
U U ¬ r ¼
DichteU kennt man den gesuchten Druck p x r wie folgt:

ªR2 º
p x r p B  U g H « 22  1»
¬ r ¼
206 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.10 Wasseruhr


¥1. 12 min hhh 12 Punkte

Im Altertum (z.B. z.Zt. des Pharao Amenophis III um 1400 v. Ch.) wurden u.a. so genannte
Auslaufwasseruhren zur Zeitmessung verwendet. Hierbei war es erforderlich, dass sich beim
Auslaufvorgang des Wassers aus dem offenen Gefäß eine möglichst gleich bleibende
Sinkgeschwindigkeit des Flüssigkeitsspiegels einstellte. So konnte man an den in gleichen
Abständen angebrachten Markierungen die jeweiligen Zeitabschnitte ablesen. In Abb. 7.10.1
ist der Längsschnitt durch eine solche Auslaufwasseruhr zu erkennen. In den Horizontal-
ebenen liegen jeweils Kreisquerschnitte vor. Ermitteln Sie bei vorgegebenem Austritts-
querschnitt und bekannter Sinkgeschwindigkeit die Innenkontur des Gefäßes in der Form
r = f (z).

Abb. 7.10.1 Längsschnitt durch die Wasseruhr

 Lösung zu 7.10

Aufgabenerläuterung

Im Unterschied zu zahlreichen Aufgaben mit konstant angenommener Flüssigkeitshöhe im


Behälter soll im vorliegenden Fall von einer gleich bleibenden Sinkgeschwindigkeit des
Flüssigkeitsspiegels ausgegangen werden, d.h. c(Z0) = c(Z1) = c(z) { c. In der
Austrittsöffnung A2 liegen dagegen zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Flüssigkeits-
höhen und folglich (Torricellische Gleichung) auch veränderliche Austrittsgeschwindigkeiten
c 2 (z) vor. In Verbindung mit dem konstanten Querschnitt A2 stellen sich entsprechend
veränderliche Volumenströme ein, die auch in den jeweiligen Höhen Z0, Z1, z, … vorliegen.
Dieser Veränderlichkeit von V  (z) kann bei der vorausgesetzten gleich bleibenden Sink-
geschwindigkeit des Flüssigkeitsspiegels c(z) { c nur durch eine geeignete Veränderung des
Querschnitts A(z) Rechnung getragen werden. Somit wird neben dem Kontinuitätsgesetz und
der Durchflussgleichung von der Bernoullischen Gleichung Gebrauch gemacht.

Gegeben: c ; r2 ; g
Gesucht: r(z)
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 207

Anmerkungen: - Annahme verlustfreier Strömung.


- Die Sinkgeschwindigkeit des Flüssigkeitsspiegels ist konstant, also
c(Z0) = c(Z1) = c(z) { c.
§ wc ·
- Annahme quasi-stationärer Strömung, d.h. ³ ¨ ¸ ds = 0.
© wt ¹

Lösungsschritte

Die Kontinuitätsgesetz z. Zt. t an der Stelle z und der Stelle 2 lautet: V  z = V


 z . Mit den
2

Durchflussgleichungen V  z = c z A z und V
 z c z A erhält man dann zunächst
2 2 2

c z A z = c2 z A 2 . Bei den vorausgesetzten kreisförmigen Querschnitten folgt mit


A z S r 2 z und A 2 S r2 durch Einfügen in oben stehender Gleichung
2

c z S r 2 z = c 2 z S r 2 2 . Nach Kürzen entsteht:

c z r 2 z = c 2 z r 22

Die Bernoullische Gleichung z. Zt. t an den Stellen z und 2 betrachtet hat die Form:

p z c z p 2 c 22 z
2

 g z   g Z2
U 2 U 2
Mit den hier vorliegenden besonderen Gegebenheiten p z pB ; p2 p B ; Z2 0 folgt
c z c 2 z
2 2
g z oder umgeformt c 22 z  c 2 z 2 g z .
2 2
Ersetzt man nun c2 z aus oben gefundenem Ergebnis der Kontinuitätsgleichung mit
r 2 z r 4 z
c2 z = c z 2
und quadriert folglich c 22 z = c 2 z 4 , so führt dies zu
r2 r2
r 4 z
c 2 z - c 2 z = 2 g z . Nach Ausklammern von c 2 z erhält man:
r24
ª r 4 z º
c 2 z « 4  1» = 2 g z
¬ r2 ¼
c z ist die konstant vorausgesetzte Sinkgeschwindigkeit. Vereinfachend setzt man c z { c .
Dividiert man nun noch die Gleichung durch c 2 z { c 2 , so erhält man zunächst
r 4 z 2 g z
- 1 = . Danach so umgeformt, dass das Radienverhältnis allein steht
r24 c2
r 4 z 2 g z ª 2 g zº
= 1+ und dann mit r24 multipliziert liefert r 4 z r24 «1  .
r24
c 2
¬ c 2 »¼
1
Nach Potenzieren mit dem Exponenten erhält man das gesuchte Ergebnis wie folgt:
4

2 g z
r z r2 4 1 
c2
208 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

Aufgabe 7.11 Ausfluss aus zylindrischem Behälter


¥ 14 min hhh 14 Punkte

Ein flüssigkeitsgefüllter, zylindrischer Behälter weist in seinem Boden eine kreisförmige


Öffnung auf, durch die Flüssigkeit ins Freie ausfließt. Der Austrittsquerschnitt ist gut
abgerundet, so dass keine Strahleinschnürung vorliegt. Zur Zeit t = 0 befindet sich die
Oberfläche in einer Höhe Z0 über der Bezugsebene und sinkt mit der Zeit t > 0 infolge des
Ausströmens ab. Zur Zeit t = t1 erreicht der Flüssigkeitsspiegel die Höhe Z1. Gesucht wird die
Zeit t1, bis die Lage Z1 erreicht ist.

Abb. 7.11.1 Behälter mit absinkendem Flüssigkeitsspiegel

 Lösung zu 7.11

Aufgabenerläuterung

Bei vielen Ausströmvorgängen ist der Flüssigkeitsbehälter und das darin befindliche Volumen
sehr groß, so dass die Höhe im Behälter während des Ausfließens näherungsweise konstant
angenommen werden darf. Dies trifft exakt aber nur dann zu, wenn das ausströmende Fluid
durch ein gleich großes kontinuierlich ersetzt wird. Im vorliegenden Fall handelt es sich
jedoch um ein relativ kleines Volumen, bei dem die ausfließende Flüssigkeit zu einer zeitlich
veränderlichen Spiegelhöhe z(t) und zeitlich veränderlichen Geschwindigkeiten cz(t) führt.
Zur Zeit t = 0 als Startpunkt der Zeitzählung befindet sich der Flüssigkeitsspiegel an der Stelle
Z0 und weist dort die Geschwindigkeit c0(t = 0) auf. Zur Zeit t an der Stelle z sind dies dann
cz(t) und z(t). An der Stelle 2 mit Z2 = 0 als Bezugsebene ist zur selben Zeit t die
Geschwindigkeit c2 (t) festzustellen. Unter Annahme einer quasi-stationären Strömung, d.h.
§ wc ·
die zeitliche Ableitung der Geschwindigkeit ist klein und folglich der Term ³ ¨ ¸ ds
© wt ¹
vernachlässigbar, kann als Ansatz die Bernoulligleichung der stationären Strömung verwendet
werden.
7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme 209

Gegeben: Z 0 t 0 ; A0 ; A 2 ; Z1 t1

Gesucht: t1 (bis der Flüssigkeitsspiegel Z1 erreicht hat)

Anmerkungen: - Keine Verluste.


- Keine Strahleinschnürung durch Kantenabrundung.
- Alle Größen, die sich mit der Zeit t ändern, müssten entsprechend
gekennzeichnet werden, z.B. c 2 t , z (t) usw. Der Einfachheit halber
wird jedoch nur c 2 , z , usw. verwendet.

Lösungsschritte

Bernoulligleichung zur Zeit t zwischen den Stellen z und 2.

p z c 2z p 2 c 22
 g z   g Z2 . Mit den hier vorliegenden Gegebenheiten
U 2 U 2

c 2z c 22
pz = p2 = pB und Z2 = 0 vereinfacht sich die Gleichung zu g z .
2 2
Hieraus erhält man durch Multiplikation mit 2 und Umstellung nach den Geschwindigkeiten
c 22  c 2z 2 g z oder c 2z ausgeklammert

c 22
c 2z > 1 @ 2 g z.
c 2z
An den Stellen z und 2 durchströmt aus Kontinuitätsgründen der gleiche Volumenstrom die
Querschnitte Az = A0 und A2. Demzufolge wird mit V c A c2 A 2
z 0

c2 A0
. In oben stehende Gleichung eingesetzt entsteht dann
cz A2
ª§ A · 2 º
c 2z «¨¨ 0 ¸¸  1» 2 g z oder mit c 2z auf einer Gleichungsseite
«¬© A 2 ¹ »¼
2 g z
c 2z . Jetzt noch die Wurzel gezogen führt zu
ª§ A · 2 º
«¨¨ 0
¸¸  1»
«¬© A 2 ¹ »¼
2 g z
cz oder auch
ª§ A · 2 º
«¨¨ 0 ¸¸  1»
«¬© A 2 ¹ »¼
2 g
cz z .
ª§ A · 2 º
«¨¨ 0 ¸¸  1»
«¬© A 2 ¹ »¼
210 7. Bernoullische Energiegleichung für ruhende Systeme

dz
Die Geschwindigkeit c z ist aber nichts anderes als c z = - . Das negative Vorzeichen
dt
resultiert aus der entgegen z-Koordinate gerichteten Geschwindigkeit. Es wird also
dz 2 g
- z.
dt ª§ A · 2 º
«¨¨ 0 ¸¸  1»
«¬© A 2 ¹ »¼
dt
Um eine Integration zu ermöglichen, wird mit multipliziert. Damit gelangt man zu
z

dz 2 g
- dt .
z ª§ A · 2 º
«¨¨ 0 ¸¸  1»
«¬© A 2 ¹ »¼

Die Integration muss nun, um die Zeit t1 zu ermitteln, wie folgt durchgeführt werden:

Z1 t1 Z1 t1
dz 2 g 
1
2 g
 ³
Z0 z ª§ A · 2 º

t 0
³ dt oder  ³z
Z0
2
dz
ª§ A · 2 º
³ dt .
t 0
«¨¨ 0 ¸¸  1» «¨¨ 0 ¸¸  1»
«¬© A 2 ¹ »¼ «¬© A 2 ¹ »¼

Die Integration gemäß nachstehender Schritte führt zunächst zu:

Z0
1

> @ 2 g 2 g
2
z Z0 t1
2 z 2 Z0  Z1 t t1
1 Z1
ª§ A · 2
º
t 0
ª§ A · 2 º
2 Z1 «¨¨ 0 ¸¸  1» «¨¨ 0 ¸¸  1»
«¬© A 2 ¹ »¼ «¬© A 2 ¹ »¼
Somit lautet die gesuchte Zeit t1 :

ª§ A · 2 º
t1
2
2 g
«¨¨ 0 ¸¸  1» > Z0  Z1 @ oder auch
«¬© A 2 ¹ »¼

ª§ A · 2 º
t1
2
«¨¨ 0 ¸¸  1» > Z0  Z1 @
g «¬© A 2 ¹ »¼
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme
Insbesondere bei Anwendungen auf dem Gebiet der Strömungsmaschinen, aber auch überall
dort, wo Fluide durch andere rotierende Systeme strömen, wird eine modifizierte
Energiegleichung benötigt, die auf die veränderten Gegebenheiten gegenüber ruhenden
Systemen abgestimmt ist.
Die Herleitung der Bernoullischen Energiegleichung für rotierende Systeme erfolgt analog
zum Vorgehen gemäß Kap. 7. Der auch hier benutzte Ansatz des ersten Newtonschen
Gesetzes erfordert im vorliegenden Fall jedoch noch die Berücksichtigung der in Richtung der
Stromlinie wirkenden Fliehkraftkomponente aufgrund der Systemrotation. Des Weiteren wird
die Trägheitskraft mit der im rotierenden System vorhandenen Relativgeschwindigkeit
wirksam.

Reibungsfreie Strömung

Es wird zunächst wieder von stationärer, eindimensionaler Strömung inkompressibler


Fluide ausgegangen. Unter Zugrundelegung des Kräftegleichgewicht an einem Fluidelement
dm, welches sich entlang einer Stromlinie in einem rotierenden System bewegt, gelangt man
zur Bernoullischen Energiegleichung in

dp
- differentieller Form  w dw  r Z2 dr  g dz 0 oder in
U
p w2 u2
- integraler Form   g z C** .
U 2 2

Dies ist die Bernoullische Gleichung als Energiegleichung formuliert mit:

p ª Nm º
spez. Druckenergie « kg »
U ¬ ¼
ª Nm º
g z spez. potentielle Energie « kg »
¬ ¼
w2 ª Nm º
spez. Geschwindigkeitsenergie der Relativgeschwindigkeit « kg »
2 ¬ ¼
u2 ª Nm º
spez. Geschwindigkeitsenergie der Umfangsgeschwindigkeit « kg »
2 ¬ ¼
C** Integrationskonstante oder Bernoullische Konstante

An zwei Stellen 1 und 2 auf einem Stromfaden lauten die Bernoulligleichungen dann:

p1 w12 u12 p 2 w 22 u 22
- Energiegleichung    g Z1    g Z2
U 2 2 U 2 2

U U U U
- Druckgleichung p1  w12  u12  U g Z1 p2  w 22  u 22  U g Z 2
2 2 2 2

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_8,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
212 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

Reibungsbehaftete Strömung

Unter der Voraussetzung stationärer, eindimensionaler Strömung inkompressibler Fluide


kann man unter Berücksichtigung der Reibungskräfte die Bernoullische Gleichung des
rotierenden Systems wie folgt anschreiben.

p1 w12 u12 p 2 w 22 u 22
- Energiegleichung    g Z1    g Z2  YV ,1y 2
U 2 2 U 2 2

YV ,1y 2 Verlustenergie zwischen 1 y 2

U U U U
- Druckgleichung p1  w 12  u12  U g Z1 p2  w 22  u 22  U g Z 2  p V ,1y2
2 2 2 2

p V ,1y 2 Druckverlust zwischen 1 y 2


8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 213

Aufgabe 8.1 Rohrpumpe


¥1. 11 min hhh 11 Punkte
¥2. 4 min hhh 4 Punkte
¥3. 10 min hh 10 Punkte

Der sehr einfache Fall einer Pumpe ist in Abb. 8.1.1 zu erkennen. Ein Antrieb versetzt das in
Flüssigkeit getauchte, vertikale Rohr mit dem Querschnitt A in Rotation. Das obere Ende des
Rohrs ist um 90° umgebogen, wobei dieser Abschnitt einen Radius R2 bezogen auf die
Drehachse und einen Abstand H zur Flüssigkeitsoberfläche aufweist. Das Rohr sei vollständig
mit Flüssigkeit befüllt. Ab einer Mindestdrehzahl strömt Flüssigkeit an der Stelle 2 ins Freie.
Lösen Sie folgende Fragen:
- Mit welcher Winkelgeschwindigkeit Zmin muss sich das Rohr drehen, um gerade einen Vo-
lumenstrom zu befördern?
- Wie groß darf Zmax höchstens werden, damit an der gefährdeten Stelle x die Flüssigkeit
nicht abreißt?
- Welches Antriebsmoment T wird erforderlich?

Abb. 8.1.1 Rohrpumpe

 Lösung zu 8.1

Aufgabenerläuterung

Zur Beantwortung der Frage nach der Mindestwinkelgeschwindigkeit Zmin wird es erfor-
derlich, von der Bernoullischen Gleichung rotierender Systeme Gebrauch zu machen, da in
ihr die Umfangsgeschwindigkeiten des Stromfadens und somit auch Zvorzufinden sind. Sie
214 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

ist natürlich nur im Fall eines Strömungsvorgangs anwendbar, also wenn V  ! 0 . Die
Begrenzung der Drehzahl nmax und somit auch Zmax wird durch den statischen Druck an der
gefährdeten Stelle in dem Flüssigkeitssystem px vorgegeben. Bedingung ist, dass px immer
den Flüssigkeitsdampfdruck pDa. überschreiten muss, um das Abreißen des Fluidstroms zu
vermeiden. Auch hier liefert die Bernoullische Gleichung rotierender Systeme den
Zusammenhang zwischen Zmax und den gegebenen Größen. Das Antriebsmoment T der
„Rohrpumpe“ lässt sich auf zwei Wegen ermitteln. Zum einen kann der 1. Hauptsatz mit
geeigneten Systemgrenzen benutzt werden. Die zweite Möglichkeit liefert der Impuls-
momentensatz an einem sinnvoll gewählten Kontrollraum. Hiervon soll bei der Lösungs-
findung Gebrauch gemacht werden.

Gegeben: H; R 2 ; U ; A ; p B ; p Da ;

Gesucht: 1. Zmin , wenn  ! 0 also w > 0


V
2. Zmax , wenn p x ! p Da
3. T

Anmerkungen: - Es wird von verlustfreier Rohrströmung ausgegangen.


- Reibungsmomente in den (nicht dargestellten) Lagern werden vernach-
lässigt genauso wie Widerstandsmomente mit der umgebenden Luft.
- Zx | Z2
- In dem vertikalen Rohrabschnitt ist für einen Stromfaden in der
Drehachse die Umfangsgeschwindigkeit u1 0 , da R 1 0 . Bei der
angenommenen Reibungsfreiheit (keine Schubspannungen) gilt dies
auch für die anderen Stromfäden.

Lösungsschritte

 ! 0 , also w > 0.
1. Zmin , wenn V

Bei vorhandener Strömung im Rohr lässt sich die Bernoullische Gleichung des rotierenden
Systems an den Stellen 1 und 2 wie folgt ansetzen:

p1 w12 u12 p 2 w 22 u2
   g Z1   2  g Z2
U 2 2 U 2 2


Mit u1 0 , p 2 p B und mit der Kontinuitätsgleichung V w1 A 
V w2 A 
V
1 2
folgt w1 w 2 . Somit resultiert

p1 pB u2 u 22
 g Z 2  Z1  2 oder nach umgestellt (gesucht wird ja Z 
U U 2 2
u 22 pB p p
 g Z 2  Z1  1 . Hierin muss nun noch 1 mit geeigneten Größen ersetzt
2 U U U

werden. Dies wird mit der Energiegleichheit entlang des Stromfadens an den Stellen 0 und 1
ermöglicht:
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 215

E ruh E rot (ohne Energiezufuhr oder -abfuhr zwischen den Stellen 0 und 1)

bei 0 bei 1
p 0 c02 p1 w12 u2
  g Z0   1  g Z1 .
U 2 U 2 2
p1
Mit den Besonderheiten p 0 p B ; c0 0 ; u1 0 liefert dies für :
U
p1 pB w2 u2
 g Z0  Z1  1 . Diesen Ausdruck in die oben stehende Gleichung für 2
U U 2 2
eingesetzt führt zu:
u 22 pB p w2
 g Z2  Z1  B  g Z0  Z1  1
2 U U 2
u 22 w12
 U g Z2  Z0 oder nach Multiplikation mit 2 und w 12 auf einer Seite
2 2
= H
w12 u 22  2 g H .

 ! 0 muss folglich auch w 2 ! 0 sein oder eben


Bei vorhandenem Volumenstrom V 1, 2

u 22  2 g H ! 0 . Dies führt mit u 2 min R 2 Zmin zu u 2 min ! 2 g H bzw.

R 2 Zmin ! 2 g H oder
1
Zmin ! 2 g H.
R2

2. Zmax , wenn p x ! p Da .

Die Forderung nach p x ! p Da lässt sich mittels Bernoullischer Gleichung des rotierenden
Systems an den Stellen x und 2 wie folgt erfüllen:
p x w 2x u 2x p 2 w 22 u2
   g Zx   2  g Z2 . Die besonderen Gegebenheiten an den
U 2 2 U 2 2
Stellen p 2 p B , u x u1 0 , Z x | Z2 sowie V wx A V  w2 A V  und
x 2

px p B u 22
damit wx = w2 liefern zunächst  oder nach Multiplikation mit U
U U 2
U
px pB  u 22 . Setzt man jetzt die Forderung p x ! p Da ein, so führt dies zu
2
U U 2
pB  u 22 ! p Da oder umgestellt u 22  p B  p Da . Multipliziert mit folgt
2 2 U
u2  2
2 p B  p Da
. Setzt man noch u 2 max R 2 Zmax als maximal zulässige
U
Umfangsgeschwindigkeit ein, bei der die Forderung p x ! p Da gerade noch erfüllt wird,
216 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

R 22 Z2max  2
p B  p Da ,
dividiert dann durch R 22 und zieht die Wurzel,
U
Z2max
1 p  p Da , so erhält man als Ergebnis:
 2 2 B
R2 U

Zmax 
1 p  p Da
2 B
R2 U
3. T:

¦T 0 am ortsfesten Kontrollraum (also nicht mitrotierend) gebildet führt zu


T  FIu 2 R 2 0 mit FI u 2 A R 2 . Das Antriebsmoment wirkt in Z-Richtung, während die
Impulskraft FI 2 und somit auch ihre Umfangskomponente FIu 2 an der Kontrollraumoberfläche
entgegen c2-Richtung bzw. cu2-Richtung (also auf die Oberfläche) gerichtet sind. Die
Gleichung umgestellt ergibt:

T FIu 2 R 2 .

Abb. 8.1.2 Kontrollraum mit Antriebsmoment, Impulskraft und Geschwindigkeitsdreieck

FI 2  c2
m Impulskraft bei 2
FIu 2  cu 2
m Impulskraftkomponente bei 2

m U V Massenstrom im Rohr und bei 2

V A w2 Volumenstrom im Rohr und bei 2
cu 2 u 2 Aufgrund des rechtwinkligen Geschwindigkeitsdreiecks bei 2
( w2 A u2 )

Mit diesen Zusammenhängen wird FIu 2 U A w 2 u 2 . Ersetzen wir noch w2 aus


w12 u 22  2 g H (s.o.) oder w 2 w1 u 22  2 g H und fügen die Größen in die
Gleichung für T ein, so lautet mit u 2 R 2 Z das Ergebnis
T U A R 2 Z R 2 Z R 2 2  2 g H oder:

T U A Z R 22 Z R 2 2  2 g H
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 217

Aufgabe 8.2 Rotierendes gerades Rohr


¥1. 2 min hh 2 Punkte
¥2. 5 min hh 5 Punkte
¥3. 6 min hh 6 Punkte
¥4. 7 min hh 7 Punkte
¥5. 6 min hh 6 Punkte

Aus einem großen Behälter strömt Flüssigkeit durch eine im Behälterboden angebrachte
Leitung mit dem Querschnitt 2 A in ein mit der Winkelgeschwindigkeit Z rotierendes
Rohrsystem. Das Rohrsystem besteht aus einem vertikalen Abschnitt des Querschnitts 2 A
und zwei radial angeschlossenen, gegenüberliegenden Rohren mit jeweils dem Querschnitt A.
Das Volumen im Behälter ist so groß bemessen, dass die Flüssigkeitshöhe H über der
Bezugsebene als konstant betrachtet werden kann. Die stationäre Rotation wird mit einem
Antrieb am vertikalen Rohr hergestellt. Gesucht werden die Relativgeschwindigkeit w3 an der
Stelle 3, die statischen Drücke an den Stellen 1 und 2 sowie das erforderliche Antriebs-
moment T.

Abb. 8.2.1 Flüssigkeitsbehälter und angeschlossenes rotierendes Leitungssystem

 Lösung zu 8.2

Aufgabenerläuterung

Bei dem ruhenden Behälter handelt es sich um ein Absolutsystem, dagegen bei dem
rotierenden Rohr um ein Relativsystem. In beiden Fällen ist – ohne Energiezufuhr oder
-abfuhr – die Gesamtenergie entlang eines Stromfadens konstant. Die Fragen nach der
Geschwindigkeit und den Drücken lassen sich folglich mit den betreffenden Bernoullischen
Gleichungen der Relativströmung und Absolutströmung lösen. Hierbei sind die besonderen
218 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

Gegebenheiten des vorliegenden Systems zu berücksichtigen. Des Weiteren werden noch die
Kontinuitätsgleichung und das Durchflussgesetz benötigt.
Um die Rotation der Rohrleitung zu erzeugen, wird das gesuchte, von einem Antrieb erzeugte
Moment T benötigt. Ohne dieses von außen aufgebrachte Moment käme keine Drehbewegung
zustande, da in dem Fall die Flüssigkeit aufgrund der radialen Rohrgeometrie senkrecht zur
Oberfläche ausströmen würde, und infolgedessen die Impulskräfte an der Stelle 3 keine
antreibenden Drehmomente erzeugen könnten.

1. Gegeben: H ; L ; R3 ; A ; p B ; U ; Z

2. Gesucht: 1. w 3
2. p 2
3. p1
4. T
1
5. Pkte. 1 y 4 , wenn: H = 10 m; L = 4 m; R 3 1,5 m ; Z 5
s
kg
A = 10 cm 2 ; U 1000 3 ; pB 100 000 Pa
m

Anmerkungen: - Z 2 | Z3 0
- Verlustfreie Strömung.
- Kein Reibungsmoment in der Dichtung.
- Reibungskräfte der Rohrleitung mit der Umgebungsluft werden
vernachlässigt.
- Das Geschwindigkeitsdreieck an der Stelle 3 gemäß Abb. 8.2.2 entsteht
& & &
aus der Vektoraddition c3 u 3  w 3 . Bei der weiteren Verwendung
sind die Geschwindigkeitsbeträge zu benutzen.

