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23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal 8.

3/23

Beglaubigte Abschrift (Telekopie gemäß § 169 Abs. 3 ZPO)

5 0 153/18 Verkündet am 09.05 2019

Gollmer, Justizbeschäftigte
als Urkundsbeamtin der
e in g e g a n g e n Geschäftsstelle
W H IT E & C A S E

2 3. Mai 2019
06.06$
Re c h t s a n w ä l t e
f r a n k f u r t / ma in Landgericht Wuppertal

IM NAMEN DES VOLKES

Urteil

In dem Rechtsstreit

der Frau Silvana Naust, Luisenstraße 70, 42103 Wuppertal,


Klägerin,
Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte REPGOW, Im Gewerbepark
C 25, 93059 Regensburg,

gegen

den Facebook Ireland Limited, vertreten durch die Vorstände Gareth Lambe, Shane
Crehan, 4 Grand Canal Spuare, Dublin 2, Irland,
Beklagten,
Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte W hite & Case LLP,
Bockenheimer Landstraße 20, 60323
Frankfurt,

hat die 5. Zivilkammer des Landgerichts Wuppertal


aufgrund mündlicher Verhandlung vom 04.04.2019
durch die Richterin am Landgericht Dr. Zwermann-Milstein als Einzelrichterin

für Recht erkannt:

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung i.H.v.


110 % des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betrages.

Tatbestand:
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 4/23

Die Klägerin nimmt die Beklagte auf Feststellung ihres rechtswidrig gesperrten
Kontoprofils auf www.facebook.com in Anspruch sowie auf Unterlassung zukünftiger
und Auskunftserteilung über vergangene Beitragslöschungen und Kontosperrungen,
sowie auf Zahlung von Schadensersatz und auf Freistellung von außergerichtlichen
Rechtsanwaltskosten.

Die Klägerin ist Nutzerin des von der Beklagten betriebenen sozialen Netzwerks
www.facebook.com und hat unter dem Namen Silvana Heißenberg
(https://www.facebook.com/ profile.php?id=1114669802) ein Nutzerkonto erstellt. Die
Nutzung des sozialen Netzwerks erfolgt auf Grundlage einer einmaligen
Registrierung unter Angabe persönlicher Daten und Einwilligung in die
Geschäftsbedingungen der Beklagten bestehend aus den Allgemeinen
Geschäftsbedingungen (AGB), Sonderbedingungen für Deutschland und den
Gemeinschaftsstandards (vgl. Anlagen KTB 1 bis 3 bzw. Anlagen B4 bis B6 und B20,
Anlagenband). Auf diese Regelungen wird Bezug genommen, insbesondere auf
Ziffer 12 der Gemeinschaftsstandards, Anlage K3 bzw. B20 zum Thema „Hassrede“ .
Die zitierten Nutzungsbedingungen und Gemeinschaftsstandards gelten seit dem
19.04.2018. Zuvor hatten die maßgeblichen Gemeinschaftsstandards den Titel
„Hassbotschaften“ ; auf diese wird ebenso Bezug genommen (vgl. Anlage KTB 3, Bd.
I BI. 42f. GA bzw. Anlage B6, Anlagenband).

Die Klägerin veröffentliche unter ihrem Nutzernamen insgesamt vier Beiträge, die von
der Beklagten mit Hinweis auf ihre Nutzungsbedingungen und
Gemeinschaftsstandards gelöscht wurden und eine vorübergehenden Kontosperrung
zur Folge hatten. Während der Kontosperrungen wurde das Nutzerkonto der Klägerin
in einen sogenannten „read-only“ Modus versetzt. Während der Kontosperrung
konnte die Klägerin auf ihr Konto zugreifen und Inhalte auf dem sozialen Netzwerk
einsehen und mitverfolgen. Sie konnte keine eigenen Beiträge veröffentlichen oder
andere Beiträge kommentieren und den Messenger - einen facebookeigenen
Nachrichtenchat - nicht benutzen. Ferner ist eine Anmeldung auf anderen
Plattformen während des Sperrzeitraums nicht möglich, wenn sich der Nutzer bei den
anderen Plattformen mit seinem Facebook-Profil registriert hat. Im „read-only“-Modus
werden dem Nutzer weiterhin Werbeinhalte angezeigt und die Beklagte kann auf die
gespeicherten Daten zugreifen und diese verwenden.

Der erste streitgegenständliche Beitrag der Klägerin wurde am 01.01.2018 gelöscht


und zog eine siebentägige Kontosperrung nach sich. Es handelte sich bei dem
Beitrag um einen auf der Profilseite der Bundeskanzlerin Angelika Merkel
veröffentlichten Brief mit folgendem Inhalt:
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 5/23

„Sie sind die verachtenswerteste und kriminellste Bundeskanzlerin, die das


Deutsche Volk je erdulden musste.
Sie haben dem Deutschen Volk vorsätzlich und gesetzwidrig Terror, Krieg,
Armut und den Tod durch illegale Asylschmarotzer, hunderttausende Söldner,
IS Terroristen und weitere Schwerverbrecher in unser Land importiert.
Laut Grundgesetz Art. 16a hat in Deutschland KEINER das Recht auf Asyl,
der aus sicheren Drittstaaten einreist, somit befinden sich ALLE IHRE Gäste
ILLEGAL in Deutschland.
Die Schengen- und Dublin Abkommen wurden ebenfalls rechtswidrig und
vorsätzlich außer Kraft gesetzt.
Sie schworen in Ihrem Amtseid u.a. “Schaden vom Deutschen Volk“
fernzuhalten, das genaue Gegenteil machen Sie täglich.
Sie haben NICHT den Auftrag sich um Bedürfnisse "aller Bürger" zu kümmern,
sondern einzig und alleine um das Wohl des DEUTSCHEN VOLKES, nur das
war Ihre Aufgabe; Sie sind nichts anderes als eine Angestellte des
DEUTSCHEN VOLKES, denn alle Macht geht vom Volk aus und NICHT von
Ihnen.
Um KEINE Deutschen Bedürfnisse haben Sie sich gekümmert.
Sie haben die ganze Nation bewusst gegeneinander aufgehetzt, gespalten
und ganze Familien zerstört.
Uns Deutsche geht es so gut wie nie?
öffentliche Veranstaltungen müssen wegen IHRER ILLEGALEN GÄSTE nun
massiv gesichert, eingezäunt und durch Polizisten mit Maschinengewehren
gesichert werden.
Nun gibt es Schutzzonen für Frauen, die Schutz suchen vor
Schutzsuchenden, damit sie durch IHRE ENTHEMMTEN GÄSTE nicht
weiterhin Opfer von sexuellen Übergriffen werden.
Täglich begehen IHRE GÄSTE Gewaltverbrechen.
Die Altersarmut und Kinderarmut der Deutschen is t so hoch wie nie. Fast 1
Mio. Deutsche leben auf der Straße. Diesen Menschen zu helfen war IHRE
AUFGABE und nicht ganz Europa mit kulturfremden Invasoren zu fluten und
diese mit UNSEREN hart erwirtschafteten Steuermilliarden zu versorgen.
Sie verlangen Respekt?
IHRE mehrheitlich kriminellen Invasoren, die in Deutschland vergewaltigen
und morden werden noch als Opfer "rechter Hetze" in Schutz genommen.
Wenn Sie Respekt wollen und ein Gewissen besäßen, würden Sie sich selbst
für Ihre Straftaten vor Gericht verantworten.
Sollte die Justiz nicht endlich Recht sprechen, wird es das Volk übernehmen,
denn alle Macht geht ausschließlich vom Volk aus, und das Deutsche Volk ist
IHR Chef! Sie sind ein Niemand.
Z3.05.Z019-ll:56 0Z0Z498 3504 Landgericht Wuppertal S. 6/Z3

Noch kein Bundeskanzler der BRD hat dem Deutschen Volk je mit voller
Absicht soviel Schaden und Leid zugefügt und war so verhasst wie Sie, was
Sie ja bei JEDER Wahlkampfveranstaltung deutlich spürten.
Ich wünsche m ir nur eines für 2018, dass Sie und Ihre gesamte Entourage
wegen Ihrer ganzen Gesetzesbrüche vor ein ordentliches Gericht gestellt
werden und mindestens lebenslang ins Gefängnis wandern.

