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Dr. med.

Gerhard Buchwald (1920-2009)


gilt als bester Kenner der Impfproblematik
im deutschsprachigen Raum. Er studierte
Dr. med. G. Buchwald
Medizin in Königsberg, Danzig und Jena.
Nach seiner Promotion in Hamburg qualifizierte
er sich zum Facharzt für Lungenkrankheiten
und Innere Medizin und erlangte die
Zusatzqualifikationen Arzt für Naturheil-
verfahren, Badearzt sowie Arzt für Sozialmedizin.
Von 1970 bis 1982 Oberarzt an der Klinik
Franken, Bad Steben. 1982 bis 1989 Chefarzt
der Klinik am Park, Bad Steben.

Dr. Buchwald war fast fünf Jahrzehnte lang


ärztlicher Berater des Schutzverbandes für
Impfgeschädigte eV

Eine große Koalition von Gesundheitsbehörden, Ärzten und der


Pharmaindustrie behauptet, dass Impfen vor Krankheiten schützt.
Die Fakten in diesem Buch belegen: Das Gegenteil ist der Fall.
Impfen macht viele Menschen krank!

Folgenschwere Infektionskrankheiten und Seuchen waren bereits


lange vor Einführung der großen Impfkampagnen stark rückläufig.
Das Risiko eines Impfschadens ist heute in aller Regel größer als die
Wahrscheinlichkeit eines Gesundheitsschadens durch die betreffende
Krankheit.

Besonders Kleinkinder reagieren stark auf Impfungen und haben oft


unter teils schweren Nebenwirkungen zu leiden. Eltern haben ein Recht
darauf, nicht nur über den vermeintlichen Nutzen, sondern auch über
die möglichen Risiken und Gefahren einer Impfung aufgeklärt zu werden.

Jeder mündige Bürger muss für sich entscheiden dürfen, ob er


das Risiko einer Erkrankung oder die Gefahr eines möglichen
Impfschadens höher einschätzt.
Das Geschäft mit der Angst
Gerhard Buchwald, (1920-2009), studierte während des Zweiten Welt-
krieges und danach Medizin in Königsberg, Danzig und Jena. Nach seiner
Dr. med. G. Buchwald
Promotion in Hamburg qualifizierte er sich zum Facharzt für Lungenkrank-
heiten und für Innere Medizin und erwarb die Zusatzbezeichnung Arzt für
Naturheilverfahren, Badearzt sowie Arzt für Sozialmedizin. Von 1970 bis
1982 Oberarzt an der Klinik Franken in Bad Steben. 1982-1989 Chefarzt
der Klinik am Park in Bad Steben.
Aufgrund eines schwerwiegenden Impfschadens im engsten Familienkreis
begann sich Dr. Buchwald mit der Impfproblematik intensiv auseinanderzu-
setzen und wurde zu einem engagierten Impfkritiker.

Das Geschäft mit der Angst


Dieses Buch widme ich allen Geschöpfen Gottes
- also auch den Tieren -,
die durch eine Impfung Schaden erleiden mußten.

ISBN 978-3-89189-178-0
7. Auflage 2010
Copyright © 1994 für die deutschsprachige Ausgabe bei
emu-Verlags-GmbH, 56112 Lahnstein.
Umschlagfoto: Martin Gut jahr-Jung
Umschlaggestaltung: Martin Gut jahr-Jung
Gesamtherstellung: Kösel, Krugzell
Printed in Germany
Ein" Vorgänger" aus dem Jahre 1912

tDas ocs Volk, oie Sad)'uer{tänMgen unb öte


Regierungen. nom 30000 Jmvffd}äben, bavon 34000 von oen 6cf]uhnebicinern
nnerhunnte. IHefe .Daf,len, bie Bod) nicf]t oen 1000ten [eH oer [at·
"Segen ocr Jmpfung" faef}e barftel1cn, finb eine fef}were :2(nhlage gegen öie f,crrfcf]enbc
6ef)uhnebidn, [ino eine unerhörte 6d?<lIlbe für oie mit poli3eigelvalt
miHen. aufreef}t erbnltene iilvangsimvfung, weil öie Vertreter öer meoi-
ciniidien lV i[jen fo}a ft bis beute nili}t entfernt in öer fage [tnö, nur
anndl]ernb oie .oeit eines etlveügen, uenuutlidxu pOl'henfd}ut3cs nad}.
3ulVeifm. .mein eJ,rlicJ} urteilcnoer :21r3t gcftt.'f)t oer J11lVfUllg einen
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Idnqeren fio}t.'rcll 6o}ut3 3u als S Jafjre, viele fd}arfe 23cobao}ter
mit me~r als 36000 :Jmpftcl)äben
[predjeu nur VOlt 2 Jaf)l"cn. Hilb einer [oldjcn 6cf)ut3b'1lleL" fol( öie
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recf]tlid} öeuheuoer lHmfcf} glauben! 60 hlllgC öer geglllllbte, ficJ?el.·e
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SranItfurt c. In. = <Dffenbad} a. In. gan3t'tl beutfd}ell Volft 31vangslvcife a((e 2 bis S Jal)re lvieberf)()[t.lVirb,
befte~t lteiuerlei Ilohuenöiqheif 3Ulll JlIlvf31v"ng. Der 3. <Ö. llngefe~.
17. flugult 1912. lid) ausgeübte Jmvf31vang wirb 31lllt Derbredjeu. 2.3eifolgenbe kleine
.Dal]( von 3ß 000 Jmvffcf}dbm ift eine ojjcne 2l nhlage fd}IVerfter 2lrt
qugo t1legener. gegen oie beutigen ~{egienlltgen, oie gtbanRenlos im 6d}lepvtau öer
6cf}uhnebicin fegeln. l1ad}bcm Ungeimpfte niemals c.5eimpften fd}äb.
Verlag uon Sra\l s:11 i Ie 11) e gen e f. Sfanllfnrt c, m.
lief} nxroen hönnen, [oroern wir umjomebr 23efreiung unjeres Vo((us
von oiejem fcf)dblid}ften a({er Jltq~ifitionsverfaf)ren.
Derlanb nur gegen Doreiujeubung bes Bdragu uon mlt.i.t'iO ober gegen ltad}na1lmt.

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~lortgelJii~t
.................................................•............................•.

Inhalt

Das Rechte erkennen und nicht tun Vorwort von Dr. med. Gerhard Buchwald 5
ist Mangel an Mut Vorwort von Dr. med. Jürgen Birmanns 11
(Konfuzius).
I. Lebenslauf........................... 13
11. Einleitung........................... 15
111. Vorbemerkungen...................... 17
Motto: Die Nach- und Querdenker sind es,
die uns weiterbringen. IV. Infektionskrankheiten und Impfungen . . . . 19
Nicht die unendliche Schar derjenigen, 1. Allgemeines....................... 19
die sich aus dem engen Hohlweg ihrer 2. Verwendete Tierarten zur Impfstoff-
Fachgebiete nicht lösen können. produktion 27
3. Pocken 31
4. Tuberkulose....................... 62
a) in Deutschland ........... 62
b) in Österreich 82
5. Keuchhusten...................... 98
6. Diphtherie........................ 104
7. Tetanus (Wundstarrkrampf) 112
8. Polio (Kinderlähmung) 120
9. Masern 130
10. Ziegenpeter....................... 140
11. Röteln........................... 145
12. Hepatitis A 150
13. Hepatitis B 153
14. Hepatitis C 163
15. Grippe (Influenza) 163
16. Zeckenbiß . . . . . . . .. 166
17. HIB-Meningitis.................... 171
18. Windpocken (Varizellen) . . . . . . . . . . . .. 176
................................................................................
2 Inhalt
. Inhalt
.
3

19. Rabies (Tollwut) 177 6. Sprachentwicklungsverzögerungen ..... 249


20. Maul- und Klauenseuche beim Tier 179 7. SID-Syndrom (plötzlicher, unerwarteter
21. Impfstoff gegen Malaria 187 Kindstod) 250

V. Die Ursachen des Rückgangs der VIII. Gefährliche Fremdviren 254


Infektionskrankheiten 194 1. Das SV-40-Virus 254
2. Die Prionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 255
VI. Impfschäden 199 3. BSE (Bovine Spongiforme Enzephalo-
1. Allgemeines....................... 199 pathie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 257
2. Was ist ein Impfschaden? 205 4. AIDS 258
3. Symptome einer Impfschädigung 206
4. Erklärung der Begriffe 207 IX. Nicht erkennbare Impfschäden . . . . . . . . .. 262
postvakzinale Enzephalitis und »Knickeier« »Zerbrochene Eier« 262
postvakzinale Enzephalopathie (bpEp)
5. Klinische Beschreibung einer Impf- X. Typische Impfschadensfälle 267
schädigung 212 (nach § 52, Absatz 1 des Bundes-Seuchen-
6. Der Impfschadensantrag 220 gesetzes) 267
7. Gesetzliche Bestimmungen 226 1. Impfschäden als Folge der Pocken-
8. Was baldigst gesetzlich geändert werden impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 267
sollte . . . . . . . . . . . . . . .. 228 2. Impfschäden als Folge der Keuchhusten-
9. Drohungen und Bedrohungen. . . . . . . .. 233 impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 270
3. Impfschäden als Folge der Diphtherie-
VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 283
Eiweißes direkt in den menschlichen 4. Impfschäden als Folge der Tetanus-
Organismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 238 impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 286
1. Folgen unerkennbarer Minimal- 5. Impfschäden als Folge der Polioimpfung . 288
enzephalopathien . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 238 6. Impfschäden als Folge der Masern-
2. Autismus als Impffolge . . . . . . . . . . . . .. 239 impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 303
3. Dementia infantilis (Hellersche 7. Impfschäden als Folge der Tuberkulose-
Krankheit) als Impffolge . . . . . . . . . . . .. 240 impfung (BCG- Impfung) 305
4. HKS (Hyperkinetisches Syndrom) ..... 245 8. Impfschäden als Folge der Röteln-
5. MCD (Minimale Cerebrale Dys- impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 306
funktion) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 247 9. Impfschäden als Folge der Mumps-
impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 306
................................................................................
4 Inhalt
. .
10. Impfschäden als Folge der Zecken- Vorwort von Dr. med. Gerhard Buchwald
impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 307
11. Impfschäden als Folge der Hepatitis-A-
Impfung 317
12. Impfschäden als Folge der Hepatitis-B-
Impfung 318 Der Impfpionier Edward Jenner selbst hat sein damals neu
13. Impfschäden als Folge der Hepatitis-C- entwickeltes Verfahren den europäischen Fürstenhöfen mit
Impfung 318 großem Propaganda-Aufwand angeboten. Es verbreitete sich
14. Impfschäden als Folge der Grippe- schnell in der damaligen Welt. Aber schon zu dieser Zeit bil-
impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 318 deten sich 2 Gruppen heraus, einmal die Impfverfechter, zum
anderen die Impfkritiker. Von den Impfverfechtern wurde in
XI. Impfschäden neuerer Zeit eine Theorie entwickelt, die das Funktionieren
(Die sogenannte »Kann-Bestimmung«) dieses Verfahrens auch theoretisch beweisen sollte:
(nach §52, Absatz 2 des Bundes-Seuchen-
gesetzes) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 320 1. In einen Körper wird ein Eiweißstoff eingebracht (Bazillen,
1. Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) .... 320 Bakterien oder deren Spaltprodukte) (Antigen).
2. Allergische Erkrankungen . . . . . . . . . . .. 321 2. Der Körper entwickelt Gegenstoffe, die nur »bei Bedarf« in
3. Bechterewsche Krankheit 324 Erscheinung treten (Antikörper).
4. Multiple Sklerose als Impfschaden 327 3. Im Falle einer Infektion verhindern die Antikörper das
5. Mongolismus...................... 329 Krankwerden. Es resultiert die Immunität. Das heißt: Der
Geimpfte bleibt gesund.
XII. »Indirekter« Impfschaden nach
Polioimpfung . .. 332
Die Impfkritiker zeigten, wo diese Verfahren überall versagt
XIII. Entscheidungen in Zivilgerichtsprozessen . 333 haben und fragten nach dem Warum. Gab es zu Jenners Zei-
ten irgend etwas, das anders war als heute? Hat sich Jenner
XIV. Impfschadensstatistik . . . . . . . . . . . . . . . .. 336
geirrt? Hat Jenner gelogen?
XV. Homöopathie und Impfungen 344 Niemand kann diese Fragen beantworten. Auch die Impf-
anhänger nicht. Aber trotz großem Propaganda-Aufwand
XVI. Anmerkungen........................ 347
ließen sich die Gegenargumente nicht unterdrücken.
XVII. Die Entwicklung der vergangenen
15 Jahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 355 1. In Deutschland gab es zwischen 1957 und 1972 insgesamt
11 Pockenausbrüche. Die Erkrankten waren fast ausschließ-
XVIII. Bisherige Publikationen. . . . . . . . . . . . . . .. 372
lich geimpfte Personen.
XIX. Bücher.............................. 380
................................................................................
6 Vorwort
. Vorwort
.
7

2. Die WHO startete ein großes Pockenausrottungsprogramm mehr möglich, doch das ist ein Irrtum. In Laboratorien in At-
in Indien, zu denen alle Mitglieder der WHO riesige Sum- lanta/USA gibt es große Mengen »aktiver Pockenstämme«, die
men beitrugen. dort angeblich zu Forschungszwecken benötigt werden, tat-
sächlich aber zur Entwicklung chemischer Kampfstoffe die-
Wurden von der WHO in Indien besonders umfangreiche nen sollten. Die Russen ihrerseits haben ihre Pockenstämme
Impfrnaßnahmen durchgeführt, stieg die Zahl der Pocken- daraufhin nicht vernichtet (wie das ursprünglich vereinbart
kranken und Pockentodesfälle an. Über Jahrzehnte ließ sich worden war). In ihren Laboratorien in Novosibirsk gibt es
das verfolgen. Bis die WHO einsah, dass sie so ihr Ziel, näm- ebenso viele aktive Pockenstämme wie in Atlanta. Mir er-
lich das Ende der Pockenerkrankungen, nicht erreichten. scheint es fraglich, ob es sinnvoll ist, diese Stämme für An-
Die Taktik musste geändert werden. Massenimpfungen wur- griffszwecke aufzubewahren. Meines Erachtens würden sie
den eingestellt. Es kamen bestimmte hygienisch-technisch- nicht die von den Anwendern erhoffte Wirkung zeigen.
zivilisatorische Maßnahmen zur Anwendung. Auch bei fast allen übrigen Infektionskrankheiten, wogegen
Impfungen empfohlen werden, zeigte sich deren Unwirksam-
1. Intensivierung der Suche nach Pockenkranken (Isolierung). keit, zumindest deren Unnötigkeit. In unserem Land wur-
2. Zusammenfassung der an Pocken Erkrankten in kleinere de das »Statistische Bundesamt« in Wiesbaden errichtet. Dort
Gruppen (Quarantänisierung). konnte man genaue Zahlen über bestimmte Erkrankungen
3. Vorsichtige Behandlung aller aus den Isolierungslagern her- und über Todesfälle erhalten. Das entsprechende Gesetz
auskommenden Gegenstände (Desinfizierung). hieß: »Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung übertragbarer
Krankheiten beim Menschen«. Es wurde im Allgemeinen als
Nach Einführung dieser Maßnahmen gelang es verhältnis- »Bundes-Seuchengesetz« bezeichnet. Es war ein gutes Gesetz.
mäßig rasch, Pockenausbrüche in Indien zu beseitigen. Der Es enthielt Bestimmungen über Meldepflicht von Erkrankun-
letzte Pockenkranke dieser Erde war ein vorher geimpfter gen und Todesfällen und regelte die Entschädigung von Impf-
Krankenhauskoch in Mogadischu in Afrika. Dort wurde noch schäden. Es trat am 18.Juli 1961 in Kraft.
geimpft. Aus unerfindlichen Gründen wurde am 1. Januar 2003 ein
In der Fachzeitschrift der WHO »Weekly epidemiological neues Gesetz erlassen. Diesmal hieß es »Gesetz zur Ver-
Record« wurde 1977 bekannt gegeben, das Pockenausrot- hütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim
tungsprogramm könne beendet werden, es gäbe auf der Welt Menschen«, wird aber meist als »Infektionsschutzgesetz« be-
keine Pockenerkrankungen mehr. Impfungen gegen Pocken zeichnet. Es ist kein gutes Gesetz, weil verworren und miss-
wurden als eine »unethische« Maßnahme bezeichnet und es verständlich. Für viele Maßnahmen des alten Gesetzes wurde
wurde empfohlen, bestehende Gesetze aufzuheben. Dies er- deren Ungültigkeit nicht erklärt, sie wurden nur weggelassen.
folgte in Deutschland am 31.Juli 1983 durch Erlass des »Ge- Ganz unterschiedlich wurde die Meldepflicht gestaltet. Für
setz zur Aufhebung des Gesetzes über die Pockenschutzimp- manche Erkrankungen wurde sie ganz abgeschafft - dafür
fung«. Die WHO behauptete zwar, es gäbe keine Pocken- aber Impfungen gegen diese Erkrankung stark hervorgehoben
erreger auf der Welt und damit seien Erkrankungen nicht usw. Es gibt heute Impfungen, deren Auswirkungen erst in
................................................................................
8 Vorwort
. Vorwort
.
9

15-20 Jahren zu erwarten sind und es gibt keine Möglichkeit Nur Margarine sei wirklich gesund. Das war alles so gut und
der Klärung, ob sie überhaupt eine Wirkung haben. einleuchtend aufgemacht, dass Millionen Menschen in unse-
Die jetzt neu geforderte Ȁrztliche Untersuchung aller rem Land diesen Unsinn geglaubt haben. Die Klugen haben
Kleinkinder«, angeblich zur Früherkennung unerlaubter sich ihr Butterbrötchen trotzdem schmecken lassen.
Handlungen und zum Schutze der Kinder, zielt in eine ganz Man denke an Contergan. Auch hier versuchten honorige
andere Richtung. Dieses Gesetz dient zur Durchsetzung einer Professoren, den Zusammenhang der Körperschäden mit dem
Maßnahme, die in den Medien mit keinem Wort erwähnt Medikament abzustreiten. In einem Film über diese Ereig-
wurde. Die erste Frage beim Kinderarzt wird die Frage nach nisse ist der Name des Arztes, der damals nicht locker gelas-
der Vorlage des Impfausweises sein! sen hat und immer wieder auf den Zusammenhang der Schä-
Weil sich über die Statistik die Unwirksamkeit aller Imp- digungen mit dem Medikament hingewiesen hat, nicht einmal
fungen besonders nachweisen lässt - wurden nach dem neuen erwähnt worden.
Gesetz alle korrekten statistischen Maßnahmen abgeschafft. Impfungen und Impfschäden haben Ähnlichkeit mit der
Zumal es ein Ereignis gegeben hat, das für Impfanhänger und Contergan- Katastrophe. Bei Contergan konnte Anfang und
besonders für Impf-Verdiener ein harter Schlag war. In Indien Ende der Schädigungs zeit mit der Abgabe und der Sperrung
wollte die WHO zeigen, welchen Nutzen die von ihr so pro- des Medikamentes erkannt werden. Das kann man bei Imp-
pagierten Impfungen haben und ließ ein großes Forschungs- fungen nicht. Der Anwendungszeitpunkt erstreckt sich über
projekt ausführen. Was dort geschah, ist so unglaublich, dass viele Jahre. Bei Contergan zeigte sich die Schädigung an den
es hier im Vorwort zu dem Buch »Lmpjen. Das Geschäft mit Extremitäten. Impfschäden hingegen betreffen alle Körper-
der Angst« nicht dargestellt werden kann. Es würde zu lang teile und Körperorgane. Bei Contergan gab es keine Schäden
werden und den Rahmen dieses Buches sprengen. Die Ge- der Intelligenz, während bei Impfschäden gerade das Gehirn
samtdarstellung dieses Feldversuches der WHO in Indien von im Vordergrund steht. Man denke an die Vielzahl der in den
1968 bis 1979 findet der interessierte Leser in dem Kapitel letzten Jahren »neu entdeckten« Erkrankungen, aber auch an
»Das Versagen der Impfung gegen Tuberkulose« in meinem die Vielzahl neu eingeführter Impfungen. Zum Beispiel das
Buch »Der Impf-Unsinn« Books on Demand Verlag, Norder- »HKS-Syndrom« (Abkürzungen dienen lediglich der Ver-
stedt. ISBN 3-8334-1549-5 (zu beziehen auch über den emu- schleierung, weil sie immer ungenau sind. Eine »TE« ist beim
Verlag, Lahnstein). HNO-Arzt eine Tonsillektomie, das heißt eine Mandelopera-
Ärzte haben sich mit dem Zugeben von Irrtümern immer tion. Beim Gynäkologen aber bedeutet »TE« eine Total-Ex-
schwer getan, obwohl bereits Aschner gesagt hatte: »Die stirpation, das heißt eine Gebärmutterentfernung!).
Geschichte der Medizin ist eine Geschichte von Irrtümern«. Weiter der Anstieg autistischer Erkrankungen, der »MCD«
Jahrhundertelang begann der Besuch einer ärztlichen Sprech- (Minimale cerebrale Dysfunktion), der Sprachentwicklungs-
stunde mit der Durchführung eines »Aderlasses«. Dass dies verzögerungen, besonders aber des Anteiles hyperaktiver
unnötig, wenn nicht sogar falsch war, setzte sich nur langsam Kinder (»ADHS«) und der Kinder mit Konzentrationsstörun-
durch. Ich erinnere auch an die Aufregung, als vor einigen gen (»ADS«). Gewiss, das gibt es schon lange. Der »Zappel-
Jahren behauptet wurde, Butter sei ein krankmachender Stoff. philipp« ist weltbekannt. Aber in einem derartigen Ausmaß?
....
10
............................................................................
Vorwort
................................................................................
Sind nicht womöglich ein großer Teil dieser kindlichen Schä- Vorwort von Dr. med. Jürgen Birmanns
digungen - besonders wenn sie in irgendeinem Zusammen-
hang mit dem hochempfindlichen kindlichen Gehirn stehen -
unbekannte Impfschäden? Eines Tages wird sich die Wahrheit
herausstellen.
Wie sagte doch Abraham Lincoln: »Man kann einige Leute Dr. Gerhard Buchwald leistet seit mehreren Jahrzehnten un-
die ganze Zeit, alle Leute einige Zeit, aber nicht alle Leute die ermüdlich und tapfer wissenschaftliche Aufklärungsarbeit. In
ganze Zeit zum Narren halten.« seinem Ratgeber »Lmpjen - das Geschäft mit der Angst« fin-
den Sie alles, was Sie zu diesem Thema wissen müssen. Ob als
Bad Steben, Januar 2008 Dr. med. Gerhard Buchwald Lehrbuch oder Nachschlagewerk - das Buch ist ein »rnoder-
ner Klassiker«,
Die gegen Ende des 18.Jahrhunderts von Edward Jenner
(1749 -1823), einem englischen Landarzt, entdeckte Methode
der Impfung mit Kuhpocken, auch Vaccination genannt, ist
nur noch von historischem Interesse, dennoch sehr lesens-
wert: »Jenner hatte gehört, dass Melkerinnen, die sich mit
Kuhpocken infiziert hatten, gegen Menschenpocken immun
waren. Am 14. Mai 1796 inokulierte er dem achtjährigen
James Phipps Material, das er einer Kuhpockenpustel der
Viehmagd Sara Nelmes entnommen hatte. Der Junge ent-
wickelte leichtes Fieber, von dem er sich bald erholte. Sechs
Wochen später inokulierte Jenner ihm das Pocken-Virus: Ein
Ausbruch der Krankheit erfolgte nicht.« Es darf hier nicht
unerwähnt bleiben, dass Jenners eigener Sohn einen Impf-
schaden mit Todesfolge erlitt.
Damals geschah im Grunde nichts anderes als heute, wenn
ein Kind geimpft wird. Der Impfarzt infiziert den Impfling auf
künstlichem unnatürlichem Wege. Es mag damals ein berech-
tigtes Anliegen gewesen sein, Seuchen auf diese Art auszu-
rotten, doch ist es nicht fragwürdig, dass die moderne Medizin
penetrant an überkommenen Methoden des 18.Jahrhunderts
festhält? Wer profitiert von diesem Handel(n)?
Eine Injektion stellt juristisch gesehen immerhin eine Kör-
perverletzung dar. Doch ein Kind ist im Sinne der Rechtspre-
...
12
.............................................................................
Vorwort
................................................................................
chung unmündig. Die Eltern tragen demzufolge gemeinsam I. Lebenslauf
mit dem Impfarzt die Verantwortung. Eine ausführliche
Impfaufklärung findet jedoch leider nur ungenügend statt.
Impfrisiken, Nebenwirkungen und Schäden werden geleug-
net oder verschwiegen. Doch die Fakten in diesem Buch spre-
chen eine eindeutige Sprache! Zynisch beschwichtigen die Dr. med. Gerhard Buchwald, jahrgang 1920, geboren in
Impfbefürworter: »Wo gehobelt wird, fallen Spane.« Aber ist Eisenberg in Thüringen. Abitur 1939. Wehrdienst von 1939
nicht schon ein einziges impfgeschädigtes Kind zuviel? Die bis 1945. Medizinstudium: Universität Königsberg. Physikum:
Impfentscheidung ist eine Gewissensentscheidung, die mir Universität Danzig. Staatsexamen: Universität jena. Pro-
keine Instanz abnehmen kann. Die Injektion des Impfstoffes, motion: Universität Hamburg. Anerkennung als Facharzt
eines Cocktails aus Fremdeiweißen, birgt ein unkalkulierbares für Lungenkrankheiten: Landesärztekammer Niedersachsen.
Risiko. Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin: Landesärz-
Es wundert mich nicht, dass von Kinderärzten ein Impf- tekammer Hessen. Erwerb der Zusatzbezeichnungen Arzt
zwang gefordert wird. Die allgemeine Impfpflicht wurde in für Naturheilverfahren, Arzt für Sozialmedizin, Badearzt:
Deutschland 1983 aufgehoben. Die Begriffe» Impfmüdigkeit« Bayerische Landesärztekammer München. Von 1970 bis 1982
oder »Irnpflücken« sind psychologische Waffen, um impf- Oberarzt an der Klinik Franken der BfA in Bad Steben. Von
kritische Eltern einzuschüchtern und bloßzustellen. Dass sich 1982 bis 1989 Chefarzt der Klinik am Park in Bad Steben. Seit
ein frei denkender, mündiger Mensch bewusst gegen einen ris- 1990 pensioniert.
kanten medizinischen Eingriff entscheidet, ist zu respektieren. Seit fast 40 jahren Ärztlicher Berater des Schutzverbandes
Wer unvoreingenommen forscht, weiß, dass Krankheiten für Impfgeschädigte e. V. In diesem Zeitraum Anlage einer be-
Ursachen haben. Krankheiten sind entweder ernährungs be- trächtlichen Literatursammlung über Infektionskrankheiten,
dingt, lebensbedingt oder umweltbedingt. Vor dem Hinter- über Impfungen sowie über Impfschäden. Sie besteht z. Z. aus
grund dieser nüchternen Erkenntnis klingt es paradox, wenn etwa 3000 Sonderdrucken, Monographien und Fotokopien
Forscher aktuell Impfstoffe »gegen« Gebärmutterhalskrebs, wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Zu dieser Sammlung
Bluthochdruck, Adipositas und Nikotinabhängigkeit ent- gehören weiterhin etwa 50 Doktorarbeiten.
wickeln. Aus der Anwesenheit von HPV- Viren allein lässt Kenntnis von fast 1000 Impfschadensfällen, zu etwa 350
sich das Fortschreiten einer Zellveränderung zu einem Krebs- bestehen persönliche Kontakte.
geschehen nicht vorhersagen. Bei der Infektionshypothese Bisher über 200 Monographien über Impfungen und Impf-
gibt es Erklärungslücken, die voreilige Vermutungen verbie- schäden, die größtenteils den schulmedizinischen Fachzeit-
ten. Das massenhafte Durchimpfen gesunder Personen ist schriften vorgelegt wurden. Die Veröffentlichung wurde ab-
sehr bedenklich. Die Mediziner sollten sich viel mehr für gelehnt. Die Arbeiten erschienen dann in den deutschen
primärpräventive Maßnahmen einsetzen. Fachzeitschriften für Erfahrungsheilkunde, für Naturheil-
kunde sowie in anderen Publikationsorganen. Bisher wurden
Lahnstein, Januar 2008 Dr. med.Jürgen Birmanns ca. 150 Sachverständigengutachten zu Impfschadensprozessen
...
14
.............................................................................
I. Lebenslauf
................................................................................
vor deutschen Sozial- und Landessozialgerichten erstellt. In 11. Einleitung
den letzten Jahren zunehmende Vortragstätigkeit im In- und
Ausland.
Die Arbeit an diesem Buch umfaßt ca. 35 Jahre.

Der Unmut über die Gesundheitspolitik unserer Regierung,


die Angst vor Impfschäden und die Furcht vor den allmächti-
gen Ärzten steckt tief in unserer Bevölkerung. Das mag der
Grund sein, weshalb ich in den letzten Jahren zunehmend
von Homöopathieschulen, Volkshochschulen, M edizinstuden-
ten-Organisationen, Naturheilvereinen, Gesundheitsvereinen,
Tierschützern und Ärztekongressen zu Vorträgen über das
Thema »Impfschäden und Impfungen« eingeladen wurde. In
den letzten 10 Jahren habe ich in 120 Städten Referate zu
diesem Thema gehalten. Bereits im ersten Jahr nach der
Wende folgte eine Einladung nach Ostberlin. In Städten des
Auslandes sprach ich bisher in Karlsbad, Wien, Wiener N eu-
stadt, Graz, Salzburg, Innsbruck, Athen, Interlaken, Brescia,
Trento, Mailand, Villach, Rom, Bozen, Meran, Bern, Genf,
Paris, Woudschoten (Holland), London, Auckland und 8 wei-
teren Städten in Neuseeland.
Wie kam das?
Vor vielen Jahren lernte ich Hermann Forschepiepe, den
Vorsitzenden der deutschen Volksgesundheitsbewegung, ken-
nen. Ein energischer, wortgewandter und tatkräftiger Mann,
der mich aufsuchte und in einigen medizinischen Dingen um
meinen Rat bat. Daraus entwickelte sich eine allmählich
immer enger werdende Zusammenarbeit, und als Hermann
Forschepiepe den »Schutzverband für Impfgeschädigte e. V«
gründete, wurde ich der »Ärztlicbe Berater« dieses Verbandes.
Durch diese Tätigkeit erhielt ich Einblick in die Problematik
der Impfschäden sowie in schreckliche Schicksale.
Auf der Universität, im Studium und in der Nachkriegszeit
hatte ich stets nur von den Vorteilen und von den Segnungen
................................................................................
16 11.Einleitung
. .
der Impfungen gehört, hatte also keine Ahnung von der Kehr- 111.Vorbemerkungen
seite dieser Medaille. Es hat sich damals fast ausschließlich um
Schäden nach der Pockenimpfung gehandelt. Der Beginn mei-
ner Tätigkeit als »Ärztlicher Berater« des »Schutzverbandes
für Impfgeschädigte« liegt jetzt über 35 Jahre zurück. In die-
ser Zeit ereigneten sich in Deutschland noch Pockenausbrüche. Von 1959-1966 war ich in der Lungenheilstätte Ruppertshain
So blieb es nicht aus, daß ich mich durch meine Beschäftigung im Taunus tätig. Sie liegt wenige Kilometer östlich von Wies-
mit dem Thema »Impfschäden nach der Pockenimpfung« baden und hier erhielt ich durch einen Zufall im Stadtkran-
auch mit dem Thema »Pockenerkrankungen und Impfungen« kenhaus Wiesbaden Einblick in die Krankengeschichten von
befassen mußte. Menschen, die einige Jahre nach Beendigung des letzten Krie-
Bei den gelegentlichen Pockenausbrüchen waren die Zei- ges als Pockenkranke dort behandelt wurden. Es hat in der
tungen voll von Meldungen in großen Lettern und in dicken Nachkriegszeit in der BR Deutschland 11 Pockenausbrüche
Schlagzeilen, meist auf den ersten Seiten. Beim Lesen begriff gegeben, der erste Ausbruch ereignete sich 1947 in Wiesbaden.
ich damals noch nicht, daß der Sinn dieser Schlagzeilen darin Die Kenntnisnahme dieser Krankengeschichten war die größte
bestand, Angst in der Bevölkerung zu erzeugen. Stets wurde Erschütterung, die es bis dahin in meinem Berufsleben gab. Die
behauptet, daß die Erkrankten ungeimpft gewesen seien. an den Pocken erkrankten und dort behandelten Menschen
Die Ausbrüche dauerten meist nur kurze Zeit. Nach ihrem waren nämlich nicht nur nach den Gesetzen unseres Landes
Abklingen war zu lesen, die sofort einsetzenden Massen- geimpft worden, sondern sie waren nochmals geimpft worden,
impfaktionen seien die Ursache gewesen, daß sich örtliche nachdem bekannt wurde, daß in dem amerikanischen Lazarett
Ausbrüche nicht weiter ausgebreitet hätten. Die Zahlen der in Wiesbaden pockenkranke Soldaten behandelt wurden. Das
durchgeführten Massenimpfungen gingen meist in die Hun- widersprach allem, was auf der Universität gelehrt wurde und
derttausende. Sie wurden in den Zeitungen (meist auf der was ich bisher gelernt und geglaubt hatte: Das älteste uns
ersten Seite) veröffentlicht mit der Aufforderung, sich sofort heute bekannte Impfverfahren ist die Impfung gegen Pocken.
impfen zu lassen. Teilweise sind diese Pockenausbrüche auch Schon in alter Zeit hatten die Menschen beobachtet, daß Per-
in medizinischen Fachzeitschriften geschildert worden. Hier sonen, die eine bestimmte Infektionskrankheit überstanden
fiel mir auf, daß - meist versteckt und kleingedruckt - zuge- hatten, nur selten ein zweites Mal daran erkrankten. Daher
geben wurde, daß Menschen auch erkrankt waren, die sich wurde versucht, diesen natürlichen Schutz auf künstlichem
kurz vorher hatten impfen lassen. Darüber wunderte ich mich Wege zu erreichen. Heute weiß ich, daß bei diesen Versuchen
sehr, war ich doch noch in dem von der Universität eingeimpf- folgenschwere Irrtümer vorgekommen sind. So waren viele
ten Glauben befangen, daß Impfungen, insbesondere die der schrecklichen Pockenseuchenzüge vergangener Jahrhun-
Pockenimpfung, vor einer Erkrankung schützen. derte nicht Folge unbekannter Aktivierung der Seuchenerreger,
sondern sehr oft Ergebnisse ärztlicher Maßnahmen. Erst als
diese Versuche durch Stadt- und Länderverordnungen ver-
boten wurden, kamen die Pockenzüge zum Erlöschen.
· .
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen

1. Allgemeines

Wann die Pocken erstmalig in Europa auftraten, ist nicht


mehr sicher feststellbar. Aber bereits aus dem Mittelalter wird
über Epidemien berichtet, die sich damals meist auf die grö-
ßeren Städte beschränkten. Aus dem 18. Jahrhundert liegen
Berichte über Epidemien großen Ausmaßes vor, in manchen
Jahren mit Tausenden von Todesfällen. Dann wiederum gab es
Jahre und Jahrzehnte mit einem deutlichen Nachlassen der
Seuchen. Die Gründe dieser merkwürdigen Rückgänge waren
zu dieser Zeit unbekannt.
Die Geschichte der Impfschäden begann am Beginn des
18.Jahrhunderts mit einem Bericht des griechischen Arztes
Timoni, der 1714 an die Königliche Gesellschaft der Wissen-
schaften in London berichtete, daß in Konstantinopel in
seiner Anwesenheit Tausende von Menschen mit Blattern
»gepfropft« worden seien. Das Verfahren bestand darin, daß
man aus Pockenblasen eines nur leicht an den Pocken Er-
krankten Eitermaterial auf einen Gesunden übertrug, in der
Hoffnung, nur eine leichte Pockenerkrankung hervorzurufen,
um damit einen Schutz vor den echten Pocken zu erzielen.
Über die Operationswunde wurde eine Walnußschale gebun-
den. Den Erfolg schildert Timoni: »Der so Inokulierte befinde
sich danach kaum unwohl. Es treten höchstens 20 bis 30 über
den ganzen Körper verstreute kleine Blasen auf, welche schnell
abheilen. Schwere Erkrankungen und Todesfälle seien selten
und seien auf gleichzeitige natürliche Pockeninfektionen
zurückzuführen. Aber alle, welche sich dem neuen Verfahren
unterworfen hätten, seien sicher gegen eine Neuerkrankung.«
.......
20
.........................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................21
1. Allgemeines

Wenige Jahre später berichtete die Frau des britischen Weimar ein und verursachte dadurch eine große Pocken-
Gesandten, Lady Mary Wortley Montague, in ähnlichem Sinn epidemie mit vielen tödlichen Verläufen. Auch Hamburg
nach London, was dort zur Einführung dieses Verfahrens und Berlin erlebten 1794 und 1795 nach Einführung dieser
führte. In England war beobachtet worden, daß manche Men- Methode große Pockenepidemien. Daraufhin verboten zu-
schen nur leicht von den Pocken befallen wurden, andere hin- nächst die größeren Städte in ihrem Bereich jede Art der
gegen erkrankten schwer und starben. In England wurde das Variolation oder Inokulation. Später folgten Verbote auf Lan-
Verfahren der arabischen Ärzte nachgeahmt, das heißt, die desebene. Beispielsweise besagte ein hessisches Gesetz, daß
Pockenpustel eines nur leicht erkrankten Menschen wurde jeder Arzt, der Inokulationen oder Variolationen ausführe,
mit einer Nadel eröffnet und mit dieser, mit Pockeneiter mit der Zahlung von 50 Reichstalern zu bestrafen sei.
behafteten Nadel die Haut eines gesunden Menschen ange-
ritzt. Man hoffte, der so Geimpfte werde ebenfalls nur leicht Am Ende des 18.Jahrhunderts erfand der englische Landarzt
an den Pocken erkranken und würde durch Überstehen dieser Edward J enner ein Impfverfahren, von dem er behauptete, daß
leichten Infektion dann gegen schwere oder tödlich verlau- es einen Schutz vor der Pockenerkrankung biete. Unter der
fende Pocken geschützt sein. 1718 hatte Lady Mary Wortley englischen Landbevölkerung war der Glaube verbreitet, wer
Montague dieses Verfahren bei ihrem Sohn in Konstantinopel die leichte und harmlose Kuhpockenerkrankung überstanden
durchführen lassen. Nach ihrer Rückkehr nach England setzte hätte, könne nicht mehr an den echten Pocken erkranken. Jen-
sie sich für die Einführung dieses Verfahrens ein und ließ die- ner entnahm daher aus einem Melkerknoten von der Hand der
ses auch an ihrer Tochter durchführen. Da sie der englischen Kuhmagd Sarah Nelmes Eiter und ritzte diesen in die Haut
Hocharistokratie angehörte, wirkte sie als Vorbild und trug verschiedener Versuchspersonen ein. An den RitzsteIlen ent-
so zu der Verbreitung dieser Methode bei. Kurz nach ihrer standen Eiterbläschen, aus denen Jenner Material zur Weiter-
Rückkehr nach England war bei fast 1000 Personen dieses führung der Impfreihen entnahm. Er entnahm aber auch Mate-
Verfahren zur Anwendung gebracht worden. Jedoch zeigten rial direkt aus einer tierischen Kuhpockenblase. Anfangs hielt
sich bald schlimme Folgen: Unter den so geimpften Personen er die Impfreihen getrennt, später vermischte er tierischen und
gab es nicht nur leichte Krankheitsverläufe, viele erkrankten menschlichen Eiter. Auf diese Weise impfte er im Jahr 1790
schwer, sogar sehr schwer, und viele starben. Das Verfahren seinen Sohn, als dieser etwa 10 Monate alt war. 1798 impfte er
wurde »Inokulation«, später auch »Variolation« genannt. Es den damals 5 Jahre alten John Baker sowie eine Frau im
stellte sich heraus, daß durch Impfungen mit dieser Methode 8. Schwangerschaftsmonat. Die beiden Kinder und die schwan-
schwere, auch tödliche Verläufe unvermeidlich waren. Jeder gere Frau waren die ersten Schadensfälle seines Verfahrens. Bei
»Irnpfling« wurde zur Infektionsquelle für seine Umgebung. Jenners Sohn blieb die geistige Weiterentwicklung nach der
Überall, wo dieses Verfahren zur Anwendung kam, stiegen Impfung stehen, er starb als schwachsinniges Wesen im 21. Le-
Pockenerkrankungen schlagartig an. In London starben in bensjahr. Der 5jährige John Baker starb kurz nach der Imp-
der folgenden Zeit pro Jahr ca. 25000 mehr »an den Blattern« fung. Die während der Schwangerschaft geimpfte Frau ver-
als in den Jahren vor Einführung des Impfverfahrens. In spürte am 23. Tag nach der Impfung keine Kindsbewegungen
Deutschland führte der Arzt Hufeland die Variolation 1781 in mehr, nach weiteren 12 Tagen wurde sie von einem toten Kind
.........
22
.......................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................23
1. Allgemeines

entbunden, dessen Haut mit pockenähnlichen Blasen bedeckt den besonders Waisenkinder mit diesem Impfstoff geimpft,
war. Schon damals wurden der Todesfall und die Totgeburt auf um sie als Lieferanten zu weiteren Impfungen zu verwenden.
die Impfung zurückgeführt, während man aber noch nicht er- Mit Schrecken wurde bemerkt, daß sämtliche Blutkrank-
kannte, daß auch das Schicksal von Jenners Sohn eine Impf- heiten, ganz besonders aber auch die Syphilis, durch dieses
folge war. Jenner verschickte seinen Impfstoff an die euro- Verfahren weiter verbreitet wurden. Dies führte nun zur
päischen Fürstenhöfe und innerhalb von 18 Monaten hatte er Züchtung des Impfstoffes auf der Kälberhaut. Bald wurde
fast 20000 Portionen Lymphe ins Ausland verschickt. Die bemerkt, daß auch die mit einer solchen auf Tieren gezüchte-
Fürstenhöfe tauschten diese Lymphen teilweise untereinander ten Lymphe geimpften Menschen an Pocken erkranken kön-
aus, impften damit vorwiegend Waisenkinder, um von den nen. Das wurde weitgehend verschwiegen und herunterge-
Eiterbläschen dieser Kinder neues Material zu gewinnen. Auch spielt. Man behauptete, sie würden nur leicht an den Pocken
dieses wurde verschickt, z. T. ging Material nach England erkranken. Für diese Form (Erkrankung des Geimpften)
zurück, wurde von Jenner verwendet, kurz, es gab in Europa wurde ein neuer Name, nämlich der Ausdruck »Varioleus«
eine vollständige Durchmischung dieses Impfstoffes. erfunden. Später wurde diese Periode als die »dritte Krise«
Da J enner die Impfreihen zunächst getrennt hielt, war die bezeichnet. Die vierte Krise betraf die Zeit nach dem Ersten
Kuhmagd Sarah Nelmes die Erstproduzentin eines menschli- Weltkrieg mit dem Bekanntwerden der durch die Impfung
chen Impfstoffes. Er hat später auch Material direkt aus tieri- verursachten Hirnschäden. Die Erkenntnisse gehen auf den
schen Pockenblasen genommen, zunächst auch diese Reihen Prager Professor Lucksch zurück, der damals in mehreren
getrennt gehalten, sie dann aber ebenfalls auch untereinander wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf die Hirnverände-
gemischt. Das Impfverfahren wurde nun von Pastoren, Heb- rungen nach Pockenimpfungen hinwies. Er nannte diese
ammen, Friseuren und Ärzten nachgeahmt. Man forderte in Erkrankungsart »postvakzinale Enzephalitis«. Die fünfte Kri-
Aufrufen und Zeitungsartikeln die Regierung zur Einführung se wurde durch die neugewonnenen Erkenntnisse der Vi-
gesetzlicher Pflichtimpfungen auf. Bereits 1807 führte in rologie ausgelöst. Es stellte sich nämlich heraus, daß der zur
Deutschland als erstes Land Hessen eine gesetzliche Impfung Impfung gezüchtete und verwendete Impfstoff weder Kuh-
ein, gefolgt von Bayern. Am Ende seines Lebens erlebte Jen- pockenviren noch Menschenpockenviren enthielt, sondern
ner große Pockenepidemien in England. Es stellte sich heraus, aus bis dahin unbekannten Viren bestand, die später »Impf-
daß auch die von ihm oder mit seiner Methode Geimpften stoffviren (Poxvirus Vacciniae«) genannt wurden. Es handelt
nicht vor den Pocken geschützt waren. J enner soll am Ende sich um ein bis dahin unbekanntes Virus, das auch bis heute in
seines Lebens von Zweifeln geplagt worden sein, ob er mit der Natur nicht gefunden wurde, das es also - außer in uns
seinem Verfahren wirklich etwas Gutes oder nicht doch etwas durch die Impfung - überhaupt nicht gibt. Damals behauptete
Furchtbares geschaffen habe. man, das Kuhpockenvirus habe sich durch seine künstliche
Das Versagen der Variolation hat man später als die »erste Weiterzüchtung in das Impfstoffvirus umgewandelt. So ent-
Krise der Pockenimpfung« bezeichnet. Das Versagen des Jen- stand ein Streit der Impfärzte. Deutsche Ärzte behaupteten, es
ner'schen Verfahrens bezeichnete man später als die »zweite sei möglich, das Kuhpockenvirus in das Impfstoffvirus umzu-
Krise«. In den damals gegründeten Landesimpfanstalten wur- züchten. Andere bestritten diese Möglichkeit und vertraten
..24..............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................25
1. Allgemeines

die Meinung, es handele sich bei den beiden Virus arten um geimpft, aber die hygienischen Verhältnisse in den Gefange-
zwei völlig verschiedene Erreger. Hier war es besonders der nenlagern waren derartig dürftig, daß sich die Pockenseuche
Franzose Chauveau, der diese Ansicht vertrat, und mit ihm rasch ausbreitete und auf die deutsche Bevölkerung über-
zahlreiche französische und englische Autoren. Heute wissen sprang. Nach Beendigung des Krieges wurden die französi-
wir, daß es zwei verschiedene Erreger sind und daß es nicht schen Soldaten rasch in ihre Heimat zurückbefördert, und so
möglich ist, Kuhpockenviren in Impfstoffviren umzuzüchten waren die Jahre 1873 und 1874 Jahre eines beträchtlichen
und umgekehrt. Das heißt, alle diejenigen »Forscher«, die Rückganges sowohl der Pockenerkrankung als auch der
behauptet hatten, es sei ihnen gelungen, das Kuhpockenvirus Pocken- Todesfälle.
in das Impfstoffvirus umzuzüchten, hatten die Unwahrheit
gesagt. Mit diesem Impfstoff, der in der freien Natur nicht
vorkommt, von dem wir nicht wissen, wo er herstammt, von
dem alles unbekannt ist und von dem nur gesagt werden
kann, »seine Herkunft verschwindet im Dunkel der Vergan-
genheit«, haben wir über 100 Jahre lang unsere Kinder
geimpft!
In Deutschland gibt es seit 1816 eine Pocken-Todesfall-Sta-
tistik, welche zeigt, daß die durchgeführten Impfungen keinen
Einfluß auf die Höhe der Pocken-Todesfälle gehabt haben.
Selbst bei Berücksichtigung des Bevölkerungsanstieges zeigt
die Kurve dennoch zumindest nicht den versprochenen Rück- lOOO IHlf.1f-U·1I
gang. Das An- und Abschwellen der Pockenseuche war seit
Jahrhunderten bekannt. Da allmählich immer mehr Menschen
an den Pocken starben, führte dies zur Forderung der
Impfärzte, eine zweite Impfung zur Pflicht zu machen. Als es
nun im Krieg 1870/71 zu großen Pockenausbrüchen kam, Abb.l Pockentodesfälle im Deutschen Reich. Absolute Zahlen
wurde dieses benutzt, um verstärkt die Einführung einer
zweiten Impfung zu fordern. Mit dem sogenannten Reichs- Die Abbildung zeigt eine Kurve aus dem Reichsgesundheits-
impfgesetz vom Jahr 1874, in Kraft getreten 1875, wurde der amt. Wohl jeder Student und jeder junge Arzt hat diese Kurve
Bevölkerung eine zweite Impfung im 12. Lebensjahr zur mit Ehrfurcht betrachtet. Sie zeigt - bei oberflächlichem Hin-
Pflicht gemacht. Was war die Ursache dieser Pockenaus- sehen - den Erfolg der gesetzlichen Maßnahme: den Abfall
brüche im Jahr 1870/71? Fast die ganze Bevölkerung war der Pocken-Todesfälle nach Einführung gesetzlicher Impfun-
doch gegen Pocken geimpft! Diese Ausbrüche gingen immer gen. Betrachtet man die Kurve jedoch genauer, so wird offen-
von den Lagern der französischen Kriegsgefangenen aus. sichtlich, daß es sich um eine geschickte optische Täuschung
Zwar waren auch die französischen Soldaten gegen Pocken handelt.
26
••••
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
e ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• . 2. Verwendete Tierarten zur Impfstoffproduktion
.
27

-10000
-13.051 1o.09~
fung. Trotzdem hat es im zweimal durchgeimpften Deutsch-
land immer wieder Pockenausbrüche gegeben, z. B. in Ost-
9000
preußen sowie in Sachsen. Dr. Jürgens hat Pockenausbrüche
8000 unter Rückwanderern aus Wolhynien in der »Berliner Medi-
zinischen Wochenschrift« beschrieben. Der wichtigste Satz
1000
seiner Untersuchung lautet: »Ich wiederhole auch, daß ein
6000 sogenannter Impfschutz ohne Bedeutung für die Ausbreitung
5000
der Erkrankung war, denn geimpfte und ungeimpfte Kinder
wurden ziemlich gleichmäßig befallen.« Dr. Schmitz berich-
4000 tete über Pockenausbrüche 1943 bei deutschen Soldaten im
3000
griechisch-türkischen Grenzgebiet und zeigte, daß gut ge-
nährte und mehrfach geimpfte Soldaten und Zivilisten an den
2000
Pocken erkrankten. In seinem damaligen Bericht »Pocken-
1000 erkrankungen bei Geimpften« schrieb Schmitz: »Die auffal-
lende Tatsache, die wir bei den Wehrmachtsangehörigen fest-
1865 1W. 18&1 18&81869 1BtO 1811 1812. 1813 1814 1815 1816 18T1 1818 1879 1880 1~ 1882- stellen konnten, ist zweifellos die, daß es trotz - manchmal
Abb.2 Todesfälle an Pocken im Deutschen Reich nach Breger: Pocken u. erst sehr kurze Zeit zurückliegender - Schutzimpfungen den-
Impfstatistik im Hdb. der Pockenbekämpfung und Impfung von Lentz u. noch zu Pockenerkrankungen kam.« Daher ist es auch nicht
Gins, Berlin 1927 verwunderlich, daß es im Nachkriegsdeutschland zu elf
Pockenausbrüchen kam.

Zieht man die Kurve auseinander, wird offenbar, daß der


Rückgang nichts mit der Einführung des Reichsimpfgesetzes 2. Verwendete Tierarten zur Impfstoffproduktion
zu tun gehabt haben kann. Schon vor Inkrafttreten des Geset-
zes am 1. 4. 1875 hatten die Zahlen der Todesfälle das Vor- Nachdem die Weiterzüchtung von Pockenimpfstoff auf Wai-
kriegsniveau unterschritten. senkinder zur Weiterverbreitung aller auf dem Blutweg mög-
Der Paragraph 1 des Reichsimpfgesetzes von 1884 lautete: lichen Krankheiten geführt hatte, ging man dazu über, die
§ 1. Der Impfung mit Schutzpocken sollen unterzogen wer- Impflymphen auf der Kälberhaut zu züchten. Die Kälber
den: wurden rasiert, in die Bauchhaut wurden Hunderte von
1. jedes Kind vor Ablauf des auf sein Geburtsjahr folgenden Schnitten gesetzt und in diese Schnittwunden wurden die
Kalenderj ahres; ... Vakzineviren eingebracht. Es entstanden großflächige Eite-
Das heißt, bis zum zweiten Geburtstag waren bei uns alle rungen. Diese wurden abgeschabt und daraus wurde die
Kinder geimpft. Nach den Bestimmungen des Reichsimpf- Pockenlymphe hergestellt. Die Tiere wurden getötet. Immer
gesetzes des Jahres 1875 erfolgte im 12. Lebensjahr die 2. Imp- mehr Menschen wurden sich bewußt, daß Waisenkinder keine
.........................................................................................................
28 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
• •••.•••••••••• fJ •••••••.•••••••••••.•••••••••••••••••••••••••••••••.•••.••••.•
2. Verwendete Tierarten zur Impfstoffproduktion
111 •••••.•••••••••••••••
29

Menschen zweiter Klasse sind, die zu medizinischen Experi- Hier eine Tabelle, aus der Einzelheiten entnommen werden
menten mißbraucht werden durften. Es regten sich aber auch können.
Stimmen, die sich gegen den Gebrauch von Kälbern zur Impf-
stoffgewinnung richteten. Die Kälber wurden in Stäl~en fest-
Impfung Zur Impfstoffgewinnung benutzte Tierart
geschnallt, damit sie sich nicht hinlege~ k~nnte~. DIe ganze
Prozedur war bis zu ihrer Tötung für die TIere eme qualvolle Pocken Kälber (Haut), Schafe (Haut),
Angelegenheit. Es gab deshalb zunehmend Prote~te von seiten Kaninchen (Auge)
der Tierschützer. Zunächst wurde versucht, diese Proteste Wundstarrkrampf Pferde
zu beschwichtigen, indem zum Beispiel Herr Schuhmacher,
Tollwut Hunde, Schafe, Affen, Kaninchen, Hamster,
der damalige »Seuchenreferent« beim Bundesgesundheitsamt,
Ratten, Mäuse, Hühnereier, Enteneier
behauptete: »Pockenimpfstoff wird aus Gewebekulturen her-
Tuberkulose (BeG) Kühe (Euter), Wühlmäuse
gestellt.« Diese Äußerung war unwahr, denn die Gewinnung
Kinderlähmung (Polio) Affen (Nieren und Hoden)
von Pockenimpfstoff war bei uns gesetzlich geregelt. Der ent-
Röteln Kaninchen (Nieren)
sprechende Paragraph in der Vorschrift »Ausführung des
Impfgesetzes« lautet: .. . Masern Hunde, Meerschweinchen (Nieren),
»§ 1 (1) Schutzimpfungen gegen Pocken SInd nur mit .TIer- japanische Wachteleier, Hühnerembryonen
lymphe vorzunehmen. Der Impfstoff ist aus der Staatlichen Keuchhusten Mäuse
Impfanstalt zu beziehen.« Grippe Hühnerembryonen
»§ 1 (2) Für Privatimpfungen kann der Impfstoff auch aus
Tabelle 1
der Apotheke bezogen werden.«
Quelle: Dittmann, S.: Atypische Verläufe nach Schutzimpfungen. Johann Ambrosius
Alle Impfanstalten (es handelt sich um Behörden!) waren Barth, Leipzig 1981
an diese Vorschrift gebunden und arbeiteten entsprechend.
Zur Gewinnung bzw. zur Herstellung der anderen, heute
gebräuchlichen Impfverfahren wurden Tiere bzw. Tierorgane Impfstoffen möglichst andere Materialien zu verwenden. So
benötigt. wurden bestimmte Impfstoffe auf den Allantoismembranen
Bei jeder Impfung werden einem Kleinkind um ein Vielfa- bebrüteter Hühnereier gezüchtet. Heute behauptet die phar-
ches mehr Infektionskeime zugeführt, als es jemals bei einer mazeutische Industrie, zu deren Herstellung Tiere nicht mehr
echten Infektionskrankheit in sich aufnehmen würde. Da oder kaum noch zu benötigen. Die Industrie sei technisch in
Viren nur im lebenden System existieren und sich vermehren der Lage, diese auf »HeLa«-Zellen oder auf »HDC« zu züch-
können, werden sie bei der Herstellung von Impfstoffen ten. Dabei handelt es sich um Krebszellen, die aber nicht als
gewöhnlich im Tier selbst, in Zellkulturen ode: i~ ~efruch~e- solche bezeichnet werden. Bei dem Namen »HeLa« handelt
ten Hühnereiern gezüchtet oder aus dem Blut infizierter TIe- es sich um die Anfangsbuchstaben des Namens jener Frau,
re gewonnen. Proteste der Tierschützer führten. dazu, daß Henrietta Lacks, von der diese Krebszellen abstammen. Es
sich die Arzneimittelindustrie bemühte, zur Gewinnung von wird auch von »Zell-Reihen« oder »Zell-Linien« gesprochen,
................................................................................
30 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 3. Pocken
.
31

immer, um zu verheimlichen, daß es sich um Krebszellen han- 3. Pocken


delt. Die pharmazeutische Industrie hat keine Bedenken und
glaubt, keinen Zusammenhang zwischen dieser Tatsache und Übersicht über die elf Pockenausbrüche in der Nachkriegszeit
dem Krebsanstieg bei Kindern zu sehen. Bei den auf Hühner- in Deutschland
eiern gezüchteten Impfstoffen rechnet man, daß pro Impfung
ein Hühnerei benötigt wird, woraus zu ersehen ist, welch 1. Pockenausbruch in Wiesbaden 1947
große Menge Hühnereier dabei verbraucht wird. Es ist ver- - sechs Erkrankungen
ständlich, daß die Hühnereierproduzenten und -lieferanten
beträchtliches Interesse an der Aufrechterhaltung möglichst
vieler Impfungen haben.
Jetzt behauptet die pharmazeutische Industrie, die meisten
Pockenkranke Amerikaner
Impfstoffe würden »gentechnologisch« hergestellt. Niemand im amerik. Hospital in Wies _ ~~ Müllplatz des
kann sagen, ob diese Impfstoffe überhaupt noch eine schüt- baden (etwa ab Dez.1946) amerik.Hospit.
zende Wirkung haben können.
Als die Impfstoff-Produktionshysterie noch am Anfang
stand, warnte Prof. Herrlich, damals Leiter der Impfanstalt / / '\ <,
München, in einer Festrede anläßlich einer Feierstunde der
Bundesregierung am 6. April 1965 zum Weltgesundheitstag
I
-, T / I
-,
T
/
I
-,
T
/
)

Schwester Pfleger Pfleger


vor zu vielen Impfungen, indem er sagte: »Fassen wir nun die
Gesamtheit der Schutzmaßnahmen zusammen; die Impfung Johanna W.(31)~. ~
, Dez.46 , Dez46
gegen die Pocken, gegen Tuberkulose, gegen Diphtherie,
Keuchhusten und Tetanus sowie gegen Kinderlähmung, und 13.2 5.3.
47 47
rechnen wir noch die Wiederholungsimpfungen hinzu, so
fragt man sich mit Recht, ob denn diese Häufung an Injektio- Gertrud Liddy Anna
W.(50) H.(56) Sch.(47)
nen und Einverleibungen im kindlichen Organismus noch , 1908
Platz finden und keinen Schaden anrichten ... « Damals be- , 1909
, 1910
hauptete Herrlich dann weiter: »Die Erfahrung hat gelehrt, , 1912
daß die jetzt zur Verfügung stehenden Impfstoffe vom gesun- , 1913 Maria Melitta
den Organismus ohne Schaden vertragen werden.« D.(4 ) D.(3)
, 8.3.47 '8.3.47

Datum im Kreis = Tag der Krankenhauseinweisung


, = Impfung (mit örtl. Reaktion)
V = Impfung (ohne örtl. Reaktion)

Abb.3 Pockenausbruch in Wiesbaden 1947


................................................................................
32 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 3. Pocken
.
33

Schwester Johanna Wittke (31) lebte mit ihrer Mutter, Frau Schwester Johanna Wittke ist mit ihrer Mutter später nach
Gertrud Wittke (50), in Wallau bei Wiesbaden. Sie fuhr täglich Amerika ausgewandert. Die Familie Dahlke wanderte nach
mit dem Bus zur Arbeit in das amerikanische Hospital, wo Kanada aus. Ich habe mit ihnen korrespondiert. Die hier auf-
sie etwa seit Dezember 1946 mit der Pflege von pockenkran- geführten Einzelheiten stammen aus dieser Korrespondenz.
ken Amerikanern betraut worden war. Diese hatten sich in
Afrika - wahrscheinlich mit der leichten Pockenform Ala- 2. Pockenausbruch in Hamburg 1957
strim - angesteckt. Sie übertrug die Pocken auf ihre Mutter. - eine Erkrankung
Diese war während ihrer Tätigkeit als Hebamme in östlichen
Gebieten 5x mit Erfolg gegen Pocken geimpft worden. Dage-
gen blieb die nach deutschem Gesetz lediglich als Klein- und
G2\
~
Schulkind geimpfte Tochter frei von Krankheitserscheinun-
Elektrotechniker (28)
gen. Weiterhin erkrankte die Mutter des Pflegers, Frau Liddy , 271.1956
Hellwig (56), sowie seine Pensionswirtin, Frau Anna Schäler
Abb.4 Pockenausbruch in Hamburg 1957
(47), des auf der Pockenstation arbeitenden deutschen Kran-
kenpflegers. Er war Ende 1946 erneut geimpft worden und
blieb gesund, übertrug aber die Pocken auf seine Mutter und Eingeschleppt von einem Elektrotechniker (28 Jahre). In der
seine Wirtin. Literatur heißt es: »Als Kleinkind sowie mit 12 Jahren regel-
In der graphischen Darstellung ist hinter dem Anfangs- recht geimpft. Von der Erstimpfung sind noch 4 Narben am
buchstaben des Familiennamens das Alter angegeben. Im rechten Oberarm zu erkennen. Vor der Ausreise nach Indien
Kreis das Datum des Ausbruches der Pockenerkrankung. Die und Pakistan Revaccination am 27. 1. 1956.« Er kehrte am
Dreiecke zeigen die zusätzlichen Impfungen an. Das leere 24. 4. 1957 nach Hamburg zurück. Am 29. 4. 1957 mußte die
Dreieck bedeutet Impfung ohne örtliche Reaktion, und das Diagnose »Pocken« gestellt werden. Trotz zahlloser Kontakte
volle schwarze Dreieck zeigt eine Impfung mit örtlicher blieb es bei diesem einen Erkrankungsfall.
Reaktion an.
Es erkrankten weiterhin 3 Flüchtlingskinder, Erika, Melitta
3. Pockenausbruch in Heidelberg 1958/59
und Maria Dahlke. Erika, geboren am 28. 4. 1941, und
- zwanzig Erkrankungen mit 2 tödlichen Ausgängen
Melitta, geboren am 2. 1. 1943, waren geimpft. Maria, die
jüngste Schwester, geboren am 3. 5. 1944, war ungeimpft. Eingeschleppt von dem Arzt Dr. Josef Krump (38 Jahre).
Erika erkrankte zuerst, worauf am 8. 3. 1947 bei Melitta die Impfungen: Kleinkind, Schulkind, dritte Impfung 1943. Von
zweite Impfung und bei Maria die erste Impfung durchge- den insgesamt zwanzig Erkrankten war die Ärztin Dr. Maria
führt wurde. Beide Kinder erkrankten 6 bzw. 7 Tage nach der N. wegen eines Hautleidens ungeimpft geblieben. Sie ist die
Pockenimpfung. Bei dem Pockenausbruch in Wiesbaden 1947 einzige Person aller Nachkriegsepidemien, die ungeimpft an
war die ersterkrankte Frau Gertrud Wittke 7x erfolgreich den Pocken verstarb. Die 71jährige Pat. St., die wegen eines
gegen Pocken geimpft worden, sie erkrankte am 11. 2. 1947. unheilbaren Leidens in der Klinik behandelt wurde, war nach
...........................................................................................................
34 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
.. 3. Pocken 35.