Lösungsschritte

1. w 3 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 3:

p 0 c02 p3 w 32 u 32
  g Z0    g Z3 . Mit den hier vorliegenden besonderen
U 2 U 2 2
Gegebenheiten p 0 p3 p B ; Z0 H ; Z3 0 ; c0 0 folgt

w 32 2 g H  u 32 und nach dem Wurzelziehen sowie mit u 3 R 3 Z erhält man

w3 R 32 Z2  2 g H oder auch

ª R 2 Z2 º
w3 2 g H «1  3 ».
¬ 2 g H¼
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 219

2. p 2 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 2:

p 0 c02 p 2 w 22 u 22
  g Z0    g Z2 . Die Besonderheiten an diesen beiden Stellen
U 2 U 2 2

p0 p B ; c0 0 ; u2 0 , da R 2 0 ; Z0 H ; Z2 0 eingesetzt führt zu
2
p2 pB w
g H . 2
U U 2
Bei der Ermittlung der noch unbekannten Relativgeschwindigkeit w2 setzt man nun das
Kontinuitätsgesetz zwischen der Stelle 2 und den Stellen 3 (w3 ist bekannt!!) wie folgt an:

 2 V
V  
0 oder V 2 V  . Das Durchflussgesetz bei 2 und 3 angewendet
2 3 2 3

V 2 V 

V 
w 2 A 2 bzw. V w 3 A 3 liefert zunächst w 2 2
oder w 2 3
und
2 3
A2 A2

V
w3 3
. Mit den Querschnitten A 2 2 A und A 3 A folgt demnach
A3
2 V  
V 
V
3 3 3
w2 und w 3 . Hieraus leitet sich die Gleichheit von w 2 w 3 ab.
2 A A A

w 32 u 32 p
Somit ist w 32 2 g H  u 32 oder g H . In das Ergebnis für 2
2 2 U
eingefügt stellt man fest:
p2 pB § u2 · p p B u 32
 g H  ¨¨ g H  3 ¸¸ oder 2  . Das Ergebnis für p2 nach
U U © 2¹ U U 2
Multiplikation mit U und unter Verwendung von u 3 R 3 Z lautet dann:

p2 pB  U
R 3 Z 2
2
3. p1 :

Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 1:


p 0 c 02 p1 c12
  g Z0   g Z1 . Auch hier werden wieder zunächst die gegebenen Größen
U 2 U 2
p
an diesen Punkten benutzt p 0 p B ; c0 0 und dann nach 1 umgestellt.
U
p1 pB c2
 g Zo  Z1  1 . Des Weiteren ist Zo  Z1 = L und folglich
U U 2
p1 pB c2
g L 1 oder nach der Multiplikation mit der Dichte U
U U 2
U
p1 p B  U g L  c12 .
2
220 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

Die Absolutgeschwindigkeit c1 an der Stelle 1 ist aufgrund gleichen Querschnitts bei 2 und
auch gleichen Volumenstroms identisch mit der Relativgeschwindigkeit w2, also
c1 = w2 = w3. Somit folgt mit c12 w 22 w 32 2 g H  u 32 und u 32 R 32 Z2

U U
p1 pB  U g L 
2
w 22 pB  U g L 
2

R 32 Z2  2 g H
U
p1 pB  U g L  U g H  Z2 R 32 oder umgestellt:
2

U
p1 pB  Z2 R 32  U g H  L
2

4. T :

Das Antriebsmoment lässt sich aus der Momentenbilanz an der Oberfläche des ruhenden
Kontrollraums ermitteln. Neben dem gesuchten Antriebsmoment T sind noch zwei weitere
Momente wirksam, die aus den Impulskräften an der Außenfläche des Kontrollraums in
Umfangsrichtung, also FI u , in Verbindung mit den betreffenden Hebelarmen, hier R3,
3

entstehen.

Abb. 8.2.2 Kontrollraum mit Antriebsmoment,


Impulskräften und Geschwindigkeits-Dreieck

¦T 0 T  2 FI u R 3 oder umgeformt nach T:


3

T 2 FI u3 R 3 .

Die Impulskraft allgemein FI  c für die an der Stelle 3 vorhandenen Größen ange-
m
schrieben ergibt dort den Ausdruck
2
m
FI 3 m 3 c3 c3 . Am ruhenden, also nicht mitrotierenden Kontrollraum erkennt man
2
als ebenfalls ruhender Beobachter nur die Absolutgeschwindigkeit c3, mit welcher der hier
jeweils halbe Massenstrom ausströmt. Die Umfangskomponente von FI3 lautet somit
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 221

m2
FI u 3 c u 3 . Gemäß dem Geschwindigkeitsdreieck bei 3 in Abb. 8.2.2 ist wegen des dort
2
vorliegenden rechtwinkligen Dreiecks ( w 3 A u 3 ) c u 3 u 3 . Folglich lautet dann
m2
FI u 3 u 3 . In die Ausgangsgleichung für T eingesetzt führt dies zu
2

2
m
T 2 u3 R 3  2 u3 R 3 .
m Mit den bekannten Zusammenhängen
2

2
m  ,
U V 
V w 2 A2 , A2 2 A und w2 = w3 gelangt man zu
2 2

T U w 3 2 A u3 R 3 , wobei

ª R 2 Z2 º
w3 2 g H «1  3 » und u 3 R 3 Z zu verwenden sind:
¬ 2 g H¼

ª R 2 Z2 º
T 2 U A Z R 32 2 g H «1  3
¬ 2 g H »¼

1 kg
5. Pkte. 1 y 4 , wenn: H = 10 m; L = 4 m; R 3 1,5 m ; Z 5 ;U 1000 3 ;
s m
A = 10 cm 2 ; ; p B 100 000 Pa .

Bei dimensionsgerechter Verwendung der gegebenen Größen erhält man:

w3 2 9,81 10  1,52 52
m
w3 15,89
s
1000
p1 100 000  52 1,52  1000 9,81 10  4
2
p1 13015 Pa
1000
p2 100 000  52 1,52
2
p2 71875 Pa

10 ª 1,52 52 º
T 2 1000 5 1,52 2 9,81 10 «1 
10000 ¬ 2 9,81 10 »¼

T = 357,6 Nm
222 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

Aufgabe 8.3 Rasensprenger Übungsbeispiel


1. hh
2. hhhh
3. h
Ein Rasensprenger wird gemäß Abb. 8.3.1 aus einem Behälter mit Wasser gespeist. Das
Wasser fließt durch eine Rohrleitung zum Sprenger, der am Rohrende gelagert und
abgedichtet ist. Hier wird aufgrund der Rotation des Sprengers ein Reibungsmoment TR
wirksam. Das Wasser mit der Dichte U strömt am Austritt der zwei Arme ins Freie und ruft
dabei ein Antriebsmoment hervor. Zwischen den Stellen 1 und 2 des rotierenden Sprengers ist
der Druckunterschied 'p = p2 - p1 = pB - p1 bekannt ebenso wie die Querschnitte A1 und A2
sowie der Radius R2 des Sprengers. Weiterhin soll der Winkel ß2 zwischen
Relativgeschwindigkeit w2 und Radiusrichtung durch 2 gegeben sein. Welche Winkel-
geschwindigkeit Z weist der Sprenger auf und welcher Volumenstrom V  strömt insgesamt
ins Freie?

Abb. 8.3.1 Rasensprenger


8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 223

 Lösung zu 8.3

Aufgabenerläuterung

Aufgrund des ins Freie ausströmenden Wassers stellt sich am Rasensprenger eine
Rotationsbewegung ein, die ihre Ursache in den Impulskräften am Austritt der Sprengerarme
hat. In Verbindung mit dem Austrittsradius und den hierzu senkrechten Umfangs-
komponenten dieser Impulskräfte werden zwei Drehmomente (Drehimpulse) wirksam, die im
stationären Zustand das Reibungsmoment in der Lagerung und Dichtung zu überwinden
haben.
Die erste Frage nach der sich einstellenden Winkelgeschwindigkeit lässt sich mittels
Bernoullischer Gleichung eines rotierenden Systems unter Beachtung der vorliegenden
besonderen Gegebenheiten lösen.
Als Ansatz zur Ermittlung des ausfließenden Gesamtvolumenstroms dient die Momenten-
bilanz um die Drehachse. Hierbei wird über die Impulskraft der Massenstrom und folglich der
gesuchte Volumenstrom eingeführt. Weiterhin wird dieser noch über die Geschwindigkeits-
dreiecke an der Stelle 2 in den Berechnungsgang einfließen.
Der in Abb. 8.3.1 gewählte Kontrollraum ist ortsfest und rotiert folglich nicht mit. Die an
seiner äußeren Oberfläche erkennbaren Wassergeschwindigkeiten (von einem ebenfalls
ruhenden Beobachter aus gesehen) sind somit ausschließlich die Absolutgeschwindigkeiten c.

Gegeben: A1 2 A 2 ; A 2 ; R 2 ; U ; E2 ; 'p ; TR

Gesucht: 1. Z
2. V
3. Pkte. 1 + 2, wenn: R2 0,15 m ; A 2 1,5 cm 2 ; E2 25o ;
kg
TR 0,10 N m ; U 1000 3 ; 'p 1125 Pa
m

Anmerkungen: - Verlustfreie Strömung.


- Das Geschwindigkeitsdreieck an der Stelle 2 gemäß Abb. 8.3.1 entsteht
& & &
aus der Vektoraddition c2 u 2  w 2 . Bei der weiteren Verwendung
sind die Geschwindigkeitsbeträge zu benutzen.
- Die Relativgeschwindigkeit w2 folgt der Sprengerarmrichtung.

Lösungsschritte

1. Z:

Bernoullische Gleichung im rotierenden System an den Stellen 1 und 2:


p1 w12 u12 p 2 w 22 u 22
   g Z1    g Z2
U 2 2 U 2 2
224 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

Setzt man die hier vorliegenden Gegebenheiten p 2 p B , Z1 | Z 2 sowie u1 0 (da der


Stromfaden bei 1 durch die Drehachse gelegt ist und folglich R 1 0 ist) ein und beachtet

V V  /2
V V
noch, dass w1 sowie w 2 und demzufolge w1 = w2 ,
A1 2 A2 A2 2 A2

so vereinfacht sich die Gleichung wie folgt:


u 22 p B  p1
oder u 22 2
p B  p1 .
2 U U

Die Wurzel gezogen u 2 2


p B  p1 und u2 = R2 Z gesetzt liefert zunächst:
U

Z
1 p  p1
2 B
R2 U

Da gemäß Aufgabenstellung p 2 p1  'p d.h. p1  p 2 oder 'p p 2  p1 bzw.


'p p B  p1 folgt:

1 'p
Z 2
R2 U
 :
2. V

Die Impulskräfte FI 2 sind entgegen c2-Richtung auf die Außenfläche des ruhenden Kontroll-
raums gerichtet. Aufgrund der Anordnung wird am Kontrollraumeintritt kein Moment infolge
der dort wirksamen Impulskraft erzeugt. Das Reibmoment der Dichtung und Lagerung TR
wirkt außen am Kontrollraum entgegen Z-Richtung.

Abb. 8.3.2 Kräfte und Momente am Kontrollraum

Momentenbilanz am Kontrollraum:

¦T i 0 2 FI u 2 R 2  TR

Oben stehende Gleichung nach FI u 2 aufgelöst führt zu


1 TR
FI u 2 = .
2 R2
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 225

Die Impulskraft lautet allgemein FI = m  c . Pro Sprengerarm tritt jeweils an der Stelle 2 der
m
halbe Massenstrom aus, sodass FI 2 = c 2 wird. Die erforderliche Umfangskomponente
2
FI u 2 dieser Impulskraft erhält man mittels Umfangskomponente c u 2 von c2 zu

m 
m 1 T
FI u 2 = cu 2 . Eingesetzt in die Ausgangsgleichung cu2 = R ,
2 2 2 R2
 1

m U V gesetzt sowie die Gleichung mit multipliziert
U
 c 1 TR
führt zu V .
U R2
u2

c u 2 : Aus dem Geschwindigkeitsdreieck bei 2 gemäß Abb. 8.3.1 erhält man (Beträge der
Geschwindigkeiten):

cu 2 w 2 sin E 2  u 2

V
w2 : Die Durchflussgleichung im Arm eines Sprengers w 2 A 2 nach w2 umgeformt
2
1 V 
liefert w 2 . Somit lässt sich c u 2 in der Ausgangsgleichung wie folgt ersetzen:
2 A2
1 V 
 >w sin E  u @ = 1 TR .
V w2 eingesetzt führt zu
U R2
2 2 2
2 A2

 ª 1 V sin E  u º = 1 TR .
V Das Ausmultiplizieren der linken Gleichungsseite
«2 A 2 2 »
¬ 2 ¼ U R2

1 V2 1 TR 2 A2
 u
sin E2  V und die Multiplikation mit liefert
U R2 sin E2
2
2 A2
2
 A2 u2
2 2 V 2 TR A 2 § A2 u2 ·
V . Addiert man links und rechts ¨¨ ¸¸
sin E 2 U R 2 sin E 2 © sin E2 ¹

2 2
 A 2 u 2  §¨ A 2 u 2 ·¸
2 2 V 2 TR A 2 § A u2 ·
V ¨ sin E ¸ ¨ 2 ¸ hinzu, so entsteht
sin E 2 © 2 ¹ U R 2 sin E 2 ¨© sin E 2 ¸¹

links eine binomische Formel der Art a  b , also hier:


2

2 2 2
§ A u2 · 2 TR A 2 § A u2 · § A2 u2 ·
¨¨ V  2 ¸  ¨¨ 2 ¸ . Rechts den Ausdruck ¨¨ ¸¸ vor
© sin E2 ¸¹ U R 2 sin E 2 © sin E 2 ¸¹ © sin E 2 ¹

die Klammer gesetzt und gleiche Größen gekürzt


2 2
§ A u2 · § A2 u2 · § 2 TR A 2 sin 2 E2 ·
¨¨ V  2 ¸ ¨¨ ¸¸ ¨¨1  ¸ liefert zunächst
© sin E2 ¸¹ © sin E2 ¹ © U R 2 sin E2 A 22 u 22 ¸¹
2 2
§  A2 u2 · § A2 u2 · ª 2 TR sin E 2 º
¨¨ V  ¸ ¨¨ ¸¸ «1  ».
© sin E2 ¸¹ © sin E 2 ¹ ¬ U R 2 u 22 A 2 ¼
226 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

A2 u2
Zieht man nun noch die Wurzel, bringt auf die rechte Gleichungsseite
sin E 2

 A2 u2 A u2 2 TR sin E 2
V r 2 1
sin E 2 sin E 2 U R 2 u 22 A 2
und beachtet, dass nur das positive Vorzeichen in Frage kommt, da es keinen negativen
Volumenstrom geben kann, so erhält man als vorläufiges Ergebnis:

A2 u2 ª 2 TR sin E 2 º

V «1  1  » . Setzt man jetzt noch das Ergebnis von 1. ein
sin E 2 ¬ U R 2 u 22 A 2 ¼

1 'p 'p
Z 2 oder R2 Z u2 2 , so folgt
R2 U U

A2 'p ª 2 TR sin E 2 U º

V 2 «1  1  ».
sin E 2 U ¬ U R 2 A 2 2 'p ¼

A2 'p ª TR sin E 2 º

V 2 «1  1  »
sin E 2 U ¬ R 2 A 2 'p ¼

3. Pkte. 1 y 2, wenn:
kg
R2 0,15 m ; A 2 1,5 cm 2 ; E2 25o ; TR 0,10 N m ; U 1000 ; 'p 1125 Pa
m3

Bei dimensionsgerechter Anwendung der gegebenen Größen berechnet man folgende Werte:

Z:
1 1125 1
Z 2 Z 10
0,15 1000 s

Z 10 1 1
n = 1,59 oder n 95,5
2 S 2 S s min

 :
V

 1,5 1125 ª 0,10 sin 25 10 4 º


V 2 «1  1  »
10 sin 25
4
1000 «¬ 0,15 1,5 1125 »¼

 m3 l
V 0,001402 { 1,402
s s
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 227

Aufgabe 8.4 Pumpenlaufrad


¥1. 15 min hhh 15 Punkte
¥2. 7 min hh 7 Punkte

Das wichtigste Element in Kreiselpumpen ist das mit der Drehzahl n angetriebene Laufrad.
Dieses Laufrad einer Radialpumpe ist in Abb. 8.4.1 in seiner Grundrissdarstellung zu
erkennen. An der Stelle 1 (Laufradeintritt) weist es den Durchmesser D1 und den
Schaufelwinkel ß1 auf, an der Stelle 2 (Laufradaustritt) den Durchmesser D2 und den

Schaufelwinkel ß2. Bei dem Rotationsvorgang transportiert das Laufrad den Volumenstrom V
vom Laufradeintritt zum Laufradaustritt und überträgt dabei die spez. Schaufelarbeit Ysch f an
die Flüssigkeit.
Ein bedeutender Anteil dieser Schaufelarbeit Ysch f ist die so genannte spez. Spaltdruckarbeit

YSp.f
p  p1
2f
. Der hierin enthaltene Spaltdruckunterschied p 2f  p1 soll in dieser
U
Aufgabe zunächst allgemein und danach mit konkreten Zahlenwerten ermittelt werden.

Abb. 8.4.1 Radialpumpenlaufrad im Grundriss

 Lösung zu 8.4

Aufgabenerläuterung

Bei dem vorliegenden Radialpumpenlaufrad handelt es sich um den klassischen Fall eines

rotierenden Relativsystems. Die Fragestellung nach dem Spaltdruckunterschied p 2f  p1
lässt sich somit mittels Bernoullischer Gleichung für rotierende Systeme lösen. Um die
gegebenen Größen verwenden zu können, müssen die Geschwindigkeitsdreiecke an den
228 8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme

Stellen 1 und 2 (Geschwindigkeitsbeträge!!) in Verbindung gebracht werden mit den Größen


in der betreffenden Bernoullischen Gleichung.

Gegeben: D 2 ; D1; ß 2 ; ß1; U; n; Ysch f

Gesucht: 1. p 2f  p1
2. p 2f  p , wenn:
1 D2 0,42 m ; D1 0,23 m ; ß 2 28o ; ß1 17 o ;
kg 1 Nm
U 800 ; n 33,33 ; Ysch f = 1457
m3 s kg

Anmerkungen: - Annahme einer schaufelkongruenten Strömung durch die Laufradkanäle:


Index f
- Annahme einer verlustfreien Strömung.
- Annahme einer drallfreien Zuströmung, d.h. c u 1 0.
- Schaufelarbeit gemäß der Eulerschen Strömungsmaschinenhaupt
gleichung Ysch f u 2 c u 2f r u1 c u1
- Annahme einer vertikalen Wellenanordnung.

Lösungsschritte


1. p 2 f  p1 :
Bernoulligleichung des rotierenden Systems an den Stellen 1 und 2:
p1 w 12 u 12 p 2f w 22 f u 22
   g Z1    g Z2
U 2 2 U 2 2
Wegen der vertikalen Wellenanordnung ist Z1 Z 2 . Dies eingesetzt, mit der Dichte U
multipliziert und die Drücke auf die linke Gleichungsseite gebracht führt zu:
U

p 2 f  p1 = u 22  u12  w12  w 22 f .
2

Abb. 8.4.2 Geschwindigkeitsdreiecke an den Stellen 2 und 1 des Laufrads

u2 : u2 R2 Z Z 2 S n D2 2 R2 u2 S D2 n
u1 : u1 R1 Z Z 2 S n D1 2 R1 u1 S D1 n

w1 :
u1
Aus dem rechtwinkligen Geschwindigkeitsdreieck an der Stelle 1 folgt cos ß1 .
w1
8. Bernoullische Energiegleichung für rotierende Systeme 229

u1
Nach Umstellung auf w1 erhält man w1 .
cos ß1
w 2f :

In dem rechtwinkligen Teildreieck an der Stelle 2 lautet cos ß 2


u 2  cu 2
f
.
w 2f
Nach Umstellung auf w 2f erhält man
§ cu ·
u 2 ¨¨1  2f ¸
w 2f
u 2  c u 2f oder auch w 2 f © u2 ¸
¹ . Der Quotient c u 2f muss nun noch
cos ß 2 cos ß 2 u2
mit der Gleichung der spez. Schaufelarbeit Ysch f u 2 c u 2 ersetzt werden. Multipliziert man
f

1
diese Gleichung mit , so liefert dies den gesuchten Quotienten zu
u 22
ª Y º
u 2 «1  sch2 f »
cu 2 Ysch f ¬ u2 ¼
f
. Eingefügt in w 2 f ergibt dies w 2 f .
u2 u 22 cos ß 2

Alle vier Geschwindigkeiten in die Gleichung für p 2 f  p1 eingesetzt ergeben:


2
º
p 2f  p1 U ª 2
«S D 22 n 2  S2 D12 n 2 
S2 n 2 D12

S2 n 2 D 22 § Y
¨1  2 sch2 f 2
¨
·
¸¸ »
2 ¬ cos 2 ß1 cos 2 ß 2 © S n D2 ¹ »¼

Nach Ausklammern von S 2 n 2


U ª § · º
2


p 2 f  p1 = S 2 n 2 «D 22  D12 
D12

D 22
¨
cos 2 ß1 cos 2 ß 2 ¨©
1 
Ysch f
¸
S2 n 2 D 22 ¸¹ »
»
2 «¬ ¼
und Ordnen von Größen mit gleichartigen Durchmessern lautet das Ergebnis:

U ­° ª § · º
2
§ 1 ·½°
p 2f  p1 = S2 n 2 ®D 22 «1 
1
2
¨
¨ 1 
Yschf
¸
2 ¸
S n D2 ¹ »
2 2
»  D12 ¨¨ 2
 1¸¸¾
2 °̄ «¬ cos ß1 ©
¼ © cos ß1 ¹°¿


2. p 2 f  p1 , wenn: D 2 0,42 m ; D1 0,23 m ; ß 2 28o ; ß1 17 o ; U 800
kg
m3
;
1 Nm
n 33,33 ; Ysch f = 1457 .
s kg
Bei dimensionsgerechter Verwendung des gegebenen Zahlenmaterials entsteht am Laufrad
der Druckunterschied:

ª ª · º
2
ºº
>p 2f  p1 @ 800
S2 33,332 «0,422 «1 
1
2 o
§
¨1  2
S
1457
2
2
ª 1
¸ »  0,232 « 2 o  1» »
2 «¬ «¬ cos 28 © 33,33 0, 42 ¹ ¼» ¬ cos 17 ¼ »¼

p 2f  p1 734932 Pa = 7,35 bar


9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung
Die vorliegende Thematik beschränkt sich auf die instationäre, eindimensionale Strömung
inkompressibler Flüssigkeiten. Solche Strömungsvorgänge entstehen beim Hoch- oder Her-
unterfahren von Strömungsmaschinen in den betreffenden Anlagen, beim Öffnen oder Schlie-
ßen von Armaturen oder wenn im Fall des Ausströmens aus einem Behälter der Flüssigkeits-
spiegel zeitlich ausgeprägt abnimmt. Ebenso gehören Flüssigkeitsschwingungen und der
Druckstoß zu dieser Thematik. Wegen der Komplexität werden in den folgenden Beispielen
vornehmlich Übungsaufgaben vorgestellt und deren detaillierten Lösungen aufgezeigt. Zwei
der Aufgaben können im Rahmen einer Prüfung bearbeitet werden. Bis auf ein Beispiel wird
vereinfachend von jeweils reibungsfreiem Verhalten ausgegangen.

Als instationäre Strömungen betrachtet man solche Fälle, bei denen sich die Strömungsgrößen
nicht nur entlang des Weges s, sondern auch mit der Zeit t ändern können. Hiermit lauten die
Geschwindigkeit c und der Druck p als die betreffenden Strömungsgrößen wie folgt:

c c (s , t ) ; p p(s, t )

Aus dem ersten Newtonschen Gesetz am Fluidelement dm lässt sich die Eulersche Bewe-
gungsgleichung der eindimensionalen, instationären Strömung reibungsfreier, inkompressib-
ler Fluide wie folgt herleiten:

1 wc
dp  g dz  c dc  ds 0
U wt

Die Integration liefert die Bernoullische Gleichung der instationären, eindimensionalen Strö-
mung reibungsfreier, inkompressibler Flüssigkeiten

p c2 wc
 g * z   ³ * ds C t .
U 2 wt

An zwei Stellen 1 und 2 eines Stromfadens oder einer Stromröhre erhält man

s s
p1 c12 1
wc p 2 c 22 2
wc
  g * Z1  ³ ds   g * Z2  ³ ds
U 2 0
wt U 2 0
wt

oder

s
p1 c12 p 2 c 22 2
wc
  g Z1   g * Z 2  ³ ds .
U 2 U 2 s1
wt

Wenn auch diese Gleichung mit o.g. Einschränkungen versehen ist, so lassen sich mit ihr
doch zahlreiche Anwendungsfälle lösen.

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_9,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
232 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

Aufgabe 9.1 Turbinenfallleitung


¥1. 20 min hhhh 20 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte
¥3. 2 min h 2 Punkte

In Abb. 9.1.1 ist eine Wasserturbinenanlage schematisch dargestellt. Das Absperrorgan (z.B.
Kugelschieber) vor der Turbine sei zunächst völlig geöffnet und es liegen stationäre Strö-
mungsverhältnisse in der Anlage vor. An der Stelle 2 kennt man in diesem Fall die Geschwin-
digkeit c 20 . Die Höhe H des Wasserspiegels über Maschinenmitte ist konstant. Ab der Zeit
t = 0 setzt der Schließvorgang des Schiebers ein, der nach der Zeit t = T beendet ist. In dieser
Phase sind die Strömungsgrößen in der Rohrleitung zeitlich veränderlich und folglich instati-
onär. Gesucht wird der statische Druck p2 vor dem Schieber (Stelle 2) während des komplet-
ten Schließvorgangs.

