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(Name, Matr.-Nr, Unterschrift)

Klausur „Strömungsmechanik I“

15. 03. 2017


Leer
1. Aufgabe (10 Punkte)

Eine starre, mit Luft im Umgebungszustand gefüllte Boje hat die Form eines Kegels (Höhe
h0 , Radius R0 , Masse m). Sie ist mit einem Seil am Grund eines Hafenbeckens verankert. Die
Masse des Seils sei vernachlässigbar. Bei Flut ist die Boje unter Wasser und bei Ebbe schwimmt
sie aufrecht an der Oberfläche.
a),b) Flut pa c) Ebbe

g H pa
h0
h1 h0
ρw
ρw
S=0

a) Bei Flut befindet sich die Boje komplett unter Wasser. Bestimmen Sie die Seilkraft S.
b) Wie groß ist die Seilkraft S aus a), wenn die in der Tiefe H befindliche Boje an der
Unterseite ein Leck hat? Die Höhe h0 sei klein gegenüber der Eintauchtiefe H.
c) Bei Ebbe schwimmt die geschlossene Boje ohne Leck aufrecht im Wasser. Das Seil ist
ungespannt. Bestimmen Sie die Höhe h1 , mit der die Boje aus dem Wasser ragt.

Gegeben: h0 , H, h0 << H, R0 , ρw , pa , m, g

Hinweis:
Es gilt für ein Kegelvolumen

h0 1
V0 = πR02 h0 .
3
R0

• Die Masse m beinhaltet die Masse der Hülle und der Luftfüllung. Die Wandstärke der
Boje ist vernachlässigbar.
• Nehmen Sie an, dass die Zustandsänderung im Inneren der Boje unter b) isotherm verläuft.
• Die Dichte der Luft ist in c) für den Auftrieb vernachlässigbar.
• Überprüfen Sie Ihre Ergebnisse hinsichtlich der Plausibilität von Einheit und Vorzeichen!
1. Aufgabe

a) A = Auftriebskraft; G = Schwerkraft; S = Seilkraft


Kräftegleichgewicht: A = G + S

1
ρW V0 g = mg + S ⇔ S = πR02 h0 gρW − mg
3
b) Masse und Temperatur der Luft bleiben konstant: mL RTL = const

⇒ pa V0 = pW VH = (pa + ρW gH)VH (mit h0 << H)

pa
⇒ VH = V0 mit A = ρW gVH
pa + ρW gH

   
pa pa 1 2
S =A−G= ρW V 0 − m g = πR h0 ρW − m g
pa + ρW gH pa + ρW gH 3 0

c) VL ist der Kegel in der Luft mit h1 und R1


V0 ist der Gesamtkegel mit h0 und R0

A = G ⇒ ρW VW g = mg

Es ist
1 
VW = V0 − VL = π R02 h0 − R12 h1 (∗)

3
Strahlensatz:
h1 h0
=
R1 R0
Damit folgt: "  3 #
1 2 h1
VW = πR0 h0 1 −
3 h0

(∗) einsetzen:
"  3 #  3
1 2 h1 m h1 3 m
πR0 h0 1 − = ⇔1− = 2
3 h0 ρW h0 πR0 h0 ρW
s
3h20 m
⇔ h1 = 3 h30 −
πR02 ρW
2. Aufgabe (11 Punkte)

Der Auslauf eines mit Wasser gefüllten, kreisförmigen Trichters wird zum Zeitpunkt t = 0
freigegeben. Der Trichter wird für t > 0 nachgefüllt, so dass sich die Höhe des Wasserspiegels
nicht ändert.
2R p
a

2rl

Bestimmen Sie
a) die Beschleunigung, die auf ein Fluidteilchen am Auslauf zum Zeitpunkt t = 0 wirkt,
b) die Zeit ∆T , in der die Strömung am Auslauf 90% ihrer stationären Endgeschwindigkeit
erreicht.
Gegeben:
R
g, h, l, rl
= 10
Hinweis:

9
• Der Übergang an der Stelle z = h kann als gut gerundet angenommen werden.
10
• Die Geschwindigkeit am Wasserspiegel sei vernachlässigbar klein.
• Überprüfen Sie Ihre Ergebnisse hinsichtlich der Plausibilität von Einheit und Vorzeichen!