2111.)..- ----1 aufschlußreich. Wegen einer bevorstehenden Amerikareise


58
unterzog er sich am 12. 12. 1958 der damals noch vorgeschrie-
Dr Josef Kr (38
• 1943 benen Pockenimpfung. Sie war »erlolgreich«. Als Folge des
I
I
Pockenausbruches konnte die geplante Amerikareise aber
~ nicht durchgeführt werden. Dr. D. wurde im Zuge der Mas-
I
I ~ senimpfung des Krankenhauspersonals von oben erwähntem
Patient Putzfrau
Dr.Wemer Dr.Maria: Patientin
Gr (35) N(26) I S1(71)
Pförtner
Ku.(61)
Ärztin Sekretärin
Dr.Ko(36) L(39)
Friseur
Mi(60)
Sekretärin
F(55) J(42) Ku. (48) Leiter einer Impfanstalt am 27. 12. 1958 »mit kräftigen und
+5.1.59 : 1'27.12.58 '718.12.58 '718.12.58'718.12.58 '718.12.58
Kontakt nicht
'13.12.58
tiefen Impfschnitten- nochmals geimpft. Die Impfung ergab
zu ermitteln
eine angeblich vor jeder Pockeninfektion schützende Bläs-
1'-, ~ 7.1.
I ) 59 chenreaktion. Dr. D. war also in einem Monat zweimal
'-/ ~
Kind von Schwester Dr.med. Schwester Prof. Schwester Senka-Fahrer »erfolgreich« gegen Pocken geimpft worden. Er erkrankte am
Margarethe H.D. Agnes K. Dr.Mo. Liselotte B. F(57) S1(47)
Dr. G.
M(47) (33) (48) (53) (31) '73.1.59 '722.12.58 2. 1. 1959, 6 Tage nach der letzten (seiner vierten) Pockenimp-
• 16.12.58 '12.12.58 '71112.58 '716.12.58 '16.12.58 • 24.1.59
'27.12.58 .2712.58 .2112.58 '73.1.59
fung. In der amtlichen Pockenstatistik werden für Heidelberg
21 Erkrankungsfälle angegeben. Der 21. Fall ist das Kind des
Pfarrer Med. Tech.
G.(37) AssB(36) Datum im Kreis = Beginn der Erkrankung Arztes Dr. Werner G. Da das ungeimpfte Kind nur sehr leicht
'16.12.58 '16.12.58 • = Impfung (mit ortl. Reaktion)
'7 = Impfung (ohne örtl Reaktion) erkrankte, wurde von Heidelberger Ärzten eine Pockener-
Abb.5 Pockenausbruch in Heidelberg 1958/59 krankung angezweifelt. Bei der Epidemie in Heidelberg hat es
sich, ebenso wie bei späteren Ausbrüchen, um eine Kranken-
hausepidemie gehandelt. Man hat hier Kontaktpersonen mit
unseren Gesetzen geimpft. Sie erkrankte an den Pocken und besonders ungünstigen Dispositionen, das heißt alte, gebrech-
verstarb am 27. 12. 1958 an ihrem Grundleiden. In unserer liche und fiebrige Patienten, nicht geimpft. Unter diesen
amtlichen Statistik wird sie als Pocken- Todesfall gezählt. Personen gab es trotzdem keine Erkrankungen. Dagegen
Außer der Ärztin Dr. Maria N. sind alle 19 Personen nach den waren unter den damals erneut geimpften Kontaktpersonen
Gesetzen unseres Landes geimpft gewesen. Nach Ausbruch 14 Pockenerkrankungen zu verzeichnen. Im Pockenausbruch
des Pockenfalles setzten Massenimpfungen ein, 14 der 20 ins- Heidelberg 1958/59 war der ersterkrankte Dr. med. J osef
gesamt Erkrankten wurden einer erneuten Schutzimpfung Krump 3 x erfolgreich gegen Pocken geimpft worden. Er er-
unterzogen. Der größte Teil dieser Schutzimpfungen wurde krankte am 27. 11. 1958.
von dem Leiter einer Impfanstalt durchgeführt. Er behaup-
tete: »[eder weiß, daß die Impfung unter Berücksichtigung
4. Pockenausbruch in Ansbach 1961
aller hiermit zu nennenden Kautelen einen nahezu 100 %igen
- vier Erkrankungen mit einem tödlichen Ausgang
Schutz vor Erkrankungen bietet.« Trotz Impfung »rnit kräfti-
gen und tiefen Impfschnitten« durch eben genannten Impf- Eingeschleppt von dem Fotografen Kurt Eichholz.
arzt erkrankten diese 14 Personen wenige Tage nach der Imp- Impfungen: Kleinkind, Schulkind, 1958 sowie am 26. 7. 1960,
fung. Hierbei ist die Geschichte des Arztes Dr. D. besonders also mindestens 4 Impfungen. Beginn der Erkrankung: 18. 3.
36 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen 3. Pocken 37
••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• 41 •••••••••••••••.••••• • •••••••• 111 •••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••

5. Pockenausbruch in Düsseldorf 1961/62


- fünf Erkrankungen mit 2 tödlichen Ausgängen
K.E. (27) Eingeschleppt von Dipl.-Ing. Wolfgang Jakobs (37 Jahre).
, 1958
, 26.7.60

Dipl.-Ing.
Wolfgang J. (37)
V 1954
H.E.(55) A.E.(63) DrH.J.D.(29) , 1958
(Mutter) (Vater) , 12.8.1959
, 31.3.61 'im Krieg V 29.3.61
, 31.3.61 , 1.4.61
.--------l~--~- - - - - - - -...,

®
ot10.4.61

Datum im Kreis=Beginn der Erkrankung


, = Impfung (mit örtl. Reaktion)
V = Impfung (ohne örtl.Reaktion) Tillmann J. Christel J Elisabeth S Martha L.
(5) (29 ) (57) (48)
Abb.6 Pockenausbruch in Ansbach 1961 (Sohn) (Ehefrau) (Krankenschwester) (Krankenschwester)
, Sept.59 '1945 Vl.l.62 '1.1.62
, 6.1.62
'f<20. 1.62 'f<17.2.62
1961. Nach Bekanntwerden der Pockenerkrankungen war im
Zuge der einsetzenden Massenimpfungen der Arzt Dr. Hans- Datum im Kreis = Beginn der Erkrankung
, = Impfung (mit örtl. Reaktion)
Jürgen D. (29 Jahre) am 29. 3. 1961 geimpft worden. Da diese V = Impfung (ohne örtl.Reaktion)
Impfung eine örtliche Reaktion nicht erkennen ließ, erfolgte
Abb.7 Pockenausbruch in Düsseldorf 1961/62
am 1. 4. 1961 die nun als »erfolgreich« bezeichnete Wiederho-
lungsimpfung. 21 Tage nach dieser Impfung erkrankte er. Der
Vater des Fotografen war nicht nur als Kleinkind und als Seine Impfungen: Kleinkind, Schulkind, 1954, 1958 sowie
Schulkind, sondern auch zum dritten Mal während des Krie- am 12. 8. 1959. Beginn der Erkrankung: 13. 12. 1961. Es er-
ges geimpft worden. Er wurde am 31.3.1963 zum vierten Mal krankte ebenfalls sein Sohn Tillmann (5 Jahre), bei dem
geimpft. 7 Tage später erkrankte er an den Pocken. Die Mut- 2 Jahre zuvor, im September 1959, die gesetzliche Pocken-
ter des Fotografen, welche als Klein- sowie als Schulkind impfung durchgeführt worden war. Weiterhin erkrankte die
geimpft worden war (große Impfnarben waren nachweisbar), Ehefrau Christel (29 Jahre), sie war als Kleinkind sowie 1945
wurde am 31. 3. 1961 zum dritten Mal geimpft. Wenige Ta- als zwölf jähriges Schulkind geimpft worden. Nach Einwei-
ge nach der Impfung erkrankte sie und starb am 10. 4. 1961, sung der Pockenkranken in das Krankenhaus wurde das Pfle-
10 Tage nach der letzten Impfung. gepersonal geimpft, erneut auch die Stationsschwester der
Infektionsabteilung, Elisabeth Siekmann (57 Jahre). Wegen
...................................................................................
38 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 3. Pocken
.
39

ihres Berufes muß angenommen werden, daß dieser Impfung


mehr als die in der Literatur zugegebenen gesetzlichen
Pockenimpfungen vorausgegangen sind. Insbesondere, weil
diesbezügliche Anfragen beim Leiter der Impfanstalt Düssel-
dorf sowie bei dem Stationsarzt des Krankenhauses unbeant-
wortet blieben. Die am 1. 1. 1962 durchgeführte Pockenimp-
fung ging nicht an. Das Nichtangehen einer Impfung mit nor-
maler Lymphe ist u. U. zu beobachten, wenn zwischen einer
vorausgegangenen Impfung und der Wiederholung nur einige
Monate oder Jahre vergangen sind. Deshalb erfolgte am 6. 1.
1962 mit verstärkter Lymphe die nun »erfolgreiche« Revacci-
nation (mindestens die vierte Impfung). Schwester Elisabeth
erkrankte und verstarb am 20. 1. 1962 an den Pocken, 14 Tage
nach der letzten Impfung. Ebenso wurde am 1. 1. 1962 die
Krankenschwester Martha Lehmann (48 Jahre) erneut ge-
impft. Auch bei ihr muß angenommen werden, daß dieser
Impfung nicht nur die in der Literatur zugegebenen gesetz-
lichen Impfungen vorausgingen. Schwester Martha erkrankte
am 2.2.1962 und verstarb am 17. 2.1962.
s:
+'
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L-
Q)

6. Pockenausbruch in Monschau-Simmerath bei Aachen 1962 E


E
- 34 Pockenerkrankungen mit einem tödlichen Ausgang I{l
:::J
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s:
Eingeschleppt durch den Werkmeister Josef Breuer (32 Jahre). u
Vl
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Impfungen: erste und zweite gesetzliche Impfung sowie am o
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29. 4. 1960 in Madras mit der sogenannten multiplen Pres- c
sure- Methode am Unterarm. Später wurde in der Literatur s:
u
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behauptet, »... daß eine örtliche Reaktion nach der Impfung L-
.0
Vl
nicht vorgelegen habe«, Damit wurde der Eindruck erweckt, :::J
ro
c
als sei Breuer ungeimpft gewesen. Die Narbe, welche nach der Q)
..><:
u
großen Impfpustel am Unterarm zurückblieb, habe ich selbst o
o,
gesehen.
Es erkrankte seine Tochter Waltraud (9), die als Kleinkind
geimpft worden war. Die Erkrankten in Monschau-Simme-
.................................................................................
40 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 3. Pocken
.
41

rath waren - mit wenigen Ausnahmen - nach unseren gesetz- 7. Pockenausbruch in Kulmbach 1965
lichen Bestimmungen geimpft worden. Einer der U ngeimpf- - zwei Erkrankungen
ten war Günther Niessen (12), dessen Pockenerkrankung so
Eingeschleppt durch Werkmeister Johann Krieger (48).
leicht verlief, daß sein ungeimpfter Zustand in der Literatur
nicht erwähnt wurde. Waltraud Breuer wurde am Abend des
31. 1. 1962 in das Krankenhaus Simmerath eingewiesen, ehe
dort irgendwelche Schutzmaßnahmen vorgenommen werden
konnten. Nach Bekanntwerden der Pockenerkrankung erfolg-
ten am 1. 2. 1962 die üblichen Massenimpfungen
kerung. Dagegen wurde von einer wahllosen Massenimpfung
der Bevöl-
,,
Johann Kr ( 48)
1939
der Krankenhauspatienten abgesehen, da es sich vorwiegend
um ältere Personen handelte, deren letzte Pockenimpfung
viele Jahre zurücklag und die erfahrungsgemäß auf erneute
,, 1942
1957
5.7.1965
Impfungen mit schweren Impfreaktionen und zahlreichen
Komplikationen reagieren würden. Außerdem hatte man
Sorge, auch solche Personen zu impfen, die sich womöglich
bereits infiziert hatten. Bekanntlich verlaufen Inkubations-
impfungen häufig tödlich - wie man kurz zuvor bei den
Helmut W. (27)
beiden Krankenschwestern in Düsseldorf gesehen hatte. Un-
, 28.10.1965
glücklicherweise bat die Patientin Armeliese Schnitzler (32)
5 Tage nach Einlieferung von Waltraud Breuer um die Durch- Abb.9 Pockenausbruch in Kulmbach 1965

führung der Impfung. Dieser Bitte mußten die Ärzte nach der
immer noch bestehenden Lehrmeinung von der Wirksamkeit
der Pockenimpfung nachkommen. So wurde Frau Sehn. am Impfungen als Kleinkind, als Schulkind, 1939, 1942, 1957 und
5. 2. 1962 »erfolgreich« geimpft. Sie erkrankte wenige Tage am 3. 7. 1965, also mindestens 6 Impfungen. Er kehrte am
danach und starb am 20. 2. 1962, 15 Tage nach der letzten 18. 10. 1965 aus Afrika zurück und landete auf dem Flugplatz
Schutzimpfung. Von den insgesamt 34 Pockenerkrankungsfäl- München-Riem. 10 Tage später, am 28. 10. 1965, suchte Herr
len wurden 15 in der Zeit nach Bekanntwerden des Pocken- K. seinen Hausarzt auf, da sich an Stirn, Nacken und an der
ausbruches einer erneuten Impfung unterzogen. Sie waren Brust kleine Bläschen gebildet hatten. Am gleichen Tag wurde
also mindestens 3x geimpft worden, die letzte Impfung lag der Variolaverdacht durch den Laborbefund bestätigt. Es
nur wenige Tage zurück. Trotzdem erkrankten diese 15 Per- erkrankte auch ein Arbeitskollege des Werkmeisters, Herr
sonen an den Pocken. Helmut W. (27). Seine Impfungen: Kleinkind, Schulkind
sowie am 28. 10. 1965, also mindestens 3 Impfungen. Beide
Erkrankungen verliefen leicht. Es dürfte sich um die leichte
................................................................................
42 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 3. Pocken
.
43

Pockenform, wie sie in Afrika vorherrschte, gehandelt haben. Erkrankung: 15. 1. 1970.
Bei Helmut W. wurde die Diagnose »Pocken« überhaupt Wie bei allen bisherigen Pockenausbrüchen üblich, machten
angezweifelt. Werkmeister Krieger übernachtete im Missions- sich auch in Meschede bestimmte Kreise die Angst der Men-
hospital in Ifakar in Tansania. Dort weilten viele Gäste. In schen vor einer schrecklichen Krankheit zunutze, um mit
einem weit abgelegenen Nebenraum befanden sich pocken- Hilfe der von diesen Kreisen kontrollierten Presse eine an
kranke Eingeborene, die keiner der Gäste zu Gesicht bekam. Panik grenzende Massenhysterie zu erzeugen. Auf dem Gip-
Es gab unter diesen Gästen nur eine einzige Sekundärinfek- felpunkt dieser Propagandaaktion brachte die Bild-Zeitung
tion, die bei Werkmeister Krieger. Er war derjenige unter den vom 2.2. 1970 in Schlagzeilen die Meldung: »Hunderttausend
Gästen, der die meisten Pockenimpfungen (6) hinter sich müssen sich impfen lassen«.
hatte. Er erkrankte trotzdem. Es war meine Absicht, in der Sendung »Report« vom 2. 2.
1970 die geplante Massenimpfaktion zum Scheitern zu brin-
8. Pockenerkrankung in Hannover 1967 gen. Ich wußte, daß bei allen bisherigen Impfkampagnen
Ersterkrankter Dr. med. Jürgen Fischer. schwerste Schäden, z. T. mit Dauersiechtum. vorgekommen
1967 reiste eine deutsche Ärztegruppe nach Indien, unter waren. Von der Nutzlosigkeit derartiger Impfungen war ich
ihnen Dr. Fischer aus Hannover. Dieser schrieb mir später: überzeugt, und mir war klar, daß der Sinn ein reines Propa-
»Nach den gesetzmäßigen Impfungen in der Jugend war ich gandamanöver war. Nach der Sendung »Report« brach die
anläßlich einer Auslandsreise vor 6 Jahren zum dritten Mal Impfaktion im Sauerland zusammen, die Impflokale blieben
geimpft worden. Die erneuten Schutzimpfungen vor meiner leer. Von etwa 300000 Einwohnern der zur Impfung aufgeru-
Reise nach Indien erfolgten ein halbes Jahr und dann erneut fenen Kreise kamen keine 10% (etwa 23000) der Aufforde-
6 Wochen vor der Reise, die letzte ergab eine lange Zeit anhal- rung nach. Was geschah weiter? Waren vorher Berichte mit
tende Erosion mit rotem Hof.« Nur Dr. Fischer erkrankte großen Schlagzeilen erschienen, blieben nun derartig aufge-
unter der deutschen Ärztegruppe. Als einziger hatte er sich im machte Meldungen aus. Die Berichterstattung wurde sachlich.
Jahr vor der Reise zweimal impfen lassen. Wie zu erwarten, gab es unter den dem Impfaufruf nicht
gefolgten 270000 Menschen keinen einzigen Pockenfall.
9. Pockenausbruch in Regensburg 1967 Ohne Ausnahme waren alle, bei denen in den nächsten Tagen
Ersterkrankte Frau Anna Schmaus. die Pockenerkrankung noch diagnostiziert werden mußte,
Impfungen: Gesetzliche Impfungen rm ersten und zwerten bereits isoliert. Bei Bekanntwerden des Pockenfalles waren sie
Lebensjahr sowie 1965. - wie immer nutzlos - geimpft worden. Im Sauerland ver-
Erkrankung am 4. 3. 1967. schwand die panische Angst. Ruhe und Ordnung kehrten
zurück. Sechs Wochen nach der Sendung »Report« war die
10. Pockenerkrankung in M eschede Bundesrepublik »pockenfrei«.
Ersterkrankter Bernd Klein. Bei früheren Pockenausbrüchen wurde stets behauptet,
Impfungen: Erste und zweite gesetzliche Impfung SOWIe Massenimpfungen wären notwendig, um ein Umsichgreifen
»wenige Wochen vor der Erkrankung«. der Pockenseuche zu verhindern. Die Tatsache, daß es in
..44...... .. .. .. .. .. .. .. .... .... .. .. .. .... .. .. .. ..•.. .. .. .... ..... .... .. .. .. .. .... .... .. .... .. .. .. .... .. .... .. .. .... .... ..... .. .. .. .. .. .. .... .. .. .. .. .. ..
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.••.•.•.•.•.••.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•
3. Pocken
CI .•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•
45

Meschede unter 277000 nun nicht geimpften Bewohnern der den quarantarusierten Kontaktpersonen größtenteils über-
zum Pocken gebiet erklärten Kreise keinen einzigen Pocken- schritten war, hat man sich an die Bestimmungen der Alarm-
fall gab, ist der unwiderlegbare Beweis, daß obige Behauptung pläne gehalten und die Kontaktpersonen zunächst nur in
unrichtig ist. Weiter darf nicht unerwähnt bleiben: Verant- Quarantäne gebracht - ohne sie zu impfen. Das heißt, man
wortungsbewußtsein und Mut der Männer des Süddeutschen hat sich endlich an die von mir immer wieder erhobenen For-
Rundfunks Stuttgart - hier müssen Herr Dr. übermann und derungen gehalten. Nachdem durch Ablauf der 18tägigen
Herr Kocks namentlich genannt werden - haben eine be- Quarantäne erwiesen war, daß die quarantänisierten Personen
stimmte Anzahl von Menschen des Sauerlandes, die ohne gesund und nicht pockeninfiziert waren, erfolgte eine Imp-
Kenntnis der Fernsehsendung dem Impfaufruf gefolgt wären, fung und die Entlassung. Die Impfung war vollkommen
vor dem Tod - oder was noch schlimmer ist - vor einem unnötig. Sie diente für die Impfanhänger nur der »Wahrung
Impfschaden bewahrt. des Gesichtes« - man wollte nicht zugeben, daß ein Pocken-

11. Pockenerkrankung in Hannover 1972


Dort ging und fuhr im März 1972 ein ansteckungsfähiger A) Bei Personen nach Inkubationsimpfung mit Vakzinia- Virus oder
Pockenkranker (der Jugoslawe E. Hodzaj), geboren am 1. 1. Vakzinia-Antigen
1948 in Trnja, Gemeinde Ejakoweca im Gebiet von Kosovo in B) bei nicht in der Inkubationszeit geimpften Personen
Serbien, 12 Tage lang in der Stadt herum. Er muß damals mit
Tausenden Kontakt gehabt haben. Es war Osterzeit, viele ver- Düsseldorf Monschau Meschede Gesamt
reisten. Sie konnten bei der späteren Suche nach Kontaktper- (1961/62) (1962) (1970)
sonen zwar ermittelt, teilweise aber nicht gefunden werden.
Gesamtzahl der Kontakt-
Lediglich 678 Kontaktpersonen wurden quarantänisiert, dar- personen 1. Grades 148 732 303 1183
unter über 60 Kinder sowie 120 Ausländer aus 12 Nationen.
A) in der Inkubationszeit
In der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift« 12/73 stand geimpft 95 442 172 709
ein Jahr danach: »Da das Intervall nach der Exposition am Tag es erkrankten 5 33 20 58
der Erfassung bei fast allen Kontaktpersonen vor dem 25. Todesfälle 2 1 4 7
März schon mehr als 5 Tage betrug, wurden diese Personen B) in der Inkubationszeit
zum größten Teil schon nicht mehr geimpft.« Die Impfanam- nicht geimpft 53 290 131 474
es erkrankten 0 0 0 0
nese der Kontaktpersonen, besonders aber der so wichtige
Todesfälle 0 0 0 0
und aufschlußreiche Impfzustand der isolierten Kinder, blie-
ben - wie das bei allen früheren Ausbrüchen auch der Fall Es erkrankten und starben nur in der Inkubationszeit geimpfte Kontakt-
war - sowohl in den medizinischen als auch in den amtlichen personen. Ungeimpfte Kontaktpersonen erkrankten nicht.
Berichten unerwähnt. Man muß folgenden Verlauf annehmen: Tabelle 2 Erkrankungen und Todesfälle in Nordrhein-Westfalen
Da die in den Pockenalarmplänen für die Durchführung von Quelle: Buchwald, G.: Zur Wirksamkeit der Pockenschutzimpfung. Erfahrungsheil-
Inkubationsimpfungen festgesetzte Grenzzeit von 5 Tagen bei kunde 22, 5.148 (1973)
............
46
....................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................47
3. Pocken

kranker, der über 900 Pockenblasen am Körper hatte und mit Jahr Ort Erkrankungen Todesfälle Eingeschleppt
Tausenden von Personen Kontakt gehabt hatte, niemanden aus:
angesteckt hatte, und daß in den bei den früheren Pocken-
erkrankungen durchgeführten Impfungen die Ursache für die 1947 Wiesbaden 6 Afrika
Weiterverbreitung der Seuche zu suchen war. Die Immu- (US- Kaserne)
1957 Hamburg 1 Indien
nitätslage unserer deutschen Bevölkerung war in Hannover so 1958/59 Heidelberg 19 2 Indien
gut, daß es zu keiner zweiten Infektion kam. Wie schon 1959 Berlin (DDR) 1 Indien
erwähnt, geschah der Pockenausbruch kurz vor Ostern. Wird 1961 Ansbach 4 1 Indien
an die Reiselust der Deutschen gedacht, die sich bereits zu 1961/62 Düsseldorf 5 2 Liberia
Ostern auf ganz Europa bzw. auf die ganze Welt erstreckt, 1961/62 Monschau 33 1 Indien
1965 Kulmbach 2 Ostafrika
kann man sich vorstellen, was passiert wäre, wenn geimpfte, 1967 Regensburg 2 Indien
damit resistenzgeschwächte, infizierte deutsche Bürger für die 1967 Hannover 1 Indien
Weiterverbreitung der Pocken gesorgt hätten. So war gerade 1970 Meschede 20 4 Indien
dieser letzte Pockenausbruch in Deutschland ein Hinweis 1972 Hannover 1 Jugoslawien
(?) 1974 Berlin 1 Indien
darauf, daß in den nach einer Pockeneinschleppung erfolgten
Massenimpfungen die Ursache für die Erkrankung von hun- Gesamt (BRD) 94 10
dert Bundesbürgern und von sechs Todesfällen gesucht wer-
den muß. Besonders aufschlußreich sind die Zahlen aus dem Tabelle 3 Pockenfälle in Deutschland
Bundesland Nordrhein- Westfalen (siehe Tab. 2, S.45). Quelle: Buchwald, G.: Impfen schützt nicht! Impfen nützt nicht! Impfen schadet!
Deutsches Journal für Homöopathie 1/89

Bei den drei Pockenausbrüchen in Düsseldorf, Monschau und


Meschede gab es zusammen 1183 Kontaktpersonen. In der Bei diesen elf Pockenausbrüchen hat es sich vorwiegend um
Inkubationszeit wurden davon 709 geimpft, 474 blieben Krankenhausinfektionen gehandelt. Von den 10 Pocken-
ungeimpft. Von den 709 geimpften Kontaktpersonen erkrank- Todesfällen war ein Fall ungeimpft, die Heidelberger Ärztin
ten 58 an Pocken, es gab 7 Todesfälle. Von 474 nicht geimpf- Dr. Maria Necas. - Niemand hat jemals daran gezweifelt, daß
ten Kontaktpersonen erkrankte niemand und es gab auch kei- die Pocken eine gefährliche Erkrankung mit einem hohen
nen Todesfall. Damals schrieb ich: »Der Deutsche Bundestag Kontagiositätsindex sind. Bei den übrigen 9 Todesfällen han-
wird sich nach den Worten des Staatssekretärs Prof. Dr. von delte es sich um 4 alte Patienten, die wegen eines schweren
Manger- König mit den Entschädigungsleistungen für Opfer Grundleidens im Krankenhaus lagen und an diesem Grund-
der Pockenschutzimpfung befassen müssen. Sollte die Ver- leiden starben. Sie erkrankten zusätzlich an den Pocken. Um
nunft obsiegen, wäre zu hoffen, daß die 17jährige Schwestern- der Bevölkerung die Gefährlichkeit der Pockenerkrankungen
schülerin Barbara Berndt aus Meschede das letzte Opfer ärzt- sowie die Notwendigkeit der Impfungen nahezulegen, wur-
licher Unwahrhaftigkeit war,« den sie als Pocken-Todesfälle gerechnet - was sie nicht waren.
Bei den restlichen 5 handelt es sich um Frauen, die nicht an
48 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
.....................•.••....................................................... ................................................................................49
3. Pocken

den Pocken starben. An ihren Körpern waren keine typischen Bei Frau Eichholz, Schwester Elisabeth, Frau Schnitzler und
Pockenblasen nachzuweisen - sie starben an der kurz vorher bei der 17jährigen Schwesternschülerin Barbara Berndt war
durchgeführten Pockenimpfung: das Charakteristikum der Pockenkrankheit - die »Pocke« als
Hautblase - nicht vorhanden. Die Erkrankung begann mit
Blutungen in den Skleren, danach kam es zu Blutungen aus
1. Frau H. Eichholz (pockenausbruch in Ansbach 1961), allen Körperöffnungen: aus Nase, Ohren, Mund, Scheide und
Impfungen: erste und zweite gesetzliche Impfung sowie After. Diese Frauen sind qualvoll an Purpura variolosa ver-
nach Ausbruch der Pocken am 31. 3. 1961, Todestag: 10.4. blutet. In den Zeitungen sprach man vorsichtig von »bluten-
1961 = 10 Tage nach der letzten Impfung. den Pocken« (Münchner Merkur »Die Pocken kamen durch
den Aufzug«, 13. 3. 1970).
2. Schwester Elisabeth Siekmann (57) (Pockenausbruch m
Düsseldorf 1962),
Impfungen: erste und zweite gesetzliche Impfung sowie
nach Ausbruch der Pocken am 1. 1. 1962 (ohne örtliche
Reaktion) und am 6. 1. 1962 (mit örtlicher Reaktion).
Todestag: 20. 1. 1962 = 14 Tage nach der letzten Impfung.

3. Schwester Martha Lehmann (48) (pockenausbruch in Düs-


seldorf 1962),
Impfungen: erste und zweite gesetzliche Impfung sowie
nach Ausbruch der Pocken am 1. 1. 1962.
Todestag: 17. 2. 1962 = 47 Tage nach der letzten Impfung.

4. Armeliese Schnitzler (32) (Pockenausbruch in Monschau


1962), Abb. a1 Purpura vakzinatoria a2

Impfungen: erste und zweite gesetzliche Impfung sowie


nach Ausbruch der Pocken am 5. 2. 1962.
Todestag: 20. 2. 1962 = 14 Tage nach der letzten Impfung. Die Bilder zeigen eine der fünf Frauen, welche in der Inkuba-
tionszeit geimpft wurde und an dieser Impfung starb. Unter
5. Barbara Berndt (17) (pockenausbruch in Meschede 1970), Inkubationszeit ist die Zeit zwischen der Ansteckung (Ein-
Impfungen: erste und zweite gesetzliche Impfung sowie dringen der Krankheitserreger in den Körper) bis zum Auf-
nach Ausbruch der Pocken am 16. oder 17. 1. 1970. treten der ersten Krankheitserscheinungen zu verstehen. Sie
Todestag: 29. 1. 1970 = 12 (oder 13) Tage nach der letzten beträgt bei Pocken 8 bis 14 Tage. Bei dieser Frau finden sich
Impfung. keine Pockenblasen. Es finden sich kleine bläulich-rote
50 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
..........................................•..••..•...........................•.. ................................................................................51
3. Pocken

Fleckchen. Der Körper mußte sich gegen zwei Erkrankungen


zur Wehr setzen: einmal gegen die sich im Inkubationssta-
dium befindliche Pockenerkrankung und zum anderen gegen
die Infektion mit den eingeimpften Viren. Dadurch kommt es
zu toxischen Gefäßschäden, das heißt zu Blutungen aus allen
Körperöffnungen. Derartige Verläufe gehen zu Lasten der
kurz vorher durchgeführten Impfung und sie enden immer
tödlich.

Hier ein kleines Mädchen, welches als Kleinkind nach den


Gesetzen unseres Landes geimpft worden ist und das trotz-
dem an den Pocken erkrankt.
Abb. cl Gabriele G. (ungeimpft) c2

Abb. bl Waltraud B (geimpft) b2

Rechts ihre Freundin (Gabriele G., Abb. cl u. c2, S. 51), sie ist
eines von jenen ungeimpften Kindern. Beim Vergleich beider
Aufnahmen ist festzustellen, daß das geimpfte Kind schwerer
an den Pocken erkrankte als das ungeimpfte Kind. Abb. d Gabriele G. u. Waltraud B. (vertauschte Aufnahmen)
...52.. ..•.. .... ... IV.... ..Infektionskrankheiten
... ............. ....und
........Impfungen
... ...... ... ........ .............. .. .... .. .. .... .... ...... .. .. •••••••.••.•.•.•.•.•.• 1\1 .•.••.•.•.•.•.•.•.•.•••••.•••••.••••••••.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.••.•.•.•••.•••••••.••••••••.••.••
3. Pocken 53

Die Abbildung d zeigt, wie die Schulmedizin vorgeht, wenn In den eben geschilderten Jahren nach dem letzten Krieg
die Tatsachen nicht in das gültige Konzept passen. Die Auf- erschienen in unseren Zeitungen nicht nur Meldungen über
nahmen der beiden Mädchen wurden vertauscht, und nun die verschiedenen Pockenausbrüche, es wurde auch über das
kann behauptet werden, das geimpfte Mädchen sei leichter an sogenannte Pockenausrottungsprogramm der WHO berich-
den Pocken erkrankt als das urigeimpfte Mädchen. In Wahr- tet. So schrieb Herrlich (vDas medizinische Prisma« 4. S.20,
heit aber war es umgekehrt: Das ungeimpfte Mädchen 1969, C. H. Boehringer Sohn, Ingelheim am Rhein):
(Gabriele Gillessen) erkrankte leichter als das geimpfte »Als der 11. Kongreß der WHO in Minneapolis 1958 eine
Mädchen (Waltraud Breuer). Bei ihr kam es zu einem Kon- globale Bekämpfung beschloß, dachte man nur an ein Impf-
fluieren der Pockenblasen, weshalb sie an der re. Hand ver- programm, das in vier Jahren beendet sein sollte. Der
bunden werden mußte. Sie hatte sich bei ihrem Vater Q. B.) 18. Kongreß und der 19. Kongreß im Januar 1967 haben dann
infiziert. Von ihr aus nahm der Pockenausbruch seinen weite- aufgrund der Fehlschläge und in realistischer Erkenntnis der
ren Verlauf. Schwierigkeiten diese Frist auf 10 Jahre verlängert. Wir befin-
In der Fernsehsendung »Report« vom 2. 2. 1970 habe ich den uns heute im 3.Jahr des verlängerten Programmes. Nach
damals in Stuttgart vor diesen Impfungen gewarnt. Im einem Bericht aus Indien vom August 1967 wurden bis dahin
Schlußsatz dieser Reportage sagte ich, daß die Schwester Bar- insgesamt 537 Millionen Pockenschutzimpfungen bei einer
bara Berndt in Meschede nicht etwa an den Pocken, sondern Bevölkerung von zur Zeit 511 Millionen vorgenommen. Trotz
an der vorher durchgeführten Pockenimpfung gestorben sei. dieser überwältigenden Ziffer hatte Indien 1967 die schwerste
Daraufhin erschien am 6. 2. 1970 in der Zeitschrift »Die Welt« Pockenepidemie, ausgenommen das Jahr 1963, nämlich über
ein Artikel des inzwischen verstorbenen Medizinjournalisten 60000 gemeldete Fälle. Über die Ursache dieses Fehlschlages
Dr. Friedrich Deich, der in Wirklichkeit Dr. Wehren hieß; er können wir nur Vermutungen äußern. Schlechte Organisation
hatte sich den Künstlernamen »Dr, Friedrich Deich« zugelegt. und mangelhafter Impfstoff mögen eine Rolle spielen, sind
Der Artikel trug die Überschrift: »Der Fall Buchwald und die aber nicht allein dafür verantwortlich. Wahrscheinlich sind es
Folgen. Eine Abschaffung der Pflichtimpfung würde die To- soziologische Probleme wie religiöser Widerstand und man-
desrate erheblich erhöhen.« Es hieß in diesem Artikel weiter: gelnde Aufklärung, die hier noch einer Lösung harren.«
»Der Lungenfacharzt Dr. Gerhard Buchwald hat, wie kürz- Die WHO gibt eine eigene Zeitschrift heraus. Sie erscheint
lich gemeldet, in der Sendung -Report- (ARD) behauptet, die in englischer und französischer Sprache und heißt »Weekly
Schwesternschülerin Barbara Berndt aus Meschede sei nicht epidemiological record«. In den Ausgaben der damaligen Zeit
an den Pocken, sondern an den Folgen der Pockenschutzimp- kann nachgelesen werden, daß die WHO seinerzeit nirgend-
fung gestorben. Wie jetzt aus Düsseldorf zu hören ist, wird wo behauptet hat, die Massenimpfungen seien der Schlüssel
der Amtsarzt Dr. Richter, der diese Impfung angeordnet zum Erfolg gewesen. Die WHO hatte bemerkt, daß es immer
hatte, gegen Buchwald Strafantrag stellen.« dann zu einem beträchtlichen Anstieg der Pockeninfektionen
Es handelte sich um die üblichen Drohungen - der Amts- kam, wenn besonders umfangreiche Impfaktionen einsetzten.
arzt Dr. Richter hat sich gehütet, Strafantrag zu stellen, denn Bereits vor Beginn des Pockenausrottungsprogrammes hat-
meine Äußerung entsprach der Wahrheit. te der indische Staat durch Massenimpfungen versucht, die
..54..............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................ 55
3. Pocken

Pocken auszurotten und so waren 1952, 1957, 1958, 1963, Aufgrund zweier Fernsehsendungen im Süddeutschen Rund-
1967, 1973 und 1974 große umfangreiche Massenimpfaktio- funk Stuttgart, nämlich »Report« vom 2. Febr. 1970 und
nen durchgeführt worden (zu denen die BR Deutschland viele »PRO und CONTRA« vom 5. Febr. 1970, verstärkt durch
Millionen DM beigetragen hatte). meine Veröffentlichung »Postvakzinale Enzephalitis und
postvakzinale Enzephalopathie« (Med. Welt 22, S.1, 697
250 882
[1971]), war man bei uns mit Säuglingsimpfungen etwa seit
120000
dieser Zeit wesentlich zurückhaltender geworden. Eltern, die
100000
Impfungen nicht wünschten, wurden nicht mehr mit Polizei-
80000
einsatz in die Impflokale beordert. Kinder, die nicht vollkom-
60000
men gesund waren, wurden zurückgestellt. Auf Einladung des
40000
Bundesministeriums für Familie und Gesundheit in Bonn
20000

o I habe ich anläßlich der Sitzung des Bundesgesundheitsrates


(Ausschuß Seuchenbekämpfung und Hygiene) am 10. Juli
1973 einen Vortrag gehalten: »Wird durch Impfung mit dem
Abb.10 Pockenerkrankungsfälle in Indien, Indonesien und Pakistan
1952-1966: Epidemiological and Vital Statistics Report Vacciniavirus ein individueller Schutz gegen eine Infektion
1967-1968: World Health Statistics Report Vol. 22 Nr.41969 mit dem Variola-vera- Virus hervorgerufen?« (Erfahrungsheil-
(Statistisches Bundesamt Wiesbaden) kunde 24, S.61 [1975]). Dieses Referat führte zu einer noch
größeren Impf-Zurückhaltung und schließlich 1983 zur Auf-
hebung der Pockenimpfpflicht.
Nach großen Massenimpfaktionen ist es stets zu einem Seit dem 31. 1. 1970 wurden Säuglinge nicht mehr gegen
Anstieg der gemeldeten Pockenfälle gekommen. Die WHO Pocken geimpft. Etwa um 1975, 1976 herum bemerkten die
hat aus diesen Mißerfolgen gelernt und führte fortan ein soge- Frühförderungseinrichtungen der »Lebenshilfe« ein Zurück-
nanntes »modifiziertes« Pockenausrottungsprogramm durch. gehen der Anzahl der zur Aufnahme kommenden geistig
»Modifiziert« heißt: Es wurde auf unkontrollierte Massen- behinderten Kinder. Aus den Erfahrungen der vergangenen
impfungen verzichtet. Das Hauptgewicht wurde auf sorgfäl- Jahre war bekannt, daß auf Bundesebene mit einer bestimm-
tige Überwachung, exakte Isolierung der Erkrankten, Qua- ten, ungefähr gleichbleibenden Anzahl von Neuaufnahmen zu
rantänisierung der Kontaktpersonen (in kleinen Gruppen!) rechnen war. Die Frühförderungseinrichtungen hatten sich
und sorgfältige Desinfektion aller mit Pockenkranken in auf diese errechnete Erfahrungs-Anzahl eingestellt.
Berührung gekommenen Gegenstände gelegt. Mit Hilfe die- In den o. e. Jahren aber gingen diese Neuaufnahmen deut-
ser Maßnahmen gelang es, die Pocken in kurzer Zeit auf der lich zurück. Wie kam das?
Welt zum Verschwinden zu bringen. Erst nachdem die WHO Mit dem Ende der Pockenimpfung der Säuglinge (1970)
diese Zusammenhänge erkannt hatte und danach handelte, fielen einige Jahre später (1975, 1976) die Kinder weg, deren
führte das »modifizierte« Pockenausrottungsprogramm zum geistige Behinderung die Folge eines unerkannten Hirnscha-
Erfolg. dens war, hervorgerufen durch die Pockenimpfung, d. h. im
................................................................................
56 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 3. Pocken
.
57

Lebensabschnitt des Säuglingsalters, in dem Impfschäden Es waren:


nicht - oder nur sehr schwierig - zu erkennen sind. a) erfolgreich geimpfte Kinder in dem Kalenderjahr, in dem
In der wissenschaftlichen Literatur wurden Spekulationen sie das 12. Lebensjahr vollenden;
darüber angestellt, was die Ursache dieses unerklärlichen b) Krankenhauspersonal;
Rückganges sein könnte. Die offizielle Medizin fand keine c) Laborpersonal;
Erklärung. Und doch ist diese Erklärung ganz einfach: Mit d) vorgesehenes Einzelpersonal für die »Pockenalarrnplane«.
Einsetzen des Rückganges der Säuglingsimpfungen sank auch
die Zahl der als Folge dieser Impfungen aufgetretenen uner- In einem am 23.9.1977 vom Bundesrat an den Bundestag ein-
kannten blanden postvakzinalen Enzephalopathien. Diese gereichten Gesetzentwurf forderte der Bundesrat ein weite-
werden in der Zeit nach der Impfung nicht erkannt. Sie res Impfgesetz, in dem nun auch die Zwölf jährigen sowie
machen sich jedoch später bemerkbar, etwa ab dem 3. oder das Krankenhauspersonal von der Impfpflicht ausgenommen
4. Lebensjahr, d. h. zu einer Zeit, in der geistige Defekte über- werden sollten. Für Laborpersonal sowie für bestimmte Ein-
haupt erst bemerkt werden können. Die körperliche Entwick- zelpersonen sollte die Impfpflicht weiterhin bestehen bleiben.
lung eines solchen Kindes geht ungestört weiter. Häufig wird Endlich aber machte der Bundestag »Nägel mit Köpfen« und
die Schädigung erst durch eine ungenügende Sprachentwick- hob am 27. November 1982 im »Gesetz zur Aufhebung des
lung, eine Sprachverzögerung oder überhaupt durch das Aus- Gesetzes über die Pockenschutzimpfung« alle gesetzlichen
bleiben der Sprache bemerkbar. Pflichtimpfungen auf. Dieses Gesetz trat am 1. Juli 1983 rn
Ohne Schwierigkeiten ließe sich bei der Zentrale der Kraft (s. Abb. S.58).
»Lebenshilfe« in Marburg aus der Differenz der Aufnahme-
zahlen vor 1975 und nach 1976 die Anzahl der durch die Die Behauptung jedoch, es gäbe in Deutschland keine
Pockenimpfung verursachten unerkannten Hirnschäden er- Zwangsimpfungen, ist eine Halbwahrheit. Vor einigen Jahren
rechnen. wurden die von den Krankenkassen bezahlten »Vorsorge-
So sehr sich bestimmte Kreise damals auch sträubten, in der untersuchungen« aller Kinder eingeführt. Alle Mütter machen
BR Deutschland gab es keinen vernünftigen Grund mehr, davon Gebrauch, weil sie glauben, es geschähe zum Besten
weiterhin an der gesetzlichen Impfpflicht festzuhalten. Das ihrer Kinder, und sie glauben, ihren Kindern damit etwas
alte Reichsimpfgesetz aus dem Jahr 1875 wurde aber nicht Gutes anzutun.
etwa ersatzlos gestrichen - nein, wegen der vielen Impfschä- Was die Mütter nicht wissen: Die Kinderärzte wurden von
den wurde zunächst am 31. 1. 1975 offiziell nur die Erstimpf- ihrer Standesorganisation angewiesen, bei jedem Arztbesuch
pflicht der Säuglinge aufgehoben. Dann wurde am 18. 5. 1976 einer Mutter mit ihrem Kind in einer kinderärztlichen Praxis
ein neues Impfgesetz erlassen. Es hieß: »Gesetz über Pocken- zuerst den Impfpaß zu verlangen und sofort zu impfen, wenn
schutzimpfung«. Darin heißt es unter § 1 (1): »Einer Pocken- eine der »empfohlenen« Impfungen nicht im Impfpaß ver-
schutzimpfung haben sich zu unterziehen ... «, danach wurden merkt wurde. Die »Vorsorgeuntersuchungen« sind nur ein
in vier Punkten die Personengruppen aufgezählt, welche sich Vorwand, um die Kinder zum Kinderarzt zu bringen.
auch weiterhin impfen lassen mußten. Es ist immer peinlich, wenn bei einem örtlichen Ausbruch
................................................................................
58 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 3. Pocken
.
59

Bundesgesetzblatt 1529
einer Kinderkrankheit, den es selbstverständlich immer wie-
der geben wird, womöglich nicht-geimpfte Kinder gesund
Teil I Z 5702 A bleiben, die geimpften jedoch erkranken. (Das läßt sich ver-
meiden, indem alle Kinder geimpft werden).
1982 Ausgegeben zu Bonn am 27. November 1982 Nr.44 Heute finden sich ganzseitige Anzeigen in großen illustrier-
Tag Inhalt Seite ten Zeitschriften, in denen die pharmazeutische Industrie
24. t 1. 82 Gesetzzur Aufhebungdes Gesetzesüber die Pockenschutzimpfung ...
212e-.l0
1529
behauptet, dank der durchgeführten Impfungen sei es gelun-
18. 11. 82 Dritte Verordnung zur Änderung derVerordnung über die Ortliehe Zuständigkeit
schutzbehörden .
der Bundesgrenz-
,. 1530 gen, die Pocken in der Welt auszurotten. Dieses behauptete
beispielsweise Dr. med. J. Scholtholt vom Bundesverband der
1~-1

19. 11. 82 AllgemeineKostenverordnungfür Amtshandlungendes Bundesgesundheitsamtes(BM·KostV) 1531


neu: 2120-2-2; 2120-2-1

23. 11. 82 Dritte Verordnungzur ÄnderungstraßenverkehrsrechtlicherVorschriften . 1533


pharmazeutischen Industrie in der ZDF-Sendung: »Streitfreie
Tierversuche«, Sonntag, den 3.3.1991 um 22.30 Uhr. In der-
9232·1,9232-.

Hinweis auf andere Verkündungsblätter


BundesgesetzblattTeil" Nr.40 1550 artigen Pressemitteilungen findet sich zuweilen auch ein Bild
Verkündungen Im Bundesanzeiger.......................................
Rechtsvorschriften der Europäischen Gemeinschaften ......•.........•....•....•....•.
......•.....•....
,....
1551
1551 des letzten an Pocken erkrankten Bewohners dieser Erde ,
einem Krankenhauskoch aus Merca bei Mogadischu In
Gesetz Somalia.
zur Aufhebung des Gesetzes über die Pockenschutzimpfung

Vom 24. November 1982

Der Bundestag hat das folgende Gesetz beschlossen: Dieser Koch heißt Ali Moaw
§1 Maalin, Er erkrankte 1977
Das Gesetz über die Pockenschutzimpfung vom
18. Mai 1976 (BGBI. I S. 1216) wird aufgehoben.
an Pocken. Als er nach eini-
gen Wochen wieder gesund
§2
war, gab es auf der ganzen
Dieses Gesetz gilt nach Maßgabe des § 13 Abs. 1 des
Dritten Überleitungsgesetzes auch im land Berlin. Welt keinen einzigen
§3
Pockenkranken mehr. Die
Dieses Gesetz tritt am 1. Juli 1983 in Kraft.
Pockenviren sind ausgerot-
tet, dank Impfstoffen, deren
Die verfassungsmäßigen Rechte des Bundesrates
sind gewahrt. Qualität laufend an Tieren
Das vorstehende Gesetz wird hiermit ausgefertigt und überprüft wurde.
wird im Bundesgesetzblatt verkündet.

Bonn. den 24. November 1982

Der Bundespräsident
Carstens

Der Bundeskanzler
Dr. Helmut Kohl
(Anzeigentext der
pharmazeutischen Industrie)
Der Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit
Geißler
Abb. e Der letzte Pockenkranke dieser Erde
60
. .
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................ 3. Pocken 61

Immer wird verschwiegen, daß dieser bei Bekanntwerden Das erste Impfopfer überhaupt, von dem ich Kenntnis
des Pockenausbruches geimpft worden war und daß diese erlangte, war Peleg Conklin. Sein Grab steht auf einem Fried-
Impfung den danach erfolgten Ausbruch der Pockenkrank- hof im Fort HilI in Huntington, Long Island NY, USA
heit bei ihm nicht verhindern konnte. Trotzdem wird behaup-
tet: Prof. Gladtke, Artikel: »Eine Ungeheuerlichkeit«. Dtsch. Die Inschrift lautet:
Ärztebl. 87, Heft 51/52, 24. Dez. 1990/37. S. C-2369: »Die
letzten Pockeneinschleppungen, es sei nur an Meschede erin- »In Memory of Peleg, Son of Thomas & Mary Conklin, who
nert, haben Todesopfer gefordert, aber nur bei Nichtimrnu- died of the Smallpox by Inoculation. Jan" 27th, 1788. Aged 17
nisierten«. (Nichtimmunisierte = Nichtgeimpfte) oder: »Die Years.«
Pockenviren sind ausgerottet, dank Impfstoffen, deren Qua-
lität laufend an Tieren überprüft wird.«
Als der Streit um die eventuelle Aufhebung des Impf-
Zwanges gegen Pocken voll entbrannt war, konnte man in den
Zeitungen und Zeitschriften manche Merkwürdigkeit lesen.
So heißt es z. B. in Medical Tribune, Heft 49 (1985):

POCKEN -IMPFSCHUTZ
PROF. NASEMANN SIEHT GROSSEN LEICHTSINN
Hamburg - »Es ist ganz grober Leichtsinn, wenn der Pocken-
Impfschutz der Bevölkerung völlig unter den Teppich gekehrt
wird«, mahnt Professor. Dr. Theodor Nasemann von der Uni-
versitäts-Hautklinik Hamburg-Eppendorf auf der 26. Fort-
bildungs tagung des Berufsverbandes der Deutschen Dermato-
logen.

Drei Jahre später steht in NATUR 11/88, Seite 107:


Noch im Herbst dieses Jahres erklärte der Hamburger
Hautarzt Professor Theodor Nasemann, erst jetzt könne man
über die Nebenwirkungen der Pockenimpfung offen sprechen Wie zu ersehen ist, hat sich das unheilvolle Wirken der
- weil sie nicht mehr angewendet werde: Dazu zählten nicht Impfärzte nicht nur auf Europa erstreckt. Auch in Amerika
nur neurologische Befunde wie Hirnhautentzündungen, son- führten sie dieses schreckliche »Impfverfahren« durch.
dern auch Gallenerkrankungen, Bronchiektasen (unheilbare
Erweiterungen der Bronchien) und vor allem die Umwand- Das Foto erschien in der Zeitschrift »THE LANZET«
lung der Impfnarben in bösartige Tumoren. Vol. 348, p. 302 (18.9.1996)
................................................................................
62 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 4. Tuberkulose in Deutschland
.
63

4. Tuberkulose die Tuberkulose in einem Stadium des Lymphdrüsenbefalls


stehen. Ob sich nun eine Tuberkulose weiterentwickelt, hängt
Kurzportrait: zu einem hohen Maße vom sozialen Standard des Einzelwe-
Weltweit verbreitete Infektionskrankheit, chronischer Verlauf, 90 %
aller Primär-Tuberkulosen sind Lungentuberkulosen. Inkubations-Zeit:
sens sowie der gesamten Bevölkerung ab. Sicher spielt auch
4-6 Wochen. Der Verlauf wird von der Menge und Virulenz der Erre- das Alter des Betroffenen eine Rolle und die Stärke der Infek-
ger sowie von der Widerstandskraft (Resistenz, Immunität, Allergie) des tion, ob er lange Zeit oder nur kurzfristig nur wenige Tuber-
Organismus bestimmt. Häufigkeit ist wesentlich von sozialen Faktoren kelbazillen sowohl über die Atmungsorgane als auch über die
abhängig. Der Impfstoff (BCG = Bazillus Calmette-Guerin) besteht aus Bauchorgane aufnimmt, oder ob es sich um massive Infektio-
Rindertuberkulosebakterien, die durch Eikultur in ihrer Virulenz abge-
schwächt wurden. Die Impfstoffdosis von 0,1 ml enthält 100000 bis
nen handelt. Entscheidend ist der Immunstatus des Infizier-
180000 Keime. Schutzwirkung nicht bewiesen. ten. Je besser die körperliche und seelische Verfassung des
Einzelwesens ist, um so besser kann ein solcher Mensch mit
den Gefahren einer Tuberkuloseinfektion fertig werden. Über
die Tuberkulose besitzen wir die am weitesten zurückreichen-
4.a. Tuberkulose in Deutschland

Die Tuberkulose wird durch ein säurefestes Stäbchen (Mikro-


bakterium tuberculosis) hervorgerufen. Der Hauptinfektions- 70

weg ist meines Erachtens nicht - wie immer behauptet wurde


- der Weg über die Atmungsorgane, sondern der Weg über 60

die Milch. Ich habe Jahrzehnte in Kliniken für Gelenkabnut-


Entdeckung
zungserkrankungen gearbeitet. Es war erstaunlich, daß man 50
des Erregers

bei älteren Patienten bei Röntgenaufnahmen der Lendenwir- Durchsetzunq des


40 Heitstättennrinzips
belsäule in einem hohen Prozentsatz verkalkte Lymphknoten Fürsorge

im Bauchraum fand. Es handelt sich um die Eintrittspforten 30 Brcilcrc Anwcnduna


der mit der Milch in unseren Organismus gelangten Tuberkel- der OCG·tmn'ung

bazillen, die hier in den Lymphknoten abgefangen wurden 20 Massenanwendung


der Ctiemotxcraoie
und zu Verkalkungen der Lymphknoten führten. Derartige
verkalkte Lymphknoten findet man bei Menschen, die etwa 10

nach 1965 geboren wurden, nicht mehr.