Abb. 9.1.1 Wasserturbinenanlage

 Lösung zu 9.1

Aufgabenerläuterung

Ausgangspunkt bei der Fragestellung nach der Zeitabhängigkeit des Drucks p 2 t ist die
Bernoullische Gleichung instationärer Strömung eines im vorliegenden Fall inkompressiblen
Fluids. Vereinfachend wird angenommen, dass die Strömung in der Rohrleitung verlustfrei
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 233

abläuft. Weiterhin benötigt wird die Kontinuitätsgleichung sowie die zeitliche Änderung der
Geschwindigkeit c 2 t .

1 ª § S t ·º
Gegeben : p B ; U; g; H; L; T; c 2 0 ; c 2 t c 2 0 «1  cos¨ ¸»
2 ¬ © T ¹¼
Gesucht: 1. p 2 t
2. p 2 t 0
3. p 2 t T

Lösungsschritte

1. p 2 t :
Bernoulligleichung instationärer Strömung an der Stelle 0 und der Stelle 2:

p 2 t c 22 t wc s, t
2
p0 c2
U
 g Z0  0
2 U

2
 g Z2  ³0
wt
ds

Mit den hier vorliegenden Größen c0 0; Z2 0; Z0 H; p0 p B wird

p 2 t p 2 t p B c 2 t wc s, t
2

U
:
U
=
U
g H 2 
2 ³
0
wt
ds .

Nach der Aufspaltung des Integrals in die drei Teilintegrale

2
wc s, t
1' wc 0; 1' s, t 1 wc1' ; 1 s, t 2
wc1; 2 s, t
³0 wt ds ³
0
wt
ds + ³
1c
wt
ds + ³
1
wt
ds

=0 |0

stellt man fest, dass das erste Teilintegral zu Null wird, da die Geschwindigkeit c 0; 1' 0 ist
wc 0; 1' s, t
und somit auch . Das zweite Teilintegral nimmt ebenfalls den Wert Null an, obwohl
wt
wc1' ; 1 s, t
von Null verschieden ist, aber die beiden Stellen 1’ und 1 sehr dicht nebeneinander
wt
liegen. Folglich wird ds | 0. Das Integral reduziert sich folglich auf

wc s, t wc (s, t )
2 2

³
0
wt
ds = ³ 1; 2
1
wt
ds .

 ( t ) und des Weite-


Die lokale Geschwindigkeit c1; 2 (s, t ) hängt zeitlich vom Volumenstrom V

 (t)
V
ren vom wegabhängigen Querschnitt A (s) ab, also c1; 2 ( t , s) . Da aber hier
A(s)
A1 A2 A konstant ist, wird sich die Geschwindigkeit nur mit der Zeit ändern, also
234 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

wc1; 2 s, t dc1; 2 t
c1; 2 (s, t ) { c1; 2 ( t ) . Somit folgt auch { . Da der Differentialquotient
wt dt
dc1; 2 t
in gleicher Weise unabhängig vom Weg s ist, kann er im Integral als Konstante ange-
dt
setzt und vor das Integral gezogen werden. Der Einfachheit halber ersetzt man jetzt noch
dc1; 2 t dc 2 t
mit , da ja c1(t) = c2(t) = c1; 2 t .
dt dt
2
Es folgt mit der Wegintegration ³ ds = L
1
(s.u.)

p 2 t p B c 2 t dc t
2
=  g H  2  2 ³ ds . Durch Multiplikation mit Uwird:
U U 2 dt 1
= L
U dc 2 t
p 2 t p B  U g H  c 22 t  L U
2 dt

dc 2 t
Benötigt wird jetzt noch der Differentialquotient . Diesen erhält man durch das
dt
1 ª § S t ·º
Differenzieren der gegebenen Funktion c 2 t c 20 «1  cos¨ ¸» nach der Zeit t.
2 ¬ © T ¹¼
S t
Hierzu ist es erforderlich, die Substitution z einzuführen. Es entsteht der Ausdruck
T
1 1 dc 2 t
c 2 z c 20  c 20 cos z . Somit lässt sich der gesuchte Differentialquotient
2 2 dt
§ dc 2 z · § dz ·
auch darstellen als Produkt der Differentialquotienten ¨ ¸ und ¨ ¸ , also
© dz ¹ © dt ¹
dc 2 t § dc 2 z · § dz ·
=¨ ¸ ¨ ¸.
dt © dz ¹ © dt ¹

dc 2 z 1 1 dz S
Es ist c 2 0  sin z  c 2 0 sin z sowie . Folglich wird
dz 2 2 dt T

dc 2 t 1 S §S t·
=  c 2 0 sin ¨ ¸ . Somit entwickelt man p 2 t zu
dt 2 T © T ¹
2
U 1 ª § S t ·º - ª§ 1 · S § S t ·º
p 2 t pB  U g H  c 22 0 «1  cos¨ ¸» L U «¨  ¸ c 2 0 sin ¨ ¸»
2 4 ¬ © T ¹¼ ¬© 2 ¹ t © T ¹¼
oder noch zusammengefasst:

U ­° 1 ª § S t ·º
2
L § S t ·½°
p 2 t pB  U g H  c 2 0 ® c 20 «1  cos¨ ¸»  S sin ¨ ¸¾
2 °̄ 4 ¬ © T ¹¼ T © T ¹°¿
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 235

2. p 2 t 0 :
§S 0·
t 0 in die Gleichung für p 2 t eingesetzt liefert zunächst cos¨ ¸ 1 und
© T ¹
§S 0·
sin ¨ ¸ 0 . Mit diesen Werten lautet der Druck gerade zu Beginn des Schließvorgangs
© T ¹
U ª1 º
p 2 t 0 p B  U g H  c 2 0 « c 20 >1  1@  0» oder
2

2 ¬ 4 ¼

U
p 2 t 0 pB  U g H  c 22 0 .
2

Dieses Ergebnis erhält man auch aus der Bernoullischen Gleichung stationärer Strömung zwi-
schen den Stellen 0 und 2, wie sie zur Zeit t = 0 noch vorliegt.

3. p 2 t T :

Verwendet man t T in der Gleichung für p(t), so hat dies die nachstehenden Teilergebnisse
§S T· §S T·
cos ¨ ¸ cos S 1 und sin ¨ ¸ sin S 0 zur Folge. Diese führen zu dem sta-
© T ¹ © T ¹
tischen Druck p 2 t T , der sich nach dem vollständigen Schließen des Absperrorgans ein-
stellt.
U ª1 º
p 2 t T p B  U g H  c 2 0 « c 2 0 >1  1@  0» oder
2

2 ¬4 ¼

= 0

p 2 t T pB  U g H .

Diese Größe entspricht dem statischen Druck an der Stelle 2 bei ruhender Flüssigkeit, was zur
Zeit t = T der Fall ist.
236 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

Aufgabe 9.2 Instationär durchströmte Heberleitung


¥1. 7 min hhh 7 Punkte
¥2. 14 min hhhh 14 Punkte
¥3. 10 min hhhh 10 Punkte

In Abb. 9.2.1 ist eine so genannte Heberleitung zu erkennen, mit der aus einem sehr großen,
gegen Atmosphäre offenen Behälter Flüssigkeit abgesaugt wird. Diese strömt unterhalb der
Flüssigkeitsoberfläche aus der Rohrleitung ins Freie. Die Leitung ist zunächst mit einer Arma-
tur verschlossen und vollständig mit Flüssigkeit gefüllt. Dann wird der z.B. Schieber betätigt
bis er vollständig offen ist. Für verschiedene Zeiten (t = 0, t , t o f ) sollen Beschleunigung,
Geschwindigkeit und Druck des Fluids ermittelt werden.

Abb. 9.2.1 Heberleitung

 Lösung zu 9.2

Aufgabenerläuterung

Im Unterschied zur Bernoullischen Gleichung der stationären Strömung, wo alle betreffenden


Größen zeitlich unveränderlich sind, wird im vorliegenden Fall die zeitliche Beeinflussung
von Beschleunigung, Geschwindigkeit und Druck der Flüssigkeit unter den gegebenen Vo-
raussetzungen angesprochen. Mit Hilfe des in der Bernoullischen Gleichung instationärer
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 237

§ wc s, t ·
Strömung enthaltenen Terms
wt ¹ ³ ¨©
¸ ds lassen sich unter Verwendung der jeweiligen

Randbedingungen geeignete Lösungen finden.

Gegeben: Zo h; Zx hx; U; g; L

Gesucht: 1. a 2 t 0
2. c 2 t , c 2 t o f
3. p x t 0 , p x t o f

Anmerkungen: 1. Aufgrund des sehr großen Behältervolumens kann davon ausgegangen


werden, dass der Flüssigkeitsspiegel bei 0 sich nicht zeitlich verändert.
2. Die Strömung in der Heberleitung wird als verlustfrei und inkompressi-
bel angenommen.
dx
3. ³ = artanh x.
1 x 2
ex  e x
4. tanh x = x
e  e x

Lösungsschritte

1. a 2 t 0 :

a 2 t 0 ist diejenige Beschleunigung der Flüssigkeitssäule, die bei dem gerade einsetzen-
den Öffnungsvorgang wirksam wird. Zu diesem Zeitpunkt ist die Flüssigkeit gerade noch in
Ruhe, also sind auch alle Geschwindigkeiten Null. Zunächst suchen wir jedoch die Beschleu-
nigung a 2 t , aus der dann der Sonderfall a 2 t 0 bestimmt werden kann. Im Übrigen ist
aus weiter unten aufgeführten Gründen a 2 t = a1 t = a1; 2 t .

Bernoullische Gleichung (instationär) von 0 y 2

p 2 t c 22 t § wc s, t ·
2
p 0 c 02
  g Z0   g Z2  ³ ¨ ¸ ds
U 2 U 2 0 ©
wt ¹
Mit den hier vorliegenden Größen
p0 p2 p B ; c0 0 ; Z2 0 ; Z0 h

wc s, t
2
c 22 ( t )
erhält man: ³0 wt ds = g h 
2
.

Nach der Aufspaltung des Integrals in die drei Teilintegrale

2
wc s, t
1' wc 0; 1' s, t 1 wc1' ; 1 s, t 2
wc1; 2 s, t
³0 wt ds ³
0
wt
ds + ³
1c
wt
ds + ³
1
wt
ds

=0 |0
238 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

stellt man fest, dass das erste Teilintegral zu Null wird, da die Geschwindigkeit c 0; 1' 0 ist
wc 0; 1' s, t
und somit auch . Das zweite Teilintegral nimmt ebenfalls den Wert Null an, obwohl
wt
wc1' ; 1 s, t
von Null verschieden ist, aber die beiden Stellen 1’ und 1 sehr dicht nebeneinander
wt
liegen. Folglich wird ds | 0. Das Integral reduziert sich folglich auf
wc s, t wc1; 2 (s, t )
2 2

³0 wt ds = ³1 wt ds . Die lokale Geschwindigkeit c1; 2 (s, t ) hängt zeitlich vom


Volumenstrom V  ( t ) und des Weiteren vom wegabhängigen Querschnitt A (s) ab, also
 (t)
V
c1; 2 ( t, s) . Da aber hier A1 A2 A konstant ist, wird sich die Geschwindigkeit nur
A(s)
wc1; 2 s, t dc1; 2 t
mit der Zeit ändern, also c1; 2 (s, t ) { c1; 2 ( t ) . Somit folgt auch { . Da der
wt dt
dc1; 2 t
Differentialquotient in gleicher Weise unabhängig vom Weg s ist, kann er im Integ-
dt
ral als Konstante angesetzt und vor das Integral gezogen werden. Der Einfachheit halber er-
dc1; 2 t dc 2 t
setzt man jetzt noch mit , da ja c1(t) = c2(t) = c1; 2 t . Es folgt nach der
dt dt
2
Wegintegration ³ ds = L:
1

dc t c2 (t) dc 2 t g h c 22 ( t )
L 2 = g h  2 oder durch L dividiert = 
dt 2 dt L 2 L
dc 2 t
Die Beschleunigung a 2 t oben eingesetzt führt zu:
dt
g h c 22 t
a 2 t 
L 2 L

Zu Beginn des Öffnungsvorgangs, wenn also t = 0 ist, liegt gerade noch keine Geschwindig-
keit vor, also ist c 2 t 0 0 . Die gesuchte Anfangsbeschleunigung lautet folglich:

g h
a 2 t 0
L

2. c 2 t , c 2 t o f ,

dc 2 t g h 1 g h
Mit a2(t) =  c 22 t sowie den Term auf der rechten Seite
dt L 2 L L
ausgeklammert führt dies zu:

dc 2 t g h § 1 ·
¨¨1  c 22 t ¸¸ . Multipliziert man mit dt so ergibt dies
dt L © 2 g h ¹
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 239

g h § 1 · 1
dc 2 t ¨¨1  c 22 t ¸¸ dt . Mit der Substitution x 2 c 22 t
L © 2 g h ¹ 2 g h
g h
erhält man zunächst dc 2 t 1  x 2 * dt . d c 2 (t) muss nun noch mit dx ersetzt wer-
L
den, um eine geeignete Integration durchführen zu können. Dies ist mit dem Wurzelausdruck
1 dx 1
der Substitution x c 2 t möglich. Die Ableitung = führt
2 g h dc 2 ( t ) 2 g h
zu dc 2 ( t ) = dx 2 g h . Dieses Ergebnis und die Substitution x 2 in der Gleichung für
g h
d c 2 (t) verwendet liefert dx 2 g h 1  x 2 * dt . Eine notwendige Umfor-
L
dx g h
mung mit (1 – x2) ergibt dt . Erweitert man die rechte Seite mit
1  x2 L 2 g h
2 g h dx g h 2 g h
, so erhält man dt und durch Kürzen
2 g h 1  x2 L 2 g h 2 g h
dx 2 g h
folgt: dt . Die Integration liefert
1  x2 2 L
dx 2 g h
³1 x ³ dt .
2
2 L

dx
Die linke Seite integriert entspricht dem Grundintegral ³1 x 2
= artanh x. Somit folgt zu-

2 g h
nächst artanh x = t  C . Die Bestimmung der Integrationskonstanten C ist für
2 L
die Zeit t = 0 leicht möglich. Bei t = 0 ist c2 t 0 Ÿ x t 0ŸC 0 . Somit erhält man
an Stelle der Umkehrfunktion artanh die Funktion x = tanh y zu:

ª 2 g h º 1
x = tanh « t » . Die Substitution x c 2 t wieder eingesetzt liefert
¬« 2 L »¼ 2 g h
c 2 t ª 2 g h º
tanh « t » . Folglich lautet das Ergebnis:
2 g h ¬« 2 L ¼»

ª 2 g h º
c2 t 2 g h tanh « t»
¬« 2 L »¼
240 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

c 2 t o f :

2 g h
Verwendet man in oben stehender Gleichung wieder die Substitution x = t und
2 L
ex  e x
die Definition der tanh-Funktion tanh x = , so kann dort durch Ausklammern von
ex  e x
§ 1 · 1
e x ¨1  x ¸ 1  2x
x © e ex ¹ e
e im Zähler und Nenner tanh x = ermittelt werden.
§ 1 ·

1
e x ¨1  x ¸ 1
© e ex ¹ e2 x
2 g h
Aus der Substitution x = t folgt mit t o f auch x o f . Oben eingesetzt
2 L
1 1
hat dies zur Folge: tanh x = 1, da 2 f 0 ist. Daher wird auch
e f
§ 2 g h ·
tanh ¨ ¸
¨ 2 L t¸ 1
. Als Ergebnis erhält man:
© ¹
c 2 t o f 2 g h

Dies entspricht auch der Torricellischen Ausflussgleichung bei verlustfreier Strömung.

3. p x t 0 , p x t o f

Unter diesem Punkt wird jetzt die Frage nach dem statischen Druck an dem höchsten Punkt
der Rohrleitung gestellt. Diese Stelle ist von besonderer Bedeutung, da hier der Druck den
Kleinstwert annimmt und somit auch die Gefahr der Dampfdruckunterschreitung und das Ab-
reißen der Flüssigkeit droht.

p x t 0 :

Zunächst bestimmen wir uns allgemein p x t aus der Bernoullische Gleichung (instationär)
von x y 2 und können dann aus dem Ergebnis die Sonderfälle p x t 0 und p x t o f
ableiten.

p x t c 2x t p 2 c 22 t
2
wc x ; 2 s, t
U

2
 g Zx
U

2
 g Z2  ³
x
wt
ds

Mit den hier vorliegenden Größen Z 2 0 ; p2 pB ; Zx h x ; p2 p B und wegen


Ax A2 A const. Ÿ c 2 t c x t vereinfacht sich die angeschriebene Bernoulli-
gleichung zu:
p x t p B
2
wc x ; 2 s, t
U
=
U
 g hx  ³
x
wt
ds
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 241

Da auch jetzt wieder zwischen x und 2 der Rohrquerschnitt A konstant ist, also nicht vom
wc x ; 2 s, t
Weg s abhängt, resultiert für den partiellen Differentialquotienten :
wt
wc x ; 2 s, t dc x ; 2 t
= . Eingesetzt in obige Gleichung erhält man dann
wt dt

p x t p B dc t 2 dc x ; 2 t 2
=  g h x  x ; 2 ³ ds oder mit a x t und ³ ds hx
U U dt x
dt x

p x t p
= B  g h x  a x t h x . Mit U multipliziert lautet die Druckgleichung:
U U
p x t = p B  U g h x  a x t h x U . Bei dem zur Zeit t = 0 gerade einsetzenden Be-
wegungsvorgang mit der Anfangsbeschleunigung a x t 0 führt dies dann zum Anfangs-
druck bei x:
g h
p x t 0 p B  U g h x  a x t 0 U h x und mit a x t 0 (s.o.) folgt
L
g h
p x t 0 pB  U g h x  h x ˜ U . Durch Umformen erhält man schließlich:
L

ª hº
p x t 0 p B  U g h x «1  »
¬ L¼

p x t o f :

dc 2 t
Die o.g. Druckgleichung p x t pB  U g h x  h x U verknüpft mit dem Diffe-
dt
dc 2 t
g h § 1 ·
rentialquotienten ¨¨1  c 22 t ¸¸ (s.o) führt zu der Druckgleichung
dt L © 2 g h ¹
g h § 1 ·
p x t pB  U g h x  U h x ¨¨1  c 22 t ¸¸ .
L © 2 g h ¹

Baut man bei t o f das Ergebnis c 2 t o f 2 g h ein, dann wird

hx h § 2 g˜h ·
p x t o f pB  U g h x  U g ¨¨1  ¸.
L © 2 g h ¸¹

= 0

p x t o f pB  U g h x
242 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

Aufgabe 9.3 Flüssigkeitsschwingung Übungsbeispiel


hhhh
In Abb. 9.3.1 ist eine abgebogene, an beiden Enden gegen Atmosphäre offene Leitung zu er-
kennen, die mit einer Flüssigkeit befüllt ist. Die Steigungen der Leitungsschenkel sind ver-
schieden groß und werden durch die Winkel D und ß dargestellt. Die Länge der Flüssig-
keitssäule sei L, die Querschnitte der Leitung sind überall gleich groß. Zunächst befindet sich
das System in Ruhe und die Flüssigkeitsspiegel in der Nulllage. Nach einem ruckartigen An-
stoß wird die Flüssigkeit in der Leitung in Bewegung versetzt und verschiebt sich um den
Weg smax. Danach setzt eine entgegengesetzt gerichtete Rückbewegung ein, d.h. es entsteht
ein Schwingungsvorgang. Unter Annahme von Reibungsfreiheit dauert dieser unendlich lan-
ge. Gesucht wird die zeitliche Abhängigkeit s(t) des Weges der Flüssigkeitsspiegel.

Abb. 9.3.1 Flüssigkeitsschwingung

 Lösung zu 9.3

Aufgabenerläuterung

Nach der Auslenkung um smax aus der Nulllage setzt der Schwingungsvorgang der Flüssig-
keitssäule ein. Zur Zeit t = 0 weisen die Menisken den Abstand Z1(t = 0) = Z1(t = 0) zur Be-
zugsebene auf, zur Zeit t die Abstände Z1(t) bzw. Z2(t). Das, von der Nulllage ausgehend, in
der Zeit t verschobene Volumen im linken und rechten Schenkel V1(t) = V2(t) ist gleich groß
und folglich auch der Volumenstrom V  ( t ) an jeder Stelle der schwingenden Flüssigkeits-
säule. Im Unterschied zu vielen Fällen mit zeitlich konstanten Ortshöhen Z ändern sich diese
zu verschiedenen Zeitpunkten des vorliegenden Schwingungsvorgangs. Da sich die Flüssig-
keitssäule im ruhenden Rohrsystem periodisch hin und her bewegt, handelt es sich um einen
instationären Strömungsvorgang.
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 243

Gegeben: D; E; g; L; smax

Gesucht: s(t)

Anmerkungen: - Die Strömung sei verlustfrei.


- Für die Lösung wird die Taylor-Reihe allgemein:

yc( x 0) ycc( x 0) yccc( x 0) y 4 ( x 0)


y( x ) y( x 0)  *x  * x2  * x3  * x 4  ...
1! 2! 3! 4!

und die der sin-Funktion


1 1
sin y( x ) = x  * x 3  * x 5 r ...
3! 5!
benötigt.

Lösungsschritte

Bernoullische Gleichung instationärer Strömung zwischen den Stellen 1 und 2:

p1 c12 t p 2 c 22 t wc(s, t )
2

U

2
 g * Z1 ( t )
U

2
 g * Z2 ( t )  ³
1
wt
* ds

Mit den hier vorliegenden Besonderheiten an den Stellen 1 und 2


p1 = p2 = pB und wegen V  (t) V  (t) V  ( t ) (s.o.) ist mit
1 2

 (t)
V c1 ( t ) A1 (s)  (t)
V c 2 ( t ) A 2 (s)  (t)
V c( t ) A(s)
1 2

c1 ( t ) c2 (t ) c( t ) , da A1 (s) A 2 (s) A (s) = konstant.

wc(s, t )
2
Es wird ³ * ds  g * Z 2 ( t )  Z1 ( t ) = 0.
1
wt
wc(s, t ) wc( t ) dc( t )
Wegen c1 ( t ) c 2 ( t ) c( t ) ist = = , d.h. an Stelle des partiellen Dif-
wt wt dt
ferentialquotienten kann der Differentialquotient selbst verwendet werden und, da hier vom
Weg unabhängig, vor das Integral gesetzt werden.

2
dc( t )
³ ds  g * Z 2 ( t )  Z1 ( t ) = 0
dt 1

Z2 ( t ) = Z2 ( t 0)  'Z 2 ( t ) und Z1 ( t ) = Z1 ( t 0)  'Z1 ( t ) . Hieraus folgt

Z 2 ( t )  Z1 ( t ) = Z2 ( t 0)  'Z 2 ( t ) - Z1 ( t 0)  'Z1 ( t ) und somit

Z 2 ( t )  Z1 ( t ) = 'Z1 ( t ) + 'Z 2 ( t ) .
244 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

Gemäß Abb. 9.3.1 ist 'Z1 ( t ) = s1 ( t ) sin D und 'Z2 ( t ) = s 2 ( t ) sin E . Diese Ergebnisse
oben eingesetzt führen zu

2
dc( t )
³ ds  g * > s 2 ( t ) sin E  s1 ( t ) sin D @ = 0.
dt 1

Wegen Gleichheit der Volumina V1(t) = V2(t) und aus den geometrischen Zusammenhängen

A1 A2
V1(t) = 'z1 ( t ) = V2(t) = 'z 2 ( t ) und A1 = A2 wird
sin D sin E

'z1 ( t ) 'z 2 ( t )
= s1(t) = = s2(t). Die zurückgelegten Wege der Flüssigkeitsspiegel sind
sin D sin E

folglich gleich groß und nur von der Zeit t abhängig, also s1(t) = s2(t) = s (t).

2
dc( t )
Man erhält hiermit * ³ ds  s( t ) * g * >sin D  sin E@ 0 . Setzt man nun noch das
dt 1
2
dc( t )
Integral ³ ds = L als Säulenlänge ein, so entsteht* L  s( t ) * g * >sin D  sin E@ 0 .
1
dt
dc( t )
Dividiert durch L und die Beschleunigung a(t) = mit s( t ) ersetzt, führt zu dem Er-
dt
gebnis:
g
s( t )  s( t ) * * >sin D  sin E@ 0
L
g
Wird jetzt noch * >sin D  sin E@ = k substituiert, dann lässt sich nachstehende Differential-
L
gleichung zur Lösung der Frage nach der zeitlichen Wegabhängigkeit s(t) anschreiben:

s( t )  s( t ) * k 0 DGL. 2. Ordnung

Bei bekannten Anfangsbedingungen ist die Lösung der DGL mittels Taylor-Reihe möglich.
Diese lautet für den genannten Fall:

s ( t 0) s( t 0) s( t 0) s 4 ( t 0) 4 s 5 ( t 0) 5
s( t ) s( t 0)  *t  * t2  * t3  *t  * t  ...
1! 2! 3! 4! 5!

Anfangsbedingungen:

1. Bei t = 0 befinden sich die Flüssigkeitsspiegel in der Nulllage, d.h.

s( t 0) 0.
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 245

2. Im vorliegenden Schwingungssystem erreicht die Geschwindigkeit der Flüssigkeitsspiegel


s( t 0) beim Durchgang der Nulllage den Maximalwert c max .
s ( t 0) c( t 0) c max
s( t )  k * s( t ) s.o.
s( t 0)  k * s( t 0) 0
s( t )  k * s ( t )
s( t 0)  k * s ( t 0) =  k * c max
s 4 ( t )  k * s( t )
s 4 ( t 0)  k * s( t 0) = 0
s 5 ( t )  k * s( t )
s 5 ( t 0)  k * s( t 0) (  k ) * (  k ) * c max k 2 * c max
usw.