1 a+x

Z
dx

 ln für |x| < a
= 2a a − x
a2 − x 2  1 x+a
 ln für |x| > a
2a x − a
2. Aufgabe

V a) Bernoulli von 1 nach 2 :


2R

1 Z 2
̺ ̺ ∂v
r(z) z pa + v12 = pa − ̺g(h + l) + v22 + ̺ ds
2 2 1 ∂t
h  2
h A1 R
10 = = 100 und v1 = 0
A2 rl
l 2rl

A2
2
Konti: vA = v2 A2 =⇒ v = v2
g A(z)
t>0

A2 πrl2
wobei: =
A(z) πr(z)2
rl 2 rl 2
R r(z) z
 A2
 1
 h2
mit h
= h−z
⇒ r(z) = R 1 − h
⇒ A(z)
= R 2 = R (h−z)2
(1− hz )
2 Z 2
dv2 2 A2
 
∂v ∂ A2
Z Z
=⇒ ̺ ds = ̺ v2 ds = ̺ ds
1 ∂t 1 ∂t A(z) dt 1 A(z)
Z 2 Z 9 h Z h+l Z 9
dv2 10 h A2
 
10 dv2 h
mit: = + =̺ dz + ̺ l+
1 0 9
10
h dt 0 A(z) dt 10
9 2 9h
h  10
A2 rl · h 1
Z
10
=⇒ dz = · = 0, 09h
A(z) R h − z

0
0

̺ dv2
=⇒ ̺g(h + l) = v22 (t) + ̺ (l + 0, 19h)
2 dt

dv2 g(h + l)
für t = 0: v2 = 0 =⇒ =
dt t=0 l + 0, 19h

b) aus a) folgt:
v22 dv2 2 · dv2
g(h + l) − = (l + 0, 19h) =⇒ dt = (l + 0, 19h)
2 dt 2g(h + l) − v22
p
stationäre Endgeschwindigkeit: v2 (t → ∞) = 2g(h + l)
da v2 (t) < v2 (t → ∞) =⇒
Integral für |x| < a
p 0,9√2g(h+l)
l + 0, 19h 2g(h + l) + v2
=⇒ ∆T = p ln p
2g(h + l) 2g(h + l) − v2 0

l + 0, 19h
=⇒ ∆T = p ln(19)
2g(h + l)
3.Aufgabe (9 Punkte)

In einem Umlaufwindkanal mit offener Messstrecke (Durchmesser D) wird die Luftströmung


(Dichte ̺) eines Windrads (Durchmesser d) untersucht. Bei einer Anströmung mit der Ge-
schwindigkeit u∞ wird im Nachlauf in einer Schnittebene x = konst. das Geschwindigkeitsfeld
ue (r, φ) gemessen:

u∞ ((1 − c) − c cos(πr/R)) , 0 ≤ r ≤ R, c = const.
ue (r, φ) =
u∞ , R < r ≤ D/2

.
∆m

R _ r
ue
D d x

u ue

a) Bestimmen Sie den verdrängten Massenstrom ∆ṁ in der Messstrecke.


b) Das oben angegebene Geschwindigkeitsprofil ue (r, φ) soll nun durch das abschnittsweise
konstante Profil ue (r, φ) = ue , 0 ≤ r ≤ R, und ue (r, φ) = u∞ , R < r ≤ D/2,
ersetzt werden. Bestimmen Sie die mittlere Geschwindigkeit ue so, dass der verdrängte
Massenstrom ∆ṁ dem in Teil a) berechneten Massenstrom entspricht.

Für die weitere Teilaufgabe setzen Sie ue als bekannt voraus.

c) Bestimmen Sie die vom Windrad ausgeübte Kraft F aufgrund der angenäherten Ge-
schwindigkeitsverteilung .

Gegeben:
̺, u∞ , ue (r, φ), R, c
Hinweis:
• Reibungskräfte sind zu vernachlässigen.
• In hinreichender Entfernung zum Windrad herrscht pa .
• d ≪ D, d/2 < R < D/2, 0 < c < 1

• x cos(ax)dx = cos(ax) + x sin(ax)


R
a2 a

• Überprüfen Sie Ihre Ergebnisse hinsichtlich der Plausibilität von Einheit und Vorzeichen!
3. Aufgabe

a) Massenstrom:
Z2π ZR
̺u∞ πR2 = ∆ṁ + ̺ ue (r, φ)rdrdφ
0 0

ZR
2
→ ∆ṁ = ̺u∞ πR − 2π̺u∞ [(1 − c)r − cr cos(πr/R)] dr
0
" #R
2
r cos(πr/R) r sin(πr/R)
→ ∆ṁ = ̺u∞ πR2 − 2π̺u∞ (1 − c) −c 2 −c π