Meines Wissens gibt es in Deutschland bzw. in ganz Mit-
1800 1850 1900 1%0
teleuropa jetzt nur noch tuberkulosefreie Rinderbestände.
Abb.11 Sterblichkeitskurve der Tuberkulose in Deutschland von 1750 bis
Gleichgültig, ob nun eine solche Tuberkuloseinfektion über
1950
die Atmungsorgane oder über die Milch (und damit über den Quelle: Weise, H.-J.: Epidemiologie der Infektionskrankheiten in der Bundesrepublik.
Bauchraum) ablief, blieb bei fast der Hälfte aller Menschen Die gelben Hefte 1 (1984) 5
64 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen 4. Tuberkulose in Deutschland 65
••••••••••••••••••••••••••••••• 111 ••••••••••••••••••••••••••••••••••• 111 ••••••••••••

den Zahlen. Die Kurve über die Sterblichkeit an Tuberkulose nichts gegen die Tuberkulose getan worden wäre, hätten wir
in Deutschland von 1750 bis 1950 besagt, daß im Jahr 1750 heute die gleiche günstige Seuchensituation.
von 10000 Menschen, die jährlich verstarben, 71 an einer Die Kurve über Tuberkulose-Todesfälle von 1906 bis 1934
Tuberkulose starben. (Abb.12, S. 64) zeigt eine große Anstiegszacke, die dem
Diese Zahl ging - wie die Kurve zeigt - kontinuierlich Ersten Weltkrieg entspricht. Die kleine Anstiegszacke fällt in
zurück und sank bis 1955 auf 5 Tuberkulosefälle ab. Die die Zeit des Beginns einer breiten Anwendung der Impfung
Kurve stammt von Prof. Weise vom Bundesgesundheitsamt in gegen die Tuberkulose, die sogenannte BCG- Impfung. Wie
Berlin, und dieser vermerkt, daß die Entdeckung des Erregers aus dem weiteren Verlauf der Kurve zu ersehen ist, brachte
der Tuberkulose im Jahr 1875, die Einrichtung und die die Einführung dieser Impfung keine Änderung der Verlaufs-
Durchsetzung der Heilstättenbehandlung, die Einführung der richtung. Die Anstiegszacke nach Einführung der Impfung
BCG- Impfung und die breite Anwendung der heute üblichen findet sich auch bei anderen Impfungen.
medikamentösen Behandlung - auf das Seuchengeschehen
ohne jeden Einfluß geblieben sind. Das heißt, selbst wenn Erkrankungen

165.000

150.000
150.000
Todesfälle
140.000
26.000
125.000 25.000
130.000 -- Erkrankungen
120.000 ----- Todesfälle

110.000
100.000 20.000
100.000

90.000
80.000 75.000 15.000

70.000
60.000
50.000 10.000
50.000
40.000
Gesamt-
30.000 Deutschland
25.000 5.000
20.000
10.000

1906 1910 1915 1920 1925 1930 1934 1950 1960 1970 1980 1990 2000

Abb.12 Todesfälle an Tuberkulose 1906 -1934 Abb.13 Erkrankungen und Todesfälle an Tuberkulose seit 1949
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
......
66
..........................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................67
4. Tuberkulose in Deutschland

Diese Kurve zeigt Erkrankungen und Todesfälle an Tuberku- den, umfassen den Zeitraum dieser Massenimpfaktionen.
lose seit 1950. Maßstab für Erkrankungen links, Maßstab für Übereinstimmend zeigen alle Kurven, daß sie keine Rich-
Todesfälle rechts im Bild (s. Abb. 13, S.65). tungsänderungen der Kurvenabläufe bewirkt haben. Es ist
kein Steilerwerden der abfallenden Tendenz zu verzeichnen,
Erstmalig ist auf dieser Graphik eine Rasterung zu sehen, die was einem schnelleren Rückgang entsprechen würde. Im
von 1970 bis 1980 reicht (auf den folgenden Seiten wird sich Gegenteil, die Kurven flachen ab und werden unregelmäßig.
dieses Rasterfeld bei vielen Kurven wiederfinden). Die Raste- An Hand der Kurven ist zu ersehen, daß die Massenimpfak-
rung symbolisiert ein großangelegtes Massenexperiment der tionen eher negative Auswirkungen auf den Seuchenablauf
deutschen Gesundheitsämter in den Jahren 1970 bis 1980. hatten.
Damals ereignete sich folgendes: Die genauen Zahlen dieser Impfaktion sind vorhanden, sie
Vor 1970 wurden Impfungen vorwiegend von den Gesund- wurden im »Bundesgesundheitsblatt« veröffentlicht und sind
heitsämtern durchgeführt. In dieser Zeit verstand es die jedermann zugänglich. Sind aber die Zahlen der durchge-
Lobby, das Impfgeschäft durch entsprechende Vereinbarun- führten Impfungen bekannt, so lassen sich auch die Kosten
gen an die praktischen Ärzte und ganz besonders an die Kin- der gesamten Massenimpfaktion - zumindest annähernd - be-
derärzte übergehen zu lassen. Nach den ungünstigen Erfah- rechnen.
rungen, die mit der gesetzlich durchgeführten Pockenimpfung
gemacht worden waren, sollte ein erneuter gesetzlicher Impf-
zwang vermieden werden. Durch sogenannte» Vorsorgeunter-
Diphtherie Pertussis Tetanus Tuber- Masern Röteln
suchungen« - die damals schon geplant waren - glaubte man,
kulose
daß es gelingen würde, die Kinder so fest an den Arzt bzw. an
den Kinderarzt zu binden, daß eine möglichst lückenlose 1970 742383 186354 975249 499029
Impfung aller Kinder erreicht werden würde. Dies war nötig, 1971 653752 197433 866389 497371
um zu verhüten, daß bei eventuell auftretenden Seuchen oder 1972 881097 310764 993643 510588 30352
1973 935014 321964 1069528 390857 16936
Epidemien - deren Auftreten von den Impfärzten immer
1974 848039 275069 1023379 415501 12468
noch befürchtet wurde - womöglich Geimpfte an der Seuche 1975 643835 119233 784462 152018 4410
erkrankten und eventuelle U ngeimpfte möglicherweise nicht 1976 717982 40212 839857 5273 7588 60376
erkrankten. 1977 582574 8888 690806 13710 15188 389796
Als bekannt wurde, daß das Impfgeschäft etwa ab 1980 an 1978 588868 6702 712129 101075 15409 316596
1979 589494 24628 703555 154945 33404 330023
die niedergelassenen Ärzte und damit besonders an die Kin-
1980 580906 3895 690905 155881 43709 328847
derärzte infolge vertraglicher Vereinbarungen übergehen
solle, haben die Gesundheitsämter noch einmal zeigen wollen, 7763944 1495142 9349902 2896248 179464 1425628
was sie können und führten von 1970 bis 1980 die letzten
Tabelle 3: Schutzimpfungen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst in
großen Massenimpfaktionen durch. der Bundesrepublik Deutschland von 1970-1980
Die Rasterungen, die auf vielen Kurven eingezeichnet wur- Quelle: Bundesgesundheitsblatt 26 5.148/1983
..........
68
.,
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. •• •••.•••••.••• 111 •••.•••.•••••••••••••••••••••.•.•••••.•.••••••••••••••.•••••••••••••.•••••••••.•••••••••.••••••••••.•••.••
4. Tuberkulose in Deutschland 69

..
.\ i
Die Tabelle zeigt, mit welcher Vehemenz die Gesundheitsäm- 26000
24000
ter die letzten großen Impfaktionen von 1970 bis 1980 durch- 22000
geführt haben (s. Tab. 3, S.67). 20000 GI ••
~!
18000 --." ~t
16000
-, u
--.~.-.-
14000
12000 " <, se
i~
Diphtherie 8,40 DM (7763944 x 8,40 DM = 65217129,60 DM 10000
. e-e-e-e_e_e-
Keuchhusten 11,95 DM (1495142 x 11,95 DM = 17866896,90 DM 8000 e-e_.
Wundstarr- 6000
4000
krampf 4,48 DM (9349902 x 4,48 DM = 41887560,96 DM 2000
Tuberkulose 38,75 DM (2896248 x 38,75 DM = 112229610,00 DM
Masern 35,82 DM (179464 x 35,82 DM = 6428400,48 DM 1949 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 64 65
Röteln 27,75 DM (1425628 x 27,75 DM = 39561127,00 DM Abb.14 Todesfälle an Tuberkulose in der Bundesrepublik Deutschland
von 1949 -1965
283190724,94 DM Quelle: Statistisches Bundesamt
Tabelle 4 Sie zeigt, was diese Impfungen ungefähr gekostet haben: Aus
den Einzelverkaufspreisen allein der durch die Gesundheitsämter verbrauch-
Hier der weitere Rückgang der Tuberkulosesterblichkeit von
ten Impfstoffe ergibt sich rechnerisch (nicht in praxi, weil sich die Impfstoffe
durch Großeinkauf verbilligen), eine Summe von 25744611,35 DM pro Jahr. 1966-1995.
Endverkaufspreise verschiedener Impfstoffe.
Quelle: Rote Liste

Die zweite Tabelle läßt erkennen, was diese Impfungen unge- Gesamt-
4000
fähr gekostet haben, nämlich rund 280 Millionen Deutsche Deutschland

j
Mark. Buchstäblich von den Krankenkassen vergeudetes und 3000

zum Fenster hinausgeworfenes Geld - bei dem es sich um die 2000


Mitgliedsbeiträge der Versicherten gehandelt hat! 1000
Seit Beendigung des letzten Krieges gingen die Tuberkulose-
98 2000
Todesfälle kontinuierlich Jahr für Jahr zurück.
Abb.15 Todesfälle an Tuberkulose in der Bundesrepublik Deutschland
von 1966 -1995
Um diese Rückgänge deutlich zu machen, zunächst eine Todesfälle in Deutschland seit 1991
Kurve über Todesfälle an Tuberkulose von 1949 bis 1965. Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden
Nicht zu übersehen ist der Rückgang sowie die Abflachung
der Kurve nach verstärktem Einsatz der BCG- Impfung seit Das nächste Kurvenbild zeigt die Neuerkrankungen an Tuber-
etwa 1953 (s. Abb. 14, S.69). kulose von 1949 bis 1995. Wie daraus ersichtlich, ging die
Tuberkulose viele Jahre um ca.l0 % zurück. Von 160000 Neu-
70 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................71
4. Tuberkulose in Deutschland

erkrankungen im Jahre 1949 also ein Rückgang in 40 Jahren 30.000


auf ca. 10000 Fälle im Jahre 1990. Der »Anstieg« im Jahre
25.000
1991 (siehe Abb. 17) beruht auf dem Hinzutreten der Gesamt-
5 »Neuen Bundesländer« zur alten Bundesrepublik. Wenn zu 20.000 Deutschland
einem Staat mit 64 Millionen Einwohnern 16 Millionen neue
Bürger hinzukommen, dann müssen die Kurven über Erkran- 15.000
kungen und Todesfälle von da an höhere Zahlen aufweisen.
10.000
160.000

140.000 5.000
120.000

100.000 o
80.000
1980 1985 1990 1995 2000
60.000
Gesamt- Abb.17 Zugänge der an aktiver Tuberkulose Erkrankten in der Bundes-
40.000 Deutschland
republik Deutschland von 1980 -1995
20.000
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
194950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000

Abb.16 Zugänge der an aktiver Tuberkulose Erkrankten in der Bundes-


republik Deutschland von 1949 -1995 Als 1946 auf 160000 Neuerkrankungen noch 45000 Todes-
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
fälle kamen, bedeutete dies ein Verhältnis von 4: 1. D. h. von 4
Erkrankten starb einer, drei wurden wieder gesund. Dabei
Bei einem veränderten Maßstab wird uns, wie die Kurve der wurden die Sterbefälle fast ausschließlich von den schweren
Neuerkrankungen von 1980 bis 1995 sichtbar macht, dieser Formen (Miliar- und Hirnhauttuberkulose) verursacht. Aber
Anstieg deutlich vor Augen geführt. gerade sie gingen rascher zurück als »normale« Tuberkulosen.
Im vergangenen Jahrhundert war die Diagnose »Schwind- Dies führte zu einer weiteren Verbesserung der Überlebens-
sucht« fast in jedem Fall ein Todesurteil. D.h., die Zahl der chancen. Die neuen Bundesländer brachten 1989 nicht nur 16
Erkrankungen war gleich der Anzahl der Todesfälle. Im Jahre Millionen neue Bürger, sondern auch ihre Kranken in den
1901 gab es im damaligen Deutschen Reich 117596 Tuberku- neuen Staatsverband ein. Der geringfügige Anstieg der stati-
lose- Todesfälle. Wie bei allen Infektionskrankheiten gingen stischen Kurven war nach ca. 3 Jahren ausgeglichen, der kon-
die statistischen Zahlen sowohl der Erkrankungen als auch tinuierliche Rückgang sowohl der Erkrankungen als auch der
der Sterbefälle Jahr für Jahr zurück. Todesfälle hielt an. Für 1994 meldete das Statistische Bundes-
Unterbrochen von den beiden Kriegszacken zeigten die amt in Wiesbaden 14000 Neuerkrankungen bei 1014 Sterbe-
Kurven seit Anfang des Jahrhunderts einen deutlichen Ab- fällen. D.h., 1994 starb von 14 Erkrankten noch einer, 13 wur-
wärtstrend, sowohl bei den Erkrankungen als auch den Ster- den wieder gesund. Ich war nun sehr gespannt, ob und wann
befällen. in Deutschland mit ca. 80 Mio. Einwohnern die magische
......
72
..........................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................73
4. Tuberkulose in Deutschland

Todesfallzahl »1000« unterschritten sein würde. Deshalb im Während meiner Tätigkeit in großen Lungenheilstätten fielen
Juni 1996 Anruf in Wiesbaden: Zahlen noch nicht eingetrof- Patienten auf, die trotz durchgeführter BCG-Impfung an Tu-
fen. Im Juli: Zahlen noch nicht vollständig. Im August: Ein berkulose erkrankt waren. Dies erstaunte uns damals sehr, hat-
Bundesland fehlt noch. Im September erhielt ich die erfreuli- ten wir doch auf den Universitäten gelernt, daß Impfungen ge-
che Nachricht, daß die Zahl der Tuberkulose-Todesfälle des gen die Erkrankung schützen, gegen die sie gerichtet sind. Und
Jahres 1995 nur noch 935 betrage. so glaubten wir damals, daß die BCG-Impfung einen Schutz
Hier soll wiederholt werden: 1901 = 117596. 1995 = 935!! vor der Tuberkulose hinterließe. Besonders erstaunt waren wir
Eine Leistung unserer Bauern sowie unserer sozialen Gesetz- darüber, daß sich die Tuberkuloseformen der Geimpften in
gebung - und deshalb wurde weder im Fernsehen noch im keiner Hinsicht von denen der U ngeimpften unterschieden.
Radio oder in irgendeiner Zeitung über ein so wichtiges Er- Allmählich wurde dann zugegeben, daß die BCG- Impfung
eignis berichtet. Es zeigt den Unsinn, der heute mit Tuber- nicht vor der Infektion schützt. Es wurde aber behauptet,
kulose-Testungen, Röntgenaufnahmen bei Kindern (die mehr sie schütze vor den Komplikationen der Tuberkuloseerkran-
schaden als nützen) sowie mit durchgeführten Impfungen kung, zum Beispiel vor der tuberkulösen Meningitis oder
betrieben wird: Die Tuberkulose ist eine soziale Krankheit. der Miliartuberkulose. Zur Begründung führte man auf, daß
Sie folgt ihrem Eigenrhythmus. Solange es der deutschen diese Tuberkuloseformen seit vielen Jahren nicht mehr gesehen
Bevölkerung so gut geht wie heute, wird der Rückgang - wurden.
trotz all unserer unsinnigen Maßnahmen - weiter anhalten. Daß diese Erklärung nicht stimmen kann, soll anhand die-
Die letzte Tuberkulose-Graphik möge dies verdeutlichen: Sie ser Kurve aus England gezeigt werden (Abb. 18b, S. 74). Ich
zeigt den Rückgang sowohl der Neuerkrankungen als auch betone ausdrücklich, daß sie zwar nicht die Tuberkulose, son-
der Sterbefälle seit Ende des letzten Krieges. dern den Keuchhusten betrifft, aber die in ihr gezeigten Ver-
Währungsreform 1948 hältnisse treffen auf alle Impfungen zu. Die gestrichelte Linie
160.000 • Erkrankungen entspricht den schweren Fällen; und ohne Zweifel sind To-
140.000
o Sterbefälle
desfälle schwere Fälle. Die durchgezogene Linie entspricht
120.000
1901 den Erkrankungen an Keuchhusten. Wie man sieht, gehen
100.000
zunächst die schweren Fälle zurück, danach folgt ein Rück-
80.000 Impfaktion der Gesundheitsämter
von 1970 bis 1980 mit
gang der Gesamterkrankung. So verhält sich das auch bei der
60.000 ace-rmotunpen
Tuberkulose. Daß in den Jahren von 1950 bis 1980 kaum noch
2.896.248

40.000
~
Gesamt-

20.000
Deutschland tuberkulöse Hirnhautentzündungen bzw. Miliartuberkulosen
10.000
--.............._---.12198 auftraten, ist nicht Folge der damals wieder verstärkt einset-
5.000 zenden BCG- Impfungen, sondern Folge des allgemeinen
1.000 935 Rückganges der Tuberkulose. 1989 wurden in der ganzen
1945 50 55 60 65 70 75 80 85 90 94 95 2000
Bundesrepublik 1066 Sterbefälle an allen Formen der Tuber-
Abb. 18 a Erst- und Wiedererkrankungen sowie Sterbefälle an Tuberkulose kulose registriert. Unter deutschen Kindern und Jugendlichen
seit 1945. Quelle: statistisches Bundesamt Wiesbaden gab es keinen einzigen Todesfall. Die 1066 Fälle betrafen nur
...
74
.............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................75
4. Tuberkulose in Deutschland

2~OO Menschen ab dem 25. Lebensjahr. Schon aufgrund dieser Seu-


i
I chensituation kann gesagt werden, daß BCG-Impfungen bei
11 --- i':olific-.Iliolls 2200 deutschen Kleinkindern unnötig sind.
11 ----Ikllhs
Bei dem Impfstoff handelt es sich um Bazillen der Rinder-
11 tuberkulose, das heißt attenuierte (künstlich abgeschwächte)
2000
11 Lebendkeime. Das Wort BCG bedeutet »Bacillus-Calmette-
11
Guerin«, In der BR Deutschland wird der Stamm 1331 Kopen-
11
ISO 1300 hagen verwendet. Geimpft wird mit 0,1 ml des BCG-Impf-
1 i
1\
stoffes. Nicht geimpft werden sollten Personen mit Tuber-
IhO 11 1(,00 kuloseerkrankungen in der Anamnese, Menschen mit positiver
1 I Tuberkulinreaktion oder bei bestehender Schwangerschaft.
1 I Um nun auszuschließen, daß sich ein Mensch schon mit
I·Hl 1·100
1 1 Tuberkulose infiziert hat, wird bei uns die Impfung am ersten
.r I I Tag nach der Geburt vorgenommen. Das ist unnötig und stellt
120 1 1 !~OO !
ein erhöhtes Risiko dar, denn in einem Land, in dem die
~ I I J<
1 I (\. -
~ Tuberkulose keine Rolle mehr spielt, in dem es zum Beispiel
§ •.. seit Jahren keine schweren Tuberkuloseformen bei Kindern
IOU 11 \ 10UO '-'
..:::
~
t.= ::s mehr gegeben hat, ist eine solche Vorsichtsmaßnahme un-
'/. SO
rt"'y\ \ /~\ 800
Z
nötig. Die Rückgänge sind unseren Funktionären aufgefallen,
~::> \
und es entstand ein Streit über die Ursachen. Drei Theorien
•.. \
1: . . \ wurden diskutiert:
(,0 (,00
'/. \
\ . a) Die Ansteckungslehre
\ 1\ Sie verbreitete sich nach der 1882 erfolgten Entdeckung des

v·'\ i\
-10 <100
Tuberkelbazillus durch Robert Koch. Es wurde daher ver-
V \\ / \ sucht, durch Absonderung der Erkrankten in Heilstätten
2tl l\. .
I .. -. . 200
weitere Ansteckungen zu verhüten. Ihre Anhänger sahen
.\,_._\ • \/ \ j\\ in den seinerzeit einsetzenden ärztlichen Maßnahmen die
'-.-'" .-.-' .•... -. _ _.-., ..•.. :-: .

1'.170 1Y75
Ursache des Rückganges. Eine Erklärung für den ca. 130
1')·10 1')·15 1')55 1%0
Yl':U'S Jahre vor Entdeckung des Tuberkelbazillus einsetzenden
Rückganges hatte man nicht.
Abb. 18 b Erkrankungen und Todesfälle an Keuchhusten 1940 -1975 in England
b) Die Lehre von der Widerstandskraft
Quelle: Ehrengut, Wolfgang. Gedanken zum britischen Report über die Pertussis-
Schutzimpfung
Deren Anhänger führten das Auftreten der Tuberkulose
Bundesgesundheitsbl. 20 (1977) S.397 auf eine erblich bedingte Empfänglichkeit zurück: Die
.......
76
........... .............................. ....... ...... ........... ......... ......
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
••••••••••••••••••••••••••••••••••• l1li ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••
4. Tuberkulose in Deutschland 77

Empfänglichen starben, die weniger Empfänglichen über- heiten machten in der BR Deutschland einheitliche Bekämp-
standen die Erkrankung, die Unempfänglichen blieben fungsmaßnahmen notwendig. N ach längeren Beratungen
gesund. Die Vertreter dieser Auffassung warfen den wurde daher 1961 das Bundes-Seuchengesetz erlassen. Der
Anhängern der Ansteckungslehre sogar vor, durch ihre Paragraph 3 gliedert sich in fünf Unterabsätze, wobei Absatz
Hilfsmaßnahmen (Tuberkulosefürsorge, Heilstättenbe- 1 die gefährlichsten Erkrankungen erfaßt, bei denen Krank-
handlung usw.) dem natürlichen Ausleseprozeß im Wege heitsverdacht, Erkrankung sowie Tod meldepflichtig sind.
zu stehen. Absatz 2 umfaßt weniger gefährliche Infektionskrankheiten,
c) Die Sozialhygieniker sahen in den sozialen Umständen des bei denen Erkrankung und Tod meldepflichtig sind. Absatz 3
Menschen den wesentlichen Faktor, nämlich in einer Ver- betrifft relativ ungefährliche Erkrankungen, hier müssen nur
besserung der Arbeitsverhältnisse, Verbesserung der Wohn- noch die Todesfälle gemeldet werden. Dazu gehören die
bedingungen und in einer vollwertigeren Ernährung. Virusgrippe, Keuchhusten, Masern, Puerperal-Sepsis und
Scharlach. Absatz 4 betrifft die Meldepflicht von Ausschei-
In der letzten Zeit ist nun behauptet worden, die Tuberkulose dern, und Absatz 5 befaßt sich mit der Tollwut.
käme zurück. Von 1990 zu 1991 sei es zu einem beträchtlichen Hermann Forschepiepe, damals Vorsitzender des »Schutz-
Anstieg sowohl der Erkrankungen als auch der Todesfälle verbandes für Impfgeschädigte e.V.«, hat sich sehr bemüht,
gekommen. Vergleicht man die Zahlen des Statistischen Bun- daß in dieses Gesetz auch ein Absatz über die Meldepflicht
desamtes, so scheint diese Auffassung zu stimmen. Gab es von Impfschäden aufgenommen werden sollte - es war ver-
1990 etwa 11000 Erkrankungen pro Jahr, so weisen die Zah- geblich.
len aus Wiesbaden für das Jahr 1991 13 000 Erkrankungen auf.
Das hat aber einen ganz anderen Grund. Die Zahlen des Jah- Die Länder errichteten nun Statistische Landesämter. In Wies-
res 1990 betreffen die alte Bundesrepublik mit elf deutschen baden entstand das Statistische Bundesamt. Dort laufen die
Ländern; in den Zahlen des Jahres 1991 sind aber erstmalig die Fäden zusammen, und als Folge des Gesetzes kamen aus
fünf neuen Bundesländer dazugekommen, so daß die Zahl Wiesbaden erstmals genaue und verläßliche Zahlen. Alle vor
von 13000 Neuzugängen zu 80 Millionen Einwohnern in dieser Zeit genannten Zahlen waren mehr oder weniger Schät-
Beziehung gesetzt werden muß. Wenn bedacht wird, daß zur zungen oder Phantasiezahlen. Lediglich bei einigen Infek-
alten Bundesrepublik 16 Millionen Bundesbürger hinzuge- tionskrankheiten, wie zum Beispiel bei der Tuberkulose, viel-
kommen sind, so zeigt die Zahl von jetzt 13 000 Neuerkran - leicht auch bei der Diphtherie, waren einigermaßen zuver-
kungen, daß der Rückgang weitergegangen ist. lässige, länger zurückreichende amtliche Zahlen - meist über
An dieser Stelle soll die Herkunft der statistischen Zahlen Todesfälle - vorhanden. Woran bei Inkrafttreten des Bundes-
erklärt werden. Seuchengesetzes wahrscheinlich niemand gedacht hatte, zeigte
Zwar hat es schon in der »Kaiserzeit« Gesetze zur »Be- sich in der Folgezeit: Alle Infektionskrankheiten ließen einen
kämpfung gemeingefährlicher Krankheiten« gegeben, aber gleichartigen Rückgang erkennen, und zwar so gleichmäßig,
die Nachkriegssituation mit ihrem enormen Anwachsen der daß man aus dem Kurvenverlauf - beispielsweise der ersten
Erkrankungs- und Todesfallzahlen durch ansteckende Krank- 10 Jahre - das Erreichen des Nullpunktes abschätzen konnte.
................................................................................
78 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 4. Tuberkulose in Deutschland
.
79

Die Schulmedizin hat von diesen Zahlen des Statistischen Aus Skandinavien sind nach der BCG- Impfung folgende
Bundesamtes kaum Gebrauch gemacht. Daher konnten zu Impfkomplikationen bekannt:
den verschiedensten Infektionskrankheiten in den folgenden
Jahren Phantasiezahlen genannt und eine Impfung nach der 1. Abszesse an der Impfstelle und an der Haut.
anderen entwickelt und eingeführt werden. Wahrscheinlich 2. Schäden an den Augen.
wurden diese statistischen Kurven nirgendwo veröffentlicht, 3. Lymphknotenschwellungen mit Rötungen In der Umge-
weil aus ihrem Verlauf die Unnötigkeit der Einführung ent- bung.
sprechender »Schutz«-Impfungen abzulesen war. Die Tuber- 4. Vereiternde Lymphknotenentzündungen.
kulose ist hierfür ein typisches Beispiel. 5. Schäden am Knochengerüst, nämlich Ostitis und Osteomy-
Die ersten Impfversuche gegen Tuberkulose unternahm elitis (Knocheneiterungen), bevorzugt in den langen Röh-
Robert Koch mit Tuberkulin. Es besteht aus gelösten Giften renknochen. Es können aber auch mehrere Knochen sowie
und Zerfallstoffen der Tuberkelbakterien. Bei der Anwendung Rippen befallen sein. Das Intervall zwischen Impfung und
dieses Verfahrens verschlechterten sich aber bestehende Er- Auftreten dieser Reaktionen an den Knochen beträgt im
krankungen an Tuberkulose, deshalb mußte das Verfahren Mittel zwölf Monate, es kann aber auch bereits 6 Monate
aufgegeben werden. 1921 wurde die BCG-Impfung (Bakte- nach der Impfung auftreten, manchmal aber erst nach vielen
rium-Calmette-Guerin) eingeführt. Es handelt sich dabei um Jahren. Es sind Fälle bekannt, in denen es erst nach sechs
lebende Rindertuberkelbakterien. Etwa 1930 wurde auch sie Jahren zum Auftreten dieser Osteomyelitis gekommen ist.
eingestellt. 6. Auch über Ausbreitung der Impfgeschwüre über den
Während und nach dem letzten Krieg kam es zu einem ganzen Körper und über Erkrankungen aller Körperorgane
Anstieg der Erkrankungen an Tuberkulose, was zu einer an Tuberkulose (eine sogenannte Generalisation), meist mit
erneuten Aufnahme der BCG-Impfung führte. Als sich nicht tödlichem Verlauf, ist berichtet worden.
mehr verheimlichen ließ, daß auch BCG-Geimpfte an Tu- 7. Den nach BCG-Impfungen aufgetretenen Hirnschäden
berkulose erkrankten, wurde der bis dahin zur Züchtung sind bei uns bisher die Anerkennungen als »Irnpfschaden«
der BCG- Bakterien verwendete Impfstoff »Göteborg« 1977 verweigert worden.
durch den stärker wirksameren Stamm »Kopenhagen« ersetzt.
Besonders intensiv erfolgten in Berlin und Württemberg Der Streit über die Wirksamkeit der BCG- Impfung wurde
Impfungen mit diesem neuen Impfstoff. Als es dann Mel- von der WHO (Welt-Gesundheitsorganisation) eindeutig ent-
dungen über tiefe und eitrige Geschwüre an den Impfstellen schieden: Sie führte in Indien einen weiträumig angelegten
gab, wurde der Impfstoff zunächst zurückgezogen, die Imp- Feldversuch durch. Ein großes Kollektiv wurde BCG-ge-
fungen der Säuglinge unterblieben. Bis dahin impfte man impft, ein gleich großes blieb ungeimpft. Es gab unter dem
nämlich Säuglinge - ohne die Eltern zu fragen - in den ersten geimpften Kollektiv wesentlich mehr Tuberkulosefälle als
Lebenstagen mit BCG. Diese Impfung - daran besteht kein unter dem ungeimpften Kollektiv. Unter dem Eindruck dieser
Zweifel - schützt nicht vor einer Infektion mit echter Tuber- WHO-Meldung wurde die sogenannte »öffentliche Empfeh-
kulose. lung« der BCG- Impfung 1975 zurückgezogen. Dieser so
...
80
.............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................ 81
4. Tuberkulose in Deutschland

· .
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4. ab 3.-4. Lebensmonat

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6. ab 15. Lebensmonat
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00 8. bis zum vollendeten 2. Lebensjahr

e 0 e e e c e ~Iee c
Tuberkulose

~ ~ ~ ~ 9. bis zum vollendeten 10. Lebensjahr

•••••••••••
10. bis zum vollendeten 12. Lebensjahr
Diphtherie

11. nur für Risikofälle (Säuglinge in Gemeinschaftseinrichtungen oder un-


Tetanus
ter ungünstigen sozialen Verhältnissen oder bei denen eine Keuch-

c c c
hustenerkrankung eine besondere Gefährdung darstellt) im 1.Lebens-

08 0 8 8 G ~'8
• ••c •c •••
•ceecc
Pertussis
jahr, Auffrischimpfung bis zum 2. Lebensjahr

e e e
12. für Mädchen ab vollendetem 10. Lebensjahr
Poliomyelitis
13. für Mädchen von 10 -14 Jahren
14. für Mädchen vom 10. Lebensjahr an bis zum Eintritt der Geschlechts-

0 ~I~I~

Masern
reife (Menarche)
15. für weibliche Personen bis zum Ende der Gestationsfähigkeit
Mumps
0000 0 Ol~ 0 00 16. für Frauen, die auf Grund ihrer beruflichen Tätigkeit engen Kontakt mit Kin-
dern haben (z. B. Lehrerinnen, Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern)

8 8 8 8 8 8 8 818 818
••••••• •• ••
Röteln 17. für besonders gefährdete Personengruppen

•••• •• •
eindeutig und so überzeugend ausgegangene Feldversuch
Influenza

Tollwut
8 818 der WH 0 in Indien ist den deutschen Kinderärzten zwar
bekannt, sie halten aber trotzdem an ihrer Forderung nach
Abb.19 Öffentlich empfohlene Schutzimpfungen in den Bundesländern Wiedereinführung der BCG- Impfung als »empfohlene Irnp-
(Stand 1. 1. 1979) fung« fest. Wie die Kurven zeigen, haben die durchgeführten
Quelle: Bundesgesundhbl. 22 Nr.8 vom 12. April 1979 5.147 Massenimpfungen auf die Anzahl der Todesfälle keinen Ein-
Erläuterungen: fluß gehabt. Mit der Impfung gegen Tuberkulose (BCG-Imp-
voller Kreis: für alle Bevölkerungskreise empfohlen fung) impfen wir somit gegen eine Erkrankung, die in unse-
halbvoller Kreis: für bestimmte Altersgruppen empfohlen rem Land Jahr für Jahr um mehr als 10 Prozent abnimmt und
offener Kreis: nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen empfohlen. nur noch eine geringe Rolle spielt. Um sich mit Tuberkulose
Die Ziffern weisen auf die Anmerkungen hin: anzustecken, bedarf es eines engen Kontakts, wobei der
1. für alle Neugeborene Gesundheitszustand des Empfängers die ausschlaggebende
2. für alle tuberkulin-negativen Kinder und Jugendliche bis zur Vollen- Rolle spielt. Wenn sich keine Ansteckungsmöglichkeit In
dung des 18. Lebensjahres näherer Umgebung befindet, ist eine Impfung überflüssig.
3. für tuberkulin-negative Personen, die durch ihre Umgebung besonders
Nicht nachvollziehbar ist für mich folgendes:
Tuberkulosegefährdet sind (in Bremen »bei denen eine Tuberkulose-
ansteckungsgefahr nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich- Obwohl die STIKO (Ständige Impfkommission) die BCG-
keit ausgeschlossen werden kann«) Impfung - also die Impfung gegen Tuberkulose - aus der
..........
82
......................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................83
4. Tuberkulose in Österreich

Liste der öffentlich empfohlenen Impfungen herausgenom- Wegen des BCG- Impfskandals, der sich 1990/91 in Öster-
men hat, ist es in Deutschland üblich, diese Impfung weiter- reich ereignete, wird auf die Tuberkulose in Österreich beson-
hin am ersten Tag nach der Geburt durchzuführen - auch ders eingegangen. Was bisher über die Verhältnisse in
gegen den ausdrücklichen Wunsch der Eltern. Deutschland gesagt wurde, trifft auch für Österreich zu.
Das hat zur Folge, daß bei Zwischenfällen nicht mehr der Ab 1880 hat es in Österreich jährlich über 20000 Todesfälle
Staat für Entschädigungen aufkommt, sondern der impfende an Tbc gegeben. Das blieb so bis zum Ende des Ersten Welt-
Arzt haftbar gemacht werden muß. krieges. Dann setzte ein kontinuierlicher Rückgang ein. Diese
Wie aus Abb. 19, S.80 festgestellt werden kann, kommt zu Kurve (Abb.20) reicht bis 1980.
allem Übel noch hinzu, daß das Durcheinander der sog. Um diese Rückgänge zu verdeutlichen, hier noch ein zwei-
»Öffentlichen Empfehlungen« wegen der Unterschiede in den tes Schaubild, das die Jahre 1945 bis 1972 umfaßt.
einzelnen Bundesländern beträchtlich ist. Beide Kurvenverläufe zeigen, daß es etwa ab der Jahrhundert-
wende (20000) bis zum Jahre 1950 (5000) zu einem beträcht-
lichen Rückgang an Todesfällen - ohne BCG- Impfungen -

4.b. Tuberkulose in Österreich


- Sterbefälle 9000

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1881- 1891- 1901-1906-1911-1916- 1921-1926-1931-1936- 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980
1690 1900 1905 1910 1915 1920 1925 1930 19351940
1945 1950 1955 1960 1965 1970 72
Abb.20 Tuberkulosesterbefälle in Österreich von 1890 -1980 Abb.21 Tuberkulosesterblichkeit in Österreich in den Jahren 1945 -1972
Quelle: .Junker, E.: stellenwert der Tuberkulose als Volkskrankheit. Wien med. Wschr. Quelle: Junker, E.: Problematik der BCG-Impfung. Mitt. der österr. San. Verw. 75, S.3
128, S.573 (1978) (1974)
..................................
84
...................... ................... ..... ....•.
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
.......................................................................................85
4. Tuberkulose in Österreich

gekommen ist. Auf beiden Abbildungen wurde der Beginn Wehr setzen. Das heißt, viele von den BeG-Geimpften, die
dieser Impfungen als Folge des Gesetzes vom 20. 4. 1949 ein- an Tuberkulose erkrankten, wären ohne die Impfung mit der
gezeichnet. Wie ersichtlich, haben sich die Impfungen un- Infektion fertig geworden. Anders ausgedrückt, sie wären
günstig ausgewirkt. Der steile Abfall wurde unterbrochen, gesund geblieben. Das ist der Grund, weshalb nicht nur in
die Verlaufskurve wurde flacher, weil es auch bei den geimpf- Österreich, sondern auch in Deutschland (und nicht nur bei
ten Menschen, die sich mit Tuberkulose infiziert hatten und der Tuberkulose, auch bei verschiedenen anderen Infektions-
die normalerweise mit der Infektion fertig geworden wären, krankheiten) die Rückgangskurven nach dem Einsetzen von
nun zum Ausbruch der Erkrankung kam; denn bei ihnen Impfrnaßnahmen flacher werden und sich die Erreichung der
mußte sich der Körper bzw. das Immunsystem gegen die Nullpunkte verzögert. Die Nachimpfungen (Abb.21, S.83)
eingeimpfte zweite Infektionskrankheit (die Impfung) zur haben keine Wirkung - weder positiv noch negativ. Sie brach-
ten nur Nutzen für die Impfstoffindustrie und für den imp-
fenden Arzt.

3500

3000 600

2500
500

2000
400
1500

300
1000

200
500

100

1945 50 55 60 65 70 75 80 85 90 1975 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85

Abb.22 Tuberkulosesterbefälle in Österreich 1945-1990 Abb.23 Todesfälle an Tuberkulose in Österreich 1975-1985


Quelle: Matschek, L.: Die Tuberkulosesituation in Österreich im Jahre 1985. Mitt. der
Quelle: Junker, E.: BeG-Impfung aus heutiger Sicht. Mitt. der österr. San. Verw. 91,
österr. San. Verw. 89, S.l (1988)
S. 305 (1990)
................................................................................
86 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 4. Tuberkulose in Österreich 87
.
Auch die Abb.22 (5.84, 5-Jahres-Sprünge) und 23 belegen Aufschlußreich ist schließlich auch die Graphik Tuber-
noch einmal unter anderen Gesichtspunkten den Rückgang kulose-Sterblichkeit bei österreichischen Kindern bis zum
der Tuberkulosesterbefälle von 20000 (Abb.20) seit Beginn 14. Lebensjahr von 1945 bis 1970 (Abb. 24).
dieses Jahrhunderts auf 259 im Jahre 1990 (Abb.22). Jahr für Jahr ging die Zahl der an Tuberkulose gestorbenen
Die ärztlichen Maßnahmen haben dabei eher bremsend auf Kinder zurück, um seit 1957 fast gleichmäßig bei niedrigen
die epidemiologischen Rückgangskurven gewirkt (Abb.26). Werten zu liegen. Wenn die Geschehnisse um die BeG-Imp-
fung des Jahres 1990 vielleicht dazu führen könnten, daß in
Österreich mit dieser Impfung aufgehört wird, dann - davon
bin ich überzeugt - wird der Nullpunkt rasch erreicht wer-
den.
Handelt es sich bei diesen 5 Graphiken um Todesfälle, folgt
eine Kurve über Neuerkrankungen an Tuberkulose in Öster-
reich.

- Erkrankungen

11.1)00

10.000

9.000

8.000

7.000

6.000

1
5.000

4.000
3.000
2.000
1.000
~I~-----'------~----~------~I------~----~------r.i i

1954 55 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990

1945 1950 1955 1960 1965 1970 Abb.25 Neuerkrankungen an Tuberkulose in Österreich in den Jahren
Abb.24 Tuberkulosesterblichkeit in Österreich; Kinder von 0-14 Jahren 1954-1972, (und von 1975-1985 nach Matschei, L.: Die Tuberkulosesitua-
1945-1970 tion in Österreich im Jahre 1985. Mitt. der österr. San. Verw. 89, S.l (1988»
Quelle: Junker, E.: BCG-Impfung. - Kritische Auseinandersetzung mit den Gegeben- Quelle: Junker, E.: Problematik der BCG-Impfung. Mitt. der österr. San. Verw. 75, S.3
heiten von heute. Mitt. der österr. San. Verw. 74, S.3 (1973) (1974)
.............................................................
88 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
., ., ...., .., .,
4. Tuberkulose in Österreich
., .
89

Aus dieser Darstellung ist zu ersehen, daß auch die Erkran- 900 923
kungen an Tuberkulose in Österreich kaum noch eine Rolle
spielen. Wenn es zum Beispiel 1985 2873 Erkrankungen sowie 800
350 Todesfälle gab (nach Junker: BCG- Impfung aus heutiger
700
Sicht), so kann - überschlags mäßig gerechnet - gesagt werden:
Von acht Menschen, die an Tuberkulose erkranken, überste- 600
hen sieben die Erkrankung, und einer wird daran sterben.
Kurz nach dem letzten Krieg war das Verhältnis 1:2. Das 500
heißt, damals starb von den Erkrankten jeder zweite. Daß bei 400
den Erkrankungen an Tuberkulose häufig die Verhältnisse in
den Großstädten eine unrühmliche Rolle spielen, sollen die 300
folgenden 3 Übersichten (Abb.26, 27, 28) am Beispiel der
Stadt Wien belegen. 200

8000
100

7000
1954 6065 70 75 80 85 88
6000
Abb.27 Todesfällean Tuberkulose in Wien 1954-1988
5000 Quelle: Junker, E.: Zur Epidemiologie der Lungenerkrankungen in Wien. Mitt. der österr.
San. Verw. 91, S.1 (1990)
4000

3000

2000
Die Verbesserung der Lebensverhältnisse in den letzten Jahr-
zehnten hat den erfreulichen Rückgang von 923 Todesfällen
1000 im Jahre 1954 auf 47 Todesfälle im Jahre 1988 bewirkt.
Die Graphik (Abb.28, S.90) über die Tuberkulose-Erkran-
1900 10 23 34 48 51 62 68 69 70 80 85868788 kungen in Wien macht auf den steilen Rückgang bis zum Jahr
Abb.26 Tuberkulosesterblichkeit in Wien 1900 -1988 1965 aufmerksam. (Beseitigung der Rindertuberkulose und
Quelle: Junker, E.: BeG-Impfung aus heutiger Sicht. Mitt. der österr. Sa. Verw. 91, S.305 damit der Ansteckungsquelle für tuberkulöse Infektionen im
(1990) Bauchraum). Ab 1965 trat zwar eine Verlangsamung ein, die
aber doch in 25 Jahren zu einer Halbierung führte. Gab es
Die Kurve zeigt den Rückgang seit der Jahrhundertwende 1965 noch ca. 1000 Erkrankungen, so reduzierte sich die Zahl
und läßt gleichzeitig die Bremswirkung der BCG-Impfung bis 1988 auf 515 Betroffene. 515 Erkrankungen und 47 Todes-
erkennen. fälle (Abb.27) bedeuten, daß 1988 von zehn Personen, die an
.........................................
90 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
., . . 4. Tuberkulose in Österreich
.
91

4000 ner Generation - in Österreich, in Deutschland sowie in vie-


len Ländern Europas - ist es jemals sozial so gut gegangen wie
3500 heute.
Die Geschichte der BCG- Impfung wird gleich in ihrer
3000 Anfangsphase von einem dramatischen Zwischenfall über-
schattet, dem Lübecker Impfunglück. Zwischen dem 10. De-
2500 zember 1929 und dem 30. April 1930 wurden in Lübeck 251
von 412 neugeborenen Säuglingen dreimal oral mit BCG-
2000
Impfstoff innerhalb der ersten zehn Lebenstage geimpft. 72
Säuglinge verstarben an generalisierter Tuberkulose, Menin-
1500
gitis tuberculosa, tuberkulöser Peritonitis, spezifisch-entzünd-
lichem Darmverschluß und anderen Tuberkulosen, die Mehr-
1000
zahl binnen zwei bis fünf Monaten nach der Impfung. Alle 72
Säuglinge bis auf einen, der wenig später verstarb, starben noch
500
vor Ablauf ihres ersten Lebensjahres. 135 geimpfte Kinder
erkrankten an Tuberkulose und 44 Impflinge wurden zwar
19546065 70 75 80 85 88 tuberkulin positiv, blieben aber gesund. Keines der im gleichen
Abb.28 Erkrankungen an Tuberkulose in Wien 1954 -1988 Zeitraum in Lübeck geborenen, aber ungeimpft gebliebenen
Quelle: Junker, E.: Zur Epidemiologie der Lungenerkrankungen in Wien. Mitt. der österr. 161 Kinder erkrankte während der ersten drei Lebensjahre an
San. Verw. 91, S.l (1990) Tuberkulose. In der Mehrzahl der Fälle erfolgte die Erst-
manifestation der Tuberkulose im Magen-Darm- Trakt, ent-
sprechend der oralen Verabreichung des Impfstoffs, bei einigen
Tuberkulose erkrankten, neun die Infektion überstanden und Kindern auch an der Lunge (offenbar durch Inhalation be-
wieder gesund wurden. Im Absinken dieser Verhältniszahl dingt) bzw. in Form primärer Mittelohrkomplexe. Vom 12.
zeigt sich das Milderwerden der Gesamterkrankungen. Die Oktober 1931 bis zum 6. Februar 1932 wurde der Prozeß vor
epidemiologischen Rückgänge aber sind besonders bei der dem Strafgericht in Lübeck gegen die Angeklagten, Prof.
Tuberkulose ausschließlich Folge sozialer sowie hygienisch- Deyke und Mitarbeiter, geführt (das Deyke- Laboratorium
technischer Verbesserungen. Die Tuberkulose ist - genau wie hatte den Impfstoff hergestellt). In 70 Sitzungen, von denen
Pocken, Keuchhusten und Diphtherie - eine Folgeerschei- eine sogar im Laboratorium stattfand, wurde um die U rteils-
nung menschlichen Elends, deshalb steigen diese Seuchen in findung gerungen. Die ersten drei Monate standen im Zeichen
Kriegszeiten so beträchtlich an. Wird das Elend überwunden, von medizinischen Experten und Gutachten, das Gericht
gehen sie zurück. Bleibt die soziale Lage einigermaßen stabil, wurde zum medizinischen Forum. Die Kernfrage: Hat sich der
ist mit ihrem Wiederauftreten nicht zu rechnen. Man wird BCG-Stamm unter den Züchtungs bedingungen des Lübecker
kaum widersprechen können, wenn ich behaupte: Noch kei- Laboratoriums gewandelt und eine Virulenzsteigerung erfah-
...
92
.............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................93
4. Tuberkulose in Österreich

ren, oder wurde der BCG-Stamm infolge mangelhafter Sorg- BCG- Impfung nicht mehr zu empfehlen. Da es dort keine
falt mit virulenten humanen Tb-Bakterien verunreinigt, blieb Gesetze zur Regelung und Entschädigung von Impfschäden
unbeantwortet. Sechzehn untersuchte Kulturen des Lübecker gibt, hatte die Auffassung der Obersten Sanitätsbehörde zu-
Laboratoriums entsprachen elfmal dem BCG, drei Stämme nächst keine Auswirkungen. Wegen des langfristig zu erwar-
wiesen Merkmale im Sinne eines humanen virulenten Stam- tenden Rückgangs des Impfstoffverbrauchs stellte die Firma
mes, des sogenannten Kehl-Stammes auf. In den Jahren 1927 »BCG-Berna« den Vertrieb des bis dahin von ihr gelieferten
bis 1933 wurden insbesondere aus den USA und Kanada Ver- Impfstoffs »BCG-Merieux« ein, weil der kleine Markt in
öffentlichungen bekannt, die die Instabilität des BCG und Österreich keinen Gewinn mehr erwarten ließ. Daraufhin
seine Fähigkeit, krankmachende Eigenschaften für das Tier lieferte eine andere Firma, nämlich das »Sero-therapeutische
wieder zu gewinnen, postulierten. Das Gericht verurteilte Institut« der Firma »Pasteur« in Frankreich, Anfang März
Prof. Deyke zu 1 Jahr und 10 Monaten Gefängnis, seinen Mit- 1990 den Impfstoff »BCG-Pasteur« und ließ wissen, daß bei
arbeiter zu 15 Monaten Haft. Der zur Aufklärung der Ursa- kurzfristigen Nachbestellungen nur ein aus einem anderen
chen durchgeführte Prozeß stand im Mittelpunkt der medizi- BCG- Impfstamm hergestellter Impfstoff geliefert werden
nischen und nichtmedizinischen Öffentlichkeit in vielen Län- könne.
dern der Welt. Das »Liibecker Impfunglück« beeinflußte die Bezüglich der Anwendung dieses Impfstoffs waren Beden-
Entwicklung der BCG-Schutzimpfung für mehr als zehn Jahre ken der WHO bekannt, da nach deren Meinung dieser Impf-
nachhaltig. In einem Bericht heißt es: »Die daraufhin erarbeite- stoff nur für die Dritte Welt geeignet sei.
ten Produktionskontroll- und -prüfvorschriften, die in den In Österreich galt der neue Impfstoff jedenfalls von den
Requirements der WHO gipfeln, schufen die Voraussetzungen österreichischen Sanitätsbehörden als »nicht zugelassen«. Auf
für eine sichere Produktion und Anwendung von BCG-Impf- Drängen der impffreudigen Kinderärzte Österreichs fand man
stoffen. Fast 50 Jahre Erfahrung mit der BCG-Impfung seit in dem Paragraph 12 des entsprechenden Gesetzes den ge-
dem Lübecker Zwischenfall lassen die Aussage zu: suchten Ausweg. Dieser Paragraph besagt nämlich, daß zur
Die BCG- Impfung gehört zu den sichersten Impfungen Abwehr schwerer Gesundheitsschädigungen ein Medikament
überhaupt.« auch ohne Zulassungsverfahren freigegeben werden könne.
Hier zeigt sich die deutsche Taktik: Hochjubeln des Impf- Am 31. Juli 1990 gab die Abteilung 11 des österreichischen
stoffes, Verharmlosung seiner Schäden, im übrigen viel ver- Gesundheitsministeriums den neuen, aus einem anderen
schweigen und vertuschen. BCG-Stamm hergestellten Impfstoff zur Anwendung frei. Im
Nicht verschweigen läßt sich der Impfskandal von Beipackzettel des neuen Präparates aus Frankreich war die
1990/1991 in Österreich. In den meisten Ländern Europas ist Dosierung mit 0,05 ml angegeben, jedoch stand auf der Ver-
die Impfung gegen die Tuberkulose (BCG) - weil sie unnötig packung als Dosierung - wie bisher - 0,1 ml. Das hatte man
ist - schon vor Jahren aufgegeben worden. In Schweden ist im Ministerium bei der Zulassung des Serums nicht bemerkt,
diese Impfung seit 1985 verboten. und so wurden die meisten Kinder - vermutlich aus Gewohn-
Österreich macht davon eine Ausnahme. Anfang 1990 hatte heit - mit der bisher üblichen Dosis von 0,1 ml geimpft. Das
die Oberste Sanitätsbehörde dieses Landes entschieden, die heißt, sie erhielten die doppelte Dosis. Bald mehrten sich Mel-
................................................................................
96 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 4. Tuberkulose in Österreich
.
97

1800
Jahr zurück. In 50 Jahren bis kurz über den Nullpunkt. Als es
1950 noch zwei Todesfälle in ganz Wien gab, setzten die
BCG- Impfungen ein. Da nun im darauffolgenden Jahr -
wie zu erwarten war, - die Kurve den Nullpunkt erreichte,
1500
löste dieses die Behauptung aus, das sei Folge der BCG-Imp-
fung.
e
Q) Man muß sich diesen Rückgang verdeutlichen. Im Jahr
0>
e
::J
1900 werden 1800 Todesfälle registriert, 70 Jahre später
'+-
Q.e Todesfälle an Tuberkulose: o.
.~ ~
1000 ..c .;::
ü..c
Vom Gesundheitsamt der Stadt Wien wird im April 1994 in
Cö:Cö
Zo der Zeitschrift »Gesundheits-Wesen« S.208 bestätigt, daß die
m;
""Oe
geschürte Angst vor einem Übergreifen von Tuberkuloseer-
e ::J krankungen bei Gastarbeitern auf die einheimische Bevölke-
.!: CJ)
0> ••..
Q) Q)
rung unbegründet ist. Es heißt:
1ll""O »Obwohl die Tuberkulosemorbidität (= Krankheitshäufig-
500
keit) der ausländischen Arbeitnehmer und deren Angehörigen
Seit 1970 ist in in der Folgezeit unverändert um das Doppelte höher war und
Wien kein Kind sie auch häufiger an offener Lungentuberkulose erkrankten
an Tuberkulose als die einheimische Bevölkerung, hat sich die Tuberkulose in
verstorben
der Schweiz und in der Bundesrepublik Deutschland in all
den Jahren kontinuierlich zurückgebildet. Die anfänglichen
190010 23 34 48 51 62 63 68 69 70 80 85 86 87 88 Befürchtungen, daß relativ starke Ausländerbelastung einen
Abb. 29 Todesfälle an Tuberkulose in Wien. Kinder von 0 -10 Jahren
epidemiologischen Niederschlag (= Ansteigen der Erkrankun-
Quelle: Junker, E.: BeG-Impfung aus heutiger Sicht. Mitt. der ästerr. San. Verw. 91, gen bei Einheimischen durch Ansteckungen bei Ausländern)
S. 305 (1990) über einen längeren Zeitraum haben könnte, fanden keine
Bestätigung. «

schädigung für Kinder, die mit Krebspräparat geimpft worden


sind.
Zum Abschluß dieses Kapitels und zur Verdeutlichung des
Unsinns der BCG-Impfung eine Kurve über Todesfälle an
Tuberkulose in Wien (s. Abb.29, S. 96).
Im Jahre 1900 starben in Wien demnach 1800 Kinder an
einer Tuberkulose. Diese schreckliche Zahl ging von Jahr zu
................................................................................
98 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen 5. Keuchhusten 99

5. Keuchhusten 40

Aufhebung der
Kurzfassung: 30
»Öffentlichen Empfehlung«
Wiedereinführung der
»Öffentlichen Empfehlung«
Erreger: Bordetella Pertussis
Inkubationszeit: 7-10 Tage, selten mehr als 2 Wochen
Infektionskrankheit, die mit gefährlichen Hustenattacken einhergeht.
20
I
Gesamt-
Deutschland
10 % der Erkrankungen entfallen auf das Säuglingsalter, 80 % auf das 10
Vorschulalter.
Der Pertussis-Impfstoff steht in Deutschland nur in Kombination mit
dem Diphtherie- und dem Tetanusimpfstoff (»DPT«) zur Verfügung. 1970 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95
Pro Dosis werden etwa 9-11 Milliarden abgetötete Pertussisbakterien
eingespritzt. Abb.30 Todesfälle an Keuchhusten in der Bundesrepublik Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Gruppe VII D

Ursache der Erkrankung ist das Keuchhustenbakterium (Bor-


detella pertussis), ein gramnegativer Keim, der unter anderem
das für die Keuchhusten-Erkrankung bedeutsame Pertussis- baden gibt für das Jahr 1995 für Gesamt-Deutschland (also
Toxin bildet. Der Keuchhusten ist behandelbar, zum Beispiel für 80 Millionen Einwohner) keinen Todesfall mehr an.
mit Erythromycin, 50 mg pro kg/Tag. Antibiotika führen Die Kurve zeigt aber auch den für viele Infektionskrankhei-
außerdem zu einer Minderung der Hustenattacken. Wenn ten typischen wellenförmigen Verlauf. Diese wellenförmigen
heute ein Kind länger als drei Wochen »den Husten« hat, Abläufe sind in der Abbildung über Pocken-Todesfälle gut zu
sollte daran gedacht werden, daß möglicherweise ein Keuch- erkennen. (Die Graphik soll an dieser Stelle lediglich die
husten vorliegt und entsprechend behandelt werden. Erkran- » Wellen« demonstrieren.
kungen an Keuchhusten sind bei uns gering geworden, und
der Keuchhusten ist auch so mild geworden, daß 1961 die 15000
84.885
77.226
Meldepflicht bei Erkrankungsfällen aufgehoben wurde. 14000
13000
Alle heute genannten Keuchhusten-Erkrankungszahlen 12000
11000
sind daher keine amtlichen Zahlen, sondern reine Phantasie- 10000

gebilde. Wenn auch verläßliche Zahlen über Keuchhustener- 9000


8000
krankungen nicht genannt werden können, weil die Melde- 7000
6000
pflicht aufgehoben wurde, blieb für Keuchhusten-Todesfälle 5000
4000
die Meldepflicht bestehen. Aus allen Todesfallkurven können 3000
2000
ohne weiteres Rückschlüsse über den Verlauf auch der 1000

Erkrankungen gezogen werden.


Die Kurve über Keuchhusten-Todesfälle von 1970 bis 1995 Abb.31 Pockentodesfälle im Deutschen Reich nach Einführung der
zeigt, daß es seit etwa 20 Jahren nur noch bis zu 15 Todesfälle gesetzlichen Pflichtimpfung in den deutschen Ländern
pro Jahr gegeben hat. Das Statistische Bundesamt in Wies- Quelle: nach Lentz u. Gins: Handbuch der Pockenbekämpfung und Impfung
..100.... .. ............................ ................................ ...... ........ .. .....
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
.. "
5. Keuchhusten
.
101

Etwas Ähnliches spielt sich auch beim Keuchhusten ab. 1980 erschienen Arbeiten, die die Wiedereinführung der
Natürlich kommen diese Wellen bei Zahlen, die - wie bei den Keuchhusten- Impfung als »ernpfohlene Impfung« forderten
Pocken - in die Tausende gehen, besser heraus als auf einer (wie zum Beispiel die von Stickl und Pachler: »Die Keuchhu-
Kurve, deren Verlaufszahlen sich im Zehnerbereich abspielen. stenepidemie seit 1978 und die Indikation zur Pertussis- Imp-
Als es, wie aus Abb. 30 zu ersehen ist, 1981 zu einem Anstieg fung«, Monatsschr. Kinderheilkd. 132, S.493 [1984J). Darin
der Keuchhusten-Erkrankungen kam, erschienen damals Ver- berichten die Autoren, eine 1980 durchgeführte Umfrage habe
öffentlichungen, die vor einem Anstieg des - angeblich wieder ergeben, daß von 5485 stationär aufgenommenen Kindern
im Kommen begriffenen - Keuchhustens warnten und die 2614 noch unter zwölf Monate alt waren (47,6 %).438 Kinder
Wiedereinführung der Keuchhustenimpfung als »empfohlene waren zwar gegen Keuchhusten geimpft, sie erkrankten aber
Impfung« forderten. trotzdem, und Stickl und Pachler mußten zugeben: »Darüber
hinaus führt der Keuchhusten-Impfstoff bei fast jedem Säug-
ling zu Nebenwirkungen und in seltenen Fällen zu schweren
65.000~
60.000
Komplikationen mit Dauerschäden Auffallend ist die nied-
rige Letalität des Keuchhustens « Trotzdem schließt der
Bericht mit dem Satz: »Eine wirksame Keuchhusten-Prophy-
50.000 laxe in der augenblicklichen epidemiologischen Situation ist
notwendig.« Damals war Prof. Ehrengut noch Mitglied der
STIKO. An seinen Erkenntnissen über die Gefährlichkeit der
40.000 Keuchhusten-Impfung konnte nicht vorübergegangen wer-
Ab 1962 sind die Erkrankungsfälle den, und ehe die STIKO einen Entschluß fassen konnte,
an Keuchhusten nach dem
Bundesseuchengesetzvom 18. Juli 1961 waren die angeblich so großen und gefährlichen Keuchhu-
30.000
nicht mehr meldepflichtig stenepidemien schon wieder im Abklingen.
Im Jahr 1990 hat es nun wieder einen» Anstieg« von Keuch-
1948 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61
husten-Erkrankungen in Deutschland gegeben. Dabei stiegen
Abb.32 Erkrankungen an Keuchhusten in der Bundesrepublik Deutsch- die Sterbefälle von 2 im Jahre 1989 auf 8 in 1990, und sie blie-
land von 1948 -1961
ben - diesmal allerdings für Gesamt-Deutschland - auch 1991
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
bei acht Fällen. Inzwischen ist Prof. Ehrengut in Pension
gegangen. Er ist nicht mehr Mitglied der STIKO; damit sind
Im Jahr 1975 ist die Keuchhusten-Impfung aufgrund der die Chefärzte der Kinderkliniken in der STIKO unter sich. In
Untersuchungen, Arbeiten und Veröffentlichungen von Prof. diesem Gremium sitzen daher vorwiegend Ärzte, die oft nur
Ehrengut von der Liste der »empfohlenen Impfungen« gestri- wenig Ahnung von Impfschäden haben, aber an Impfungen
chen worden. Prof. Ehrengut hatte in zahlreichen wissen- verdienen. So ist zu verstehen, daß in den Impfempfehlungen
schaftlichen Veröffentlichungen etwa seit 1969 auf die Gefah- 1991 die Keuchhusten-Impfung wieder in die Liste der »emp-
ren der Keuchhusten-Impfung aufmerksam gemacht. Nach fohlenen Impfungen« aufgenommen wurde.
................................................................................
102 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. "
5. Keuchhusten
.
103

1500 Kurvenverlaufs, sie blieb unverändert. Durch Einführung der


Impfung wurde die Kurve eher flacher. Die Schraffierung hebt
Einführung des »P«- Impfstoffes
wieder die Massenimpfaktion zwischen 1970 und 1980 hervor,
1
1000
900
800 Einführunq d~ "OPT" - Impfstoffes die zur Stagnation der Todesfallzahlen führte und den Rück-
700 gang verlangsamte.
600 Aufhebung der Wiedereinführung der
500
400
1 -Öftentlichen
Empfehlung«
"Öffentlichen Empfehlung« Da Infektionskrankheiten ein Spiegel des sozialen, hygieni-
schen und technisch-zivilisatorischen Standards eines Landes
300
sind, müssen sich in ähnlich strukturierten Ländern wie die
100 BR Deutschland gleiche Kurvenabläufe finden.
Am Beispiel der Schweiz läßt sich diese Abhängigkeit gut
50
sichtbar machen (s. Abb. 34).
1946 50 55
Abb.33 Sterbefälle an Keuchhusten (Pertussis)
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Gruppe VII D en I
1\
!.
PERTUSSIS-TODESFÄLLE
SCHWEIZ 1910-1980

\
5J)
Die Abb.33 über Keuchhusten-Sterbefälle von 1946 bis 1995
belegt, daß der Keuchhusten in Wirklichkeit keine gravie- - r1OO%
50%
rende Rolle mehr spielt, weil es die früher so gefürchteten (Q)

Impfungen
schweren Erkrankungen kaum noch gibt. Die schweren
Keuchhusten-Erkrankungen sind es ja gewesen, die zu tödli- sn \
chen Ausgängen führten, und aus der Kurve ist zu ersehen,
daß seit 20 Jahren die Keuchhusten-Todesfälle im Fingerbe-
2Q)
\1\
reich lagen. Von 1990 bis 1995 ist ein Rückgang dieser Keuch-
hustenfälle zu erwarten; damit sind auch Berichte über die
~ \
r\ ..J~
»hervorragende Wirkung« der jetzt wieder durchgeführten lJlJ
Y V ...•.•.
»Schutzimpfungen gegen Keuchhusten« vorprogrammiert.
Weiterhin zeigt die Kurve ab Kriegsende einen kontinuier- ~ ..•..
0
lichen Rückgang der Keuchhusten-Sterbefälle. Von 1946 bis 1910 20 n LlJ SO &:l 70 19I1
1952 waren sie von 1500 auf 500 Fälle zurückgegangen.
Abb.34 Pertussismortalität in der Schweiz: über 600 Pertussis-Todes-
Sowohl die Einführung des alleinigen Keuchhusten-Impf- fälle zu Beginn des Jahrhunderts, keine Todesfälle in den letzten fünf Jah-
stoffs »P« im Jahre 1953 als auch die Einführung des kombi- ren. Die stärksten Rückgänge sind in der Zeit vor der allgemeinen Durch-
nierten Diphtherie-Keuchhusten-Tetanus-Impfstoffs »DPT« impfung der Säuglinge eingetreten.
hatte keinen sichtbaren Einfluß auf die fallende Tendenz des Quelle: Tönz, 0.: Keuchhustenimpfung; Therapeut. Umschau 40 (1983), S.203
................................................................................
104 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 6. Diphtherie 105
.
In der Schweiz gab es 1910 über 600 Keuchhusten-Todesfälle. Die Diphtherie wird von dem Corynebakterium diphtheriae
Das Land war in beiden Kriegen neutral, und so wurde die hervorgerufen, einem grampositiven Stäbchen mit keulenför-
Kontinuität der Rückgangskurve - selbst in den Kriegsjahren mig verdickten Enden. Von Bedeutung sind die Toxine und
- nicht unterbrochen. Jahr für Jahr gingen die Keuchhusten- Allergene. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis
Todesfälle zurück. 1945 wurde die Marke »100« erreicht. In vier Tage, zuweilen bis zu einer Woche. Im vorigen Jahrhun-
diesem Jahr begannen langsam und zögerlich die ersten Imp- dert war die Diphtherie eine weit verbreitete Erkrankung mit
fungen, worauf der günstige Rückgangstrend unterbrochen einer hohen Sterblichkeits rate. 1883 sollen 75000 Menschen,
wurde. Die Kurve wurde flacher, verlief aber trotz dieser ärzt- vorwiegend Kinder, an der Diphtherie gestorben sein.
lichen Maßnahme weiter nach dem Nullpunkt hin. Ohne
Impfung wäre dieser wahrscheinlich im Jahr 1950 erreicht 23.000
worden, doch sie verzögerte das Erreichen um 20 Jahre.
Seit 1970 ist in der Schweiz kein Kind mehr an Keuchhu- 20.000
sten gestorben. Von den »Wissenschaftlern« wird das jedoch
als Folge der »flachendeckenden Durchimpfung der schwei-
zer Kinder« gefeiert.
15.000

6. Diphtherie

Kurzfassung: 10.000
Erreger: Corynebakterium Diphtheriae.
1906 1910 1915 1920 1925 1930 1933
Es ist eine Infektionskrankheit, die durch Lokal- und Fernwirkung der
Toxine gekennzeichnet ist. Abb.35 Todesfälle an Diphtherie zwischen 1906 und 1933
Lokal: Fibrinbeläge auf Haut- und Schleimhäuten. Quelle: statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
Fern: Herzmuskelschädigung, Nervenlähmung.
Inkubationszeit: 2-7 Tage.
Häufig verlaufen Epidemien wellenfärmig, die Ursache ist unbekannt. Die Kurve zeigt, daß es vor dem Ersten Weltkrieg ca. 15000
In den epidemiefreien Zeiten gibt es etwa 1% Keimträger und Dauer- Todesfälle pro Jahr gegeben hat. In der Kriegszeit kam es dann
ausscheider und in Epidemiezeiten ca. 50 % Keimträger und Daueraus-
zu einer deutlichen Zunahme, wie sie von fast allen Infek-
scheider.
Wir kennen zwei Verlaufsformen: die gutartige und die maligne Form. tionskrankheiten bekannt ist. Nach Beendigung des Ersten
Impfstoff: Durch Formalin entgiftete, isolierte und gereinigte Diphthe- Weltkriegs setzte ein steiler Rückgang ein und ab 1920 ein
rietoxine, adsorbiert an Aluminiumverbindungen. langsames jährliches Zurückgehen bis 1925. Hier wurde die
Impf- Dosis: 0,5 ml = 75 IE Diphtherie-Toxoid, bei Kombination mit Impfung mit Diphtherie-Adsorbat-Impfstoffen eingeführt.
Tetanus- und Pertussis-Impfstoff jedoch nur 50 IE. Seit 1984 gibt es
einen Impfstoff für Erwachsene, der nur 5 IE Di.- Toxoid monovalent in
Die Zahl der Todesfälle nahm jedoch zu, erkennbar am leich-
Kombination mit Tetanus-Impfstoff enthält. ten Anstieg der Kurve. Womit ist das Ansteigen nach Ein-
................................................................................
106 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen 6. Diphtherie 107

führung einer Impfung - das bei vielen Infektionskrankheiten für die Jahre 1939 bis 1948 keine Angaben über Diphtherie-
nachgewiesen werden kann - zu erklären? Wenn eine Erkran- Todesfälle erhältlich; die Zahlen liegen wieder seit 1949 vor
kung so häufig ist, wie das seinerzeit bei Diphtherie der Fall (Abb. 36). Damals starben 1146 Menschen an Diphtherie, und
war, dann müssen nach dem Wahrscheinlichkeits gesetz auch bereits diese Zahl zeigt den beträchtlichen Rückgang: Vor dem
Kinder geimpft werden, die sich in der Inkubationszeit befin- Ersten Weltkrieg ca. 15000, zwischen den beiden Kriegen zwi-
den, also in der Zeitspanne von der Ansteckung bis zum Aus- schen 5000 und 10000 und 1949 etwas über 1000 Todesfälle. In
bruch der Krankheit. Die Inkubationszeit beträgt bei Diph- der folgenden Zeit setzte nun ein steiler Rückgang ein.
therie zwei bis sieben Tage. Wird ein Kind in dieser Zeit Acht Jahre später lagen die Diphtherie-Todesfälle bei etwa
geimpft, muß sich der kindliche Organismus gegen zwei 100 pro Jahr.
Krankheiten zur Wehr setzen. Einmal gegen die sich im Inku-
bationsstadium befindliche Diphtherie, zum anderen gegen 180

die künstliche Infektion, nämlich die Impfung. Diese Kinder 160


erkranken schwer. Sie sind hoch infektiös, stecken andere Kin-
der an und sorgen so für den in der Kurve ersichtlichen An- 140
stieg. Leider sind vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden
120

1.146 100

800 80

700 60

Für die Jahre 1939 - 1948


600 40 Gesamt-
sind in Wiesbaden keine
Di phtherie- Todesfall-Zahlen Deutschland
500 vorhanden 20
~
400
1955 1960 1970 1980 1990 2000
300 Abb.37 Todesfälle an Diphtherie seit 1955
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
200

100 Der Rückgang ging weiter. Zehn Jahre später, also etwa ab
1965, lagen die Diphtherie-Todesfälle im Bereich zwischen 5
1949 1955 1960 1965 und 15 pro Jahr. Zeigten die bisherigen Graphiken das Verhal-
Abb.36 Todesfälle an Diphtherie von 1949 -1954 ten bei den Diphtherie-Todesfällen, so sollen die nächsten den
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Verlauf bei Diphtherie-Erkrankungen sichtbar machen.
108
••••••
IV. Infektionskrankheiten
41 •••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••
und Impfungen
. 6. Diphtherie
.
109

42500 Erkrankten 1950 noch 42500 Personen an einer Diphtherie,


40000
37500 so ging diese Zahl im Verlauf von nur zehn Jahren auf 2500
35000 pro Jahr zurück (Abb. 38).
32500
30000 1962 war die Zahl 800 erreicht, und 1972 wurden nur noch
27500 ca. 35 Krankheitsfälle registriert (Abb. 39 u. 40).
25000
22500
20000
17500
40
15000
12500 35

10000
30
7500
25
5000
2500 20

15
Gesamt-
1950 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 10
Deutschland

Abb.38 Erkrankungen an Diphtherie in der Bundesrepublik Deutschland


von 1950 -1961
1972 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
Abb.40 Erkrankungen an Diphtherie in der Bundesrepublik Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
900

800
Seit 1972 ist ein weiterer Rückgang zu verzeichnen, der
700
zunächst eine ziemliche Unruhe erkennen läßt (das ist die
600 Folge der Massenimpfaktionen der deutschen Gesund-
500
heitsämter von 1970 bis 1980). Ab 1984 wird die Kurve sehr
ruhig, die Diphtherie-Erkrankungen liegen jetzt etwa um fünf
300 pro Jahr. 1990 gab es einen einzigen Diphtherie-Todesfall und
im wiedervereinigten Deutschland wurde 1992 nur ein einzi-
200
ger Diphtherie-Erkrankungsfall gezählt.
100 Welchen Schaden Impfungen anrichten - nicht nur in
Beziehung auf das Einzelwesen, das durch die Impfung einen
1962 63 64 65 66 67 68 69 70 71 Impfschaden erleiden kann, sondern ebenso in Beziehung auf
Abb.39 Erkrankungen an Diphtherie in der Bundesrepublik Deutschland die Gesamtsituation des Seuchenrückgangs -läßt sich am Bei-
von 1962 -1971 spiel der Diphtherie eindrucksvoll zeigen. Aus Abb.41 ist
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D zunächst der gleiche steile Rückgang ersichtlich, wie er bei
...
110
................
IV. Infektionskrankheiten
"'
und Impfungen
'" . ............................. '"
6. Diphtherie
.
111