So einen Hochverrat am zu regierenden Volk hat es in der Geschichte der


BRD noch nie gegeben.
Die bezahlten, heuchlerischen Kommentatoren, die Ihnen noch den Enddarm
lecken, die nicht fähig sind eigenständig und klar zu denken, können sich
jegliche Lobhudelei auf Sie sparen, denn solche Personen nimmt kein
vernünftiger Mensch ernst.
Ich verachte Sie zutiefst und wünsche Ihnen Ihre gerechte Strafe.
Hochverachtungsvoll, die durch Ihre Stasikompanie, nun EHEMALIGE
Schauspielerin Silvana Heißenberg''.
Den zweiten streitgegenständlichen Beitrag veröffentliche die Klägerin auf ihrem
eigenen Facebook-Profil. Auf die Löschung folgte am 17.01.2019 eine 30-tägige
Kontosperrung. Er hatte folgenden Inhalt:

„Wenn diese Asylschmarotzer wegen ihrer Vergehen angesprochen werden,


rasten sie mehrheitlich aus und kommen mit der Rassismuskeule. Diese
Personen haben hier nichts verloren, laut Grundgesetz halten sich diese hier
ALLE illegal auf https://www.bayern-depesche.de/regional/m%C3%BCnchen-
afrikaner-ohne-s-bahn-ticket-rastet-aus-und-beleidigt-bahnmitarbeiter-
rassistisch.html.“
In dem dritten Beitrag teilte die Klägerin mit Verweis auf einen Link zu einer
Kriminalstatistikfolgenden Inhalt auf ihrem Profil als eigenen Beitrag:

„Und erneut die FAKTEN für alle toleranzbesoffenen Bahnhofsklatscher, die


noch immer bestreiten, dass die Mehrheit der Migranten kriminell - und
Frauenmärsche lächerlich sind'.“
Sie veröffentlichte einen vierten streitgegenständlichen Beitrag auf ihrem Profil,
indem sie von dem Kommentar eines anderen Nutzers einen Screenshot machte und
das Foto mit drei wütenden Emojis versetzte. Der Kommentar hatte folgenden Inhalt:

„Jeder Mensch soll akzeptiert werden. Außer die Deutschen die haben soviel
Mist gebaut. Wir Ausländer vergeben ihnen wenn sie den Islam (die Wahrheit)
annehmen.
Alle deutsche haben keine Ehre darum sind wir Muslime hier. Dam ir Sie euch
besorgen. Wenn ein Türke eine Deutsche vergewaltigt, dann ist sie mehr Wert
als eine die von deutschen vergewaltigt wurde.“
Z3.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal 8. 7/23

Am 24.03.2018 wurde das Kontoprofil der Klägerin für weitere 30 Tage in den „read-
only“-Modus versetzt.

Die Klägerin behauptet bezüglich des ersten Beitrags, sie wende sich primär gegen
die Politik der Bundeskanzlerin und weise auf Sachverhalte hin; es sei kein direkter
Personenbezug gegeben und niemand werde wegen seiner Herkunft, Religion etc.
angegriffen. Im Hinblick auf den zweiten Beitrag sei dieser in Verbindung mit dem
verlinkten Artikel zu verstehen; sie habe das straffällige Verhalten des in dem Artikel
bezeichneten Mannes aus Eritrea verwendet, um damit die Begehung von Straftaten
durch vereinzelte Asylbewerber zu kritisieren; es ging ihr nicht darum, Menschen
aufgrund ihrer Rasse, nationalen Herkunft oder Ethnizität direkt anzugreifen. Der
dritte Beitrag sei im Kontext mit der aktuellen Kriminalstatistik abgegeben worden; die
von ihr gewählte Formulierung diene lediglich der Exemplifizierung und könne
aufgrund der Verknüpfung mit der polizeilichen Kriminalstatistik unmittelbar als
solche erkannt werden. Mit Verweis auf den vierten Beitrag behauptet sie, es gehe
der Beklagten nicht ernsthaft um die Frage, ob Kommentare gegen ihre
Gemeinschaftsstandards verstoßen würden, sondern um die Drangsalierung
unliebsamer Nutzer; sie habe sich den geteilten Kommentar nicht zu eigen gemacht;
das Teilen des Kommentars in Verbindung mit den drei wütenden Emojis stelle im
virtuellen Raum eine deutliche Distanzierung dar; aufgrund des Inhalts sei für jeden
durchschnittlichen Leser erkennbar, dass der Kommentar nicht von der Klägerin
stamme und sie sich als deutsche Frau keinen Kommentar zu eigen machen würde,
in dem Deutsche herabgesetzt werden und Vergewaltigungen an Frauen befürwortet
werden würden. Die letzte Sperrung vom 24.03.2018 sei ohne das Vorliegen von
Gründen erfolgt.

Die Klägerin ist der Ansicht, sie habe mit keinem der streitgegenständlichen Beiträge
gegen die Nutzungsbedingungen und Gemeinschaftsstandards der Beklagten
verstoßen. Die Gemeinschaftsstandards der Beklagten seien als allgemeine
Geschäftsbedingungen zu werten und würden gegen das Transparenzgebot
verstoßen sowie die Nutzer unangemessen benachteiligen; ihre Beiträge seien von
ihrem Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt; ihr stünde ein
Schadensersatzanspruch für die Dauer der Kontosperrungen auf Grundlage einer
fiktiven Lizenzgebühr in Höhe von 50 € pro gesperrtem Tag zu.

Mit Schriftsatz vom 27.12.2018 hat die Klägerin ihre ursprüngliche Klageschrift vom
01.06.2018 um die Anträge zu 1), 2) und 5) erweitert und die Anträge zu 6), 9) und
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10) angepasst. Mit Schriftsatz vom 23.01.2019 hat sie einen Hilfsantrag bezüglich
der Anträge zu 1), 3) und 5) gestellt.

Die Klägerin beantragt nunmehr,

1. festzustellen, dass die am 01.01.2018 vorgenommene Sperrung des


Profils der Klägerin (https://www.facebook.com/
Profile.php?id=1114669802) auf www.facebook.com rechtswidrig
war.