Alle geradzahligen Ableitungen werden neben dem Anfangsterm Null und die Reihe lautet
zunächst:

c max k * c max k 2 * c max


s( t ) *t  * t3  * t 5 r ...
1! 3! 5!
k
Durch Ausklammern von c max und Erweitern mit entsteht:
k
ª 1 1 º k
s( t ) c max « t  k * * t 3  k 2 * * t 5 r ...» *
¬ 3! 5! ¼ k
1 1
vor die Klammer gebracht und z k 2 * t substituiert
k
c max ª 1 2 1 3 1 5 º
s( t ) « k * t  * k 2 * t 3  * k 2 * t 5 r ...» hat nachstehendes Ergebnis zur Folge:
k ¬ 3! 5! ¼
c max ª 1 1 º
s( t ) z  * z 3  * z 5 r ...»
k «¬ 3! 5! ¼

Der Klammerausdruck entspricht der Taylor-Reihe der Sinusfunktion, also hier


1 1 c max
sin z = z  * z 3  * z 5 r ... . Dies führt zu s(z) sin z . Wird die Substitution
3! 5! k
wieder zurückgesetzt:
c max 1
s( t ) * sin( k 2 * t )
k

Zur Ermittlung der Maximalgeschwindigkeit c max wird die Sinusfunktion bei ihrem Höchst-
S
wert betrachtet. Dies ist bei der Fall und folgerichtig setzt man oben ein:
2
S S S
k *t Ÿ t mit sin ( k * t ) sin 1
2 2* k 2
246 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

S 1 c max S c max
s( t * ) { s max * sin ( ) . smax lautet also s max
2 k k 2 k

= 1
Die Lösung des vorliegenden Schwingungsfalls (ohne Reibungseinflüsse) wird mit dem
Gesetz

s( t ) s max * sin( k * t )

ª g º
oder s( t ) s max * sin « * >sin D  sin E@ * t »
¬ L ¼

beschrieben.

Sonderfall: Gleichschenkliges U-Rohrmit D 90q und E 90q

ª g º
s( t ) s max * sin « * >sin 90q  sin 90q@ * t »
¬ L ¼
=1 =1

§ 2*g ·
s( t ) s max * sin ¨¨ * t ¸¸
© L ¹
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 247

Aufgabe 9.4 Leitung mit Verlusten Übungsbeispiel


1. hhhh
2. h
An einem offenen Flüssigkeitsbehälter ist, wie in Abb. 9.4.1 zu erkennen, im Abstand H von
der Oberfläche eine horizontale Rohrleitung installiert. Sie weist eine Länge L und einen
Durchmesser D auf. Die Rohreintrittsgeometrie ist scharfkantig ausgeführt. Die am Ende der
Leitung angebrachte, zunächst abgesperrte Verschlussklappe wird z. Zt. t = 0 plötzlich geöff-
net, und die Flüssigkeit strömt ins Freie. Der Abstand H über Rohrmitte soll während des
Ausflussvorgangs gleich bleiben, was bei einem sehr großen Behältervolumen vereinfachend
angenommen werden kann. Ermitteln Sie die zeitliche Veränderung der Austrittsgeschwin-
digkeit unter Berücksichtigung der Strömungsverluste.

Abb. 9.4.1 Geschwindigkeitsänderung am Rohrleitungsende nach Öffnen einer Klappe

 Lösung zu 9.4

Aufgabenerläuterung

Der in dieser Aufgabe angesprochene instationäre Ausflussvorgang wird im Ansatz mittels


Bernoullischer Gleichung der verlustbehafteten, instationären Rohrströmung beschrieben. Die
zeitliche Abhängigkeit der Strömungsgeschwindigkeit in der Leitung prägt die Abhängigkeit
auch den Verlusten auf. Diese entstehen im vorliegenden Fall aufgrund von Strahleinschnü-
rung am Rohreintritt sowie Reibung im Rohr. Es wird von turbulenter Rohrströmung ausge-
gangen. Bei einer wie hier sehr rau angenommenen Innenkontur der Leitung hängt die Rohr-
reibungszahl nicht mehr von der Reynoldszahl ab, die ja ihrerseits über die Geschwindigkeit
auch zeitlich veränderlich ist. Die Strahleinschnürung beim Übergang vom Behälter in die
Leitung verursacht Verluste, die als Eintrittsverluste bezeichnet werden. Die Kantengeometrie
beeinflusst in starkem Maß diese Verluste. Sie erreichen, wie im vorliegenden Fall, einen
Höchstwert bei scharfkantiger Ausführung. Die kennzeichnende Verlustziffer ] Ein ist, wie die
o.g. Rohrreibungszahl O , ebenfalls von der Reynoldszahl unabhängig und wird nur beein-
flusst von der genannten Geometrie.
Aufgrund des konstanten Rohrquerschnitts wird die Strömungsgeschwindigkeit zwar an jeder
Stelle der Leitung gleich sein, aber zu verschiedenen Zeiten andere Werte aufweisen.
248 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

Gegeben: H; L; g; ] Ein , O z f Re

Gesucht: 1. c2 t
m
2. c2 t mit: H = 12 m; L = 600 m; D = 0,60 m; , g = 9,81 ;
s2
O 0,03; ] Ein 0,50

Anmerkungen: - Z0 = konstant
- Turbulente Rohrströmung.
- O = konstant; ] Ein = konstant

Lösungsschritte

1. c2 t :

Als Ansatz dient die Bernoullischer Gleichung der verlustbehafteten, instationären Rohrströ-
mung entlang des Stromfadens von der Stelle 0 zur Stelle 2 wie folgt:
p 2 c 22 t wc s, t
2
p0 c02
  g Z0   g Z2  YV0 y 2 ( t )  ³ ds
U 2 U 2 0
wt
Mit den Gegebenheiten im vorliegenden Fall
c 22 t
p0 p2 p B ; co 0 ; Z0  Z1; 2 H und nach umgeformt erhält man
2
c 22 t wc s, t
2

2
g H  YV0 y 2 ( t )  ³
0
wt
ds .

c 22 t
Als Verluste sind die Eintrittsverluste YVEin ( t ) ] Ein und die Rohrreibungsverluste
2
L c 22 t
YVR ( t ) O zu berücksichtigen. Die Summe YV0 y 2 ( t ) YVEin ( t )  YVR ( t ) kann
D 2
L
auch unter Verwendung der Gesamtverlustziffer ] Rohr ] Ein  O wie folgt formuliert
D
c 22 t
werden: YV0 y 2 ( t ) ] Rohr . YV0 y 2 ( t ) auf die linke Gleichungsseite gebracht und mit
2
c 2 t c 2 t c 2 t wc s, t c 2 t
2
] Rohr 2 ersetzt führt zu 2 + ] Rohr 2 = g H ³ ds . Wenn 2
2 2 2 0
wt 2
ausgeklammert wird, so erhält man:

c 22 t wc s, t
2
1  ] Rohr g H ³ ds
2 0
wt

Nach der Aufspaltung des Integrals in die drei Teilintegrale

wc s, t wc s, t wc s, t wc s, t
2 1' 1 2

³0 wt ds = ³0 wt ds  ³' wt ds  ³
1
wt
ds
1
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 249

2
wc s, t
1' wc 0; 1' s, t 1 wc1' ; 1 s, t 2
wc1; 2 s, t
³0 wt ds ³
0
wt
ds + ³
1c
wt
ds + ³
1
wt
ds

=0 |0
stellt man fest, dass das erste Teilintegral zu Null wird, da die Geschwindigkeit c 0; 1' 0 ist
wc 0; 1' s, t
und somit auch . Das zweite Teilintegral nimmt ebenfalls den Wert Null an, obwohl
wt
wc1' ; 1 s, t
von Null verschieden ist, aber die beiden Stellen 1’ und 1 sehr dicht nebeneinander
wt
liegen. Folglich wird ds | 0. Das Integral reduziert sich folglich auf
wc s, t wc1; 2 (s, t )
2 2

³0 wt ds = ³1 wt ds . Die lokale Geschwindigkeit c1; 2 (s, t ) hängt zeitlich vom


Volumenstrom V  ( t ) und des Weiteren vom wegabhängigen Querschnitt A (s) ab, also
 (t)
V
c1; 2 ( t, s) . Da aber hier A1 A2 A konstant ist, wird sich die Geschwindigkeit nur
A(s)
wc1; 2 s, t dc1; 2 t
mit der Zeit ändern, also c1; 2 (s, t ) { c1; 2 ( t ) . Somit folgt auch { . Da der
wt dt
dc1; 2 t
Differentialquotient in gleicher Weise unabhängig vom Weg s ist, kann er im Integral
dt
als Konstante angesetzt und vor das Integral gezogen werden. Der Einfachheit halber ersetzt
dc1; 2 t dc 2 t
man jetzt noch mit , da ja c1(t) = c2(t) = c1; 2 t . Es folgt nach der Wegin-
dt dt
2
tegration ³ ds = L
1

c 22 t dc t dc 2 t
1  ] Rohr g H  2 L oder nach L umgeformt
2 dt dt
dc 2 t c 2 t
L g H  1  ] Rohr 2 und durch L dividiert
dt 2
dc 2 t g H 1  ] Rohr c 2 t 2
g H
 sowie auf der rechten Gleichungsseite
dt L L 2 L

ausgeklammert führt zum Differentialquotienten

dc 2 t g H § 1  ] Rohr c2 ( t ) ·¸ .
¨¨1  ¸
2 g H
2
dt L © ¹

Zur Lösung dieser Gleichung werden nun 2 Substitutionen wie folgt eingeführt:

1. Substitution: k
1  ] Rohr . Folglich entsteht
2 g H
dc 2 t
dt
g H
L
>
1  k c 22 ( t ) . @
250 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

2. Substitution: k c 22 ( t ) z 2 ( t ) . Der Einfachheit halber wird statt z(t) und c2(t) nur noch z

und c2 verwendet, somit z 2 k c 22 .

g H
1  z 2
dc 2 dt

dt L 1  z 2

dc 2 g H
dt .
(1  z )
2
L

Das Differential dc 2 muss nun noch durch dz ersetzt werden. Dies gelingt wie folgt. Aus
1 dc 2 1
z k c 2 oder c 2 z wird c2 nach z differenziert. Man erhält
k dz k
1
bzw. dc 2 dz . In oben stehende Gleichung eingesetzt lautet diese zunächst
k
dz g H
dt . Mit k multipliziert und in Integralform geschrieben

k 1  z2 L
dz g H
³ (1  z 2
)
k
L
³ dt . Die Integration hat das vorläufige Ergebnis wie folgt:

g H
artanh z = k t  C . Die Integrationskonstante C wird bei t = 0 ermittelt zu
L
t 0Ÿ z 0 Ÿ ar tanh 0 0 Ÿ C 0 .

Die Funktion z lautet dann:

ª g H º
z tanh « k t»
¬ L ¼

Beide Substitutionen wieder zurückgeführt und nach c 2 t aufgelöst


z = k c 2 t und k
1  ] Rohr
2 g H
1 ª g H º
c 2 t tanh « k t»
k ¬ L ¼
1 ª 1  ] Rohr g H º
c 2 t tanh « t»
1  ] Rohr ¬ 2 g H L ¼
2 g H
2 g H
liefern nach einer Erweiterung des tanh mit
2 g H

2 g H ª 1  ] Rohr 2 g H g H º
c 2 t tanh « t»
1  ] Rohr ¬« 2 g H 2 g H L »¼
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 251

2 g H ª 1  ] Rohr 2 g H g H º
c 2 t tanh « t»
1  ] Rohr ¬« 2 g H L ¼»
das Ergebnis:
2 g H ª 2 g H º
c 2 t tanh « 1  ] Rohr t»
1  ] Rohr ¬« 2 L »¼

Stationäre Bedingungen stellen sich theoretisch erst für t o f ein. Betrachtet man zunächst
den allgemeinen Fall, so kann man mit der Definition des tanh x und x o f
=0

1 ª 1 º
ex  1
e x e x «¬ e 2 x »¼
tanh x = 1 festgestellt werden. Dies gilt auch im vorliegenden
1
ex  x ex ª 1 º
e «¬1  e 2 x »¼

=0 = 1

ª 2 g H º
Beispiel mit t o f . Eingesetzt in tanh « 1  ] Rohr t » erhält man jetzt
¬« 2 L ¼»
ebenfalls den Wert tanh = 1 und als Resultat der Geschwindigkeit bei t o f :

2 g H
c 2 ( t o f) { c 2 0 1
1  ] Rohr
2 g H
Somit lässt sich auch mit der Umformung 1  ] Rohr
c20
ª 2 g H 2 g H º
c 2 t c 20 tanh « t » anschreiben oder umgestellt und verein-
¬« c 20 2 L ¼»
facht:
c 2 t ª 2 g H º
tanh « t»
c20 ¬« c 2 0 2 L ¼»

c 2 t ªH g º 2 g H
tanh « t» mit c 20 .
c20 ¬« L c 20 »¼ 1  ] Rohr
252 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

m
2. c2 t mit: H = 12 m; L = 600 m; D = 0,60 m; , g = 9,81 ; O 0,03; ] Ein 0,50
s2
c 2 t
Um = f(t) zu ermitteln, wird u.a. die Geschwindigkeit c 20 erforderlich. Sie lässt sich bei
c20
verlustbehafteter Strömung wie folgt bestimmen:

2 g H 2 9,81 12 m m
c20 = = 2,734 .
1  ] Rohr § 600 · s s
¨1  (0,50  0,03 )¸
© 0,60 ¹
c 2 t ªH g º ª 12 9,81 º
Folglich lautet tanh « t » = tanh « 600 2,734 t » = tanh >0,0718 t @ .
c20 ¬« L c 20 »¼ ¬ ¼

Der Verlauf ist in Abb. 9.4.2 zu erkennen. Im Fall der verlustbehafteten Rohrströmung ist
nach einer Zeit von t = 60 s die Endgeschwindigkeit c 20 zu 99,9 % erreicht. Dagegen wird
sich unter der Annahme der verlustfreien Strömung dieser Wert erst nach 360 s einstellen.

Leitung mit Verlusten

1,00

0,90 Mit Verlusten


H = 12
c20 = 2.734 m/s
0,80 L = 600 m

D = 0.60
0,70 Ohne Verluste

c20 = 15.344 m/s O= 0.03


0,60
c2(t)/c20 [ / ]

] Ein. = 0.50
0,50

0,40

0,30

0,20

0,10

0,00
0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200 220 240 260 280 300 320 340 360
t [s ]

c 2 t
Abb. 9.4.2 Zeitlicher Verlauf von ohne und mit Rohrleitungsverlusten
c20
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 253

Aufgabe 9.5 Abgestufte Rohrleitung Übungsbeispiel


1. hhhh
2. h
3. h
Über einen Rohrleitungsstrang mit verschiedenen Durchmesser- und Längenabmessungen
wird gemäß Abb. 9.5.1 aus einem gegen Atmosphäre offenen, sehr großen Reservoir Wasser
ins Freie abgelassen. Ein Absperrorgan (z.B. Schieber) in der Leitung ist zunächst geschlos-
sen. Ab dem Zeitpunkt t = 0 beginnt dann der Öffnungsvorgang des Schiebers, und es stellt
sich ein instationärer Strömungsprozess in dem Rohrsystem ein. Es soll zunächst die zeitliche
Veränderung der Geschwindigkeit c 2 ( t ) an der Stelle 2 hergeleitet werden. An der Stelle 1
und der Stelle 2 werden dann die Anfangsbeschleunigungen a1 (t = 0) bzw. a2 (t = 0) gesucht
sowie bei 2 der Anfangsdruck p2 (t = 0).

Abb. 9.5.1 Rohrleitungsstrang mit verschiedenen Durchmessern

 Lösung zu 9.5

Aufgabenerläuterung

Vorliegendes Beispiel behandelt die zeitlichen Veränderungen von Strömungsgrößen in der


Rohrleitung beim Öffnen eines Absperrorgans. Diese werden überlagert durch zusätzliche
Einflüsse aufgrund verschiedener Leitungsabmessungen. Um die zeitlichen Abhängigkeiten
der gefragten Größen festzustellen, muss als Ansatz die Bernoullische Gleichung der instatio-
254 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

nären Strömung verwendet werden. Es erscheint sinnvoll und hilfreich, diese Anwendung
Schritt für Schritt zwischen den Punkten entlang des Stromfadens vorzunehmen, um neben
den anderen Größen die verschiedenen Beschleunigungsterme systematisch aufzulisten und
mit den jeweiligen Gegebenheiten zu betrachten und zu vereinfachen. Des Weiteren kommt
die Kontinuitätsgleichung zum Einsatz, die den Einflüssen aus den Durchmesserunterschieden
Rechnung trägt. Es ist zunächst zwingend erforderlich, die Geschwindigkeit c 2 t zu ermit-
teln und danach erst die weiteren gefragten Größen.

Gegeben: U; g; L1 ; L 2 ; Z0 ; Z1' | Z1 ; Z 2 ' | Z 2 ; D1 ; D 2

Gesucht: 1. c 2 t
2. a1 t 0 ; a 2 t 0
3. p 2 t 0

Anmerkungen: §D ·
2

1. Man benutze die Substitution L1 ¨¨ 2 ¸¸  L 2 L.


© D1 ¹
2. Die Strömung wird verlustfrei angenommen.
3. Z0 = konstant

Lösungsschritte

1. c 2 t

Bernoullische Gleichung von der Stelle 0 y 1’:

p 0 c 02 p1' c12'
1'
wc 0;1' s, t
U

2
 g Zo
U

2
 g Z1'  ³
0
wt
ds . Mit den hier bei 0 vorliegenden

Größen p 0 p B und c0 0 sowie auch an der Stelle 1’ c1' 0 und daraus resultierend
wc 0;1' p
0 lässt sich 1' darstellen zu:
wt U
p1' p
1'
wc s, t
= B  g Z0  Z1'  ³ 0;1' ds oder
U U 0
wt
p1'
U
p

= B  g Z0  Z1'
U

Bernoullische Gleichung von der Stelle 1’ y 1:

p1' c12' p1 ( t ) c12 t


1 wc1' ;1 s, t
U

2
 g Z1c
U

2
 g Z1  ³
1c
wt
ds . Wegen der hier zu berücksich-

tigenden Gegebenheiten Z1' | Z1 und c1' 0 folgt

p1' p1 ( t ) c12 t
1 wc1' ;1 s, t
U U

2
 ³
1c
wt
ds .

|0
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 255

wc1' ;1 s, t
Das Integral nimmt den Wert Null an, obwohl von Null verschieden ist, aber die
wt
p1'
beiden Stellen 1’ und 1 sehr dicht nebeneinander liegen. Folglich wird ds | 0. lautet
U
demnach jetzt

p1' p1 ( t ) c12 t
 .
U U 2

Bernoullische Gleichung von der Stelle 1 y 2’:

p1 ( t ) c12 ( t ) p 2' ( t ) c 22 ' t


2'
wc1; 2' s, t
U

2
 g Z1
U

2
 g Z2'  ³
1
wt
ds

Die lokale Geschwindigkeit c1; 2 ' (s, t ) hängt zeitlich vom Volumenstrom V  ( t ) und des Weite-
 (t)
V
ren vom wegabhängigen Querschnitt A (s) ab, also c1; 2 ' ( t , s) . Da aber hier
A1; 2 ' (s)
A1 A '2 konstant ist, wird sich die Geschwindigkeit nur mit der Zeit ändern, also
wc1; 2 ' s, t dc1; 2 ' t
c1; 2 ' (s, t ) { c1; 2 ' ( t ) . Somit folgt auch { . Da der Differentialquotient
wt dt
dc1; 2 ' t
in gleicher Weise unabhängig vom Weg s ist, kann er im Integral als Konstante an-
dt
gesetzt und vor das Integral gezogen werden. Der Einfachheit halber ersetzt man jetzt noch
dc1; 2 ' t dc t p (t)
mit 1 , da ja c1(t) = c2’(t) = c1; 2' t . Der spez. Druck 1 an der Stelle 1
dt dt U
kann wie folgt angeschrieben werden:

dc t
2' 2'
p1 ( t ) p 2' ( t )
 g ( Z1  Z2 ' )  1 ³ ds oder mit ³ ds = L1
U U dt 1 1

p1 ( t ) p2' (t ) dc t
 g ( Z1  Z2' )  1 L1
U U dt

Bernoullische Gleichung von der Stelle 2’ y 2:

p 2' t c 22' t p 2 t c 22 t
2
wc s, t
 +g Z 2'   g Z 2  ³ 2 '; 2 ds . Wegen der hier zu be-
U 2 U 2 2'
wt
rücksichtigenden Gegebenheiten Z2 ' | Z2 sowie der Feststellung, dass das Integral auch hier
wc ' s, t
den Wert Null annimmt, obwohl 2 ; 2 von Null verschieden ist, aber die beiden Stellen
wt
p t
2’ und 2 sehr dicht nebeneinander liegen (ds | 0), lässt sich die Gleichung nach 2'
U
auflösen zu:
256 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

p 2 ' t p 2 t c 22 t c 22 ' t
 
U U 2 2

Bernoullische Gleichung von der Stelle 2 y 3:

p 2 t c 22 t p 3 c 32 t
3
wc 2;3 s, t
U

2
+ g Z2
U

2
 g Z3  ³2
wt
ds

Es ist hier Z3 0 und p 3 p B . Da, wie auch schon oben (zwischen 1 und 2’) erläutert, die
Geschwindigkeiten c 2 ( t ) = c3 ( t ) wegunabhängig und gleich groß sind kann folglich der par-
wc s, t dc t dc 2 t
tielle Differentialquotient 2;3 durch 2;3 = ersetzt werden und, da ebenfalls
wt dt dt
wegunabhängig, als Konstante vor dem Integral stehen. Der spez. Druck bei 2 lautet:

p 2 t dc 2 t
3 3
p
= B  g Z2 + ³ ds . Mit dem Wegintegral ³ ds = L2 erhalten wir
U U dt 2 2

p 2 t p dc 2 t
= B  g Z2 + L2 .
U U dt

Alle Ergebnisse zusammengefügt führt zu:

c 22 t dc t dc t
= g Z0  L1 1  L 2 2
2 dt dt

dc1 t dc 2 t
Mit den Beschleunigungen a1 t und a 2 t :
dt dt
c 22 t
g Z0  a 1 t L1  a 2 t L 2
2
Da der Volumenstrom V  sich nur in Abhängigkeit von der Zeit t ändert, gilt dies auch für das
 t .
Differential dV
Mit V  t c t A  t
c 2 t A 2 folgt dV dc1 t A1 dc 2 t A 2 oder nach dc1 ( t )
1 1

umgeformt:
A § D2 ·
dc1 t dc 2 t 2 dc 2 t ¨¨ 22 ¸¸ . In Gleichung 1.6 eingesetzt folgt:
A1 © D1 ¹

c 22 t dc t § D 2 · dc t
= g Z0  L1 2 ¨¨ 22 ¸¸ - L 2 2
2 dt © D1 ¹ dt

a 2 t a 2 t

c 22 t ª D2 º
= g Z 0  a 2 t «L1 22  L 2 »
2 ¬ D1 ¼
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 257

2
§D ·
Substituiert man L1 ¨¨ 2 ¸¸  L 2 L , so erhält man
© D1 ¹
c 2 t
2
= g Z0  a 2 t L.
2
Vorzeichenumkehr und a 2 t L auf einer Gleichungsseite führt zu

dc 2 t c 22 t
L g Z0 
dt 2

= a 2 t

dc 2 t
dt
=
1
2 L

2 g Z0  c 22 t

dc 2 t 2 g Z0 § 1 ·
= ¨¨1  c 22 t ¸¸ .
dt 2 L © 2 g Z0 ¹

1
Mit der Substitution x 2 c 22 t
2 g Z0
folgt zunächst:

g Z0
dc 2 t
L

1  x 2 dt
Um eine Integration vornehmen zu können, muss dc 2 t noch durch dx ersetzt werden. Dies
kann mit dem Wurzelausdruck der Substitution wie folgt geschehen:
1
x c 2 t und differenziert
2 g Z0

dx 1
. Somit wird dann dc2 t 2 g Z0 dx .
dc 2 t 2 g Z0

Oben eingesetzt und umgeformt


g Z0
2 g Z0 dx
1  x 2 dt
1
L (1  x 2 ) 2 g Z0
führt zu:

dx g Z0 1
dt . Die linke Seite integriert entspricht einem Grund-
1  x 2
L 2 g Z0
dx
integral
1  x = artanh x
2
und man erhält nach der Integration das Ergebnis

g Z0 1
artanh x = t  C.
L 2 g Z0
258 9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung

Zur Zeit t = 0 ist auch c 2 t 0 0 und folglich x = 0. Dies bestimmt mit artanh 0 = 0 die
Integrationskonstante C = 0. Die Umkehrfunktion artanh x zurückgeführt und die Substituti-
on für x wieder eingesetzt ergibt

1 ª g Z0 1 º
x c 2 t tanh « t» oder
2 g Z0 «¬ L 2 g Z0 »¼
ª g Z0 1 º
c2 t 2 g Z0 tanh « t» .
¬« L 2 g Z0 ¼»
2 g Z0
Erweitert man den Klammerausdruck mit , so wird
2 g Z0

ª g Z0 2 g Z0 1 º
c2 t 2 g Z0 tanh « t»
¬« L 2 g Z0 2 g Z0 ¼»

und letztlich
ª 2 g Z0 º
c2 t 2 g Z0 tanh « t» .
¬« 2 L »¼

2. a 2 ( t 0); a1 t 0 :

a 2 t 0 :
c 22 t
Zur Zeit t = 0 wird c 2 t 0 0 und somit folgt aus a 2 t L g Z0  (s.o.):
2
a 2 t 0 L g Z0
Z0
a 2 t 0 g .
L
a1 t 0 :

Aus
2
A §D ·
dc1 t dc 2 t 2 dc 2 t ¨¨ 2 ¸¸ dividiert durch dt wird zunächst
A1 © D1 ¹
dc1 t dc 2 t § D 2 · dc 2 t
2

¨¨ ¸¸ . Mit a 2 t erhält man dann


dt dt © D1 ¹ dt
2
§D ·
a1 t a 2 t ¨¨ 2 ¸¸ . Zur Zeit t = 0 gelangt man zu
© D1 ¹
2
§D ·
a1 t 0 = a 2 t 0 ¨¨ 2 ¸¸ oder
© D1 ¹
2
Z0 §D ·
a 1 t 0 g ¨¨ 2 ¸¸ .
L © D1 ¹
9. Bernoullische Energiegleichung bei instationärer Strömung 259

3. p 2 t 0 :

p 2 t pB dc t
Mit der Gleichung  g Z2 + L 2 2 folgt zur Zeit t = 0
U U dt
p 2 t 0 pB dc t 0
 g Z2 + L 2 2
U U dt
Z0
a 2 t 0 g (s.o.)
L
Z0
p 2 t 0 = p B  U g Z2 + U g L2 .
L

ªL Z º
Das Ergebnis lautet dann: p 2 t 0 = p B + U g Z0 « 2  2 »
¬L Z0 ¼
10. Impulssatz

Im Fall von Aufgabestellungen, bei denen Kräfte auf einen Strömungsraum (Kontrollraum)
einwirken, kommt der Impulssatz der Strömungsmechanik zum Einsatz. Dessen Anwendung
macht es erforderlich, einen sinnvollen, ortsfesten Kontrollraum zu verwenden, an dessen
Grenzen die Strömungsgrößen bekannt sind bzw. ermittelt werden sollen. Die Verhältnisse
innerhalb des eingeschlossenen Volumens bleiben dabei völlig unberücksichtigt. Des Weite-
ren muss bei der Bearbeitung der Aufgaben neben dem Impulssatz häufig noch vom Kontinui-
tätsgesetz und bisweilen auch von der Bernoullischen Gleichung Gebrauch gemacht werden.
Da die Wahl eines geeigneten Kontrollraums auf die jeweilige Aufgabe abgestimmt werden
muss, wird er vereinfachend in den anschließenden Beispielen bereits vorgegeben.