250.000 kung. Im Gegenteil, der bis dahin regelmäßige Rückgang wird


unterbrochen, die Kurve wird zunächst unruhig und läßt von
200.000
1980 bis 1985 einen verlangsamten Rückgang erkennen.
150.000 In Amerika waren die Impfstoffhersteller für Impfschäden
haftbar gemacht worden. Da in Amerika der Wert der
100.000
menschlichen Gesundheit wesentlich höher veranschlagt wird
50.000 als in Deutschland, gingen die Entschädigungsleistungen, zu
denen die Impfstoffhersteller verurteilt wurden, meist in die
10.000
Millionen Dollar. Dies führte dazu, daß kleinere Impfstoff-
hersteller in Konkurs gingen oder die Produktion einstellten.
Die großen Firmen schlugen die Entschädigungskosten meist
100 auf den Verkaufspreis ihrer Erzeugnisse, so daß diese in Ame-
Gesamt-
Deutschland rika immer teurer wurden. Die Firma SmithKline Beecham
50
verlegte ihre Aktivitäten deshalb nach Deutschland, denn hier
werden die Entschädigungen für die Impfopfer von der All-
1920 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 gemeinheit getragen. Bei den Propagandaveranstaltungen
Abb.41 Erkrankungen an Diphtherie begründete diese Firma die Notwendigkeit der Diphtherie-
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Impfung in Deutschland damit, daß gerade hier eine Diphthe-
rie-Epidemie mit Todesfällen aufgetreten sei. Außerdem habe
es auch in Schweden Diphtherieepidemien gegeben. Wenn
allen Infektionskrankheiten nachzuweisen ist. Erkrankungen man dieser Behauptung nachgeht, stellt sich heraus, daß in
an Diphtherie waren seit 1918 in wenigen Jahren von ca. Deutschland im Februar 1989 bei einem einjährigen unge-
100000 bis auf 25000 zurückgegangen. Im Jahr 1925 wurde impften Kind die Diagnose Diphtherie gestellt worden war.
die Diphtherie-Impfung eingeführt, stark propagiert und auch Das Kind ist wenige Tage später verstorben. Die Einzelhei-
häufig angewandt. Daraufhin stiegen die Erkrankungszahlen ten wurden vom Gesundheitsamt Reutlingen im Deutschen
unaufhörlich an. Sie erreichten 1945 mit 250000 Fällen pro Ärzteblatt unter der Überschrift: »Diphtherieausbruch in
Jahr ihren Höhepunkt, um nach Beendigung des Krieges steil Reutlingen« berichtet. Mehrfach wird in diesem Bericht
abzufallen, obwohl in der Nachkriegszeit zunächst kaum oder erwähnt, daß dieses Kind aus einer »Gemeinschaftseinrich-
nur sehr wenig geimpft wurde. Erneut ist zu sehen, daß Not, tung« stammt - nirgendwo aber ist erklärt, was unter einer
Hunger und Elendsjahre Nährböden für Infektionskrankhei- »Gemeinschaftseinrichtung« zu verstehen ist. Sieht man sich
ten sind, wie es bereits aus den Kurvenverläufen bei Pocken, die Originalarbeit über den Diphtherieausbruch in Schweden
Tuberkulose und Keuchhusten abgelesen werden konnte. an, so lautet die Überschrift (ins Deutsche übersetzt): »Diph-
Auch bei der Diphtherie blieben die eingezeichneten Mas- therieausbruch unter schwedischen Alkoholikern«.
senimpfaktionen von 1970 bis 1978 ohne ersichtliche Wir- In beiden Fällen kann von Randgruppen unserer Gesell-
......
112
..........................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................113
7. Wundstarrkrampf (Tetanus)

schaft gesprochen werden. Bei dem Kind in Reutlingen han- ständen, im Straßenstaub, an Holzsplittern und in getragener
delt es sich nicht um ein wohlbehütetes, von seinen Eltern Bekleidung. Sie können auch in landwirtschaftlich genutzten,
geliebtes und im Familienverband aufgewachsenes Kleinkind, schweren und wenig wasserdurchlässigen Erden, in Reitstäl-
sondern um ein Kind aus einer »Gemeinschaftseinrichtung«. len usw. auftreten. In der Dritten Welt hingegen entsteht der
Die schwedischen Diphtheriefälle stammen aus dem Alkoho- Tetanus häufig durch die dort üblichen Durchstechungen und
likermilieu. Diese beiden Tatsachen, denen meines Erachtens Durchbohrungen von Ohren und Nasenflügeln sowie von
eine entscheidende Bedeutung zukommt, sind in den Ein- anderen künstlich herbeigeführten Verletzungen, teils aus
führungsvorträgen der Impfpropagandisten der Firma Smith- kosmetischen, teils aus religiösen Gründen, besonders bei
Kline Beecham wohlweislich nicht erwähnt worden. Mädchen im Alter zwischen 12 und 24 Monaten. Der Wund-
starrkrampf äußert sich in einer krampfhaften Starre der Mus-
kulatur. Die Inkubationszeit beträgt vier bis vierzehn Tage,
selten mehrere Monate.
7. Wundstarrkrampf (Tetanus) Das Überstehen einer Tetanuserkrankung hinterläßt keinen
Schutz vor einer erneuten Erkrankung an Wundstarrkrampf.
Kurzfassung: Für diese Merkwürdigkeit hat die Schulmedizin - wie für die
Erreger: Clostridium tetani.
meisten Impffragen - eine scheinbar einleuchtende Erklärung.
Akute, meist schwere Infektionskrankheit, die durch das Toxin der Teta-
nusbazillen hervorgerufen wird und sich in einer krampfhaften Starre Die tödliche Tetanustoxinmenge sei so gering, daß das
der Muskulatur äußert. Immunsystem darauf noch nicht durch Bildung von antitoxi-
Inkubationszeit: 4-14 Tage, selten mehrere Monate. schen Immunkomplexen antworte. Sie überzeugt mich nicht.
Pferde enthalten im Darmtrakt große Mengen vegetativer Keime der Genaugenommen müssen wir sagen, daß es unbekannt ist,
Tetanusbazillen. Diese können sich nur unter anaeroben Bedingungen
warum das so ist.
(= unter Luftabschluß) vermehren, daher kann es bei großen, gut blu-
tenden Wunden nie zu einem Tetanus kommen. Der Impfstoff besteht Im Straßenstaub der Großstädte ist ein Rückgang des Vor-
aus der 50fach tödlichen, durch Formol entgifteten Toxinmenge. kommens der Tetanusbazillen nachgewiesen worden. Dies ist
Adjuvans: Aluminiumhydroxyd sowie Natriumtrimerfonat p-(äthyl- eine Folge der zunehmenden Mechanisierung des Verkehrs-
mercuri -thio )-benzol-sulfonsäure. Natrium-Salz. »Grundimmunisie- wesens. Mit Ersatz der Pferde durch Traktoren verschwand
rung zwischen dem 10. bis 16. Lebensmonat mit 0,5 ml; zwei Injektio-
der Pferdemist als Dünger von unseren Feldern. Die Roßäpfel
nen im Abstand von 4-12 Wochen (optimal 6 Wochen) und einer
3. Gabe frühestens nach 8 Wochen bis Jahresfrist. verschwanden von der Straße. Zu einer Infektion kommt es
nur nach direktem Kontakt zwischen dem Erreger und dem
Der Wundstarrkrampf wird durch das Gift eines Bazillus - Organismus. Aus einer solchen Einzelinfektion entwickelt
Clostridium tetani - hervorgerufen. Die von diesem Bazillus sich keine Epidemie; die Erkrankung ist nicht ansteckend. Es
gebildeten Gifte (Toxine) haben ein besonderes Verhältnis kommt auch nur bei solchen Wunden zu einer Infektion, die
(Affinität) zum Nervensystem. Sie kommen besonders im von der Luft abgeschlossen sind, weil die Tetanusbazillen sich
Pferdemist vor, aber auch bei verschiedenen anderen Weide- nur unter Luftabschluß entwickeln können. Daher sind ver-
tieren sowie in alter Gartenerde, an rostigen Metallgegen- klebende Nadelstichverletzungen oder Dornenverletzungen
..114..............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................115
7. Wundstarrkrampf (Tetanus)

160
an den Füßen gefährlicher als oberflächliche, gut blutende 150
Wunden. Aus Abschürfverletzungen (beispielsweise an den 140 -- Erkrankungen
130
Knien bei »wilden« Jungen) entsteht nie ein Tetanus. 120
---- Todesfälle

Während Tetanus-Todesfälle dem Statistischen Bundesamt 110 (Der Tetanustoxoidinimpfstoff


seit 1927 zur Anwendung)
kommt
100
in Wiesbaden seit längerer Zeit gemeldet wurden, sind Teta- 90
nus-Erkrankungen erst seit 1962 nach den Bestimmungen 80
70
des Bundes-Seuchengesetzes vom 18. Juni 1961 meldepflich- 60
tig. Daher sind amtliche Zahlen aus der Zeit vor 1962 über 50
40
Tetanus-Erkrankungen vom Statistischen Bundesamt in 30
Wiesbaden nicht erhältlich. 20
10

450 1962 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995


420
Abb.43 Erkrankungen und Todesfälle an Tetanus seit 1962
390
360 Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Fachserie 12, Reihe 2

330
300
270 Die Abb.43 zeichnet die Todesfälle und Erkrankungen seit
240 1962 auf; aus ihr ist der zunächst ungünstige Verlauf der Teta-
210 ~us- Erkrankungen abzulesen. Bis etwa 1965 gab es kaum
180 Uberlebenschancen, der Kurvenverlauf der Erkrankungs- und
150
120 Gesamt- 150
90 Deutschland
60 125
30
100

1950 1960 1970 1980 1990 2000


75
Abb.42 Todesfälle an Tetanus seit 1949
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D 50 Gesamt-
Deutschland
25

Auffallend bei diesem Bild ist der schnelle Rückgang der Teta-
nus- Todesfälle in den fünfziger Jahren und die Tatsache, daß
1962 65 70 75 80 85 90 95
die Massenimpfungen von 1970-1980 keinen positiven Ein-
fluß auf den Kurvenverlauf gehabt haben - im Gegenteil, er Abb.44 Erkrankungen an Tetanus in der Bundesrepublik Deutschland
zeigt einen Knick und wird flacher. Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
..................................................................................
116 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 7. Wundstarrkrampf (Tetanus)
.
117

Todesfallzahlen ist fast deckungsgleich. 1965 kam es dann zu dem 1939 eingeführten Wundstarrkrampf-Impfstoff Tetanol
einer Änderung: Die Überlebenschancen wurden durch Anti- gab es von 1959 bis 1978 doch noch 1784 Tetanus-Todesfälle.
biotika-Behandlung besser. Die schon erwähnten Massenimp- Das Kurvenbild läßt den gleichen rückläufigen Verlauf erken-
fungen von 1970-1980 lassen aber auch hier weder bei den nen wie bei allen übrigen Infektionskrankheiten. Zunächst
Erkrankungen noch bei den Todesfällen eine positive Auswir- gehen die schweren (oft tödlich verlaufenden) Erkrankungs-
kung erkennen (s. Abb.43, S. 115). formen zurück, dann folgen auch die leichteren Fälle.
Das Kurvenbild (Abb.44, S. 115) über die Tetanus-Erkran-
kungen von 1962 bis 1995 zeigt - bezogen auf den Verlauf 60

und den Einsatz von Massenimpfungen - das gleiche Verhal-


ten, wie es schon bei Tuberkulose, Diphtherie und Keuch- 50

husten erwähnt wurde.


Die nächsten Kurven basieren nicht auf Zahlen des Statisti- 40

schen Bundesamtes, sondern entstammen einer Arbeit von


Herrn Allerdist aus Hamburg. 30

Abb.45 zeigt die Tetanus-Todesfälle von 1959 bis 1978 in


der BR Deutschland. Trotz umfangreicher Impfungen mit 20

10
130

1J. 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 (Jahre)

100
Abb.46 Tetanustodesfälle von 1968 bis 1978, nach Alter und Geschlecht
(Bundesrepublik Deutschland)
Ouelle: Allerdist, H.: Die gelben Hefte 1, S.26 (1981)

Abb.46 zeigt die Altersverteilung der von 1968 bis 1978 in der
50
Bundesrepublik gemeldeten Tetanus-Todesfälle. Der Tetanus
ist danach offensichtlich ein Problem des älteren Menschen.
Eltern, die vor der Frage stehen, bei ihren Kindern eine Teta-
nus- Impfung durchführen zu lassen, sollten sich überlegen,
wie groß die Gefahr ist, daß sich ihr geliebtes, wohlbehütetes
1959 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 Kind in seinen ersten Lebensjahren Wunden und Verletzun-
Abb.45 Tetanustodesfälle von 1959 bis 1978 (Bundesrepublik Deutschland) gen zuziehen kann, die die Gefahr einer Tetanusinfektion in
Ouelle: Allerdist, H.: Die gelben Hefte 1, S. 26 (1981) sich bergen. Ob die - theoretisch möglichen - wenigen Aus-
..................
118
..............................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................119
7. Wundstarrkrampf (Tetanus)

nahmefälle an Tetanus-Erkrankungen eine Durchimpfung der Tetanusimpfung schrieb: »Seit mindestens 30 Jahren habe ich
gesamten Bevölkerung rechtfertigen, und die geforderten mit der allgemeinen Empfehlung gebrochen, bei jeder offenen
regelmäßigen Auffrischimpfungen von Geburt an bis ins hohe Verletzung gegen Tetanus zu impfen, auch zu einer Zeit, als
Lebensalter nötig sind, sollte ernsthaft geprüft werden. ich noch D-Arzt war. Fast nie wollten die Pat. die Impfung,
Wenn es in der Millionenstadt Hamburg von 1945 bis 1950, nachdem ich meine Bedenken geäußert hatte. Es ist mir kein
also in einer Zeit, in der die Kriegsauswirkungen auf die einziger Fall von Wundstarrkrampf-Erkrankung bekannt ge-
Bevölkerung gerade im Abklingen waren, innerhalb von fünf worden!«
Jahren insgesamt nur 85 Tetanusfälle nach Bagatellverletzun- Eltern, die eine Tetanusimpfung wünschen, rate ich nicht
gen gegeben hat, so steht der heutige Impfaufwand in keinem von dieser Impfung ab. Die Tetanusimpfung wird mit den
Verhältnis dazu. Außerdem sind die Heilungsaussichten für Giften (Toxine) der Tetanusbazillen durchgeführt. Pro Impf-
jüngere Menschen dank ihrer robusteren Gesundheit bei stoffdosis wird die 50fach tödliche, jedoch entgiftete Toxin-
modernen Behandlungsmethoden verhältnismäßig günstig. menge in den Körper gespritzt. Es handelt sich also weder um
Ahmadsyah E. und Mitarbeiter berichten im Brit. med. Jour. lebende noch um abgeschwächte Erreger. Die Impfung muß
291 (1985), S. 648-650, daß selbst in Entwicklungsländern mit anders gesehen werden als die übrigen Impfungen mit abge-
modernen Behandlungsmethoden bei jüngeren Patienten in 93 schwächten oder lebenden Erregern, die direkt in den Körper
Prozent Heilungen bei mittelschweren Tetanusfällen erreich- eingebracht werden. Ich empfehle den Eltern aber, die Imp-
bar sind. Die Behandlung erfolgt mit Penicillin und Metro- fung erst dann ausführen zu lassen, wenn das Kind sicher
nidazol. Der Schlußsatz der Arbeit lautet: »Hierbei scheint sprechen kann. Deshalb sollte die Impfung erst ab dem dritten
Metronidazol (Clond, Flagyl u. a.) in einer offenen, nicht ran- Lebensjahr ausgeführt werden. Impfschäden (die im Kapitel
domisierten Studie dem Penicillin zumindest bei mittelschwe- X behandelt werden) sind dann nämlich erkennbar und kön-
ren Erkrankungen an Tetanus überlegen zu sein.« Die Kurve nen nicht abgestritten werden.
über Erkrankungen und Todesfälle an Tetanus seit 1962 Die Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus
(Abb.43) belegt dies deutlich: Die Überlebenschancen wur- (die sogenannte »Dreifachimpfung« oder auch »DPT-Imp-
den ab 1966 wesentlich besser. fung«) enthält im Impfstoff 12 Milliarden Keuchhustenbakte-
Wenn wir nun in der Bundesrepublik in den letzten Jahren rien, SOlE Diphtherie-Antitoxin sowie eine 50fach tödliche,
ziemlich konstant vom Statistischen Bundesamt die Meldung jedoch entgiftete Tetanus-Toxinmenge. In den letzten Jahren,
erhalten, daß es zwölf Tetanus-Erkrankungen mit jeweils als bei uns der Pertussis-Impfstoff von der Liste der »emp-
sechs Todesfällen gegeben hat, so entsteht die Frage, warum in fohlenen Impfungen« gestrichen wurde, enthielt der Impfstoff
Entwicklungsländern 93 Prozent Heilungen möglich sind, bei nur das Diphtherie- Tetanus-Toxin. Der Keuchhustenimpf-
uns hingegen nur 50 Prozent! Und hier muß auch die Frage stoff - als Impfstoff allein - ist bei uns nicht erhältlich. Es gibt
gestellt werden, ob bei uns die Behandlung unter Umständen ihn aber in der Schweiz.
nicht optimal war. In einer Leserumfrage, veröffentlicht in der Zeitschrift
In diesem Zusammenhang dürfte auch von Interesse sein, Pädiatrische Praxis 45, S.48 (1993), fragte ein nicht genannter
was mir der bekannte Professor Hackethai als Chirurg zur Arzt: »Kann ich ohne rechtliche Komplikationen den schwei-
.........
120
.......................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................121
8. Kinderlähmung (Poliomyelitis)

zer monovalenten Pertussisimpfstoff verwenden?« Antwort: Bei. 0,1 bi~ .1,0 % de: I~fizierten treten die typischen Symptome der
»Grundsätzlich dürfen in der BR Deutschland nur Arznei- Poliomyelitis auf, meist m Form der spinalen Paralyse (== Gliedmaßen-
lähmung), jedoch erfolgt bei der Mehrzahl der Patienten eine Rückbil-
mittel, wozu Impfstoffe gehören, verordnet und appliziert dung der Symptome innerhalb eines Jahres.
werden, die vom Bundesgesundheitsamt zugelassen worden
sind.« »... Für Impfungen mit in Deutschland nicht zugelas- I?ie Kinderlähmung wird hervorgerufen durch drei Typen
senen Impfstoffen haftet der Staat nicht. Die Haftung liegt emes neurotropen Enterovirus: durch die Polioviren Typ I,
allein beim impfenden Arzt.« Typ 11und Typ 111.Die Inkubationszeit beträgt bis zum Aus-
Mit der Besprechung der Impfungen gegen Tuberkulose, bruch der Frühsymptome 9 bis 12 Tage, bis zu Beginn der
Diphtherie und Keuchhusten soll die Besprechung der Lähmungen im Mittel 11 bis 17 Tage. Man rechnet auf einen
»Krankheiten des Elends- abgeschlossen sein. Sie sind bei uns Lähmungsfall etwa fünf bis sieben abortive, das heißt klinisch
soweit zurückgegangen, daß sie bedeutungslos geworden nicht ohne weiteres erkennbare Poliomyelitiserkrankungen
sind. Der Rückgang kann nicht als ein Erfolg der gegen sie und 100, unter Umständen sogar 1000 inapparente (= sym-
gerichteten Impfungen gewertet werden, denn die Kurven ptomlos, symptomarme) Infektionen. (Danach besteht lebens-
zeigen, daß die Rückgänge lange vor Impfeinführung einsetz- lange Immunität.) Detailliert meldepflichtig wurde die Polio-
ten und daß Impfungen auf diese Rückgänge keine positiven, myelitis erst mit Inkrafttreten des Bundes-Seuchengesetzes.
sondern eher negative Ergebnisse gezeitigt haben. Die Ursa- Nach § 3 (1) ist bei der Poliomyelitis sowohl der Krankheits-
chen dieser Rückgänge werden im Kapitel V besprochen. verdacht als auch die Erkrankung sowie der Tod meldepflich-
tig. Bei den vor diesem Zeitpunkt gemeldeten Zahlen handelt
es sich um Schätzungen. Es war üblich, auch Verdachtsfälle zu
melden. Daher sind auch solche Fälle gemeldet und gezählt
worden, bei denen keine Lähmungen bestanden, bei denen
8. Kinderlähmung (Poliomyelitis)
aber aufgrund anamnestischer oder klinischer Daten »Ver-
Kurzfassung: dacht auf Poliomyelitis« geäußert wurde - oder bei denen im
Erreger: Neurotropes Enterovirus Rachenabstrich oder im Stuhl Poliomyelitisviren nachzuwei-
Wir kennen 3 Typen, genannt Typ I, Typ I! und Typ II!. Häufig bipha- sen waren. Das sollte bei allen Zahlenangaben aus der Vor-
sischer Verlauf: Zunächst grippaler Infekt - dann Besserung. und Nachkriegszeit bis zum Jahr 1962 in Rechnung gezo-
Inkubationszeit 3-14 Tage. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei
gen werden. Ohne Zweifel hat die Poliomyelitis aber vor dem
einer eventuellen Infektion ist stark abhängig vom sozioökonomischen
Standard der Bevölkerung. letzten Krieg schon eine Rolle gespielt und wie bei allen
90-95 % aller Poliomyelitisfälle verlaufen klinisch inapparent (d.h. Infektionskrankheiten gab es auch bei der Poliomyelitis in
symptomarm oder ganz symptomlos). Diese Menschen sind aber dieser Zeit einen Anstieg. Über die Kriegszeit selbst besitzen
lebenslang immun gegen eine Neuinfektion. Bei 5 % kommt es zum wir leider keine Zahlen. Für 1961 wurde von 4500 Poliofällen
Symptom eines grippalen Infekts, es kann auch zu einer aseptischen
gesprochen, wobei es sich um Lähmungen und Verdachtsfälle
Meningitis kommen. Gesundung innerhalb weniger Tage. Auch diese
Menschen sind lebenslang gegen eine erneute Infektion immun. Die handelt. Ab 1962 gibt es durch die in diesem Jahr in Kraft
Erkrankung kann in jeder Phase enden. getretene Meldepflicht genaue Zahlen. Auffälligerweise fällt
................................................................................
122 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 8. Kinderlähmung (Poliomyelitis)
.
123

der Rückgang der Poliomyelitis zahlen in die Zeit der Ein- stoff auf Affennieren. Im gleichen Jahr führt er den ersten
führung der gesetzlichen Meldepflicht. Test in Belgisch-Kongo durch. Mehr als 240000 Menschen
Da es in allen westlichen Industriestaaten in der Nach- wurden geimpft. 1958 wurden in Leopoldville (jetzt Kin-
kriegszeit Kinderlähmungsfälle gab, besc~losse.n die .I~pf- shasa/Zaire) 75000 Kinder mit dem von Kobrowski ent-
stoffproduzenten, einen Impfstoff gegen die Poliomyelitis zu wickelten, auf Affennieren gezüchteten Impfstoff geimpft.
entwickeln. Sie blieben dabei im Hintergrund und stellten Ein anderer Forscher, der aus Israel stammende Herr Sabin ,
ihre sogenannten »Forscher« in den Vordergrund. Einer di~- hatte ebenfalls einen Impfstoff entwickelt, mit dem seit 1956
ser Forscher war Hilary Kobrowski. Dieser begann 1946 III getestet wurde. 1959 berichtete Herr Sabin, daß ein unbe-
Pearl River, N ew York, in den Lederle Laboratories mit den kanntes Affenvirus die Kobrowskische Kongovakzine verun-
Arbeiten an einer Polio- Lebendvakzine. Das Virus wurde in reinigt hatte, sie wurde daraufhin eingefroren. 1960 kam es
Hühnereiern gezüchtet und passierte dann Rattenhirne. Ein dann zu kriegerischen Auseinandersetzungen in Belgisch-
anderer Forscher namens Jonas Salk führte eine Totvakzine Kongo. Bis dahin waren bereits 325000 Kongolesen geimpft.
ein, die auf Affennierengewebe gezüchtet worden war. Lange Unter den bislang unbekannten Viren hatten die Wissen-
dauerte es, bis man herausfand, welche Tierart zur Züchtung schaftler M. R. Hillemann und B. H. Sweet 1960 entdeckt und
des Poliovirus geeignet war. Dafür mußten ungezählte niedere festgestellt, daß in 70 % der Nierenkulturen von Rhesusaffen
Tiere, wie Mäuse, Meerschweinchen, Kaninchen, Katzen, auch das SV 40 Virus vorkommt. Es war Virus Nr. 40, welches
Hunde usw. ihr Leben lassen, bis man wußte, daß die Poliovi- aus Affennieren gezüchtet werden konnte und erhielt deshalb
ren auf Affennieren wachsen. Den amerikanischen Forschern den Namen »SV 40« (»S«-lat. simia = Affe und »V« = Virus).
Enders und Weller gelang die Züchtung des Poliovirus, wofür Spritzt man dieses Virus neugeborenen jungen Hamstern ein,
sie den Nobelpreis erhielten. Dies führte dazu, daß in Indien so entstehen bösartige, krebs artige Geschwülste, nämlich
ungezählte Rhesusaffen gefangen und nach Amerika in die Fibrosarkorne. Damit gehört das SV 40- Virus zu den soge-
sogenannten Primatencenter gebracht wurden. Man schätzt, nannten onkogenen (= krebserzeugenden) Viren. Etwa 1961
daß 10 Prozent der Affen auf dem Transport starben. Sie wur- bis 1962 wurde der Sabin- Impfstoff in den Vereinigten Staaten
den in Einzelkäfigen eingeperrt, was für die in Familienver- lizenziert und weltweit zur Vakzine der Wahl. In allen Län-
bänden lebenden Affen eine unvorstellbare Streßsituation dern dieser Erde wurden viele Millionen Menschen mit die-
bedeutete. Ob man den Affen jeweils nur eine Niere (sie sem Impfstoff geimpft.
könnten mit der zurückgebliebenen Restniere leben) oder 1980 begann sich eine neue soziale Krankheit unter ameri-
beide Nieren entnommen und die Affen getötet hat, entzieht kanischen Homosexuellen zu zeigen, die später als »AIDS«
sich meiner Kenntnis. Trotz eingehender Nachforschung habe bezeichnet wurde. 1983 wurde das AIDS-Virus durch Luc
ich darüber nichts finden können. Die Jagd nach den Affen Montagnier in Paris isoliert. 1985 fanden Forscher HIV- Viren
nahm solche Ausmaße an, daß die indische Regierung 1955 (Human Immunodeficiency Virus) unter Einwohnern im
die Ausfuhr von Rhesusaffen verbot. Von da an beziehen die Kemu-District in Ost-Zaire. Es wird seit 1991 wieder von
amerikanischen Impfstoffproduzenten ihre Affen aus Hinter- einem neuen Virus gesprochen, dem sogenannten Simian
indien. Seit 1957 züchtete auch Herr Kobrowski seinen Impf- Immunodeficiency Virus (jetzt SIV), und es wurde festge-
........................................................................................
124 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
•.
8. Kinderlähmung (Poliomyelitis)
.
125

stellt, daß dieses mit dem HIV- 11 Virus identisch ist: die 10.000
Virusform, welche bei der AIDS-Erkrankung in Westafrika
9.000
gefunden wurde.
Auf die AIDS-Erkrankung wird später eingegangen wer-
8.000
den. Jetzt zunächst zurück zur Poliomyelitis.
7.000
Die Graphik (Abb. 47) zeigt:
a) 1954 Einführung der Virelon- Impfungen, daraufhin Anstieg 6.000
der Todesfälle.
b) 1955 Einstellung der Virelon-Impfungen (wegen gehäufter 5.000
Zwischenfälle in den USA), daraufhin Rückgang der To-
4.000
desfälle.
3.000

2.000 Gesamt-
777
Deutschland
1.000
~
300
Todesfälle an Poliomyelitis seit 1949 o4--..--r~~~~~~~~~MU~~
1950 1960 1970 1980 1990 2000
Abb.48 Poliomyelitis-Erkrankungen in Deutschland seit 1950
250
Quelle: Bundesgesundheitsblatt 8, S.409 (1992)

200
Erneute Ausbreitung des Impfstoffes
"Vi relon" c) 1958 erneute Virelon-Massenimpfungen, daraufhin wieder
150 Anstieg der Todesfälle bis etwa 1960, dann setzte ein deut-
licher Rückgang der Todesfälle ein.
100 d) Als 1961 die Schluckimpfungen langsam begannen, waren
~ Schluckimpfung Gesamt-
Deutschland die Todesfälle bereits erheblich zurückgegangen. Die
50 Schluckimpfung kann daher nicht, wie immer behauptet
wird, die alleinige Ursache des Rückgangs der Poliomyeli-
tis- Todesfälle gewesen sein.
1950 1960 1970 1980 1990 2000

Abb.47 Todesfälle an Poliomyelitis seit 1949 Hier zwei Kurven über Erkrankungen an Poliomyelitis
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D (Abb. 48 u. 49).
126
.............................................................................................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 8. Kinderlähmung (Poliomyelitis) 127
.
296 241

150 60

125
50

100
40 (nur deutsche Bürger. Die letzten deutschen
Kleinkinder erkrankten 1978, danach gab es nur
75
noch Impfpoliomyelitiden).
30
50

Gesamt-
25 Deutschland 20

Gesamt-
10 Deutschland

1962 65 70 75 80 85 90 95

Abb.49 Erkrankungen an Poliomyelitis


1963 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995
Quelle: statistisches Bundesamt Wiesbaden Gruppe VII D
Abb.51 Poliomyelitis-Erkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland
Quelle: Weise, H. J. u. H. Ph. Pohn, Epidemiologie der Poliomyelitis. Münch. Med. Wschr.
126, S.269 (1984).

60

50 Die zwei (Abb.49 u. 50) Kurven, im veränderten Maßstab,


(einschließlich Erkrankungen ausländischer Bürger) zeigen Erkrankungen an Polio seit 1963. Abb.50 deutsche
40 und ausländische Bürger, Abb. 51 - nur deutsche Bürger.
Das letzte deutsche Kleinkind erkrankte 1978 an Poliomyeli-
30 tis. Seitdem hat es nur noch Lähmungsfälle gegeben, die nach
der Poliomyelitis-Impfung aufgetreten sind und als »Irnpfpo-
20 liomyelitiden« bezeichnet wurden.
Gesamt- Wenn seit 16 Jahren kein deutsches Kind an Polio erkrankt
Deutschland
10 - ist, muß doch die Frage erlaubt sein, ob die Impfung gegen
Polio überhaupt noch notwendig ist, denn sie hinterläßt zwar
wenige, aber besonders folgenschwere Impfschäden. Meines
1963 1965 1970 1975 1980 Erachtens kann auch diese Impfung ohne Bedenken zumin-
Abb.50 Poliomyelitis-Erkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland dest in ein späteres Lebensjahr verlegt werden. Wir kennen
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden heute das Impfverfahren, wir leben nicht in den 50er Jahren,
....
128
............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................
8. Kinderlähmung (Poliomyelitis) 129

in denen es damals noch viele Poliofälle gab. Wenn die Ursache beider Epidemien wird ein durch Unterbrechung der
Polioimpfung wirklich einen Schutz hinterläßt, dann könnten Kühlkette verdorbenes Impfmaterial angegeben. In der aus-
beim Wiederauftreten der Polio in kürzester Zeit die gefähr- ländischen Literatur fand ich in »JAMA«, in »The Lancet«
deten Regionen geimpft werden. Dann müßte sich zeigen, ob und in den »Bull, Welt. Health Org.« Veröffentlichungen über
die Impfung eine Schutzwirkung hat oder nicht. Poliomyelitis ausbrüche in total durchgeimpften Ländern, das
Jahre nach dem Rückgang der Polio, der bei uns der Imp- heißt, auch in Finnland, Norwegen, in den Niederlanden und
fung zugeschrieben wird, kamen Meldungen, die Anlaß in Taiwan hat es Poliomyelitis-Erkrankungen bei geimpften
gaben, diese als gesichert geltende Lehrmeinung zu revidieren. Menschen gegeben. Damit ist auch bei der Poliomyelitis- Imp-
Die Kinderlähmungsfälle gehen nämlich in Europa kontinu- fung Skepsis angebracht. Ich empfehle den bei mir anfragen-
ierlich zurück, und zwar sowohl in Ländern mit absolutem den Eltern die Polioimpfung trotzdem mit der Einschrän-
Impfzwang (die damalige DDR) als auch in Ländern mit indi- kung, daß ich rate, die Impfung nicht vor dem dritten Lebens-
rektem Impfzwang (BR Deutschland) sowie in Ländern mit jahr ausführen zu lassen. Da wir keine Poliomyelitisfälle
völliger Freiwilligkeit (Skandinavien) und auch in Ländern, in haben, gibt es auch keine Ansteckungsmöglichkeit. Daher
denen nur wenige Polioimpfungen durchgeführt werden kann ohne weiteres bis zum dritten Lebensjahr gewartet wer-
(England). den. In diesem Alter erzeugt die Polioimpfung nicht nur
In der Dritten Welt kam es zunächst ohne Impfkampagnen weniger Impfschäden, sondern - und das ist besonders wich-
zu einem Rückgangstrend, wie er zum Beispiel in der BR tig - wenn es zu einem Impfschaden kommt, wird dieser
Deutschland bei allen Infektionskrankheiten nachzuweisen erkennbar.
war. In armen, unterentwickelten und auf hygienisch-tech- Die Polioimpfung ist die einzige Impfung, die den natürli-
nisch-zivilisatorischem Gebiet rückständigen Ländern mit chen Infektionsweg nachahmt. Infektionen entstehen bei uns
sozio-ökonomisch niedrigem Standard der Bevölkerung wird auf vier Wegen:
zwar noch und noch geimpft, aber immer wieder wird von
a) über die Haut (Pocken).
erneuten Ausbrüchen berichtet, wobei für das Versagen der
b) über die Lunge durch Tröpfcheninfektion (Tuberkulose).
Impfungen mehr oder weniger glaubhafte Begründungen
c) über den Magen-Darm-Kanal durch verschlucktes Material
genannt werden. So berichtete Dr. Giert in Heft 36 des Deut-
(zum Beispiel Salmonellen).
schen Ärzteblattes vom 7.9.1989 im Artikel »Kinder unter
d) über das Harn-Ausscheidungs-System.
Apartheid« über Infektionskrankheiten in Südafrika. Hier
kann nachgelesen werden, daß die Polio-Epidemie des Jahres Die Polioimpfung ist bei uns eine Schluckimpfung. Es
1982 in Gazankulu ausbrach, obwohl bei 61 % der zweijähri- kommt damit nicht zur Einführung von artfremdem Eiweiß
gen Kinder »kompletter« Impfschutz vorhanden war. Trotz direkt in den Körper. Die Impfungen mit Lebendimpfstoff
Impfung von 200000 Kindern brach in Natal und Kwa Zulu und mit Totimpfstoff sind als Einführung von »artfrerndern
1988 ebenfalls eine neu Polio-Epidemie aus. Von den im Hos- Eiweiß« direkt in den Organismus anzusehen. Da dies bei der
pital verstorbenen Kindern hatten 30 % einen »kompletten« Polio-Schluckimpfung nicht der Fall ist, fallen die Gefahren
und 30 % Prozent einen »inkornpletten« Impfschutz. Als dieser Einbringung von artfremdem Eiweiß weg. Wenn Eltern
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130 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 9. Masern
.
131

trotz der vielen Bedenken, die gegen die Polioimpfung beste- gegen die Masern aus dem bis dahin harmlosen Ereignis eine
hen, glauben, auf diese Impfung nicht verzichten zu können, schreckliche Krankheit mit schlimmen Nebenwirkungen
so rate ich ihnen davon nicht ab. gemacht. Die Zahlen dieser Nebenwirkungen - wobei in
erster Linie die Gehirnentzündung (Enzephalitis) genannt
wurde - wurden immer erschreckender. Wie stets, wenn die
9. Masern Schreckens bilanz in Deutschland nicht ausreicht, mußte das
Ausland herhalten.
Kurzfassung: In dem Buch »Schutzimpfungen« von Stickl und Weber
Erreger: Masernvirus, RNS- Virus der Morbillivirusgruppe. wird auf Seite 22 behauptet: »Heute liegt das Risiko der ZNS-
Inkubationszeit: 10-14 Tage (11 Tage). Beteiligung nach Masern bei 1: 800. Diese letztere Entwick-
Akute Infektionskrankheit, die durch katarrhalische Erscheinungen
lung war in nicht zerstörten Städten mit hohem Zivilisations-
sowie durch ein typisches Exanthem gekennzeichnet ist.
Die Masernerkrankung führt zu einer toxischen Permeabilitätssteige- grad (z. B. Zürich und Philadelphia) bereits zwischen 1945
rung von Gefäß- und Zellwänden. und 1950 ersichtlich geworden.«
Masernimpfstoff: Vermehrungsfähige, durch Zellkulturpassagen in ihrer In der Zeit vor dem letzten Krieg erkrankte fast jedes Kind
Virulenz abgeschwächte Impfviren. an Masern. Eltern legten Wert darauf, daß Kinder vor Schul-
Impfzeitpunkt. 15. Lebensmonat, angeblich, weil mütterliche Antikör-
eintritt die Masern gehabt hatten, und schickten ihre Kinder,
per bis zum 12. Lebensmonat wirksam sind.
wenn die Erkrankung bis zum sechsten Lebensjahr nicht
Bei den Masern handelt es sich um eine akute Infektions- durchgemacht war, zum Spielen zu masernkranken Kindern.
krankheit, die durch katarrhalische Erscheinungen sowie Einmal, um den Schulausfall zu verhüten, und zum anderen,
durch typische Hautveränderungen und Verfärbungen ge- weil bereits damals bekannt war, daß in diesem Alter die
kennzeichnet ist (Masernexanthem). Die Inkubationszeit Erkrankungen komplikationsloser abliefen, und man schon
beträgt 10 bis 14 Tage (im Mittel elf Tage). Das Durchmachen wußte, daß mit zunehmendem Alter die Masern gefährlicher
der Masernerkrankung führt zu einer lebenslangen Immu- wurden. (Noch heute wird das in Familien mit mehreren Kin-
nität. Säuglinge von Müttern, die echte Masern gehabt haben, dern praktiziert!) Den älteren Bürgern sind Masern, Mumps
erkranken in den ersten Lebensmonaten nicht. Sie sind durch und Röteln vertraut, das waren unsere Kinderkrankheiten.
die von der Mutter übertragenen Schutzstoffe vor Ansteckun- 1938 hatten über 80 % aller Kinder die Masern bis zum
gen geschützt; Säuglinge von geimpften Müttern hingegen 4. Geburtstag überstanden. Ich entsinne mich, daß meine
können an Masern erkranken. Die Strategie bzw. die Taktik Großmutter eines Tages sagte: »Der Junge kommt im näch-
der Impfstoffhersteller zeigt sich bei den Masern besonders sten Jahr zu Ostern in die Schule und hat die Masern noch
deutlich. Galt diese Erkrankung früher als eine harmlose Kin- nicht gehabt.« Ich wurde daraufhin zu einem an Masern
derkrankheit, deren Durchmachung als notwendig für die erkrankten Kind geschickt, um mit diesem Kind zu spielen.
weitere Entwicklung eines Kindes nicht nur von seiten der Prompt bekam ich die Masern. Großmutter machte Waden-
Eltern, sondern auch von seiten vieler Ärzte angesehen wickel, in die wunderbaren Betten, die es damals gab, wurde
wurde, so wurde nach der Herstellung eines Impfstoffes seitlich eine Kuchendecke hineingesteckt, damit ich nicht her-
................................................................................
132 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen . 9. Masern 133
.
200
ausfiel. Das Zimmer wurde verdunkelt, ich bekam schöne
180
Säfte zu trinken, lauter gute Sachen zu essen und wurde von
Oma liebevoll umsorgt. Nach wenigen Tagen war die Sache 160

vorüber. Als ich als junger Assistenzarzt im Krankenhaus von 140

Zeitz, südlich von Leipzig, fast zwei Jahre lang eine Infek- 120

tionsstation mit etwa 100 an den verschiedensten Infektions- 100

krankheiten leidenden Kindern zu führen hatte, habe ich oft 80 Impfeinführung

und voll Dankbarkeit an meine Großmutter gedacht. Obwohl 60


ich selbst als Kind nur die Masern gehabt hatte, hat mich
keine der anderen Kinderkrankheiten, die dort behandelt
40
Nach Inkrafttretung
des Bundes-Seuchengesetzes
am 1. Januar 1962
V Gesamt-
Deutschland
20 ist jeder Todesfall an Masern
wurden, anstecken können. meldepflichtig

Zunächst wurde mit einem Masern- Totimpfstoff geimpft, 1961· 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000

dessen Wirksamkeit nur kurze Zeit anhielt. Dadurch wurden


Abb.52 Sterbefälle an Masern
aber die Masern in das Schulalter verdrängt, und weil die
Quelle: Stat. Bundesamt Wiesbaden
Wirksamkeit dieses Impfstoffes bald nachließ, erkrankten die
Kinder in der Schulzeit. Die Komplikationsrate stieg an. Aus
früheren Jahren gibt es weder über Masern-Erkrankungen
noch über Masern- Todesfälle Zahlenmaterial. Wozu auch Masern wird geimpft, um die Hirnbeteiligung zu verhüten, ist
sollten Zahlen gesammelt werden bei einer harmlosen Erkran- nicht stichhaltig. Deshalb wird behauptet, nicht die Krankheit
kung, die fast jeder durchmachte? Erst durch die Bestimmun- an sich, sondern die Nebenwirkungen seien der Grund für die
gen des Bundes-Seuchengesetzes wurden seit 1961 Masern- Einführung der Impfung. Dabei wird folgendes vergessen:
Todesfälle meldepflichtig. Die schwerste Gefahr dieser Impfung liegt auf epidemiologi-
schem Gebiet. Falls sich eine Schutzwirkung herausstellen
Wie aus der Abb. 52 ersichtlich, sind die Todesfälle an Masern sollte, wird dieser Schutz - wie die Erfahrung mit den zuerst
genauso wie bei allen anderen Infektionskrankheiten von Jahr eingeführten Totimpfstoffen gezeigt hat - nur kurze Zeit
zu Jahr zurückgegangen, das heißt, auch die Erkrankung an andauern. Das heißt, die Menschen werden dann nicht in der
Masern verläuft bei allen Kindern wie bei allen anderen Infek- Kindheit an den Masern erkranken, sondern als Erwachsene.
tionskrankheiten von Jahr zu Jahr leichter. Wenn heute Tatsächlich verschob sich durch das Einsetzen der Masern-
behauptet wird, auf 1000 Masernfälle komme ein Fall mit Impfung das Erkrankungsalter. Da in diesem Lebensab-
Hirnbeteiligung, so zeigt diese Kurve, daß dies nicht stimmt. schnitt, wie bereits erwähnt, Komplikationen häufiger sind,
Wenn Todesfälle zurückgehen, so bedeutet das, daß die Kom- muß auch mit einem verstärkten Auftreten der Hirnbeteili-
plikationen dieser Erkrankungen, in diesem Fall die Enzepha- gung gerechnet werden. Das heißt, Hirnentzündungen, de-
litis, zurückgehen, denn die schweren Fälle sind es, die oft rentwegen die Impfkampagnen gestartet wurden, werden mit
tödlich ausgehen. Anders ausgedrückt: Das Argument, gegen zunehmender Impfdichte häufiger werden. Als Mittel gegen
................................................................................
134 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 9. Masern
.
135

diese Entwicklung werden von den Impfärzten Wiederholun- Aus »Los Angeles Times« vom 14. April 1990, Frontpage
gen der Masernimpfungen im Abstand von zehn Jahren gefor- Staatlich gemeldete Masernfälle
dert - bei fast einer Million Geburten pro Jahr und Kosten
Staat 1988 1989 1990
einer Masern-Mumps-Impfung von 54,70 DM - ein gutes Anzahl Anzahl Bisher
Geschäft! Sollen die Vorzüge von Impfungen ins rechte Licht der Fälle der Fälle gemeldete Fälle
gerückt werden, so wird auf Amerika verwiesen. Soll hinge-
gen die Furchtbarkeit der Erkrankungen oder die Erfolge des Alaska 2 1 50
Arizona 4 180 150
sogenannten »Impfschutzes« gezeigt werden, so muß die
California 835 3048 1868
Dritte Welt herhalten. So wurde zum Beispiel behauptet, daß Connecticut 14 229 40
es in Amerika seit vielen Jahren wegen der dort erzielten Florida 170 323 189
»hohen Durchimpfungsrate« von 98 % keine Masern mehr Illinois 69 3081 590
gäbe. Derartige Äußerungen zu überprüfen, die die Dritte Indiana 58 115 230
Iowa 2 13 21
Welt oder Amerika betreffen, ist wegen der Entfernung und
Maine 7 3 50
den damit verbundenen Kosten leider nicht möglich. Maryland 19 115 64
Durch Zufall erhielt ich die »Los Angeles Times« vom Michigan 31 359 318
14. April 1990 (Tab. 5). Minnesota 11 70 151
Missouri 61 671 48
Nevada 0 0 18
Wie ersichtlich, ist die Behauptung von der Masernfreiheit New Mexico 0 31 54
Amerikas unrichtig. In allen amerikanischen Staaten gibt es NewYork 150 337 265
Masern, und in allen diesen Staaten ist sogar ein Anstieg zu er- Ohio 109 2720 320
kennen. Die» Los Angeles Times« stammt vom April 1990 und Oklahoma 8 110 132
weist nach, daß es in den ersten Monaten des Jahres 1990 zum Oregon 5 82 113
Pennsylvania 538 344 214
Teil bereits mehr Masernfälle gegeben hat als im ganzen Jahr Texas 286 3315 2500
zuvor. Über Impfungen im allgemeinen und über Masernimp- Washington 7 55 100
fungen im besonderen sagt der amerikanische Arzt Dr. med. Wisconsin 4 880 420
Robert S. Mendelsohn in seinem Buch» Trau keinem Doktor«,
Tabelle 5: Staatlich gemeldete Masernfälle in USA
erschienen im Verlag Mahajiva: »Bei manchen Impfungen zum
Quelle: State health departement
Beispiel kann die Gefahr, die von der Impfung selbst ausgeht,
weit größer sein als die Gefahr, die mit der Erkrankung, gegen
die geimpft wird, verbunden ist.... Masernimpfungen sollen die in Armut und Unterernährung leben; unter gut ernährten
die Gehirnentzündung -Enzephalitis- verhindern, die angeb- Kindern des Mittelstandes und der Oberklasse ist dagegen die
lich in einem von tausend Masernfällen auftritt. Jeder Arzt, der Häufigkeit 1:10000 oder sogar 1: 100000 .... Es hängt indes
ein paar Jahrzehnte Erfahrung mit Masern hat, weiß indes, daß nicht allein von der Immunisation ab, ob sich jemand eine an-
solche häufige Gefährdung vielleicht unter Kindern vorliegt, steckende Krankheit zuzieht oder nicht. Zahlreiche andere
................................................................................
136 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 9. Masern
.
137

Faktoren wie Ernährung, Wohn- und sanitäre Verhältnisse den Mitgliedsstaaten führte, hat sich in der Schweiz eine
spielen eine wichtige Rolle.« Soweit Dr. Mendelsohn. Gruppe von Ärzten, die von Monat zu Monat größer wurde,
Da in Amerika junge Frauen nicht mehr an den natürlichen vehement zur Wehr gesetzt. Sie weisen dabei auf fehlende
Masern erkrankten, konnten sie auch ihren Säuglingen keine Kenntnisse in der Frage der Langzeitwirkungen dieser Imp-
sicher wirkenden Schutzstoffe übertragen. Das ist der Grund, fungen hin. - Da es zum gesicherten medizinischen Wissen
weshalb es in Amerika in letzter Zeit zunehmend zu Erkran- gehört, daß Kinderkrankheiten schwerer verlaufen, wenn man
kungen von Säuglingen kommt. Bei uns hat es das bisher als Erwachsener daran erkrankt, muß mit einer solchen Ent-
nicht gegeben. So sind in Amerika einesteils Säuglinge und ~icklung gerechnet werden. Nach Auffassung der Schweizer
anderenteils jugendliche Erwachsene erkrankt, so daß in den Arzte wissen wir nicht, worauf der Rückgang der Masern-
USA nach offiziellen Angaben die Masern-Sterblichkeit in Erkrankungen und besonders der Masern-Todesfälle in gut
der letzten Zeit auf das Zehnfache angestiegen ist. Amerika- entwickelten Ländern beruht, denn diese Rückgänge setzten
nische Experten bezeichnen diese Entwicklung als »uner- lange vor Einführung der Impfung gegen Masern ein. - Alle
wartet und zum Teil unerklärlich«. Dabei hätten diese Exper- ihre Warnungen wurden mit dem Hinweis auf die großen
ten nur die Warnungen, Meinungen und Ansichten zu lesen Erfolge des Masern-Ausrottungsprogramms in der ehemali-
brauchen, die Dr. Mendelsohn in seinem Buch äußerte; er gen DDR, in Gambia und besonders in den Vereinigten Staa-
hatte im übrigen diese Entwicklung schon seit Jahren voraus- ten beiseite gedrängt. In Amerika sei es doch gelungen, bei
gesagt. einer Durchimpfungsrate von 98 % völlige Masernfreiheit zu
Die WHO hat verkündet, daß auf unserer Welt die Masern erzielen. Gegen die sehr einleuchtenden Argumente der Ärzte
durch entsprechende Impfungen bis zum Jahr 2000 ausgerot- versuchte das Schweizer Gesundheitsministerium in einer
tet sein würden. In Amerika sei es gelungen, bei einer Durch- Schrift »Die Impfstrategie gegen Masern, Mumps und Röteln
impfungsrate von 98 % völlige Masernfreiheit zu erzielen. Im (MMR-Impfung) im Licht der epidemiologischen Literatur«
afrikanischen Gambia, einem Land, in dem die WHO Masern die Argumente der »Arbeits gruppe« zu widerlegen. Der
als »ausgerottet« erklärt hatte, trat die Krankheit wenige Jahre Schlußsatz dieser Erwiderung lautete: »Wenn die Propaganda
später wieder auf, aber jetzt mit ungleich schwereren Krank- der Impfkampagnegegner erfolgreich ist, so könnte daraus
heitsverläufen. In den USA gibt es nach einer 20jährigen resultieren, daß die Durchimpfungsrate in der Schweiz genau
Impfkampagne gegen Masern in Schulen zunehmend Masern- in jenem Bereich bleiben würde, in welchem tatsächlich viele
ausbrüche mit epidemischem Verlauf, wobei behauptet wird, der als Gegenargumente aufgeführten Probleme zu erwarten
Geimpfte und U ngeimpfte seien gleichermaßen erkrankt. sind, die eben mit hohen Durchimpfungsraten weitgehend
Hier muß man doch fragen, woher kommen in den Schulen verhindert werden können. Es würde die etwas absurde Situa-
Ungeimpfte, wenn vorher behauptet wurde, 98 % aller ameri- tion eintreten, daß die Gegner mit ihrer Propaganda genau die
kanischen Kinder seien geimpft? Diese Masernausbrüche Probleme heraufbeschwören würden, vor denen sie warnen.
lösten dann große polizeiliche Maßnahmen mit Quarantäne Damit würden sie zwar die Genugtuung haben, daß ihre Vor-
und Zwangsimpfungen aus. Gegen das MMR-Massenimpf- aussagen eingetreten sind, tatsächlich könnten sie sich jedoch
programm der WHO, das zu entsprechenden Kampagnen in kaum jeglicher Verantwortung entziehen.«
.....
138
...........................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................
9. Masern 139

Das heißt: Da man heute schon damit rechnet, daß sich das führt. Nach ihrer Meinung bewirkt die Manipulation der
gesteckte Ziel nicht erreichen läßt (es würde Zwangsimpfun- Immunitätslage einer ganzen Bevölkerung durch die systema-
gen voraussetzen, was bei dem Freiheitssinn der Schweizer tische Anwendung von Impfviren ein nicht abschätzbares
ohnehin niemals erreicht werden kann), wird das wahrschein- Risiko. In letzter Zeit wird der allgemeine Wohlstand dafür
liche Versagen des Programms dieser Ärztegruppe in die verantwortlich gemacht, daß die Kinderkrankheiten später
Schuhe geschoben. Ein wichtiges Argument der Gruppe ist auftreten und dadurch gefährlicher werden. Deshalb müsse
folgende Bekanntgabe der WHO: gegen diese gefährlichen Infektionskrankheiten mehr geimpft
»Bei einem Impfalter von zwei bis drei Jahren müßten in werden.
England 96 % der Kinder geimpft werden, damit die Masern Quandt, Thielo und Fescharek schreiben in ihrem Buch
eliminiert werden könnten. In Amerika wurde berechnet, daß »Impfreaktionen« (Hippokrates Verlag Stuttgart, 1993), es
zur Masernausrottung 98,4 % der zwölfmonatigen Kinder (bei gäbe nach einer Masern-Erkrankung häufig pathologische
einer Impfwirksamkeit von 95 %) oder 96 % der fünfzehnmo- Veränderungen im EEG, angeblich bei 50 % der Erkrankten.
natigen Kinder (bei einer Impfwirksamkeit von 98 %) geimpft Es käme als Komplikation nicht selten zu einer Enzephalitis
werden müssen. Mumps kann nur ausgerottet werden, wenn (angeblich mit einer Häufigkeit von 1: 1000, wobei in 20 %
85 % der zweijährigen Kinder geimpft würden. Für Röteln der Fälle mit einer Defektheilung zu rechnen ist und 30 %
wird die Durchimpfungsrate der zweijährigen Kinder, die zur tödlich verliefen!). Bei Erwachsenen sei es noch schlimmer,
Rötelnausrottung notwendig ist, mit 92 % für Amerika, für denn das Vorkommen dieser Komplikationen sei 2-3mal häu-
England und Wales mit 89 Prozent und für verschiedene an- figer. Die SSPE (= Subakute Sklerosierende Pan- Enzepha-
dere europäische Länder mit 93 und 95 % angegeben.« lopathie) würde mit einer Häufigkeit von 5: 1000000 auftre-
Die Schweizer Ärzte weisen darauf hin, daß derartige ten, bei einem 100 %igen tödlichen Verlauf.
Durchimpfungsraten auch bei schärfster gesetzlicher Impf- Wird bedacht, daß es nach anfänglichen Erfolgsmeldungen
pflicht nicht zu erreichen sind. (Sie wurden zum Beispiel in jetzt in den fast zu 100 % »durchgeimpften« Gebieten (Gam-
Deutschland, als es noch gesetzlich und mit Polizeieinsatz bia, USA, die ehemalige DDR) große Masernausbrüche gege-
durchgeführte Impfpflicht gab, auch ni~?t erreicht.) Schon ben hat, berechtigt dies, am Wert der Masernimpfung zu
aus diesem Grund warnen die Schweizer Arzte davor, für eine zweifeln.
Maßnahme riesige Summen an Geldern auszugeben, di~ von In diesem Sinne finden sich auch Hinweise in einer Arbeit
vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Auffällig: Die Arzte, von Lackmann und T öllner: »Masern - eine vergessene Erkran-
die sich keineswegs etwa gegen die Masern-, Mumps- und kung und ihre Kornplikationen«, erschienen in der August-
Rötelnimpfung aussprechen, sondern die nur dafür plädieren, Nummer der Zeitschrift »pädiatrische praxis«. Es heißt hier:
diese wie bisher weiterhin differenziert anzuwenden, werden »Die rasch abnehmende Maserninzidenz wurde nach 1984
kurzerhand als »Impfgegner« beschimpft. Die Gruppe be- jedoch unterbrochen. Seitdem beobachtet man erneut eine
fürchtet nun, daß die breite Anwendung von Lebendimpfstof- langsame, aber stetig steigende Häufigkeit dieser Virusinfek-
fen - mit ihrer bekannten Fähigkeit zur Rekombination - zu tion im Kindesalter mit 1986 in den USA bereits wieder 6273
neuartigen Viren und zur Bildung von Viren-Ungeheuern registrierten Erkrankungen. 1989 kam es in den USA sodann
..140..............................................................................
IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................141
10. Ziegenpeter

zu einem Anstieg registrierter Masern-Erkrankungen um wurden mit Speiseöl eingerieben, dann kam eine Watte-
423 % im Vergleich zum Vorjahr.« packung darauf. Ein Kopf tuch der Mutter wurde verkehrt
Und ein weiterer wichtiger Satz aus dieser Arbeit lautet: herum angelegt und am Kopf verknotet, damit die Watte hielt.
»In unseren Regionen sind die Masern als bedrohliche Die Kinder gingen in den Kindergarten bzw. in die Schule. Sie
Erkrankung nur noch bei immunsupprimierten Kindern bei waren bei Geburtstagseinladungen dabei und spielten auf der
Zytostatika- Therapie maligner Erkrankungen oder HIV- Straße. Bekamen andere die gleiche Erkrankung, so war das
Infektionen als bedrohliche Erkrankung von Bedeutung.« gut, bekamen sie sie nicht, so war das auch gut. Nachdem ein
Impfstoff zur Verfügung stand, erfolgte die übliche Dramati-
sierung. Jetzt auf einmal mußte der große Teil der an Ziegen-
10. Ziegenpeter (Mumps, Parotitis epidemica) peter erkrankten Knaben mit einer Hodenmitbeteiligung
rechnen. Es wird behauptet, daß diese Hodenmitbeteiligun-
Kurzfassung: gen später für eine eventuelle Kinderlosigkeit verantwortlich
Erreger: Paramyxovirus parotitis, RNA-Virus aus der Familie der Para- seien. Weiter wird behauptet: Bei jedem Zehnten der an
myxoviriadae. Mumps Erkrankten käme es zu einer abakteriellen Meningitis,
Über Mumpserkrankungen läßt sich leicht reden, Mumps ist nicht mel-
so daß heutzutage 15 % aller abakteriellen Meningitiden
depflichtig. Angeführte Zahlen sind nicht nachprüfbar. Deshalb können
über Mumpserkrankungen astronomische Zahlen genannt werden. durch das Mumpsvirus verursacht worden seien. Bei einem
Impfstoff: Vermehrungsfähige (lebende), jedoch attenuierte Impfviren Viertel der Mumpspatienten könne im Liquor eine Pleozytose
der 53. Zellkulturpassage. Diese wurden anfangs auf Kaninchen-Nieren- nachgewiesen werden, und von tausend Mumpskranken wür-
zellen, dann auf Hühnerfibroblasten und neuerdings auf humanen den zwei oder drei an einer Enzephalitis erkranken. Bekannt
diploiden Zellen (HDC-Zellen, d. h. Krebszellen) gezüchtet. Der MMR-
ist aber auch, daß es nach Einführung der Mumps-Schutzimp-
Impfstoff wurde 1987 eingeführt.
fung nicht nur gehäuft Mumps-Erkrankungen gegeben hat,
Sollten Mumpserkrankungen ein ernsthaftes Risiko darstellen, sondern auch Meningoenzephalitiden und Meningitiden auf-
würde die Meldepflicht eingeführt werden. Seit Einführung getreten und beschrieben worden sind. Im September 1992
der Mumps-Impfung wird die Krankheit zwar in der üblichen wurden zwei Impfstoffe gegen Mumps vom Markt genom-
Art und Weise dramatisiert, bis zur Einführung einer Melde- men. Es handelt sich dabei um die Impfstoffe Rimparix und
pflicht ist man (bisher) jedoch noch nicht gegangen. Das Pluserix, die von der Firma SmithKline Beecham hergestellt
Überstehen der Erkrankung hinterläßt eine meist lebenslange werden. Beide enthielten den lebenden, aber abgeschwächten
Immunität. Bei fast 50 % der Infizierten bleibt eine bemerk- Mumpsvirusstamm »URABE-Am 9«. Es hatte sich herausge-
bare oder spürbare Erkrankung aus, d. h., nur die Hälfte aller stellt, daß dieser bis zu 20mal häufiger Hirnhautreizungen
Infizierten erkrankt. Zweiterkrankungen an Mumps gibt es, hervorrufen kann, als bisher angenommen wurde. Das Bun-
sie liegen jedoch bei weniger als 1%. desgesundheitsamt machte darauf aufmerksam, daß »kein
In meiner Kindheit waren Erkrankungen an Ziegenpeter Anlaß zur Besorgnis« bestehe. In Westdeutschland erkrankten
etwas ebenso Natürliches wie etwa der Zahnwechsel. Die jedes Jahr 200000 Kinder an Mumps, bei jedem zehnten Kind
Schwellungen (manchmal einseitig, meist aber beidseitig) würde als Komplikation eine Gehirnhautentzündung auftre-
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142 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 10. Ziegenpeter
.
143

ten, und deshalb könne auf die Mumpsimpfung nicht verzich- Rückbesinnung auf die Mumpsepidemie 1992/93
tet werden. Im übrigen stehe ja nach wie vor ein anderer
Mumpsimpfstoff zur Verfügung. Bei diesen anderen Mumps- Unter diesem Titel veröffentlichte der Kinderarzt Dr. L.
virusstämmen kämen Hirnhautreizungen oder Hirnhautent- Rützler aus Altstätten in der Schweiz in der Zeitschrift
zündungen in einer Größenordnung von 1: 100000 bis »PAEDIATRICA« das Folgende:
1 : 200000 vor. Unser Bundesgesundheitsamt hält das für ver- In der Schweiz wurden 1987 als »Pilotstudie« in der Stadt
tretbar. Es wird auch zugegeben, daß die Mumpsimpfung Basel 726 7jährige sowie 967 14jährige Schulkinder gegen
geradezu die Mumps-Erkrankung hervorruft, die sich kaum Mumps geimpft. Die Kontrollen ergaben Serokonversionen
vom Mumps durch Wildviren unterscheidet. Zehn Jahre zwischen 95 und 100 %. Nach dem »Glauben« der Schulme-
wurde mit dem Stamm Leningrad 3 experimentiert, dabei trat dizin ein absolut sicherer Schutz vor Mumpserkrankungen.
bei 1% der Geimpften ein klinisch apparenter Mumps auf, Daraufhin begannen »flächendeckende« Impfungen in der
und zwar meist nach 20 bis 22 Tagen. Schweiz. Wie viele Mumpserkrankungen es trotz dieser Imp-
Nachdem durch Veröffentlichung in der wissenschaftlichen fungen gegeben hat, ist unbekannt. Nur in einer schwer
Literatur drei Fälle von Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) erhältlichen Fachzeitschrift für Kinderheilkunde erschien eine
bekannt wurden, die nach einer Mumps-Erkrankung aufge- Veröffentlichung über eine solche Mumpsepidemie in Altstät-
treten waren, wird heute davon ausgegangen, daß die bei ten, einem Städtchen nahe dem Fürstentum Lichtenstein.
Mumps nicht seltene Pankreatitis als auslösende Ursache des
kindlichen Diabetes wirken kann. Von 482 Schülern waren 446 gegen Mumps geimpft. "Durchirnpfunqsqrad" 92,5%
36 Schüler waren nicht gegen Mumps geimpft.
Als von anderen Wissenschaftlern in Fachzeitschriften ins- Es gab insgesamt 128 Mumps-Erkrankungen
500
gesamt 19 Fälle von Diabetes nach Mumps-Impfungen be- 446 Geimpfte
schrieben wurden, wurde erklärt: »Das sei nur ein rein zufäl- ....---- •••.•330 Von 446 Geimpften waren 8 zweimal geimpft
Von 446 Geimpften erkrankten 116 an Mumps =
26.0%
liges Zusammentreffen.« 400 Von 36 Ungeimpften erkrankten 12 an Mumps = 33.3%
(116 + 12 = 128)
Es waren griechische Ärzte, die erstmals aus dem Kinder- Das heißt, von den Geimpften erkrankte jeder vierte
(die zweimal geimpften erkrankten alle)
hospital Hagia Sophia aus Athen über einen solchen Fall in der
300 Die Impfungen wurden mit Schweizer Impfstoffen durchgeführt.
Zeitschrift »Archive of Disease in Childhood« berichteten.
Der deutsche Impfstoff heißt:
Erstbeschreibungen bzw. erste Erkenntnisse führen meist "Mumpsvax"
1 Impfdosis kostet 42.54 DM
dazu, daß auf sie achtgegeben wird. Jede Gegendarstellung 200
- hier »Das sei nur ein rein zufälliges Zusammentreffen« - 128 Erkrankte
läßt leider die Aufmerksamkeit einschlafen und Erkenntnisse
100
vergessen. Das ist (anscheinend) erwünscht! Wichtig sind
36 Ungeimpfte
eben nicht mehr unsere Kinder, wichtig ist die Aufrechterhal- 24

tung der »Imphnoral« - denn nur daran verdienen die Impf- o 12

stoffhersteller. Abb. 52 a Rückbesinnung auf die Mumpsepidemie in Altstätten


Quelle: L. Rützler: PAEDIATRICA. Vol. 5., Nr. 3., S. 30 (1994)
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144 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 11. Röteln
.
145