2. der Beklagten aufzugeben, die nachfolgend wiedergegebenen, am


01.01.2018 gelöschten Beiträge der Klägerin wieder freizuschalten:
„Sie sind die verachtenswerteste und kriminellste Bundeskanzlerin,
die das Deutsche Volk je erdulden musste. Sie haben dem
Deutschen Volk vorsätzlich und gesetzwidrig Terror, Krieg, Armut
und den Tod durch illegale Asylschmarotzer, hunderttausende
Söldner, IS Terroristen und weitere Schwerverbrecher in unser Land
importiert. Laut Grundgesetz Art. 16a hat in Deutschland KEINER
das Recht auf Asyl, der aus sicheren Drittstaaten einreist, somit
befinden sich ALLE IHRE Gäste ILLEGAL in Deutschland. Die
Schengen- und Dublin Abkommen wurden ebenfalls rechtswidrig
und vorsätzlich außer Kraft gesetzt. Sie schworen in Ihrem Amtseid
u.a. “ Schaden vom Deutschen Volk“ fernzuhalten, das genaue
Gegenteil machen Sie täglich. Sie haben NICHT den Auftrag sich um
Bedürfnisse “aller Bürger“ zu kümmern, sondern einzig und alleine
um das Wohl des DEUTSCHEN VOLKES, nur das war Ihre Aufgabe;
Sie sind nichts anderes als eine Angestellte des DEUTSCHEN
VOLKES, denn alle Macht geht vom Volk aus und NICHT von Ihnen.
Um KEINE Deutschen Bedürfnisse haben Sie sich gekümmert. Sie
haben die ganze Nation bewusst gegeneinander aufgehetzt,
gespalten und ganze Familien zerstört. Uns Deutsche geht es so gut
wie nie? Öffentliche Veranstaltungen müssen wegen IHRER
ILLEGALEN GÄSTE nun massiv gesichert, eingezäunt und durch
Polizisten mit Maschinengewehren gesichert werden. Nun gibt es
Schutzzonen für Frauen, die Schutz suchen vor Schutzsuchenden,
damit sie durch IHRE ENTHEMMTEN GÄSTE nicht weiterhin Opfer
von sexuellen Übergriffen werden. Täglich begehen IHRE GÄSTE
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 9/23

Gewaltverbrechen. Die Altersarmut und Kinderarmut der Deutschen


ist so hoch wie nie. Fast 1 Mio. Deutsche leben auf der Straße.
Diesen Menschen zu helfen war IHRE AUFGABE und nicht ganz
Europa mit kulturfremden Invasoren zu fluten und diese mit
UNSEREN hart erwirtschafteten Steuermilliarden zu versorgen. Sie
verlangen Respekt? IHRE mehrheitlich kriminellen Invasoren, die in
Deutschland vergewaltigen und morden werden noch als Opfer
“rechter Hetze“ in Schutz genommen. Wenn Sie Respekt wollen und
ein Gewissen besäßen, würden Sie sich selbst für Ihre Straftaten vor
Gericht verantworten. Sollte die Justiz nicht endlich Recht sprechen,
wird es das Volk übernehmen, denn alle Macht geht ausschließlich
vom Volk aus, und das Deutsche Volk ist IHR Chef! Sie sind ein
Niemand. Noch kein Bundeskanzler der BRD hat dem Deutschen
Volk je mit voller Absicht soviel Schaden und Leid zugefügt und war
so verhasst wie Sie, was Sie ja bei JEDER Wahlkampfveranstaltung
deutlich spürten. Ich wünsche mir nur eines für 2018, dass Sie und
Ihre gesamte Entourage wegen Ihrer ganzen Gesetzesbrüche vor
ein ordentliches Gericht gestellt werden und mindestens lebenslang
ins Gefängnis wandern. So einen Hochverrat am zu regierenden
Volk hat es in der Geschichte der BRD noch nie gegeben. Die
bezahlten, heuchlerischen Kommentatoren, die Ihnen noch den
Enddarm lecken, die nicht fähig sind eigenständig und klar zu
denken, können sich jegliche Lobhudelei auf Sie sparen, denn
solche Personen nimmt kein vernünftiger Mensch ernst. Ich verachte
Sie zutiefst und wünsche Ihnen Ihre gerechte Strafe.
Hochverachtungsvoll, die durch Ihre Stasikompanie, nun
EHEMALIGE Schauspielerin Silvana Heißenberg“

3. festzustellen, dass die am 17.01.2018 vorgenommene Sperrung des


Profils der Klägerin ( http://www.facebook.com/
Profile.php?id=1114669802) auf www.facebook.com rechtswidrig
war.

4, der Beklagten aufzugeben, den nachfolgend wiedergegebenen, am


17.01.2018 gelöschten Beitrag der Klägerin wieder freizuschalten:
„Wenn diese Asylschmarotzer wegen ihrer Vergehen angesprochen
werden, rasten sie mehrheitlich aus und kommen mit der
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 10/23

Rassismuskeule. Diese Personen haben hier nichts verloren, laut


Grundgesetz halten sich diese hier ALLE illegal auf
https://www.bayern-depesche.de/regional/m%C3%BCnchen-
afrikaner-ohne-s-bahn-ticket-rastet-aus-und-beleidigt-
bahnmitarbeiter-rassistisch.html.“

5. festzustellen, dass die am 24.03.2018 vorgenommene Sperrung des


Profils der Klägerin ( http://www.facebook.com/
Profile.php?id=1114669802) auf www.facebook.com rechtswidrig
war.

6. die Beklagte zu verurteilen, es zu unterlassen, die Klägerin für das


Einstellen des in Ziff. 2 und 4 genannten Texte auf
www.facebook.com erneut zu sperren oder den Beitrag zu löschen,
wenn er sich in Ziff. 2 auf eine Kritik an Angela Merkels Asylpolitik
bezieht und in Ziff. 4 auf eine illegale Einwanderung. Für den Fall der
Zuwiderhandlung wird ihr ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 €,
ersatzweise Ordnungshaft, oder Ordnungshaft angedroht,
Ordnungshaft zu vollziehen an den Vorständen.

7. die Beklagte zu verurteilen, der Klägerin Auskunft zu erteilen, ob die


Sperren gern. Ziff. 1, 3 und 5 durch ein beauftragtes Unternehmen
erfolgt, und in letzterem Fall, durch welches.

8. die Beklagte zu verurteilen, der Klägerin Auskunft zu erteilen, ob sie


konkrete oder abstrakte Weisungen, Hinweise, Ratschläge oder
sonst irgendwelche Vorschläge von der Bundesregierung oder
nachgeordneten Dienststellen hinsichtlich der Löschung von
Beiträgen und/oder der Sperrung von Nutzern erhalten hat, und ggf.
welche.

9. die Beklagte zu verurteilen, an die Klägerin Schadensersatz in Höhe


von 3.350,- € zzgl. Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über
dem Basiszinssatz aus 1.500,- € seit dem 19.03.2017 und aus
1.850,- € seit dem 26.07.2018 zu zahlen.

10. die Beklagte zu verurteilen, die Klägerin von Rechtsanwaltskosten

a. für die Einholung einer Deckungszusage für die Klageerwiderung


in Fall 1 in Höhe von 571,44 €
Z3.05.Z019-ll:56 0Z0Z498 3504 Landgericht Wuppertal S. 11/Z3

b. für die außergerichtliche Tätigkeit in Fall 2 in Höhe von 597,37 €


und

c. für die Einholung einer Deckungszusage für die außergerichtliche


Tätigkeit in Fall 2 in Höhe von 201,71 € und

d. für die Einholung einer Deckungszusage für die Klage in Fall 2 in


Höhe von 571,44 €

durch Zahlung an die Kanzlei REPGOW freizustellen.

Hilfsweise zu den Ziffern 1), 3) und 5) beantragt die Klägerin,

die Beklagte zu verurteilen, die Daten der Klägerin dahingehend zu


berichtigen, dass das Vorliegen eines Verstoßes gegen die
Nutzungsbedingungen durch die am 01.01.2018, 17.01.2018, 24.03.2018
gelöschten Beiträge aus dem Datensatz gelöscht wird und der Zähler, der die
Zahl der Verstöße erfasst, um jeweils einen Verstoß zurückgesetzt wird.

Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die
wechselseitigen, zur Gerichtsakte gelangten Schriftsätze der Parteien nebst Anlagen
verwiesen.

Entscheidungsgründe:

Die Klage hat keinen Erfolg.

Die Klage ist zulässig.

Das Landgericht ist als Wohnsitzgericht der Klägerin gemäß Art. 17 Abs. 1c, Abs. 2
i.V.m. Art. 18 Abs. 1 der Verordnung (EU) Nr. 1215/2012 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 12.12.2012 über die gerichtliche Zuständigkeit und
die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen
(EugVVO) international und örtlich zuständig. Der zwischen den Parteien
geschlossene Vertrag ist privatrechtlicher Natur, die Klägerin handelte als
Verbraucherin i.S.d. § 17 Abs. 1 c EugVVO i.V.m. § 13 BGB. Die Beklagte übt ihre
gewerbliche Tätigkeit im Hoheitsgebiet der Klägerin aus, sie hat in Irland und damit in
einem Mitgliedsstaat der EU eine Niederlassung i.S.d. Art. 17 Abs. 2 EugVVO. Nach
Art. 18 Abs. 1 EugVVO ist Gerichtsstand der Wohnsitz der Klägerin als
Verbraucherin ohne Rücksicht auf den Wohnsitz des Beklagten.
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 12/23

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Die sachliche Zuständigkeit des Landgerichts Wuppertal folgt aus dem Streitwert
gemäß §§ 1,3, 5 ZPO i.V.m. §§ 23 Nr. 1,71 Abs. 1 GVG.

Die Klageerweiterung vom 27.12.2018 ist gern. §§ 263, 264 Nr. 2 ZPO zulässig. Es
handelt sich dabei nicht um eine Klageänderung i.S.d. § 263 ZPO, sondern um eine
Erweiterung des Klageantrags in der Hauptsache nach § 264 Nr. 2 ZPO. Damit ist
weder die Einwilligung der Beklagten noch das Erachten der Sachdienlichkeit
erforderlich.

Die Feststellungsanträge zu 1), 3) und 5) sind zulässig. Zwar kann Gegenstand einer
Feststellungsklage i.S.d. § 256 ZPO grundsätzlich nur die Feststellung des
Bestehens oder Nichtbestehens eines gegenwärtigen Rechtsverhältnisses sein,
wenn der Kläger ein rechtliches Interesse an der begehrten Feststellung hat.

Entgegen der Auffassung der Beklagten beziehen sich die klägerischen


Feststellungsanträge jedoch nicht auf die Klärung abstrakter Rechtsfragen. Die
Klägerin nimmt in ihren Anträgen vielmehr Bezug auf die tatsächlich durch die
Beklagte veranlassten Beitragslöschungen und Kontosperrungen vom 01.01.2018,
16.01.2018 und vom 24.03.2018. Diese Beitragslöschungen und Kontosperrungen
sind konkrete Tatsachen und können damit Gegenstand der Feststellungsklage sein.
Ferner sind die Anträge zu 1), 3) und 5) nicht schon deshalb unzulässig, weil es sich
bei den Beitragslöschungen und Kontosperrungen um vergangene
Rechtsverhältnisse handelt. Zwar kann nach dem Wortlaut des § 256 ZPO
grundsätzlich nur ein gegenwärtiges Rechtsverhältnis Gegenstand der
Feststellungsklage sein. Die Norm ist jedoch nach Sinn und Zweck so auszulegen,
dass jedenfalls auch vergangene Rechtsverhältnisse der gerichtlichen
Überprüfbarkeit zugänglich sein müssen, wenn das vergangene Rechtsverhältnis
fortdauernde Auswirkungen auf die Gegenwart hat. Genau so verhält es sich im
vorliegenden Fall. Die Kontosperrungen wurden nach Ablauf der Sperrfrist von
jeweils 7 bzw. 30 Tagen wieder aufgehoben. Die Anzahl der Sperren wird jedoch im
System der Beklagten gespeichert. Die Dauer einer erneuten Nutzungssperre
bemisst sich dann an den bisher erfolgten Sperrungen und erhöht sich in zeitlicher
Hinsicht mit jeder weiteren Sperre.
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Die Klägerin hat im Hinblick auf Rechtssicherheit ein rechtliches Interesse an der
alsbaldigen Feststellung der Anträge zu 1), 3) und 5). Ein solches Interesse ist stets
gegeben, wenn dem Recht oder der rechtlichen Lage des Klägers eine gegenwärtige
Gefahr oder Unsicherheit droht und das erstrebte Urteil geeignet ist, diese Gefahr zu
beseitigen. Nach Auffassung der Klägerin waren ihre gelöschten und die die
Kontosperrungen ausgelösten Beiträge im Einklang mit den Nutzungsbedingungen
und Gemeinschaftsstandards der Beklagten. Die Klägerin möchte das soziale
Netzwerk auch in Zukunft nutzen und ihre Meinung durch Veröffentlichung von
eigenen Beiträgen und Kommentierungen fremder Beiträge nutzen. Zum
gegenwärtigen Zeitpunkt besteht jedoch Unsicherheit über die Zulässigkeit ihrer
gelöschten Beiträge und sie muss befürchten, dass Beiträge mit ähnlichen Inhalten
erneut gelöscht werden und eine Kontosperrung auslösen (vgl. auch LG Coburg,
Teilversäumnis- und Endurteil v. 30.01.2019 - 15 O 515/18). Auch ist ein einfacherer
Weg zum Klageziel nicht ersichtlich. Die Feststellungsanträge sind geeignet, den
Streit endgültig zu beenden.

Der mit Schriftsatz vom 23.01.2019 gestellte Hilfsantrag stellt aufgrund der
innerprozessualen Bedingung der Unbegründetheit des Hauptantrages eine
Klagehäufung i.S.d. § 260 ZPO dar. Der Hilfsantrag ist durch Zustellung des
Schriftsatzes gern. § 261 Abs. 2 Alt. 2 ZPO ordnungsgemäß rechtshängig gemacht
worden. Es handelt sich bei dem Hilfsantrag um eine Klageänderung i.S.d. § 263
ZPO, die Zulässigkeit der Klageänderung ergibt sich nicht bereits aus § 264 Nr. 2
oder Nr. 3 ZPO. Eine ausdrückliche Einwilligung i.S.d. § 263 Alt. 1 ZPO von Seiten
der Beklagten liegt nicht vor. Eine solche dürfte allerdings gemäß § 267 ZPO
vermutet werden, da sich die Beklagte in der mündlichen Verhandlung auf die
abgeänderte Klage rügelos eingelassen hat. Jedenfalls ist der Hilfsantrag aufgrund
der Sachdienlichkeit nach § 263 Alt. 2 ZPO als zulässig zu werten, da er für die
Erledigung des Rechtsstreits förderlich ist.

Der Antrag zu 6) stellt eine Unterlassungsklage dar. Als spezieller Form der
Leistungsklage ist die Unterlassungsklage zulässig. Eine mögliche Verletzung der
Klägerin in ihren Rechten als Verbrauchern bzw. in §§ 1004, 12 BGB analog ist nicht
von vornherein ausgeschlossen. Ein Rechtsschutzbedürfnis liegt mit der
Wiederholungsgefahr weiterer Beitragslöschungen und Kontosperrungen vor.
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Die Klage ist nicht begründet.