Im Fall stationärer Strömung lässt sich der Impulssatz an einem ortsfesten Kontrollraum wie
folgt angeben:
& &
¦ F ¦ (m c)
o o
¦F { Summe aller äußeren Kräfte F an der Oberfläche des Kontrollraums

& & o
¦ (m c) Summe aller Impulsströme I  * c an den durchflossenen Bereichen
m

der Kontrollraumoberfläche
&
Da der Impulsstrom I die Dimension einer Kraft aufweist, wird er auch häufig durch den Be-
o
griff Impulskraft FI ersetzt. Bei Verwendung dieser Impulskräfte als ebenfalls äußere
Kräfte an der Kontrollraumoberfläche lautet der Ansatz dann entsprechend dem statischen
Kräftegleichgewicht
n &

¦ Fi 0 .
i 1

Dies ist eine häufig benutzte Vorgehensweise, mit Hilfe des Impulssatzes Lösungen zu viel-
fältigen Fragen der Strömungsmechanik zu erarbeiten. Als äußere Kräfte kommen je nach Fall
zur Anwendung:

1. Druckkräfte senkrecht auf die jeweilige belastete Fläche wirkend.


2. Wandkräfte (als Reaktion der Begrenzungswand) senkrecht auf den Kontrollraum
wirkend, sofern von Reibungskräften an der Oberfläche abgesehen werden kann.
3. Impulskräfte senkrecht auf die durchströmten Querschnitte des Kontrollraums wir-
kend.
4. Gewichtskräfte, Fliehkräfte
5. Schnittkräfte in vom Kontrollraum durchtrennten Bauteilen.

Die bisher ausschließlich benutzte vektorielle Darstellung der Impulsgleichung wird in ihrer
praktischen Anwendung zugänglich, indem die Komponentendarstellung des z.B. kartesi-
schen Koordinatensystems benutzt wird, also

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_10,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
262 10. Impulssatz

n &
x-Richtung ¦F
i 1
ix 0

n &
y-Richtung ¦F
i 1
iy 0

n &
z-Richtung ¦F
i 1
iz 0.

Bei dieser Vorgehensweise werden, nachdem ein geeigneter Kontrollraum festgelegt wurde,
die o.g. Kräfte in den angegebenen bzw. bekannten Wirkungsrichtungen an den Kraftan-
griffspunkten angetragen. Die Wahl der Richtung von Schnittkräften durchtrennter Bauteile
ist beliebig. Sie ergibt sich zwangsläufig aus den anderen Kräften. Ist ein Körper im Kontroll-
raum eingeschlossen, so muss dessen Reaktionskraft auf das Fluidvolumen ebenfalls berück-
sichtigt werden.
10. Impulssatz 263

Aufgabe 10.1 Wandkraft im Krümmer


¥1. 7 min h 7 Punkte

Der in Abb. 10.1.1 dargestellte horizontale Rohrkrümmer wird von einem Fluid der Dichte U
durchströmt. Der Rohrquerschnitt A ist überall konstant und folglich auch bei angenommener
stationärer Strömung die Geschwindigkeit c. Die aufgrund der Umlenkung des Fluids im
Krümmer entstehenden Verluste verkleinern den statischen Drucks p2 am Austritt gegenüber
dem statischen Drucks p1 am Eintritt. Gesucht wird die Wandkraft FW bei den gegebenen
Größen.

Abb. 10.1.1 Grundriss des Krümmers

 Lösung zu 10.1
Aufgabenerläuterung

Das Durchströmen eines Rohrkrümmers bewirkt an der Innenfläche eine Wandkraft FW, die
sowohl auf die Wand selbst als auch in umgekehrter Richtung auf den Kontrollraum gerichtet
ist. Da alle erforderlichen Größen am Ein- und Austrittsquerschnitt als bekannt vorausgesetzt
werden, lässt sich die Wandkraft allein mit dem Impulssatz bestimmen.

Gegeben: p1 ; p2 ; c ; A ; U

Gesucht : FW

Anmerkungen: - Die Gewichtskraft des Fluids wirkt sich in der Grundrissebene nicht aus.
- Reibungskraft zwischen Fluid und Krümmerwand wird vernachlässigt.
- Kontrollraum innen im Krümmer in der Weise anordnen, dass Ein- und
Austrittsquerschnitte A senkrecht zur Geschwindigkeit c verlaufen und
die Mantelfläche an der Krümmerinnenwand anliegt.
264 10. Impulssatz

Lösungsschritte:

Abb. 10.1.2 Kräfte am Kontrollraum

Die Wandkraft FW besitzt bei dem zugrunde gelegten Koordinatensystem die Komponenten
Fw x und Fw y . Sind diese beiden bekannt, führt dies zu FW .

Fw x :

Die Kräftebilanz in x-Richtung liefert ¦F ix 0 Fw x  Fp 2  FI 2 . Umgeformt nach


Fw x erhält man: FWx Fp 2  FI 2 .

Fp 2 p2 A Druckkraft auf A am Krümmeraustritt


FI 2  c2
m Impulskraft auf A am Krümmeraustritt
c1 c2 c Gleichheit der Geschwindigkeiten
m U V Massenstrom am Krümmereintritt und -austritt

V c A Volumenstrom am Krümmereintritt und -austritt

Mit diesen Zusammenhängen erhält man die Komponente Fw x zu:

FWx p2 A  U A c2

Fw y :

Die Kräftebilanz in y-Richtung liefert ¦F iy 0 Fw y  Fp1  FI1 .


Umgeformt nach Fw y erhält man: FWy Fp1  FI1 .

Fp1 p1 A Druckkraft auf A am Krümmereintritt


FI1  c1
m Impulskraft auf A am Krümmereintritt
c1 c2 c Gleichheit der Geschwindigkeiten
m U V Massenstrom am Krümmereintritt und -austritt

V c A Volumenstrom am Krümmereintritt und -austritt
10. Impulssatz 265

Mit diesen Zusammenhängen erhält man die Komponente Fw y zu:

FWy p1 A  U A c 2

Nach dem Satz von Pythagoras lässt sich im rechtwinkligen Dreieck FW wie folgt angeben:

FW FW2 x  FW2 y . Unter Verwendung o.g. Ergebnisse lautet dann die gesuchte Wandkraft:

FW A p1  U c 2  p 2  U c 2
2 2
266 10. Impulssatz

Aufgabe 10.2 Frei ausblasender Krümmer


¥1. 8 min h 8 Punkte

Der in Abb. 10.2.1 dargestellte horizontale Rohrkrümmer entlässt Wasser am Austritt in at-
mosphärische Umgebung. Der Krümmerquerschnitt A ist konstant und folglich auch bei an-
genommener stationärer Strömung die Geschwindigkeit c. Bei weiterhin bekannten Drücken
p1 und pB soll eine Gleichung zur Bestimmung der Einspannkraft FS an der Stelle 1 hergeleitet
werden.

Abb. 10.2.1 Grundriss des frei ausblasenden Krümmers

 Lösung zu 10.2.

Aufgabenerläuterung

Im Unterschied zu Aufgabe 10.1, wo nach der Wandkraft FW eines zwei Rohrleitungen ver-
bindenden Krümmers gefragt wird, soll hier die Kraft an der Verbindungsstelle (Flansch) ei-
nes Krümmers mit einem Rohr zur Lösung gebracht werden. Es wirkt auch im vorliegenden
Fall an der Krümmerinnenfläche eine Wandkraft, die aber jetzt nicht gefragt ist. Zur Herlei-
tung wird wieder der Impulssatz zur Anwendung kommen, der alle äußeren Kräfte am Kon-
trollraum bilanziert. Hierzu gehört auch die Schnittkraft in der Verbindungsstelle.

Gegeben: p1 ; pB ; c ; A ; U

Gesucht : FS

Anmerkungen: - Kontrollraum außen um den Krümmer in der Weise anordnen, dass


Ein-und Austrittsquerschnitte A senkrecht zu den Geschwindigkeiten c
verlaufen und die Verbindungsstelle (Index S) repräsentativ an einer
beliebigen Stelle ( hier Pkt. g ) geschnitten wird.
- Die Druckkräfte aus dem atmosphärischen Druck pB auf den Flächen des
Kontrollraums gemäß Abb. 10.2.2 heben sich gegenseitig auf mit
folgenden Ausnahmen: Auf h y g wirkt der Druck p1 und gegenüber
auf b y d der Druck pB.
10. Impulssatz 267

Lösungsschritte

Abb. 10.2.2 Kräfte am Kontrollraum

Die in Abb. 10.2.2 willkürlich eingezeichnete Schnittkraft FS besitzt bei dem zugrunde geleg-
ten Koordinatensystem die Komponenten FS x und FSy . Sind beide bekannt, führt dies zu
FS .

FS x :
Die Kräftebilanz in x-Richtung liefert ¦F ix 0 FS x  FI 2 .
Umgeformt nach FS x erhält man: FS x FI 2 .

FI 2  c2
m Impulskraft auf A am Krümmeraustritt
c1 c2 c Gleichheit der Geschwindigkeiten
m U V Massenstrom am Krümmereintritt und -austritt
V c A Volumenstrom am Krümmereintritt und -austritt

Mit diesen Zusammenhängen erhält man die Komponente FS x zu:

FSx U A c2

FSy :
Die Kräftebilanz in y-Richtung liefert ¦F iy 0 FS y  Fp y  Fp1  FI1 .
Umgeformt nach FS y erhält man: FS y Fp1  Fp y  FI1 .

Fp1 p1 A Druckkraft auf A zwischen h y g am Krümmereintritt


Fp y pB A Druckkraft auf A zwischen b y d
FI1  c1
m Impulskraft auf A am Krümmereintritt
c1 c2 c Gleichheit der Geschwindigkeiten
m U V Massenstrom am Krümmereintritt und -austritt

V c A Volumenstrom am Krümmereintritt und -austritt
268 10. Impulssatz

Mit diesen Zusammenhängen erhält man die Komponente FS y zu:

FS y p1  p B A  U A c2

Nach dem Satz von Pythagoras lässt sich im rechtwinkligen Dreieck FS wie folgt angeben:

FS FS2x  FS2y . Unter Verwendung o.g Ergebnisse lautet dann die gesuchte Schnittkraft:

U A c  p
2 2
 pB A  U A c2 oder U A c 2 ausgeklammert
2 2
FS 1

U A c §¨¨1  pU  Ap c A  1·¸¸
2
2 2
FS 1 B
2
und nach Kürzen und U A c 2 vor die
© ¹
Wurzel gebracht :

§ p  p ·
2

FS U A c 2 1  ¨¨ 1 2B  1¸¸
© U c ¹
10. Impulssatz 269

Aufgabe 10.3 Wandkraft in einer Düse


¥1. 18 min hh 18 Punkte

Auf die Innenwand einer horizontal durchströmten Düse wirkt eine Wandkraft FW. Bei be-
kannter Fluiddichte U, Querschnittsflächen A1 und A2 sowie Eintrittsdruck p1 und Eintrittsge-
schwindigkeit c1 soll diese Wandkraft bei angenommener verlustfreier Strömung ermittelt
werden.

Abb. 10.3.1 Düsengrundriss

 Lösung zu 10.3
Aufgabenerläuterung

Das Durchströmen einer Düse bewirkt an ihrer Innenfläche eine Wandkraft FW, die sowohl
auf die Wand selbst als auch in umgekehrter Richtung auf den Kontrollraum gerichtet ist. Da
nach einer strömungsbedingten Kraft gefragt wird, ist es ratsam, als Lösungsansatz die Im-
pulsgleichung an einem sinnvoll anzuordnenden Kontrollraum zu verwenden. Wegen der nur
unvollständig vorgegebenen Größen wird es zur Bestimmung des Drucks und der Geschwin-
digkeit im Düsenaustritt weiterhin erforderlich, von der Bernoullischen Gleichung und dem
Kontinuitätsgesetz Gebrauch zu machen.

Gegeben: p1 ; c1 ; A1 ; A2 ; U

Gesucht : FW

Anmerkungen: - Die Gewichtskraft des Fluids wirkt sich in der Grundrissebene nicht aus.
- Annahme einer verlustfreien Strömung in der Düse.
- Kontrollraum in der Düse in der Weise anordnen, dass Ein- und Aus-
trittsquerschnitte A1 und A2 senkrecht zur Geschwindigkeit c1 bzw. c2
verlaufen und die Mantelfläche an der Düseninnenwand anliegt.
270 10. Impulssatz

Lösungsschritte

Impulssatz am Kontrollvolumen:

Abb. 10.3.2 Kontrollraum mit wirkenden Kräften

Bei den in Abb. 10.3.2 am Kontrollraum wirkenden Kräften ist die gesuchte Wandkraft an der
Manteloberfläche in allgemeiner Anordnung eingetragen. Man erkennt aber sofort, dass im
vorliegenden Fall keine Kräfte in y-Richtung existieren. Somit wird :

¦F iy 0  FWy .

Die Kräftebilanz in x-Richtung liefert

¦F ix 0 Fp1  FI1  FWx  Fp 2  FI 2 oder nach FWx umgeformt:

FWx Fp1  Fp 2  FI 2  FI1

Fp1 p1 A1 Druckkraft auf Eintrittsfläche


Fp 2 p2 A2 Druckkraft auf Austrittsfläche
FI1  c1
m Impulskraft auf Eintrittsfläche
FI 2 m c2 Impulskraft auf Austrittsfläche

m U V  Massenstrom durch Eintrittsfläche und Austrittsfläche

V c1 A 1 c2 A2 Kontinuitätsgesetz

Diese Zusammenhänge in die o.g. Gleichung für FWx eingesetzt führt zunächst zu

FWx p1 A1  p 2 A 2  U A 2 c 22  A1 c12 oder im zweiten Term der rechten Glei-


chungsseite A1 c ausgeklammert
2
1

ª º
p1 A1  p 2 A 2  U A1 c12 « A 2 c22
2
FWx  1» . Mit dem Quadrat des umgeformten
¬ A1 c1 ¼
c 22 A12
Kontinuitätsgesetzes folgt dann
c12 A 22
10. Impulssatz 271

ª A12 º
FWx p1 A1  p 2 A 2  U A1 c12 « A 2 2

 1»
¬ A1 A 2 ¼
ª º
FWx p1 A1  p 2 A 2  U A1 c12 « A1  1» .
A
¬ 2 ¼

Es fehlt jetzt letztlich nur noch der statische Druck p2 im Düsenaustritt, den man mittels
Bernoullischer Gleichung wie folgt darstellen kann:
p2:

Bernoullische Gleichung an den Stellen 1 und 2 (ohne Verluste):

p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z 2 . Aufgrund der horizontalen Lage folgt: Z1 = Z2
U 2 U 2

= 1  c12  c 22 . Mit der Dichte Umultipliziert und c12 vor den Klammerausdruck
p2 p 1
U U 2
U § c2 ·
geschrieben liefert p 2 p1  c12 ¨¨1  22 ¸¸ . Bringt man wieder das umgeformte Konti-
2 © c1 ¹
c 22 A12
nuitätsgesetz zur Anwendung, dann lautet der gesuchte Druck:
c12 A 22
U § A2 ·
p2 p1  c12 ¨¨1  12 ¸¸
2 © A2 ¹

Wenn wir diesen Druck nun in die Gleichung für FWx einsetzen, so lässt sich zunächst
schreiben:
§ § U § A2 · · · ªA º
FWx ¨ p1 A1  A 2 ¨¨ p1  c12 ¨¨1  12 ¸¸ ¸¸ ¸  U A1 c12 « 1  1»
¨ 2 © A 2 ¹¹¹
¸ A
¬ 2 ¼
© ©

Die Klammern dann ausmultipliziert, gleiche Größen gekürzt


U U A2 A
FWx p1 A1  p1 A 2  A 2 c12  A 2 c12 12  U A1 c12 1 + U A1 c12
2 2 A2 A2
U A2 U A2 U U
FWx p1 A1  A 2  A 2 c12  1 c12  2 1 c12 + 2 A1 c12
2 A2 2 A2 2 2
U
und wo vorhanden c12 ausgeklammert führt zu:
2

U § A2 A2 ·
FWx p1 A1  A 2  c12 ¨¨ A 2  1  2 1 - 2 A1 ¸¸ . Zieht man noch A2 vor die
2 © A 2 A 2 ¹

U § A2 A ·
Klammer FWx p1 A1  A 2  c12 A 2 ¨¨1  12 - 2 1 ¸¸
2 © A 2 A 2 ¹
272 10. Impulssatz

und ersetzt den Klammerausdruck mit der Binomischen Gleichung


2
§ A12 A · §A ·
¨¨ 2 - 2 1  1¸¸ = ¨¨ 1  1¸¸ ,
A
© 2 A 2 ¹ A
© 2 ¹

so resultiert hieraus:
2
U §A ·
FWx p1 A1  A 2  c12 A 2 ¨¨ 1  1¸¸
2 © A2 ¹
2
§A ·
Eine weitere Vereinfachung lässt sich erreichen, indem ¨¨ 1  1¸¸ ersetzt wird durch
© A2 ¹
2
§ A1  A 2 · 1
¨¨ ¸¸ A1  A 2 :
2

© A2 ¹ A 22
U A
p1 A1  A 2  c12 22 A1  A 2
2
FWx
2 A2

Durch Kürzen und Ausklammern von A1  A 2 führt dies letztlich zum Ergebnis:

§ § ··
FWx A1  A 2 ¨ p1  U c12 ¨ A1  1¸ ¸
¨ ¨A ¸¸
© 2 © 2 ¹¹

FWy 0

FW FWx
10. Impulssatz 273

Aufgabe 10.4 Kolben in Düse


¥1. 20 min hhh 20 Punkte
¥2. 4 min h 4 Punkte

Mittels eines Kolbens wird gemäß Abb. 10.4.1 Flüssigkeit durch eine horizontale Düse in at-
mosphärische Umgebung gepresst, wobei am Kolben eine Kraft F angreift. Bei bekannter
Fluiddichte U, Querschnittsflächen A1 und A2 sowie Eintrittsgeschwindigkeit c1 und Außen-
druck pB sollen die Austrittsgeschwindigkeit c2, der Druck p1, die Kraft F und die Haltekraft
FA in den beiden Lagern bei angenommener verlustfreier Strömung ermittelt werden.

Abb. 10.4.1 Grundriss der Düse

 Lösung zu 10.4

Aufgabenerläuterung
Das Durchströmen der Düse unter Einwirkung der Kraft F am Kolben ruft die gesuchte Hal-
tekraft FA hervor, die jeweils an beiden Lagern entsteht. Bevor man an die Ermittlung dieser
Kraft geht, müssen jedoch zuvor c2, p1 und F bekannt sein. Bei der Feststellung dieser Größen
macht man von der Bernoullischen Gleichung und dem Kontinuitätsgesetz Gebrauch.
Da bei FA nach einer Kraft gefragt wird, die aufgrund eines Strömungsvorgangs entsteht, ist
es ratsam, als Lösungsansatz die Impulsgleichung an einem sinnvoll anzuordnenden Kontroll-
raum zu verwenden.

Gegeben: A1 ; A2 ; c1 ; U

Gesucht: 1. c2 ; p1; F ; FA
m
2. c2 ; p1; F ; FA , wenn: A1 0,10 m 2 ; A 2 0,010 m 2 ; c1 4 ;
s
kg
U 1000 ; pB 100000 Pa
m3
274 10. Impulssatz

Anmerkungen: - Die Gewichtskraft sei von untergeordneter Bedeutung.


- Annahme einer verlustfreien Strömung in der Düse.
- Kontrollraum in der Weise anordnen, dass Ein- und Austrittsquerschnitte
A1 und A2 senkrecht zur Geschwindigkeit c1 bzw. c2 verlaufen und die
Lager geschnitten werde.
- Annahme von Reibungsfreiheit des Kolbens in der Düse.

Lösungsschritte

1. c2 ; p1; F ; FA

c2 :

Mit der Kontinuitätsgleichung V  und V
V  c A wird c1 A1 c 2 A 2 und somit
1 2

A1
c2 c1 .
A2
p1 :
Bernoullische Gleichung an den Stellen 1 und 2 (ohne Verluste):
p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2
U 2 U 2
Mit den besonderen Gegebenheiten im vorliegenden Fall Z1 = Z2 und p 2 p B folgt zunächst
= B  c 22  c12 .
p1 p 1
Multipliziert mit U und c12 ausgeklammert liefert
U U 2
U § c2 · c 22
p1 pB  c12 ¨¨ 22  1¸¸ . lässt sich hierin aus der Kontinuitätsgleichung
2 © c1 ¹ c12

 c2 A1 c2 A12
V c1 A1 c 2 A 2 und der Umformung ersetzen mit 22 .
c1 A2 c1 A 22
In der Gleichung für p1 verwendet führt dies zu

U 2 § A12 ·
p1 pB  c1 ¨¨ 2  1¸¸ .
2 © A2 ¹
F:

Das Kräftegleichgewicht am Kolben liefert

F + p B A1 p1 A1 oder umgeformt nach der Kraft F:

F = A1 p1  p B . p1 (s.o.) eingesetzt:
ª U §A ·2
º
F = A1 «p B  c12 ¨¨  1¸¸  p B »
1
2
¬ 2 ©A ¹2 ¼

U 2 § A2 ·
F = c1 A1 ¨¨ 12  1¸¸
2 © A2 ¹
10. Impulssatz 275

FA :

Bei der Bestimmung der Lagerkraft FA kommt man mit dem Impulssatz am Kontrollvolumen
gemäß Abb. 10.4.2 wie folgt zum Ziel. Es sei zunächst angemerkt, dass die Druckkräfte auf
den Flächen des Kontrollraums sich gegenseitig aufheben, mit Ausnahme der Bereiche e y d
und h y k . Auf h y k { A1 wirkt der Druck p1 und gegenüber auf e y d { A1 der Druck pB.