Die Epidemie ereignete sich 1992 und reichte bis in das Jahr 11. Röteln
1993 hinein. Dort wurden in zwei Schulen bei schul ärztlichen
Untersuchungen 482 Schüler im Alter von 7 bis 17 Jahren Kurzfassung:
Sie werden durch ein Rubellavirus, RNS- Virus aus der Gruppe der
erfaßt. Gegen Mumps waren 446 geimpft, 36 waren Togaviren hervorgerufen.
ungeimpft. Unter den Geimpften befanden sich 8, die zwei- Die Inkubationszeit beträgt 14 bis 21 Tage. Das Überstehen der Erkran-
mal geimpft worden waren. Es erkrankten 128 Schüler (116 kung hinterläßt keine lebenslange Immunität. Bei Röteln sind Zweiter-
geimpfte und 12 ungeimpfte.) Die 8 zweimal Geimpften krankungen bekannt. Nach einem leichten katarrhalischen Vorstadium
erkrankten alle. (In der Arbeit heißt es: »... erkrankte trotz entstehen rote Pünktchen oder Flecke mit Schwellungen und Druck-
empfindlichkeit peripherer Lymphknoten. Viel häufiger aber kommt es
zweimaliger Impfung an Mumps.«) Von 446 Geimpften nicht zur Ausbildung dieser Röteln, sondern nur zu einem kurzfristigen
erkrankten also 116 (= 26 %) und von 36 U ngeimpften Krankheitsgefühl, das unter Umständen nur einen Tag dauert, manch-
erkrankten 12 (= 33 %). Der Autor selbst behandelte in seiner mal aber auch mehrere Tage.
Praxis 144 an Mumps erkrankte Schüler. 120 Geimpfte und 24
U ngeimpfte. Es gab 7 Komplikationen (3mal Orchitis, 2mal Die Impfung soll nicht nur die harmlose Erkrankung verhin-
Pankreatitis, 2mal Meningitis). Es wird ausdrücklich erwähnt: dern, sondern man meint, daß dadurch die Mädchen (Frauen)
»Einer der Meningitis-Fälle trat bei einem ungeimpften Jun- bei einer eventuell späteren Schwangerschaft vor einer Röteln-
gen auf und erforderte eine dreitägige Krankenhausbehand- infektion geschützt würden. Diese könne bekanntlich zu einer
lung.« Deshalb kann angenommen werden, daß sich die übri- Schädigung des Neugeborenen führen. Die Impfung wurde
gen 6 Komplikationen bei geimpften Kindern ereignet haben. daher bisher für Mädchen empfohlen, nach den »Impfemp-
Der Autor versucht zu beweisen, daß das Versagen an dem fehlungen der Ständigen Impfkommission des Bundesgesund-
nach seiner Meinung wenig wirksamen »Rubini-Stamm« gele- heitsamtes (STIKO)« - Stand: Oktober 1995 für Säuglinge,
gen habe. Kinder und Jugendliche ab Beginn 15. Monat.
Liegt der Erkrankungs-Prozentsatz bei Geimpften fast Die amerikanische Virologin Dorothee Horstmann, New
genauso hoch wie bei Ungeimpften, beweist das die Unwirk- Haven/Connecticut, die als Spezialistin für Probleme der
samkeit dieser Impfung. Wenn aber zweimal Geimpfte an Röteln und der Rötelnimpfung gilt, fand bei echten Röteln
Mumps erkranken, so zeigt dies, daß diese Impfung vermehrt eine Zweiterkrankungsrate von 2 bis 5 %, was auch unseren
zu Erkrankungen führt. deutschen Verhältnissen entspricht. Bei Geimpften jedoch
Würden bei uns in Deutschland beim gehäuftem Auftreten fand Dorothee Horstmann eine Rate von 50 bis 100 % an
von Mumps-, Masern- oder Keuchhusten-Erkrankungen ähn- Zweiterkrankungen. Man kann also sagen, mehr als die Hälfte
liche Untersuchungen, wie aus Altstätten beschrieben, durch- der geimpften Kinder erkrankte - trotz Impfung - an Röteln.
geführt, gäbe es die gleichen Ergebnisse. Damit schließt die Rötelnimpfung die Gefahr einer erneuten
Rötelninfektion in der Schwangerschaft keineswegs aus und
auch nicht die Gefahr einer röteln-bedingten Schädigung für
das ungeborene Kind. Das ist der Grund, weshalb zunächst
in den Impfempfehlungen die Rötelnimpfung im zweiten
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146
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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11.Röteln 147

10 und auf die Straße geschickt werden, damit möglichst viele


Kinder sich mit echten Röteln anstecken können und dadurch
9
einen verläßlichen Schutz erhalten. In der Literatur sind
8 mehrfach Fälle beschrieben worden, daß Mütter, die gegen
7
• Röteln geimpft waren, doch ein Kind mit der gefürchteten
Rötelnembryopathie zur Welt gebracht haben. Beispielsweise
6
aus der medizinischen Literatur (Medical Tribune): Ein ter-
5 mingerecht geborenes Kind war bei der Geburt klein, mit
unverhältnismäßig kleinen Händen und Augen. Es trank
4
schlecht und mußte die ersten drei Wochen künstlich ernährt
3 werden. Im Alter von 31h Monaten bemerkte man die Trü-
2 bungen der Augenlinsen. Das Kind starb im Alter von 3 Jah-
ren und 7 Monaten. In der gleichen Zeitschrift berichtete man
von einer Münchnerin, der bei der ersten Schwangerschaft
gesagt wurde, sie sei aufgrund ihrer Impfung vor einer
1981 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95
Rötelninfektion geschützt. Bei der zweiten Schwangerschaft,
Abb.53 Röteln-Embryopathie fünf Jahre später, wurde aber ein Kind mit Rötelnembryopa-
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 12, Reihe 2, Meldepflichtige Krankheiten thie zur Welt gebracht.
Viele Kinder machen Röteln als harmlose Unpäßlichkeit
ohne Hautmanifestation durch. Daher verfügen in unserem
Lebensjahr für alle Kleinkinder und Kinder empfohlen wurde Land 90 % der Frauen, wenn sie ins gebärfähige Alter kom-
und nochmals im 15. bis 16. Lebensjahr für alle Mädchen, men, über einen natürlichen Schutz durch natürliche Infek-
auch wenn im Kleinkindesalter bereits - allein oder in Kom- tion. Deshalb äußerte schon vor 15 Jahren Prof. Thomssen,
bination - gegen Röteln geimpft wurde. Das Vertrauen des Direktor des Hygiene-Instituts in Göttingen, seine Bedenken
Experten in die Schutzwirkung dieser Impfung ist offensicht- gegen Röteln-Massenimpfungen. Er empfahl, die restlichen
lich eingeschränkt. Dorothee Horstmann hingegen empfiehlt: 10 % durch Testmethoden herauszusuchen und nur diese zu
»Deshalb sollte weiterhin möglichst vielen Mädchen die Mög- impfen. Thomssen fragt: Warum Massenimpfungen, wenn wir
lichkeit belassen werden, schon als Kind die echten Röteln wissen, daß 90 % der Mädchen einen »Impfschutz« überhaupt
mi tzumachen.« nicht benötigen, da sie die Röteln - sichtbar oder unsichtbar -
Die Röteln sind hochinfektiös. Für jedes Mädchen besteht bereits mitgemacht haben? Er erinnert an das Risiko der Imp-
die Hoffnung, sich irgendwann anzustecken und eine echte fung mit einem Impfstoff, der auf mit Rötelnvirus infizierten
Röteln-Erkrankung durchzumachen. Da diese ein Kind kör- Kaninchennieren gezüchtet wird. Wenn die Erkrankung eines
perlich kaum beeinträchtigt, sollten an Röteln erkrankte Kin- Kindes an einer Rötelnembryopathie ohne Zweifel ein
der nicht zu Hause behalten werden. Sie sollten in die Schule schreckliches Ereignis darstellt, so sollte man auch hier die
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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11.Röteln 149

Zahlen nicht außer acht lassen. Die Zahlen des Statistischen Schutzwirkung hinterläßt. Da Mädchen, wie bereits erwähnt,
Bundesamtes zeigen, wie relativ selten die Rötelnembryopa- an Röteln erkranken können, ohne daß sich »Röteln« an der
thie ist. Aufgrund der Reaktionen bei meinen Vorträgen weiß Haut bemerkbar machen, kann nach dieser Methode in sol-
ich, daß diese Zahlen von den Schulmedizinern stets ange- chen sehr zahlreichen Fällen ein positives Testergebnis er-
zweifelt werden. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, daß ein reicht werden. Nach Meinung der Autoren aus Stuttgart (wie
so schreckliches Ereignis den zuständigen Gesundheitsämtern auch aus Niedersachsen) ist mit ihren Verfahren ein besseres
nicht gemeldet wird. Ergebnis zu erzielen als mit unkontrollierten Massenimpfun-
Man sollte sich darüber im klaren sein, welch schlimmer gen. Übrigens wird in Österreich das gleiche Verfahren
Vorwurf den Ärzten und Schwestern mit dem Verdacht durchgeführt, wie es bei uns vom Gesundheitsamt Stuttgart
gemacht wird, durch eventuelles Verschweigen oder gar sowie aus Niedersachsen beschrieben wurde. Darüber berich-
Manipulieren der realen Zahlen eine Pflichtverletzung began- tet Ernst Gottfried Huber in seiner Arbeit »Rötelnimpfung«
gen zu haben. In den neuesten Impfempfehlungen der Ständi- in der Zeitschrift »Der Kinderarzt«, 23.Jahrgang, S.1337
gen Impfkommission des Bundesgesundheitsamtes (STIKO) (1992). Professor Huber sagt: »Die Immunisierung durch
- Stand: Oktober 1995 - wird zwar für das zweite Lebensjahr Krankheit ist sicherer, belastungsfähiger und länger anhaltend
für alle Kleinkinder und Kinder die Masern-, Mumps- und als die durch die Impfung.« Er plädiert dafür, die Krankheit
Rötelnimpfung empfohlen. Es scheint aber Gesundheitsämter im Kindesalter zu belassen und sich nur auf die gebärfähigen
zu geben, die vernünftiger sind. So erschien im »Öffentlichen Frauen zu konzentrieren mit Testung und eventueller Imp-
Gesundheitswesen« 53, S. 161 (1991) die Arbeit: »Gezielte fung.
Rötelnimpfung am Gesundheitsamt Stuttgart«. In Stuttgart Es gibt einen weiteren Grund, weshalb diese Impfung
wurden 13jährige Mädchen zur Testung eingeladen. Es zeigte unnötig ist und aufgegeben werden sollte.
sich, daß bei einem großen Teil (70 bis 80 %) der Mädchen Nach einer während einer Schwangerschaft aufgetretenen
ausreichende Röteln-Antikörper nachweisbar waren. Diese Röteln-Erkrankung läßt sich feststellen, ob das ungeborene
Mädchen erhielten eine »Roteln- Immunitätsbescheinigung«, Kind einen Schaden erlitten hat oder ob es gesund ist.
nur der Rest wurde zur Impfung eingeladen. Die Erschiene- Prof. Holzgreve von der Universitäts-Frauenklinik in Mün-
nen wurden geimpft, danach getestet und erhielten bei einem ster untersuchte 92 rötelninfizierte schwangere Frauen mit
Titerwert größer als 1: 32 ebenfalls eine Röteln- Immunitäts- einer sog. »genetischen Schnelldiagnostik- (womit Röteln-
bescheinigung. Man vermied also - im Gegensatz zu den erkrankungen bei einem ungeborenen Kind ausgeschlossen
Empfehlungen der STIKO - unnötige Impfungen. Mädchen werden können). Er fand 83 nicht infizierte Kinder, die dann
in gebärfähigem Alter sollten bei sich feststellen lassen, ob auch als gesunde Kinder geboren wurden. Auf diese Weise
Röteln-Antikörper vorhanden sind oder nicht. Liegt der Titer müßten sich nachfolgende Ereignisse vermeiden lassen. In der
über 32, so beweist dies eine durchgemachte Röteln-Infek- letzten Zeit haben wir oft genug in den Zeitschriften gelesen:
tion, eine Impfung ist dann nicht nötig. »Mutter immun, Kind trotzdem Rötelnembryopathie«.
Für die Zukunft wäre eine wahrheitsgemäße Berichterstat-
tung notwendig, um herauszufinden, ob diese Impfung eine
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150
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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12. Hepatitis A

Hepatitis Ein wirksames Mittel, Infektionen zu verhindern und zu ver-


hüten, liegt in der Verbesserung der hygienischen Verhält-
Wir unterscheiden heute drei Hepatitisformen: nisse, im einwandfreien Trinkwasser sowie im Bau bzw. in der
Überwachung der Kläranlagen. Da nach den Bestimmungen
1. Hepatitis A (die sogenannte epidemische Hepatitis), welche
der §§ 11 und 12 des BSeuchG der fachgerechte Umgang mit
durch Wasser und Nahrungsmittel übertragen wird.
Trink-, Brauch- und Abwasser bei uns gesetzlichen Vorschrif-
2. Hepatitis B (sogenannte Serumhepatitis) und
ten unterliegt, ist mit weiterem Rückgang der Erkrankungs-
3. Hepatitis C (durch Transfusionen übertragene Hepatitis).
zahlen an Hepatitis A zu rechnen.
Seit 1992 ist bei uns ein Impfstoff gegen Hepatitis A zuge-
lassen. Nach 3maliger Impfung soll ein 5 Jahre anhaltender
12. Hepatitis A
»Impfschutz« bestehen. Bei dem Impfstoff handelt es sich um
Kurzfassung: inaktivierte HA-Viren, also um einen Totimpfstoff, der auf
Seit den 40er und 50er Jahren ist bekannt, daß die Hepatitis A eine humanen (d. h. menschlichen) diploiden Zellen (d. h. Krebs-
Virus erkrankung ist. 1973 konnten Feinstone und Mitarbeiter das Virus zellen) gezüchtet wird. Das Virus wird an verschiedenen Zel-
sichtbar machen. Es gehört zur Familie der Picornaviren. Während bei linien kultiviert, indem infektiöses Serum direkt in menschli-
Säuglingen und Kleinkindern die natürliche Infektion meist symptomlos
che' diploide, hepatozelluläre Krebszellen, Fibroblasten, Nie-
abläuft, ist bei Erwachsenen in 50 % der Fälle mit Krankheitserschei-
nungen zu rechnen. Das Überstehen einer »Gelbsucht« (hervorgerufen renzellen sowie auch in menschliche diploide Lungenfibrobla-
durch das e.e. HA-Virus) hinterläßt eine lebenslange Immunität. sten inokuliert wird. Der Impfstoff wird unter dem Namen
HAVRIX von der Firma SmithKlineBeecham vertrieben.
Laut Bundes-Seuchengesetz ist bei Hepatitis A sowohl die Dem »Schutzverband für Impfgeschädigte e. v.« sind bisher
Erkrankung als auch jeder Todesfall meldepflichtig. keine Impfschäden bekannt geworden.
Aufgrund unserer guten sozialen Allgemeinlage, guter Nach dem »arznei-telegramm« 10/92, Seite 101, sagte der
sanitärer Bedingungen und eines hohen sozioökonomischen Internist Dr. A. Triebel aus 44879 Bochum:
Status hat die Häufigkeit der Hepatitis A bei uns ständig »Die Hepatitis A verläuft selten so, daß sie den Patienten
abgenommen. Gab es 1979 noch 20176 Fälle, so wurden 1995 schädigt, andererseits ist die Impfung (sowohl die aktive als
nur noch 6608 Fälle gemeldet, d. h. in 16 Jahren ein Rückgang auch die passive) doch sicher mit Risiken verbunden, auch
auf ein Drittel. wenn diese nur selten sind. Man müßte also überlegen, ob
Die Verbreitung des Virus erfolgt besonders durch unsau- man Erwachsenen von einer Impfung abrät.«
bere Toiletten oder Handtücher, d. h. hauptsächlich durch Die Erkrankungszahlen sowie diese Äußerung zeigen, daß
Personen mit geringem hygienischen Bewußtsein, aber auch die Impfung unnötig ist und nur aus kommerziellen Gründen
durch unabgekochtes Trinkwasser, infiziertes Badewasser eingeführt wurde.
oder Speisen wie z. B. Eiswürfel und Speiseeis. Ebenfalls Während es in dem 1987 erschienenen Buch »Schutzirnp-
durch rohe, unverpackte Lebensmittel, durch Salate, Obst fungen« von Stickl und Weber noch hieß:
und Muscheln. Die Inkubationszeit beträgt im Mittel 25 Tage. »Ein Impfstoff für die aktive Immunisierung gegen Hepa-
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152 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 13. Hepatitis B
.
153

titis A wird in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen«, Die Durchseuchung mit Hepatitis A hat bei uns rapide abge-
gibt es - wie bereits erwähnt - seit 1992 auch eine Impfung nommen, in den jüngeren Jahrgängen sind nicht mehr als 4 bis
gegen Hepatitis A. Es ist eine aktive Impfung, wobei die Anti- 5 % der Bevölkerung durchseucht, was aber auch bedeutet,
körperbildung vom Organismus selbst erfolgt, und man hofft, daß 95 % empfänglich sind.«
daß der Impfschutz länger anhält. In einem Interview mit So einfach ist das: Weil gute soziale Verhältnisse zu einer
Prof. Dr. R. Müller, »Öffentliches Gesundheitswesen« 54, S.3 Abnahme von Erkrankungen führen bis hin zur Bedeutungs-
(1992), ist zunächst zu lesen, daß es sich bei der Impfung losigkeit, sind die anderen gesund gebliebenen »eben unge-
gegen Hepatitis A um eine Reise-Impfung handelt. Es heißt schützt«, und deshalb müssen sie geimpft werden!
dann weiter: »Nach der ersten Impfung wurde eine Serokon- Im Frühjahr 1992 hat uns der amerikanische Impfstoff-
version von etwa 70 % erzielt, nach der zweiten Impfung produzent »SKB (SmithKlineBeecham)« mit der Impfung ge-
waren es dann 95 bis 100 %. Wir empfehlen jedoch nicht, nur gen Hepatitis A beglückt. (»SKB« verkauft beispielsweise in
eine Impfung durchzuführen, sondern wir raten zu zwei Imp- Deutschland bereits Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln,
fungen, die in einem Zeitintervall von 14 Tagen oder auch 21 Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung als Einzelimpfungen,
Tagen durchgeführt werden können. Genau darin liegt der aber auch als Zweifachimpfungen gegen Masern und Mumps,
große Vorteil - und mit zwei Impfungen betrachten wir den sowie gegen Diphtherie und Tetanus, aber auch als Dreifach-
Reisenden in Hochepidemiegebieten als geschützt.« impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln.) Hier tritt viel-
Frage: Nun hat ja die Häufigkeit der Hepatitis A in Indu- fach die Firma »SKD« (SmithKlineDauelsberg) auf. Reklame
strienationen angesichts gestiegener sozioökonomischer Be- wird von diesen Firmen mit den Worten gemacht: »Schrnerz-
dingungen abgenommen. Dennoch ist der A-Typ mit über freie Impfungen. Keine schreienden Kinder mehr nach Imp-
5000 Fällen 1989 die am häufigsten gemeldete Virushepatitis fungen!« Erstmalig wird indirekt zugegeben, daß Impfungen
in den alten Bundesländern. Wie erklärt sich das? Das heißt, Schmerzen verursacht haben - was bisher stets bestritten bzw.
wo sind die Risikogruppen zu suchen? Können Sie sie diffe- verharmlost wurde. Nach den eben angeführten Impfungen
renzieren? kommt nun noch die Impfung gegen Hepatitis A hinzu - der
Prof. Müller: »Die Hepatitis A findet sich generell im Kin- gewinnbringende deutsche Markt ist somit vielfach abgedeckt.
desalter, sie ist also eine Kindererkrankung, die durch fäko-
orale Schmierinfektionen übertragen wird. Da wir in unseren
Dörfern und Kommunen nach dem Zweiten Weltkrieg die 13. Hepatitis B
Drainagen, die zentrale Kanalisation und die Klärwerke ein-
geführt haben, konnten wir eine Abnahme der Hepatitis A in Kurzfassung:
Erreger: Hepatitis-B- Virus (HBV). Die Inkubationszeit beträgt 30 bis
der Bevölkerung erreichen. Natürlich tritt sie gelegentlich bei
240 Tage, im Mittel 50 bis 90 Tage. Das Überstehen dieser Erkrankung
uns noch auf, vor allem eben in Kinderheimen und Schulen. hinterläßt einen wahrscheinlich lebenslangen Schutz.
Ein infiziertes Kind kann da gleich eine größere Gruppe
durch Schmierinfektionen anstecken. Die zweitgrößte Bedeu- Verlauf der Hepatitis B: Zunächst unbestimmte Beschwerden,
tung haben die durch Reisetätigkeit induzierten Infektionen. dann rasch sich vertiefende Gelbsucht. Chronische Verläufe
................................................................................
154 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 13. Hepatitis B
.
155

gibt es in 5 bis 10 %. Der Impfstoff besteht aus c~emisch. und infectiosa« gesprochen. Ab 1980 wird von der »Virushepati-
thermisch inaktivierten, aus Plasma von menschlichen VIruS- tis« gesprochen und man unterschied zunächst »Hepatitis A«,
trägern isolierten Hepatits- B-Oberflächenantigenen (HBsAg). »Hepatitis B« und »Hepatitis NANB«. Letztere wird seit
In letzter Zeit wird behauptet, seit 1986 würde eine gentech- einiger Zeit jetzt als »Hepatitis C« bezeichnet. Zunächst gab
nisch hergestellte Vakzine »gleicher Qualität« verwendet. Als es nur gegen die Hepatitis B eine Impfung. Rückbildungsten-
Infektionsweg wird angegeben, die Virusübertragung erfolge denz lassen alle 3 Hepatitisformen erkennen. Am deutlichsten
durch Einbringung von Blut oder durch Kontakt mit Körper- und am steilsten war dieser Rückgang bei der Hepatitis
flüssigkeiten (z. B. beim Geschlechtsverkehr) infizierter .Per- NANB, von 1980 bis 1990, in 10 Jahren, von 7386 Fällen auf
sonen, durch nicht ausreichend virusinaktivierte Blutderivate 851 Fälle. Am wenigsten ist die Rückbildungstendenz bei der-
oder nicht bzw. nicht ordnungsgemäß vorgetestetes Transfusi- jenigen Form nachzuweisen, gegen die wir impfen. Bei der
onsblut, durch kontaminierte Instrumente wie Kanülen, Aku- Hepatitis B gab es im gleichen Zeitraum nur einen geringfügi-
punkturnadeln, Tätowierbestecke usw. Die Ansteckungsf~- gen Rückgang. Kürzlich erschien in der Zeitschrift »Klinik-
higkeit wird als sehr hoch bezeichnet, und besondere Infek:l- arzt« 54, Nr.2, S.21 (1992), ein Artikel mit der Überschrift:
onsgefahr bestehe für medizinisches Personal, für Hamodia- »Impfprogramme für Hochrisikogruppen haben versagt«. In
lysepatienten und als Folge von Bluttransfusionen. dieser Publikation wird zugegeben, daß nach über 20jähriger
Alle Hepatitisformen gehen seit 1973 kontinuierlich zu- Laufzeit der Impfung gegen Hepatitis B kein wesentlicher
rück. In diesen Jahren wurde allgemein von der »Hepatitis Erfolg zu erkennen ist. Als Schlußfolgerung wird nun nicht
etwa die Frage einer Einstellung dieser Impfung diskutiert,
(1962 -1979 = Hepatitis infectiosa. ab 1980 = Virushepatitis)
nein - es wird erklärt, warum sie versagt hat. Man habe näm-
Impfungen gegen Hepatitis B
lich bisher angeblich einen falschen Infektionsweg angenom-
26.000 (verbreitet, aber fast ausschließlich men. Es hieß doch: Die Hepatitis B werde hauptsächlich
bei medizinischem Personal I
durch infiziertes Blut übertragen. Das ist nach Meinung dieser

.~
20.000
~
T Experten unrichtig, und deshalb habe die Impfung nicht die
Impfungen i 'ü erhoffte Wirkung gezeigt. Nach neuester Auffassung wird die
gegen
Hepatitis B Gesamt-
Hepatitis B hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertra-
zugelassen.
gen, deshalb müßten die Impfprogramme erweitert werden.

~-----~
Deutschland
10.000 (vereinzelt) I

~ Jeder vernünftig denkende Mensch würde doch nun anneh-


• Hepatitis A
•• Hepatitis B -.4--0&. 0_ _0
0 men, daß die Impfprogramme eben auf die Bevölkerungs-
o Hepatitis NANB
~ o_-c~ / gruppen ausgedehnt werden sollten, die Geschlechtsverkehr
ausüben, also für Jugendliche bzw. für junge Erwachsene.
1962 63 646566 6768 69 7071
I
72 73 7475 76 77 78 7980 81 828384 85 86 87 88 89 90 91 9293 94 95
Mitnichten: Die WHO-Experten empfahlen, von nun an alle
Abb.54 Erkrankungen an Hepatitis in der Bundesrepublik Deutschland Kinder zu impfen. Dr. Johannes F. Hallauer vom Bundesge-
von 1962 -1995 sundheitsministerium behauptet, in der Bundesrepublik hätte
Quelle: stat. Bundesamt Wiesbaden es jährlich 4500 Neuerkrankungen und 160 Todesfälle als
................................................................................
156 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. .,
13. Hepatitis B
.
157

Folge der Hepatitis B gegeben, und deshalb »soll eine gene- Poliomyelitis- Impfstoffe das SV-40-Virus enthalten haben,
relle Impfung für Kinder und/oder Jugendliche empfohlen das nicht von dem HIV- Virus zu unterscheiden ist. In der
werden, zusätzlich zur Prophylaxe für Hochrisikogruppen«. Zeitschrift »Arznei-Telegramm« 10/92, S. 104, findet sich fol-
Hier sei daran erinnert, daß die Hepatitis-B-Impfung 150 DM gender Hinweis: »HIV-Infektionen nach Hepatitis-Impfstoff
kostet; für einen vollständigen Impfschutz sind drei Impfun- HEVAC Bund BBSB Irnmuno«.
gen notwendig, Kosten also 450 DM. In der alten Bundes- Für Hepatitis-B-Impfstoffe wurden bis 1983 auch Human-
republik wurden 1988 892000 Kinder geboren, im gleichen plasmen von US-amerikanischen Spendern verwendet. Aus
Zeitraum waren es in der ehemaligen »DDR« 251000. Man gleichem Ausgangsmaterial wurden Hepatitis- B- Immun-
kann also davon ausgehen, daß jetzt in Deutschland wieder plasma und andere Plasmafraktionen wie Faktor VIII-Kon-
jährlich mehr als 1 Million Kinder zur Welt kommen. Eine zentrate, Faktor VIII-Komplex und Albumin hergestellt. Im
Million mal 450 sowie zusätzlich die Impfungen der »Hoch- Juli 1983 bestand in Deutschland für den französischen
risikogruppen« - ein gutes Geschäft. Der ungenügende Rück- Hepatitis-B-Impfstoff HEVAC B »Pasteur« ein vorüberge-
gang der Hepatitis B liegt nach Ansicht von Prof. Lang, wie hendes Einfuhrverbot, da die in erheblichen Mengen über
kürzlich in »Medical Tribune- zu lesen war, an der Bequem- AMG § 73, Abs. 3, aus Frankreich importierte Vakzine
lichkeit der Ärzte, die ihrer Meldepflicht nicht nachgekom- bedenklich erschien. Inzwischen ist bekannt geworden, daß in
men sind. Die Hepatitis gehört zu den meldepflichtigen Deutschland (aber auch in Frankreich) Bluter, die mit Blutge-
Infektionskrankheiten, und Prof. Lang will uns glaubhaft rinnnungsmitteln behandelt wurden, sowie viele Patienten,
machen, daß Ärzte zwar die Hepatitis A sowie die NANB die vor Operationen Blutgerinnungsmittel zur besseren Blut-
melden, nicht aber die Hepatitis B. Nach Meinung des Pro- stillung erhielten, über diese Präparate mit AIDS infiziert
fessors liegt kein Versagen der Impfung vor, sondern ein sta- wurden.
tistischer Fehler. Ob er das wohl selbst glaubt? Jedenfalls ist
das eine wirklichkeitsfremde Auffassung. Schwestern haben
besonders Angst vor Ansteckungen, weil sie wissen, wie C-2196 (4) Deutsches Ärzteblatt 90, Heft 49, 10. Dezember 1993
schwierig es ist, bei einer Erkrankung an einer ansteckenden Risiko der Hepatitis Bunterschätzt
Krankheit die Anerkennung als Berufserkrankung zu erhal-
ten. Deshalb sammeln Schwestern im allgemeinen genaue Ziel bis 1997: Impfschutz generell
Daten über Patienten mit ansteckenden Erkrankungen, vor
allem von Patienten mit Hepatitis. Als Arzt braucht man nur Eine Strategie ist gescheitert: Das Impfen von Hochrisiko-
den Verdacht zu äußeren, daß eine Hepatitis vorliegen könne, gruppen, die Hepatitis-B-gefährdet sind, hat nicht den erhoff-
in wenigen Augenblicken steht dann die Schwester mit den ten Erfolg gebracht. Obwohl seit einem Jahrzehnt ein effekti-
Meldeformularen bereit und gibt nicht eher Ruhe, bis die ver Impfstoff zur Verfügung steht, geht weltweit die Ausbrei-
Meldung abgegangen ist. tung der Hepatitis B nicht zurück. Betroffen sind in der
Die Hepatitis- B-Impfstoffe werden auf Hundenieren ge- Hauptsache junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren. Und
züchtet. Wir wissen, daß die auf Affennieren gezüchteten die Folgen: Hepatitis B ist eine Hauptursache für Leberzir-
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158 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 13. Hepatitis B
.
159

rhose und primäres Leberzellkarzinom Diese Situation und ebenfalls rasch greifende Konsequenzen. Sie empfahl, aktuell
deren Konsequenzen wurden Ende November bei einem noch intensiver die HBs-Ag- Trägerinnen unter den Schwan-
mehrtägigen internationalen Kongreß dargestellt, zu dem der geren herauszufinden, damit deren Neugeborene sogleich
in London ansässige VHPB (Viral Hepatitis Prevention passiv/aktiv geschützt werden können. r-h
Board) Virologen, Epidemiologen, Experten der nationalen
öffentlichen Gesundheitsdienste und WHO- Leute in Cannes
zusammengebracht hatte. In der Zeitschrift »raum & zeit« erschien 1993 nachfolgender
Die medizinischen Berufe, so hieß es in Cannes, haben Artikel:
weltweit sehr wohl von der Impfstrategie für Hochrisiko-
gruppen profitiert, obwohl selbst bei diesen stark Betroffenen
Hepatitis- B-Impfstoff:
nach wie vor unzureichend geimpft wird. Andere Risikogrup-
Der Skandal beginnt in Italien
pen sind noch viel schwerer erreichbar und (wie Homosexu-
von Elisabeth Schellenberg, Rom
elle, Drogensüchtige, Prostituierte) meist bereits infiziert.
Rückläufig war die Inzidenz der Hepatitis B ab 1985 unter Da braut sich ein neuer, handfester Skandal der Pharmaindustrie zusam-
den männlichen Homosexuellen. Aber auch dies ist kein men: Der US-Pharma-Multi Merck Sharp and Dohme, der einen keines-
Erfolg der Impfstrategie, sondern des durch die AIDS-Gefahr wegs ungefährlichen Impfstoff gegen Hepatitis B gentechnologisch ent-
veränderten sexuellen Verhaltens. Hepatitis-Fälle 1991 in den wickelt und weltweit patentiert hat, versucht ihn nun mit Hilfe der
WHO weltweit unters Volk zu bringen. 6500 Männer aus San Francisco
USA veranschaulichen das Scheitern der Impfstrategien: haben den ersten Impftest zwar nicht überlebt, aber die hatten eben
Weniger als ein Drittel aller Infizierten kam aus Hochrisiko- nachträglich »AIDS« (obwohl der Impftest schon 1978 stattfand). Auch
gruppen! Aber fast die Hälfte der Fälle war auf heterosexuelle scheint es sich bei dem Blut-Konserven-Skandal, der in Frankreich die
Kontakte zurückzuführen. Und diese Erkenntnis, so wurde in Regierung erschütterte, weniger um »AIDS« - als um einen durch das
Cannes überzeugend dargelegt, erfordert Maßnahmen zur all- Impfserum verseuchten Stoff gehandelt zu haben. Endgültig ins Grübeln
gerieten die Experten in Italien. Dort versucht der Pharrna-Multi, erst-
gemeinen Immunisierung, die laut WHO und Weltärztebund mals in Europa seinen u. a. mit Aluminiumhydroxid versetzten Stoff in
(1992) in allen nationalen Impfprogrammen bis 1997 realisiert die Venen der Neugeborenen und Elfjährigen zu drücken, und zwar per
sein sollen. Neben der Impfung aller Neugeborenen zielen die Ministererlaß (wenns um Drogen geht, ist auf die italienische Regierung
Maßnahmen auf die aktuell Bedrohten, nämlich die Adoles- allemal Verlaß). Das Vorgehen ist ebenso brutal wie effektiv: lljährige
Kinder dürfen nicht auf die Höhere Schule, wenn sie nicht gegen Hepa-
zenten: Rechtzeitig vor sexueller Aktivität sollen Elf-/Zwölf-
titis B geimpft sind! Lesen Sie, was eine aufgeklärte und unerschrockene
jährige geimpft werden. In verschiedenen Ländern (Spanien, Mutter in Italien recherchierte:
Bulgarien, Israel, USA, Canada) sind bereits entsprechende
Impfprogramme angelaufen, aber der konsequenteste Einstieg Zu den ersten sogenannten »AIDS«-Kranken - anzunehmen ist, daß
wurde aus Italien berichtet: Seit zwei Jahren gibt es dort eine von ihnen heute niemand mehr lebt - gehörte jene Gruppe von 6500
jungen Männern aus San Francisco, die Ende der siebziger Jahre einer
gesetzliche Hepatitis-Impfpflicht für Neugeborene und Her-
Impfwerbekampagne Hepatitis B des Pharmakonzerns Merck Sharp and
anwachsende. Die deutsche Arbeitsgruppe des Kongresses, Dohme erlagen und sich als »Versuchskaninchen« haben impfen lassen
geführt von Prof. Wolfgang Jilg, Regensburg, befürwortete (Nature, 19.1. 84). »AIDS« war 1978 noch nicht erfunden worden, den-
.160
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
................................................................................161
13. Hepatitis B

noch wußte man später, daß nach der Impfung 4 % dieser Gruppe posi- sungsgerichtshof in Rom, eine Initiativgruppe »Mündige Eltern gegen
tiv auf den Gallo- Test reagierten und es in fünf Jahren gut 68 % sein den Impfzwang« ins Leben gerufen und so die Problematik der Zwangs-
können. (Covert Action 29, 1988) impfung ins Bewußtsein vieler Eltern gerückt.
Schon im Juli 1983 publizierte die Zeitschrift »Nature« eine zum Die Impfpflicht in Italien für die Hepatitis B betrifft sonderbarerweise
Skandal hochstilisierte Auseinandersetzung um die gesundheitsgefähr- jedoch nur Neugeborene (!) und 11jährige Kinder, die normalerweise in
dende Impfe gegen Hepatitis B. Dem kommerziellen Teil des franzö- diesem Alter die Grundschule abschließen und auf die Media wechseln.
sischen Pasteur Instituts (Institut Pasteur Production, IPP) wurde vor- Kein Gesetz, sondern ein ministerieller Erlaß, der für die Gesund-
geworfen, für die Herstellung der Impfe aus den USA importiertes Blut heitsämter jedoch Gesetzesqualität hat, verpflichtet die Eltern, ihre Kin-
zu verwenden, das automatisch »AIDS«-verdächtig sei, ohne die pro- der in dem entsprechenden Alter impfen zu lassen. So reagieren die ver-
duzierten Impfstoffe dem Sicherheits test des amerikanischen CDC zu schiedenen Provinzen und Kommunen Italiens sehr unterschiedlich auf
unterziehen, obwohl Merck Sharp and Dohme schon 1979 der Auffor- ebendiesen Erlaß:
derung zur Kontrolle durch das amerikanische nationale Gesundheits- An der Adriaküste, Provinz Marche in Asvoli Picena, bekam ein Vater
amt folgte. Dennoch starben die 6500 homosexuellen Männer aus San die Aufforderung des Gesundheitsamtes zum Impftermin. Der Vater
Francisco an den Impfversuchen der Merck Sharp and Dohme. weigerte sich, seinen lljährigen Sohn gegen Hepatitis B impfen zu las-
Der amerikanische Rivale des IPP ist Merck Sharp and Dohme. Beide sen, und erhielt umgehend eine Anzeige des Bürgermeisters, die den
konkurrierten auf dem asiatischen Gesundheitsmarkt um den Millionen- Vater unter Umständen, wenn er auf der Verweigerung besteht, für drei
verkauf der Hepatitis-B-Impfe (Nature, 14.7.83,28.7.83). Das Problem Monate ins Gefängnis bringen kann.
wurde auf verseuchtes amerikanisches Blut oder Blut anderer Nationa- In einem anderen Ort Italiens bekam ich für meinen Sohn kurz vor
lität reduziert. Damit ließ sich leicht ablenken von der Gefährlichkeit seinem 12.Geburtstag den Impf termin. Auf Grund eines Ortswechsels
der Impfe selbst, die mit natürlichem (menschlichem oder tierischem) zur gleichen Zeit sind wir der Auseinandersetzung entgangen, denn in
Blut oder geotechnologisch mit chemischen Zusätzen wie Aluminium- Umbrien folgt das Gesundheitsamt dem ministeriellen Erlaß nur sehr
hydroxid hergestellt wurde. eingeschränkt (oder auf italienische Weise) d. h., hier wird nur gegen
Heute schreiben wir das Jahr 1993, und seit zwei Jahren ist die Hepa- Hepatitis B geimpft, wenn die Eltern das Impfserum in der Apotheke
titis- B- Impfe in Italien obligatorisch. kaufen, zum Gesundheitsamt bringen und so die Impfe fordern. So ent-
Im Februar 1992 publizierte die Zeitschrift »FF Südtiroler Illu- ledigt sich das Gesundheitsamt von vornherein jeder Verantwortung für
strierte« eine gerichtliche Auseinandersetzung um die Impfpflicht in das Impfserum. Meines Erachtens spielt hier die Fragwürdigkeit der
Italien mit dem Titel: »Viren für die Gesundheit«. Meines Erachtens ist Hepatitis- B- Impfe eine entscheidende Rolle.
dies ein ganz klarer Satz, der Impfen jeder Art ad absurdum führt und Hintergrund dieser Unklarheiten und verschiedenen Umgangsweise
nur noch die Frage offen läßt, wovon die Pharmaindustrie, die Ärzte sind darüber hinaus diverse Fakten:
und nicht zuletzt die gesamte orthodoxe Naturwissenschaft leben, in- Den italienischen Staat würde die Pflichtimpfung gegen Hepatitis B,
clusive der Epidemiologen, wenn alle Menschen gesund sind?! konsequent durchgeführt, 34 Milliarden Lire kosten.
Der Beipackzettel des Hepatitis- B- Impfserums enthält den Hinweis, Es gibt bisher kein Gesetz in Italien, das Eltern zwingen kann, ihre
daß eine »Auffrischung nach fünf Jahren notwendig ist«, sprich, die Kinder impfen zu lassen.
Impfe wirkt ca. fünf Jahre - wenn sie denn wirkt -, und danach muß Dennoch dürfen Kinder ohne den Nachweis der Pflichtimpfung die
das Immunsystem des menschlichen Körpers erneut den Giftstoß verar- staatliche Schule nicht besuchen, (dies wiederum kann zu Gefängnisstra-
beiten. fen für die Eltern führen, denn Schulbesuch ist gesetzliche Pflicht). Den
Ein Elternpaar im italienischen Südtirol weigert sich konsequent, italienischen Gesundheitsämtern ist die Umstrittenheit der Hepatitis-B-
seine vier Kinder impfen zu lassen, solange keine staatliche bzw. offi- Impfe mehr oder weniger klar. Entsprechend den Kenntnissen der indi-
zielle Behörde die Verantwortung für eventuelle Impfschäden über- viduellen Personen, sprich Ärzten, die die Verantwortung innerhalb der
nimmt (was immer dies heißen mag für die betroffenen Kinder), und Behörde übernommen haben, verhält man sich zur Zwangs impfung für
hat, neben gerichtlichen Auseinandersetzungen bis hin zum Verfas- Hepatitis B offensiv oder passiv. Zur Zeit läuft ein Grundsatzprozeß am
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162 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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15. Grippe (Influenza) 163

Verfassungsgerichtshof in Rom zu dieser Frage. Bis zu einer Entschei- 14. Hepatitis C


dung ist jeder Schulbesuch an einer staatlichen Schule ohne Impfpaß
»provisorisch«. Nicht die Fähigkeiten des Kindes sind entscheidend für
die Schultauglichkeit, sondern der Impfpaß. » Jedes ausgestellte Zeugnis Eine bestimmte Form der Hepatitis wurde bisher als »Hepa-
eines nicht geimpften Kindes erhält den Vermerk, es sei nur gültig, wenn titis NANB« bezeichnet. Sie war also weder die A- noch die
der Verfassungsgerichtshof in Rom bei seiner Entscheidung den impf- B-Hepatitis. Diese Form wird neuerdings als »Hepatitis C«
verweigernden Eltern recht gibt.« bezeichnet.
Bis zur Grundsatzentscheidung in Rom besteht in Italien ein totales
Die mittlere Inkubationszeit beträgt 6 bis 12 Wochen, es
Durcheinander, und die Eltern sind der Willkür der einzelnen Gesund-
heitsämter ausgeliefert, wenn sie nicht die nötige Kraft haben, sich zu sind aber auch Werte von 2 bis 26 Wochen bekannt geworden.
wehren, oder ihnen einfach die Kenntnisse fehlen. Die Gelbfärbung bei der Hepatitis C ist weniger intensiv aus-
Merck Sharp and Dohme hat das Hepatitis- B- Impfserum gentechno- geprägt, und bei 25 Prozent der Infektionen ist sie überhaupt
logisch entwickelt und für sich monopolisiert. Die Pharma-Lobby ver- nicht sichtbar. Derartige Erkrankungen verlaufen häufig sub-
schweigt, daß im Impfserum Aluminiumhydroxid enthalten ist, wie man
klinisch, also ohne Krankheitserscheinungen. Trotzdem sollen
über das Formaldehyd in der Diphtherie- und Tetanusimpfe schweigt.
Mit der lapidaren Erklärung, die gentechnologisch hergestellten fast 50 % zu einer chronischen Hepatitis führen, und von die-
Hepatitis-B-Impfstoffe seien seit drei C!) Jahren auf dem Markt und bis- sen wiederum soll ein bestimmter Prozentsatz in eine Leber-
her seien keine Nebenwirkungen bekannt, versucht man die wenigen zirrhose übergehen. Von diesen Betroffenen würden 25 % an
Skeptiker hier in Italien zu beruhigen. Leberversagen sterben. Der Infektionsweg ist unklar. Am
Die Weltgesundheitsorganisation - in Afrika und Brasilien und
gefährlichsten scheinen Blutinfusionen zu sein; dagegen sind
anderswo impft sie die Kinder »AIDS«-tot - will bis zum Jahr 2010 der
Krankheit Hepatitis B Herr werden. Dies geht nach Auskunft ebendie- Nadelstichverletzungen mit Serum von infizierten Patienten
ser gesundheitsgefährdenden Organisation nur mit flächendeckenden relativ ungefährlich.
Impfkampagnen. Die Einführung des Impfstoffs gegen Hepatitis C ist in
Bisher hat sich nur Italien an diese Normierung gehalten. Kürze zu erwarten.

Literatur:

FF Südtiroler Illustrierte: Viren für die Gesundheit, 7. Febr. 92: Le carte deli'
15. Grippe (Influenza)
AIDS, Sonderausgabe der Zeitschrift fotografare, März '89.
AIDS ist keine Krankheit, Ausgabe der Monatszeitschrift fotografare, 3, 1987. Kurzfassung:
Abstrakt des Buches » Le carte dell' AIDS«, publiziert für den Welt- AIDS- Tag, Erreger: Influenza-Viren.
1. 12. 1988. Die Impfung richtet sich nur gegen die durch Influenza-Viren hervor-
Und nicht zuletzt: Meine persönlichen Erfahrungen in Gesprächen mit den Ver-
gerufenen Erkrankungen des Menschen. Die Vielzahl anderer Erkäl-
antwortlichen verschiedener Gesundheitsämter, in Diskussionen mit italienischen
Eltern, und: mein einigermaßen gesunder Menschenverstand.
tun~~kran~.heiten, ~ie teilweise ~in grippeähnliches Erscheinungsbild
auslosen konnen, WIrd dadurch nicht verhütet.

Erreger: Haemophilus influenzae, einziges Genus der Familie


Orthomyxoviridae. Unterteilung durch das Matrixprotein in
Typen A, Bund C. Seit 1972 wurden über 20 Serovarianten
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164 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 15. Grippe (Influenza)
.
165

des Typs A nach dem H-N-System eingeordnet, zum Beispiel 1978 verweigerten fast 45 % grippegeimpfter Bürger die
das in Europa vorherrschende Hongkong-Virus »H3N2« erneute Impfung mit der Begründung und Bemerkung, daß
oder Soviet 77 »H'l Nl «. Typ A führt zur »Grippe«, die Typen sie nach der vorangegangenen Impfung trotzdem an »Grippe«
Bund C zu sporadischen Erkrankungen. Bei der »Grippe«, erkrankt seien (Begrivac, Reklame der Behring- Werke,
wie sie unsere Bevölkerung versteht, handelt es sich um August 1979 12 610/16 [75J). Bei der Häufigkeit der Grippe-
eine Virusinfektion der oberen Luftwege, deren Anzeichen Erkrankungen werden sich bei Impfaktionen immer Bürger in
Schnupfen, Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen, Husten, der Inkubationsphase einer Grippe-Erkrankung befinden.
Abgeschlagenheit und Fieber sein können. Die Viren befallen Diese erkranken nach einer Impfung besonders schwer, sie
zuerst die Nasen-Rachen-Schleimhaut und breiten sich von sind hochinfektiös und sorgen für die weitere Ausbreitung
dort auf die Bronchien sowie auf die Nasennebenhöhlen aus. der Erkrankung. Es ist dies der gleiche Mechanismus, wie wir
Diese Erkrankung des Respirationstraktes kann durch ca. 300 ihn auch bei anderen Impfungen kennen. Die körpereigene
verschiedene Erregertypen ausgelöst werden. Hiergegen ist Abwehr ist mit der durch die Impfung hervorgerufenen
die Impfung wirkungslos, sie richtet sich nur gegen die durch Infektionskrankheit vollauf beschäftigt. Wenn es nun fataler-
Influenzaviren hervorgerufenen Erkrankungen des Menschen. weise zur Infektion mit einigen der bei uns so häufigen etwa
Die Vielzahl anderer Erkältungskrankheiten, die teilweise ein 300 verschiedenen Grippeerregern kommt und die Krankheit
grippeähnliches Erscheinungsbild auslösen können, werden - wie üblich - harmlos verlaufen würde, so können sich jetzt
dadurch nicht verhütet. Da dies der Bevölkerung verschwie- diese Erreger hemmungslos ausbreiten und eine besonders
gen wird, ist diese Impfung - weil der Name »Grippeimp- schwere »Grippe« hervorrufen. Daß nur »fast jeder zweite
fung« trotz besseren Wissens beibehalten wurde, ein Betrug grippegeimpfte Bürger« an der Grippe erkrankt, liegt daran,
an unserer Bevölkerung. Die Impfung schützt nicht vor der daß die übrigen von einer Infektion verschont blieben, denn
Erkrankung, die im Volksmund »Grippe« genannt wird. das hängt ja vom Zufall ab. Setzt man alle Menschen gleich-
Wenn überhaupt, so kann sie nur vor der seltenen Sonderform mäßig einem Infektionsrisiko aus, würden fast alle grippe-
der Grippe, der sogenannten »Influenza«, schützen. Aber geimpften Bürger - die ja in Wirklichkeit gegen die Influenza
»aus werbewirksamen Gründen« wurde der Name »Grip- geimpft wurden und nicht gegen die Grippe - an dem erkran-
peimpfung« gewählt und beibehalten. Wenn die Impfung ken, was die Bevölkerung unter »Grippe« versteht. Unge-
»Influenzaimpfung« hieße, ließe sich niemand impfen. Nach impfte hingegen blieben wegen intakter Abwehr im allgemei-
einer solchen Impfung aber treten Erkrankungen, die land- nen gesund.
läufig als »Grippe« bezeichnet werden, besonders häufig und Der Grippeimpfstoff wird auf bebrüteten Hühnereiern
besonders heftig auf. Fast jeder zweite mit einem solchen gezüchtet, die Grippeimpfung saniert daher nicht nur die
Impfstoff »gegen Grippe« geimpfte Bürger erkrankt danach »Gesundheit« der Impfstoffhersteller, sondern auch diejenige
an einem besonders schweren »grippalen Infekt« - das ist jene der Zulieferanten, zum Beispiel der Eierindustrie. Bei der
Erkrankung, die von unserer Bevölkerung als »Grippe« Grippeimpfung kann man rechnen: pro Spritze 1 Ei. Im übri-
bezeichnet wird. Nach einer Repräsentativumfrage bei Bür- gen sind bei der Grippe weder Erkrankungen noch Todesfälle
gern der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins im Juli meldepflichig. Alle Zahlen darüber sind freie Erfindungen.
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166
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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16. Zeckenbiß 167

16. Zeckenbi(l ZNS liegt die Sterblichkeit bei 1 bis 2 %. Anders ausgedrückt:
(FrühSommerMeningoEnzephalitis = FSME) Das Risiko einer bleibenden Schädigung durch Erkrankung
nach Zeckenbiß liegt selbst in Endemiegebieten bei 1: 80000.
Kurzfassung: In Deutschland werden pro Jahr nur wenige Erkrankungen
Erreger: Flaviviren (Arboviren) der Gruppe Togaviridae (Arbovirus B). nach Zeckenbiß gemeldet. Sie stammen meist aus den Mün-
Inkubationszeit: 7-10 Tage.
dungsgebieten der Flüsse Altmühl, Naab und Regen in die
Biphasischer Verlauf: Zunächst grippeähnlich, dann fieberfrei und
danach erneut Fieber, jetzt mit ZNS-Beteiligung. Eventuell Meningo- Donau. Das Hauptgebiet infizierter Zecken ist Österreich. Im
enzephalitis, aber mit günstiger Prognose. Letalität höchstens 1 %. Der Gegensatz zur FSME ist die ebenfalls von Zecken übertragene
Impfstoff besteht aus abgetöteten Zecken-Viren, die auf embryonalen Lyme- Borreliose über das gesamte Bundesgebiet verbreitet.
Hühnerzellkulturen gezüchtet werden. Dank der Tatsache, daß der Erreger der FSME sich in der
Darmwand und nicht in der Speicheldrüse der Zecke befindet,
Es handelt sich um ein Virus aus der Gruppe der Flaviviren dauert es mehrere Stunden, bis das FSME- Virus über den
(Arboviren). Das Virus wird durch den Biß der Zecke Ixodes- Stichkanal ins Blut gelangt. Da es eine ganze Zeit dauert, bis
Ricinos (Holzbock) übertragen. FSME- Viren kommen nur sich die Zecken richtig vollgesaugt haben, sind die Bisse von
bis zu Höhenlagen vor, bei denen die mittlere Jahrestempera- Zecken bis zur Größe einer Linse völlig ungefährlich. Das
tur über 8 Grad Celsius liegt. Daher gibt es im Bergland ober- Jucken nach Zeckenbiß aber setzt sehr rasch ein. Bei Wande-
halb von 1000 m keine FSME- Viren. rungen in den Monaten Juni sowie im September und Okto-
Inkubationszeit: Es werden 7 bis 10 Tage, aber auch 2 bis ber sollte bei juckenden Hautstellen stets nachgesehen wer-
28 Tage angegeben. den, ob nicht ein Zeckenbiß die Ursache dieses Juckreizes ist.
Selbst in Endemiegebieten ist weniger als 0,1% der Zecken Bei frühzeitiger, sorgfältiger Entfernung der Zecke kommt es
mit FSME- Viren infiziert. Nur jede zwanzigtausendste Zecke selten zur Infektion. Mit einer Fingernagelfeile, einer Pinzette
ist Virusträger. Bei denjenigen Menschen, die nun wirklich oder einer kräftigen Nadel sollte die Zecke entfernt werden.
von einer infizierten Zecke gebissen werden, verlaufen 60 bis Dabei sollte jeder Druck auf den Zeckenkörper vermieden
70 % der Infektionen ohne jede klinischen Symptome. Beim werden. Am besten schiebt man den Stechapparat des Tiers
Rest kommt es zur klinischen Manifestation. Hier verläuft die bei Straffung der Haut mit einem spitzen Gegenstand weg.
Krankheit biphasisch. Etwa genauso, wie man einen Splitter aus der Haut entfernt.
Erste Phase: Grippeähnliche Symptomatik »Sommerphase«. Selbst wenn danach einige feine schwarze Pünktchen an der
Vielfach ist damit die Infektion vorüber. Nur bei 6 bis 10 % Stichstelle zu sehen sind (was möglicherweise den Beiß-
folgt darauf eine zweite Phase, die sogenannte Organmani- werkzeugen entsprechen könnte), ist das ungefährlich, die
festation. Aber auch diese Phase führt nur in wenigen Fällen Hauptsache ist, daß der mehr oder weniger vollgesogene
zu schweren Erkrankungen. Sie ist dann mit zentral-nervösen Leib der Zecke zunächst entfernt wurde. Eine leichte Rö-
Symptomen, Leber- und Myocardbeteiligung verknüpft. Am tung an der Bißstelle ist meist am nächsten Tag schon nicht
gefürchtetsten ist der Befall des Zentralnervensystems mit mehr zu sehen, die schwarzen Pünktchen sind fast ver-
Meningitis oder Meningoenzephalitis. Bei Beteiligung des schwunden.
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168 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 16. Zeckenbiß
.
169

In der Zeitschrift »arznei-telegramm« wurden zahlreiche arznei-telegramm 12/93


Nebenwirkungen beschrieben. Anhand der Meldungen ergibt
FSME-IMMUNGLOBULIN (FSME-BULlN) nach
sich - ohne Berücksichtigung einer Dunkelziffer - ein Risiko
Zeckenstich: Pseudo-Polio-Symptome
der Impfschädigungen von etwa 1: 32 000. Hingegen wird die
medizinische Bedeutung der nach Zeckenbiß etwa 500 bis Nach Zeckenstich sollen spezifische Immunglobuline eine
1000 Mal häufiger als FSME vorkommenden Borreliose meist Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verhindern. Der mit
verkannt. 15 % der Zecken sollen mit Borrellien durchseucht IgG-Antikörpern gegen FSME-Virus angereicherte Passivimpf-
sein. Etwa einer von fünfzig Stichen eines infizierten Tieres stoff (z. B. FSME-BULIN S »lmmuno«, FSME-IMMUNGLOBULIN
führt zur Infektion. Diese läßt sich mit Antibiotika wie Peni- S »Behrinq«) wird sowohl zur etwa vier Wochen anhaltenden
cillin oder Doxycyclin (Vibramycin) und ähnlichen Mitteln Immunisierung vor Aufenthalten in Endemiegebieten als auch zur
sogenannten Postexpositionsprophylaxe nach bereits erfolgtem
erfolgreich behandeln. Die FSME- Impfung hinterläßt keinen
»Zeckenbiß« angeboten. Bei der Indikationsstellung ist die
Schutz vor der Borreliose. Bester Schutz sowohl vor viralen
geringe Infektionswahrscheinlichkeit nach Zeckenstich zu be-
wie auch bakteriellen Zeckenbißkomplikationen besteht im rücksichtigen. Eine Schutzwirkung ist zudem nur bei zwei von
Schutz vor den Bissen: Kleidung mit langen Ärmeln und drei Behandelten zu erwarten. Bei der Postexpositionsprophylaxe
Hosenbeinen, festes Schuhwerk. Vorsicht vor Lagerungen im am 3. oder 4. Tag werden hohe Dosen verabreicht. Ein 70 kg
Gras oder Unterholz. schwerer Patient benötigt z. B. 14 ml Serum im Wert von etwa
500 DM.1
Injektionen von homologen Hyperimmunseren können neben
Reizzuständen im Bereich der Einstichstelle und schweren ana-
Unter 20000 Zecken
1 Zecke infiziert
phylaktischen Reaktionen sieben bis zehn Tage nach der Injek-
ist
tion eine Serumkrankheit auslösen mit Allgemeinsymptomen wie
Nach dem Biß einer infizierten Zecke Fieber, Abgeschlagenheit und Krankheitsgefühl sowie mit Urtika-
ria, Gelenkentzündungen und generalisiertem Ödem. Eine Beteili-
ereignet sich in 60-70 % nichts,
gung des peripheren Nervensystems mit Manifestation einer
In 20-30 % treten »grippale Symptome« auf,
Neuropathie (Armplexusneuritis) wird als möglich erachtet.'
(»subklinischer Verlauf«)
10 % kommt es zu einer Beteiligung des ZNS. Das a-t-NETZWERK verzeichnet drei anaphylaktische Reaktio-
In ca.
(Meningitis und Enzephalitis) nen auf FSME-BULIN (NETZWERK-Berichte 1153, 1216, 2520)
und eine Urtikaria (Bericht 6644). Ein 20jähriger erkrankt drei
Unter diesen 10 % Wochen nach Zeckenbiß und FSME-BULlN-Passivimmunisierung
unter dem Bild einer »schwersten Pseudopoliomyelitis« mit Fie-
kommt es in 90-95 % zu einer Ausheilung,
ber, Kopfschmerzen, Fazlallsparese, Bewußtseinstrübung und
III 3-1 0 % bleiben Restsymptome zurück,
1- 2 % verlaufen tödlich Ateminsuffizienz. Mehrere serologische Untersuchungen sichern
die Diagnose einer FSME. Hirnstamm- und diffuse kortikale
Tabelle 6: Die »Zeckengefahr« in Endemiegebieten Läsionen gehen bei dem in einer Innsbrucker Klinik behandelten
Quelle: Gold, R., Wietholter, H., Rihs, 1., Löwer, J. und L. Kappos: Frühsommer-Menin-
goenzephalitis-Impfung. Dtsch. med. Wschr. 117, 5.112 -116 (1992) 1 Wiethölter, H.: Dtsch. med. Wschr. 118 (1993), 113
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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17. HIB-Meningitis

jungen Mann mit schweren neurologischen Ausfällen einher reichischen Gesundheitsministeriums keinen Interessenkon-
(Bericht 6928). . . flikt, auch wenn es »optisch nicht so gut ausschaut«.
In München und Berlin wurden nach FSME-BULlN-lnjektlonen In der Zeitschrift »Der Standard-s (Wien) erschien am 5. Mai
ähnliche schwere Krankheitsverläufe mit Pseudopoliomyelitis- 1994 der Artikel: »Fieber nach Zecken-Impfung«. Obwohl bei
Symptomatik beobachtet." Ein Berliner erkrankte während sei~~s
mehreren Fällen hohes Fieber nach den Impfungen auftrat,
Urlaubs in der Nähe von Passau an Meningoenzephalomyehtls
wird dies mit dem Hinweis erklärt - bei den Fieberfällen
mit langanhaltendem Koma. Er war am Tage des Zeckenstichs
passiv immunisiert worden. Drei Wochen später kam es zu könne es sich um Symptome von Virusinfektionen wie Ma-
schweren Kompllkatlonen." sern, Windpocken oder Influenza handeln.
Fazit: Es bestehen schwerwiegende Bedenken gegen die Am 7./8. Mai 1994 berichtete die gleiche Zeitschrift: »Ursa-
Anwendung von FSME-BULlN,4 die in Österreich zur Forde- ehe der Fieberschübe nach FSME- Impfung weiter ungeklärt.
rung des Verbots geführt haben," Das Immunglobulin schützt Möglicher Zusammenhang mit zwei Fällen von Lähmungen.«
nicht zuverlässig und kann wahrscheinlich sogar einen Jetzt wird empfohlen, von der Zeckenimpfung »Abstand zu
schweren Verlauf der Meningoenzephalitis provozieren. nehmen.« Auch die zweiten und dritten Impfungen sollten
nicht mehr durchgeführt werden. Bei den in Oberösterreich
aufgetretenen Lähmungen nach Zeckenimpfungen heißt es
Erfinder der FSME- Impfung ist ein Wiener Professor. Er ist bezüglich des möglichen Zusammenhanges mit der Impfung
Leiter des Wiener Institutes für Virologie und verdient als sofort: Erwiesen ist dieser Zusammenhang aber nicht. Außer-
Erfinder des Impfstoffes FSME Immun an jeder Impfung. Die dem seien diese Nebenwirkungen ja bekannt, sie würden
Tantiemen erhält er von der Pharma-Firrna Immuno. Er kon- ohne bleibende Folgen abklingen. Sie stünden in keinem Ver-
trolliert im eigenen Institut die unter Umständen auftretenden hältnis zu den schwerwiegenden Folgen eines Zeckenbisses.
Nebenwirkungen von FSME Immun. Es besteht also eine Zu der Kritik am verzögerten Nebenwirkungsmeldesystem
Personalunion zwischen dem Erfinder und dem Lizenzgeber- meinte Otto Pjetka, der Präsident der oberösterreichischen
kontrolleur. Die Problematik wird dadurch zugespitzt, daß Ärztekammer, zwar sei das Meldesystem »höchst reforrnbe-
der Erfinder auch im Obersten Sanitätsrat der Republik dürftig«, im konkreten Fall sei aber »keine extreme Gefahr
Österreich das Gesundheitsministerium in medizinischen gegeben gewesen«.
Fragen berät und dort auch Empfehlungen im Impfausschuß
abgibt. In dieser Position beurteilt er den Inhalt der
Gebrauchsinformation des Impfstoffes. Diese rechtsstaatlich 17. HIS-Meningitis (Haemophilus influenzae Typ S)
bedenkliche Situation beschwört nach Meinung des öster-
Kurzfassung:
2 Schmutzhard, E.: Mitteilung im Rahmen des äff. Hearings anl. der Wieder-
Erreger: Bazillus Haemophilus influenzae Typ B.
besetzung des Ordinar. f. Neurol. Innsbruck, 11. Nov. 1993 Inkubationszeit: 2-5 Tage.
3 Kunz, Ch.: Vir. Ep. Inf. 19/93 Erkrankungen an der HIB- Meningitis treten nur in den ersten 5 Lebens-
4 Kunz, Ch.: Vir. Ep. Inf. 4/85 und Vir. Ep. Inf. 19/93 jahren auf.
5 Glossmann, H.: Mitteilung vom 11. Nov. 1993 Behandlung mit Antibiotika in 95 % erfolgreich.
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172 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 17. HIB-Meningitis
.
173