Sämtliche in Betracht kommenden Ansprüche der Klägerin scheitern daran, dass die
von der Beklagten vorgenommenen Beitragslöschungen und Kontosperrungen
rechtmäßig gewesen sind.

Die Anträge zu 1), 3) und 5) sind unbegründet. Der Klägerin steht unter keinem
rechtlichen Gesichtspunkt ein Anspruch auf Feststellung der Rechtswidrigkeit der
Kontosperrungen ihres Profils auf www.facebook.com vom 01.01.2018, 16.01.2018
und 23.04.2018 zu.

Ein solcher Anspruch ergibt sich insbesondere nicht aus dem zwischen den Parteien
geschlossenen Vertrag nach §§ 311 Abs. 1,241 Abs. 2 BGB i.V.m. den Ziffern 3.7,
5.2 und 14 der Nutzungsbedingungen i.V.m. den Gemeinschaftsstandards Teil III
Ziffer 12.

Auf das Vertragsverhältnis der Parteien findet gern. Art. 6 Abs. 1a Verordnung (EG)
593/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. Juni 2008 über das
auf vertragliche Schuldverhältnisse anzuwendende Recht (ROM I VO) das Recht der
Bundesrepublik Deutschland Anwendung (vgl. auch LG Cottbus Beschluss v.
1 2 .1 0 .2 0 1 3 -3 0 287/18).

Zwischen den Parteien besteht ein vertragliches Schuldverhältnis sui generis nach
§§ 311 Abs. 1, 241 Abs. 2 BGB. Die Beklagte ist verpflichtet, ihre Plattform u.a. für
die Veröffentlichung von Inhalten zur Verfügung zu stellen und im Gegenzug
berechtigt, die von dem Nutzer generierten Daten zumindest für Werbezwecke zu
nutzen (vgl. BGH Urteil v. 12.07.2018, Az. III ZR 183/17; LG Cottbus Beschluss v.
12.10.2013 - 3 0 287/18). Gemäß § 241 Abs. 2 BGB sind beide Vertragspartner
verpflichtet, Rücksicht auf die Rechtsgüter und Interessen des jeweils anderen Teils
zu nehmen. Die Klägerin hat sich bei Vertragsschluss dazu bereit erklärt, während
der Nutzung des sozialen Netzwerks keine Inhalte zu veröffentlichen, die gegen die
Richtlinien der Beklagten oder gegen sonstiges Recht verstoßen. Zu diesen
Richtlinien gehören auch die Nutzungsbedingungen und Gemeinschaftsstandards,
die unter anderem den respektvollen Umgang der Nutzer untereinander
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gewährleisten sollen. Die Gemeinschaftsstandards konkretisieren damit die


jeweiligen Rücksichtnahmerechte und -pflichten i.S.d. § 241 Abs. 2 BGB. In der
Rechtsprechung ist zudem anerkannt, dass dem Betreiber eines Internetforums ein
sogenanntes virtuelles Hausrecht zusteht (vgl. u.a. BGH Urteil v. 19.09.2003 - V ZR
319/01, BGHZ 156, 172-179). Diese Befugnis der Netzwerkbetreiberin, die sich auf
das Eigentums- und Besitzrecht stützt, umfasst auch das Recht, die Art und Weise
ihrer Nutzung zu bestimmen. Dies hat die Beklagte hier durch Erstellen der
Nutzungsbedingungen, zu denen auch die Gemeinschaftsstandards gehören, getan.

Die Gemeinschaftsstandards sind wirksamer Vertragsbestandteil geworden. Nach


gefestigter Rechtsprechung sind die Gemeinschaftsstandards der Beklagten als
Allgemeine Geschäftsbedingungen i.S.d. §§ 305 ff. BGB zu werten. Sie sind in der
aktuellen Form wirksam und verstoßen entgegen der Auffassung der Klägerin weder
gegen das Transparenzgebot nach § 307 Abs. 1 S. 2 BGB noch benachteiligen sie
die Nutzer der Plattform unangemessen i.S.d. § 307 Abs. 1 S. 1 BGB und verstoßen
damit nicht gegen die Gebote von Treu und Glauben. Ferner sind sie nicht nach §
305c BGB überraschend oder mehrdeutig (vgl. u.a. OLG Karlsruhe Beschluss v.
25.06.2018 - 15 W 86/17; LG Cottbus Beschluss v. 12.10.2013 - 3 0 287/18; LG
Siegen, Urteil v. 12.02.2019 - 5 0 71/18; LG Halle, Urteil v. 21.01.2019 - 6 0
250/18; LG Mannheim, Urteil v. 22.11.2018 - 3 0 83/18).

Die Gemeinschaftsstandards definieren in Teil III, Ziffer 12 „Hassreden“ unter


anderem „als Inhalte, die Personen aufgrund der folgenden Eigenschaften direkt
angreifen: Rasse, Ethnizität, Nationale Herkunft, Religiöse Zugehörigkeit, Sexuelle
Orientierung (...). Auch Einwanderungsstatus ist in gewissem Umfang eine
geschützte Eigenschaft.“ Hassreden sind bei der Nutzung der Facebook-Dienste als
anstößige Inhalte grundsätzlich verboten, da sie ein Umfeld der Einschüchterung
schaffen, Menschen ausschließen und unter Umständen Gewalt in der realen Welt
fördern können (vgl. Anlage B6 & B20, Anlagenband). Entgegen der Auffassung der
Klägerin wird auch der Begriff eines direkten Angriffs „als gewalttätige oder
entmenschlichende Sprache, Aussagen über Minderwertigkeit oder Aufrufe,
Personen auszuschließen oder zu isolerien“ konkret präzisiert, so dass es einem
durchschnittlichen Nutzer anhand der genannten Kriterien möglich ist, zu erkennen,
welche Inhalte von der Beklagten toleriert werden. Ferner erfolgt eine detaillierte und
verständliche Beschreibung und beispielhafte Aufzählung von möglichen
Angriffsformen unterteilt in drei Schweregrade.
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 16/23

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Weder aus den wirksam vereinbarten Gemeinschaftsstandards noch unter


Berücksichtigung der zwischen Privaten jedenfalls mittelbar geltenden Grundrechte
ergibt sich, dass die Kontosperrungen vom 01.01, 16.01 oder 24.03.2018
rechtswidrig gewesen sind und die Klägerin in ihrem Recht auf
Meinungsäußerungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG verletzt haben.

Die Beklagte war aufgrund der Ziffern 3.7, 5.2 und 14 der Nutzungsbedingungen
i.V.m. Teil III Ziffer 12 der Gemeinschaftsstandards berechtigt, die Beiträge der
Klägerin zu löschen und ihr Konto jeweils dreimal mit ansteigender Dauer
vorübergehend zu sperren.