Abb. 10.4.2 Kräfte am Kontrollraum

Die Kräftebilanz in x-Richtung liefert Fp1  FI1  FI 2  Fp x  2 FA 0 . Umgeformt nach


FA erhält man 2 FA Fp1
 Fp x  FI 2  FI1 oder

FA
1
2
>
Fp1  Fp x  FI 2  FI1 . @
Fp1 p1 A1 Druckkraft auf A1 zwischen h y k am Düseneintritt
Fp x p B A1 Druckkraft auf A1 zwischen e y d
FI1  c1
m Impulskraft auf A1
FI 2  c2
m Impulskraft auf A2

m U V Massenstrom am Düseneintritt und -austritt

V c1 A1 c 2 A 2 Volumenstrom am Düseneintritt und -austritt
FI1 U V  c U A 1 c12 Impulskraft auf A1
1

FI 2 U V  c U A 2 c 22 Impulskraft auf A2
2

Mit diesen Zusammenhängen erhält man FA zu:

FA
1
2
>
A1 p1  p B  U A 2 c 22  A1 c12 . @ Mit c 2 c1
A1 folgt
A2
1 ª § A2 ·º
FA «A1 p1  p B  U ¨¨ A 2 c12 12  A1 c12 ¸¸» . A1 c12 ausgeklammert
2 ¬ © A2 ¹¼
1 ª §A ·º
FA «A1 p1  p B  U A1 c12 ¨¨ 1  1¸¸» oder
2 ¬ © A2 ¹¼
276 10. Impulssatz

1 ª c2 § A ·º
FA «A1 p1  p B  U A1 1 ¨¨ 2 1  2 ¸¸» . p1 (s.o.) eingesetzt
2 ¬ 2 © A2 ¹¼
1 ª § U § A2 · · c2 § A ·º
FA «A1 ¨¨ p B  c12 ¨¨ 12  1¸¸  p B ¸¸  U A1 1 ¨¨ 2 1  2 ¸¸»
2 ¬« © 2 © A2 ¹ ¹ 2 © A2 ¹»¼
c12
sowie U A1 vor die komplette Klammer gesetzt führt zu
2
1 c2 ª A 2 A º
FA A1 U 1 « 12  1  2 1  2» oder
2 2 ¬ A2 A2 ¼
1 c2 ª A 2 A º
FA A1 U 1 « 12  2 1  1» . Mit (a 2  2 a b  b 2 ) (a  b) 2
2 2 ¬ A2 A2 ¼
lautet das Ergebnis:
2
1 c2 §A ·
FA U 1 A1 ¨¨ 1  1¸¸
2 2 © 2
A ¹

m
2. c2 ; p1; F ; FA , wenn: A1 0,10 m 2 ; A 2 0,010 m 2 ; c1 4 ;
s
kg
U 1000 ; pB 100000 Pa
m3

c2 :
0,1 m
c2 4 c2 40
0,01 s

p1:
1000 § 0,12 ·
p1 = 100 000 + 42 ¨¨ 2
 1¸¸
2 © 0,01 ¹

p1 892000 Pa
F:
1000 2 § 0,10 2 ·
F = 4 0,1 ¨  1¸
2 ¨ 0,012 ¸
© ¹

F = 79200 N
FA:

2
1 42 § 0,10 ·
FA 1000 0,1 ¨  1¸
2 2 © 0,01 ¹
FA 32400 N
10. Impulssatz 277

Aufgabe 10.5 T-Stück


¥1. 2 min h 2 Punkte
¥2. 12 min hh 12 Punkte

Gemäß Abb. 10.5.1 ist an der Stelle 1 einer Rohrleitung ein horizontales T-Stück ange-
flanscht. Ein Fluid konstanter Dicht U strömt mit einem Massenstrom m  1 durch den Quer-
schnitt A1 in das T-Stück. An den Stellen 2 und 3 verlassen die Massenströme m  2 bzw. m
3
das T-Stück ins Freie. Alle Querschnitte A1 = A2 = A3 = A sind gleich groß. Ebenso sollen
dieselben Geschwindigkeiten c2 = c3 bei 2 und 3 vorliegen. Ermitteln Sie diese Geschwindig-
keiten ebenso wie die im Flansch wirksame Kraft FF.

Abb. 10.5.1 Grundriss des Rohrs mit T-Stück

 Lösung zu 10.5

Aufgabenerläuterung

Die Frage nach den gleich großen Geschwindigkeiten c2 und c3 steht in direktem Zusammen-
hang mit dem Kontinuitätsgesetz. Über die Massenstrombilanz, Dichtegleichheit und die
Durchflussgleichung wird die Lösung ermöglicht. Die zu ermittelnde Flanschkraft FF lässt
sich mittels Impulssatz aus der Kräftebilanz an einem geeigneten Kontrollraum feststellen.

Gegeben: A; c1; p1; pB; U



Gesucht: 1. c2 ; c3
2. FF
278 10. Impulssatz

Anmerkungen: - Die Gewichtskraft sei von untergeordneter Bedeutung.


- Kontrollraum außen um das T-Stück in der Weise angeordnet, dass
Ein- und Austrittsquerschnitte A senkrecht zu den Geschwindigkeiten c
verlaufen und der Angriffspunkt der Flanschkraft FF repräsentativ an
einer beliebigen Stelle (hier Pkt. b) geschnitten wird.
- Die Druckkräfte aus dem atmosphärischen Druck pB auf den Flächen des
Kontrollraums gemäß Abb. 10.5.2 heben sich gegenseitig auf mit
Ausnahme der Bereiche b y d und h y g . Auf b y d wirkt der Druck p1
und gegenüber auf h y g der Druck pB.

Lösungsschritte

1. c2 ; c3 :

Kontinuitätsgesetz : 
6m 0 1  m
m 2 m
3 oder 1
m 2 m
m 3

1
m 
U V Massenstrom durch A1 = A
1

2
m 
U V Massenstrom durch A2 = A
2

3
m 
U V Massenstrom durch A3 = A
3

V c1 A1 Volumenstrom durch A1 = A
1

V c2 A 2 Volumenstrom durch A2 = A
2

V c3 A 3 Volumenstrom durch A3 = A
3

In dem o.g. Kontinuitätsgesetz verwendet folgt:

U c1 A1 U c 2 A 2  U c3 A 3 . Wegen A1 = A2 = A3 = A kürzen sich die

Querschnitte heraus und es resultiert c1 c 2  c 3 . Setzt man nun noch die Annahme
c 2 c 3 ein, so führt dies zu c1 2 c 2 oder als Ergebnis:

1
c2 c3 c1
2

2. FF:

Die Flanschkraft FF lässt sich gemäß dem zugrunde gelegten Koordinatensystem zerlegen in
eine x-Komponente FFx und eine y-Komponente FFy . Hat man beide Anteile aus der Kräftebi-
lanz am Kontrollraum ermittelt, so liegt mittels Pythagoras FF FF2x  FF2y das gesuchte Er-
gebnis vor. Die Druck- und Impulskräfte wirken wie immer auf die Bezugsflächen.

FFx :

Die Kräftebilanz in x-Richtung lautet gemäß Abb. 10.5.2


6 Fx i 0 Fp1  FI1  Fp 3  FI 3  FFx
10. Impulssatz 279

oder nach FFx umgeformt:

FFx Fp1  Fp 3  FI1  FI 3 . Hierin bedeuten

Abb. 10.5.2 Kräfte am Kontrollraum

Fp1 p1 A1 p1 A Druckkraft auf A1 = A zwischen b y d


Fp 3 pB A3 pB A Druckkraft auf A3 = A zwischen h y g
FI1  1 c1
m Impulskraft auf A1 = A
FI 3  3 c3
m Impulskraft auf A3 = A
1
m U V  Massenstrom durch A1 = A
1

3
m U V  Massenstrom durch A3 = A
3

V1 c1 A1 Volumenstrom durch A1 = A

V c3 A 3 Volumenstrom durch A3 = A
3

Alle Zusammenhänge in die o.g. Gleichung für FFx eingesetzt führt zunächst zu

FFx
p1 A  p B A  U A c12  U A c32 = A p1  p B  U c12  U c32 .
1
Verwendet man noch das Ergebnis c3 c1 , so folgt für FFx :
2
> @ ª § 1 ·º
FFx = A p1  p B  U c12  c32 = A « p1  p B  U ¨ c12  c12 ¸» oder
¬ © 4 ¹¼

ª 3 º
FFx = A « p1  p B  U c12 » .
¬ 4 ¼
280 10. Impulssatz

FFy :

Die Kräftebilanz in y-Richtung lautet gemäß Abb. 10.5.2:


6 Fy i 0 FFy  FI 2 oder nach FFy umgeformt FFy FI 2 .

FI 2  2 c2
m Impulskraft auf A2 = A
2
m U V  Massenstrom durch A2 = A
2

V c2 A 2 Volumenstrom durch A2 = A
2

1
Mit c 2 c1 lässt sich FFy ermitteln zu
2

1
FFy = U A c12 .
4

FFx und FFy eingesetzt in die Gleichung der Flanschkraft FF liefert das Ergebnis:

2 2
ª ª 3 2 ºº §1 2·
FF = «A « p1  p B  4 U c1 » »  ¨ 4 U A c1 ¸ oder letztlich
¬ ¬ ¼¼ © ¹

2 2
ª 3 º §1 ·
FF = A « p1  p B  U c12 »  ¨ U c12 ¸ .
¬ 4 ¼ © 4 ¹
10. Impulssatz 281

Aufgabe 10.6 Offener Behälter mit Stützfeder


¥1. 2 min h 2 Punkte
¥2. 6 min hh 6 Punkte
¥3. 5 min hh 5 Punkte

Ein Flüssigkeitsbehälter weist gemäß Abb. 10.6.1 zwei in verschiedenen Höhen h1 und h2 = h3
angebrachte Öffnungen auf, die unterschiedliche Austrittsquerschnitte A1 und A3 besitzen. Der
Behälter stützt sich über eine Feder an einer Wand ab, wobei die Impulskräfte mit der Feder
kompensiert werden. Das Flüssigkeitsvolumen im Behälter wird so groß angenommen, dass
in Folge des Ausströmens an den Stellen 1 und 3 keine nennenswerte Spiegelabsenkung ent-
steht. Neben den Teilvolumenströmen bei 1 und 3 sowie dem resultierenden Gesamtvolumen-
strom sollen der statische Druck an der Stelle 2 und die in der Feder wirksame Kraft ermittelt
werden.

Abb. 10.6.1. Flüssigkeitsbehälter

 Lösung zu 10.6

Aufgabenerläuterung

Das zentrale Thema dieser Aufgabe ist der freie Ausfluss aus offenen Behältern. Zur Ermitt-
lung der Volumenströme benötigt man zunächst die Geschwindigkeiten in den betreffenden
Querschnitten. Die Torricellische Gleichung (Sonderfall der Bernoullischen Gleichung) liefert
diese Geschwindigkeitsgrößen, die in Verbindung mit den jeweiligen Querschnitten zu den
gesuchten Volumenströmen führen. Der statische Druck in der eingeengten Stelle 2 lässt sich
mit der Bernoullischen Gleichung, hier am einfachsten an den Stellen 0 und 2 angewendet,
bestimmen. Zur Ermittlung der Federkraft ist es erforderlich, alle äußeren, horizontalen
282 10. Impulssatz

Kräfte, die am eingezeichneten Kontrollraum angreifen, zunächst in der Abb. 10.6.2 einzu-
zeichnen und in der Kräftegleichung zu berücksichtigen. Die Richtungen der Impulskräfte
werden in den durchströmten Querschnitten des Kontrollraums wie die von Druckkräften be-
handelt, nämlich auf die Flächen orientiert. Da der Kontrollraum so angeordnet wurde, dass
er die Feder schneidet, ist folglich die Schnittkraft (Federkraft) ebenfalls als äußere Kraft zu
behandeln. Die o.g. horizontale Einschränkung ist deswegen möglich, weil die Federkraft nur
in dieser Richtung wirkt. Aufgrund des atmosphärischen Drucks am ganzen Kontrollraum he-
ben sich Druckkräfte gegenseitig auf.

Gegeben: U; g ; pB ; h1 ; h2 ; A1 ; A2 ; A3
Gesucht: 1.  ; V
V  ; V
1 3 ges.

2. p2
3. FF

Anmerkungen: - Verlustfreie Strömung.


- Keine Reibungskräfte der Rollen und Lager.
- Z0 = konstant

Lösungsschritte

1. V  ; V
 ; V 
1 3 ges.

 :
V1

Den Volumenstrom erhält man aus dem Produkt von Geschwindigkeit und dem senkrecht
 = c A . Mit der Torricellischen Ausflussgleichung
zugeordnetem Querschnitt, hier V1 1 1

c1 2 g h 1 lautet der Volumenstrom an der Stelle 1:

 = A 2 g h
V1 1 1
 : dto.
V3

 = c A und c
V 2 g h3 :
3 3 3 3

 = A 2 g h
V3 3 3
 :
VGes

Die Addition der beiden Teilvolumenströme verschiedener Größe führt zum Gesamtvolumen-

strom V  V
V  :
Ges 1 2


V A1 2 g h1  A 3 2 g h 3
Ges
10. Impulssatz 283

2. p 2 : Bernoullische Gleichung an den Stellen 0 und 2:


2
p0 c0 p 2 c 22
  g Z0   g Z2
U 2 U 2
Mit den hier vorliegenden Gegebenheiten an den Stellen 0 und 2
pB p 2 c 22
p0 = pB ; c0 = 0 ; Z0  Z 2 h 2; 3 folgt  g h3  oder
U U 2
p2 p2 p% c2
nach aufgelöst:  g h 3  2 . Multipliziert mit der Dichte U entsteht
U U U 2
U
pB  g U h3  c2 .
2
p2 Hierin muss nun noch die Geschwindigkeit c2 mit
2
der schon bekannten Geschwindigkeit c3 ersetzt werden. Dies gelingt mit dem Volumenstrom

V c3 A 3 c2 A 2 oder nach c 2 umgeformt
3
2
A3 §A ·
c 2 = c3 bzw. c 22 c32 ¨¨ 3 ¸¸ .
A2 © A2 ¹

Da c 3 2 g h3 oder c32 2 g h 3 , erhält man die gesuchte Größe c 22 zu:


2 2
§ · U §A ·
c 22 2 g h 3 ¨¨ A 3 ¸¸ . Oben eingesetzt p 2 pB  g U h3  2 g h 3 ¨¨ 3 ¸¸
© A2 ¹ 2 © A2 ¹
lautet das Ergebnis letztendlich:

§ §A ·
2
·
p2 p B  g U h 3 ¨1  ¨¨ 3 ¸¸ ¸
¨ © A2 ¹ ¸
© ¹

3. FF :

Die Kräftebilanz am Kontrollraum gemäß Abb. 10.6.2 in x-Richtung erhalten wir zu


6 Fi x 0 FF  FI1  FI 3 oder nach der Federkraft umgeformt FF FI1  FI 3 .

Abb. 10.6.2 Kräfte am Kontrollraum


284 10. Impulssatz

Die Impulskräfte lauten FI1 m  1 c1 bzw. FI 3 m 3 c3 . In Verbindung mit den Massen-


strömen m 
 1 U V1 und m 
 3 U V3 führt dies zunächst zu FI1 U V  c bzw.
1 1
 
F U V c und unter Verwendung von V c A und V  c A entsteht
I3 3 3 1 1 1 3 3 3

FI1 U A1 c12 und FI 3 U A3 c32 .

Verwenden wir jetzt noch die o.g. Ergebnisse für c12 2 g h1 sowie c32 2 g h 3 , so
folgt die gesuchte Federkraft nachstehender Gleichung:

FF 2 g U >A1 h 1  A 3 h 3 @
10. Impulssatz 285

Aufgabe 10.7 Mischer


¥1. 3 min hh 3 Punkte
¥2. 12 min hhh 12 Punkte
¥3. 2 min h 2 Punkte

Zwei Luftströme m  2 mit verschiedenen Geschwindigkeiten c1 und c2 in den Recht-


 1 und m
eckquerschnitten A1 und A2 werden in einen Kanal mit dem Querschnitt A3 geleitet. Dort
stellt sich durch Vermischungsvorgänge der beiden Massenströme nach einer Mischungsstre-
cke (hier der Kontrollraum) eine Geschwindigkeit c3 ein. Ermitteln Sie diese Geschwindigkeit
c3 und den Druckunterschied (p3 - p1), wenn die Querschnitte A1 und A3 sowie die Geschwin-
digkeiten c1 und c2 und die Luftdichte U bekannt sind.

Abb. 10.7.1 Impulssatz am Kontrollraum

 Lösung zu 10.7

Aufgabenerläuterung

Die zunächst gestellte Frage nach der Geschwindigkeit c3 lässt sich mittels Kontinuitätsgesetz
und den Durchflussgleichungen am Kontrollraum ermitteln. Die gegebenen Geschwindigkei-
ten und Querschnitte erlauben bei der vorausgesetzten Dichtegleichheit eine einfache Lösung.
Zur Bestimmung des Druckunterschieds (p3 - p1) werden mittels Impulssatz am Kontrollraum
alle äußeren Kräfte bilanziert. Gemäß Abb. 10.7.2 sind dies am gewählten Kontrollraum die
für (p3 - p1) benötigten Druckkräfte und die Impulskräfte. Reibungskräfte entfallen bei der vo-
rausgesetzten Vernachlässigung von Wandschubspannungen.

Gegeben: A1 = A3/3 ; c 1 ; c2 ; U

Gesucht: 1. c3
2. (p3 - p1)
m m kg
3. Pkte. 1 und 2 , wenn c1 = 20 , c2 = 10 , U = 1,2 .
s s m3
286 10. Impulssatz

Anmerkungen: - Wandschubspannungen werden vernachlässigt.


- Die Druckverteilungen p1 = p2 über A1 bzw. A2 sowie p3 über A3 sind
homogen. Dies soll ebenfalls für die Geschwindigkeitsverteilungen
zutreffen.
- Das Fluid (Luft) kann als inkompressibel (U konstant) betrachtet
werden.
- Kontrollraum im Mischer in der Weise anordnen, dass Ein- und Aus-
trittsquerschnitte A1, A2 und A3 senkrecht zu den Geschwindigkeiten c1,
c2 und c3 verlaufen, die Mantelfläche an der Mischerinnenwand anliegt
und der Austrittsquerschnitt A3 am Ende der Mischungsstrecke liegt.

Lösungsschritte

1. c3 :

Kontinuitätsgesetz : 
6m 0 1  m
m 2 m
3 oder 3
m 1  m
m 3

1
m 
U V Massenstrom durch A1
1

2
m 
U V Massenstrom durch A2
2

3
m 
U V Massenstrom durch A3
3

V c1 A1 Volumenstrom durch A1
1

V c2 A 2 Volumenstrom durch A2
2

V c3 A 3 Volumenstrom durch A3
3

In dem o.g. Kontinuitätsgesetz verwendet U c3 A 3 U c1 A1  U c 2 A 2


folgt nach Kürzen der Dichte U und Division durch$:
A1 A 1 A 1
c3 c1  c 2 2 . Mit A1 = A 3 bzw. 1 = und mit A2 = A3 – A1 und
A3 A3 3 A3 3
2 A2 2
folglich A2 = A 3 bzw. = liefert dies als Ergebnis :
3 A3 3

1 2
c3 c1  c 2
3 3

2. (p3 - p1) :

Impulssatz am Kontrollraum gemäß Abb. 10.7.2 anwenden. Druck- und Impulskräfte wirken
immer auf die Bezugsflächen.

Die Kräftebilanz in x-Richtung lautet:

6 Fx i 0 Fp1  Fp 2  FI1  FI 2  Fp 3  FI 3
10. Impulssatz 287

Umgeformt – nach Druckkräften und Impulskräften sortiert – folgt:

Fp 3  Fp1  Fp 2 FI1  FI 2  FI 3

Abb. 10.7.2 Kräfte am Kontrollraum

Fp1 p1 A1 Druckkraft auf A1


Fp 2 p2 A 2 p1 A 2 Druckkraft auf A2 , da p1 = p2
Fp 3 p3 A 3 Druckkraft auf A3
FI1  1 c1
m Impulskraft auf A1
FI 2  2 c2
m Impulskraft auf A2
FI 3  3 c3
m Impulskraft auf A3
1
m U V  Massenstrom durch A1
1

2
m U V  Massenstrom durch A2
2

3
m 
U V3 Massenstrom durch A3

V1 c1 A1 Volumenstrom durch A1

V c2 A 2 Volumenstrom durch A2
2

V c3 A 3 Volumenstrom durch A3
3

Diese Zusammenhänge in die o.g. Gleichung eingesetzt führt zunächst zu:

p3 A 3  p1 A1  p1 A 2 U A1 c12  U A 2 c 22  U A 3 c32 oder

p 3 A 3  p1 A1  A 2 U A1 c12  U A 2 c 22  U A 3 c32 .

Mit A1  A 2 = A3 folgt:

1
p3  p1 A3 U A1 c12  U A 2 c 22  U A 3 c32
A3
1
Multipliziert mit erhält man den gesuchten Druckunterschied zu
A3

p3  p1 U A1 c12  U A 2 c22  U c32 und mit den bekannten Flächenverhältnissen


A3 A3
A1 1 A2 2
sowie
A3 3 A3 3
288 10. Impulssatz

1 2 2
vereinfacht sich p3  p1 zu p3  p1 U c1  U c 22  U c32 .
3 3
Die gefundene Geschwindigkeit c3 quadriert
2
§1 2 · 1 1 2 4
c32 ¨ c1  c 2 ¸ c12  2 c1 c 2  c 22 und in p3  p1 eingesetzt
©3 3 ¹ 9 3 3 9
§1
p3  p1 U ¨ c12  c 22  c12  c1 c 2  4 c 22 ·¸
2 1 4
©3 3 9 9 9 ¹
sowie U ausgeklammert liefert
§3 1 6 4 4 ·
p3  p1 U ¨ c12  c12  c 22  c 22  c1 c 2 ¸ .
© 9 9 9 9 9 ¹
2
Subtrahiert man nun noch gleiche Größen voneinander und stellt dann vor die Klammer
9
U c12  2 c1 c 2  c 22 , so liegt
§2 2 4 · 2
p3  p1 U ¨ c12  c 22  c1 c 2 ¸ =
© 9 9 9 ¹ 9
das Ergebnis vor, wobei der Klammerausdruck noch wie folgt ersetzt werden kann:

c2
1  2 c1 c 2  c 22 = c1  c 2 2

U c1  c 2
2
p3  p1 2

m m kg
3. Pkte. 1 und 2, wenn c1 = 20 , c2 = 10 , U = 1,2 .
s s m3

Unter Beachtung dimensionsgerechter Größen lassen sich c3 und (p3 - p1) wie folgt
berechnen:

c3 :

1 2 1 2
c3 c1  c 2 = 20  10
3 3 3 3

m
c3 13,33
s
(p3 - p1):

2
p3  p1 1,2 20  10
2

p3  p1 26,67 Pa
10. Impulssatz 289

Aufgabe 10.8 Wasserstrahlvolumen


¥1. 10 min hh 10 Punkte

In Abb. 10.8.1 ist der Austritt einer Düse zu erkennen, aus der Wasser senkrecht ins Freie nach
oben schießt. Bei bekannter Düsenaustrittsfläche A1, Austrittsgeschwindigkeit c1 und Strahl-
abstand H vom Düsenaustritt soll das Volumen V des durch H begrenzten Wasserstrahls ermit-
telt werden.

Abb. 10.8.1 Wasserstrahl am Düsenaustritt

 Lösung zu 10.8

Aufgabenerläuterung

Wenn im vorliegenden Beispiel nach dem im Strahl eingeschlossenen Volumen V gefragt


wird, muss man sich Folgendes klar machen. In diesem kontinuierlich durchströmten Volu-
men überschreiten zu jeder Zeit die gleiche Zahl von Fluidteilchen die Grenze am Eintritt (in
das Volumen hinein) wie auch die Grenze am Austritt (aus dem Volumen heraus). Dies be-
deutet, dass zu jeder beliebigen Zeit zwar nicht dieselben, so aber doch die gleiche Anzahl
Fluidteilchen vorhanden sind. Sie weisen in dem abgegrenzten Raum eine resultierende Mas-
se auf und verursachen demzufolge eine Gewichtskraft FG. Es wird nun erforderlich, diese
Gewichtskraft in Verbindung zu bringen mit den gegebenen Größen gemäß Aufgabenstellung.
Hier hilft u.a. der Impulssatz weiter, der die Kräfte an einem sinnvoll zu wählenden Kontroll-
volumen bilanziert. Die Anordnung des Kontrollvolumens sollte in der Weise erfolgen, dass
einerseits seine durchströmten Querschnitte A1 und A2 senkrecht zu den dortigen Geschwin-
digkeiten stehen und des Weiteren der sog. körpergebundene Teil um den Strahl gelegt wird,
wo die Gewichtskraft wirksam werden kann. Die Bernoullische Gleichung und das Kontinui-
tätsgesetz kommen ebenfalls zur Anwendung.

Gegeben: A1 ; c1 ; H ; g

Gesucht: V
290 10. Impulssatz

Anmerkungen: - Reibungskräfte mit der umgebenden Luft werden nicht berücksichtigt.


- Die Druckkräfte an der Oberfläche des Kontrollraums heben sich bei
überall gleichem atmosphärischen Umgebungsdruck vollständig auf.

Lösungsschritte

Abb. 10.8.2 Kräftegleichgewicht in z-Richtung am Kontrollraum:

n
n ¦F
1
i 0 FI1  FI 2  FG . Da das Volumen V als Teil der Gewichtskraft FG gesucht wird,

löst man nach FG auf: FG FI1  FI 2 .