Impfstoff: Haemophilus influenzae Typ B Konjugat-Impfstoff. (Kon- Während in den ersten Berichten noch zu lesen war, daß
jugat == Koppelung an Diphtherietoxoid, an Tetanustoxoid und an 400 bis 500 Kinder die schwere Form der Erkrankung durch-
N. meningitidis.) machen, berichten dann Stickl und Just in »Pädiat. Prax. 42«,
S.203 (1991) schon davon: »In der BR Deutschland (vor
Die Impfung schützt nur gegen eine Erregerausbreitung z. B. Oktober 1990) erkrankten etwa 3200 bis 4000 Kinder jährlich
in das Gehirn, nicht aber gegen Otitis oder Sinusitis. Nach an der Haemophilus influenza (HIB- Infektion) . .. Bei etwa
den ersten HIB-Impfkampagnen wurden wenige Tage nach 1200 Kindern waren postinfektiöse schwere Schäden zu ver-
der Impfung schwere Infekte, insbesondere schwere HIB- zeichnen zumeist am Zentralnervensystem als Folge der fast
Infektionen beobachtet. immer perakut verlaufenden bakteriellen Meningitis - aber
Von dieser Erkrankung habe ich während des Medizinstu- auch Schäden am Gehör bis zur Ertaubung.« Jetzt verfügbarer
diums und auch danach niemals etwas gehört. Sie wurde mir Impfstoff: HIB-Vaccinol, Böhm-Pharma, Weiterstadt. Die
erst durch die Einführung der Impfung bekannt. Ich möchte HIB-Impfung wird nach den Empfehlungen der STIKO ab
annehmen, daß sie vielleicht den Kinderärzten, wahrschein- dem dritten Lebensmonat ausgeführt, sie soll zweimal im
lich aber auch hier nur Spezialisten, bekannt war. Von 30000 Abstand von 6 bis 8 Wochen erfolgen. In dem Buch »Impf-
Kleinkindern erkrankt im Durchschnitt eines an dieser reaktionen« von Quast, Thilo und Fescharek ist zu lesen:
Meningitis, und im Normalfall sollte ein mit diesem Erreger »Irnpfkomplikationen, die ursächlich einer HIB-Impfung
infiziertes Kind keine schwerwiegenden Erkrankungen angelastet werden konnten, sind bisher nicht bekannt gewor-
bekommen. In Ausnahmefällen soll es zu einer Erkrankung den.« Es handelt sich bei dieser Erkrankung um eine Menin-
an Meningitis kommen, begleitet von einer Epiglottitis (einer gitis, die durch ein Bakterium hervorgerufen wurde. Bakte-
Kehldeckelentzündung) sowie einer Otitis (Ohrenentzün- rielle Erkrankungen sind bekanntlich gut behandelbar, zum
dung) und einer Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung). Im Beispiel mit Ampicillin, Chloramphenicol bzw. einer Kombi-
Buch »Schutzirnpfungen« von Stickl und Weber heißt es nation aus beiden Antibiotika. Es ist auch bekannt, daß eine
noch: »Auf der nördlichen Halbkugel kommt fast ausschließ- Behandlung in dieser Kombination eine sehr gute Prognose
lich der Meningokokkentyp B vor, gegen diesen konnte bisher für die meisten an Haemophilus B erkrankten Kinder bedeu-
kein Impfstoff entwickelt werden.« ... Da auf der nördlichen tet. Hier muß man doch fragen: Wozu dann diese Impfung?
Halbkugel Armut und Fehlernährung nicht so groß sind wie Empfohlen wird erste und zweite Impfdosis im Abstand von
auf der südlichen Halbkugel und die dadurch bedingte je 6 Wochen im dritten Lebensmonat und die dritte im
Schwächung der Infektionsabwehr der Menschen gering ist, zweiten Lebensjahr. 0,5 ml des Impfstoffs kosten 51,40 DM
spielten Meningokokkeninfektionen nicht die gleiche Rolle (Rote Liste 1992), drei Impfungen sind nötig, also circa 150,00
wie im Tropengürtel und in den Ländern der Dritten Welt auf DM - bei einer Million Geburten pro Jahr - ein gutes
der südlichen Erdhalbkugel. Nachdem es nun gelungen ist, Geschäft.
einen Impfstoff gegen diese Erkrankung herzustellen, erfolgt
- nach bewährter Manier - die Verteufelung dieser Erkran-
kung.
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174
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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175
17. HIB-Meningitis

140
Die systemische Haemophilus-influenzae-Erkrankung 138
Anzahl der ungeimpft
-- erkrankten Kinder
Anzahl der geimpften Kinder
Erstmalig hörte ich den Namen »Haemophilus influenzae« • • • • die trotz Impfung erkrankten'
110
in Verbindung mit der Neueinführung einer Impfung gegen 100
__ Prozentzahl der Kinder,
die trotz Impfung erkrankten
diese Erkrankung. Mit riesigem Propaganda-Aufwand wurde 90
seinerzeit bei Impfeinführung der Eindruck erzeugt, als gäbe 83
80
es in der Bundesrepublik mindestens viele Tausende solcher 70
Fälle. Kürzlich berichtete Prof. Dr. Rüdiger von Kries, Uni- 60 62
versität München, in der Zeitschrift »Der Kinderarzt- in einer 50 53,2%
Gemeinschaftsarbeit, für die auch Prof. Stück von der STIKO 40
mitverantwortlich zeichnet, über den Verlauf dieser Erkran- 30
33 •••••••••••

kung während eines Berichtszeitraumes von 3 Jahren (juli 92 20 25


bis Juni 93, Juli 93 bis Juni 94 und Juli 94 bis Juni 95). Aus 10
der Veröffentlichung wurde ersichtlich, daß es im ersten o ~---.----------------.- ~ _
Berichtszeitraum vom Juli 92 bis Juni 93 in ganz Deutsch- Juli 1992 Juli 1993 Juli 1994
Juni 1993 Juni 1994 Juni 1995
land überhaupt nur 138 Erkrankungsfälle an der HIB-Krank-
heit gegeben hatte. Unter diesen 138 Fällen befanden sich Abb. 54 a Systemische Haemophilus-influenzae-Erkrankungen in Deutsch-
land: alle geimpften und nichtgeimpften Kinder (Stand: 1.9.1995)
zudem noch 33 Fälle, die trotz vorheriger Impfung daran er- Quelle: von Kries, Heinrich, Helwig, Stück
krankt waren. Bei mir, dem Sohn eines Kaufmannes, taucht
dann sofort die Frage auf: Lohnt sich das - Jahr für Jahr fast
eine Million Kinder zu impfen, für eine Krankheit, die kli- Die Grafik zeigt: Anfangs-Situation mit 138 Fällen, davon
nisch behandelt werden kann, von der es in ganz Deutsch- waren 33 geimpft (= 23,9 %). Im folgenden Jahr Rückgang auf
land 1992/93 nur 138 Fälle gegeben hat und von denen auch 83 Fälle, davon 25 geimpft (= 30,1 %). Im letzten Berichtszeit-
noch jedes 4. erkrankte Kind vorher geimpft worden war? raum 62 Fälle, davon 33 geimpft (= 53,2 %).
Unser Gesundheitsminister wäre mit einem Federstrich aus Frage: Welchen Wert hat eine Impfung gegen eine Krank-
seiner ganzen Finanzmisere heraus, wenn er anordnete: Wer heit, von der es in einem Berichtszeitraum von 12 Monaten in
sich oder sein Kind impfen lassen will, der soll es tun. Er ganz Deutschland nur 62 Fälle gegeben hat und von denen 33
soll es aber selbst bezahlen. Das brächte Einsparungen in geimpft waren? D. h., über die Hälfte der erkrankten Kinder
Milliardenhöhe. waren geimpft - und erkrankten trotzdem. Hierfür gibt es nur
eine Schlußfolgerung: Auch diese Impfung ist nicht nur wir-
kungslos, sondern sie schadet unseren Kindern - weil die
Impfung zur Erkrankung prädestiniert.
Forderung: Es ist auch bei dieser Impfung nicht zu verant-
worten, daß bei einer so seltenen Erkrankung Millionen Kin-
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176 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 19. Tollwut
.
177

der geimpft werden. Die HIB- Erkrankung kann erfolgreich 19. Tollwut (Rabies)
behandelt werden. Es ist wirtschaftlicher, 62 Kinder klinisch zu
behandeln, als Millionen zu impfen (zumal meist nach 5-6 Jah- Kurzfassung:
ren mit dem Bekanntwerden von Impfschäden zu rechnen ist). Erreger: Tollwut-Virus (Rhabdo- Virus).
Impfstoff: Er besteht aus inaktivierten, auf Zellen menschlichen
Ursprungs (Diploid-Zellen = Krebszellen), sog. HDC-Zellen, gezüchte-
ten Tollwutviren (Rabivac = 109,85 DM).
18. Windpocken (Varizellen) Neuerdings gibt es auch einen Impfstoff, der auf Hühnerfibroblasten
gezüchtet wurde (Rabipur = 61,10 DM).
Erreger: Varizella-Zoster- Virus (VZV). Das Windpockenvirus
ist identisch mit dem Erreger des Herpes zoster (Gürtelrose) Erreger: Tollwut-Virus, stäbchenförmiges RNS- Virus aus der
und wird daher Varizella-Zoster-Virus (= VZV) genannt. Es Familie der Rhabdoviren. Hauptinfektionsquelle in Europa
gehört zur Herpes-Gruppe. ist der wild lebende Fuchs sowie Hund und Katze. Jedoch
Inkubationszeit im Mittel 11 bis 15 Tage, gelegentlich bis nicht jeder Biß oder jede Verletzung (zum Beispiel durch ein
zu 4 Wochen. Das Durchmachen der Erkrankung erzeugt eine tollwütiges Tier) führt beim Menschen zur Erkrankung. Wird
sehr lang anhaltende Immunität, jedoch ist eine Reaktivierung ein Mensch durch ein sicher tollwütiges Tier in den Unter-
des sich in einem ruhenden Zustand befindenden Varizellen- schenkel oder in den Unterarm gebissen, so liegt das Risiko,
Virus möglich. Daraus entsteht dann der Herpes zoster. In daran zu erkranken, zwischen 15 und 20 % Prozent. Im ein-
sehr seltenen Fällen und unter besonderen Umständen ver- getrockneten Speichel hält sich das Tollwut- Virus relativ
läuft die Varizellen-Erkrankung mit verschiedenen Neben- lange. Es verliert seine Vermehrungsfähigkeit jedoch in
wirkungen. Diese werden als Vorwand benutzt, um die Imp- Feuchtigkeit, besonders bei Lagerung in der Wärme (im Som-
fung zu empfehlen. Der Impfstoff enthält abgeschwächte, mer verendende und verwesende Tiere), und es wird auch
vermehrungsfähige Viren. Sie wurden auf HDC-Zellen durch chemische und bakterienbedingte Prozesse, durch Fer-
(Human-Diploiden-Zellen) vermehrt, das sind weitergezüch- mentfreisetzung und Verwesung bei toten Tieren inaktiviert.
tete, menschliche Krebszellen. Es wird zugegeben, daß die Es ist weiterhin gegenüber alkalischer Seife empfindlich und
Schutzdauer nur 2 Jahre beträgt, gelegentlich aber wesentlich kann durch Formol relativ rasch inaktiviert werden. Die
kürzer. Es wird auch zugegeben, daß die Impfviren über den Inkubationszeit beträgt 3 Wochen bis 3 Monate, selten bis zu
Nasen-Rachen-Raum weiter verbreitet werden können. einem Jahr. Die Erkrankung beginnt mit Rötung der Biß-
Die Impfung kostet ca. 600,- DM. Wegen der augenblicklich narbe, es folgen Kopfschmerzen, dann tonische Krämpfe der
schwierigen Finanz-Situation im Gesundheitswesen wurde die Schlund-, Kehlkopf- und Atemmuskulatur, starker Durst bei
Windpocken-Impfung bisher nicht »öffentlich ernpfohlen«. Unvermögen, schlucken zu können, und schließlich Herz-
Nach Beruhigung der Gemüter und Besserungen der Finanz- lähmung. Bisse durch ein tollwütiges Tier in gut durchblutete
lage ist mit der »öffentlichen Empfehlung- zu rechnen. Regionen, wie zum Beispiel in den Hals- oder Gesichts-
In den »Impfempfehlungen« der STIKO ist 1988 die Imp- bereich, den Daumen oder den Daumenballen haben ein Er-
fung gegen Varizellen zu finden. krankungsrisiko von 40 bis 60 %. In Deutschland starben von
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178 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen ................................................................................
20. Maul- und Klauenseuche 179

1950 bis 1982, also in 32 Jahren, 39 Menschen an Tollwut. gegen die Tollwut-Viren gerichtete Antikörper. Diese Hunde
Kein einziger erkrankte durch die bloße Berührung eines toll- hatten demnach schon einmal einen Angriff der Erreger über-
wütigen Tieres oder durch Berührung virushaltigen Materials lebt und sollten so eigentlich gegen neue Infektionen gewapp-
wie zum Beispiel Speichel oder Blut. 1983 wurden über 80000 net sein. Welchen Sinn hatte dann aber eine Impfung gegen
Tollwut-Impfungen durchgeführt. Seit 1978 besteht der Impf- die Tollwut? Was bewirkte sie bei den wilden Hunden? Die
stoff aus inaktivierten, aus Zellen menschlichen Ursprungs freilaufenden Tiere wurden mit dem Impfstoff aus einiger
(HDC) gezüchteten Tollwut-Viren. Entwickelt wurde der Entfernung beschossen. Angenommen also, die Wildtiere
Impfstoff durch den Amerikaner Hillary Koprowski und waren bereits vor der Impfung von natürlichen Tollwut-Viren
durch den Deutschen Kuwert. infiziert, dann hat ihnen der zusätzliche Kontakt mit den
In der Süddeutschen Zeitung vom 26. November 1992 ansonsten harmlosen Impfstoff-Viren womöglich mehr ge-
erschien folgender Artikel mit der Überschrift »Wenn Natur- schadet als genutzt. Es verschwanden aber auch einige der
schützer übereifrig sind. Gegen Tollwut geimpfte Tiere aus nicht geimpften Rudel. Hier hatte man lediglich einige Tiere
der Serengeti sind gestorben«. Es gibt nur noch wenige tau- betäubt und mit Radiosendern versehen. Man glaubt nun, daß
send Hunde in Afrika. In zwei Wildparks starben bis 1991 der mit der Impfprozedur oder Radiomarkierung verbundene
vermutlich ein ganzes Dutzend Hunderudel. Rätselhafter- Streß die Abwehrkräfte der Wildhunde geschwächt hat, so
weise ereignete sich dies innerhalb eines Jahres, nachdem ein- daß sie an Tollwut erkrankten und daran starben. In der
zelne Tiere zu Forschungszwecken markiert und gegen Toll- Savanne freilebende Wildhunde führen aber ein so hartes
wut geimpft worden waren. Markus Borler von der Frank- Leben und sind so an Streß gewöhnt, daß sie die mit der
furter Zoologischen Gesellschaft hat sich dem Studium dieser Betäubung oder Impfung verbundene Prozedur eigentlich
auch als »Hyanenhunde« bezeichneten Fleischfresser gewid- problemlos hätten überstehen müssen.
met. 1989 starb ein kenianisches Rudel an Tollwut, einer Das Rätsel des Todes der Wildhunde bleibt ungelöst. J e-
Seuche, die noch nie beobachtet worden war. Die Tiere sind doch: ohne Impfung wären sie noch am Leben!
vorher gegen Tollwut geimpft worden. Wenige Monate nach
der Impfung sind vier von acht Rudeln in den Naturparks
gestorben. Da bei den verendeten Tieren Tollwut-Viren nach- 20. Maul- und Klauenseuche
gewiesen wurden, entschloß man sich, 38 Hunde der verblie-
benen Rudel mit einer nicht infektiösen Form des Erregers Die Unwirksamkeit und Gefährlichkeit sogenannter »Schutz«-
zu impfen. Alle Mitglieder der sieben geimpften Rudel ver- Impfungen zeigt sich nicht nur beim Menschen, nicht nur bei
schwanden innerhalb des folgenden Jahres. Die Verträglich- wild lebenden Hunden, sondern auch bei unseren Haustieren.
keit des Impfserums war vorher an vier Hyänenhunden im Als informative Ergänzung soll anhand der Maul- und
Frankfurter Zoo getestet worden. Den Serengeti-Hunden war Klauenseuche der Zusammenhang zwischen Impfungen und
zwei Jahre vor ihrem Verschwinden Blut abgenommen wor- Seuchenverlauf beim Tier dargestellt werden. Dies ist an-
den (wie, ist aus dem Artikel nicht ersichtlich). Bei einer schaulich möglich, weil es bisher in Europa Länder sowohl
nachträglichen Analyse fanden sich in einigen der Proben mit als auch ohne Impfpflicht gegen Maul- und Klauenseuche
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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20. Maul- und Klauenseuche

gab. In Deutschland bestand jahrzehntelang gesetzlicher MKS Ausbrüche in Ländern !!!.l! jährlicher Flächenimpfung

Impfzwang, der zum Teil mit Strafmaßnahme durchgesetzt


wurde. Alle Rinder, die älter als vier Monate waren, mußten
jedes Jahr gegen die Maul- und Klauenseuche geimpft werden.
Kosten: jährlich ca. 40 Millionen Deutsche Mark.
Frankreich
Die Ursache der 30 Maul- und Klauenseuche-Ausbrüche in Italien

der BR Deutschland ab 1970 zeigt nachfolgendes Schaubild. Niederlande


Portugal
Schweiz
Spanien

Impfstoff 17 = (56,7 %)
Impfstoffwerk 5 (16,7%) 2!:!.!!! jährliche Flächenimpfungen

-
MKS Ausbrüche in Ländern
Unbekannt 6 = (20,0%)
(möglicherweise bedingt Land ;'~:~:Ch 16616716816917017172 73 74 75 76 77 78 79 808118218318485868788899091
durch Impffehler) Dänemark
Einschleppung 2 (6,6 %) Finnland 196°1 1 1 1
Großbritannien(3) I11III liliiii
Irland 1941 I I 1 1
Zu Lasten von durchgeführten Österreich 1 1 liliiii
Impfungen und Impfstoffen 22 = (73,4 %) Polen (5)
Norwegen 1952 1 1 1
Schweden 1966 1 1 1
Tabelle 7 Ursachen der 30 Maul- und Klauenseuchen-Ausbrüche zwi- Bulgarien (1) I11III
schen 1970 -1989 in der Bundesrepublik Deutschland Griechenland (1) liliiii liliiii
Rumänien (1) 1 I
Quelle: Strohmaier, K.: Wie kann Europa frei von Maul- und Klauenseuche werden und Ungarn (2) 1 1 1
bleiben? Vortrag, gehalten im März 1989 im Vakzineinstitut Basel Jugoslawien 1 l1li

Tabelle 8 Jahre mit Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche in europäi-


schen Ländern mit und ohne jährlicher obligatorischen Flächenimpfungen
Von 30 Ausbrüchen sind demnach 22 Ausbrüche (73,4 %) auf der Rinder.
Impfungen zurückzuführen. Davon gehen 17 Ausbrüche Quelle: Strohmaier, K.: Wie kann Europa frei von Maul- und Klauenseuche werden und
(56,7 %) auf Impfstoffe zurück, 5 Ausbrüche (16,7 %) haben bleiben? Vortrag, gehalten im März 1989 im Vakzineinstitut Basel.

sich bei Tierbeständen ereignet, die sich in unmittelbarer


Nähe nämlich wenige Kilometer Luftlinie zu einem Impf- in denen es dort Maul- und Klauenseuche-Ausbrüche gab,
stoffwerk befanden, wobei die gefundenen Viren mit den sind durch dunkle Schraffierungen hervorgehoben. Demnach
gezüchteten Viren im Impfstoffwerk identisch waren. trat die Seuche in impfenden Ländern viel häufiger auf als in
denen, die nicht impfen. Zudem war in den nachprüfbaren
In der Europäischen Gemeinschaft gibt es Länder mit und Fällen die Seuche stets aus Impfgebieten eingeschleppt wor-
ohne Impfpflicht gegen Maul- und Klauenseuche. Im oberen den.
Teil des Schaubildes (Tab. 8, S.181) finden wir die Länder mit Am Ljanuar 1994 ist inzwischen der »Gemeinsame Markt«
Impfpflicht, im unteren Teil die ohne Impfpflicht. Die Jahre, der Staaten Westeuropas Wirklichkeit geworden und in sei-
.....
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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20. Maul- und Klauenseuche 183

nem Vorfeld wurden u. a. einheitliche Bekämpfungsmaßnah- Wittmann, am 24.2. 1988, andere Informationen gegeben
men in den zukünftigen Mitgliedsländern erforderlich. Daher worden sind, die weitere Impfungen notwendig erscheinen
erarbeitete bereits vor 1988 ein Wissenschaftsgremium eine ließen. Dies ist verständlich, wenn man bedenkt, daß der
Empfehlung der EG- Kommission des Inhaltes, im ganzen Befragte an MKS-Impfstoff-Patenten der Firma Bayer betei-
Bereich der Europäischen Gemeinschaft das Impfen gegen ligt ist und daraus erhebliche finanzielle Vorteile genoß.«
Maul- und Klauenseuche zu verbieten. Diese Empfehlung Die Verbindung des Präsidenten mit der Impfstoffindustrie
mußte von den zukünftigen Mitgliedsstaaten befürwortet und die daraus resultierende Befangenheit konnte seine Stel-
werden. Von den Impfungen bei Menschen ist bekannt, wie lungnahme für das Impfen erklären. Die fachlichen Argu-
schwer es Impfbefürwortern fällt, Fehler zuzugeben und mente gegen das Impfen, die ihm seit langem bekannt waren,
begangenes Unrecht einzugestehen. konnte er nicht entkräften und die Entwicklung nicht aufhal-
In der BR Deutschland ist der gesamte Veterinär- und ten. Der Bundestagsausschuß stimmte der Empfehlung zu.
Gesundheitsdienst eine Angelegenheit der Bundesländer. Die Das heißt, auch in Deutschland darf spätestens ab 1992 nicht
Vertretung der Länder - der Bundesrat - äußerte Bedenken mehr gegen MKS geimpft werden. Schon bei der Neufassung
gegen diese Empfehlung und behauptete, die Impfungen des deutschen Tierseuchen-Gesetzes, das am 1.Juli 1991 in
gegen Maul- und Klauenseuche hätten sich in Deutschland Kraft trat, wurde die Impfung gegen die Maul- und Klauen-
während der Vergangenheit bewährt (die gleichen Behauptun- seuche nicht mehr genannt. Selbst die Einfuhr von geimpften
gen sind bezüglich der Impfungen beim Menschen bekannt). Tieren und Tierprodukten aus impfenden Ländern ist dann
Auch die Bundesregierung stand einer Aufhebung der Impf- bei uns verboten. Die entsprechenden Einfuhrkontrollen wur-
pflicht ablehnend gegenüber. In einer Anhörung vor dem den erheblich verschärft.
Bundestagsausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und For- Um so unverständlicher ist folgendes: Gewissermaßen als
sten, der die Empfehlung der EG- Kommission beraten »Vorsichtsmaßnahme« wurde dem Bayer-Konzern eine Zu-
mußte, vertrat der Präsident der Forschungsanstalt für Virus- wendung in Höhe von vielen Millionen DM zum Ausbau
krankheiten der Tiere in Tübingen, Prof. Dr. Wittmann, die eines Impfstoffwerkes zur Herstellung von Maul- und Klau-
Meinung, »... daß in der Abwägung mehr dafür spreche, die enseuchen-Impfstoffen und zur Anlage einer »Impfstoff-
Impfpflicht beizubehaltcn«. Bank« in Köln gewährt. Dieses Werk sollte auf der Insel
Daraufhin richtete ein inzwischen pensionierter Wissen- Riems bei Greifswald in Mecklenburg entstehen. Auf dieser
schaftler der Bundesforschungsanstalt gleichlautende Schrei- Insel wurde vor dem letzten Krieg der erste MKS- Impfstoff
ben an den Vorsitzenden sowie an Mitglieder des Bundestags- entwickelt und späterhin auch produziert. Das Institut heißt:
Ausschusses, in denen er in sieben Punkten die Argumente Friedrich- Loeffler- Institut für Tierseuchenforschung Insel
gegen das Impfen aufzählte und auf seine Nutzlosigkeit und Riems. Da Mecklenburg wegen der inzwischen überwunde-
Schädlichkeit hinwies. Zur Erläuterung der Diskrepanz zu nen Spaltung Deutschlands damals nicht zum Gebiet der
den Aussagen Dr. Wittmanns fügte er hinzu: Bundesrepublik gehörte, wurde in Tübingen die »Bundesfor-
»Es ist mir bekannt, daß dem Ausschuß in der vorliegenden schungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere« neu gebaut.
Angelegenheit bei der Anhörung des Präsidenten, Prof. Dr. Aufgabe aber war nicht die Gewinnung von Impfstoffen.
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184
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
...., 20. Maul- und Klauenseuche
.
185

Diese Aufgabe wurde der Pharmaindustrie übertragen, die Eindämmung der Schweinepest gehöre ein generelles »Irnpf-
daraufhin Impfstoffwerke im Westen mit Hilfe von Millio- verbot gegen Schweinepest«.
nenzuschüssen der Bundesregierung errichtete. Zunächst glaubte ich an einen Druckfehler. Denn in den
Man faßt sich an den Kopf! Als ab 1970 Säuglingsimpfun- letzten Jahren wurden Mitteilungen über Infektionskrankhei-
gen gegen Pocken eingestellt wurden, weil es auf der Welt nur ten bei Mensch und Tier stets mit» Warnungen« vor Ausbrei-
noch wenige Pockenherde gab, errichteten fast alle Bundes- tung dieser Krankheit wegen ungenügend durchgeführter
länder in abgelegenen Gegenden »Pockenbehandlungsstatio- Impfungen verbunden und mit wortreichen Impfaufrufen
nen«. Sie feierten dies als medizinische Großtat und berichte- abgeschlossen.
ten darüber in den Fachzeitschriften (zum Beispiel Bauer, W., Als aber diese Mitteilung auch in anderen Zeitungen
»Erfahrungen bei der Errichtung der Pocken-Isolierstation erschien, war klar: Es war kein Druckfehler! In der »Verord-
Gültstein«, in »Öffentl. Gesundhw.« 35, S.474 [1993J). Keine nung zur Änderung der Schweinepest-Verordnung und son-
dieser Isolierstationen hat jemals einen Pockenkranken gese- stiger tierseuchenrechtlicher Vorschriften vom 21. Oktober
hen. Als die Tage der Pocken auf unserer Erde gezählt waren, 1993 (BGBI I S.1078)« heißt es im »Unterabschnitt LAllge-
wurde in Dusseldorf die größte, modernste (und teuerste) meine Schutzmaßregeln §2:
Impfanstalt dieser Erde errichtet. Vermutlich ist dort niemals
Pockenimpfserum hergestellt worden. Heute befinden sich in (1) Impfungen gegen die Schweinepest oder gegen die Afrika-
diesem Gebäude Verwaltungsämter. nische Schweinepest sowie Heilversuche an seuchenkran-
An der Nutzlosigkeit und an der Gefährlichkeit der Imp- ken und seuchenverdächtigen Schweinen sind verboten.«
fung gegen Maul- und Klauenseuche besteht kein Zweifel. Was bedeutet das? Die Regelung entspricht weitgehend der
Deshalb wurde ja die Impfung im Bereich der Länder des für die Maul- und Klauenseuche gültigen Bestimmung, wie
gemeinsamen Marktes nicht nur untersagt, sondern selbst die sie seit Irrkrafttreten des Impfverbots gilt. Auch gegen die
Einfuhr geimpfter Tiere oder Tierprodukte aus noch impfen- Schweinepest wurde bisher geimpft. Zunächst mit einem
den Ländern wurde verboten. Trotzdem gewährt die Bun- Lebendimpfstoff, der bewirkte, daß geimpfte Sauen sehr häu-
desregierung dem Pharmakonzern »Bayer- Leverkusen« Zu- fig sogenannte Mickerlinge zur Welt brachten. (Also Schädi-
schüsse in Millionenhöhe zur Errichtung eines Impfstoffwer- gung der nächsten Generation durch Impfungen!). Dann
kes mit angeschlossener »Vakzine-Bank« zur Herstellung und wurde auch ein Totimpfstoff versucht, der nur in den Pro-
Lagerung von Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche, spekten der Impfstoffhersteller tatsächlich wirksam war.
obwohl sie sich der Empfehlung der EG- Kommission, die Nachdem auch in geimpften Beständen die Seuche erneut auf-
Maul- und Klauenseuche-Impfung zu verbieten, angeschlos- trat, hat schließlich die EG-Kommission die neue Verordnung
sen hatte. durchgesetzt. Das Impfverbot ist seit Oktober 1993 in Kraft.
Im Herbst 1993 gingen Meldungen über Bauernproteste Inzwischen hat die Ausbruchshäufigkeit bereits drastisch
gegen EG- Verordnungen zur Eindämmung der »Schweine- abgenommen. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen,
pest« durch Rundfunk, Fernsehen und Presse. Im Oktober daß die Schweinepestseuche aus Europa verschwindet.
1993 erschien eine kurze Mitteilung: Zu den Maßnahmen zur Bisher wurden die Wildschweine als Problem angesehen
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186 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 21. Impfstoff gegen Malaria
.
187

und Impfungen der Zuchtschweine als »Schutzmaßnahme« Versuche nur noch auf deren Beweisführung ausgerichtet,
vor Ansteckungen durch Wildschweine gepriesen. Aber wenn meint Geison. Negative Resultate erschienen oft nur im
durch Wegfall der Impfungen bei Zuchtschweinen die Notizbuch, nicht jedoch auf maßgeblichem Papier.
Schweinepest zum Erliegen gebracht werden kann, dann muß Schwerer wiegt noch, daß Pasteur die Öffentlichkeit offen-
die Seuche auch bei Wildschweinen zum Erlöschen kommen. bar auch bewußt hinters Licht führte. Zwei seiner bekannte-
Die Unkorrektheiten und Wahrheitsabweichungen fingen sten Errungenschaften, die erfolgreiche Applikation eines
bereits bei dem »großen Wissenschaftler« Louis Pasteur an. neuen Impfstoffs gegen Anthrax bei 50 Schafen im Mai 1881
Darüber erschien im »Tagesspiegel« in Berlin von Gisela Ost- und die Impfung des elsässischen Bauernjungen Joseph Mei-
wald am 19.2.1993 folgender Artikel: ster mit einem Tollwut-Vakzin im Juli 1885, sind deshalb aus
»Es ist verständlich, daß der große französische Wissen- heutiger Sicht weniger sensationell. Nicht nur benutzte der
schaftler Louis Pasteur seiner Familie im Jahre 1878 ans Herz große Pasteur ein anderes Vakzin gegen Anthrax als in offiziel-
legte, nie die privaten Aufzeichnungen seiner Laborarbeit ~u len Verlautbarungen niedergeschrieben, er -schönte- auch die
veröffentlichen. Damals, als 56jähriger, genoß Pasteur bereits in Wahr~eit weniger überzeugenden Ergebnisse seiner Studien
den Ruhm eines französischen Nationalhelden. Seiner Bitte für die Offentlichkeit. Trotz des wissenschaftlichen Fehlver-
um Diskretion leistete die Familie knapp 100 Jahre lang Folge. haltens und Betruges bleibt Louis Pasteur in seinen Augen je-
1964 jedoch vermachte der letzte männliche Nachfahre Pa- doch -einer der größten Forscher der Menschheit-, so Geison.«
steurs das gut 10000 Seiten umfassende -Privatwerk- der Es ist seit den Impfkampagnen gegen Polio bekannt, daß
Bibliotheque Nationale in Paris. Wissenschaftler an den Seuchen kräftig verdienen. Die Erfin-
Mit der Herausgabe seiner 100 Notizbücher geriet der der dieser Impfungen, J. E. Salk und A. B. Sabin, profitieren
Sockel des gefeierten Chemikers und Mikrobiologen post von jeder einzelnen Impfung auf dieser Welt. Auch im Zu-
mortem ins Wanken. Dr. Gerald L. Geison vom Historischen sammenhang mit AIDS gibt es derartige Verknüpfungen: Der
Institut der Universität Princeton (US-Staat New Jersey) ent- französische Professor Montagnier sowie der amerikanische
deckte in den privaten Einträgen Pasteurs (1822 -1895) eine Professor Gallo (in wissenschaftlichen Diskussionen sind sie
Reihe gravierender Diskrepanzen zu seinen publizierten Ar- sich spinnefeind) haben sich die Patente bezüglich der Test-
beiten. flüssigkeit zum Test auf HIV-Antikörper geteilt und gesi-
Ein Versehen sei ausgeschlossen, sagte Geison auf der Jah- chert. Ein jeder solcher Einzeltests kostet bei uns 25 DM!
restagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung
der Wissenschaft in Boston. Es bestehe kein Zweifel daran,
daß Louis Pasteur mehrfach >wissenschaftlichen Betrug- be- 21. )~Impfstoff gegen Malaria« - »Spiegel« (4/94, S. 263)
gmg. Uberschrift: »Schlauer als der Parasit«
Mit Überraschung stellte Geison bei seinem fast zwanzig-
jährigen Studium von Pasteurs Doppelwerk fest, daß sich der »Manuel Elkin Patarroyo, kolumbianischer Immunforscher
Franzose im Labor gelegentlich sehr unwissenschaftlicher und Entdecker des Malaria-Impfstoffes SPf66 (s-Serum Plas-
Methoden bediente. Hatte er eine Idee vor Augen, waren alle modium falciparum, Version 66«), mit dem der forschende
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188 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 21. Impfstoff gegen Malaria
.
189

Arzt alle Infektionskrankheiten besiegen will. Seine Idee zellen zu tun haben soll. Vielleicht gibt es noch ein zweites
widerspricht allen Lehrbuchweisheiten: Sein Impfstoff wurde Immunsystem? «
nicht auf herkömmlichem Weg mittels abgeschwächter oder Bis hierher die »Hurra-Meldung.« Die Ernüchterung ließ
abgetöteter Erreger oder aus deren Bestandteilen entwickelt. nicht lange auf sich warten.
Er wurde auch nicht mit Hilfe modernster Methoden, der In »Die Zeit« Nr. 51 vom 16.12.94 steht: »Impfstoff, Zünd-
Gentechnik hergestellt, sondern allein auf dem Weg klassi- stoff« »Ein Malariaforscher verspricht die lukrativen Rechte
scher chemischer Synthese. an seiner Entdeckung der WHO - doch die sitzt nun in der
Bisher hat Patarroyo 53 Ehrungen und Preise eingeheimst. Zwickmühle. «
Kürzlich erhielt er in Bonn den Robert-Koch-Preis, eine der Warum? Sein Impfstoff bleibt seit seiner Erstveröffentli-
höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Deutschland, chung 1987 umstritten. Daran dürfte sich auch künftig wenig
dem nicht selten später eine Einladung nach Stockholm folgt. ändern. In einem der schlimmsten Malariagebiete der Welt
Als »der Mann, der die Malaria besiegte«, reist er z. Z. durch hatte sein Impfstoff bei 247 Kindern den ersten Malaria-
das Land seines Idols Robert Koch. Stets ernst, selbst im Schub nur um 31 Prozent gesenkt. Trotzdem verkündete
Lachen, und mitunter sogar den leisen Wahn überdeckend, Patarroyo: »Wir haben den ersten und einzigen wirklichen
der in seinen unruhigen braunen Augen lauert. Sein» Instituto Impfstoff gegen Malaria. Nun laßt ihn uns anwenden, um die
de Immunologia« gründete er 1972. Heute ist das Institut mit Millionen zu schützen, die unter dieser Krankheit leiden.«
rund 100 Mitarbeitern die größte und in ihrer Art bedeutend- Demnächst sollen damit eine Million Menschen immuni-
ste Forschungsstätte in Süd-Amerika. siert werden. Die spanische Regierung gab knapp sechs Mil-
Die kleinen Bruchteile der ursprünglichen Oberflächen- lionen Mark zu diesem Versuch dazu.
proteine des Erregers baute er im Reagenzglas nach und ver- Dreh- und Angelpunkt aller Diskussionen ist der nach wie
band sie - das war der entscheidende Schritt - unter Ver- vor ausstehende Beweis deutlicher Wirksamkeit des Impfstof-
wendung zweier weiterer Peptidstückchen fest miteinander. fes. Zweifel hegen ausgerechnet Mitglieder der WHO, der
Das Immunsystem erkennt offenbar dieses »zyklische Pep- Patarroyo großzügig die Nutzungsrechte an SPf66 zugesagt
tid« als Fremdeiweiß - und entwickelt Immunität gegen hatte. Aber die WHO sagt: »Es gäbe keine Probleme, hätte
Malaria. der Impfstoff eine 60prozentige Wirksamkeit gezeigt. Die
Aber: Die Schutzwirkung der kleinen Gebilde ist mit dem festgestellte Rate von 31 Prozent liegt in einer Grauzone zwi-
heutigen Wissen der Immunologie nicht zu erklären. Warum schen Wirksam- und Unwirksamkeit. Daher wird alles zur
sind viele der Impflinge gegen Infektionen gefeit, obwohl sich Meinungssache, eine Frage der Philosophie.«
in ihrem Serum keine entsprechenden Antikörper nachweisen Nichts ist klar.
lassen? Warum lassen sich klassische immunologische Para- Für die WHO erheben sich viele Fragen:
meter nicht mit der Immunität in Zusammenhang bringen? 1. Wie aussagekräftig ist der 31prozentige Schutz? Kleine
Anscheinend ist Patarroyo einem neuen Mechanismus auf der Feldversuche wie jener in Tansania erlauben keine klare Aus-
Spur, einer bislang unbekannten Funktion des Immu.nsy- sage, sondern nur eine Abschätzung. Es ging um die Verhü-
sterns, die weder mit Antikörpern noch mit Freß- oder Killer- tung des ersten Malaria-Schubes. In stark verseuchten Regio-
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190 IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
. 21. Impfstoff gegen Malaria
.
191

nen durchleiden die Menschen jedoch bis zu 5 Schübe jähr- Beispiel mit der Aufnahme Kolumbiens in den leitenden Rat
lich. Bei beiden Versuchen ließ sich eine starke Reaktion des für WHO- Tropenkrankheitenforschung honoriert. Ferner
Immunsystems anhand von Antikörperbildung nachweisen - solle Kolumbien von der WHO Finanzmittel für den Kampf
doch auch dies bedeutet nicht unbedingt zuverlässigen Schutz gegen Tropenkrankheiten erhalten sowie das Exklusivrecht
vor den Malariaparasiten. auf Herstellung des Impfstoffes. In Kolumbien wird bereits
2. Sicherlich kommt der Impfstoff nicht in Frage, um Rei- eine spezielle Fabrik aufgebaut, sie soll 1997 fertig sein. Nach
sende in Malariagebieten zu schützen. Denn die Malaria läßt Expertenschätzungen geht es um ein Absatzvolumen von
sich mit der Impfung allein nicht verhindern. Vor einem brei- mindestens 600 Millionen Dollar für die Erstimpfung und
ten Einsatz gelte es, grundlegende Fragen zu klären, etwa wie anschließend 42 Millionen Dollar jährlich zum Schutze
lange der Schutz anhält und ob er nicht nur die Inzidenz der Neugeborener. Derzeit wird SPf66 in Patarroyos Labors in
Schübe, sondern auch die Mortalität, also die Zahl der Todes- Bogota monatlich in einer Menge erzeugt, die jeweils für eine
opfer senkt. Ferner ist unbekannt, ob der Impfstoff auch für Million Impfungen genügte. Die Labors haben jedoch keinen
Neugeborene und Babys sicher und wirksam ist. Denn die Nachweis erbracht, daß sie eine konstant hohe Qualität
Malaria fordert die meisten Opfer - zumindest in Afrika - bei garantieren können - ein wesentlicher Schritt zur Lizenz.
Kindern unter einem Jahr. Hinzu kommt: Die molekulare Struktur des SPf66 ist noch
3. Können Massenimpfungen verantwortet werden? In dem nicht voll aufgeklärt, vor allem aber liegt die Wirkungsweise
tansanischen Versuch erhielten alle Kinder jeweils dreimal den der Substanz noch im dunklen. Zur Sorge der Experten gibt
Impfstoff. Bei Massenimpfungen in Entwicklungsländern gilt es beispielsweise keine Korrelation zwischen dem Gehalt an
es als unwahrscheinlich, mehr als 54 Prozent der Impflinge Antikörpern im Blut infolge der Impfung und dem beobach-
bei der Stange zu halten. Die Schutzquote dürfte in der Praxis teten Schutz. Noch hält Patarroyo die Rechte an SPf66. Der-
deutlich unter den beobachteten 30 Prozent liegen. Ob sich an weil entwickelt er seinen Impfstoff munter weiter, eine neue
der Sterblichkeit überhaupt etwas ändert, ist fraglich. Gründe Variante soll deutlich wirksamer sein. Und er hat bereits wis-
genug für die WHO, bei einem Fehlschlag nicht nur massiven sen lassen, daß er die Rechte an dieser neuen Erfindung auf
Rufschaden zu erleiden und vor allem mit einer sinkenden keinen Fall der WHO vermachen werde. Die WHO soll also
Kooperationsbereitschaft in der Bevölkerung bei anderen Zweitklassiges propagieren.
Impfversuchen und -aktionen rechnen zu müssen. Alles in allem überwiegt die Auffassung, daß dieser Impf-
Der Erfinder hat versprochen, die Lizenzrechte von SPf66 stoff in Endemiegebieten die Last der Malaria nur wenig lin-
an die WHO abzutreten. Daher beansprucht die WHO nun dern dürfte.
auch das Recht, den Impfstoff überall dort herstellen zu las- Im »Deutschen Ärzteblatt (Heft 43/1996) ist zu lesen:
sen, wo sich ein geeigneter und lizenzierter Partner findet, der SPf66-Vakzine ist aus dem Rennen.
die Substanz möglichst kostengünstig anbietet. Patarroyo und »Es war fast wie ein Märchen: Ein wissenschaftlicher Out-
die kolumbianische Regierung finden dies »inakzeptabel«. Sie sider aus der dritten Welt findet den langersehnten Impfstoff
verlangen, daß die WHO den Wert der Schenkung mit schät- gegen die Malaria, den Forscher der Industrieländer für un-
zungsweise 700 Millionen Dollar anerkennt und dies zum möglich gehalten haben und an dessen Entwicklung die Phar-
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IV. Infektionskrankheiten und Impfungen
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21. Impfstoff gegen Malaria 193

maindustrie wegen fehlender Gewinnaussichten angeblich gar Prozent gesenkt werden konnte. Es ist jedoch fraglich, ob
nicht interessiert war. Ohne große finanzielle Mittel gelingt es ohne die finanzielle Unterstützung der USA und anderer
dem »sprunghaften Tüftler mit einer Neigung zu Übertrei- Industrieländer daraus etwas wird. Ein Gutes hat die
bungen« (Science 273, S. 1652, 1996), den Impfstoff durch Geschichte dennoch gehabt: Die ersten Erfolgsmeldungen
präklinische und erste Feldversuche zu boxen. Als sich ein Patarroyos haben die Vakzineforschung neu stimuliert. Laut
Erfolg abzeichnet, fehlt es ihm nicht an Edelmut. Statt seine Science gibt es derzeit drei vielversprechende Kandidaten.
Erfindung für teueres Geld zu verkaufen, kündigt er Anfang Zwei wurden in den USA entwickelt, ein dritter australischer
1995 an, alle Rechte der WHO zu schenken. Doch Märchen Impfstoff wird bereits in Papua-Neuguinea im Feldversuch
werden selten wahr, und nun scheint die Wirklichkeit auch getestet. «
den Kolumbianer Manuel Patarroyo eingeholt zu haben. Sein Kein Wunder, daß Dr. med. Erhard Groll aus Darmstadt im
Malariaimpfstoff SPf66 hielt einer erneuten Überprüfung Deutschen Ärzteblatt 3/97 resignierend schreibt:
nicht stand. »Regelmäßige Dementis
Mit einer herben Enttäuschung endete eine Studie, welche Nicht nur alle Jahre wieder, nein - noch häufiger werden
die US-Armee zwischen 1993 und 1995 in Thailand durch- wir mit Pressemeldungen über den nun endlich gefundenen
führen ließ. Im Feldversuch mit 1200 Kindern konnte keine Malariaimpfstoff informiert. Die allgemeine Freude, nun end-
Malariaerkrankung verhindert werden. Dabei hatte sich der lich eine wirksame Vorbeugung gegen diese Geißel der
Impfstoff zunächst als vielversprechend erwiesen. In drei klei- Menschheit in der Hand zu haben, wird ebenso regelmäßig
neren Feldversuchen senkte SPf66 die Zahl der Ersterkran- durch (wesentlich kleinlautere) Dementis getrübt. Seit 20 Jah-
kungen um über 30 Prozent. Doch die Teilnehmerzahl war ren werden für Malariavakzine Preise verliehen, Laudationes
jeweils zu gering, um zu statistisch verwertbaren Ergebnissen gehalten und Karrieren begründet, obwohl die Basis solch all-
zu kommen. Außerdem wurde die Zahl der schweren Mala- gemeinen Lobes nur ein kurzes Leben hat. So endete auch die
riakomplikationen (Anämie, zerebrale Malaria) nicht verhin- Hoffnung für SPf66.
dert. Der synthetische Impfstoff schien die Abwehrkräfte Das schwedische Nobelkomitee wurde schon oft geschol-
der Infizierten nur so weit zu mobilisieren, um leichtere ten, weil die mit dem Nobelpreis für Medizin belohnten Ent-
Verlaufsformen abzuschwächen. Eine 1995 in Gambia durch- deckungen schon Jahrzehnte zurücklagen. Zweifellos wäre
geführte Untersuchung dämpfte den Optimismus weiter: die eine wirksame und verläßliche Malariavakzine ein Kandidat
Zahl der Ersterkrankungen wurde nur um acht Prozent für den Preis der Preise. Der Entdecker würde sich jedoch
gesenkt. zwanzig oder dreißig Jahre gedulden müssen, bis ihm der
Daß nicht einmal diese minimale Wirksamkeit in der jetzt Nobelpreis verliehen würde. Wie man sieht, zu Recht.«
aussagekräftigen Studie reproduziert werden konnte, ist nach Welche Blamage wäre es heute, wenn Herrn Patarroyo, in
Ansicht der Autoren der definitive Beweis, daß die Vakzine der Zeit, als er von aller Welt gefeiert wurde, der Nobelpreis
die Erwartungen nicht erfüllt. Weitere Studien seien nicht verliehen worden wäre?
erforderlich. Die WHO möchte zwar noch eine Studie in
Tansania durchführen, wo 1994 die Erkrankungszahl um 31
V. Die Ursachen des RÜCkgangs der Infektionskrankheiten 195
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Die Ursachen des Rückgangs der Infektions-
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zu einem Rückgang der gefürchteten »Seuchen« geführt

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den, hat im Mittelalter eine große Rolle gespielt. In manchen

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deutschen Städten, in denen Bauwerke aus dem Mittelalter
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Namen daran erinnern. Zum Beispiel das »Leprosarium« in
Gelnhausen. Die Lepra ist nur wenig ansteckend und hat eine 1/915 I
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sehr lange Inkubationszeit. In der damaligen Zeit, in der
immer mehr Menschen auf engstem Raum zusammenlebten, SÜf1ittlsst<rblidtltttt tnt""/'I IJIIt" 1 %

weil sich die Städte wegen der Stadtmauern nicht ausdehnen


konnten, war die Lepra ständiger Gast. In dem Moment, als Abb.55 Die Säuglingssterblichkeit in Hamburg von 1821-1964(berechnet
die Menschen mehr Platz hatten und die Städte über die auf 100 Lebendgeborene)
Stadtmauern hinauswuchsen, verschwand die Lepra. Quelle: Seelemann, K.: Verlauf der wichtigsten Infektionskrankheiten in Hamburg zwl-
schen 1870 und 1964, Münch. med. Wschr. 108, 5.144 (1966)
Die Pest benötigt zur Übertragung den Rattenfloh. In
früheren Zeiten war das Bett ein Gegenstand der Privilegier-
ten. Die große Masse der Bevölkerung schlief in ihren Lehm- Die Kurve über den Verlauf der wichtigsten Infektionskrank-
hütten unter dem Dach im Stroh auf dem Boden. Dort waren heiten in Hamburg zwischen 1870 und 1964 zeigt einen
die Ratten ständige Gäste. Mit der Errichtung von Steinhäu- unaufhörlichen Anstieg von Typhus-, Pocken- und Cholera-
sern und mit der Weiterverbreitung des Bettes auf alle Bevöl- Epidemien mit einem Höhepunkt im Jahr 1892. Von da ab
kerungsschichten verschwanden die Ratten aus den Schlaf- ging sie ständig zurück und läßt noch einmal eine kleine
zimmern der Menschen. Damit kam es zu einem Rückgang Zacke im Ersten Weltkrieg und eine deutliche Zacke im Zwei-
der Pesterkrankungen. Es gab aber auch zivilisatorische Ver- ten Weltkrieg erkennen. 1956 lag die Säuglingssterblichkeit
besserungen, die zum Zurückgehen gleich mehrerer Infek- erstmalig unter zwei Prozent. Wenn im Jahr 1892 ein »For-
tionskrankheiten führten. scher« eine Impfung gegen die Säuglingssterblichkeit erfun-
den hätte, dann stünde sein Denkmal heute in Hamburg auf
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196 V. Die Ursachen des Rückgangs der Infektionskrankheiten
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V. Die Ursachen des Rückgangs der Infektionskrankheiten
"
197

dem Rathausmarkt. Es war aber keine medizinische Ent- krankheiten zuzuschreiben ist. Dieser Rückgang begann etwa
deckung, sondern es war die 1893 erfolgte Sandfiltration des vor 200 Jahren und damit lange vor Einführung irgendwel-
Trinkwassers aus der EIbe, die von da ab zu einem ständigen cher Impfrnaßnahmen. Die Hauptursache dieser positiven
Rückgang der Erkrankungen an Cholera, an Typhus, aber Entwicklung ist nach McKeown die Beseitigung des Hungers.
auch an Pocken führte. Das gleiche gilt für die Poliomyelitis. Er weist darauf hin, daß die Menschheit von der Zeit an,
Heißt es doch in der Arbeit »Durchführung der Polio- in der es Menschen gibt - also mindestens seit 3 Millionen
myelitis-Wiederimpfung«, »Gesundh.- Wes.« 54, S. 714 (1992): Jahren - immer gehungert hat. Erst die Erzeugung von genü-
»Eine der wesentlichsten Maßnahmen zur Verminderung gend Nahrungsmitteln durch Einführung der Intensivland-
ihres Auftretens war die Verbesserung der Trink- und Abwas- wirtschaft mit verstärktem Anbau von Wurzelknollen besei-
serhygiene«. Diese sogenannten sozio-ökonomischen Verän- tigte ab Mitte des 18.Jahrhunderts allmählich den ewigen
derungen spielen bei den Rückgängen aller Infektionskrank- Hunger. In Deutschland führte Friedrich der Große (1740 bis
heiten eine mehr oder weniger große Rolle. Jedoch ließ sich 1786) den Kartoffelanbau ein, förderte diesen systematisch
bei den Krankheiten des Elendes (Pocken, Tuberkulose, und trug so entscheidend zur Beseitigung des Hungers bei.
Keuchhusten und Diphtherie) diese Abhängigkeit nur un- Heute kann gesagt werden, daß die Kartoffel den Sieg über
deutlich nachweisen. Mit der Frage der Ursache des Rück- die Infektionskrankheiten davontrug. In den südlichen Län-
gangs dieser schrecklichen Krankheiten habe ich mich 20 dern hat der Maisanbau die gleiche Rolle gespielt. Es wird zu
Jahre lang beschäftigt und habe viel Geld in die entsprechen- leicht vergessen, daß es nicht nur in Deutschland, sondern in
den Untersuchungen investiert. Als mögliche Ursache habe ganz Westeuropa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu
ich an das Trink- und Abwasser gedacht, an die Anzahl der tiefgreifenden sozialen Umschichtungen gekommen ist und
Badewannen pro Kopf der Bevölkerung, an die Anzahl der daß sich seit den 50er Jahren eine Überflußgesellschaft ent-
Wohnungen, an die Wohnfläche pro Person, an den Seifenver- wickelt hat. Es kam zu einer allgemeinen Anhebung des
brauch usw. - alles war vergeblich. Auf all diesen Gebieten Lebensstandards auf ein Niveau, wie es zuvor nie bekannt
gab es zwar große zivilisatorische Verbesserungen, aber als war. Mit zunehmender Besserung und deren Auswirkung auf
Erklärung für die Rückgänge dieser Infektionskrankheiten die allgemeine soziale Lage der Bevölkerung Westeuropas gin-
reichten sie nicht aus. Ich fand dann die einleuchtende gen all diese Infektionskrankheiten, die man früher als »Kin-
Erklärung in dem Buch »Die Bedeutung der Medizin« des derkrankheiten« bezeichnete, zurück.
Engländers Thomas McKeown. Er war von 1945-1977 Pro- Daß »Hunger« etwas mit »Kinderkrankheiten« zu tun ha-
fessor der Sozialmedizin an der Universität in Birmingham. ben soll, erscheint uns zunächst unglaubhaft. Es liegt daran,
Weltweit hoch angesehen, ist er kürzlich verstorben. Sein daß es schwer ist, sich in vergangene Zeiten zurückzuverset-
Buch wurde ins Deutsche übersetzt und ist im Verlag Suhr- zen, und daß der Mensch so leicht vergißt. So weist McKeown
kamp erschienen. Die» Lebenserwartung« der Menschen ist in zum Beispiel nach, daß es in früheren Zeiten üblich war, viele
den letzten Jahren deutlich gestiegen. McKeown weist nach, der neugeborenen Kinder einfach umzubringen. Er schreibt:
daß diese Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung »Wahrscheinlich ist, daß während der gesamten Menschheits-
vorwiegend dem Rückgang der Infektions- oder Kinder- geschichte ein großer Prozentsatz aller Kinder innerhalb von
............
198 V. Die Ursachen des Rückgangs der Infektionskrankheiten
.•.. .•.. .. .... .... .. .. .. .... .. .•.. .. .. .. .... .. .... .... .... .... .... .. .•.. .•.. .. ...• .... .. .... .... .. ...• .. .... .... .... .... .... .. .... .. .. .. ...........•.........•.........................•...•.•.•...•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.............................................•.•.•...•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•.•

wenigen Jahrert nach der Geburt gestorben ist oder umge- VI. Impfschäden
bracht wurde.« Oder: »Die Sterblichkeit fiel in den Jahrzehn-
ten direkt nach Beginn der Registrierung nicht. Erst als die
Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung verbessert wur-
den, in England und Wales in den 70er Jahren des vorigen
Jahrhunderts, begann sie zu sinken.« 1. Allgemeines
Wir sprechen gern von der »guten alten Zeit« und verges-
sen, daß diese wahrscheinlich nur für eine zahlenmäßig kleine, Bald nach Einführung der gesetzlichen Impfpflicht, mit der in
privilegierte Schicht »gut« war. Für den größten Teil der Deutschland Hessen 1806 den Anfang machte, traten auch die
Bevölkerung, zu denen auch unsere Vorfahren gehört haben, ersten Impfschäden auf, die damals von der Bevölkerung
war diese Zeit durch Not, Armut und Krankheit gekenn- nicht der Impfung, sondern dem Arzt zur Last gelegt wurden.
zeichnet. Es hieß: »Bei Dr. X werden die Kinder nach der Impfung
Während meiner Schulzeit erhielten etwa ein Drittel meiner blöd« oder »Bei Dr. Y bekommen die Kinder nach der Imp-
Schulkameraden »Schulspeisungen«, die auch »Quäkerspei- fung Krampfanfälle«. Von der Schulmedizin ist das Vorkom-
sungen « genannt wurden, weil sie von den Quäkern, einer men von Impfschäden immer bestritten worden, meist wur-
amerikanischen Sekte, bezahlt wurden. Die Schulspeisungen den die Eltern beschimpft. Im allgemeinen wurde ihnen
bestanden aus Brötchen und Milch, eine Delikatesse für meine gesagt, eine angeborene Syphilis als Folge elterlicher Sünden
Schulkameraden. Anders ausgedrückt: Noch vor ca. 60 Jahren in der Jugendzeit sei die Ursache des Intelligenzdefektes bzw.
war ein Drittel unserer Schuljugend unterernährt. Die enorme der Krampfanfälle. Der erste in Deutschland amtlich gemel-
Verbesserung der sozialen Gesamtlage unserer Bevölkerung dete Fall einer Hirnschädigung wurde 1912 in Frankfurt am
zwischen 1948 und 1968 (und natürlich weiterreichend bis Main beobachtet. Ein 12jähriges Mädchen erkrankte 12 Tage
heute) ist der Grund für den steten Rückgang aller Infekti- nach der Impfung fieberhaft mit Krampfanfällen ohne Läh-
onskrankheiten. McKeown bringt in seinem Buch statistische mungen. In der Literatur sind diesem Mädchen drei Worte
Kurven über den Rückgang der Infektionskrankheiten in der Erinnerung gewidmet: »Es verblödete später.« Verzwei-
England, die eine überraschende Ähnlichkeit mit denjenigen felte Eltern führten damals gerichtliche Verfahren über alle
Kurven haben, die ich in meinen Ausführungen über die Instanzen bis zum Reichsgericht in Leipzig. In allen Fällen
Infektionskrankheiten aufgezeigt habe. Mit Impfungen sind hat dieses die Verantwortlichkeit des Staates in Abrede
die Impfärzte als Trittbrettfahrer auf den in voller Fahrt gestellt. In den Urteilen ist den Eltern gesagt worden, diese
befindlichen Zug rückläufiger Infektionskrankheiten aufge- Schicksale hätten sie im Interesse der Allgemeinheit zu tragen.
sprungen und behaupten, mit Impfungen einen Sieg über die Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Kinder wie-
Seuche errungen zu haben und versuchen, sich den Lorbeer der geimpft wurden und auch nachträglich die Kinder, deren
dieses Sieges auf die Stirn zu setzen - der ihnen nicht gebührt. Impfung während des Krieges unterblieben war, traten Impf-
schädigungen auf, die zum Teil epidemieartige Ausmaße
annahmen. Die Eltern der betroffenen Kinder erhoben wie-
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200 VI. Impfschäden
. 1. Allgemeines
.
201

derum gerichtliche Klage und führten die Klagen teilweise bis eines Impfschadens die» Wahrscheinlichkeit« des ursächlichen
zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Dieses Gericht hat dann Zusammenhanges genüge. Dieser klare Wille des Gesetzge-
in einem Urteil vom 19.Februar 1953, BGH III ZR 205/51, bers wurde durch geschicktes Taktieren zu Fall gebracht.
erstmalig die Entschädigungspflicht des Staates bei Impfscha-
densfällen anerkannt. In diesem Urteil wurde der Staat zur
Leistung von Entschädigungen verurteilt. Das bedeutet, daß Entwicklung der Impfstoffe
der Staat nicht nur für gesundheitliche Schädigungen verant-
wortlich ist, sondern auch durch Leistungsbescheid für die 1771 Einführung der Variolation in England
Entschädigung der Impfopfer zu sorgen hat. 1796 Edward Jenner (1749-1828): Pocken
Aus diesem Grund wurden entsprechende gesetzliche Vor- 1885 Louis Pasteur (1822-1895): Tollwut
schriften notwendig. Zunächst erließen einzelne Bundesländer 1892 Haffkine: Cholera
Impfschadensgesetze. Die neuen Gesetze waren aber ungenü- 1898 Wright: Typhus
gend und erzeugten weiter Streitigkeiten. Eine besondere 1913 Behring: Diphtherie (Diphtherietoxin-Antitoxin)
Schwierigkeit lag darin, daß man die im Gesetz festgelegte 1921 Calmette u. Guerin: Tuberkulose
Formulierung: »... ein über das übliche Ausmaß einer Impf- 1923 Ramon u. Glenny: Diphtherietoxoidimpfstoff
reaktion hinausgehender Gesundheitsschaden« so auslegte, als 1923 Madsen: Keuchhusten
ob in jedem Fall nach jeder Impfung in der sogenannten In- 1927 Ramon u. Zoellner: Tetanustoxoidimpfstoff
kubationszeit ein sicheres Krankheitsbild erwartet werden 1937 Theiler: Gelbfieberimpfstoff (17 D)
müsse. Wegen dieser Streitigkeiten und Ungerechtigkeiten 1937 Erste Influenzaimpfstoffe
wurde mit dem am 18.Juli 1961 in Kraft getretenen Bundes- 1949 Enders, Robins u. Weller: Züchtung von Polyomye-
Seuchengesetz eine bundeseinheitliche Regelung angestrebt. litisviren in Gewebekulturen
Dieses Gesetz aber brachte auch nur eine ungenügende 1954 Salk: Totimpfstoff gegen Polio, gezüchtet auf Affen-
Lösung der Probleme. Die Streitigkeiten mit den Impfanstal- rneren
ten, insbesondere in Fragen der Impfschadensanerkennung, 1957 Koprowski: Erste orale Massenimpfung gegen Polio in
hörten nicht auf. So mußte der Deutsche Bundestag im Sep- Belgisch Kongo (heute Zaire) mit auf Affennierenge-
tember 1971 eine Novelle zu diesem Gesetz, das sogenannte webe gezüchtetem Impfstoff
2. Änderungsgesetz zum Bundes-Seuchengesetz, erlassen. Als 1957 Sabin: Massenimpfungen in der Sowjet-Union mit
Folge dieses Gesetzes gingen Entschädigungsleistungen und lebenden Erregern
Entscheidungen über Anträge sowie die Versorgung von 1960 Enders: Masernimpfstoff
Impfgeschädigten an die Versorgungsbehörden über. Da es 1963 Weller: Rötelnimpfstoff
für Impfschäden, medizinisch gesehen, keinerlei Möglichkeit 1963 In Deutschland: Impfung gegen Polio mit Sabin- Impf-
zur Stellung einer klaren und sicheren Diagnose gibt, sondern stoff gegen Polio Typ I
immer nur »Ausschließungsdiagnosen« gestellt werden kön- 1964 In Deutschland: Impfung gegen Polio mit Sabin-Impf-
nen, war gesetzlich festgelegt worden, daß zur Anerkennung stoff gegen Polio Typ II u. III
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202 VI. Impfschäden
. 1. Allgemeines
.
203