Bei dem streitgegenständlichen ersten Beitrag vom 01.01.2018 handelt es sich


zweifelsfrei um eine Hassrede i.S.d. Ziffer 12 der Gemeinschaftsstandards, Teil III.
Die Voraussetzungen eines direkten Angriffs auf in Deutschland lebende
Asylflüchtlinge als eine bestimmte Personengruppe aufgrund der geschützten
Eigenschaften der ethnischen Zugehörigkeit, nationalen Herkunft und
Einwanderungsstatus liegen vor. Aufgrund ihrer Wortwahl ist der Beitrag als
entmenschlichende Sprache zu werten und impliziert damit eine Minderwertigkeit
dieser Personen. Der Beitrag der Klägerin war geeignet, die betroffene
Personengruppe von der Gesellschaft auszuschließen und zu isolieren. Mit den
Formulierungen „illegale Asylschmarotzer“ , „IS-Terroristen“ , „Schwerverbrecher“',
„kulturfremde Invasoren“, „kriminelle Invasoren“ und der Beschreibung des
Verhaltens dieser Menschen „die täglich Gewaltverbrechen begehen“ sowie der
Notwendigkeit öffentliche Veranstaltungen nun massiv sichern, einzäunen und durch
Polizisten mit Maschinengewähren sichern und Schutzzonen für Frauen einrichten zu
müssen, damit diese nicht länger Opfer von sexuellen Übergriffen würden hat, die
Klägerin klar und eindeutig ihre Verachtung gegen diese Personengruppe zum
Ausdruck gebracht und direkte, unmissverständliche Äußerungen über die nationale
Herkunft und ethnische Zugehörigkeit und einer damit verbundenen Minderwertigkeit
von in Deutschland lebenden Asylflüchtlingen getätigt. Nach der Ansicht der Klägerin
seien alle Asylflüchtlinge Schwerverbrecher, die in Deutschland Straftaten begehen
würden. Zudem behauptet sie mit der Formulierung „Asylschmarotzer“, dass diese
Personen alle unberechtigterweise Sozialversicherungsleistungen von der
Bundesrepublik Deutschland in Anspruch nehmen würden und impliziert damit
moralische Defizite der Asylflüchtlinge. Der von der Klägerin verfasste und auf der
Profilseite der Bundeskanzlerin Angelika Merkel veröffentliche Brief fällt auch nicht
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 17/23

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mehr unter die nach den Gemeinschaftsstandards zulässige Kritik über


Einwanderungsgesetze und Diskussionen über die Einschränkung dieser Gesetze.

Der streitgegenständliche zweite Beitrag vom 16.01.2018 stellt ebenfalls zweifelsfrei


eine „Hassrede“ i.S.d. Ziffer 12 der Gemeinschaftsstandards, Teil III dar. Auch in
diesem Beitrag verwendet die Klägerin erneut die Formulierung „Asylschmarotzer“
und beschreibt ein angebliches Verhalten aller Asylflüchtlinge: „wenn diese
Asylschmarotzer wegen ihrer Vergehen angesprochen werden, rasten sie
mehrheitlich aus und kommen mit der Rassismuskeule“. Auch bezieht sie sich mit
der Äußerung, dass diese Personen sich „laut Grundgesetz alle illegal“ in
Deutschland aufhalten würden, auf den Einwanderungsstatuts dieser
Personengruppe, welcher ebenfalls eine nach den Gemeinschaftsstandards
geschützte Eigenschaft darstellt. Ihre bewusst gewählte Wortwahl drückt ihre
Verachtung gegenüber allen in Deutschland lebenden Asylflüchtlingen aus. Ihr
Beitrag ist als klare Absicht zu werten, Fremdenfeindlichkeit und Verachtung
gegenüber Asylflüchtlingen in Deutschland zu verbreiten. Es handelt sich bei dem
klägerischen Beitrag um einen direkten Angriff auf die ethnische Zugehörigkeit,
nationale Herkunft und den Einwanderungsstatus, der geeignet ist, ein Umfeld der
Einschüchterung zu schaffen, eine ganze Personengruppe zu isolieren und von der
Gesellschaft auszuschließen. Auch wenn die Klägerin am Ende ihres Beitrages einen
Link über einen aus Eritrea stammenden Schwarzfahrer angehängt hat, der
gegenüber dem Bahnpersonal und anderen Passagieren handgreiflich wurde, stellt
ihr Beitrag einen generell verachtenden Bezug zu Asylflüchtlingen im Allgemeinen
dar. Sie nimmt inhaltlich keinen Bezug zu dem verlinkten Inhalt, so dass ihr Beitrag
sich nicht nur gegen einen speziellen Einzelfall richtet. Im Hinblick auf die
verwendete Formulierung „Asylschmarotzer“ ist entgegen der Auffassung der
Klägerin vorliegend auch keine vergleichbare Situation mit der Verwendung der
Begrifflichkeit während einer Rede im Landtag gegeben. Bei der Beklagten handelt
es sich um eine privatrechtliche Gesellschaft, die selbst grundrechtsberechtigt aber
nicht grundrechtsverpflichtet ist.

Hinsichtlich des dritten streitgegenständlichen Beitrags der Klägerin war dieser als
Verstoß gegen eine „Hassrede“ i.S.d. Ziifer 12 der Gemeinschaftsstandards, Teil III
zu verstehen. Als direkter Angriff auf die ethnische Zugehörigkeit, die nationale
Herkunft und den Einwanderungsstatus war die Löschung des Beitrages rechtmäßig.
Die Klägerin impliziert mit ihrer Aussage, die Mehrheit der Migranten sei kriminell, die
Minderwertigkeit einer bestimmten Personengruppe und unterstellt dieser moralische
Defizite. Diese Formulierung stellt einen Verstoß nach dem Schweregrad 2 der
Z3.05.Z019-ll:56 020Z498 3504 Landgericht Wuppertal 8. 18/Z3

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Gemeinschaftsstandards dar und ist geeignet, Migranten als Personengruppe in der


Gesellschaft zu isolieren.

Auch der vierte streitgegenständliche Beitrag der Klägerin war als Verstoß gegen
eine „Hassrede“ i.S.d. Ziffer 12 der Gemeinschaftsstandards, Teil III zu werten. In
den Gemeinschaftsstandards wird ausdrücklich darüber aufgeklärt, dass die Teilung
von veröffentlichten Beiträgen Dritter, die eine Hassrede enthalten, zulässig sein
könne, wenn der Nutzer mit dem Teilen des Beitrages beabsichtige, für ein
bestimmtes Thema zu sensibilisieren oder Aufklärung zu leisten. Dies setze
allerdings voraus, dass Worte oder Begriffe, die ansonsten gegen die Standards der
Beklagten verstoßen würden, erklärend oder als Ausdruck von Unterstützung
verwendet werden. In diesem Fall sei jedoch für ein zulässiges Teilen eines solchen
Beitrages erforderlich, dass der Nutzer seine Absicht hinter dem Teilen deutlich
mache, so dass die Beklagte den Hintergrund besser verstehen und einordnen
könne. Sei diese Absicht jedoch unklar, könne der Inhalt unter Umständen entfernt
werden. Im Hinblick auf den streitgegenständlichen vierten Beitrag hat die Klägerin
deutlich erkennbar einen Beitrag eines Dritten auf ihrem eigenen Profil geteilt. Der
geteilte Inhalt stellt eine Hassrede nach Ziffer 12, Teil III der Gemeinschaftsstandards
dar. Er ist als direkter Angriff auf die nationale Herkunft und insbesondere als
gewalttätige und entmenschlichende Äußerung durch Anspielungen bezüglich
Gewalt- und Sexualstraftätern zu werten. Darüber hinaus implizierte der Verfasser
dieses Beitrags mit seiner Äußerung, dass deutsche Staatsbürger geistige und
moralische Defizite aufweisen würden. Die Klägerin hat dessen Beitrag zwar insofern
kommentiert, als dass sie den Screenshot mit drei wütenden Emojis versehen hat.
Die von der Klägerin gewollte Distanzierung zu dem geteilten Inhalt durch die
Kommentierung mit den W ut ausdrückenden Emojis ist für das Gericht zwar
erkennbar. Das Verwenden von Emojis ohne den geteilten Beitrag mit eigenen
Worten zu kommentieren, kann jedoch entgegen der Auffassung der Klägerin nicht
als ausreichend im Sinne der oben wiedergegebenen Gemeinschaftsstandards
bezüglich des Teilens von Beiträgen anderer Nutzer erachtet werden. Ferner
erforderlich wäre gewesen, den geteilten Beitrag durch weitere Worte oder Begriffe
zu kommentieren, sofern die Klägerin beabsichtigt habe, auf das konkrete Thema zu
sensibilisieren oder in einer erklärenden Weise darauf aufmerksam zu machen, um
aktiv gegen die geteilte Hassrede vorzugehen und ihre Meinung diesbezüglich zu
äußern. Das Verwenden von Emojis kann nicht als ausreichend gewertet werden, um
sowohl einerseits für andere Nutzer als auch andererseits für die Beklagte die
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal 8. 19/23

