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FUNKTIONSVERBGEFÜGE

Funktionsverbgefüge oder Nomen-Verb-Verbindungen sind in Syntagma, das


als nominalisierte, aber nicht vollständig synonyme Ausdrucksalternative für
ein Vollverb steht:

Beanspruchen = jmdn. In Anspruch nehmen jmdn.


beanspruchen; Beeinflussen = Einfluss nehmen auf etw.

Die Funktionsverbgefüge haben einige Charakteristiken:

a) Alle Funktionsverbgefüge weisen eine binäre polylexikale Struktur auf,


deren eine Konstituente ein Funktionsverb ist.
Funktionsverben
wie bringen, führen, kommen, nehmen, stellen oder treffen sind mit
einem Nomen zu einem lexikalischen Wort verbunden.

In der Regel werden heute Funktionsverben, die sich mit einer


Präpositionalphrase oder einem Substantiv im Akkusativ zu einem
lexikalischen Wort verbinden, zum Kern der Funktionsverbgefüge gerechnet.
(Strukturen, bestehend aus einem Funktionsverb und einem Substantiv im
Nominativ, Genitiv oder Dativ sind in weitaus geringerem Maße lexikalisiert).

b) Nicht nur Lernende der deutschen Sprache, sondern auch Muttersprachler


empfinden Funktionsverbgefügen als Wortgruppen, denen der Status eines
Phraseologismus zugeschrieben werden kann: Syntagmen dieser Art sind
lexikalisiert, d.h., ihre Struktur wird im Redemoment nicht produziert, sondern aus
dem mentalen Lexikon abgerufen (reproduziert). Im Unterschied zu einer losen
Wortgruppe ergibt sich die Bedeutung des Syntagmas nicht aus der Summe der
Bedeutungen seiner einzelnen Elemente, sondern ihre mehrteilige Struktur wird
als eine semantisch zusammengehörende Einheit wahrgenommen.
c) Mit Hilfe der Substitution kann vielfach gezeigt werden, dass eine Reihe
von Funktionsverbgefügen mit einem Vollverb korreliert

unter Strafe stellen = bestrafen;


zum Ausdruck bringen = ausdrücken
Protokoll führen = protokollieren

Da diese Funktionsverbgefüge als die gestreckte Form des ihnen semantisch


entsprechenden Vollverbs erscheinen (die Verbbedeutung des ursprünglichen
Vollverbs ist in das Nomen übergegangen, das Funktionsverb übernimmt auf der
Handlungsebene die morphologischen Aufgaben des entsprechenden Vollverbs),

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werden sie in der Fachliteratur traditionell auch als „Streckformen“ ( Streckform)
bezeichnet. Der Substitutionstest verläuft negativ, wenn das Nomen des F. nicht
zu den Nomina actionis (Nomen actionis) gehört

in Aussicht stellen
zur Kenntnis bringen

. Derartige Wortgruppen zu den Funktionsverbgefügen zu zählen ist strittig),


erscheint jedoch gerechtfertigt unter dem Gesichtspunkt, dass ihre lexikalisch-
semantische Bedeutung ebenso durch ein Vollverb ausgedrückt werden
könnte (versprechen; informieren). Der semantische Vergleich des
Funktionsverbgefüges und des ihm entsprechenden Vollverbs zeigt jedoch,
dass es unzutreffend wäre, von totaler Synonymie zu sprechen, denn das
Funktionsverb übernimmt nicht nur die morphologische Funktion des
Vollverbs, sondern ist darüber hinaus Träger sehr allgemeiner semantischer
Funktionen. Diese sind vor allem in der Variierung und Schattierung der
Aktionsart zu sehen und machen somit die spezifische semantische Leistung
des Funktionsverbgefüges gegenüber einem möglichen Vollverb aus.

sich in Abhängigkeit befinden;


in Abhängigkeit geraten,
jmdn. in Abhängigkeit bringen.

Mit Hilfe von Funktionsverbgefügen können so die Phasen eines Geschehens


bzw. das Bewirken eines Geschehens explizit akzentuiert werden.

d) Beide Teile eines Funktionsverbgefüges („Vorverb“ und „Nachverb“)


bilden eine lexikalisch-semantische Einheit bilden und das äußert sich auf der
Ebene der Sprachverwendung in der für deutsche Aussagesätze typischen
topologischen Verbferne des die vom finiten Verb eröffnete Klammer
schließenden Elements ( Lexikalklammer):

Er nahm seinen Freund zum


wiederholten Male wegen dieser
Angelegenheit in Anspruch.

Wenn F. als lexikalische Wörter definiert werden, heißt dies auf der syntaktischen
Ebene, dass das Prädikat mehrteilig ist und aufgrund der besonderen Struktur des
Verbs sowohl über einen verbalen als auch über einen nominalen Anteil (d.i.
Prädikatsteil oder Prädikativ) verfügt. Zum Beispiel:

(a) Er brachte das Paket zur Post.


(b) Er brachte das Problem zur Sprache.

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d) Die Funktionsverbgefüge sind Ausdrucksalternative zu Vollverben. Sie
ermglichen in der Regel eine viel differenziertere Aussage als ihr
Vollverbpendant und können auf diese Weise semantische Lücken innerhalb
der Wortart Verb schließen helfen. Als kompliziert empfundene
Passivkonstruktionen können mit Hilfe der F. sprachlich umgangen werden

etw. ist anerkannt worden etw. = hat Anerkennung gefunden.