1968 In Deutschland: Impfung gegen Polio mit Sabin-Impf- teljahresschrift 18 Länder auf, in denen es bei einem eventuel-
stoff gegen Polio Typ I, 11u. 11(Dreifachimpfstoff) len Impfschadensfall entsprechend kenntnisreiche Ansprech-
1968 Impfstoff gegen Meningokokkenmeningitis der Erre- partner gibt, die Rat und Hilfe erteilen. Außerdem finden sich
ger des Typs C in der Zeitschrift die Anschriften der Elternverbände impf-
1971 Impfstoff gegen Meningokokkenmeningitis der Erre- geschädigter Kinder verschiedener Länder.
ger des Typs A
1973 Kunz: Impfstoff gegen FSME (Zecken-Impfung)
Liste Repräsentativer Personen und Organisationen:
1976 Der erste hitze stabile Masern-Impfstoff
1976 Erste Anwendung des Hepatitis- B-Impfstoffes Argentinien:
1984 Impfstoff gegen Windpocken Dr. Jacobo Grinspan, Pringles 334, 5800 Rio Cuarto
1986 Erster gentechnologisch hergestellter Hepatitis- B-
Australien:
Impfstoff
Immunisation Investigation Group (II G) P.O. Box 9086, Katoomba,
1991 HIB- Impfung
New South Wales 2780
1991 Windpockenimpfung Vaccination Awareness and Information Service. P.O.Box 9086 Manly
1992 Impfung gegen Hepatitis A West, QLD 4179
Australian Council for Immunisation Information Inc. P.O. Box 177,
Die Unruhe der Bevölkerung über das Impfgeschehen macht Atarmon, NSW 2064
Vacccination Anwareness Network NSW, P.O.Box 177, Bangalow
sich durch das Erscheinen verschiedener Bücher und Zeit-
NSW 2479 Phone/tax +61 66871699
schriften auf dem Büchermarkt bemerkbar.
So ist in Belgien kürzlich eine äußerlich unscheinbare Zeit- Belgien:
schrift erschienen. Sie heißt: »The International Vaccination Zelfhulpgroep vaccinatieziekten vzw, Edelweisstraat 45, 3530 Hoult-
Newsletter« (übersetzt etwa »Internationales Impf-Rund- halen-Oost Tel.: +32-89-385359 Fax +32-89-304982
schreiben«). Herausgeber ist Dr. Kris Gaubiomme, Kreken- Louise Maguire Foundation, Krekenstraat 4,3600 Genk
Infor Vie Saine ASBL, 143, Petit Babin, B-5020 Malonne Tel.: +32-81-
straat 4, B-3600 Genk. Wegen des straff organisierten Ge- 445283
sundheitswesens wird in den technisch hoch entwickelten
Ländern mit guter Sozialstruktur am meisten geimpft, dem- Dänemark:
entsprechend hoch sind in diesen Ländern die durch Impfun- Mette Lone Albrechtsen, Viekrer 26, Fjelstrup, DK-6100, Haderslev
gen angerichteten Schäden. Sie führen zu entsprechenden
Deutschland:
Gegenreaktionen der Bevölkerung. Impfschäden aber werden
Schutzverband für Impfgeschädigte e.v., P.F. 1105
vertuscht, verschwiegen oder heruntergespielt. In der Fern-
35620 Hüttenberg, Tel.: 06441-71670
sehsendung »Schreinemakers live« am 28.10.1992 behauptete
beispielsweise der Leiter des Gesundheitsamtes Köln, Impf- Finnland:
schäden seien »ganz, ganz, ganz, ganz selten«. Immunisation Awareness Society of Finland (IASF), Box 217 SF-1301
Dr. Kris Gaublomme aber zählt in der Nr. 1/96 seiner Vier- Vantaa, Finland
...
204
.............................................................................
VI. Impfschäden
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2. Was ist ein Impfschaden? 205

Frankreich: Republik San Marino:


Association Liberte Information Sante, 19 rue de l' Argentiere. 63200 Comitato per la Liberta di Scelta Terapeutica. Via F. Biondo 46, Serra-
riom Tel.: +33-73-630221. valle 47031.
Ligue nationale pour la Liberte des vaccinations 4, Rue Saulnier, 75009
Spanien:
Paris, Tel.: 0032 48244360
Grup Medic de Reflexio sobre les Vacunes, dr. Joan Mora & dr. Xavier
Großbritannien: Uriarte, Carrer Nou 12-2n-1a, 17001 Girona. Tel.: +34-72-202803.
Liga para la Libertad de Vacunaci6n. Gran Via de les Corts Catalanes,
Association of Parents of Vaccine Damaged Children, 2 Church Street,
439, 5e, 2a 08015 Barcelona. Tel.: 34-93-4266559
Shipston on Stour Warwickshire CV36 4AP, Tel.: +44-660861595.
The Informed Parent, 19 Woodlands Road, Harrow, Middlesex HAI Schweiz:
2RT. Tel.: +44818611022. Vaccination Information, P.O.Box 43, Hull
Arbeitsgruppe für differenzierte MMR-Impfungen, Postfach, CH-3000
HU11AA Bern-9.
Groupe medical de reflexion sur le vaccin ROR, Case postale, 1010 Lau-
Israel:
sanne 10.
Brain Damaged Children Rehabilitation Association, P.O.B. 484 Kefar
Saba 44104. Tel.: 972-52-450510; 972-3-5239129 USA:
National Vaccine Information Center I Dissatisfied Parents Together, 512
Italien: W. Maple Ave., Suite 206, Vienna, V.A. 22180. Tel.: +1-703-938 0342.
Coordinamento del Movimento Italiano per la Liberta di Vaccinatione, Fax: 1-703-938 5768. Vaccination Alternatives, POB 346, New York,
Via Milano 65, 25126 Brescia. Tel.: 030-317474, Fax: 030-318558. NY 10023. Tel.: +1-212-870-5117. Austin Vaccine Information and
Awareness Group, 12621 Picket Rope Lane, Austin, TX 78727;
Kanada: Tel.: 5128324176; Fax: 5128738771. Ohio Parents for Vaccine Safety,
Vaccination Risk Information & Alternative Resource Group, 49 Benla- 251 W. Ridgeway Dr. Dayton, Ohio 45459.
mond Ave. #1, Toronto, Ontario, M4E1 Y8. Association for Vaccine
Damaged Children, 67 Shier, Winnipeg, Manitoba R3R 2H2. Tel.: +1-
204-895-9192. Vaccine Alternatives, Landsdowne Mall, P.O. Box
2. Was ist ein Impfschaden?
88034, Richmond BC V6X 3T6. Tel.: +1604276-0048

Neuseeland: Ein Impfschaden ist ein über das übliche Ausmaß einer
Immunisation Awareness Society Inc., P. o. B. 56048, Dominion Road, Impfreaktion hinausgehender, meist bleibender Gesundheits-
Auckland. Vaccination Information Network P.O.Box 149, Kaeo, schaden. Bei Verdacht auf einen Impfschaden ist zunächst die
Northland Klärung wichtig, ob die für den eventuellen Impfschaden in
Frage kommende Impfung überhaupt »öffentlich empfohlen«
Niederlande:
war, denn nur für »öffentlich ernpfohlene« Impfungen sind
Nederlandse Vereniging Krities Prikken, Leuterhoek-Weg 25,6171 RW
die gesetzlichen Bestimmungen des Bundes-Seuchengesetzes
Stein. Tel.: +31-46-337859.
maßgebend. Eine bundes einheitliche Regelung gibt es aber
Österreich: nicht, denn die Durchführung von Impfungen ist Angelegen-
Schutzverband für Impfgeschädigte, Hertzstr. 23, 4024 Linz heit der Länder (siehe Abbildung 5.61). So gibt es Unter-
..............................................................................
..206 VI. Impfschäden
................................................................................
207
4. Erklärung der Begriffe postvakzinale Enzephalitits und postvakzinale Enzephalopathie

schiede bei der Beurteilung von Impfschadensanträgen und 1. die Impfung (durch Eintragung im Impfpaß nachgewiesen),
dementsprechend Streitigkeiten. In Bayern sind folgende 2. die Impfkrankheit, d. h. »ein über das übliche Ausmaß
Impfungen - auch in Form von Mehrfachimpfungen - einer Impfreaktion hinausgehender Gesundheitsschaden«.
»öffentlich ernpfohlen«: Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Dieser Gesundheitsschaden macht sich nach Meinung der
Poliomyelitis, Tuberkulose, Röteln, Influenza, Masern, Schulmedizin bei den verschiedensten Impfungen in einer
Mumps, Tollwut, Frühsommermeningitis, Virushepatitis B ganz verschieden langen Zeit, der sogenannten Inkuba-
und die HIB-Impfung. Sollte nun der Verdacht auf eine Impf- tionszeit, bemerkbar. Die verschieden langen» Inkubations-
schädigung bestehen, dann müßte den Eltern Mut gemacht zeiten« werden in Kapitel X, Abs. 1 bis 14 aufgezählt.
werden, die Impfschadensmeldung einzureichen. Von vielen 3. Spätfolgen, die zu Krankheitsbildern »passen« müssen, wie
Ärzten wird von einer Impfschadensmeldung mit dem Hin- sie heute als Impfspätfolgen anerkannt sind.
weis auf »hohe Prozeßkosten« abgeraten. Das sind unrichtige Das sind in erster Linie Hirnschäden, Lähmungen,
Behauptungen, denn zunächst muß der Antrag beim Versor- Krampfanfälle. D. h. im menschlichen Gehirn müssen
gungsamt gestellt werden. Das kostet nichts. Selbst wenn es Areale betroffen worden sein, die für das Auftreten von
zu einem Rechtsstreit bei einem Sozialgericht kommt, so sind Hirnschäden, Lähmungen, Krampfanfällen verantwortlich
auch Sozialgerichtsprozesse kostenfrei. Wird ein Leidenszu- sind. Hierbei ist der Punkt 2, medizinisch gesehen, meines
stand als »entschädigungspflichtiger Impfschaden« anerkannt, Erachtens unrichtig, denn nur in den seltensten Fällen läßt
dann erfolgt die Entschädigung nach den Bestimmungen des sich eine Impfkrankheit nachweisen. Diese Meinung ist
Bundesversorgungsgesetzes, das heißt, ein Impfgeschädigter aber »Gesetz«, und hierin ist nach meiner Ansicht der
wird genauso versorgt wie ein Kriegsbeschädigter. Hauptgrund zu sehen, warum bei uns fast 60 % der einge-
reichten Impfschadensanträge abgelehnt werden konnten.
Der Versuch, eine Schizophrenie, eine erbliche Erkrankung
3. Symptome einer Impfschädigung oder irgendwelche anderen chronischen Erkrankungen als
»Impfschaden « zu deklarieren, ist aus diesen gesetzlichen
Im allgemeinen wird ein Impfschaden nicht sofort nach einer Gründen aussichtslos.
Impfung entdeckt, sondern vielfach erst Wochen, Monate
oder unter Umständen auch erst Jahre später. In unserer
Bevölkerung ist das Wissen über Schädigung durch Impfun- 4. Erklärung der Begriffe postvakzinale Enzephalitis
gen äußerst gering. Daher denkt beim Nachweis eines Intelli- und postvakzinale Enzephalopathie
genzdefektes oder eines Krampfleidens niemand mehr an die
vorangegangenen Impfungen. In einem solchen Fall hat das Daß Impfungen Schäden verursachen, konnte nicht mehr
Einreichen eines Impfschadensantrages kaum Erfolgsaussich- bestritten werden, nachdem Prof. Lucksch, Pathologe an der
ten. Es müssen nämlich drei bestimmte Punkte zur Anerken- Universität in Prag, in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten
nung eines bestehenden Leidens als »entschädigungspflichti- den Beweis - für den ursächlichen Zusammenhang solcher
ger Impfschaden« zweifelsfrei nachgewiesen werden: Hirnschäden mit einer vorangegangenen Impfung erbrachte.
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208 VI. Impfschäden
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4. Erklärung der Begriffe postvakzinale Enzephalitits und postvakzinale Enzephalopathie
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209

Lucksch veröffentlichte zwischen 1924 und 1927 mehrere de Vries als »postvakzinale Enzephalopathie« (= nach Imp-
Arbeiten und nannte die durch die Pockenimpfung verur- fungen auftretende Gehirnerkrankung). Diese Bezeichnung
sachte Hirnschädigung »postvakzinale Enzephalitis- (pvE). wurde von de Vries sehr treffend gewählt, weil sich eben Ent-
Wie es damals zu Luckschs Entdeckung kam, ist in meiner zündungszeichen - die in der Medizin mit der Endsilbe »itis«
Arbeit »Postvakzinale Enzephalitis und postvakzinale Enze- bezeichnet werden - nicht finden lassen.
phalopathie«, »Med. Welt« 22, S.1697 (1971), nachzulesen. Bei den wenigen Fachleuten, die sich mit Impfschäden
1938 waren es die österreichischen Professoren Kaiser und befaßten, bürgerte sich in der folgenden Zeit die Unterschei-
Zappert, die über 240 bis dahin in Österreich bekannt gewor- dung in die »blande postvakzinale Enzephalopathie« bzw. in
dene Fälle berichteten. Sie übernahmen die von Prof. Lucksch die »postvakzinale Enzephalitis« ein. Beispielsweise erschien
geprägte Bezeichnung, nannten die Krankheit »postvakzinale 1972 im Schattauer-Verlag eine Broschüre des Hamburger
Enzephalitis- und legten ihre Erfahrungen in einem Buch Impfanstaltsleiters, Prof. Ehrengut, und seiner Mitarbeiter mit
gleichen Namens nieder. Was ihnen damals in seiner Bedeu- dem Namen: »Die postvakzinale Enzephalopathie«. Diese
tung nicht aufgefallen war - und später einer ganz besonderen Unterscheidung in die beiden verschiedenen Krankheitsfor-
Beachtung bedurfte - war folgendes: Von ihren 240 in dem men ist immer noch nicht zum Allgemeinwissen der Medizin
eben genannten Buch erwähnten Kindern waren 237 am Zeit- geworden, obwohl sie weitreichende Folgen hat. Sie erklärt
punkt der Impfung älter als drei Jahre. Nur drei befanden sich beispielsweise, warum es scheinbar in Deutschland weniger
im ersten bis dritten Lebensjahr. In Deutschland schrieb das Impfschäden gab als in Österreich. Die Enzephalitis ist näm-
Impfgesetz vor, daß die Impfung bis zum Ende des Kalender- lich ein gut erkennbares Krankheitsbild, während die Enze-
jahres zu erfolgen habe, welches auf das Geburtsjahr folgt. Im phalopathie kaum oder sehr schwer erkennbar ist. In Öster-
Gegensatz zu Österreich wurde bei uns also im ersten bzw. reich (Spätimpfung) wurden die Impfschäden erkannt - in
im zweiten Lebensjahr geimpft. Damit spielt das Alter, in dem Deutschland (Frühimpfung) jedoch nicht (vergl. S.44 und 45).
ein Kind geimpft wird, eine große Rolle. Der holländische Die Enzephalopathie ist aber in ihrem akuten Stadium nicht
Pathologe E. de Vries zeigte, daß das kindliche Gehirn wegen nur schwer erkennbar, sondern sie erzeugt auch in einem viel
seiner Unreife bis etwa zum dritten Lebensjahr nicht in der größeren Maße Spätschäden. Es gehört zum medizinischen
Lage ist, auf die durch die Impfung gesetzte Schädigung in Allgemeinwissen, daß Spätfolgen um so schwerer sind, je jün-
einer bestimmten Art, die wir Entzündung nennen, zu reagie- ger ein Kind zum Zeitpunkt einer Schädigung war. Unglück-
ren. Es kommt in den ersten drei Lebensjahren lediglich zu licherweise wurde zu Zeiten der unseligen Pockenimpfung bei
einem enormen Hirnödem. Darunter wird der Austritt von uns lange Zeit die Frühimpfung propagiert, das heißt die Imp-
ungeformten Blutbestandteilen aus den Blutgefäßen verstan- fung in den ersten sechs Lebensmonaten. Das führte nicht zu
den. Dadurch kann sich das Hirngewicht fast verdoppeln einer Verringerung der Impfschadensfälle, sondern nur zu
(normal ca. 1250 g beim erwachsenen Mann). Die weichen einer schwereren Erkennbarkeit, zu einer Zunahme der
Hirnhäute sind immer blut- und flüssigkeitsreich, und Hirn- Todesfälle und zum Auftreten besonders schwerer Spätfolgen.
druckzeichen fehlen fast nie. Es handelt sich somit um eine Verständlich, daß die etablierte Medizin einem Wort, das so
Bluthirnschrankenstörung. Diese Reaktionsform bezeichnete viel Negatives beinhaltet, nicht sehr freundlich gegenüber-
210 VI. Impfschäden
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4. Erklärung der Begriffe postvakzinale Enzephalitits und postvakzinale Enzephalopathie

stand. Daher wurden in der neuesten Zeit immer wieder Ver- sehr symptomarm vor sich gehen kann. So heißt es beispiels-
suche unternommen, neue Worte zu erfinden, die beiden weise in dem Buch »Anhaltspunkte für die ärztliche Gutach-
Krankheitsformen gerecht werden. Bisher ist das jedoch noch tertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem
nicht gelungen, und wegen der scharfen Unterscheidung der Schwerbehindertengesetz, Ausgabe 1983«, im Punkt 57
beiden Krankheitsformen sollte an dem Wort »blande post- b) »Kornplikationen am Nervensystem
vakzinale Enzephalopathie« fest gehalten werden. Da heute Postvakzinale Enzephalopathie (überwiegend bei Kindern
unsere Kinder vorwiegend im Enzephalopathiealter geimpft unter zwei Jahren) und postvakzinale Enzephalitis (Enze-
werden, ist zu verstehen, daß bei Begutachtungen der Aus- phalomyelitis ):
druck »postvakzinale Enzephalitis« gebraucht wird. Mit der Inkubationszeit drei Tage bis drei Wochen, meist sieben bis
Begründung einer nicht vorhandenen Symptomatik dieser zehn Tage. Akute Erscheinungen: Bewußtseinstrübungen
Erkrankungsform werden eingereichte Impfschadensanträge bis zur Bewußtlosigkeit, Fieber über den zehnten Tag nach
abgelehnt. der Impfung hinaus, seitenbetonte oder generalisierte
Es ist daher festzuhalten, daß die seinerzeit in Nordböh- Krampfanfälle (besonders oft bei der Enzephalopathie),
men an den Folgen der Pockenimpfung gestorbenen Kinder, Gliedmaßenlähmungen, gelegentlich isolierte Hirnnerven-
in deren Gehirnen Lucksch die spezifischen Veränderungen lähmungen, seltener Meningismus.
fand, ohne Ausnahme älter als 3 Jahre waren. Die postvakzinale Enzephalopathie (bzw. Enzephalitis)
Für den im Gesetz geforderten »über das übliche Ausmaß geht nicht immer mit ausgeprägten derartigen Symptomen
einer Impfreaktion hinausgehenden« Gesundheitsschaden, einher. Sie kann auch symptomarm (aber nicht symptom-
der sich angeblich in einer bestimmten Zeit nach der Impfung los!) verlaufen und wird dann oft als »blande Enzephalopa-
bemerkbar machen muß, gibt es nun bestimmte Zeitabstände thie« bezeichnet. Wenn eine solche Enzephalopathie zur
zwischen Impfung und dem Auftreten dieser Gesundheits- Frage steht, ist neben einer genauen Feststellung der
störung. Man spricht von einer sogenannten »normierten Krankheitserscheinungen und Verhaltensauffälligkeiten
Inkubationszeit«, Wird das Kind in dieser »Inkubations-s-Zeit (zum Beispiel Apathie, abnorme Schläfrigkeit, Nahrungs-
im weitesten Sinne »krank« (es genügt schon eine kleine verweigerung, Erbrechen), die während der Inkubations-
Unpäßlichkeit) oder ereignet sich etwa gar ein Krampfanfall, zeit nach der Impfung vorgelegen haben, eine eingehende
so ist die Diagnose »Enzephalopathie« damit gesichert. In den Ermittlung und Würdigung des weiteren Verlaufes notwen-
meisten Fällen ist es gelungen, für so abgelaufene Fälle die dig. Dabei ist vor allem zu prüfen, ob auf einen Entwick-
Anerkennung als »entschädigungspflichtiger Impfschaden« zu lungsknick (deutlicher Entwicklungsstillstand, Verlust
erstreiten. bereits erworbener Fähigkeiten) im Anschluß an die Imp-
Das war nicht nur bei der Pockenimpfung so, das ist bei fung geschlossen werden kann, oder ob eine Progredienz
den heute gebräuchlichsten Impfungen nicht anders. Streitig- von hirnorganischen Störungen zu erkennen ist. Bei einem
keiten um die Anerkennung mit den Versorgungsbehörden Impfschaden ist eine solche Progredienz nicht zu erwarten,
rufen die weniger dramatischen Fälle hervor. Aber es wird wenn nicht hirnorganische Anfälle den Hirnschaden mitbe-
heute zugegeben, daß die Impfschädigung eines Kleinkindes stimmen. Überdies muß beachtet werden, daß in der Regel
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212
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VI. Impfschäden
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5. Klinische Beschreibung einer Impfschädigung 213

eine Parallelität zwischen dem Schweregrad des Sympto- Kennzeichen für einen Impfschaden, das ist der sogenannte
menbildes der postvakzinalen Enzephalopathie (bzw. »Entwicklungsknick nach der Impfung«. Wenn ein Kind die
Enzephalitis) und dem Ausmaß der Folgen besteht; nach Meilensteine einer ungestörten, regelrechten frühkindlichen
einer symptomarmen Enzephalopathie ist nicht mit einem Entwicklung zeitgerecht erreicht hat, auf einer bestimmten
sehr schweren Hirnschaden zu rechnen.« Entwicklungsstufe dieser Entwicklung aber stehenbleibt und
Der »Punkt 57« der Neuausgabe 1996 ist mit dem Text der in einer nicht allzu langen Zeit davor eine Impfung stattge-
Ausgabe 1°1983wortgleich. funden hat, kann angenommen werden, daß die Impfung
Die »Anhaltspunkte« sind bezüglich des Kapitels »Irnpf- Ursache dieses Entwicklungsknickes war. Nur - wie erkennt
schäden« außerordentlich wortkarg. Dagegen werden Infek- man bei einem Kind im ersten oder zweiten Lebensjahr einen
tionskrankheiten, die seit Jahren kaum noch eine Rolle spie- Entwicklungsknick? Viele Eltern führen ja eine Art Tagebuch.
len, auf 18 Seiten in aller Gründlichkeit erörtert. Bekanntlich Aber kann genau bestimmt werden, wann das erste Lächeln
verursacht jede gegen eine bestimmte Infektionskrankheit kam? Wann konnte das Kind das erste Mal das Köpfchen
gerichtete Impfung mehr oder weniger häufig Impfschäden. heben? Wann kam die Stimmfühlungnahme? Wann kam der
Die Schilderung der Art dieser Schäden hingegen wird auf erste Blickkontakt? Alles das sind fließende, langsame, zeit-
nur 8 Seiten abgehandelt. Die Einzelbeschreibungen umfassen lich nicht genau bestimmbare Entwicklungspunkte, und es ist
meist nur eine, manchmal zwei, selten mehr als drei Zeilen. schwer, hier zu merken, wann eine solche Entwicklung ste-
Trotz dieser Wortkargheit aber wird im Punkt 57, Absatz 2, henblieb. Was bedeutet es, wenn heute zugegeben wird, daß
wie eben geschildert, das Vorkommen der »blanden Enzepha- die Impfschädigung eines Kleinkindes symptomarm verlaufen
lopathie« ausdrücklich erwähnt. kann? Sie kann sich zum Beispiel durch Unruhe, Schreckhaf-
tigkeit und Reizbarkeit bemerkbar machen, andererseits aber
auch durch auffallende Bewegungs- und Reaktionsunsicher-
5. Klinische Beschreibung einer Impfschädigung heit, Schläfrigkeit, Apathie und Benommenheit bis hin zur
Bewußtlosigkeit. Auch uncharakteristische Störungen wie
Medizinisch gibt es nichts - keine Blutuntersuchung, keine Erbrechen, Hautverfärbungen, Temperaturanstieg usw. kön-
Röntgenuntersuchung, keinerlei charakteristische Merkmale nen Symptome einer Impfschädigung sein. Oft scheuert das
usw., durch welches bei einem bestehenden Leiden geklärt Kind den Kopf an Gegenständen (Kopfschmerzen). Meist
werden kann, ob es ein Impfschaden ist oder nicht. Von einer aber verläuft das akute Stadium der Hirnschädigung eines
Epilepsie (= Fallsucht) beispielsweise kann nicht gesagt wer- Kleinkindes fast symptomlos. In Nr. 119/59 der »Beiträge zur
den, ob sie ursächlich auf eine Impfung zurückzuführen ist, pathologischen Anatomie« wurde darauf hingewiesen, daß die
ober ob es sich um eine gewöhnliche, meist angeborene Epi- postvakzinale Enzephalopathie, im Gegensatz zur klassischen
lepsie handelt. Entscheidend ist die Schilderung der Eltern für Enzephalitis, keine erkennbaren Leitsymptome habe. Fünf
die Zeit nach der Impfung, ob in der mehrfach genannten Jahre später wies Herrlich in der »Deutsch. Med. Wschr.«
normierten Inkubationszeit sich irgend etwas Krankhaftes 87/62 darauf hin, daß bei der postvakzinalen Enzephalopathie
ereignet hat oder nicht. Eigentlich gibt es nur ein sicheres die Entwicklung der pathologisch-anatomischen Veranderun-
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214 VI. Impfschäden
. 5. Klinische Beschreibung einer Impfschädigung
.
215

gen (Veränderungen im Zentralnervensystem) eine gewisse 4. Therapieresistente Krampfanfälle


Krankheitsdauer voraussetze, aber nach außen hin kaum oder Bei einer »gewöhnlichen« Epilepsie, die meist vererbt ist,
überhaupt nicht erkennbar sei. gelingt es fast immer, die Krampfanfälle durch entsprechende
Nachfolgende Erscheinungen sind als »Hauptsymptome« Medikamente auszuschalten. Bei den durch Impfungen verur-
zu bezeichnen - wenn sie vorhanden sind: sachten Krampfzuständen gelingt dies meist nicht. Häufig
berichten die Eltern, daß sie von einem Arzt zum anderen
1. Schlafsucht mit Schlafumkehr
gelaufen seien. Das hat folgende Gründe: Die Mutter spürt,
Kurz nach der Impfung finden die Eltern im Bett einen schla- daß etwas mit ihrem Kind nicht in Ordnung ist. Weil das
fenden Säugling, während er sonst an der Bettkante stand und Kind nicht reagiert, wird häufig angenommen, es liege eine
auf die Mutter wartete. Die Nahrungsaufnahme ist ungestört, Hörstörung vor, und so wird zunächst der Hals-Nasen-
aber gleich danach schläft das Kind wieder ein. Wochen später Ohrenarzt aufgesucht. Der aber findet die Ohren in Ord-
kommt es zu einer Umkehr des Schlafrhythmus. Das Kind ist nung. Besteht eine Störung in der statischen Entwicklung,
nachts wach und unruhig. Dafür schläft es am Tage. Diese wenn beispielsweise das Kind mit 18 oder 24 Monaten noch
Schlafsucht fand sich häufig bei Impfschäden nach der nicht frei laufen kann, dann erfolgt der Gang zum Orthopä-
Pockenimpfung, aber auch bei den heute gebräuchlichen Imp- den. Dieser stellt meist regelwidrige Gesäßfalten fest und ver-
fungen ist dies ein wichtiges Symptom. ordnet ein Spreizhöschen. Später stellt sich dann heraus, daß
2. Interessenlosigkeit die Hüftgelenke in Ordnung sind. Erst allmählich wird der
Intelligenzdefekt offensichtlich. Nun folgt häufig eine Unter-
Nichts erregt die Aufmerksamkeit des Kindes, keine Person,
keine Sache, keine Blume, kein vorbeifahrendes Auto. Es ist suchung in einem Kinderkrankenhaus, in einer U niversitäts-
kein Blickkontakt herzustellen. Die Eltern berichten, daß das Kinderklinik oder in einer Abteilung für Jugendpsychiatrie.
sonst mit Freude durchgeführte Fotografieren des Kindes kei- Hier werden alle Untersuchungs methoden zur Anwendung
nen Spaß mache, weil die Aufmerksamkeit fehle. Das Inter- gebracht, um als Ursache eine Erkrankung zu finden und um
esse des Kindes richtet sich nicht mehr auf den merkwürdigen damit den Verdacht auf einen Impfschaden ausschließen zu
Apparat, sondern die Blicke gehen inhaltslos ins Leere. können. Läßt sich eine solche Ursache nicht finden, wird das
Kind mit der klinischen Diagnose »Hirnschaden« oder »früh-
3. Unmotiviertes Schreien (besonders nach der Keuchhusten- kindlicher Hirnschaden unklarer Genese« oder »unklarer
impfung) Hirnschaden« usw. entlassen. Es gibt eine alte medizinische
Die Eltern berichten über lang andauerndes, unaufhörliches Regel, die besagt, daß ein diagnostizierter schwerer Hirnscha-
und unverständliches Geschrei, das wegen seiner Schrillheit den sehr wahrscheinlich durch eine Schädigung entstanden
besonders auffällig ist. Eventuell markiert ein einziger, unge- sein muß, die »von außen« (exogen) das Hirn betroffen hat.
wöhnlich schriller Schrei oder ein kurzer Krampfanfall, der Leichte Hirnschäden hingegen sind meist angeboren (endo-
sich aber kaum von dem normalen Säuglingszappeln unter- gen). Leichte Intelligenzdefekte werden als »Debilitat«
scheidet, den Beginn der Hirnschädigung. bezeichnet (= eine mehr oder weniger ausgeprägte Verringe-
rung der Lernfähigkeit). Bei den schweren Intelligenzde-
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216 VI. Impfschäden
. 5. Klinische Beschreibung einer Impfschädigung
.
217

fekten, die fast immer durch ein äußeres Ereignis verursacht Arzt zum anderen. Da die Hochschulmedizin keine Hilfe bie-
worden sind, unterscheiden wir zwei Formen: ten kann (die Kinderärzte zucken mit den Schultern und wei-
sen die Eltern ab), folgt das Aufsuchen der medizinischen
a) die Imbezillität Außenseiter. Wenn auch von deren Bemühen kein Erfolg zu
Dabei handelt es sich um einen Intelligenzdefekt stärkeren ersehen ist, führt der Weg zum Heilpraktiker. Hier wird ihnen
Grades. Der Wortschatz ist klein, das Zahlenverständnis zunächst barmherzig der Glaube an eine Besserung belassen.
reicht meist nur bis zehn. Arbeit - wenn überhaupt - nur Häufig werden auch Behandlungsversuche unternommen, die
als Hilfsarbeiter. Dieser Intelligenzdefekt wird von der aber bei echten, wirklichen Impfschäden keine Besserung
Umwelt rasch bemerkt. bringen können. Eine Behandlung mit dem Ziel einer wirkli-
chen Besserung beim Vorliegen eines Zustandes nach Enze-
b) die Idiotie phalopathie oder Enzephalitis ist nicht möglich. Durch die Be-
Darunter wird der schwerste Grad eines Intelligenzdefek- handlungsversuche beim Heilpraktiker aber wird den Eltern
tes verstanden. Die Grenze zwischen einer Imbezillität und Zeit gelassen, sich mit der Gewißheit des Schicksals ihres Kin-
einer Idiotie ist die Sprache. Es handelt sich um Menschen, des bzw. mit der Unheilbarkeit seines Zustandes auseinander-
die nicht sprechen können. Sie sind allein nicht lebensfähig zusetzen und - vielleicht - mehr oder weniger - abzufinden.
und müssen dauernd betreut und beaufsichtigt werden. In der Zeitschrift »Erfahrungsheilkunde«, Heft 4, S. 233
Dies ist die schwerste Schädigung, die einem Menschen (1985) veröffentlichte ich: »Über Impfschäden und über Impf-
zugefügt werden kann, die es gibt und die überhaupt denk- schadens-Anerkennungsverfahren« und schilderte 15 typische
bar ist. Abläufe. Bei jedem Einzelfall wurde die »Laufzeit« angege-
ben. (»Laufzeit« = die Zeit zwischen der Stellung des Antra-
Viele Kliniken fragen nicht oder nur sehr beiläufig nach ges beim zuständigen Versorgungs amt bis zur Anerkennung
durchgeführten Impfungen. Angeblich, um Impfungen bei des Leidens als »entschädigungspflichtiger Impfschaden«).
der Bevölkerung nicht in Mißkredit zu bringen und um die Die kürzeste Laufzeit betrug 4 Jahre und 9 Monate, die
Impfmoral nicht zu gefährden. Fast alle Kinder, über die ich längste Laufzeit betrug 27 Jahre und 11 Monate.
bisher Gutachten zu erstatten hatte, sind in Kinderkranken- Im Kaiserreich sind Impfungen vorwiegend von den Staatl.
häusern, Kinderkliniken oder jugendpsychiatrischen Abtei- Gesundheitsämtern durchgeführt worden. Da diese straff
lungen eingehend untersucht und mit den oben genannten organisiert waren, mußten alle Impfzwischenfälle dem dama-
Diagnosen entlassen worden. Das heißt, die Hochschulmedi- ligen Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin gemeldet wer-
zin hält gesichertes medizinisches Wissen zum Nachteil der den. Diese Meldepflicht blieb bestehen, als aus dem Kaiser-
impfgeschädigten Kinder zurück. Nach den Klinikaufenthal- lichen Gesundheitsamt das Reichsgesundheitsamt und nach
ten und nach derartigen Diagnosen, die meist mit der Auffor- dem Zweiten Weltkrieg das Bundesgesundheitsamt entstand.
derung verbunden sind, das Kind in einer Anstalt »unterzu- Da auch heute alle Impfzwischenfälle dem Bundesgesund-
bringen«, führt dies zu schwersten seelischen Reaktionen. Für heitsamt gemeldet werden müssen, muß diese Behörde über
die Eltern geht der Leidensweg weiter. Sie laufen von einem eine lückenlose bzw. fast lückenlose Liste aller seit 1875 durch
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218 VI. Impfschäden
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5. Klinische Beschreibung einer Impfschädigung

Impfungen geschädigter Personen verfügen. Im letzten Krieg das Vakuum eingebrachten Präparates führen zu einer Ablen-
hat es im damaligen Reichsgesundheitsamt schwere Bomben- kung des Elektronenstrahles und werden dadurch auf einem
schäden gegeben. Möglich, daß die alten Akten dabei vernich- Fluoreszenzschirm indirekt sichtbar. Bakterien und Viren sind
tet worden sind. Aber aus der Zeit nach Beendigung des letz- Eiweißstoffe, also für unseren Körper Fremdeiweiß, die in un-
ten Krieges liegen im Bundesgesundheitsamt exakte Zahlen serem Blut sowohl über die Blutzellen, als auch über das Blut-
vor. Diese Zahlen sind niemals veröffentlicht worden. Ich serum bestimmte Wirkungen auslösen. An ihren Oberflächen
habe mehrfach versucht, diese Zahlen zu erhalten. Meine Bitte tragen sie »charakteristische Merkmalc«, an denen sie von un-
ist stets abgewiesen worden, teils mit dem Hinweis, das Bun- serem Immunsystem erkannt werden können. Diese Merkmale
desgesundheitsamt hätte keine Zahlen, teils aber auch mit der werden »Antigene« genannt. Dafür vorgesehene Blutzellen
Begründung, die ärztliche Schweigepflicht ließe dies nicht zu, bilden gegen diese Antigene Abwehrstoffe aus, die man »Anti-
und außerdem würden die Bestimmungen der Datenschutzge- körper« nennt. Auch das sind Eiweißmoleküle, welche durch
setze die Veröffentlichung dieser Zahlen nicht erlauben. die Verbindung mit den Antigenen diese unschädlich machen.
Erstmalig wurde jetzt im »Bundesgesundheitsblatt« 12/93, Unser Immunsystem behält ein »Erinnerungsvermögen«
S. 516 und 3/94, S. 109 zugegeben, daß im Bundesgesundheits- zurück und ist in der Lage, beim erneuten Auftreten dieser
amt Impfschadens-Zahlen vorhanden sind, was bisher immer Antigene sofort mit der Bildung großer Mengen Antikörper zu
bestritten wurde. Erstaunlicherweise wurde berichtet, daß es reagieren, die sich nun rasch mit den eingedrungenen Anti-
nach DPT-Impfungen 71, nach DPT-Polio-Impfungen 63, genen verbinden und diese dadurch ungefährlich machen. Das
nach P(Pertussis)-Impfungen 19, nach DPT-Masern-Polio- dauert eine gewisse Zeit, geht meist mit Fieber und Kranksein
Impfungen 16 und nach DPT-Masern-Impfungen einen aner- einher, das Resultat nennt man »Irnmunitat«,
kannten Impfschaden gegeben habe. D. h., 170 anerkannte Die Schulmedizin behauptet, durch Impfungen den gleichen
Impfschadensfälle, deren Schädigung vermutlich auf der »P« Vorgang auslösen zu können. Durch Einbringen von abgetöte-
(Pertussis oder Keuchhusten)- Komponente beruht. Wie ver- ten (Totimpfstoff) oder abgeschwächten (Lebendimpfstoff)
trägt sich das mit der Behauptung von Stehr und Heininger - Erregern gelänge es, den gleichen Vorgang auszulösen und ge-
die Keuchhustenimpfung sei ganz ungefährlich und verur- wissermaßen durch eine kleine, leichte Erkrankung (die Imp-
sache überhaupt keine Impfschäden? (vgl. S. 183). fung) die gleiche, dauerhafte Immunität zu erzielen wie durch
Im Anschluß an meine Vorträge höre ich häufig die Frage: das Überstehen der entsprechenden Infektionskrankheit.
»Was passiert eigentlich in den Körpern unserer Kinder oder Tatsächlich treten nach durchgeführten Impfungen im Blut
in unseren eigenen Körpern nach - oder durch eine Impfung?« durch komplizierte Verfahren nachweisbare und meßbare
Die meisten Infektionskrankheiten werden durch Viren Stoffe - eben die sogenannten »Antikörper« auf, und man
oder durch Bakterien verursacht. Bakterien können durch be- gla u bt, durch diesen Nachweis im positiven Falle den Beweis
stimmte Färbemethoden angefärbt werden, dadurch werden einer bestehenden Immunität, das heißt einer bestehenden
sie im Mikroskop sichtbar. Viren hingegen sind wesentlich Schutzwirkung, geführt zu haben. Man vergißt, daß die Anti-
kleiner, sie können nur durch das Elektronenmikroskop indi- gen-Antikörper-Reaktion reine Theorie ist. In einem Land, in
rekt sichtbar gemacht werden. Das heißt, die Strukturen des in dem Infektionskrankheiten, gegen die geimpft wird, nicht
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220 VI. Impfschäden
. 6. Der Impfschadensantrag
.
221

mehr vorkommen oder kaum noch eine Rolle spielen, kann allen Sanatorien und bei allen Gesundheitsämtern an und bitten
unbesorgt Jahrzehnt für Jahrzehnt weiter geimpft (und ver- um Berichte. Sie versuchen, Argumente und Befunde zu finden,
dient) werden. Der Gegenbeweis, nämlich daß die Impfung gar die den Ursprung des Leidens aufklären. Gibt es irgendwelche
keine Schutzwirkung hat und Geimpfte an der Krankheit er- Hinweise, die gegen die im vorigen Kapitel genannten drei
kranken, gegen die sie geimpft worden sind, wird wegen des Punkte sprechen, so wird der Antrag abgelehnt. Es ist deshalb
Fehlens entsprechender Infektionsquellen nie erbracht werden wichtig, daß ein Antrag von vornherein richtig formuliert
können. wird. Wo kann ein Antragsteller Hilfe erhalten?

Bereits 1977 kann bei Haas in seiner Veröffentlichung »Über 1. Es ist immer ratsam, zuerst mit dem »Schutzverband für
einige Fragen der Impfung« (vDer praktische Arzt«, S.2972 Impfgeschädigte« zu sprechen.
(1977) folgender Satz nachgelesen werden: Anschrift:
Schutzverband für Impfgeschädigte e. V.
»Ob die Bestimmung der Serumantikörper in jedem Fall die Postfach 1105
für den Schutzeffekt relevante Information liefert, ist zweifel- 35620 Hüttenberg
haft, zumindest offen.« Tel. u. Fax: 06441/71670
»Irn Grunde bieten alle In-Vitro-Methoden zur Feststel- 2. Ein anderer Weg ist die möglichst frühzeitige Einschaltung
lung des Immunisationseffektes durch Blutuntersuchungen eines erfahrenen Juristen.
nur Ersatzinformationen für die Antwort auf jene Frage, die Anschrift:
bei einer Impfung allein interessiert: Wie verhält sich der Dr. jur. Bernhard Giese
Geimpfte bei der Exposition? Haaggasse 26
Leider kann gerade diese Frage in vielen Fällen nicht zuver- 72070 Tübingen
lässig beantwortet werden ... « Telefon: 07071122900
»Der Leser muß wissen, daß es vielfach auf die Frage, wie Dr. Giese kann - da er kein niedergelassener Rechtsanwalt
groß der Schutzeffekt einer Impfung ist und wie lange er ist - nur in Zusammenarbeit mit anderen Rechtsanwälten
anhält - keine zuverlässige Antwort gibt!« tätig werden.
3. Die erfahrenste Anwältin in Deutschland ist meines Erach-
tens die Rechtsanwältin Julia Bütikofer in Nürnberg.
6. Der Impfschadensantrag Anschrift:
Rechtsanwältin Julia Bütikofer
Nach unseren gesetzlichen Bestimmungen kann der Impfscha- Happburger Straße 132
densantrag in formloser Art und Weise bei den Versorgungs- 90482 Nürnberg 30
behörden gestellt werden. Diese sind dann gesetzlich ver- Telefon: 0911/5048221 oder 0911/504112 (privat, am
pflichtet, den Vorgang aufzuklären. Die Versorgungsämter Abend)
fragen dann bei allen Ärzten, bei allen Krankenhäusern, bei
................................................................................
222 VI. Impfschäden 6. Der Impfschadensantrag 223

Im Strafrecht gilt vor den ordentlichen Gerichten der Grund- negatives Gutachten in der Akte immer ungünstig. Deshalb
satz »in dubio pro reo« (das heißt: »irn Zweifel für den Ange- sollte versucht werden, wenn schon ein Gutachter benötigt
klagten«). Einem Mörder oder einem Schwerverbrecher muß wird, dann einen Gutachter zu nehmen oder dem Gericht vor-
die Tat nachgewiesen werden (mit 51 %). Bestehen Zweifel an zuschlagen, der von der Materie etwas versteht.
seiner Schuld, muß er nach unseren gesetzlichen Vorschriften
freigesprochen werden. 1. Der erfahrenste und kenntnisreichste Gutachter in Deutsch-
In einem Impfschadensprozeß gilt dieser Grundsatz nicht. land ist Prof. Wolfgang Ehrengut.
Hier besteht eine Amtsermittlungspflicht des Gerichtes. Ziel Anschrift: Prof. Wolfgang Ehrengut, Am Kroog 5, 22147
des Prozesses ist die Überzeugungsbildung des Richters. Das Hamburg 73, Telefon: 040/6473979
Gericht muß zu der Überzeugung gelangen, daß die Impfung Prof. Ehrengut war früher im Glauben, daß die Pocken-
- und nur die Impfung - Ursache des Gesundheitsschadens impfung einen Schutz vor den Pocken hinterlasse. Dem-
des Antragstellers ist. Da in dieser Hinsicht ein »zweifelsfreier zufolge fielen auch seine Gutachten bei Schäden nach
Beweis« von einem nicht-sprechen-könnenden Kind bzw. von Pockenimpfung meist negativ aus, womit der »Schutzver-
den Eltern dieses Kindes nicht erbracht werden kann, wurde band für Impfgeschädigte e. Y.« häufig nicht zufrieden war.
im Bundes-Seuchengesetz ein Weg geschaffen, um weiterzu- Bei Schäden aber nach allen anderen Impfungen sollte ver-
kommen. Nämlich: »Der Beweis gilt als erbracht, wenn sich sucht werden, Herrn Prof. Ehrengut als Gutachter einzu-
eine große Klinik (oder ein entsprechender Gutachter) dahin- schalten. Er ist der Gutachter in der Bundesrepublik, der
gehend ausspricht.« auch weitgehende Kenntnisse der ausländischen Literatur
Da Eltern normalerweise von den Gepflogenheiten im hat. Ganz besonders bei Impfschadensverdacht nach
Sozialrecht keine Ahnung haben, fragen sie das Versorgungs- Keuchhustenimpfung, Polio-Impfung, nach Lähmungen,
amt, bei dem sie den Antrag gestellt haben, welche Klinik denn die als Folge der Tetanusimpfung aufgetreten sind, und
nun in Frage käme. Von den Versorgungsämtern wird meistens besonders bei Verdacht auf Hörstörungen als Impffolge
die nächstgelegene Universitäts-Kinderklinik oder der Chef sollte Prof. Ehrengut befragt werden. Hörstörungen kön-
eines in der Nähe gelegenen Kinderkrankenhauses, besonders nen fast nach allen Impfungen auftreten, was aber in der
gern aber ein Arzt gewählt, von dem das Versorgungsamt an- Schulmedizin weitgehend unbekannt ist.
nehmen kann, daß er in einem Gutachten den Impfschaden ab-
lehnt. Hier muß darauf geachtet werden, daß das nicht eintritt. 2. Ein ebenso erfahrener Gutachter ist Prof. Dr. med. Ulrich
Impfschäden sind relativ selten, so daß es viele Kliniken gibt, Keuth.
die von dieser Materie keine Ahnung haben. Da man sich aber Anschrift:
einem solchen Gutachtenauftrag nicht entziehen kann, darf Am Brückweiherhof 7
oder möchte, wird ein solcher Antrag auch von Kliniken oder 66593 N eunkirchen/Saar
Krankenhäusern angenommen, die in Wirklichkeit noch nie Telefon: 06821/31382
einen Impfschaden gesehen haben. Wenn es sich dabei auch Prof. Keuth sollte speziell bei Schäden nach der Diphthe-
häufig um wenig kenntnisreiche Gutachten handelt, so ist ein rie- Impfung zu Rate g,zogen werden.
.............. ....... .. ................... .. ......"
..224 VI. Impfschäden
. ................................................................................
6. Der Impfschadensantrag 225

3. Prof. Dr. med. Hans W. Kreth der Befangenheit und kann von der anderen Partei mit einem
Universitätskinderklinik Ablehnungsantrag beantwortet werden. Zur Vorbereitung
J osef-Schneider-Straße 2 einer Impfschadensklage kommt allerdings ein Privatgutach-
97080 Würzburg ten in Betracht. Es hat den Zweck, den Sachverhalt sachkun-
Telefon: 093112011 dig festzustellen und mit der Klage nur Behauptungen vorzu-
Prof. Kreth hat besondere Erfahrungen bei fraglichen Schä- tragen, die Hand und Fuß haben. Der Sinn des Privatgutach-
den nach der Masernimpfung. Auch für schwierige Fragen tens liegt darin, Sachverhalt und Wertung so vorzuprüfen, daß
der gegenseitigen Beeinflussung von Herpes-Erkrankungen die Wahrscheinlichkeit des Prozeßerfolgs deutlich erhöht
bzw. Herpes-Enzephalitis in der Inkubationszeit, beispiels- wird. Die Stellungnahmen des versorgungs ärztlichen Dienstes
weise der Keuchhustenimpfung, sollte Prof. Kreth ange- stellen auch Privatgutachten dar, weil sie nicht vom Gericht
sprochen werden. bestellt worden sind. Die Unterscheidung zwischen Gerichts-
gutachten und Privatgutachten betrifft nur den Auftraggeber,
4. Ein weiterer sehr erfahrener Gutachter für die Frage evtl.
nicht die Methode gutachtlichen Arbeitens. Jedenfalls dienen
Hörstörungen nach vorangegangener Enzephalopathie ist
Gutachten zur kritischen Beweiswürdigung, gelten also nicht
Prof. Dr. med. Christian von Deuster
an sich, sondern müssen vom Adressaten des Gutachtens ge-
Klinik und Poliklinik für HNO-Kranke
würdigt und gewertet werden. Jedes Gutachten unterliegt
J osef-Schneider-Straße 11
dem Vorbehalt rechtlichen Gehörs. Es gibt also keine Ge-
97080 Würzburg
heimgutachten. Gutachten haben in der Logik der Forschung
Telefon: 093112 012372
einen bestimmten Stellenwert. Jedes Gutachten muß auf sach-
5. Sollte es auch heute noch Streitigkeiten um Impfschädi- liche Richtigkeit zielen und der Kritik zugänglich und bedürf-
gungen nach der Pockenimpfung geben, so sollte Prof. Dr. tig sein. Gutachten müssen sich im Rechtsstreit bewähren.
med. Christof Wunderlich als Experte hinzugezogen wer- Viel hängt vom Vorverständnis des Gutachters ab. Ganz
den. allgemein kann gesagt werden: Nenne den Namen des Gut-
Weidenstraße 65 achters, dann ist eine Aussage möglich, wie sein Gutachten
82110 Germering (U nterpfaffenhofen) ausfallen wird.
Telefon: 089/845098 Kinderärzte, die vom Nutzen und Segen der Impfungen
überzeugt sind, tun sich schwer, einen Impfschaden anzuer-
Es ist nicht ratsam, bei Impfschadensverdacht einen bekann- kennen.
ten ärztlichen Gutachter anzurufen und um Erstattung eines Im Sozialgerichtsprozeß kann das Gericht nach § 106 SGG
Gutachtens zu bitten. Gutachten außerhalb eines Prozesses ein Gutachten einholen, wenn es selbst Beweisbedarf erkennt.
sind Privatgutachten. Taucht im Prozeß ein Beweisbedarf auf, Ein Gutachten nach § 109 SGG wird vom Gericht angeord-
so ist es Sache des Gerichts, einen Gerichtsgutachter zu beru- net, wenn der Kläger sich zum Beweis seiner Behauptung auf
fen und von Amts wegen zu beauftragen. Die Kontaktauf- das Gutachten eines bestimmten Arztes bezieht.
nahme einer Partei mit dem Gutachter erzeugt die Besorgnis Im Prozeß spielen Privatgutachten meistens keine Rolle,
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226 ......................................................................
VI. Impfschäden
................................................................................
7. Gesetzliche Bestimmungen 227

weil das Gericht das Beweisverfahren steuert. Natürlich sind kennung sind leider so abgefaßt, daß bei den komplizierten
im »Schutzverband« auch die Namen derjenigen Gutachter Anerkennungsverfahren der größte Teil der eingereichten
bekannt, von denen ablehnende Gutachten zu erwarten sind. Anträge abgelehnt werden kann. Den Eltern bleibt nur der
Hier wird den Antragstellern geraten, das Klageverfahren Weg einer Klage vor dem Sozialgericht übrig. Die Richter der
durchzuführen. Sozialgerichte aber sind, wegen der schwierigen Materie, auf
die Gutachten der Sachverständigen angewiesen, und hier
dürfte es verständlich sein, daß von Ärzten, die selbst impfen
7. Gesetzliche Bestimmungen und an Impfungen verdienen, nur selten objektive Gutachten
erwartet werden können. Professor Georg Dick aus England
Die Anerkennung als »entschädigungspflichtiger Impfscha- drückte das in der Fachzeitschrift »British Medical journal«
den« ist gesetzlich geregelt. Die entsprechenden Bestimmun- (17.Juni 1971) folgendermaßen aus: »And few doctors like to
gen finden sich in den §§ 51 und 52 des Bundes-Seuchengeset- attribute a death or complication to a procedure which they
zes (BSeuchG). Das Gesetz regelt zunächst Fragen der Aner- have recommended and in which they believe« (d. h.: Nicht
kennung eines Leidens und besagt, daß für Entschädigungslei- viele Ärzte neigen dazu, derartige Folgen einer Methode
stungen die Bestimmungen der Kriegsopferfürsorge maßgeb- anzulasten, die sie selbst propagieren und an die sie glauben.)
lich sind. Damit werden auch die Anerkennungsbestimmun- Seit 1. 7. 83 (s. S.46) besteht in Deutschland kein Pocken-
gen, wie sie in der Kriegsopferfürsorge üblich sind, zur Aner- Impfzwang mehr. Nach Abschaffung des Impfzwangs gilt für
kennung von Impfschäden gültig. Diese Anerkennungskrite- die Impfung dasselbe wie für jede andere ärztliche Handlung:
rien finden sich in der Broschüre »Anhaltspunkte für die Die Impfung ist eine Körperverletzung im Sinne des § 223
ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht StGB. Die Rechtswidrigkeit der Körperverletzung entfällt nur
und nach dem Schwerbehindertengesetz, Ausgabe 1996«, dann, wenn der ärztliche Eingriff durch informierte Zustim-
hrsg. vom Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. mung des Patienten gerechtfertigt ist. Wenn die Zustimmung
Bereits 1971 wurden die damaligen »Anhaltspunkte« um das des Patienten rechtswirksam sein soll, muß sie auf ausreichen-
Kapitel »Impfschaden« erweitert, die entsprechenden Aus- der ärztlicher Aufklärung beruhen. Die ärztliche Risikoauf-
führungen finden sich jetzt in den Punkten 56 und 57. Hat klärung über Impfkomplikationen erfordert im Grunde ein
nun eine betroffene Familie nach langwierigen Kämpfen und eigenes Kapitel. Das OLG Stuttgart hat im Urteil vom
Verhandlungen die Anerkennung des Zustandes ihres Kindes 12.6.85 - 3 U 188/84 - dargelegt, daß eine Impfung rechts-
als »entschädigungspflichtiger Impfschaden- erkämpft, so widrig ist, wenn über die typischen Impfrisiken nicht sachge-
erfolgen die Entschädigungsleistungen in der gleichen Höhe, recht aufgeklärt worden ist. Die Rechtsprechung hat sich
wie sie für Kriegsbeschädigte gewährt werden. Die entspre- inzwischen verschärft, weil nicht nur der Aufklärungsfehler
chenden Richtlinien finden sich im »Bundesversorgungsge- zur Rechtsfolge der Haftung führt, sondern auch noch eine
setz« (BVG), das aus 92 Paragraphen und zahlreichen Durch- Feststellung über die Kausalität zwischen Aufklärungsfehler
führungsverordnungen besteht. Die gesetzlichen Bestimmun- und aufgetretenem Impfschaden erforderlich ist. Wenn ein
gen und der vorgeschriebene Weg zur Erlangung einer Aner- Patient über Impfrisiken aufgeklärt wird, sich dann aber den-
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228 VI. Impfschäden
. 8. Was baldigst geändert werden sollte
.
229

noch zur Impfung entschließt, so kann sich der Patient auf die »Die Meldepflicht für alle Fälle zerebraler Komplikationen
Aufklärungsrüge nicht mehr berufen, weil der Patient nach nach Pockenschutzimpfung ist unumgänglich.«
Aufklärung geimpft wurde und die Aufklärung nicht zum Seit 40 Jahren wird von vielen Ärzten, Wissenschaftlern, ja
Anlaß genommen wurde, die Impfung abzulehnen. Der Impf- selbst von staatlichen Dienststellen eine Meldepflicht über
arzt muß beweisen, daß er sorgfältig aufgeklärt hat. Kann er Impfschäden gefordert. Professor Ehrengut hat vielfach in sei-
das nicht beweisen, drohen ihm Rechtsnachteile in zivilrecht- nen Veröffentlichungen darauf hingewiesen, daß wir ohne
licher und strafrechtlicher Hinsicht. Die Einzelheiten sind Meldepflicht keine klaren Vorstellungen über die durch Imp-
nachzulesen in dem Heftehen »Aufklärungspflicht aus ärztli- fungen entstandenen Schäden haben. Aber all diese Forderun-
cher und juristischer Sicht« von Dr. jur. Karl Josef Franz und gen haben zu keinen entsprechenden Reaktionen geführt. Es
Dr. med. Karl-Justus Hansen, Hans Marseille Verlag GmbH, entsteht daher der Eindruck, daß die Staats medizin und die
München. Hier heißt es auf Seite 17: »Beim Kunstfehlerpro- Gesundheitspolitiker gar nicht daran interessiert sind, zu
zeß muß der klagende Patient dem Gericht den schuldhaft erfahren, wie viele Kinder durch Impfungen getötet oder
verursachten Behandlungsfehler des Arztes und dessen geschädigt worden sind. Die Bevölkerung und die Ärzte
U rsächlichkeit für den geltend gemachten Schaden beweisen erfahren über Impfschäden als Gegenstand der Forschung,
... stützt der klagende Patient jedoch seine Klage auf die aber auch über statistische Zahlen des Statistischen Bundes-
Behauptung, sein Einverständnis zum Eingriff beruhe auf amtes in Wiesbaden grundsätzlich nichts.
unzureichender Aufklärung und sei daher nichtig, wird die Meines Erachtens sollten folgende Punkte baldigst geändert
Beweislast auf den beklagten Arzt verlagert. Der Arzt muß werden:
beweisen, daß er sorgfältig aufgeklärt hat und die Einwilli- 1. Impfen sollte eine Privatsache des Bürgers sein. Die Ko-
gung des Patienten auf ausreichender Aufklärung beruht.« sten sollte tragen, wer geimpft werden will. Die Wirksamkeit
Gelingt dem Arzt dieser Beweis nicht, so wird er wegen vieler Impfungen ist ungewiß, viele sind unnötig. Die Gefah-
Fahrlässigkeit verurteilt, sofern der Aufklärungsfehler kausal ren werden in Abrede gestellt. Daher sollte es dem Bürger
für den Schaden war. Der Arzthaftpflichtprozeß wird häufig überlassen bleiben, ob er sich (oder seine Kinder) impfen las-
durch die Frage entschieden, wer die Beweislast hat. sen will - oder nicht. Wer an Impf-Segnungen »glaubt«, soll
Wird Schmerzensgeld wegen Impfschädigung gefordert, so sich impfen lassen. Jedoch ohne direkten Zwang und ohne
verjährt ein solcher Anspruch binnen 3 Jahren ab Kenntnis Angstschürung, etwa mit der Drohung, Kinder würden in
von Schaden und Schädiger. Kindergärten und in Schulen ohne Impfungen nicht aufge-
nommen. Die Impfpropaganda sollte aufhören und Impfun-
gen sollten nicht »öffentlich empfohlen« werden (weil das
8. Was baldigst geändert werden sollte beim Bürger den Eindruck der Gefahrlosigkeit hervorruft).
2. Die Aufklärung über Risiken, Komplikationen und Schä-
Im Text der Broschüre »Gutachten des Bundesgesundheits- den durch Impfungen sollte wissenschaftlich kontrolliert und
amtes über die Durchführung des Impfgesetzes« aus dem vereinheitlicht werden.
Jahre 1959 heißt es auf S. 87: 3. Die Kosten für Impfungen sollten nicht länger von der
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f30 VI. Impfschäden
. 8. Was baldigst geändert werden sollte
.
231

Solidargemeinschaft, also von den Krankenkassen, bezahlt geklärt und damit die Selbstbestimmung des Berechtigten ver-
werden. Hier ließe sich sofort eine Kostendämpfung in Mil- letzt wurde. Was vollständig fehlt, ist ein Standard-Lehrbuch
lionenhöhe im Gesundheitswesen herstellen. Da sich eine sol- zur Impfschadens- Beurteilung. Anwälte wissen häufig nicht,
che Maßnahme, auf lange Sicht gesehen, auch auf die Anzahl daß es nebeneinander ein Impfschadens-Sozialrecht nach den
der anerkannten Impfschadensfälle auswirken würde, lägen Vorschriften des Bundes-Seuchengesetzes sowie ein Impf-
die erzielten Einsparungen in Milliardenhöhe. schadens-Zivilrecht nach den Vorschriften des BGB gibt.
4. Das 2. Gesetz zur Änderung des Bundes-Seuchengeset- 8. Rechtsfolgen für Impfschäden sind ein weites Feld. Die
zes bedarf einer Novellierung, d.h. einer Anpassung an neue- nachvollziehbare Praxis des Impf-Strafrechtes wird vermißt.
ste Erkenntnisse. In dieser N ovellierung sollte die Melde- Es muß klar sein, daß Impfungen eine Körperverletzung sind
pflicht für Impfschadensfälle, aber auch für Impfschadensver- und der Rechtfertigung bedürfen, um nicht rechtswidrig zu
dachtsfälle, gesetzlich verankert werden. sein. Es ist eine Rechtstatsache, daß Kinderärzte durch Imp-
5. Anfragen beim Bundes-Gesundheitsministerium oder fungen im Durchschnitt über 5000,- Euro pro Jahr verdienen
beim Bundes-Gesundheitsamt werden mit dem Hinweis - und wegen des Verdienens ein Interesse an der Durchführung
Impfen sei Ländersache - beantwortet. Die Ausführungsbe- von Impfungen haben. Unsere Rechtsordnung bedroht Kör-
stimmungen zum § 52 des Bundes-Seuchengesetzes werden perverletzungen und Tötungen mit Strafe. Staatsanwaltliehe
von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt. Ermittlungsverfahren und Arztstrafprozesse wegen Impfschä-
Dies führt zu großen Ungerechtigkeiten in Fragen sowohl der digungen wurden in 40 Jahren nicht erlebt. Das Strafrecht gilt
Anerkennung eines Leidens als Impfschaden aber auch in Fra- anscheinend nicht für Impfärzte.
gen der Entschädigungsleistungen. 9. Es fehlt eine europäische Angleichung und Vereinheit-
Aus Gerechtigkeitsgründen sollten einheitlichere Bestim- lichung des Impfschadensrechts. Der Versorgungsanspruch
mungen geschaffen werden. nach § 51 des Bundes-Seuchengesetzes stellt in Europa ein
6. In der Praxis des Impfschadens-Versorgungsrechts und Unikat positiver Art dar. In anderen europäischen Ländern
des Impfschadens-Entschädigungsrechts sollte stärker berück- werden Impfschäden zum allgemeinen Lebens- und Gesund-
sichtigt werden, daß Impfschäden Arzneimittelschäden im heitsrisiko gezählt, das der einzelne als Schicksal hinzuneh-
Sinne des § 84 AM G sind. Deshalb sind die Normen dieses men hat. Impfschäden aber sind kein Schicksal, sondern eine
Gesetzes anwendbar. Insbesondere, was die Haftung des Arz- gesundheitspolitische Zumutung im Sinne der Aufopferung.
neimittelherstellers betrifft, wenn über bekannte N ebenwir- Es wird sich die Frage stellen, zu welcher Rechtsfolge Impf-
kungen eines Impfstoffes durch den Hersteller nicht genü- schäden in der Europäischen Union führen. Eine Diskussion
gend informiert wurde. darüber gibt es nicht, weil die staatlichen Gesundheitspoliti-
7. In der beruflichen Fortbildung der Richter und Anwälte ker noch immer an eine Senkung durch Impfungen glauben
sollte stärker berücksichtigt werden, daß es unter bestimm- und die Tatsache der Impfschäden ignorieren. Die Europäi-
ten Bedingungen Schmerzensgeldansprüche bei Impfschäden sche Union wird eines Tages eine Initiative zur Impfschadens-
gibt. Beispielsweise, wenn vom Impfarzt Kontraindikationen forschung ergreifen und klarstellen müssen, wie Impfschäden
ignoriert wurden oder nicht sorgfältig über Impfrisiken auf- in der Europäischen Union zu behandeln sind.
232 VI. Impfschäden
.............. + . . 9. Drohungen und Bedrohungen
.
233