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Meinung der Klägerin objektiv nach außen hin und für jedermann verständlich zu
machen. Em ojissind bloße Symbole, um Emotionen auszudrücken. Bei der Deutung
der verwendeten Emojis besteht ein weiterer Interpretationsspielraum. Es gibt nicht
nur eine Interpretationsmöglichkeit für einen speziellen Emoji, so dass die
beabsichtigte Botschaft hinter dem Emoji von verschiedenen Personen
unterschiedlich verstanden werden kann. Sie sind somit nicht alleine geeignet, über
Missstände aufzuklären oder auf sensible Themen in der Gesellschaft aufmerksam
zu machen. Mangels hinreichend sachlicher Distanzierung der Klägerin war die
Beklagte berechtigt, den geteilten Beitrag zu löschen. In diesem Zusammenhang ist
für die Rechtmäßigkeit des Löschens auch unerheblich, dass anhand subjektiver
Kriterien hätte erkennbar sein können, dass die Klägerin sich als Deutsche und
insbesondere als Frau von dem geteilten Beitrag angegriffen gefühlt und den Beitrag
deshalb mit wütenden Emojis versehen haben könnte. Denn das Löschen des
Beitrags hatte aufgrund des verbotenen Inhalts einer Hassrede einzig und allein den
Zweck, innerhalb der Facebook-Community dafür zu sorgen, einem Umfeld der
Einschüchterung und der Isolation von Menschen sowie potentieller
Gewalttätigkeiten in der realen Welt entgegenzuwirken und das Bekämpfen von
Hassreden auf dem von der Beklagten betriebenen Netzwerk zu fördern.

Ferner verkennt das Gericht nicht, dass sich das Verbot von „Hassreden“ in Ziffer 12,
Teil III der Gemeinschaftsstandards auf die Meinungsfreiheit der Klägerin auswirkt.
Unter Berücksichtigung der mittelbaren Wirkung der Grundrechte und insbesondere
der Meinungsfreiheit der Klägerin nach Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG kommt das Gericht zu
keinem anderen Ergebnis. Zwar sind die Beiträge der Klägerin vom Schutzbereich
des Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG erfasst. Allerdings sind bei der Bestimmung der mittelbaren
Drittwirkung der Grundrechte auf Privatrechtsverhältnisse die Grundrechte sämtlicher
Vertragsparteien gegeneinander abzuwägen. Die dabei kollidierenden
Grundrechtspositionen sind in ihrer Wechselwirkung so zu erfassen, dass sie für alle
Beteiligten möglichst weitgehende Geltung erhalten. Eine Interessenabwägung
zwischen den kollidierenden Grundrechtspositionen geht vorliegend zulasten der
Klägerin. Ihr Recht auf Meinungsäußerungsfreiheit muss hinter den ebenso
geschützten Interessen der Beklagten sowie der anderen Nutzerzurücktreten.

Das Recht auf Meinungsfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG gilt insofern nicht
schrankenlos, sondern wird gern. Art. 5 Abs. 2 GG durch die allgemeinen Gesetze
und das Recht der persönlichen Ehre beschränkt. Hierzu gehört auch das
vertragliche Rücksichtnahmegebot nach § 241 Abs. 2 BGB. Ein Facebook-Nutzer hat
nach der getroffenen Vereinbarung keinen Anspruch darauf, jeden beliebigen Inhalt
Z3.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 20/23

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auf dem sozialen Netzwerk zu verbreiten. Die Gemeinschaftsstandards müssen nicht


gewährleisten, dass Beiträge, die vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt sind,
nicht von der Kommunikationsplattform der Antragsgegnerin entfernt werden. Das
Grundrecht auf Meinungsfreiheit gibt grundsätzlich keinen Anspruch darauf, dass
demjenigen der eine Meinung kundtun will, Mittel zur Meinungskundgabe zur
Verfügung gestellt werden. Es besteht kein Anspruch auf Zugang zu bestimmten
Medien. Ein verfassungsrechtlicher Leistungsanspruch auf aktive Unterstützung bei
der Meinungskundgabe besteht schon nicht gegenüber staatlichen Stellen und umso
weniger gegenüber Privaten. Soziale Netzwerke wie die der Beklagten sind auch
nicht mit öffentlich zugänglichen Einrichtungen gleich zu stellen, die als Forum
öffentlicher Meinungsäußerung jedem zugänglich sein müssen. Vielmehr erfolgt eine
zulässige Beschränkung der Nutzung von sozialen Netzwerken bereits durch den in
den Nutzungsbedingungen vorgegebenen Nutzungszweck. (OLG München
Beschluss vom 30.11.2018 - 24 W 1771 /18).

Bei der Abwägung zu berücksichtigen sind ferner die Eigentumsfreiheit nach Art. 14
Abs. 1 GG und die Berufsfreiheit nach Art. 12 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 56 Abs. 1,62, 54
AEUV der Beklagten. Auch auf die Persönlichkeitsrechte der anderen Nutzer nach
Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG und insbesondere der durch die Beiträge der
Klägerin in ihrer Menschenwürde gemäß Art. 1 Abs. 1 GG persönlich betroffenen
Asylflüchtlinge, deren Schutz die Gemeinschaftsstandards der Beklagten dienen,
sind in die Abwägung miteinzubeziehen (vgl. auch LG Augsburg Beschluss vom
24.10.2018 022 O 3250/18; LG Hamburg Beschluss vom 02.11.2018 - 326 O
138/18).

Beiträge, die Hassreden zum Inhalt haben, wirken auf die gesamte Facebook-
Community einschüchternd, insbesondere auf die davon persönlich betroffenen
Personen. Wären solche Inhalte auf dem Netzwerk der Beklagten erlaubt, würden
sich die Opfer von hassredebehafteten Beiträgen gezwungen sehen, das soziale
Netzwerk zu meiden, um keine weiteren Übergriffe auf ihre Menschenwürde erleiden
zu müssen (s. a. OLG Stuttgart Beschluss v. 06.09.2018 4 W 63/18 Rn. 73).