2 π
R
R 0
 
4
→ ∆ṁ = ̺u∞ πR2 c 1 −
π2

b) ue :
∆ṁ = ̺u∞ πR2 − ̺ue πR2
  
4
→ ue = u ∞ 1 − c 1 − 2
π

c) Bestimmung der Kraft:


.
∆m

_
u ue

∆ṁ = ̺(u∞ − ue )πR2


Impulssatz: −̺u2∞ πR2 + ∆ṁu∞ + ̺u2e πR2 = F
F = (ue − u∞ )ue ̺πR2
4. Aufgabe (9 Punkte)

B1
Ein Kanal weist eine Engstelle auf. Das Verjüngungsverhältnis Φ = B0
und das Verhältnis der
Spiegelhöhen Ψ = zz10 seien gegeben.

z0 z1 Seitenansicht

B0 B1 Draufsicht

a) In welchem Bereich muss die Froude-Zahl der Strömung liegen, damit ein Wassersprung
entstehen kann? Wie ist die Froude-Zahl definiert?
b) Im Kanal befindet sich eine Engstelle, in der die Kanalbreite abnimmt und sich der Was-
serspiegel ändert. Berechnen Sie die Froude-Zahl vor (F r0 ) und in der Engstelle (F r1 ) in
Abhängigkeit vom Verjüngungsverhältnis Φ = B 1
B0
und dem Verhältnis der Spiegelhöhen
z1
Ψ = z0 .
c) Unter welchen Voraussetzungen kann die Kanalverjüngung bei gleichbleibendem Volu-
menstrom V̇ zum Übergang vom unterkritischen in den überkritischen Fließzustand füh-
ren. Erläutern Sie ausführlich anhand eines skizzierten Energiehöhendiagrams.

Gegeben: Φ, Ψ

Hinweis:
• Überprüfen Sie Ihre Ergebnisse hinsichtlich der Plausibilität von Einheit und Vorzeichen!
4. Aufgabe
a) Wassersprünge können nur in überkritischen Strömungen entstehen, in denen F r > 1 ist.
Die Definition der Froude-Zahl ist F r = vc = √vgz .
1 2 1 2
b) H0 = z 0 + v
2g 0
= z1 + v
2g 1
= H1
und v0 z0 B0 = v1 z1 B1  2
⇒ z0 + 12 F r20 z0 = z1 + 2g1 v0 B 0 z 0
B1 z1
= z1 + 21 F r20 z0 Φ21Ψ2
⇒ 1 + 12 F r20 = Ψ + 21 F r20 Φ21Ψ2
⇒ 1
2
F r20 1 − Φ21Ψ2 = Ψ − 1
r
2(Ψ−1)
⇒ F r0 = 1− 21 2
Φ Ψ

√ q
F r0 gz1 3
= √v0 = V̇ B1 z1 z1
= ΦΨ 2
F r1 gz0 v1 B0 z0 V̇ z0
q
1 2(Ψ−1) 1
⇒ F r1 = 3 F r0 = (Φ2 Ψ2 −1) Ψ
ΦΨ 2

c) Der Übergang in den überkritischen Fließzustand geschieht kontinuierlich. Ohne eine Än-
derung der Sohlenhöhe muss die Energiehöhe konstant bleiben, sodass eine Zustandsän-
derung nur durch eine Änderung von V̇ /B herbeigeführt werden kann. Daher muss die
Kanalbreite hinreichend stark verringert werden, sodass der Grenzzustand erreicht und
durchlaufen werden kann.

V
B
Zustand 0

Zustand 1, ✁
zu groß
Zustand 1, ✁

krit erreicht

z
5. Aufgabe (13 Punkte)
Durch ein Rohr (Radius R) strömt ein Newtonsches Fluid (Dichte ρ, Zähigkeit η). An der Stelle
x = 0 ist das Geschwindigkeitsprofil rechteckig. Ab der Stelle x = L soll die Strömung laminar
und voll ausgebildet sein.

u1 u2(r)
r R
x

η,ρ

x=0 x=L

a) Leiten Sie die Geschwindigkeitsverteilung u2 (r) her.


b) Wie groß ist der Druckverlust ∆p zwischen x = 0 und x = L unter der Annahme, dass
sich die Schubspannung an der Wand linear mit der Koordinate x ändert und τw (x = 0) =
C · τw (x = L) ist.