FI1  c1
m Impulskraft an der Stelle 1 auf A1 wirkend
FI 2  c2
m Impulskraft an der Stelle 2 auf A2 wirkend
FG g m Gewichtskraft des Fluids im eingeschlossenen Volumen
m U V Masse im eingeschlossenen Volumen
m U V Massenstrom durch A1 und A2

V c A Volumenstrom

V c1 A1 c2 A 2 Kontinuitätsgleichung

Diese Zusammenhänge in die Gleichung der Gewichtskraft eingesetzt führt zu

g U V U c1 A1  U c 22 A 2 .
2
10. Impulssatz 291

Die Dichte U herausgekürzt und durch die Fallbeschleunigung g dividiert liefert zunächst
den Ausdruck V
1
g
> @
c12 A1  c 22 A 2 oder wenn c1 A1 ausgeklammert wird:

c1 A1 ª A c 22 º
V «c1  2 . Hierin sind c2 und A2 noch mit bekannten Größen zu er-
g ¬ A1 c1 »¼
setzen. Hier hilft die Bernoulligleichung an den Stellen 1 und 2 wie folgt weiter:

p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2
U 2 U 2

Mit den besonderen Gegebenheiten p1 p 2 p B sowie Z1 = 0 und Z 2 H erhält man


c12  c 22 g Z2  0 g H oder c12  c 22 = 2 g H . Nach c 22 aufgelöst
1
2
c 22 c12  2 g H und die Wurzel gezogen ersetzt c2 mit c1 und H gemäß:

c2 c12  2 g H

A2 c1
Führt man die umgeformte Kontinuitätsgleichung in die oben stehende Gleichung
A1 c2
des gesuchten Volumens V ein, so liefert dies nach Kürzen gleicher Größen:

c1 A1 ª c2 º
V
g
c c A1
«c1  1 2 » = 1
g
c1  c 2 > @
¬ c 2 c1 ¼

Unter Verwendung von c 2 c12  2 g H lautet somit das Ergebnis:

V
c1 A1
g
>
c1  c12  2 g H @
292 10. Impulssatz

Aufgabe 10.9 Zylinder auf Flüssigkeitsstrahl


¥1. 5 min h 5 Punkte
¥2. 16 min hhh 16 Punkte

In Abb. 10.9.1 ist ein zylindrischer Körper im Längsschnitt zu erkennen, dessen unterer Teil
mit einer halbkugelförmigen Aushöhlung versehen ist. Aus einer Düse heraus schießt ein
Wasserstrahl vertikal nach oben in diesen Hohlraum hinein, wird umgelenkt und verlässt ent-
gegen Zuströmrichtung den Zylinder wieder. Die Austrittsgeschwindigkeit aus der Düse (Stel-
le 1) und der Massenstrom bewirken bei korrekter Dimensionierung, dass der zylindrische
Körper in Schwebe gehalten wird. Zur Erzeugung der genannten Geschwindigkeit wird im
Raum vor dem Düsenaustritt (Stelle 0) der statische Druck p0 erforderlich, dessen Berech-
nungsgleichung aus nachstehenden gegebenen Größen zu ermitteln ist.

Abb. 10.9.1 Zylindrischer Körper und Düse im Längsschnitt

 Lösung zu 10.9

Aufgabenerläuterung

Die Aufgabe befasst sich zentral mit Kräften, die von strömenden Fluiden hervorgerufen
werden und mit anderen äußeren Kräften an einem sinnvoll zu wählenden Kontrollraum rea-
gieren: Impulssatz der Strömungsmechanik. Je nach Aufgabenstellung und gegebenen Größen
des Systems müssen i.A. noch weitere Grundlagen der Strömungsmechanik, wie z.B.
Bernoulligleichung, Kontinuitätsgleichung etc. herangezogen werden.
10. Impulssatz 293

Gegeben: D0 ; D1; DZyl.; H ; R ; g ; pB ; UZyl ; UW

Gesucht: 1. FG
2. p0

Anmerkungen: - Wassergewichtskraft im Kontrollraum bleibt unberücksichtigt.


- Verlustfreie Strömung im Kontrollraum.
- Keine Strahlaufweitung von 1 nach 2.
- Die Höhenunterschiede von Z0, Z1, Z2 = Z3 sind sehr klein.
S
- Das Kugelvolumen lautet: VK D3 .
6

Lösungsschritte:

1. FG :

FG g m g U Zyl. V Gewichtskraft des Hohlzylinders


V VZyl.  VHK Hohlzylindervolumen
S
VZyl. = D 2Zyl. H ; Zylindervolumen
4
1 1 S
VHK. VK D3 Halbkugelvolumen. Mit D 2 R gelangt man zu
2 2 6
§S 2 ·
V ¨ D 2Zyl. H  S R 3 ¸ . Die gesuchte Gewichtskraft lautet folglich:
© 4 3 ¹

S § 2 8 ·
FG g U Zyl. ¨ D Zyl. H  R 3 ¸
4 © 3 ¹
2. p0 :

Zunächst wird als Ansatz der Impulssatz mit dem Kräftegleichgewicht am Kontrollraum ge-
mäß Abb. 10.9.2 herangezogen. Grund: In den Impulskräften sind die Geschwindigkeiten c 2
und c 3 enthalten. Diese lassen sich mit dem gesuchten Druck p0 in Verbindung bringen.

n 6Fi z 0 Fi 2  Fi 3  FG oder FG Fi 2  Fi3

FI2  c2
m Impulskraft am Eintritt in den Kontrollraum
FI3  c3
m Impulskraft am Austritt aus dem Kontrollraum
2
m 
UW V Massenstrom in den Kontrollraum hinein
2

3
m 
UW V Massenstrom aus dem Kontrollraum heraus
3

V c2 A2 Volumenstrom in den Kontrollraum hinein
2

V3 c3 A 3 Volumenstrom aus dem Kontrollraum heraus

Mit diesen Zusammenhängen entsteht : FG U W A 2 c 22  UW A 3 c32 .


294 10. Impulssatz

Abb. 10.9.2 Kräfte am Kontrollraum

Die Bernoulligleichung bei 1 und 2 mit Z1 | Z2 und p1 = p2 = pB führt zu


p1 c12 p 2 c 22 c12 c 22
  g Z1   g Z2 oder und demnach c1 = c2 .
UW 2 UW 2 2 2
Analog hierzu, jetzt jedoch an den Stellen 2 und 3, folgt mit Z2 = Z3 und p2 = p3 = pB
p 2 c 22 p3 c32 c 22 c32
  g Z2   g Z3 oder und demnach c2 = c3 .
UW 2 UW 2 2 2
Die Geschwindigkeiten sind also im vorliegenden Fall an den Stellen 1, 2 und 3 gleich groß.

Mit der Kontinuitätsgleichung V 
V 
V c1 A1 c2 A 2 c3 A 3 stellt man dann
1 2 3

auch fest, dass ebenfalls Flächengleichheit A1 A2 A 3 bestehen muss.


In die Kräftegleichung oben eingesetzt erhält man:
FG U W A 2 c 22  U W A 3 c32 oder FG 2 U W A1 c12
Die hierin unbekannte Geschwindigkeit c1 muss nun mit gegebenen Größen im Querschnitt 0
in Verbindung gebracht werden. Dies gelingt wiederum mit der Bernoulligleichung, jetzt je-
doch an den Stelle 0 und 1:
p0 c2 p1 c2
 0  g Z0  1  g Z1 . Mit p1 = pB und Z0 | Z1 folgt zunächst
UW 2 UW 2

p 0 c02 p B c12 c2 p
  . Nach Sortieren von und
UW 2 UW 2 2 U

c12 c02

p0  p B und dann
c12
ausgeklammert liefert
2 2 UW 2

c12 § c02 ·
¨1  ¸
p0  p B .
2 ¨© c12 ¸¹ UW
10. Impulssatz 295

  c0
Mittels Kontinuitätsgleichung V 0 V 1 c0 A0 c1 A1 lässt sich ersetzen durch
c1
c0 A1
. Oben eingesetzt
c1 A0
c12§ A 2 · p 0  p B S
¨¨1  12 ¸¸ und mit A = * D 2 gelangt man zu
2 © A0 ¹ UW 4
c1 § D1 · p 0  p B
2 4
§ D4 ·
¨1  ¸ oder nach Division durch ¨¨1  14 ¸¸ zu
2 ¨© D 04 ¸¹ U © D0 ¹
c12 p 0  pB

1
. Die Multiplikation mit 2 führt zum benötigten Term c12
2 UW § D4 ·
¨¨1  14 ¸¸
© D0 ¹

c12 2
p0  pB 1
. Eingesetzt in die Gleichung für FG erhält man zunächst
UW § D14 ·
¨¨1  4 ¸¸
© D0 ¹

FG 2 U W A1 2
p0  p B
1
.
S
A1 = * D12 einsetzen und kürzen führt zu
UW
§ D14 · 4
¨¨1  4 ¸¸
© D0 ¹
FG
S
4 U W D12 0
p  p B

1
. Das Umstellen nach (p0 – pB) ergibt
4 UW § D4 ·
¨¨1  14 ¸¸
© D0 ¹
FG § D 4
·
(p0 – pB) = ¨1  14 ¸¸ und schließlich p0 mit
S D12 ¨© D0 ¹

FG § D4 ·
p0 = pB + ¨¨1  14 ¸¸ . FG gemäß Pkt. 1 verknüpft liefert
S D 2
©
1 D0 ¹

S § 2 8 ·
g U Zyl. ¨ D Zyl. H  R 3 ¸
¹ §¨1  D1 ·¸
4
4 © 3
p0 = pB + ¨
S D1 2
© D 04 ¸¹

oder noch vereinfacht:

§ 2 8 3·
¨ D Zyl. H  R ¸
¹ §¨1  D1 ·¸
4
1
p0 = pB + g U Zyl. © 3
4 D12 ¨ D 04 ¸¹
©
296 10. Impulssatz

Aufgabe 10.10 Schwebender Kegel


¥1. 24 min hhh 24 Punkte

In einer vertikalen Rohrleitung soll ein kegelförmiger Körper mit dem Volumen VK und der
Dichte UK derart von unten nach oben angeströmt werden, dass er in einem Schwebezustand
beharrt. Die Strömung des Fluids der Dichte U wird als verlustfrei angesehen. Wie groß muss
die Geschwindigkeit c1 gewählt werden, um bei bekannten Abmessungen D und d den
Schwebezustand zu gewährleisten?

Abb. 10.10.1 Vertikale Rohrleitung mit schwebendem Kegel

 Lösung zu 10.10

Aufgabenerläuterung

Das Schweben (d.h. die Kegelgeschwindigkeit ist gleich Null) im senkrecht durchströmten
Rohr ist dann sichergestellt, wenn die Kegelgewichtskraft im Zusammenwirken mit den ande-
ren Kräften am eingezeichneten Kontrollraum gerade kompensiert wird. Aufgrund der An-
nahme verlustfreier Strömung im Rohr und am Körper entfallen Reibungskräfte an den betref-
fenden Oberflächen sowie die Kegelwiderstandskraft infolge der tatsächlich vorhandenen
Strömungsablösung hinter dem Kegel. Mit den gegebenen Größen ermöglichen der Impuls-
satz am Kontrollraum, die Bernoullische Energiegleichung sowie die Kontinuitätsgleichung
die Ermittlung der gesuchten Anströmgeschwindigkeit c1.

Gegeben: d ; D ; VK ; U K ; U ; g
Gesucht: c1
10. Impulssatz 297

Anmerkungen: - Annahme verlustfreier Strömung.


- Inkompressibles Fluid.
- Kontrollraumlänge L kann beliebig groß gewählt werden.
- Geschwindigkeiten und Drücke sind homogen über den Querschnitten
verteilt.

Lösungsschritte:

Abb. 10.10.2 Kontrollraum mit Kräften

Die Kräftebilanz in z-Richtung am Kontrollraum liefert zunächst

¦F iz 0 Fp1  FI1  Fp 2  FI 2  FG K  FG F .

Bringt man die beiden Druckkräfte auf die linke Gleichungsseite, so folgt:
Fp1  Fp 2 FI 2  FI1  FG K  FG F .

Fp1 p1 A1 Druckkraft auf Querschnitt an der Stelle 1


Fp 2 p 2 A1 !! Druckkraft auf Querschnitt an der Stelle 2.
Der Druck p2 wirkt unmittelbar hinter dem Körper über A1.
FI1  c1
m Impulskraft auf Querschnitt

FI 2  c2
m Impulskraft auf Querschnitt 2


m U V  
U V Massenstrom durch Querschnitt 1 und Querschnitt 2
1 2

V1 c1 A1 Volumenstrom durch Querschnitt 1

V c2 A 2 Volumenstrom durch Querschnitt 2
2
298 10. Impulssatz

A 2 A1  A Querschnitt 2
FI1 U A1 c12 Impulskraft auf Querschnitt 1
FI 2 U A 2 c 22 Impulskraft auf Querschnitt 2
FG K g mK Kegelgewichtskraft
mK U K VK Kegelmasse
FG F g mF Fluidgewichtskraft im Kontrollraum
mF U VF Fluidmasse im Kontrollraum
VF A1 L  VK Fluidvolumen im Kontrollraum

Die Fluidgewichtskraft im Kontrollraum erhält man zu


FG F g U >A1 L  VK @ . Setzt man nun alle so ermittelten Ausdrücke der Kräfte in oben

stehende Kräftebilanz ein


A1 p1  p 2 U A 2 c 22  U A1 c12  g >U K VK  U A1 L  VK @
und dividiert durch den Querschnitt A1, so führt dies zum Druckunterschied p1  p 2 :
A2 ª V § V ·º
p1  p 2 U c 22  U c12  g «UK K  U ¨¨ L  K ¸¸» oder
A1 ¬ A1 © A1 ¹¼
§A · V
p1  p 2 U ¨¨ 2 c 22  c12 ¸¸  g K * UK  U  g U L
© A1 ¹ A1

Eine zweite Möglichkeit, diesen Druckunterschied p1  p 2 völlig unabhängig vom voran-


gehenden Weg zu ermitteln, gelingt mit der Bernoullischen Gleichung an den Stellen 1 und 2
bei der vorausgesetzten verlustfreien Strömung:
p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2
U 2 U 2
Wieder die Druckglieder auf die linke Gleichungsseite gestellt
p1  p 2 c 22 c12
  g Z 2  Z1
U 2 2
und Z 2  Z1 = L gesetzt sowie mit der Dichte U multipliziert liefert p1  p 2 zu:
U U
p1  p 2 c 22  c12  U g L
2 2
Diese beiden Ergebnisse für p1  p 2 gleichgesetzt hat zur Folge:

U U ªA º V
c 22  c12  U g L = U « 2 c 22  c12 » + g K * U K  U + g U L
2 2 ¬ 1
A ¼ A1
Das Kürzen durch Uund die Geschwindigkeitsglieder auf die linke Seite gebracht ergibt
c 22 c12 A V §U ·
  2 c 22  c12 = g K * ¨¨ K  1¸¸ .
2 2 A1 A1 © U ¹
10. Impulssatz 299

2 A2 2 A 2 c 22
Für c12 c12 sowie c 22 = gesetzt und umsortiert
2 A1 A1 2

2 c12 c12 c 22 2 A 2 c 22 V §U ·
  - = g K * ¨¨ K  1¸¸ liefert zunächst
2 2 2 A1 2 A1 © U ¹
c12 c 22 § 2 A2 · V §U ·
 ¨¨1  ¸¸ g K * ¨¨ K  1¸¸ . c2 muss nun noch mittels Kontinuitätsgleichung
2 2 © A1 ¹ A 1 © U ¹

 A1
V c1 A1 c 2 A 2 und Umstellung c 2 c1 ersetzt werden. Somit folgt
A2

c12 c12 A12 § A · VK § U K · c12


 ¨1  2 2 ¸¸ g *¨  1¸¸ . Stellt man links vor die Klammer
2 2 A 22 ¨© A1 ¹ A1 ¨© U ¹ 2

c12 ª A2 A A2 º V §U ·
«1  12  2 2 12 » = g K * ¨¨ K  1¸¸ , ersetzt den nach Kürzen gleicher
2 ¬ A2 A1 A 2 ¼ A1 © U ¹

Größen in der Klammer verbleibenden Ausdruck als binomische Formel, so führt dies zu

2
c12 ª A1 º VK § U K ·
«  1» g
* ¨  1¸¸ . Jetzt werden die kreisförmigen Querschnitte A1, A2
2 ¬ A2 ¼ A1 ¨© U ¹
S S S S
und A ersetzt mit A1
4
D , A
2

4
d 2 , A 2 A1  d 2
4 4
D2  d2 .
Nach der Umformung des Klammerausdrucks auf der linken Seite
2
ª S º


2
D 2
c1 «
2
4 » c12 ª D 2 D2  d 2 º V 4 §U ·
«  1» « 2  g K 2 * ¨¨ K  1¸¸
S

2 « D2  d 2 »
2 ¬ D d 2
D d ¼
2 2

»
S D © U ¹
¬4 ¼

2 2
c12 ª D 2  D 2  d 2 º c12 ª d2 º 4 V §U ·
« 2 g K2 * ¨¨ K  1¸¸ erhält man zunächst
2 «¬ (D 2  d 2 ) »¼ 2 »
2 ¬ (D  d ) ¼ S D © U ¹

c12
=
D 2  d 2 1 * 4 g * V * §¨ UK  1·¸ und nach Multiplikation mit 2
2

K ¨ ¸
2 d4 D2 S © U ¹

c12 =
8
g

D2  d 2
2
§U ·
* V K * ¨¨ K  1¸¸ . Nach dem Wurzelziehen liegt das Ergebnis für c1
S D2 * d 4 © U ¹

fest: c1 2
D 2
 d2

2 §U ·
g VK ¨¨ K  1¸¸ oder auch
D * d2 S © U ¹

§ D2 ·
¨¨ 2  1¸¸
c1 2 ©
d ¹ 2 g V §¨ U K  1·¸
S
K ¨ U ¸
D © ¹
300 10. Impulssatz

Aufgabe 10.11 Körper im Rechteckkanal


¥1. 16 min hhh 16 Punkte
¥2. 2 min h 2 Punkte

Gemäß Abb. 10.11.1 sei in dem geschlossenen, von einer Flüssigkeit durchströmten horizon-
talen Rechteckkanal ein profilierter Körper installiert, der die Kanalhöhe vollkommen aus-
füllt. Im hier dargestellten Grundriss ist zu erkennen, dass an der Stelle 1 vor dem Körper eine
homogene Geschwindigkeitsverteilung c1 bei einem Druck p1 vorliegen soll und aufgrund des
versperrenden Körperquerschnitts A an der Stelle 2 die homogene Geschwindigkeitsverteilung
c2 bei einem Druck p2. An der Hinterkante findet ein Strömungsabriss statt, der die anschlie-
ßende, von Wirbeln durchsetzte „Totwasserzone“ hervorruft. Diese bildet sich stromabwärts
aufgrund von Vermischungsvorgängen wieder zurück, so dass in genügend großem Abstand
wieder eine homogene Geschwindigkeitsverteilung vorliegt. Unter der Annahme von Rei-
bungsfreiheit an den Kanalwänden und am Körper soll bei bekannten Abmessungen A1 und
A sowie vorgegebener Zuströmgeschwindigkeit c1 und FlüssigkeitsdichteU die wirksame Wi-
derstandskraft FW am Körper ermittelt werden. Des Weiteren wird der betreffende Wider-
standsbeiwert cW gesucht.

Abb. 10.11.1 Grundriss des Kanals mit dem Körper

 Lösung zu 10.11

Aufgabenerläuterung

Die Widerstandskraft an umströmten Körpern wird im Allgemeinen aus der Summe von Rei-
bungswiderstand und Formwiderstand wirksam. Je nach Fall kann sie aber auch nur reibungs-
bedingter oder nur formbedingter Art sein. In diesem Beispiel soll allein der Formanteil ermit-
telt werden. Man bedient sich dabei des Impulssatzes, der an einem sinnvoll anzuordnenden
Kontrollraum alle an dessen Flächen wirkenden Kräfte bilanziert. Die Impulskräfte werden an
den durchströmten Querschnitten auf die Flächen wirkend angesetzt. Die Richtung der hier
gesuchten Widerstandskraft ist zunächst unbekannt. Ihre tatsächliche Richtung ergibt sich aus
dem Endergebnis, da die Richtungen der anderen Kräfte vorliegen. Weiterhin wird die
10. Impulssatz 301

Bernoullische Gleichung, die Kontinuitäts- sowie Durchflussgleichung benötigt, um mit den


gegebenen Größen zur Lösung zu kommen.

Gegeben: c1 ; U ; A1 ; A

Gesucht: 1. FW Widerstandskraft des Körpers aufgrund von Ablösung und


Verwirbelung.
U
2. cW bei FW c W A c 2
2

Anmerkungen: - Das Kontrollvolumen wird so gewählt, dass der Körper in ihm einge-
schlossen ist, die Kanalwände anliegen und die durchströmten Quer-
schnitte senkrecht zu den Geschwindigkeiten angeordnet sind.
- Reibungseinflüsse werden, wie oben schon erwähnt, nicht
berücksichtigt.

Lösungsschritte

1. FW :

Abb. 10.11.2 Kräfte am Kontrollraum

Die Kräftebilanz in x-Richtung liefert gemäß Abb. 10.11.2 für den Kontrollraum zunächst:

¦F ix 0 FI1  FI 2  FW  Fp1  Fp 2 oder nach FW aufgelöst

FW FI1  FI 2  Fp1  Fp 2

Hierbei ist FW als Wirkung des strömenden Fluids auf den Körper und infolgedessen seine
Reaktion auf den Kontrollraum zu verstehen.

FI 1 m c1 Impulskraft auf Querschnitt 1



m U V  
U V Massenstrom durch Querschnitt 1
1 2

V1 c1 A1 Volumenstrom durch Querschnitt 1
FI 2 m c2 Impulskraft auf Querschnitt 2

m U V  
U V Massenstrom durch Querschnitt 2
2 1
302 10. Impulssatz


V c2 A 2 Volumenstrom durch Querschnitt 2
2

A 2 A1  A Querschnitt 2
Fp1 = p1 A1 Druckkraft auf Querschnitt an der Stelle 1
Fp 2 = p 2 A1 !!! Druckkraft auf Querschnitt an der Stelle 2. Der Druck p2 wirkt
unmittelbar hinter dem Körper über dem gesamten Querschnitt
A1 und nicht etwa allein auf A2.

Eingesetzt in die Gleichung für FW sowie die Impulskräfte und Druckkräfte sortiert

FW  c1 - m
m  c 2 + p1 A1 - p 2 A1

FW U A1 c12  U A 2 c 22  p1 A1  p 2 A1

FW
U A1 c12  U A 2 c 22  A1 p1  p 2

führt zu oben stehender Gleichung, in der noch der Druckunterschied p1  p 2 unbekannt ist.
Diesen Druckunterschied findet man in der Bernoullischen Gleichung wieder, die an den Stel-
len 1 und 2 zu formulieren ist. Die Verluste entfallen in diesem Fall, da die Reibung nicht be-
rücksichtigt werden soll, und die Verluste aufgrund der Strömungsablösung und der anschlie-
ßenden Verwirbelung hinter dem Körper erst ab der Stelle 2 beginnen.
p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2 . Die horizontale Lage des Kanals führt zu Z1 Z2 .
U 2 U 2

Stellt man die Gleichung nach dem gesuchten Druckunterschied p1  p 2 um, so folgt:
p1  p 2 U c 22  U c12
2 2
In die Ausgangsgleichung für FW eingesetzt und gleichartige Glieder vereinfacht
U U
FW U A1 c12  U A 2 c 22  A1 c 22  A1 c12 liefert zunächst
2 2
U U
FW A1 c12  A1 c 22  U A 2 c 22 .
2 2
U
Klammert man auf der rechten Gleichungsseite A1 c12 aus, so entsteht ein Zusammen-
2
hang wie folgt:
U ª c2 A c2 º
FW c12 A1 «1  22  2 2 22 » . Unter Verwendung der Kontinuität
2 ¬ c1 A1 c1 ¼
 c2 A1
V c1 A1 c 2 A 2 und ihrer Umformung zu kann man die Geschwindigkeits-
c1 A2
terme in der Klammer durch die Flächenverhältnisse ersetzen. Dies führt zu

U 2 ª A2 A A2 º
FW c1 A1 «1  12  2 2 12 » oder
2 ¬ A2 A1 A 2 ¼

U ª A2 A º
FW c12 A1 « 12  2 1  1» . Der Klammerausdruck ist als binomische Gleichung
2 ¬ A2 A2 ¼
10. Impulssatz 303

2 2
§A · ªA º U
auch austauschbar mit ¨¨ 1  1¸¸ und es resultiert FW A1 « 1  1» c12 .
© 2
A ¹ A
¬ 2 ¼ 2
Benutzen wir nun noch A 2 A1  A in dieser Gleichung und formen wie folgt um
A  A º U c 2
2 2
ª A1 º U ª A1
FW A1 «  1» c12 = A1 «  1

¬ 1A  A ¼ 2
¬ 1A  A A1  A »¼ 2 1
2 2
ª A  A1  A º U ª A º U
FW A1 « 1 » c1 = A1 «
2
» c1
2

¬ A 1  A ¼ 2
¬ 1A  A ¼ 2
2
ª º
« »
A » U c2 = A A2 U
FW A1 « c12 ,
« § A ·» 2
1 1
ª Aº
2
2
« A1 ¨¨11  ¸¸ » A12 «1  »
¬« © A 1 ¹» ¼ ¬ A1 ¼

so erhält man das Ergebnis:


§A·
¨¨ ¸¸
© A1 ¹ U
FW A 2
c12
ª Aº 2
«1  A »
¬ 1¼

2. cW :

Die Definition der Widerstandskraft um- oder angeströmter Körper lautet allgemein:
U
FW c W A c 2 . Hierin ist cW der Widerstandsbeiwert und A die Bezugsfläche des Kör-
2
pers, die häufig als Projektions- oder Schattenfläche eingesetzt wird. Dies ist auch im vorlie-
genden Beispiel mit A als projizierte Fläche des Körpers der Fall. Weiterhin ist c = c1. Damit
entsteht aus der ermittelten Widerstandskraft und der Definitionsgleichung:
§A·
¨¨ ¸¸
U U
( FW = ) c W A c1 = A © 1 ¹ 2 c12
2 A
2 ª Aº 2
«1  A »
¬ 1¼

Der gesuchte Widerstandsbeiwert, der ausschließlich die Verwirbelungsverluste einschließt,


lautet somit:
§A·
¨¨ ¸¸
cW © A1 ¹
2
§ A·
¨¨1  ¸¸
© A1 ¹

Sonderfall: Wenn A  A1 cW 0 FW 0
304 10. Impulssatz

Aufgabe 10.12 Behälter mit vertikalem sowie horizontalem Ausfluss Übung

1. hhh
2. hhh
3. h
4. h
In Abb.10.12.1 sind zwei gleiche Behälter zu erkennen, bei denen Flüssigkeit ins Freie aus-
strömt. Die Höhe H zwischen Flüssigkeitsspiegel und Ausflussöffnung ist jeweils dieselbe.
Bei Behälter 1 erfolgt das Ausfließen vertikal und bei Behälter 2 horizontal. Beide Flüssig-
keitsstrahlen treffen nach einer zurückgelegten Höhe h auf den Teller einer Kraftmesseinrich-
tung und fließen von dort seitlich ab.
Wie groß werden die messbaren Kräfte F1 in der Kraftmesseinrichtung bei Behälter 1 und F2
in der Kraftmesseinrichtung bei Behälter 2 ?