Der Gebrauch von Funktionsverbgefügen ist jedoch keineswegs ausschließlich


einer gehobenen Stilschicht zuzuordnen, auch in der Sprache des alltäglichen
Verkehrs lassen sie sich gehäuft nachweisen. Sie sind das Ergebnis einer
Entwicklungstendenz, in deren Verlauf der Sprachgebrauch freier Syntagmen
zu einer Wortschatzerweiterung führt.

PHRASEOLOGIE

Die Erweiterung des Wortschatzes erfolgt neben der Bildung neuer Wörter
und dem Einfluss fremder Sprachen auch dadurch, dass aus syntaktischen
Wortverbindungen Wortgruppen mit fester Bedeutung entstehen können.

International verbreitet sind heute Ausdrücke wie: Idiomatik, festes


Syntagma, sprichwörtliche Redensart

lat. phrasis = rednerischer Ausdruck


grich. idioma = Eigentümlichkeit, Besonderheit

1. Wesen der Phraseologie

Eine Wortverbindung gilt als idiomatisch, wenn ihre Bedeutung nicht


der Summe der Bedeutungen der einzelnen Komponenten entspricht:
ein alter Hase = ein erfahrener Fachmann
eine lahme Ente = ein Mensch ohne
Initiative aus der Haut fahren = wütend sein
Neben der festen Wortverbindung sind auch freie Verbindungen
möglich: jemandem den Kopf waschen = jemanden schimpfen)
zur Kasse gebeten werden = bezahlen müssen)
Oft wird die idiomatische Bedeutung durch ein Bild (Metapher)
vermittelt. Das Bild, das mit der Wendung vermittelt wird, hat keine
Beziehung zur Bedeutung der Wortverbindung:
das Heft in der Hand haben = die Macht haben

Bei vollidiomatischen Wendungen lässt sich ein Phraseologismus nicht


aufgliedern, d.h.: alle Komponenten sind phraseologisch gebunden:

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jemandem einen Bären aufbinden = etw. Unwahres sagen

Semantische aufgliedbare Phraseologismen sind nur teilweise


phraseologisch gebunden:

eine Schraube ohne Ende = eine Angelegenheit ohne

Ende faule Ausreden = wenig überzeugende Ausrede

Bei nichtidiomatischen Konstruktionen (Klischee, Schablone,


Stereotyp) bedingen die Komponenten stärker einander als bei freien
syntaktischen Verbindungen:

in Hülle und Fülle, Freud und Leid

1.2. Stabilität der Phraseologismen

Während in einer freien syntaktischen Fügung die einzelnen Komponenten


durchaus mit Hilfe von Synonymen ersetzbar sind, ist bei Phraseologismen

Austauschbarkeit der Komponenten fast unmöglich:


den Stuhl vor die Tür setzen = jemanden
rauswerfen den Sessel vor die Tür setzen
In Phraseologismen gibt es auch unikale Wörter (das sind Wörter,
die außerhalb der Wendung nicht mehr vorkommen):
auf dem Holzweg sein = sich irren
mit Verlaub gesagt = mit Ihrer Erlaubnis
fehl am Platze = unpassend sein
Stabilität zeigt sich auch durch syntaktische Anomalien:
auf gut Glück = ohne Garantie eines glücklichen Ausgangs
sich bei jemandem lieb Kind machen = sich einschmeicheln

2. Gliederung der Phraseologismen

Phraseologische Wortfügungen oder Phraseologismen


den Mund halten, blinder Passagier
Phraseologische Verbindungen
ein Experiment durchführen
Konstruktionen mit wertender
Bedeutung: Blech reden, faules Ei
Lexikalische Einheiten (Text im Wörterbuch
aufgenommen): Hohe Tatra, das Schwarze Meer
Sprichwörter:
Kleider machen Leute, Durch Schaden wird man klug

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Geflügelte Worte (Der Terminus stammt von Homer, der damit
die Fähigkeit des menschlichen Wortes, von Mund zu Mund zu
fliegen, bezeichnet.):
der rote Faden Sein
oder Nicht sein
den Wald vor lauter Bäume nicht sehen

3. Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit

Als ein weiteres Merkmal von Phraseologismen ist anzusehen, dass sie wie
ein Wort im Gedächtnis gespeichert werden. Phraseologismen werden als
fertige sprachliche Einheiten reproduziert.

4. Funktion von Phraseologismen

Phraseologismen können einer bestimmten Stilebene, einem Soziolekt,


einer Textsorte zugeordnet werden.

z. B.: Euphemistische Phraseologismen wirken gehoben:

sterben = die letzten Atemzüge tun, das Zeitliche segnen

Manche Wendungen wirken salopp: aus der Haut fahren

Andere sind emotional-wertend: Sauwetter, kalter Kaffee

Fazit:

Phraseologismen: feste Wortgruppen:

• Polylexikalität: mindestens zwei Lexeme: der blinde Passagier

• Stabilität: jm die kalte Schulter zeigen

• Lexikalisierung: in WB gespeichert

• Idiomatizität: Idiome - semantische Transformation:

jn an der Nase herumführen - jn. verspotten

• Anschaulichkeit, Bildlichkeit, Expressivität, Emotionalität

• Bilder, Metaphern: in den saueren Apfel beiβen

• Vergleiche: gesund wie ein Fisch

• Paarformeln: klipp und klar, Alliteration, Endreim: in Hülle und Fülle

• Sprichwörter (Parömiologie): Übung macht den Meister.

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• Zitate, Aphorismen, geflügelte Worte: Veni, vidi, vici