Gegeben: R, ρ, η, u1 , L, C>1
Hinweis:
dp
• In der voll ausgebildeten Rohrströmung ist dx
konstant.

• Überprüfen Sie Ihre Ergebnisse hinsichtlich der Plausibilität von Einheit und Vorzeichen!
5. Aufgabe

a) Geschwindigkeitsverteilung:
IES am diff. Volumenelement:
   
dr dr dr dr
τ (r − ) · 2π · r − dx − τ (r + ) · 2π · r + dx
2 2 2 2

+p(x) · 2π · rdr − p(x + dx) · 2π · rdr = 0

 
dτ dp
⇒0=− τ +r −r
dr dx

d(rτ ) dp
⇒ = −r
dr dx

τ+d τ /2
p p+dp

r τ−dτ/2
x

1.Integration:
dp r2
τr = − + c1
dx 2

dp r c1
⇔τ =− +
dx 2 r

damit
τ (r = 0) = 0
erfüllt, muss gelten
c1 = 0

dp r du
⇒ τ (r) = − = −η
dx 2 dr
(Newtonsche Fließgesetz)
du2 r dp
⇔ =
dr 2η dx

2.Integration:
1 dp 2
u2 (r) = r + c2
4η dx

mit RB
u(r = R) = 0
folgt
R2 dp
c2 = −
4η dx

R2 dp
  r 2 
⇒ u2 (r) = − 1−
4η dx R

dp
=?
dx

Z1 r r r
2 2
V̇ = konst. = u1 πR = 2πR u2 ·d
R R R
0

πR4 dp dp 8u1 η
=− ⇒ =− 2
8η dx dx R

r2
  
⇒ u2 (r) = 2u1 1 −
R2

b) IES:
−I˙ein + I˙aus = ∆pπR2 − Fr
mit
∆p = p1 − p2

1
Fr = (τW and (x = 0) + τW and (x = L)) 2πRL
2


du2 u1
τW and (x = L) = −η = 4η
dr r=R
R
τW and (x = 0) = C · τw (x = L)

⇒ Fr = τW and (x = L) · (C + 1)πRL

I˙ein = −̺u21 πR12

Z1  r 2 r r 4
I˙aus = 2π̺R 2
u2 ·d = πR2 ̺u21
R R R 3
0

u21 πR2 u1
⇒̺ = ∆pπR2 − πRL(C + 1)4η
3 R

u1 L(C + 1) u21
⇔ ∆p = 4η + ̺
R2 3
6. Aufgabe (8 Punkte)

a) Skizzieren Sie qualitativ die Schubspannungsanteile sowie die Gesamtschubspannung als


Funktion des Radius einer turbulenten Rohrströmung.
b) Definieren Sie im Zusammenhang mit einer reibungsbehafteten Rohrströmung den Begriff
„hydraulisch glatt“.
c) Definieren Sie den Begriff des Mischungsweges und den Ansatz des Prandtl’schen Mi-
schungsweges.
d) Beschreiben Sie die Begriffe Stromlinie, Bahnlinie und Rauchlinie.
6. Aufgabe
a) Skizze

Rohrwand
r
tl tt

t(r)

b) k < y∗
Die Rauheitsstärke k ist kleiner als die Dicke der viskosen Unterschicht y∗ .
c) Der Mischungsweg ist die Strecke in Richtung der Normalen, die ein sich mit seiner ur-
sprünglichen Geschwindigkeit bewegender Turbulenzballen zurücklegen muss, damit die
Differenz zwischen seiner Geschwindigkeit und der Geschwindigkeit der neuen Schicht
der gemittelten absoluten Schwankungsgröße entspricht.
d) • Stromlinie: Die Linien, die tangential zum Geschwindigkeitsfeld verlaufen, werden
Stromlinien genannt.
• Bahnlinie: Die Bahnlinie ist die Trajektorie eines speziellen Fluidpartikels in einem
gewissen Zeitintervall.
• Rauchlinie: Die Rauchlinie definiert den momentanen Ort der Fluidpartikel, die zu
einer vorherigen Zeit denselben festen räumlichen Punkt passiert haben.