Abb. 10.12.1 Behälter mit vertikalem sowie horizontalem Ausfluss

 Lösung zu 10.12
Aufgabenerläuterung

Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass zwischen beiden zu messenden Kräften kein
Unterschied besteht. Schließlich fließt derselbe Massenstrom mit derselben Geschwindigkeit
auf die Kraftmesseinrichtungen und ruft dort dieselben Impulskräfte hervor. Dass dennoch
verschiedene Kräfte angezeigt werden liegt daran, dass die Messgeräte (z.B. Kraftmessdosen,
Federwaagen o.Ä.) nur die vertikal gerichteten Komponenten erfassen. Im Fall des Behälters
1 ist dies die gesuchte Größe F1 selbst, da der Flüssigkeitsstrahl vertikal auftrifft. Im Fall des
Behälters 2 erfolgt der Ausfluss dagegen horizontal. Der weitere Strahlverlauf entspricht be-
kanntermaßen dem einer Parabel. Somit kann der Flüssigkeitsstrahl nicht vertikal auf den
10. Impulssatz 305

Teller treffen, sondern nur in einer zur Oberfläche der Messeinrichtung schrägen Richtung.
Die hier wirksame Impulskraft belastet die Fläche in der vorliegenden schrägen Geschwin-
digkeitsrichtung. Folglich wird die vertikale Kraftkomponente F2 kleiner ausfallen als F1.
In vielen Fällen, wenn nach strömungsbedingten Kräften von Fluiden gefragt wird – wie auch
im vorliegenden Fall – ist die Anwendung des Impulssatzes der Strömungsmechanik von gro-
ßem Nutzen. Hierbei ist die Wahl eines geeigneten „Kontrollraums“ eine grundlegende Vo-
raussetzung. Unter Verwendung sämtlicher „äußeren Kräfte“ an den Flächen dieses Kontroll-
raums ist es möglich, mit Hilfe der Kräftebilanz die Basis des Lösungsweges zu formulieren.

Gegeben: H, h, U, g, A1

Gesucht: 1. F1
2. F2
3. Pkte. 1 und 2 , wenn: H = 2 m, h = 1 m, A1 = 0,002 m 2 ,
m kg
g = 9,81 2 , U 1000 3 .
s m

Lösungsschritte

1. F1 :

Um die in der Feder der Kraftmesseinrichtung (z.B. Federwaage) wirkende Kraft F1 zu ermit-
teln, legt man sinnvollerweise einen Kontrollraum um den Teller derart, dass sowohl die Fe-
der als auch der Flüssigkeitsstrahl (Stelle 2) geschnitten werden. Seitlich verläuft der Kon-
trollraum durch die berührungsfreien Spalte der Waage.
Die Kräftebilanz in z-Richtung lautet, wenn man die Tellergewichtskraft und die Gewichts-
kraft der auf dem Teller befindlichen Flüssigkeit vernachlässigt (Abb. 10.12.2):
n
n ¦ Fi z 0 F1  FI 2 . Hieraus folgt F1 FI 2
&
1
&
Die Impulskraft lautet allgemein FI m  c und ist wie die Geschwindigkeit eine vektorielle
Größe. An der Stelle 2 erhält man somit

FI2  c2 .
m

F I2 z

c2
pB pB x
2

pB pB

Kontrollraum
F1 = Schnittkraft in der Feder

Abb. 10.12.2 Kräfte am Kontrollraum um Kraftmesseinrichtung bei vertikalem Ausfluss


306 10. Impulssatz

 und die Geschwindigkeit c2 lassen sich mit den gegebenen Größen


Der Massenstrom m
ersetzen zu:

:
m

m  und mit V
 = U V   = U c1 A1 .
c1 A1 führt dies zu m

Mit c1 2 g Z0  Z1 = 2 g H (Torricellische Ausflussgleichung verlustfreier

Strömung):
 = U A1
m 2 g H

c2 :

Die Geschwindigkeit c2 kann mittels Bernoullischer Gleichung zwischen den Stellen 1 und 2
bestimmt werden, da hier alle Größen bis auf c2 bekannt sind.
p1 c12 p 2 c 22
  g Z1   g Z2 mit p1 = p2 = pB, Z2 = 0 und Z1 = h erhält man
U 2 U 2
c 22 c12
 g h oder nach Multiplikation mit 2: c 22 c12  2 g h . Dies führt zu
2 2

c2 = c12  2 g h .

Die Impulskraft FI 2  c 2 lautet dann


m

FI 2 U A1 2 g H * c12  2 g h . Ersetzt man noch c12 2 g H (s.o.),

dann wird
FI 2 U A1 2 g H * 2 g H  2 g h = U A1 2 g H * 2 g H  h .

Als Ergebnis für den Behälter 1 erhält man die gesuchte Kraft F1 zu:

F1 2 g  A1 H H  h .

2. F2 :

Wie schon bei Behälter 1 wird auch jetzt ein Kontrollraum um den Waagenteller angeordnet
in der Weise, dass sowohl die Feder als auch der Flüssigkeitsstrahl (Stelle 2) geschnitten wer-
den. Die Impulskraft FI 2 wirkt jetzt aber nicht mehr vertikal, sondern in Richtung des schräg
auftreffenden Flüssigkeitsstrahls. Somit besitzt sie eine senkrechte und eine waagerechte
Komponente. Beide müssen ihre Reaktion in anderen am Teller angreifenden Kräften finden.
Am Waagenteller steht der horizontalen Kraftkomponente FI 2 x die Abstützkraft am Gehäuse
gegenüber, während die vertikale Kraftkomponente FI 2 z durch die Federkraft F2 kompensiert
wird. Aufgrund der Aufgabenstellung interessiert nur die Federkraft F2.
10. Impulssatz 307

F I2

F I2z
pB c2
pB
F I2 x
2

F Wx

z
Kontrollraum

x F2

Abb. 10.12.3 Kräfte am Kontrollraum um die Kraftmesseinrichtung bei


horizontalem Ausfluss

Somit folgt aus:


n
n ¦ Fi z 0 F2  FI 2 z und daher F2 FI 2 z .
1

Um FI 2 z aus den bekannten Größen zu ermitteln, benutzt man zunächst

FI22 FI22 x  FI22 z . Dies führt zu FI 2 z FI22  FI22 x .

 c 2 mit c2 =
Hierin ist FI 2 = m 2 g H  h (s.o.) und somit

 2 g H  h
FI 2 = m gegeben.

Wenn es gelingt, auch noch FI 2 x mit den bekannten Größen zu formulieren, liegt die Lösung
für F2 fest. Zur Ermittlung von FI 2 x ist es erforderlich, einen weiteren Kontrollraum zu ver-
wenden, dessen Anordnung so beschaffen sein muss, dass er den eintretenden Flüssigkeits-
strahl bei 1 und den austretenden Flüssigkeitsstrahl bei 2 schneidet (Abb. 10.12.4). Als äußere
Kräfte am Kontrollraum wirken die beiden Impulskräfte FI1 und FI 2 – jeweils in den Ge-
schwindigkeitsrichtungen auf den Kontrollraum gerichtet – sowie die Gewichtskraft des Flüs-
sigkeitsstrahls FG. Die Druckkräfte am Kontrollraum heben sich aufgrund gleichen Drucks
gegenseitig auf. Die gesuchte Impulskraftkomponente FI 2 x lässt sich aus dem Kräftegleich-
gewicht in x-Richtung wie folgt herleiten:

¦F ix 0 FI 1  FI 2 x und somit FI 2 x FI 1

Mit FI 1  c1 und c1 =
m 2 g H (s.o) lässt sich anschreiben:

FI 2 x 
FI 1 = m 2 g H
308 10. Impulssatz

pB

Kontrollraum
c1
1
F I1

pB pB
FG

2
F I2 x
pB c2

z F I2z

x F I2

Abb. 10.12.4 Kräfte am Kontrollraum um Flüssigkeitsstrahl bei horizontalem Ausfluss

F2 FI 2 z FI22  FI22 x = m 2 g H  h  m
2
2 g H 2

 2 g H  h  2 g H = m
F2 = m  2 g h

 = U A1
Mit m 2 g H erhält man F2 = U A1 2 g H 2 g h .

Das Ergebnis für die Kraft F2 bei Behälter 2 lautet somit:

F2 = 2 g  A1 H h

m kg
3. Pkte. 1 und 2, wenn: H = 2 m, h = 1 m, A1 = 0,002 m 2 , g = 9,81 , U 1000 .
s2 m3

F1 = 2 9,81 1000 0,002 2 2  1

F1 = 96,09 N

F2 = 2 9,81 1000 0,002 2 1

F2 = 55,48 N
10. Impulssatz 309

Aufgabe 10.13 Rotierendes abgewinkeltes Rohr


¥1. 8 min hh 8 Punkte

Das in Abb. 10.13.1 dargestellte doppelt abgewinkelte Rohr besteht aus einem vertikalen Ab-
schnitt, der in einen horizontalen Teil der Länge L übergeht. Dieser weist an seinem Ende ei-
nen um 90° in der Horizontalebene gekrümmten Abschnitt der Länge a auf. Am vertikalen
Abschnitt versetzt ein Antrieb mit der Drehzahl n das Rohr in eine im Uhrzeigersinn gerichte-
te stationäre Rotationsbewegung. Die rotierende Rohrleitung wird dabei von einem Fluid
durchströmt, das an der Stelle 1 mit dem Massenstrom m  ins Freie ausströmt. Die Relativge-
schwindigkeit des Fluids an der Stelle 1 ist ebenfalls bekannt. Ermitteln Sie bei den genannten
Gegebenheiten das erforderliche Antriebsmoment T.

Abb. 10.13.1 Abgewinkeltes Rohr im Längsschnitt und Grundriss

 Lösung zu 10.13

Aufgabenerläuterung

Die Frage nach dem aufzubringenden Moment lässt sich mittels Momentenbilanz an dem
ortsfesten, also nicht mitrotierenden Kontrollraum lösen. Hierbei sind alle an seiner Oberflä-
che wirksamen Momente, die bei der Aufgabenstellung Einfluss nehmen, zu berücksichtigen.
An der Antriebsseite des Kontrollraums wirkt das gesuchte Moment T in Drehrichtung. An
der äußeren Oberfläche verlässt das Fluid mit dem Massenstrom m  und der Absolutge-
schwindigkeit c1 den Kontrollraum. Dies ruft dort die Impulskraft FI1 hervor, die entgegen
c1-Richtung auf die Oberfläche des Kontrollraums weist (Abb. 10.13.2 ). Das hiermit verur-
sachte Moment entsteht aus dem Produkt der Umfangskomponente von FI1 und dem
310 10. Impulssatz

betreffenden Hebelarm. Die benötigten Geschwindigkeitsverhältnisse an der Austrittsstelle 1


sind in Abb. 10.13.1 dargestellt.

Gegeben:  ; w1 ;
L; a ; Z ; m

Gesucht: T

Anmerkungen: - Reibungskräfte des Rohrs mit der Umgebungsluft werden vernachlässigt.


- Das Geschwindigkeitsdreieck an der Stelle 1 gemäß Abb. 10.13.1 ent-
& & &
steht aus der Vektoraddition c1 u1  w1 . Bei der weiteren Verwen-
dung sind die Geschwindigkeitsbeträge zu benutzen.

Lösungsschritte:

Die Momentensumme um die Drehachse liefert:

¦T 0 T  FI u1 R1 oder T FI u1 R1 .

Abb. 10.13.2 Kontrollraum mit Antriebsmoment und Impulskraft

Hierin ist FI u1 die Umfangskomponente der Impulskraft FI1 und wirkt somit senkrecht am Ra-
dius R1. Die Impulskraft FI 1 ermittelt man mit FI 1  c1 und folglich FI u mit
m
1

FI u1  c u1 . Das Antriebsmoment lautet dann T


m  cu1 R1 .
m
Es wird nun erforderlich, c u1 mit bekannten Größen des Geschwindigkeitsdreiecks und R1
aufgrund geometrischer Zusammenhänge darzustellen. Aus dem Geschwindigkeitsdreieck
( u1  c u 1 )
gemäß Abb. 10.13.1 folgt zunächst cos D .
w1
10. Impulssatz 311

Umgeformt nach ( u1  c u1 ) w 1 cos D und c u1 auf eine Seite gebracht führt zu


c u1 u1  w1 cos D . Eingesetzt in das gesuchte Moment erhält man nun:
T  R1 u1  w1 cos D .
m
L
Weiterhin lässt sich cos D geometrisch darstellen mit cos D . Nach dem Satz des
R1
Pythagoras folgt R12 L2  a 2 bzw. R 1 L2  a 2 .

Verwendet man dann noch die Umfangsgeschwindigkeit u1 R1 Z


§ L · R
T  R1 ¨¨ R1 Z  w1
m ¸¸ , erweitert den zweiten Term in der Klammer mit 1
© R 1 ¹ R1
§ L R1 ·
T  R1 ¨¨ R1 Z  w1
m ¸ , klammert R1 dann aus
© R1 R1 ¸¹
§ L ·
T  R12 ¨¨ Z  w1 2 ¸¸ und ersetzt R12 L2  a 2 , so führt dies zu
m
© R 1 ¹

ª º
T m
 L2  a 2 «Z  w1 2
L
2 »
(L  a ) ¼
. Den ersten Term in der Klammer nun mit
¬
(L2  a 2 )
erweitert
(L2  a 2 )
ª (L2  a 2 ) º
T m
 L2  a 2 «Z 2  2
 w1 2
L
 2 »
¬ ( L a ) ( L a ) ¼
1
und danach 2 vor die Klammer gezogen führt zu
(L  a 2 )


L 2
 a2
> @
Z L2  a 2  w1 L . Somit lautet dann das Ergebnis des gesuchten
T m
L 2
 a2

Antriebsmoments: T >
 Z L2  a 2  w1 L
m @

oder, da R 12 = L2  a 2 und u1 R1 Z ,

T  >u1 R1  w1 L@ .
m
11. Rohr-, Kanalströmungen
Im Unterschied zu den bisherigen Kapiteln, wo die Strömungsverluste oft vernachlässigt wer-
den bzw. eine untergeordnete Rolle spielen, stehen sie im vorliegenden Kapitel mit ihren Be-
rechnungsmöglichkeiten im Vordergrund. Hierbei ist zwischen der laminaren und turbulenten
Strömungsform zu unterscheiden. Welche der beiden möglichen Formen vorliegt, ist eine
Frage der Reynoldszahl
Trägheitskräfte
Re ,
Zähigkeitskräfte
die sich bei Rohrströmungen herleiten lässt zu
c*D
Re .
Q

Unterschreitet die Reynoldszahl einen kritischen Wert Re krit , so stellt sich im Rohr laminare
Strömung ein. Bei größeren Re krit -Werten liegt i.A. die turbulente Rohrströmung vor. Der be-
treffende Re krit -Wert lautet
Re krit. 2320 .
Neben der reinen laminaren und turbulenten Rohrströmung mit ihren Reibungsverlusten
werden im Folgenden auch die Verlustberechnungen aufgeführt, die im Fall von Rohrlei-
tungsbauelementen benötigt werden. Hierbei wird der bei technischen Anwendungen häufi-
gere Fall der turbulenten Strömung in den Vordergrund gestellt.

Laminare Rohrströmung

Bei voll ausgebildeter laminarer Rohrströmung bewegen sich die Fluidteilchen entlang achs-
paralleler Stromlinien, wobei die Geschwindigkeit entlang jeder Stromlinie konstant ist, von
Stromlinie zu Stromlinie aber verschiedene Werte aufweist. An der Wand mit dem Wert Null
steigt die Geschwindigkeit aufgrund der Haftbedingung bis zum Maximalwert in Rohrmitte
an. Die Fluidreibung zwischen den einzelnen Schichten unterschiedlicher Geschwindigkeiten
beruht auf dem Newtonschen Reibungsgesetz gemäß Kap. 1. In Einzelfällen gelingt es, theo-
retische Lösungen (Kap. 16) dieser Strömungsart zu entwickeln. Es werden in den anschlie-
ßenden Schritten die wichtigsten Gleichungen zur Berechnung laminarer Rohrströmungen
aufgelistet.

( p1  p 2 ) § r2 ·
Geschwindigkeitsverteilung c r * R 2 ¨¨1  2 ¸¸ Stokes
4*K* L © R ¹
( p1  p 2 )
Mittlere Geschwindigkeit c * D2
32 * K * L

L c2
Verlustenergie YV O Hagen-Poisseuille
D 2
64
Rohrreibungszahl O
Re
Bei laminarer Strömung ist Ounabhängig von der Oberflächenrauhigkeit.

V. Schröder, Prüfungstrainer Strömungsmechanik, DOI 10.1007/978-3-8348-8274-5_11,


© Vieweg+Teubner Verlag | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2011
314 11. Rohr-, Kanalströmungen

c*D
Reynoldszahl Re
Q
Druckverlust pV U YV

O
Wandschubspannung W0 * U * c2
8

Turbulente Rohrströmung
Die turbulente Strömung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Geschwindigkeit der einzelnen
Fluidteilchen nicht mehr geradlinig und konstant wie im laminaren Fall ausgebildet ist, son-
dern sich unregelmäßige Schwankungsbewegungen überlagern. Damit ist die turbulente
Strömung letztlich instationär. Bis heute existieren keine theoretischen Lösungsmöglichkei-
ten, die turbulente Strömung exakt zu formulieren. Die tatsächlichen Bewegungsabläufe der
turbulenten Strömung sind aus technischer Sicht oft nicht von besonderem Interesse. Es inte-
ressiert dagegen meist nur der über eine ausreichend lange Zeit gemittelte Geschwindigkeits-
wert an verschiedenen Rohrradien. Hieraus lässt sich dann z.B. ein empirisches Geschwindig-
keitsverteilungsgesetz formulieren. Die unregelmäßigen Schwankungsbewegungen bewirken,
dass neben der Newtonschen Schubspannung eine weitere „scheinbare Schubspannung“ ent-
steht, die als Resultat des Impulsaustausches (teilelastische Stöße der Fluidelemente) zu ver-
stehen ist und bis auf einen eng begrenzten Wandbereich deutlich größer ist als die
Newtonschen Schubspannung. Die Verluste der turbulenten Strömung fallen daher erheblich
höher aus als die der laminaren Strömung. Da keine exakten theoretischen Lösungsmöglich-
keiten bei der turbulenten Strömung vorliegen, hat man halbempirische (Prandtlsche Mi-
schungswegtheorie) Ansätze und rein empirische (Potenzgesetze) Ansätze zur Beschreibung
der Geschwindigkeitsverteilung und hieraus abgeleiteter Größen, wie z.B. die Rohrreibungs-
ziffer nach „Prandtl-Colebrook“, entwickelt.

c r
n n n
§ r· §R r· §z·
Potenzgesetz der c-Verteilung ¨1  ¸ ¨ ¸ ¨ ¸
c max © R¹ © R ¹ ©R¹

z R  r Wandabstand
n Exponent der c-Verteilung

L c2
Verlustenergie YV O Darcy
D 2

§ k ·
Rohrreibungszahl O f ¨ Re, S ¸
© D¹
Diese lässt sich nicht theoretisch herleiten, sondern kann nur im Versuch ermittelt werden.
Die Rohrreibungszahl der turbulenten Rohrströmung hängt von der Reynoldszahl Re und der
k D
bezogenen Rohrrauhigkeit S oder ab.
D kS

k S | (1 y 1,6) * k Äquivalente Sandrauhigkeit

k Tatsächliche Rauhigkeit
11. Rohr-, Kanalströmungen 315

Folgende für verschiedene Re -Zahlenbereiche und Oberflächenbeschaffenheiten gültigen


Gesetze der Rohrreibungszahlen sind bekannt:

Glattes Verhalten
0,3164
Blasius O 4
2320 < Re < 105
Re

Nikuradse O 0,0032  0,221 Re 0, 237 105 < Re < 108

Prandtl-Colebrook
1
O

2 log Re O  0,8 Re > 2320

Mischgebiet

1 § 2,51 k ·
 2 log ¨¨  0,27 S ¸¸
O © O Re D¹

Raues Verhalten
1
O 2
ª § D ·º
«1,14  2 log ¨¨ ¸¸»
¬ © k S ¹¼
Die Rohrreibungszahl O ist in Abhängigkeit von der Re-Zahl und der bezogenen Sandrauhig-
D k
keit oder S als Ergänzung zu o.g. Gleichungen im Anhang (Kap. 17) in einem Dia-
kS D
gramm (Abb. 17. 1) dargestellt.

Hydraulischer Durchmesser

Um die Anwendung der Widerstandszahlen auch auf beliebige Querschnitte zu erweitern,


wird der so genannte „Hydraulischer Durchmesser“ d hyd eingeführt. Man benennt ihn in der
Literatur auch öfters mit „Gleichwertigkeitsdurchmesser“. Er leitet sich zu folgendem Aus-
druck her:
4 * A UR
d hyd
U UR

A UR Durchströmter tatsächlicher Querschnitt

U UR Gesamter fluidbenetzter Umfang

Die Reibungsverluste bei unrunden, d.h. nicht Vollkreisquerschnitten, lassen sich wie folgt
bestimmen:
L c2
YV O* *
d hyd 2
316 11. Rohr-, Kanalströmungen

d hyd Hydraulischer Durchmesser (s.o.)



V
c = Mittlere Geschwindigkeit im tatsächlichen Querschnitt
A UR
§ k ·
O = f ¨ Re UR ; S ¸ Rohrreibungszahl des „Ersatzrohrs“ mit d hyd
¨ d hyd ¸
© ¹
c * d hyd
Re UR = Reynoldszahl des „Ersatzrohrs“ mit d hyd
Q

Die Rohrreibungszahl O berechnet sich bei unrunden Querschnitten mittels dieser Gesetze:

0,2236
Glattes Verhalten O
4Re UR

Mischgebiet s. Kreisrohr

Raues Verhalten s. Kreisrohr

Rohrleitungsbauelemente

Außer geraden Rohrstrecken finden verschiedene Rohrleitungsbauteile in den unterschied-


lichsten Anlagen Verwendung. Sehr häufig benötigt werden sie als

- Bauelemente für Richtungsänderungen,


- Bauelemente für Querschnittsänderungen,
- Bauelemente für Volumenstromregelung und
Absperraufgaben.
Dies ist aber nur eine beschränkte Auswahl aus dem gesamten Spektrum. Die verschiedenen
Verluste, die durch diese Bauelemente erzeugt werden, sind auf theoretischem Wege nicht be-
stimmbar. Man muss sich zu ihrer Ermittlung des Versuchswesens bedienen. Es konnte fest-
gestellt werden, dass die Verlustenergien der betreffenden Rohreinbauten allgemein nachste-
hendem Gesetz folgen:
c2
YV ] .
2
] Verlustziffer des Bauelements
In dieser Verlustziffer sind sämtliche Einflüsse durch geometrische Größen, Oberflächenrau-
higkeiten und der Re-Zahl eingebunden. ] wird demnach bei den verschiedenen Bauelemen-
ten in unterschiedlicher Weise von den genannten Größen beeinflusst.

L § k ·
Beim Rohr ist z. B.: ] O* , wobei O f ¨ Re; S ¸ .
D © D¹

Geometrie Rauhigkeit
11. Rohr-, Kanalströmungen 317

Bauelemente für Richtungsänderungen

Diese Bauelemente umfassen z.B. Krümmer oder Bögen, Kniestücke usw. Die neben der
Fluidreibung zusätzlich wirksamen Verluste sind auf Strömungsablösungen (Totraumbil-
dung), Sekundärströmungen (Doppelwirbel) sowie Rückbildungsprozesse zur ausgebildeten
Geschwindigkeitsverteilung in der Nachlaufstrecke zurückzuführen. Die Verluste werden
nach o.g. Gleichung berechnet mit
c2
YVKr ] Kr .
2
] Kr Krümmerverlustziffer (Abb. 17. 2)
Bauelemente für Querschnittsänderungen

Die Strömungsverluste in den nachstehenden Bauelementen beruhen auf reibungsbedingten


Vorgängen und häufiger noch auf Verwirbelungen nach Strömungsablösungen, die je nach
Bauelement in unterschiedlichster Intensität zur Wirkung kommen.

Unstetige Erweiterung: Index „u.E.“

c12
Auf c1 bezogen bei A1  A 2 YVu . E ] u .E 1 *
2
2
§ A ·
] u .E 1 ¨¨1  1 ¸¸
© A 2 ¹

c22
Auf c2 bezogen bei A 2 ! A1 YVu . E ] u .E 2 *
2

2
§ A2 ·
] u .E 2 ¨¨ 1 ¸¸
© A1 ¹

Stetige Erweiterung oder Diffusor: Index „Diff.“

c12
Auf c1 bezogen bei A1  A 2 YVDiff ] Diff1 *
2

§ 2
·
] Diff1 1  KDiff . * ¨¨1  A12 ¸¸
© A2 ¹

c22
Auf c2 bezogen bei A 2 ! A1 YVDiff ] Diff 2 *
2

§ 2