Es ist daher objektiv gerechtfertigt, nicht willkürlich und rechtlich zulässig, einen
Nutzer vorrübergehend zu sperren, selbst wenn der jeweilige streitgegenständliche
Inhalt von der Meinungsfreiheit geschützt sein sollte (LG Frankfurt, Beschluss v.
10.09.2019 - 2-03 0 310/18). Dies gilt insbesondere auch für Fälle, in denen das
Verhalten des Äußernden geeignet ist, eine weitere sachliche Diskussion zu
verhindern bzw. andere Nutzerfernzuhalten (VG München MMR 2018, 418 Rz. 27).
Z3.05.Z019-ll:56 0Z0Z498 3504 Landgericht Wuppertal S. Z1/Z3

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Nach Auffassung des Gerichts sind die ersten zwei der vier streitgegenständlichen
Beiträge der Klägerin vom 01.01 und vom 17.01.2018 nicht einmal von der Freiheit
der Meinungsäußerung gedeckt. Es handelt sich vielmehr um unzulässige
Schmähkritik. Schmähkritik genießt nicht den Schutz nach Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG.
Schmähkritik setzt voraus, dass jenseits auch polemischer und überspitzter Kritik
nicht mehr die Auseinandersetzung mit der Sache, sondern allein die Diffamierung
einer Person oder Bevölkerungsgruppe im Vordergrund steht. Die Beiträge der
Klägerin beinhalten eine direkte Diffamierung aller in Deutschland lebenden
Asylflüchtlinge als „Asylschmarotzer“ und „Schwerverbrecher“, vor denen die
Deutschen geschützt werden müssten. Die Grenze zur zulässigen
Meinungsäußerung wurde dabei überschritten, da es der Klägerin bei ihren
Äußerungen nicht mehr um die Auseinandersetzung in der Sache selbst ging.
Vielmehr steht die Diffamierung dieser Personengruppe ersichtlich im Vordergrund.
Diese im Wesentlichen auf Schmähkritik und Diffamierung zielende Darstellung ist
zum einen nicht mehr vom Recht auf Meinungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG
gedeckt und zum anderen eindeutiger und eklatanter Verstoß gegen die wirksamen
Nutzungsbedingungen der Beklagten gemäß § 241 Abs. 2 BGB. Dies kann letztlich
jedoch dahinstehen, da die Beklagte nach ihren Nutzungsbedingungen auch
Beiträge unterhalb der Schwelle unzulässiger Meinungsäußerungen i.S.d. Art. 5 Abs.
1 S. 1 GG bei Vorliegen berechtigter Gründe löschen kann (vgl. OLG München,
Beschluss v. 30.11.2018 - 24 W 1771/18; LG Siegen, Urteil v. 12.02.2019 - 5 0
71/18). Damit kommt es hinsichtlich des dritten und vierten Beitrags für die
Rechtmäßigkeit der Löschung und Sperrung nicht darauf an, dass diese als noch
zulässige Meinungsäußerungen zu werten sind. Die Beiträge der Klägerin waren
insgesamt geeignet, den Diskussionsverlauf im Netzwerk der Beklagten nachhaltig
zu stören und andere Nutzer von einer weiteren Beteiligung und Diskussion
abzuhalten sowie die Ausgrenzung der Ausländer und insbesondere der
Asylflüchtlinge in der Gesellschaft zu fördern, sodass die vorzunehmende Abwägung
hierzu Lasten der Klägerin geht.

Die Beklagte war dazu berechtigt, nach den Ziffern 3.7, 5.2 und 14 der
Nutzungsbedingungen die von der Klägerin veröffentlichten Beiträge und
Kommentare zu löschen und ihr Konto durch Versetzen in den „read-only"-Modus
vorübergehend zu sperren. Durch das Veröffentlichen und Teilen von Hassrede­
behafteten Inhalten hat die Klägerin gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen und
die Beklagte - aufgrund einer möglichen eigenen Haftung nach § 4 NetzDG oder als
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 22/23

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mittelbare Störerin bezüglich unerlaubter Handlungen in Anspruch genommen zu


werden - einem nicht (länger) tolerierbarem rechtlichem Risiko ausgesetzt.

Die Anträge zu 2) und 4) sind unbegründet. Der Klägerin steht mangels


Rechtswidrigkeit der Kontosperrungen auch kein Anspruch auf Wiederherstellung der
gelöschten Beiträge vom 01.01, 16.01 und 24.03.3018 zu.

Der hilfsweise gestellte Antrag zu den Anträgen 1), 3) und 5) ist aus den oben
genannten Gründen ebenfalls unbegründet. Der Klägerin steht kein Anspruch auf
Zurücksetzung des Zählers bezüglich der bereits begangenen Verstöße zu, denn die
Beitragslöschungen und Kontosperrungen waren aufgrund der Verstöße gegen die
Gemeinschaftsstandards rechtmäßig.

Ferner stehen der Klägerin aus den genannten Gesichtspunkten auch keinerlei
Unterlassungs-, Auskunfts-, Schadens- und Schmerzensgeldansprüche gegen die
Beklagte zu.

Der Antrag zu 6) ist unbegründet. Die Klägerin hat gegen die Beklagte insbesondere
keinen Anspruch auf Unterlassung einer künftigen Löschung und Sperrung bei
Wiederveröffentlichung der in Ziffer 2 und Ziffer 4 wiedergegebenen Inhalte aus §§
311 Abs. 1,241 Abs. 2 i.V.m. §§ 1004, 12 BGB (analog).

Die Anträge zu 7) und 8) sind unbegründet. Ein Auskunftsanspruch ergibt sich weder
aus § 823 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs. 1 GG noch aus Art. 15 DSGVO. Ein
Auskunftsanspruch käme allenfalls nach § 242 BGB in Betracht. Voraussetzung
hierfür wäre jedoch, dass ein konkreter Anspruch der Klägerin gegen einen Dritten
besteht. Einen solchen Anspruch hat die Klägerin schon nicht substantiiert dargelegt.
Überdies hat die Beklagte den Anspruch mit der im Prozess erfolgten
Auskunftserteilung jedenfalls erfüllt.

Der Antrag zu 9) ist unbegründet. Ein Anspruch auf Zahlung eines Schadensersatzes
bzw. einer angemessenen Entschädigung in Geld besteht nach den bisherigen
Urteilsgründen unter keinem rechtlichen Gesichtspunkt. Die Beklagte war zur
Löschung und Sperrung berechtigt.

Der Antrag zu 10) ist unbegründet. Der Klägerin steht kein Anspruch auf Freistellung
der vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten aus §§ 280 Abs. 1, 249 BGB zu. Eine
haftungsbegründende Vertragsverletzung der Beklagten liegt aufgrund der
rechtmäßigen Kontosperrungen nicht vor.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 91 Abs. 1 S. 1 ZPO, die Entscheidung über die
vorläufige Vollstreckbarkeit ergibt sich aus § 709 ZPO.
23.05.2019-11:56 0202498 3504 Landgericht Wuppertal S. 23/23

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Der Streitwert wird gern. §§ 48 Abs. 1 S. 1, 63 Abs. 2 S. 1 GKG wegen des im


Wesentlichen einheitlichen wirtschaftlichen Interesses auf 13.000,- € festgesetzt. Er
setzt sich wie folgt zusammen:

- Für die Klageanträge zu 1), 3) und 5): jeweils 1.500,- €

- Für die Klageanträge zu 2) und 4): jeweils 1.500,- €

- Für den Klageantrag zu 6 ): 1.500,- €

- Für die Klageanträge zu 7) und 8): jeweils 500,- €

- Für den Klageantrag zu 9): 1.500,- €

- Der Klageantrag zu 10) hat keinen eigenen Wert gern. § 4 Abs. 1 S. 1 Hs. 2 ZPO

- Für den Hilfsantrag zu den Anträgen zu 1), 3) und 5) gern. § 45 Abs. 1 S. 2 GKG:
1.500,- €

Dr. Zwermann-Milstein

Beglaubigt
Urkundsbeamter/in der Geschäftsstelle
Landgericht Wuppertal