10. Wer impft oder an Impfungen verdient, sollte von der 9. Drohungen und Bedrohungen
Erstattung von Sachverständigengutachten in Impfschadens-
prozessen ausgeschlossen werden. Derartige Gutachter müs- Jeder Arzt erhält das »Deutsche Ärzteblatt«. Es wird in einer
sen immer als »befangen« angesehen werden. Auflage von fast 200000 Exemplaren hergestellt und erscheint
11. Gutachter in Sozialgerichtsprozessen sollten vom Pro- wöchentlich. Wer an den Schaltstellen dieser Zeitschrift sitzt,
zeßausgang des durch Zustellung des Gerichtsurteils unter- hat eine gewaltige Macht. In der letzten Nummer des Jahres
richtet werden. 1990 erschien ein Artikel mit der Überschrift: »Eine U nge-
Das Nichtzustellen der Sozialgerichtsurteile an Gutachter heuerlichkeit«. Darin wurde das Buch »Biologischer Ratgeber
hat beispielsweise dazu geführt, daß manche Gutachter in für Mutter und Kind« aus dem emu-Verlag in Lahnstein,
ihren negativen Gutachten immer wieder ihre Ablehnung erschienen 1989, kritisiert. Dieses Buch stammt aus der Feder
damit begründen: »Es sei nicht erwiesen, daß sogenannte von Dr. med. M. o. Bruker. Der Autor dieses Artikels, Pro-
Enzephalopathien einen schweren zerebralen Dauerschaden fessor Gladtke, scheint sich besonders über bestimmte Passa-
hinterlassen können.« Diese Ansicht wird in den »Anhalts- gen in diesem Buch geärgert zu haben, in denen sich Bruker
punkten« vertreten. Aber vielfach ist diese unrichtige Ansicht kritisch zu Impfproblemen äußert. Professor Gladtke schreibt
von den Sozial gerichten revidiert worden. Trotz ablehnender wörtlich: »Wir sind froh, daß dank einer ungeheuer aufwendi-
Gutachten wurden Fälle, deren Ablehnung auf dieser Mei- gen Aktion der WHO die Welt seit mehr als 12 Jahren
nung beruhen, zunehmend von den Sozialgerichten aner- pockenfrei ist.« Bezüglich der Pockenimpfung wird immerhin
kannt. Heute gibt es bereits zahlreiche derartige anerkannte im nächsten Abschnitt folgendes anerkannt: »Das Abwägen
Fälle. Trotzdem laufen beim »Schutzverband für Impfgeschä- zwischen Impfrisiko und Infektionsrisiko ist nicht mehr
digte e. v.« immer wieder ablehnende Gutachten ein und des- nötig.« Dann heißt es: »Die letzten Pockeneinschleppungen,
selben Gutachters mit derartigen Begründungen ein, weil der es sei nur an Meschede erinnert, haben Todesopfer gefordert,
Gutachter seinen Fehler nicht erfährt und aus seinen Fehlern aber nur bei nicht Immunisierten.« (Anmerkung: Nichtimmu-
nichts lernen konnte. Grundsätzlich aber ist unsere Rechts- nisierte = nicht Geimpfte.) Ein Arzt kann nur das wissen, was
ordnung richtig organisiert. Rechtspolitischer Bedarf einer er gelernt hat, und bei diesen Äußerungen rächt es sich, daß
Änderung der Gesetzeslage besteht nicht. Sie beruht auf dem die Schulmedizin seinerzeit und auch heute noch die Wahrheit
hier üblichen »Aufopferungsanspruch« des Bürgers, wie er über die Pockenausbrüche unterdrückt hat. Ich habe in den
schon im »Allgemeinen Landrecht- niedergelegt wurde. Das Nachkriegsjahren fast alle Orte besucht, in denen es Pocken-
heißt: Wer im Interesse der Allgemeinheit gesundheitliche ausbrüche gegeben hat, habe mit vielen ehemaligen an Pocken
Nachteile erleidet, hat Anspruch auf Entschädigung dieses Erkrankten gesprochen und die Ereignisse in mehreren
Nachteils durch die Allgemeinheit. Arbeiten detailliert geschildert. Ganz besonders hat mich der
Eine Schadensersatzpflicht des Impfstoffherstellers (wie Impfzustand der Erkrankten interessiert, das heißt, sind
früher in den USA üblich und von betroffenen Eltern immer damals Immunisierte (Geimpfte) oder sind Nichtimmuni-
wieder gefordert wird), löst unter deutschen Verhältnissen die sierte (U ngeimpfte) erkrankt und gestorben. Meine Arbeiten
Probleme nicht. habe ich damals fast ohne Ausnahme den Zeitschriften der
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VI. Impfschäden
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9. Drohungen und Bedrohungen
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Hochschulmedizin angeboten und habe sie von der »Deut- Auslandsreisen gefordert werden. Nur bei der Einreise in
sehen Medizinischen Wochenschrift«, von der »Medizini- wenige Länder wird der Nachweis einer bestimmten Impfung
sehen Klinik«, von der »Miinchner Medizinischen Wochen- gefordert. Eigentlich ist es nur die Gelbfieberimpfung, die
schrift« sowie von allen Zeitschriften der Kinderheilkunde dort vorgeschrieben ist. Über die Pocken heißt es in diesem
zurückbekommen. Damals schrieb mir beispielsweise Profes- Buch:
sor Lang, der Hauptschriftleiter der »Miinchner Medizini- »Seit mehr als 10 Jahren sieht die WHO die Pocken als aus-
schen Wochenschrift«, am 3.6.1974: »Wenn bei uns durch gerottet an. Eine Pockenimpfung ist somit nicht mehr
weitgehende Grundimmunisierung der Bevölkerung infolge gerechtfertigt: Sie kann sogar gefährliche Wirkungen für die
gesetzlicher Massenprophylaxe nicht ein gewisser Schutz geimpfte Person und deren engere Kontaktpersonen haben.«
vorhanden wäre, hätten wir bei eingeschleppten Pocken wohl Als ich in der Fernsehsendung »Report«, Süddeutscher
auch in wenigen Wochen Zehntausende von Toten ... Eine Rundfunk Stuttgart, am 2.2. 1970 gesagt hatte, daß die Schwe-
Population ohne jeden Impfschutz ... wäre ja völlig schutzlos sternschülerin Barbara Bernd in Meschede nicht an den
und wir müßten Seuchenzüge befürchten, mindestens so ver- Pocken, sondern an der Pockenimpfung gestorben sei, wurde
heerend wie im Mittelalter... Eine pockenfreie Menschheit ich als »Verrater der Wissenschaft« beschimpft. Ein Impfan-
würde es so schnell nicht geben.« Meine Arbeiten erschienen staltsleiter zeigte mich bei der Landesärztekammer München
dann in der Zeitschrift »Die medizinische Welt«. an. Das führte zu einem bis heute andauernden Schriftkrieg
Bekanntlich ist es gelungen, die Pocken auf der Welt zum mit fortgesetzten Bedrohungen. 1990 wollte man mich wieder
Verschwinden zu bringen. Kurz nach Erlangung dieses Zieles einmal »verurteilen«. Es kam aber nur eine »Rüge« heraus.
hieß es in der Zeitschrift der WHO »Weekly Epi. Rec.«: Mein damaliger Arbeitgeber - die BfA - wurde aufgefordert,
»... als Haupterfahrung könne gesagt werden, daß eine so mich zu bestrafen. Die Bezirksregierung von Oberfranken
gefährliche Infektionskrankheit wie die Pocken allein durch wurde vorstellig und die Amtsärzte fielen in den Tageszeitun-
Isolierungs- und Quarantänisierungsmaßnahmen zum Ver- gen über mich her. Die gleichen Ärzte, die mich damals mit
schwinden gebracht wurde.« den Worten wie »Scharlatan«, »Außenseiter« oder mit Worten
Im Bericht des Generaldirektors des Exekutivkomitees der aus der Gosse bezeichnet hatten, die klopften mir nach
WHO zum Programm der Pockenbekämpfung aus dem Jahre Abschaffung der Pockenimpfung 1983 auf die Schultern und
1977 heißt es: »Während des 10jährigen Kampfes um die Aus- sagten: »Ich bin ja ganz Ihrer Meinung, ich habe es ja immer
rottung der Pocken hat sich gezeigt, daß sich die Pocken auch schon gewußt, daß diese Impfung ein überflüssiges Fossil
in vollkommen durchgeimpften Bevölkerungen ausbreiten war,«
können. Infolgedessen ging man zu einer anderen Strategie Kürzlich sagte Professor Koch, Vorsitzender der STIKO, in
über: Die Massenimpfungen wurden durch gezielte Überwa- einer Rundfunkdiskussion im Süddeutschen Rundfunk Stutt-
chung und Behandlung des Übels ersetzt.« gart vom 25.1.1992:
Kurz danach nannte die WHO die Pockenimpfung eine »Die Pockenimpfung hatte ganz erhebliche Nebenwirkun-
»unethische Maßnahme«. In dem Büchlein »Reisen und gen, und man kann auch heute immer nur beklagen, daß wir
Gesundheit- ist nachzulesen, wie wenige Impfungen bei eigentlich die Pockenimpfung so spät erst abgeschafft haben.
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VI. Impfschäden
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9. Drohungen und Bedrohungen 237

Wir hätten sie - vielleicht mit etwas mehr Mut - schon früher werden, daß vor Jahren der Arzt Dr. Issels auf Betreiben der
einstellen können.« Ärztlichen Standesorganisation ins Gefängnis gesperrt wurde,
Ich darf feststellen, daß ich damals der einzige Arzt auf der weil er Krebskranke nicht nach den Regeln der Schulmedizin
Welt gewesen bin, der die Lage richtig beurteilt hat und die behandelt hatte. Man denke an den Fall aus der Universitäts-
einzig richtige Schlußfolgerung gefordert hatte - nämlich die klinik Erlangen, in dem ein hirntotes Mädchen bei bestehen-
Abschaffung der Pockenimpfung. Wegen meines Einsatzes für der Schwangerschaft künstlich am Leben gehalten wurde mit
Impfgeschädigte, wegen meiner Vorträge und wegen meiner der Begründung, es solle versucht werden, das Kind in dem
impfkritischen Veröffentlichungen werde ich seit Jahren von toten Körper seiner Mutter am Leben zu erhalten. Den ent-
der Bayerischen Landesärztekammer in München mit ent- setzten Eltern wurde mitgeteilt, ihre Tochter sei über 18 Jahre
sprechenden Schreiben bedacht. Während Dr. Frenzel von der alt und es bestünden keinerlei elterliche Rechte. In einer Fern-
Bayerischen Landesärztekammer beispielsweise am 29.6.1990 sehsendung sagte die Mutter, sie vermute, daß sich ein Erlan-
geschrieben hatte: »Einer Sachdiskussion unter Kollegen wol- ger Professor auf Kosten ihrer Tochter den Nobelpreis habe
len Sie damit offensichtlich aus dem Wege gehen«, hieß es spä- verdienen wollen.
ter mehrfach: »Es wurde ferner ausdrücklich klargestellt, daß Diese Beispiele sollten zeigen, wie rigoros von der Schul-
weder der Ärztliche Kreisverband Hof noch die Bayerische medizin ihre Macht benutzt wird, um die Bevölkerung recht-
Landesärztekammer mit Ihnen ein wissenschaftlich geprägtes los zu machen, ihre Ansichten durchzusetzen und alles zu
Fachgespräch bzw. Fachauseinandersetzung führen wollen bekämpfen, was anderer Meinung oder anderer Ansichten ist.
bzw. können.« In dem Buch »Padiatrische Infektiologie«, herausgegeben
Was mir vorgeworfen und deshalb gerügt wird, ist: »Die von Urs. B. Schaad, erschienen 1993 im Hans Marseille Verlag
Überschreitung sachlicher Kritik, die geeignet ist, die Bevöl- GmbH München, steht auf S.15 folgender Satz:
kerung zu verunsichern. Eine Einschränkung der Wissen- »[eder Arzt und auch jeder Medizinstudent, der in wesent-
schaftsfreiheit würde dann vorliegen, wenn Ihnen das Recht lichen Punkten andere Meinungen vertritt, muß sich darüber
generell abgesprochen werden würde. Die Vergangenheit klar sein, daß er gegenüber seinen Berufskollegen ein Außen-
zeigte jedoch, daß dieses nicht der Fall war, ebensowenig in seiter ist, der mit seiner Meinung, sofern er/sie diese öffentlich
dem Falle, daß Sie in Fachkreisen Ihre Auffassung darlegen. vertritt, das Gesundheitswesen diffamiert.«
Vielmehr wird beanstandet, daß Sie die Grenzen der sachli-
chen Kritik weit überschreiten, wie oben zitiert.«
Aus diesem Grund wurde mir gemäß Art. 33 Kammerge-
setz eine Rüge erteilt. Wenn man bedenkt, daß die Bayerische
Ärztekammer lange Zeit einen Arzt als Präsident hatte, der
seit dem 1. November 1933 Mitglied der SS und seit dem
1. August 1934 Mitglied der NSDAP war - dann braucht man
sich über die undemokratische Einstellung der Bayerischen
Ärztekammer nicht zu wundern. Es soll auch nicht vergessen
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2. Autismus als Impffolge 239

VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr nes Erachtens gibt es keine Zweifel, daß die Unzahl der Imp-
fungen, die heute ein Kind über sich ergehen lassen muß (in
artfremden Eiweifles direkt in den
den ersten Lebensjahren bis zu 17 Impfungen) zu tiefgreifen-
menschlichen Organismus den Schäden führen können. In der Bundesrepublik gibt es im

, frühen Kindesalter bereits Seh- und Hörstörungen in bisher


nicht bekanntem Ausmaß. 5 % aller Babys schielen und jedes
20. Schulkind leidet an einer erheblichen Aufmerksamkeits-
1. Folgen unerkennbarer Minimalenzephalopathien störung. Zahlreiche Kinder lernen spät und dann auch noch
schlecht sprechen. Weitere Kinder sind kaum in der Lage, in
Bisher ist unsere Aufmerksamkeit ausschließlich von solchen der Schule das Lesen zu erlernen, sogar bis hin zur Alexie
Impfschäden in Anspruch genommen worden, die schwere oder Legasthenie. Nach einem Fernsehbericht vom 2.2.1990
Schäden bzw. dauerndes Siechtum zur Folge hatten, bei denen ist die Zahl der Analphabeten in der alten Bundesrepublik auf
ein höherer Grad der Behinderung (GdB) vorlag. Nun gibt es 3 Millionen angestiegen.
aber dazwischen gelegene Übergangsformen, d. h. Erkrankun-
gen und Erkrankungszustände, von denen man zunächst nicht
vermutete, daß es sich um impfbedingte Schäden handeln
2. Autismus als Impffolge
könnte, die unter Umständen auch auf einem ganz anderen
Gebiet liegen. Es sind besonders französische Ärzte, die über
derartige Übergangsformen berichten, wie z. B. Dr. Abeltier, Erkenntnisse bezüglich des sog. »autistischen Syndroms«
Chefarzt des Krankenhauses in Coulomier, Dr. Calmar und wurden erstmals von dem amerikanischen Kinderpsychiater
Professor Delore (siehe Kapitel X). Kanner 1943 beschrieben. Warum hat es dieses »Syndrom«
Nach Beendigung des letzten Krieges wurden derartige nicht schon früher gegeben? Beim »echten« Autismus sind -
unerklärliche Veränderungen bei Kleinkindern beschrieben. nach Auffassung von Kanner - zwei Kardinalsyndrome nach-
Die Berichte hierüber kamen vorwiegend aus Ländern, in zuweisen:
denen besonders viel geimpft wird. In Deutschland beginnen
die Impfungen am Tag nach der Geburt, in den Vereinigten 1. Eine extrem autistische Abkapselung aus der menschlichen
Staaten im Alter von zwei Monaten. Beide Staaten liegen Umwelt und
damit an der Weltspitze. Ganz besonders in Amerika wurden 2. ein ängstlich zwanghaftes Bedürfnis nach Gleicherhaltung
in den sechziger Jahren die freiwilligen Impfungen in den der dinglichen Umwelt (Veränderungsangst).
meisten Bundesstaaten durch Pflichtimpfungen ersetzt. Heute
wird fast jedes amerikanische Kind gegen Keuchhusten, Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Kasuistiken veröffent-
Röteln, Kinderlähmung, Diphtherie, Mumps, Masern und licht, so daß heute eine fast unübersehbare Literatur über
Tetanus geimpft. Die Liste ist damit nicht abgeschlossen, denn autistische Kinder vorhanden und in ihrem Gefolge eine
die Pharmaindustrie erzeugt immer neue Impfverfahren. Mei- babylonische Sprachverwirrung ist. So wird beispielsweise
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240 VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden Eiweißes
. 3. Dementia infantilis (Heller) als Impffolge (=Hellersche Krankheit)
.
241

heute zur Stellung der Diagnose »Autismus« das Vorhanden- von Weygand als Einzelbeobachtung, danach von Heller und
sein von zwei weiteren Kardinalsymptomen gefordert: später von Zappert beschrieben. Es handelt sich um Kinder,
die sich zunächst völlig normal entwickeln und mit denen
3. eine Störung der Intelligenzentwicklung und man beispielsweise schon sprechen konnte. Dann trat plötz-
4. eine Störung der Sprachentwicklung. lich eine Änderung der Entwicklung ein. Als erstes Anzeichen
, machten sich Sprachstörungen bemerkbar und innerhalb
Entgegen dem klassischen Konzept von Kanner ist heute bei weniger Monate vollzog sich ein intellektueller Abbau. In
der Mehrzahl der als »autistisch« bezeichneten Kinder ein kurzer Zeit war aus einem fröhlichen Kind ein idiotisches,
Hirnschaden mit Schwachsinn nachzuweisen. Bei diesen Kin- oder, wie man damals sagte, ein verblödetes Kind geworden.
dern erhebt sich der Verdacht, daß es sich um unerkannte Heller nannte die Krankheit »Dernentia infantilis«, und um
Rest- oder Teilsymptome einer postvakzinalen Enzepha- ihn zu ehren, fügte Zappert die Bezeichnung »Heller« hinzu.
lopathie handelt, wie sie nach jeder Impfung unbemerkt Dadurch bürgerte sich in der folgenden Zeit die Bezeichnung
auftreten und ablaufen kann. Stammen schon bei einer Er- »Hellersche Krankheit-s ein. Die Diagnose »Dementia infanti-
krankung an Enzephalopathie die meisten Kinder aus intelli- lis« oder »Hellersche Krankheit« wird nach Zappert gestellt,
genten Familien, ist beim Autismus das dominierende Vor- wenn folgende Symptome nachzuweisen sind:
kommen der betroffenen Kinder aus intellektuellen Familien
geradezu die Regel und wird in der Literatur immer wieder 1. Beginn im 3.-4. Lebensjahr,
erwähnt. 2. Hervortreten von Sprachstörungen - oft das erste Sym-
Die Ursache des Autismus wird von der Schulmedizin ptom, das den Eltern auffällt,
heute in einer cerebroorganischen frühkindlichen Schädigung 3. Unruhe,
gesehen. Meines Wissens gibt es keine Untersuchung, ob es 4. zunehmende Demenz, die innerhalb eiruger Monate zur
Autismus auch bei nichtgeimpften Kindern gibt. Über mögli- völligen Verblödung führt,
che Zusammenhänge zwischen Autismus und Impfungen 5. nicht blödsinniger, ja zuweilen intelligenter Gesichtsaus-
wird in der Literatur - allerdings meist zögerlich - hingewie- druck,
sen (wie z. B. in der Arbeit von Ursula Waibel: »Autisrnus« 6. Fehlen aller körperlichen Symptome von seiten des N er-
»Med Sachvers.« 78, S.112, 1983). Die Anzahl autistischer vensystems, vollkommen unbehinderte motorische Lei-
Kinder wird in Deutschland auf 5000-6000 geschätzt. stungsfähigkeit,
7. schließlich stationärer Zustand ohne Beeinträchtigung der
körperlichen Gesundheit.
3. Dementia infantilis (Heller) als Impffolge (= HeIler-
sehe Krankheit) Bezüglich der Ursache war man ratlos. Weygand hielt die
Annahme »einer uns noch nicht näher bekannten organischen
Ähnlich dem Autismus verhält es sich mit der »Dernentia Schädigung des Gehimes« für die nächstliegende Erklärung.
infantilis«. Dieses merkwürdige Krankheitsbild wurde zuerst Zappert weist in seinen differentialdiagnostischen Überlegun-
...
242
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VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden Eiweißes
................................................................................
243
3. Dementia infantilis (Heller) als Impffolge (=Hellersche Krankheit)

gen auf die merkwürdige Tatsache hin: » ... daß ein bis dahin impfung verzichteten. Vor diesem Hintergrund müssen die
gesundes Individuum innerhalb weniger Monate vollkommen Ereignisse gesehen werden, die die drei Autoren Weygand,
idiotisch wird«. Einen Zusammenhang mit der Dementia Heller und Zappert veranlaßten, unerklärliche Krankheitsbil-
praecox (praecox = vorzeitig, frühzeitig) schließt Zappert aus der als »Dernentia infantilis« zu bezeichnen. Daß sich jenes
und stellt heraus, daß ein solcher Verlauf bei der Dementia Krankheitsbild mit seinen von Zappert postulierten Kardinal-
praecox nicht vorkommt. Im »Lehrbuch der speziellen Kin- symptomen mit der Symptomatik der »blanden postvakzi-
der- und Jugendpsychiatrie« von H. Bauer, Lempp, Nissen nalen Enzephalopathie« deckt, konnten damals Weygand,
und Strunk findet sich folgender Hinweis: »Wa~rscheinlich Heller und Zappert nicht wissen, denn zur Zeit ihrer Ver-
dürfte es biochemischen und anderen modernen Untersu- öffentlichung gab es weder in Österreich noch in Deutsch-
chungsmethoden in den kommenden Jahren gelingen, die land gesichertes Wissen über Impfschäden. Erst 1923 wurde
Zuständigkeit dieser Syndromdiagnose weiter zu verkleinern. der Begriff »postvakzinale Enzephalitis« durch Professor
Trotz dieses Schrumpfungsprozesses haben bisher die Er- Lucksch in Prag für Todesfälle nach Pockenimpfungen
kenntnisse der neuropathologischen und der biochemischen geprägt. Seit 1938 kennen wir Beschreibungen klinischer
Forschung noch nicht soviel Wissenswertes gebracht, um im Krankheitsbilder durch Kaiser und Zappert. Sie veröffentlich-
klinischen Alltag auf die Diagnose eines Heller-Syndroms ten in diesem Jahr 240 österreichische Fälle. Erst in der Nach-
verzichten zu können.« kriegszeit erkannte man die Impfschädigungsform des Klein-
Zum Verständnis wichtig ist folgendes: kindes, wie sie bei Kindern auftritt, die im ersten oder zwei-
ten ~ebensjahr geimpft wurden. Im Gegensatz dazu impften
1. Weygand und Heller beschrieben diese Krankheitsbilder die Osterreicher hauptsächlich im dritten und vierten Lebens-
1908, Zappert 1922. jahr, aber viele Eltern entschlossen sich für einen früheren
2. Heller und Zappert waren Österreicher. Termin. Damals wurde die Pockenimpfung als »Fortschritt«
3. Im Deutschen Impfgesetz war nach § 2 die Impfung »bis gepriesen, und so waren es besonders gebildete, belesene,
zum Ablauf des auf das Geburtsjahr folgenden Kalender- »fortschrittliche« Familien, die ihre Kinder im zweiten oder
jahres« vorgeschrieben. dritten Lebensjahr impfen ließen. Von den 6 von Heller
beschriebenen Kindern sind 3 die Kinder von Ärzten, auch
In Österreich hat es keinen dem deutschen Gesetz ver- unter den 7 von Zappert beschriebenen Fällen befindet sich
gleichbaren Impfzwang gegeben. Im Hofkanzleidekret vom das Kind eines Arztes. Unter den 14 von den drei Autoren
9.7.1836, welches meist als »Impfregulativ« bezeichnet wird, damals beschriebenen Fällen befinden sich somit 4 Ärztekin-
war eine Impfpflicht nicht vorgesehen. Von 1938 bis 1945 war der, denn unter Ärzten war der Glaube an den Segen der
in der »Ostmark« das deutsche »Reichsimpfgesetz« gültig. Pockenimpfung weit verbreitet. Noch im § 2 des Gesetzes aus
Nach Kriegsende trat in Österreich am 30.6.1948 das »Bun- dem Jahre 1948 wird behauptet, es sei »allgemein anerkannt,
desgesetz für die Schutzimpfungen gegen Pocken (Blattern)« daß Kinder in den ersten zwei Lebensjahren die Impfung am
in Kraft. Dieses Gesetz wurde etwa zur gleichen Zeit aufge- besten vertragen«. Heute wissen wir, daß dies ein Trugschluß
hoben, als alle europäischen Kulturstaaten auf die Pocken- war. In diesem Lebensabschnitt sind Impfschäden nicht selte-
244 VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden Eiweißes 4. HKS (= Hyperkinetisches Syndrom) 245
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ner, sondern nur schwerer erkennbar. So waren es damals in gnose »Hellersche Krankheit- könnte nur aufrechterhalten
Österreich eben besonders intelligente Familien, die der Impf- werden, wenn der Nachweis erbracht wird, daß auch
propaganda glaubten. Inzwischen haben wir in Deutschland ungeimpfte Kinder an der Symptomatik dieser Krankheit
gelernt, daß die Hirnschwellungszustände beim Kleinkind erkranken können. Nebenbei bemerkt, Heller war nicht, wie
nicht oder nur sehr schwer erkennbar sind. Es sind jene Kin- gelegentlich behauptet wird, ein Wiener Arzt, sondern Sozial-
der, bei denen irgendwo ein »Entwicklungsknick« eintritt und pädagoge und leitete eine Anstalt für geistig behinderte Kin-
die innerhalb weniger Monate vom gesunden Kind zum idio- der.
tischen Individuum werden. Man könnte es als eine Tragik
bezeichnen, daß der Erstbeschreiber klinischer Impfschadens-
fälle der gleiche Professor Julius Zappert aus Wien war, der 4. HKS (= Hyperkinetisches Syndrom)
1922 in der »Zeitschrift für Kinderheilkunde« die Dementia
infantilis beschrieb und damals anregte, diese mit dem Zusatz Motorisch unruhige Kinder hat es immer schon gegeben. Es
»Heller« zu versehen. Er erkannte freilich den Zusammen- sei an den »Zappelphilipp« im »Struwwelpeter« erinnert.
hang der Erkrankung dieser Kinder mit vorangegangenen Wissenschaftlich erfaßt wurde diese Störung erstmalig
Impfungen nicht, weil er ihn nicht erkennen konnte. Wir wis- bereits Anfang der dreißiger Jahre von Kramer und Pollnow.
sen nicht, ob die Kinder, an denen Heller damals die oben Bis heute konnte keine befriedigende Deutung gefunden wer-
geschilderten sieben Symptome beobachtete, geimpfte oder den. Bereits 1969 schrieb Manfred Müller- Küppers in der
ungeimpfte Kinder waren. Nach dem bisher Gesagten aber Broschüre »Das leicht hirngeschädigte Kind«: -Die Zahl der
können wir als sicher annehmen, daß die Kinder vorher frühkindlichen Hirnschäden ist größer und ihre klinischen
geimpft worden waren. Weygand, Heller und Zappert konn- Erscheinungsbilder sind vielfältiger, als früher bekannt war,«
ten die Diagnose »Impfschädigung« nicht nennen und auch In der letzten Zeit aber wurden verstärkt Mediziner und die
nicht ahnen. Heute würden wir ein solches Krankheitsbild als Öffentlichkeit auf eine andere, heute besonders unter Schul-
schweren Intelligenzdefekt als Folge eines Hirnschwellungs- kindern grassierende Störung aufmerksam, die man zunächst
zustandes nach einer Impfung im Sinne der blanden postvak- als »Hyperaktivitat« bezeichnete. Die Zahl dieser Kinder muß
zinalen Enzephalopathie (bpvEp) bezeichnen. Verständlich, langsam, aber stetig zugenommen haben, denn zur Zeit hört
daß in den Ländern, in denen die Frühimpfung üblich war man in Deutschland viel von solchen »verhaltensgestörten
(Holland und Deutschland), das häufigere Vorkommen von Kindern«, und diese Nervensägen sieht man auch allerorts. Es
Todesfällen nach Impfungen zum Auffinden der Enzepha- besteht kein Zweifel, daß in den letzten Jahren Aufmerksam-
lopathie zunächst durch die Pathologen (1959) führte. Später keitsstörungen bei Kindern beträchtlich zugenommen haben.
erfolgte die Beschreibung überlebender Fälle durch die Klini- Die Kinder sind unruhig, benehmen sich auffällig und aggres-
ker (1960). Es muß daher festgehalten werden, daß es eine siv. Im Extremfall wird dann von »schwer erziehbaren Kin-
»Hellersche Erkrankung« nicht gibt. Bei allen Kindern, die dern« gesprochen. In der alten Bundesrepublik Deutschland
unter dieser Diagnose in Heimen leben, besteht der Verdacht, (also ohne die fünf neuen Bundesländer) erhielten 1990 1,4
daß es sich um unerkannte Impfschäden handelt. Die Dia- Mill. Kinder unter 12 Jahren wegen dieser Hyperkinesie Psy-
247
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246 VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden Eiweißes 5. MCD (= Minimale Cerebrale Dysfunktion)

chopharmaka, d. h. Medikamente, die auf das seelische Verhal- schlimmer. In ihrem Buch »Dreifachimpfung - ein Schuß ins
ten dämpfend wirken, welche die Aktivität beeinflussen und Dunkle« schreiben Coulter und Fisher: »Die Zahl der lernbe-
Wirkungen auf psychische Funktionen haben. Eltern schil- hinderten Kinder in den öffentlichen Schulen ist von 830000
dern ihr Kind so: »U nser Sohn flippte oft aus, warf mit im Jahre 1958 auf 3234000 im Jahre 1980 gestiegen (lt. N atio-
Gegenständen um sich, biß die Kindergärtnerin und konnte nal Center for Education Statistics) und steigt weiter, obwohl
mit keinem anderen Kind zusammen spielen.« Eine andere die Schul anmeldungen abnehmen. Ist es Zufall, daß dieser
Schilderung: »In den ersten vier Lebensjahren war unser dramatische Anstieg lernbehinderter Bevölkerung genau mit
Junge ein ausgesprochen liebes, zufriedenes und fröhliches den drei Dekaden zusammenfällt, in denen die Pertussis- Imp-
Kind. Um den Kindergarten besuchen zu können, mußte er fung auf alle amerikanischen Kinder ausgeweitet wurde?«
eine Fünffachimpfung erhalten. Danach trat eine Verhal-
tensänderung in seinem Wesen ein. In der Schule gab es dann
später ständig Klagen. Er sei unkonzentriert, unruhig, mache 5. MCD (= Minimale Cerebrale Dysfunktion)
keine Hausaufgaben, er sei der Klassenkasper. Die schulischen
Leistungen lagen dadurch immer weit unter seinen Möglich- Vor 25 Jahren wurde geschätzt, daß in der BR Deutschland
keiten. Entsprechende Verhaltensweisen zeigten sich auch zu jede 35. Geburt zu einem toten, jede 200. Geburt zu einem
Hause: Er ist hyperaktiv, extrem unordentlich, er stiehlt, es hirngeschädigten Kind führt. Damals wurde pro Jahr mit
besteht keine Bereitschaft zur häuslichen Mithilfe, aber ein 10 -1 5000 Hirnschäden gerechnet. Die Normalschule konn-
hoher Verbrauch an Süßigkeiten.« Der Vater dieses Jungen ten 160000 Kinder nicht besuchen. Wurden die Sonderschüler
(ein Lehrer) schließt seinen Bericht mit folgendem Satz: »Als dieser Zahl zugerechnet, erhöhte sich die Zahl auf 500000.
Lehrer werde ich mit dem Problem der verhaltensgestörten Auf je 10000 Einwohner kam ein geistig behindertes, imbezil-
Kinder täglich konfrontiert. Schulpsychologische Maßnah- les Kind.
men bewirken in der Regel kaum etwas.« Zwischen den gesunden und diesen schwer geschädigten
In allen westlichen Industriestaaten gibt es das gleiche Pro- Kindern liegen die leichtgradigen Störungen, die als »Über-
blem. In der Schweiz wurde im Frühjahr 1974 der ELPOS gangsformen « bezeichnet werden können.
(»Elternverein für Kinder und Jugendliche mit leichten psy- Schon von der theoretischen Wahrscheinlichkeit her muß
choorganischen Funktionsstörungen«) gegründet. Dort wird angenommen werden, daß es eine viel größere Zahl von Kin-
auch vom »PO«-Syndrom gesprochen (= Psycho-Organi- dern gibt, die in steigender Verdünnungsreihe leichtere sowie
sches Syndrom). Es handelt sich um Verhaltens störungen, wenig leichtere Schädigungen erkennen lassen, als diejenigen
gekennzeichnet durch unmotivierte Aggressivität, hyperak- Kinder mit erkennbaren Schäden. Ihre Schädigung ist oft
tives, unkontrolliertes Verhalten, Konzentrationsschwächen, schwer erkennbar. Laut Intelligenztest sind es meist durch-
verminderte oder fehlende Hemmschwelle. Diese schweizeri- schnittlich begabte Kinder, bei welchen aber einzelne Intelli-
sche Elternorganisation gibt es in fast allen Kantonen. Bei den genzfunktionen, und zwar insbesondere die Fähigkeit zur
Elternvereinen trafen nach einer entsprechenden Fernsehsen- Formerfassung, aus der durchschnittlichen Leistung nach
dung über 18000 Anfragen ein. In Amerika ist das alles noch unten herausfallen. In der Einzelsituation sind die Kinder
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248 VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden Eiweißes
. 6. Sprachentwicklungsverzögerungen
.
249

meist normal leistungsfähig. In der Gruppe, besonders in Ärztlicherseits wird als Ursache eine leichte Hirnfunktions-
größeren Schulklassen, fällt ihre Leistungsfähigkeit aber deut- störung genannt, die in der Wissenschaft als »MCD« (Mini-
lich ab. Dies wird durch eine hochgradige Ablenkbarkeit, eine male Cerebrale Dysfunktion) bezeichnet wird.
unfixierbare Aufmerksamkeit und mehr oder weniger auffäl-
lige Bewegungsabläufe gekennzeichnet. Die Gefühls- und
Gemütsverfassung (Affektivität) ist vorwiegend labil. Die 6. Sprachentwicklungsverzögerungen
Kinder weinen leicht, sind aber auch rasch wieder zu beruhi-
gen. Ihr Antrieb ist deutlich gesteigert. Allerdings ist ihre Heilemann und Höpfner veröffentlichten in der Zeitschrift
Durchhaltefähigkeit gering. Sie fassen im allgemeinen rasch -Der Kinderarzt« 23 (S.1635 [1992J) ihre Untersuchung:
auf und zeigen doch eine eher herabgesetzte Lern- und Merk- Screening- Verfahren zur Erfassung von Sprachentwicklungs-
fähigkeit. Äußerlich wirken die Kinder oft schlampig, manch- verzögerungen (SEV). Es heißt hier in dem Abschnitt Ergeb-
mal unsauber und stehen damit oft im Gegensatz zu ihrem nisse: »Bei dieser Untersuchung in Kindergärten der Stadt
häuslichen Milieu. Die Bewegungsabläufe sind unruhig, fahrig Mainz, die jedoch zum größten Teil zu den sogenannten
und wirken deutlich verzögert und zurückgeblieben. Dem- -sozialen Brennpunkten- gehören, wurde nach den Ergebnis-
entsprechend haben sie in der Schule oft eine schlechte Hand- sen der Screening- Untersuchung 34 % der deutschen Kinder
schrift. Hervorstechendes Merkmal ist oft die Ruhelosigkeit. als sprachauffällig eingestuft ... Die Quote von 34 % Sprach-
In dem Buch» Neuropädiatrie« von Matthes u. Kruse werden entwicklungsverzögerungen unter deutschen Kindern war so
solche Kinder folgendermaßen geschildert: erschreckend und unglaubhaft, daß sich bei uns wieder ernst-
»Die Kinder stehen unter einem permanenten Betätigungs- hafte Zweifel einstellten, ob eine Sprachentwicklungsverzöge-
drang, ihre Aufmerksamkeit läßt sich nur ganz kurzfristig auf rung wirklich mit einem so einfachen Screening erfaßt werden
einen Gegenstand lenken. Von der Mutter in der Sprech- kann. .. Die Ursache für die erschreckend hohe Zahl von
stunde auf dem Schoß festgehalten und bereits allergisch Sprachentwicklungsverzögerungen, die bei unseren Untersu-
gegen jede Form der Fixierung beginnen sie sofort, sich chungen in Kindergärten zwischen 18 und 34 % lag, können
loszuwinden, stürzen sich auf den Wasserhahn, werfen die hier nicht erörtert werden. Die geradezu katastrophalen
Seife herunter, greifen nach dem vorgehaltenen Spielzeug, Ergebnisse zeigen jedoch, daß dem Problem der Sprachent-
werfen es weg, um sich des Papierkorbes anzunehmen. Die wicklungsverzögerung in Zukunft sehr viel mehr Aufmerk-
Wände werden beklopft, berochen, beleckt, das Untersu- samkeit gewidmet werden muß.«
chungsbett wird bestiegen, die Fensterbank erklommen und Woran liegt es, daß unsere Jugendlichen vielfach nicht mehr
schreiend nach dem Wandkalender verlangt oder das Telefon in der Lage sind, vernünftige Sätze zu bilden? Daß sie nicht in
vom Schreibtisch gerissen. Der Betätigungsdrang ist nicht der Lage sind, ein Ereignis zu schildern, daß sich der Zuhörer
selten mit einer enormen motorischen Geschicklichkeit beim ein zusammenhängendes Bild davon machen kann? Liegt es
Klettern, Hüpfen, Springen und Sichfallenlassen verbunden, nur daran, daß in der Schule nicht mehr ordentlich Lesen
so daß der Eindruck eines herumgeisternden Irrlichtes ent- gelernt wird, -liegt es daran, daß keine Aufsätze mehr geschrie-
steht.« ben werden? D. h. liegt es an der Übung - oder liegt es daran,
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250 VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden Eiweißes
. 7. SID-Syndrom (plötzlicher, unerwarteter Kindstod)
.
251

daß diese Jugendlichen aus bestimmten Gründen (das Zuviel krankheiten bei uns bedeutungslos geworden sind, steigen die
an Impfungen) nicht mehr in der Lage sind, diese Dinge zu Zahlen der jährlich aus unerklärlichen Gründen tot im Bett-
erlernen? chen gefundenen Kinder von Jahr zu Jahr an. Drängt sich hier
nicht der Vergleich geradezu auf: je mehr Impfungen, desto
mehr tote Kleinkinder im Bett? Über dieses mysteriöse Ereig-
7. SIO-Syndrom (plötzlicher. unerwarteter Kindstod) nis gibt es eine kaum überschaubare Literatur meist spekula-
tiver Art, und fast jährlich erscheinen neue Theorien über
Schon vor Jahren wurde in der Literatur darauf hingewiesen, mögliche Ursachen. Während meiner Studienzeit galt die
daß einem SID-Syndrom oftmals eine Impfung vorausgegan- Lehrmeinung von der vergrößerten Thymusdrüse, die die
gen ist. Luftröhre einenge und einen Erstickungstod verursache. Vor
einigen Jahren wurde die bis dahin übliche Rückenlage der
Gesamt-
Deutschland Babys als Ursache benannt und die Bauchlage propagiert.
Kürzlich aber wurde die Bauchlage als völlig falsch angesehen
1200 - seit 1990 werden die Babys wieder auf den Rücken gelegt.
1100
Zur Verhütung des SID-Syndroms werden jetzt Überwa-
chungsapparate empfohlen. Man stelle sich das Geschäft vor,
1000

wenn nur jede Familie ein solch teures Gerät kauft, bei 1 Mil-
900

800

700
lion Babys, die jedes Jahr zur Welt kommen. Die Geräte wer-
600
den dann jährlich technisch verfeinert, so daß besorgte Eltern
500 nicht wagen, ein gebrauchtes Gerät zu verwenden. Welche
400
(
Rolle eventuelle Impfungen beim SID-Syndrom spielen, dar-
300
über finden sich nur versteckte Hinweise. Aber bereits 1965
200
veröffentlichte der Leipziger Pathologe P. F. Mahnke seine
100
Untersuchung »Plotzlicher Tod im Kindesalter und vorausge-
1979 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95
gangene Schutzimpfungen«. Immer wieder tauchen in der
Abb.56 Sterbefälle am Syndrom des plötzlichen Kindstodes (SID = Sudden Literatur Hinweise auf die Möglichkeit eines Zusammenhangs
Infant Death) in der Bundesrepublik Deutschland
zwischen durchgeführten Impfungen und Ansteigen des SID-
Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Gruppe VII D.
Syndroms auf, die meist ein rasches Dementi nach sich zogen.
»Daten wurden erst ab 1979 erhoben«
Diese besorgniserregende Entwicklung dürfte der Grund sein,
weshalb das Paul-Ehrlich-Institut im Oktober 1992 in fast
Die Kurve über das SID-Syndrom zeigt einen jährlichen allen medizinischen Fachzeitschriften Artikel veröffentlichte
Anstieg. Während alle Infektionskrankheiten bei uns regel- unter folgender Überschrift:
mäßig und z. T. fast gleichmäßig zurückgehen, z. T. zu so »Paul-Ehrlich-Institut bittet um Fallmeldungen. Unklare
niedrigen Werten, daß die früher so gefürchteten Kinder- Todesfälle von Säuglingen und Kleinkindern nach Schutzimp-
............................................................................................................
252 VII. Impfschäden als Folge der Zufuhr artfremden Eiweißes
•.
7. SID-Syndrom (plötzlicher, unerwarteter Kindstod)
.
253

fungen. Das Paul-Ehrlich-Institut ist daran interessiert zu In dem Artikel wird behauptet, daß viele der Todesfälle am
erfahren, ob in Deutschland in den vergangenen 12 Monaten sog. »Plötzlichen Kindstod- in Wirklichkeit Todesfälle an
unklare Todesfälle von Säuglingen oder Kleinkindern, insbe- Keuchhusten seien. Begründet wird dieser Verdacht mit dem
sondere nach Schutzimpfungen, beobachtet wurden.« Hinweis, die Erreger des Keuchhustens (Bordetella pertussis)
Vermutlich wird dabei nichts herauskommen, denn Erst- seien sehr empfindlich und ließen sich an einer erkalteten Lei-
erkenntnisse und Erstveröffentlichungen kamen bisher immer che nicht mehr nachweisen. Der Keuchhusten sei eine sehr
aus dem Ausland. schwere Erkrankung mit erheblichen Komplikationen: 20 %
Die neuesten Erkenntnisse stehen in »Medical Tribune- bekämen eine Lungenentzündung, 7 % hätten andere pulmo-
vom 7. September 1993 und stammen aus der Universitäts- nale und kardiale Symptome, 4 bis 5 % bekämen im Zuge
Kinderklinik Erlangen: Einen »plötzlichen, unerwarteten der Sauerstoffmangelversorgung des Gehirnes Krämpfe und
Kindstod- gibt es gar nicht, die Kinder sterben an einer (uner- 3,5 % erkrankten an einer Enzephalopathie. Der Keuchhusten
kannten) Keuchhustenerkrankung. Zu dieser Erkrankung könne sogar zum Tod des Kindes führen, und zwar öfter, als
kommt es, »weil zu wenig geimpft wird.« (!) bisher in den Statistiken belegt sei. Es läge daran, daß nur
40 % der Kinder in Deutschland gegen Keuchhusten geimpft
An dieser Stelle sollte besagter Artikel im Originaltext folgen. seien. Der Artikel schließt mit dem Satz: »Und wenn Ende
Da es sich um einen »Nachdruck« handeln würde, muß die des Jahres der heißersehnte, besser verträgliche azelluläre Per-
Genehmigung des Verlages eingeholt werden. Auf meine dies- tussisimpfstoff zur Verfügung steht, steigt hoffentlich auch
bezügliche Bitte erhielt ich von der Zeitschrift »Medical Tri- die Impffreudigkeit in Sachen Pertussis wieder an.«
bune« folgende Antwort: M. E. wird durch diesen Satz zugegeben, wie gefährlich der
bisher verwendete Impfstoff war oder ist. Denn wenn er so
Sehr geehrter Herr Buchwald, f harmlos und ungefährlich wäre, wie bisher von den Experten
unsere Kontroversen in der Vergangenheit waren stets frucht- behauptet, dann ist unverständlich, warum die Einführung
los. Darum bin ich nicht bereit, Ihnen die Nachdruckrechte eines neuen Impfstoffes »heiß ersehnt« wird.
für den Bericht »Plötzlicher Kindstod- aus der Medical Tri-
bune - Klinik Ausgabe Nr. 17 vom 7. September 1993 für Ihr
Buch »Impfen - das Geschäft mit der Angst« zu erteilen.

Mit freundlichem Gruß

CHEFREDAKTION MEDICAL TRIBUNE


(U n terschrift)
Klaus Nürnberger
Chefredakteur.
................................................................................ . 2. Die Prionen
.
255

VIII. Gefährliche Fremdviren tatsächlich die ersten Dosen mit dem sogenannten Simian-
Virus-40 verunreinigt. Das liegt jedoch gut 30 Jahre zurück.«
Es hat sich später herausgestellt, daß das Simian-40- Virus
zu den sogenannten Slow- Viren gehört, die eine Latenzzeit
von ca. 30 Jahren haben.
1. Das SV-40-Virus Ist es nun ein Zufall, daß ca. 30 Jahre nach den ersten
großen, von Herrn Koprowski in Afrika durchgeführten
Amerikanische Impfstoffherstellerfirmen verstärkten in der Impfkampagnen dort die Aids-Krankheit in ganz besonders
Zeit nach dem letzten Krieg ihre Bemühungen zur Herstel- hohem Maße auftrat? Kürzlich wurde berichtet, daß in Bel-
lung eines Impfstoffs gegen die Poliomyelitis. In der damali- gisch-Kongo bzw. in Zaire zwischen 10 und 30 % der Bevöl-
gen Zeit spielte der bereits erwähnte Impfstofforscher Hilary kerung HIV-positiv reagieren.
Koprowski eine Rolle, dem es gelang, die Erreger der Polio-
myelitis auf Affennieren zu züchten.
Nieren sind Ausscheidungsorgane. Später, nachdem Impf- 2. Die Prionen
stoffe in riesigen Mengen hergestellt worden waren, stellte
sich heraus, daß die Viruskulturen (und auch die Impfstoffe) Im Tierkörper und in den Tierorganen leben Viren, die in
alle die Arten von Viren in sich bargen, welche in den Affen- der Lage sind, bei Einbringen in einen Fremdorganismus ganz
nieren zu finden sind. Man numerierte diese Viren und ver- anders zu reagieren als in dem Organismus, von dem sie
suchte herauszufinden, welche Eigenschaften sie bei anderen eigentlich stammen. Abgesehen von dieser nachträglichen
Tieren bzw. bei Menschen haben. Am unangenehmsten ver- Mutation haben Viren außerdem die Eigenschaft, weitere,
hielt sich das Virus Nr.40, es erhielt deshalb den Namen vielfach unbekannte, langzeitige Erkrankungseffekte hervor-
»SV40«. Dabei bedeutet »S« = Simian, d. h. affenähnlich, und zurufen, die bei der Überquerung der Artenschranke gefähr-
»V« bedeutet Virus, und »40« besagt, daß es das 40. Virus ist, lich werden, wenn sie in ein anderes Lebewesen gelangen. So
das in Affennieren gefunden wurde. Meines Wissens war die kommen die eben geschilderten SV-40-Viren regelmäßig beim
Amerikanerin Dr. Eva Sneed die erste, die in ihrem Buch Affen vor, bei dem sie ganz ungefährlich sind. Zur Produktion
»Win against Herpes and Aids« die U rsächlichkeit der in des Masern-Virus werden Hundenieren verwendet, die immer
Afrika durchgeführten Impfkampagnen für die Entstehung Erreger der Hundehepatitis enthalten. Beide verursachen
des Aids-Virus HIV nachwies. Man stellte nämlich fest, daß Erkrankungen bei anderen Tieren. Viren, bei denen von der
das Simian-40- Virus (SV-40-Virus) beinahe identisch ist mit Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung unter Umstän-
dem bekannten Aids-Virus HIV. Das wurde zögerlich auch den viele Jahre vergehen, nennt man Slow-Viren (es bedeutet:
zugegeben. So erschien beispielsweise in der »Züri- Woche«, langsam, nachgehen, schwerfällig, schleichend). Es kommt
Donnerstag, 10.Januar 1991, ein Artikel von Dr. Robert Stef- also zu langsam fortschreitenden Krankheitsverläufen mit
fen: »Ist die Impfung gegen Kinderlähmung gefährlich?«, in ungünstiger "Vorhersage und Beschränkung auf ein einziges
dem es heißt: »Als der Impfstoff eingeführt wurde, waren Organsystem, meistens das Gehirn. Als Ursache wird eine
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VIII. Gefährliche Fremdviren
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3. Die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE)

besondere Virus-Wechselwirkung angesehen. Diskutiert wird 3. Die Bovine Spongiforme Enzephalopathie (BSE)
die Möglichkeit, daß weitere, chronisch-degenerative Erkran-
kungen des zentralen Nervensystems Folge einer solchen Vor einiger Zeit erreichten uns Meldungen über eine merk-
Infektion sind. Zur Gruppe dieser »Slow-Viren« gehören würdige Krankheit unter englischen Haustieren. Die Tiere
auch die sogenannten Prionen, die so ungefähr gegen alles verendeten qualvoll unter Krankheitserscheinungen, aus de-
widerstandsfähig sind, was wir kennen. Es heißt in der »Deut- nen man ersehen konnte, daß sie vom Gehirn der Tiere aus-
sehen Apothekerzeitung- vom 20.9.1990 auf S.276: »Bislang gingen. Es handelt sich um die Bovine Spongiforme Enzepha-
kann nicht ausgeschlossen werden, daß Slow -Virus- Infektio- lopathie, kurz BSE genannt. Wir kennen ähnliche seltene
nen von Tieren auf den Menschen übertragen werden können. Erkrankungen, bei denen charakteristische Veränderungen im
Ein weiteres Problem ist die beträchtliche Widerstandsfähig- Gehirn auftreten, und bei denen bisher die Ursache unbe-
keit dieses unkonventionellen Erregers. Für die Herstellung kannt war. Zu nennen wäre hier die multiple Sklerose, die
von Arzneimitteln aus tierischen Organen und Organextrak- Parkinsonsche Erkrankung und die Alzheimer- Krankheit.
ten könnte dies gravierende Konsequenzen haben.« Damit Heute wissen wir, daß die zuvor erwähnten Prionen vermut-
enthalten die Herstellung und besonders die Verwendung der lich als Ursache in Frage kommen. Wir wissen z. B., daß die
Impfstoffe unkalkulierbare und teilweise erhebliche Gefahren, Kuru-Krankheit, die es bei dem Volksstamm der Papuas gege-
die nicht in ausreichendem Maße bekanntgemacht werden ben hat, eine Inkubationszeit von 18-30 Jahren hatte. Der
und über die auch der Patient nicht aufgeklärt wird. Im letz- Verlauf dieser Erkrankung beim Menschen ist ähnlich der
ten Abschnitt des Artikels in der »Deutschen Apothekerzei- BSE-Erkrankung beim Tier. Die Kuru-Erkrankung entsteht
tung« heißt es: »Denn die mysteriösen Prionen sind gegen- durch Aufnahme bestimmter Eiweißstoffe in den Organis-
über den üblichen Maßnahmen zur Inaktivierung von Krank- mus, deutlicher ausgedrückt, bei den Papuas bestand die Sitte,
heitserregern - seien es Bakterien oder Viren - weitgehend die Gehirne der Verstorbenen zu essen. Die gleiche Ursache
resistent. Sie behalten beispielsweise ihre Infektiösität auch hat die BSE: Tiere, insbesondere Rinder, wurden aus rein
noch nach Erhitzen auf 80°, nach Behandlung mit ultraviolet- kommerziellen Gründen zu einem nicht artgemäßen Freßver-
tem Licht und ionisierten Strahlen und trotzen selbst den halten gezwungen. Sie erhielten als sogenannte »Mastnah-
aggressivsten Desinfektionsmitteln. Da sie im Organismus rung« Eiweißpräparate, die aus Körpern von Tieren gewon-
keine Immunreaktion auslösen, ist eine Infektion auch nicht nen wurden, welche für den menschlichen Verzehr nicht
indirekt, also über den Nachweis von Antikörpern, diagnosti- geeignet waren. Rinder sind aber Pflanzenfresser, sie wurden
zierbar. Mithin Gründe genug, eine mögliche Gesundheitsge- so künstlich zum Fleischfresser gemacht. Das Ergebnis war
fährdung des Menschen durch Prionen nicht auf die leichte die Bovine Spongiforme Enzephalopathie, zu deren Bekämp-
Schulter zu nehmen.« fung in Großbritannien 60000 Rinder geschlachtet werden
mußten, wie in unseren Zeitungen zu lesen war. Welche Aus-
wirkungen diese Viren haben, wenn sie in den menschlichen
Organismus gelangen, ist weitgehend unbekannt.
Dieses Buch erschien erstmalig 1994 im emu-Verlag, Lahn-
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258 VIII. Gefährliche Fremdviren
. 4. Acquired Immune Deficiency Syndrome (Aids)
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stein. Damals war mir wenig übe BSE bekannt, so daß dieses ein Impfserum, und schon ist Aids besiegt. Damit fließen die
Kapitel im Abschnitt »Gefährliche Fremdviren« nur am Fördermittel! Das ist nicht nur in Amerika so! Dort wurde
Rande erwähnt wurde. Heute könnte über BSE ein eigenes die Aids-Forschung mit 2 Milliarden Dollar subventioniert,
Buch geschrieben werden. An dem oben geschilderten Basis- während ein deutscher Forscher die geringen deutschen For-
Wissen hat sich nichts geändert. schungsergebnisse damit begründete, daß die öffentliche
Zuwendung von 24 Millionen DM im Jahr ein »Pappenstiel«
sei. Der Streit der beiden Aids-Forscher ging so weit, daß der
4. Acquired Immune Deficiency Syndrome gerichtliche Vergleich direkt zwischen der amerikanischen
(Aids = erworbene Immunschwächekrankheit) und französischen Regierung geschlossen wurde, indem man
den Kuchen halbierte, wobei sich die Präsidenten der beiden
War das Durcheinander zwischen Wahrheit, Vertuschung und Staaten einschalteten. Wir haben also eine Krankheit, die
Unwahrheit auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und durch Infektion vom HIV- Virus verursacht sein soll - dieser
der Impfungen schon beträchtlich, so ist dieses Durcheinan- soll die T-Zellen vernichten. Wir haben ein Virus, das weder
der bei der Aids-Krankheit bzw. bei der Aids-Forschung in allen abgestorbenen Zellen zu finden ist, noch diese Zellen
noch wesentlich größer. Eines wird jedem, der sich etwas angreift. Wir haben weiterhin teure Untersuchungsmethoden
mehr mit dieser Materie beschäftigt, klar: Wir werden kräftig auf HIV-Antikörper, die keine spezifische Aussage über
auf der ganzen Linie belogen. In den letzten Jahren haben das Vorliegen dieser Krankheit machen können und den
etwa 10000 Wissenschaftler mehr als 60000 Arbeiten über Umstand, daß bei manchen Erkrankten dieser »schuldige
Aids veröffentlicht, damit Karriere gemacht und gut verdient. Erreger« nicht nachzuweisen ist. Dessen ungeachtet läuft die
Jetzt ist man sich darüber einig, daß nach mehr als 10 Jahren Forschung weiter auf Hochtouren, die Industrie liefert alles,
intensiver Aids-Forschung weder ein Medikament noch ein von den Anlagen über die Tiere bis zum Zaubermittel. Der
Impfstoff gefunden wurde und man auch keine Aussicht sehe, Steuerzahler wird zur Kasse gebeten und hält still, aber eben
die Immunschwächekrankheit heilen zu können. Zwei Na- nur, wenn man die Angst vor der Infektion genügend schürt
men stehen hier im Vordergrund: Robert Gallo, Wissen- - und das geschieht. Dem deutsch-amerikanischen Professor
schaftler im Nationalen Amerikanischen Institut für Gesund- Duesberg, der diese »Ungereimtheiten« seit Jahren anpran-
heit, und der Franzose Luc Montagnier. Gallo behauptete, der gert, wurde unverhohlen gedroht, man werde ihn mundtot
Entdecker des HIV- Virus zu sein. Wegen seiner Verdienste machen. Nach einem Artikel im »Deutschen Ärzteblatt« 87
wurde er mit mehreren Professorentiteln und Doktorhüten vom 12. April 1990 »Streit über Entdeckung des Aids-Virus
geehrt. Er mußte dann zugeben, daß diese Ehre ihm nicht neu entbrannt« wurden Einzelheiten dieses Streites geschil-
gebührt. Er minderte das aber ab mit der Behauptung, Mon- dert. Es wurde aber klar und deutlich gesagt: »... ging es nicht
tagnier sei zwar der tatsächliche Entdecker des HIV- Virus, er nur um wissenschaftliches Prestige, sondern um Millionen-
aber sei es gewesen, der dieses Virus als Erreger der Aids- beträge aus Lizenzeinnahmen für Aids-Tests.« Wenn man
Krankheit identifizierte. Die These ist einfach: Wenn es einen bedenkt, daß-ein Aids-Test 25 DM kostet, kann man sich vor-
viralen Erreger gibt, braucht man nur ein Medikament oder stellen, welch riesige Summen zusammenfließen, da man ja die
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260 VIII. Gefährliche Fremdviren
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4. Acquired Immune Deficiency Syndrome (Aids)
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Furcht vor Aids mit Hilfe der gut funktionierenden Presse auf waren. Trotzdem gab es erneut HIV- Infektionen. Wie ist das
mindestens 4 Erdteilen (lediglich Australien ist etwas ausge- zu erklären? Durch den Aids-Test wird festgestellt, ob jemand
nommen), in die Bevölkerung getragen hatte. Soviel scheint Antikörper gegen das HIV- Virus entwickelt hat. Können
heute festzustehen, daß Aids vorwiegend durch Blut, Blut- diese im Blut nachgewiesen werden, ist er infiziert, wenn
produkte oder durch kleine Verletzungen übertragen wird. So nicht, gilt er als gesund. Da es aber vom Zeitpunkt einer Infi-
sind es bei uns vorwiegend Randgruppen, die von dieser zierung drei Monate dauern kann, bis Antikörper gebildet
Krankheit befallen wurden. sind, erweist sich ein frisch Infizierter in dieser Zeit als HIV-
Mit Blutspenden ist schnell Geld zu verdienen. Es gibt zwei negativ - und kann so durch die Spenderkontrolle rutschen.
amerikanische Firmen, die mit Blut oder Blutprodukten han- Man spricht vom »diagnostischen Fenster«. In der Bundesre-
deln. Bei uns werden daraus die Stoffe hergestellt, die bei publik wird die Zahl der Infizierten auf 30000 geschätzt. Es
bestimmten Erkrankungen notwendig sind, um das Blut zur gibt etwa 2500 Kranke. Jedes Jahr erkranken und sterben etwa
Gerinnung zu bringen. Die Behring-Werke stellen ein Präpa- 2000 Deutsche an Aids. Die Tendenz ist in der letzten Zeit
rat PTSB her; es handelt sich dabei um die Anfangsbuchsta- gleichbleibend. Zur Zeit ist die Verbreitung bei den Hetero-
ben derartiger Blutgerinnungsfaktoren. Sie fördern die Blut- sexuellen verschwindend gering. Aids ist also weiterhin eine
gerinnung. Damit werden nicht nur die Menschen behandelt, Erkrankung der Randgruppen.
die bei uns an der Bluterkrankheit leiden, sondern sie werden Zum Thema »AIDS« ist das Buch von Jon Rappoport:
regelmäßig gegeben, wenn etwa bei einer Operation größere »Fehldiagnose >AIDS<. Geschäft mit einem medizinischen Irr-
Blutungen zu befürchten sind. Diese Präparate wurden aus turn«, erschienen im Verlag Bruno Martin, sehr zu empfehlen.
Blutplasma hergestellt, das auch heute noch zu 65-80 % aus In den Medien wurde das Thema »AIDS« vom Thema
den USA kommt, weil es dort billiger ist. Unter den Spendern »BSE« abgelöst.
waren Anfang der 80er Jahre viele HIV- Träger, weil gerade Die AIDS-Erkrankungen aber gehen - wie die Statistiken
für Drogensüchtige das Blutspenden den schnellen Dollar zeigen - ohne Medikamente und ohne Impfungen - von
brachte. Das abgetrennte Plasma von bis zu 25000 Blutspen- Monat zu Monat zurück.
den wurde zu großen Pools verrührt, den schon ein einziger
HIV-Infizierter verseuchen konnte. Mit diesen Blutgerin-
nungsfaktoren wurden alle deutschen Bluter behandelt. Wie
viele es sind, und wie viele daraufhin HIV-positiv wurden,
wird verschwiegen. Jedenfalls wurden so auch Menschen infi-
ziert, die weder homosexuell noch drogensüchtig sind. Erhiel-
ten diese Blutgerinnungsfaktoren Patienten vor einer Opera-
tion, so wurden dadurch auch Menschen HIV-positiv, die
nicht an der Bluterkrankheit leiden. Erst etwa seit 1985 traten
bei uns Sicherheitsvorkehrungen in Kraft. Es wurde aus Ame-
rika nur Blut von Spendern bezogen, die im HIV- Test negativ
IX. Nicht erkennbare Impfschäden 263
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